Ungewöhnliche Verehrer

Velerian d´Are

Ungewöhnliche Verehrer

Beitrag von Velerian d´Are »

Es war wirklich ein Vorteil, diese Dunkelheit. Die Sterne am Himmel erhellten das eine und verbargen das andere. In der Nacht waren die Gardisten am Nordtor offenbar schläfrig, oder sein neues Spielzeug hatte die Gardisten einfach noch nicht informiert. Aber sicher hatte sie damit zu tun erst einmal ihr Kleid zu trocknen. Und so war es ihm vergönnt ein Schreiben zum Haus der von Dragenfurts zu bringen. Am nächsten Morgen findest Marielle folgendes Pergament im Briefkasten:


Liebste Mariella.


Natürlich werdet Ihr Euch über diesen Brief nicht wundern, hat eine Frau wie Ihr doch gewiss dutzende Werber. Und doch bin ich mir sicher, dass die Wenigsten Euch so nahe kommen wie ich es war. Und niemand Eurer Werber wird ein solches Risiko auf sich nehmen, wie ich. Ich gebe es ungern zu: Eure Nähe hat mir gut getan, auch wenn das nasse Kleid doch hinderlich war. Beim nächsten Treffen werde ich das von Anfang an Bedenken. Ja, Ihr hört richtig, wir werden uns wieder sehen. Doch stürmt nicht aus der Stadt und sucht nach mir, das würde Eurem Ruf gar schaden. Ich werde es sein der eines Tages, und dieser Tag wird bald kommen, an Euch treten wird um Euch wieder nah zu sein.



In Erwartung unseres nächsten Treffens

V .
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

Nachdenklich strich er sich mit der Hand über die punktförmige Wunde am Kehlkopf, der Dolch, der nun in seiner Hand lag Die Waffe war etwas leichter als normale Dolche und doch konnte man im fahlen Licht des Mondlichtes die Schärfe der Waffe erahnen. Dieses kleine Biest von Freiin hatte es doch tatsächlich geschafft ihm den Dolch an die Kehle zu halten. Was vor einigen Tagen als kleiner Spass begann endete damit dass er vor ihr kniete. Zumindest sollte dies das vorläufige Ende sein. Allein der Dolch war selbst für eine Freiin sicher Grund genug doch noch einmal nach ihm zu suchen. Am Anfang war es ein kleiner Spass gewesen, der interessanter wurde als sie sich als eine Dame des Adels herausstellte. Aber die Tatsache, dass sie ihm nun einen Dolch an die Kehle hielt machte die Sache zu mehr als einem Spiel.

Nun also verlangte diese kleine Göre, wenn auch sicher nicht bewusst, dass er über ein echtes Ziel nachdachte. Sicher machte das kleine Spielchen Spass, aber Velerian war kein Mensch, der nur des Spieles wegen spielte. Irgendwann in naher Zukunft musste er auch herausfinden, wie er aus diesem Spiel einen Gewinn ziehen konnte. Sicher, so eine kleine Göre war für die Familie sicher etwas wert. Und auch als Richterin des Lehens war dieses Mädchen kein kleiner Fisch. Aber umso schwieriger war es für ihn alleine darauf Gewinn zu ziehen. Aber zumindest ein Ziel stand fest – in naher Zukunft würde sie vor ihm knien. Nun aber galt es noch einmal auf sich aufmerksam zu machen. Und dieses Mal würde der Brief direkt an sie gerichtet werden. Nur über den Inhalt musste er sich Gedanken machen.
Zuletzt geändert von Velerian d´Are am Mittwoch 26. November 2008, 23:05, insgesamt 2-mal geändert.
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Ein letztes Mal glitt das Tuch über die frischgeölte Klinge hinweg. Sie hob den Dolch an und lies das Licht sich darin brechen. Perfekt. Es war eine Schande, dass sie eine ihrer Waffen hatte abgeben müssen, doch es war die Sache wertgewesen. Sicher, sie hätte sich den Dolch zurückholen können, aber dies hätte ihren Sieg gefährdet. Er hatte sein Andenken, sie ihre Ruhe.
Der Dolch wurde in die leere Vorrichtung am Beingurt geschoben und komplettierte so den Vierersatz. Nun war ihre Bewaffnung wieder vollständig. Sollte er mit seiner Beute doch glücklich werden. Hauptsache, er war fort.

Sie lehnte sich zurück und griff zu dem Papierstück, das bereits seit einigen Tagen ganz oben in der Mappe mit der privaten Korrespondenz lag. Der Zettel war knittrig und eingerissen, das Ergebnis ihrer ersten Reaktion auf das Schreiben. Sie hatte es zerknüllt und in die nächste Ecke geworfen, ehe sie wutschnaubend durch das Zimmer getigert war. In der Nachbetrachtung war die Aufregung vollkommen übertrieben gewesen. Nun ja, vielleicht nicht ganz vollkommen. Arenvir hatte den Brief gelesen, als er wie jeden Morgen ihre Post vorsortierte und sie konnte von Glück sagen, dass sein Beschützerinstinkt nicht wieder mit ihm durchgegangen war. Noch so ein Schreiben und sie konnte da nicht mehr sicher sein. Dann war es wieder vorbei mit den Spaziergängen ohne ständige Bewacher und es gab wieder Kontrolle auf Schritt und Tritt. Sie hatte so sehr für dieses Stückchen Freiheit gekämpft, das würde dieser Tagedieb ihr nicht kaputt machen.

Wieder loderte ein wenig die Wut in ihr auf, als sie daran zurückdachte, wie sie einander das erste Mal bewusst begnet waren. Er hatte sie abgefangen, sie mit seinen Worten gereizt, dennoch sie hatte sich im Griff, bis er sich ihr näherte. Natürlich hatte sie versucht, ihn sich vom Leibe zu halten und dies mit einem Bad im Bach bezahlt. Hatte sie tatsächlich damals gedacht, er würde sich von ihren Drohungen beeindrucken lassen? Vermutlich nicht, aber mit dieser Dreistigkeit, dieser direkten Herrausforderung hatte sie nicht gerechnet. Als sie die Zeilen das erste Mal las, war ihr sofort klar, dass dies ein Zeichen sein sollte: Du kannst dich nicht verstecken.
Er wollte sie finden? Gut, das sollte er bekommen.

