Sie saß in einer Ecke, die Knie eng an den Körper gezogen. Unter sich konnte sie nackten Steinboden fühlen, ihre nackten Füße fuhren mit der Sohle über den nackten Stein, die Augen waren verschlossen.
Sich ein wenig der Ruhe hingeben, nur einen kleinen Moment … doch dann wieder und immer wieder … es ertönte, sie konnte es hören Tipp Tapp Tipp Tapp … die Katze schleicht herum … der Panther, er knurrt dich an … er wartet nur darauf dich zu reißen … , ihr Körper begann sich zu verspannen, die Finger schlossen sich fester um den dünnen Stoff ihres Ärmels … Der Adler kreist über dir … kannst du sein Krächzen nicht hören? Bereit auf dich niederzustürzen, bereit auf dich einzuhacken … die Finger schlossen sich fester um den Stoff, die Füsse pressten sich auf den Steinboden, die Muskulatur spannte sich an Fühlst du es nicht? So allein, so klein und allein … weg gestoßen vom Schoß der Mutter … sie liebt dich nicht, sie liebt dich nicht ... Die Finger gruben sich nun ins Fleisch des Oberarms, die ungeschnittenen Nägel drückten sich durch den Stoff, bohrten sich ins Fleisch und ein unangenehmer Schmerz durchfuhr sie, Tränen sammelten sich und liefen ihr Gesicht hinab Der Panther schleicht … der Adler kreist … die Mutter liebt dich nicht … oh höre die Schritte, sie kommen um dich zu holen! Wer mag es sein? Die Katze die dich reißt? Der Adler der dir die Augen auspickt? aus dem Wimmern wurde langsam ein Schluchzen, sie kniff die Augen fester zusammen; nicht hinsehen … nicht hinsehen.
Ein Geräusch, Schritte hallten umher und kamen näher, immer näher … sie öffnete die Augen zögerlich und presste sich dann vor lauter Furcht an die Wand. Die Gestalt die dort in der Türe stand war nicht erkennbar, Schwingen breiteten sich aus von ihr, das Gesicht in ein Licht getaucht dass es unmöglich machte, etwas zu erkennen. Die Gestalt trat auf sie zu, das Licht wurde heller, die Luft drohte ihr weg zu bleiben, ihr Rücken presste sich nun schmerzhaft gegen den Stein, die Augen geweitet und sie schrie vor Angst auf.
Die Gardistin welche die Zelle betreten hatte sah auf das schreiende, brüllende junge Ding zu ihren Füßen, sie stellte rasch die Schüssel mit Essen zu Boden und entfernte sich wieder aus der Zelle, verschloss jene und wandte sich ab, eine bittere Mimik zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. Seit drei Tagen war diese junge Frau, fast noch ein Kind, bei ihnen. Diebstahl, sie hatte versucht zu klauen und dies über einen längeren Zeitraum hinweg.
Mal hatte sie versucht Essen zu stehlen, dann völlig belanglose Dinge wie Holztassen oder Besteck. Letztendlich war sie immer erwischt worden und nun hatte man sich dazu entschlossen sie unter Arrest zu stellen. Doch seit sie hier drin war hatte sie selten Ruhe gegeben, sie schien zu phantasieren, sie brüllte und rief Namen aus, die so falsch und märchenhaft klangen … mit diesem Mädchen war eindeutig etwas nicht in Ordnung.
Stunden später öffnete sie die Augen. Ihre Lider fuhren schlagartig hinauf und ein klarer Blick traf den Steinboden vor ihrem Gesicht. Sie lag quer in ihrer kleinen Zelle, das dunkelblonde Haar war ihr teilweise ins Gesicht und vor die klaren, blauen Augen gefallen. Sie hob ihren rechten Arm an um sich aufzustützen, hielt jedoch inne als er leicht schmerzte. Ein Blick auf die dunkelrote und leicht violett gefärbte Stelle wo ihre Fingernägel ins Fleisch gedrückt hatten, gab ihr Aufschluss wieso ihr Arm weh tat.
Sie spürte weiches Stroh unter ihrem Hintern und die Augen wanderten umher, sie kannte diese Zelle natürlich, doch immer wieder schaute sie sich sorgsam um ehe ihre Hand fast gierig nach der Schüssel an der Zellentür schnappte. Ein Stück Brot und sogar etwas Fleisch war darin, sofort vergrub sie ihre Zähne in diesem und aß hastig, eine zweite Schüssel gefüllt mit Wasser half ihr dabei, ihre trockene Kehle zu befeuchten.
Ihr Atem ging stoßend und die Augen wanderten umher, nichts war hier, sie war alleine … Zeit durchzuatmen, Zeit sich zu entspannen. Sie ließ ihre Zunge über die spröden und rissigen Lippen wandern, es gab Momente wie diesen da konnte sie in aller Ruhe existieren, in jenen Momenten fühlte sie sich nicht beobachtet oder gehasst … in jenen Momenten war alles gut und schön.
Gierig begann sie ihre Schüssel zu leeren und über ihre Situation nachzudenken; sie war hier drin weil man sie eingesperrt hatte … weil sie sich geschützt hatte, weil sie versucht hatte allem zu entkommen und nun war sie hier … dort wo sie nicht weg konnte, dort wo Gitterstäbe ihre Flucht verhinderten.
Und schon alleine der Gedanke an diese Lage ließ sie schneller atmen, sie war der Meinung sie konnte etwas hören, Geräusche von Pfoten die auf dem kalten Stein gesetzt wurden, sie war sich sicher zwei Augen in der Dunkelheit ihrer Zelle zu erkennen, zwei Augen die sie anstarrten .,.. waren es Katzenaugen? Oder sind es die strafenden Blicke der Mutter die dich nicht mehr will … ? ihre Gedanken begannen zu rasen, sie zog sich in ihre Ecke zusammen, kniff die Augen so fest zusammen dass es fast schmerzte und begann vor sich hin zu murmeln; Worte die ihr vertraut waren, Worte die Trost spendeten … aber es kam alles näher, die Schritte, die Blicke die sie auf sich spürte wurden immer stärker … und draußen, irgendwo draußen krächzte ein Adler …?
Der Adler, der Panther, die Mutter: Auf der Flucht
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Firena Darmar
Der Adler, der Panther, die Mutter: Auf der Flucht
Zuletzt geändert von Firena Darmar am Donnerstag 18. Dezember 2008, 10:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Firena Darmar
Vier Tage später wurde ihre Zellentür geöffnet und zwei Gardisten traten ein, halfen ihr auf und eine Frau erklärte ihr Formell; „Fräulein Firena, ihr habt eure Strafe abgesessen, ihr seid frei zu gehen.“ Und damit ließ man sie wieder hinaus in die Welt. Hinaus in ihre unendliche Flucht, denn sie konte das Knurren schon hören …
Seit Wochen war sie nun schon wieder unterwegs, oder waren es doch erst Tage gewesen? Vielleicht waren es auch Monate, sie konnte es nicht einordnen. Der Schlafmangel begann an ihrer Verfassung zu nagen, die dunklen Ränder unter ihren tief eingefallenen Augen wirkten schon beinahe beängstigend und ein ständiges Zittern erfüllte den Körper der immer zu frieren schien, ganz gleich wie warm es auch war.
Sie schritt einem Pfad entlang, ohne rechtes Ziel, ohne wirkliches Wissen wohin sie gerade ging, sie wollte nur eines: weg von ihnen allen und sie wollte auf keinen Fall einschlafen, denn wenn sie einschlafen würde, dann würde er kommen.
„Selbst der Panther wird kommen und dich fressen wenn du alleine unterwegs bist! Er wird kommen und dich jagen, er wird dich sogar in deinen Träumen suchen!“
Auf keinen Fall einschlafen … sie durfte nicht die Augen schließen. Seit sie aus dem Gefängnis herausgelassen wurde hatte sie nicht mehr geschlafen, immer wieder war sie kurz eingenickt, sicherlich, aber das waren nicht mehr als wenige Sekunden. Ihr Körper sehnte sich nach Erholung und machte ihr dies auch mehr als deutlich, aber sie durfte die Augen nicht schließen. Nicht wenn der Panther sie dann fressen konnte.
Firena überquerte eine Brücke, bewacht von einigen Leuten in Rüstungen aber sie schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit, ihr Tunnelblick hatte sich nur voran gerichtet und selbst die Grüße der Männer gingen an ihr vorbei, sie nahm nichts davon auf.
Auf der anderen Seite der Brücke aber, weckte etwas ihre Aufmerksamkeit; zwei Männer und ein kleines Kind, ein Mädchen, standen dort und schienen sich zu unterhalten. Firena hielt inne, sah hinüber und fragte sich in einem Moment noch, wieso man ein kleines Kind raus lassen konnte, wo der Panther doch unterwegs war … aber vielleicht war der Panther ja nicht böse auf dieses Mädchen?
„Und selbst der Panther wird kommen und dich fressen ..."
Im nächsten Moment wurde ihre Aufmerksamkeit aber fernab von der Gruppe gerissen als sie etwas hörte, weit über sich, das majestätische Gekreische eines Tieres, eines Vogels … eines Adlers. Dass die Gruppe vor ihr sie längst betrachteten und sicher auch etwas verwirrt war ob der Tatsache, dass ein junges Ding wie sie nun plötzlich in den Himmel starrte. Aber dort oben war etwas, sie hörte es, es war so laut … das Geflattere der Schwingen, es erfüllte ihre Ohren, das Kreischen schmerzte in ihrem Kopf, konnten diese drei das nicht hören?! „Er kommt … er kommt um mir die Augen auszupicken … er kommt ...“ murmelte sie plötzlich und Erkenntnis erfüllte schlagartig ihren Geist; der Adler hatte sie gefunden.
„Ihr alle solltet eines Wissen: Der Adler kreist immer über euch! Denn er ist böse! Und wenn er kann, wird er auf euch nieder stürzen und euch die Augen aushacken! Merkt euch das, Kinder!“
Sie durfte dem Adler keine Chance geben, dann aber Schritte, sie richtete ihren Blick voraus, sah zu den drei Unbekannten, starrte sie an und dann fiel ihr Blick auf das Mädchen. Sie sah ihr etwas verwirrt entgegen aber Firenas Blick richtete sich sehr schnell auf etwas dass hinter ihr erschien, und ihre Augen weiteten sich. Es schien als würde man ihrer Kehle die Luft abschnüren als sie es erst hörte Tipp … Tapp … Tipp … Tapp ... und dann sah, der Adler schien plötzlich so fern aber dafür sah sie den Schatten hinter dem Mädchen, er wra gekommen, er würde erst das Kind und dann sie fressen … sie musste ihr helfen!
Das letzte woran sich Firena noch genau erinnerte war, dass sie auf das Mädchen zugestürmt war, sie wollte sie weg drücken, wollte die Gefahr auf sich lenken, aber der eine Mann in seiner hellen Rüstung drückte sich dazwischen, brüllte sie kurzfristig an und ganz gleich wie laut sie schrie, ganz gleich wie laut Firena ihnen allen versuchte klarzumachen dass er gleich hier war, es gelang nicht … und dann zahlte ihr Körper ihr alles heim, als vor ihren Augen alles schwarz wurde.
Dunkelheit, sie war so wunderschön wie der Mutterschoß, den Ort den sie nie wieder kennen würde, nie wieder.
„Deine Mutter hat dich niemals geliebt! ICH weiß das! Keine Mutter wird dich jemals lieben, nicht einmal die große Mutter!“
Wie sehr diese Worte doch in ihrem Kopf widerhallten. Was sie durchlebte war kein Schlaf, es war eher eine Ohnmacht. Ihr Körper hatte sie quasi zu einer Pause gezwungen, einer Pause die kein Schlaf war und damit konnte sie auch nicht träumen, der Panther würde ihr nicht folgen. Oder war er das vielleicht schon? War sie im Schlund des Tieres ohne es gemerkt zu haben?
Sie öffnete die Augen und warmes Kerzenlicht erfüllte ihr Sichtfeld, sie war nicht inmitten eines großen Magens, sie lag in einem Raum auf dem Rücken, einer der Männer stand neben ihr und lächelte beruhigend hinab. Er stellte ihr eine Feldflasche auf die Liege auf der sie lag und sprach davon, dass sie in Sicherheit sei und auf Firenas verwirrte Frage hin, wo sie wäre antwortete er, sie sei in einem Heilerhaus nahe Varuna.
