Ranim Radeh

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Ysme Saabira Yazir

Ranim Radeh

Beitrag von Ysme Saabira Yazir »

Ranim Radeh, rani Mara,

bereits von einigen Tagen bin ich in der goldenen Stadt sicher eingetroffen, doch erst jetzt habe ich die Zeit gefunden euch zu schreiben.
Die Reise war zwar beschwerlich, doch die Strapazen hat schon der erste Anblick auf Menek´Ur wieder wettgemacht.
Die Häuser und Strassen sind noch wundervoller als in Sharids Erzählungen und der berüchtigte Basar übertrifft all meine Vorstellungen.
Die Menekaner hier sind alle sehr freundlich zu mir, wenn auch sie alle stets schrecklich beschäftigt sind. Das bringt das Leben in der Stadt wohl so mit sich. Ich hatte bereits das Vergnügen den Leiter der Akademie Leviathan kennen zu lernen und ich denke ich habe einen recht seriösen Eindruck auf ihn gemacht. Nicht einmal habe ich gestottert und bin nicht rot geworden. Du wärst sehr stolz auf mich gewesen Radeh. Er und seine Ehefrau waren auch sehr nett und haben mich kein bisschen hochnäsig behandelt, wenn auch ihr Stand das durchaus begründen würde.
Ich bin, ganz so wie du es mir aufgetragen hast Radeh, gleich am ersten Tage Cousine Khalida aufsuchen gegangen. Leider war diese nicht anzutreffen weil auch sie ganz schrecklich viel zu tun hatte. Aber da Eluive mir wohl gesonnen scheint habe ich sie am nächsten Tage im Basar getroffen. Das erste Treffen war nicht ganz so herzlich wie ich es mir gewünscht hätte aber ich habe mich mit dem Gedanken getröstet, dass Khalida mich als potenzielles Armeemitglied ansah und daher so grob zu mir war. Sicher ist sie im Kern ihres Herzens ein liebenwerter und gütiger Menekaner. Sie will mich diese Woche auf meine Fähigkeiten mit dem Säbel und dem Bogen prüfen, daher übe ich jeden Tag sehr viel, viel mehr noch als daheim. Auch habe ich schon einen anderen Armeeangehörigen kennen lernen dürfen. Ein junger Mann namens Faris. Er ist ebenfalls ein Mitglied unseres Hauses. Ein sehr reservierter Menekaner schien er mir zu sein doch auch er war sehr höflich und zuvorkommend.
Stell dir vor Radeh, hier gibt es viel mehr Yazirs als wir es erwartet haben. Das lindert meine Sehnsucht nach daheim ein wenig, wenn es auch nicht dasselbe ist, natürlicherweise. Ich vermisse Maras Küche und Rashids Gutenachtgeschichten aber ich denke ich werde mich hier bald eingelebt haben.
Ein kleines Haus im Zentrum der Stadt stand frei und die Miete schien nicht sonderlich hoch, so dass ich es mieten konnte. Wenn sich die Möglichkeit ergibt und ich tatsächlich in die Armee aufgenommen werden sollte würde ich aber gerne in die Kaserne umziehen. Dort wäre ich näher am Geschehen. Bitte drückt mir die Daumen und betet für mich, auf dass ich den Vorstellungen Khalidas entspreche. Und Mara, mach dir keine Sorgen um mich. Hier bin ich in sehr guten Händen und komme zurecht. Ich habe noch keinen Gramm abgenommen, so wie du es prophezeit hast.
Nun muss ich den Brief leider beenden, da ich noch in die Wüste muss um zu üben. Ich werde euch aber alsbald wie möglich wieder schreiben.
Bitte grüsst Sharid, Fatimah, Ali, Amsah, Eylem. Hasibah, Layla, Faridah, Nasir, Abdul, Ayman, Fahran, Jamil, Hamid, Madi, Kazim, Rahman und Razir, Mohammad, Samir, Yusuf und den Rest der Familie.
Möge Eluive euch alle stets behüten.

Eure euch liebende Tochter Ysme
Ysme Saabira Yazir

Beitrag von Ysme Saabira Yazir »

Salam ranim Radeh.

