Eine neue Ordnung

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Der Erzähler

Eine neue Ordnung

Beitrag von Der Erzähler »

Es dauerte eine Weile, bis sein Verstand die Beständigkeit der Worte akzeptierte. Egal wie lange der Herzog vom Eirensee die Buchstaben noch anstarren würde.

Von massiven Verbänden des Feindes zurückgedrängt und zerschlagen…Widerstand praktisch erloschen…Feind sprengt die Mauern…die Hauptstadt geschändet und verloren.
Nur kurz hielt das blanke Entsetzen den Adligen in Besitz. Noch während sein Körper durch die Fassungslosigkeit gelähmt war, begann sein Geist die weitere Bedeutung der Niederlage zu ergründen. Der Verlust Varunas würde das Reich bis ins Mark treffen. Nichts würde mehr sein wie es war. Der Verlust einiger unbedeutender Niederlagen an das alatarische Reich war wie ein Dornstich im Fleisch der Menschen gewesen. Der Verlust Varunas aber würde jeden Reichsbürger wie ein Dolch ins Herz treffen und das ganze Reich auf eine Zerreißprobe stellen. Viel Zeit würde die Nachricht seines Informanten in Hohenfels dem Herzog nicht bringen. Er musste nun die weiteren Schritte überlegen. Eines war Theobald Zirius Archimbar vom Eirensee aber sofort klar. Die Gräfin vom Sternwall hatte versagt. Ob sie das wirklich hatte war in diesem Moment unerheblich. Die Geschichte schrieb immer der Gewinner. Und der Herzog würde nicht als der der Verantwortliche des Verlusts von Varuna in die Geschichtsbücher eingehen. Dafür würde er als erstes Sorgen müssen.

Wie einfach es doch war…Hier und dort ein paar Bemerkungen über die mangelnden Berichte aus der Grafschaft. Ein Gespräch mit einem Beisitzer des Kronrats auf dem Gang, wo man das Gegenüber daran erinnert schon damals gesagt zu haben, der Gräfin mangele es an der Erfahrung mit solch einer gespannten Situation. Zwar hatte man niemals derartiges gesagt, aber dies wusste das Gegenüber ja nicht. Genauso wenig das Varuna verloren war. Ein wenig fieberte der Herzog dem Ereignis schon entgegen. Die offizielle Meldung der Niederlage würde den ganzen Hof erschüttern. Möglichkeiten, die zuvor außerhalb der Reichweite lagen, waren auf einmal zum greifen nah. Geschickt suchte der Herzog sich die günstigsten für ihn aus und wog jeden Schritt genau ab.

Theobald spielte seine Rolle perfekt. Die Bestürzung und der Schmerz in seinen Zügen sollen für die Anwesenden körperlich spürbar gewesen sein, als der Unheilsbote die Nachrichten aus der Provinz bekanntgab. Jetzt war es an der Zeit den Stein ins Rollen zu bringen! Einen Moment noch genoss der Herzog die allgemeine Betroffenheit, dann begann er zu handeln. Theobald schickte seine Diener los, die anderen Mitglieder des Kronrates zu suchen. Noch bevor der Rat zusammentrat, sprach man im Schloss vom Herzog, der trotz unendlicher Bestürzung über die Niederlage als Einziger sofort handelte, um das Reich zu schützen.

