Zurück in die Wüste

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Kari Falah

Zurück in die Wüste

Beitrag von Kari Falah »

(OOC Anmerkung: Wie bei so ziemlich jeder Geschichten kann und darf gerne wer will etwas hinzuschreiben, ohne mich erst fragen zu müssen ... ansonsten viel Spaß beim lesen)


Eine solch klare Nacht wie heute hatte man schon lange nicht mehr gesehen. Sternenklar und kühl wiegte die Luft von Gerimor auf und das kleine Fischerdorf Nerjelm lag ruhig am stillen Wasser. Alles hätte so friedlich sein können, alles hätte so sein können wie es fast jede Nacht wäre, aber diese Nacht war anders. In dieser Nacht wurde das kleine Dorf beobachtet, von mehreren Augenpaaren anvisiert und studiert. Vier Gestalten, gehüllt in dunklen Stoff, das Gesicht vermummt und nur die Augen ersichtlich. Drei Männer, groß, schlank und bereits älter und zwischen den dreien eine kleinere Gestalt, zierlich, fast dürr. Sie war jung, eindeutig, vielleicht gerade einmal zehn oder elf Jahre alt und sie wirkte unter den Älteren deplatziert, aber ihre Anwesenheit hatte Absicht. Kari Falah, eine junge Menekanerin. Wenn man sie ohne die Vermummung hätte betrachten können, wenn man die dürre und ausgemergelte Gestalt hätte sehen können, dann hätte man sie wohl schwerlich als Menekanerin ausgemacht. Ihre Haut war blasser und ihr Haar war ebenfalls heller als das vieler Menekaner. Aber dies alles hatte Sinn … hatte seine Gründe.

Die Männer neben ihr, diese großen Gestalten, sie waren allesamt keine Menekaner. Nein es waren normale Menschen von Gerimor, ihre „Herren“. Sie hasste diesen Ausdruck, sie konnte ihn nicht ausstehen und immer wenn sie diese Kerle als „Herren“ betitelte, zog sich ihr Magen zusammen. Ihr Platz war eigentlich nicht bei diesen Fremden, er war in Menekur, doch das war er bereits seit Jahren … und seit ein paar Jahren war ihr diese Heimat geraubt worden. Sie hatte zuviel gewagt, zuviel auf das Spiel gesetzt und war zu mutig gewesen, die Strafe für all das war dies hier. Sie war Gefangene, Sklavin und Diebin zugleich. Diese Menschen, Piraten und Söldner, hatten sie damals erwischt und nicht getötet. Sie hatten erkannt dass man mit dem jungen Mädchen etwas anfangen konnte und sie für ihre Zwecke nutzen konnten. Ihre Familie dachte sie wäre tot, dass sie umgekommen wäre. Jedes mal wenn sie an ihre Mutter dachte, an ihren Vater oder an ihre liebste Cousine Asiya, schmerzte ihr Herz. Wie gerne wäre sie bei ihnen allen gewesen, doch das ging nicht, das würde vielleicht niemals wieder gehen, denn sie würde vielleicht bis in alle Ewigkeiten Gefangene dieser Bastarde sein.
Sie hatte in der Zeit bei den Söldnern gelitten. Sie wurde zwar nicht misshandelt, doch gerade in den ersten Wochen und Monaten hatte ihr junger Körper unter den fremden Temperaturen Gerimors gelitten, ihre haut war blasser geworden und mittlerweile war sie nicht mehr dunkel sondern nur noch samtig, es war fast schon erstaunlich, was eine so unterschiedliche Temperatur alles bewirken konnte. Sie bekam nicht viel zu Essen, ihr Körper wurde dürrer und durch das stetige Training wurde er immer ausgemergelter. Man lernte sie die Diebeskunst, man brachte ihr bei zu stehlen und in Häuser einzubrechen, sie war jung und klein, das machte man sich zu Nutze.

