Die Dunkelheit des Lichten Reiches

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Zoljana Steinbeis

Die Dunkelheit des Lichten Reiches

Beitrag von Zoljana Steinbeis »

Jepp schwankte zwischen Wut und Angst, Angst um Fabrizio, um seine Gesundheit jetzt und in Zukunft. Angst vor Vergeltung des sogenannten Lichten Reiches, ein Licht, das schon länger nicht mehr sichtbar war.
Wut darüber, dass Fab sich so hat reizen lassen von dieser dösig'n posch'n Frau, diese Mariella von und zu Hochnäsig. Wut über die Lügen einer Adligen, die es für nötig erachteten, ehrbare Handwerker, die sich nie was zu Schulden hatten kommen lassen, in den Kerker zu werfen, sie gar foltern zulassen.

Gierig zu sein hatte sie Fab vorgeworfen, Goldgeil und sich am Krieg bereichern zu wollen. Und das Fab.. Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es geradezu Lachhaft. Fabrizio al Cor, ihr Bruder, der lieber sein letztes Hemd auf dem Leibe weggeben würde, als einen andren frieren zu sehen.

Fab, der sich freiwillig melden wollte, um Adoran zu helfen, durch seine Arbeitskraft und auch durch eine großzügige Spende an Rüstungen und Schwertern. Aber ein stolzer Mann, der auch so behandelt werden wollte. Stolz zu Recht, auf das, was er schon in seinen Jungen Jahren durch eigene Hände aufgebaut und geschafft hatte. Meister der Waffenschmiedekunst, Meister der Rüstungsschmiedekunst, der Aufbau des Kontors, die Hilfe für andre, Ärmere Leute.. Lange Zeit war sie an seiner Seite gegangen, hatte ihn bewundert und geliebt. Sie wusste um seine Ehre, welche ihm genauso wichtig war, wie einem Paladin die seine. Er verlangte als freier Mensch behandelt zu werden, ein Mindestmaß an Höflichkeit.

Aber das Reich wollte keine freien stolzen Männer und Frauen, das Reich wollte untertänige Stiefellecker und Sklaven, die es mit der Knute zu Arbeit zwingen durfte. Die posch'n Herrn und Damen wollten ihre Macht ausüben können, zeigen, dass sie diese hätten – etwas das eher nach Rahal gepasst hätte, wenn sie nicht schon mitbekommen hätte, dass Rahal zwar hart, aber auch gerecht wäre. Und nicht diese sinnlose Willkür, die sich das Reich zu gute hielt. War es zuviel verlangt, ein Bitte oder ein Danke zu verlangen von einem Adligen an einen freien Menschen? War es die Pflicht eines 'Freien' sich zu ducken und als winselnder Köter vor seinem Herrn und Meister zu kriechen, weil er die Peitsche fürchtete? Wenn ja, was war daran frei?

Jepp war damals glücklich gewesen, im Reich aufgenommen worden zu sein, Menschen zu finden, die sie aufnahmen, ohne Vorbehalte ob ihrer Vergangenheit als eine Fahrende. Aber es waren allemal die normalen Menschen gewesen, und nicht die von Göttern eingesetzten Adligen.
Nur.... welche Götter hatten solche Wesen zu Adeligen gemacht?
Zuletzt geändert von Zoljana Steinbeis am Samstag 14. Februar 2009, 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
Zoljana Steinbeis

Beitrag von Zoljana Steinbeis »

Mit einem erschöpften Seufzer ließ Jepp sich auf Teos Bett fallen, das einzige, was im Moment noch frei war in der Herberge. Und das nur, weil sie Teo auf die Felle in der Werkstatt ausquatiert hatte. Aber noch eine Nacht auf dem Boden konnte sie nicht durchhalten, dazu taten ihr die Knochen und vor allem die Füße viel zu weh. Guter Teo, er hatte sofort zugestimmt, ihr seine Seite des Bettes von Laila und ihm zu überlassen.

Trotz ihre Müdigkeit konnte sie nicht schlafen, die Bilder der letzten beiden Tagen zogen nochmal vor ihren Augen ab. Gestern war sie gegen Mittag zum Kontor geritten, sie hatte eine Verabredung mit Fab wegen ein paar Rüstungen für die Herberge. Aber er war nicht da. Beim Nachfragen bei den Leuten am Kontor erfuhr sie, dass Fab wegen angeblichen Hochverrat im Kerker in Adoran säße, keiner konnte genau sagen, was eigentlich geschehen war. Irgendetwas vom Kriegsrecht und Gier, von unrechter Bereicherung und anderer Quatsch – alles Sachen die so wenig zu Fab passten wie.. wie .. wie.. Liebesschwüre von dem Silberhand an einen Letharen...

In Gedanken versunken ritt sie nach Hause, was konnte sie tun.. Unten an der Herberge traf sie auf Gregor, der eine sonderbare Geschichte ihr vorsetzte. Scheinbar hatte die Vogtin Fab bezichtigt, sich am Krieg bereichern zu wollen, seine Pflichten nicht zu tun und einen Notfall zu eigenen Gunsten ausnutzen zu wollen. Und das zu einem Mann, der bereit wäre, sein letztes Hemd zu geben, wenn er einen Frierenden sähe... Da war der weiter Verlauf des Gesprächs wohl vorgezeichnet, Fab dieser Sturrkopp würde sich nie zu etwas zwingen lassen, was er freiwillig nach einer einfachen Bitte überreichlich geben würde. Fabrizio al Cor war ein sehr stolzer Mann, jemand der einen Menschen nicht nach seiner Herkunft sondern nach seinen Taten beurteilte.

Jepp schnappte sich Siran und Laila und im gestreckten Galopp ging es nach Adoran. Als sie der Wache am Tor klarmachte, dass Fab ihr Bruder sei, ließ er sie passieren. Irgend ein Offizier stand an der Zellentür und unterhielt sich mit der zusammen gekauerten Gestalt auf der Pritsche. Jepp brauchte 2 Blicke um in dem kranken, mit blauen und grünen Flecken überhäuften Körper ihren Bruder zu erkennen. Hohes Fieber schüttelten ihn, er schien kaum Luft zu bekommen, Blut und Erbrochenes klebten in seinem Gesicht. Er trug nur ein zerrissenes Hemd und eine dünne Hose in der Kälte, eine alte fadenscheinige Decke hatte er um sich gezogen. Jepp stürzte in die Zelle und wickelte ihren Warmen Umhang um ihn. Glücklicherweise hatte sie die Angewohnheit, im Winter zu große Stiefel mit 3 paar Socken zutragen. So konnte sie Fabs Füße hinein zwängen. Nach einigem Hin und Her durften sie ihn mit nach Hause nehmen. Siran und Gregor hoben ihn auf Kleena und banden ihn am Sattel fest. Der Weg nach Bajard währte ewig, ihre bestrumpften Füße taten mit jedem Schritt mehr weh, bis irgendwann die Kälte den Schmerz blockte. Siran machte sich während dessen auf seine mittlerweile allzu gut bekannten Runde, einen Heiler aufzutreiben....
Zoljana Steinbeis

Beitrag von Zoljana Steinbeis »

Heute morgen gings Fab glücklicherweise schon wieder etwas besser. Gut, dass Lili gestern noch nach ihm geschaut hatte. Gegen Mittag tauchte der Richter auf mit zwei Soldaten, und wollte Fabrizio verhören. Es wurde eine öffentliche Anhörung in der Gaststube, wo Fab die Geschehnisse zum ersten Mal detailliert beschrieb. Jepps Finger klammerte sich um ihren Becher, nur mit Mühe konnte sie stumm zu hören bei dieser Schauergeschichte.

