Meine Braut sollst du sein,
golden wie der Sonnenschein...
Ich konnte meine Aufregung nicht verbergen, erst recht nicht vor Kamie, die heute meine Trauzeugin sein würde und mir beim Ankleiden und Frisieren half. Ihr ging es sichtlich ebenso.
"Der ganze Packen an Haaren muss hinaufgesteckt werden - und möglichst dort bleiben. Jetzt nur nicht hudeln.."
...
"Welchen Schmuck nimmst du denn? Die Silber- oder die Perlenkette?"
...
"Ich bräuchte noch einen Umhang passend zu meinem Kleid!"
...
So ging es lange Zeit mit uns und die siebte Stunde, auserwählt für die Trauung, rückte unerbittlich näher. Hoffentlich hatten wir nichts vergessen...
Oh nein, das Gelöbnis, das ich ablegen musste!
Mit fliegenden Händen - an einer glänzte der goldene Verlobungsring - kramte ich ein Stück Papier und einen Stift heraus und versuchte verzweifelt einige Stichworte zu notieren.. schließlich sah ich hilflos zu Kamie.
"Mir fällt nichts ein - Mist!"
"Du wirst dann schon wissen, was du sagen willst."
Das sanfte Lächeln, voll Freude für mich an meinem großen Tag, baute mich wieder auf und ich legte durchaus zuversichtlich das Schreibzeug wieder weg. Sie hatte völlig Recht. Mein Herz flüsterte mir die Worte ein, die ich zu sagen hatte, und formte meinen tiefen Wunsch, Ivan und meinem Gott Alatar ab nun für immer treu zu sein, in ein feierliches Gelöbnis um.
So war vielleicht ein größeres Problem gelöst, doch meine Nervosität noch lange nicht fort. Ich teilte die Befürchtung mit Kamie, dass sicher eine von uns beiden stolpern würde - oder ähnliches. Doch noch größer war die Furcht, der Eine würde die Verbindung, die heute geschlossen werden sollte, nicht gut heißen.
Nein, dass durfte ich gar nicht denken! Ivan liebt mich sehr, ich liebe Ivan über alles - da kann nichts Falsches dran sein!
Hoffentlich bestraft Alatar uns nicht, weil wir die Besiegelung der Hochzeit bereits vorgezogen hatten - unabsichtlich natürlich, aber genauso unvorsichtig. Aber das ist doch auch kein Weltuntergang! Schließlich schenkte ich bald schon dem heiligen Reich einen neuen Bürger - vielleicht gar eine neue Streitkraft... Sicher war der Eine froh darüber.
Heute durften meine Naivität und meine Hoffnung grenzenlos sein: Ich trug ein zauberhaftes, leuchtend weiß-goldenes Kleid, wie es in jedem Märchenbuch beschrieben wurde, und Kamie hatte meine Struwwellocken endlich gezähmt und teilweise hinaufgesteckt - nur ein langer, dünner Zopf hing mir noch über die Schulter und war mit einem weißen Band gebunden. Dazu die Perlenkette, der Goldring und das Geschenk von Alexa - ein eleganter Umhang mit Stickereien.
Die Uhr sagte etwa ein Viertel vor der siebten Stunde an. Es konnte und musste losgehen.
Vor dem Tempel versammelten sich bestimmt langsam bereits die Gäste, also musste ich einen anderen Weg einschlagen als Kamie. Mit einem größeren Umweg an den Steingruften vorbei kam ich schließlich doch an die Stelle, wo ich zu warten hatte, bis ich in den Tempel durfte.
Es dauerte auch nicht mehr allzu lange, als Kamie mir aus der Dunkelheit zuwisperte und ich hervortrat, um ihr hineinzu folgen. Endlos lange ging es auf der linken Seite des Mittelgangs zum Altar hin, an den Reihen der Gäste vorbei...
Oh nein, meine Nervosität ist bestimmt zu sehen.. gleich falle ich über mein Kleid!
Doch es geschah nichts dergleichen: Kamie erreichte den ihr zugedachten Platz zuerst, dicht dahinter nahm ich den meinen endlich ein. Hinter mir ragte nun eine Pantherstatue auf, mein Blick richtete ich starr geradeaus und ich traute mich kaum, ihn über die Gäste zu lenken, obgleich mich die Neugierde quälte, wer denn nun alles tatsächlich gekommen war.
Da begann Tharon auch schon seine Rede... Er konnte immer so große Worte aussuchen. Hoffentlich fand ich beim Gelöbnis die Richtigen, die Passenden. Hatte Ivan auch Probleme gehabt, seinen Schwur auszuformulieren? Ich wollte gerne zu ihm hinsehen..
Da bat uns Tharon auch schon in die Mitte. Wir sollten die rechten Hände aneinander legen und so streckten wir - beide unter einem aufgeregten, sanften Lächeln - uns jene entgegen. Wo sie sich mit den Flächen aneinander trafen, legte der Clericus uns ein prächtiges Band mit gestickter Aufschrift 'Alatar' um beide. Es symbolisierte die Verbindung durch den Einen, das war klar, doch es fehlte noch etwas Entscheidendes.
