Reinheit
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Vinleif MacGjallar
Reinheit
Er trieb den Mustang weiter und wusste auch ohne den Blick nach links den alten Anguren Argail an seiner Seite. Ein weiterer Ausritt in eine nach all den Jahren noch immer fremdartige, ja abstoßende Welt endete an diesem Abend jedoch nicht, wie geplant. Selbst, wenn Vinleif seine Gedanken ablenken wollte von diesem Umstand, gelang es ihm nur bis zum nächsten keuchenden Ausruf Craighs. Dieser ahnte nicht, wie schlecht es um die Geduld seines Waffenbruders bestellt war, als er wieder und wieder um eine Pause fragte, gar recht eigenwillige Angebote unterbreitete, wenn man ihn denn ein paar Meilen reiten ließe.
Es war vielleicht nicht der geschickteste Schachzug, doch normalerweise ein sehr effizienter: Getreu dem Motto „wer nicht hören will, muss fühlen“, versuchte Vinleif einem gar verhassten Mitanguren eine Angewohnheit auszutreiben, die ihm selber den Ekel aufsteigen ließ. Minderwertiges Blut ohne Linie. Er trieb den eigenen Mustang etwas an, damit Craigh schneller laufen musste. „Eh! V’nleif! Wart‘ ma‘! Ich leih‘ se dir für’ne Nacht, wenn d’mir den Gaul nu‘ leihst!“ Wieder die Worte, die ihn am liebsten hätten umkehren und den MacGaulich prügeln lassen. Doch Selbstbeherrschung war eine Qualität, von der er sich nur ungern trennen wollte. Selbst im Angesicht von so viel unangurischer Abart, von Schwäche, wie Vinleif sie sonst nur denen aus dem minderwertigen Blut der Kleinwüchsigen nachsagte, musste er sein Gesicht wahren. Um die Beobachtung Argails wissend, konnte er sich keinerlei Blöße leisten, keinen Wutausbruch eines Jünglings. Nicht er – er war besser.
„Komm scho! Argail, willst nich‘ w’s laufen? Kriegst sonst müde Beine..! Ich geb‘ se dir für ne Nacht und… nen Tag!“
Der Atem Craighs war ein Pfeifen und Schnauben, wie es tierischer nicht sein konnte. Anders, als der disziplinierte Krieger der MacGjallar, welcher sich sicherlich nicht ungern als eben solcher sah, schien Craigh nun bereits am Rande der Erschöpfung angelangt zu sein. Spätestens, als die gerüsteten Massen aus Fett, Fleisch und Dreck in einem Moment der Schwäche stolperten und fielen, war jedes letzte Bisschen Achtung vor „dem MacGaulich“ erschöpft und vergessen. Vinleif ließ seinen Mustang um das traurige Bild, welches sich ihm dort gab, herumreiten: Ein Angure, wie er sich bemüht auf die Knie erhob, während er sich verzweifelt an den Zügeln seines Reittieres festhielt. Warum er nicht ritt? Das Rot, welches Vinleif sah, schien den Zorn wie ein gesundes Feuer zu nähren.
„MacGaulich! D’bist das widerlichste Stück Dreck, dass’ch in allen Jahrzehnten erlebt hab! Unwertes Blut! Ein verdammtes Städterweib willst in das Erbe Angurs einbringen?!“
Der Damm aus stoischer Ruhe war gebrochen. Jetzt, da er die Frau im roten Gewand nicht nur hinter sich wusste, sondern sie dort schlaff über den Sattel von Craighs Pferd hängen sah, versagten ihm alle Errungenschaften seines Charakters den Dienst. Er sah sie, eine kleine, schwache Gestalt, die Craigh aller Hinweise und Lehren zum Trotz, welche Vinleif ihm wieder und wieder unter die Nase gerieben hatte, mitgenommen hatte aus Bajard.
Zumindest für die MacGjallar war eine solche Verbindung für den Großteil undenkbar. Sicher – die MacGjallar lebten am Rande der Zivilisation, fügten sich sogar teilweise in ein Gleichgewicht aus Drohung und Nutzen ein, trotzdem wurden alle Versuche einzelner Clansmitglieder, vornehmlich junger Anguren, mit Südländern anzubandeln, ohne Rücksicht und mit voller Härte im Keim erstickt. Vinleif gehörte zu dem Kern dessen, was in einigen Mündern als traditionsbewusst, in einigen Mäulern als weltfremd und verbohrt bezeichnet wurde. Doch hier, fernab aller bekannten Gesichter, in einer fremden Welt und ohne den Rückhalt seines Clans war es kaum möglich, die Strenge walten zu lassen, wie es sie innerclanlich gab. Er war ein Fremder, geduldet, respektiert – aber sicherlich nur begrenzt weisungsbefugt.
„Steh‘ auf, Gaulich! Hoch, aber schnell!“ „So ein traurig’r Schatten eines wahren Angur’n!“ „Ich habe Mitleid mit dir!“ Ein wahrer Hagel aus Beleidigungen ging auf den am Boden knienden, schnaufenden Anguren nieder, welcher sich nur mit aller Mühe irgendwie auf die Beine bekommen konnte, tiefrot und schweißgebadet. Alles, was er tat, schien den sonst so ruhigen „Grauen“, den einäugigen Krieger, nur noch mehr in Rage zu versetzen. Jener schien gar kein Interesse daran zu haben, sich wieder zu beruhigen. Weiterhin trieb er seinen Mustang in weiten Kreisen um das Trauerspiel, während sich Argail schon nach kurzer Zeit schlichtweg abgewandt hatte um diesen für ihn wohl abstoßenden Anblick schweigend hinter sich zu lassen.
Craighs Kampf gegen die Schwerkraft und sein eigenes Gewicht zog sich elend in die Länge, sodass Vinleif im weichenden Licht des Tages fast ein kleines Detail entgangen wäre: Unter dem um Haltung bemühten Koloss sammelte sich eine Pfütze. Dachte der Graue bisher noch schlecht von dem Anguren, wandelte sich nun alles in Ekel. „Craigh..! W’s is‘ das da?!“ Dieser Ekel schwang in den knappen, streng gebellten Worten unüberhörbar mit, als er den Krieger auf dessen Missgeschick hinzuweisen begann. „H’st nich‘ mehr bei dir halten könn’n, Gaulich? Willst du solche Lied’r über dich gesungen wissen?“ Doch die Situation veränderte sich schlagartig, als der Blick Craighs hinab auf die Pfütze jene wie von Geisterhand zu beleben schien, sodass Nebelschwaden in fast zu klaren Formen sich wie Tentakel lösten, den Krieger umschwirrten. Eine Erscheinung, die Vinleif in Windeseile zu deuten vermochte, bot sich doch nur eine Erklärung an:
„Iurhillas Magensäfte! Craigh, da siehst’s! W’s ich dir imm’r wieder g’sagt hab‘, sagt dir nu‘ sogar das Nachleben!“ Es mussten die Magensäfte der Seeschlange sein, die nichts anderes als die Verdammnis bedeutete in den Augen aller Anguren. Ein Zeichen von solcher Deutlichkeit hatte der Veteran in seinem Leben nur selten gesehen, höchstens in den großen Zeremonien der Mimir seines Clans – nun jedoch drängte sich die einzig denkbare Möglichkeit auf, welche Vinleif zutiefst erschütterte. Selbst die Ahnen waren nun also so weit, das Treiben des Gaulich zu verurteilen. Ein schlimmeres Urteil konnte kaum über einen Anguren gesprochen werden, denn auch die Furchtlosigkeit im Leben bedeutete nicht, dass die Ewigkeit leichtfertig geopfert wurde. Ewig unter den Seinen oder ewig unter Verdammten – zwei Pfade, die viele Anguren nicht selten zu den unglaublichsten Taten trieben. So auch an diesem Ort, irgendwo in Ostgerimor, als sich der Craigh tatsächlich von seiner vermeintlichen Beute trennte. Beseelt durch die Sorge, gar Angst, konnte selbst die gelebte Geilheit des Gaulich nicht gegen den endgültigen Entschluss ankämpfen.
So fanden sich die beiden Stunden später schweigend im Lager ein. Bis ins Mark gezeichnet der eine, der andere jedoch umso stärker bestätigt in seiner Position. Vielleicht hatte dieses Lager die Führung eines MacGjallar, eines Anguren alter Werte, nötig?
Es war vielleicht nicht der geschickteste Schachzug, doch normalerweise ein sehr effizienter: Getreu dem Motto „wer nicht hören will, muss fühlen“, versuchte Vinleif einem gar verhassten Mitanguren eine Angewohnheit auszutreiben, die ihm selber den Ekel aufsteigen ließ. Minderwertiges Blut ohne Linie. Er trieb den eigenen Mustang etwas an, damit Craigh schneller laufen musste. „Eh! V’nleif! Wart‘ ma‘! Ich leih‘ se dir für’ne Nacht, wenn d’mir den Gaul nu‘ leihst!“ Wieder die Worte, die ihn am liebsten hätten umkehren und den MacGaulich prügeln lassen. Doch Selbstbeherrschung war eine Qualität, von der er sich nur ungern trennen wollte. Selbst im Angesicht von so viel unangurischer Abart, von Schwäche, wie Vinleif sie sonst nur denen aus dem minderwertigen Blut der Kleinwüchsigen nachsagte, musste er sein Gesicht wahren. Um die Beobachtung Argails wissend, konnte er sich keinerlei Blöße leisten, keinen Wutausbruch eines Jünglings. Nicht er – er war besser.
„Komm scho! Argail, willst nich‘ w’s laufen? Kriegst sonst müde Beine..! Ich geb‘ se dir für ne Nacht und… nen Tag!“
Der Atem Craighs war ein Pfeifen und Schnauben, wie es tierischer nicht sein konnte. Anders, als der disziplinierte Krieger der MacGjallar, welcher sich sicherlich nicht ungern als eben solcher sah, schien Craigh nun bereits am Rande der Erschöpfung angelangt zu sein. Spätestens, als die gerüsteten Massen aus Fett, Fleisch und Dreck in einem Moment der Schwäche stolperten und fielen, war jedes letzte Bisschen Achtung vor „dem MacGaulich“ erschöpft und vergessen. Vinleif ließ seinen Mustang um das traurige Bild, welches sich ihm dort gab, herumreiten: Ein Angure, wie er sich bemüht auf die Knie erhob, während er sich verzweifelt an den Zügeln seines Reittieres festhielt. Warum er nicht ritt? Das Rot, welches Vinleif sah, schien den Zorn wie ein gesundes Feuer zu nähren.
„MacGaulich! D’bist das widerlichste Stück Dreck, dass’ch in allen Jahrzehnten erlebt hab! Unwertes Blut! Ein verdammtes Städterweib willst in das Erbe Angurs einbringen?!“
Der Damm aus stoischer Ruhe war gebrochen. Jetzt, da er die Frau im roten Gewand nicht nur hinter sich wusste, sondern sie dort schlaff über den Sattel von Craighs Pferd hängen sah, versagten ihm alle Errungenschaften seines Charakters den Dienst. Er sah sie, eine kleine, schwache Gestalt, die Craigh aller Hinweise und Lehren zum Trotz, welche Vinleif ihm wieder und wieder unter die Nase gerieben hatte, mitgenommen hatte aus Bajard.
