Zuversicht

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Kayleigh Reingond

Zuversicht

Beitrag von Kayleigh Reingond »

Den ganzen Tag hatte sie geschlafen, sich richtig ausgeruht. Es ging ihr um einiges besser, als sie sich am frühen abend auf die Bettkante setzt. Mit einem kurzen Blick zum Verband, feststellend, daß er noch gut sitzt und nicht wieder durchgeblutet war, richtet sie sich auf und blinzelt verschlafen aus dem Fenster. Sie greift nach ihrem Mantel, zieht ihn sich umständlich über die Schulter, versucht auch mit dem linken Arm hinein zu schlüpfen, doch läßt sie ganz schnell von diesem Vorhaben ab. Schlüpft dann in ihre Stiefel und stutzt, sieht sich irritiert um… Was war das denn? Scharren unterm Bett? Piepsen? Sie erhebt sich und stellt sich vor das Bett, ungläubig den Blick darauf gerichtet. Wieder dieses Getippel auf dem Holzboden.

Sie lässt sich auf ein Knie vor dem Bett nieder und senkt den Kopf nach unten um einen Blick unter das Bett werfen zu können. Der Mund klappt hinunter, als sie den kleinen Vogel entdeckt. „Wie bist du denn hier reingekommen…“ Sie erhebt sich sogleich und öffnet die Tür weit, so daß er hinaus könnte, so er das wollte. Scheinbar war genau das in seinem Sinn, denn unter aufgeregtem, fast schimpfendem Gepiepse hüpft er die Treppen hinunter und verschwindet Richtung Wald. Ihm hinterhersehend wie er zwischen den Bäumen verschwindet, steht sie noch eine Weile an der geöffneten Tür.

„Hat Lina dir erlaubt aufzustehen?“ erhebt sich auf einmal hinter ihr die Stimme. Sie wendet den Kopf rasch in die Richtung, sieht sich dann Darion gegenüber. „Ähm, sie ist noch nicht dagewesen…“, meint sie nur mit der rechten Schulter zuckend. „Und das ist die Erlaubnis aufzustehen?“ Ein leichtes verschmitztes Grinsen liegt nun auf seinen Lippen. „Aber es geht mir doch besser“, gibt sie leicht trotzig zurück. „Soll ich im Bett versauern?“ Sie ist versucht ein wenig mit der Schulter zu rollen, um ihm zu zeigen, daß es schon besser ist, läßt es aber wohlweißlich bleiben „Wie geht es dir?“, fragt er dann und legt prüfend die Blicke auf sie. „Das Bett ist nur für Müde und Erschöpfte, ich fühle weder das eine noch das andere. Es geht mir gut.“ „Du bist verletzt, du solltest dich ausruhen.“ Keine Reaktion, sie sieht ihn nur an. „Es geht mir gut“, wiederholt sie dann abermals.

Sie wußte nicht damit umzugehen, daß er sich so um sie zu sorgen schien. Arton tat dies auch stets, doch bei ihm war es als käme es von einem großen Bruder und Arton kümmerte sich stets um alle. Doch von Darion war sie das nicht gewohnt. Sie wußte auch nicht das Gefühl einzuordnen, das in ihr pulsiert, als sie ihn schließlich ansieht. „Laß uns irgendwo hingehen“, sagt er dann überraschend. „Irgendwohin wo wir uns hinsetzen können.“ „Ähm, gern“, erwiedert sie nickend, ihn prüfend ansehend.

„Ins Gildenhaus?“ schägt er dann vor. „Ins Gildenhaus?“ wiederholt sie lansam, allein der Gedanke daran vielleicht Lina oder Rafe dort anzutreffen und wieder ins Bett geschickt zu werden… Er scheint ihr anzusehen, daß sie nicht sonderlich begeistert ist, macht schnell noch ein paar Vorschläge „Vielleicht nach Bajard an den See? Nach Varuna an den See?“, er lächelt unsicher. Sie grübelt kurz, Bajard… Eigentlich nicht sonderlich ambitioniert diesen Ort so schnell wieder aufzusuchen, nickt sie entschlossen „Bajard, ja“.

