Unverhoffte Jagd
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Leah Katuri
Unverhoffte Jagd
Ein sanfter, ungewohnt warmer Wind strich über die Wiese, während das rascheln der Grashalme von nächtlichem Leben zeugte. In der Ferne vernahm man das Meer, welches tosend an die Felsen zerschellte, um im nächsten Moment wieder sich aufzubäumen und einen weiteren Angriff folgen zu lassen. Der Geruch von Heu lag in der Luft, von Salz...und kaltem Stein. Irgendwo durchbrach ein Keckern, ein ungewohnter Laut die Stille, um in ein Flattern und Krächzen überzugehen, welches man sonst nirgends vernahm.
Kerzengerade bäumte sie sich auf, die Augen weit aufschlagend, um sich panisch umzusehen. Was war das? Kaum konnte sie die Frage im Gedanken formulieren, als ein Stich durch ihre Schulter schoss und sie sich leicht zusammenkrümmte. Tastend suchten die Finger unter ihr den Steinboden ab, fanden einige Handbreit hinter sich die Wand, an die sie sich mit dem Rücken letztlich lehnt.
Nein, sie hatte nicht schlecht geträumt. Nein, sie war wirklich hier...eine Gefangene. Sie hätte sich nie träumen lassen, auf einmal ‚interessant‘ für jemanden zu sein. Eine Beute...eine Geldquelle. Wo war der Zweifel, der sie hätte eindeutig einnehmen sollen, als sie die Gestalt in den Katakomben sah? Wo die Vorsicht, der klare Gedanke. Sie hätte einfach weitergehen sollen, sich nicht auf Worte einlassen sollen. Und doch...die Verfluchung Temoras hatten sie innehalten lassen, die Aufmerksamkeit auf die Person ihr gegenüber auf sich gezogen. Noch immer war es ungewohnt für sie, gegen solche Worte anzugehen, doch sie hinnehmen und unkommentiert lassen? Nein, das konnte...wollte sie nicht.
Langsam gewöhnten sich die Pupillen an die Umgebung und fassten nach und nach die Konturen auf. Ein vergittertes Fenster, der Blick auf den verhangenen Himmel preisgebend zu ihrer Rechten, während die Zelle wohl nur einige Schritt in der Länge und Breite zählen mochte. Die anderen Zellen waren leer, dennoch hing ein merkwürdiger Geruch in der Luft. War es der Rum? Oder doch das Blut, welches sie ansatzweise an dem Verband des Unterschenkels noch ausmachen konnte. Dieser Schmerz....
Im ersten Moment dachte sie, die Frauen würden Magie benutzen, sie täuschen wollen mit Energien, die sie freisetzen konnten, bis dieser Druck auf ihr Bein, ihre Schulter wie eine Wucht auf sie traf und auf die Knie riss. Für Sekunden war der Blick verklärt und sie hörte das Blut in ihrem Kopf rauschen, das Knallen um sie herum und einen seltsamen Geruch einatmend, der ihr fast den Atem nahm. Was bei allen Göttern war das nur? Es hatte dafür gesorgt, dass sie blutete, dass ihr schwindelig wurde, sie unerträgliche Schmerzen gespürt hatte, als jene Fremde eiskalt ihre Stiefel in die Schulter versenkt hatte. Einmal nicht weggerannt und gleich das nächste Desaster angestellt...Der Gedanke war unerträglich, haftete weiter und weiter in ihr, als sie nach dem ausgefransten Mantel griff und ihn über die Schultern zog. Das Frösteln...kam es von der Nacht oder der Erinnerung? Eng zog sie den Stoff an sich, das rechte Bein anwinkelnd, während sie das Linke ruhen ließ. Ihr schien, als hätte sich in jenem Moment die Welt gegen sie verschworen.
Kaum auf dem Wege zur Ritterin und schon...nein, der Gedanke wurde schnell mit einem Kopfschütteln verworfen. Sie durfte nicht daran denken. Im Moment wussten sie nur, dass sie irgendwie zu dem Haushalt gehörte; ihren Namen....ein leises Ächzen verließ die Lippen, als sie an dem Moment zurückdachte. Hatten sie unbewusst ihre Schwäche herausgefunden? Allein seine Nähe behagte ihr nun schon nicht. Wenn er einer von jenen war, die sie in anderen Dörfern damals getroffen hatte? Ob er...? Rasch glitt der Blick hinunter, die Kleider an sich überprüfend. Nein, nichts zerrissen, alles schien noch am Platz. Zumindest in jener Hinsicht war sie erstmal sicher.
Tief sog sie die Luft ein. Sie musste fort hier, musste so schnell wie möglich nur weg. Es wäre nur eine weitere Schande, ein Makel an ihr, wenn wirklich Post eintrudeln sollte im Haushalt. Ruhig schloss sie die Augen, ließ den Kopf langsam gen Steinwand wandern, wo eine angenehme Kühle auf den Hinterkopf sich ergoß. Sie wechselte zwischen Zittern und schwitzen, zwischen Kraft und Schwäche. Die Wunden waren einigermaßen versorgt, doch das Blut musste sich erst reproduzieren, wieder in normalen Verhältnissen durch ihren Körper fliessen. Sie selbts nahm es nicht wahr, redete sich ein, dass ein Infekt käme, das Fieber aber bald wieder entschwunden sein. Sie musste Kraft sammeln, für das nächste Mal, wenn sie die Türe gehen hören würde, eine von diesen Personen durch die Türe stapfen würden.
Um zu ‚reden‘, wie sie sagten; dass sie brav sein solle...in mancher Hinsicht konnte sie stur sein, musste es, um nicht völlig alles von sich preis zu geben: Kooperation war eine schwierige Sache, wenn man brav blieb dabei. Der Fremde Typ hatte es verstanden...und ihn fürchtete sie bereits nun schon am meisten. Sie hoffte, er würde nicht nochmal auftauchen.
Ein weiteres Flattern, ein Keckern und Singen, ein Krächzen und ungewohnte Laute drangen ihr an das Ohr, während sie erschöpft den Kopf zum Fenster wendete. Lau hatte sich bereits die Morgenfrühe angekündigt und legte die Umgebung in ein diffuses Licht. Erschöpft fielen die Lider zu, sie sitzend, eingepackt in den Mantel, in einen erschöpften Schlaf fallen lassend, während an der Fensterluke sich ein bunter Vogel niederließ und neugierig in die Zelle sah.
Die Zeit der Ruhe würde zeigen, wie viel Kraft sie wieder gesammelt hätte...bis zum nächsten Mal.
Kerzengerade bäumte sie sich auf, die Augen weit aufschlagend, um sich panisch umzusehen. Was war das? Kaum konnte sie die Frage im Gedanken formulieren, als ein Stich durch ihre Schulter schoss und sie sich leicht zusammenkrümmte. Tastend suchten die Finger unter ihr den Steinboden ab, fanden einige Handbreit hinter sich die Wand, an die sie sich mit dem Rücken letztlich lehnt.
Nein, sie hatte nicht schlecht geträumt. Nein, sie war wirklich hier...eine Gefangene. Sie hätte sich nie träumen lassen, auf einmal ‚interessant‘ für jemanden zu sein. Eine Beute...eine Geldquelle. Wo war der Zweifel, der sie hätte eindeutig einnehmen sollen, als sie die Gestalt in den Katakomben sah? Wo die Vorsicht, der klare Gedanke. Sie hätte einfach weitergehen sollen, sich nicht auf Worte einlassen sollen. Und doch...die Verfluchung Temoras hatten sie innehalten lassen, die Aufmerksamkeit auf die Person ihr gegenüber auf sich gezogen. Noch immer war es ungewohnt für sie, gegen solche Worte anzugehen, doch sie hinnehmen und unkommentiert lassen? Nein, das konnte...wollte sie nicht.
Langsam gewöhnten sich die Pupillen an die Umgebung und fassten nach und nach die Konturen auf. Ein vergittertes Fenster, der Blick auf den verhangenen Himmel preisgebend zu ihrer Rechten, während die Zelle wohl nur einige Schritt in der Länge und Breite zählen mochte. Die anderen Zellen waren leer, dennoch hing ein merkwürdiger Geruch in der Luft. War es der Rum? Oder doch das Blut, welches sie ansatzweise an dem Verband des Unterschenkels noch ausmachen konnte. Dieser Schmerz....
Im ersten Moment dachte sie, die Frauen würden Magie benutzen, sie täuschen wollen mit Energien, die sie freisetzen konnten, bis dieser Druck auf ihr Bein, ihre Schulter wie eine Wucht auf sie traf und auf die Knie riss. Für Sekunden war der Blick verklärt und sie hörte das Blut in ihrem Kopf rauschen, das Knallen um sie herum und einen seltsamen Geruch einatmend, der ihr fast den Atem nahm. Was bei allen Göttern war das nur? Es hatte dafür gesorgt, dass sie blutete, dass ihr schwindelig wurde, sie unerträgliche Schmerzen gespürt hatte, als jene Fremde eiskalt ihre Stiefel in die Schulter versenkt hatte. Einmal nicht weggerannt und gleich das nächste Desaster angestellt...Der Gedanke war unerträglich, haftete weiter und weiter in ihr, als sie nach dem ausgefransten Mantel griff und ihn über die Schultern zog. Das Frösteln...kam es von der Nacht oder der Erinnerung? Eng zog sie den Stoff an sich, das rechte Bein anwinkelnd, während sie das Linke ruhen ließ. Ihr schien, als hätte sich in jenem Moment die Welt gegen sie verschworen.
Kaum auf dem Wege zur Ritterin und schon...nein, der Gedanke wurde schnell mit einem Kopfschütteln verworfen. Sie durfte nicht daran denken. Im Moment wussten sie nur, dass sie irgendwie zu dem Haushalt gehörte; ihren Namen....ein leises Ächzen verließ die Lippen, als sie an dem Moment zurückdachte. Hatten sie unbewusst ihre Schwäche herausgefunden? Allein seine Nähe behagte ihr nun schon nicht. Wenn er einer von jenen war, die sie in anderen Dörfern damals getroffen hatte? Ob er...? Rasch glitt der Blick hinunter, die Kleider an sich überprüfend. Nein, nichts zerrissen, alles schien noch am Platz. Zumindest in jener Hinsicht war sie erstmal sicher.
Tief sog sie die Luft ein. Sie musste fort hier, musste so schnell wie möglich nur weg. Es wäre nur eine weitere Schande, ein Makel an ihr, wenn wirklich Post eintrudeln sollte im Haushalt. Ruhig schloss sie die Augen, ließ den Kopf langsam gen Steinwand wandern, wo eine angenehme Kühle auf den Hinterkopf sich ergoß. Sie wechselte zwischen Zittern und schwitzen, zwischen Kraft und Schwäche. Die Wunden waren einigermaßen versorgt, doch das Blut musste sich erst reproduzieren, wieder in normalen Verhältnissen durch ihren Körper fliessen. Sie selbts nahm es nicht wahr, redete sich ein, dass ein Infekt käme, das Fieber aber bald wieder entschwunden sein. Sie musste Kraft sammeln, für das nächste Mal, wenn sie die Türe gehen hören würde, eine von diesen Personen durch die Türe stapfen würden.
Um zu ‚reden‘, wie sie sagten; dass sie brav sein solle...in mancher Hinsicht konnte sie stur sein, musste es, um nicht völlig alles von sich preis zu geben: Kooperation war eine schwierige Sache, wenn man brav blieb dabei. Der Fremde Typ hatte es verstanden...und ihn fürchtete sie bereits nun schon am meisten. Sie hoffte, er würde nicht nochmal auftauchen.
Ein weiteres Flattern, ein Keckern und Singen, ein Krächzen und ungewohnte Laute drangen ihr an das Ohr, während sie erschöpft den Kopf zum Fenster wendete. Lau hatte sich bereits die Morgenfrühe angekündigt und legte die Umgebung in ein diffuses Licht. Erschöpft fielen die Lider zu, sie sitzend, eingepackt in den Mantel, in einen erschöpften Schlaf fallen lassend, während an der Fensterluke sich ein bunter Vogel niederließ und neugierig in die Zelle sah.
Die Zeit der Ruhe würde zeigen, wie viel Kraft sie wieder gesammelt hätte...bis zum nächsten Mal.
Zuletzt geändert von Leah Katuri am Montag 17. November 2008, 22:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Carmen Morales
Donner ... dann das zerbersten von Glas gefolgt von dem gewaltigen Rauschen einer mächtigen Brandung eines noch viel mächtigeren Meeres. Der nur allzubekannte Geruch von Schwefel mischte sich in die sonst so angenehme Seeluft. Hoch oben auf einer Klippe direkt über dem Meer in dem La Cabeza ''schwamm'' konnte man die zierlich agile Gestalt einer jungen Frau erkennen, welche nur durch das gedämpft Licht zweier Fackeln erhellt wurde. Um sie herum standen unzählige Flaschen welche auf dem Etikett nur mit drei einfachen X´en gekennzeichnet waren. Manche davon voll, viele davon Leer.
"Piratenrum" wie man den Inhalt jener Flaschen weitläufig nannte, war das Beste wenn man sich trübe Gedanken buchstäblich aus dem Kopf brennen wollte. Erneut griff sie eine Flasche welche schon gut geleert war und nahm einen guten Schluck daraus. "Elender Scheisskerl ..." murrte sie, als sie die Flasche in den nächtlichen Himmel über den Rand der Klippe hinausbugsierte. Die Pistole welche trotz ihres stark alkoholisierten Zustandes erstaunlich ruhig gehalten wurde, folgte den Flug der Flasche, bis jene sich fast völlig dem kleinen Lichtradius den Fackeln und Mondschein bildeten entzogen hatte, dann drückte sie ab. Erneut donnerte der Pistolenschoss über die Klippe ging aber in den Rauschen des Kliffs unter. Sie musste hicksen und als würde dies die Kraft aus ihren Beinen rauben plumpste Carmen auf ihr Hinterteil, den Blick fahrig über die noch übrig gebliebenen Flaschen fahren lassend, bevor sie in das Beutelchen mit den vielen kleinen Kugeln griff um mit einer weiteren ihre Pistole nachzuladen. Der glasige Blick heftete sich auf den Lauf der Pistole den sie völlig Gedankenversunken anstarrte.
Wie weit war es gekommen ... und dabei hatte alles sogut angefangen ...
Carmen war in den Katakomben gewesen. Einen Ort den sie eigentlich verabscheute. Es stank modrig und ihnen taumelten nur die Überreste irgendwelcher Hexer die wohl einmal Akorither hiessen, herum, als lebende Tote. Und doch, die Schätze jener Katakomben zogen sie immer und immer wieder an diesen Ort. So auch dieses mal, als ihr eine gepanzerte Gestalt einer Kriegerin entgegentrat. Offensichtlich traute oder wollte sie die in Knochenpanzer und Ledergehüllte Gestalt von Carmen nicht aus den Höhlen vertreiben, einen Plan den Carmen umgekehrt durchaus verfolgte. Sie hasste es durch diese modrigen Gänge zu schleichen und den Untoten ihr silbernes Entermesser in die Rippen zu jagen, wenn sie noch welche hatten. Und das einzige was das noch schlimmer machen konnte, war durch die modrigen Gänge zu schleichen indenen es nichtmal Untote gab, denen man das Messer in die Rippen jagen konnte und ohne diese Unwesen auch keine Schätze.
Die einzige Option dies also zu verhindern war entweder sich mit der Kriegerin zu verbünden und gemeinsam hier durchzulaufen oder aber sie los zu werden. Carmen entschied sich für letzteres, sie war nicht in der Stimmung ihre Beute erneut aufzuteilen, doch der Mut oder Waagemut jener Kriegerin schien unerschöpflich. Weder gutes zureden, noch versteckte Drohungen halfen sie in ihrer Absicht sich durch diese Höhlen zu kämpfen zu beeinflussen.
Selbst als sie ihr mehr oder minder offen drohte ihr in den Rücken zu fallen, liess sie sich nicht erschüttern. Und um ihr dies deutlich zu demonstrieren Schritt sie gemächlich und langsam an der mit dem Entermesser bewaffneten Gestalt Carmens vorbei. Doch just in diesem Augenblick gelang es Carmen etwas zu erspähen was ihr Interesse weckte. Die Rüstung, welche jene Kriegerin trug und ganz besonders die Schwertscheide waren alle mit dem Adelswappen derer von Elbenau geschmückt. Ein Adelshaus das sowieso im Augenmerk ihres Interesses lag, überlegte sie doch schon so manches mal ob es einem nicht gelingen konnte die frisch vermählte Gemahlin des Grafen in ihre Finger zu bekommen um ein stattliches Lösegeld zu erpressen. Das hier, war gewiss nicht jene Frau, aber es war ein Anfang.
Die Gedanken in ihren Kopf überschlugen sich, wie konnte sie an jene herankommen? Sollte sie einen Kampf riskieren? Ihr vielleicht wirklich in den Rücken schiessen? Sie Überfallen während sie mit den Unwesen kämpfte? verdammt es gab zuviele Möglichkeiten und bevor sie sich für eine Entschieden hatte, wäre jene Kriegerin schon davongestapft, sie musste Sie aufhalten.
"Temora wird euch hoffentlich bald den rechten Weg weisen.." hatte die Kriegerin gesprochen. Temora ... das war es ... Wie schon sooft setzte sie alles auf eine Karte ...
"Nen Scheiss wird sie ...", die Kriegerin hielt inne, Treffer!
Es folgte ein weiteres, für Carmen belangloses Gespräch über Tugenden der Lichtbringerin, während Carmen in ihrem Kopf die Möglichkeiten durchging, bis ... ja bis das Schicksal es einmal gut mit ihr meinte und Gracia, jene unerschrockene und waagemutige Piratin um die Ecke bog und auf die beiden zuhielt. Schnell grüßte Carmen sie so, dass sie ihr deutlich machte, wer unter der Knochenmaske steckte. Mit Gracias Hilfe würde es ein Kinderspiel werden. Wie eine Erleuchtung, eine Offenbarung formte sich die so einfache Idee in ihrem Kopf.
Carmen zog ihre Muskete vom Rücken und wendete sich von Gracia um die vor ihr stand und richtete die Waffe auf die Kriegerin.
Sie hatte ihr gesagt, dass es hier unten gefährlich war, wie gefährlich sollte sich für die junge Frau in der Plattenrüstung bald beweisen, als nach kurzem Wortgeplänkel schon die ersten Schüsse durch die Katakomben krachten. Weitere Schüsse folgten und die tapfere Kriegerin, sank ohne wirklich zu begreifen was passiert war an Bein und Schulter getroffen zu Boden. Routiniert machten sich beide Piratinen daran, sie zu entwaffnen und ihr ein Großteil ihrer Rüstung abzunehmen. Hilflos, musste die Kriegerin die nicht gerade sanfte Behandlung der beiden Frauen über sich ergehen lassen, bis ihr schliesslich Hände gebunden, Mund geknebelt und die Augen verbunden waren. Sie war gefangen ... und damit der erste Teil einer erfolgreichen Entführung abgeschlossen.
Der Transport sollte sich als so einfach herausstellen wie Carmen es gehofft hatte. Niemand fragte nach wenn 2 Frauen einen gefesselten, Knochenbehelmten durch Bajard abführten. Niemand interessierte dies. Das sich darunter kein Möchtegernräuber sondern eine Gefangene aus dem Hause von Elbenau verbarg ahnte niemand und so erreichten sie ungehindert das Schiff und mit diesem La Cabeza, wo sie die Kriegerin in eine Zelle sperrten nachdem man sie ihrer ganzen restlichen Habe als auch der Kugeln in Bein und Schultern entledigt hatte.
Ein Moment indem Carmen froh war bei Pedro, dem Schiffsheiler der Blutroten Maid oft genug zugeguckt zu haben, als er die Piraten nach einem Feuergefecht auf See wieder zusammenflicken musste.
Gewiss, war eine Behandlung von einem Heiler weitaus effektiver aber zumindest würde Leah, wie sie sich nannte, die Tage bis zur Lösegeldforderung überstehen.
Alles, wirklich alles lief Perfekt ... bis Criss auftauchte. Dieses windige Wiesel hatte scheinbar ein Gespühr dafür wann es etwas zu hohlen gab und Carmen wartete nur darauf, mit welchem raffinierten Trick er es diesmal zu schaffen hoffte, in den Coup einzusteigen und sich sein Stück davon abschneiden zu können. Doch es gab keinen Trick, nur die schlichte Feststellung das er nun dabei währe.
Das konnte nicht sein Ernst sein, nein so tolldreist war er noch nicht. Sicher die Zeit auf der Witwe hatte ihn stark verändert. So stark dass sie ihn kaum widererkannte, aber ein solchen Drecksack konnte sie noch nicht aus ihm gemacht haben ... Hoffnung die sich in bittere Enttäuschung wandeln sollte, als er ihr draussen seine Pistole auf die Brust setzte.
"Sie hat mein Gesicht gesehen, damit bin ich mit dabei..." ...
Rauschen ... doch nicht das vertraute Rauschen des Meeres, sondern ihres eigenen Blutes, war es dass sie vernahm als es vor Wut zu kochen begann und durch ihren Körper jagte. In Bruchteilen von Sekunden hatten Instinkt und Erfahrung die Kontrolle übernommen und nur im Bruchteil eines Augenblickes hatte sie ihre Pistole ebenso auf seine Brust gesetzt ... Patt. Und doch änderte dieses Patt alles. Die Pistole, etwas das Carmens Leben bestimmte, war für Sie schon immer die "Klinge" die eine klare Trennlinie in der Welt zog. Es gab nur 2 Seiten, die Seite hinter und die Seite vor dem Lauf. Alles was hinter dem Lauf stand war ein Verbündeter, alles davor ein Feind. Nie hätte sie gedacht das Criss einmal am falschen Ende des Laufes stehen würde und doch war es passiert. In diesem Augenblick zählte nichts mehr, ihre Gemeinse Zeit auf der Blutroten Maid, die guten und schlechten Zeiten die sie geteilt und gemeinsam erlebt hatten oder die leidenschaftlichen Nächte welche sie verbracht hatten. Criss, welcher ihr großspurig offierierte er sei ihr einzigster "Freund" den sie noch hatte, zeigte nun sein wahres Gesicht. So unglaublich mühevoll, eigentlich unmöglich es war bei jemanden wie Carmen den Sprung von Feind auf Freund zu schaffen, so unglaublich leicht war es jedoch anders herum. Binnen weniger Augenblicke, sah sie in Criss nicht mehr den Criss von damals. Der Criss von damals hätte nicht die Pistole auf sie gerichtet um sich unrechtmässig an ihrer Beute zu beteiligen. Das hier, war nur ein widerlicher gieriger Pirat, der den Untergang der schwarzen Witwe überlebt hatte und zufällig Ähnlichkeit mit Criss von damals hatte, ein Feind ... nichts weiter. Ein Feind der versuchte sie übers Ohr zu hauen. Doch dafür hatte er sich definitiv die falche Frau ausgesucht. Der Finger am abzuckt zuckte nervös, selbst wenn er nun abdrückte, sie würde ihn mitnehmen, das schwor sie sich. Niemand brachte sie um ihre Beute, und er am allerwenigsten ...
Doch dann nahm er die Pistole herunter und ging .. wutentbrannt.
Noch einen Moment lang zielte sie mit der Pistole am ausgestreckten Arm hinter ihm her, doch schluckte die Dunkelheit der Nacht ihn schnell, zu schnell um noch ein Ziel abzugeben und dann ... war es vorbei.
Und sie merkte wieder einmal, dass die alten Zeiten vorbei waren ... alle die geblieben waren, war sie selbst ... sie war allein und sie würde es bleiben ...
