Aasgeier wurden sie gerufen, nun vielleicht traf diese Betitelung auch in einem gewissen Rahmen zu.
Geraume Zeit nun schon beobachtete der Rabe vom Dachsims aus das Treiben in den Straßen Bajards, betrachtete Menschen um Menschen einen stetigen, nie enden wollenden Strom an Gesichtern. Doch immer wieder gab es da vereinzelte Gesichter, die nicht mit dem nächsten Lidschlag dem Gedächtnis entschwunden waren, Gesichter in denen sich Besonderheiten Abzeichneten, waren es nun die Augen, welche Zielstrebig voran blickten, waren es Lippen die ein unschuldiges Lächeln formten oder die Wangen die ihm seinen Markanten Ausdruck verliehen.
Ja, in Gesichtern konnte man vieles über die Menschen erfahren, wenn man verstand darin zu lesen. Wie viel Zeit hatte er schon damit verbracht, das schwierige Schriftbild des menschlichen Gesichtes zu entschlüsseln, darin zu lesen und jene zu wählen, die er für geeignet hielt, für etwas besonderes, um seinem Herren einwenig Abwechslung auf dem Speiseplan bescheren zu können.
Die Stunden zogen dahin, doch er war geduldig, eine Eigenschaft die er sich über die Jahre hinweg angeeignet hatte, denn nur ein geduldiger Jäger war ein erfolgreicher Jäger.
So hatte er auch an diesem Abend sein auserwähltes Opfer gefunden, und als dies geschehen war begann der Bau seiner kleinen Falle, so simpel und doch effektiv begab er sich vor die Stadt, er wusste er würde nur einwenig warten müssen, denn seine kleine Marionette würde den Rest für ihn übernehmen.
Unauffällig in grauen-blauen Gewändern hielt er sich am Wegesrand, sein kleines Theater hatte bereits begonnen und die gewünschte Person in ihren Bann gezogen. Er musste behutsam vorgehen, seine, ihm von Krathor verliehenen Fähigkeiten waren selbst nach so langer Zeit, in der er ihm schon zu diensten war noch sehr gering, vermutlich machte es ihm Freude seine Jünger von einer Probe in die nächste stolpern zu lassen, ihm Steine in den Weg zu werfen und seinen Glauben zu prüfen, würde er an seinen Aufgaben wachsen erhielt er einen nur umso gefährlicheren Seelensammler, würde er scheitern, reihte er sich in die verlorenen Seelen ein, die verschlungen wurden um den Dämon mit Kraft zu erfüllen, wie lange es wohl noch dauern würde bis er stark genug währe sich der Lichtbringerin endlich zu stellen? Doch seine Gedanken schweiften davon,. Seine Kreatur ging gerade von drei Pfeilen durchbohrt zu Boden und längst hatte er seine Position verändert, denn sein gewähltes Ziel war an Ort und Stelle.
Es war dessen Neugier, die es zu ihm führte, ihm einem dunklen Schatten zwischen den Bäumen und Farnen am Waldrand, ihm dem dunklen Seelensammler Krathors. Alles war so vollkommen perfekt, so einfach diese junge naive Seele war nur Handbreit von ihm entfernt wer würde es ihm nun noch verwehren diese Köstlichkeit an seinen Herren zu überstellen?
“Weshalb, weshalb verschmähst du scheinbar einfachen, schnellen Appetithappen, warst du ihrer bereits so überdrüssig das es dir Freude bereitet deine ergebenen Diener in Frustration zu stürzen oder berauschst du dich an ihrem Adrenalin”, rauschte es ihm durch den Kopf als der Priester die Bühne dieses bislang so zwischenfallslosen Stückes betrat.
Wie er sie verabscheute, diese Speichellecker der lichten Götter, diese predigenden Waschlappen, als der erste Schock verflog wusste er was zu tun währe, er würde erst dieses lästige Hindernis über winden müssen, ehe er an sein eigentliches Ziel herankam, und wie erfrischend aufbrausend jenes junge gemüt doch war, fehlte ihm im Augenblick nur leider die nötige ruhe jenes auszukosten.
Was folgte, war was folgen musste ein Abschätzen der Fähigkeiten, ein erproben der gegenseitigen Kräfte und dann, der Kampf kurz präzise und von beiden Seiten gleichermaßen unnachgiebig, trafen die Wuchtigen Schläge dieser plumpen Waffe die der Priester führte. Fanden einen Weg um die enge Deckung des Rabenpriesters und brachten dessen Körper unter ihrer Wucht zum Erbeben.
Und dann, eine Finte, ein Stoß und sein schlanker, tödlicher Rapier fand seinen Weg ins süße Fleisch des Priesters, und jener ging scheinbar unter Schmerzen zu Boden.
Nun sollte es schnell gehen, der Körper berauscht vom Kampf seine Gedanken trunken von Körpereigenen Rauschmitteln wand er sich noch im Augenblick des Niedersinkens von seinem Gegner ab, er würde keine zeit mit ihm verschwenden, dafür war der Augenblick zu wertvoll denn nun würde das süße Blut des jungen Geschöpfes folgen, nun sollte es vergossen werden zu Wohle….
Schmerzen, die Welt drehte sich von einem Lidschlag zum nächsten kam er den steinigen Boden auf sich zurasen, und noch ehe er recht begriff was geschehen war erfasste ihn das vorüber galoppierende Pferd auf welchem sich sein Junges Opfer befand. Sie hatte eine überraschende Attacke des Priesters ausgenutzt und den Rabenjünger noch einige Meter über den Boden geschleudert als jener durch einen Keulenhieb in den Rücken überrascht wurde, scheinbar war die Verletzung die er dem Priester beigebracht hatte nicht annähernd so ernst wie er hoffte und hier rächte sich nun seine Nachlässigkeit. Triumphierend harrte der Priester über dem liegenden, und forderte seinen Rückzug.
Welch bittere Enttäuschung, welch bittere Niederlage und einmal mehr verfluchte er sich, sich und Kra`thors Ignoranz er könnte ihm so viel besser, so viel intensiver dienen, würde er ihm nur etwas mehr Macht zugestehen, er wusste er war bereit, er wusste er währe in der Lage dazu sie bedacht einzusetzen, aber so blieb ihm an diesem Abend nicht mehr als seine Niederlage hinzunehmen, sich seine Wunden zu lecken und seine Augen voran zu richten, nach vorn, auf seine Arbeit und seine Jagt, denn vor allem anderen war er eines. Ein Seelenfänger im Dienste des Raben!
Eine Nacht im Leben eines Seelenfängers
- Drakhon Sokarth
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