Ein eigenes Nest

Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Vermutlich sah man ihr die Verstimmung schon von weitem an, während sie durch die Straßen und Gassen Adorans ging. Sie konnte dieser Stadt genauso viel abgewinnen wie Milady, oder seine Hoheit… nämlich nichts. Zumindest bei dem Gedanken hier die „Zelte aufzuschlagen“. Sie wußte genau, weder Milady, noch seine Hoheit wollten hierher ziehen, doch würde nichts anderes in Frage kommen. Gewiß hätten sie einen Bau vor den Stadtmauern in Auftrag geben können, jedoch wäre das Anwesen dort genauso wenig geschützt gewesen, wie das vor Varunas Mauern.
Es war ohnehin reichlich spät um geeigneten Baugrund zu finden. Egal wo sie hinblickte waren bereits abgesteckte Grundstücke, oder gar Häuser im Rohbau zu sehen.
Genau wie jenes an dem sie nun stehen blieb und auf die schimpfenden Maurer und Handwerker aufmerksam wurde. Im Gegensatz zu anderen Baugründen der Stadt war es tatsächlich recht hübsch gelegen, wenn man das Wort hübsch hier überhaupt gebrauchen wollte. Gewiß war der Grundbesitzer einer der Ersten gewesen, die sich hier Baugrund gesichert hatten.
Ohne weiter auf das Murren der Maurer, Meister und Gesellen zu achten, betrat sie das, was wohl später der Hof sein sollte und sah sich um.
Es war im Quadrat geschnitten und wirkte kleiner als das alte Anwesen, der zukünftige Stall viel zu groß, einem Kontor angemessen, aber für ein herrschaftliches Anwesen unnötig.
Ihre Gedanken machten sich selbständig. Wenn man die Hälfte vom Stall.. dann wäre Platz für Shayas kleine Werkstatt… und das da links, was vermutlich als kleines Lagerhäuschen herhalten sollte, wäre doch als Gesindestube geradezu perfekt?
Ein großzügiger Wohnraum, vermutlich ursprünglich als Verkaufsraum gedacht, gleich daneben die Möglichkeit eine geräumige Küche einzurichten.
Um alle unterbringen zu können wäre allerdings ein weiteres Stockwerk nötig, aber nach oben war ja Platz. Unschlüssig sah sie sich weiter um, sie hatte ja von Milady nicht einmal einen Auftrag bekommen, sich nach Baugrund umzusehen. Was also könnte eigenmächtiges Handeln diesmal kosten?
Andererseits gab es kaum mehr Baugrund und dieses Haus hier war fast fertig, das Material bereits bezahlt.
Kurzerhand ging sie auf die Männer zu um zu verhandeln.
Natürlich würde Milady für Kost und Logie in der hiesigen Herberge aufkommen.
Selbstverständlich würde Milady die Arbeit gut entlohnen, so es zu einem weiterführenden Auftrag käme.
Nein, ganz sicher wäre Milady nicht mit einem gut betuchten Möchtegernedlen zu vergleichen.

Es dauerte, bis sie die Männer überzeugt hatte. Vermutlich tat der überreichte Münzbeutel sein übriges dazu, der dafür sorgte, dass sie die nächsten drei Tage in der Herberge unterkamen, Hunger und Durst stillen konnten.
Sie handelte zwei Wochen Wartezeit aus und erbat sich eine Skizze der vorhandenen Baupläne und machte sich damit auf, in der Hoffnung Milady, seine Hoheit, oder beide zu finden.
Adrian von Hohenfels

Beitrag von Adrian von Hohenfels »

Er fragte nicht... er mochte sie durchschütteln, im Stadtgraben baden? Nein er würde nicht fragen, es war sinnlos, ausgerechnet Savea befragen zu wollen, warum sie vor Varuna zu sichten war, obgleich jeder nicht wehrfähige längst angewiesen war der Stadt fernzubleiben. Nicht wehrfähig... allein die Zunge dieser Frau war eine Waffe.. er fragte nicht, bat sie einfach herein. Das Haus war hierbei jedoch kaum einladend. Staub erwies sich selbst aufgetürmt, selten als guter Sitzplatz. Die Stadt bot allerdings bei weitem auch so genug Sitzplätze und gestört wähnen mussten sie sich in diesen Tagen an keinem Ort der Stadt.

Die verlassene Adelstaverne bot schließlich die passende Sitzgelegenheit inklusive eines Tisches, auf welchem Savea eifrig die Baupläne ausbreitete und ihn bereits einen Vortrag über ihre Gedanken einiger möglichen Änderungen zukommen liess. Allein der Standort dieses halbfertigen Baues, liess ihn beinah nur noch mit halbem Ohr zuhören... Adoran! Dieser Tage zog es ihn gedanklich weit mehr gen Drachenfels, wenngleich ihm bewusst war, dass selbst Darna, die ihm im Herzen am nächsten stand ihr Heim nicht fern Gerimors erbauen mochte.. ihr Kind würde dereinst Drachenfels als seine Heimat erkennen und akzeptieren müssen. Es würde sein Erbe tragen. Und wieder öffnete sich die Frage nach Baum und Ableger.

Eher mürrisch verabschiedete er Savea schließlich, sie erneut anweisend wohin sie sich zu begeben habe und doch erahnend, dass ihr dies reichlich gleichgültig war. Die Frau tat ohnehin was sie wollte, da half auch durchschütteln und ertränken nicht. Es würde ihn kaum wundern, wenn sie, sollte der Drache sich erneut blicken lassen, plötzlich neben ihm stehen würde. Stattdessen trieb er Garvagh gen Adoran, um sich dieses Bauwerk selbst anzusehen.