Natürlich hatte sie es abgestritten, aber genau dies war der Grund, warum sie zu beinahe der gleichen Tageszeit exakt den gleichen Ort aufgesucht hatte. Ja, sie wollte, dass er sie fand... und in der Tat ließ der Pfiff nicht lange auf sich warten. Doch diesmal war das Ende ein anderes. Sie war es, die die Oberhand behielt und sie war es, die zeigte, warum man ihren Umgang mit dem Dolch als durchaus annehmbar bezeichnet konnte. Zum Schloss hatte er vor ihr auf Knie gelegen, der Kopf durch ihren Griff in den Nacken überdehnt. Die Klinge an seiner Kehle tat ihr übriges, um den Worten der Freiin Nachdruck zu verleihen.

Sie wollte dieses Spiel nicht, der Einsatz war zu hoch. Der Göttin sei dank, am Ende nahm er ihr sogar ab, dass sie bis zum Äußersten gehen würde, um ihr Ziel zu erreichen. Wieder einmal hatte ihre Fähigkeit, die Maskerade perfekt aufrecht zu erhalten, ihr einen Dienst erwiesen. Sie hatte keine Ahnung, was sie im anderen Fall getan hätte, doch zum Glück musste sie sich damit auch nicht weiter befassen. Er hatte sich ihrem Willen gebeugt. Er würde seiner Wege ziehen und aus ihrem Leben verschwinden. Der Dolch würde ihm den Abschied versüßen.

Es war ihr geglückt, die Gefahr abzuwenden. Sie konnte sich wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren, statt Energie auf so einen Lump zu verschwenden. Lump, ja, das war er. Er hatte sich Dinge gewagt, die vor ihm noch keiner sich getraut hatte. Es war nur richtig, dass er seine Grenzen kennengelernt hatte. Wo kam man denn hin, wenn so ein Streuner glaubte, sich ihr ungestraft nähern zu können? Nun denn, auch dies waren überflüssige Gedanken und sie schob dies zurück, genauso wie dieses unterschwellige Gefühl, dass er mehr gewesen war, als er zu sein schien. Es war unwichtig. Er war fort.

Mit einem sachten Nicken schob sie das Schreiben zurück in ihre Mappe. Diese Zeilen waren ihr Andenken.
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

Liebste Mariella.

Ich denke Du erinnerst Dich an mich. Dein Geschenk liegt leider zu schlecht in meiner Hand. Nun stellt sich mir also die Frage, was ich damit anfangen könnte. Ich bin mir sicher Du hättest ein solch kostbares Stück gern wieder. Ich bin mir aber auch sicher ich könnte damit die eine oder andere Sache anstellen. Wenn bei einem Einbruch Euer Dolch gefunden würde, welch Licht würde das auf Dich und Deine Familie werfen? Aber vielleicht kannst Du mir ja einen Vorschlag machen. Ich bin mir sicher, dass hinter Deinem hübschem Gesicht und Deiner hübschen Kleidung mehr steckt als die Freiin und Richterin. Ich bin mir sicher ich werde herausfinden, was das ist.
Aber da ich Dir auch nicht Deine Freiheit nehmen will schicke ich Dir diesen Brief auf einen ungewöhnlichen Weg. Ich hoffe der Bursche ist zuverlässig und überreicht Dir den Brief, wenn Du alleine bist. Es wäre doch bedauerlich, wenn man einem Vogel in einen Käfig sperrt. Ich hoffe Du weißt meine Anstrengung zu schätzen. Wenn Du mir eine Nachricht zukommen lassen willst, weißt Du, wo Du mich findest. Aber ich bitte Dich – sei vorsichtig, denn auch ich liebe meine Freiheit.

V.


Mit einem Schmunzeln rollte er den Brief zusammen und lies diesen in der Tasche verschwinden. Die Gardisten waren so misstrauisch wie immer, aber auch diesmal lies man ihn passieren. Also ging die Freiin wohl davon aus, dass er endlich das Lehen verlassen hatte. Das erste Risiko war also überwunden. Nun aber galt es Mariella den Brief persönlich zukommen zu lassen. In ihrem Haushalt wurden die Briefe offenbar vorher gelesen. Dort war der Brief also an der falschen Stelle. Einem Gardisten im Rathaus den Brief zu übergeben wäre sicher auch eine dumme Idee. Velerian schlenderte gerade ruhig am Haus der von Dragenfurts vorbei als ihm ein Gedanke kam, wie er den Brief direkt Mariella in die Hände spielen konnte. Mit einem Schmunzeln setzte er den Weg fort und gelangte in die Nähe des Kastells wo zwei Jungen herumtollten. Mit einem Pfiff war deren Aufmerksamkeit schnell auf sich gezogen. „Kennst Du die Freiin von Dragenfurt, die Richterin?“ „Sicher, die Vogtin von Varuna. Was willst denn von der.“ Velerian musste schmunzeln. Ja, Kinder waren viel unbefangener und stellten wenige Fragen. „Ach, ich muss heute weiter reisen aber habe noch einen Brief für sie. Würdest Du ihr den Brief geben, wenn sie allein aus dem Haus kommt?“ Der Junge grinste und streckte ihm die Hand entgegen. Eine Münze in der Handfläche stellte aber auch das Verlangen des Jungen nach Belohnung zufrieden. Und ja, irgendwie hoffte er, dass der Junge den Brief auch wirklich Mariella gab. Er machte sich daran die Stadt wieder zu verlassen. Und ja, er war nun wirklich neugierig, ob die Freiin das Spiel weiterführen wollte oder ob sie wirklich keine Lust mehr darauf hatte.
Zuletzt geändert von Velerian d´Are am Mittwoch 26. November 2008, 23:06, insgesamt 1-mal geändert.
Arenvir von Goldenfall

Beitrag von Arenvir von Goldenfall »

Doch der Junge lief ausgerechnet Arenvir in die Arme. Dieser fing ihn ab, presste die gewünschten Informationen aus ihm heraus und verfasste eine Antwort, die der Junge ein wenig widerstrebend zu Velerians letztem Aufenthaltsort bringen würde.