Richter von Weylenstein schien wirklich zu versuchen, der Sache auf den Grund zugehen, und auch im ersten Moment die Umstände für dieses 'Missverständnis' zu bedauern und helfen zu wollen. Doch dann verlangte er, dass Fabrizio sich bei der Vogtin entschuldigen solle, entschuldigen für etwas, dass ihre Schuld gewesen war. Und dass diese Freiin Mariella von und zu Hochnäsig jedes Recht auf ihrer Seite hätte, weil sie eben alter Adel wäre..

Jepp schäumte vor Wut, wie auch die andren Handwerker in der Herberge, Alina schien gleich explodieren zu wollen, Fabrizio wirkte wie der Tod selbst. So sollte der Adel wieder wohl Recht bekommen, wie immer sich alles herausnehmen dürfen und Fab zu tiefst gedemütigt werden.

So etwas nannte man also Gerechtigkeit im Reich des Lichtes – wie immer brannte das Licht nur bei den Adeligen, bei den einfachen Leuten herrschte tiefe Dunkelheit. Aber diesmal nicht! Diesmal würden sie sich wehren, der Adel war auf die Handwerker angewiesen, wer von ihnen verstand sich schon aufs Schmieden oder Schneidern. Auch Essen und Pferde würden sie von den Bauern brauchen. Alina, Fabrizio und Jepp steckten die Köpfe zusammen, auch Gregor beteiligte sich nach kurzer Unsicherheit. Sie würden die Geschichte bekannt machen, den Handwerkern und Bauern des Reiches klarmachen, was der Adel von ihnen hält. Wenn sie alle zusammen hielten, würde diesmal der Adel beigeben müssen, dann könnte einmal wenigstens etwas Gerechtigkeit im Land der Rechtschaffenheit herrschen können.
Alina Urwen

Beitrag von Alina Urwen »

Sie wollte eigentlich nur zum Hafen, um nach Lameriast über zu setzen, dem Ort, an welchem sie momentan ihre meiste Zeit verbrachte. Doch so weit war sie nicht gekommen. Als sie die Herberge von Zoljana passieren wollte, fiel ihr Blickauf einen alten Freund, einen, den sie leider in den Wirren der letzten Monde etwas aus den Augen verloren hatte. Umso mehr freute sie sich, ihn nun endlich wieder zu sehen, doch das Grinsen in ihrem Gesicht wich so schnell wie es gekommen war, als sie ihn sah. Er war verletzt. Er sah furchbar aus. Beinahe, als wäre er aus der Folter gekommen. Und so begann er zu erzählen.. immer mehr, immer weiter, anfangs stockend, dann flüssig... was ihm widerfahren war, in den angeblich lichten Reich. Mit jedem Wort welches er sprach, wurde Alina wütender. Ihre Fäuste hatten sich geballt, sie wäre am liebsten aufgesprungen und hätte gehandelt.. nur was? Imemr wieder versuchte er sie zu beruhigen und das, obwohl es ihm alles andere als gut ging.
Sie gingen in die Herberge, Fabricio mußte ins Warme. Nicht, daß er noch kränker wurde. Kaum waren sie dort, ging da Gesprächthema weiter... und kurze Zeit später gesellte sich ein alter "Bekannter" hinzu. Andreas Mythol. Er wollte mit Fabricio über das geschehene sprechen. Gerade dieser. Hatte er doch schon seid Monden Hausverbot im Handelshaus zu Gerimor aufgrund seines unflätigen Benehmens... Das Resultat dieses Entschlusses von Thrancred und von ihr war seine miserable Rüstung. Ein Grinsen konnte sich die junge Schmiedin nun doch nicht verkneifen, als sie jene in Augenschein nahm. Nicht bewußt... doch war es wohl am ehesten als Berufskrankheit zu bezeichnen.

Doch das Grinsen legte sich schnell wieder, als das Gespräch weiter fort schritt. Er wurde abgelöst von Antarian von Weylenstein persönlich, welcher in die Herberge kam. Von diesem Moment an schien das Ganz enur noch eine Farce zu sein. Fadenscheinige Ausreden, haltlose Anschuldigungen. Fabricio sollte Schuld sein. Das Reich wäre so gütig, den Vorfall zu vergessen, wenn er sichentschuldigen würde. Erneut ballten sich Alinas Fäuste, am liebsten hätte sie Antarian auf den Amboss geworfen und ihm den Allerwertesten mit dem Schmiedehammer geformt. Doch sie beherrschte sich, wenn auch mühsam. Wenn die Lage nicht so ernst gewesen wäre, dann hätte man sich darüber eigentlich köstlich amüsieren können, denn die Dinge, welche der Richter dort als Fakt dazustellen versuchte, hatte Löcher, welche wesentlich größer waren, als jene in einem grob geflochteten Kettenhemd. Und die Entscheidung war klar. Fabricio hatte keinen Fehler gemacht. Das Reich hatte sich von der Gerechtigkeit abgewendet, stellte persönlichen Stolz über das Reich. Und er würde sich nicht entschuldigen.

So rannte der Richter mit dem Kopf gegen die Wand aus drei Schmieden, welche alle einer Meinung waren und mit ihm an jenem Tische saßen. So ging er...doch wußte Alina, daß nur die offene Konfrontation vorbei war. Nun ging es hinten herum los. Sie alle würden geprüft. Über ihnen allen schwebte nun die Drohung des Reichsbanns. Nur weil sie Gerechtigkeit wollten und bereit waren, bis zum letztens dafür zu kämpfen.
Sie hatten darüber gesprochen. Sie waren sich der möglichen Konsequenzen bewußt. Doch wenn sie sich nun nicht wehrten, dann würden sie immer die Opfer sein, auf welche bei Bedarf mit den Füßen herum getreten wurde.

So war es nun an ihr, den anderen ihren Plan mitzuteilen. Dieser beinhaltete, das Reich an der empfindlichsten Stelle zu packen.
Sie hatten den Krieg ausgerufen. Gerade nun benötigten sie Handwerker. Und wenn diese nicht wären, dann müßten sie es einsehen.
Sie wollten nur eine Entschuldigung. Eine Stellungnahme. Das Einsehen derobersten, daß sie einen Fehler gemacht hatten. Daß sie nicht besser waren, als die einfachen Handwerker, ohne jene das Reich nichts wäre...

Es war ein riskanter Schritt, dessen waren sie sichbewußt. Doch sie konnten nicht anders. Das Recht wollte es so. Gerechtigkeit mußte her, ohne hatte diese hatte nichts einen Sinn.