Das Tor zum Hof durchschreitend blickte er sich um. Allein der Standort war gewiss Grund genug, dass Darna ihn für den bloßen Vorschlag gewiss eher aufknüpfen würde, denn erfreut reagieren. Direkt gegenüber befand sich das Heilerhaus und er musste feststellen, dass er diesen entstehenden Bau bereits mehrfach bemerkt hatte. Im Grunde ein schönes Gelände, man konnte etwas daraus gestalten. Er ertappte sich bereits, wie er Savea's Ausführungen eigene Ideen und Gedanken hinzufügte und mochte sich beinah selbst dafür schelten. Konnte dies Bauwerk, ausgerechnet hier in Adoran, eine Art neues Heim für den Haushalt werden? Es musste ja nicht wirklich sein Heim sein... das lag nach eigener Wahl ohnehin nicht mehr auf Gerimor. Hatte doch er selbst den Kronrat um die Zusprechung des Lehens Drachenfels ersucht, wenngleich er sein Herz nicht von Gerimor und nicht von Varuna gelöst bekam.

Baum oder Ableger.. er war wohl doch der Baum, doch konnten sich Wurzeln nicht auch ausstrecken? Letztlich wurde ihm eines bewusst. Seine Gefühle ob dessen was verloren ging, standen ihm selbst im Weg beim Erhalt dessen, was ihm eigentlich ebenso am Herzen lag. Die Mitglieder des Haushaltes waren über ganz Gerimor verstreut. Einige von ihnen hatte er seit zahllosen Tagen nicht gesehen. Bedauerlicherweise war selbst Darna unter diesen. Er musste sich eingestehen, dass ihm Darna am meisten fehlte, doch gewiss nicht als einziges. Selbst der vorlaute Luca fehlte, es war zu still geworden um ihn herum.

Wieder blickte er sich auf dem Gelände um. Wie waren Saveas Worte? Die Handwerker weilten im Gasthaus, eine Entscheidung erwartend. So liess er sie durch einen Boten herbeirufen. Es galt Pläne zu erarbeiten und die bestehenden umzugestalten. Ein weiterer Bote begab sich auf die Suche nach Savea. Dies war eine Aufgabe für sie, er würde es nur anstoßen, überwachen mochte sie dies. Er hatte dieser Tage wahrlich andere Pflichten als das Antreiben der Handwerker.

Die Umarbeitung der Pläne ging somit vonstatten, ebenso die Einarbeitung eines weiteren Stockwerkes mit Zuteilung der angemessenen Räumlichkeiten, wie diverser Schlafstätten und eines Traktes, welches einzig ihm und Darna nebst Nachwuchs einzurichten war. Das mürrische Auftreten der Handwerker stach ihm sehr wohl ins Auge. Es mochte ihn nicht kümmern. Savea würde gewiss einen Weg finden, sie angemessen zu motivieren, dass jenes Haus baldmöglich zu einem neuen Nest für die Mitglieder des Haushaltes werden konnte.
Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Als der Bote sie erreichte, sah sie jenen ungläubig an. Wer erlaubte sich da einen Scherz mit ihr?
Von wem geschickt? Seiner Hoheit? Aha, ja, kein Scherz, ist klar. Sie verdrehte die Augen.

Männer waren so praktisch veranlagt, fand sie. Man warf ein Stöckchen und sie liefen los, um es zurück zu holen. Man sagte, rettet die Prinzessin und hunderte ließen sich freiwillig vom Drachen fressen. Man sagte, da steht ein Haus… es half ja nichts, sie musste erst einmal hin zum Wogen glätten.

Und richtig, die Maurer, Meister und Gesellen waren aufgebracht, schließlich hatte sie zwei Wochen ausgehandelt und ihnen das als frei zugestanden, bei voller Bezahlung, damit sie am Ende nicht doch noch fortgingen und sie auch noch neue suchen und anstellen musste, falls Herr van Hasingen bereit war das Grundstück zu verkaufen.
Nach zahllosen Beteuerungen, dass es ein Mißverständnis gewesen sei und seine Hoheit natürlich ebenfalls die freien Tage genehmigte und der Erklärung, dass eine Frau zu seiner Hoheit geschickt ward und es deshalb nur zu Mißverständnissen kommen konnte, beruhigten sie sich und nickten.
Gewiss.. was konnte schon dabei anderes heraus kommen, wenn man Frauen etwas erklären ließ, das verstanden selbst die einfachsten Gesellen.
Durchatmend sah sie dem Männertrupp nach. Bei allen verdammten Kreaturen hatte ihr dieser gerade noch gefehlt. Sie musste Milady finden… oder Fräulein Viola… oder…

Nur kurze Zeit später fand sie sich in der Bibliothek ein, die dem freundlichen alten Schriftgelehrtenpaar gehörte und bat um mehrere Dinge:
Wo im Himmel hatte der Herr van Hasingen sein derzeitiges Gut? Gab es darüber Aufzeichnungen?
Ein solcher Emporkömmling würde doch vermutlich selbst dafür gesorgt haben, dass jeder nachlesen könnte, wo er zu finden sei?
Hilfe für ein formvollendetes Schreiben, in zweifacher Ausführung, was allerdings ohne das Siegel ausreichen musste, mit der inhaltlichen Frage, ob er das Grundstück verkauft und wenn ja, zu welchem Preis und zu wann er persönliche Verhandlungen mit Milady und seiner Hoheit aufnehmen könnte.