Wer auch immer du bist,

versteck dich oder lauf. Erregst du meine Aufmerksamkeit und zwingst du mich, dich zu suchen, werde ich dich umbringen, deine Eingeweide aus deinem noch lebenden Körper reissen und dich über den Feuerringen von Fornax rösten, bis du knusprig und gar gebraten bist, um als Futter für die Fische dein Ende zu finden. Deinen Qualen werde ich dann meine ganz besondere Aufmerksamkeit widmen, wenn du die Freiin nicht augenblicklich in Ruhe lässt.

Also halte dich bedeckt und komm mir nicht unters Auge, oh du mein Röstbrot in Spe.

Denn wenn ich es will, finde ich Dich.


Arenvir van Tilianas

Wenn Velerian die Nachricht ließt, verfärbt sich jeder gelesener Letter in Rotes Gold, bis er verblasst und wenn er fertig ist, wird das Pergament in seinen Händen schmerzhaft in Flammen vergehen und zu Asche verbrannt herabrieseln.
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

Wie so oft in den letzten Tagen schweifte sein Blick zum Himmel. Es war wohl mehr Glück als Verstand, das er den Brief Arenviirs nicht zu Ende las. Seit wann befasste man sich beim Spiel mit unwichtigen Nebengeräuschen. Mariellas Diener sollte gefälligst das machen, wofür er bezahlt wurde. Diesmal hatte er zwei Pergamente, die er nach Varuna trug. Inzwischen war er auch weniger misstrauisch, wenn er die Gardisten an den Toren passierte. Wenn sie ihn hätten schnappen sollen, hätte er gewiss nicht so oft die Stadttore passieren können. Der Brief an Arenviir war schnell dort, wo er ihn sicher finden würde – im Briefkasten der Familie von Dragenfurt. Nun galt es nur noch heraus zu finden, wo er den zweiten Brief ablegen konnte.

Bisher wusste er nicht, welches Zimmer im Anwesen Mariella bewohnte. Zwar hatte er schon einmal eine weibliche Silhouette an den Fenstern des Anwesens gesehen, aber er wusste nicht, wie viele Frauen in diesem Haus lebten. Und wohl nur die Dunkelheit half ihm dabei, dass er einige Momente lang in der Nähe des Anwesens verharren konnte, ohne dass die Wachen auf der nahen Mauer aufmerksam wurden. Und ob es Zufall oder ein Geschenk der Götter war sollte Velerian egal sein als Mariella an einem Balkon ein Fenster öffnete. Im letzten Moment konnte er den Impuls unterdrücken einen Pfiff in die dunkle Nacht zu entlassen.

Er drückte sich von der Wand ab und ging ruhige Schritte in Richtung des Anwesens. Den ersten Brief lies er im Briefkasten landen, in der Hoffnung, das Arenviir diesen Brief öffnete. Es war ein einfacher, schlichter Brief. Im Vergleich zum Brief an Mariella war das Papier von eher mittelmäßiger, fast schlechter Qualität. Die Schrift darauf aber war klar und sauber, ohne jegliche Schnörkel oder persönliche Noten. Es wirkte fast als hätte jemand Druckbuchstaben, ähnlich einem Buch, auf das Paper gezeichnet. Betrachtet Arenviir oder eine andre Person diesen Brief kann er folgendes lesen.

"Zum Gruße, Arenviir.

Ich habe schon zweimal die Hand an die weiße Dame gelegt. Bisher hat mich kein Bauer abgehalten, der schützend vor der Dame stand. Allein diese ist es wert, dass ich mich mit ihr anlege. Für den Bauern sind andre Figuren zuständig. Wenn Du spielen willst, dann spiel mit ihnen. Alleine Worte werden mich sicher nicht dazu bewegen Dir Respekt zu zollen. Doch lasse ich Dich wissen, das Deine zukünftigen Züge Einfluss auf das Spiel mit der Dame haben."


Mit einem Schmunzeln auf den Lippen blickte er sich noch mal kurz um, dann überwand er mit einem Satz die Hecke. Einige schnelle Schritte führten ihn unter den Balkon Mariellas. Der zweite Brief wurde hier, nach zwei Fehlversuchen, auf den Balkon Mariellas geworfen. Hier war das Papier etwas besserer Qualität und auch die Worte waren hier geschrieben und das Schriftbild wies einige Schnörkel auf. Wenn Mariella den Brief findet und liest kann sie folgende einfache Sätze lesen.

„Unser beider Freiheit ist in Gefahr. Ich muss Dich sehen.“

Nach einem letzten Blick zum beleuchtetem Fenster stahl er sich wieder vom Grundstück und verlies Varuna wieder.
Zuletzt geändert von Velerian d´Are am Freitag 28. November 2008, 21:41, insgesamt 2-mal geändert.
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Der Dolch sauste durch den Raum und traf mitten ins Schwarze. Durch den imensen Schwung wackelte er noch ein wenig, als er in der Zielscheibe stecken blieb. Ein zweiter flog hinterher und auch ein dritter. Alle trafen. Mit einigen raschen Schritten hatte sie die Distanz überwunden, drei wütende Ruckbewegungen und die filigranen Meisterstücke lagen wieder in ihrer Hand. Zurück auf die Linie und von vorne. Unzählige Male schon waren die Klingen heute schon in das Brett geflogen und noch immer wollte sich keine Ruhe einstellen.
Normalerweise hatten diese Übungen, die mehr der Routine als wirklichem Training galten, eine nahezu hypnotische Wirkung auf sie. Nicht so am heutigen Abend.


Die Wut loderte noch immer hell in ihrem Geist. Wut auf ihn, diesen Lump, Gauner, Dreckskerl - doch vorallem Wut auf sich selber.
Zwei einfache Sätze hatten ihren Verstand ausgeschaltet.

Unser beider Freiheit ist in Gefahr. Ich muss Dich sehen.

Sie fluchte lauthals und ließ die erste Waffe wieder fliegen. Warum bei allen guten Göttern hatte sie an diesem Abend nochmal auf den Balkon gehen müssen? Warum hatte sie den Zettel nicht einfach übersehen können? Wieso hatte sie sich davon locken lassen? Warum bitte hatte sie nicht das einzig Richtige getan und den Wisch einfach in die Kerzenflamme gehalten? Ein Dolch flog in die Mitte der Scheibe.

