Draußen herrschte Ruhe.
Die Nacht schien sternenklar und kalt, aber Rafael fror nicht.
Irgendwie spürte er nichts, gar nichts außer dieser Wut in sich. Tiefe ... abgrundtiefer Zorn der ihn, am Abend, hatte diesen Piraten schlagen und gegen die Wand stoßen ließ.
Fast hätte er ihn wohl noch erwürgt, den gepanzerten Unterarm gegen dessen Kehle drückend und das obwohl alles so ... vielversprechend angefangen hatte.
Er hatte den Neffen Hudgarrs getroffen der mit ihm hatte reden wollen.
Gemeinsam war man in ein Gasthaus nahe des ehemaligen Tirells gegangen und schnell wusste er wer oder WAS sein Gegenüber war.
Ein Pirat.
Ein Pirat der seine ... „Harmlosigkeit“ hatte darstellen wollen. Der nur seine Männer beschützen wollte, und er hatte ihm einen Vorschlag gemacht etwas angeboten, was Rafael in seinen eigenen ihm auferlegten Schranken hatten wanken lassen.
Das Erlangen von Anaras Gebeinen.
Als Gegenzug , Nahrung, Steine Holz.
Nahrung würde möglich sein. Steine, Holz... wurden gebraucht für Adoran. Er konnte dieses Geschäft gar nicht eingehen, selbst wenn er es gewollt hatte.
Was daraufhin kam hätte Rafael nicht vermutet.
Der Pirat drohte gar. Er nannte es zwar das Schicksal entscheiden lassen, aber er wollte eine Münze werfen ob man Adoran angriff oder nicht.
Rafael drehte sich einfach um, ging zur Treppe als er das Clicken einer dieser Pistolen hörte.
„Ihr würdet mich nicht hinterrücks erschießen!“ fauchte er sicherer als er es tatsächlich war, und drehte sich wieder um.
Der Pirat hielt noch immer die Münze in der Hand, die Pistole auf ihn gerichtet.
Erneut machte er einen Vorschlag, die Pistole dabei wieder wegsteckend.
Er wollte das Rafael ihn, so er je in Gefangenschaft geriet, freiließ.
Auch dafür wiederum bot er Chancen darauf die Gebeine Anaras zurück zu holen.
Natürlich lockte diese Aussicht.
Aber dennoch, er vermochte keine wirkliche Zusage zu machen. Verriet er sonst doch alles für das er sonst stand.
„überlegt es euch, Sonst müssten wir eurer Tochter einmal einen Besuch abstatten.
Er drohte ...
Er drohte weder ihm, noch dem Reich sondern einem Kind.
Nicht einem Kind ... er drohte Rehya !!!
Nur ein Schritt trennte ihn von dem Piraten. Ihn am Kragen packend und ihn gegen die Wand drückend, den Faustschlag wohl selber nicht mehr aufhalten könnend, der das Gesicht des Mannes traf, ihn herabsinken ließ.
„Lasst meine Tochter da heraus!“ hörte er sich mit einer für ihn selber fremd klingenden Zornesbebenden Stimme sagen.
Sich das Gesicht haltend aber lachend kam der Pirat wieder auf die Beine.
Noch immer schien er wahrlich zu glauben das Rafael käuflich wäre.
Selbst wenn die Gebeine de Königin ein verlockendes Angebot war. So war es seine Tochter nicht. Als der Pirat ein weiteres Mal drohte, rammte ihm der Ritter seinen Unterarm gegen die Kehle ihn so an die Wand drückend.
Kinder gehörten nicht ins Geschäft, und wenn es um Reyha ging ...
Er würde das nicht dulden, egal um was es ging.
Nur widerwillig ließ er den Piraten los.
Er hätte ihn töten sollen.. jetzt Stunden später als er wieder daheim war, bereute er es fast.
So jedoch hatte er sich umgedreht war einfach zur Treppe gegangen, das Schwert gezogen.
Die weiteren Wortwechsel irgendwie im Nebel verlierend.
Nur das Rehya aus dem Spiel war.
Etwas das dem Piraten wohl das Leben retettete. Zumindest... an diesem Abend.
Noch einmal bot der Pirat ihm die Goldmünze an, mit dem er um Angriff oder Frieden für Adoran gehandelt hatte. Bot sie an für Rafael als Entscheidungshilfe und warf sie ihm zu.
Doch der Ritter fing sie nicht, ließ sie an seiner Rüstung abprallen.
„Wir werden uns wiedersehen.“
Meinte er nur und ließ den Piraten einfach stehen.
Was wenn ...
Was wenn sie sich wiedersahen.
Ein Geschäft ... kam nicht mehr in Frage. Egal was der Preis war.
Mit hingebungsvoller Liebe im Blick schaut er auf Rehya, an dessen Bett er nun saß.
Sie hatte jetzt schon so viele Feinde, obwohl sie noch nicht einmal ein Schwert führen konnte.
Nur weil sie seinen Namen trug, seine Tochter war.
Sanft streichelte er über ihr Gesicht, und lächelte als sie im Schlaf irgendetwas von Kuchen murmelte.
Ob sie diesen Genuss darauf, wohl jemals ablegen würde.
Nur langsam stand er auf.
Er wollte und würde immer für sie da sein. Ob sie das wusste?
Langsam setzte er sich auf den Stuhl neben dem Bett. Wollte einfach die Nacht über hier bleiben, obwohl es ihn selber danach sehnte bei jemandem zu sein. Seine Sorgen erzählen zu können. Aber in dieser Zeit? Wo jeder seine eigenen Probleme hatte?
Er streckte die Beine aus, den ruhigen Atemzüge seiner Tochter lauschend, um darüber selber wohl in den wohlverdienten Schlaf zu finden.