Mit einem der Schreiben wurde ein Bote losgeschickt, der sich persönlich umhören sollte nach dem Aufenthalt des Herrn van Hasingen, das zweite Schreiben steckte sie in die eigene Tasche.
Sollte Milady mit all dem nicht einverstanden sein, wäre das die erste Suppe, die sie mit seiner Hoheit zusammen auszulöffeln hatte und nicht allein.
Zuletzt geändert von Savea Falkenlohe am Mittwoch 13. Mai 2009, 09:57, insgesamt 1-mal geändert.
Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Nun war bereits fast eine der beiden Wochen verstrichen und weder Nachricht vom Boten, ob Herr van Hasingen gefunden war, noch eine Antwort von jenem.
Dafür gab es andere Neuigkeiten… Varuna geschlagen, Milady fernab, wenngleich auch in Sicherheit und zu guter Letzt, seine Hoheit, der sich wohl kaum an das zuletzt Ausgehandelte, geschweige denn das neue Anwesen erinnern würde, wenn bei ihm die Jahresglocke 249 schlug, wie man munkelte.
Es war schlicht zum aus der Haut fahren und ihr wurde bereits übel bei dem Gedanken, sie müsse eine derer sein, die seiner Hoheit auf die gedanklichen Sprünge helfen, als gäbe es nicht ohnehin genug zu tun. Bei den Ereignissen der letzten drei Jahre würde es nochmal so viele dauern, bis er alles auf der Pfanne hätte… Pfanne… vielleicht wäre dies ein angemessenes Hilfswerkzeug…
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Über die Handwerker erreichte Savea einige Tage später ein Schreiben, das allerdings an "Ihro königliche Hoheit, Sir Adrian von Hohenfels Graf zu Drachenfels" adressiert war. In einer ledernen runden Schutzhülle, mit diversen Symbolen von feinen Gütern verziert, mit denen das Kontor des Edlen wohl handelte, waren mehrfach die Wappen des Handelshauses eingeprägt. Feine bunte Bänder aus Seide zur Zier... schon die Schutzhülle erweckte fast den Anschein, so teuer gewesen zu sein wie der Bote, der es aus dem Herzogtum Alrynes überbrachte. Innen hochwertigstes Pergament, mit bunten Tinten und Goldlack verzierte Schrift, die ersten Buchstaben endlos verschnörkelt, wie es in teuren Büchern der Fall war.

"Gegeben am 15. Eluviar des Jahres 252 nach der hohen Herrin Temora Sieg über den Panthersohn,
aufgesetzt im Kontor des Handels von edlem Gut in Farnend, Vorort unserer höchst prächtigen Hauptstadt des Reiches Alumenas,
seiner kronprinzlichen Hoheit Ador I. zum Gefallen,
von seiner Edelgeboren Gunther Getarian van Hasingen

Seiner königlichen Hoheit sei der lebensspendende Segen der hohen Göttermutter Eluive, der ewige Schutz der wachenden Tochter Temora, des Fuchses Phanodain Weisheit und Schläue und des güterschaffenden Bären Cirmias Wohlwollen untertänigst gewünscht!

Zu meinen Ohren gelangte die Kunde, daß Eurer königlichen Hoheit Augenmerk auf jene Stätte in der neuen sicher schon bald erblühenden Stadt Adoran in Eurer vormaligen Grafschaft Hohenfels fiel, an welcher meine bescheidene Person erhoffte, der hohen Gesellschaft exquisiteste Waren aus den entlegensten Winkeln unseres stolzen Königreiches anpreisen zu dürfen. Es stimmt mich unsäglich betrüblich, von jenem Ansinnen ablassen zu müssen, um zum Wohle unseres geliebten Reiches anderen Investitionen den Vorang zu geben, in der innigen Hoffnung, dereinst auch in Adoran eine angemessene Niederlassung meines bescheidenen Hauses zu gründen.
Doch jubilieren wolle mein Herz, daß die Früchte meines Trachtens, so ungewollt ich sie selber schmähen muß, vor Eurer königlichen Hoheit Augen Interesse finden mögen, kein würdigeres Schicksal hätte ich den so fleißig gesetzten bisherigen Mauern wünschen können; und so sei meine bescheidene Person nur zu gerne Eurer königlichen Hoheit zu Diensten, diesen Grund und Boden Eurer königlichen Hoheit mit allen besten Empfehlungen zu überschreiben und zur freien Verfügung zu überlassen.