"Piratenrum" wie man den Inhalt jener Flaschen weitläufig nannte, war das Beste wenn man sich trübe Gedanken buchstäblich aus dem Kopf brennen wollte. Erneut griff sie eine Flasche welche schon gut geleert war und nahm einen guten Schluck daraus. "Elender Scheisskerl ..." murrte sie, als sie die Flasche in den nächtlichen Himmel über den Rand der Klippe hinausbugsierte. Die Pistole welche trotz ihres stark alkoholisierten Zustandes erstaunlich ruhig gehalten wurde, folgte den Flug der Flasche, bis jene sich fast völlig dem kleinen Lichtradius den Fackeln und Mondschein bildeten entzogen hatte, dann drückte sie ab. Erneut donnerte der Pistolenschoss über die Klippe ging aber in den Rauschen des Kliffs unter. Sie musste hicksen und als würde dies die Kraft aus ihren Beinen rauben plumpste Carmen auf ihr Hinterteil, den Blick fahrig über die noch übrig gebliebenen Flaschen fahren lassend, bevor sie in das Beutelchen mit den vielen kleinen Kugeln griff um mit einer weiteren ihre Pistole nachzuladen. Der glasige Blick heftete sich auf den Lauf der Pistole den sie völlig Gedankenversunken anstarrte.
Wie weit war es gekommen ... und dabei hatte alles sogut angefangen ...
Carmen war in den Katakomben gewesen. Einen Ort den sie eigentlich verabscheute. Es stank modrig und ihnen taumelten nur die Überreste irgendwelcher Hexer die wohl einmal Akorither hiessen, herum, als lebende Tote. Und doch, die Schätze jener Katakomben zogen sie immer und immer wieder an diesen Ort. So auch dieses mal, als ihr eine gepanzerte Gestalt einer Kriegerin entgegentrat. Offensichtlich traute oder wollte sie die in Knochenpanzer und Ledergehüllte Gestalt von Carmen nicht aus den Höhlen vertreiben, einen Plan den Carmen umgekehrt durchaus verfolgte. Sie hasste es durch diese modrigen Gänge zu schleichen und den Untoten ihr silbernes Entermesser in die Rippen zu jagen, wenn sie noch welche hatten. Und das einzige was das noch schlimmer machen konnte, war durch die modrigen Gänge zu schleichen indenen es nichtmal Untote gab, denen man das Messer in die Rippen jagen konnte und ohne diese Unwesen auch keine Schätze.
Die einzige Option dies also zu verhindern war entweder sich mit der Kriegerin zu verbünden und gemeinsam hier durchzulaufen oder aber sie los zu werden. Carmen entschied sich für letzteres, sie war nicht in der Stimmung ihre Beute erneut aufzuteilen, doch der Mut oder Waagemut jener Kriegerin schien unerschöpflich. Weder gutes zureden, noch versteckte Drohungen halfen sie in ihrer Absicht sich durch diese Höhlen zu kämpfen zu beeinflussen.
Selbst als sie ihr mehr oder minder offen drohte ihr in den Rücken zu fallen, liess sie sich nicht erschüttern. Und um ihr dies deutlich zu demonstrieren Schritt sie gemächlich und langsam an der mit dem Entermesser bewaffneten Gestalt Carmens vorbei. Doch just in diesem Augenblick gelang es Carmen etwas zu erspähen was ihr Interesse weckte. Die Rüstung, welche jene Kriegerin trug und ganz besonders die Schwertscheide waren alle mit dem Adelswappen derer von Elbenau geschmückt. Ein Adelshaus das sowieso im Augenmerk ihres Interesses lag, überlegte sie doch schon so manches mal ob es einem nicht gelingen konnte die frisch vermählte Gemahlin des Grafen in ihre Finger zu bekommen um ein stattliches Lösegeld zu erpressen. Das hier, war gewiss nicht jene Frau, aber es war ein Anfang.
Die Gedanken in ihren Kopf überschlugen sich, wie konnte sie an jene herankommen? Sollte sie einen Kampf riskieren? Ihr vielleicht wirklich in den Rücken schiessen? Sie Überfallen während sie mit den Unwesen kämpfte? verdammt es gab zuviele Möglichkeiten und bevor sie sich für eine Entschieden hatte, wäre jene Kriegerin schon davongestapft, sie musste Sie aufhalten.
"Temora wird euch hoffentlich bald den rechten Weg weisen.." hatte die Kriegerin gesprochen. Temora ... das war es ... Wie schon sooft setzte sie alles auf eine Karte ...
"Nen Scheiss wird sie ...", die Kriegerin hielt inne, Treffer!
Es folgte ein weiteres, für Carmen belangloses Gespräch über Tugenden der Lichtbringerin, während Carmen in ihrem Kopf die Möglichkeiten durchging, bis ... ja bis das Schicksal es einmal gut mit ihr meinte und Gracia, jene unerschrockene und waagemutige Piratin um die Ecke bog und auf die beiden zuhielt. Schnell grüßte Carmen sie so, dass sie ihr deutlich machte, wer unter der Knochenmaske steckte. Mit Gracias Hilfe würde es ein Kinderspiel werden. Wie eine Erleuchtung, eine Offenbarung formte sich die so einfache Idee in ihrem Kopf.
Carmen zog ihre Muskete vom Rücken und wendete sich von Gracia um die vor ihr stand und richtete die Waffe auf die Kriegerin.
Sie hatte ihr gesagt, dass es hier unten gefährlich war, wie gefährlich sollte sich für die junge Frau in der Plattenrüstung bald beweisen, als nach kurzem Wortgeplänkel schon die ersten Schüsse durch die Katakomben krachten. Weitere Schüsse folgten und die tapfere Kriegerin, sank ohne wirklich zu begreifen was passiert war an Bein und Schulter getroffen zu Boden. Routiniert machten sich beide Piratinen daran, sie zu entwaffnen und ihr ein Großteil ihrer Rüstung abzunehmen. Hilflos, musste die Kriegerin die nicht gerade sanfte Behandlung der beiden Frauen über sich ergehen lassen, bis ihr schliesslich Hände gebunden, Mund geknebelt und die Augen verbunden waren. Sie war gefangen ... und damit der erste Teil einer erfolgreichen Entführung abgeschlossen.
Der Transport sollte sich als so einfach herausstellen wie Carmen es gehofft hatte. Niemand fragte nach wenn 2 Frauen einen gefesselten, Knochenbehelmten durch Bajard abführten. Niemand interessierte dies. Das sich darunter kein Möchtegernräuber sondern eine Gefangene aus dem Hause von Elbenau verbarg ahnte niemand und so erreichten sie ungehindert das Schiff und mit diesem La Cabeza, wo sie die Kriegerin in eine Zelle sperrten nachdem man sie ihrer ganzen restlichen Habe als auch der Kugeln in Bein und Schultern entledigt hatte.
Ein Moment indem Carmen froh war bei Pedro, dem Schiffsheiler der Blutroten Maid oft genug zugeguckt zu haben, als er die Piraten nach einem Feuergefecht auf See wieder zusammenflicken musste.
Gewiss, war eine Behandlung von einem Heiler weitaus effektiver aber zumindest würde Leah, wie sie sich nannte, die Tage bis zur Lösegeldforderung überstehen.
Alles, wirklich alles lief Perfekt ... bis Criss auftauchte. Dieses windige Wiesel hatte scheinbar ein Gespühr dafür wann es etwas zu hohlen gab und Carmen wartete nur darauf, mit welchem raffinierten Trick er es diesmal zu schaffen hoffte, in den Coup einzusteigen und sich sein Stück davon abschneiden zu können. Doch es gab keinen Trick, nur die schlichte Feststellung das er nun dabei währe.
Das konnte nicht sein Ernst sein, nein so tolldreist war er noch nicht. Sicher die Zeit auf der Witwe hatte ihn stark verändert. So stark dass sie ihn kaum widererkannte, aber ein solchen Drecksack konnte sie noch nicht aus ihm gemacht haben ... Hoffnung die sich in bittere Enttäuschung wandeln sollte, als er ihr draussen seine Pistole auf die Brust setzte.
"Sie hat mein Gesicht gesehen, damit bin ich mit dabei..." ...
Rauschen ... doch nicht das vertraute Rauschen des Meeres, sondern ihres eigenen Blutes, war es dass sie vernahm als es vor Wut zu kochen begann und durch ihren Körper jagte. In Bruchteilen von Sekunden hatten Instinkt und Erfahrung die Kontrolle übernommen und nur im Bruchteil eines Augenblickes hatte sie ihre Pistole ebenso auf seine Brust gesetzt ... Patt. Und doch änderte dieses Patt alles. Die Pistole, etwas das Carmens Leben bestimmte, war für Sie schon immer die "Klinge" die eine klare Trennlinie in der Welt zog. Es gab nur 2 Seiten, die Seite hinter und die Seite vor dem Lauf. Alles was hinter dem Lauf stand war ein Verbündeter, alles davor ein Feind. Nie hätte sie gedacht das Criss einmal am falschen Ende des Laufes stehen würde und doch war es passiert. In diesem Augenblick zählte nichts mehr, ihre Gemeinse Zeit auf der Blutroten Maid, die guten und schlechten Zeiten die sie geteilt und gemeinsam erlebt hatten oder die leidenschaftlichen Nächte welche sie verbracht hatten. Criss, welcher ihr großspurig offierierte er sei ihr einzigster "Freund" den sie noch hatte, zeigte nun sein wahres Gesicht. So unglaublich mühevoll, eigentlich unmöglich es war bei jemanden wie Carmen den Sprung von Feind auf Freund zu schaffen, so unglaublich leicht war es jedoch anders herum. Binnen weniger Augenblicke, sah sie in Criss nicht mehr den Criss von damals. Der Criss von damals hätte nicht die Pistole auf sie gerichtet um sich unrechtmässig an ihrer Beute zu beteiligen. Das hier, war nur ein widerlicher gieriger Pirat, der den Untergang der schwarzen Witwe überlebt hatte und zufällig Ähnlichkeit mit Criss von damals hatte, ein Feind ... nichts weiter. Ein Feind der versuchte sie übers Ohr zu hauen. Doch dafür hatte er sich definitiv die falche Frau ausgesucht. Der Finger am abzuckt zuckte nervös, selbst wenn er nun abdrückte, sie würde ihn mitnehmen, das schwor sie sich. Niemand brachte sie um ihre Beute, und er am allerwenigsten ...
Doch dann nahm er die Pistole herunter und ging .. wutentbrannt.
Noch einen Moment lang zielte sie mit der Pistole am ausgestreckten Arm hinter ihm her, doch schluckte die Dunkelheit der Nacht ihn schnell, zu schnell um noch ein Ziel abzugeben und dann ... war es vorbei.
Und sie merkte wieder einmal, dass die alten Zeiten vorbei waren ... alle die geblieben waren, war sie selbst ... sie war allein und sie würde es bleiben ...
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Leah Katuri
„Kopf ... und ich lasse dich gehen wenn die Summe bezahlt ist .... Zahl ... und ich nehme das Gold und behalte dich hier... klingt fair finde ich.“
Wieder und wieder formten die Lippen lautlose Worte, während ein Plitschen durch den Raum drang. Es ging nicht anders, sie musste einen der Wasserkrüge benutzen, um die Binde zu säubern, auszuwringen. Der Trank hatte nur die halbe Nacht gewirkt und langsam, beständig spürte sie die Hitze in sich aufkommen, das erste wehrhafte Fieber sich entwickeln, die ersten Schweißperlen auf der Stirn abperlend. Temora ist Licht, Temora ist Stärke,...zu oft hatte sie die Worte immer und immer wieder im Kopf gesprochen, um Ruhe zu finden, Mut. Das Spiel mit der Münze...
Es hatte mit diese Kerl begonnen, der mit José aufgetaucht war. Ein Spielchen, ein Test, wie sehr ihre Göttin es gut mit ihr meinte. Ein Spiel um das Schicksal. Sie wusste, dass eine Göttin nicht spielte, verabscheute den Gedanken daran, dass man um Leben würfeln könnte...Sie wollten nicht ihre Worte hören, verdrehten sie ungeschickt und zu ihrem Vorteil. Nur kurz musste sie an den Abend in der Höhle denken, an die vielen prasselnden Wörter des Brudermörders, die damals auf sie eindrangen. Doch jene hier...sie waren voller Selbstsinn, Egoismus und Zynismus. Solche Wörter für bare Münze zu nehmen wäre glatte Verleumndung gewesen, eine blanke Lüge. Vor allem, wenn sie sogar Münzen benutzten, die falsch waren, nur ein Motiv anzeigten. Sein Hereintreten in die Zelle...Sie erinnerte sich noch zu gut an den Kerl am Abend zuvor, die Worte. Und auch jener, mit diesem fiesen Grinsen, den Drohungen zuvor. Sie nahm sie nicht ernst, doch genausogut wollte sie nicht einfach willig und brav vor ihm stehen. Der Krug, das Geräusch des Wassers in seinem Gesicht, der Aufprall und das folgende Gerangel. Alles entstand aus einem Impuls, einer Möglichkeit, die sie sah und nutzen wollte. Sie hätte im nächsten Griff einfach nur nach diesem Wunderding greifen müssen in seiner Manteltasche, einfach nur danach greifen und dem Schritt der Flucht näher kommend. Bis der Schmerz auftauchte, das Knallen um sie herum und es ihr die Tränen in die Augen trieb, so sehr ziehte es...
Die feuchte Binde wurde wieder fest um den Oberschenkel gebunden, etwas fester als zuvor, um den Druck auf der Stelle zu erhöhen. Noch immer hatte es nicht aufgehört zu bluten, auch wenn es schon wesentlich weniger war. Angestrengt stieß sie die Luft aus, während der Blick ein weiteres Mal durch den Raum ging. Kopf...und ich lasse dich gehen. Zahl...ich behalte dich hier. Sie wollte sich mit dem Gedanken nicht anfreunden, wollte es nicht glauben. Sie spielt sicher nur mit dir, will dich verunsichern...Und wenn nicht? Wenn sie wirklich nur den Spaß in der Sache fand? Sie für sie das perfekte Spielzeug war. Unruhig fuhr sie sich die Haare aus dem Gesicht und nahm vom übrig gebliebenen, sauberen Wasser einen Schluck. José sprach von Zeit, die sie hatte, von Geduld, die kein anderer Mensch kannte....und einem Wahnsinn in so einer Zelle. Vehement verdrängte sie den Gedanken der gehörten Worte, während das Wasser die Kehle runterrann; es reichte schon, dass alles irgendwie schmerzte. Das Schlafen erinnerte sie fast an ihre Zeit in den Wäldern, dennoch war der Steinboden etwas ganz anderes. Die Geräusche um sie herum waren fremd, anders, die Gerüche so verschieden. Selbst das Meer...es hörte sich so grollend, so wütend an. Kurz ging ein schwaches Lächeln über die Lippen. Ja, sie redete sich diese Insel zumindest so schlecht, wie es nur irgend möglich ging. Man würde sicher keinen Spaß mit ihr haben; sie hatte es José gesagt, sie gewarnt. Doch keiner ihrer Wörter zeigte Wirkung, zeigte eine Reaktion, wo sie weiterbohren hätte können. Nein...purer Egoismus, reiner Selbstnutzen stand nur in der Miene. Sie fragte sich, was alles mit dieser Frau passieren musste, dass sie so geworden war. Sie war doch kaum älter als sie, wenn nicht gar jünger. Sie sprach von Gesetzen der Strasse, eigenen Regeln, sich Selbst dem Nächsten zu sein. Hätte die richtige Person sie an die Hand genommen, wäre sie dann eine Andere heute? Hätte man ihr helfen können? Vielleicht...
Ihr Blick festigte sich wieder auf den Steinboden, um dort die Goldmünze zu betrachten, die vom Vormittagslicht beleuchtet wurde. Sie hatte sie die ganze Nacht nicht angerührt, sie wie ein Mahnmal fast dort liegen lassen. Kopf oder Zahl...wie eine Münze doch über ein Schicksal entscheiden kann...Die Wörter Josés tauchten auf und verschwammen wieder, während ein Ziehen im Oberschenkel ihr aufzeigte, dass etwas von der Feuchtigkeit in die Wunde getreten war. Angestrengt stieß sie die Luft aus, die Lippen angespannt aufeinanderpressend. Nein, die Münze hätte noch lange nicht entschieden und sei es, eine Infektion würde Josés Sieg vereiteln.
Die Münze hatte entschieden, sie...wollte es nicht sehen: Zahl.
Wieder und wieder formten die Lippen lautlose Worte, während ein Plitschen durch den Raum drang. Es ging nicht anders, sie musste einen der Wasserkrüge benutzen, um die Binde zu säubern, auszuwringen. Der Trank hatte nur die halbe Nacht gewirkt und langsam, beständig spürte sie die Hitze in sich aufkommen, das erste wehrhafte Fieber sich entwickeln, die ersten Schweißperlen auf der Stirn abperlend. Temora ist Licht, Temora ist Stärke,...zu oft hatte sie die Worte immer und immer wieder im Kopf gesprochen, um Ruhe zu finden, Mut. Das Spiel mit der Münze...
Es hatte mit diese Kerl begonnen, der mit José aufgetaucht war. Ein Spielchen, ein Test, wie sehr ihre Göttin es gut mit ihr meinte. Ein Spiel um das Schicksal. Sie wusste, dass eine Göttin nicht spielte, verabscheute den Gedanken daran, dass man um Leben würfeln könnte...Sie wollten nicht ihre Worte hören, verdrehten sie ungeschickt und zu ihrem Vorteil. Nur kurz musste sie an den Abend in der Höhle denken, an die vielen prasselnden Wörter des Brudermörders, die damals auf sie eindrangen. Doch jene hier...sie waren voller Selbstsinn, Egoismus und Zynismus. Solche Wörter für bare Münze zu nehmen wäre glatte Verleumndung gewesen, eine blanke Lüge. Vor allem, wenn sie sogar Münzen benutzten, die falsch waren, nur ein Motiv anzeigten. Sein Hereintreten in die Zelle...Sie erinnerte sich noch zu gut an den Kerl am Abend zuvor, die Worte. Und auch jener, mit diesem fiesen Grinsen, den Drohungen zuvor. Sie nahm sie nicht ernst, doch genausogut wollte sie nicht einfach willig und brav vor ihm stehen. Der Krug, das Geräusch des Wassers in seinem Gesicht, der Aufprall und das folgende Gerangel. Alles entstand aus einem Impuls, einer Möglichkeit, die sie sah und nutzen wollte. Sie hätte im nächsten Griff einfach nur nach diesem Wunderding greifen müssen in seiner Manteltasche, einfach nur danach greifen und dem Schritt der Flucht näher kommend. Bis der Schmerz auftauchte, das Knallen um sie herum und es ihr die Tränen in die Augen trieb, so sehr ziehte es...
Die feuchte Binde wurde wieder fest um den Oberschenkel gebunden, etwas fester als zuvor, um den Druck auf der Stelle zu erhöhen. Noch immer hatte es nicht aufgehört zu bluten, auch wenn es schon wesentlich weniger war. Angestrengt stieß sie die Luft aus, während der Blick ein weiteres Mal durch den Raum ging. Kopf...und ich lasse dich gehen. Zahl...ich behalte dich hier. Sie wollte sich mit dem Gedanken nicht anfreunden, wollte es nicht glauben. Sie spielt sicher nur mit dir, will dich verunsichern...Und wenn nicht? Wenn sie wirklich nur den Spaß in der Sache fand? Sie für sie das perfekte Spielzeug war. Unruhig fuhr sie sich die Haare aus dem Gesicht und nahm vom übrig gebliebenen, sauberen Wasser einen Schluck. José sprach von Zeit, die sie hatte, von Geduld, die kein anderer Mensch kannte....und einem Wahnsinn in so einer Zelle. Vehement verdrängte sie den Gedanken der gehörten Worte, während das Wasser die Kehle runterrann; es reichte schon, dass alles irgendwie schmerzte. Das Schlafen erinnerte sie fast an ihre Zeit in den Wäldern, dennoch war der Steinboden etwas ganz anderes. Die Geräusche um sie herum waren fremd, anders, die Gerüche so verschieden. Selbst das Meer...es hörte sich so grollend, so wütend an. Kurz ging ein schwaches Lächeln über die Lippen. Ja, sie redete sich diese Insel zumindest so schlecht, wie es nur irgend möglich ging. Man würde sicher keinen Spaß mit ihr haben; sie hatte es José gesagt, sie gewarnt. Doch keiner ihrer Wörter zeigte Wirkung, zeigte eine Reaktion, wo sie weiterbohren hätte können. Nein...purer Egoismus, reiner Selbstnutzen stand nur in der Miene. Sie fragte sich, was alles mit dieser Frau passieren musste, dass sie so geworden war. Sie war doch kaum älter als sie, wenn nicht gar jünger. Sie sprach von Gesetzen der Strasse, eigenen Regeln, sich Selbst dem Nächsten zu sein. Hätte die richtige Person sie an die Hand genommen, wäre sie dann eine Andere heute? Hätte man ihr helfen können? Vielleicht...
Ihr Blick festigte sich wieder auf den Steinboden, um dort die Goldmünze zu betrachten, die vom Vormittagslicht beleuchtet wurde. Sie hatte sie die ganze Nacht nicht angerührt, sie wie ein Mahnmal fast dort liegen lassen. Kopf oder Zahl...wie eine Münze doch über ein Schicksal entscheiden kann...Die Wörter Josés tauchten auf und verschwammen wieder, während ein Ziehen im Oberschenkel ihr aufzeigte, dass etwas von der Feuchtigkeit in die Wunde getreten war. Angestrengt stieß sie die Luft aus, die Lippen angespannt aufeinanderpressend. Nein, die Münze hätte noch lange nicht entschieden und sei es, eine Infektion würde Josés Sieg vereiteln.
Die Münze hatte entschieden, sie...wollte es nicht sehen: Zahl.
Zuletzt geändert von Leah Katuri am Montag 17. November 2008, 22:32, insgesamt 4-mal geändert.
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Cyrion Sha´Ar
Gischt spritzte hoch, während er zur Nase des Schiffes ging, den Blick auf die Küste gerichtet, die langsam Konturen annahm. Die Finger krallten sich in das Holz, die Knöchel weiss hervor tretend, die Miene bleich und ernst - aber es war keine Seekrankheit, mit der er zu kämpfen hatte. Zorn siedete in ihm, still und leise, seit er vernommen hatte, das sie entführt worden war. Ihm kamen die ersten Zeilen des Briefes in den Sinn, der ihm überreicht worden war. "Ahoi, ihr Landratten." Piraten... Piraten hatten sein Mädchen entführt. Die Götter allein wussten, wo sie jetzt war, wie es ihr erging. Eine Frau hatte den Brief und das Kistchen übergeben - eine Knochenrüstung - teils auch Leder... mehr hatte der Bote nicht ausrichten können. Eine Piratin..? Aber der Name, mit dem unterschrieben worden war, war Josè. Ein falscher Name? Möglich. Die Wahrscheinlichkeit, das die Piratin nicht alleine arbeitete? Hoch. Piraten waren selten alleine, zumeist als Horde unterwegs. Was wusste er noch? Nichts...
Das Kistchen hatte er nicht einsehen dürfen. Er vermutete, das es etwas, enthielt, das er nicht sehen durfte. Warum sonst ihm den Inhalt nennen, aber nicht zeigen? Nur weil das Sehen der Beweise einen solchen Impakt haben konnten, das man Fehler machte? Wie eine Wunde, die erst dann weh tat, wenn man das Blut sah? Die Lippen zusammen pressend wischte er diesen Gedanken fort. Nein, dafür waren auch sie zu versessen darauf gewesen, ihm die Kiste vorzuenthalten. Doch was konnte noch in der Kiste sein? Ein weiterer Beweis sicherlich. Einer der verdeutlichte, das sie es ernst meinten? Ein blutiges Taschentuch? Ein ausgerissener Nagel? Ihm wurde übel und erneut gruben sich seine Finger in das Seil, neben dem er stand. Der Blick verschärfte sich einmal mehr, dunkles Blau sammelte sich am Rand der Iris, als würde der Zorn die blaue Farbe aus dem Veilchenblau seiner Augen vertreiben, bis nur noch Violett übrig war. Kaltes leuchtendes Violett von Amethysten. Wenn diese Bastarde ihr etwas antaten, wenn sie es gar wagten, sie zu vergewaltigen - sie würden sterben. Er würde sie jagen, finden und schlicht ergreifend ermorden.