Ich danke dir für deinen Brief, es hat mein Herz erfreut von euch zu hören.
Dass Layla nun endlich in die Ehe mit Samir eingewilligt hat ist eine gute Sache, ich bin mir sicher er wird ihr ein liebevoller Mann sein. Auch erfreut es mich, dass alle bei bester Gesundheit sind und ich bete täglich, dass es auch so bleibt.
Mir selbst geht es ausgesprochen gut, von Tag zu Tag komme ich besser zurecht in dieser großen Stadt und ich verlaufe mich immer seltener.
Noch hat Cousine Khalida nicht die Zeit gefunden mich zu prüfen, doch das ist mir ganz recht, denn so habe ich mehr Zeit um mich vorzubereiten. Also zügele ich meine Ungeduld und warte ab.
Viele Menekaner habe ich bisher kennen gelernt und sie alle waren ungemein freundlich gewesen. Shadiya aus dem Hause der Falah, eine sehr reizende Person und so gar nicht so wie ich eine Falah erwartet hätte, hat mich sogar in der Stadt herumgeführt um mir den Stadtstein zu zeigen. Saleem von den Ifrey, der neue Statthalter Menek´Urs hat mir aufgetragen mich auf dem Stadtstein zu verewigen, doch stell dir vor Radeh, wir konnten den Stein nirgends finden.
Er war nicht in der Wache und auch an seinem alten Platz stand er nicht, so dass der Gedanke, er könnte gestohlen worden sein, sehr nahe lag.
Das habe ich dann an einem Abend in der Taverne als wir mit dem Bruder des Emirs, ja du liest richtig Radeh, dem Bruder des Emirs zusammen saßen, geäußert. Das hätte ich lieber nicht getan, denn anscheinend wurde der Stadtstein in das Büro des neuen Statthalters transportiert, wie ich erfahren habe, und das hat der Erhabene zum Anlass genommen um mich zu schelten. Er sagte ich hätte meine Behauptung zu schnell in den Raum geworfen.
Radeh, in dem Augenblick habe ich mir gewünscht der Boden würde sich unter mir auftun und mich verschlingen. Niemals in meinem ganzen Leben war mir etwas so peinlich gewesen.
Aber zum Glück haben Faris, von dem ich dir ja bereits in meinem letzten Brief erzählte, Aisha Zara von den Falah und Nazeeya Rafa aus dem Hause der Ifrey, beide sehr angenehme Personen, genügend Unterhaltungsstoff gehabt um den Erhabenen abzulenken.
Viel habe ich nicht mitbekommen und einiges von dem Erzählten war mir fremd, doch wie es aussieht gibt es Zwist mit den Kurzbeinigen. Sie wollen den ehrenhaften Menekanern tatsächlich verbieten irgendwelche Berge auf dem Festland zu betreten. Den Grund dafür habe ich nicht erfahren können aber mir scheint als würden diese Zwerge ganz gemeine und hinterhältige Gestallten sein, die auf Streit aus sind.
Ah Radeh, wärst du nur hier und könntest die Pracht dieser Perle selbst sehen, es ist unbeschreiblich schön hier. Ich hätte mir niemals träumen lassen hier zu leben und dann auch noch einen der Omar kennen zu lernen. Ich bin mir sicher, Fatimah beneidet mich nun ganz schrecklich, obgleich sie sich früher über meine Träume lustig gemacht hat.
Bitte richte ihr herzliche Grüsse aus und wenn du zufällig fallen lassen könntest, dass ich den Bruder des Emirs kennen gelernt habe, dagegen hätte ich sicherlich nichts.
Ich hoffe du schreibst mir bald wieder, bis dahin zähle ich die Stunden und vermisse euch alle schmerzhaft.
Bitte grüsse auch Sharid, Ali, Amsah, Eylem. Hasibah, Layla, Faridah, Nasir, Abdul, Ayman, Fahran, Jamil, Hamid, Madi, Kazim, Rahman und Razir, Mohammad, Samir, Yusuf, natürlich Mara und den Rest der Familie.

Möge Eluive euch alle stets behüten.

Deine dich liebende Tochter Ysme
Zuletzt geändert von Ysme Saabira Yazir am Donnerstag 5. Februar 2009, 18:55, insgesamt 1-mal geändert.
Ysme Saabira Yazir

Beitrag von Ysme Saabira Yazir »