Nein, es musste ja wieder ihr Abenteuergeist mit ihr durchgehen. Sie hatte ein dunkles Kleid gewählt, die Dolche in den Beingurt geschoben und sich auf den Weg gemacht. Natürlich hatte er sie erwartet. Er hatte sie tiefer in den Wald gelockt und sie war zwar zögerlich, aber ohne Widerstand gefolgt. In der Tat war die Gefahr zu hoch, miteinander gesehen zu werden. Was dann kam, traf sie unerwartet.

Arenvir hatte ihm eine Nachricht zukommen lassen. Mariella wusste gleich, dass dies kein gutes Zeichen war. Innerlich scheute sie schon jetzt das Gespräch, das mit Sicherheit folgen würde. Dolch Nummer zwei landete mit einem satten Plopp unmittelbar neben dem ersten, Nummer drei keine zwei Atemzüge später. Wieder ans Brett, Waffen holen und auf Anfang. Velerian ließ wenig Zweifel daran, dass er ein Spiel zu zweit bevorzugte. Sie wollte nicht spielen, sich gar nicht erst darauf einlassen. Die Drohung war unmissverständlich: Mischte Arenvir sich ein, würde sie die Rache zu spüren bekommen. Verstand dieser Streuner denn nicht, dass sie nicht gewillt war, sich darauf einzulassen?

Er konnte oder wollte ihr nicht sagen, was er von ihr wollte. Wieder ein Dolch, der sich sein Ziel suchte. Doch eines wollte er eindeutig nicht: Sie so gehen lassen. Ja, sie hatte ihn gereizt, hatte die Hochnäsigkeit ihres Standes zur Schau getragen und sich zum Gehen gewandt. In wenigen Schritten war er bei ihr. Eine Hand in ihrem Haar hatte sie unsanft zum Stehen gebracht. Die nächste Klinge bohrte sich tief in den Kreis. Es folgte ein Tanz der Klingen, den sie erneut gewann. Dann geschah das Verhasste: Er breitete die Arme aus, lockte sie, verführte sie, bis die Waffe flog - doch sie war nicht in der Lage, es zu Ende zu bringen. Sie wählte seine Schulter, ließ die Waffe sich tief in sein Fleisch bohren, ein gut gezielter Wurf. Wieder sirrte es durch die Luft.

Sie hatte es nicht gekonnt. Als er von dem Blutverlust zusammenbrach, hatte sie ihn versorgt. Zu sehr war ihr ein anderes Gesicht vor Augen gewesen. Sicher, nüchtern betrachtet war die Situation eine völlig andere, sie hatte sich nur gewehrt, doch das Töten lag ihr einfach nicht im Blut. Also hatte sie sich um seine Wunde gekümmert und sich versichert, dass er auf die Beine kam. Was war der Dank? Hohn und eine unmissverständliche Drohung. Er würde wiederkommen.

Die junge Freiin stand vor der Zielscheibe und ballte die Fäuste. Soweit kam es noch, dass sie sich wegen eines Rumtreibers, der bereits zweimal nur ihrer Gnade zu verdanken hatte, dass sein Herz noch schlug, hinter den Mauern verstecken würde. Sie ließ die Hand sinken, mit der sie gerade zum unzähligsten Male die Dolche herausziehen wollte und wandte sich der Treppe zu. Sie musste hier raus, brauchte Luft. Ein Wein, ja, das war eine gute Idee. Ein kleiner Absacker in der Mandelblüte würde ihr gut tun.
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

Die Schulter pochte noch immer als Velerian sich in sein Versteck im Wald zurückgezogen hatte. Auch wenn sie die Wunde versorgt hatte, so schmerzte es doch noch immer. Das zweite Mal schon hätte sie ihn töten, das Spiel beenden können. Sie war der Meinung, sie hätte bereits zweimal gegen ihn gewonnen, obwohl er ihr doch klar gesagt hatte, wann er sich würde geschlagen geben. Und immer stellte sie die gleiche Frage: Was wollte er eigentlich von ihr. Das Spiel begann eher zufällig, als er die Frau, die er zuvor im Gerichtssaal Varunas sah. Was hatte ihn eigentlich gerissen ein Spiel mit einer Freiin zu beginnen. Sicher, sie war jung und sah wirklich gut aus. Aber war es das Risiko wert sich mit ihrem Diener oder Verehrer oder was auch immer anzulegen. Velerian war sich gewiss, das er Mariella durchaus unter Kontrolle bringen konnte, das er das Spiel allein mit ihr nach seinen Regeln spielen konnte.

In den nächsten Tagen würde er erst einmal seine Verletzung auskurieren, denn wenn er beginnen wollte seinen Dolch ins Spiel zu bringen würde er seine volle Kraft brauchen. Denn anders als es der erste Blick offenbarten konnte diese Freiin durchaus mit einem Dolch umgehen. Der Wurf an seine Schulter war kein Fehler, sondern gezielt und so gewollt. Die erste Überraschung, den diese Frau auf Lager hatte. Und bei jedem Treffen wurde er sicher, das die Freiin noch weitere Überraschungen auf Lager hatte. Das war es wohl, was ihn reizte weiter zu spielen und nicht von dannen zu ziehen. Auf diesem Eiland gab es sicher einfache Ziele, Menschen, die er einfacher für sich gewinnen konnte. Aber er wollte es einfach nicht zu leicht haben.

Zweimal hatte sie ihm einen Dolch an die Kehle gelegt. Bei dem Gedanken griff Velerian nach der Waffe Mariellas und betrachtete diese sinnierend. Eine Frau ihres Standes und dieser Fähigkeiten konnte man sicher gut gebrauchen. Aber dieser Stand hatte den Nachteil, dass sie gewohnt war Befehle und Anweisungen zu geben. Mariella würde Anweisungen sicher nur von einem Grafen oder höher stehendem Adligen annehmen. Auf der andren Seite war diese Frau neugierig, ihre Freiheit war ihr viel wert. In den nächsten Tagen würde er genauer nachdenken müssen, was er mit dieser Frau anstellen wollte und was er mit ihr anstellen konnte. Sie war wie ein Diamant, der geschliffen werden musste, damit er für ihn wertvoll war. Das Problem war aber, das dieser Diamant verdammt hart und gut bewacht war.