Heilerhaus …. Varuna … in ihrem Kopf begann gerade bei Letzterem eine Alarmsirene zu schrillen, irgendetwas aus früheren Tagen versuchte an die Oberfläche ihrer Erinnerungen zu gelangen, irgendetwas war nicht richtig mit diesem Namen … und dann kam es, Bruchstückhaft
„Die Stadt wo ein Mörder und Verräter haust der unseren lieben König nur Ärger macht! Dort hasst euch jeder! JEDER!“
und dazu noch ein Heilerhaus, wo sie schon einmal war, wo man sie eingesperrt hatte „zu ihrem eigenen Wohl“. Nein, nicht diesmal … in ihrem Kopf fokussierte sie all ihre Ruhe und auch wenn die Liege auf der sie lag sie beinahe dazu einlud, die Augen zu schließen und ein Nickerchen zu machen, so musste sie hier weg, weg von diesem Mann der sie irgendwas fragte.
Und sie sagte nur, er solle sich umdrehen, sie wollte etwas an ihrer Brust überprüfen … und er drehte sich um. Ihre Hand wanderte zu der Feldflasche auf der Liege, aus Metall gefertigt war sie hart genug für ihre Zwecke und der Schlag den sie ausführte schien kräftig genug um den Kerl vor sich auf den Boden zu schicken.
Sie hatte ihn dort wo sie ihn wollte, ihre Hände wanderten den Rocksaum entlang, an die eine Stelle wo sie ihren rostigen Dolch trug und hielt ihn dem Mann an die Kehle. Sie wusste im Nachhinein nicht mehr ganz was sie ihm gesagt hatte, aber sie hatte ihm klar gemacht, dass sie nicht wieder eingesperrt werden wollte … und dann war sie geflohen, sie war wieder frei … und wieder auf der Flucht.
Seit Wochen war sie nun schon wieder unterwegs, oder waren es doch erst Tage gewesen? Vielleicht waren es auch Monate, sie konnte es nicht einordnen. Der Schlafmangel begann an ihrer Verfassung zu nagen, die dunklen Ränder unter ihren tief eingefallenen Augen wirkten schon beinahe beängstigend und ein ständiges Zittern erfüllte den Körper der immer zu frieren schien, ganz gleich wie warm es auch war.
Sie schritt einem Pfad entlang, ohne rechtes Ziel, ohne wirkliches Wissen wohin sie gerade ging, sie wollte nur eines: weg von ihnen allen und sie wollte auf keinen Fall einschlafen, denn wenn sie einschlafen würde, dann würde er kommen.
„Selbst der Panther wird kommen und dich fressen wenn du alleine unterwegs bist! Er wird kommen und dich jagen, er wird dich sogar in deinen Träumen suchen!“
Auf keinen Fall einschlafen … sie durfte nicht die Augen schließen. Seit sie aus dem Gefängnis herausgelassen wurde hatte sie nicht mehr geschlafen, immer wieder war sie kurz eingenickt, sicherlich, aber das waren nicht mehr als wenige Sekunden. Ihr Körper sehnte sich nach Erholung und machte ihr dies auch mehr als deutlich, aber sie durfte die Augen nicht schließen. Nicht wenn der Panther sie dann fressen konnte.
Firena überquerte eine Brücke, bewacht von einigen Leuten in Rüstungen aber sie schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit, ihr Tunnelblick hatte sich nur voran gerichtet und selbst die Grüße der Männer gingen an ihr vorbei, sie nahm nichts davon auf.
Auf der anderen Seite der Brücke aber, weckte etwas ihre Aufmerksamkeit; zwei Männer und ein kleines Kind, ein Mädchen, standen dort und schienen sich zu unterhalten. Firena hielt inne, sah hinüber und fragte sich in einem Moment noch, wieso man ein kleines Kind raus lassen konnte, wo der Panther doch unterwegs war … aber vielleicht war der Panther ja nicht böse auf dieses Mädchen?
„Und selbst der Panther wird kommen und dich fressen ..."
Im nächsten Moment wurde ihre Aufmerksamkeit aber fernab von der Gruppe gerissen als sie etwas hörte, weit über sich, das majestätische Gekreische eines Tieres, eines Vogels … eines Adlers. Dass die Gruppe vor ihr sie längst betrachteten und sicher auch etwas verwirrt war ob der Tatsache, dass ein junges Ding wie sie nun plötzlich in den Himmel starrte. Aber dort oben war etwas, sie hörte es, es war so laut … das Geflattere der Schwingen, es erfüllte ihre Ohren, das Kreischen schmerzte in ihrem Kopf, konnten diese drei das nicht hören?! „Er kommt … er kommt um mir die Augen auszupicken … er kommt ...“ murmelte sie plötzlich und Erkenntnis erfüllte schlagartig ihren Geist; der Adler hatte sie gefunden.
„Ihr alle solltet eines Wissen: Der Adler kreist immer über euch! Denn er ist böse! Und wenn er kann, wird er auf euch nieder stürzen und euch die Augen aushacken! Merkt euch das, Kinder!“
Sie durfte dem Adler keine Chance geben, dann aber Schritte, sie richtete ihren Blick voraus, sah zu den drei Unbekannten, starrte sie an und dann fiel ihr Blick auf das Mädchen. Sie sah ihr etwas verwirrt entgegen aber Firenas Blick richtete sich sehr schnell auf etwas dass hinter ihr erschien, und ihre Augen weiteten sich. Es schien als würde man ihrer Kehle die Luft abschnüren als sie es erst hörte Tipp … Tapp … Tipp … Tapp ... und dann sah, der Adler schien plötzlich so fern aber dafür sah sie den Schatten hinter dem Mädchen, er wra gekommen, er würde erst das Kind und dann sie fressen … sie musste ihr helfen!
Das letzte woran sich Firena noch genau erinnerte war, dass sie auf das Mädchen zugestürmt war, sie wollte sie weg drücken, wollte die Gefahr auf sich lenken, aber der eine Mann in seiner hellen Rüstung drückte sich dazwischen, brüllte sie kurzfristig an und ganz gleich wie laut sie schrie, ganz gleich wie laut Firena ihnen allen versuchte klarzumachen dass er gleich hier war, es gelang nicht … und dann zahlte ihr Körper ihr alles heim, als vor ihren Augen alles schwarz wurde.
Dunkelheit, sie war so wunderschön wie der Mutterschoß, den Ort den sie nie wieder kennen würde, nie wieder.
„Deine Mutter hat dich niemals geliebt! ICH weiß das! Keine Mutter wird dich jemals lieben, nicht einmal die große Mutter!“
Wie sehr diese Worte doch in ihrem Kopf widerhallten. Was sie durchlebte war kein Schlaf, es war eher eine Ohnmacht. Ihr Körper hatte sie quasi zu einer Pause gezwungen, einer Pause die kein Schlaf war und damit konnte sie auch nicht träumen, der Panther würde ihr nicht folgen. Oder war er das vielleicht schon? War sie im Schlund des Tieres ohne es gemerkt zu haben?
Sie öffnete die Augen und warmes Kerzenlicht erfüllte ihr Sichtfeld, sie war nicht inmitten eines großen Magens, sie lag in einem Raum auf dem Rücken, einer der Männer stand neben ihr und lächelte beruhigend hinab. Er stellte ihr eine Feldflasche auf die Liege auf der sie lag und sprach davon, dass sie in Sicherheit sei und auf Firenas verwirrte Frage hin, wo sie wäre antwortete er, sie sei in einem Heilerhaus nahe Varuna.
Heilerhaus …. Varuna … in ihrem Kopf begann gerade bei Letzterem eine Alarmsirene zu schrillen, irgendetwas aus früheren Tagen versuchte an die Oberfläche ihrer Erinnerungen zu gelangen, irgendetwas war nicht richtig mit diesem Namen … und dann kam es, Bruchstückhaft
„Die Stadt wo ein Mörder und Verräter haust der unseren lieben König nur Ärger macht! Dort hasst euch jeder! JEDER!“
und dazu noch ein Heilerhaus, wo sie schon einmal war, wo man sie eingesperrt hatte „zu ihrem eigenen Wohl“. Nein, nicht diesmal … in ihrem Kopf fokussierte sie all ihre Ruhe und auch wenn die Liege auf der sie lag sie beinahe dazu einlud, die Augen zu schließen und ein Nickerchen zu machen, so musste sie hier weg, weg von diesem Mann der sie irgendwas fragte.
Und sie sagte nur, er solle sich umdrehen, sie wollte etwas an ihrer Brust überprüfen … und er drehte sich um. Ihre Hand wanderte zu der Feldflasche auf der Liege, aus Metall gefertigt war sie hart genug für ihre Zwecke und der Schlag den sie ausführte schien kräftig genug um den Kerl vor sich auf den Boden zu schicken.
Sie hatte ihn dort wo sie ihn wollte, ihre Hände wanderten den Rocksaum entlang, an die eine Stelle wo sie ihren rostigen Dolch trug und hielt ihn dem Mann an die Kehle. Sie wusste im Nachhinein nicht mehr ganz was sie ihm gesagt hatte, aber sie hatte ihm klar gemacht, dass sie nicht wieder eingesperrt werden wollte … und dann war sie geflohen, sie war wieder frei … und wieder auf der Flucht.
Zuletzt geändert von Firena Darmar am Donnerstag 18. Dezember 2008, 10:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Firena Darmar
Ab einem gewissen Grad der Schlaflosigkeit wurde alles leichter und erträglicher. Ein seltsames Hochgefühl erfüllte Firena eine ganze Zeit lang, sie durchschritt die Ländereien und auch wenn sie ab und an das Gefühl nicht verdrängen konnte dass sie aus den Augenwinkeln etwas erkennen konnte, aber all die schlechten Gefühle, das Wissen verfolgt zu werden … all das verschwand für eine gewisse Zeit, eine wundervolle kurze Zeitspanne.
Doch der Wunsch, dass jenes Gefühl ewig währen würde, wurde ihr nicht erfüllt. Die Müdigkeit schlug nun umso mehr zu, ihr Körper wurde immer träger, Bewegungen die vor Kurzem noch einfach erschienen kosteten sie nun deutlich mehr Überwindung, ihre Augenlider drohten ihr zuzufallen und die Schatten, welche sie aus den Augenwinkeln wahrzunehmen glaubte, kehrten zurück. Ihr Kopf dröhnte und aus einem klaren und offenen Blick wurde jener altgewohnte Tunnelblick, es gab nur eine Richtung in die sie blickte, und nicht einmal diese schien ihr wirklich zu zeigen wohin sie lief.
Bajard, ein kleines Fischerdorf, hier hatte es sie schon einmal hin verschlagen und hier wollte sie sich in Sicherheit wiegen, fernab von Adler und Panther sein, fernab der Gefahr die sie dauernd im Nacken spürte. Ihre Wege führten sie durch die kleinen Straßen, ihre Augen wurden langsam schwerer, die tiefen Augenringe schienen plötzlich ein eigenes Gewicht zu entwickeln, es wurde immer schwerer wach zu bleiben, aber sie würde nicht schlafen, sie würde sich nicht den Gefahren des Schlafens ausliefern.
Aber in ihrem Inneren begann ein wacher, ein vernünftiger Teil in ihr die Frage zu stellen, wie lange das noch gut gehen sollte, wie lange sie das durchmachen konnte … Besser als mitten im Traum vom Panther gefressen zu werden … oder dem Adler zu erliegen ... aber daran durfte sie nun nicht denken; immer wieder hatte sie das Gefühl dass sie die beiden wieder hören konnte, aber das durfte nicht möglich sein.
Es war simpel … Panther und Adler hielten sich zurück so lange sie wach war, solange sie unter Menschen war, denn dann konnten sie sich nicht ganz zeigen; sie konnten Firena nur beobachten, auf den richtigen Moment warten und diesen würde sie ihnen nicht gönnen.
Zu ihrer eigenen Überraschung aber sollte dieser Tag in Bajard einiges bereithalten. Erst war sie dem Mann begegnet, den sie am gestrigen Tag niedergeschlagen hatte.
Er war recht ruhig dafür dass sie ihn zu Boden gebracht hatte und ihm ein Messer an die Kehle gesetzt hatte, aber vielleicht war das auch nur Taktik, vielleicht wollte er sie in Sicherheit wiegen … Vielleicht ist er ja auch der Panther der sich verwandelt hat ... Er redete lange auf sie ein, er sagte, er wolle ihr helfen, doch wie sollte er ihr helfen? Wie sollte er ihr Schutz und Sicherheit geben wenn er nicht sehen konnte, was sie sah? Wenn er nicht begreifen konnte, was sie verfolgte?
Außerdem war er scheinbar ein Anhänger des Adlers, und jener würde kein halt machen vor ihr, man hatte es ihnen allen früher oft genug gesagt; der Adler hasste sie alle und würde sie totpicken.
