Menek’ur Stadt – neue alte Heimat

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Nasreen Falah

Menek’ur Stadt – neue alte Heimat

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Heimweg


„Dort vorne, die Mauern von Menek’Ur Stadt! Wir nähern uns dem Ziel!“

Aufgeregt hob Nasreen den Blick und folgte dem Handwink des Karawanenführers. Seit knapp zwei Wochenläufen waren sie nun schon auf der Reise durch die endlosen Dünen der Wüste, der feine Sandstaub hatte sich inzwischen in jede Pore abgesetzt und die einst kräftig rote Farbe ihres Gewandes war nur noch ein matter Abklatsch ihres einstigen Selbst. Kehle und Haut brannten in ständigem Verlangen nach kühlendem Nass, doch die Wasserrationen waren knapp bemessen, fruchtbare Oasen waren selten und die Lasttiere konnten nur eine begrenzte Menge tragen – und schon gar nicht trugen sie mehr Wasserschläuche als nötig für jemanden, der eigentlich nicht in diese Karawane gehörte. Funkelnde Goldmünzen konnten die Händler überzeugen die junge Menekanerin in ihre Reihen aufzunehmen, doch Gastfreundschaft oder Zuvorkommen gab es nicht zu beanspruchen. Ein Vorgeschmack auf das, was sie wohl in Menek’Ur Stadt zu erwarten hatte.

Noch ein Schritt und noch ein Schritt, die Mauern der Wüstenperle rückten stetig näher. Und wahrlich, kräftig und mächtig trotzten sie der Kargheit und den schlummernden Gewalten des Sandmeeres. Nasreen hatte sich immer sicher gefühlt innerhalb dieser Mauern, nie sollte eine Gefahr von außen an sie herandringen – so war es auch die Gefahr von Innen gewesen, die ihr Leben mit einem Schlag verändert hatte. Welch’ bittere Ironie!

„Und wer seid Ihr, junge Dame?“, wanderte musternd der Blick der Stadtwache an ihr auf und ab, als sie schließlich die Tore der Stadt erreicht hatten. Die Händler waren bekannte Gesichter und wurden ohne große Umschweife eingelassen, Nasreens Erscheinung jedoch war den Wachen neu. Eiligst und mit einem ergebenem Neigen des Hauptes kam sie dem Versäumnis ihrerseits nach und offenbarte dem nicht mehr ganz so jungen Soldaten ihren Namen und ihre Herkunft. Sie hatte mit Blicken und Worten gerechnet, sich innerlich versucht darauf vorzubereiten, doch ihnen ausgesetzt zu sein – nein, darauf konnte man sich nicht vorbereiten. Er machte aus seiner Abneigung keinen Hehl, sein Blick verriet mehr als deutlich, dass er sie am Liebsten wieder zurück in die Wüste geschickt hätte.

„Eine Falah also. Na, dann willkommen in Menek’Ur Stadt!“.

Die Ironie seiner Worte troff förmlich von seinen Lippen und Nasreen sah zu, dass sie sich trotzdem artig bedankte dann schnell und seinem Blickfeld entfliehen konnte. Seinem nachgeworfenen Ruf, dass es den Frauen der Falah nicht gestattet war das Gesicht zu verschleiern, entkam sie jedoch nicht. So riss sie sich regelrecht den schützenden Stoff von ihrem Antlitz, obwohl sie sich am liebsten vor Scham und Gräuel darin verkrochen hätte. Die getrockneten Tränen des Abschieds drohten als solche des Wiedersehens wieder hervorzubrechen.

Willkommen zuhause.
Nasreen Falah

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Die ersten Tage


Noor Ifrey, eine Wirtsdame wie sie im Buche stand. Eifrig, freundlich und vor allem geschwätzig. Nach der deftigen Abfuhr von Seiten der Stadtwache war ein solches Wesen Balsam für Nasreens angekratztes Seelenheil. Hier im Gasthaus „Zum singenden Kaktus“ erfuhr die junge Menekanerin eine wohltuende Herzlichkeit, trotz ihrer Abstammung. Eine Handvoll Goldmünzen taten ihr Übriges und nach nicht einmal einer halben Stunde sah sich Nasreen im Besitz eines kleinen Gastzimmers und eines Stapels weicher duftender Handtücher.