Tief einatmend zwang er sich, die Finger von dem Strick zu lösen, den Blick auf sich nähernde Küste zu richten. Nicht dran denken. Nicht Alatar an die Wand malen. Solange er keinen Beweiss hatte, würde er vermuten, das sie höchstens von der Entführung etwas angeschlagen war. Er musste Ruhe bewahren. Und zuhören...
Den Matrosen zuhören, die auf diesem Schiff waren. Den Leuten am Hafen zuhören. Lauschen, das er irgendwo die Worte Pirat oder Geisel aufschnappte. Oder gar den Namen Josè. Zuhören, sich nach Schusswaffen umsehen und abwarten. Mehr konnte er nicht tun zur Zeit, auch wenn ihn dieser Umstand frustrierte bis ins Mark!
Die Augen nichts sehend auf die Küste gerichtet, lauschte er. Gesprächsfetzen hier und da, geschäftige Leute, die sich über das Wetter und das Meer unterhielten. Nichts, was er brauchte. Vielleicht.... Vielleicht wusste Malachai etwas. Die Chance war zwar gering - Malachai kannte sich mehr mit dem Festland aus, nicht mit Halunken vom Meer - aber er hatte gewiss noch ein weites Spionagenetz, das ihm vielleicht Möglichkeiten gab, die er - Cyrion - nicht hatte. Und dann noch Khazkal. Er war häufig in Bajard. Möglich, das seine Leute, die gern auf der Grenze des Ehrbaren tanzten, Kontakt zu Piraten hatten. Er brauchte Namen... Namen von Piraten. Namen von vor allem weiblichen Piraten. Wenn möglich noch das Aussehen dazu, damit er sie auch ohne Namen fand. Möglich das ein weiblicher Pirat irgendwas... nein. Sie würden kein Erinerungsstück finden, das sie Leah klauen konnten - Leah hatte nur ein Schmuckstück und das war die Kette, die bei den Elbenaus in der Kiste lag. Vielleicht ihre Waffen? Mit den Waffen, gesiegelt mit dem Wappen der Elbenaus, prahlen? >Hmm... Vielleicht...< Aber sicher war dies nicht. So wie nichts zur Zeit sicher war. Was tun, wenn man mit leeren Händen da stand? Keinen Anhaltspunkt hatte ausser: eine Piratenfrau. Und der Name Josè. Wieder presste er die Kiefer zusammen. Die Chancen waren gering. Aber er würde sehen, was er tun konnte. Würde nach Piraten suchen, bis er welche fand. Würde erst dann Ruhe geben, wenn sie sicher wieder zuhause war, sicher in seinen Armen lag... Die Lippen verzogen sich zu grummeligen Linie. Sicher in seinen Armen lag... Es würden ganze Epochen vergehen, ehe sie zuliess, das er sie umarmte, oder gar in seine Arme rannte. Er zuckte leicht mit dem Kopf, wischte diesen Gedanken fort. Wenigstens konnte er sagen, das sie stur genug war, um diesen verdammten Piraten einigen Ärger zu bereiten. Tief atmete er ein und richtete den Blick erneut auf die Küste, auf die Häuser, die er langsam ausmachen konnte. Er würde sehen, was diese Reise nach Lameriast einbrachte.
Verärgert ritt er vom Bajarder Hafen zu der Kneipe. Keiner seiner Freunde war da gewesen. Malachai irgendwo in der Weltgeschichte verschwunden. Khazkal mit einer Schar seiner Leute auf der Jagd. Er hatte Nachrichten hinterlassen. Bei Khazkal wusste er nicht, wie lange es dauern würde, bis er sich meldete. Bei Malachai war er sich sicher, das er selbst ihn aufsuchen würde, sobald er erfuhr, das Leah entführt worden war. Arsen würde es ihm sicher sofort ausrichten. Arsen... Cyr hatte, im Nachhinein betrachtet, Glück gehabt. Er hatte so sehr gehofft, Malachai zu sehen, dass er frustriert nach Arsens Arm gegriffen hatte, kaum das er ihn sah. Und das von hinten! Hätte er nicht vorher seinen Namen durch das Lager gerufen... Arsen hätte mit Sicherheit wie eine Viper reagiert. Und seinen Giftzahn, in Form eines vergifteten Dolches, in Cyrions Eingeweide gerammt. Was hatte er sich nur gedacht?! Cyrion schüttelte sein Haupt. Er musste sich konzentrieren, durfte nicht den Kopf verlieren! In der Akademie hatte er nichts erfahren, was ihm wirklich weiterhalf. Hier und da hatten die Leute schon Kontakt mit Piraten gehabt, aber nichts Handfestes, mit dem er etwas anfangen konnte. Wieder am Anfang... Wieder blieb ihm nur übrig, abzuwarten... Aber er konnte wenigstens in der Zwischenzeit in Bajard spionieren. Das war das einzige, was er tun konnte. Tief atmete er ein und stieg vom Pferd. Lauschte dem Gelächter, das aus der Taverne kam. Es war wieder einmal voll... Vielleicht würde er Glück haben und einige Piraten ausmachen können. Und was tun, wenn er welche fand? Drann bleiben... Drann bleiben, zuhören... und wenn nötig - und möglich - sie zum reden bringen.
Das Kistchen hatte er nicht einsehen dürfen. Er vermutete, das es etwas, enthielt, das er nicht sehen durfte. Warum sonst ihm den Inhalt nennen, aber nicht zeigen? Nur weil das Sehen der Beweise einen solchen Impakt haben konnten, das man Fehler machte? Wie eine Wunde, die erst dann weh tat, wenn man das Blut sah? Die Lippen zusammen pressend wischte er diesen Gedanken fort. Nein, dafür waren auch sie zu versessen darauf gewesen, ihm die Kiste vorzuenthalten. Doch was konnte noch in der Kiste sein? Ein weiterer Beweis sicherlich. Einer der verdeutlichte, das sie es ernst meinten? Ein blutiges Taschentuch? Ein ausgerissener Nagel? Ihm wurde übel und erneut gruben sich seine Finger in das Seil, neben dem er stand. Der Blick verschärfte sich einmal mehr, dunkles Blau sammelte sich am Rand der Iris, als würde der Zorn die blaue Farbe aus dem Veilchenblau seiner Augen vertreiben, bis nur noch Violett übrig war. Kaltes leuchtendes Violett von Amethysten. Wenn diese Bastarde ihr etwas antaten, wenn sie es gar wagten, sie zu vergewaltigen - sie würden sterben. Er würde sie jagen, finden und schlicht ergreifend ermorden.
Tief einatmend zwang er sich, die Finger von dem Strick zu lösen, den Blick auf sich nähernde Küste zu richten. Nicht dran denken. Nicht Alatar an die Wand malen. Solange er keinen Beweiss hatte, würde er vermuten, das sie höchstens von der Entführung etwas angeschlagen war. Er musste Ruhe bewahren. Und zuhören...
Den Matrosen zuhören, die auf diesem Schiff waren. Den Leuten am Hafen zuhören. Lauschen, das er irgendwo die Worte Pirat oder Geisel aufschnappte. Oder gar den Namen Josè. Zuhören, sich nach Schusswaffen umsehen und abwarten. Mehr konnte er nicht tun zur Zeit, auch wenn ihn dieser Umstand frustrierte bis ins Mark!
Die Augen nichts sehend auf die Küste gerichtet, lauschte er. Gesprächsfetzen hier und da, geschäftige Leute, die sich über das Wetter und das Meer unterhielten. Nichts, was er brauchte. Vielleicht.... Vielleicht wusste Malachai etwas. Die Chance war zwar gering - Malachai kannte sich mehr mit dem Festland aus, nicht mit Halunken vom Meer - aber er hatte gewiss noch ein weites Spionagenetz, das ihm vielleicht Möglichkeiten gab, die er - Cyrion - nicht hatte. Und dann noch Khazkal. Er war häufig in Bajard. Möglich, das seine Leute, die gern auf der Grenze des Ehrbaren tanzten, Kontakt zu Piraten hatten. Er brauchte Namen... Namen von Piraten. Namen von vor allem weiblichen Piraten. Wenn möglich noch das Aussehen dazu, damit er sie auch ohne Namen fand. Möglich das ein weiblicher Pirat irgendwas... nein. Sie würden kein Erinerungsstück finden, das sie Leah klauen konnten - Leah hatte nur ein Schmuckstück und das war die Kette, die bei den Elbenaus in der Kiste lag. Vielleicht ihre Waffen? Mit den Waffen, gesiegelt mit dem Wappen der Elbenaus, prahlen? >Hmm... Vielleicht...< Aber sicher war dies nicht. So wie nichts zur Zeit sicher war. Was tun, wenn man mit leeren Händen da stand? Keinen Anhaltspunkt hatte ausser: eine Piratenfrau. Und der Name Josè. Wieder presste er die Kiefer zusammen. Die Chancen waren gering. Aber er würde sehen, was er tun konnte. Würde nach Piraten suchen, bis er welche fand. Würde erst dann Ruhe geben, wenn sie sicher wieder zuhause war, sicher in seinen Armen lag... Die Lippen verzogen sich zu grummeligen Linie. Sicher in seinen Armen lag... Es würden ganze Epochen vergehen, ehe sie zuliess, das er sie umarmte, oder gar in seine Arme rannte. Er zuckte leicht mit dem Kopf, wischte diesen Gedanken fort. Wenigstens konnte er sagen, das sie stur genug war, um diesen verdammten Piraten einigen Ärger zu bereiten. Tief atmete er ein und richtete den Blick erneut auf die Küste, auf die Häuser, die er langsam ausmachen konnte. Er würde sehen, was diese Reise nach Lameriast einbrachte.
Verärgert ritt er vom Bajarder Hafen zu der Kneipe. Keiner seiner Freunde war da gewesen. Malachai irgendwo in der Weltgeschichte verschwunden. Khazkal mit einer Schar seiner Leute auf der Jagd. Er hatte Nachrichten hinterlassen. Bei Khazkal wusste er nicht, wie lange es dauern würde, bis er sich meldete. Bei Malachai war er sich sicher, das er selbst ihn aufsuchen würde, sobald er erfuhr, das Leah entführt worden war. Arsen würde es ihm sicher sofort ausrichten. Arsen... Cyr hatte, im Nachhinein betrachtet, Glück gehabt. Er hatte so sehr gehofft, Malachai zu sehen, dass er frustriert nach Arsens Arm gegriffen hatte, kaum das er ihn sah. Und das von hinten! Hätte er nicht vorher seinen Namen durch das Lager gerufen... Arsen hätte mit Sicherheit wie eine Viper reagiert. Und seinen Giftzahn, in Form eines vergifteten Dolches, in Cyrions Eingeweide gerammt. Was hatte er sich nur gedacht?! Cyrion schüttelte sein Haupt. Er musste sich konzentrieren, durfte nicht den Kopf verlieren! In der Akademie hatte er nichts erfahren, was ihm wirklich weiterhalf. Hier und da hatten die Leute schon Kontakt mit Piraten gehabt, aber nichts Handfestes, mit dem er etwas anfangen konnte. Wieder am Anfang... Wieder blieb ihm nur übrig, abzuwarten... Aber er konnte wenigstens in der Zwischenzeit in Bajard spionieren. Das war das einzige, was er tun konnte. Tief atmete er ein und stieg vom Pferd. Lauschte dem Gelächter, das aus der Taverne kam. Es war wieder einmal voll... Vielleicht würde er Glück haben und einige Piraten ausmachen können. Und was tun, wenn er welche fand? Drann bleiben... Drann bleiben, zuhören... und wenn nötig - und möglich - sie zum reden bringen.
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Darna von Hohenfels
Nichts als abschätzige Verachtung konnte sie dafür übrig haben, als sie erfasst hatte, woher Saveas Unruhe rührte und was los war; was das Schreiben beinhaltete und die Kiste. Als Domenys' ihr dann noch die zweite Kiste aushändigte, mit deren Aufschrift "Isalf" sie in den ersten Momenten nichts anzufangen wusste, konnte sie sich ein eisig zynisches "Verspätete Hochzeitsgeschenke?" auch nicht verkneifen.
"Der Finger muß keineswegs echt sein, Savea", versuchte sie zunächst zu beruhigen, durchaus nachempfindend, wie ihre Hausdame, von Leah ins Vertrauen genommene Mentorin, sich gerade fühlen musste. "Jedenfalls nicht von Leah. Genausogut mag dieses Pack eine frisch verstorbene arme Seele verstümmelt haben, nur damit sie sich ach so skrupellos geben können."
Hatten diese Halunken aus Vanderas' Versuch und Schicksal nichts gelernt? Oder war es eher so, daß es müssig war, von diesen Leuten etwas wie eine Gemeinschaft zu erwarten, in der sich Erfahrungen weitergeben würden? Also immer wieder der gleiche Ärger, die gleichen Dummheiten... sie war es leid, auch wenn es ihr um Leah und das, was sie vermutlich gerade durchmachte, dabei leid tat.
Aber dieser Abschaum würde von ihr nicht einen müden Kupferheller sehen. Sie hatte genauso die Zahlung für ihre eigene Person trotz gewisser Rührung darüber nicht gutheißen können. Sie konnte Savea, Shaya und Selissa aber auch schlecht dafür schelten. Nur durfte dieser Fehler sich nicht wiederholen. Es war eine Lehre für die Piraten, daß solches Vorgehen also lukrativ war und damit eine große leuchtende Einladung, es mit jedem beliebigen Mitglied ihres Haushaltes zu wiederholen. Sie würden keine Ruhe mehr finden, und ihr stieg schon bei dem blanken Gedanken die Galle hoch, das mühsam erwirtschaftete Geld dann Verbrechern in den Rachen zu schmeißen.
NEIN.
Doch diesmal war keine Möglichkeit gegeben, von ihr aus mit den Entführern Kontakt aufzunehmen, wie bei Vandera. Vielleicht war das gut so. Zumindest sollte sie in ihrer momentanen dezent giftigen Laune kein Schreiben aufsetzen, um die Entführer davon zu überzeugen, daß sie für Leah kein Gold sehen würden.
"Fräulein Leah wurde als Wächterin meines Hauses angestellt, um meine Leute vor Leuten wie Euch zu schützen. Ihr glaubt doch nicht, daß eine Beschützerin, die sich selber stattdessen von solchem Lumpenpack fangen lässt, mir 50 Kronen wert ist?"
Doch mit solchen provokativen Formulierungen würde sie wohl nur noch eher herausfordern, daß man Leah etwas ernstes antat. Nein, es musste irgendwie subtilere Mittel und Wege geben.
"Informiert Lady Selissa, sobald sie anzutreffen ist - sie kennt sich am ehesten hier im Haus mit diesem Piratenpack aus. Und holt Herrn Sha'Ar her, wenn es geht."
Cyrion mochte Leahs "Galan" sein, wie Adrian es ausdrückte, aber umso höher würde seine Motivation sein, und dabei traute sie ihm zu, einen kühlen Kopf zu behalten. Als er sich einfand, überließ sie es Adrian und Savea, ihn zu informieren - stattdessen widmete sie sich der Kiste, die Shaya bereits so zugesetzt hatte, daß sie ihr einen Tee mit ordentlichem Schuß verpassten.
Isalf, Isalf...
zunächst konnte sie den Namen nicht einordnen, wusste nur, ihn zu kennen. Doch dann setzten sich lauter Bilder und Ereignisse binnen zweier Lidschläge zu einem grausamen Ergebnis zusammen, und sie überließ Leahs Schicksal zunächst anderen Händen, denen zu vertrauen war. Stattdessen verließ sie mit der einfachen Holzkiste das Anwesen, um seine Eminenz Sandroval aufzusuchen.
"Der Finger muß keineswegs echt sein, Savea", versuchte sie zunächst zu beruhigen, durchaus nachempfindend, wie ihre Hausdame, von Leah ins Vertrauen genommene Mentorin, sich gerade fühlen musste. "Jedenfalls nicht von Leah. Genausogut mag dieses Pack eine frisch verstorbene arme Seele verstümmelt haben, nur damit sie sich ach so skrupellos geben können."
Hatten diese Halunken aus Vanderas' Versuch und Schicksal nichts gelernt? Oder war es eher so, daß es müssig war, von diesen Leuten etwas wie eine Gemeinschaft zu erwarten, in der sich Erfahrungen weitergeben würden? Also immer wieder der gleiche Ärger, die gleichen Dummheiten... sie war es leid, auch wenn es ihr um Leah und das, was sie vermutlich gerade durchmachte, dabei leid tat.
Aber dieser Abschaum würde von ihr nicht einen müden Kupferheller sehen. Sie hatte genauso die Zahlung für ihre eigene Person trotz gewisser Rührung darüber nicht gutheißen können. Sie konnte Savea, Shaya und Selissa aber auch schlecht dafür schelten. Nur durfte dieser Fehler sich nicht wiederholen. Es war eine Lehre für die Piraten, daß solches Vorgehen also lukrativ war und damit eine große leuchtende Einladung, es mit jedem beliebigen Mitglied ihres Haushaltes zu wiederholen. Sie würden keine Ruhe mehr finden, und ihr stieg schon bei dem blanken Gedanken die Galle hoch, das mühsam erwirtschaftete Geld dann Verbrechern in den Rachen zu schmeißen.
NEIN.
Doch diesmal war keine Möglichkeit gegeben, von ihr aus mit den Entführern Kontakt aufzunehmen, wie bei Vandera. Vielleicht war das gut so. Zumindest sollte sie in ihrer momentanen dezent giftigen Laune kein Schreiben aufsetzen, um die Entführer davon zu überzeugen, daß sie für Leah kein Gold sehen würden.
"Fräulein Leah wurde als Wächterin meines Hauses angestellt, um meine Leute vor Leuten wie Euch zu schützen. Ihr glaubt doch nicht, daß eine Beschützerin, die sich selber stattdessen von solchem Lumpenpack fangen lässt, mir 50 Kronen wert ist?"
Doch mit solchen provokativen Formulierungen würde sie wohl nur noch eher herausfordern, daß man Leah etwas ernstes antat. Nein, es musste irgendwie subtilere Mittel und Wege geben.
"Informiert Lady Selissa, sobald sie anzutreffen ist - sie kennt sich am ehesten hier im Haus mit diesem Piratenpack aus. Und holt Herrn Sha'Ar her, wenn es geht."
Cyrion mochte Leahs "Galan" sein, wie Adrian es ausdrückte, aber umso höher würde seine Motivation sein, und dabei traute sie ihm zu, einen kühlen Kopf zu behalten. Als er sich einfand, überließ sie es Adrian und Savea, ihn zu informieren - stattdessen widmete sie sich der Kiste, die Shaya bereits so zugesetzt hatte, daß sie ihr einen Tee mit ordentlichem Schuß verpassten.
Isalf, Isalf...
zunächst konnte sie den Namen nicht einordnen, wusste nur, ihn zu kennen. Doch dann setzten sich lauter Bilder und Ereignisse binnen zweier Lidschläge zu einem grausamen Ergebnis zusammen, und sie überließ Leahs Schicksal zunächst anderen Händen, denen zu vertrauen war. Stattdessen verließ sie mit der einfachen Holzkiste das Anwesen, um seine Eminenz Sandroval aufzusuchen.
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Criss Fernandez
Die Möwen waren Nachts sehr viel ruhiger...
Das Brechen der Wellen in der Brandung....
Die steife, salzige Briese in dem Haar...
Dieser unendliche Ozean..die elende Hure wie sie oft genannt wurde...
Irgendwo dort, im Sand, saß ein Mann und sah den Wellen bei ihrem ewigen Spiel zu.
Criss sah auf die Waffe in seiner Hand. Selbst im Mondlicht glänze die goldene Plaquette die auf den Lauf geschmiedet worden war. Ein Name hob sich dunkler durch die Gravur darauf ab, "Monique".
Das war seine Pistole. Er trug sie schon lange..sehr lange sogar.
Für einen Mann wie ihn, einen Mann mit seinem Leben war es schon eine Ewigkeit.
Selbst der Sand an den Füssen fühlte sich irgendwie Falsch an. Sogar das Funkeln der Sterne am Nachthimmel das er nun schon die zweite Nacht beobachtete.
Damals war alles irgendwie einfach gewesen. Damals als er Carmen getroffen hatte. Die See war seine Zeugin, sie war ein bildschöner Teufel der See. Ein Mann wie Criss hätte ihr nicht wiederstehen können - nichtmal wenn er gewollt hätte. Carmen war seine Freundin, viele Jahre.
Die Jahre auf der Blutroten Maid. Das schien nun alles ein Leben entfernt.
Carmen gab vor nicht verstanden zu haben und mittlerweile musste er sich fragen ob es wirklich so war. Ob sie wirklich nicht begriffen hatte, warum er damals gegangen war. Warum für ihn mit dieser Entscheidung die Hölle auf See begann. Seine Goldenen Zeiten aber auch seine schlimmsten Albträume.
Er war wegen Carmen gegangen. Wegen etwas das er ihr nie gesagt hatte und das seine Lippen nichtmal verlassen hatte wenn er alleine war. Es war etwas das unausgesprochen bleiben sollte um so den Schritt bis zur Realität nicht zu schaffen. Er hätte es nicht ertragen.
"Deine eigene Schwäche, Criss...."
Aber verraten?...Nein, er hatte sie nicht verraten. Er hatte sie beide vor einem schlimmen Fehler und einem noch viel schlimmeren Erwachen bewahrt. Die Blutrote Maid war kein Ort für sowas und die Gerüchte waren eh schon weit genug gereist. Es war damals an der Zeit gewesen zu gehen und vielleicht würde das Carmen irgendwann einsehen.
Wieder hob er die Waffe in seiner Hand an und betrachtete die Pistole. Eine Waffe von der nur der alte Zwerg wusste wie man sie schmieden musste. Und doch lernte jeder Pirat damit umzugehen. Sie auseinander zu bauen, zu pflegen und abzufeuern. Das war ihr As. Als wenn Criss nicht immer genügend Asse im Ärmel gehabt hatte.
Doch all diese Gedanken waren es nicht die ihn hier nun schon zwei Tage untätig herrum sitzen liessen.
Nicht die Höllen die er auf der Schwarzen Witwe gesehen hatte. Ein Leben das abhärtet. Das abstumpft. Er hatte Folter und Qual gesehen. Meist an anderen. Er hatte gelernt was es wirklich hiess ein Pirat zu sein. Ein skrupelloser sogar. Er hatte mehr Gold gesehen als jemals zuvor - und vermutlich auch jemals wieder. Doch das alles hatte keinen Glanz und keinen Wert mehr. Denn die elende Hure holte sich früher oder später alles wieder zurück. Und so ruhten seine Schätze die er mit dem Blut seiner Seele bezahlt hatte irgendwo tief im Wrack der Schwarzen Witwe auf dem Grund der See. Bittere Ironie...
"Du hast nichts dafür getan. Also bekommst du auch nichts!"
Nichts dafür getan, Carmen?...Nichts? Was habe ich aufgegeben für dich? Was habe ich dir gegeben? Habe ich dir überhaupt etwas gegeben? Ein paar Stunden Frieden vielleicht? Ein wenig Befriedigung zumindest.
Einen Freund, das dachte ich.
"Das ist das Risiko das jeder Pirat trägt - Leb damit!"
Damit leben? Du wirfst mich für das weg was du wohl doch am meisten Liebst ausser dich selbst Carmen...Gold.
Aber wenn ich eines gelernt habe, dann das Gold ganz schön schnell weg sein kann, ich bin noch hier..Aber das hat wohl keinen Wert.
Hatte er einen Fehler gemacht?
Hatte er Carmen falsch eingeschätzt?
Wie schätze man diese Frau überhaupt ein? Eine Frau die sich so hinter all dem verbarg das sie offenkundig war, das man irgendwann zwangsweise glauben musste das sie schlicht und einfach überall so war.
Gefühlslos, skrupellos, kaltherzig, egozentrisch und narzistisch.
Wann hatte er aufgehört sie zu...
Zu...verstehen?
Das war schon lange her...damals auf der Blutroten Maid, da hatte er geglaubt sie zu verstehen. Zu verstehen warum sie diese Dinge tat. Warum sie solche Grenzen zog. Warum sie ihn nicht näher hatte an sich herran kommen lassen. Doch jetzt?...