Er konnte ihr nicht helfen und vielleicht hatte er dies auch begriffen, als er sich umgewandt hatte und sie alleine ließ, niemand konnte ihr helfen, denn niemand konnte sie so klar und genau sehen, wie Firena. Und genau deswegen hatte keiner am Ortsausgang zu Bajard verstehen können, warum sie plötzlich starr wurde, wieso ihr Körper anfing zu zittern, wieso ihre Augen sich weiteten, denn nur sie sah diesen Schatten, dieses dunkle Etwas dort stehen und auf sie zulaufen.
Ihr Atem begann mit einem male zu rasen, sie verkrampfte sich förmlich und starrte den Panther an der auf sie zurannte, alles um sie herum wurde dumpf, nicht existent für sie, sie sah nur dieses Monstrum auf sie zulaufen. Sie spürte nicht einmal wie zwei Hände sie an den Schultern packten und leicht durch schüttelten, sie wich nur ängstlich und wimmernd weg von dem dunklen Panther der auf sie zuging, immer schneller wurde, brüllte und näher kam, immer näher. Er durfte nicht hier sein, er durfte nicht hier sein, das war nicht richtig, das war nicht richtig … die Panik begann in ihr zu wachsen, hämmerte paukend gegen ihr Herz und dann ... dann verschwand der Schatten, vielleicht weil er wusste dass er nichts tun konnte, vielleicht auch weil neben ihr plötzlich zwei Frauen knieten, sie Dinge fragten. Firena wusste nicht wer diese Frauen waren, sie antwortete ihnen einfach, die Worte verließen ihre Lippen beinahe wie von alleine, alles um sie herum wurde dumpf, unbedeutend und ihre Lider wurden schwerer.
Ich darf nicht einschlafen ... „Doch, du darfst, wenn dein Körper Ruhe brauchst solltest du ihm diese nicht verwehren ...“ es war die ruhige, besänftigende Stimme einer der beiden Frauen, sie fragten sie noch mehr, aber die Fragen verschwanden wieder aus Firenas Kopf, kaum hatte sie murmelnd darauf geantwortet. Die Müdigkeit begann nun in ihre Knochen zu dringen, all die Anstrengunge, all die Panik, all das Zittern und Wimmern, es hatte ihrem Körper die letzten Kraftreserven geraubt und dann schloss sie die Augen ergeben … sie gab sich dem Schlaf hin, sie verlor den Kampf mit sich selbst. Das letzte was sie noch spürte, war ein sanfter Griff, eine vertraute Nähe und einen kurzen Moment das unglaubliche Gefühl von wunderbarer Nähe … doch als sie dann irgendwann alleine in ein Bett gelegt wurde hallten jene Worte durch ihren Kopf die man ihr immer und immer wieder eingebleucht hatte damals;
„Deine Mutter hat dich niemals geliebt! ICH weiß das! Keine Mutter wird dich jemals lieben, nicht einmal die große Mutter!“
Und so versank sie vollkommen in ihrem Schlaf.
Doch der Wunsch, dass jenes Gefühl ewig währen würde, wurde ihr nicht erfüllt. Die Müdigkeit schlug nun umso mehr zu, ihr Körper wurde immer träger, Bewegungen die vor Kurzem noch einfach erschienen kosteten sie nun deutlich mehr Überwindung, ihre Augenlider drohten ihr zuzufallen und die Schatten, welche sie aus den Augenwinkeln wahrzunehmen glaubte, kehrten zurück. Ihr Kopf dröhnte und aus einem klaren und offenen Blick wurde jener altgewohnte Tunnelblick, es gab nur eine Richtung in die sie blickte, und nicht einmal diese schien ihr wirklich zu zeigen wohin sie lief.
Bajard, ein kleines Fischerdorf, hier hatte es sie schon einmal hin verschlagen und hier wollte sie sich in Sicherheit wiegen, fernab von Adler und Panther sein, fernab der Gefahr die sie dauernd im Nacken spürte. Ihre Wege führten sie durch die kleinen Straßen, ihre Augen wurden langsam schwerer, die tiefen Augenringe schienen plötzlich ein eigenes Gewicht zu entwickeln, es wurde immer schwerer wach zu bleiben, aber sie würde nicht schlafen, sie würde sich nicht den Gefahren des Schlafens ausliefern.
Aber in ihrem Inneren begann ein wacher, ein vernünftiger Teil in ihr die Frage zu stellen, wie lange das noch gut gehen sollte, wie lange sie das durchmachen konnte … Besser als mitten im Traum vom Panther gefressen zu werden … oder dem Adler zu erliegen ... aber daran durfte sie nun nicht denken; immer wieder hatte sie das Gefühl dass sie die beiden wieder hören konnte, aber das durfte nicht möglich sein.
Es war simpel … Panther und Adler hielten sich zurück so lange sie wach war, solange sie unter Menschen war, denn dann konnten sie sich nicht ganz zeigen; sie konnten Firena nur beobachten, auf den richtigen Moment warten und diesen würde sie ihnen nicht gönnen.
Zu ihrer eigenen Überraschung aber sollte dieser Tag in Bajard einiges bereithalten. Erst war sie dem Mann begegnet, den sie am gestrigen Tag niedergeschlagen hatte.
Er war recht ruhig dafür dass sie ihn zu Boden gebracht hatte und ihm ein Messer an die Kehle gesetzt hatte, aber vielleicht war das auch nur Taktik, vielleicht wollte er sie in Sicherheit wiegen … Vielleicht ist er ja auch der Panther der sich verwandelt hat ... Er redete lange auf sie ein, er sagte, er wolle ihr helfen, doch wie sollte er ihr helfen? Wie sollte er ihr Schutz und Sicherheit geben wenn er nicht sehen konnte, was sie sah? Wenn er nicht begreifen konnte, was sie verfolgte?
Außerdem war er scheinbar ein Anhänger des Adlers, und jener würde kein halt machen vor ihr, man hatte es ihnen allen früher oft genug gesagt; der Adler hasste sie alle und würde sie totpicken.
Er konnte ihr nicht helfen und vielleicht hatte er dies auch begriffen, als er sich umgewandt hatte und sie alleine ließ, niemand konnte ihr helfen, denn niemand konnte sie so klar und genau sehen, wie Firena. Und genau deswegen hatte keiner am Ortsausgang zu Bajard verstehen können, warum sie plötzlich starr wurde, wieso ihr Körper anfing zu zittern, wieso ihre Augen sich weiteten, denn nur sie sah diesen Schatten, dieses dunkle Etwas dort stehen und auf sie zulaufen.
Ihr Atem begann mit einem male zu rasen, sie verkrampfte sich förmlich und starrte den Panther an der auf sie zurannte, alles um sie herum wurde dumpf, nicht existent für sie, sie sah nur dieses Monstrum auf sie zulaufen. Sie spürte nicht einmal wie zwei Hände sie an den Schultern packten und leicht durch schüttelten, sie wich nur ängstlich und wimmernd weg von dem dunklen Panther der auf sie zuging, immer schneller wurde, brüllte und näher kam, immer näher. Er durfte nicht hier sein, er durfte nicht hier sein, das war nicht richtig, das war nicht richtig … die Panik begann in ihr zu wachsen, hämmerte paukend gegen ihr Herz und dann ... dann verschwand der Schatten, vielleicht weil er wusste dass er nichts tun konnte, vielleicht auch weil neben ihr plötzlich zwei Frauen knieten, sie Dinge fragten. Firena wusste nicht wer diese Frauen waren, sie antwortete ihnen einfach, die Worte verließen ihre Lippen beinahe wie von alleine, alles um sie herum wurde dumpf, unbedeutend und ihre Lider wurden schwerer.
Ich darf nicht einschlafen ... „Doch, du darfst, wenn dein Körper Ruhe brauchst solltest du ihm diese nicht verwehren ...“ es war die ruhige, besänftigende Stimme einer der beiden Frauen, sie fragten sie noch mehr, aber die Fragen verschwanden wieder aus Firenas Kopf, kaum hatte sie murmelnd darauf geantwortet. Die Müdigkeit begann nun in ihre Knochen zu dringen, all die Anstrengunge, all die Panik, all das Zittern und Wimmern, es hatte ihrem Körper die letzten Kraftreserven geraubt und dann schloss sie die Augen ergeben … sie gab sich dem Schlaf hin, sie verlor den Kampf mit sich selbst. Das letzte was sie noch spürte, war ein sanfter Griff, eine vertraute Nähe und einen kurzen Moment das unglaubliche Gefühl von wunderbarer Nähe … doch als sie dann irgendwann alleine in ein Bett gelegt wurde hallten jene Worte durch ihren Kopf die man ihr immer und immer wieder eingebleucht hatte damals;
„Deine Mutter hat dich niemals geliebt! ICH weiß das! Keine Mutter wird dich jemals lieben, nicht einmal die große Mutter!“
Und so versank sie vollkommen in ihrem Schlaf.
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Firena Darmar
Wenn Menschen schlafen, dann träumen sie für gewöhnlich. Die wildesten Abenteuern, mutige Kämpfen gegen riesige Drachen oder die Reise in die entferntesten Länder der eigenen Fantasie sind in Träumen möglich. Manche Menschen aber träumten nicht, oder nur selten, und Firena war ein solcher Mensch. Ihre seltenen Träume bestanden in den letzten Jahren meistens aus Alpträumen oder aus Erinnerungsfetzen, Bilder die ihr Geist behalten hatte aber für die sie im Alltag keinen Gebrauch mehr hatte.
Während sie in dem Bett der Herberge lag, den Körper unter der Decke wärmend, träumte sie einmal mehr, und einmal mehr waren es die verschiedensten Erinnerungsfetzen, teils wild vermischt so dass sie wenig Sinn ergaben aber eine Szenerie kam immer und immer wieder vor wenn sie träumte.
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In dieser war sie wieder …. daheim … wenn man diesen Ort so nennen konnte. Es war diese große Halle wo sie alle zusammen morgens saßen, ihr Brot aßen, in die Schüssel mit Suppe schauten und schweigend ihre Mahlzeit löffelten. Es ging ihnen nicht schlecht, und ob es ihnen wirklich gut ging konnten sie nie sagen, sie kannten das Leben außerhalb dieser Wände kaum. Nur selten hatte man sie losgeschickt um Einkäufe zu unternehmen und noch seltener war Firena darunter, denn sie gehörte zu der Gruppe Kinder die von „ihr“ nicht gemocht wurden.
In ihrem Traum saß sie da und löffelte schweigend die dünne Brühe, ihr gegenüber zwei andere Kinder, Sascha und Lea, so waren ihre Namen. Dann die Schritte, knarzend auf dem Boden, Firena sah nicht hin, gab „ihr“ keinen grund zu ihr zu kommen, aber einen Grund brauchte es nie. Am Morgen war es meistens Firena, am Mittag eines der anderen Kinder und am Abend dann wieder ein anderes … aber der Morgen war für sie reserviert, es war fast wie ein Ritual und so sah sie nur auf ihre Schüssel als sie die Gestalt hinter sich spürte.
„Firena Damar! Schau gefälligst auf wenn ich zu dir trete!“ diese schneidende Stimme, diese Stimme voll unbegründeter Boshaftigkeit, Firena drehte den Kopf und sah hinauf, „hast du gut geschlafen? Ich hoffe doch! Denn heute wirst du wieder im Hof arbeiten, ohne Jacke! Einem Gör wie dir gehört Disziplin eingeprügelt, das haben deine Eltern wohl nicht so recht hin bekommen als sie dich aufgegeben haben, was? Sieh mich an! Weißt du wieso du hier bist? Weil dich niemand liebt! Der Adler hasst dich wie alle anderen hier, aber selbst der Panther hat nichts für dich über, für ihn bist du nur eine Beute und wenn du jemals von hier verschwindest Firena, dann kommt er, und jagt dich, und frisst dich! Keiner liebt dich! Weder deine Mutter hat das getan, noch die große Mutter tut das! Hörst du? Niemand!“
Früher hatte sie während dieser Predigt angefangen zu weinen, die Tränen waren ihr über die Wangen gelaufen und sie hatte geschluchzt. Jetzt, nach über zehn Jahren in diesem Haus weinte sie nicht mehr, nach beinahe zehn Jahren in denen sie fast tagtäglich die gleichen Worte, nur immer leicht abgewandelt gehört hatte, stachen sie einfach nur immer tiefer, tief in eine Ebene ihres Geistes, die sie niemals begreifen oder verstehen würde.
Es war aber auch an jenem Tag gewesen als sie den Panther das erste mal gesehen hatte … das erste mal als sie bis zum Abend im Hof stand und dort fegte, kehrte und Dreck weg machte, der gar nicht existent war … an jenem Abend hatten ihre Augen aus den Winkeln diese Gestalt ausgemacht und immer wieder hallten diese Worte in ihrem Kopf „Wenn du jemals von hier verschwindest, dann kommt er und frisst dich ...“ es war an jenem Abend als sie anfing den Panther zu sehen und kurze Zeit später auch den kreisenden Adler … und ein halbes Jahr später war sie geflohen … und sie wusste von diesem Zeitpunkt an würde der Panther sie jagen.