Nach einer erfrischenden Körperpflege und dem Anlegen sauberer Kleidung stärkte sich Nasreen noch mit einem guten Mahl aus warmem knusprigem Brot und eingelegten Datteln. Noor durfte sich also auch als gute Köchin bezeichnen. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbindend, ließ sie sich von der Wirtin über die wichtigen Personen der Stadt aufklären. Saleem Jafaar aus dem Hause der Ifrey würde ihre erste Anlaufstelle werden. Als Statthalter war er für die Einbürgerungen zuständig und die Bürgerschaft von Menek’Ur Stadt war Nasreens erstes erklärtes Ziel. Dass es ausgerechnet ein Ifrey sein musste, versetzte ihr einen herben Stich in die Seite – sie waren bekannt dafür sich die Fehltritte der anderen zu merken. Darüber hatte zumindest ihr Vater Ruan immer ausgiebig und leidenschaftlich geschimpft. Doch vielleicht besaß der Statthalter ja etwas von Noors Gutmütigkeit – in zehn Jahren konnte sich ja schließlich einiges geändert haben.

Noch am gleichen Tag wollte Nasreen das Schreiben an Saleem Jafaar verfassen. Doch die Wahl der Worte fiel ihr schwer und so sah sie sich gezwungen das Vorhaben zu vertagen. Erst zwei Tagesläufe später befand sie ihren Entwurf als würdig genug um ihn an den Statthalter weiterzuleiten. Nasreen hoffte inständig, dass ihre Zeilen einen ersten guten Eindruck hinterließen und er ihrem Antrag stattgeben würde. Gleichsam hegte die Hoffnung, dass sie über den Ifrey Informationen über weitere Kinder der Falah erhalten könnte – vielleicht hatten noch andere den Weg zurück nach Menek’Ur Stadt gefunden?

Eine Antwort auf ihren Antrag erhielt Nasreen schneller als erwartet. Sie ertappte sich dabei, wie sie das Schreiben in zitternden Händen hielt, als hinge ihr Leben davon ab. Und das tat es in gewisser Weise auch! Sie las die Zeilen einmal, zweimal und dreimal. Die Reaktion war höflicher und besser ausgefallen, als sie es erwartet hatte. Der erste Grundstein war gelegt, nun musste sie den Statthalter auch im persönlichen Gespräch von sich überzeugen.

Das Herz schlug ihr bis zum Halse als würde sie jeden Moment vor ihn treten müssen. Aufgeregt lief sie in ihrem kleinen Gasthauszimmer auf und ab. Sie brauchte Ablenkung, sonst würde ihr bis zum Treffen der Kopf in tausend Stücke zerbersten. Auch hier war Noor wieder ihre Anlaufstelle, diesmal hatte sie jedoch bereits Gesellschaft von einer Wüstenblume. Sie entpuppte sich als eine weitere Ifrey, Nazeeya Rafa – bei Eluive, gab es in dieser Stadt denn nur Kinder vom Blute der Ifrey?! Doch auch sie zeigte sich freundlich, wenn auch in Eile und so dauerte dieses Kennenlernen nicht lange. Für den Rest des Tages lauschte Nasreen also dem fröhlichen Geschwätz der Tavernenwirtin, so dass die Zeit bis zum Treffen mit dem Statthalter im Fluge vorüberging.

Ein warmes Lächeln, das sich in den wachen Augen wiederspiegelte – dies war der erste Eindruck, den Nasreen vom Statthalter erhielt. Dieses Lächeln brannte sich in Nasreens Bewusstsein und löste ihre Anspannung, wenngleich nicht vollständig – das flaue Gefühl in der Magengegend hielt sich hartnäckig. Freundlich bot Saleem Jafaar der jungen Menekanrin einen Platz in seinem Büro an und verlor sogleich einige Worte über Menek’Ur Stadt, ehe er ihr das Wort erteilte. Wie von ihm gewünscht erzählte Nasreen ihm von ihrer Familie, ihrer Berufung und ihrem Erbe, zu dessen Erfüllung sie aus der Wüste zurückgekehrt war. Kratzend tanzte die Schreibfeder über die Buchseiten, Saleem Jafaar ließ keine ihrer Aussagen undokumentiert. Als sie endete, nickte er einmal kräftig und nachdem die Tinte getrocknet war, schlug er das Buch zu und verstaute es in einem Stapel weiterer Abschriften.