So wurden Aushänge geschrieben. Einer nach dem anderen. In einer Nacht und Nebel Aktion wurden jene aufgehängt, in den Handwerkervierteln des Reiches, an den Handelshäusern zu Adoran, Varuna und Gerimor, an einzelnen Werkstätten, auf großen Plätzen. Sie hoffte nur, daß die anderen Handwerker die Wichtigkeit verstünden. Das sie Solidarität zeigten. Daß sie nicht aus Angst kuschten. Dafür war nun keine Zeit. Nun war die Zeit zu handeln.

So war ab dem folgenden Tag dies in jedem Teil des Landes zu lesen:

Höret, höret Handwerker des Reiches!

Folgendes sei geschehen:
Ein Handwerker, ein freier Mann, ging nach Adoran, zum Hause des Regimentes.
Er begleitete einen Freund, um sich dort freie Grundstücke für ein Haus anzuschauen und dann zum Regiment, wo dieser sich melden wollte, um zu helfen die Palisaden mit zu errichten.
So wurde auch er angesprochen und aufgefordert, zu helfen, wie er es mit seinem Handwerk könne. Die von ihm kommende Frage, ob ein Mann, mit Haus in Adoran nicht besser kämpfen würde als ein Fremder, weil er dann seine auserwählte Heimat verteidigen könne, wurde
abgeblockt. Darauf hin wurde ihm grundlos vorgeworfen, nur wegen dem Wohlstand nach Adoran gekommen zu sein. In seinen Augen bezichtigte man ihn der Gier. Von Bezahlung hatte er bis zu diesem Zeitpunkt nie gesprochen. Auch wollte jener Schmied, Plattenrüstungen aus 1000 Silberbarren dem Heer kostenlos zur Verfügung stellen, sowie eine dazugehörige Waffe aus Pyrian. Allerdings unter der Bedingung, dass die Freiin ihn darum bitte und damit den Vorwurf der Gierigkeit vor ihm zurücknahm. Dies hätte sie auch unter vier Augen können, damit sie ihr Gesicht gewahrt bleibe.


Daraufhin wurde von Antarian von Weylenstein der Befehl erteilt, diesen freien Mann festzusetzen und ihm den Mund mit Seife auszuwaschen. So brachte man ihn hinfort, stieß ihn in eine Ecke des Stalls, zu einem Wassertrog für Pferde. Als er sich nicht dazu bereit erklärte, sich den Mund freiwillig einseifen zu lassen, wurde er mehrmals mit Gewalt mit dem Kopf in den Trog gehalten, so dass er keine Luft mehr bekam. Als er kurz vor dem Ersticken wieder hoch geholt wurde und den Mund öffnete, so wurde ihm das Seifenstück hinein gestopft. Nach dieser Prozedur war sein Geist benommen. Anschließend wurde er in die Kerker geführt, er musste sich entkleiden und bekam ein dünnes Hemd und eine ebenso dünne Hose, sowie eine dünne Decke. Einen Tag musste er dort verharren, wo er scheinbar das Bewusstsein verlor. Am nächsten Tag konnten ihn seine Freunde mitnehmen, welche ihn besuchen gekommen waren. Nun liegt er krank darnieder, er habe eine Entzündung der Lunge, sowie andere Verletzungen, wo er sich nicht mehr erinnern könne, wie er an jene kam.

So sagen wir:
Diese Behandlung können wir uns nicht gefallen lassen. Wir erwarten eine offizielle Entschuldigung der zuständigen Personen. Die Führung des Reiches ist der Meinung, dass sie mit uns Handwerkern alles tun könne. Das wir ihrer nicht wert seien, dass sie uns nicht benötigen. Aus diesem Grunde rufen wir auf, Solidarität zu zeigen!
Wenn wir nun nicht zusammenhalten, zeigen wir, dass man mit uns alles tun kann.

Doch das kann man nicht. Was ist ein Krieger ohne Rüstungen und Waffen der Schmiede? Was sind die Magier ohne Lederschutz der Schneider? Was wären die Städte, wenn es keine Steinmetze und Schreiner gäbe? Was würden sie essen, so es keine Bauern gäbe? Wir Handwerker werden gebraucht, dies müsse auch der Adel begreifen. So rufen wir Euch auf, Handwerker des Landes, dem Reich keine Waren mehr zu verkaufen, keine Dienste zur Befestigung zu leisten, bis nicht eine öffentliche Entschuldigung getätigt werde, welche zugibt, dass der Adel einen Fehler gemacht habe.
Haltet Eure Waren bei Euch, zusammen können wir für die Gerechtigkeit stehen, welche wir verdienen, welche in einem Reich, welches sich der lichten Seite verschrieben habe, normalerweise existieren sollte. Doch tut sie es leider nicht, so müssen wir jene erzwingen.

Haltet zusammen, ihr Handwerker des Reiches! Zusammen können wir zu unserem Recht stehen, Gerechtigkeit fordern!
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Als die Türe des schwesterlichen Anwesens hinter sich schloss, verharrte sie einen Moment im Eingangsbereich. Der kleine Vorraum war nur schemenhaft erhellt die heruntergebranne Kohle in dem eisernen Becken verströmte einen warmen, rötlichen Lichtschimmer. Das Haus selber lag in vollkommener Stille, Mensch und Tier schliefen bereits tief und fest. Einzig das Holz im Kamin des Wohnraumes knackte hin und wieder.

Mit wenigen Schritten erreichte Mariella den Hauptraum. Ein kleiner Zettel lag auf dem Tisch, die Handschrift einfach und wohlvertraut. "In der Küche wartet ein kleines Mahl. Angenehme Träume", mehr stand nicht darauf. Brauchte es auch nicht, denn sowohl Schrift als auch Inhalt der Nachricht verrieten die Verfasserin. Rabea. Wunderbare gute Seele. Nicht erst einmal hatte sie sanften Tadel fallen lassen, dass Mariella so spät nach Hause kam. Wie jetzt, mitten in der Nacht. Ein lautloses Seufzen hob die schmalen Schultern an, ehe sich die junge Freiin wieder aus ihren Gedanken löste und die Küche ansteuerte. Frisches Brot, Käse, Schinken und ein wenig Obst warteten dort auf sie. Unvergleichliche Rabea...

Mariella lies sich am Tisch nieder und lehnte sich zurück. "Jeder Moment ist einzigartig. Macht es Euch bewusst. Erlebt es", wisperte eine leise Stimme in ihrem Kopf. Sie hatte versprochen, sich auf ihn einzulassen, also gut, versuchen wir es. Sie sah das schwache Glühen unter der Kochstelle, lies die Fliesen auf sich wirken, spürte die Maserungen des Holztisches unter ihren Fingern. Der Geruch der abendlichen Suppe lag noch fein und würzig in der Luft. Dennoch.... so sehr sie sich auch bemühte, es gelang ihr einfach nicht, die Gedanken konsequent beiseite zu schieben. Der Tag war einfach zu aufreibend gewesen.