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Während sie da lag, unter der warmen decke, die Beine an den Körper gezogen, kam ihr noch etwas vergangenes, aber deutlich Näheres in den Sinn. Jene Frauen, jene Frauen die auf sie eingesprochen hatten und danach jene Berührungen … wie sie gehalten wurde. Ein Gefühl, so ungewohnt und so weit in ihrer Erinnerung vergraben erwachte kurz und wie sehr hatte es geschmerzt als die Hände sie auf das Bett niedergelegt hatten.
Aber auch hier kamen ihr wieder die Worte in den Sinn … weder die große Mutter noch sonst wer würde ihr je Wärme schenken.
Sie erwachte ausgeruht nach einem langen und tiefen Schlaf, der Besitzer der Herberge drückte ihr ein Stück Brot und Käse in die Hand und sagte, für mehr sei er nicht bezahlt worden, Firena solle nun gehen. Das junge Mädchen konnte sich nicht einmal erinnern in eine Herberge gebracht zu werden aber die Ruhe und das Essen waren eine willkommene Stärkung und sie fühlte sich frisch.
Es gab jene Momente ab und an, wenn sie alles vollkommen klar sehen konnte. Wenn weder der Panther, noch der Adler in ihrer Sicht- oder Hörweite waren, dann wirkte sie frei und gelassen, unbekümmert und sorgenlos und sie kostete jene Momente immer aus.
Den Tag verbrachte sie lange an den Klippen des Fischerdorfes Bajard und sah aufs Meer hinaus, ihre Gedanken hingen nichts Bestimmten nach, sie genoss nur jenen Moment der absoluten inneren Ruhe, keine Bewegungen aus den Augenwinkeln, keine innere Furcht die begann rasend schnell zu wachsen. Aber sie wusste es würde nicht von Dauer sein, und sie hatte Recht.
Sie war ihm wieder über den Weg gelaufen … wieso immer nur er? Sie hatte ihn niedergeschlagen, dann hatte sie ihn einmal in Bajard getroffen und nun, vor dem Eingang des Dorfes stand er wieder, aber diesesmal war sie es, die ihn ansprach. Er hatte ihr gesagt, sie solle ihm vertrauen, doch in ihrer Panik, in ihrer Angst hatte sie nicht annähernd die Möglichkeit ihm das zu sagen, was sie wollte. Nun, wo sie völlig klar war, konnte sie dies, und sie würde es.
Sie spie es ihm fast ins Gesicht, die Tatsache, dass sie seine Insignien wieder erkannte, die Insignie einer Gruppierung, welche damals Rahal angegriffen hatte, zu der Zeit als sie noch dort in dem großen Haus mit den anderen lebte. Sie erkannte dass er zu jenen gehörte, welche die Stadt damals bombardiert hatten und beinahe ihre einzige Zuflucht zerstörten … all das knallte sie ihm ins Gesicht, und er blieb augenscheinlich ruhig.
Er sagte er wolle ihr helfen, immer wieder sagte er das … aber als sie ihn fragte, wie er das denn machen wolle, verflüchtigte er sich in leeres Gerede, in Phrasen und nichtssagenden Worten.
Am Ende konnte er nur das sage, was alle anderen vor ihm auch schon gesagt hatten; er wolle ihr zuhören, sie verstehen …. und jene Worte brachten sie fast dazu, aufzulachen. Wie oft hatte sie schon Menschen, die ihr helfen wollten, von ihrem Leid erzählt? Alles wieder aus den tiefsten ihrer Gedanken hervorgezogen, all die Torturen innerlich noch einmal durchlebt? Und wie oft hatten diese Menschen, die ihr ja helfen wollten, irgendwann ratlos mit den Schultern gezuckt und gesagt, sie könnten nichts dagegen tun …? Zu oft und all dies sagte sie ihm ins Gesicht, all dies und nicht mehr, bevor sie sich umwandte und ging.
Sie hatte ihm dies alles gesagt und dabei hatte sie sich selbst wieder angefangen zu verändern. Es waren nur wenige Stunden später als sie die ersten Bewegungen aus den Augenwinkeln bemerkte, als sie glaubte das Schlagen von Schwingen über sich zu hören.
Sie kniff die Augen zusammen, zwang sich zur Ruhe, doch sie hörte die Schritte wieder … Tipp...Tapp...Tipp...Tapp... und sie begann zu rennen, begann an Orte zu rennen wo sie glaubte sicher zu sein, eine Taverne … aber selbst dorthin folgte er ihr, wartete draußen im Dunkeln auf sie.
Es konnte so nicht weitergehen, sie musste etwas tun … und dann fielen ihr die einzigen Worte dieses Mannes ein,d en sie Stunden zuvor noch angebrüllt hatte, die ihr nützlich erschienen: „Du musst dich deiner Angst stellen“ und das würde sie tun … das würde sie versuchen. Sie wusste nicht einmal woher dieser plötzliche Wille zum Widerstand kam, er war einfach da. Vielleicht waren es die klaren Momente, die sie heute tagsüber hatte, vielleicht war es die letzte Verzweiflung, sie wusste es nicht, sie stand nur auf und rannte hinaus in die Dunkelheit, sie wusste wo sie sich ihm stellen würde.
Nicht unweit von Bajard hatte sie ein Waldstück ausgesucht, sie wusste er würde ihr folgen, sie spürte es, der Panther war ihr auf den Fersen. Hier war sie alleine, hier war niemand anderes und sie würde das perfekte Ziel für ihn sein. Sie stand da, ihr Körper zitterte, die dünne Stoffkleidung bot nur unzureichenden Schutz, aber sie wartete, sie wartete dass er auftauchen würde, er war nahe, sie spürte es. Es vergingen Stunden, aber in ihrem Kopf waren es nur Momente, als sie Geräusche hörte, ein Rascheln und dann ein Knurren. Ihre Augen richteten sich auf einen Schatten vor sich, der langsam aber sicher durch das helle Mondlicht sichtbar wurde.
Es war ein Panther … er war hier … das Fell dunkel, die Augen auf sie gerichtet, doch er wirkte seltsam zurückhaltend.
Firena kniff die Augen zusammen, sah das Tier an, sie würde sich ihm stellen, ihm zeigen dass er sie nicht überall hin verfolgen konnte, dass sie stark genug war sich ihm zu stellen. Sie schrie dem Tier entgegen, machte einen Schritt auf es zu und dann … sprang es plötzlich los. Firena spannte ihren Körper an, sie würde es schaffen, der klare Teil in ihrem Geist wusste in diesem Moment dass sie diesen Panther für immer aus ihrer Angst vertreiben konnte …. und dann spürte sie wie Krallen in ihr Fleisch schlugen, für Firena an sich keine Verwunderung, für ihren Körper aber ein Alarmsignal, denn die Krallen waren echt, sie bohrten sich wirklich in ihr Fleisch und rissen auch eine reale Wunde und dann reagierte der Rest ihres Geistes … sie schrie auf und fiel zu Boden. Der vernebelte Teil ihres Geistes sah sich geschlagen, sie hatte den Panther unterschätzt, während der letzte wache Teil verschwunden war als er bemerkte dass das Tier vor ihr ein echter Panther war.
Das Tier streifte an ihr entlang, es würde sie töten … der Panther würde sie fressen, hier und jetzt … aber er tat es nicht, er schien sich zurückzuziehen als er merkte dass die potentielle Gefahr keine Bedrohung mehr war … doch für Firena bedeutete dies nur eines; er wollte sie noch nicht töten … er wollte sie noch quälen. Und dann dämmerte sie weg, die Wunde an ihrem rechten Oberarm gab ihr den Rest.
Sie öffnete die Augen eine unbestimmte Zeit später. Die Panik begann in ihr zu wachsen als sie sich umsah, doch der plötzlich aufkommende Schmerz war größer.
Sie sah auf ihren Arm, blutverschmiert und eine unschöne Wunde war dort sichtbar, die ihr fast das Essen vom Morgen aus dem Magen katapultierte. Sie brauchte eine lange Zeit bis sie sich aufrichten konnte und in eine unbestimmte Richtung strauchelte, ihr Körper war benommen von den Schmerzen, ihr Geist unter Schock.
Aber irgendwann würde auch diese Schutzfunktion ihres Körpers abklingen und dann würde sie Leiden … so wie der Panther es wollte.
Während sie in dem Bett der Herberge lag, den Körper unter der Decke wärmend, träumte sie einmal mehr, und einmal mehr waren es die verschiedensten Erinnerungsfetzen, teils wild vermischt so dass sie wenig Sinn ergaben aber eine Szenerie kam immer und immer wieder vor wenn sie träumte.
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In dieser war sie wieder …. daheim … wenn man diesen Ort so nennen konnte. Es war diese große Halle wo sie alle zusammen morgens saßen, ihr Brot aßen, in die Schüssel mit Suppe schauten und schweigend ihre Mahlzeit löffelten. Es ging ihnen nicht schlecht, und ob es ihnen wirklich gut ging konnten sie nie sagen, sie kannten das Leben außerhalb dieser Wände kaum. Nur selten hatte man sie losgeschickt um Einkäufe zu unternehmen und noch seltener war Firena darunter, denn sie gehörte zu der Gruppe Kinder die von „ihr“ nicht gemocht wurden.
In ihrem Traum saß sie da und löffelte schweigend die dünne Brühe, ihr gegenüber zwei andere Kinder, Sascha und Lea, so waren ihre Namen. Dann die Schritte, knarzend auf dem Boden, Firena sah nicht hin, gab „ihr“ keinen grund zu ihr zu kommen, aber einen Grund brauchte es nie. Am Morgen war es meistens Firena, am Mittag eines der anderen Kinder und am Abend dann wieder ein anderes … aber der Morgen war für sie reserviert, es war fast wie ein Ritual und so sah sie nur auf ihre Schüssel als sie die Gestalt hinter sich spürte.
„Firena Damar! Schau gefälligst auf wenn ich zu dir trete!“ diese schneidende Stimme, diese Stimme voll unbegründeter Boshaftigkeit, Firena drehte den Kopf und sah hinauf, „hast du gut geschlafen? Ich hoffe doch! Denn heute wirst du wieder im Hof arbeiten, ohne Jacke! Einem Gör wie dir gehört Disziplin eingeprügelt, das haben deine Eltern wohl nicht so recht hin bekommen als sie dich aufgegeben haben, was? Sieh mich an! Weißt du wieso du hier bist? Weil dich niemand liebt! Der Adler hasst dich wie alle anderen hier, aber selbst der Panther hat nichts für dich über, für ihn bist du nur eine Beute und wenn du jemals von hier verschwindest Firena, dann kommt er, und jagt dich, und frisst dich! Keiner liebt dich! Weder deine Mutter hat das getan, noch die große Mutter tut das! Hörst du? Niemand!“
Früher hatte sie während dieser Predigt angefangen zu weinen, die Tränen waren ihr über die Wangen gelaufen und sie hatte geschluchzt. Jetzt, nach über zehn Jahren in diesem Haus weinte sie nicht mehr, nach beinahe zehn Jahren in denen sie fast tagtäglich die gleichen Worte, nur immer leicht abgewandelt gehört hatte, stachen sie einfach nur immer tiefer, tief in eine Ebene ihres Geistes, die sie niemals begreifen oder verstehen würde.
Es war aber auch an jenem Tag gewesen als sie den Panther das erste mal gesehen hatte … das erste mal als sie bis zum Abend im Hof stand und dort fegte, kehrte und Dreck weg machte, der gar nicht existent war … an jenem Abend hatten ihre Augen aus den Winkeln diese Gestalt ausgemacht und immer wieder hallten diese Worte in ihrem Kopf „Wenn du jemals von hier verschwindest, dann kommt er und frisst dich ...“ es war an jenem Abend als sie anfing den Panther zu sehen und kurze Zeit später auch den kreisenden Adler … und ein halbes Jahr später war sie geflohen … und sie wusste von diesem Zeitpunkt an würde der Panther sie jagen.
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Während sie da lag, unter der warmen decke, die Beine an den Körper gezogen, kam ihr noch etwas vergangenes, aber deutlich Näheres in den Sinn. Jene Frauen, jene Frauen die auf sie eingesprochen hatten und danach jene Berührungen … wie sie gehalten wurde. Ein Gefühl, so ungewohnt und so weit in ihrer Erinnerung vergraben erwachte kurz und wie sehr hatte es geschmerzt als die Hände sie auf das Bett niedergelegt hatten.
