Die ganzen Grossen sind immer so beschäftigt und haben so viel zu tun
Langsam aber sicher formte sich der Entschluss selber etwas zu unternehmen!
Wie von einer Biene gestochen stand sie auf und begann ihr Zimmer zu durchsuchen und unterschiedlichste Dinge auf dem Bett zusammen zu tragen, sowohl einige Kleidungsstücke als auch ihre liebsten Spielsachen die nicht zu gross waren um sie mit zu nehmen. Alles zusammen wurde schön säuberlich unter dem Bett verstaut.
Entschlossen packte sie ihren Mantel und die Stiefel. Rasch war sie bei den Höfen vor Rahal, wie schon die Tage zuvor, doch diesmal mit einem andern Ziel. Doch die Entschlossenheit wurde rasch abgeschwächt da auch hier alle vielbeschäftigt oder nicht da waren. Langsam schlenderte sie zu dem kleinen Garten welcher hier zwischen den Höfen lag und ganz in Gedanken versunken ging es eine ganze Weile bis sie merkte das ihr Lieblingshof gar nicht verlassen war. Aber es war gar nicht Kari die da auf dem Hof die Arbeiten verrichtete. Doch das stellte sich als gar nicht so schlimm heraus, auch diese Frau war äusserst nett und war auch so freundlich eine Botschaft für Kari zu notieren. So konnte sie zwar Kari nicht um Hilfe bitten und doch reichte es ihr zu wissen das sich Kari keine Sorgen machen muss, da sie ja notieren hat lassen das sie bald wieder käme.
Auf dem Weg in ihr Zimmer als sie durch Tugors Zimmer kam fielen ihr auch wieder seine Worte ein das sie Bescheid sagen soll wenn sie weg geht.
Doch Er ist ja gar nicht da und macht selber g’fährliche Sachen
Ausserdem würde ihm bestimmt auch eine Nachricht reichen, also setzte sie sich an den Tisch und schrieb mithilfe der Bilder und den Titeln die sie mit Hilfe verschiedenster Personen des Hauses unter die Bilder gesetzt hatte eine Nachricht auf eine Seite des Zeichenblockes.
hallo Tugor
bin zur Mica
kom bald
Ihren Namen hatte sie ja schon unzählige male geschrieben, weswegen dieser wohl auch am säuberlichsten und mit am wenigsten Unterbrüchen geschrieben wurde.
Noch eine ganze Weile starrte sie auf die herausgerissene Seite welche nun auf ihrem Bett lag. Ja hier wird er sie bestimmt finden, schliesslich kam er ihr ja jeden Abend eine gute Nacht wünschen, egal ob sie schon schlief oder nicht. Während sie die bereit gelegten Dinge in der Umhängetasche verstaute fiel ihr wieder ein wie sie Mica damals eine Freude machen konnte weil sie ihre Süsswaren an sie weiter gab. Ja genau, doch diesmal sollten es keine Süsswaren werden vielmehr, das Gemüse welches ja angeblich stark macht. Also rasch noch das Geld eingesteckt welches eigentlich für Zeichenpapier angedacht war und schon wieder auf dem Weg zu den Höfen. Die Verwunderung war gross wie viel man für so wenige Münzen bekommt, daher wählte sie bei der grossen Auswahl eher die kleineren Dinge und somit eher von den Früchten als vom Gemüse und auch von den Karotten nur die kleinsten Exemplare, schliesslich musste ja alles noch in der Umhängetasche Platz haben.
Nach einem weiteren Gang nach Hause um sich auch noch von Hugo, dem Hausfrosch, zu verabschieden, welcher einfach nicht in die Tasche hüpfen wollte, war es endlich so weit und sie wartete in etwas grösserem Abstand zur Kutsche. In einem unbeachteten Augenblick schlich sie sich an die Kutsche und kletterte nach Oben.
So kam es das sie nun Zwischen den festgezurrten Kisten auf der Kutsche sitzt und die wackelnde Welt an sich vorbeifahren sieht.
Die anfängliche Freude darüber so viele Orte und Häuser zu erblicken die ihr bekannt vor kamen weicht rasch der Erkenntnis dass sich viel verändert hat. Doch es ist ganz bestimmt die gleiche Kutsche wie beim letzten Mal. Während der Kutscher den offiziellen Mitfahrern noch irgendwelche Warnungen vorträgt ist die kleine schon lange dabei vorsichtig auf der andern Seite von der Kutsche zu steigen. Unten angekommen reibt sie sich die von der holprigen Fahrt schmerzenden stellen.
Mit grossen Augen auf die riesige Stadt starrend wird ihr klar das es wohl nicht so einfach werden wird. Ungeachtet von den aufkommenden Zweifel wagt sie sich erst durch das Tor, an den vielen gerüsteten Männern vorbei, und dann weiter über die Brücke.
Brücke? Da war keine Brücke das letzte mal!
Mit einem kurzen Kopfschütteln werden diese Gedanken jedoch rasch beiseite geschoben. Jede Sekunde der folgenden Erkundungstour kommt ihr wie eine halbe Ewigkeit vor.