Alles begann damit, dass Gregor Symner ihr Angebot zu einem Gespräch angenommen hatte. Im Nachhinein wusste Mariella nicht, ob sie wirklich damit gerechnet hatte. Vielleicht war sie auch davon ausgegangen, dass die Scheu vor ihrem Stand ihn abhalten würde. Wie dem auch sei, er hatte vor ihrem Büro auf seine Gelegenheit gewartet und er sollte sie bekommen. Interessant wurde es, als sich der Knappe von Rafael hinzugesellte. Beachtlich, welche Kreise dieses eigentlich normale Vorgehen nach sich zog. Sie schob ihren aufkommenden Groll beseite und gestattete nun beiden, sich ein umfassendes Bild zu machen. Dies war im übrigen das erste Mal bisher, dass sie froh war, ihren Bruder in weiter Entfernung in der Furt zu wissen. Er hätte sie mindestens belächelt, höchstwahrscheinlich aber hätte sie sich eine Lektion abgeholt, die sie nie vergessen würde. Sie war schlicht und ergreifend keine Rechenschaft schuldig. Es war das Recht... nein, die Pflicht ihres Standes zu handeln, wie sie gehandelt hatte. Nun ja, sie war nicht Silvan und sie konnte nicht seinen Weg gehen. Die Menschen hatten angefangen, ihr Lächeln zu schätzen. Ein Lächeln, das vorhielt, so lange es eben möglich war. An jenem bedauerlichen Abend war es das nicht mehr gewesen.

Fabrizio al Cor war ihr kein Unbekannter. Kaum einer wusste, dass dieser Mann schon einmal knapp an einer Inhaftierung wegen Adelsbeleidigung vorbeigeschrappt war. Hätte Mariella an jenem Tag in Varuna ihrer Schwester die freie Wahl gelassen, hätte besagter Schmied für sein loses Mundwerk vermutlich schon damals erfahren, dass man sich dem Adel gegenüber einfach angemessen zu verhalten hatte. Aus welchem Grund auch immer, Mariella hatte damals Gnade vor Recht ergehen lassen und er war unbehelligt geblieben. Sein Gesicht jedoch hatte sie sich gemerkt.
So war es für sie auch nicht wirklich verwunderlich, wie die Dinge ihren Lauf genommen hatten. Das Verhaltensmuster, dass sie damals auf dem Marktplatz beobachtet hatte, begann sich zu wiederholen, diesmal war es der Oberst, der sich den Frechheiten des Mannes aussetzen musste. Vermutlich hielt Fabrizio sich für einen begnadeten Redner oder Verhandler, jedenfalls schaffte er wieder nicht das Einfachste: den Mund zu halten. Statt einfach der Grafschaft, der Stadt und den braven Menschen dort zu helfen, begann er zu feilschen. Ein kleines Haus wollte er haben. Mit Besitz wäre er viel eher motiviert, die Stadt zu verteidigen. Mariella konnte bereits die Ader am Hals des Oberts pulsieren sehen und sie selber glaubte, sie habe sich verhört.
Da wagte es dieser Mann, in Zeiten der Not, in Zeiten des Kriegsrechtes seine Hilfe an Bedingungen zu knüpfen? Es kam zu einer gezischten Warnung - und hier beging Mariella ihren ersten Fehler. Statt den Kerl einfach einsperren zu lassen, bat sie Thelor von Reensdorf, Fabrizio seine Fehltritte zu verdeutlichen. Das war das Problem, wenn man nicht dem Weg des unbedingten Gehorsams folgte: Es brachte Ärger mit sich. Doch im Grunde wollte sie, dass die Menschen verstanden, was um sie herum passierte.

Doch anstatt Vernunft anzunehmen, wurde Fabrizio übermütig. Es endete in einem Erpressungsversuch. Ja, sein Angebot war verlockend und für das einfache Volk mit Sicherheit geeignet, um ihn in die stärkere Position zu bringen: Er wollte Rüstungen stiften, seine Arbeit zur Verfügung stellen und auch noch jeweils ein Schwert pro Rüste dazulegen. Ein nicht zu verachtendes Angebot. Mariella war sich der Verführung durchaus bewusst. Wenn dies ohne weiteres wenn und aber gekommen wäre, sie selber hätte vermutlich am Ende für eine Belobigung gesprochen, einen Orden angeregt oder eine Ehrung vorangetrieben. Auf jeden Fall hätte sie ihm persönlich gedankt. Doch dann kam der unheilbringende Satz: Sie sollte ihn darum bitten. Dann, und nur dann, war er bereit, den Männern und Frauen, die ihr Leben auch für ihn riskieren würden, zu helfen.

Wieder hatte sie geglaubt sich zu verhören. Es war das Kriegsrecht ausgerufen worden. Ob das Fabrizio vielleicht irgendwann mal in den Kopf wollte? In diesen Zeiten war es keine Nettigkeit mehr, dem Volk beizustehen, es war die verdammte Pflicht eines jedes Reichsbürgers! Nüchtern betrachtet, war mit dieser Unverschämtheit jeder Wille zur Freundlichkeit von ihr abgefallen. Mariella war im Grunde dafür bekannt, für jeden ein nettes Wort zu haben, auch den Niedersten zumindest ein Lächeln zu schenken. Doch alles kannte seine Grenzen. Bei ihr war diese Grenze erreicht, wenn man den Respekt vor ihr verlor und glaubte, sie vorführen zu können. Fabrizio war noch weiter gegangen: Er hatte nicht zum ersten Mal die Stellung des Adels damit in Frage gestellt, er hatte versucht, sich als der Stärkere zu beweisen und er nutzte die Angst vor dem drohenden Unheil zu seinen Zwecken.
Entschieden wurde dieses Ansinnen zurückgewiesen. Dann kam Fehler Nummer zwei: Wieder verzichtete sie darauf, ihn postwendend abführen zu lassen, wieder bekam Thelor die Gelegenheit, den Schmied zur Vernunft zu bringen - und wieder lief dieser Versuch der Gnade ins Leere. So war es Thelor, der schließlich die Verhaftung anwies. Der Ritter hatte das einzig richtige getan, er hatte Fabrizio seine Grenzen aufgezeigt.

Mariella hätte es zunächst gereicht, wenn der Schmied für eine Nacht in den Kerker gekommen wäre. Dort hätte er nachdenken und seine Verfehlungen können. Doch wieder kam es anders. Es war wohl mehr Zufall, dass just in diesem Moment Antarian im Regimentstrakt erschien. Er brauchte nur einen Blick, um den Ernst der Lage zu erkennen und nach der Schilderung des Vorfalles auch nicht lange, um sein Urteil zu fällen. Doch wieder ließ Fabrizio es nicht gut sein und handelte sich am Ende noch eine Mundhygiene mit Kernseife ein.

Kurz danach war der Abend vorbei gewesen: Fabrizio wurde in die Zelle gebracht, bekam trockene Kleidung und eine Decke, dann konnten sich endlich alle ein paar Stunden Schlaf gönnen.