Aber auch hier kamen ihr wieder die Worte in den Sinn … weder die große Mutter noch sonst wer würde ihr je Wärme schenken.
Sie erwachte ausgeruht nach einem langen und tiefen Schlaf, der Besitzer der Herberge drückte ihr ein Stück Brot und Käse in die Hand und sagte, für mehr sei er nicht bezahlt worden, Firena solle nun gehen. Das junge Mädchen konnte sich nicht einmal erinnern in eine Herberge gebracht zu werden aber die Ruhe und das Essen waren eine willkommene Stärkung und sie fühlte sich frisch.
Es gab jene Momente ab und an, wenn sie alles vollkommen klar sehen konnte. Wenn weder der Panther, noch der Adler in ihrer Sicht- oder Hörweite waren, dann wirkte sie frei und gelassen, unbekümmert und sorgenlos und sie kostete jene Momente immer aus.
Den Tag verbrachte sie lange an den Klippen des Fischerdorfes Bajard und sah aufs Meer hinaus, ihre Gedanken hingen nichts Bestimmten nach, sie genoss nur jenen Moment der absoluten inneren Ruhe, keine Bewegungen aus den Augenwinkeln, keine innere Furcht die begann rasend schnell zu wachsen. Aber sie wusste es würde nicht von Dauer sein, und sie hatte Recht.
Sie war ihm wieder über den Weg gelaufen … wieso immer nur er? Sie hatte ihn niedergeschlagen, dann hatte sie ihn einmal in Bajard getroffen und nun, vor dem Eingang des Dorfes stand er wieder, aber diesesmal war sie es, die ihn ansprach. Er hatte ihr gesagt, sie solle ihm vertrauen, doch in ihrer Panik, in ihrer Angst hatte sie nicht annähernd die Möglichkeit ihm das zu sagen, was sie wollte. Nun, wo sie völlig klar war, konnte sie dies, und sie würde es.
Sie spie es ihm fast ins Gesicht, die Tatsache, dass sie seine Insignien wieder erkannte, die Insignie einer Gruppierung, welche damals Rahal angegriffen hatte, zu der Zeit als sie noch dort in dem großen Haus mit den anderen lebte. Sie erkannte dass er zu jenen gehörte, welche die Stadt damals bombardiert hatten und beinahe ihre einzige Zuflucht zerstörten … all das knallte sie ihm ins Gesicht, und er blieb augenscheinlich ruhig.
Er sagte er wolle ihr helfen, immer wieder sagte er das … aber als sie ihn fragte, wie er das denn machen wolle, verflüchtigte er sich in leeres Gerede, in Phrasen und nichtssagenden Worten.
Am Ende konnte er nur das sage, was alle anderen vor ihm auch schon gesagt hatten; er wolle ihr zuhören, sie verstehen …. und jene Worte brachten sie fast dazu, aufzulachen. Wie oft hatte sie schon Menschen, die ihr helfen wollten, von ihrem Leid erzählt? Alles wieder aus den tiefsten ihrer Gedanken hervorgezogen, all die Torturen innerlich noch einmal durchlebt? Und wie oft hatten diese Menschen, die ihr ja helfen wollten, irgendwann ratlos mit den Schultern gezuckt und gesagt, sie könnten nichts dagegen tun …? Zu oft und all dies sagte sie ihm ins Gesicht, all dies und nicht mehr, bevor sie sich umwandte und ging.
Sie hatte ihm dies alles gesagt und dabei hatte sie sich selbst wieder angefangen zu verändern. Es waren nur wenige Stunden später als sie die ersten Bewegungen aus den Augenwinkeln bemerkte, als sie glaubte das Schlagen von Schwingen über sich zu hören.
Sie kniff die Augen zusammen, zwang sich zur Ruhe, doch sie hörte die Schritte wieder … Tipp...Tapp...Tipp...Tapp... und sie begann zu rennen, begann an Orte zu rennen wo sie glaubte sicher zu sein, eine Taverne … aber selbst dorthin folgte er ihr, wartete draußen im Dunkeln auf sie.
Es konnte so nicht weitergehen, sie musste etwas tun … und dann fielen ihr die einzigen Worte dieses Mannes ein,d en sie Stunden zuvor noch angebrüllt hatte, die ihr nützlich erschienen: „Du musst dich deiner Angst stellen“ und das würde sie tun … das würde sie versuchen. Sie wusste nicht einmal woher dieser plötzliche Wille zum Widerstand kam, er war einfach da. Vielleicht waren es die klaren Momente, die sie heute tagsüber hatte, vielleicht war es die letzte Verzweiflung, sie wusste es nicht, sie stand nur auf und rannte hinaus in die Dunkelheit, sie wusste wo sie sich ihm stellen würde.
Nicht unweit von Bajard hatte sie ein Waldstück ausgesucht, sie wusste er würde ihr folgen, sie spürte es, der Panther war ihr auf den Fersen. Hier war sie alleine, hier war niemand anderes und sie würde das perfekte Ziel für ihn sein. Sie stand da, ihr Körper zitterte, die dünne Stoffkleidung bot nur unzureichenden Schutz, aber sie wartete, sie wartete dass er auftauchen würde, er war nahe, sie spürte es. Es vergingen Stunden, aber in ihrem Kopf waren es nur Momente, als sie Geräusche hörte, ein Rascheln und dann ein Knurren. Ihre Augen richteten sich auf einen Schatten vor sich, der langsam aber sicher durch das helle Mondlicht sichtbar wurde.
Es war ein Panther … er war hier … das Fell dunkel, die Augen auf sie gerichtet, doch er wirkte seltsam zurückhaltend.
Firena kniff die Augen zusammen, sah das Tier an, sie würde sich ihm stellen, ihm zeigen dass er sie nicht überall hin verfolgen konnte, dass sie stark genug war sich ihm zu stellen. Sie schrie dem Tier entgegen, machte einen Schritt auf es zu und dann … sprang es plötzlich los. Firena spannte ihren Körper an, sie würde es schaffen, der klare Teil in ihrem Geist wusste in diesem Moment dass sie diesen Panther für immer aus ihrer Angst vertreiben konnte …. und dann spürte sie wie Krallen in ihr Fleisch schlugen, für Firena an sich keine Verwunderung, für ihren Körper aber ein Alarmsignal, denn die Krallen waren echt, sie bohrten sich wirklich in ihr Fleisch und rissen auch eine reale Wunde und dann reagierte der Rest ihres Geistes … sie schrie auf und fiel zu Boden. Der vernebelte Teil ihres Geistes sah sich geschlagen, sie hatte den Panther unterschätzt, während der letzte wache Teil verschwunden war als er bemerkte dass das Tier vor ihr ein echter Panther war.
Das Tier streifte an ihr entlang, es würde sie töten … der Panther würde sie fressen, hier und jetzt … aber er tat es nicht, er schien sich zurückzuziehen als er merkte dass die potentielle Gefahr keine Bedrohung mehr war … doch für Firena bedeutete dies nur eines; er wollte sie noch nicht töten … er wollte sie noch quälen. Und dann dämmerte sie weg, die Wunde an ihrem rechten Oberarm gab ihr den Rest.
Sie öffnete die Augen eine unbestimmte Zeit später. Die Panik begann in ihr zu wachsen als sie sich umsah, doch der plötzlich aufkommende Schmerz war größer.
Sie sah auf ihren Arm, blutverschmiert und eine unschöne Wunde war dort sichtbar, die ihr fast das Essen vom Morgen aus dem Magen katapultierte. Sie brauchte eine lange Zeit bis sie sich aufrichten konnte und in eine unbestimmte Richtung strauchelte, ihr Körper war benommen von den Schmerzen, ihr Geist unter Schock.
Aber irgendwann würde auch diese Schutzfunktion ihres Körpers abklingen und dann würde sie Leiden … so wie der Panther es wollte.
Zuletzt geändert von Firena Darmar am Samstag 20. Dezember 2008, 12:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Firena Darmar
Und sie litt. Es war ein unvergleichliches Brennen, das ihren Körper zu durchfahren schien, kleine Wellen von Schmerz jagten bei jeder Bewegung durch ihren Körper, und das obwohl es nur ihr Arm gewesen war.
Ein Blick auf jenen ließ sie nicht gerade ermutigt wirken, zwar war er notdürftig verbunden aber ein dunkelroter Fleck zeichnete sich bereits ab, die Wunde war nicht verschlossen oder großartig behandelt und sie fühlte wie immer wieder etwas warmes Blut an ihrem Unterarm hinab lief. Der Schock und all das Adrenalin waren verflogen, ein seltsamer Schleier legte sich um ihre Augen und jede Bewegung wurde zu einer kleinen Anstrengung.
Ihre Gedanken schweiften nicht mehr umher, es war schwer überhaupt einen klaren und festen Gedankengang zu folgen und damit litt auch ihre Orientierungsfähigkeit, sie stapfte durch das kleine Wäldchen, ihre Füße versanken bis zu den Knöcheln im Schnee und Wasser begann in die mitgenommenen Schuhe zu kommen, das Innere der Schuhe langsam einweichend und die Zehen kalt und taub werden lassend.
Der Panther schien sie nicht mehr zu verfolgen, er hatte erreicht was er wollte, er hatte sie besiegt und nun würde er warten bis sie ganz wehrlos war und dann würde er sie fressen. Es war keine Panik die in ihrem Kopf vorherrschte, dafür waren die Schmerzen zu groß, es war mehr eine Art rationales und logisches Denken … würde die Sonne vorher aufgehen würde es der Adler sein, der ihrem geschwächten Körper das Fleisch herauspicken würde.
Es war also im Moment nicht weniger die Frage ob sie sterben würde, sondern durch wen sie sterben würde … und weder Panther noch Geist waren eine angenehme Auswahlmöglichkeit. Im Magen eines Panthers würde es zwar warm sein, aber wer wusste schon genau, was mit ihr passieren würde … und was den Adler anging; würde er sie erwischen würde er ihren zerschundenen Körper mit sich nehmen und ihn auf ewig quälen, denn das Tat der Adler mit ihnen, das hatte die Frau Oberin gesagt und sie wusste dass es richtig war … sie hatte es ihr schließlich gesagt, immer und immer und immer wieder … jeden Tag, jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend, selbst in der Nacht war ihre Stimme in Firenas Kopf gewesen, hatte ihr zugeflüstert wie falsch sie sei und dass sie nichts hatte … nie etwas haben würde.
Für einen Moment hielt sie inne, ihr rechter Arm war taub geworden, ihren kleinen Zeh konnte sie mittlerweile auch nicht mehr spüren und die Lippen hatten sich bläulich verfärbt. Die Bäume um sie herum wirkten wie ein ewig gleiches Bild einer perfekten, winterlichen Landschaft und sie war in dieser perfekten und wunderschönen Winterlandschaft gefangen, kein Weg schien wieder heraus zu führen, kein Stern am Himmel der ihr einen Weg wies oder nirgends ein Zeichen … so etwas gab es nicht auf der Welt, nicht für sie.
Die letzte Kraftreserven wurden mobilisiert, wenn sie Bajard erreichen würde, vielleicht würde jemand bemerken wie es ihr ging, aber Bajard schien so unendlich fern zu sein. Rahal … ihre Heimat … oder das was mal ihre Heimat war bevor der Panther beschlossen hatte sie fressen zu wollen … aber Rahal war fern, noch ferner als Bajard. Varuna … wo die Stadt lag konnte sie aus ihrer Position nicht einmal bestimmen und außerdem würde dort der Adler kreisen und sie finden … wahrscheinlich sogar in der Nacht.
Jedes Heben ihrer Füße wurde zu einer kleinen Qual, jedesmal wenn sie die Beine aus dem Schnee ziehen musste nur um sie wieder darin versinken zu lassen, stach die Wunde am Arm durch die Bewegungen in ihren Körper … vielleicht war diese Wunde ja auch Absicht gewesen. Sie hatte einmal in einer Geschichte von der Lisa gehört, wie Fliegen ihre Eier in Wunden ablegten … vielleicht hatte der Panther seine Saat in sie gesetzt und nun würden lauter kleine Panther in ihr heranwachsen die sich an ihrem Fleisch laben konnten.
Und kaum hatte sie diesen Gedankengang vollendet, blickte sie auf ihren Arm. Die Haut schien sich plötzlich zu bewegen, als ob etwas darunter sei … Tipp … Tapp … Tipp ...Tapp … Tippelditapp sie konnte es hören; lauter kleine Schritte, in ihrem Körper, in ihr drin! Der Panther war in ihr, er würde sie fressen, sie war die Mahlzeit seiner Jungen!
