Ende des langen Wartens

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Sienara Schwarzmourne

Ende des langen Wartens

Beitrag von Sienara Schwarzmourne »

Leise verlies sie das Haus um Malachai und Marick nicht zu wecken. Unter jedem Arm ein Paket mit Kleidung und sichtlich angespannt. Jetzt war es also soweit. Die ganzen Wochen der Vorbereitung getan und die Vermählung unter den Schatten noch diesen Abend. Jetzt war auch der Zeitpunkt an dem von ihren Nerven nichts mehr übrig war. Nie wieder würde sie sich über Bräute vor der Hochzeit lustig machen, soviel war sicher. Sie selbst würde wahrscheinlich jedem der ihr jetzt mit einem „wohlen Tag“ begegnete in eine tiefe Finsternis wünschen.
Wie konnte der Tag so schnell heran genaht sein? Noch eben war sie doch mit Selina in Menek’Ur gewesen um das bestellte Kleid und den Schleier abzuholen? An diesem sonnigen Tag auf der Insel wurde ihr das erste Mal bewusst, das sie wirklich heiraten würde. Nach all den Wirren und Komplikationen in ihrer Beziehung. Nach dem Abtrünnigen, nach Heirat zur See, nach Andreas und Inara. Wenn sie ehrlich war hatte sie schon kaum noch daran geglaubt, das es einmal passieren würde. Und auf einmal stand sie in einer kleinen Umkleide und musste mit Erstaunen feststellen, das sie tatsächlich ein Hochzeitskleid trug.

Die Tage darauf waren gezeichnet von ständigem Gehetze zwischen Feinschmieden für einen Ring, Bauern für Essen und Getränke, und auch der Ort für die Heirat wollte gefunden und verschönert werden. Ohne ihre Schwägerin hätte sie all dieses niemals geschafft. Wie oft hatte sie sich gewünscht einfach auf einer Schiffsreise zu heiraten, wie damals an dem Tag als alles begann. Nur in kleinem Kreise und in Stille. Für sie zählte eh nur die Heirat unter den Schatten am heutigen Tage. Die Feier für alle Anderen am nächsten Tag nur ein Schein.
Der arme Arsen! Auch für ihn waren die letzten Tage nicht einfach. Musste er doch erst noch seine Prüfung zum Schattenmeister bestehen um die Trauung überhaupt durchführen zu dürfen.
Geschieht dir recht Bruderherz“ entfuhr es ihr als sie das Schiff nach Lameriast betrat. Den sichtlich irritierten Matrosen ignorierend. Sorgfältig verstaute sie die zwei Pakete neben sich und wartete auf das so vertraute Schaukeln des Schiffes. Warum war sie überhaupt so nervös? Seit gestern waren alle Vorbereitungen getroffen, der Ring abgeholt und auch Marick war seit einigen Tagen bei ihnen. Alles war wunderbar. Sie liebte Mala von ganzen Herzen und nichts würde daran jemals etwas ändern können. Sie war so glücklich wie nie in ihrem Leben. Seit Monden hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht als den heutigen Tag.
War es die Angst davor das doch noch etwas passieren würde, das diese Heirat verhindert? Erstaunlich wäre es sicher nicht. Bisher war ja nie etwas einfach gewesen in ihrer Beziehung. Oder die Angst sie könnte etwas furchtbar Albernes tun oder sagen am heutigen Tag. Oder war es gar das ganze Gerede über ihre Tugenden und die Hochzeitsnacht. Errötend fuhr sie den vorbei eilenden Schiffskapitän an er solle doch nicht so poltern bevor sie anfing blanke Stellen auf die Schiffsplanken zu laufen.
Es grenzt an ein Wunder das sie gestern den Unterricht an der Academia ohne Unfälle überstanden hatte. Und auch das muntere Beisammensein in der Herberge hatte sie recht gut gemeistert. Vielleicht etwas abwesend aber immerhin. Nichtmal das Zusammentreffen mit Leah hatte sie groß aufgewühlt. Irgendwie fing sie an diese Frau zu mögen. Nicht viele hatten Prinzipien an denen sie festhielten. Egal wie albern diese Prinzipien auch sein mochten.

Der laute Ruf eines Matrosen stoppte jäh ihre ruhelose Wanderung: „Land in Sicht!“ Erschrocken klammerte sie sich an die Reeling. Seit wann war die Überfahrt so kurz?
„Ganz ruhig Sien. Es wird schon alles gut werden“ Tief durchatmend sah sie der sich nähernden Insel entgegen. „Du musst es nur noch schaffen dich passend einzukleiden. Der Rest geht ganz von selbst. Und um Himmels Willen bekomme nur das Ja klar und deutlich heraus“…
Leah Katuri

Beitrag von Leah Katuri »

Ein perfekter Tag....für eine Trauung. So schien es bereits in den frühen Morgenstunden. Die Vögel trillerten und piepsten in den Bäumen, ein gewohnt frischer Frühlingswind pfiff durch die Kreuzgänge und langsam kämpften sich einige wenige Sonnenstrahlen durch die Regenwolken.
Auch im Kloster begann der Tag langsam und ruhig.