Irgendwann gibt jeder auf, Carmen. Du willst doch meine Fürsorge nicht.
Du glaubst nichtmal an meine Freundschaft zu dir.Dabei habe ich dich genau dafür verlassen. Deine Freunde waren auch meine Freunde damals. Unsere Kameraden,Carmen.
Und jetzt?...Jetzt opferst du mich für das was du noch lieber magst als Rum. Soviel bin ich dir also wert. Für Gold das noch nichtmal in deinem Beutel klingelt. Ist dir denn nicht klar in was für eine Gefahr du dich begibst? Ist dir das alles egal? Bist du dir wirklich nurnoch selbst die Nächste? Wo ist der Erste Maat den seine Crew noch interessierte? Ist das alles gestorben..mit dem Kapt`n?
Criss wusste, dass er nicht abgedrückt hätte. Doch er war wütend gewesen. Nicht weil Carmen ihm nichts abgeben wollte. Das war ihm egal. Es war ihre Geisel. Aber tatsache war auch, dass Carmen da nicht irgendwen hatte. Elbenau...war da nicht etwas kürzlich gewesen? Hohenfels? So hiess doch dieses Drecksloch von Landratten-Burg mit ihrem Prunkpalästen und falschen Vorstellungen. All den Adligen die sich in ihre Fummel kleideten.
Wusste Carmen wirklich mit wem sie sich da anlegte? Glaubte sie denn ersthaft, dass würde alles so leicht sein? Criss kannte ihre Pläne nicht. Und er verstand auch nicht so ganz was Carmen und Gracia zusammen schweißte. Vielleicht eine gemeinsame Leidenschaft. Vielleicht auch die schlichte Tatsache das sie beide Frauen in einer Männer dominitieren Welt waren. Dennoch...die Carmen von Früher hätte solche Selbstbestätigung nicht nötig gehabt.
Hatte er sich falsch verhalten? Was hatte sie ihm sagen wollen? Das Blut war ihm durch den Kopf gerauscht als er ihre kalten Worte vernommen hatte. Die in seinen Gedanken nur eine Botschaft hinterlassen hatten:
Mir ist egal was mit dir passiert. Mir ist egal was gewesen ist. Das ist alles dein Problem. Deins Alleine und es ist dein Pech. Was war ist mir egal. Und du bist mir egal!
Er schüttelte den Kopf und richtete den Oberkörper auf. Monique fand ruhe in seinem Schoss und er winkelte ein Bein an um wieder auf das Meer zu blicken. War wirklich alles in ihr zu Eis erstarrt? Was hat dich nur derart jeden Glauben an deine Kameraden vergessen lassen? Sind wir alle nurnoch Mittel zum Zweck? Selbst die die sich um dein Wohlergehen sorgen, Carmen? Oder glaubst du selbst daran nicht mehr - das das irgendjemand könnte...?
Criss war wütend. Wütend auf sich selbst, wütend auf die Maid, wütend auf die Witwe und wütend auf dieses elende Weib das sich Leah nannte. Sie war schuld. Sie waren alle Schuld. Sie waren schuld das sie beide geworden waren wie sie waren. Aber war das nicht genau das Leben, das Criss für sich eingefordert hatte?...
Ich mache weiter...
Wie ein jeder Andere..
Wie ein weiteres Lied..
Der der Einzige sein will
Für dich.
Nur ein weiterer Mann
Geblendet von deinem Lächeln...
Nur ein einsames Herz
Ertrage den Schmerz nicht..
Fühle das wir weit voneinander
entfernt sind...
Weit Entfernt...
Lass mich schlafen..
In deinen Armen
Lass mich atmen..
Dieses klare, helle Licht
das dich umhüllt!
Ich weiss ich bin nicht schlau..
Aber ich versuche es hart...
Lass mich dein Wächter sein
Beschütze dich, meine Rose
Vor der Dunkelheit.
Ich werde nicht vorgeben,
Nur ein Freund zu sein
Meine Botschaft...
Denkst du an mich ab und an?
Wenn ich wieder Rufe....
Lass mich schlafen...
In deinen Armen...
Lass mich atmen...
Dieses klare, helle Licht
das dich umgibt!
Lass mich atmen..
In deinen Armen..
Lass mich atmen..
Dieses klare, helle Licht,
das dich umgibt!
Ich kann nicht atmen..
Ich kann nicht atmen..
Ich kann nicht atmen..
Ohne dich!
Lass mich schlafen...
In deinen Armen!
Lass mich schlafen...
In diesem klaren, hellen Licht,
Das dich umgibt!
Lass mich schlafen..
In deinen Armen!
In deinen Armen....
Ein Seufzen rann aus seiner Kehle. Es war lange her das er so sentimental gewesen war...vielleicht zulange. Vielleicht war alles schon viel zu spät...vielleicht auch nicht.
Das Brechen der Wellen in der Brandung....
Die steife, salzige Briese in dem Haar...
Dieser unendliche Ozean..die elende Hure wie sie oft genannt wurde...
Irgendwo dort, im Sand, saß ein Mann und sah den Wellen bei ihrem ewigen Spiel zu.
Criss sah auf die Waffe in seiner Hand. Selbst im Mondlicht glänze die goldene Plaquette die auf den Lauf geschmiedet worden war. Ein Name hob sich dunkler durch die Gravur darauf ab, "Monique".
Das war seine Pistole. Er trug sie schon lange..sehr lange sogar.
Für einen Mann wie ihn, einen Mann mit seinem Leben war es schon eine Ewigkeit.
Selbst der Sand an den Füssen fühlte sich irgendwie Falsch an. Sogar das Funkeln der Sterne am Nachthimmel das er nun schon die zweite Nacht beobachtete.
Damals war alles irgendwie einfach gewesen. Damals als er Carmen getroffen hatte. Die See war seine Zeugin, sie war ein bildschöner Teufel der See. Ein Mann wie Criss hätte ihr nicht wiederstehen können - nichtmal wenn er gewollt hätte. Carmen war seine Freundin, viele Jahre.
Die Jahre auf der Blutroten Maid. Das schien nun alles ein Leben entfernt.
Carmen gab vor nicht verstanden zu haben und mittlerweile musste er sich fragen ob es wirklich so war. Ob sie wirklich nicht begriffen hatte, warum er damals gegangen war. Warum für ihn mit dieser Entscheidung die Hölle auf See begann. Seine Goldenen Zeiten aber auch seine schlimmsten Albträume.
Er war wegen Carmen gegangen. Wegen etwas das er ihr nie gesagt hatte und das seine Lippen nichtmal verlassen hatte wenn er alleine war. Es war etwas das unausgesprochen bleiben sollte um so den Schritt bis zur Realität nicht zu schaffen. Er hätte es nicht ertragen.
"Deine eigene Schwäche, Criss...."
Aber verraten?...Nein, er hatte sie nicht verraten. Er hatte sie beide vor einem schlimmen Fehler und einem noch viel schlimmeren Erwachen bewahrt. Die Blutrote Maid war kein Ort für sowas und die Gerüchte waren eh schon weit genug gereist. Es war damals an der Zeit gewesen zu gehen und vielleicht würde das Carmen irgendwann einsehen.
Wieder hob er die Waffe in seiner Hand an und betrachtete die Pistole. Eine Waffe von der nur der alte Zwerg wusste wie man sie schmieden musste. Und doch lernte jeder Pirat damit umzugehen. Sie auseinander zu bauen, zu pflegen und abzufeuern. Das war ihr As. Als wenn Criss nicht immer genügend Asse im Ärmel gehabt hatte.
Doch all diese Gedanken waren es nicht die ihn hier nun schon zwei Tage untätig herrum sitzen liessen.
Nicht die Höllen die er auf der Schwarzen Witwe gesehen hatte. Ein Leben das abhärtet. Das abstumpft. Er hatte Folter und Qual gesehen. Meist an anderen. Er hatte gelernt was es wirklich hiess ein Pirat zu sein. Ein skrupelloser sogar. Er hatte mehr Gold gesehen als jemals zuvor - und vermutlich auch jemals wieder. Doch das alles hatte keinen Glanz und keinen Wert mehr. Denn die elende Hure holte sich früher oder später alles wieder zurück. Und so ruhten seine Schätze die er mit dem Blut seiner Seele bezahlt hatte irgendwo tief im Wrack der Schwarzen Witwe auf dem Grund der See. Bittere Ironie...
"Du hast nichts dafür getan. Also bekommst du auch nichts!"
Nichts dafür getan, Carmen?...Nichts? Was habe ich aufgegeben für dich? Was habe ich dir gegeben? Habe ich dir überhaupt etwas gegeben? Ein paar Stunden Frieden vielleicht? Ein wenig Befriedigung zumindest.
Einen Freund, das dachte ich.
"Das ist das Risiko das jeder Pirat trägt - Leb damit!"
Damit leben? Du wirfst mich für das weg was du wohl doch am meisten Liebst ausser dich selbst Carmen...Gold.
Aber wenn ich eines gelernt habe, dann das Gold ganz schön schnell weg sein kann, ich bin noch hier..Aber das hat wohl keinen Wert.
Hatte er einen Fehler gemacht?
Hatte er Carmen falsch eingeschätzt?
Wie schätze man diese Frau überhaupt ein? Eine Frau die sich so hinter all dem verbarg das sie offenkundig war, das man irgendwann zwangsweise glauben musste das sie schlicht und einfach überall so war.
Gefühlslos, skrupellos, kaltherzig, egozentrisch und narzistisch.
Wann hatte er aufgehört sie zu...
Zu...verstehen?
Das war schon lange her...damals auf der Blutroten Maid, da hatte er geglaubt sie zu verstehen. Zu verstehen warum sie diese Dinge tat. Warum sie solche Grenzen zog. Warum sie ihn nicht näher hatte an sich herran kommen lassen. Doch jetzt?...
Irgendwann gibt jeder auf, Carmen. Du willst doch meine Fürsorge nicht.
Du glaubst nichtmal an meine Freundschaft zu dir.Dabei habe ich dich genau dafür verlassen. Deine Freunde waren auch meine Freunde damals. Unsere Kameraden,Carmen.
Und jetzt?...Jetzt opferst du mich für das was du noch lieber magst als Rum. Soviel bin ich dir also wert. Für Gold das noch nichtmal in deinem Beutel klingelt. Ist dir denn nicht klar in was für eine Gefahr du dich begibst? Ist dir das alles egal? Bist du dir wirklich nurnoch selbst die Nächste? Wo ist der Erste Maat den seine Crew noch interessierte? Ist das alles gestorben..mit dem Kapt`n?
Criss wusste, dass er nicht abgedrückt hätte. Doch er war wütend gewesen. Nicht weil Carmen ihm nichts abgeben wollte. Das war ihm egal. Es war ihre Geisel. Aber tatsache war auch, dass Carmen da nicht irgendwen hatte. Elbenau...war da nicht etwas kürzlich gewesen? Hohenfels? So hiess doch dieses Drecksloch von Landratten-Burg mit ihrem Prunkpalästen und falschen Vorstellungen. All den Adligen die sich in ihre Fummel kleideten.
Wusste Carmen wirklich mit wem sie sich da anlegte? Glaubte sie denn ersthaft, dass würde alles so leicht sein? Criss kannte ihre Pläne nicht. Und er verstand auch nicht so ganz was Carmen und Gracia zusammen schweißte. Vielleicht eine gemeinsame Leidenschaft. Vielleicht auch die schlichte Tatsache das sie beide Frauen in einer Männer dominitieren Welt waren. Dennoch...die Carmen von Früher hätte solche Selbstbestätigung nicht nötig gehabt.
Hatte er sich falsch verhalten? Was hatte sie ihm sagen wollen? Das Blut war ihm durch den Kopf gerauscht als er ihre kalten Worte vernommen hatte. Die in seinen Gedanken nur eine Botschaft hinterlassen hatten:
Mir ist egal was mit dir passiert. Mir ist egal was gewesen ist. Das ist alles dein Problem. Deins Alleine und es ist dein Pech. Was war ist mir egal. Und du bist mir egal!
Er schüttelte den Kopf und richtete den Oberkörper auf. Monique fand ruhe in seinem Schoss und er winkelte ein Bein an um wieder auf das Meer zu blicken. War wirklich alles in ihr zu Eis erstarrt? Was hat dich nur derart jeden Glauben an deine Kameraden vergessen lassen? Sind wir alle nurnoch Mittel zum Zweck? Selbst die die sich um dein Wohlergehen sorgen, Carmen? Oder glaubst du selbst daran nicht mehr - das das irgendjemand könnte...?
Criss war wütend. Wütend auf sich selbst, wütend auf die Maid, wütend auf die Witwe und wütend auf dieses elende Weib das sich Leah nannte. Sie war schuld. Sie waren alle Schuld. Sie waren schuld das sie beide geworden waren wie sie waren. Aber war das nicht genau das Leben, das Criss für sich eingefordert hatte?...
Ich mache weiter...
Wie ein jeder Andere..
Wie ein weiteres Lied..
Der der Einzige sein will
Für dich.
Nur ein weiterer Mann
Geblendet von deinem Lächeln...
Nur ein einsames Herz
Ertrage den Schmerz nicht..
Fühle das wir weit voneinander
entfernt sind...
Weit Entfernt...
Lass mich schlafen..
In deinen Armen
Lass mich atmen..
Dieses klare, helle Licht
das dich umhüllt!
Ich weiss ich bin nicht schlau..
Aber ich versuche es hart...
Lass mich dein Wächter sein
Beschütze dich, meine Rose
Vor der Dunkelheit.
Ich werde nicht vorgeben,
Nur ein Freund zu sein
Meine Botschaft...
Denkst du an mich ab und an?
Wenn ich wieder Rufe....
Lass mich schlafen...
In deinen Armen...
Lass mich atmen...
Dieses klare, helle Licht
das dich umgibt!
Lass mich atmen..
In deinen Armen..
Lass mich atmen..
Dieses klare, helle Licht,
das dich umgibt!
Ich kann nicht atmen..
Ich kann nicht atmen..
Ich kann nicht atmen..
Ohne dich!
Lass mich schlafen...
In deinen Armen!
Lass mich schlafen...
In diesem klaren, hellen Licht,
Das dich umgibt!
Lass mich schlafen..
In deinen Armen!
In deinen Armen....
Ein Seufzen rann aus seiner Kehle. Es war lange her das er so sentimental gewesen war...vielleicht zulange. Vielleicht war alles schon viel zu spät...vielleicht auch nicht.
-
Darna von Hohenfels
Schlechter hätte die Lösegeldübergabe nicht laufen können - mal davon abgesehen, daß die Piraten so oder so nicht eine Münze von ihnen gesehen hätten. Nun aber war der Versuch, den Botenjungen hinter Tirell zu ergreifen, gescheitert, er war zum rahaler Hafen zurückgekehrt, ohne Kiste, und mit der Erzählung vom gescheiterten Versuch seiner Festnahme.
Es waren Leute schon für weniger gestorben, und so begann sie das Gespräch mit dem schlaksigen Burschen mit einer beiläufig wirkenden Abgebrühtheit, die ihren Ursprung in einer gewissen Hoffnungslosigkeit hatte. Was konnte jetzt noch schief gehen? Und... großartig zu drohen brauchte sie auch nicht. Wenn der Bengel hier nur selbst benutzter Mittelsmann war, wäre er am wenigsten an Leahs Tod schuld, und ihr sträubten sich die Nackenhaare bei dem Gedanken, wie oft Personen wie er dann als Sündenbock herhalten mussten.
"Aber wenn sie Leah etwas antun, Jimmy, dann werde ich die wirklich Schuldigen jagen und verfolgen lassen, daß sie froh sein können, wenn sie auf Fuachtero noch in Ruhe ein Bier trinken können. Überleg dir, für wen du lieber arbeiten willst: Für Piraten und Frauenentführer, oder für Leute, die dich nicht benutzen, um Verbrechen zu begehen. Dein Schaden soll es so oder so nicht sein, wenn du mir hilfst, diese Person, die sich José nennt, zu erwischen. Ich biete dir zwei Kronen jetzt, und drei weitere, wenn wir sie durch deine Hilfe kriegen."
"Er sagte, er hat überall Männer. Die bringen mich um, wenn ich ihn verrate!"
"Ich habe auch 'meine Männer'. Und drohen dir Schwierigkeiten, kann ich dir meinen Schutz anbieten."
"Warum sollte ich euch trauen? Der Kerl war wenigstens anständig zu mir. Durch euch habe ich bislang auch nichts zu essen, mir tut alles weh, mir wurden die Kleider zerrissen und ich sitz in einer Zelle fest, in die die da mich reingelockt hat!"
Anklagend zeigte er auf Xinthra. Darna war es ohnehin wie ein Wunder und Segen erschienen, wie zumindest hier das Schicksal ihnen in die Hände gespielt hatte. Nachdem Jimmy bei Tirell Savea und Shaya entkommen war, hatte Savea ihn auch in Bajard gesucht und Xinthra eine Beschreibung gegeben. Und die momentane Hauptfrau der Miliz, die in Temora einen neuen Halt zu finden versuchte, sich mit der Bitte um Hilfe an die Paladina gewandt hatte, hatte den Bengel danach tatsächlich entdeckt und in die Zellen unter dem Bankgebäude verfrachtet.
Darna sah den abgemagerten Halbstarken an und wusste, daß sie ihm nun nichts davon zu erzählen brauchte, warum man einer Paladin vertrauen konnte... solche Erklärungen sagten solchen Leuten nichts, wenn sie nicht am eigenen Leib gelernt hatten, was die Worte handfest bedeuteten. Und so bat sie Xinthra, die Zelle zu öffnen und holte aus ihrer Provianttasche etwas in Tuch eingeschlagenes Brot und Hartwurst, reichte ihm beides, als die Tür sich öffnete.
Sie beobachtete, wie er beides erst gierig an sich presste und ihn lediglich Mißtrauen, was von all dem nun zu halten war, ihn daran hinderte, es sofort zu vertilgen. "Er hilft uns entweder freiwillig, oder es hat eh keinen Zweck. Wobei... naja, freiwillig vielleicht, selbstlos sicher nicht." Sie löste vom Gürtel einen kleinen Geldbeutel, ließ zwei Kronen darin und ließ die kleineren Münzen nicht ohne Absicht dabei klimpern. "Nun? Du hast meine Frage noch nicht beantwortet - hilfst du lieber uns, oder schert es dich nicht, ob du Piraten hilfst? Wenn nicht, verschwinde, dann brauch ich dich nicht."
Es war ein schmaler Silberstreifen Hoffnung.
"Ich will nicht, daß jemandem was passiert", flüsterte er ihr leiser zu, als sie kurz darauf einen Moment allein waren, als wäre das ein verwerfliches Geheimnis und Zeichen von Schwäche, aber sie griff nach diesem kleinen Licht und versuchte, es behutsam weiter zu entfachen:
"Na schön. Ich weiß nicht, ob es dir selber etwas wert ist oder nicht... aber ich möchte dein Wort darauf, Jimmy."
Sie sah ihn an. "Mein Wort", erwiderte er nach einem kurzem Moment, der ihr reichte, um es für wahr zu halten. Keine Brücke, über die sie blind gehen würde, aber ein Anfang. Wenn es Leah noch gut ging, waren es Dinge wie diese, die den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern ausmachen konnten.
Ansonsten...
"Nein, ich komm nicht mit zum Fest", sollte man sie einen Tag später zu Adrian und Luca sagen hören, "Es sollte eh jemand hier bleiben." Und Adrian verengte die Augen, als er zumindest einen Teil des Gemurmels mit aufschnappte, mit dem sie sich zum Haus wandte:
"Jemand muß schließlich hier sein und sonstwelche Körperteile entgegen nehmen können..."
Es waren Leute schon für weniger gestorben, und so begann sie das Gespräch mit dem schlaksigen Burschen mit einer beiläufig wirkenden Abgebrühtheit, die ihren Ursprung in einer gewissen Hoffnungslosigkeit hatte. Was konnte jetzt noch schief gehen? Und... großartig zu drohen brauchte sie auch nicht. Wenn der Bengel hier nur selbst benutzter Mittelsmann war, wäre er am wenigsten an Leahs Tod schuld, und ihr sträubten sich die Nackenhaare bei dem Gedanken, wie oft Personen wie er dann als Sündenbock herhalten mussten.
"Aber wenn sie Leah etwas antun, Jimmy, dann werde ich die wirklich Schuldigen jagen und verfolgen lassen, daß sie froh sein können, wenn sie auf Fuachtero noch in Ruhe ein Bier trinken können. Überleg dir, für wen du lieber arbeiten willst: Für Piraten und Frauenentführer, oder für Leute, die dich nicht benutzen, um Verbrechen zu begehen. Dein Schaden soll es so oder so nicht sein, wenn du mir hilfst, diese Person, die sich José nennt, zu erwischen. Ich biete dir zwei Kronen jetzt, und drei weitere, wenn wir sie durch deine Hilfe kriegen."
"Er sagte, er hat überall Männer. Die bringen mich um, wenn ich ihn verrate!"
"Ich habe auch 'meine Männer'. Und drohen dir Schwierigkeiten, kann ich dir meinen Schutz anbieten."
"Warum sollte ich euch trauen? Der Kerl war wenigstens anständig zu mir. Durch euch habe ich bislang auch nichts zu essen, mir tut alles weh, mir wurden die Kleider zerrissen und ich sitz in einer Zelle fest, in die die da mich reingelockt hat!"
Anklagend zeigte er auf Xinthra. Darna war es ohnehin wie ein Wunder und Segen erschienen, wie zumindest hier das Schicksal ihnen in die Hände gespielt hatte. Nachdem Jimmy bei Tirell Savea und Shaya entkommen war, hatte Savea ihn auch in Bajard gesucht und Xinthra eine Beschreibung gegeben. Und die momentane Hauptfrau der Miliz, die in Temora einen neuen Halt zu finden versuchte, sich mit der Bitte um Hilfe an die Paladina gewandt hatte, hatte den Bengel danach tatsächlich entdeckt und in die Zellen unter dem Bankgebäude verfrachtet.
Darna sah den abgemagerten Halbstarken an und wusste, daß sie ihm nun nichts davon zu erzählen brauchte, warum man einer Paladin vertrauen konnte... solche Erklärungen sagten solchen Leuten nichts, wenn sie nicht am eigenen Leib gelernt hatten, was die Worte handfest bedeuteten. Und so bat sie Xinthra, die Zelle zu öffnen und holte aus ihrer Provianttasche etwas in Tuch eingeschlagenes Brot und Hartwurst, reichte ihm beides, als die Tür sich öffnete.
Sie beobachtete, wie er beides erst gierig an sich presste und ihn lediglich Mißtrauen, was von all dem nun zu halten war, ihn daran hinderte, es sofort zu vertilgen. "Er hilft uns entweder freiwillig, oder es hat eh keinen Zweck. Wobei... naja, freiwillig vielleicht, selbstlos sicher nicht." Sie löste vom Gürtel einen kleinen Geldbeutel, ließ zwei Kronen darin und ließ die kleineren Münzen nicht ohne Absicht dabei klimpern. "Nun? Du hast meine Frage noch nicht beantwortet - hilfst du lieber uns, oder schert es dich nicht, ob du Piraten hilfst? Wenn nicht, verschwinde, dann brauch ich dich nicht."
Es war ein schmaler Silberstreifen Hoffnung.
"Ich will nicht, daß jemandem was passiert", flüsterte er ihr leiser zu, als sie kurz darauf einen Moment allein waren, als wäre das ein verwerfliches Geheimnis und Zeichen von Schwäche, aber sie griff nach diesem kleinen Licht und versuchte, es behutsam weiter zu entfachen:
"Na schön. Ich weiß nicht, ob es dir selber etwas wert ist oder nicht... aber ich möchte dein Wort darauf, Jimmy."
Sie sah ihn an. "Mein Wort", erwiderte er nach einem kurzem Moment, der ihr reichte, um es für wahr zu halten. Keine Brücke, über die sie blind gehen würde, aber ein Anfang. Wenn es Leah noch gut ging, waren es Dinge wie diese, die den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern ausmachen konnten.
Ansonsten...