Sie wurde aus ihren Gedanken hochgerissen, als sie eine Hand an der Schulter anfasste. Sie blickte zurück auf einen der Vermummten, welcher zu den Häusern des Dorfes hinabnickte. Sie erwiderte das Nicken und drückte sich fest an den kalten Boden. Sie hatte sich mittlerweile an die kälteren Temperaturen gewohnt und pirschte nun in Richtung der Siedlung. Der heutige Einbruch war bereits seit einiger Zeit geplant und heute sollte er durchgeführt werden. Kari pirschte sich immer näher an das Haus heran, eigentlich war jegliche Vorsicht für die Katz, denn hier rechnete niemand mit einem Einbruch, dies war nur ein einfaches Fischerdorf wie es derer viele gab und hier besaß eigentlich niemand etwas wertvolles, doch dieser Einbruch war auch etwas … Besonderes. Ohne große weitere Probleme erreichte sie die Haustüre und betrachtete das Schloss von eben jener. Es war nicht besonders gesichert oder dergleichen und so zückte Kari stumm einen ihrer Dietriche und setzte ihn an das Schloss an. Sie hatte noch nicht lange mit dem Umgang der Dietriche geübt, aber sie wusste wie man einfache Schlösser knackte und dieses hier war ein solches. Mehrmals drehte sie den Dietrich prüfend herum, blinzelte und kniff die Augen zusammen. Es erforderte viel ihrer Konzentration und ihr Atem ging immer rascher, je länger sie brauchte um das Schloss zu knacken, doch dann gab es endlich nach.
Der Einstieg in die Räumlichkeiten ihres Opfers geschah lautlos und in der Dunkelheit konnte sie das leise Schnarchen des Hausbesitzers hören. Sie schlich fast schon auf Zehenspitzen durch den Raum und bereits nach kurzer Zeit erblickte sie das Objekt ihrer Begierde, genau dort wo man es ihr beschrieben hatte. Es war eine einfache Kette, eine Kette die so schlicht war, dass sie kaum auffiel aber sie hatte angeblich einen sehr hohen Wert für ihren Besitzer und ihre Herren wollten dieses Kleinod. Sie schlich heran, das Schmuckstück war zum Greifen nah und dann umschlossen ihre dünnen Finger endlich die Kette. Sie war weder verschlossen noch sonst etwas, sie lag einfach auf einem kleinen Schrank und es war alles so einfach, fast zu einfach. Sie nahm die Kette dicht an sich und drehte sich der Tür zu, als plötzlich das Schnarchen für einige Sekunden verstummte. Kari erstarrte, ihr Körper verkrampfte sich und sie bewegte sich keinen Schritt weiter. Doch dann nahm es wieder einen vertrauten Rhythmus an und Kari begann sich zu beeilen. Endlich hatte sie die Türe erreicht und dann rannte sie los, rannte so schnell es ihre Beine zuließen, ehe sie die Männer wieder erreicht hatte, welche sie mit einem zufriedenen Nicken begrüßten. Es war wieder ein erfolgreicher Tag … und nicht der Letzte.


Es war nun fast acht Jahre später und Kari blinzelte in Richtung der untergehenden Sonne Menek’urs. Sie stand auf dem Dach ihres Hauses, welches sie zusammen mit ihrer Gefährtin Yashira bezogen hatte. Yashira schlief unten und Kari war wach geworden. In letzter Zeit dachte sie oft über früher nach, über jene Jahre bei den „Wilden“. Jene Zeit, in der sie die Diebeskunst erlernt hatte, die sie teilweise noch heute praktizierte und ausübte, jedoch zum Wohle ihres Volkes. Sie lächelte matt. Ja, sie war wieder frei geworden, sie war wieder bei ihren Volk und hatte endlich Glück gefunden und doch, jene Zeit früher hatte sie geprägt, das konnte sie nicht verleugnen. Sie atmete tief ein und sah wieder in Richtung Horizont. Sie war seit zwei Jahren endlich wieder eine freie Menekanerin und nun begann die zeit, in der sie genoss und in der sie lebte.

Und doch, es würde sicherlich nicht die letzte Erinnerung gewesen sein, dem war sie sich sicher. Und mit diesen Gedanken wandte sie sich ab um zu Yashira zu gehen, sie brauchte etwas Schlaf…
Kari Falah

Beitrag von Kari Falah »

Natürlich war es nicht nur bei dieser einen Erinnerung geblieben. Kaum lag sie wieder zwischen den Fellen neben Nadeeda und Yashira, mit denen sie ihr Heim teilte, holten sie die Erinnerungen auch wieder ein. Sie seufzte kurz leise und sah an die dämmerige Decke. Es war fast zu vertraut, diese Stille und das dämmrige Licht … zu vertraut.