Doch wer glaubte, damit sei die Sache ausgestanden, der irrte. Gergor, der das Ganze mitangesehen hatte, war offenbar verunsichert und verwirrt. Anders konnte Mariella sich die Gesprächsanfrage nicht erklären. Wie dem auch sei, der Mann hatte sich bisher vorbildlich verhalten und weiterhin war sie nicht daran interessiert, das man von ihr ein Schreckensbild zeichnete. Sie ließ ihn also kommen. Dass Andreas Myrtol, der Knappe Rafaels dabei war, hing schlicht und ergreifend mit der Tatsache zusammen, dass man einem Kronritter nicht so vors Schienbein trat. Mit Rafael würde sie sich noch persönlich über Vertrauen und standesgemäße Untersuchungen unterhalten.

Es kam zu einer Fragerunde, von der sie den Eindruck hatte, dass sie gut verlief. Am Ende ließ sie sogar die beiden Korporäle Feruin und Ragwyn antreten, um auch wirklich den letzten Schatten des Zweifels verschwinden zu lassen. Es gipfelte in einer Untersuchung auf mögliche Misshandlung. Sie hatte den Bericht später am Abend erhalten und ihre Vermutung bestätigt gesehen, dass die Verletzungen auf eine unverschuldete Selbstschädigung zurückzuführen war. Gerade jetzt würde sich niemand im Regiment wagen, unnötige Gewalt zu nutzen.

Mariella griff zu einem Stück Apfel und lehnte sich zurück. Bewusst nahm sie die Süße des Saftes wahr und die angenehme Festigkeit des Fruchtfleisches. Einige Stunden später - sie befand sich gerade in einem weiteren Bürgergespräch- wurde eine weitere Hoffnung zerstört. Das war dann Fehler Nummer drei. Sie hatte tatsächlich gehofft, Fabrizio sei zur Vernunft gekommen. Eigentlich erwartete sie nicht viel: Eine Entschuldigung, wenn der Mumm für ein persönliches Gespräch fehlte, hätte es auch ein Schreiben getan. So sie den Eindruck gewonnen hätte, die Worte wären ehrlich gewesen, wäre sie höchstpersönlich zu Antarian gegangen und hätte um eine Milderung des Urteils ersucht.
Doch sie hätte es wissen müssen: Sturheit und Unverfrorenheit hatten den Mann in seine missliche Lage gebracht und es war eben nicht das erste Mal, dass er ihr negativ aufgefallen war. Dieses einmal hätte sie nichts dagegen gehabt, sich in ihrer Menschenkenntnis zu irren.

Nun konnte sie nur noch hoffen, dass ein Gregor Symner sich genug Gehör verschaffen konnte, den Menschen die Augen zu öffnen. Schwer seufzend gestand sie sich ein, dass sie dabei war, Fehler Nummer vier zu machen: Sie würde Fabrizio vermutlich dennoch anhören, so er den Weg zu ihr suchen würde. Warum hatte sie nicht einfach kurzen Prozess gemacht? Ganz einfach - weil es eine Weile brauchte, bis sie soweit war. Ja, sie konnte knallhart sein und wenn sie ihre Selbstbeherrschung verlor, war klar erkennbar, wessen Schwester sie war. Doch sie hatte ihr aufkochendes Blut besser im Griff. Sie mühte sich um Ruhe und Diplomatie, so lange es möglich war und so lange es ihr hilfreich erschien. Sie wollte die Menschen nicht mit Furcht führen. Waren aber die Grenzen erreicht, musste man seine Stellung behaupten. Genau das passierte jetzt. Sie würde eine ausgestreckte Hand nicht abschlagen, aber bei der Göttin, sie würde sich auch nicht vorführen lassen...!

Mühsam drückte sie sich in den Stand hoch. "Manchmal muss man die Mühle anhalten, um die Qualtität ihres Materials zu prüfen", hörte sie wieder diese ruhige Stimme in ihrem Ohr. Vielleicht sollte sie das tun. Sich einfach etwas Ruhe gönnen. Doch jetzt war nicht die Zeit dafür. Jetzt musste jeder auf seinem Posten bleiben und tun, was nötig war. Für die Grafschaft. Für Adoran. Für die Menschen die dort lebten.
Arenvir von Goldenfall

Beitrag von Arenvir von Goldenfall »

"Diese Vorfälle können wir uns nicht leisten. Entsendet sofort 3 Streifen, die sich um diese Aushänge kümmern. Wer sich dagegen sträubt und nicht pariert, wird sofort verhaftet."

Am anderen Morgen mache der Feldwebel sich höchstpersönlich auf den Weg, um in Adoran, Varuna und Berchgard eine kleine Rede an die Bevölkerung zu halten.


"Bürger der Grafschaft, Höret mich an!


Es hat sich zugetragen, das die Verhaftung des Schmiedemeisters Al Cor hohe Wellen schlug. Uns kam allerdings auch zu Ohren, das hier einige von Euch den Aufstand proben! Wie kann das sein, frage ich mich? Falls ihr es noch immer nicht gemerkt haben solltet, befindet sich dieses Reich im Kriegszustand. Auch Rahal hat den Kriegszustand erklärt. Wohin wird das also führen frage ich Euch meine lieben Leut? Sicher nicht zu Tee und Gebäck in der Gräfin Schloss.

Es führt uns in einen neuen Krieg mit den Alatarischen Hunden, ruft euch das endlich ins Gedächtnis. Und wenn da jemand nicht mitzieht, und großmächtig Bedingungen anknüpft, für Dinge, die man ihm entlohnen würde, und ein Danke fordert, wo das Danke hinter dem Dienst zurückzustehen hat, der ist dann selber Schuld. Und wenn er nicht Manns genug ist, sich den Mund einseifen zu lassen sondern die Seife beisst und halb auffrisst, und dann zu benebelt ist um zum Bett zu kommen und sich dann etwas bricht, dann wagt es ja nicht, meine Soldaten dafür verantwortlich zu machen! Was tut ihr denn bisweilen? Eine Hand voll von Euch hilft mit, eine Handvoll, die ich an der linken abzählen und namentlich benennen kann, so überschaubar ist sie! Aber meine Soldaten, Eure Freunde, Verwandten, Väter, Söhne, Töchter, alle die sie den königlichen Uniformrock tragen, die sterben da draussen, wenn Adoran angegriffen wird, wenn vor Varuna Gefangene gemacht werden, bei all den kleinen Vorstößen Rahals.

Also wagt es ja nicht, euch hier aufzuführen als wäre der Adel der Alka! Wenn ihr meinen Soldaten ihr Rüstzeug verweigern wollt, tut es! Zur Not statte ich sie höchstpersönlich mit Erzeugnissen von jenseits der Grenze aus! Aber kommt dann nicht zu mir gerannt, und erbittet Hilfe, wenn ihr in Not seid! Ihr solltet Euch was schämen!

Wir haben uns das nicht ausgesucht, aber wir erfüllen unseren Eid. Tut ihr vielleicht die Eure Pflicht? Ich habe euch etwas gefragt?!"


Nach dieser mitunter äußerst lautstarken Moralpredigt, winkte der Feldwebel entnervt ab, setzte sich auf sein Ross und verschwand, um in der nächsten Stadt ähnliches von sich zu geben.