Die Morgenmesse war bereits um, als sie die Augen öffnete und halbwach sich auf den Rücken drehte, um einmal herzhaft zu gähnen. Cyrion war noch einmal vorbeigeritten, ihr von der Zeremonie zu erzählen, die an diesem Abend stattfinden würde. Nur Schatten....noch immer drängte sich in ihr die Frage auf, warum Malachai aus Cyrion keinen Schatten machen wollte. Er nannte ihn Blutsbruder und doch war er von so vielem ausgeschlossen, so vielen Dingen, die nur Malachais Fluch betrafen. Die linke Hand wischte sich über das Gesicht und rieb den letzten Schlaf aus den Augenwinkeln.
„Alle Schatten und die, die um Malachais Dasein wissen, dürfen kommen. Ich würde mich freuen, wenn du mich wenigstens dahin begleitest.“ Es war das Mindeste, was sie tuen konnte und eine Sache, die dafür sorgte, die anderen wissen zu lassen, dass sie nicht gegen diesen Bund war. Nur auf der offiziellen Zeremonie musste man auf sie verzichten. Reichsverräter und Brudermörder auf der Gästeliste. Sie bezweifelte ernsthaft, dass Erlaucht von Arganta die Ruhe in Person bleiben würde, wenn er jenen begegnen würde auf dem Fest.
Ein weiteres Gähnen folgte... sie war aussergewöhnlich schlapp an dem Morgen und erst mit dem Aufsetzen wurde ihr schlagartig bewusst, warum. Ein stechender und pulsierender Schmerz zuckte durch die rechte Schulter und ließ bei ihr stoßartig die Luft ausstossen.
Vielleicht nur falsch gelegen...Leicht fuhr die Hand über den Verband an der Schulter, um prüfend festzustellen, dass der Stoff leicht nass war. Sie hatte entweder geschwitzt die Nacht oder die Wunde nässte. Umständlich zog sich das Ankleiden hin und sorgte mit jedem Schmerzziehen für ein unangenehmeres Gefühl in ihr.

Sie hatte seine Enttäuschung im Blick gelesen, nicht verstanden, warum sie nicht mit wollte. Das schlechte Gewissen nagte und doch war es das Richtige. Cyrion sah in erster Hinsicht seinen Bruder und den Grund der Feier, während sie in jener Zeit mehr darauf achtete, wer zu dieser Feier kam. Zu gefährlich, als dass man dort wirklich nur in normaler Kleidung dann auftauchen könnte. Es herrschte Krieg auf Gerimor und sie hatte bereits ihre Lektion in Rahal gelernt. Tapferkeit war eine Sache, Übermut eine andere... Und dann wieder dieser Blick bei Cyrion. Die Zeremonie an diesem Abend würde es zumindest halb gut machen, dessen war sie sich sicher.

Sicher hat die Platte nur zu sehr darauf gedrückt....Wieder huschte eine Ausrede durch ihren Schopf, als sie die ersten Schritte aus der Stube machte und wie immer zuerst Richtung Kapelle ging. Das Pulsieren schien wärmer zu werden und die Wärme, die sich ausbreitete, wurde unangenehm. Ein Gedanke schoss zum anderen, als sie sich in der Kapelle hinkniete und die Hände faltete. Es wurde keineswegs ein zusammenhängendes Gebet und brachte nicht die Ruhe, wie es sonst der Fall war.

Der Vormittag zog sich. Lesen in der Bibliothek wurde unmöglich und auch der Vorsatz, an die Feste zu schreiben, dass sie wieder im Kloster war, wurde verworfen durch ihre Unkonzentriertheit. An Trainieren durfte sie überhaupt nicht denken und so musste sie schließlich den Weg gehen, den sie am liebsten gemieden hätte: Ein Heiler.

Der Ritt zu Zoe schien Ewigkeiten zu dauern dank anhaltender Unebenheiten des Bodens und dem sowieso temperamentvollen Gemüt des Braunen. Zumindest kalt war ihr nicht in dem Frühlingswind, musste sie sich durch die Hitze im Körper eingestehen.
Sich die üblichen Ermahnungen des Nicht Ausruhens und Schonens anhörend, wurde rasch ersichtlich, warum die Wunde zu nässen begonnen hatte. Eine Entzündung hatte sich eingenistet und wurde durch die Plattenteile, die sie am Abend zuvor getragen hatte, nur noch mehr begünstigt. Die folgende Nacht gab genug Zeit, um das ganze reifen und sich entwickeln zu lassen. Eine Salbe, ein Verbandswechsel und die absolute Schonung der Schulter wurde angewiesen. Artig nickte sie, während Pläne entstanden, doch noch nach Bajard an den Hafen und so mit Cyrion zusammen nach Lameriast zu kommen. Sie war eine äußerst schlechte Lügnerin und so sah man ihr den Gedanken bereits an...