Das Holz knirschte, als der Hand des Herzogs mit voller Wucht auf die glatte Oberfläche des Schreibtisches schlug. Alles hatte so begonnen wie Theobald es vorhergesehen hatte. Im Rat hatte man die spärlichen Informationen ausgewertet. Schnell waren die anderen Mitglieder vom Versagen der Gräfin überzeugt. Ihr hatte man die ganze Schuld für die Niederlage gegeben. Da hatte der Herzog noch innerlich gelacht. Was nicht ein paar gut gestreute Gerüchte im richtigen Moment alles bewirken konnten. Man war einstimmig der Meinung, die Gräfin von ihrem Posten zu entheben und sie zu ersetzen. An diesem Punkt aber begann der Plan des Herzogs aus dem Ruder zu laufen. Niemand hatte damit gerechnet. Auch Theobald nicht…als die Diener aber den Kronprinzen ankündigten warnte irgendetwas im Inneren Theobald bereits. Ador persönlich wollte an der Ratssitzung teilnehmen. Sowas gab es bisher noch nicht.
Man begann über einen geeigneten Nachfolger für die Gräfin vom Sternwall zu reden. Natürlich wurde der Kandidat des Vorsitzenden am Ende für die Aufgabe als geeignetsten gesehen. Kein Wunder…es war ja auch Theobalds Vetter und im Übrigen ihm absolut loyal. Das allein machte ihn besser als alle anderen Vorschläge. Doch plötzlich meldete sich Ador zu Wort. Der Kronprinz redete über Vertrauen zum Kronrat…den Verlust Varunas…und am Ende stand die Bitte, dass er den Nachfolger der Gräfin bestimmen dürfe. Einen kurzen Moment waren die Ratsmitglieder perplex über den Wunsch der Kronprinzen. Die innere Stimme Theobalds mahnte ihn zur Zurückhaltung, obwohl er den Wunsch des Jungen höflich, aber bestimmt abweisen wollte. Noch bevor ein Mitglied des Rates etwas entgegnen konnte, erinnerte Ador alle nochmal an seine baldige Thronbesteigung. Seine Ausführungen über seine Regentschaft ließen eins deutlich werden. Ador würde nicht vergessen, wer ihm seine Bitte abschlug. Es dauerte nicht lange, bis der Sinn der Worte Adors alle Ratsmitglieder erfasst hatte. Zaghaft..dann immer lauter..stimmten sie dem Kronprinzen zu. Lobten seinen wachen Geist und sein Herz für das Königreich. Keiner wollte den Kronprinzen so kurz vor seiner Krönung gegen sich aufbringen. Auch der Herzog vom Eirensee brauchte nicht lange um dies zu verstehen. Auch er war begeistert von Adors Initiative. Zumindest nach außen… Innerlich kochte Theobald…und innerlich begann er sich auch vor Ador zu fürchten. Der Kronprinz würde eines Tages das Königreich regieren. Das es SEIN Königreich war, ließ er heute zum ersten Mal spüren.

Man hatte dem Herzog die Aufgabe übertragen den Beschluss des Kronrats im Reich zu verkünden. Theobald machte sich mit schmerzender Hand an das Schreiben. Eine neue Zeit hatte begonnen, ob es gut oder schlecht für ihn war würde sich zeigen.
Rafael von Arganta

Beitrag von Rafael von Arganta »

Es hatte ihn wirklich unvorbereitet getroffen, als der Brief des Rates eingetroffen war.
Lange und schmerzvoll hatte er über die Abreise Valentinas nachgedacht, ihr einen Brief hinterhergeschickt, und wäre wohl selbst an sich hinterhergeritten hätte ihn die neue Aufgabe nicht vollends in Beschlag genommen.
So jedoch war es dann doch eher eine willkommene Ablenkung für ihn, um nicht an Valentina zu denken und so hatte er sich in die Arbeit gestürzt.
Wenn der neue Regent kommen würde, sollte alles soweit geordnet sein.
So jedenfalls hatte er sich an das allerwichtigste zuerst gewandt.
Die Kommunikation miteinander.
Jetzt, knapp eine Woche später war sehr viel geordnet worden.
Die Bruderschaft würde die Grenzen gen Rahal bewachen, die Ritterschaft, der Orden Temora und die Allianz des Lichtes, sich um Berchgard kümmern, unter der Führung Sir Cathals.
Während das Regiment weiterhin sich Hauptsächlich um Adoran und Berchgard kümmerte.
Der Oberstleutnant van Tilianas versprach, sich auch weiter um die Disziplin der Truppen intensiv zu kümmern, und Rafael hatte ihn auch sonst dazu auserkoren ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wie es auch der Rat tat, mit dem er eng zusammenarbeitete.
Die Sicherheit Hohenfels war ihr aller Anliegen, und so war es wichtig das man miteinander redete, sich gegenseitig informierte.