Was hatte das alle noch für Sinn, wenn jeder kleinlich auf seine Rechte pochte, wo andere klaglos ihren Dienst verrichteten und starben?
Gregor Symner

Beitrag von Gregor Symner »

Mit leisem Seufzen sass er im Raum der Herbege und das Bild vom gemeinsamen Kontor in Adorans Handwerksviertel verblasste immer mehr. Hatte er nach dem Gespräch mit der Freiin von Dragenfurt noch gehofft mit gutem Zureden Fabrizio dazu zu bewegen seinen Stolz herunterzuschlucken und sich einige Worte aus den Finger zu saugen hatte er diese Hoffnung mittlerweile verloren. Zu gross war sein Stolz doch viel grösser schien sein Dickschädel zu sein. Und zu gross waren die Kreise die die Sache jetzt schon zog. Hinzu kam noch dass nicht wenige ihre Chance sahen auf seinem Rücken ihre eigenen Rechnungen mit dem Reich begleichen zu können. Es war schlicht und ergreifend zum Haare raufen.

Was dachten sie sich bloss alle? Einen Zug gegen den Adel, das Gericht und die Gerichte des Reiches zustarten. Keiner schien begreifen zu wollen dass sie ihm damit nur immer mehr schaden würden als dass es ihm nützen würde. Wenn dieser Feldzug beendet wäre sässen vermutlich nochmehr Handwerker in Haft und kein Handwerker der diesen Zug mitgeht würde seine Waren noch verkaufen können. Bliebe nur der Weg nach Rahal oder weg von Gerimor doch der Adel kannte viele Leute. Viele Menschen würden die Namen der Geächteten kennen.

Er blickte auf als der Richter eintrat. Er hörte ruhig zu und verstand diesen Mann der dort sass, vertrat jener doch eben seine Meinung. Egal wie sehr Fabrizio Recht hatte, er würde es nie bekommen. Das war das Los des kleinen Mannes ob er nun Bauer, Soldat oder Schmied war. Selbst die verdientesten des Reiches mussten wissen wie weit sie gehen konnten ohne ihre Pfründe zu verlieren und Fabrizio? Gregor fühlte sich hilflos seinem Freund ohne grösseren Schaden aus diesem Gewirr zu befreien. Es gab keinen Ausweg der noch zurück ins Reich führen würde. Nur einen aber Gregor kannte Fabrizio mittlerweile zu gut um zu wissen dass die Zeit für eine Entschuldigung schon vorbei war als er in den Kerker flog.

Am liebsten hätte er sich von Fabrizio losgesagt und seinen ganzen Kram nach Adoran geschafft aber was hätte er ohne seinen Freund dort gemacht? So standen sie bald vor Bajard und Fabrizio zeigte ihm schon neue Grundstücke wo er bauen wollte. Ob sie noch Freunde waren? Ob er mit ihm hier ein neues Kontor bauen würde? Verdammter Idiot! Mit diesen Worten und einem leichten Schmunzeln im Gesicht schubste er ihn wieder zurück in Richtung Herberge.
Rondrian Toberen

Beitrag von Rondrian Toberen »

Schon lange hatte er sich nicht mehr so müde gefühlt, zuletzt wohl als er während der Pest in Varuna kaum ein Auge zugedrückt hatte und nun war es wieder etwas bedrohliches, dass ihm vor lauter Arbeit den Schlaf raubte. Der Krieg mit Rahal entbrannte heftiger denn je und so wurde dann vor wenigen Tagen auch das Kriegsrecht in der Grafschaft Hohenfels ausgerufen, auf dass sich jeder treue Reichsbürger sich nützlich mache, um die Gefahr abzuwenden. Jeder konnte seinen Beitrag leisten, sei es, dass er sich zur Miliz meldete oder als Handwerker nicht die Waffe, sondern das Werkzeug schwang. Zu tun gab es für jeden etwas.

Und so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich nach kurzer Zeit die ersten Freiwilligen meldeten und zur Tat schreiten wollten. Man lud sie ins Verwaltungsgebäude nach Adoran ein, um weiteres Vorgehen zu besprechen. Gregor Symner kam in Begleitung von Fabrizio al Cor, den Rondrian noch als Schmied von der Gefolgschaft von Reensdorf kannte.

Da eigentlich nur Herr Symner geladen worden war, erklärte Rondrian Fabrizio, dass er sich als treuer Bürger ebenfalls bereitzuhalten habe. Direkt, aber freundlich. Und danach kam es zum Wortwechsel mit ihrer Hochgeboren und wohl nach einigen Missverständnissen, forderte Herr al Cor schließlich im vorraus schon ein "Bitte". Und auch nach mehrfachem gutem Einreden von Sire Thelor kam er nicht von dieser Idee ab.

Warum redete er sich um Kopf und Kragen? Warum beließ er es nicht dabei? Wenn alles vorbei war, würde jedem Bürger seinen Leistungen entsprechend gedankt werden und bei solch einer großen Spende, würde die Danksagung sicher nicht klein ausfallen. Nein, man würde sogar einen Großteil des Wertes wieder auszahlen. Aber anstatt darauf zu setzen, forderte er schon vorher alles ein. Er konnte nur den Kopf schütteln.

Wenige Tage darauf tauchten dann auch noch "Hetzschriften" von Handwerksleuten auf, die noch mehr Öl ins Feuer goßen. Es hatten sich nichtmal eine handvoll Handwerker gemeldet, wo es so dringlich war. Aber für sowas hatten sie wieder Zeit? Er seufzte nur langegzogen und ließ die Aushänge entfernen, so gut es ging.

Sollte er überall klopfen und erst ein Danke und Bitte fordern, bevor er seinen Dienst antrat und andernfalls den Dienst verweigern? Hatte er jemals ein Danke gehört? Nein und wenn nur sehr selten. Meistens wurde man noch hinterrücks beschimpft, dass man die einfachen Leute schikaniere. Das aber täglich das Regiment und seine Mannen ihre Köpfe für die einfachen Bürger herhielten, das war wieder vollkommen egal.

Und nun war Krieg, dessen musste man sich erstmal bewusst werden. Da war für sowas kein Platz und keine Zeit. Jetzt mussten alle gut zusammenarbeiten.
Zuletzt geändert von Rondrian Toberen am Montag 16. Februar 2009, 07:34, insgesamt 1-mal geändert.
Gregor Symner

Beitrag von Gregor Symner »

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Trotz der Kutschfahrten begannen seine Füsse langsam zu schmerzen als er durch die Strassen Adorans ging und in der Bank und der Taverne die letzten Aushänge festnagelte. Er war stolz auf seinen Freund der seinen eigen überwandt und anfing das richtige zu tun. Dieses Schreiben war vielleicht nur der erste Schritt aber er zeigte wo er sein Herz hatte. Dass er nicht beharrlich blieb sondern wieder alles tat um die dunklen Horden in ihre Schranken zu weisen. Und dass er trotz seines Sturkopfes ein wahrer Bürger des Reiches war. Und damit es alle lesen konnten hingen die Schreiben nun in Bajard, Varuna, Berchgard und nun auch in Adoran.