„Gedenkst Du mit deiner Berufung als Salzschürferin dem Basar edler Künste beizutreten?“

Der Basar edler Künste, die Vereinigung handwerklicher Talente des Wüstenreiches. Auch hiervon hatte Noor ihr bereits ausführlich erzählt und gewiss wollte Nasreen diesem ehrbaren Verbund beitreten!

„ Shaadiya Hayat, ebenfalls aus dem Blute der Falah, kümmert sich um den geregelten Ablauf und hält ein wachsames Auge auf den Kontor....“

„Shaadiya Hayat?!“. Schneller gesagt als nachgedacht, presste Nasreen erschrocken über ihren unbedachten Ausruf die Lippen aufeinander. Prompt erntete sie natürlich einen prüfenden Blick vom Statthalter, der auch gleich eine Erklärung einforderte.

„ Sie ist die Tochter der Schwester meiner Mutter. Wir verbrachten unsere Kindheit miteinander ... und ich habe sie .... lange nicht mehr gesehen. Es ist also ein Ausruf von Freude gewesen, werter Statthalter“.

Wieder glomm der warme Ausdruck in Saleem Jafaar’s Blick auf.

„Ich möchte nicht, dass meine Bürger mich als Untier beäugen. Zudem sei Dir gewiss, dass ich keiner derjenigen bin, die schnell urteilen. Ich sehe den Vorfall deiner Familie als gegeben und belasse es hierbei. Es gilt Taten zu bewerten, die vollbracht werden und nicht ewig in die Vergangenheit zu blicken und makelnd über diese zu sprechen. Und nun ... lass uns Deine erste Tat begehen!“.

Damit führte er sie zum Stein der Stadt, ihre rechte Hand fand den Weg auf den Stein. Nasreen fiel es für den Moment schwer sich zu konzentrieren, der Gedanke an Shaadiya Hayat geisterte noch durch ihre Gedanken. Sie war hier!

„Du bist bereit?“, holte Saleem Jafaar sie zurück ins Hier und Jetzt. Ein schnelles eifriges Nicken, wollte sie sein vorhin kund gegebenes Wohlwollen nicht auf eine unnötige Probe stellen. So straffte sie ihre Schultern und sprach die Worte des Statthalters nach, die Worte, die sie zu einer Bürgerin von Menek’Ur Stadt machen sollte.

„Ich, Nasreen aus dem Hause der Falah, gelobe unter den Augen der gütigen Mutter ewige Treue dem Reiche Menek’Ur und stelle mich unter die weise Führung des Erhabenen sowie auch der ihn vertretenden Minister. Ich akzeptiere die Gesetze dieser Stadt und werde mich hüten ihren Glanz zu trüben. Loyalität und Aufopferung sind Tugenden Eluives und als Salzschürferin und Dienerin unserer Schöpferin verpflichte ich mich weiterhin als Bürger der heiligen Stadt die Tugenden, Gesetze und Sitten stets zu wahren“.

„Willkommen in Menek’Ur Stadt, Nasreen“.

Und diesmal fühlte sie sich wirklich willkommen geheißen.
Nasreen Falah

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Wiedersehen


Die nächsten Tage verbrachte Nasreen voller Spannung und Vorfreude. Nachdem der Statthalter ihr offenbart hatte, dass ihre Cousine Shaadiya Hayat ebenfalls in Menek’Ur Stadt verweilte und sogar die Stellung der leitenden Hand des Basar edler Künste innehielt, hatte sie sofort ein Schreiben an sie aufgesetzt und es in den Verwaltungsräumlichkeiten des Kontorgebäudes hinterlassen. Seitdem fieberte Nasreen einer Antwort entgegen und lenkte ihre Schritte täglich zum Kontor, in der Hoffnung ihre Cousine dort vorzufinden.