Gerade als sie die Auslagen eines handwerklichen Betriebes bestaunt taucht diese, doch etwas merkwürdige Frau auf. Schon nach wenigen Sätzen wird der kleinen klar das muss eine der Männer und Frauen aus den Geschichten sein, solch eine die den König zum Lachen bringen soll. Erstes Anzeichen war wohl das in Augenhöhe um den Kopf gebundene Tuch und die Bestätigung lies nicht lange auf sich warten mit lustigen Bemerkungen.
Im Gespräch mit der Frau erinnert Yasccara sich an die vielen dinge die ihr eingebläut wurden, so nannte sie ihr nur den g’heimnamen. Su, so einfach und doch ganz hübsch, dieser Name hat sie jetzt schon so oft getragen das er ihr so in Fleisch und Blut lag wie ihr richtiger. Die Frau war zwar äusserst lustig, doch bei der Suche nach Mica war sie keine grosse Hilfe, so kennt sie diese wohl nicht mal. Doch ein anderer Name wird von ihr genannt, Mia, irgendwoher ganz bekannt.
Also wenn ich Mica nicht find geh ich eben die andere kleine b’suchen.
Einige Stunden später, die Laternen wurden vor kurzem angezündet, sitzt die kleine auf einem an einer warmen Hauswand und kaut lustlos auf einer der kleinen Karotten rum.
Morgen find ich sie ganz b’stimmt!
Immer wieder sagte sie sich das selbst bis sie schliesslich in den Mantel gekuschelt und die Umhängetasche umgreifend einschläft.
Der nächste Tag bricht rasch an. Und das kleine Bündel schreckt durch Hufgetrampel in der Nähe auf. Die letzten Träume, in denen sie mit unzähligen Kindern zusammen spielt, aus den Augen reibend erhebt sie sich langsam. Nach einigen wenigen Trauben zum Frühstück begibt sich das Mädchen abermals auf die Suche. Jedoch für mehrere Stunden wieder ohne Erfolg. Die meisten die sie antrifft scheinen überhaupt keine Mica zu kennen und auch überhaupt keine Zeit zu haben. Da sind die vielen Tiere der Stadt schon umgänglicher. Als sie die Stimme von hinten hört, ist sie gerade dabei die Hand durch einen Zaun zu strecken im versuch ein Huhn zu streicheln, und erschrickt. Aus reinem Reflex sagt sie rasch „hab nichts g’macht“. Die Frau war ja irgendwie ganz lieb aber auch merkwürdig. Ihre Kleidung schien schon viel mitgemacht zu haben und das Stück Metall, welches gemäss der Frau Schmuck war, so wie andere Ohrringe tragen, zog die Aufmerksamkeit der kleinen Ausreisserin ganz besonders an.
Auch ihr erzählt sie das was ihr eingeschärft wurde zu erzählen wenn sie mit den andern des Hauses in andern Städten war. Doch diese Frau scheint anders zu sein als die restlichen Leute die sie in dieser grossen Stadt gesprochen hat. Nur schwer kann die kleine bei ihrer Geschichte bleiben wenn diese Frau fort zu über Rahal spricht und den Eindruck erweckt wirklich von da zu sein.
B’stimmt nur G‘schichten aber spucken kann die gut
Mit Freude gibt die Kleine der Frau einen Teil ihres Proviants ab vor allem da die Umhängetasche Stunde um Stunde schwerer zu werden scheint.
Gegen Abend, nach abermalig erfolglosen Suche steht da plötzlich dieses Mädchen vor dem Zaun, bestimmt etwa im gleichen Alter wie Yasccara, genau da wo sie vor kurzem noch gestanden hat. Eindeutig nicht Mica, jedoch ebenso vertraut. Schnell stellt sich heraus das es wirklich eines der Kinder ist die damals ebenso wie Yasccara am Kinderfest waren. Ja ist dies sogar die von der Gauklerin genannte Mia. Die Freude ein anderes Kind gefunden zu haben wird rasch wieder gedrückt durch die Information von Mia das Mica wohl schon länger nicht mehr gesichtet worden sei.
Die Mia ist sowieso lieber wie die Mica
Noch weitere wichtige Informationen über Affen, die Grossen und momentane Aufenthaltsorte werden ausgetauscht bis über Umwege die Namen wieder zu Sprache kommen steht der Entschluss für Yassi fest, sie will nicht weniger Namen haben als die Mia Mailinn Faris. Nach der Erklärung Yasccaras das sie es Mia nicht sagen kann wenn so viele andere da sind führt Mia die beiden ans Wasser an eine kleine Feuerstelle. Leise, und nach den Ausführungen was ein G’heimniss ist und welche schrecklichen Folgen es hat wenn man es weiter erzählt, sprudelt es aus Yassi raus das sie gar nicht wirklich Su heisst und noch einiges mehr. Die kleine geniesst förmlich die Bewunderung Mias über diesen Umstand. Die Wege trennten sich jedoch fürs erste wieder und die kleine Yasccara schlief am Platz wo sie schon die Nacht zuvor verbracht hatte mit einem zufriedenen Lächeln ein.