Zumindest für die MacGjallar war eine solche Verbindung für den Großteil undenkbar. Sicher – die MacGjallar lebten am Rande der Zivilisation, fügten sich sogar teilweise in ein Gleichgewicht aus Drohung und Nutzen ein, trotzdem wurden alle Versuche einzelner Clansmitglieder, vornehmlich junger Anguren, mit Südländern anzubandeln, ohne Rücksicht und mit voller Härte im Keim erstickt. Vinleif gehörte zu dem Kern dessen, was in einigen Mündern als traditionsbewusst, in einigen Mäulern als weltfremd und verbohrt bezeichnet wurde. Doch hier, fernab aller bekannten Gesichter, in einer fremden Welt und ohne den Rückhalt seines Clans war es kaum möglich, die Strenge walten zu lassen, wie es sie innerclanlich gab. Er war ein Fremder, geduldet, respektiert – aber sicherlich nur begrenzt weisungsbefugt.
„Steh‘ auf, Gaulich! Hoch, aber schnell!“ „So ein traurig’r Schatten eines wahren Angur’n!“ „Ich habe Mitleid mit dir!“ Ein wahrer Hagel aus Beleidigungen ging auf den am Boden knienden, schnaufenden Anguren nieder, welcher sich nur mit aller Mühe irgendwie auf die Beine bekommen konnte, tiefrot und schweißgebadet. Alles, was er tat, schien den sonst so ruhigen „Grauen“, den einäugigen Krieger, nur noch mehr in Rage zu versetzen. Jener schien gar kein Interesse daran zu haben, sich wieder zu beruhigen. Weiterhin trieb er seinen Mustang in weiten Kreisen um das Trauerspiel, während sich Argail schon nach kurzer Zeit schlichtweg abgewandt hatte um diesen für ihn wohl abstoßenden Anblick schweigend hinter sich zu lassen.
Craighs Kampf gegen die Schwerkraft und sein eigenes Gewicht zog sich elend in die Länge, sodass Vinleif im weichenden Licht des Tages fast ein kleines Detail entgangen wäre: Unter dem um Haltung bemühten Koloss sammelte sich eine Pfütze. Dachte der Graue bisher noch schlecht von dem Anguren, wandelte sich nun alles in Ekel. „Craigh..! W’s is‘ das da?!“ Dieser Ekel schwang in den knappen, streng gebellten Worten unüberhörbar mit, als er den Krieger auf dessen Missgeschick hinzuweisen begann. „H’st nich‘ mehr bei dir halten könn’n, Gaulich? Willst du solche Lied’r über dich gesungen wissen?“ Doch die Situation veränderte sich schlagartig, als der Blick Craighs hinab auf die Pfütze jene wie von Geisterhand zu beleben schien, sodass Nebelschwaden in fast zu klaren Formen sich wie Tentakel lösten, den Krieger umschwirrten. Eine Erscheinung, die Vinleif in Windeseile zu deuten vermochte, bot sich doch nur eine Erklärung an:
„Iurhillas Magensäfte! Craigh, da siehst’s! W’s ich dir imm’r wieder g’sagt hab‘, sagt dir nu‘ sogar das Nachleben!“ Es mussten die Magensäfte der Seeschlange sein, die nichts anderes als die Verdammnis bedeutete in den Augen aller Anguren. Ein Zeichen von solcher Deutlichkeit hatte der Veteran in seinem Leben nur selten gesehen, höchstens in den großen Zeremonien der Mimir seines Clans – nun jedoch drängte sich die einzig denkbare Möglichkeit auf, welche Vinleif zutiefst erschütterte. Selbst die Ahnen waren nun also so weit, das Treiben des Gaulich zu verurteilen. Ein schlimmeres Urteil konnte kaum über einen Anguren gesprochen werden, denn auch die Furchtlosigkeit im Leben bedeutete nicht, dass die Ewigkeit leichtfertig geopfert wurde. Ewig unter den Seinen oder ewig unter Verdammten – zwei Pfade, die viele Anguren nicht selten zu den unglaublichsten Taten trieben. So auch an diesem Ort, irgendwo in Ostgerimor, als sich der Craigh tatsächlich von seiner vermeintlichen Beute trennte. Beseelt durch die Sorge, gar Angst, konnte selbst die gelebte Geilheit des Gaulich nicht gegen den endgültigen Entschluss ankämpfen.
So fanden sich die beiden Stunden später schweigend im Lager ein. Bis ins Mark gezeichnet der eine, der andere jedoch umso stärker bestätigt in seiner Position. Vielleicht hatte dieses Lager die Führung eines MacGjallar, eines Anguren alter Werte, nötig?
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Taralea Mirrosil
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Es hätte ein schöner Abend werden können. Den doch recht arbeitsreichen Tag bei einem Glas Wein ausklingen lassen, das rege Treiben in der Taverne beobachten und vielleicht den ein oder anderen Plausch halten.
Taralea wollte ein oder zwei gemütliche Stunden hier verbringen, dann nach Hause spazieren und sich zur Ruhe legen. Doch es sollte anders kommen.
Sie hatte gerade den Wein gekostet, der zur Abwechslung mal richtig gut war. Am Nebentisch unterhielt sich ein in Roben gehüllter Mann mit einem Blinden. Eher zufällig schnappte sie ein paar Worte auf, die sie hellhörig werden ließen. Gerade hatte sie angefangen, dem Gespräch etwas intensiver zu folgen, als die Türe aufflog und dem Vorhaben ein jähes Ende bereitete.
Der hölzerne Boden der Schankstube bebte förmlich unter dem imensen Gewicht der drei Hünen, die sich der Theke näherten. Es brauchte nicht mehr als einen Seitenblick, um Taralea erkennen zu lassen, dass sie nun nicht unbedingt auf sich aufmerksam machen sollte. Nüchtern betrachtet wäre sie wohl besser sofort aufgebrochen - doch die Gelegenheit, sich ein genaueres Bild von diesen Tieren zu machen, war einfach zu verlockend. Erst viel später würde sie erkennen, wie groß dieser Fehler gewesen war.
Doch zunächst schien alles so zu laufen wie geplant. Die Anguren soffen, prahlten und pöbelten, soweit für Taralea also nichts Neues. Einmal schien es, als würde der Blick des ungehobeltesten Brockens ihren Tisch streifen. Rasch wandte sie den Kopf ab. Zu gut war ihr der Besuch der Mannen auf der Sumpfinsel in Erinnerung geblieben: Die verängstigten Augen Sibyllas, das Blut an Larissas Stirn und ihre eigene kaum zu bändigende Wut. Lieber nichts riskieren...
Es mochte vielleicht eine halbe Stunde gewesen sein, in welcher das Bier die Kehlen hinabfloss, ehe der Einäugige unter ihnen das Zeichen zum Aufbruch gab. Innerlich atmete Taralea beinahe schon auf, als sie förmlich spürte, wie sich die Aufmerksamkeit auf sie legte. Sie hob den Blick und sah direkt in die Augen des Anguren, der Craigh gerufen wurde. Etwa in diesem Moment nahm sie auch den unmenschlichen Gestank nach Alkohol und Schweiß wahr, der ihr förmlich den Atem raubte. So brauchte sie auch einen Augenblick, um zu verinnerlichen, was gerade um sie herum geschah.
Konnte das wirklich sein? War er SO dumm? Da diskutierte er tatsächlich mit dem Einäugigen herum, dass er Anspruch auf sie erhob... unfassbar. Er musste doch wissen, dass er es bitter bereuen würde. Janus war doch wohl deutlich genug geworden?
Ein vertrautes Gefühl braute sich in Sekundenschnelle in ihrem Magen zusammen und dann brach auch schon die Wut aus ihr heraus. Sie keifte, drohte und tobte, wand sich gegen die Pranke, die sich unsanft auf ihre Schulter gelegt hatte und sie von ihrem Stuhl hinaufzerrte.
Doch was auch immer sie versuchte, der Griff war eisern. Hilflos musste sie mitanhören, wie über ihr Schicksal entschieden wurde. Ihre Wut wandelte sich in Panik, als der Entschluss umgesetzt wurde. Verzweifelt versuchte sie Craigh zu entkommen, der sie packte und über die Schulter warf; beide Hände benötigte er, um seine widerspenstige Beute zu halten.
Beinahe wäre es geglückt. Sie entglitt ihm, rutschte den massigen Berg hinab und versuchte unwürdig über den Boden krabbelnd ihm zu entkommen. Dann endete der Fluchtversuch. Einem Hammerschlag gleich prallte die Faust an ihre Stirn und die Welt wurde dunkel.
Sie war auf einem Schiff. Es schaukelte unruhig auf den Wellen, rüttelte ihren Körper durch; dumpfer Schmerz pochte unangenehm in ihrer Stirn. Ihre Lider hoben sich eine Spur an und verwirrt stellte sie fest, dass sie Gras an sich vorbeziehen sah. Was bei Eluive...? Zunächst gedämpft drangen die Stimmen an ihr Ohr, doch je klarer ihr Verstand wurde, um so deutlicher konnte sie die Worte vernehmen.
Mit einem Mal zog die Erkenntnis ihr den Magen zusammen: Das Schiff war ein Pferderücken, die Wellen seine gleichmäßigen Schritte. Sie schloss die Augen wieder und konzentrierte sich auf ihren Atem. Mühsam lenkte sie ihren Geist und brachte sich selber zur Ruhe, zwang ihren Verstand, wieder klar zu arbeiten. Was tun? Aufspringen, mit Feuer die Wilden in die Flucht schlagen und das Weite suchen? Die Gestalt wandeln, als Vogel in die Luft steigen und so die Freiheit erlangen? Sie waren zu dritt und Taralea angeschlagen, was einen offenen Angriff so gut wie unmöglich machte, musste sie in diesem Fall doch sicher gehen, dass keine Zeugen überlebten. Vor den Augen der Wilden das Ausmaß ihres Könnens zeigen, war ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit. Mittlerweile arbeitete ihr Verstand auf Hochtouren. Die Anguren scheuten Magie, soviel hatte sie beobachten können. Wenn sie nun...
Allmählich streckte sie die Sinne aus, ging auf die Suche nach menschlichen Melodiesträngen. Anhand der Stimmen wusste sie, ihr am nächsten war Craigh. Perfekt - ihn wollte sie eh von allen am ehesten leiden sehen. Sie begann ihn zu manipulieren, schränkte seine Bewegungsfreiheit ein. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten, es war ihm kaum noch möglich einen Schritt zu gehen, was sofort den Spott auf ihn lenkte. Nach und nach gab sie ihm das Gefühl, mitten im Hochsommer zu sein, ließ Wasser zu seinen Füßen aufsteigen und Dampfschwaden seine Beine entlangschlängeln... angetrieben von den Worten des Einäugigen lenkte sie die Erscheinungen. Sie hatte nicht wirklich viel Ahnung von dem Glauben der Anguren, doch was sie aus dem Gefasel der Wilden entnehmen konnte, war genug, um ihre Manipulationen zu lenken.