Velerian lies den scharfen Dolch wieder in einem Tuch verschwinden und schloss die Augen. Als er an der Grenze zur Bewusstlosigkeit war, hatte er das Gefühl als hätte ihm jemand über die Wange gestrichen. Aber das konnte genauso gut ein Windhauch sein. Ein Seufzen verlies seine Lippen, dann bettete er sich auf den weichen Waldboden und sank wenig später in einen ruhigen aber wenig festen Schlaf.
Zuletzt geändert von Velerian d´Are am Sonntag 30. November 2008, 01:26, insgesamt 2-mal geändert.
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

Mit ruhigen Bewegungen strich das saubere Tuch über die Klinge des Dolches. Es würde sicher interessant werden, wie die Freiin reagiert, wenn er das erste Mal seine Klinge nicht nur als Schmuckstück am Gürtel oder in der Hand hatte. Bisher hatte sie sicher noch keine Ahnung, ob und wie Velerian einen Dolch zu führen in der Lage war. Bisher war immer sie es, die zur Waffe griff. In seinen Augen war Gewalt zwar immer ein Mittel um ein Spiel zu gewinnen, aber Gewalt musste man vorsichtig, möglichst gar nicht einsetzen, wenn man das Spiel so lenken wollte. Er war jemand, der immer Worte und Gesten der Gewalt vorzog. Und bei der Freiin würde Gewalt mehr als nur ein zweischneidiges Schwert sein.

Sobald die Frau eine sichtbare Wunde hatte würden überall Alarmglocken läuten. Sicher würde sie dann kaum mehr eine Möglichkeit haben die Garde oder diesen Magier aus dem Spiel heraus zu halten. Aber der eine oder andre sanfte Stoss würde Mariella sicher auch zeigen, das er mehr Züge im Kopf hatte als er bisher gezeigt hatte. Aber auch hier war immer die Frage zu stellen, welches Ziel er verfolgen sollte. Vielleicht sollte er erst einmal ausloten, was er mit Mariella anfangen konnte, welche Türen genau die Freiin in der Lage war zu öffnen. Dann würde sich nur noch die Frage stellen – waren das die Türen hinter die er gehen wollte? Was als kurzes Spiel begann wurde langsam zu einer langen Partie. Wo er sonst nur zwei, drei Züge im Voraus plante waren hier sieben, acht Züge Vorausdenken nötig um die Partie zu seinen Gunsten zu entscheiden.

Velerian seufzte und lies den Dolch in der einfachen Scheide verschwinden. Vielleicht wurde es sogar irgendwann einmal nötig, dass er sich Figuren suchte, die er auf seiner Seite bewegen konnte. Dann würde sich das Spiel wirklich in die Länge ziehen. Ja, dort am See hatte wohl eines seiner schwierigsten Spiele begonnen. Aber eines war er sich sicher – für den nächsten Zug war er immer bereit.
Arenvir von Goldenfall

Beitrag von Arenvir von Goldenfall »

Waffen- und Rüstungspflege sind keine Arbeit für langweilige Stunden, sondern eine Kunst für sich. Das festzustellen war ihm wieder einmal nicht erspart geblieben. Wer einen Kampf zu kämpfen hatte, oder sich darauf vorbereiten wollte, hatte einiges zu beachten. Waffen und Rüstwerk mussten angepasst werden, um einen möglichst bequemen Sitz zu gewährleisten. Desweiteren durften sie einem bei Bewegungen nicht im Weg sein. Es war zum Beispiel in einem Händel höchst unvorteilhaft, über seine eigene Schwertscheide zu stolpern.

Also passte man es an. Der Dolch vorne am Gürtel, wie die Menekaner es zu tun pflegten, um ein rasches ziehen zu gewährleisten. Der Rapier an das linke Bein geheftet, um ihn mit der Rechten führen zu können. Der Stab frisch poliert und mittels Magie behandelt. Die Klinge gesäubert, geschleift. Die Robe im Schrank gelassen, da zu hinderlich. Knochenpanzer. Eine Rüstung der mittelschweren Sorte für einen Zauberkundigen, schwer genug um eine Klinge aufzuhalten, wenn sie gestoßen wurde, und an ihr abzugleiten, wenn der Winkel zu flach war. Trotzdem aber nicht schwer oder massiv genug, um die nötigen Bewegungen einer Parade oder Zaubergestik zu behindern.

Das Handwerkszeug für die Jagd war bereit. Doch wen galt es zu Jagen? Velerian war sein Name, schemenhafte Bilder einer Figur aus dem Gerichtssaal huschten an seinem Auge vorbei, mit denen er nichts anfangen konnte. Eine grobe Beschreibung hatte Mariella ihm gegeben. Er war das Ziel, er war der Preis für ein Stückchen Frieden. Und er schwebte in Lebensgefahr. Arenvir hatte nie leichtfertig Todesurteile in seinem Geiste verhängt, war aber geneigt hierbei eine Ausnahme seiner üblichen Handlungsweise zuzulassen. Doch trotzdem galt es das Ziel ersteinmal zu finden. Dieses Subjekt würde schon bald merken, das Anonomyität kein ausreichender Schutz gegen Magie war. Wenn er ihm gegenüberstand, würde es kein Halten mehr geben, bis die Schuld dieses verbrecherischen Mannes gesühnt war. Das schwor er sich im stillen.

Unter leisem Quietschen schloss er die Tür seiner Bleibe und stiefelte in die Nacht hinaus. Nur das scharfe Pochen seines Stabes auf dem Pflasterstein, kündigte sein Kommen dort an, wo hinzugehen, er für richtig befand.

Ziel waren die Hafenkneipen, Spelunken und andere Etablissements Gerimors. Reih um Reih klapperte er diese ab, sparte nicht einmal Rahals Hafenviertel aus und lockte wo möglich mit Gold, um an anderer Stelle mit einigen wohl platzierten Drohungen nachzuhaken. Wer kannte Velerian? Wer hatte ihn gesehen? Wo trieb er sich herum? Wer war dieser Mann?

Was auch immer dabei herauskommen würde. Velerien würde spätestens jetzt wissen, das der Jäger zum gejagten geworden war.
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Wie sage ich es ihm? Sage ich es ihm überhaupt? Was passiert, wenn er es erfährt - und was, wenn nicht? Wie wird es enden, wenn er es im Nachhinein mitbekommt?