Am heutigen Tage würde das erste Mal wieder ein Markt stattfinden, und Rafael betet das der Tag nicht durch anderweitige Geschehnisse überschattet werden würde.
Und am Abend ... traf man sich mit den Elfen um weiteres zu beraten.
Eine Woche war vorbei, und Rafael war zufrieden mit dem was bisher erreicht wurde.
Einzigst das Problem mit den Thyren machte ihm noch zu schaffen, doch auch deswegen hatte man bereits zusammengesessen und sann nach einer diplomatischen Lösung.
Wenn man jetzt noch irgendwie die Ruinen Varunas zurückerobern und Kryndlagor zurückdrängen könnte, wäre eine wirklich gute Vorraussetzung gegeben das das Leben in Hohenfels wieder in vernünftigen Bahnen laufen konnte.
Der Markt heute würde ein erster Schritt dazu sein, doch konnte er nicht über die Gefahr hinwegtäuschen die ihnen allen drohte.
Denn warum sollte Kryndalgor sich alleine mit Varuna zufrieden geben.
Rafael hoffte wahrlich auf die Elfen, Magier und die Priesterschaft, mit denen man heute Abend beraten würde.
Wenn auch Varuna nur noch eine Ruine war so war es doch ein Ort gewesen den viele geliebt hatten.
Jene Steine konnten die neue Wehranlage Adorans bilden, und so würde Varuna ein Teil der neuen Hauptstadt der Grafschaft werden.
Der neue Regent konnte kommen.
In dieser einen Woche war viel vorbereitet und geordnet worden.
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Nun also war er da. Unangekündigt, unerwartet. Und er traf sie genauso, wie es offenbar beachsichtigt war: unvorbereitet. Dennoch, je mehr sie darüber nachdachte, um so leichter fühlte sich die Last auf ihren Schultern an.
Zum ersten Mal nach wirklich langer Zeit konnte sie sich wirklich entspannt zurück lehnen. Sie wusste nicht, woher dieses Gefühl auf einmal kam, denn im Grunde konnte das Ganze hier ein richtiges Desaster werden. Das Lehen hatte sich schon lange nicht mehr von seiner besten Seite gezeigt und die Erfolge, auf die Rafael so stolz war, hatten in etwa die Haltbarkeitsprognose eines Schneeballes auf Sommerurlaub in Menek'Ur.

Sie hatte mit Bauchschmerzen beobachtet, in was für einem Tempo er sich der Dinge annahm, die Zeit und Feingefühl brauchten. Wie die Zuständigkeiten verteilte, ohne sich die Auswirkungen in Ruhe anzusehen. Doch wie sollte man auch ruhig und besonnen handeln, wenn einem der Kronrat im Nacken saß? Hinzu kam, dass er ein unglaubliches Talent hatte, die Menschen, die ihm wohlgesonnen waren, mit einem Satz, einer Unachtsamkeit vor den Kopf zu stoßen. Ihr selber war es vor kurzem erst wieder passiert und diesmal verspürte sie beim besten Willen keine Lust, die Sache aufzuklären. Vielleicht, wenn er zur Abwechslung seinen Fehler sah, ohne dass ihn gleich ein Leuchtfeuerwerk darauf aufmerksam machen musste... aber so nicht.

Mit einem Kopfschütteln verscheuchte sie den Gedanken, nahm einen Schluck Weißwein zu sich und lehnte den Kopf an das Polster des Sessels. Bis auf ein leises Knacken in der Glut und dem wohligen Schnurren ihres Katers, der sich auf den Beinen der Freiin zusammengerollt hatte, herrschte friedliche Stille im ganzen Haus. Kaum zu glauben, dass sonst um diese Uhrzeit oft noch Betrieb wie in einem Bienenstock herrschte und mal mehr, mal weniger private Vertraute hier ihre Sorgen ließen, Pläne schmiedeten oder einfach die Last des Alltags gemeinsam vergaßen.

Vielleicht würde der letzte Punkt jetzt, wo der Herzog da war, wieder ein wenig mehr Gelegenheit finden. Wie von selber wandte sich ihr Gedankengang der Grafenresidenz zu, die nun einen Herzog beherbergte. Es fiel ihr schwer diesen Mann zu beschreiben und genau das war es, was ihn so interessant machte. Er strahlte die Würde eines Staatsmannes aus, aber auch die Gradlinigkeit eines Ritters. Er schätze gerade und klare Worte, konnte aber mit einem einzigen Satz, einer kleinen Bemerkung eine Frau ein Lächeln in ihr Gesicht zaubern. An seinen Zielen ließ er keine Zweifel, doch den Weg - und die Gefährten, die er als Geleit zu wählen gedachte- war vollkommen unbekannt.

In den nächsten Tagen machte er offenbar Bestandsaufnahme. Dieser konnte sie recht gelassen entgegen sehen, auch wenn eine kleine Nervosität ihr jedes Mal die nötige Ruhe nahm, wenn sie das erste Mal in ein Gespräch mit einem Regenten musste. Es war ihr bei Adrian so ergangen, bei Valentina und bei Konrad würde es nicht anders sein.

Wie dem auch sei, nun blieb nur abwarten. Die Notizen für die anstehenden Berichte waren vorbereitet, die Adelshäuser und Ritter wunschgemäß informiert. Was blieb, war die Spannung, wie es weitergehen würde...
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