Die Folge, als sie wieder im Kloster in ihrer Stube war, war umso frustrierender: Cassian wusste Bescheid, sie nicht hinaus zu lassen und über die Mauer klettern würde sie wohl als Letztes.
Und so würde Cyrion eher unfreiwillig versetzt werden, während die Knappin letztlich den halben Tag durch einen entsprechenden Tee verschlief und so in Vergessenheit geriet, ihm Bescheid zu geben.
Sienara Schwarzmourne

Beitrag von Sienara Schwarzmourne »

Verheiratet! Sie konnte es noch immer nicht glauben. Wenn sie nicht diesen feinen Schnitt in der Handfläche hätte, der sie an die Trauung am vergangenen Abend erinnerte, würde sie es wahrscheinlich auch nie. Wie verzaubert betrachtet sie den schlafenden Mann neben sich. Ihren Mann. Selbst im Schlaf sah er noch glücklich aus. Ob ihr Gesicht genauso vor Freude strahlt? Wahrschlich sogar noch mehr. Ihre Liebe zu ihm übertraf alles. Vorsichtig berührt sie seine Stirn mit ihren Lippen bevor sie sich wieder an ihn schmiegt. Wie gerne würde sie ihn grad jetzt in seinen Träumen besuchen. Sehen was er sah in diesem Moment.

Warum hatte sie sich nur soviel Sorgen gemacht. Die Trauung unter den Schatten, versteckt zwischen Bergen, verlief reibungslos. Kein Ohnmachtsanfall, kein Stottern und Nein hatte auch niemand gesagt.
Nur die Schatten waren anwesend, ihre Familie. Und natürlich Cyrion, der Blutsbruder von Mala. Alle so verschieden in ihrer Art und doch verbunden auf ewig. Wie die Schatten so hatten sich auch Mala und sie gefunden. Auf vielen Umwegen und völlig unerwartet traf es wohl beide. Dabei war Malachai sicher der letzte Mann den sie sich als Ehemann ausgewählt hätte, noch vor einigen Monden.
Aber dort, den Worten des Schattenmeisters lauschend, ihrem Bruder, da fühlte sie sich das erste Mal wirklich als Schatten. Lange hatte sie gezweifelt, hatte sich geplagt ob sie wirklich dazu gehörte. Alles gute Zureden hatte nur wenig geholfen. Wie nannte ihr Bruder sie in der Traurede, Traumtänzerin. Begleitet von einem glücklichen Lächeln hatte sie den schönen Worten der Zeremonie gelauscht. Arsen war über sich hinaus gewachsen. Noch nie hatte sie ihn solche Worte sprechen hören. Mit der erfolgreichen Prüfung zum Schattenmeister musste ihm auch sein Hang zum Dichter zugeflogen sein.
Und irgendwann war er dann da, der Moment an dem sie sich küssen durften. Der Moment an dem sie ihn wirklich ihren Mann nennen durfte. Selbst wenn sie noch 50 Sonnenläufe leben würde, nie würde es einen glücklicheren Moment in ihrem Leben geben.

Leise kichernd musste sie auch an Selina denken, wie sie am Ende der Trauung fröhlich schimmernden Diamantstaub über sie warf. Ihre Schwägerin war doch immer wieder für eine Überraschung gut. Die stille Sarah, Schwester von Mala, schön sie als Schwägerin zu haben. Irgendwann hoffentlich auch als gute Freundin. Der kleine Marick… die Verwirrung über diese sonderbare Zeremonie stand ihm im Gesicht geschrieben. Aber wie tapfer und artig hatte er allem zugehört. Sie würden sich wohl später einem wahren Schwall an Fragen stellen müssen. Und Cyrion, überschwänglich und gut gelaunt beglückwünschte er sie. Begleitet von vielem Schulterklopfen.
Ja sie war froh diese Familie gefunden zu haben… ihre Familie. Mit all ihren Stärken und Schwächen. Schatten aber doch Menschen mit all dem Leid und Freud eines jeden anderen. Manchmal Ärgernis, noch öfter Hilfe und immer wieder Grund für viel Glück in ihrem Leben.

Und an erster Stelle in ihrer Familie stand er, ihr Mann, ihr Lord… aber selbst wenn er einfacher Bauer wäre, sie könnte ihn niemals mehr oder weniger lieben als jetzt. Und das für immer.

Gähnend schloss sie die Augen. Noch etwas schlafen, nur noch eine Stunde. Und dann stand ihr die nächste Hürde bevor. Die Heirat vor allen Freunden an der Akademie. Geschlossen von einem Priester der keiner war. Den Schein waren, für alle anderen die nicht verstehen würden was sie waren. Schatten!
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