Diese und ähnlich gestrickte Fragen zermarterten konsequent das Hirn der jungen Frau. Sie wusste nicht, wie lange sie schon an ihrem Fenster stand und in die Dunkelheit hinausstarrte. Irgendwie kam sie nicht zur Ruhe. Wenn sie sich nicht gerade mit Befindlichkeiten ihrer Kollegen herumschlagen musste, die Stadt nicht von Untoten heimgesucht wurde oder sie zwischen den Stühlen ihrer Werber saß, durfte sie sich seit geraumer Zeit auch noch damit herumschlagen, den Spieler auf Abstand zu halten. Schlug sie sich in allen anderen Disziplinen wenigstens einigermaßen annehmbar, waren Erfolge in Bezug auf Velerian immer nur von kurzer Dauer.

Nun war es also passiert. Er hatte lange genug Ausdauer bewiesen und war am Ende zum Ziel gekommen. Mariella war so fassungslos, dass sie nichtmal fluchen konnte. Sie hatte gespielt. Nun steckte sie in der Klemme, denn sie war in Zugzwang. Die Illusion, das Spiel einfach abbrechen zu können, hatte sie bereits aufgegeben. Sie war an der Reihe und wenn sie versuchen würde sich zu drücken, würde er sie zwingen.

In Gedanken war sie wieder und wieder den Abend durchgegangen, der sie in das Dilemma gestürtzt hatte. Er hatte sie erneut mit sich genommen, diesmal aber ohne zu locken. Es war schlicht und ergreifend Erpressung gewesen: Komm mit oder du wirst niemals deine Ruhe haben. So konnte man jedenfalls das Ergebnis zusammenfassen. Die Verlockung dabei war jedoch ebenfalls nicht zu verachten gewesen. Am Ende des Gespräches würde er gehen, so sie es dann noch wollte.

Doch diesmal verlief es anders. Er, der sich sonst damit begnügte, sie ein wenig zu reizen und ihre Wut anzustacheln, ging in die Offensive. Dass es diesmal nicht so leicht für sie werde würde, war klar, als er seine Waffe zog. Am Ende hatte er sie durch einen bösen Trick überrumpelt, ihre Dolchhand hinter ihrem Rücken verdreht und hielt seine Klinge so vor ihren Bauch, dass sie sich mit eigenen Augen vergewissern konnte, dass es kein Buttermesser war. Ja, und in diesem Moment nahm sie die Herausforderung an. Sie spielte.

'Meisterin der tausend Masken' hatte Antarian sie einmal genannt. Vielleicht hatte er ein wenig übertrieben, doch in der Tat war es diese Fähigkeit, die sie für ihren Zug nutzte. Velerian hatte mehr als einmal gezeigt, dass die wehrhafte Freiin ihn nur zu mehr anstachelte. Vielleicht würde eine hilflose Mariella ihn dazu bringen, von ihr abzulassen? Er war ein Mann und ihr war noch keiner untergekommen, den nicht der Beschützerinstinkt gepackt hatte.
Die Wandlung verlief fließend. Zunächst gab sie den Widerstand gegen seinen Griff auf, doch noch blieb die Garstigkeit in Wort und Stimme. Irgendwann, nach einem verbalen Angriff seinerseits, schloss sie die Augen, ließ langsam die Luft aus und lehnte den Kopf kraftlos an seine Schulter. Sie brauchte die Augen nicht öffnen, um den Blick zu spüren, den er auf sie warf. Reine Selbstbeherrschung ließ ihre Mimik unverändert und unterdrückte das triumphierende Grinsen. Er hatte den Köder gewittert. Mal sehen, ob er ihn probieren würde. Also gab sie ihrer Stimme eine Spur Resignation und Kraftlosigkeit, fügte ein gehauchtes "Bitte" an. Der Erfolg war beachtlich. Nie hatte sie erlebt, wie sich ein Mann so an einem Wort festbiss. Er hatte den Köder geschluckt.
Und dann sah sie ihn. Diesen Blick, der forschte, der mehr wollte. Eine gut platzierte Geste der Sanftheit, eine zarte Berührung seiner Wange... und es kam der magische Satz: "Lass deinen Dolch fallen und ich überlege mir, dich freizugeben." - Der Fisch war am Haken.

Für diese Entscheidung brauchte sie nicht lange überlegen. Der Dolch war für sie wertlos, solange er ihr Handgelenk umklammernd hinter ihr stand und ihren Arm überdrehte. An ihrem Oberschenkel aber warteten noch drei Klingen darauf, ihr notfalls dienlich zu sein. Mit einem satten 'Plopp' landete er im Gras und kurze Zeit später konnte sie sich auch schon aus Velerians seltsamer Umarmung herauswinden.

Das Problem war nur, ihr Gegenüber war beim besten Willen kein Anfänger. Er war einer der wenigen, der einen Fehler umging: Ihr Zeit zu geben, sich zu sammeln. Sie hätte wohl nur einen kurzen Moment gebraucht, um die Gedanken zu sortieren und einfach zu verschwinden, doch genau dies unterband er. Velerian setzte zum Gegenschlag an, simpel wie effektiv. In seinen Augen leuchtete es kurz (ein Umstand, der Mariella erst sehr viel später in der Nachbetrachtung aufgegangen war) dann begann er, sie einzuwickeln - oder sagen wir besser, er versuchte es. Ja, es hatte eine kleine Weile gebraucht, bis sie es begriffen hatte. Da kam er ihr tatsächlich mit Zuneigung, mit Faszination, mit dem unbändigen Wunsch ihr nah zu sein. Wo er sie doch jetzt auch von ihrer anderen Seite kennengelernt hatte. Lächerlich!
Glaubte er wirklich, sie würde nicht erkennen, wenn man ihre eigene Waffe gegen sie richten wollte? Aber so nicht...!

Wieder war ihr erst in der Nachbetrachtung aufgegangen, dass sie hier hätte abbrechen müssen, es war der letzte Punkt gewesen, an dem es möglich gewesen wäre. Doch sie war zu... ja, zu sehr angesteckt worden. Also hatte sie ihn weitergetrieben. Fühlte sich als Siegerin, als er sich auf ihren Handel einließ. Erst als seine Abschiedsworte erklangen, wusste sie, er hatte sie da, wo er sie haben wollte: Am Zug.