"Nein, ich komm nicht mit zum Fest", sollte man sie einen Tag später zu Adrian und Luca sagen hören, "Es sollte eh jemand hier bleiben." Und Adrian verengte die Augen, als er zumindest einen Teil des Gemurmels mit aufschnappte, mit dem sie sich zum Haus wandte:
"Jemand muß schließlich hier sein und sonstwelche Körperteile entgegen nehmen können..."
-
Leah Katuri
Keuchend presste sich die Luft in ihren Lungenflügeln zusammen, als der Tritt sich in ihren Magen grub.
Es war doch verrückt, völlig irre. Glaubte José wirklich, dass sie ihr alles so abkaufen würde? Es ihr so leicht machen würde? Ja sicher lasse ich mich freiwillig fesseln und die Augen verbinden. Ach ja...und den Mund könnt ihr mir natürlich auch verbieten!
Erwartete sie wirklich Dankbarkeit dafür, dass sie ihr inmitten des Fieberdeliriums einen Trank eingeflößt hatte? Sie hätte wer weiß was machen können, sie hinausschleifen und ins Meer werfen können. Stattdessen: Weitere Zehrung durch Beanspruchung der eigenen Nerven und dem unermüdlichen Worten Josés. Sie hatte irgendwann aufgehört, ihr zu glauben. Hatte aufgehört, sich für ihren Glauben rechtfertigen zu müssen, für Milady. Es hatte alles seinen Grund, alles seinen Ursprung.
Sie hätte ja nicht einmal selbst für sich bezahlt....
„Meines ist nicht so viel wert wie das Ihrige.“
„Glaubst du das wirklich?“
Ein weiterer Tritt beförderte sie wieder auf den Boden, während sie aufkeuchte und einen Schrei unterdrückte. Der junge Kerl hatte wirklich keine Scheu, eine Frau zu schlagen, wenn sie mal nicht so ‘wollte‘ wie er. Sie beide wussten doch nur allzugut, dass sie keine Lust darauf hatte, das „Testobjekt“ für den völlig irren Plan zu sein, den sich José so schön zurecht gelegt hatte. Sie vor die Wahl stellen, sehen, wie sie reagieren würde, wenn man die Waffe, dieses Ding aus dem Metall, an ihren Kopf halten würde. Und danach....ihr trotzdem das Leben zu schenken.
„Wir werden heute etwas sehr interessantes über deine Herrin lernen...auch du.“
Blanker Hohn, blanke Lüge in ihren Worten. Das Seil hatte sich tief in die Handgelenke reingerieben, gab kaum Möglichkeit zur Lockerung. Die Schulter schmerzte, zog und erinnerte sie daran, was die letzten Tage auf sie eingedrungen war. Schmerzen, Fieber, Tagträume....sie wusste nicht, wann sie eigentlich in das Delirium gefallen war, wusste nicht, ob es nur einen Tag oder zwei angehalten hatte. Sie wusste nur, dass sie an einem Mittag aufgewacht war und die Welt um sich herum wieder klar und ohne dem unendlichen Wunsch nach Wasser. Die Stirn perlte keinen Schweiß mehr herab und die Glieder zogen nur noch an den verletzten Stellen. Sie fühlte sich klar, fühlte sich wieder stärker und bereit...bereit, sich den Piraten zu stellen. Unlauterer Wettkampf...so kam es ihr vor, als José wieder das Ding zog mit dem Metallrohr und wartete. Wartete, ob ihr Gefährte nicht doch vielleicht nicht mit ihr zurecht kam. Doch die Handschuhe, die aus Knochen zu sein schienen, die festen Stiefel ließen sie schnell auf den Boden sacken. Nahkampf...eine Sache, die sie wohl intensivieren musste.
Wie war das noch? Was bist du ohne dein Schwert...?
Mit einem Male wurde alles dunkel um sie herum, die Binde fest in ihrem Nacken zusammengebunden, um ihr jegliche Orientierung zu nehmen. Sollten sie nur, sie würde doch noch Milady warnen können, ihr von der Finte, der Falle berichten...irgendwie.
Finesse; eine Sache, die sie sich wohl mehr und mehr eingestehen musste. Mit einem Male verschlug der süßliche Duft in ihrer Nase die Sinne in einen Nebel. Ihr Magen drehte sich im Kreis und hätte sie wohl nicht die Augen geschlossen, ihr wäre sicher noch übler geworden. Die Stimmen kamen nur noch als Töne an, als sonorische Aufeinanderfolge von irgendwelchen Lauten. Sie bemerkte nicht einmal, als man sie vom Boden nahm und über die Schulter warf. Eine Weile war es schwarz, dunkel, ein Hin und Herschwanken, Gemurmel, nichts weiter. Träumte sie? Hatte man ihr eins über den Schädel gebraten und sie nun ins Reich des Halbwachen versetzt? Irgendwann wurde sie wieder hochgenommen, ein weiteres Mal dieser seltsame Geruch, als es nun vollends schwarz wurde.
Erst die lauten Stimmen, die Debatte zwischen mehreren Leuten ließen sie langsam wieder zu sich kommen. War das Milady? Sie hörte nur die Klangfarbe...doch es passte so ganz und gar nicht; so kalt und hart war der Klang. Was hatte José nur gesagt, womit sie provoziert? Sie...sie musste sie warnen, dass sie sich nicht reizen lassen ließ. Und doch war ihr Mund so lahm, so zäh und erst viel zu spät spürte sie auch den Stoff um ihren Mund, ihre Lippen. Sicher ist Sicher...wie es so schön heißt.
Kalt und feucht war der Boden unter ihr und als sie mit den Knien aufschlug, drangen die Worte langsam wieder in gewohnter, wenn auch noch hallender Weise an ihr Ohr...
„Keine Sorge ... wie ich schon sagte der Galgen wartet gewiss nicht heute auf uns ...“
„Vamos!!!“
„Leah...Ich bins...“
So viele Stimmen, das Licht, welches in ihre Augen schoss und der wieder aufkommende Schwindel. Es schien, als hätten die Konturen um die Personen ihre Festigkeit verloren und so verschwamm regelrecht alles vor ihrem Blick, nur um nach und nach in ein stetiges Drehen überzugehen. Schlimmer als jeder Wein, als jeder Morgen danach kam es ihr vor. Sie bekam es mit, bekam jedes einzelne Wort, jeden Schritt mit, wenn auch nur entfernt, als hätte man sie in eine Wolke gepackt und ihr gesagt, sie solle von dort allem lauschen und zusehen.
„Lebensgefährliche Verletzungen versorgt...“
Sie wollte keinen Heiler, keinen Mann an sich heranlassen. Nein, mochte noch so ihr Sinn sich trüben, sie wusste, was sie anstellen konnten, wenn man nicht Herr über seine Kräfte war. Sie wusste, dass jene eine Nacht in ihrer Heimat nichts bedeuten musste, vielleicht nie geschehen war. Doch der Abend auf dem Feld damals, die Auseinandersetzung... bisher hatten nur weibliche Heiler sie angesehen, behandelt. Scham breitete sich in ihr aus...sollte sich den ganzen Abend weiterhin halten und nicht mehr versiegen.
Eine Scham, versagt zu haben; eine Scham, dass man sie so hilflos auflesen und stützen musste. Gekleidet in dreckigen, stinkenden Kleiderfetzen, gefesselt und geknebelt...dazu blind gemacht und die Sinne vernebelt. Sie hatten sie zum perfekten Opferlamm gemacht, zum perfekten Spielzeug. Doch sie hatten nicht bedacht, was es in ihr auslösen würde, das “Danach“ nicht mit betrachtet. Wieso auch? Sie hatten ihren Spaß gehabt und sie...war nicht mehr wichtig. Wichtig war gewesen, zu sehen, wer in dem so genannten Spiel gewinnen würde....Milady...oder das Piratenpack. Zurück blieb sie mit ihren Wunden und dem über sich ergehen lassen von Behandlung der Wunden, den Händen des Heilers und den hunderten von Stimmen um sie herum...so kam es ihr zumindest vor.
Dankbar war sie regelrecht für die baldige Müdigkeit, die Erschöpfung, die sich wohl doch noch irgendwo in den letzten Tagen angesammelt hatte und über sie einschlug. Die Nacht brachte einige Träume, einige Momente, in denen sie hochschreckte und in die Nacht hineinlauschte.
Von Bettruhe hatte er gesprochen...ausruhen....doch es würde auch weiterhin bedeuten, dass sie weiterhin hilflos sein würde. So hilflos, wie sie vor dem Haus gekniet hatte und sich fast gewünscht hatte, die Kugel in den Kopf zu bekommen.
Nur, um dem Schamgefühl danach zu entgehen...
Es war doch verrückt, völlig irre. Glaubte José wirklich, dass sie ihr alles so abkaufen würde? Es ihr so leicht machen würde? Ja sicher lasse ich mich freiwillig fesseln und die Augen verbinden. Ach ja...und den Mund könnt ihr mir natürlich auch verbieten!
Erwartete sie wirklich Dankbarkeit dafür, dass sie ihr inmitten des Fieberdeliriums einen Trank eingeflößt hatte? Sie hätte wer weiß was machen können, sie hinausschleifen und ins Meer werfen können. Stattdessen: Weitere Zehrung durch Beanspruchung der eigenen Nerven und dem unermüdlichen Worten Josés. Sie hatte irgendwann aufgehört, ihr zu glauben. Hatte aufgehört, sich für ihren Glauben rechtfertigen zu müssen, für Milady. Es hatte alles seinen Grund, alles seinen Ursprung.
Sie hätte ja nicht einmal selbst für sich bezahlt....
„Meines ist nicht so viel wert wie das Ihrige.“
„Glaubst du das wirklich?“
Ein weiterer Tritt beförderte sie wieder auf den Boden, während sie aufkeuchte und einen Schrei unterdrückte. Der junge Kerl hatte wirklich keine Scheu, eine Frau zu schlagen, wenn sie mal nicht so ‘wollte‘ wie er. Sie beide wussten doch nur allzugut, dass sie keine Lust darauf hatte, das „Testobjekt“ für den völlig irren Plan zu sein, den sich José so schön zurecht gelegt hatte. Sie vor die Wahl stellen, sehen, wie sie reagieren würde, wenn man die Waffe, dieses Ding aus dem Metall, an ihren Kopf halten würde. Und danach....ihr trotzdem das Leben zu schenken.
„Wir werden heute etwas sehr interessantes über deine Herrin lernen...auch du.“
Blanker Hohn, blanke Lüge in ihren Worten. Das Seil hatte sich tief in die Handgelenke reingerieben, gab kaum Möglichkeit zur Lockerung. Die Schulter schmerzte, zog und erinnerte sie daran, was die letzten Tage auf sie eingedrungen war. Schmerzen, Fieber, Tagträume....sie wusste nicht, wann sie eigentlich in das Delirium gefallen war, wusste nicht, ob es nur einen Tag oder zwei angehalten hatte. Sie wusste nur, dass sie an einem Mittag aufgewacht war und die Welt um sich herum wieder klar und ohne dem unendlichen Wunsch nach Wasser. Die Stirn perlte keinen Schweiß mehr herab und die Glieder zogen nur noch an den verletzten Stellen. Sie fühlte sich klar, fühlte sich wieder stärker und bereit...bereit, sich den Piraten zu stellen. Unlauterer Wettkampf...so kam es ihr vor, als José wieder das Ding zog mit dem Metallrohr und wartete. Wartete, ob ihr Gefährte nicht doch vielleicht nicht mit ihr zurecht kam. Doch die Handschuhe, die aus Knochen zu sein schienen, die festen Stiefel ließen sie schnell auf den Boden sacken. Nahkampf...eine Sache, die sie wohl intensivieren musste.
Wie war das noch? Was bist du ohne dein Schwert...?
Mit einem Male wurde alles dunkel um sie herum, die Binde fest in ihrem Nacken zusammengebunden, um ihr jegliche Orientierung zu nehmen. Sollten sie nur, sie würde doch noch Milady warnen können, ihr von der Finte, der Falle berichten...irgendwie.
Finesse; eine Sache, die sie sich wohl mehr und mehr eingestehen musste. Mit einem Male verschlug der süßliche Duft in ihrer Nase die Sinne in einen Nebel. Ihr Magen drehte sich im Kreis und hätte sie wohl nicht die Augen geschlossen, ihr wäre sicher noch übler geworden. Die Stimmen kamen nur noch als Töne an, als sonorische Aufeinanderfolge von irgendwelchen Lauten. Sie bemerkte nicht einmal, als man sie vom Boden nahm und über die Schulter warf. Eine Weile war es schwarz, dunkel, ein Hin und Herschwanken, Gemurmel, nichts weiter. Träumte sie? Hatte man ihr eins über den Schädel gebraten und sie nun ins Reich des Halbwachen versetzt? Irgendwann wurde sie wieder hochgenommen, ein weiteres Mal dieser seltsame Geruch, als es nun vollends schwarz wurde.
Erst die lauten Stimmen, die Debatte zwischen mehreren Leuten ließen sie langsam wieder zu sich kommen. War das Milady? Sie hörte nur die Klangfarbe...doch es passte so ganz und gar nicht; so kalt und hart war der Klang. Was hatte José nur gesagt, womit sie provoziert? Sie...sie musste sie warnen, dass sie sich nicht reizen lassen ließ. Und doch war ihr Mund so lahm, so zäh und erst viel zu spät spürte sie auch den Stoff um ihren Mund, ihre Lippen. Sicher ist Sicher...wie es so schön heißt.
Kalt und feucht war der Boden unter ihr und als sie mit den Knien aufschlug, drangen die Worte langsam wieder in gewohnter, wenn auch noch hallender Weise an ihr Ohr...
„Keine Sorge ... wie ich schon sagte der Galgen wartet gewiss nicht heute auf uns ...“
„Vamos!!!“
„Leah...Ich bins...“
So viele Stimmen, das Licht, welches in ihre Augen schoss und der wieder aufkommende Schwindel. Es schien, als hätten die Konturen um die Personen ihre Festigkeit verloren und so verschwamm regelrecht alles vor ihrem Blick, nur um nach und nach in ein stetiges Drehen überzugehen. Schlimmer als jeder Wein, als jeder Morgen danach kam es ihr vor. Sie bekam es mit, bekam jedes einzelne Wort, jeden Schritt mit, wenn auch nur entfernt, als hätte man sie in eine Wolke gepackt und ihr gesagt, sie solle von dort allem lauschen und zusehen.
„Lebensgefährliche Verletzungen versorgt...“
Sie wollte keinen Heiler, keinen Mann an sich heranlassen. Nein, mochte noch so ihr Sinn sich trüben, sie wusste, was sie anstellen konnten, wenn man nicht Herr über seine Kräfte war. Sie wusste, dass jene eine Nacht in ihrer Heimat nichts bedeuten musste, vielleicht nie geschehen war. Doch der Abend auf dem Feld damals, die Auseinandersetzung... bisher hatten nur weibliche Heiler sie angesehen, behandelt. Scham breitete sich in ihr aus...sollte sich den ganzen Abend weiterhin halten und nicht mehr versiegen.
Eine Scham, versagt zu haben; eine Scham, dass man sie so hilflos auflesen und stützen musste. Gekleidet in dreckigen, stinkenden Kleiderfetzen, gefesselt und geknebelt...dazu blind gemacht und die Sinne vernebelt. Sie hatten sie zum perfekten Opferlamm gemacht, zum perfekten Spielzeug. Doch sie hatten nicht bedacht, was es in ihr auslösen würde, das “Danach“ nicht mit betrachtet. Wieso auch? Sie hatten ihren Spaß gehabt und sie...war nicht mehr wichtig. Wichtig war gewesen, zu sehen, wer in dem so genannten Spiel gewinnen würde....Milady...oder das Piratenpack. Zurück blieb sie mit ihren Wunden und dem über sich ergehen lassen von Behandlung der Wunden, den Händen des Heilers und den hunderten von Stimmen um sie herum...so kam es ihr zumindest vor.
Dankbar war sie regelrecht für die baldige Müdigkeit, die Erschöpfung, die sich wohl doch noch irgendwo in den letzten Tagen angesammelt hatte und über sie einschlug. Die Nacht brachte einige Träume, einige Momente, in denen sie hochschreckte und in die Nacht hineinlauschte.
Von Bettruhe hatte er gesprochen...ausruhen....doch es würde auch weiterhin bedeuten, dass sie weiterhin hilflos sein würde. So hilflos, wie sie vor dem Haus gekniet hatte und sich fast gewünscht hatte, die Kugel in den Kopf zu bekommen.
Nur, um dem Schamgefühl danach zu entgehen...
Zuletzt geändert von Leah Katuri am Montag 17. November 2008, 22:32, insgesamt 2-mal geändert.
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Kilyan Carnova
" Das Haus von Elbenau benötigt einen Heiler! " schallte es lautstark durch die Gassen Varunas.
Gerade in diesem Moment hatte Kilyan das Rathaus betreten, um sich dem Gespräch mit Rafael von Arganta zu widmen. Sofort machte er auf den Hacken kehrt und schaut sich auf den Straßen um, ließ die Augen wandern und spitzte die Ohren, ob noch ein weiterer Ruf zu vernehmen sein könnte. Hinter ihm folgte Rafael und er gab ihm eine kurze Wegbeschreibung, der Kilyan sofort hastig folgte. Seine Schritte trugen nichtmehr die Ruhe, wie sie ihn sonst begleitete, sondern er trieb sich selber zu großer Eile an.
Nach wenigen Augenblicken erblickte er das genannte Haus, sprang beinahe die Treppen hinaus und klopfte kräftig an die Tür. Nur ein kurzer Wortwechsel genügte, um sich Einlass in das Haus zu verschaffen und sofort wurde er in das zweite Stockwerk des Hauses geführt und dort in einen Raum, mit einem großen Bett.
Darna von Elbenau, so jedenfalls hatte er ihren Namen in Erinnerung und zwei weitere Frauen waren zugegen. Die eine in Lumpen gekleidet und offensichtlich verwirrt, rückte sofort näher an die Wand, als ihr bewusst wurde, dass Kilyan eine männliche Person ist. Sie zog die Beine eng an sich und noch mehr Verwirrung trat in ihre Züge. Ein männlicher Heiler war für sie undenkbar.
Die dritte Dame redete ihr gut zu und Kilyan war ihr schon nach wenigen Augenblicken dankbar für diese Unterstützung, ohne sie hätte es wohl wesentlich länger gedauert die verletzte Frau zu behandeln.
Schnell machte er sich ans Werk, tastete die Melodien der Frau ab, beschaute sich jede Wunde und half der Heilung auf die Sprünge. Er stellte keine Fragen, wollte in diesem Moment nicht wissen, wie die Wunden entstanden waren oder wer etwas derartiges tun konnte. Er ging schlicht seiner Berufung nach: Dem Schutz des Lebens.
Es dauerte eine Weile, bis er seine Arbeit für beendet hielt und half der Frau sich ordentlich ins Bett zu legen, sodass sie sich ausruhen konnte. Ein letzter Blick auf die Dame und ein paar mahnende Worte und schon verließ er das Zimmer. Er wollte der Frau jede weitere Scham ersparen und ihr so die Ruhe gönnen, von der sie in den nächsten Wochen noch eine Menge benötigen wird.
Langsamen Schrittes und bis zu den Ellenbogen mit Blut verschmiert ging der Erzdruide dann die Treppen hinab. Sein Blick fiel auf Darna und die offene Tür. Sie hatte Gäste. Waren es vielleicht besorgte Beobachter? Oder einfach nur Freunde, die von dem Unglück erfahren haben? Kilyan wusste es nicht, doch erkannte er sofort, dass es seiner alten Bekannten mehr als schlecht ging. Sie war blass und wirkte äußerst niedergeschlagen. Es musste der Schock sein, nichts, womit diese Person nicht fertig werden würde, doch konnte Kilyan sich nicht zurückhalten und ließ ihr etwas Kraft zukommen, Kraft, die sie noch brauchen könnte, Kraft, die ihr vielleicht helfen wird dieses ganze Geschehen aufzuklären zu verarbeiten.
Er verließ das Anwesen finsteren Gedanken und fasst für sich den Entschluss dieses Haus in nächster Zeit wieder zu besuchen. Es war offenbar an der Zeit sich wieder seinen Freunden und Bekannten zuzuwenden, ihnen beizustehen und eine helfende Hand anzubieten.
Zu lange war Kilyan verschollen gewesen, zu lange konnte er nicht helfen. Doch dies ist nun vorbei.
Gerade in diesem Moment hatte Kilyan das Rathaus betreten, um sich dem Gespräch mit Rafael von Arganta zu widmen. Sofort machte er auf den Hacken kehrt und schaut sich auf den Straßen um, ließ die Augen wandern und spitzte die Ohren, ob noch ein weiterer Ruf zu vernehmen sein könnte. Hinter ihm folgte Rafael und er gab ihm eine kurze Wegbeschreibung, der Kilyan sofort hastig folgte. Seine Schritte trugen nichtmehr die Ruhe, wie sie ihn sonst begleitete, sondern er trieb sich selber zu großer Eile an.
Nach wenigen Augenblicken erblickte er das genannte Haus, sprang beinahe die Treppen hinaus und klopfte kräftig an die Tür. Nur ein kurzer Wortwechsel genügte, um sich Einlass in das Haus zu verschaffen und sofort wurde er in das zweite Stockwerk des Hauses geführt und dort in einen Raum, mit einem großen Bett.
Darna von Elbenau, so jedenfalls hatte er ihren Namen in Erinnerung und zwei weitere Frauen waren zugegen. Die eine in Lumpen gekleidet und offensichtlich verwirrt, rückte sofort näher an die Wand, als ihr bewusst wurde, dass Kilyan eine männliche Person ist. Sie zog die Beine eng an sich und noch mehr Verwirrung trat in ihre Züge. Ein männlicher Heiler war für sie undenkbar.
Die dritte Dame redete ihr gut zu und Kilyan war ihr schon nach wenigen Augenblicken dankbar für diese Unterstützung, ohne sie hätte es wohl wesentlich länger gedauert die verletzte Frau zu behandeln.
Schnell machte er sich ans Werk, tastete die Melodien der Frau ab, beschaute sich jede Wunde und half der Heilung auf die Sprünge. Er stellte keine Fragen, wollte in diesem Moment nicht wissen, wie die Wunden entstanden waren oder wer etwas derartiges tun konnte. Er ging schlicht seiner Berufung nach: Dem Schutz des Lebens.
Es dauerte eine Weile, bis er seine Arbeit für beendet hielt und half der Frau sich ordentlich ins Bett zu legen, sodass sie sich ausruhen konnte. Ein letzter Blick auf die Dame und ein paar mahnende Worte und schon verließ er das Zimmer. Er wollte der Frau jede weitere Scham ersparen und ihr so die Ruhe gönnen, von der sie in den nächsten Wochen noch eine Menge benötigen wird.
Langsamen Schrittes und bis zu den Ellenbogen mit Blut verschmiert ging der Erzdruide dann die Treppen hinab. Sein Blick fiel auf Darna und die offene Tür. Sie hatte Gäste. Waren es vielleicht besorgte Beobachter? Oder einfach nur Freunde, die von dem Unglück erfahren haben? Kilyan wusste es nicht, doch erkannte er sofort, dass es seiner alten Bekannten mehr als schlecht ging. Sie war blass und wirkte äußerst niedergeschlagen. Es musste der Schock sein, nichts, womit diese Person nicht fertig werden würde, doch konnte Kilyan sich nicht zurückhalten und ließ ihr etwas Kraft zukommen, Kraft, die sie noch brauchen könnte, Kraft, die ihr vielleicht helfen wird dieses ganze Geschehen aufzuklären zu verarbeiten.
Er verließ das Anwesen finsteren Gedanken und fasst für sich den Entschluss dieses Haus in nächster Zeit wieder zu besuchen. Es war offenbar an der Zeit sich wieder seinen Freunden und Bekannten zuzuwenden, ihnen beizustehen und eine helfende Hand anzubieten.
Zu lange war Kilyan verschollen gewesen, zu lange konnte er nicht helfen. Doch dies ist nun vorbei.