Keinen Lohn begehre Eurer ergebenster Diener, als ein kleines Entgegenkommen Eurer königlichen Hoheit, wisse meine bescheidene Person doch nur zu wohl, wie unter Eurer weisen Regentschaft das einstmals gebeutelte Drachenfels zu neuer Blüte fand. Just will es der Zufall und der lichten Götter wohlmeinend leitende Hand und Fügung, daß meine bescheidene Person seit einigen Wochen auch über Pläne nachsinnt, ebenso diesen Landen die höchst qualitativen Spezereien, edelste Tuche und feinstes Geschirr aus meinem kleinen Kontor anpreisen zu dürfen.
Leider verliefen die bisherigen Verhandlungen mit den Stadtvätern wenig erfolgverheißend und geeigneter Baugrund wurde einer Schule statt meinem bescheidenen Hause zugesprochen. Jenen vom Schicksal begünstigten Kindern gelte unser ganzer Segen, doch solle mein Herz vor Freude Euer königlicher Hoheit Umsicht lobpreisen, so unserer nächster Verhandlunsgvorschlag über einen wirtschaftlich sinnvollen Bauplatz mit der Euren Empfehlung mehr Gewicht erhalte. Keinen weiteren Lohn erbitte ich, als die bisherigen Unkosten, welche unser bescheidenes Kontor in Adoran erfuhr, zu gegebener Stund in Drachenfels an Grundstück und Bau eins zu eins erstattet zu bekommen, nebst einer winzigen Entschädigung für die für unser bescheidenes Haus verloren gegangene Zeit in Form einer finanziellen Vergütung von lächerlichen vier Prozent der bisherigen Baukosten pro Woche, abgegolten am Tage der Fertigstellung des Kontors zu Drachenfels.
So Euer königliche Hoheit unserer bescheidenen Person gütiger gewogen sein wollen, als wir verdienen, möge Eure wohlmeinende Äußerung uns Gelegenheit gewähren, an den hohen Häusern Eurer wundervollen Grafschaft unsere bescheidene Ware vor gewogenen hochedlen Herrschaften präsentieren zu dürfen. Auf daß Euer königliche Hoheit sich für die exquisite Qualität unserer Waren verbürgen mag, übersenden wir mit dieser bescheidenen Notiz einen kleinen Satz Tafelsilber, die Griffe aus poliertem und verziertem Elfenbein, auf daß es bei Eurem Mahle auch dem Auge gefalle und gnädigst wohlwollend an uns und unser Bestreben erinnern möge, selbst mit den gräflichen Hoflieferanten von Drachenfels und weiteren Lehen unseres geliebten Königreiches konkurrieren zu können.

Wir sind sehr erbaut von der erhebenden Aussicht, in Drachenfels unsere Geschäfte tätigen zu dürfen und zu wissen, daß unser Projekt in Adoran durch Eure königliche Hoheit aufwertenden Nutzen findet.

Eurer wohlwollenden Antwort harrend und mit den besten Segenswünschen aller lichten Götter für Eure königliche Hoheit verbleibend,

G. G. van Hasingen"

Anliegend zu dieser kurzen Notiz findet sich eine finanzielle Auflistung der bisherigen Kosten für Grundstück, Bau und Entlohnung des bisherigen Gebäudes in Adoran. Eine nette Summe. Dabei bedacht, daß davon jede Woche zusätzlich vier Prozent zu bezahlen sein sollen (und die Kosten also immer höher werden, je länger es dauert, das Kontor in Drachenfels fertig zu stellen) scheint das Angebot...
zahlbar, aber nicht unbedingt bescheiden...
Zuletzt geändert von Darna von Hohenfels am Donnerstag 21. Mai 2009, 22:57, insgesamt 2-mal geändert.
Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Unschlüssig drehte und wendete sie die reich verzierte Rolle in ihren Händen.
Den Wappen nach zu urteilen konnte das ja nur… und schließlich kam es ja n icht von ungefähr, dass dieses Schreiben durch ihre Hände wanderte.
Seine Hoheit würde sich nicht einmal daran erinnern, dass das eventuell neue Haus nur einen Steinwurf entfernt war von dem Haus, in dem er zur Genesung untergebracht war.
Milady hingegen wusste von alledem noch gar nichts.
Mit wachsender Entschlossenheit öffnete sie dann die Schriftrolle, entnahm ihr das Schriftstück und begann zu lesen.
Satz für Satz schraubten sich ihre Brauen höher, ein ums andere Mal entwich ihr ein „Fhhhhhffhhh…“, oder auch ein „Wofür hält der aufgeblasene Kerl sich eigentlich?“, und immer wieder ein „An Dreistigkeit kaum zu übertreffen.“, dazwischen immer ein „Inakzeptabel.“, ganz am Ende dann ein feststellendes „Darauf würden sich weder Milady noch seine Hoheit einlassen.“
Ungeachtet dessen, wie viel Münzen dieser schleimige, sich schadlos halten wollende Betrüger für dieses hochwertige Pergament, die kostbare bunte Tinte, als auch das, ein Vermögen kostende, Blattgold hingelegt haben mochte, knüllte sie jenes in ihre Tasche und begab sich sofort selbst auf die Suche nach Fräulein Viola.
Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Nachdem Savea Viola im Kloster gefunden hatte, waren sich die beiden schnell einig darüber, was zu tun war. Sie zogen sich in die Abgeschiedenheit und Stille der Klosterbibliothek zurück und Viola machte sich daran zu schreiben, was Savea ihr diktierte, nachdem ein weit entfernter, kleiner, unbedeutender Flecken Erde auf den Klosterlandkarten ausfindig gemacht wurde.

Dem Edlen van Hasingen wird Tage später ein Bote eine Antwortdepesche überreichen. Bereits bei der ersten Betrachtung fällt auf, dass jene durch schlichte Eleganz besticht. So ziert die Schutzhülle genau ein Schmuckband, wie üblich und das Wappen derer von Hohenfels. Das Pergament ist gewiß von guter, aber nicht hochwertigster Qualität und dem lesenden Auge bieten sich ebenso schlicht gehaltene, mit schwarzer, gewöhnlicher Tinte geschriebene Lettern.