Mit einem mal warf sie sich schreiend in den Schnee, die heile Hand begann sich zur Faust zu ballen und sie schlug auf ihren verletzten Arm ein. Mit jedem Aufschlag schrie sie laut auf vor Schmerz, aber sie musste die Brut in sich töten, sie musste sie auslöschen!
Ein Schlag, ein weiterer! Tränen schoßen ihr in die Augen vor lauter Schmerzen aber sie hörte nicht auf, im Gegenteil, sie wurde immer schneller als sie zusehen musste wie die Erhebungen ihrer Haut sich auf ihre Schulter zu bewegten. Doch ganz gleich wie fest sie gegen diese schlug, es waren nur Schmerzen welche sie durchfuhren und es ging soweit dass sie sich gegen den ganzen Körper schlug, dass ihre Faust gegen die Brust hämmerte, in ihren Bauch … überall wo sie waren … sie waren nämlich überall.
Sie schrie, sie schrie wie am Spieß,wandte sich vor Schmerzen am Boden und dann ergab sie sich ganz der Kraftlosigkeit. Es war ein letzter verzweifelter Schlag gegen ihr eigenes Gesicht der jedoch nicht einmal mehr mit voller Kraft ausgeführt wurde, ehe sie zusammen sank, ehe der Körper kapitulierte und sich in die Bewusstlosigkeit zurückzog.
Was blieb war die Gestalt welche nahe der Sümpfe und der ehemaligen Akademie Tirells am Boden lag, keinerlei Erhebungen in ihrer Haut waren zu sehen, nur die blauen Flecken die sie sich selbst zugefügt hatte … nur die blauen Flecken von denen jeder eine unglaubliche Angst vor dem Panther darstellte … vor ihm, vor dem Adler, vor der Mutter die sie verstoßen würde und vor der Frau Oberin … vor ihrem ganzen Leben.
Ein Blick auf jenen ließ sie nicht gerade ermutigt wirken, zwar war er notdürftig verbunden aber ein dunkelroter Fleck zeichnete sich bereits ab, die Wunde war nicht verschlossen oder großartig behandelt und sie fühlte wie immer wieder etwas warmes Blut an ihrem Unterarm hinab lief. Der Schock und all das Adrenalin waren verflogen, ein seltsamer Schleier legte sich um ihre Augen und jede Bewegung wurde zu einer kleinen Anstrengung.
Ihre Gedanken schweiften nicht mehr umher, es war schwer überhaupt einen klaren und festen Gedankengang zu folgen und damit litt auch ihre Orientierungsfähigkeit, sie stapfte durch das kleine Wäldchen, ihre Füße versanken bis zu den Knöcheln im Schnee und Wasser begann in die mitgenommenen Schuhe zu kommen, das Innere der Schuhe langsam einweichend und die Zehen kalt und taub werden lassend.
Der Panther schien sie nicht mehr zu verfolgen, er hatte erreicht was er wollte, er hatte sie besiegt und nun würde er warten bis sie ganz wehrlos war und dann würde er sie fressen. Es war keine Panik die in ihrem Kopf vorherrschte, dafür waren die Schmerzen zu groß, es war mehr eine Art rationales und logisches Denken … würde die Sonne vorher aufgehen würde es der Adler sein, der ihrem geschwächten Körper das Fleisch herauspicken würde.
Es war also im Moment nicht weniger die Frage ob sie sterben würde, sondern durch wen sie sterben würde … und weder Panther noch Geist waren eine angenehme Auswahlmöglichkeit. Im Magen eines Panthers würde es zwar warm sein, aber wer wusste schon genau, was mit ihr passieren würde … und was den Adler anging; würde er sie erwischen würde er ihren zerschundenen Körper mit sich nehmen und ihn auf ewig quälen, denn das Tat der Adler mit ihnen, das hatte die Frau Oberin gesagt und sie wusste dass es richtig war … sie hatte es ihr schließlich gesagt, immer und immer und immer wieder … jeden Tag, jeden Morgen, jeden Mittag und jeden Abend, selbst in der Nacht war ihre Stimme in Firenas Kopf gewesen, hatte ihr zugeflüstert wie falsch sie sei und dass sie nichts hatte … nie etwas haben würde.
Für einen Moment hielt sie inne, ihr rechter Arm war taub geworden, ihren kleinen Zeh konnte sie mittlerweile auch nicht mehr spüren und die Lippen hatten sich bläulich verfärbt. Die Bäume um sie herum wirkten wie ein ewig gleiches Bild einer perfekten, winterlichen Landschaft und sie war in dieser perfekten und wunderschönen Winterlandschaft gefangen, kein Weg schien wieder heraus zu führen, kein Stern am Himmel der ihr einen Weg wies oder nirgends ein Zeichen … so etwas gab es nicht auf der Welt, nicht für sie.
Die letzte Kraftreserven wurden mobilisiert, wenn sie Bajard erreichen würde, vielleicht würde jemand bemerken wie es ihr ging, aber Bajard schien so unendlich fern zu sein. Rahal … ihre Heimat … oder das was mal ihre Heimat war bevor der Panther beschlossen hatte sie fressen zu wollen … aber Rahal war fern, noch ferner als Bajard. Varuna … wo die Stadt lag konnte sie aus ihrer Position nicht einmal bestimmen und außerdem würde dort der Adler kreisen und sie finden … wahrscheinlich sogar in der Nacht.
Jedes Heben ihrer Füße wurde zu einer kleinen Qual, jedesmal wenn sie die Beine aus dem Schnee ziehen musste nur um sie wieder darin versinken zu lassen, stach die Wunde am Arm durch die Bewegungen in ihren Körper … vielleicht war diese Wunde ja auch Absicht gewesen. Sie hatte einmal in einer Geschichte von der Lisa gehört, wie Fliegen ihre Eier in Wunden ablegten … vielleicht hatte der Panther seine Saat in sie gesetzt und nun würden lauter kleine Panther in ihr heranwachsen die sich an ihrem Fleisch laben konnten.
Und kaum hatte sie diesen Gedankengang vollendet, blickte sie auf ihren Arm. Die Haut schien sich plötzlich zu bewegen, als ob etwas darunter sei … Tipp … Tapp … Tipp ...Tapp … Tippelditapp sie konnte es hören; lauter kleine Schritte, in ihrem Körper, in ihr drin! Der Panther war in ihr, er würde sie fressen, sie war die Mahlzeit seiner Jungen!
Mit einem mal warf sie sich schreiend in den Schnee, die heile Hand begann sich zur Faust zu ballen und sie schlug auf ihren verletzten Arm ein. Mit jedem Aufschlag schrie sie laut auf vor Schmerz, aber sie musste die Brut in sich töten, sie musste sie auslöschen!
Ein Schlag, ein weiterer! Tränen schoßen ihr in die Augen vor lauter Schmerzen aber sie hörte nicht auf, im Gegenteil, sie wurde immer schneller als sie zusehen musste wie die Erhebungen ihrer Haut sich auf ihre Schulter zu bewegten. Doch ganz gleich wie fest sie gegen diese schlug, es waren nur Schmerzen welche sie durchfuhren und es ging soweit dass sie sich gegen den ganzen Körper schlug, dass ihre Faust gegen die Brust hämmerte, in ihren Bauch … überall wo sie waren … sie waren nämlich überall.
Sie schrie, sie schrie wie am Spieß,wandte sich vor Schmerzen am Boden und dann ergab sie sich ganz der Kraftlosigkeit. Es war ein letzter verzweifelter Schlag gegen ihr eigenes Gesicht der jedoch nicht einmal mehr mit voller Kraft ausgeführt wurde, ehe sie zusammen sank, ehe der Körper kapitulierte und sich in die Bewusstlosigkeit zurückzog.
Was blieb war die Gestalt welche nahe der Sümpfe und der ehemaligen Akademie Tirells am Boden lag, keinerlei Erhebungen in ihrer Haut waren zu sehen, nur die blauen Flecken die sie sich selbst zugefügt hatte … nur die blauen Flecken von denen jeder eine unglaubliche Angst vor dem Panther darstellte … vor ihm, vor dem Adler, vor der Mutter die sie verstoßen würde und vor der Frau Oberin … vor ihrem ganzen Leben.
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Firena Darmar
Wieviel Zeit war vergangen? Tage? Wochen? Vielleicht nur Stunden oder Minuten? Gab es so etwas wie Zeit überhaupt noch in ihrer Existenz? Sie hatte irgendwann die Augen geöffnet, sie hatte Mühen gehabt aufzustehen, ihren schlaffen Körper wieder aus dem kalten Schnee zu heben und sich voran zu bewegen. Als sie die Lider angehoben hatte, spürte sie die Schmerzen, jede Bewegung tat dank der blauen Flecke weh und die Wunde, welche nun von einer weniger schönen Kruste überzogen war, brannte wie flüssiges Feuer.
Sie hatte überlebt, sie war aufgewacht und keine dutzend Pantherkinder hatten sie von Innen her zerfressen und sich an ihren Innereien gelabt. Vielleicht war es der Schmerz, vielleicht die erbarmungslose Kälte oder vielleicht auch der Überlebenswille, der jegliche Angst, jegliche Furcht aus ihrem Kopf verscheuchte und Platz machte für jenen klaren, hellen Gedanken der nun die Führung übernahm, der nun dafür sorgte, dass sie sich selbst so gut es ging um die Wunde kümmerte.
Mehr als ein provisorischer Band ließ sich jedoch nicht aus einem Stück des eigenen Umhang herstellen, doch die Wunde war verbunden, sie würde nicht daran sterben, jedenfalls nicht so schnell.
Was nun folgte war der blanke Überlebenstrieb, sie suchte ihren Weg aus dem kleinen Wäldchen, Spuren im Schnee, wohl von Holzfällern oder Jägern, führten sie wieder zurück in die zivilisierte Welt, Essen und Trinken … sie hatte es sich gestohlen, es ging dieses mal nicht anders, sie brauchte Kraft um ihren Körper den Heilungsprozess zu erleichtern. Doch wo sie ihrem Körper vielleicht die Kraft durch essen gab, so zehrte sie diese wieder mit einem Schlafmangel und Entzug aus.
Kein Auge wollte sie schließen, ganz gleich wie wach und klar sie war, jedesmal wenn ihre Lider schwer wurden, wenn ihr Körper ihr signalisierte, dass es Zeit war sich auszuruhen, begann die Panik im Hinterkopf zu lauern und so hatte sie sich zum Wachbleiben gezwungen, gönnte sich keine ruhige Minute und vielleicht wäre sie an diesen Strapazen auch endgültig zugrunde gegangen, aber das Schicksal hatte wieder andere Pläne mit ihr.
Firenas Zeitgefühl war vollkommen verloren gegangen. Jeglich die Dämmerung und die Nacht gaben ihr genügend Zeichen, wie spät es sein konnte und so registrierte ihr Kopf dass es Mittag sein musste als sie Varuna betreten hatte. Sie wollte die Stadt nur einmal durchqueren, vielleicht etwas zu Essen auftreiben, das Armenhaus vergab immer wieder gerne etwas an jene, die Hunger litten, aber anstelle von Essen traf sie jene Frau und diese zwei Kinder.
Eine Heilerin war sie gewesen, Liliana Drachenfels ihr Name … und die beiden Kinder, eines hieß Alea … aus irgendeinem Grund wirkte sie vertraut auf Firena, vielleicht weil sie sie an jemanden aus dem Waisenhaus erinnerte? Die Heilerin wollte ihren Arm ansehen und auch wenn der Großteil ihres Kopfes in Protest aufschrie und sie darauf aufmerksam machte, dass der Adler in dieser Stadt war und kreiste, so blieb der klare und wache Verstand der Sieger in diesem Moment und sie folgte ihr.
Die Wunde selbst war von einer dunkelroten und, mittlerweile, eitrigen Kruste überzogen und als Firena einen Blick darauf warf, als ihre Augen diese Wunde das erste mal völlig klar betrachteten und ihr fast das Essen wieder aus den Magen zwang, da wusste sie, dass diese ihr Tod gewesen wäre, hätte sie nicht die Heilerin getroffen. Liliana hatte sich der Wunde angenommen, sie in einer schmerzhaften Prozedur geöffnet und den Eiter entfernt, sie desinfiziert und behandelt … Tränen stiegen Firena während der Behandlung immer wieder in die Augen aber sie unterdrückte es zu weinen, sie ertrug diesen Schmerzen … diesen realen Schmerzen der fast unerträglich war für den Moment.
Am Ende ging es ihr besser, auch wenn die Wunde noch immer weh tat, sie war behandelt und sie würde verheilen, auf einen normalen und gesunden Weg und wie gerne hätte Firena der Heilerin mehr als nur ein genuscheltes Danke ausgesprochen, aber die Nervosität stieg immer weiter an, drohte schon fast, sie wieder zu übermannen, und so hatte sie Varuna schnellstmöglich verlassen.