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Darna von Hohenfels
Es war seit eh und je nicht so, daß sie warten wirklich mochte... aber sie hatte gelernt, wie man es hinnehmen musste, wenn man eben zu nichts anderem als warten verdammt war. Die längste und bitterste dieser Lektionen war das Warten auf Andrey gewesen, das letztlich mit nichts anderem beantwortet worden war als seinem Siegelring um einen Brief des Mörders und seinem Kopf in einem Korb. Hoffen konnte nicht nur Rettung sein, sie konnte auch verdammt weh tun. Doch ihr war eine sehr lange Zeit aufgezwungen worden, in der sie zu lernen hatte, die Hoffnung nicht gegen Verzweiflung und Aufgeben einzutauschen, sondern ihr den Stachel zu nehmen, nicht bewusst zu hoffen, zu warten und sich schmerzlich an der Sorge aufzureiben.
Es mochte abgestumpft oder gleichgültig auf andere wirken.
Und plötzlich ging alles elend schnell, raste auf sie zu und überrollte sie. Auf einmal war Lärm draußen vor dem Haus, Rufe, Treppengepolter. "Milady, das Pack ist da", brachte Shaya hervor, als Darna aus der Tür kommend förmlich in sie rein rannte, "Mit Fräulein Leah."
Keine Zeit für Fragen, keine Zeit für Sorge - und vor allem konnte sie es sich nicht leisten, nun den Gefühlen nachzugeben und selber wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend zu flattern. "Komme", war lediglich die herzlos knappe Antwort.
Adrian und Savea standen bereits draußen, als sie aus der Tür des Anwesens trat, eine männliche und eine weibliche Stimme forderten, die Waffen wegzulegen. Keine unnötigen Diskussionen über so banale Dinge, es machte die Fordernden nur aggressiver und nervös - als hätte Bajard ihr das nicht noch vor wenigen Tagen klar vor Augen gehalten. Zumal es bei ihr ohnehin keine Rolle spielte. Ihr nächster Griff streifte den Schwertgurt über den Kopf und ließ das kostbare Stück achtlos auf der Treppe. Es gab Wichtigeres: Da vorne Leah, zwei fremdartige Gegenstände an den Kopf gehalten, die nur diese seltsamen Schußwaffen sein konnten, die die Piraten so unberechenbar machten. Und davor Adrian und Savea, beide ungerüstet.
"Dazwischen stellen, in Sicherheit bringen. Und bloß nicht Savea den Mund aufmachen lassen, sonst wird das ein Blutbad."
"Ist Lady von Hohenfels zugegen?"
Ihr Stichwort. Sie trat an Savea vorbei und raunte so knapp wie möglich: "Savea, rein, bewaffnen, drin bleiben." Sie war dankbar, daß Adrian das Geflüster gerade übertönte, indem er die Frage laut bestätigte und auf sie wies, das Gespräch am laufen hielt; und dankbar, daß Savea nicht diskutierte, sondern nickte und sich sofort umdrehte. "Kriegen ja langsam Übung", huschte ihr zynisch durch die Gedanken.
Sie trat vor, auch an Adrian vorbei, wieder ein denkbar knappes und leises: "Adrian, hinter mich." Daß er leise seufzte und gen Himmel sah, merkte sie nicht, bereits auf die Entführer fixiert. Sie registrierte kurz darauf lediglich beruhigter, wie auch er ihren Worten Folge leistete.
"Zwei Leute aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Gut. Wenn sie doch schießen, ist meine Rüstung hoffentlich schneller da als die Kugel." Nüchterne Gedanken, für Sorge war immernoch kein Platz.
"Ich bin hier", stellte sie beherrscht ruhig fest und blieb stehen, als ihr deutlich genug gesagt wurde, sie solle keinen Schritt näher kommen. Der Blick voraus offenbarte Leah als ein verletztes Bündel Elend, gefesselt, geknebelt, die Augen verbunden, in zerfetzten dreckigen Lumpen steckend, durch die blutgetränkte Verbände leicht aus auszumachen waren.
Nicht in Wut geraten.
Sie versuchte, sich auf den ersten belanglosen verbalen Schlagabtausch einzulassen. Natürlich: wie dumm es gewesen war, nicht zu zahlen und den Boten fangen zu wollen. "Schinde Zeit. Jemand sollte so viel Verstand besitzen, daß er Verstärkung holt. Hier sind mehr, als die im Blick behalten können, und vieles schlecht einsehbar. Zeit schinden."
Ein Mann und eine Frau rechts und links von Leah, gleich aussehende einfache braune Roben, maskiert, ungefähr schätzte sie die Größen ab: der Mann etwa ihre Größe wohl, die Frau einen halben Kopf kleiner. Die Stimmen ausgereift und mit forschem Elan, etwas kehlig, sie schätzte auf ein Alter zwischen 20 und 30. Ihr Schweigen, während sie die Informationenflut verarbeitete und noch nach der Gelassenheit eines echten Überblickes suchte, fiel zum Glück nicht weiter auf.
"Ich muss zugeben ... es hat mich geärgert und ich habe mich gefragt ... José ... entweder der Frau liegt nichts an ihrer Angestellten ... oder du hast es wohl nicht deutlich genug gemacht. Ich hoffe, Ihr habt sowohl das Kästchen als auch das Gold noch, denn in meiner grenzenlosen Güte gewähre ich Euch eine zweite Chance: gebt uns das Gold und ihr könnt eure Freundin gleich hier wieder haben ... gebt es uns nicht ... und wir erschiessen sie hier vor euren Augen. Die Wahl liegt bei Euch."
Sie registrierte aus den Augenwinkeln, wie jemand aus der Tür des Nebengebäudes trat. "Nein! Nichts jetzt, was sie nervös macht oder sie sich bedroht vorkommen! Nicht noch jemand gefährdet! Geh wieder rein, verdammt!" Es war Nolik. Sie versuchte, ihn nicht zu beachten und die Aufmerksamkeit der Entführer bei sich zu halten.
Zu spät? "Man sollte erwähnen...", knurrte der Mann plötzlich und die Frau zog den Daumen an der Waffe nach hinten, ein mechanisches schnappendes Klicken erklang, "macht Ihr was dummes, knallen wir sie auch ab. Und wir schießen schneller als alles, was ihr tun könnt."
"Aye..."
"Ablenken. Situation entschärfen. Bei Getares..."
"José nanntet Ihr Euch?" - ihre Stimme blieb ruhig, auch wenn leicht zu erahnen war, wie viel Beherrschung sie das kosten musste.
"Wir kennen eure Waffen, der Tag ihrer Erforschung wird sicher kommen", hörte sie Adrian plötzlich hinter sich und hätte aufschreien mögen. Jetzt zwei hier das Wort führende Personen, die am besten noch genau gegensätzliche Gesprächsstrategien verfolgten?
"Sei still bitte, lass mich reden", zischte sie leise nach hinten.
Seine Erwiderung ein Schlag ins Gesicht, den sie schlucken musste, ohne Zeit zum verdauen zu haben: "Dann kann ich ja die Pferde füttern gehen?"
Sie knurrte leise. Einen Moment hatte sie das Gefühl, dreifach oder mehr die Arme über den ganzen Hof des Anwesens auszustrecken, um hier Nolik irgendwie weg zu schaffen, dort die Piraten ruhig zu halten und hinter sich Adrian zu beschwichtigen. Daß aus dem Innern des Hauses derweil Savea und Shaya mit ihren Bögen auf die Piraten zielten, konnte sie nur vermuten - und hoffen, daß ihnen nicht wieder die Arme dabei lahm wurden.
Ironischerweise war es die Piratin, die es ihr leicht machte, indem sie interessiert weiter Darna betrachtete, während ihr Begleiter immer mal wieder die Umgebung absicherte. Kurz beneidete sie die beiden um die klare Aufgabenverteilung. "Hole jemand Verstärkung, um Himmels willen..."
"Nun Lady von Hohenfels wieviel ist Euch ein Menschenleben wert? 50 Golddukaten? Oder ist dies schon zuviel?"
Sie kam nicht umhin, kurz mit den Augen zu rollen. Würden diese Fragen nie aufhören? "Knnt Ihr Euch vorstellen, wie oft ich diese Frage schon gehört habe, 'José'?" Es klang tatsächlich entnervt gelangweilt, als sie diesem Impuls berechnend auch kurz Raum gab. "Was muß Leah nur von mir denken?", huschte es dabei besorgt durch einen anderen Winkel der Gedanken.
"Nein keine Ahnung, aber mir habt Ihr sie noch nicht beantwortet. Was mit den anderen ist schert mich wenig..."
"Kannst du es dir jetzt leisten, zu predigen? Bloß nicht salbungsvoll, ja nicht belehrend..." Sie holte innerlich kurz Luft, ihre Worte klangen wieder abgeschottet hart, sachlich, schlicht, feststellend: "Die Antwort lautet 'Alles und nichts'. Wisst Ihr... es hat Euch niemand gezwungen, meine Angestellte zu entführen, noch ihr ein Leid anzutun, ich am allerwenigsten."
"Was ihr tut, ist sinnlos und einzig eure schuld."
"Red keinen Scheiß, Weib!", knurrte der Pirat laut. Provoziert. Also Treffer?
"Also willst du wirklich mit ansehen, wie wir sie vor deinen Augen abknalln?", fragte José.
~~~
(Jahre her und doch wie gestern)
"Meine liebe Darna" - schon die Worte reizten sie weiter. Dachte Eileen, sie spräche mit einem kleinen störrischen Kind? "Wenn ich mit einer einfachen Lüge ein Leben retten kann .. dann tu ich es."
"Deswegen seid Ihr kein Ritter."
"Nur, um es auf die Spitze zu treiben - wenn Ihr vor einem Mann steht, der Euch etwas fragt, das Messer am Hals eines Kindes, und Ihr wisst, sagt ihr A, dann schneidet er ihm den Hals durch, dann sagt auch ihr B. Sonst hätte ich mich sehr getäuscht."
"Vorher suche ich nach C."
"Das Kind stirbt, weil Ihr zögert! Zack! Aus - wegen Euch."
Sie hätte sie ohrfeigen mögen für diese Dreistigkeit, diese Provokation.
"Weil Ihr nicht B gesagt habt.
Bleibt realistisch, Darna."
NEIN!
"Tut nicht so, als ware ich ein gedankenloser, zögerlicher Träumer, der mal eben so für unsinnige Ideale Menschen riskiert und leichtfertig opfert - das ist fast mehr Beleidigung, als tragbar ist, Milady."
"Dann redet nicht wie einer!
Wenn ich das Mädchen mit dem Messer am Hals bin, dann werde ich einen Dolch dabei haben, Darna - weil Ihr zu lange braucht, bis Ihr C findet. Wer träumt hier?!"
~~~
"Also willst du wirklich mit ansehen, wie wir sie vor deinen Augen abknalln?", hallten die Worte von José in ihr nach, und sie erwiderte das Einzige, was Wahrheit war: "Nein, natürlich will ich das nicht", sagte sie ernst.
"Nun, Ihr kennt die Bedingung, die ihr dieses Schicksal erspart."
"Weniger sülzen, mehr Gold holen würde ich sagen!", ließ sich Josés Kumpan vernehmen.
Nein. Nein, B war nicht die Lösung. "Wollt ihr wirklich, daß ich euch Geld gebe, und das nächste Lumpenpack auf eurer Insel reibt sich die Hände und denkt: 'Oh schön, das funktioniert ja, leichtes Geld, entführen wir einfach den nächsten...'?"
"Nunja ... ich denke dann müsst Ihr besser auf Eure Angestellten achten, oder?"
"Ich muß besser auf meine Wächter aufpassen, damit die nicht entführt werden. Ja. Klar." Sie lockte den zynischen Gedanken zu einem gekünstelten Lachen und ließ ihre Stimme wieder hart werden: "Wisst Ihr eigentlich, was für eine Angestellte ihr da habt? Das ist eine Wächterin. Die soll uns vor Leuten wie euch beschützen."
"Nimm ihnen die Macht über dich. Sie dürfen nicht merken, wieviel sie dir wert wäre."
"Nun, darin hat sie versagt, wie es aussieht", musste auch José feststellen, doch ging Darnas Plan nicht auf, "Aber ich weiss, dass sie etwas hat, das sie wertvoll für euch macht... gerade für Euch Paladina ..."
"Ihr Leben selbst, das reicht schon. Dieses Weib steigt nicht drauf ein. Dreck! Runterspielen, sofort runterspielen!"
"Ja, ganz richtig...", schnauzte sie zurück, "und ihr glaubt, dafür zahl ich 50 Kronen..."
"Aye, sonst wäre ich nicht hier", redete José dazwischen.
"...und lade noch weitere Halunken ein, uns zu überfallen, dann täuscht ihr euch!"
"Soso...", José nickte bedächtig, "Euer letztes Wort?"
Ihre Alarmglocken schrillten. Die Piratin machte ganz und gar nicht den Eindruck, als wüsste sie nicht weiter. Ihr Kamerad ließ das Seil los, um irgendwas aus der Robe zu holen, dabei weiter die Pistole an Leahs Kopf haltend. Irgendwas für sie unplanbares drohte mit ins Spiel zu kommen, was schlecht war, ganz schlecht. Sie versuchte, José wieder mehr an den unsichtbaren Verhandlungstisch zu locken. "Hol doch endlich einer die Garde, verdammt!"
"Ihr seid ein schlechter Händler, José."
"Nein, nur ein entschlossener", erwiderte die Frau sofort und Darna hätte aufheulen können, als sie die Felle für Leah wegschwimmen sah.
"Machen wir's kurz..." - Josés Griff an der Pistole erneuerte sich und das nächste Wort legte Darna die Schlinge um den Hals:
"Drei..."
"C. Irgendwo muß C sein. Zeit schinden. Wo ist die Garde?!"
"Wollt Ihr überhaupt mit einem müden Heller hier weg kommen, dann lasst uns meinetwegen neu verhandeln."
"Zwei..."
"Ihr werdet jetzt nicht vor meinen Augen Leah abschießen und dann irgendwas herumfaseln von wegen, ich hätte euch ja dazu gezwungen, oder? Das traut ihr euch nicht, hier so einen Mord zu begehen. Wegen 50 Kronen... was sind die euch wert? Wenn ihr sie tötet, bring ich euch um, mich hält keine so lausige Kugel auf, ich schneid euch in Stücke, bevor ihr hier weg kommt."
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. "Wagt es..."
"Ich kann nichts tun. Ich kann gar nichts tun. Die Mörder sind sie, nicht ich.
Zack! Aus - wegen Euch. Weil Ihr zögert."
"Eins..."
"Ich lass sie sterben. Vor meinen Augen abschießen. Leah. Leah! Es tut mir... sie müssen mich für eine Bestie halten. Was soll das für ein Arbeitgeber... Beschützer sein, der seine Leute wegen 50 Kronen abschießen lässt?"
Den Bruchteil einer Sekunde sah sie Leah bereits tot am Boden und Savea, Shaya, alle auf sie spucken und sich angewidert abwenden, gehen, das Haus leer, die Anklage zerquetschte sie.
"Adrian." Sie hob betäubt einen Arm. "Kann ich's überhaupt noch aufhalten? Ich hab zu lang gezögert." "Hol die Kiste."
Es war zu spät.
Im gleichen Augenblick war das Zählen bei einer stummen Null angekommen und die Piratin nahm die Hände beiseite, damit die Waffe von Leahs Kopf und ließ das Seil los, um die Kapuze zurückzuwerfen und die Maske runterzuziehen. Ein schmales, scharf geschnittenes aber an sich hübsches Frauengesicht offenbarte sich, das Darna in den ersten Momenten überhaupt nicht verinnerlichte, in der Annahme, daß es sowieso nicht das echte Aussehen wäre. Erst später sickerte irgendwie durch ihre Gehirnwindungen, daß die Piratin dafür ja magisch begabt hätte sein müssen. Was war hier los?
"Ich muß schon sagen... Lady Elbenau - nein verzeiht - Lady von Hohenfels... In meiner ganzen 'Karriere' als Piratin... ist mir noch niemand wie Ihr es seid begegnet."
Die Worte drangen nur noch wie ein Rausche zu ihr und der Verstand versuchte eine Weile erfolglos, den ganzen neuen Eindrücken einen richtigen Sinn zu geben. "Noch nie jemand begegnet, der seine eigenen Leute für 50 Kronen töten ließe, ja. Der größte Geizhals der Welt vielleicht. Wer lässt schon für Prinzipien seine Leute töten? Vor seinen Augen ermorden... Leah verzeiht mir das nie. Vielleicht gehen sie trotzdem alle, ich bin eine Gefahr für sie. So einem Aas dient man doch nicht, und sowas nennt sich Paladin. Vielleicht hab ich mir auch das gerade verscherzt. Wegen Prinzipien. Es gab kein C. Es gab kein C, verdammt."
"Ich habe noch nie jemanden getroffen, der kein totales Dreckschwein war und solchem Druck nicht nachgegeben hat."
"Dreckschwein, so kann man das wohl auch nennen." - sie verstand den Sinn der Worte nicht richtig, überhörte den Nachsatz: "Und mit Verlaub, für ein Dreckschwein halte ich Euch nicht..."
Bewegung kam in die Stasis, um sie herum rumorte es irgendwie, sie hatte Mühe, sich überhaupt noch auf das zu konzentrieren, was gesagt wurde. In ihren Augenwinkel schob sich die Kiste mit dem Lösegeld, und sie schob sie zurück, es war zu spät, vorbei, auch wenn es ihr weiterhin schwer fiel, zu begreifen was hier vor sich ging.
José redete irgendwas von "spannend" und "knapp" - als wär das hier nur ein Spiel mit Finte.
"Was wollt ihr, verflixt noch eins?", knurrte sie.
"Hier und jetzt? Gute Verlierer sein... und Euch meine Aufwartung machen."
Darnas Brauen ruckten überrascht hoch. Es passte nicht ins Bild. Oder? Sie hatte "gewonnen"? War es vorbei und Leah würde leben?
"Diese Runde hier ging zweifelslos an Euch. Aber es ist nicht das Ende, Milady ... es ist ein Anfang."
"Lasst uns doch endlich in Ruhe. Ich WILL nicht. Haut ab, bevor es irgendwem doch noch leid tut."
Sie versuchte noch Automatismen abspulend zu drohen, doch was immer diesen Leuten durch den Kopf ging, es war vorbei, hier und heute dieses Kapitel vorbei. Protestlos sah sie zu, wie sie jeder eine Phiole zückten und leerten, die Konturen der Körper verschwammen, bis sie binnen eines Lidschlags sich scheinbar in Luft aufgelöst hatten.
"Ja, haut ab." Sie fühlte sich irgendwie müde, hatte auch dafür aber keine Zeit mehr. Sobald Leah unbedroht schien, lief sie zu ihr.
Keine Gefühle. Erleichterung hätte sie jetzt umgerissen. Sie funktionierte weiter, schickte Leute mit knappen Worten hierhin, dorthin, dies tun, jenes tun... Nolik beobachtete unten, während oben Leah verarztet wurde, einen Moment besorgt die Lady, wie sie wie eine Auskünfte gebende Statue vor dem steinernen Ritterabbild im großen Raum stand, sich nur in unbeobachtet scheinenden Moment verlorene Blicke zu dem leblosen Symbol all dessen erlaubte, was sie sein wollte.
"Ist es das, was sie dich gelehrt haben? Rücksichtslos zu sein und deine Ansichten durchzusetzen, und wenn du dafür über Leichen gehst?"
Adrian schien der Erste, ausgerechnet, aber alle anderen waren sicher nur zu beschäftigt, um sie zurechtzustutzen und zurück zu lassen. "Was geht es mich auch an, Mylady werden es schon zu lösen wissen." Sie verstand nicht, was er gerade meinte, aber sie hatte auch nicht die Kraft, nachzufragen. "Gib mir bescheid, wenn ich wieder für irgendetwas nützlich scheine.."
"Wenn ich an dir auch austesten kann, ob ich meine... hehren Prinzipien für dich verrate? Ob ich dich nur benutze, solange du sie nicht gefährdest? Fragst du dich gerade, ob ich dich ihnen auch zum Fraß vorgeworfen hätte? Tu's nicht, bitte..."
Sie verstand nicht, was er wollte, aber sie sah betäubt zu, wie er ging.
Alles um sie herum rauschte an ihr vorbei, bis sie Sorchas Stimme von der Tür hörte.
Adlerritterin. Ausgerechnet jetzt. "Vermutlich, um das Urteil für diese Kaltblütigkeit zu fällen. Das ging schnell, aber dann hab ich's wohl hinter mir."
"Ich komm schon raus."
Sie ging zur Tür, als stünde draußen nochmal Herzog Widumars Scharfrichter Etzel.
Es mochte abgestumpft oder gleichgültig auf andere wirken.
Und plötzlich ging alles elend schnell, raste auf sie zu und überrollte sie. Auf einmal war Lärm draußen vor dem Haus, Rufe, Treppengepolter. "Milady, das Pack ist da", brachte Shaya hervor, als Darna aus der Tür kommend förmlich in sie rein rannte, "Mit Fräulein Leah."
Keine Zeit für Fragen, keine Zeit für Sorge - und vor allem konnte sie es sich nicht leisten, nun den Gefühlen nachzugeben und selber wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend zu flattern. "Komme", war lediglich die herzlos knappe Antwort.
Adrian und Savea standen bereits draußen, als sie aus der Tür des Anwesens trat, eine männliche und eine weibliche Stimme forderten, die Waffen wegzulegen. Keine unnötigen Diskussionen über so banale Dinge, es machte die Fordernden nur aggressiver und nervös - als hätte Bajard ihr das nicht noch vor wenigen Tagen klar vor Augen gehalten. Zumal es bei ihr ohnehin keine Rolle spielte. Ihr nächster Griff streifte den Schwertgurt über den Kopf und ließ das kostbare Stück achtlos auf der Treppe. Es gab Wichtigeres: Da vorne Leah, zwei fremdartige Gegenstände an den Kopf gehalten, die nur diese seltsamen Schußwaffen sein konnten, die die Piraten so unberechenbar machten. Und davor Adrian und Savea, beide ungerüstet.
"Dazwischen stellen, in Sicherheit bringen. Und bloß nicht Savea den Mund aufmachen lassen, sonst wird das ein Blutbad."
"Ist Lady von Hohenfels zugegen?"
Ihr Stichwort. Sie trat an Savea vorbei und raunte so knapp wie möglich: "Savea, rein, bewaffnen, drin bleiben." Sie war dankbar, daß Adrian das Geflüster gerade übertönte, indem er die Frage laut bestätigte und auf sie wies, das Gespräch am laufen hielt; und dankbar, daß Savea nicht diskutierte, sondern nickte und sich sofort umdrehte. "Kriegen ja langsam Übung", huschte ihr zynisch durch die Gedanken.
Sie trat vor, auch an Adrian vorbei, wieder ein denkbar knappes und leises: "Adrian, hinter mich." Daß er leise seufzte und gen Himmel sah, merkte sie nicht, bereits auf die Entführer fixiert. Sie registrierte kurz darauf lediglich beruhigter, wie auch er ihren Worten Folge leistete.
"Zwei Leute aus der unmittelbaren Gefahrenzone. Gut. Wenn sie doch schießen, ist meine Rüstung hoffentlich schneller da als die Kugel." Nüchterne Gedanken, für Sorge war immernoch kein Platz.
"Ich bin hier", stellte sie beherrscht ruhig fest und blieb stehen, als ihr deutlich genug gesagt wurde, sie solle keinen Schritt näher kommen. Der Blick voraus offenbarte Leah als ein verletztes Bündel Elend, gefesselt, geknebelt, die Augen verbunden, in zerfetzten dreckigen Lumpen steckend, durch die blutgetränkte Verbände leicht aus auszumachen waren.
Nicht in Wut geraten.
Sie versuchte, sich auf den ersten belanglosen verbalen Schlagabtausch einzulassen. Natürlich: wie dumm es gewesen war, nicht zu zahlen und den Boten fangen zu wollen. "Schinde Zeit. Jemand sollte so viel Verstand besitzen, daß er Verstärkung holt. Hier sind mehr, als die im Blick behalten können, und vieles schlecht einsehbar. Zeit schinden."
