Man sieht nur mit dem Herzen gut...

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Niall Llastobhar

Man sieht nur mit dem Herzen gut...

Beitrag von Niall Llastobhar »

1.) Rückkehr mit Schatten

Er hastete trotz der Blinheit förmlich an dem Zimmermädchen vorbei, welches das Gästequartier auf Bitten Niias für ihn zurecht gemacht hatte. Sollte sie doch denken, was sie wollte!
Vermutlich kannte sie ihn nicht, denn fast acht Jahre war es her, dass er die Dornenfeste verlassen hatte und damals, so war er sich beim Klang ihrer Schritte sicher, hatte diese Frau noch nicht hier gearbeitet. Doch hatte wohl auch sie längst vom jüngsten Sproß Arienhs, dem blinden Niall, gehört und so machte sie ihm ruhig Platz und rief:

"Das Bett ist auch frisch gemacht, wenn der Herr noch von der Reise müde ist..."

"Wo ist Shanna?", fiel er ihr ins Wort. Er war zwar dankbar für ihre Hilfe, doch gerade brauchte er seine geliebte, ältere Schwester wie sonst niemanden.

"Ah, ich weiß es nicht. Vielleicht noch auf der Jagd?"

Fast hätte er sie angegiftet, verunsicherte ihn ihre Abwesenheit doch nur noch mehr, denn er musste reden, musste Fragen stellen, die ihm auf der Zunge und m Geist brannten. Aber dann nickte er nur und murmelte mit belegter Stimme:

"Sagt ihr bitte, dass ihr Bruder Niall doch schon heute, nicht erst in zwei Tagen, angekommen ist."

Er glaubte Haar leise rascheln zu hören, als sie artig den Kopf neigte, dann verklangen ihre Schritte schon und auch er war froh, nicht weiter mit ihr plaudern zu müssen. Die bleiche Jünglingshand tastete nach der Klinke und fand sie rasch. Mit einem sehr leisen Quietschen öffnete sich die Türe nach innen und gab ihm seinen Weg frei. Er brauchte auch hier nicht sehr lange, um den Raum tastend zu "sehen" und zu begreifen.
Als er diesen dann geistig zu einem Bild gefügt hatte, ließ er sich seufzend auf dem Bettrand nieder und vergrub das sanfte Gesicht in den Handflächen.

So viel Gedanken, Sorgen und Schrecken hatten ihn in den wenigen Momenten nach seiner Rückkehr übermannt. Dabei hätte alles doch schön ablaufen sollte. Er freute sich Shanna und Sorcha wieder in die Arme schließen zu können, wollte mit Keara plaudern, Demoar, den ersten Kerl, etwas necken, Cathal (sein großes Vorbild) anhimmeln und nicht zuletzt konnte er kaum abwarten Niias Stimme zu hören. Sie war für ihn wie eine Schwester gewesen. Die einzigen Kinder auf der Dornenfeste. Gerne hatte er ihr auch während der letzten Jahre auf der Umosburg den ein oder anderen Brief zukommen lassen, den er diktiert hatte.

Naja, Niias Stimme hatte er dann gehört, doch nichts war so malerisch und schön, wie es hätte bei einer Rückkehr sein sollen. Ein Schatten hatte sich breit gemacht und dieser Schatten nannte sich Asthar.
Irgendwie war er dem Kerl direkt in die Arme gelaufen und wurde schon mit bösen Schimpfreden über seine Familie, die "Fluchbringer", empfangen, welche für das reine, freundliche Jungengemüt keinen Sinn ergaben. Noch besser: Asthar selbst nannte sich "Verwandter", dabei hatte Niall nie von ihm gehört. Uneinsichtig, verwirrt und irgendwann sehr beleidigt hatte Niall ihm Kontra gegeben und wurde mit plötzlicher Aggressivität belohnt. Er bekam Angst, pure Panik, als Asthar gut hörbar für sich überlegte, den Jungen zu erdolchen, damit es Ruhe gäbe und er eine Sorge weniger hatte. Niall merkte wie seine Stimme zu zittern begann.

Dann mischte sich eine Frauenstimme, noch so jung und klar, in das Gespräch und versuchte Asthar zu vertreiben. Er nannte ihren Namen und Niall wurde noch mehr bange: Niia hatte sich eingemischt und stand nun verteidigend, wie eine kleine Löwin zwischen ihm und diesem Irren.