Sie fand sich in Gedanken wieder zurück, doch nicht acht Jahre ging es diesmal zurück, sondern nur vier Jahre lag das Ereignis nun fern. Sie lag auf ein wenig Stroh auf dem Boden eines größeren Hauses. Es war Nacht und alles um sie herum war still, fast alles. In der Nähe konnte sie leise Schritte und das Scharren eines Stuhles hören. Ihre matten Augen öffneten sich gänzlich und sie richtete sich etwas auf. Sie trug nur ein paar einfache Stoffkleider, und auf nackten Füßen bewegte sie sich in Richtung der Geräusche, sie wusste dass sie keinen Ärger bekommen würde, diese Zeiten waren vorbei. In den letzten vier Jahren hatte Kari an gewicht zugenommen, sie bekam etwas mehr zu Essen als früher und auch ihr Körper hatte sich vollständig an die Verhältnisse auf Gerimor angepasst, mit den Merkmalen dass ihre Haut noch etwas heller geworden war, ihr Haar hingegen hatte eine schöne, goldene Farbe angenommen.

Sie trat in den benachbarten Raum und sah sich noch etwas müde um, als sie ihn erkannte; Markus. Markus war einer von ihnen, einer der Söldner und doch war er anders. Vielleicht war er der einzige Mensch hier, den Kari wirklich als Freund oder Vertrauten benannte. Er hatte immer ein Auge auf Kari geworfen, passte auf dass sie auch wirklich ihr Essen von den Köchen bekam und dass man sie nicht schlug oder sonst misshandelte. Kari war sich anfangs nicht sicher gewesen, wie sie den jungen Mann einschätzen sollte, denn er war nicht wie die anderen. Er schlug nicht gleich wenn etwas nicht klappte und er brüllte auch nicht, wenn Kari einmal nicht gleich etwas verstand. Gerade in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft war das hilfreich gewesen, als Kari kein Wort der fremden Handelssprache verstehen konnte und nur Menekanisch verstand. Er war geduldig und ruhig, besonnen und weise. Vielleicht war er auch deswegen einer der höheren Söldner, trotz seines recht jungem Alter von siebenundzwanzig Jahren. Markus sah zur Tür und lächelte kurz etwas. „Kannst nicht schlafen?“ fragte er mit seiner tiefen und rauen Stimme. Kari schüttelte den Kopf. Markus sah weiterhin zu ihr, ehe er vor sich starrte. „Du willst nach Hause, mh?“ Kari verzog das Gesicht. Jedesmal stellte er die Frage und jedes mal kannte er doch die Antwort. Es tat ihr immer noch weh es zugeben zu müssen, dass sie einfach nur Heim wollte. Sie hatte sich zwar immer eingeredet irgendwann würde sie ihren Umstand akzeptieren, doch dem war nie so gewesen, nicht einmal.
„Ja … ich will wieder nach Hause … dass weißt du doch“ in ihrer Stimme schwebte Trotz mit, doch sah sie ihn nicht an, sie wusste dass sie mit Markus etwas anders reden konnte, doch sie hatte Angst irgendwann an ihre Grenzen zu stoßen. Markus sah wieder zu ihr und nickte nur. „Geduld …“ mehr sagte er nicht und das war es, was Kari stutzen lies. Nie hatte er groß etwas gesagt, immer hatte er nur genickt und dann etwas anderes gesagt, dass er es nicht ändern könne, doch nun … es war seltsam. Sie wollte fragen, doch ehe sie den Mund nur öffnen konnte, schüttelte er den Kopf. „Leg dich hin und schlaf. Denk an meine Worte, hab einfach etwas Geduld.“ Sie wollte wieder etwas sagen, doch sie wusste, dann würde sie an diese Grenze stoßen, an welche sie bei Markus nicht stoßen wollte. Sie nickte stumm und wandte sich ab um sich hinzulegen.