Ein Mann und eine Frau rechts und links von Leah, gleich aussehende einfache braune Roben, maskiert, ungefähr schätzte sie die Größen ab: der Mann etwa ihre Größe wohl, die Frau einen halben Kopf kleiner. Die Stimmen ausgereift und mit forschem Elan, etwas kehlig, sie schätzte auf ein Alter zwischen 20 und 30. Ihr Schweigen, während sie die Informationenflut verarbeitete und noch nach der Gelassenheit eines echten Überblickes suchte, fiel zum Glück nicht weiter auf.
"Ich muss zugeben ... es hat mich geärgert und ich habe mich gefragt ... José ... entweder der Frau liegt nichts an ihrer Angestellten ... oder du hast es wohl nicht deutlich genug gemacht. Ich hoffe, Ihr habt sowohl das Kästchen als auch das Gold noch, denn in meiner grenzenlosen Güte gewähre ich Euch eine zweite Chance: gebt uns das Gold und ihr könnt eure Freundin gleich hier wieder haben ... gebt es uns nicht ... und wir erschiessen sie hier vor euren Augen. Die Wahl liegt bei Euch."
Sie registrierte aus den Augenwinkeln, wie jemand aus der Tür des Nebengebäudes trat. "Nein! Nichts jetzt, was sie nervös macht oder sie sich bedroht vorkommen! Nicht noch jemand gefährdet! Geh wieder rein, verdammt!" Es war Nolik. Sie versuchte, ihn nicht zu beachten und die Aufmerksamkeit der Entführer bei sich zu halten.
Zu spät? "Man sollte erwähnen...", knurrte der Mann plötzlich und die Frau zog den Daumen an der Waffe nach hinten, ein mechanisches schnappendes Klicken erklang, "macht Ihr was dummes, knallen wir sie auch ab. Und wir schießen schneller als alles, was ihr tun könnt."
"Aye..."
"Ablenken. Situation entschärfen. Bei Getares..."
"José nanntet Ihr Euch?" - ihre Stimme blieb ruhig, auch wenn leicht zu erahnen war, wie viel Beherrschung sie das kosten musste.
"Wir kennen eure Waffen, der Tag ihrer Erforschung wird sicher kommen", hörte sie Adrian plötzlich hinter sich und hätte aufschreien mögen. Jetzt zwei hier das Wort führende Personen, die am besten noch genau gegensätzliche Gesprächsstrategien verfolgten?
"Sei still bitte, lass mich reden", zischte sie leise nach hinten.
Seine Erwiderung ein Schlag ins Gesicht, den sie schlucken musste, ohne Zeit zum verdauen zu haben: "Dann kann ich ja die Pferde füttern gehen?"
Sie knurrte leise. Einen Moment hatte sie das Gefühl, dreifach oder mehr die Arme über den ganzen Hof des Anwesens auszustrecken, um hier Nolik irgendwie weg zu schaffen, dort die Piraten ruhig zu halten und hinter sich Adrian zu beschwichtigen. Daß aus dem Innern des Hauses derweil Savea und Shaya mit ihren Bögen auf die Piraten zielten, konnte sie nur vermuten - und hoffen, daß ihnen nicht wieder die Arme dabei lahm wurden.
Ironischerweise war es die Piratin, die es ihr leicht machte, indem sie interessiert weiter Darna betrachtete, während ihr Begleiter immer mal wieder die Umgebung absicherte. Kurz beneidete sie die beiden um die klare Aufgabenverteilung. "Hole jemand Verstärkung, um Himmels willen..."
"Nun Lady von Hohenfels wieviel ist Euch ein Menschenleben wert? 50 Golddukaten? Oder ist dies schon zuviel?"
Sie kam nicht umhin, kurz mit den Augen zu rollen. Würden diese Fragen nie aufhören? "Knnt Ihr Euch vorstellen, wie oft ich diese Frage schon gehört habe, 'José'?" Es klang tatsächlich entnervt gelangweilt, als sie diesem Impuls berechnend auch kurz Raum gab. "Was muß Leah nur von mir denken?", huschte es dabei besorgt durch einen anderen Winkel der Gedanken.
"Nein keine Ahnung, aber mir habt Ihr sie noch nicht beantwortet. Was mit den anderen ist schert mich wenig..."
"Kannst du es dir jetzt leisten, zu predigen? Bloß nicht salbungsvoll, ja nicht belehrend..." Sie holte innerlich kurz Luft, ihre Worte klangen wieder abgeschottet hart, sachlich, schlicht, feststellend: "Die Antwort lautet 'Alles und nichts'. Wisst Ihr... es hat Euch niemand gezwungen, meine Angestellte zu entführen, noch ihr ein Leid anzutun, ich am allerwenigsten."
"Was ihr tut, ist sinnlos und einzig eure schuld."
"Red keinen Scheiß, Weib!", knurrte der Pirat laut. Provoziert. Also Treffer?
"Also willst du wirklich mit ansehen, wie wir sie vor deinen Augen abknalln?", fragte José.
~~~
(Jahre her und doch wie gestern)
"Meine liebe Darna" - schon die Worte reizten sie weiter. Dachte Eileen, sie spräche mit einem kleinen störrischen Kind? "Wenn ich mit einer einfachen Lüge ein Leben retten kann .. dann tu ich es."
"Deswegen seid Ihr kein Ritter."
"Nur, um es auf die Spitze zu treiben - wenn Ihr vor einem Mann steht, der Euch etwas fragt, das Messer am Hals eines Kindes, und Ihr wisst, sagt ihr A, dann schneidet er ihm den Hals durch, dann sagt auch ihr B. Sonst hätte ich mich sehr getäuscht."
"Vorher suche ich nach C."
"Das Kind stirbt, weil Ihr zögert! Zack! Aus - wegen Euch."
Sie hätte sie ohrfeigen mögen für diese Dreistigkeit, diese Provokation.
"Weil Ihr nicht B gesagt habt.
Bleibt realistisch, Darna."
NEIN!
"Tut nicht so, als ware ich ein gedankenloser, zögerlicher Träumer, der mal eben so für unsinnige Ideale Menschen riskiert und leichtfertig opfert - das ist fast mehr Beleidigung, als tragbar ist, Milady."
"Dann redet nicht wie einer!
Wenn ich das Mädchen mit dem Messer am Hals bin, dann werde ich einen Dolch dabei haben, Darna - weil Ihr zu lange braucht, bis Ihr C findet. Wer träumt hier?!"
~~~
"Also willst du wirklich mit ansehen, wie wir sie vor deinen Augen abknalln?", hallten die Worte von José in ihr nach, und sie erwiderte das Einzige, was Wahrheit war: "Nein, natürlich will ich das nicht", sagte sie ernst.
"Nun, Ihr kennt die Bedingung, die ihr dieses Schicksal erspart."
"Weniger sülzen, mehr Gold holen würde ich sagen!", ließ sich Josés Kumpan vernehmen.
Nein. Nein, B war nicht die Lösung. "Wollt ihr wirklich, daß ich euch Geld gebe, und das nächste Lumpenpack auf eurer Insel reibt sich die Hände und denkt: 'Oh schön, das funktioniert ja, leichtes Geld, entführen wir einfach den nächsten...'?"
"Nunja ... ich denke dann müsst Ihr besser auf Eure Angestellten achten, oder?"
"Ich muß besser auf meine Wächter aufpassen, damit die nicht entführt werden. Ja. Klar." Sie lockte den zynischen Gedanken zu einem gekünstelten Lachen und ließ ihre Stimme wieder hart werden: "Wisst Ihr eigentlich, was für eine Angestellte ihr da habt? Das ist eine Wächterin. Die soll uns vor Leuten wie euch beschützen."
"Nimm ihnen die Macht über dich. Sie dürfen nicht merken, wieviel sie dir wert wäre."
"Nun, darin hat sie versagt, wie es aussieht", musste auch José feststellen, doch ging Darnas Plan nicht auf, "Aber ich weiss, dass sie etwas hat, das sie wertvoll für euch macht... gerade für Euch Paladina ..."
"Ihr Leben selbst, das reicht schon. Dieses Weib steigt nicht drauf ein. Dreck! Runterspielen, sofort runterspielen!"
"Ja, ganz richtig...", schnauzte sie zurück, "und ihr glaubt, dafür zahl ich 50 Kronen..."
"Aye, sonst wäre ich nicht hier", redete José dazwischen.
"...und lade noch weitere Halunken ein, uns zu überfallen, dann täuscht ihr euch!"
"Soso...", José nickte bedächtig, "Euer letztes Wort?"
Ihre Alarmglocken schrillten. Die Piratin machte ganz und gar nicht den Eindruck, als wüsste sie nicht weiter. Ihr Kamerad ließ das Seil los, um irgendwas aus der Robe zu holen, dabei weiter die Pistole an Leahs Kopf haltend. Irgendwas für sie unplanbares drohte mit ins Spiel zu kommen, was schlecht war, ganz schlecht. Sie versuchte, José wieder mehr an den unsichtbaren Verhandlungstisch zu locken. "Hol doch endlich einer die Garde, verdammt!"
"Ihr seid ein schlechter Händler, José."
"Nein, nur ein entschlossener", erwiderte die Frau sofort und Darna hätte aufheulen können, als sie die Felle für Leah wegschwimmen sah.
"Machen wir's kurz..." - Josés Griff an der Pistole erneuerte sich und das nächste Wort legte Darna die Schlinge um den Hals:
"Drei..."
"C. Irgendwo muß C sein. Zeit schinden. Wo ist die Garde?!"
"Wollt Ihr überhaupt mit einem müden Heller hier weg kommen, dann lasst uns meinetwegen neu verhandeln."
"Zwei..."
"Ihr werdet jetzt nicht vor meinen Augen Leah abschießen und dann irgendwas herumfaseln von wegen, ich hätte euch ja dazu gezwungen, oder? Das traut ihr euch nicht, hier so einen Mord zu begehen. Wegen 50 Kronen... was sind die euch wert? Wenn ihr sie tötet, bring ich euch um, mich hält keine so lausige Kugel auf, ich schneid euch in Stücke, bevor ihr hier weg kommt."
Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. "Wagt es..."
"Ich kann nichts tun. Ich kann gar nichts tun. Die Mörder sind sie, nicht ich.
Zack! Aus - wegen Euch. Weil Ihr zögert."
"Eins..."
"Ich lass sie sterben. Vor meinen Augen abschießen. Leah. Leah! Es tut mir... sie müssen mich für eine Bestie halten. Was soll das für ein Arbeitgeber... Beschützer sein, der seine Leute wegen 50 Kronen abschießen lässt?"
Den Bruchteil einer Sekunde sah sie Leah bereits tot am Boden und Savea, Shaya, alle auf sie spucken und sich angewidert abwenden, gehen, das Haus leer, die Anklage zerquetschte sie.
"Adrian." Sie hob betäubt einen Arm. "Kann ich's überhaupt noch aufhalten? Ich hab zu lang gezögert." "Hol die Kiste."
Es war zu spät.
Im gleichen Augenblick war das Zählen bei einer stummen Null angekommen und die Piratin nahm die Hände beiseite, damit die Waffe von Leahs Kopf und ließ das Seil los, um die Kapuze zurückzuwerfen und die Maske runterzuziehen. Ein schmales, scharf geschnittenes aber an sich hübsches Frauengesicht offenbarte sich, das Darna in den ersten Momenten überhaupt nicht verinnerlichte, in der Annahme, daß es sowieso nicht das echte Aussehen wäre. Erst später sickerte irgendwie durch ihre Gehirnwindungen, daß die Piratin dafür ja magisch begabt hätte sein müssen. Was war hier los?
"Ich muß schon sagen... Lady Elbenau - nein verzeiht - Lady von Hohenfels... In meiner ganzen 'Karriere' als Piratin... ist mir noch niemand wie Ihr es seid begegnet."
Die Worte drangen nur noch wie ein Rausche zu ihr und der Verstand versuchte eine Weile erfolglos, den ganzen neuen Eindrücken einen richtigen Sinn zu geben. "Noch nie jemand begegnet, der seine eigenen Leute für 50 Kronen töten ließe, ja. Der größte Geizhals der Welt vielleicht. Wer lässt schon für Prinzipien seine Leute töten? Vor seinen Augen ermorden... Leah verzeiht mir das nie. Vielleicht gehen sie trotzdem alle, ich bin eine Gefahr für sie. So einem Aas dient man doch nicht, und sowas nennt sich Paladin. Vielleicht hab ich mir auch das gerade verscherzt. Wegen Prinzipien. Es gab kein C. Es gab kein C, verdammt."
"Ich habe noch nie jemanden getroffen, der kein totales Dreckschwein war und solchem Druck nicht nachgegeben hat."
"Dreckschwein, so kann man das wohl auch nennen." - sie verstand den Sinn der Worte nicht richtig, überhörte den Nachsatz: "Und mit Verlaub, für ein Dreckschwein halte ich Euch nicht..."
Bewegung kam in die Stasis, um sie herum rumorte es irgendwie, sie hatte Mühe, sich überhaupt noch auf das zu konzentrieren, was gesagt wurde. In ihren Augenwinkel schob sich die Kiste mit dem Lösegeld, und sie schob sie zurück, es war zu spät, vorbei, auch wenn es ihr weiterhin schwer fiel, zu begreifen was hier vor sich ging.
José redete irgendwas von "spannend" und "knapp" - als wär das hier nur ein Spiel mit Finte.
"Was wollt ihr, verflixt noch eins?", knurrte sie.
"Hier und jetzt? Gute Verlierer sein... und Euch meine Aufwartung machen."
Darnas Brauen ruckten überrascht hoch. Es passte nicht ins Bild. Oder? Sie hatte "gewonnen"? War es vorbei und Leah würde leben?
"Diese Runde hier ging zweifelslos an Euch. Aber es ist nicht das Ende, Milady ... es ist ein Anfang."
"Lasst uns doch endlich in Ruhe. Ich WILL nicht. Haut ab, bevor es irgendwem doch noch leid tut."
Sie versuchte noch Automatismen abspulend zu drohen, doch was immer diesen Leuten durch den Kopf ging, es war vorbei, hier und heute dieses Kapitel vorbei. Protestlos sah sie zu, wie sie jeder eine Phiole zückten und leerten, die Konturen der Körper verschwammen, bis sie binnen eines Lidschlags sich scheinbar in Luft aufgelöst hatten.
"Ja, haut ab." Sie fühlte sich irgendwie müde, hatte auch dafür aber keine Zeit mehr. Sobald Leah unbedroht schien, lief sie zu ihr.
Keine Gefühle. Erleichterung hätte sie jetzt umgerissen. Sie funktionierte weiter, schickte Leute mit knappen Worten hierhin, dorthin, dies tun, jenes tun... Nolik beobachtete unten, während oben Leah verarztet wurde, einen Moment besorgt die Lady, wie sie wie eine Auskünfte gebende Statue vor dem steinernen Ritterabbild im großen Raum stand, sich nur in unbeobachtet scheinenden Moment verlorene Blicke zu dem leblosen Symbol all dessen erlaubte, was sie sein wollte.
"Ist es das, was sie dich gelehrt haben? Rücksichtslos zu sein und deine Ansichten durchzusetzen, und wenn du dafür über Leichen gehst?"
Adrian schien der Erste, ausgerechnet, aber alle anderen waren sicher nur zu beschäftigt, um sie zurechtzustutzen und zurück zu lassen. "Was geht es mich auch an, Mylady werden es schon zu lösen wissen." Sie verstand nicht, was er gerade meinte, aber sie hatte auch nicht die Kraft, nachzufragen. "Gib mir bescheid, wenn ich wieder für irgendetwas nützlich scheine.."
"Wenn ich an dir auch austesten kann, ob ich meine... hehren Prinzipien für dich verrate? Ob ich dich nur benutze, solange du sie nicht gefährdest? Fragst du dich gerade, ob ich dich ihnen auch zum Fraß vorgeworfen hätte? Tu's nicht, bitte..."
Sie verstand nicht, was er wollte, aber sie sah betäubt zu, wie er ging.
Alles um sie herum rauschte an ihr vorbei, bis sie Sorchas Stimme von der Tür hörte.
Adlerritterin. Ausgerechnet jetzt. "Vermutlich, um das Urteil für diese Kaltblütigkeit zu fällen. Das ging schnell, aber dann hab ich's wohl hinter mir."
"Ich komm schon raus."
Sie ging zur Tür, als stünde draußen nochmal Herzog Widumars Scharfrichter Etzel.
- Sorcha Llastobhar
- Beiträge: 84
- Registriert: Sonntag 7. Oktober 2012, 17:37
Sie ritt fort von Bajard. Aus der Ferne hatte sie sich das kleine Dorf erneut angesehen, jenes widerspenstige, ketzerische, kleine Dorf. Ein Hineinreiten wäre sicherlich möglich gewesen aber alleine war ihr dieses Unterfangen zu riskant, besonders nach den letzten Ereignissen.
Es wäre nicht so gewesen dass sie ein paar wütende Blicke nicht vertragen hätte, sie wusste dass sie im Recht gehandelt hatten und nur das Richtige getan hatten, aber sie wollte nicht einem Diener des Panthers über den Weg laufen und dann auch noch eventuelle verblendete Narren im Rücken haben. Und so wandte sie das Pferd, ritt wieder zurück in Richtung der Schwertwacht.
Die letzten Tage schweiften ihre Gedanken jedoch immer wieder von ihren eigenen Pflichten ab, es gab viele Dinge die sie bekümmerten, ihr zusetzten und gerade jene familiären Probleme waren es, die sie an der Kreuzung nicht den Weg in Richtung Gerimor-Ost wählen ließ, sondern den Weg gen Varuna, denn sie musste mit jemanden sprechen, jemand der für sie immer einen guten Rat offen hatte.
Das Pferd erreichte das Haus der Paladiness von Elbenau … oder eher gesagt Hohenfels wie sie nun hieß, ein letzter Blick folgte über ihr Erscheinungsbild, die Rüstung saß so wie immer, das Haar zu einem strengen Zopf geflochten und der Umhang war festgezurrt, so konnte sie Darna unter die Augen treten.
Auf ihr Klopfen hin dauerte es eine ganze Weile bis man ihr öffnete und noch länger bis sie Darna endlich ins Gesicht blickte, und im gleichen Moment wünschte sie sich fast sie hätte es gar nicht erst getan.
Was sie da vor ihren Augen hatte war eine aufgelöste und unter Schock stehende Paladiness, jedes Zeichen der Würde, der Sicherheit und Standfestigkeit war fernab und etwas überrascht blickte sie Darna an als sie ihr sagte sie sei bereit die Strafe entgegenzunehmen ... die Strafe für was? Es war alles andere als einfach etwas Sinnvolles oder Verständliches aus der Kriegerin herauszubekommen, zu sehr stand sie neben sich und erst als Sorcha sie etwas beiseite nahm war Darna anscheinend in der Lage zu erklären, ihr klarzumachen wieso sie so neben sich war.
Sorcha hörte ihr zu, merkte sich jedes kleine Detail, hörte sich an wie Darna sich entschieden hatte, dass sie nicht bereit gewesen war diesen Halunken das Gold zu geben und dass ihre Wächterin dafür fast das Leben bezahlt hätte.
Die Ritterin hatte sich sehr schnell ein Bild von dieser Lage gemacht und schnell stand eines fest, so wie Darna in dieser Situation gehandelt hatte, wie sie das Leben ihrer Wächterin für Gold aufs Spiel gesetzt hatte, all das … war vollkommen richtig gewesen.
Für einen Moment entzog sich Sorcha sogar das Verständnis wieso Darna so aufgelöst war, sie hatte ihre Pflicht getan, sie hatte gewusst was passieren würde wenn sie nachgegeben hätte, sie hatte militärisch korrekt gehandelt. Doch all dies war eher zweitrangig, denn eine Sache schien die Paladiness für einen Moment vergessen zu haben; wenn es Temoras Wille selbst gewesen wäre dass die Wächterin gestorben wäre, dann wäre dies eben so.
Doch Temora schien eben dies nicht gewollt zu haben und deswegen lebte Leah noch, und es bestand keinen Zweifel dass ihr Überleben gesichert gewesen war. Es bedurfte einiger Zeit Darna dies klarzumachen, ihr vor Augen zu führen dass sie richtig gehandelt hatte und zu keinem Zeitpunkt etwas falsch gemacht hatte, aber am Ende schien das Selbstbewusstsein in Darna wieder zu erblühen.
An diesem Abend hatte Sorcha ihre eigenen Sorgen und Probleme zurückgesteckt, es war nicht notwendig die Paladiness damit zu belästigen, nicht an solch einem Abend zu solch einem Moment. Und so hatte sie sich wieder auf den Weg zurück gemacht. Sie war froh dass sie Darna helfen konnte aber in einem Punkt bereute sie jenen Abend gleichzeitig; ihr wurde nämlich vor Augen geführt dass selbst eine heilige und erwählte Kriegerin Temoras nicht grenzenlos stark war …
Es wäre nicht so gewesen dass sie ein paar wütende Blicke nicht vertragen hätte, sie wusste dass sie im Recht gehandelt hatten und nur das Richtige getan hatten, aber sie wollte nicht einem Diener des Panthers über den Weg laufen und dann auch noch eventuelle verblendete Narren im Rücken haben. Und so wandte sie das Pferd, ritt wieder zurück in Richtung der Schwertwacht.
Die letzten Tage schweiften ihre Gedanken jedoch immer wieder von ihren eigenen Pflichten ab, es gab viele Dinge die sie bekümmerten, ihr zusetzten und gerade jene familiären Probleme waren es, die sie an der Kreuzung nicht den Weg in Richtung Gerimor-Ost wählen ließ, sondern den Weg gen Varuna, denn sie musste mit jemanden sprechen, jemand der für sie immer einen guten Rat offen hatte.
Das Pferd erreichte das Haus der Paladiness von Elbenau … oder eher gesagt Hohenfels wie sie nun hieß, ein letzter Blick folgte über ihr Erscheinungsbild, die Rüstung saß so wie immer, das Haar zu einem strengen Zopf geflochten und der Umhang war festgezurrt, so konnte sie Darna unter die Augen treten.
Auf ihr Klopfen hin dauerte es eine ganze Weile bis man ihr öffnete und noch länger bis sie Darna endlich ins Gesicht blickte, und im gleichen Moment wünschte sie sich fast sie hätte es gar nicht erst getan.
Was sie da vor ihren Augen hatte war eine aufgelöste und unter Schock stehende Paladiness, jedes Zeichen der Würde, der Sicherheit und Standfestigkeit war fernab und etwas überrascht blickte sie Darna an als sie ihr sagte sie sei bereit die Strafe entgegenzunehmen ... die Strafe für was? Es war alles andere als einfach etwas Sinnvolles oder Verständliches aus der Kriegerin herauszubekommen, zu sehr stand sie neben sich und erst als Sorcha sie etwas beiseite nahm war Darna anscheinend in der Lage zu erklären, ihr klarzumachen wieso sie so neben sich war.
Sorcha hörte ihr zu, merkte sich jedes kleine Detail, hörte sich an wie Darna sich entschieden hatte, dass sie nicht bereit gewesen war diesen Halunken das Gold zu geben und dass ihre Wächterin dafür fast das Leben bezahlt hätte.
Die Ritterin hatte sich sehr schnell ein Bild von dieser Lage gemacht und schnell stand eines fest, so wie Darna in dieser Situation gehandelt hatte, wie sie das Leben ihrer Wächterin für Gold aufs Spiel gesetzt hatte, all das … war vollkommen richtig gewesen.
Für einen Moment entzog sich Sorcha sogar das Verständnis wieso Darna so aufgelöst war, sie hatte ihre Pflicht getan, sie hatte gewusst was passieren würde wenn sie nachgegeben hätte, sie hatte militärisch korrekt gehandelt. Doch all dies war eher zweitrangig, denn eine Sache schien die Paladiness für einen Moment vergessen zu haben; wenn es Temoras Wille selbst gewesen wäre dass die Wächterin gestorben wäre, dann wäre dies eben so.