Sie war nicht gewillt Schwäche zu zeigen, indem sie sich ab sofort nicht mehr in Bajard sehen ließ. Also laufen sie langsam gen Kutsche, dort angekommen stellt er sich neben den Aufgang und lässt sie einsteigen. Sie nimmt Platz und sieht zu ihm, als auch er sich, nachdem er dem Kutscher gesagt hat wo die Fahrt hingehen soll, auf einem Platz niederlässt. Nervös denkt sie an das Ziel, dem die Kutsche nun entgegenfährt, nestelt dann an ihrem Umhang, zieht ihn so über den Verband, das davon kaum etwas zu sehen ist.

Als die Kutsche hält, steigen sie beide aus und sofort erblickt sie den Mann, direkt vor ihnen. Er trägt eine Maske, leicht hinter Darion stehend sieht sie zu ihm. Der Mann grüsst knapp, seine Robe hat fast die Farbe die der Allianz. Darion scheint den gleichen Gedanken zu haben, murmelt „leicht zu verwechseln mit unseren Farben“. Der Mann geht an ihnen vorbei und sie wenden sich schließlich den Stadttoren Bajards zu. Möglichst dicht läuft sie an ihm, doch nicht zu dicht, sie will nicht, daß er ihre Angst bemerkt. Ihre Blicke huschen über die dunklen Gassen, als sie zu dem kleinen See laufen, bleiben an der Hecke haften. Verlangsamt den Schritt dann unbewußt und bleibt fast stehen, die Blicke noch immer auf den Platz vor der Hecke gerichtet… Sie schüttelt die Gedanken ab und dreht sich um zu Darion, der mittlerweile stehengeblieben war und so vor ihr stand. Sie bemerkte den fragenden Blick, doch schüttelt sie nur sacht den Kopf, „Schon in Ordnung“.

Sie lächelt zu ihm hoch „Hast du Hunger?“ fragt sie und deutet auf die Taverne. „Ja…“ meint er knapp und sofort setzen sie sich in Bewegung, Richtung Taverne. Sie läßt den Blick kurz zu dem Tisch draußen schweifen, als sie ihn passieren, hier ließ er die Feder zurück... Darion hält ihr die Tür auf, sie lächelt ob diese ungewohnten Geste und geht die Treppen hinauf ins Innere. Bei Dorian den Wunsch geäußert er möge ihnen das Übliche bringen, sieht sie Darion fragend an. Gleich wissend was sie meint, antwortet er „Wasser“ und sie balanciert die Getränke langsam zum Tisch. So lassen sie sich einander gegeüber nieder und warten auf das bestellte Essen.

Als die Tür sich öffnet und ein Mann eintritt, fliegen ihre Blicke sofort dorthin und in unbewußter Reaktion rutscht sie gleich ein Stück näher an die Wand, als der Mann zu ihnen an den Tisch kommt und sich sofort neben Darion nieder lässt. Fragend aber nicht unhöflich sieht Darion zu ihm, der Mann stellt sich ihnen als Helveticus vor und meint er wär vorbeigekommen um ein paar Menschen kennen zu lernen. Mit einem Hinweis der Kayleigh nicht recht war, bittet Darion den Mann um Verzeihung, doch möge er sie bitte entschuldigen. Der Mann versteht, sieht kurz zu Kay und erhebt sich dann wieder.

Dorian bringt das Essen genau im richtigen Moment und Kay macht rasch etwas Platz auf dem Tisch. Still genießen sie so ihre Kartoffeln und das Brot. Ab und zu sieht sie zu ihm, nach einer Weile fragt dann fast beiläufig „Und was hat dich zu Linas Haus getrieben?“ Er sieht zu ihr als sie anfängt zu sprechen, wendet den Blick aber sofort auf den Tisch, als sie ihre Frage zu Ende gestellt hat. Sofort ist es ihr unangenehm und sie blickt auf die halb geleerte Schüssel Erbsen. Sie schiebt sie von sich und sieht auf ihre Hände, eine unangenehme Pause entsteht…
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