Langsam begann Gregor wieder Mut zu schöpfen hier in seiner neuen Stadt seinen Traum leben zu können ... ihren Traum. Aber viel wichtiger war jetzt Fabrizios Ruf wiederherzustellen und allen zu zeigen dass er diesen Weg aus reinem Herzen ging und nicht weil er sich zwingen liess. Dies war der Ort an dem auch er leben wollte, an dem er sich glücklich fühlte und wohin es ihn immer ziehen würde. Erschöpft aber zufrieden nagelte er den letzten Zettel an einen der Pfosten vom Lagerhaus am Hafen und drehte sein Gesicht wieder in den eisigen Wind der durch die Strassen von Adoran pfiff. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen humpelte er in die Nacht hinein. Hinter ihm zappelte der Aushang im Wind.
Fabrizio al Cor hat geschrieben:Fabrizio sitzt in der Herberge zu Bajard, wo er seinen Freunden gerade mitgeteilt hat, das der erste Aufruf an die Handwerker ein Fehler war, geboren aus Schmerz und falschverstandenem Stolz. Er hat sich entschieden einen neuen Aufruf an alle Handwerker zu schreiben um sie zum einheitlichen Kampf gegen die dunklen Mächte aufzurufen. Sofort setzt er sich hin und beginnt zu schreiben.

Höret Handwerker des Lichten Reiches!

Vor einigen Tagen rief ich euch auf, den Adel des lichten Reiches zu boykottieren. Geboren war dieses Schreiben aus Schmerz und falschverstandenem Stolz, zu einer Zeit wo der Feind vor unseren Toren steht und nur darauf wartet, dass wir ihm die Möglichkeit bieten unsere Schwäche gegen uns zu nutzen.

Dieser Aufruf nützt niemandem außer den dunklen Kräften im Reich. Das darf nicht geschehen. Denn mit ihrem Sieg würde Dunkelheit über uns kommen und viele Generationen müssten darunter leiden.

Mein Großvater erzog mich im Sinne des Lichts. Mit etwas Abstand habe ich begriffen, dass ich falsch gehandelt habe. Ich rufe euch hiermit auf, helft alle mit, sei es bei der Befestigung unserer neuen Hauptstadt Adoran, sei es mit Materialien die dafür gebraucht werden oder sei es ihr meldet euch zum Dienst im Heer. Ein Jeder von euch wird gebraucht, damit die dunklen Heerscharen vom Lichte hinweggefegt werden und unsere Kinder in Frieden und Freiheit leben können.

Auch ich werde, so es mir von seitens des Landes gestattet wird, meinen Beitrag dazu beitragen.

Folgt meinem Ruf für Freiheit und das Leben im Licht.


Fabrizio al Cor

Reicht dann Gregor einige Zettel, die er ihn bittet in allen Städten des Reiches auszuhängen, gut sichtbar.
Zoljana Steinbeis

Beitrag von Zoljana Steinbeis »

Jepp kuschelte sich knochentief müde an Cedric. Trotz ihre Erschöpfung konnte sie nicht schlafen, zu viel ging in ihrem Kopf umher. Die letzten Tage waren ein noch größeres Chaos gewesen, als es für die Herberge normal war. Wenn Cedric nicht wäre und ihr seine Stärke lieh..
Zärtlich schaute sie ihren schlafenden Mann an, ein Lächeln, welches nur er zu sehen bekam, machte ihr Gesicht weich und verletzlich. Cedric, der Mann ihres Lebens. Sie bereute nichts, wie könnte sie auch. Nie hätte sie auch nur zu träumen gewagt, dass es solch ein Glück für sie gäbe.

Ihre Gedanken wanderten zu dem andren Mann den sie liebte, der jetzt ihr Bruder war und der doch auch so viel mehr hätte sein können. Aber es war richtig wie es gekommen war. An Fabs Seite wäre ihr Leben ganz anders verlaufen, sie wäre eine Feinschmiedemeisterin im Kontor oben, eine brave kleine Bürgerin des Reiches.

Das Reich.... Jepp verzog das Gesicht. Sie wollte nicht mehr viel mit dem zu tun haben, so wie die ihre Untertan behandelten, es zuließen, dass einige Adelige ihren Stolz vor die Sicherheit des Reiches stellten. Der Aufruf von Alina zum Streik war ein Schritt in die richtige Richtung, wenn vielleicht auch der falsche Weg. Es war Krieg, und egal was sie davon hielt, die ärmere Bevölkerung würde darunter leiden. Und würde noch mehr leiden, wenn dies Dösköppe von Adeligen nicht ihre Hintern hoch bekämen, um der Gefahr zu begegnen. Und auch die Mauern um die Stadt müssten gebaut werden, damit die Leutz geschützt wären.

Die Mauern... Sie hatte von Falkos Aufruf gehört – warum fingen sie bei den Adeligen an zu bauen? Wäre es nicht besser, erst die anderen in Sicherheit zu bringen, und die Schätze der Reichen als Köder zu lassen? Jetzt würden Plünderer erst über die Ärmsten herfallen und sie abschlachten. Die Adeligen haben doch genug eigene Wächter, die ihren Besitz solange beschützen könnten, bis die Truppen da wären.

Die Truppen... Hatte sie ein Recht dazu, den Soldaten ein Lager, ein Bett zu verwehren, nur damit ein oder zwei Adelige keins bekämen? Sie würde Bescheid geben, dass die Betten abgeholt werden könnten, als Leihgabe, sollten sie noch gebraucht werden.

Betten.... Wo Torben wohl heute schlief? Teo würde den mit Sicherheit nicht in die Herberge lassen, nicht nachdem der sich gestern so aufgeführt hat. Ja, Jepp konnte sich vorstellen, was in seinem Innersten vorging. Aber das war kein Grund, mit Gewalt und Wut auf die Anderen zu reagieren, nur weil keiner Zeit hatte, Torben zu hätscheln und seine Wunden zu lecken. Schließlich waren es ja seine Fehlentscheidungen gewesen, die zu dieser Situation geführt hat. Er hatte sich erst für Rahal entschieden und dann gegen, weil ihm wohl einer dort unwissentlich die Augen geöffnet hatte. Es war genauso wie sie immer sagte – die Herrschenden nehmen keine Rücksicht auf das einfache Volk, weder im Reich noch in Rahal. Torben musste langsam mal erwachsen werden und merken, dass sich die Welt nicht nur um ihn und seine Wünsche dreht. Und dass auch gut gemeinte Taten nach hinten losgehen können, da man vorne nur die Auswirkungen sieht und nicht die Hintergründe. Sie wusste nicht, ob sie ihm noch eine aller aller ...(wie viele aller waren es eigentlich bisher gewesen?) ... letzte Chance geben sollte oder guten Gewissen konnte? Sie würde morgen mit ihm und den anderen ihrer Familie reden, vor allem mit Cedric.