Ranim Radeh, rani Mara,

ich danke euch für eure Briefe, wie immer haben sie meine Tage erhellt und meine Nächte gewärmt. Ihr fehlt mir sehr aber wenn ich eure Zeilen lese ist es als ob ihr bei mir wäret.
Ich komme leider erst jetzt dazu euch zu schreiben und hoffe ihr verzeiht mir meine Nachlässigkeit, doch hier gibt es ja so viel zu tun.
Mit jedem Tage lerne ich mehr Menekaner kennen und manch einen hoffe ich bald einen Freund nennen zu dürfen. Die Frauen hier sind genauso gesellig und reden mindestens so viel und gerne wie bei uns daheim. Allerdings herrschen hier viel strengere Sitten als zu hause und ich werde wohl noch vieles darüber lernen müssen, denn hier pflegen die Frauen sich stets zu verschleiern, nicht nur vor Wilden sondern auch vor menekanischen Männern. Du brauchst dir also keinerlei Sorgen zu machen, dass ich meine Werte verlieren könnte liebste Mara, die Städter sind keineswegs wild und verkommen, ganz im Gegenteil, sie sind streng und sittsam.
Auch fehlt es mir hier überhaupt nicht an Erziehung, denn aus irgendeinem Grund ziehe ich Unmengen an Ratschlägen auf mich. Ich scheine mit meiner, so wie du es gerne gesagt hast Radeh, redseligen Art und Weise anzustoßen. Das ist mir natürlich nicht verborgen geblieben und zu meiner Verteidigung habe ich von Mara erzählt, von der ich ja jenes, sagen wir einmal Talent geerbt habe. Ich wünschte ich hätte dies nicht getan, denn sogleich hat mich Aisha aus dem Hause der Falah, eine recht weise Frau ermahnt die Verantwortung für meine Fehler nicht anderen zuzuschieben.
Und als ich einst im Grab der Ahnen war um nach den Rechten zu sehen, denn ihr müsst wissen dies gehört nun zu einer meiner Aufgaben, bin ich dem ehrenwerten Statthalter Saleem aus dem Hause der Ifrey begegnet. Um sich ihm zu erkennen zu geben nahm ich meinen Helm herunter. Auch dies war ein großer Fehler wie mir scheint, denn darauf wurde ich ein weiteres male geschellt, mein Haar nicht zu entblößen. Ich lerne einfach nicht schnell genug wie mir scheint, denn die gleiche Blöße gab ich mir einst als ich Deriyah von dem Ifrey, einer sehr gütigen und hilfsbereiten Menekanerin meinen Turban gab um ihn flicken zu lassen. Nazeeya aus dem Hause der Ifrey nahm mich zur Seite und ermahnte mich ebenfalls. Ich verspreche euch, ich habe mich sittsam gekleidet, jegliche Stelle meines Körpers war unter der Rüste verborgen gewesen, dennoch scheint man es hier als anstößig anzusehen wenn der Mund nicht verhüllt wird. Ich möchte hier keinesfalls anecken oder gar Aufmerksamkeit auf mich ziehen, doch möchte ich euch auch nicht verdrießen, ob eurer herzlichen und weisen Erziehung, daher bitte ich euch um euren Rat dies betreffend. Faridah scheint mir eine Frau, welche um die Sitten der Stadt weiß, daher versprach ich ihr über ihre Worte nachzudenken.
Natürlich gibt es auch viel Erfreuliches zu berichten. So mache ich täglich Fortschritte in der Kunst des Säbelschwingens. Ich durfte sogar einmal einer Schatzjagd, wie man es hier so nennt, beizuwohnen. Ich war so aufgeregt, dass ich ständig daneben gezielt habe, dennoch habe ich keinen Schaden davongetragen wegen des Schutzes der Gruppe.
Was mein Herz jedoch gänzlich in Aufruhr gebracht hat war ein ganz besonderes Ereignis. Der Sultan selbst wurde von den Nordmännern eingeladen worden sie zu besuchen. Mir wurde die Ehre zuteil als Gefolge mitzukommen, eine Ehre, von der ich einst noch meinen Enkeln erzählen werde. Stellt euch vor, auf Lameriast, das ist das Land in dem die Nordleute leben, besteht die Wüste aus weißen und unglaublich kalten Flocken. Sie nennen es Schnee. Ich kann wirklich nicht verstehen wie man dort freiwillig verweilen kann aber ich glaube, dass Eluive in ihrer Weisheit recht daran tat sie dort leben zu lassen. Vielleicht haben die Nordmänner die Göttin einst verstimmt.
Der Sultan hat in der Sprache der Wilden wohl über Politik gesprochen allerdings bin ich mir da nicht sicher, da ich natürlich nicht ein Wort verstanden habe.
Alle anwesenden Menekaner wurden gebeten sich selbst vorzustellen. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen wie groß meine Schmach war als ich es nicht in rechten Worten konnte. Es war die größte Blöße, der ich mir Zeitlebens stellen musste und ich hätte mich nicht gewundert, hätten mich alle anderen ausgelacht. Noch am gleichen Tage habe ich ein Gesuch nach einem Lehrmeister in der Kunst der Wildensprache auf dem Basar ausgehängt. Leider hat sich niemand gefunden, daher habe ich mich nach langem Ringen direkt an die Weisen der Akademie gewandt.
Bei Rasheeda aus dem Hause der Yazir habe ich Gehör gefunden und sie hat mir versprochen sich mit meinem Problem an den Leiter der Akademie zu wenden. Sie hatten die fabelhafte Idee Unterrichtsstunden für alle Menekaner, welche Bedarf und Interesse an der fremdländischen Sprache haben, einzuführen. Wie mir schien war Irfaan von den Yazir, der Leiter der Akademie mit dem Vorschlag einverstanden. Ihr seht also, die Menekaner hier sind hilfsbereit und kümmern sich genauso gut um einander wie bei uns daheim.
Es fehlt mir an nichts, ich speise und schlafe genug und trage die besten Kleider. In dem Beutel, welchen ich euch mitschicke ist mein Sold. Da die Armee für meine Unterkunft und alles andere sorgt benötige ich es nicht und kann euch so mehr schicken als ich gehofft habe. Auch habe ich einen zweiten Brief beigefügt, welchen ich euch bitte Madi zu geben.
Ich bete täglich für euer Wohl und eure Gesundheit.
Bitte grüsst Sharid, Ali, Amsah, Eylem. Hasibah, Layla, Faridah, Nasir, Abdul, Ayman, Fahran, Jamil, Hamid, Kazim, Rahman und Razir, Mohammad, Samir, Yusuf, den kleinen Aasim und den Rest der Familie von mir.