Der nächste Tag war recht ruhig gewesen. Wie so oft musste sie sich ein paar Klapse auf den Hintern gefallen lassen, die ihr die Jüngeren verpassten und auch das Essen war sehr dürftig gewesen, man merkte dass der Winter auf Gerimor bevorstand und daher das Essen rationiert wurde. In den nächsten Tagen würde es unruhiger werden, sie hatte es am Rande mitbekommen. Die Söldner wappneten sich für einen größeren Auftrag, an dem alle Mitglieder beteiligt sein sollten, und Kari war sich sicher, dass auch sie dort mitmachen würde. Auch wenn sie nicht wirklich kämpfen konnte, sie war eine Sklavin und daher konnte man sie im Kampf immer gebrauchen, und wenn sie nur als Entschädigungs- oder Beschwichtigungsgeschenk herhalten würde. Einen Nutzen würde sie immer erfüllen. Während alle ihr Mahl zu sich nahmen, drang dann auch die Botschaft offiziell vor, es sollte einen Angriff auf eines der örtlichen Adelshäuser geben. Unruhe ging durch die Reihen der Söldner, man konnte die plötzliche Anspannung spüren.

Am Abend, kurz bevor sie zu Bett gehen wollte, wurde nach ihr gerufen, Markus erwartete sie. Sie wurde von einem der jüngeren Mitglieder zu ihm gebracht. Er saß alleine im Speisesaal an einem der Tische. Vor ihm eine Schüssel voll dampfender Suppe, jedenfalls roch es so. Er deutete Kari an, sich zu setzen und wies den jungen Söldner an, sie alleine zu lassen. Kari setzte sich ihm gegenüber und schaute mit fragender Miene drein. „Hör zu … ab Morgen werden wir ausreiten, und in einigen Tagen werden wir alle in den Kampf ziehen. Unser Feind … ist ein Adelshaus, dass hast du sicher gehört. Es wird eine erste Welle geben, die den Feind dezimieren soll und ihn auch … beirren soll. Weißt du …“ er erhob sich kurz und seufzte „diese Welle besteht aus Gefangenen, Jünglingen und Sklaven. Sie alle sind dem Tod geweiht, auch du.“ Kari wurde aschfahl im Gesicht, was sagte dieser Mann? Ihr Gehirn arbeitete schwer, hatte er gerade gesagt, sie solle sterben? Markus sah sie ruhig an. „Ich hielt es für fair, es dir zu sagen. Und nun … iss. Du musst die nächsten Tage fit sein.“ Er deutete auf die Suppenschüssel, aber Kari hatte keinen Hunger, ihr schossen einfach nur die Tränen in die Augen und sie begann bitterlich zu weinen. Sie wollte nicht sterben, natürlich, sie hatte sich sehr oft mit dem Gedanken beschäftigt dass sie mal sterben könnte, aber nun war alles plötzlich so nahe, sie schluchtzte, sie wollte nicht … „Iss. Vertrau mir … iss“ die Worte waren ruhig, so ruhig und doch … warm. Sie wusste nicht wieso, aber Kari griff fast wie von selbst nach dem Löffel und begann die Suppe auszulöffeln, wie unter Hypnose und immer wieder schluchtzend. Die Suppe rann wärmend ihre Kehle hinab und sie tat gut, so unheimlich gut und je mehr sie löffelte, desto friedlicher fühlte sie sich. Jeder Schluck wurde nun schwerer, ihre Augenlider wurden immer schwerer und drohten zuzufallen. „Du bist zu jung … du hast noch ein Leben vor dir … ich habe mir geschworen dir zu helfen, irgendwann, irgendwie … und nun schlaf.“ Und die Dunkelheit holte sie ein …
Kari Falah

Beitrag von Kari Falah »