Der Ritualdolch wurde gezückt und zwischen unsere Hände geführt, dann gedreht und mit Schwung wieder herausgezogen, um zwei Schnittwunden zu hinterlassen. Au! Musste das sein? waren meine Gedanken im Schmerz, der jedoch bald verging und die Sicherheit hinterließ, dass es so sein musste. Nun musste ich mich auf meinen Spruch konzentrieren und als Ivan mit seinem Schur geendet hatte, wählte ich die Worte explizit aus:
"Ich, Karina Montyr, gelobe hiermit feierlich
mein Leben weiterhin dem Werk des einen zu widmen,
ihm zu dienen und treu zu sein,
und diese Treue ab nun auch Ivan entgegen zu bringen
- so der Herr es für recht erachtet.
Durch unsere Vereinigung werde ich Ivan
und damit auch das heilige Reich
und Alatar, meinen Gott, selbst stärken."
Kamie und Eloriahus, Ivans Trauzeuge, fingen währenddessen unser beider Blut in Schalen auf, vereinigten es in einer und stellten diese vor die Feuerschale.
Was als nächstes geschah, wurde mit großem Schrecken sowohl von mir, als auch von den meisten Gästen gesehen und erlebt. Unser All-Vater benutzte Tharon, um Sich in Form eines unbeständigen Panthers, geboren aus Rauch und Luft, hervorgebrochen aus Seinem Diener, selbst ein Bild der Verbindung zu machen.
Auch hinterher sehe ich es noch immer als Höhepunkt des Abends an, wie ich den Atem anhaltend in die feurigen, uralten Augen des Herren blickte. Bevor Er gedachte unser Blut als Opfer anzunehmen, musste mich Ivan durch die kleinen, ihm möglichen Zeichen beruhigen - es war schließlich der Herr, der da mitten unter uns weilte. Die Furcht, Er würde unser gemeinsames Blut verschmähen, schnürte mir jegliche Vernuft und Luft ab. Fast hielt mich nur das prächtige, doch zerreissbare Band an meiner Stelle.
Doch Alatar sah es ein und leerte die Schale größtenteils, ehe er wieder in seinem Diener, dem Clericus Tharon, verschwand. Man vernahm ein allgemeines Aufatmen und Entspannen im Tempel, ebenso wie glückliches Lächeln von allen Seiten kam. Der Herr nahm die Verbindung an!
Das war es auch, was Tharon folgend zusammenfasste, das Band wieder von uns nahm, welches einige Bluttropfen erwischt hatten, und es in einer Schale verbrannte. Kurz drückte ich noch einmal Ivans Hand, bevor wir auch schon - jeder auf seiner Seite des Mittelgangs - dem Ausgang zustrebten.
Draußen konnte ich endlich frei atmen und mein Glück auch offen zeigen; und der restliche Abend verging, ohne dass ich es recht merkte.
Vor dem Tempel sammelten sich die Gäste zum Beglückwünschen um uns, das neue Paar. Es freute mich besonders, dass Stranamorius und Mor gekommen waren, doch war ich über alle glücklich, die diesen Tag mit mir und Ivan teilen wollten.
Daraufhin ging es nämlich noch zu einem Festzelt vor den Toren der Stadt, wo eine riesige Tafel mit meinen Speisen gerichtet war.
Ohja, an diesem Mahl saß ich ziemlich lange in der kleinen Küche meines Hofes!
Doch es hatten alle guten Hunger und schlugen richtig zu.
Im Laufe des Abend fand ich heraus, dass plötzlich alle wussten, in welchem Zustand ich war - und das kam mir sehr komisch vor.
Meinen Bauch nochmal betrachtend, wie sooft in letzter Zeit, dachte ich nicht, dass es so ersichtlich war.
Oder hatte die Yasi vielleicht verraten, dass bald ein kleiner Del'Mur ankam?
Nun, wenn es alle wussten, konnte ich offen sein - und das ist mir auch lieber.
Scherze, Gespräche und erste eheliche Neckereien füllten den Abend, bevor der letzte Gast gegangen war.
Alles Übrige war Sache des neuen Paares.
<3
Für immer vereint unter der Pranke
-
Ivan Del´Mur
Der erste Morgen nach der Hochzeit...
Noch vor seiner Geliebten erwachte Ivan aus dem Schlaf. Viele Augenblicke lang beobachtete er die noch im Land der Träume verbliebene Karina... Er konnte es noch immer nicht ganz glauben, dass er dieses bezaubernde Wesen neben sich als seine Gemahlin bezeichnen durfte.