Es kostete sie alle Willenskraft, nicht hämisch zu grinsen, als die Angst des Untieres förmlich zu greifen war - und es war jeder Funken Selbstbeherrschung nötig, nicht erleichtert aufzuseufzen, als klar wurde, sie würden sie gehen lassen. Irgendwie war es ihr gelungen, diese Tiere glauben zu machen, es sei ihnen von höheren Mächten missgönnt, die junge Frau mit in ihr Lager zu schleppen.
Kaum waren die befreienden Worte gesprochen, ließ sie in der Ferne ein Donnergrollen ertönen und brach jede Manipulation im Lied schlagartig ab. Die Effekte verebbten und Ruhe trat ein. Wie es schien, genau im richtigen Augenblick. Mächtige Pranken hoben sie vom Pferd und setzten das Bündel Mensch unsanft auf dem Gras ab. Sie wankte kurz, dann nahm sie alle Kraft zusammen, um aufrecht und gerade zu stehen. Auf keinen Fall würde sie zulassen, dass die Anguren ihre Furcht sahen! Stolz hob sie das Kinn und sah dem Krieger direkt in sein verbliebenes Auge. Irgendwie war für beide klar, es würde nicht ihre letzte Begegnung sein.
Es folgte ein kurzer Wortwechsel, in der keiner von beiden bereit war, Land aufzugeben. Am Ende preschte der Krieger auf seinem Ross davon, jede Faser seines Körpers strahlte dabei Stolz und Selbstbewusstsein aus.
Erst als sie jegliche Bedrohung außer Sichtweise wusste, gestatte sie sich einen Moment der Schwäche. Der Schock ließ ihre Glieder zittern und kurzzeitig drohte sie, erneut das Bewusstsein zu verlieren. Sie schleppte sich zu einem Baum und sank an dessen Stamm nieder. Es dauerte lange, bis sie genug Ruhe und Kraft gesammelt hatte, um den Heimweg anzutreten.
Taralea wollte ein oder zwei gemütliche Stunden hier verbringen, dann nach Hause spazieren und sich zur Ruhe legen. Doch es sollte anders kommen.
Sie hatte gerade den Wein gekostet, der zur Abwechslung mal richtig gut war. Am Nebentisch unterhielt sich ein in Roben gehüllter Mann mit einem Blinden. Eher zufällig schnappte sie ein paar Worte auf, die sie hellhörig werden ließen. Gerade hatte sie angefangen, dem Gespräch etwas intensiver zu folgen, als die Türe aufflog und dem Vorhaben ein jähes Ende bereitete.
Der hölzerne Boden der Schankstube bebte förmlich unter dem imensen Gewicht der drei Hünen, die sich der Theke näherten. Es brauchte nicht mehr als einen Seitenblick, um Taralea erkennen zu lassen, dass sie nun nicht unbedingt auf sich aufmerksam machen sollte. Nüchtern betrachtet wäre sie wohl besser sofort aufgebrochen - doch die Gelegenheit, sich ein genaueres Bild von diesen Tieren zu machen, war einfach zu verlockend. Erst viel später würde sie erkennen, wie groß dieser Fehler gewesen war.
Doch zunächst schien alles so zu laufen wie geplant. Die Anguren soffen, prahlten und pöbelten, soweit für Taralea also nichts Neues. Einmal schien es, als würde der Blick des ungehobeltesten Brockens ihren Tisch streifen. Rasch wandte sie den Kopf ab. Zu gut war ihr der Besuch der Mannen auf der Sumpfinsel in Erinnerung geblieben: Die verängstigten Augen Sibyllas, das Blut an Larissas Stirn und ihre eigene kaum zu bändigende Wut. Lieber nichts riskieren...
Es mochte vielleicht eine halbe Stunde gewesen sein, in welcher das Bier die Kehlen hinabfloss, ehe der Einäugige unter ihnen das Zeichen zum Aufbruch gab. Innerlich atmete Taralea beinahe schon auf, als sie förmlich spürte, wie sich die Aufmerksamkeit auf sie legte. Sie hob den Blick und sah direkt in die Augen des Anguren, der Craigh gerufen wurde. Etwa in diesem Moment nahm sie auch den unmenschlichen Gestank nach Alkohol und Schweiß wahr, der ihr förmlich den Atem raubte. So brauchte sie auch einen Augenblick, um zu verinnerlichen, was gerade um sie herum geschah.
Konnte das wirklich sein? War er SO dumm? Da diskutierte er tatsächlich mit dem Einäugigen herum, dass er Anspruch auf sie erhob... unfassbar. Er musste doch wissen, dass er es bitter bereuen würde. Janus war doch wohl deutlich genug geworden?
Ein vertrautes Gefühl braute sich in Sekundenschnelle in ihrem Magen zusammen und dann brach auch schon die Wut aus ihr heraus. Sie keifte, drohte und tobte, wand sich gegen die Pranke, die sich unsanft auf ihre Schulter gelegt hatte und sie von ihrem Stuhl hinaufzerrte.
Doch was auch immer sie versuchte, der Griff war eisern. Hilflos musste sie mitanhören, wie über ihr Schicksal entschieden wurde. Ihre Wut wandelte sich in Panik, als der Entschluss umgesetzt wurde. Verzweifelt versuchte sie Craigh zu entkommen, der sie packte und über die Schulter warf; beide Hände benötigte er, um seine widerspenstige Beute zu halten.
Beinahe wäre es geglückt. Sie entglitt ihm, rutschte den massigen Berg hinab und versuchte unwürdig über den Boden krabbelnd ihm zu entkommen. Dann endete der Fluchtversuch. Einem Hammerschlag gleich prallte die Faust an ihre Stirn und die Welt wurde dunkel.
Sie war auf einem Schiff. Es schaukelte unruhig auf den Wellen, rüttelte ihren Körper durch; dumpfer Schmerz pochte unangenehm in ihrer Stirn. Ihre Lider hoben sich eine Spur an und verwirrt stellte sie fest, dass sie Gras an sich vorbeziehen sah. Was bei Eluive...? Zunächst gedämpft drangen die Stimmen an ihr Ohr, doch je klarer ihr Verstand wurde, um so deutlicher konnte sie die Worte vernehmen.
Mit einem Mal zog die Erkenntnis ihr den Magen zusammen: Das Schiff war ein Pferderücken, die Wellen seine gleichmäßigen Schritte. Sie schloss die Augen wieder und konzentrierte sich auf ihren Atem. Mühsam lenkte sie ihren Geist und brachte sich selber zur Ruhe, zwang ihren Verstand, wieder klar zu arbeiten. Was tun? Aufspringen, mit Feuer die Wilden in die Flucht schlagen und das Weite suchen? Die Gestalt wandeln, als Vogel in die Luft steigen und so die Freiheit erlangen? Sie waren zu dritt und Taralea angeschlagen, was einen offenen Angriff so gut wie unmöglich machte, musste sie in diesem Fall doch sicher gehen, dass keine Zeugen überlebten. Vor den Augen der Wilden das Ausmaß ihres Könnens zeigen, war ebenfalls ein Ding der Unmöglichkeit. Mittlerweile arbeitete ihr Verstand auf Hochtouren. Die Anguren scheuten Magie, soviel hatte sie beobachten können. Wenn sie nun...
Allmählich streckte sie die Sinne aus, ging auf die Suche nach menschlichen Melodiesträngen. Anhand der Stimmen wusste sie, ihr am nächsten war Craigh. Perfekt - ihn wollte sie eh von allen am ehesten leiden sehen. Sie begann ihn zu manipulieren, schränkte seine Bewegungsfreiheit ein. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten, es war ihm kaum noch möglich einen Schritt zu gehen, was sofort den Spott auf ihn lenkte. Nach und nach gab sie ihm das Gefühl, mitten im Hochsommer zu sein, ließ Wasser zu seinen Füßen aufsteigen und Dampfschwaden seine Beine entlangschlängeln... angetrieben von den Worten des Einäugigen lenkte sie die Erscheinungen. Sie hatte nicht wirklich viel Ahnung von dem Glauben der Anguren, doch was sie aus dem Gefasel der Wilden entnehmen konnte, war genug, um ihre Manipulationen zu lenken.
Es kostete sie alle Willenskraft, nicht hämisch zu grinsen, als die Angst des Untieres förmlich zu greifen war - und es war jeder Funken Selbstbeherrschung nötig, nicht erleichtert aufzuseufzen, als klar wurde, sie würden sie gehen lassen. Irgendwie war es ihr gelungen, diese Tiere glauben zu machen, es sei ihnen von höheren Mächten missgönnt, die junge Frau mit in ihr Lager zu schleppen.
Kaum waren die befreienden Worte gesprochen, ließ sie in der Ferne ein Donnergrollen ertönen und brach jede Manipulation im Lied schlagartig ab. Die Effekte verebbten und Ruhe trat ein. Wie es schien, genau im richtigen Augenblick. Mächtige Pranken hoben sie vom Pferd und setzten das Bündel Mensch unsanft auf dem Gras ab. Sie wankte kurz, dann nahm sie alle Kraft zusammen, um aufrecht und gerade zu stehen. Auf keinen Fall würde sie zulassen, dass die Anguren ihre Furcht sahen! Stolz hob sie das Kinn und sah dem Krieger direkt in sein verbliebenes Auge. Irgendwie war für beide klar, es würde nicht ihre letzte Begegnung sein.
Es folgte ein kurzer Wortwechsel, in der keiner von beiden bereit war, Land aufzugeben. Am Ende preschte der Krieger auf seinem Ross davon, jede Faser seines Körpers strahlte dabei Stolz und Selbstbewusstsein aus.
Erst als sie jegliche Bedrohung außer Sichtweise wusste, gestatte sie sich einen Moment der Schwäche. Der Schock ließ ihre Glieder zittern und kurzzeitig drohte sie, erneut das Bewusstsein zu verlieren. Sie schleppte sich zu einem Baum und sank an dessen Stamm nieder. Es dauerte lange, bis sie genug Ruhe und Kraft gesammelt hatte, um den Heimweg anzutreten.
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Janus Aethra
Ein drückender, schwefliger Geruch durchzog den Kellerraum, während ein regelmäßig wiederkehrendes Blubbern, Klappern und Plätschern ertönte. Er wusste nicht genau, wieviele Stunden er nun schon hier verbrachte, doch war eben dieses eintönige Arbeiten genau das, was er nun brauchte, und so hatte es auf ihn eine seltsam entspannende Wirkung, den großen Kessel vor sich mit einem homogenen Gemisch aus sauber zerkleinertem Obisidian und Schwefelasche zu befüllen, mit frischem Wasser zu versetzen und behutsam zu erhitzen, um die Mixtur nach und nach in die kleinen, neben ihm gestapelten Holzfässer zu gießen. Einzig und allein musste er beachten, das Gemisch nicht versehentlich zu entzünden oder von den Gerüchen die Gedanken benebeln zu lassen. Dennoch schweiften sie immer und immer wieder ab, als gedanklich sein Vorhaben und dessen Ursache revue passieren ließ...
Zuerst hatten sie die Heilerinnen des Sumpfes angegriffen.. Larissa, die er inzwischen als recht gute Freundin bezeichnete, wurde bei dem Angriff verletzt, als sie versuchte, Janus zu erreichen und ihn um Hilfe zu bitten. Er kam gerade noch rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhindern.