Gegeben am 5. Schwalbenkunft des Jahres
252, aufgesetzt im Namen seiner Hoheit Adrian von Hohenfels, Graf zu Drachenfels und ihrer Erlaucht Gräfin Darna von Hohenfels, Freiherrin von Elbenau.

Der Herrin Temora Licht und Schutz Euch Gunther Getarian Edler van Hasingen!

Mit Interesse wurde Euer Angebot in den Köpfen und Herzen seiner Hoheit, wie auch ihrer Erlaucht bewegt.
Tiefstes Bedauern wurde verlautbart, ob der Umstände mit denen Euer Ansinnen, bezüglich Eurer Gespräche mit den Stadtvätern, geschlagen ward.
Euer großmütiges, Euch ehrendes Verständnis den Bau der Schule betreffend, wurde mit größtem Wohlwollen zur Kenntnis genommen und soll nicht unbelohnt bleiben.
So wird Euch mit Freuden mitgeteilt, geeigneten Baugrund anbieten zu können in der aufstrebenden Stadt Südgrad am höchst beschaulichen Azhurenkap, gelegen in der Temora gefälligen Freiherrschaft Klingenfels.
Im Zuge der Untermauerung dieses Angebotes, wurde das von Euch gesandte Tafelsilber an die königliche Hofsilberschmiede verbracht, um die nicht anzuzweifelnde Wertarbeit begutachten zu lassen.
Um einen abschließenden Eindruck Eures kostbaren Warensortiments erhalten zu können, seid Ihr höflichst gebeten, weitere Proben vorzulegen, um sie den königlichen Warenprüfern zukommen lassen und eine entsprechende Empfehlung aussprechen zu können.
Als entgegennehmende Person der Waren sei Euch hier die, in den Diensten des Hauses von Hohenfels stehende, Hausdame Savea genannt, welche das uneingeschränkte Vertrauen seiner königlichen Hoheit, sowie ihrer Erlaucht genießt.
Es wird versichert, dass die Waren in einwandfreiem Zustand an Euch zurückgehen.

Im Folgenden wird kundgetan, dass seine königliche Hoheit und Ihre Erlaucht gar in Erwägung ziehen, Baugrund vor den Toren Adorans zu erwerben und somit Abstand zu nehmen von Eurem, gewiss großherzigen, Angebot.
Grund dieser Überlegungen sind in den doch beträchtlichen Kosten zu finden, die aufzubringen wären, würde man Meister und Gesellen beauftragen, die bereits errichteten Grundmauern, aufgrund der von Euch erstellten Baupläne, abzutragen, Grund und Boden neu zu vermessen und den Bau nach Vorstellung und Wünschen ihrer königlichen Hoheit und ihrer Erlaucht zu errichten.
Solltet Ihr einen weiteren Interessenten für betreffendes Grundstück, zu den von Euch benannten Konditionen haben, so sei Euch freigestellt, jenem den Zuschlag zu erteilen.

Seid Ihr jedoch gewillt, daran festzuhalten, Grund und Boden seiner königlichen Hoheit und ihrer Erlaucht anzuempfehlen, sei folgendes Angebot übermittelt:

Seine königliche Hoheit und ihre Erlaucht tragen die Kosten des bisher verwandten Materials, sowie die Lohnzahlungen der eingestellten Arbeiter.
Ebenso würden die Kosten des Umzuges Eures Hausstandes nach Klingenfels übernommen.
Die Kosten, das Kontor in der Grafschaft Drachenfels betreffend, gingen zu Euren Lasten, jedoch sei Euch mitgeteilt, dass seiner königlichen Hoheit und ihrer Erlaucht der Gedanke an eine Galerie vorschwebt, um die Werke der schönen Künste der dort ansässigen Maler, Steinmetze und Holzschnitzer zu würdigen, die über alle Grenzen hinaus und gewiss auch Euch als Kunstverständigen, bekannt sind.
Eine in Gold gefasste Tafel mit Eurem Namenszug würde Eure Anerkennung der Künste, sowie Eure Großzügigkeit preisen und Euren guten Ruf untermauern.

Um keinen weiteren Verzögerungen Vorschub zu leisten, wird Eure Antwortnote, sowie eventuelle Warenlieferung, in aller Höflichkeit, baldigst an oben namentlich benannte Hausdame erbeten.

Abschließend sei Euch, Gunther Getarian Edler van Hasingen der immerwährende Schutz der streitbaren und gütigen Göttin Temora, die umsichtige Weisheit Phanodains, sowie das Wohlwollen in aller Bescheidenheit des auf Euer Handwerk blickende Auge Cirmias, gewünscht,


Viola Ser’Rhal

Schreiberin im Namen seiner königlichen Hoheit Adrian von Hohenfels, Graf zu Drachenfels
und ihrer Erlaucht Gräfin Darna von Hohenfels, Freiherrin von Elbenau
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

So einige Reisetage entfernt im Herzogtum Alrynes wischte sich eine Hand langsam über das Gesicht, nachdem die zur Hand gehörige Person, ein bescheidener Händler, den Brief gelesen hatte.
Nach allem, was er an Gerede und Berichten über Adrian von Hohenfels gehört hatte, sollte er mildtätiger und nachsichtiger Mensch sein, dem nachgesagt wurde, in Verhandlungen gar zu rasch entgegenkommend und zu weich zu sein... Gunther van Hasingen fragte sich gerade, ob man sich das als Adeliger leisten konnte, wenn man dafür Angestellte hatte, die die harten Bandagen anlegten. Oder hatte er das persönlich diktiert? Unschlüssig drehte er den Brief. Was hatte er erwartet? Naja, einen Versuch war es wert gewesen - wie es so schön hieß: "Frechheit siegt".