Doch Temora schien eben dies nicht gewollt zu haben und deswegen lebte Leah noch, und es bestand keinen Zweifel dass ihr Überleben gesichert gewesen war. Es bedurfte einiger Zeit Darna dies klarzumachen, ihr vor Augen zu führen dass sie richtig gehandelt hatte und zu keinem Zeitpunkt etwas falsch gemacht hatte, aber am Ende schien das Selbstbewusstsein in Darna wieder zu erblühen.
An diesem Abend hatte Sorcha ihre eigenen Sorgen und Probleme zurückgesteckt, es war nicht notwendig die Paladiness damit zu belästigen, nicht an solch einem Abend zu solch einem Moment. Und so hatte sie sich wieder auf den Weg zurück gemacht. Sie war froh dass sie Darna helfen konnte aber in einem Punkt bereute sie jenen Abend gleichzeitig; ihr wurde nämlich vor Augen geführt dass selbst eine heilige und erwählte Kriegerin Temoras nicht grenzenlos stark war …
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Leah Katuri
Sie rannte...rannte durch Gestrüpp, durch feines Astwerk. Der Atem überschlug sich, das Blut rauschte durch ihren Kopf, während sich unter ihren Füßen hier und dort ein spitzer Stein eindrückte. Es war egal...egal, ob er schnitt oder sie stolpern ließ, sie durfte...konnte nicht stehen bleiben. Die Jagd war eröffnet...sie...die Beute.
Der Wald um sie herum...weit, ruhig. Kein Tier verirrte sich in ihren Weg, kein hungriger Blick eines Bären oder Wolfes. Nein, die Verfolger waren hinter ihr...irgendwo. Unruhig rannte sie weiter, immer an riesigen Stämmen vorbei, über Wurzeln, Unterholz. Es war so still, so verdammt still...nur ihr Atem, die hastenden Schritte unter ihr. Der Wald um sie herum schien in einem Schlaf, einer unnatürlichen Stille. Kein Rascheln, kein Wind schien zu wehen, kein Tier seinen neugierigen Blick auf sie zu werfen. Sie achtete nicht darauf, nicht auf ihre Umgebung, nicht auf das, was hinter ihr war. Sie wollte nur weg, einfach raus aus diesem Wald, raus aus allem...
Ein Ruck durchfuhr sie, einem Zurückhalten gleich, als sie stolperte und auf den Boden knallte. Die Hände stützten sich auf den erdigen Boden, spürten die Feuchtigkeit, die Kälte unter sich, während sie immer wieder nach Atem rang.
Zu spät...zu spät...man würde sie finden, mitnehmen...zurückzerren...
Der Blick hob sich, fixierte mit einem Male eine Wasserstelle, die sich vor ihr auftat. Langsam erhob sie sich, die wenigen Schritte zum Ufer machend, nur um dort wieder hinzuknien und die Wasseroberfläche zu betrachten. Noch immer raste das Herz, der Atem ein einziges Überschlagen, Ringen nach Luft. Noch immer kein Geräusch um sie herum, keine Schritte, die auf Verfolger schliessen würden. War sie in Sicherheit? Endlich ein Moment, in dem sie durchatmen konnte? Langsam beugte sie sich vor, wollte die eigenen Miene in der Oberfläche des Wassers ansehen, die Spiegelung betrachten, um danach etwas von dem frischen Quell zu nehmen. Es würde beleben...wieder die Sinne schärfen...und versetzte ihr einen der schlimmsten Schrecken auf Erden. Zwei Gesichter prangten neben dem Ihrigen auf der Spiegelung. Zwei Gesichter, vor denen sie so schnell weggelaufen war...Eine eisige Kälte durchwob den Körper, spannte jede Faser an, als sie bereits rechts und links an ihrer Schulter je eine Hand spürte, um sie hochzuzerren und gegen den nächstbesten Baumstamm zu drücken. Kein Wort drang über ihre Lippen, die Blicke sagten es aus, sagten jedes unausgesprochene Wort, jeden Tadel aus.
„Cyrion, versteh doch...!“
„Milady, ich wollte doch nur...!“
Die Worte entglitten, formten in der unwillkürlichen Stille einen Hall, ein nicht weit tragendes Echo. Nein, sie reagierten nicht, spürten nicht ihren Zweifel, ihren Zwang, sich zu rechtfertigen. Sie wollte es doch nur einfacher machen, wenn sie weg wäre. Es wäre doch so viel einfacher...
Grob landete sie auf dem steinigen Kachelboden, die Tür fiel hinter ihr scheppernd in die Angeln. Als wäre sie nie weg gewesen aus jener Zelle, schien alles so vertraut. Ihr Blick fiel auf die durchschossene Münze mit dem Lederriemen.
„Ich kann euch nicht mehr in die Augen sehen...“
Sie griff nach dem Band, betrachtete die Münze...und hörte im nächsten Moment ein Klicken, welches ihr nur allzu bekannt vorkam.
„Nein!“ Schweißgebadet schreckte sie hoch, ließ den Blick ziellos durch den Raum wandern, ehe sie realisierte, wo sie war. Es waren kaum Schemen, Schatten auszumachen, so sehr hatte diese unnatürliche Dunkelheit sich der Nacht bemächtigt, doch die wenigen Konturen ließen sie wissen: Sie war zuhause, am Anwesen, in ihrem Bett. Die Finger tasteten fast absichernd unter sich umher, berührten das Laken, das Kissen; suchten die Decke, die wieder einmal heruntergerutscht war. Leicht zittrig fuhr sie sich über die Stirn, wischte die wenigen Schweißperlen weg, die sich gebildet hatten. Kurz knackte irgendwo eine Diele, ließ sie unwillkürlich zusammenzucken. Sie hasste ihre Träume, hasste, dass sie so lange brauchte, um sie loszulassen und als das abzutun, was sie waren: Träume. Nicht mehr, nicht weniger...
Sie hatte die letzten Nächte schlecht geschlafen, immer wieder kreisten die Gedanken um die Entführung, die Tage in der Zelle. Mit dem Besuch des Bruders nahmen die Gesichter der Piraten neue Formen an, wandelten sich in skurriler Weise mal zu Alex, ein andermal zu völlig neuen Gesichtern....oder allzu bekannten. Seufzend ließ sich wieder auf das Bett fallen, den Blick zum Fenster richtend, eine nicht vorhandene Sicht betrachtend.
„Ich komme mir trotzdem wie ein brutaler Verräter vor, wenn ich Euch ansehe.“
Nicht in die Augen sehen können....Der ganze Abend war mit einem Male wieder präsent, fraß sich nagend, unnachgiebig in ihren Kopf. Sie nahm sich wieder einmal Zeit, sich mit den eigenen Gedanken verrückt zu machen, sich im Kreis zu drehen und eingestehen zu müssen, dass sie doch zu nichts führen würden. Doch die Worte Darnas, vielmehr der Wortwechsel, die verletzten Gefühle....und der unachgiebige Zorn. Luczilla Amarth...ein Name, der das tiefste hervorgeholt hatte, welches eigentlich begraben bleiben sollte.
Sich wieder aufsetzend wendete sie den Blick ungefähr in Richtung des Flecks, der noch leicht an der Wand schimmerte. Sie hatte sie noch nicht so außer Kontrolle erlebt, nicht gesehen, wie verletzbar sie sein konnte. Alles wegen ihrer Offenheit, wegen den Zugeständnissen, die sie machen wollte.
Unruhig stob sie die Luft aus, schob den Rücken an die Wand und ließ den Hinterkopf mehrmals an jene dotzen. Es war zum Mäuse melken...einerseits sich nicht die Schuld zu geben, nicht wieder wegzulaufen in einem Sud aus Selbstmitleid und Erniedrigung des eigenen Egos; andererseits diese Bilder vom Abend, die einschneidenden Worte, die Spannung, die spürbar in der Luft lag.
Langsam schloss sie die Augen, zog den Atem tief ein und aus, der sich mitsamt des Herzschlages längst wieder beruhigt hatte.
Die Münze, die Gesichter, die Zelle....es war ein schreckliches Spiel, welches diese Kerle trieben.
Sie war ein nützliches Mittel, ein Hündchen, wie José es so gerne formulierte. Kurz hob sich der Mundwinkel zu einem bitteren Lächeln. Schwarze Paladina...sie war noch nichtmal Knappin und war hauchdünn davor gewesen, auch jenes auszuschlagen und einfach aus der Haustüre zu gehen. Weg vom Anwesen, weg von Milady...weg von diesen Problemen. Einfach alles hinter sich lassen....und wieder weggelaufen sein. Cyrion konnte noch so stolz auf sie sein; es hinterließ einen seltsamen bitteren Geschmack der Reife auf ihrer Zunge. Nein, sie konnte nicht mehr vor allem weglaufen, das wusste sie. Aber auch die Erkenntnis wuchs, dass sie manch Gefüge noch durschauen, lernen musste, wie das Denken von anderen funktionieren konnte. Sie war auf eines der Spiele hereingefallen...sie hatte sich tatsächlich von diesem Typen provozieren lassen und die geglaubten Lügen an Darna weitergetragen, nur um zu erkennen, dass jedes Wort wahr gewesen war.
Das Ziel war erreicht, das eigentliche Opfer hatte seine Strafe erhalten. Es wunderte sie nicht mehr, dass sie lebend vorm Haus gelassen wurde, da es seinen Sinn hatte. Sie war nur Mittel zum Zweck, ein Glied in einer Reaktionskette, die funkionieren hatte. Und sie funktionierte...
Das eigentliche Opfer...sie wollten ihr schaden...ihr. Und es hat funktioniert, das Ziel erreicht.... Immer und immer wieder schoss der Gedanke durch ihren Kopf, wollte sie nicht loslassen. Wie perfide, wie kalt musste man sein, um einen Menschen für so etwas auszunutzen? Hatten sie geglaubt, Darna würde ihr den Kopf ausreissen? Nein, sie mussten es in Kauf genommen haben, dass der „Bote“ mit einem schlechten Gefühl und einen ebenso schlechtem Gewissen zurückblieb. Zischend stieß sie die Luft aus, öffnete die Augen wieder. Verdammtes Piratenpack!
Der Drang, aus dem Bett zu kommen, wurde immer größer, nervenaufreibender. Sie wollte endlich in Form kommen, die Sinne schärfen, den Körper wieder trainieren...um bereit zu sein. Es würde brauchen, dass sie Darnas Zorn erahnen und begreifen könnte, doch ein gewisser Groll bildete sich auch bei ihr. Zorn gegen die Dreistigkeit, gegen dieses unbegreiflich unmenschliche Denken. Ein Gehen über Leichen, egal, wen es dahinrafft dabei, egal, wer zurückbleibt.
„Na ja... Es tut mir auch leid, die Kontrolle so verloren zu haben, aber jetzt: wisst ihr wenigstens, wozu sie auch... 'eine erwählte Streiterin der Gütigen' treiben können... Zornesausbrüche... Man muß nur fünfzehn Gardisten umbringen, Bettler als Boten tot vor dem Kloster zusammenbrechen lassen, dem Geliebten einen Dolch in den Rücken jagen, da er zwei Monate hilflos im Kloster liegt... die Liste ließe sich fortsetzen. Egal.
Es ist Jahre her, aber es tat... überraschend weh. Dabei dachte ich, die Vergangenheit hätte mich heute schon erfolgreich eingeholt gehabt.“
Ziel erreicht, das Schiff war versenkt. Ein unruhiges Knurren entglitt den zusammengepressten Zähnen, als sie sich wieder auf das Bett legte und eisern in das Dunkle blickte.
All die Bilder tauchten vor ihr auf. Bilder von blutigen Gemetzeln, von Tränen...Wut...und dem Unverständnis, warum Menschen so handeln konnten. Übelkeit kroch ihren Rachen herauf, ließ sie einmal schwer schlucke und die Augen zusammenkneifen.
Verdammt in der Tatenlosigkeit, das Schlimmste, was sie spüren musste. Bereits damals konnte sie nichts tun, als Darna entführt wurde, so zerbrechlich fast zurückkehrte. Und nun...? Sie würde Wochen, im schlimmsten Fall Monate brauchen, bis sie wieder im Training war. Bis dahin wäre jede Spur verloren, die Piraten wahrscheinlich längst mit neuen Goldzähnen und Kinkerlitzchen unterwegs. Sie hatte es nichtmal geschafft, diesen Räuberkerl zu finden, wie sollte sie da José finden?
Langsam sog sie die Luft tief ein und aus, suchte dann nach der Decke, zog sie wieder hoch und über ihren Körper.
Greif nicht nach den Sternen Kind...aber wenn eine Sternschnuppe herunterfällt, dann kannst du dir das Unmöglichste wünschen...und es wird wahr werden....Worte ihrer Mutter hallten in ihrem Kopf, während ihr bewusst wurde, nur einen Wunsch zu entwickeln: Stark genug zu sein...und nicht mehr wegzulaufen. Sie musste sich dem stellen, egal, was noch kommen würde...
Der Wald um sie herum...weit, ruhig. Kein Tier verirrte sich in ihren Weg, kein hungriger Blick eines Bären oder Wolfes. Nein, die Verfolger waren hinter ihr...irgendwo. Unruhig rannte sie weiter, immer an riesigen Stämmen vorbei, über Wurzeln, Unterholz. Es war so still, so verdammt still...nur ihr Atem, die hastenden Schritte unter ihr. Der Wald um sie herum schien in einem Schlaf, einer unnatürlichen Stille. Kein Rascheln, kein Wind schien zu wehen, kein Tier seinen neugierigen Blick auf sie zu werfen. Sie achtete nicht darauf, nicht auf ihre Umgebung, nicht auf das, was hinter ihr war. Sie wollte nur weg, einfach raus aus diesem Wald, raus aus allem...
Ein Ruck durchfuhr sie, einem Zurückhalten gleich, als sie stolperte und auf den Boden knallte. Die Hände stützten sich auf den erdigen Boden, spürten die Feuchtigkeit, die Kälte unter sich, während sie immer wieder nach Atem rang.
Zu spät...zu spät...man würde sie finden, mitnehmen...zurückzerren...
Der Blick hob sich, fixierte mit einem Male eine Wasserstelle, die sich vor ihr auftat. Langsam erhob sie sich, die wenigen Schritte zum Ufer machend, nur um dort wieder hinzuknien und die Wasseroberfläche zu betrachten. Noch immer raste das Herz, der Atem ein einziges Überschlagen, Ringen nach Luft. Noch immer kein Geräusch um sie herum, keine Schritte, die auf Verfolger schliessen würden. War sie in Sicherheit? Endlich ein Moment, in dem sie durchatmen konnte? Langsam beugte sie sich vor, wollte die eigenen Miene in der Oberfläche des Wassers ansehen, die Spiegelung betrachten, um danach etwas von dem frischen Quell zu nehmen. Es würde beleben...wieder die Sinne schärfen...und versetzte ihr einen der schlimmsten Schrecken auf Erden. Zwei Gesichter prangten neben dem Ihrigen auf der Spiegelung. Zwei Gesichter, vor denen sie so schnell weggelaufen war...Eine eisige Kälte durchwob den Körper, spannte jede Faser an, als sie bereits rechts und links an ihrer Schulter je eine Hand spürte, um sie hochzuzerren und gegen den nächstbesten Baumstamm zu drücken. Kein Wort drang über ihre Lippen, die Blicke sagten es aus, sagten jedes unausgesprochene Wort, jeden Tadel aus.
„Cyrion, versteh doch...!“
„Milady, ich wollte doch nur...!“
Die Worte entglitten, formten in der unwillkürlichen Stille einen Hall, ein nicht weit tragendes Echo. Nein, sie reagierten nicht, spürten nicht ihren Zweifel, ihren Zwang, sich zu rechtfertigen. Sie wollte es doch nur einfacher machen, wenn sie weg wäre. Es wäre doch so viel einfacher...
Grob landete sie auf dem steinigen Kachelboden, die Tür fiel hinter ihr scheppernd in die Angeln. Als wäre sie nie weg gewesen aus jener Zelle, schien alles so vertraut. Ihr Blick fiel auf die durchschossene Münze mit dem Lederriemen.
„Ich kann euch nicht mehr in die Augen sehen...“
Sie griff nach dem Band, betrachtete die Münze...und hörte im nächsten Moment ein Klicken, welches ihr nur allzu bekannt vorkam.
„Nein!“ Schweißgebadet schreckte sie hoch, ließ den Blick ziellos durch den Raum wandern, ehe sie realisierte, wo sie war. Es waren kaum Schemen, Schatten auszumachen, so sehr hatte diese unnatürliche Dunkelheit sich der Nacht bemächtigt, doch die wenigen Konturen ließen sie wissen: Sie war zuhause, am Anwesen, in ihrem Bett. Die Finger tasteten fast absichernd unter sich umher, berührten das Laken, das Kissen; suchten die Decke, die wieder einmal heruntergerutscht war. Leicht zittrig fuhr sie sich über die Stirn, wischte die wenigen Schweißperlen weg, die sich gebildet hatten. Kurz knackte irgendwo eine Diele, ließ sie unwillkürlich zusammenzucken. Sie hasste ihre Träume, hasste, dass sie so lange brauchte, um sie loszulassen und als das abzutun, was sie waren: Träume. Nicht mehr, nicht weniger...
Sie hatte die letzten Nächte schlecht geschlafen, immer wieder kreisten die Gedanken um die Entführung, die Tage in der Zelle. Mit dem Besuch des Bruders nahmen die Gesichter der Piraten neue Formen an, wandelten sich in skurriler Weise mal zu Alex, ein andermal zu völlig neuen Gesichtern....oder allzu bekannten. Seufzend ließ sich wieder auf das Bett fallen, den Blick zum Fenster richtend, eine nicht vorhandene Sicht betrachtend.
„Ich komme mir trotzdem wie ein brutaler Verräter vor, wenn ich Euch ansehe.“
Nicht in die Augen sehen können....Der ganze Abend war mit einem Male wieder präsent, fraß sich nagend, unnachgiebig in ihren Kopf. Sie nahm sich wieder einmal Zeit, sich mit den eigenen Gedanken verrückt zu machen, sich im Kreis zu drehen und eingestehen zu müssen, dass sie doch zu nichts führen würden. Doch die Worte Darnas, vielmehr der Wortwechsel, die verletzten Gefühle....und der unachgiebige Zorn. Luczilla Amarth...ein Name, der das tiefste hervorgeholt hatte, welches eigentlich begraben bleiben sollte.
Sich wieder aufsetzend wendete sie den Blick ungefähr in Richtung des Flecks, der noch leicht an der Wand schimmerte. Sie hatte sie noch nicht so außer Kontrolle erlebt, nicht gesehen, wie verletzbar sie sein konnte. Alles wegen ihrer Offenheit, wegen den Zugeständnissen, die sie machen wollte.
Unruhig stob sie die Luft aus, schob den Rücken an die Wand und ließ den Hinterkopf mehrmals an jene dotzen. Es war zum Mäuse melken...einerseits sich nicht die Schuld zu geben, nicht wieder wegzulaufen in einem Sud aus Selbstmitleid und Erniedrigung des eigenen Egos; andererseits diese Bilder vom Abend, die einschneidenden Worte, die Spannung, die spürbar in der Luft lag.
Langsam schloss sie die Augen, zog den Atem tief ein und aus, der sich mitsamt des Herzschlages längst wieder beruhigt hatte.
Die Münze, die Gesichter, die Zelle....es war ein schreckliches Spiel, welches diese Kerle trieben.
Sie war ein nützliches Mittel, ein Hündchen, wie José es so gerne formulierte. Kurz hob sich der Mundwinkel zu einem bitteren Lächeln. Schwarze Paladina...sie war noch nichtmal Knappin und war hauchdünn davor gewesen, auch jenes auszuschlagen und einfach aus der Haustüre zu gehen. Weg vom Anwesen, weg von Milady...weg von diesen Problemen. Einfach alles hinter sich lassen....und wieder weggelaufen sein. Cyrion konnte noch so stolz auf sie sein; es hinterließ einen seltsamen bitteren Geschmack der Reife auf ihrer Zunge. Nein, sie konnte nicht mehr vor allem weglaufen, das wusste sie. Aber auch die Erkenntnis wuchs, dass sie manch Gefüge noch durschauen, lernen musste, wie das Denken von anderen funktionieren konnte. Sie war auf eines der Spiele hereingefallen...sie hatte sich tatsächlich von diesem Typen provozieren lassen und die geglaubten Lügen an Darna weitergetragen, nur um zu erkennen, dass jedes Wort wahr gewesen war.
Das Ziel war erreicht, das eigentliche Opfer hatte seine Strafe erhalten. Es wunderte sie nicht mehr, dass sie lebend vorm Haus gelassen wurde, da es seinen Sinn hatte. Sie war nur Mittel zum Zweck, ein Glied in einer Reaktionskette, die funkionieren hatte. Und sie funktionierte...
Das eigentliche Opfer...sie wollten ihr schaden...ihr. Und es hat funktioniert, das Ziel erreicht.... Immer und immer wieder schoss der Gedanke durch ihren Kopf, wollte sie nicht loslassen. Wie perfide, wie kalt musste man sein, um einen Menschen für so etwas auszunutzen? Hatten sie geglaubt, Darna würde ihr den Kopf ausreissen? Nein, sie mussten es in Kauf genommen haben, dass der „Bote“ mit einem schlechten Gefühl und einen ebenso schlechtem Gewissen zurückblieb. Zischend stieß sie die Luft aus, öffnete die Augen wieder. Verdammtes Piratenpack!
Der Drang, aus dem Bett zu kommen, wurde immer größer, nervenaufreibender. Sie wollte endlich in Form kommen, die Sinne schärfen, den Körper wieder trainieren...um bereit zu sein. Es würde brauchen, dass sie Darnas Zorn erahnen und begreifen könnte, doch ein gewisser Groll bildete sich auch bei ihr. Zorn gegen die Dreistigkeit, gegen dieses unbegreiflich unmenschliche Denken. Ein Gehen über Leichen, egal, wen es dahinrafft dabei, egal, wer zurückbleibt.
„Na ja... Es tut mir auch leid, die Kontrolle so verloren zu haben, aber jetzt: wisst ihr wenigstens, wozu sie auch... 'eine erwählte Streiterin der Gütigen' treiben können... Zornesausbrüche... Man muß nur fünfzehn Gardisten umbringen, Bettler als Boten tot vor dem Kloster zusammenbrechen lassen, dem Geliebten einen Dolch in den Rücken jagen, da er zwei Monate hilflos im Kloster liegt... die Liste ließe sich fortsetzen. Egal.
Es ist Jahre her, aber es tat... überraschend weh. Dabei dachte ich, die Vergangenheit hätte mich heute schon erfolgreich eingeholt gehabt.“
Ziel erreicht, das Schiff war versenkt. Ein unruhiges Knurren entglitt den zusammengepressten Zähnen, als sie sich wieder auf das Bett legte und eisern in das Dunkle blickte.
All die Bilder tauchten vor ihr auf. Bilder von blutigen Gemetzeln, von Tränen...Wut...und dem Unverständnis, warum Menschen so handeln konnten. Übelkeit kroch ihren Rachen herauf, ließ sie einmal schwer schlucke und die Augen zusammenkneifen.
Verdammt in der Tatenlosigkeit, das Schlimmste, was sie spüren musste. Bereits damals konnte sie nichts tun, als Darna entführt wurde, so zerbrechlich fast zurückkehrte. Und nun...? Sie würde Wochen, im schlimmsten Fall Monate brauchen, bis sie wieder im Training war. Bis dahin wäre jede Spur verloren, die Piraten wahrscheinlich längst mit neuen Goldzähnen und Kinkerlitzchen unterwegs. Sie hatte es nichtmal geschafft, diesen Räuberkerl zu finden, wie sollte sie da José finden?
Langsam sog sie die Luft tief ein und aus, suchte dann nach der Decke, zog sie wieder hoch und über ihren Körper.
Greif nicht nach den Sternen Kind...aber wenn eine Sternschnuppe herunterfällt, dann kannst du dir das Unmöglichste wünschen...und es wird wahr werden....Worte ihrer Mutter hallten in ihrem Kopf, während ihr bewusst wurde, nur einen Wunsch zu entwickeln: Stark genug zu sein...und nicht mehr wegzulaufen. Sie musste sich dem stellen, egal, was noch kommen würde...