Nun stand sie hier und musste sich darüber Gedanken machen, wie sie ihre eigenen Worte umsetzte: "Wenn du nach Lameriast gehst, wirst du mich wieder sehen. Ich werde dich dort aufsuchen. Allein." Das alles nur, um ihn zu lenken, ihn von Rahal fernzuhalten. In der Situation war ihr der Schritt als sehr sinnvoll erschienen. Rahal war zu nah und außerdem die Stadt der Feinde. Die Gefahr war einfach zu groß, dass er schon bald wieder vor ihr stehen würde. Dann lieber ein kalkuliertes Treffen, statt dieser immerwährenden Bedrohung. Außerdem war Lameriast weit weg. Hielte er sich dort auf, würde sie nicht ständig mit Briefen rechnen müssen.

Er ließ sich drauf ein. "Ich erwarte dich in drei Tagen am Hafen von Lameriast, Mariella." Und mit diesen simplen Worten war eine Fortführung des Spiels beschlossen.

Nun stand sie vor mehreren Problemen. Das erste war schnell gelöst. Constances Vorräte waren gut sortiert und so hatte sie rasch ein Mittel gegen ihre Seekrankheit abgestaubt. Aus dem Haus zu kommen war auch kein Problem, selbst wenn man sie auf dem Weg sehen würde, hätte sie genug Ausreden parat. Eine Hürde aber musste sie nehmen und sie wusste beim besten Willen nicht wie. Was machte sie mit Arenvir? Wenn sie ihm von dem Treffen berichtete, würde er sie ohne Skrupel einsperren und selber hingehen. Danach wäre von Velerian vermutlich nur noch Asche übrig. Erzählte sie es ihm nicht und er folgte ihr aus irgend einem Grund, wäre Velerian ebenfalls Asche und sie danach kleiner als sowieso schon. Die Alternative war, es ihm zu verschweigen. Dieser Gedanke schmeckte ihr ebenso wenig. Bisher waren die beiden sehr offen miteinander umgegangen, zumal sie nicht daran denken wollte, wie sehr es knallen würde, käme er eines Tages dahinter.

Wobei... wenn sie es sich so recht überlegte... wie war das noch gestern Abend? Eine geheime Mission? Ja, so hatte er sich ausgedrückt. Das Interessante daran war, er trug dazu Dolche, eine Bewaffnung, die sie zuvor nie an Arenvir wahrgenommen hatte. Hier stimmte etwas nicht und sein rascher Abgang auf die Fragen hin, sein Ausweichen und Drucksen...
Wenn er seine kleinen Geheimnisse hatte, warum dann nicht auch sie?

Ach, es half alles nichts. Viel Zeit zum Grübeln blieb ihr nicht mehr. Vielleicht sollte sie sich zumindest schonmal darauf vorbereiten, sich heimlich auf das Schiff zu begeben. Abgeblasen war so ein Plan ja schnell wieder... und wenn sie ging, dann nur, um Velerian zu sagen, dass sie nicht weiter spielen würde. Er hatte seinen Tanz bekommen, nun sollte er sie in Ruhe lassen. Mariella konnte nur hoffen, dass ihr diesmal die richtigen Worte einfielen...
Yarin von Wolfenfels

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(nt)
Zuletzt geändert von Yarin von Wolfenfels am Dienstag 9. Dezember 2008, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

In drei Tagen im Hafen von Lameriast. War das nun ein Zug für oder gegen ihn. Immerhin hatte sie es geschafft, das er drei Tage lang nicht in ihrem Lehen war. Sie hatte es geschafft, das sie drei Tage zumindest halbwegs Ruhe hatte. Er hatte sie diesmal unvorbereitet getroffen. Besser gesagt die Kutsche hatte sie fast vor seine Füße gebracht. Gewöhnlich bereitete er sich auf solche Treffen vor, bestimmte Ort und Zeitpunkt der Treffen. So waren seine Besucher in den ersten Momenten meist unsicher, abgelenkt. Normalerweise reichten diese Momente der Unsicherheit um seinem Gegenüber entweder Sicherheit zu geben, sie in ihrer Unsicherheit zu halten oder sie noch mehr zu verunsichern. Immer ganz wie er es für den Moment brauchte.

Velerian zog immer die größte Sicherheit vor, er nannte selten seinen Namen und zum Glück hatte er auch ein Gesicht, das nicht besonders auffiel. Es gab Gesichter, an die erinnerte man sich, wenn man sie in einer Gruppe sah. Es gibt aber auch solche, die gewöhnlich und normal sind. Er gab sich immer normal und gewöhnlich. Er hatte gelernt sich anzupassen. Das begann damit, das er in einer Taverne keine ungewöhnlichen Wünsche äußerte an die sich ein Wirt erinnern würde und endete damit, dass er Kleidung trug, die in den Gegenden üblich war. Ein auffallender Hut, zum Beispiel, würde immer im Kopf der Menschen sein, die ihn sahen, würden helfen zu erinnern. Und genau das vermied Velerian, wo es nur ging. Er war sich sicher das, wenn ein Beobachter ihn und Mariella gesehen hatten – sie würden sich immer an die Freiin erinnern, die in feinen Kleidern mitten im Wald stand. Menschen sollten sich nicht an ihn erinnern – es sei denn er wollte es.

Dieses Mädchen, diese junge Frau; wenn sie nicht von adligem Stand wäre, sie würde sicher eine gute Gefährtin und Partnerin abgeben. Das Mädchen wusste sich zu verstellen und zu spielen auch wenn sie es nicht wollte. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er sie für eine geschickte Betrügerin halten, die ihr Wissen in den Gassen der Städte gelernt hatte. Sie war die einzige Adlige mit Wurfdolchen in der Kleidung an die er sich erinnerte. Gut, bisher kannte er keine Adlige so nah wie Mariella, aber er kannte bisher den Adel auch nur aus weiter Ferne. Vielleicht war diese Frau auch einfach nur anders als der normale Adlige. Aber selbst Menschen von Stand waren nur Menschen. Und jeder Mensch hatte seine Geheimnisse, seine dunkle Seite. Vielleicht galt es nur diese Seite bei dem Mädchen etwas zu wecken, sie von einer Art Macht kosten lassen, die sie sicher nicht kannte. Ja, so könnte die Kleine nützlich für ihn werden, mehr als nur ein Spielzeug. Nun galt es behutsam anzutesten, wie dunkel der Fleck auf der Seele der kleinen Freiin war. Und ja, nun würde das Spiel interessant werden; nun da er ein Ziel hatte.
Velerian d´Are