In der Zeit dazwischen versuchte sie sich mit der Suche nach einer neuen, festen Bleibe abzulenken. Sie konnte schließlich nicht ewig das kleine Zimmer im Gasthaus für sich beanspruchen und nun, da sie offiziell als Bürgerin der Wüstenperle galt, durfte sie auch eine der freistehenden Wohnungen anmieten. Ihre Schritte führten sie gen Stadtrand, wo früher ihr Elternhaus gestanden hatte. Die Stadt hatte sich großen Veränderungen unterzogen und so war es nicht verwunderlich, dass von der ehemaligen Heimstätte keine Spuren geblieben waren. Doch ein kleines Haus stand noch zur Miete frei, erschwinglich für ihre Verhältnisse und vor allem in der Nähe ihrer Lebenswiege. So waren nicht viele Überlegungen notwendig, das Herz hatte die Entscheidung bereits gefällt.

Ohne Umschweife erledigte Nasreen die bürokratischen Angelegenheiten im Bankhaus der Stadt und kam dann natürlich nicht umhin noch einmal im Kontorgebäude vorbeizuschauen. Auf den Stufen hinab zum Keller, prallte sie fast mit einem Mann ihres Volkes zusammen und sie wollte sich augenblicklich für ihre Unachtsamkeit entschuldigen, als zwei Dinge ihre Aufmerksamkeit ablenkten. Das eine waren die Grußworte des unbekannten Mannes, die an die „Blüte der Falah“ gerichtet waren und unmöglich Nasreen meinen konnten. Das andere war das Profil der Frau, die sich im hinteren Bereich des Kellers befand und wahrscheinlich eher Ziel des Grußes gewesen war. Beides zugleich durchfuhr sie wie ein Blitz!

„Shaa?!“

Über mehrere Sekunden hinweg, die sich anfühlten wie die Unendlichkeit selbst, blickten sich die beiden jungen Menekanerinnen gegenseitig in die Augen, versinkend in einer Mischung aus Unglaube und überschäumender Freude. Dann hielt sie beide nichts mehr, die Laute, die Shaadiya Hayat noch eben in der Hand hielt, wurde achtlos zu Seite geworfen und Nasreens nackte Sohlen stolperten über kalten Stein und weichen Teppich. Sie fielen sich in die Arme, wogen sich und sogen den Duft der jeweils anderen ein.

„Du bist da, so richtig da“, murmelte es in dem Wirrwarr aus Haaren und Gewändern aus Shaadiya Hayats Mund und sie löste sich um ihrem Gegenüber über die Wangen zu streichen. Diese erglühten vor Aufregung in einem satten Rot, das sich sogar deutlich von der dunkel gebräunten Haut abzeichnete. Silbrige Tränen schimmerten in Nasreens Augenwinkeln, als sie ihre Cousine noch einmal an sich heranzog und drückte. Ein Jahrzehnt hatte sie dieses Mädchen, nein, diese Frau, schmerzlich vermisst. Mit jedem Tag hatte sie um das Leben derer gebangt, die ihr immer mehr wie eine Schwester als Cousine gewesen war. Hadernd mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen, hatte sich dieser Wunsch nun endlich erfüllt. Sie hielt sie in ihren Armen, die Welt um sie herum völlig vergessen. Ja, selbst der Menekaner, der von ihr fast über den Haufen gerannt worden war, wartete noch immer vergebens auf eine Entschuldigung, gar eine Reaktion von Seiten Nasreens. Er musste wohl erkennen, dass er sie zumindest heute nicht mehr bekam ... denn Nasreen hatte offensichtlich nicht vor ihre wiedergefundene Cousine wieder loszulassen.
Shaadiya Hayat Falah