Möge die Mutter euch alle behüten

Eure euch liebenden Tochter Ysme




Salam Madi, liebste Freundin,

ich hoffe es ist dir gut ergangen in der langen Zeit, die wir schon von einander getrennt sind. Bitte verzeih mir, dass ich dir bisher nicht geschrieben habe, doch bin ich hier stets beschäftigt und mir fehlte einfach die Zeit.
Hier findet man ja so viel Zerstreuung und beinahe zu jeder Tageszeit jemanden der Zeit für einen Plausch hat. Dennoch fehlst du mir sehr liebe Madi. Besonders abends wenn ich für mich bin denke ich an unsere gemeinsame Zeit zurück und vermisse dich schmerzlich.
Ich hoffe es ist dir gut ergangen in den letzten Wochenläufen.
Ich bin bereits in der Armee des Emirs aufgenommen worden, auch wenn das Daheim wahrscheinlich nie jemand geglaubt hätte, bis auf dich natürlich. Die Übungen, welche ich täglich zu absolvieren habe sind hart und fordern mich sehr, doch danke ich der Göttin immer wieder aufs Neue mich diesen Weg einschlagen lassen zu haben.
Sicherlich willst du nun wissen wie es sich um die Männer dieser prächtigen Stadt verhält.
Ich muss dir zu meiner eigenen Enttäuschung sagen, dass sie nicht viel anders sind als bei uns zu hause, auch wenn sie mir hier oft ein wenig streng erscheinen. In der Stadtwache haben die meisten große Schwierigkeiten damit mich als ebenbürtig zu akzeptieren, doch auch damit haben wir ja gerechnet und ich glaube, dass sich das alsbald legen wird.
Stell dir vor Madi, alle Frauen in der großen Stadt verschleiern ihr Gesicht den ganzen Tag über und wahrscheinlich auch noch in der Nacht während sie schlafen. Man sieht es hier nicht sonderlich gern, wenn man sein Gesicht vor Einheimischen zeigt und ich falle dementsprechend auf. Du kannst dir sicherlich denken wie unangenehm mir das ist, doch ich muss gestehen, dass mir der Gedanke ständig mit einem Tuch vor dem Mund herumzulaufen nicht sonderlich gefällt und daher habe ich meine Eltern um Rat gefragt. Bis ich eine Antwort erhalte werde ich mich nicht verschleiern.
Ich hoffe nur, dass ich damit nicht in Verruf gerate, das kann hier nämlich sehr schnell passieren wie mir scheint. Die Ehre einer Frau ist hier etwas sehr zerbrechliches, was ich zunehmends lerne zu verstehen. Schließlich haben die Menekaner hier tagtäglich Umgang mit Wilden, welche zum Handeln herkommen und ich glaube daher rührt auch die Besorgnis was die Ehre der Frauen angeht.
Ich war vor kurzem im Palast der Omar, kannst du dir das vorstellen? Das musst du unbedingt Fatimah erzählen. Ich bin mir sicher sie wird platzen vor Neid. Es stimmt mich nur traurig, dass ich das nicht mit ansehen kann.
Der Sultan und die Esra haben das Volk empfangen um über aktuelle Geschehnisse zu sprechen und auch ich habe mich an den Gesprächen beteiligt, das kann ich voller Stolz behaupten. Der Palast ist so schön als wäre er direkt aus einem Traum entsprungen und der Sultan und die Esra überhaupt gar nicht so hochnäsig wie man sich das vielleicht vorstellen mag.
Die Esra scheint mir eine sehr weise Frau zu sein und der Sultan ist ein gütiger und nicht minder weiser Herrscher. Nun kann ich die bedinungslose Liebe, welche die Bürger hier der Familie Omar entgegenbringen in Gänze verstehen.