Klingenfels... einige Recherchen später wurde der Händler blass. Ihn dort ansiedeln zu wollen, kam dem Wunsch gleich, ihn ans Ende der Welt zu verbannen! Hatte er sich den ernsthaften Zorn des Grafen zugezogen? Himmel... Hastig blätterte er weiter. Wenn das einfach nur der göttervergessene Flecken war, den die Karte nahelegte, war er in ernsten Schwierigkeiten... Perlen. Stutzen. Perlen? Besondere Perlen... hmmm. Scheinbar wollte man ihn doch nicht einfach nur weg haben, trotzdem war ein Umzug nach Klingenfels völlig abwegig. Wie konnte er vermeiden, die in Aussicht gestellten Umzugskosten aber in den Wind zu schreiben?

Nach einigem hin und her und womöglich noch einem weiteren Briefwechsel mochte es zu einer Einigung kommen, mit denen beide Seiten zu leben vermochten:
Das Gebäude in Adoran ging gegen die Zahlung von Material- und Arbeiterkosten in den Besitz derer von Hohenfels über. Der Umzug nach Klingenfels wurde abgelehnt, dafür aber die zugesprochenen Aufwendungen dafür verwendet, eine kleine Handelsniederlassung dort mit einem ständig präsenten Vertreter einzurichten, um Wege zu suchen, mit der seltenen und kostbaren Ware Handel treiben zu dürfen.
Drachenfels erhielt für die neue Galerie ein prächtiges Schild, und auch wenn das Haus van Hasingen sich weniger um die Bildung verdient machte, so sollte sich das Ansehen doch auch durch ein paar exquisite Ausstellungsstücke merklich bessern dürfen, was die Förderung der edlen Handwerkskünste anging.
Letztlich ließ der Edle es nicht auf sich sitzen, einen Rückzieher zu machen, was die Prüfung seiner Güter durch die königlichen Warenprüfer anging - mit allen nötigen Sicherheitsvorkehrungen, daß die Luxusartikel nicht in falsche Hände gerieten oder abhanden kämen, wurden einige auserlesene Stücke an Tafelporzellan, Kristallgeschirr, Pelze und ein Kasten mit Buchenbühler Trüffelpralinen weitergeleitet und die Chancen waren als gut zu bezeichnen, auf diesem Wege einige weitere hochadlige Herrschaften als Interessenten und Kunden zu gewinnen.

Vermutlich wären Trüffelpralinen aber nun wahrlich auch nicht das gewesen, was die hohenfelser Familie an dem Ganzen interessierte...
Darna von Hohenfels

Beitrag von Darna von Hohenfels »

Endlich gingen die Arbeiten wieder voran! Nach den Tagen des Müßigganges oder nur zögerlichen arbeitens wurde frisch angepackt, weitergebaut, auch eine Mauer abgerissen, um versetzt eine neue hochzuziehen...
Die alten Pläne waren geändert und um ein weiteres Stockwerk ergänzt worden. Eine eigene Stube für Savea und Shaya, zwei seperate sehr geräumige Gästezimmer, die vermisste Terasse würde als Wintergarten neu entstehen. Manches blieb in einer ähnlichen Art erhalten, manches kam dazu, einiges ging verloren - so absurd es klang, sie würde den Heuboden vermissen und die Hühner im Stall.

Ausgerechnet, wenn sie endlich wieder ein eigenes Haus hätten, würde Aaryon es wohl kaum mehr brauchen... sie lenkte sich ab von all dem und das mit der seit jeher effektivsten Methode: sie stürzte sich in Arbeit.

Kopfkratzend nahmen die Arbeiter den Auftrag zur Kenntnis, im Süden zügig einen für den eigentlichen Bau an sich völlig überflüssigen Erker direkt neben der Gesindestube fertig zu stellen. Wofür?
Ein paar Tage später wurde es ersichtlich, als Darna, kaum daß die zwei Säulen überdacht waren, eine Kiste und einen abgedeckten Korb dort aufstellte und mit einigen Dingen wie Kleidung und Proviant füllte. "Armenspende".
Ein paar Arbeiter rollten die Augen und brummelten was von bald störend herumlungernden und stehlenden Bettlern, ein paar wurden sich mit durchaus zufriedenem Schmunzeln noch etwas bewusster, für was für Leute man hier nun die Maurerkelle schwang.
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Ein eigenes Nest