Doch folge auf einen Fehler der Nächste, der nicht fataler hätte sein können: Sie haben versucht, Taralea zu entführen. Einzig und allein die Tatsache, dass sie sich aus eigener Kraft befreien konnte und größtenteils unversehrt blieb sorgte dafür, dass Janus die Anguren nicht sofort zur Rechenschaft ziehen wollte sondern es vorzog, einen Angriff genaustens zu planen.
Als dann auch noch einer der Anguren in der Nähe seines Heimes vorbei ritt und es zu einem Kampf kam, war der Entschluss eines Angriffs endgültig gefällt. Nur zu genau erinnerte er sich an den angurischen Kämpfer, der im Kampf mit Janus eine außerordentliche Stärke bewiesen hatte. Janus hatte den Fehler begangen ihn zu unterschätzen, ihn als cholerischen Waffenschwinger hinzustellen, der Magie nichts entgegen zu setzen hätte. Doch wurde er eines Besseren belehrt. Am eigenen Leib hatte er erfahren, dass die Anguren zumindest teilweise nicht in dieses Klischee hinein passten und es durchaus auch mit der Magie aufnehmen konnten. Nun jedoch, wo sich Janus dieser Tatsache bewusst war, würde er diesen Fehler kein weiteres Mal begehen, sich nicht nocheinmal leichtsinnig und unvorbereitet in einen Kampf stürzen.
Nur noch ein Tageslauf ... dann würden sie den Anguren wieder gegenüber stehen. Diesmal jedoch war er vorbereitet, der Angriff genau geplant, der das Ziel verfolgte, das Lager der Anguren zu zerstören und ihnen einen Denkzettel zu verpassen, den sie nie vergessen würden. Ein für alle Mal sollten sie sich klar werden, dass sie ihre Grenzen überschritten und sich die falschen Feinde gesucht haben.
Als Janus das letzte Fass verkorkte und die Arbeit mit seinen Blicken überflog und an die vergangenen Wochen zurück dachte, keimte ein dezenter Ausdruck von Wut in den sonst eher erschöpft wirkenden Zügen auf. Wut auf die Anguren, dass sie das bedrohten und verletzten, was ihm am Wichtigsten war. Auch wenn ihn sein eigener Zustand ein wenig Sorge bereitete, würde er diese Wut am kommenden Tag gegen die Anguren richten – allein der Gedanke daran sorgte für eine gewisse Genugtuung.
Jeweils zwei der insgesamt vier Fässer wurden nun unter die Arme geklemmt und aus dem Keller in den Garten verfrachtet, wo auch schon Eldir auf ihn und die Fässer wartete.
„Du bekommst das hin?“
Janus Stimme hatte einen prüfenden Tonfall, als er Eldir in Augenschein nahm, der jedoch in seiner gewohnt scherzhaft-überheblichen Art reagierte.
„Überlass' das einfach mir, Schummler“
Mit diesen Worten griff sich Eldir drei der Fässer und machte sich auf den Weg, sie noch in der heutigen Nacht unbemerkt an der Palisade des angurischen Lagers zu positionieren. Und damit war der erste Schritt der kommenden Schlacht eingeleitet...
Zuerst hatten sie die Heilerinnen des Sumpfes angegriffen.. Larissa, die er inzwischen als recht gute Freundin bezeichnete, wurde bei dem Angriff verletzt, als sie versuchte, Janus zu erreichen und ihn um Hilfe zu bitten. Er kam gerade noch rechtzeitig, um Schlimmeres zu verhindern.
Doch folge auf einen Fehler der Nächste, der nicht fataler hätte sein können: Sie haben versucht, Taralea zu entführen. Einzig und allein die Tatsache, dass sie sich aus eigener Kraft befreien konnte und größtenteils unversehrt blieb sorgte dafür, dass Janus die Anguren nicht sofort zur Rechenschaft ziehen wollte sondern es vorzog, einen Angriff genaustens zu planen.
Als dann auch noch einer der Anguren in der Nähe seines Heimes vorbei ritt und es zu einem Kampf kam, war der Entschluss eines Angriffs endgültig gefällt. Nur zu genau erinnerte er sich an den angurischen Kämpfer, der im Kampf mit Janus eine außerordentliche Stärke bewiesen hatte. Janus hatte den Fehler begangen ihn zu unterschätzen, ihn als cholerischen Waffenschwinger hinzustellen, der Magie nichts entgegen zu setzen hätte. Doch wurde er eines Besseren belehrt. Am eigenen Leib hatte er erfahren, dass die Anguren zumindest teilweise nicht in dieses Klischee hinein passten und es durchaus auch mit der Magie aufnehmen konnten. Nun jedoch, wo sich Janus dieser Tatsache bewusst war, würde er diesen Fehler kein weiteres Mal begehen, sich nicht nocheinmal leichtsinnig und unvorbereitet in einen Kampf stürzen.
Nur noch ein Tageslauf ... dann würden sie den Anguren wieder gegenüber stehen. Diesmal jedoch war er vorbereitet, der Angriff genau geplant, der das Ziel verfolgte, das Lager der Anguren zu zerstören und ihnen einen Denkzettel zu verpassen, den sie nie vergessen würden. Ein für alle Mal sollten sie sich klar werden, dass sie ihre Grenzen überschritten und sich die falschen Feinde gesucht haben.
Als Janus das letzte Fass verkorkte und die Arbeit mit seinen Blicken überflog und an die vergangenen Wochen zurück dachte, keimte ein dezenter Ausdruck von Wut in den sonst eher erschöpft wirkenden Zügen auf. Wut auf die Anguren, dass sie das bedrohten und verletzten, was ihm am Wichtigsten war. Auch wenn ihn sein eigener Zustand ein wenig Sorge bereitete, würde er diese Wut am kommenden Tag gegen die Anguren richten – allein der Gedanke daran sorgte für eine gewisse Genugtuung.
Jeweils zwei der insgesamt vier Fässer wurden nun unter die Arme geklemmt und aus dem Keller in den Garten verfrachtet, wo auch schon Eldir auf ihn und die Fässer wartete.
„Du bekommst das hin?“
Janus Stimme hatte einen prüfenden Tonfall, als er Eldir in Augenschein nahm, der jedoch in seiner gewohnt scherzhaft-überheblichen Art reagierte.
„Überlass' das einfach mir, Schummler“
Mit diesen Worten griff sich Eldir drei der Fässer und machte sich auf den Weg, sie noch in der heutigen Nacht unbemerkt an der Palisade des angurischen Lagers zu positionieren. Und damit war der erste Schritt der kommenden Schlacht eingeleitet...
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Larissa Feanaro
Sie stand im Haus und blickte sich um, beinahe etwas ziellos. Zuminest konnte es den Anschein haben, wenn man sie so betrachtete. Doch ihre Gedanken rasten.
Viel war geschehen, noch mehr würde geschehen. Am morgigen Tage war es soweit, der zweite Teil des Denkzettels würde hoffentlich geschrieben, auch wenn der erste Teil nur wenigen bekannt war.
Sichtlich nervös lief sie hin und her, öffnete eine Truhe nach der nächsten, nahm Fläschchen heraus, las die Aufschrift, legte sie zurück, nahm neue heraus...
Ein Seufzen war zu hören und sie ließ sich auf der Bank am Alchemietisch nieder. Ihre zierliche Gestalt schien noch schmaler und zerbrechlicher als normal, der Blick fast ängstlich und besorgt.
Es würde nicht ihre erste Schlacht sein, gewiß auch nicht die letzte... und doch war alles anders als zuvor. Sonst war sie immer die Heilerin. Versorgte die Verletzten, kümmerte sich... sie war dabei, aber nie auf einer Seite. Zudem sie hielt sich so weit wie möglich raus, immer darauf bedacht, möglichst heil dort heraus zu kommen und die Tarnung aufrecht zu erhalten...
Am morgigen Tage würde es ganz anders sein. SIE würde dort hin gehen und kämpfen. Sie, so wie sie war, nicht die Tarnung, welche sie allen vorlebte. Natürlich würde sie maskiert sein, sie würde so wirken, daß es aussehe, als würde Janus diese Zauber sprechen. Und dennoch... Sie würde dort stehen, in der Reihe, natürlich wie immer versuchend die Ihren zu schützen, wie sie es immer tat... und doch war es anders. Sie war einer der Gründe, warum dies überhaupt geschah. Und dies gefiel ihr nicht. Natürlich hatten diese Wesen eine Lehre verdient, aber daß dies eventuell durch das Blut ihrer Freunde erreicht würde, dies brachte ihr mehr als ein mulmiges Gefühl ein.
Zwar wußte sie, daß Taralea und Janus auch so handeln würden, wenn sie, Larissa, nicht zu schaden gekommen worden wäre, sondern die Anguren "nur" Taralea entführt hätten... und dennoch beschlichen sie Schuldgefühle. Sie würde es sich nie verziehen, wenn einer der Ihren schwer verletzt oder gar getötet würde.
Sie saß da, sichtlich nervös und fast ängstlich, ehe sich ihre Züge und ihr schmaler Körper strafften. Der Entschluss war gefallen. Egal was geschah, ihre erste Aufgabe würde es sein zu veruschen, die anderen zu beschützen. Der Kampf war zweitrangig, die anderen waren in solcherlei Dingen sowieso besser als sie. Aber sie würde ihr möglichstes versuchen, um die Gefahr für ihre Freunde so gering wie möglich zu halten...
Viel war geschehen, noch mehr würde geschehen. Am morgigen Tage war es soweit, der zweite Teil des Denkzettels würde hoffentlich geschrieben, auch wenn der erste Teil nur wenigen bekannt war.
Sichtlich nervös lief sie hin und her, öffnete eine Truhe nach der nächsten, nahm Fläschchen heraus, las die Aufschrift, legte sie zurück, nahm neue heraus...
Ein Seufzen war zu hören und sie ließ sich auf der Bank am Alchemietisch nieder. Ihre zierliche Gestalt schien noch schmaler und zerbrechlicher als normal, der Blick fast ängstlich und besorgt.
Es würde nicht ihre erste Schlacht sein, gewiß auch nicht die letzte... und doch war alles anders als zuvor. Sonst war sie immer die Heilerin. Versorgte die Verletzten, kümmerte sich... sie war dabei, aber nie auf einer Seite. Zudem sie hielt sich so weit wie möglich raus, immer darauf bedacht, möglichst heil dort heraus zu kommen und die Tarnung aufrecht zu erhalten...
Am morgigen Tage würde es ganz anders sein. SIE würde dort hin gehen und kämpfen. Sie, so wie sie war, nicht die Tarnung, welche sie allen vorlebte. Natürlich würde sie maskiert sein, sie würde so wirken, daß es aussehe, als würde Janus diese Zauber sprechen. Und dennoch... Sie würde dort stehen, in der Reihe, natürlich wie immer versuchend die Ihren zu schützen, wie sie es immer tat... und doch war es anders. Sie war einer der Gründe, warum dies überhaupt geschah. Und dies gefiel ihr nicht. Natürlich hatten diese Wesen eine Lehre verdient, aber daß dies eventuell durch das Blut ihrer Freunde erreicht würde, dies brachte ihr mehr als ein mulmiges Gefühl ein.