Der "Irre" jedoch hatte ein einfaches Spiel mit den jungen Menschen.
Niall bekam einen Faustschlag an die Seite und Niia eine so schallende, kräftige Ohrfeige, dass sie zu Boden geschleudert wurde.
Als habe er damit nicht schon genug angerichtet, hatte Asthar munter verkündet, dass Niall schuld an Niias Schmerz sei, denn schließlich habe er sie nicht verteidigen können.

Es war dieser Satz, der ihm den Boden unter den Füßen wegzog und ihn wieder zu einem "blinden, unnützen Narren" machte.

Still waren er und Niia nach Asthars Entschwinden zur Burg gelaufen und ebenso still saß er nun in seiner Kammer und mußte... MUSSTE mit Shanna reden, ehe er verzweifelte.
Kat Ascardia

Beitrag von Kat Ascardia »

Besorgt lag der Blick der kleinen Llastobhar auf der nun geschlossenen Tür, hinter der der Gleichaltrige verschwunden war...
Lange war Niall nicht mehr in der Dornenfeste gewesen, doch damals, bevor er sie und sein Blut verlassen hatten, waren die beiden beinahe wie Geschwister gewesen. Nun, so er endlich heimkehrte, saß er, ob der Ereignisse des heutigen Tages, in seiner Kammer. Niia hatte sie herrichten lassen und Niall hinauf gebracht... doch dann hatte dieser sie fort geschickt... Er wolle allein sein.. im halbdunklen... nur einen Wunsch hatte er an sie gerichtet bevor er sich in dieses Zimmer zurückzog: er wolle dringend mit Shanna sprechen. Worüber...? Nun, das hatte er ihr nicht verraten...
Aber sie würde ihrem geliebten Verwandten, so es möglich war natürlich, den Gefallen tun. Rasch wand sich die Ritterstochter um und eilte durch das Innere der Burg, stets den Namen ihrer Tante auf den Lippen. Und doch schien es, dass Shanna nicht der Dornenfeste weilte. Auch konnte ihr niemand verraten, wo sie sei, oder wann sie zurückkehren würde.
Nur zu gerne hätte sie Niall diesen gar winzigen Gefallen getan.. war sie doch sehr froh das jener wieder im Lande weilte, auch wenn die Ereignisse des heutigen Tages die Freude seiner Ankunft deutlich der Nebelschwaden getaucht hatten.

So sie nun nahe des Apfelbaumes ruhte, zu ihren Füßen weilte des kleine Löwenkopfhäschen, wanderten die Gedanken der vergangenen Jahre. Es war seltsam... Zwar hatten die Briefe, welche an sie gerichtet gewesen, berichtet wie Niall gereift und herangewachsen war, dennoch war dieser junge, ansehnliche Mann ihr im ersten Augenblicke fremd erschienen. Zu lange Zeit ward verstrichen... nun aber, nur für einen Augenblick, im Moment in dem er seine Stimme erhob, konnte sie sich gut erinnern. Die sanfte und nun dennoch männliche Stimme beruhigte sie damals oft in schweren Stunden und sicher würde es wieder so sein wie früher.

Sie würde ihn stets eine starke Hand bieten, wie er ihr...


So ward es unter Verwandten.
So ward es unter Freunden.
So ward es unter Geschwistern, so sie dies auch nur des Herzens waren...
Asthar Llastobhar

Beitrag von Asthar Llastobhar »

Es war wohl mehr Zufall gewesen das sich die Wege kreuzen sollten, an jenem Orte in jenem Wald, ab von der Burg der Llastobhar und den Gardisten des Reiches, auf einem Weg der nirgendwo sonst hinführen mochte... die Stunde dämmerte schon, als der Reiter, der sich Asthar, nannte sein Pferd langsam weiter traben ließ... er liebte die Düsternis dieser Sonnenfinsternis... gab sie der Welt doch genau das Bild, das sie verkörperte... ein düsterer Ort voller Gefahren, Qualen, Leid und Unheil für einen jeden... doch besonders für all jene die das verfluchte Blut der Sippe trugen seiner Sippe... dem Hause Llastobhar... das Verfluchte Blut... das auch durch die adern des Jünglinges floß... dessen Weg sich an diesem Ort zu dieser Stunde gekreuzt hatte... offen trug er das Wappen des Hauses Llastobhar und die Schneeweißen Haare, sowie die Kränkliche haut, hätten auch ohne dieses schon zur Erkennung geführt...