Dies liebliche Gesicht, umrahmt von diesen blonden - nein, irgendwie honigfarbenen - langen Haaren, beherbergt einen sinnlichen Mund, ein süßes Näschen und Augen, in denen man sich auf ewig verlieren könnte.
Aber.. nun war es nicht nur ihre Schönheit, die Karina so begehrenswert und besonders machte, sondern vor allem ihr Wesen. Es ist eine perfekte Mischung aus einer liebenswürdigen, herzlichen, süßen Gespielin und einer frommen Dienerin Alatars.
So war es für Ivan nicht verwunderlich, dass sie trotz ihres relativ jungen Alters bereits verhältnismäßig viele Verehrer hatte. Aber - dass ihre Wahl nun ausgerechnet auf ihn fiel, erschien ihm fast schon wie eine Vorhersehung des Herrn.
Was hatte er denn schon großartiges vollbracht? Er war ein gewöhnlicher Gläubiger, der der Sache des Herren mit der Klinge zu dienen versucht - von solchen Leuten gibt es in der heiligen Stadt mehr als genug.
Nicht einmal zu einem Knappen hat er es gebracht... und die Gilde, in der er der Sache des Herrn diente, war nicht mehr...
Während er so im Bett lag und sich Gedanken machte, schossen ihm immer wieder Erinnerungen an die gestrige Hochzeit durch den Kopf:
Das Anlegen der extra für die Hochzeit von Sindram geschmiedeten Plattenrüstung und dem von Alexa gefertigten Lederteil..
Das Warten abseits des Tempels .. bis Eloriahus kam, der ihn dann zur Zeremonie in den Tempel führte..
Der Moment, als Tharon Ivan und Karina das Band um die Hände schlang..
Die vielen Glückwünsche der Gäste nach der Trauung..
Das Festmahl...
und natürlich.. die Erinnerung, die sich am meisten eingebrannt hat:
jener Moment, als der beschworene Panther ihren Bund als rechtmäßig und im Sinne des Herrn bestätigte, indem er deren vermischtes Blut trank
In Ivans Gesicht fand sich ein seeliges Lächeln ein - die Frage, warum ihre Wahl auf ihn fiel, stellte sich für ihn nicht mehr... denn es ist nunmal so und es wurde vom Herrn für gut befunden.
Noch vor seiner Geliebten erwachte Ivan aus dem Schlaf. Viele Augenblicke lang beobachtete er die noch im Land der Träume verbliebene Karina... Er konnte es noch immer nicht ganz glauben, dass er dieses bezaubernde Wesen neben sich als seine Gemahlin bezeichnen durfte.
Dies liebliche Gesicht, umrahmt von diesen blonden - nein, irgendwie honigfarbenen - langen Haaren, beherbergt einen sinnlichen Mund, ein süßes Näschen und Augen, in denen man sich auf ewig verlieren könnte.
Aber.. nun war es nicht nur ihre Schönheit, die Karina so begehrenswert und besonders machte, sondern vor allem ihr Wesen. Es ist eine perfekte Mischung aus einer liebenswürdigen, herzlichen, süßen Gespielin und einer frommen Dienerin Alatars.
So war es für Ivan nicht verwunderlich, dass sie trotz ihres relativ jungen Alters bereits verhältnismäßig viele Verehrer hatte. Aber - dass ihre Wahl nun ausgerechnet auf ihn fiel, erschien ihm fast schon wie eine Vorhersehung des Herrn.
Was hatte er denn schon großartiges vollbracht? Er war ein gewöhnlicher Gläubiger, der der Sache des Herren mit der Klinge zu dienen versucht - von solchen Leuten gibt es in der heiligen Stadt mehr als genug.
Nicht einmal zu einem Knappen hat er es gebracht... und die Gilde, in der er der Sache des Herrn diente, war nicht mehr...
Während er so im Bett lag und sich Gedanken machte, schossen ihm immer wieder Erinnerungen an die gestrige Hochzeit durch den Kopf:
Das Anlegen der extra für die Hochzeit von Sindram geschmiedeten Plattenrüstung und dem von Alexa gefertigten Lederteil..
Das Warten abseits des Tempels .. bis Eloriahus kam, der ihn dann zur Zeremonie in den Tempel führte..
Der Moment, als Tharon Ivan und Karina das Band um die Hände schlang..
Die vielen Glückwünsche der Gäste nach der Trauung..
Das Festmahl...
und natürlich.. die Erinnerung, die sich am meisten eingebrannt hat:
jener Moment, als der beschworene Panther ihren Bund als rechtmäßig und im Sinne des Herrn bestätigte, indem er deren vermischtes Blut trank
In Ivans Gesicht fand sich ein seeliges Lächeln ein - die Frage, warum ihre Wahl auf ihn fiel, stellte sich für ihn nicht mehr... denn es ist nunmal so und es wurde vom Herrn für gut befunden.
Zuletzt geändert von Ivan Del´Mur am Samstag 13. Dezember 2008, 21:03, insgesamt 1-mal geändert.