Zwar wußte sie, daß Taralea und Janus auch so handeln würden, wenn sie, Larissa, nicht zu schaden gekommen worden wäre, sondern die Anguren "nur" Taralea entführt hätten... und dennoch beschlichen sie Schuldgefühle. Sie würde es sich nie verziehen, wenn einer der Ihren schwer verletzt oder gar getötet würde.
Sie saß da, sichtlich nervös und fast ängstlich, ehe sich ihre Züge und ihr schmaler Körper strafften. Der Entschluss war gefallen. Egal was geschah, ihre erste Aufgabe würde es sein zu veruschen, die anderen zu beschützen. Der Kampf war zweitrangig, die anderen waren in solcherlei Dingen sowieso besser als sie. Aber sie würde ihr möglichstes versuchen, um die Gefahr für ihre Freunde so gering wie möglich zu halten...
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Eldir
„Überlass' das einfach mir, Schummler“
Meinte er noch eh er sich auf den Weg machte, aus dem Garten hinaus in die Dunkelheit der aufkommenden Nacht, sich an ein Lager ran schleichen war eine seiner leichtesten Übungen, dachte er bei sich während er mit den zwei Fässern unterm Arm gen Osten zog. Der Mond war fast nicht zu sehen hinter den Schleierwolken, die wie ein dunkles Gewand über dem Nachthimmel hingen. Besser hätte es nicht sein können, optimale Voraussetzungen sich an zu schleichen. Allmählich näherte er sich dem Lager der Riesen, noch im Wald westlich davon umstürmte ihn der Teil seines Rudels der ihm hierher so bereitwillig gefolgt war und schon eine ganze Weile dort in den Wäldern wartete. Am Waldrand überließ er die beiden Fässer erst einmal ihrer Bewachung, den wenn er sich bis an die Palisade anschleichen müsste, wären sie anfänglich hinderlich. Ruhig entledigte er sich überschüssigen Kleidungsstücken, dem Wasserschlauch und seinen Gürteltaschen, bloß Bogen und Pfeile, für den Notfall. Nah dem Lager der Riesen verlief ein Fluß, Flußschlamm optimal um das Gesicht und die Hände zu schwärzen, langsam pirschte er sich an das Lager an, die kahlen Bäume in dessen Front warfen unter den Fackeln eigenartige Schatten, die durch das patrouillieren der Wachen eigenartig tanzten. Als er sich irgendwo zwischen den kahlen Bäumen befand blickte er hinauf zur Palisade, nach einem Ort suchend wo er die Fässer gut platzieren könnte huschten seine Augen an der Palisade entlang. Der Flackernde Schein der nahen Fackeln huschte immer wieder über seinen Blick und von einem zum anderen Moment hielt er sich plötzlich lange auf ihm, dumpfes Gebrüll war zu hören, als schon eine Wurfaxt sich flatschend in das Gras nah ihm bohrte, sich schnell hinter einen Baum drehend, knallte die nächste Axt auch schon in den Baum hinter dem er Schutz suchte. Keine Zeit für langes warten, sie hatten ihn entdeckt, mit einem Satz nach vorne rannte der geduckt aus dem was sie von dem Wald über gelassen hatten. Kaum da er die letzten Ausläufer der Fackeln verlassen hatte warf er sich ins nasse Gras ausharrend, lag er noch einen Moment flach da und beobachtete wie auf der Palisade rasch wieder ruhe einkehrte. Dachten sie er wäre ein Tier gewesen? Zu hoffen wäre es, aber selbst wenn nicht würden sie kaum ahnen was ihnen am nächsten Tag blühen würde, als der Schatten der Nacht sich weiter gesenkt hatte, erreichte Eldir erneut die Wälder und sein Rudel, die Fässer dort versteckend ließ er sein Rudel wieder zur Bewachung zurück und machte sich auf den Weg, Janus Bericht zu erstatten...
Meinte er noch eh er sich auf den Weg machte, aus dem Garten hinaus in die Dunkelheit der aufkommenden Nacht, sich an ein Lager ran schleichen war eine seiner leichtesten Übungen, dachte er bei sich während er mit den zwei Fässern unterm Arm gen Osten zog. Der Mond war fast nicht zu sehen hinter den Schleierwolken, die wie ein dunkles Gewand über dem Nachthimmel hingen. Besser hätte es nicht sein können, optimale Voraussetzungen sich an zu schleichen. Allmählich näherte er sich dem Lager der Riesen, noch im Wald westlich davon umstürmte ihn der Teil seines Rudels der ihm hierher so bereitwillig gefolgt war und schon eine ganze Weile dort in den Wäldern wartete. Am Waldrand überließ er die beiden Fässer erst einmal ihrer Bewachung, den wenn er sich bis an die Palisade anschleichen müsste, wären sie anfänglich hinderlich. Ruhig entledigte er sich überschüssigen Kleidungsstücken, dem Wasserschlauch und seinen Gürteltaschen, bloß Bogen und Pfeile, für den Notfall. Nah dem Lager der Riesen verlief ein Fluß, Flußschlamm optimal um das Gesicht und die Hände zu schwärzen, langsam pirschte er sich an das Lager an, die kahlen Bäume in dessen Front warfen unter den Fackeln eigenartige Schatten, die durch das patrouillieren der Wachen eigenartig tanzten. Als er sich irgendwo zwischen den kahlen Bäumen befand blickte er hinauf zur Palisade, nach einem Ort suchend wo er die Fässer gut platzieren könnte huschten seine Augen an der Palisade entlang. Der Flackernde Schein der nahen Fackeln huschte immer wieder über seinen Blick und von einem zum anderen Moment hielt er sich plötzlich lange auf ihm, dumpfes Gebrüll war zu hören, als schon eine Wurfaxt sich flatschend in das Gras nah ihm bohrte, sich schnell hinter einen Baum drehend, knallte die nächste Axt auch schon in den Baum hinter dem er Schutz suchte. Keine Zeit für langes warten, sie hatten ihn entdeckt, mit einem Satz nach vorne rannte der geduckt aus dem was sie von dem Wald über gelassen hatten. Kaum da er die letzten Ausläufer der Fackeln verlassen hatte warf er sich ins nasse Gras ausharrend, lag er noch einen Moment flach da und beobachtete wie auf der Palisade rasch wieder ruhe einkehrte. Dachten sie er wäre ein Tier gewesen? Zu hoffen wäre es, aber selbst wenn nicht würden sie kaum ahnen was ihnen am nächsten Tag blühen würde, als der Schatten der Nacht sich weiter gesenkt hatte, erreichte Eldir erneut die Wälder und sein Rudel, die Fässer dort versteckend ließ er sein Rudel wieder zur Bewachung zurück und machte sich auf den Weg, Janus Bericht zu erstatten...
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Larissa Feanaro
Müde lag sie in den Fellen und überdachte den Tag. Nun war es also vorbei.
Die Schlacht, welche seid Wochen geplant war. Zu viert waren sie dorthin gegangen, Taralea, Janus, Eldir und sie. Vier Leute gegen ein befestigtes Lager. Es war eigentlich ein Hohn und sie hatten einen deutlichen Preis dafür zahlen müssen.
Ihr Weg führte sie in den Osten Gerimors, nahe des Flusse verweilten sie um noch einmal zu beraten, ehe es dann begann.
Taralea und sie beschworen einen schützenden Nebel herauf, welcher ihnen die nötige Deckung bieten sollte, um ungesehen an das Lager heran zu kommen.
Kurz vor dem Lager suchten sie Deckung zwischen den wenigen Bäumen, welche dort noch standen, nun nahe genug um die Palisade und die Wachen zu sehen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals als Janus, in der Gestalt eines Gargolyes, einige Fässer auf die Palsade warf, welche dort zerschellten und der Inhalt von Eldir mit brennenden Pfeilen entzündet wurde. Ein Wind wurde nun beschworen, welcher den Nebel wieder hinfort wehen sollte, ehe sich Janus in die Lüfte erhob und sein Werk von dort aus fort setzte, während Eldirs brennende Pfeile weiterhin auf die Palisade zuschossen. Taralea und sie nutzten der weil ihre Kräfte um das Feuer anzufachen, auf daß es sich schneller als normal ausbreitete.
Nun konnten sie erst einmal nur abwarten, doch als das Lager lichterloh in Flammen stand und die ersten Anguren diese verließen, war die Zeit des Handelns gekommen.
Janus landete und bekann, Feuerkugeln und Blitze auf die Anguren zu schleudern, unterstützt von den Feuerkugeln, welche sie vor ihm entstehen ließ und von dort aus auf die anguren warf. Ein kurzer Blick zur Seite und sie bemerkte, daß Taralea sich verwandelt hatte und in Richtung des Lagers davon lief. Sie konnte dies nicht verhindern und verlor sie aus den Augen. Noch einige Feuerkugeln wurden beschworen und geschleuert, ehe sie vorsichtig den Rückweg antreten mußte, da einer der Anguren geradewegs auf sie zukam. Nun hätte sie sich erneut den Nebel gewünscht, doch sie alleine konnte ihn nicht rufen, mindestens noch eine der Schwestern hätet sie dazu benötigt. So blieb ihr nur der Rückzug, doch war sie nicht schnell genug und sie spürte einen Schlag auf dem Kopf, ehe alles dunkel wurde.
Sie wußte nicht, wie lange sie dort gelegen hatte, doch als sie die Augen öffnete, sah sie überall Flammen und rennende Anguren, von ihren drei Gefährten war nichts mehr zu sehen. Vorsichtig versuchte sie, sich aufzurichten, doch ihr Kopf schmerzte und sie ertastete Blut. Erneut sah sie sich um. Neiamnd war da oder achtet auf sie, so daß sie das Lied nutzen konnte, um ihre Verletzungen zu vertreiben.
So stand sie auf und lief in Richtugn des Flusses zurück, durch verbrannte Wiesenteile, am brennenden Lager vorbei. Der Ort war verwüstet.
Ein erleichtertes Aufseufzten löste sich von ihren Lippen, als sie die drei am Flussufer sahen, doch direkt danach fuhr ein Schreck durch ihre Glieder. Taralea lag dort und bewegte sich nicht. Panik stieg in ihr auf, als sie auf die Freundin zurannte und begann, sie zu untersuchen. Ein Axthieb hatte sie in die Seite getroffen, die Verletzung war sehr schwer, der Blkutverlust enorm. Eilig wusch sie die Wunde aus und legte einen Verband an, doch im Nu war dieser durchgeblutet.
"Tu etwas, ihr könnt ihm vertrauen!" hörte sie Janus Stimme von der Seite und als sie zu ihm aufsah, sah sie in seinen AUgen die gleiche Panik und Angst, welche auch sie erfüllte. Kurz ging ihr Blick zu Eldir, dann zu Taralea zurück, ehe sie einen Entschuß faßte. erneut wurden Eilig Bandagen heraus genommen, scheinbar um einen strammeren Verband anzulegen, doch während dieser Arbeit stoppte sie die Blutung mit Hilfe des Liedes. Sie hoffte, daß dies nicht aufgefallen war, außer Janus, welcher fast erleichtert aufseufzte und dann in sich zusammen sackte, seine letzten Kräfte nun sammelnd um sich seiner eigenen Verletzungen zumindest ansatzweise anzunehmen.