Wie lange Kari letztendlich bewusstlos war, konnte sie selbst heute nicht wirklich sagen. Es schien ihr als ob sie aus einem ewig langen Schlaf erwachte, als sie ihre Augen sehr langsam öffnete. Sie spürte eine warme Hand an ihrer Wange und eine aufgeregte Stimme. „Schnell, sie ist wach … bring mir das Wasser her!“ und als sie die Augen gänzlich geöffnet hatte, blickte sie in das Gesicht einer jungen Frau. Ihr langes, rotes Haar war zu einem Zopf zusammengebunden und Sommersprossen zierten ihr Gesicht. Zwei besorgte Augen schauten hinab auf Kari und als diese den Blick erwiderte, formten sich die dünnen Lippen zu einem erleichterten Lächeln. „Du bist wach, das ist schön“. Ihre Stimme klang herzlich und warm und alles andere als bedrohlich.
Kari war nicht mehr bei den Söldnern, Markus musste sie rausgeschafft haben, irgendwie. Nun lag sie in den warmen Zimmern einer Schneiderin mit dem Namen Lira. Nach ihren Aussagen hatte sie und ihre Mitbewohnerin Kari vor dem Dorf gefunden, in welchem ihre Schneiderei lag. Sie hatte die junge Menekanerin schnell mit zu sich genommen und die nächsten Tage kümmerte sie sich fast mütterlich um Kari. Doch in ihr lag eine natürliche Unruhe, sie war endlich frei, sie war keine Gefangene mehr und das hieß, sie würde zurück können, zurück nach Hause. Sie hatte Lira nicht viel erzählt, nur dass sie überfallen worden wäre, eine Notlüge aber sie wollte ihren Aufenthalt bei der Schneiderin nur kurz halten, auch wenn sie noch so freundlich und hilfsbereit war, sie wollte nach Hause, zurück nach Menek’ur. Lira selbst hatte Verständnis dafür und willigte auch ein, das junge Mädchen zur nächsten Hafenstadt, Bajard, zu bringen, wenn sie wieder bei Kräften wäre. Dieser Tag war nicht fern, denn die neue Freiheit tat Kari einfach nur gut. Sie bekam reichlich zu Essen und Trinken und auch konnte sie das erste mal seit Ewigkeiten in einem richtigen Bett schlafen. Fünf Nächte blieb sie bei der Schneiderin, dann ging es endlich los … Menek’ur wartete.

Bajard war schnell erreicht und die Trennung von Lira fiel Kari zwar nicht leicht, doch war die Vorfreude auf Zuhause zu groß. Das Schiff legte ab und begann seine Reise auf die Insel, in nur einem Tag würde sie endlich da sein. Sie war aufgeregt, ihre Hände zitterten die ganze Fahrt über und sie fragte sich, was sich alles verändert hatte. Was war wohl alles anders geworden? Vor lauter Nervosität konnte sie beinahe nichtmal schlafen, doch irgendwann holte der Schlaf sie doch Heim und sie schlief ein, um am nächsten Morgen geweckt zu werden … sie waren da.

Ihrer Ankunft auf Menek’ur folgte sogleich ein Dämpfer. Am Hafen standen zwei Wachen postiert, welche Besucher unter die Augen nahmen und sie sprachen Kari natürlich direkt an. Sicher, sie bot nicht das Bild einer natürlichen Menekanerin, ihr helleres Haar und auch ihre nicht ganz so braune Haut unterschieden sie von den anderen, aber was folgte war hart für Kari. Die Wachen fragten sie in der Handelssprache wer sie sei und ob sie zum Handeln hier wäre, denn zurzeit wären Festländer nicht gerne gesehen. Sie wollte ansetzen etwas auf Menekanisch zu erwidern, doch dann merkte sie, wie lange sie die Sprache nicht mehr geredet hatte und was ihren Mund verließ, war nicht gerade sehr verständlich und klar. Die beideen Wachmänner hoben die Brauen und einer wirkte schon fast erzürnt, fragte ob Kari ihn beleidigen wollte indem sie „Wilde“ versuchte ihre Sprache zu sprechen. Die Worte trafen sie wie ein Schlag und schon nach kurzer Zeit waren ihre Augen schon feucht von den aufsteigenden Tränen. Die Wachen jedoch schienen sich davon nicht beirren zu lassen und einer setzte bereits wieder an, etwas zu sagen, als plötzlich eine weibliche Stimme hinter ihnen ertönte, auf menekanisch. „Belästigt ihr wieder die Wilden?“. Die Stimme gehörte einer Menekanerin, die gut einen Kopf größer war als Kari und die Wachen mit einem kecken Schmunzeln ansah. Diese brummten nur etwas und machten der Frau platz, welche sich vor Kari hockte und sie anschaute. „Kann ich dir helfen, Kleine?“ fragte sie in leicht gebrochener Handelssprache. Kari schluckte schwer, atmete tief ein und strich sich die Tränen aus den Augen, ehe sie in der Handelssprache erwiderte; „Ich … ich bin Kari Falah … aus dem Blut der Falah ich … ich bin wieder …. Zuhause“. Die Worte waren mehr ein Gestammel, mehr ein Gemurmel und Kari wollte nichtmal wissen wie lächerlich sie sich anhören mussten, doch die Frau hob eine Braue. Sie wechselte ihre Sprache ins menekanische über und sah Kari an. „Du bist eine Menekanerin? Eine Falah?“ und Kari nickte, denn sie verstand die Sprache. „Ja“. Die Frau lächelte plötzlich breit und warm „Dann willkommen Zuhause, Kari“