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Er sollte sich eigentlich auf die Vorbereitung als Ankläger heute Abend beim Gerichtsprozess vorbereiten, aber er bekam sich einfach schlecht konzentriert. Banditen, Blutwein, Prüfung, Konventsversammlung.. Dreck! Wann war die?! Er durchwühlte ein paar Unterlagen und atmete aus. Achtzehnter. Das passt noch. Hatte er neulich irgendwo die Bemerkung fallen lassen, dass es im Terminkalender die nächste Zeit ruhiger wurde?! Ha!
Sein Blick wanderte zurück über den Tisch und damit auch über die Schale, in der nun in etwas frischer Komposterde der Zweig vom Frühlingsritual ruhte. Er musste dort auf dem Tisch direkt bei seinen Unterlagen stehen, sonst würde er vergessen, ihn regelmäßig zu gießen. Es war schon gut gewesen, dass er nach dem Ritual die paar Tage unter Serinas Pflege in einem Krug mit frischem Wasser gestanden hatte, um Wurzeln zu bilden, sonst wäre er sonstwo einfach nur liegen geblieben.
Du hast jetzt schon mit Widrigkeiten zu kämpfen, kleiner Kumpel, dachte Aaryon besorgt und musterte das Zweiglein ein mal mehr eingehender: nein, definitiv kein Efeutrieb. Der Studiosus furchte die Stirn. Haben sich die Zweige durch das Ritual verändert, oder habe ich aus Versehen einen falschen Trieb genommen? Aber die sahen irgendwie alle so gleich aus... Nur: was bist du jetzt eigentlich?!
Er schnaufte amüsiert. Zum Einen, weil der Zweig ihm wohl kaum antworten würde, zum anderen, weil Aaryon dieses Phänomen irgendwie sehr passend erschien: schließlich hatten sie beim Holz für seinen Stab aus dem Anwesen auch nicht mehr feststellen können, welche Baumsorte es ursprünglich mal gewesen sein mochte.

Was aus dir wohl werden wird? ... WENN aus dir was wird... Fast beschlich ihn ein schlechtes Gewissen, den Ast dieser Prüfung auszusetzen: den Platz einzunehmen, den früher im Zentrum des Anwesens von Hohenfels ein Kastanienbaum eingenommen hatte. Der Baum war irgendwie wichtig gewesen, irgendwas mit dem Baum des Lichts, so genau erinnerte er sich nicht mehr an das, was seine Mutter ihm irgendwann darüber erzählt hatte. Aber sie hatten einen Ableger davon nach Adoran mitgenommen.
"Einen alten Baum pflanzt man nicht um..." Er hatte ihre Mimik noch lebhaft vor Augen, weil er sich sehr gewundert hatte, warum sie diesen Satz so traurig aussprach. "Aber einen Zweig haben wir mitgenommen. Er wurzelte an und wuchs neu."

Jetzt starrte ihr Sohn einen anderen Zweig an und hatte ebenso lebendig das Bild der fast geisterhaften, übergroßen Hände vor Augen, wie sie Zweig um Zweig in die Tiefe der Erde zogen und golden schimmernd wieder empor steigen ließen. Die Ehrfurcht bei diesem Erlebnis schnürte ihm selbst jetzt nochmal die Kehle zu und ließ seine Augen sich weiten. Und danach hatte die Natur zu leben begonnen. Blumen waren aufgeblüht. Tiere, die ebenso ehrfürchtig geschwiegen und dann wieder Laute von sich gegeben hatten. Und inmitten all diesen Auflebens ein kleiner Haufen Äste, viele von Bauern der Umgebung... Bauern, wie sie früher vor Varuna ihre Felder bestellt hatten. Hatte er aus Versehen einen von ihren Zweigen gegriffen?
Nein... Wenn, dann war es nicht 'aus Versehen'. Hier gibt es keine Zufälle.

"WENN es jemand in dieser toten Erde schaffen kann, dann du!", flüsterte er in Richtung des Zweiges und nickte zuversichtlich.
Er wandte den Blick leicht beiseite. Ich rede jetzt nicht wirklich schon mit einem Ast, oder...? Er schnalzte leise und ein kurzer, dumpfer Stöhnlaut entfuhr ihm. "Ich brauch bald Urlaub. Aber ganz, ganz dringend."

(vor dem ehemaligen Anwesen von Elbenau/Hohenfels)
Das hier muss der Ort sein. Der Verlauf der Wege war ziemlich eindeutig. Trotzdem kamen ihm Zweifel, während er mit der Schale mit Erde und Setzling vor diesem Fleck Boden stand. Er ließ sich auf ein Knie herab, stellte die Schale neben sich, bohrte eine kleine Schaufel in den Boden. Es knirschte. Und rieselte. Er keuchte. Götter! ... Das ist fast nur STAUB! Ein oder zwei Minuten lang starrte er die Stelle nur verunsichert an. Dann löste er, das Ergebnis schon ahnend, seinen Wasserschlauch und goss etwas von dem Nass in die Kuhle.
Ernüchtert sah er zu, wie es seltsam runde, staubbedeckte Tropfen bildete und zu versickern schien, ohne Spuren zu hinterlassen.
Dieser Ort ist doch gereinigt worden? Er zögerte. Sah zu dem Lavendel, der fast gespenstisch einsam in voller Blüte neben der Hausruine wuchs. Er könnte versuchen, hier zwei oder drei Schubkarren frischer Erde her zu bringen und den Boden auszutauschen, aber ein dummes Bauchgefühl sagte ihm, dass das wenig bringen würde.
Brauch ich hier Leandra...? Oder Cid...?, grübelte er und verließ sich auf seinen Instinkt, als er die Schale wieder aufhob und den Versuch, den Setzling einzugraben, für heute aufgab.