So klar sie auch die letzten Tage gewesen war, die Nervosität wuchs immer weiter, während sie die Straßen in Richtung Bajard entlang lief, huschten ihre Augen immer wieder hin und her, aus den Augenwinkeln vermochte sie manchmal Schatten zu sehen, in der Ferne glaubte sie ein Krächzen zu hören … sie musste in Sicherheit kommen. Und diese vermeintliche Sicherheit hatte sie in einer kleinen Herberge vor Bajard gefunden, dort wo auch das Mädchen Alea wieder war, sie saß neben Firena, stellte ihr Fragen und Firena antwortete; ungelöst und frei. Doch je mehr sie hier saß, je mehr sie das wärmende Feuer einlullte, desto müder wurde sie, desto mehr wurde der wache Verstand weggefegt und dann hörte sie es wieder.
Jene Schritte … der Panther war auf dem Weg. Sie sah aus dem Fenster hinaus, Alea sprach mit ihr und sie antwortete ihr auch, aber sie konnte sich im Nachhinein nicht mehr an die gegebenen Antworten erinnern, sie starrte nur hinaus und vielleicht wäre sie im Gasthaus geblieben wenn da nicht ein Gedanke war: Alea war in Gefahr. Der Panther würde ihr ebenfalls etwas tun wenn er sie hatte, wenn Alea in ihrer Nähe war, würde er ihr auch weh tun und das durfte er nicht.
Sie war aufgestanden, sie war gegangen und Alea hinter ihr her. Sie hatte dem jüngeren Mädchen klargemacht, dass sie nicht bei ihr sein durfte, dass der Panther sie holen würde, verdammt verstand dieses Mädchen denn nicht?! Sie sah nichts, natürlich sah sie nichts! Niemand konnte sehen, was sie sehen konnte, aber die pochende Wunde an ihrem Arm erinnerte sie, wie real diese Bedrohung war und so hatte sie das Kind dort stehen lassen, war geflohen, war gerannt.
Später hatte sie über ihre eigenen Worte nachgedacht als Alea zu ihr sagte, sie wolle ihr helfen: „Niemand kann mir helfen, absolut niemand“ … doch irgendwo, tief in ihr drin schüttelte in diesem Moment etwas den Kopf und widersprach, widersprach und gab sich der Erschöpfung hin. Es war an der Zeit weiter zu fliehen … aber wie lange konnte das noch gut gehen? Der Panther hatte sie einmal erwischt, wann würde der Adler dran sein? Und die schlimmste Furcht … wann würde sie der Mutter selbst ins Gesicht blicken, nur um dann verstoßen zu werden?
Sie hatte überlebt, sie war aufgewacht und keine dutzend Pantherkinder hatten sie von Innen her zerfressen und sich an ihren Innereien gelabt. Vielleicht war es der Schmerz, vielleicht die erbarmungslose Kälte oder vielleicht auch der Überlebenswille, der jegliche Angst, jegliche Furcht aus ihrem Kopf verscheuchte und Platz machte für jenen klaren, hellen Gedanken der nun die Führung übernahm, der nun dafür sorgte, dass sie sich selbst so gut es ging um die Wunde kümmerte.
Mehr als ein provisorischer Band ließ sich jedoch nicht aus einem Stück des eigenen Umhang herstellen, doch die Wunde war verbunden, sie würde nicht daran sterben, jedenfalls nicht so schnell.
Was nun folgte war der blanke Überlebenstrieb, sie suchte ihren Weg aus dem kleinen Wäldchen, Spuren im Schnee, wohl von Holzfällern oder Jägern, führten sie wieder zurück in die zivilisierte Welt, Essen und Trinken … sie hatte es sich gestohlen, es ging dieses mal nicht anders, sie brauchte Kraft um ihren Körper den Heilungsprozess zu erleichtern. Doch wo sie ihrem Körper vielleicht die Kraft durch essen gab, so zehrte sie diese wieder mit einem Schlafmangel und Entzug aus.
Kein Auge wollte sie schließen, ganz gleich wie wach und klar sie war, jedesmal wenn ihre Lider schwer wurden, wenn ihr Körper ihr signalisierte, dass es Zeit war sich auszuruhen, begann die Panik im Hinterkopf zu lauern und so hatte sie sich zum Wachbleiben gezwungen, gönnte sich keine ruhige Minute und vielleicht wäre sie an diesen Strapazen auch endgültig zugrunde gegangen, aber das Schicksal hatte wieder andere Pläne mit ihr.
Firenas Zeitgefühl war vollkommen verloren gegangen. Jeglich die Dämmerung und die Nacht gaben ihr genügend Zeichen, wie spät es sein konnte und so registrierte ihr Kopf dass es Mittag sein musste als sie Varuna betreten hatte. Sie wollte die Stadt nur einmal durchqueren, vielleicht etwas zu Essen auftreiben, das Armenhaus vergab immer wieder gerne etwas an jene, die Hunger litten, aber anstelle von Essen traf sie jene Frau und diese zwei Kinder.
Eine Heilerin war sie gewesen, Liliana Drachenfels ihr Name … und die beiden Kinder, eines hieß Alea … aus irgendeinem Grund wirkte sie vertraut auf Firena, vielleicht weil sie sie an jemanden aus dem Waisenhaus erinnerte? Die Heilerin wollte ihren Arm ansehen und auch wenn der Großteil ihres Kopfes in Protest aufschrie und sie darauf aufmerksam machte, dass der Adler in dieser Stadt war und kreiste, so blieb der klare und wache Verstand der Sieger in diesem Moment und sie folgte ihr.
Die Wunde selbst war von einer dunkelroten und, mittlerweile, eitrigen Kruste überzogen und als Firena einen Blick darauf warf, als ihre Augen diese Wunde das erste mal völlig klar betrachteten und ihr fast das Essen wieder aus den Magen zwang, da wusste sie, dass diese ihr Tod gewesen wäre, hätte sie nicht die Heilerin getroffen. Liliana hatte sich der Wunde angenommen, sie in einer schmerzhaften Prozedur geöffnet und den Eiter entfernt, sie desinfiziert und behandelt … Tränen stiegen Firena während der Behandlung immer wieder in die Augen aber sie unterdrückte es zu weinen, sie ertrug diesen Schmerzen … diesen realen Schmerzen der fast unerträglich war für den Moment.
Am Ende ging es ihr besser, auch wenn die Wunde noch immer weh tat, sie war behandelt und sie würde verheilen, auf einen normalen und gesunden Weg und wie gerne hätte Firena der Heilerin mehr als nur ein genuscheltes Danke ausgesprochen, aber die Nervosität stieg immer weiter an, drohte schon fast, sie wieder zu übermannen, und so hatte sie Varuna schnellstmöglich verlassen.
So klar sie auch die letzten Tage gewesen war, die Nervosität wuchs immer weiter, während sie die Straßen in Richtung Bajard entlang lief, huschten ihre Augen immer wieder hin und her, aus den Augenwinkeln vermochte sie manchmal Schatten zu sehen, in der Ferne glaubte sie ein Krächzen zu hören … sie musste in Sicherheit kommen. Und diese vermeintliche Sicherheit hatte sie in einer kleinen Herberge vor Bajard gefunden, dort wo auch das Mädchen Alea wieder war, sie saß neben Firena, stellte ihr Fragen und Firena antwortete; ungelöst und frei. Doch je mehr sie hier saß, je mehr sie das wärmende Feuer einlullte, desto müder wurde sie, desto mehr wurde der wache Verstand weggefegt und dann hörte sie es wieder.
Jene Schritte … der Panther war auf dem Weg. Sie sah aus dem Fenster hinaus, Alea sprach mit ihr und sie antwortete ihr auch, aber sie konnte sich im Nachhinein nicht mehr an die gegebenen Antworten erinnern, sie starrte nur hinaus und vielleicht wäre sie im Gasthaus geblieben wenn da nicht ein Gedanke war: Alea war in Gefahr. Der Panther würde ihr ebenfalls etwas tun wenn er sie hatte, wenn Alea in ihrer Nähe war, würde er ihr auch weh tun und das durfte er nicht.
Sie war aufgestanden, sie war gegangen und Alea hinter ihr her. Sie hatte dem jüngeren Mädchen klargemacht, dass sie nicht bei ihr sein durfte, dass der Panther sie holen würde, verdammt verstand dieses Mädchen denn nicht?! Sie sah nichts, natürlich sah sie nichts! Niemand konnte sehen, was sie sehen konnte, aber die pochende Wunde an ihrem Arm erinnerte sie, wie real diese Bedrohung war und so hatte sie das Kind dort stehen lassen, war geflohen, war gerannt.
Später hatte sie über ihre eigenen Worte nachgedacht als Alea zu ihr sagte, sie wolle ihr helfen: „Niemand kann mir helfen, absolut niemand“ … doch irgendwo, tief in ihr drin schüttelte in diesem Moment etwas den Kopf und widersprach, widersprach und gab sich der Erschöpfung hin. Es war an der Zeit weiter zu fliehen … aber wie lange konnte das noch gut gehen? Der Panther hatte sie einmal erwischt, wann würde der Adler dran sein? Und die schlimmste Furcht … wann würde sie der Mutter selbst ins Gesicht blicken, nur um dann verstoßen zu werden?
-
Firena Darmar
Gedämpftes Sonnenlicht schien in den Raum, berührte ihr Gesicht und die geschlossenen Augen zuckten leicht. Die Augen öffnen oder sie geschlossen lassen?
Nein, sie behielt sie geschlossen, sie genoss die Ruhe ihrer Gedanken, das Gefühl der kompletten Sicherheit für diesen Moment, denn wer konnte ihr schon sagen wie lange er anhalten würde? Sie lag auf einer Matratze, eingewickelt in eine Decke, ihr Atem ging ruhig, die Gedanken blieben an einem einzigen Ort und nirgends hörte sie die Pfoten eines Panthers oder das Schlagen von mächtigen den Schwingen des Adlers. Sie waren beide weg, nicht für immer, vielleicht nur für diesen Moment … aber sie waren weg, sie wussten nicht wo sie war, und das war auch gut so.
Schlaf war etwas wundervolles und wie wenig hatte sie die letzten Tage wieder geschlafen? Natürlich, sie hatte ihr Zimmer in der Herberge, jenes Zimmer dass ihr der Priester und die junge Priesterin gemietet hatten, jene die ihr helfen wollten … jene von denen sie wirklich glaubte, dass sie es schaffen konnten, irgendwann. Aber das Zimmer in der Herberge hatte sich sehr schnell in einen eigens kreierten Käfig verwandelt, einen Käfig den sie verlassen konnte, aber nicht zu wagen vermochte, und einen Käfig aus dem sie heraus wollte, aber einfach nicht die Kraft dazu aufbrachte.
Wie oft hatte der Wirt hinein geschaut, gefragt ob alles in Ordnung sei und dabei nur verwirrt den Kopf geschüttelt als sie ihn nicht beachtet, sondern aus dem Fenster gestarrt hatte?
Er konnte nicht sehen was sie Tag für Tag, Nacht für Nacht erblickte und hörte, er konnte es nicht. Ein teil von ihr sagte sich, dass nur sie selbst in der Lage war das alles zu verstehen, die Gefahr wirklich zu erkennen und alle anderen blind waren.
Doch jener vernünftige Teil in ihr wusste längst dass nicht die anderen es waren die anders und seltsam waren, sondern sie. Doch was brachte einem alle Vernunft, alles Wissen und alle Selbsterkenntnis, wenn sie von einer urgetriebenen Angst überschattet wird? Wenn die Panik so stark wird, dass jedes halbwegs rationale denken umschlägt in den blanken Überlebenstrieb der gar nicht benötigt wird?
Tagelang war sie in ihrem Zimmer gesessen, hatte es nicht verlassen und war förmlich vor sich hin vegetiert, sie aß, natürlich, denn das musste sie ja um zu überleben, sie wusch sich auch, aber sie verließ den Raum nicht … bis zu jenem einen Tag.
Firena konnte nicht sagen wieso, vielleicht war es einfach ein Moment der erzwungenen Ruhe aber sie hatte die Schwelle der Zimmertür betreten und war hinaus auf die Straße Bajards getreten, und auch wenn innerlich alles begann vor Panik aufzubrüllen, sie ging ihren Weg, doch wohin? Zur jungen Priesterin? Lora war ihr Name gewesen … jedenfalls erinnerte sie sich an diesen. Aber in Bajard war sie in diesem Moment nicht aufzufinden … wohin dann?
Sie musste sich ein Ziel setzen, sie durfte nicht einfach blind herumlaufen, denn dann würde sie ein gefundenes Fressen für Panther oder Adler werden.