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„ Ich will in Deine Dienste treten ... oder eine Nacht mir Dir. Such es Dir aus.“

Er konnte das Entsetzen im Gesicht Mariellas sehr schnell sehen. Und auch wenn man sie nicht sah, sie hatte gar keine Wahl als entsetzt zu sein. Natürlich würde eine Freiin keine Nacht mir ihm verbringen. Aber sie war in dem Moment wohl zu geschockt ihm seine Worte im Mund herum zu drehen. Sie nannte ihm also eine Möglichkeit wie er ihr dienen konnte. Tatsächlich gab es Dinge, die sie nicht genau wusste, aber doch zu gerne wissen wollte. Natürlich, das war einfach seine Art, sicherte er ihr nichts Genaues zu. Er würde es sich überlegen, würde abwägen.

Die Finger des Mannes glitten über das feine Silber, der Armreif Mariellas, die Beute des Abends. Ein Armband, filigran und edel gearbeitet, sicher die Arbeit eines Meisters. Nun, bei Tageslicht konnte man viele kleine Details erkennen, jedes fein ausgearbeitet. Dieses Armband würde man sicher immer wieder erkennen, zumindest Mariella. Nachdenklich schob er es an über sein Handgelenk, schloss die Augen.

Noch immer wusste er nicht genau ob es klug oder dumm war Mariella derart zu bedrohen, ihr derart nahe zu kommen. Würde er nun vor ein Gericht gestellt, er würde sicher am Galgen landen, vor allem mit Mariella als Richterin und Anklägerin in einer Person. Diese junge Frau hatte genug Macht in der Hand und Velerian war sich bewusst, dass sie ihre Macht durchaus einzusetzen in der Lage ist. Sicher, Varuna würde er sich in Zukunft nur verkleidet besuchen können. Aber darin sah er kein Problem, war es doch nicht schwer sich in einen anderen Mann, notfalls sogar in eine Frau zu verwandeln.

Wie schlau aber wäre es sich wieder in ihre Nähe zu wagen? Aber irgendwo weckte es seine Neugierde zu erfahren wie vorsichtig sie nun war, wie vorsichtig sie durch die Stadt ging. Schaute sie sich nun öfter um, mied sie dunkle Strassen in den Abendstunden. Ging sie überhaupt noch ohne Geleit aus der Stadt heraus. Irgendwie gab es immer mehr Variablen, die er einfach nicht kannte. Bei allen Göttern, wie er es hasste, zu improvisieren. Velerian war ein Mann der gern plante, die gerne dutzend Züge im vorausdachte. Und ein Treffen, ein Satz warf ihn so zurück, das er nicht einmal zwei Züge planen konnte. Wenn sie das geplant hatte, war sie verdammt gut, besser als er dachte. Vielleicht war es an der Zeit neue Figuren ins Spiel zu bringen. Vielleicht war es Zeit das Spiel zu unterbrechen oder zu beenden.

Velerian schlug sich die Faust fest in die Handfläche. Sicher würde er kein Spiel beenden mit einem Weib, gerade halb so alt wie er. Was wusste dieses Gör schon vom wirklichen Leben. Dieses Ding hatte doch vorher noch nie die schützende Mauer verlassen. Sie wusste nicht, wie Diebe und Ganoven denken. Und schon gar nicht konnte sie einschätzen wie ein denkender Ganove denkt, der nicht aus der Situation heraus handelt. Dieses Biest würde ihn schon noch kennen lernen, auf die eine oder andere Weise.
Velerian d´Are

Beitrag von Velerian d´Are »

Nachdenklich führten ihn seine Schritte durch die neue Stadt. Es war wirklich verwunderlich das niemand bemerkte wie diese Stadt gebaut wurde. Aber damit hatte Mariella wieder einen kleinen Vorteil verloren. Für sie war die Stadt genau so neu wie für ihn. Und auch für die Garde wäre es anfangs nicht sehr leicht sich in der Stadt zu Recht zu finden. Velerian hatte es sich gewagt einige Schritte durch die Stadt zu gehen. Selbst das Viertel der Adligen war noch nicht sonderlich bewacht, leicht zugänglich. Keine der Wachen schien sich hier für ihn zu interessieren, sei es weil es genug staunende Gesichter gab, sei es weil sie selber noch die Stadt betrachteten. In dieser neuen Stadt war es nicht auffällig, wenn man einmal stehen blieb und sich umsah, einen Blick in die Gassen zwischen die Häuser warf.

Selbst das Haus der Dragenfurts war schnell gefunden. Und die Lage des Hauses sagte sogar ihm zu. Er musste ein Schmunzeln unterdrücken als er sah wie nah das Haus am Rand der Stadt war. Vor dem Anwesen standen einige Bäume und eine weite grüne Fläche. Es war nur schade, dass sie bald wohl weiß und jeder Schritt sichtbar würde. Mit einem Schmunzeln zog er einen geschriebenen Brief vor, wickelte nun einen grünen Edelstein in das Papier und lies es im Briefkasten der Freiin verschwinden. Würde Mariella den Brief finden würde ihr der Edelstein in entgegen fallen und folgende Worte auf dem Papier zu lesen sein.


„Ich habe eine weitere Überraschung für Dich, allein für Dich. Im Norden gibt es einen See. Ich warte dort auf Dich.“


Als der Brief schließlich im Kasten landete lies Velerian seinen Blick über die Fenster des Anwesens schweifen. Jetzt galt es nur noch die Dame irgendwie auf den Briefkasten aufmerksam zu machen. Er stützte nachdenklich das Kinn mit der Hand und lies den Blick zwischen Briefkasten und Hausfront wandern. Jemanden heraus zu locken würde nicht schwer werden, aber gerade Mariella vor die Tür zu locken war ein Glücksspiel. Sie aber dazu zu bringen auch in den Briefkasten zu blicken war einfach zu sehr Glückssache. Er würde also die eine oder andere Stunde in sicherer Entfernung zu dem Haus verbringen und abwarten, wann die junge Freiin an ihren Briefkasten ging.
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