Beide.
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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Aaryon von Hohenfels
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Re: Ein eigenes Nest

Beitrag von Aaryon von Hohenfels »

Seit Stunden saß er an seinem großen Tisch mit den Laborutensilien und starrte Richtung Tür. Was aber nur die Blickrichtung seiner Augen war. In Gedanken pendelte er zwischen dem Anblick der Ruinenstadt und dem Innenhof der Nebelfeste.
Satzfetzen aus dem Gespräch glitten immer wieder durch seine Gedanken wie die schuppigen Leiber zu groß geratener Nattern durch die Trümmer Varunas:
"Ihr möchtet ... einen Baum pflanzen", fasste Leandra zusammen, nachdem sie sein Schreiben gelesen hatte. Die Schlichtheit dieser banal klingenden Aussage ließ ihn etwas lachen.
"Klingt nett, nicht? 'Der Hochedle braucht für das Pflanzen eines Setzlings die Hilfe einer Temorapriesterin und eines vollwertigen Druiden.' - Aber Ihr wisst, von welcher Stelle ich spreche?"
Ja,wusste sie. Natürlich. Wohl kaum jemand in der Priesterschaft hatte sich so intensiv mit Varuna und dem früheren Anwesen seiner Eltern beschäftigt wie sie.
"Eine Geste", fragte sie, "oder verhofft ihr Euch mehr davon?" Er wog den Kopf: "Das weiß ich selber noch nicht, wenn ich ehrlich bin. Es ist wie ein erstes vorsichtiges 'einen Fuß in die Tür setzen'. Meine Frau Mutter meint zu solchen Dingen: 'Man kann Wunder nicht erzwingen. Aber man muss ihnen manchmal den Platz einräumen, damit sie passieren können.'"
Die Priesterin atmete leise durch.
"Ich glaube ich habe Euch bereits von dem Abend berichtet, an dem wir versucht haben, den alten Wohnort Eurer Familie von dem Dunklen zu reinigen, ja?" Aaryon nickte.
"Wir zeichneten dort die Symbole aller Tugenden mit der heiligen Tinte, die von Temora höchst selbst überbracht wurde." Ganz leicht formte sich eine nachdenkliche Wölbung zwischen seinen Brauen. Sie wollte also, dass ihr das dort tut...
"Der Ort hat sich merklich gegen unsere Mühen gewehrt, und auch wenn wir für den Moment das Licht in die Hallen bringen konnten, gedeiht seitdem trotzdem fast nichts dort. Es ist zwar nicht unmöglich..."
"wie man am Lavendel sieht..", warf der junge Magus prompt ruhig ein und Leandra nickte ein wenig, "Doch für solch ein Ritual werdet ihr viele Männer benötigen, wir waren damals sicher an die 20 Personen und wurden trotzdem von dem Übel heimgesucht. Es ist riskant, gegen das aufzubegehren, was immer noch dort lauert, daher die Frage... nach dem Sinn dahinter."
Nachvollziehbar. Zwanzig Mann?! Und er wusste, dass Beak damals dabei gewesen war. Zwanzig Leute... für einen Setzling?

"Aber der Ort... ist nicht mehr in dem Zustand, wie er war, als ihr die 20 Mitstreiter brauchtet. Er ist... 'still', im Vergleich zur Stadt innerhalb der Mauern. Wir würden nicht bei Null anfangen."
"Die Frage bleibt trotzdem nach dem Wert dahinter. Als Zeichen für die Gläubigen, dass das Licht stets einen Weg findet, ist es natürlich erstrebenswert. Für einen jungen Mann, der seiner Mutter gedenken möchte, mit Verlaub, ist es die Gefahr für alle anderen nicht."
'Gedenken?!' Klingt, als wär sie tot! Und als würd ich irgendwo ein paar Vergissmeinnicht pflanzen wollen, weil ich sie lieb hab! Er schnaubte fast, aber er verbat es sich.
"Nein", stimmte er ihrer Aussage also einfach erstmal zu, "Es wäre mehr. Wenn Ihr...", begann er sinnierend zu erklären, "die Stadt als 'Feindesland' betrachten würdet, so erachte ich das alte Anwesen als den Ort, der für jede Operation dort künftig der 'Brückenkopf' wäre. Und der Setzling... die erste Ankündigung: 'Wir kehren zurück. Wir haben diesen Ort nicht aufgegeben. Wir holen ihn uns wieder, wenn es mit der Götter Macht in irgend einer Weise möglich ist.'"

Er sprach ruhig. Viel erwachsener klingend, als er aussah. Und jedes Wort eine Kriegserklärung an die "Malifizienz" von Varuna.

Am Abend nach diesem Gespräch stand er wieder vor der Stadt. Vor dem Anwesen.
"Wenn es einem Zweck dient...", hallten die Worte nach und säten Zweifel.
Welchem Zweck? Der Setzling würde hier stehen... zwischen Trümmern. Schutzlos. Wehrlos.
Keine Chance, gestand er sich leise ein. Er sah auf die bröckelnden Mauern. Und wenn ich her ziehe? Er stellte sich die Häuser in einem heilen Zustand vor. Geführte Gespräche. Das Gackern von Hühnern. Das Klopfen eines Hammers auf Holz. Ein Blick auf den bröckelnden Rest der Mauer dahinter reichte, die Illusion genauso zerbröseln zu lassen.
Irrsinn.
Wer sollte hier leben wollen? Wir hätten täglich Besuch von Rabengezücht und Schlimmerem.

Alles lassen, wie es ist? Er wandte sich ab. Etwas in ihm rebellierte so heftig, dass er sich am liebsten selbst brüllend gegen die nächstbesten Albträume geworfen hätte.

Nein, ich hab noch keinen Plan... Aber er würde weiter sondieren. Mit Leandra hatte er nun gesprochen. Bliebe Cid.
"Wo der wohl wieder reingeraten ist... Der zieht das magisch an!"
- Kronritter von Salberg *noch qualmend* -
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