Cedric... Der Mann ihres Lebens... mit einem zärtlichen Lächeln auf den Lippen kuschelte sie sich noch enger in seine Arme und schlief endlich ein.
Alina Urwen

Beitrag von Alina Urwen »

Als sie nach der Arbeit in der Mine müde nach Hause wollte, fiel ihr Blick auf jenen erneuten Aufruf. Sofort fiel die Müdigkeit von ihr ab, ihre Faust ballte sich. Immer und immer wieder las sie diese Zeilen. Nun war auch er gekippt, schloss sich wieder dem Kuschen und dem Krauchen vor den angeblich Hohen an.
Sie wußte nicht, was ihn dazu bewegt hatte, doch ging sie davon aus, daß es wieder einmal irgendwelche Drohungen waren.

Wollten sie dies wirklich? Weiterhin kuschen und dienen, sich dafür als Belohnung belügen und betrügen lassen?
Wenn es wahrlich deren Wunsch war, so tat es ihr leid. Dann hatten sie es nicht besser verdient. Doch im Innersten befürchtete Alina, daß es einfach die Feigheit oder die Angst war.

Angst, das Bekannte aufzugeben, in die Fremde zu gehen. Angst ein neues Leben außerhalb des Reiches zu beginnen. Angst vor Drohungen und einem eventuellen Reichsbann. Angst Freunde zu verlieren.... das letzte konnte auch sie verstehen.. doch waren es wahrlich Freunde, so man diese verlor, wenn man sich für seine Überzeugung einsetzt?

Sie zumindest wollte nicht mit der Menge schwimmen. Sie würde nicht mehr kuschen. Sie würde sich nicht mehr verhöhnen und belügen lassen, nicht von den hohen Herren, die forderten, daß sie diente. Dies hatte sie die letzten Jahre gemacht, in welchen sie im Reich gelebt und gearbeitet hatte. Sie wollte es, ihre Wut darauf war mit jedem Tag größer geworden. Nur ihre Freunde hatten sie gehalten. Doch nun.. nun reichte es. Waren es wirklich Freunde, so würden sie ihr Handeln verstehen und auch nach wie vor den Kontakt mit ihr suchen... Taten sie es nicht... so waren es auch keine Freunde.

Mit diesem Gedankengang ging sie in ihr Haus und begann zu packen. Ihr ganzes Hab und Gut wurde in Truhen verpackt und zusammen mit den Möbeln zum Auf einen Karren verladen. Die goldene Statur, ihr Meisterstück, welche den Eingang ihres Hauses geziert hatte,. wurde vorsichtig in Tücher geschlagen udn ebenfalls verpackt. Kurzum: Alles was ihr gehörte, ihr ganzes Leen, wurde verladen.

Noch in dieser Nacht zog sie los. An den Toren blieb sie stehen, sah nochmals zurück. Ihr Blick striff über den Ort, welcher ihr so lange als ihre Heimat gedient hatte. Und noch immerliebte sie das kleine und beschauliche Örtchen Berchgard. Doch solange es zum Reich gehörte gab es für sie kein zurück. Dies wußte sie. Sollte sich die Zugehörigkeit irgendwann ändern, so würde sie gewiß zurück kehren...und wenn nicht, dann blieben ihr nur die Erinnerung. Doch sie mußte es tun, die hatte keine andere Wahl, so sie sich nicht selber verraten wollte, wie es scheinbar die anderen Handwerker vorzogen.

So zog sie los, den Karren im Schlepptau, nur mit der Hilfe ihre Pferde. Sie wußte nicht, wohin sie ihr Weg irgendwann führen würde. Sie wußte nicht, wo sie ihr neues Leben beginnen würde. Doch für den Moment war es auch gleichgültig. Sie mußte weg, fort von diesen Lügen und den der Hinterlist.

So würde sie sich erst einmal in einer Herberge einmieten, welche auf neutralem Grund lag. Und da gab es nur noch eine einzige... dort würed sie das finden, was sie in ihrer momentanen Situation am dringendsten benötigte: Ruhe und Zeit um nachzudenken...
Friedolin von Tannhoeh

Beitrag von Friedolin von Tannhoeh »

Seine Vermutung hatte sich teilweise doch bestaetigt - aber eben nur teilweise. Es waere ja auch zu komisch gewesen, haette Fabrizio die Aushaenge im angeschlagenen Zustand alleine schreiben und quer ueber die Grafschaft verteilen koennen.
Dass er aber die Hetzschriften ueberhaupt nicht verfasst hatte und nur die wahren Schuldigen schuetzen wollte - wer haette das gedacht. Gregor Symner wollte die wohl in erster Linie verantwortliche persoenlich nicht gut kennen, so blieb es bei einer groben Beschreibung. Mehr war fuer den Korporal aber auch gar nicht noetig gewesen. Hatte nicht seine Hochgeboren nach dem Gespraech mit Fabrizio noch gemeint, die Frau sei zu ueberpruefen, wuerde vielleicht gar fuer Rahal arbeiten. So recht hatte er es nicht glauben wollen, obwohl die Frau doch sehr aufmuepfig erschien. Und so hatte er bereits bei der Befragung noch den Namen auf einen Zettel geschrieben: Alina Urwen. Und irgendwie war es schon komisch: waehrend Alindra noch meinte, das wuerde passen, hatte die Freiin gleich nach der Besprechung gemutmaßt, er verdaechtige eine Schmiedin nicht. Irgendwie schienen sie doch gut eingespielt zu sein, auf eine gewisse Art und Weise.
Man einigte sich darauf, nicht sofort zuzuschlagen. Die Rolle dieses Symners schien noch zu unklar, irgendwie war er zu nah dran um nicht beteiligt zu sein. Natuerlich gab es gegen seine Buergerschaft keine Einwaende, man wollte ihm glauben machen, man vertraue ihm. Zumindest Friedo wollte das auch - aber warum ein Risiko eingehen? Das Vorgehen war also klar, es galt Gregor zu beobachten und Alina. Sollten die beiden in Kontakt treten und die Schmiedin sich dann auffaellig verhalten, haette man beide am Wickel. Also ging eine Order an die jeweils wachhabenden Gardisten, beide genauer zu beobachten. Es tat ihm ein wenig leid, dass das ganze an den Offizieren und dem Feldwebel vorbei geschah, aber die Lage fuehrte nicht gerade dazu, dass Zeit fuer alles war. Man konnte es ja nachholen - die Freiin hatte das ganze abgesegnet, also stand auch kein Aerger aus.
Doch weil eben viel zu tun war und doch eine Menge Gardisten informiert zu werden hatten, schloss sich das Netz zu langsam. Die Gardisten in Berchgard hielten die Augen umsonst offen, der Vogel war ausgeflogen. Ob sie im Nachhinein bemerken wuerde, dass sie gerade noch so entkommen war? Das Regiment wuerde jedenfalls wohl noch ein paar Tage brauchen, bis es bemerken wuerde, dass die Urwen nicht zurueck kommen wuerde. Dies wuerde zwangslaeufig noch mehr Aufmerksamkeit auf Symner richten, aber ob er denn, so er beteiligt war, leichtsinnig genug gewesen ist, die Schmiedin innerhalb der Stadt zu treffen. Man wuerde jedenfalls die Passanten befragen.
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