Ein letzter prüfender und dennoch besorgter Blick auf Taralea, ehe sie sich Eldir zuwandte, aus dessen Schulter zwei Pfeile heraus ragten. Sie deutet ihm sich zu setzen, damit sie sich seinen wunden annehmen kontne, doch wollten die Beiden erst einen Abstand zwischen sich und das Lager bringen. Auch wenn ihr Wissen um die Heilkunde sein Veto schrie, da ein Transport weder für Taralea noch für Eldir gut war, mußte sie dennoch dem Argument zustimmen, daß sie tot wären, würden die Anguren sie nun hier so finden.
Also ging der Weg nach Norden, bis zu einer kleinen Lichtung im Wald. Dort begann sie Eldirs Wunden zu versorgen, die Pfeile zu entfernen. Während dieser Arbeit sah sie Nuria. Sie war noch nie in ihrem Leben so erleichtert gewesen, sie zu sehen. "Dich schicken die Götter!" war das einzige, was sie sagen konnte, ehe sie sich weiter um Eldirs Schulter kümmerte und Nuria zu Janus und Taralea hinüber ging, sich nun ihrerseits der Schwester annehmend.
Nach einiger Zeit, als der Zustand der Verletzten stabilisiert worden war, machten sie sich auf den Weg zurück zur Heilerstube. Die Nacht war lang, erneut wurden die Verbände abgemacht, nun mit Hilfe von Kräutern und Zeit, sauber und ordentlich versorgt. Sie würden alle wieder auf die Beine kommen, doch der Zustand von Taralea erwies sich als sehr ernst.
Es war vorbei, was noch geschehen würde, mußte man sehen.
Doch sie hoffte, daß die Anguren wenigstens daraus gelernt hatten und sich nie wieder mit den Schwestern anlegen würden...
Die Schlacht, welche seid Wochen geplant war. Zu viert waren sie dorthin gegangen, Taralea, Janus, Eldir und sie. Vier Leute gegen ein befestigtes Lager. Es war eigentlich ein Hohn und sie hatten einen deutlichen Preis dafür zahlen müssen.
Ihr Weg führte sie in den Osten Gerimors, nahe des Flusse verweilten sie um noch einmal zu beraten, ehe es dann begann.
Taralea und sie beschworen einen schützenden Nebel herauf, welcher ihnen die nötige Deckung bieten sollte, um ungesehen an das Lager heran zu kommen.
Kurz vor dem Lager suchten sie Deckung zwischen den wenigen Bäumen, welche dort noch standen, nun nahe genug um die Palisade und die Wachen zu sehen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals als Janus, in der Gestalt eines Gargolyes, einige Fässer auf die Palsade warf, welche dort zerschellten und der Inhalt von Eldir mit brennenden Pfeilen entzündet wurde. Ein Wind wurde nun beschworen, welcher den Nebel wieder hinfort wehen sollte, ehe sich Janus in die Lüfte erhob und sein Werk von dort aus fort setzte, während Eldirs brennende Pfeile weiterhin auf die Palisade zuschossen. Taralea und sie nutzten der weil ihre Kräfte um das Feuer anzufachen, auf daß es sich schneller als normal ausbreitete.
Nun konnten sie erst einmal nur abwarten, doch als das Lager lichterloh in Flammen stand und die ersten Anguren diese verließen, war die Zeit des Handelns gekommen.
Janus landete und bekann, Feuerkugeln und Blitze auf die Anguren zu schleudern, unterstützt von den Feuerkugeln, welche sie vor ihm entstehen ließ und von dort aus auf die anguren warf. Ein kurzer Blick zur Seite und sie bemerkte, daß Taralea sich verwandelt hatte und in Richtung des Lagers davon lief. Sie konnte dies nicht verhindern und verlor sie aus den Augen. Noch einige Feuerkugeln wurden beschworen und geschleuert, ehe sie vorsichtig den Rückweg antreten mußte, da einer der Anguren geradewegs auf sie zukam. Nun hätte sie sich erneut den Nebel gewünscht, doch sie alleine konnte ihn nicht rufen, mindestens noch eine der Schwestern hätet sie dazu benötigt. So blieb ihr nur der Rückzug, doch war sie nicht schnell genug und sie spürte einen Schlag auf dem Kopf, ehe alles dunkel wurde.
Sie wußte nicht, wie lange sie dort gelegen hatte, doch als sie die Augen öffnete, sah sie überall Flammen und rennende Anguren, von ihren drei Gefährten war nichts mehr zu sehen. Vorsichtig versuchte sie, sich aufzurichten, doch ihr Kopf schmerzte und sie ertastete Blut. Erneut sah sie sich um. Neiamnd war da oder achtet auf sie, so daß sie das Lied nutzen konnte, um ihre Verletzungen zu vertreiben.
So stand sie auf und lief in Richtugn des Flusses zurück, durch verbrannte Wiesenteile, am brennenden Lager vorbei. Der Ort war verwüstet.
Ein erleichtertes Aufseufzten löste sich von ihren Lippen, als sie die drei am Flussufer sahen, doch direkt danach fuhr ein Schreck durch ihre Glieder. Taralea lag dort und bewegte sich nicht. Panik stieg in ihr auf, als sie auf die Freundin zurannte und begann, sie zu untersuchen. Ein Axthieb hatte sie in die Seite getroffen, die Verletzung war sehr schwer, der Blkutverlust enorm. Eilig wusch sie die Wunde aus und legte einen Verband an, doch im Nu war dieser durchgeblutet.
"Tu etwas, ihr könnt ihm vertrauen!" hörte sie Janus Stimme von der Seite und als sie zu ihm aufsah, sah sie in seinen AUgen die gleiche Panik und Angst, welche auch sie erfüllte. Kurz ging ihr Blick zu Eldir, dann zu Taralea zurück, ehe sie einen Entschuß faßte. erneut wurden Eilig Bandagen heraus genommen, scheinbar um einen strammeren Verband anzulegen, doch während dieser Arbeit stoppte sie die Blutung mit Hilfe des Liedes. Sie hoffte, daß dies nicht aufgefallen war, außer Janus, welcher fast erleichtert aufseufzte und dann in sich zusammen sackte, seine letzten Kräfte nun sammelnd um sich seiner eigenen Verletzungen zumindest ansatzweise anzunehmen.
Ein letzter prüfender und dennoch besorgter Blick auf Taralea, ehe sie sich Eldir zuwandte, aus dessen Schulter zwei Pfeile heraus ragten. Sie deutet ihm sich zu setzen, damit sie sich seinen wunden annehmen kontne, doch wollten die Beiden erst einen Abstand zwischen sich und das Lager bringen. Auch wenn ihr Wissen um die Heilkunde sein Veto schrie, da ein Transport weder für Taralea noch für Eldir gut war, mußte sie dennoch dem Argument zustimmen, daß sie tot wären, würden die Anguren sie nun hier so finden.
Also ging der Weg nach Norden, bis zu einer kleinen Lichtung im Wald. Dort begann sie Eldirs Wunden zu versorgen, die Pfeile zu entfernen. Während dieser Arbeit sah sie Nuria. Sie war noch nie in ihrem Leben so erleichtert gewesen, sie zu sehen. "Dich schicken die Götter!" war das einzige, was sie sagen konnte, ehe sie sich weiter um Eldirs Schulter kümmerte und Nuria zu Janus und Taralea hinüber ging, sich nun ihrerseits der Schwester annehmend.
Nach einiger Zeit, als der Zustand der Verletzten stabilisiert worden war, machten sie sich auf den Weg zurück zur Heilerstube. Die Nacht war lang, erneut wurden die Verbände abgemacht, nun mit Hilfe von Kräutern und Zeit, sauber und ordentlich versorgt. Sie würden alle wieder auf die Beine kommen, doch der Zustand von Taralea erwies sich als sehr ernst.
Es war vorbei, was noch geschehen würde, mußte man sehen.
Doch sie hoffte, daß die Anguren wenigstens daraus gelernt hatten und sich nie wieder mit den Schwestern anlegen würden...
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Sarahlain MacAgrona
Ein Tag wie jeder andere.... ein von den Ahnen verdammter Tag mehr auf diesem von den Ahnen verlassenen Kontinent umgeben von Ratten und Getier, welche sich selbst Menschen schimpfen, umgeben von Schwächlingen und niederem Gewürm.
Umd mit jedem Tag den sie auf diesem verfluchten Kontinent verbrachte wuchs der bittere Nachgeschmack der gesamten Schmach. Brummend hatte sie sich aus dem Zelt entfernt und ihre kleine Schwester zurückgelassen. Sie war noch jung, glaubte noch an die schönen Seiten im Leben, doch die Hünin hatte andere Seiten kennengelernt, bittere Seiten, doch ehe sie ihrer kleinen Schwester ihre Illusionen rauben würde, würde sie eher selber verenden.
Tief zog sie die kalte Abendluft durch die Nüstern ein und richtete sich zu voller Grösse auf. Was war nur aus ihr geworden? Sie erinnerte sich an den Tag an dem es hiess dass ihre Schwester hingerichtet werden soll. Sie erinnerte sich an den Tag, an dem sie auszog um nach Essbarem zu jagen und wie sie danach fast im ewigen Eis verreckt wär. Keiner der anderen Anguren wusste davon, sie war stets eine gute Jägerin gewesen und die Schmach zuzugeben, dem harten Winter Fuachteros nicht trotzen zu können, die behielt sie eisern für sich.
Bitterkeit... das war alles was ihr Leben noch beinhaltet, selbst die Luft roch danach, oder war es nur der ekelerregende Gestank dieses miesen, fetten MacGaulichs? Mit schweren, langen Schritten machte sie sich auf den Weg quer durchs Lager.
Und dann dieser Vinleif, ein aufgeblasener, arroganter Dreckskerl, nicht mal wert dass man ihm ins Gesicht spucke und vor ihm kriechen solle sie? Und selbst wenn die Ahnen sie dafür verfluchen würden, aber ein MacAgrona kriecht vor niemandem!
Dann sah sie auch schon Argail... den Alten... der einzige, zu dem sie noch aufschauen konnte. Er mag alt sein und seine Kräfte am Schwinden, doch er hatte die Erfahrung, die der jungen Kriegerin immer noch fehlte. Ihm zuliebe würde sie die Befehle ausführen... nur ihm zuliebe... und für den kläglichen Rest welcher vom einst so stolzen Clan MacAgrona übriggeblieben war. Sie würde tun was nötig war, auch wenn das Feuer, welche einst in ihrem Herzen und ihren Augen loderte von der eisigen Kälte des Nordens geraubt worden war.
Der Alte hatte recht, sie waren zu wenige geworden und es war keiner mehr da, welcher des anderen Platz einnehmen konnte, sie waren gefangen in einem Netz zwischen Verrat am eigenen Clan und seinen Ahnen und zwischen aussterben. Einen Moment lang dachte sie wirklich ernsthaft darüber nach, dass es vieleicht besser wäre in Ehre zu sterben, doch ihr Stolz war zu gross um den Namen MacAgrona einfach so in der Vergessenheit versinken zu lassen. Es wird wieder die Zeit kommen in der man erzittert wenn das Kriegshorn der MacAgrona erklingt. Fest umklammerte sie die gewaltige Kriegsaxt, welche der Alte ihr überreichte, die, mit Diamanten überzogenen Blätter lasteten schwer auf der Schulter, gaben ein Gefühl von Sicherheit.