eitler Kleiner Bastard, wie er dort lief... als würde sein Fluch ihn ergötzen... aber dennoch ein Jüngling vom Alter... vielleicht würde man seine Seele noch retten können, sie Abbringen vom zerstörerischen Pfade des Unheils, dem das Haus folgte. Ihm die Warheit von der Welt zeigen, die Warheit über die Familie... all dies, was nur wenige zu sehen vermochten. Aber schon die ersten Worte offenbahrten es... der geist des jungen war Blind... fast wie die Augen... sie verstanden nichts und sein gestammeltes Gerede machte es auch nicht besser... da Sprach der Bursche von Unkentniss und weißen Haaren... weiße Haare ! Es ging um einen Fluch den Fluch der das Unheil herbei beschwor, wie die Düsternis die Untoten... den Fluch den sein Haus mit wonne auf andere Abwälzte und sich an dem Leiden dieser Ergötzte... Leiden? ... wie konnte der junge es sich anmaßen seine Lügen zu verbreiten ?

Der weißhaarige Mann hasste es angelogen zu werden und dann auch noch von so einem Bürschchen... vielleicht sollt man ihm die Kehle durch schneiden und sein Kadaver in die See schmeißen... wäre damit nicht ein Dienst an der Welt erfüllt ? Nun ihm selbst zumindest wäre damit erspaart geblieben, sich mit jenem zu beschäftigen... aber etwas hielt ihn zurück... war der Bursche doch noch ein Jüngling kaum mehr als zwanzig Sommer eher noch darunter mochte er zählen... und auch wenn jener schon weit auf den Pfaden der verfluchten Sippe gewandelt ward, so hatte er als junger Mensch doch das Recht zu leben... oder doch nicht... eine schwere Wahl... vielleicht sollte man ihm doch einfach den Hals aufschneiden... das rote Blut würde wunderbahr auf der beichen Haut aussehen und vielleicht ein teil des Fluches von ihm waschen... aber nein der junge Trug verfluchtes Blut... es würde den Fluch eher vergrößern... aber vielleicht war es das ja Wert... Langsam richteten sich die Irren Augen wieder auf den Jungen... vielleicht reichte auch ersäufen... und vielleicht wäre es auch so gekommen wenn in diesem moment nicht hufgeklapper erklungen wäre... und sich ein kleiner Schatten zwischen sie geworfen hätte...

Niia... noch so ein Balg... noch eine Fluchrbingerin, ein verfluchtes Kind das sich weigerte zu sehen... und dann auch noch die Tochter dieses Bastardes Cathals... Cathal... überhaupt jener als Oberhaupt war der schlimmste von allen alleine diese Arroganz, diese Hinterhältigkeit... allein der Gedanke an diesen brachte das Blut Asthars zum Kochen... dieser elende Gossenköter... und dann wagte es der junge Mann auch schon wieder zu Lügen... doch nun reichte es... Lügen müßen bestraft werden, ansonsten würde es jener nie lernen... also...

Die Faust schlug zu ohne bedenken, was konnte schon mehr passieren als das jener seine Gerechtfertigte leere erhalten würde, was konnte schon mehr passieren... aber nein... er stellte sich dieser nicht wie ein Mann... nein er ließ sich von der kleinen Niia nach hinten ziehen um diesem zu entgehen und nicht nur das... der Jüngling wage es sich von seiner Cousine verteidigen zu lassen... er beschützte sie nicht... zeigte nicht das er ein Mann war... diese dreckige Made... vermutlich würde er sich innerlich todlachen das Niia nun leiden musst... musste für die verbrechen dieses Jünglinges Niall und so traf die Ritterstochter eine schallende Ohrfeige, die sie zu boden schleuderte... ein verächtliches schnauben folgte, während der Blick gen Niall wanderte und es jenem offenbharte... offenbahrte das er als Mann versagt hatte, das er schwach war und feige... den er hätte Niia vor dem Leiden beschützen müssen... hätte seinen Fluch den Fluch seines Blutes selbst ertragen müssen statt ihn bei seiner Cousine zu lassen... dummer kleiner Niall...

Langsam wandte sich Asthar um... die beiden hatten genug gelernt... fürs erste... die Zeit würde zeigen ob es weiterer Lektionen bedurfte...
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