Der Gedanke selbst kam sehr schnell und ohne dass Firena seinen Ursprung wirklich zurückverfolgen konnte; die Heilerinen. Die Frauen die sie damals in Bajard behandelt hatten … ihr geholfen hatten. Firena hatte sich nie bei ihnen bedankt … und das würde sie nun nachholen.
Im Sumpf nahe Bajards sollten sie leben und dort traf sie auch eines der bekannten Gesichter an. Die Frau war älter als Firena, wieviel älter, das mochte sie nicht sagen, war das Mädchen doch selbst noch sehr jung.
Bei dem Dank blieb es nicht nur, Firena wurde zu einem Tee eingeladen und die Frau erkundigte sich über ihre Gesundheit, über ihren Zustand und je mehr Firena redete, desto ruhiger wurde sie in der Gegenwart dieser Frau … es war wie bei der Priesterin und dem Priester gewesen.
Die Frau, sie musste eine Heilerin sein so wie das Haus aussah in dem beide saßen, fragte sie in aller Ruhe aus, auch über Panther und Adler und am Ende machte sie Firena ein Angebot … ein Angebot, welches zu akzeptieren mehr als schwer war und viel innere Kraft kostete: Vertrauen und den Glauben darin, dass diese Frau ihr helfen konnte. Und sie akzeptierte.
Sie saß auf jener Matratze auf der sie nun auch lag. Ihre Augen waren geschlossen gewesen, wie sie es nun auch waren. Doch zu diesem Zeitpunkt war diese Frau dagesessen, hatte ihr gesagt sie solle die Augen schließen und sich konzentrieren … sie sprach … sie sprach von einer Wiese auf welcher sich Firena befand, nackt und ohne Kleidung … sie sprach davon wie sie aus einem Teich trank.
Je mehr Firena versuchte sich daran zu erinnern, desto mehr wurde alles überschattet von jenem letztem Gefühl, anstatt klare Erinnerungen, schossen nun nur noch vereinzelte Bilder aus der damaligen Meditation in ihren Kopf; der Baum der sie in dieser Meditation war, die unendliche Kraft die sie verspürte und dann … dann war der Panther erschienen und alle Kraft war zerbrochen, die Panik aus den hintersten Winkeln ihres Geistes war hervorgekrochen und hatte sie gepackt.
Keine ruhige Stimme, keine entschlossene Zusicherung, dass sie stärker war als der Panther, halfen noch, die Meditation, die ihr gerade noch Ruhe und Frieden brachte, hatte sich in einen blanken Albtraum verwandelt. Sie hatten abbrechen müssen, Firena hatte versagt … oder vielleicht auch nicht gänzlich, denn in der folgenden Nacht schlief sie ruhig, tief und fest war ihr Schlaf und sie konnte sich entspannen, trotz der grausamen Momente in ihrer Meditation. Vielleicht war es Ironie; ihre Panik hatte sich in der Meditation bereits zu sehr aufgebraucht, als dass sie sie noch im Schlaf heimsuchen konnte.
Aber sie schlief … bis zum heutigen Morgen und dann öffnete sie die Augen. Die Heilerin, die Priester ... es gab vielleicht mehr Hoffnung als sie sich erhofft hatte.
Nein, sie behielt sie geschlossen, sie genoss die Ruhe ihrer Gedanken, das Gefühl der kompletten Sicherheit für diesen Moment, denn wer konnte ihr schon sagen wie lange er anhalten würde? Sie lag auf einer Matratze, eingewickelt in eine Decke, ihr Atem ging ruhig, die Gedanken blieben an einem einzigen Ort und nirgends hörte sie die Pfoten eines Panthers oder das Schlagen von mächtigen den Schwingen des Adlers. Sie waren beide weg, nicht für immer, vielleicht nur für diesen Moment … aber sie waren weg, sie wussten nicht wo sie war, und das war auch gut so.
Schlaf war etwas wundervolles und wie wenig hatte sie die letzten Tage wieder geschlafen? Natürlich, sie hatte ihr Zimmer in der Herberge, jenes Zimmer dass ihr der Priester und die junge Priesterin gemietet hatten, jene die ihr helfen wollten … jene von denen sie wirklich glaubte, dass sie es schaffen konnten, irgendwann. Aber das Zimmer in der Herberge hatte sich sehr schnell in einen eigens kreierten Käfig verwandelt, einen Käfig den sie verlassen konnte, aber nicht zu wagen vermochte, und einen Käfig aus dem sie heraus wollte, aber einfach nicht die Kraft dazu aufbrachte.
Wie oft hatte der Wirt hinein geschaut, gefragt ob alles in Ordnung sei und dabei nur verwirrt den Kopf geschüttelt als sie ihn nicht beachtet, sondern aus dem Fenster gestarrt hatte?
Er konnte nicht sehen was sie Tag für Tag, Nacht für Nacht erblickte und hörte, er konnte es nicht. Ein teil von ihr sagte sich, dass nur sie selbst in der Lage war das alles zu verstehen, die Gefahr wirklich zu erkennen und alle anderen blind waren.
Doch jener vernünftige Teil in ihr wusste längst dass nicht die anderen es waren die anders und seltsam waren, sondern sie. Doch was brachte einem alle Vernunft, alles Wissen und alle Selbsterkenntnis, wenn sie von einer urgetriebenen Angst überschattet wird? Wenn die Panik so stark wird, dass jedes halbwegs rationale denken umschlägt in den blanken Überlebenstrieb der gar nicht benötigt wird?
Tagelang war sie in ihrem Zimmer gesessen, hatte es nicht verlassen und war förmlich vor sich hin vegetiert, sie aß, natürlich, denn das musste sie ja um zu überleben, sie wusch sich auch, aber sie verließ den Raum nicht … bis zu jenem einen Tag.
Firena konnte nicht sagen wieso, vielleicht war es einfach ein Moment der erzwungenen Ruhe aber sie hatte die Schwelle der Zimmertür betreten und war hinaus auf die Straße Bajards getreten, und auch wenn innerlich alles begann vor Panik aufzubrüllen, sie ging ihren Weg, doch wohin? Zur jungen Priesterin? Lora war ihr Name gewesen … jedenfalls erinnerte sie sich an diesen. Aber in Bajard war sie in diesem Moment nicht aufzufinden … wohin dann?
Sie musste sich ein Ziel setzen, sie durfte nicht einfach blind herumlaufen, denn dann würde sie ein gefundenes Fressen für Panther oder Adler werden.
Der Gedanke selbst kam sehr schnell und ohne dass Firena seinen Ursprung wirklich zurückverfolgen konnte; die Heilerinen. Die Frauen die sie damals in Bajard behandelt hatten … ihr geholfen hatten. Firena hatte sich nie bei ihnen bedankt … und das würde sie nun nachholen.
Im Sumpf nahe Bajards sollten sie leben und dort traf sie auch eines der bekannten Gesichter an. Die Frau war älter als Firena, wieviel älter, das mochte sie nicht sagen, war das Mädchen doch selbst noch sehr jung.
Bei dem Dank blieb es nicht nur, Firena wurde zu einem Tee eingeladen und die Frau erkundigte sich über ihre Gesundheit, über ihren Zustand und je mehr Firena redete, desto ruhiger wurde sie in der Gegenwart dieser Frau … es war wie bei der Priesterin und dem Priester gewesen.
Die Frau, sie musste eine Heilerin sein so wie das Haus aussah in dem beide saßen, fragte sie in aller Ruhe aus, auch über Panther und Adler und am Ende machte sie Firena ein Angebot … ein Angebot, welches zu akzeptieren mehr als schwer war und viel innere Kraft kostete: Vertrauen und den Glauben darin, dass diese Frau ihr helfen konnte. Und sie akzeptierte.
Sie saß auf jener Matratze auf der sie nun auch lag. Ihre Augen waren geschlossen gewesen, wie sie es nun auch waren. Doch zu diesem Zeitpunkt war diese Frau dagesessen, hatte ihr gesagt sie solle die Augen schließen und sich konzentrieren … sie sprach … sie sprach von einer Wiese auf welcher sich Firena befand, nackt und ohne Kleidung … sie sprach davon wie sie aus einem Teich trank.
Je mehr Firena versuchte sich daran zu erinnern, desto mehr wurde alles überschattet von jenem letztem Gefühl, anstatt klare Erinnerungen, schossen nun nur noch vereinzelte Bilder aus der damaligen Meditation in ihren Kopf; der Baum der sie in dieser Meditation war, die unendliche Kraft die sie verspürte und dann … dann war der Panther erschienen und alle Kraft war zerbrochen, die Panik aus den hintersten Winkeln ihres Geistes war hervorgekrochen und hatte sie gepackt.
Keine ruhige Stimme, keine entschlossene Zusicherung, dass sie stärker war als der Panther, halfen noch, die Meditation, die ihr gerade noch Ruhe und Frieden brachte, hatte sich in einen blanken Albtraum verwandelt. Sie hatten abbrechen müssen, Firena hatte versagt … oder vielleicht auch nicht gänzlich, denn in der folgenden Nacht schlief sie ruhig, tief und fest war ihr Schlaf und sie konnte sich entspannen, trotz der grausamen Momente in ihrer Meditation. Vielleicht war es Ironie; ihre Panik hatte sich in der Meditation bereits zu sehr aufgebraucht, als dass sie sie noch im Schlaf heimsuchen konnte.
Aber sie schlief … bis zum heutigen Morgen und dann öffnete sie die Augen. Die Heilerin, die Priester ... es gab vielleicht mehr Hoffnung als sie sich erhofft hatte.
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Nuria Mondin
- Beiträge: 0
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Die Krankheiten des Geistes sind schwerer zu behandeln als jene des Körpers. Sie sitzen tiefer, nagen hartnäckiger an der Seele. Und es braucht eine Kraft, die die körperlichen Wunden nicht benötigen. Der Wundheilungsprozess läuft ab einem gewissen Grad automatisch, ohne das willendliche Zutuen des Patienten. Der Körper arbeitet mit ruhiger Konsequenz. Doch nicht der Geist... er kämpft nur gegen seine Krankheit, wenn er über genug Kraft und Willen verfügt, sonst lässt er sich von ihr hin- und hertreiben wie eine Feder im Wind.
Einmal mehr war sie mit einem solchen Kampf konfrontiert. Und jener Kampf würde noch eine ganze Weile andauern. Die Fortschritte waren nur gering, aber sie war zufrieden... immerhin waren es Fortschritte. Sie hatte die Hilfe angenommen und ihren Ängsten gestellt. Das war der erste Schritt auf einem langen Weg. Nun galt es, eben jene zu bezwingen. Jenes war das weitaus schwierigere Unterfangen, und es würde noch einige Stunden und Tage brauchen, bis jenes überstanden war. Immer wieder würden sie mit der Meditation zurück in ihr Innerstes dringen um dort gegen den unsichtbaren Feind zu kämpfen. So lange konnte das Mädchen hier ruhen und sich in Sicherheit wiegen, Vertrauen in ihre eigene Stärke gewinnen.
Sie blickte auf das schlafende Gesicht und ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lippen. "Wir werden das schaffen, mein Mädchen. Sei dir da sicher. Zweifle nicht, denn die Zweifel sind es, die dich auf Irrpfade führen." Sie sprach leise, um sie nicht zu wecken. Dann stellte sie ihr essen und trinken auf den Nachtschrank und machte sich mit routinierten Handgriffen daran, einen der alchemistischen Aufträge fertig zu stellen.
Einmal mehr war sie mit einem solchen Kampf konfrontiert. Und jener Kampf würde noch eine ganze Weile andauern. Die Fortschritte waren nur gering, aber sie war zufrieden... immerhin waren es Fortschritte. Sie hatte die Hilfe angenommen und ihren Ängsten gestellt. Das war der erste Schritt auf einem langen Weg. Nun galt es, eben jene zu bezwingen. Jenes war das weitaus schwierigere Unterfangen, und es würde noch einige Stunden und Tage brauchen, bis jenes überstanden war. Immer wieder würden sie mit der Meditation zurück in ihr Innerstes dringen um dort gegen den unsichtbaren Feind zu kämpfen. So lange konnte das Mädchen hier ruhen und sich in Sicherheit wiegen, Vertrauen in ihre eigene Stärke gewinnen.
Sie blickte auf das schlafende Gesicht und ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lippen. "Wir werden das schaffen, mein Mädchen. Sei dir da sicher. Zweifle nicht, denn die Zweifel sind es, die dich auf Irrpfade führen." Sie sprach leise, um sie nicht zu wecken. Dann stellte sie ihr essen und trinken auf den Nachtschrank und machte sich mit routinierten Handgriffen daran, einen der alchemistischen Aufträge fertig zu stellen.