Und dann zog Nebel auf.. ach dieser verdammte Nebel... dieses verdammte Land! Sie hatte eisiger Kälte und meterdickem Schnee getrotzt aber dieses triefnasse, nebelige, sabbelige Wetter trieb ihr immer wieder die Galle hoch. Dann der Lärm, die Wachen schlugen Alarm...
Einige Lidschläge breitete sich Panik um sie aus, doch nach einigen gebellten Befehlen kehrte Ordnung in den Haufen ein. Das Vieh sollte sie mit ihrer Schwester zusammen raustreiben. DAS VIEH? Dieses arrogante Stück von einem MacGjallar befahl doch wirklich dass eine MacAgrona Vieh treiben soll? Ein kurzer Blick wich zu Argail, ehe sie sich zähneknirschend der Anweisung beugte, den Rest seiner Ausführungen ignorierend und sich der gestellten Aufgabe zuwandte.
Hastig erfüllte sie das geforderte.. etwas passte ihr nicht... der alte Argail vorne bei den Kriegern und sie... dabei Gäule loszubinden... Endlich... sie trat durch das brennende Torhaus und blickte sich um, Argail kniete hinter der Palisade und verschwand auch kurz darauf im Gebüsch, Elryk und Ulfgard standen recht unentschlossen da... zum ersten Mal fiel ihr auf dass Elryk keine Clansfarben mehr trug. Hatte er seinen Clan schon aufgegeben?
Dann der Gargoyle, dieses urhässliche Viech.. es hätte glatt ein MacGaulich sein können. Ein brummender Befehl an ihre Schwester, schon setzte sie nach, neben ihr Schritt Elryk, welcher, als er freie Bahn hatte, aus dem Gestrüpp heraus lospreschte.
Ruhig schritt sie durchs Gestrüpp, immer wieder knacksten Äste unter dem massiven Körper der Angure, die Axt mit beiden Händen vor sich haltend. Diese verfluchten Hexer.. als hätte sie es geahnt türmte sich auf einmal eine Flammenwand vor ihr auf, Elryk hielt abrupt im Lauf inne und kam kurz vor der lodernden Wand zum Stehen. Immer weiter hielten ihre Schritte auf das Meer von Flammen zu, dahinter die verschwommen wabernden Umrisse der Bestie.
"Dein Mut, Elryk... wo's dein Mut?!" schoss es ihr noch durch den Kopf, ehe sie die Axt in die Höhe riss und sich mit einem tiefen, drohenden, brummenden "FÜA DE AHN'N!!!" in die Flammen stürzte. Hitze schlug ihr entgegen und raubte ihr den Atem, Flammen züngelten an ihr hoch um umschlangen sie. Sie wusste... würde sie nun innehalten, würden die Flammen sie bei lebendigem Leib verschlingen. Nur ein paar Schritt trennten sie von der Bestie, als sie aus dem Feuer trat. Ein furchterregender Anblick muss sich jenem Beobachter geboten haben, eine Frau.. oder eher ein wildes Tier, ein kantiges zu einer wütenden Fratze verzogenes Geschicht, welches unter einem Helm aus dem Schädel eines Eisbären ihn mit kalten grau-grünen Augen anblickte, die wilden, rotbraunen Haare lose unter dem Helm hervorfliegend, an den Spitzen kokelnd von der Hitze, auf ihn zustürmte und die riesige Axt auf ihn herabschwang. Knirschend Drang das Axtblatt ins Fleisch ein, zerfetzte Haut und Muskelgewebe, ehe die Pranke die Hünin an der Brust erwischte und sie zur Seite wegtaumelte. Sie hatte nicht mal ansatzweise das Gleichgewicht wiedererlangt als sie zu allem Überfluss noch ein Wolf anfiel. Genau das aber reichte aus um die weit über zwei angurische Schritt grosse Frau zu Boden zu ringen, und das Tier verbiss sich in ihrem Armpanzer. Zwar konnten die Fänge des Wolfes den gehärteten Stahl nicht durchdringen, doch sass sie auf dem Hintern, ihre axt ausser Reichweite und diese dämliche Töle am Arm.
Sie holte eben mit der freien Hand aus, als sie im Augenwinkel Argail vorbeirennen sah, der Stolz den sie in diesem Moment verspürte, wandelte sich recht schnell als der Alte über einen weiteren Wolf stolperte und zu Boden ging. Fest entschlossen ruckte die Hand zurück, ballte sich zur Faust und zielte genau auf die Nase der Töle. Ein kurzes Wimmern und ein deutliches, todbringendes Knacken war zu vernehmen als die panzerte Faust auf die Schnauze des Tieres traf und ziemlich jeden Knochen im Schädel zerschmetterte.
Sie schüttelte das leblose Wesen von sich runter, sah noch wie dieser jämmerliche Wurm von einem Menschen einen Pfeil an seine Sehne legte. "Ja.. auf Wehrlose schiessen... das ist die Art der Menschen!" Sie griff nach der Axt und rannte los. Niemand würde dem alten Argail etwas antun und noch lange genug leben um iergentjemandem davon erzählen zu können! Niemand! Und sie rannte, bis der Pfeil sich in ihren Oberschenkel bohrte. Ein stechender Schmerz breitete sich in ihrem Bein aus, doch es war zu spät sie noch aufzuhalten. Humpelnd, aber doch mit hastigen Schritten näherte sie sich dem Bogenschützen, welcher sich gerade den Bogen umhängte und eine Waffe zog. Eine Waffe? Dieses jämmerliche, kleine Messer? Sarahlain hätte sowas nicht mal zum Ausnehmen eines Bären verwendet, geschweige denn zum Kampf.
Sie wollte gerade ansetzen um den kleinen, nutzlosen Schädel vom Rumpf dieses Schwächlings abzutrennen als Ranken plötzlich aus dem Boden schossen und sie umschlangen. Unfähig sich zu rühren zerrte sie an den Schlingplanzen, doch erfolglos. Schliesslich gab sie nach und schloss die Augen. Für einen Augenblick flogen ihre Gedanken zurück nach Fuachtero, zurück ins ewige Eis. Und vor ihrem geistigen Auge stand er... der Bär, seit Urzeiten Totem ihres Clans, ihres Volkes! Und er brüllte sie an, entfachte neue Kraft in ihr, gab ihr neuen Mut und mit der Wildheit eines Bären schrie sie auf und riss die Ranken entzwei.
Scheppernd setzte sie einen Fuss vor den anderen und baute sich schützend vor Argail auf, den Blick hinab auf das Menschlein hinab gerichtet, kalt, gnadenlos, unnachgiebig, wie die eisigen Winter des hohen Nordens. Und er tat das einzig richtige.. er rannte!
Sie kniete sich neben dem Alten und legte ihm eine der riesigen Pranken auf den Kopf. Und sagte etwas was nur für ihn bestimmt war: "Lass du m'ch net auch noch alle'n." Dann jedoch drängte ihr Stolz und ihr Pflichtbewusstsein sich zurück in den Geist der Kriegerin. In der Welt der Anguren gab es nicht viel Platz für Gefühle, so rief sie grollend ihre Schwester herbei und erhob sich wieder, die Axt vor sich in den Boden gestemmt, den Kopf hoch in den Wind und die Rauchschwaden erhoben und hielt wacht... über das letzte, was ihr noch geblieben ist...
Umd mit jedem Tag den sie auf diesem verfluchten Kontinent verbrachte wuchs der bittere Nachgeschmack der gesamten Schmach. Brummend hatte sie sich aus dem Zelt entfernt und ihre kleine Schwester zurückgelassen. Sie war noch jung, glaubte noch an die schönen Seiten im Leben, doch die Hünin hatte andere Seiten kennengelernt, bittere Seiten, doch ehe sie ihrer kleinen Schwester ihre Illusionen rauben würde, würde sie eher selber verenden.
Tief zog sie die kalte Abendluft durch die Nüstern ein und richtete sich zu voller Grösse auf. Was war nur aus ihr geworden? Sie erinnerte sich an den Tag an dem es hiess dass ihre Schwester hingerichtet werden soll. Sie erinnerte sich an den Tag, an dem sie auszog um nach Essbarem zu jagen und wie sie danach fast im ewigen Eis verreckt wär. Keiner der anderen Anguren wusste davon, sie war stets eine gute Jägerin gewesen und die Schmach zuzugeben, dem harten Winter Fuachteros nicht trotzen zu können, die behielt sie eisern für sich.
Bitterkeit... das war alles was ihr Leben noch beinhaltet, selbst die Luft roch danach, oder war es nur der ekelerregende Gestank dieses miesen, fetten MacGaulichs? Mit schweren, langen Schritten machte sie sich auf den Weg quer durchs Lager.
Und dann dieser Vinleif, ein aufgeblasener, arroganter Dreckskerl, nicht mal wert dass man ihm ins Gesicht spucke und vor ihm kriechen solle sie? Und selbst wenn die Ahnen sie dafür verfluchen würden, aber ein MacAgrona kriecht vor niemandem!
Dann sah sie auch schon Argail... den Alten... der einzige, zu dem sie noch aufschauen konnte. Er mag alt sein und seine Kräfte am Schwinden, doch er hatte die Erfahrung, die der jungen Kriegerin immer noch fehlte. Ihm zuliebe würde sie die Befehle ausführen... nur ihm zuliebe... und für den kläglichen Rest welcher vom einst so stolzen Clan MacAgrona übriggeblieben war. Sie würde tun was nötig war, auch wenn das Feuer, welche einst in ihrem Herzen und ihren Augen loderte von der eisigen Kälte des Nordens geraubt worden war.
Der Alte hatte recht, sie waren zu wenige geworden und es war keiner mehr da, welcher des anderen Platz einnehmen konnte, sie waren gefangen in einem Netz zwischen Verrat am eigenen Clan und seinen Ahnen und zwischen aussterben. Einen Moment lang dachte sie wirklich ernsthaft darüber nach, dass es vieleicht besser wäre in Ehre zu sterben, doch ihr Stolz war zu gross um den Namen MacAgrona einfach so in der Vergessenheit versinken zu lassen. Es wird wieder die Zeit kommen in der man erzittert wenn das Kriegshorn der MacAgrona erklingt. Fest umklammerte sie die gewaltige Kriegsaxt, welche der Alte ihr überreichte, die, mit Diamanten überzogenen Blätter lasteten schwer auf der Schulter, gaben ein Gefühl von Sicherheit.
Und dann zog Nebel auf.. ach dieser verdammte Nebel... dieses verdammte Land! Sie hatte eisiger Kälte und meterdickem Schnee getrotzt aber dieses triefnasse, nebelige, sabbelige Wetter trieb ihr immer wieder die Galle hoch. Dann der Lärm, die Wachen schlugen Alarm...