In nächster Zeit werde ich zusammen mit anderen Menekanern Unterricht in der Sprache der Wilden, sie nennen es hier auch Handelssprache, erhalten. Darauf freue ich mich besonders, da ich dann vielleicht auch einmal alleine auf das Festland fahren könnte, ohne Angst zu haben angesprochen zu werden. Die Wilden sind viel harmloser als wir gedacht haben liebste Madi, die meisten von ihnen sind hässlich und schrecklich ungepflegt aber sie scheinen gebührenden Respekt vor uns zu haben und nun da ich mich inzwischen recht gut alleine verteidigen könnte fürchte ich sie nicht mehr.
Was Freundschaften angeht muss ich gestehen noch keine eingegangen zu sein. Zwar sind die Frauen liebenswürdig hier und die Männer stolz und voller Respekt, doch bin ich wahrscheinlich einfach noch nicht lang genug hier. Manchmal habe ich auch ein wenig das Gefühl als würde sich manch einer an meinem Charakter stören. Du weißt doch, wenn ich erst beginne zu sprechen kann ich so schnell nicht wieder aufhören und ich glaube das gehört sich hier nicht. Allerdings wird hier auch viel über andere getratscht, was mich nicht wirklich stört, da ich ja nun mal ungemein gerne tratsche. Ein gewisser Kemail aus dem Hause der Ifrey hat angeblich eine Verlobung mit dem Oberhaupt der Familie der Masari gelöst. Stell dir das einmal vor welche Schande er damit über beide Familien gebracht hat. Dies soll wohl bereits vor mehreren Jahren passiert sein aber erst jetzt ist Kemail zurückgekehrt aus seinem Exil und Amira hat es gleich zum Anlass genommen ihn zur Srecke zu bringen. Wahrlich, das hätte ich nur zu gern mit eigenen Augen gesehen. Sie soll ihn mitten auf dem Basar und vor den Augen anderer Menekaner mit einem Blitz erschlagen haben. Zum Glück hat er sich davon aber sehr schnell erholt. Und gestern habe ich gehört, dass er eine andere Frau mitten in der Nacht besucht haben soll. Ich konnte es kaum glauben als ich es hörte.
Kemail scheint mir insgesamt ein Mann zu sein bei dem man sich in Acht nehmen sollte. Ich glaube er will einst hoch hinaus und würde dabei um Leichen gehen, wenn du weißt was ich meine. Stets posaunt er überall herum wie unerfahren ich bin und hat mich sogar zu einem Zweikampf herausgefordert, wohl um zu beweisen welch ein starker Mann er doch ist.
Ein anderer Mann von dem zu berichten wäre ist Yamon. Er ist ebenfalls im Rang eines Akemis in der Stadtwache tätig und ich empfinde ihn als besonders höflich und nett. Er behandelt mich nicht wie die anderen wie ein schwächliches Kind und es macht viel Freude sich mit ihm zu unterhalten.
Nun muss ich den Brief leider auch beenden, denn Cousine Khalida steht draußen auf dem Übungsplatz. Sie sieht aus als hätte sie Lust jemanden zu foltern, daher werde ich mich schleunigst verdrücken.
Ich hoffe du kommst mich alsbald besuchen liebste Madi, das würde mein Herz sehr erfreuen. Bitte grüsse deine Schwestern und deine Eltern von mir auf das herzlichste.
Und vergiss nicht mir wieder zu schreiben ja?

Deine dich liebende Freundin Ysme
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