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Ein wenig aufräumen. Die Menekaner war schon immer ein eifriges Völkchen gewesen und die Truhe in der sie die Dinge die sie ansammelten zwischenlagerten quoll schon wieder fast über. Sie kannte es nicht anders als diese besagte Truhe all wöchentlich einmal zu leeren und alles an die dafür vorgesehenen Kisten zu verstauen. Ein paar Edelsteine für die Goldschmiede. Fasziniert blickte sie für einen Moment auf die prachtvollen Dinge in der Schmuckabteilung des Basares. Lange hatte sie bereits als Kind davon geträumt einst mit goldenen, hauchzarten Plättchen an einem Gürtel rund um das Becken die Blicke auf sich zu ziehen. Tanzen....mit dem Körper all das auszudrücken was man fühlte. Als Kind hatte sie Unterricht erhalten, jeder hatte gewusst die kleine Shaadiya würde einmal im Palast tanzen...Aus und vorbei! Sie konnte Reens Jubel förmlich hören in der Freude nicht mehr die Harfe spielen zu müssen. So sehr Shaadiya das Fühlen der Melodien geliebt hatte so sehr hatte es die Cousine gehasst.Sie war nie dafür geboren gewesen, die junge quirlige Tochter ihrer Tante. Sie waren so unterschiedlich wie Feuer und Wasser gewesen und doch war ihr Reen immer wie eine Schwester erschienen. Im vergangenen Wochenlauf hatte sie ein Schreiben erhalten. Reen wollte nach Menek'Ur kommen! Aber wie sie sie kannte würde sich das gewiss wieder hinauszögern. Ein sanftes Lächeln erschien auf den Lippen der jungen Frau. Sie konnte die Stimme regelrecht hören. Hören? Das konnte nicht sein! Zögernd spiggelte sie um die Ecke. Da...da... da...
"Reen?" fragte sie zögernd und mit einem Quietschen rannte sie auch schon hervor.
Ungestüm zog sie die Cousine an sich um in einem Knäuel von Haaren, Soffen und sehr viel Reen zu versinken. Sie war es wirklich! Sie war hier! Immer wieder strichen die Finger über die Gesichtszüge ihrer Cousine. Nichts anderes nahm sie mehr wahr. Nun wurde deutlich was sie immer schon vermisst hatte und nie aufsteigen ließ. Die Falah waren ihr Blut doch Reen, ja Reen war ihre Familie...
Nie wieder würde sie sie weglassen. Neda nie wieder!
Zuletzt geändert von Shaadiya Hayat Falah am Mittwoch 11. März 2009, 21:42, insgesamt 1-mal geändert.
Nasreen Falah

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Eingewöhnung


Der glühende Feuerball senkte sich bereits herab, sanft küsste er den eingefärbten Horizont und bald würde er mit ihm verschmelzen. Die sengende Hitze des Tages lag weiterhin über die Insel, Abkühlung würden erst die dunklen Nachtstunden bringen. Für heute legte Nasreen ihre Arbeit nieder, von Kopf bis Fuß war sie mit feinem weißen Salzstaub bedeckt, dicke Schweißperlen der Anstrengung hatten dunkle Schlieren auf der Stirn hinterlassen. Die Salzschürferin konnte sich nicht beklagen, einige große Brocken Rohsalz hatte sie zu Tage fördern können. Sorgfältig hatte sie diese gewaschen, gemahlen und in Leinensäcke gefüllt. Wieder einige Sack mehr für ihren Vorrat.

Doch nun freute sie sich auf ihren Feierabend und auf die Stunde im Badehaus von Menek’Ur Stadt. Es hatte sich zu einem kleinen Ritual entwickelt, dass Nasreen Abend für Abend eine Stunde dort verbrachte. Sie genoss das lauwarme erfrischende Nass des Badebeckens und die nach Kakteen duftenden Zusätze, die in das Wasser gegeben wurden. Sie fühlte sich wohl. Nach ihrer Ankunft in Menek’Ur Stadt hatte sie noch jeden einzelnen Tag gezählt, inzwischen sind daraus schon Wochen geworden. In dieser Zeit hatte sie viele neue Gesichter kennen lernen dürfen und die meisten verhielten sich ihr gegenüber freundlich und zuvorkommend, nur die wenigsten gingen auf Distanz. Auch einem Sohn ihres eigenen Blutes war sie begegnet. Er war in ihrem Alter und sofort hatte sie Zuneigung und Geborgenheit verspürt.

Ja, sie hatte sich eingelebt, fühlte sich zuhause.

Menek’Ur Stadt – Heimat ihrer Zukunft.
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