Es war das erste Zusammentreffen mit Khalida Yazir, eine Frau die Kari heute wohl zu ihren engsten Freundinnen zählte. Sie hatte Khalida damals alles erzählt und sie hatte am gleichen Tag auch einen Menschen wieder getroffen, der sie kannte; Asiya, ihre Cousine. Das Wiedersehen der beiden verlief herzlich und Kari konnte sich nicht erinnern, jemals so viele Tränen vergossen zu haben, wie an diesem einen Tag. Sie lernte zudem noch Safiya kennen, ebenfalls eine mutige Kriegerin wie Khalida und Asiya. Es sollte noch den einen oder anderen Tag dauern, ehe sie wieder die alte, gewohnte Sprache vollkommen sprechen konnte, doch eines war wichtig; sie war endlich daheim in ihrer Heimat und hier würde sie rein gar nichts mehr wegbringen.
Und auch schon am ersten Tag in ihrer alten neuen Heimat hatte sie Freunde gefunden, Freunde die wie eine Familie für Kari wurden. Freunde, für die sie alles geben würde und nun grinste Kari schwach, als sie kurz die Augen öffnete und zu Yashira linste. Von diesem Tag an war sie daheim und ihre Gedanken schweiften zu all jenen, die sie in den ersten Tagen so unterstützt hatten, zu jenen die ihr geduldig bei Seite standen. Es würde noch eine Weile vergehen, ehe sie Yashira kennen lernen würde, doch sie wusste, in ihrem Geiste würde auch dieser Moment vorbei streichen. Und damit schloss sie die Augen um sich wieder in den Schlaf zu schicken, sie hatte ihn bitter nötig.
Yashira Yazir

Beitrag von Yashira Yazir »

Draußen war es noch immer dunkelste Nacht. Einzig das Licht der Wachen, welche mit Laternen durch die Straßen gingen, durchbrach noch das tiefe Schwarz der Dunkelheit.
Das Fieber, welches sie die letzten Nächte geplagt hatte, war mitlerweile wieder gänzlich verschwunden und einen um so ruhigeren Schlaf hatte sie nun, da sie wieder genesen.

Ein leises seufzen war wohl der Auslöser dafür, das die junge Menekanerin aus den Träumen gerissen wurde. Die Augen nur einen Spalt weit geöffnet haltend, versuchte sie nun etwas zu erkennen. Im fahlen Licht, das gerade so noch durch den Vorhang schien, erkannte sie die Konturen ihrer Freundin Kari.
Etwas verwundert war sie schon, jene zu sehen, oben auf den Fellen liegend, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und wohl zur Decke starrend.
Eine ganze Weile sinnte Yashira nun nach, was sie tun sollte, ehe sie, sich noch immer schlafend stellend, ein wenig näher aufrückte. Kari erschreckte leicht, als die junge Wüstenblume dann plötzlich einen Arm um sie schlang und sich eng ankuschelte. Dabei entkam jener noch ein leiser seufzer. Verwundert, musterte Kari nun das anhängliche Geschöpf, dann wohl bemerkend, das ihre Augen noch immer geschlossen waren.
"Meine kleine.." Murmelnd, ehe sie deren Wange zart streichelte.

Nicht lange dauerte es dann, bis Yashira wieder im Reich der Träume entschwand.
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