Einige Lidschläge breitete sich Panik um sie aus, doch nach einigen gebellten Befehlen kehrte Ordnung in den Haufen ein. Das Vieh sollte sie mit ihrer Schwester zusammen raustreiben. DAS VIEH? Dieses arrogante Stück von einem MacGjallar befahl doch wirklich dass eine MacAgrona Vieh treiben soll? Ein kurzer Blick wich zu Argail, ehe sie sich zähneknirschend der Anweisung beugte, den Rest seiner Ausführungen ignorierend und sich der gestellten Aufgabe zuwandte.
Hastig erfüllte sie das geforderte.. etwas passte ihr nicht... der alte Argail vorne bei den Kriegern und sie... dabei Gäule loszubinden... Endlich... sie trat durch das brennende Torhaus und blickte sich um, Argail kniete hinter der Palisade und verschwand auch kurz darauf im Gebüsch, Elryk und Ulfgard standen recht unentschlossen da... zum ersten Mal fiel ihr auf dass Elryk keine Clansfarben mehr trug. Hatte er seinen Clan schon aufgegeben?
Dann der Gargoyle, dieses urhässliche Viech.. es hätte glatt ein MacGaulich sein können. Ein brummender Befehl an ihre Schwester, schon setzte sie nach, neben ihr Schritt Elryk, welcher, als er freie Bahn hatte, aus dem Gestrüpp heraus lospreschte.
Ruhig schritt sie durchs Gestrüpp, immer wieder knacksten Äste unter dem massiven Körper der Angure, die Axt mit beiden Händen vor sich haltend. Diese verfluchten Hexer.. als hätte sie es geahnt türmte sich auf einmal eine Flammenwand vor ihr auf, Elryk hielt abrupt im Lauf inne und kam kurz vor der lodernden Wand zum Stehen. Immer weiter hielten ihre Schritte auf das Meer von Flammen zu, dahinter die verschwommen wabernden Umrisse der Bestie.
"Dein Mut, Elryk... wo's dein Mut?!" schoss es ihr noch durch den Kopf, ehe sie die Axt in die Höhe riss und sich mit einem tiefen, drohenden, brummenden "FÜA DE AHN'N!!!" in die Flammen stürzte. Hitze schlug ihr entgegen und raubte ihr den Atem, Flammen züngelten an ihr hoch um umschlangen sie. Sie wusste... würde sie nun innehalten, würden die Flammen sie bei lebendigem Leib verschlingen. Nur ein paar Schritt trennten sie von der Bestie, als sie aus dem Feuer trat. Ein furchterregender Anblick muss sich jenem Beobachter geboten haben, eine Frau.. oder eher ein wildes Tier, ein kantiges zu einer wütenden Fratze verzogenes Geschicht, welches unter einem Helm aus dem Schädel eines Eisbären ihn mit kalten grau-grünen Augen anblickte, die wilden, rotbraunen Haare lose unter dem Helm hervorfliegend, an den Spitzen kokelnd von der Hitze, auf ihn zustürmte und die riesige Axt auf ihn herabschwang. Knirschend Drang das Axtblatt ins Fleisch ein, zerfetzte Haut und Muskelgewebe, ehe die Pranke die Hünin an der Brust erwischte und sie zur Seite wegtaumelte. Sie hatte nicht mal ansatzweise das Gleichgewicht wiedererlangt als sie zu allem Überfluss noch ein Wolf anfiel. Genau das aber reichte aus um die weit über zwei angurische Schritt grosse Frau zu Boden zu ringen, und das Tier verbiss sich in ihrem Armpanzer. Zwar konnten die Fänge des Wolfes den gehärteten Stahl nicht durchdringen, doch sass sie auf dem Hintern, ihre axt ausser Reichweite und diese dämliche Töle am Arm.
Sie holte eben mit der freien Hand aus, als sie im Augenwinkel Argail vorbeirennen sah, der Stolz den sie in diesem Moment verspürte, wandelte sich recht schnell als der Alte über einen weiteren Wolf stolperte und zu Boden ging. Fest entschlossen ruckte die Hand zurück, ballte sich zur Faust und zielte genau auf die Nase der Töle. Ein kurzes Wimmern und ein deutliches, todbringendes Knacken war zu vernehmen als die panzerte Faust auf die Schnauze des Tieres traf und ziemlich jeden Knochen im Schädel zerschmetterte.
Sie schüttelte das leblose Wesen von sich runter, sah noch wie dieser jämmerliche Wurm von einem Menschen einen Pfeil an seine Sehne legte. "Ja.. auf Wehrlose schiessen... das ist die Art der Menschen!" Sie griff nach der Axt und rannte los. Niemand würde dem alten Argail etwas antun und noch lange genug leben um iergentjemandem davon erzählen zu können! Niemand! Und sie rannte, bis der Pfeil sich in ihren Oberschenkel bohrte. Ein stechender Schmerz breitete sich in ihrem Bein aus, doch es war zu spät sie noch aufzuhalten. Humpelnd, aber doch mit hastigen Schritten näherte sie sich dem Bogenschützen, welcher sich gerade den Bogen umhängte und eine Waffe zog. Eine Waffe? Dieses jämmerliche, kleine Messer? Sarahlain hätte sowas nicht mal zum Ausnehmen eines Bären verwendet, geschweige denn zum Kampf.
Sie wollte gerade ansetzen um den kleinen, nutzlosen Schädel vom Rumpf dieses Schwächlings abzutrennen als Ranken plötzlich aus dem Boden schossen und sie umschlangen. Unfähig sich zu rühren zerrte sie an den Schlingplanzen, doch erfolglos. Schliesslich gab sie nach und schloss die Augen. Für einen Augenblick flogen ihre Gedanken zurück nach Fuachtero, zurück ins ewige Eis. Und vor ihrem geistigen Auge stand er... der Bär, seit Urzeiten Totem ihres Clans, ihres Volkes! Und er brüllte sie an, entfachte neue Kraft in ihr, gab ihr neuen Mut und mit der Wildheit eines Bären schrie sie auf und riss die Ranken entzwei.
Scheppernd setzte sie einen Fuss vor den anderen und baute sich schützend vor Argail auf, den Blick hinab auf das Menschlein hinab gerichtet, kalt, gnadenlos, unnachgiebig, wie die eisigen Winter des hohen Nordens. Und er tat das einzig richtige.. er rannte!
Sie kniete sich neben dem Alten und legte ihm eine der riesigen Pranken auf den Kopf. Und sagte etwas was nur für ihn bestimmt war: "Lass du m'ch net auch noch alle'n." Dann jedoch drängte ihr Stolz und ihr Pflichtbewusstsein sich zurück in den Geist der Kriegerin. In der Welt der Anguren gab es nicht viel Platz für Gefühle, so rief sie grollend ihre Schwester herbei und erhob sich wieder, die Axt vor sich in den Boden gestemmt, den Kopf hoch in den Wind und die Rauchschwaden erhoben und hielt wacht... über das letzte, was ihr noch geblieben ist...
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Greneva Caillon
Die Läuternde Kraft des Feuers
Das Lager der Anguren auf dem östlichen Festland lag friedlich da.
Friedlich? Nur zum Schein, denn drinnen brodelte es still und heimlich.
Die letzten Verbliebenen der MacAgrona - des Kämpferclans, für den Zusammenhalt Alles war, - waren sich uneinig.
Sicher, der Clan existierte quasi nicht mehr. Das Unglück, über welches nicht mehr gesprochen wurde, hatte die vier Übrigen ihren Clan gekostet… Und doch gehörten sie noch immer zusammen, über familiäre Beziehungen hinaus.
Um so schlimmer, dass der Älteste der ehemaligen MacAgrona – ebenso der Älteste im Lager – gerade den Anguren zum Chieftain machte, von dem alle am Wenigsten wussten.. einen Außenseiter.. einen MacGjallar.
MacGjallar. Ominös. Argwöhnisch. Unbekannt.
Warum Vinleif? Angeblich ein großer Krieger und, ungelogen, spricht sein Aussehen dasselbe. Zumindest ein Idol für manche Krieger… aber ein Chieftain hat mehr zu können, als es im Alleingang mit zwanzig Gegnern aufzunehmen.
Sehr zu Recht zweifelte Sarahlain den Einzelgänger an, wie Fiona fand. Doch Argail hatte entschieden und er schien Vinleif besser zu kennen; und selbst wenn er sich irrte, handelt man nach den Worten des Ältesten. Punkt.
Nichtsdestotrotz würde sich „d’r neue Tain“ noch vor den Schwestern, vor dem ganzen Lager beweisen müssen.
Als Ironie des Ganzen bekam er sehr bald schon Gelegenheit dazu…
Plötzlich gab es einen lauten Knall.
Etwas zerbarst am Tor des Lagers, wie es schien, und steckte das Holz in Brand. An mehreren Stellen wurde der Wall von außen angezündet, sodass sich die gefräßigen Flammen schnell ausbreiten konnten und Bewegung in die große Gruppe der Bewohner kam.
„Feuaarrr!!“
Anfängliche Bemühungen, das Feuer mit den Wasservorräten zu löschen, wurden bald unterbunden, da sich der neue Chieftain meldete und zu den Waffen rief.
Die Anguren traf der Angriff in der Tat sehr überraschend. Viele waren auch nicht im Lager, da ein großer Teil gerade auf Jagd war. Nun rannten alle durcheinander, suchten hastig ihre Waffen zusammen und stürmten – ohne Rüstwerk oder Ähnlichem, denn für dieses blieb keine Zeit mehr – Richtung Tor, über welchem ein riesiges geflügeltes Ungeheuer, im festländischen Volksmund ein Gargoyle, seine immer tieferen Kreise zog.
Fiona und Sarahlain allein wurden damit beauftragt, die Reit- und Nutztiere aus dem brennenden Lager zu retten, ebenso wie die wichtigsten Truhen hinauszutransportieren, bevor es zu spät wäre. Ein paar Mal lief Fiona ins Mimirzelt hinein und kam mit Truhen wieder hinaus, bis die sich ausbreitenden Flammen es unmöglich machten, noch etwas zu retten. Der sich sammelnde Rauch im Innern des Zelts brachte die junge Angure zum Husten und nur durch die Stimme ihrer Schwester, die genau im richtigen Zeitpunkt vor dem Zelt stand, fand sie wieder hinaus.
Beide waren die Letzten, die das Lager verließen, hastig, und – bei den Ahnen – ebenso unverletzt. Doch nicht mehr lange…
Vor den Toren war nun der Gargoyle in den Kampf mit den Anguren-Männern verwickelt und hielt sie ordentlich auf Trab. Nur Vinleif war nicht zu sehen…
Statt dessen rückte irgendwer, zusätzlich zu dem Riesen-Flugviech, mit Wölfen und zischenden Pfeilen an.
D’e feig’n Pimpf’n!
Alles ging viel zu schnell, als dass Fiona es hätte verarbeiten können – jetzt zählte Reaktion und Gefühl mehr denn je. Das erste, was sie bemerkte, war: Argail schwächelte. Sie sollte ein Auge auf ihn haben…
Wieder flog ein Pfeil.
Bei d’e Ahn’n… ’rst d’n Pfeil-Pimpf’n!
Durch Gebüsch und an Baumstämmen vorbei, brachte sie sich näher an den Schützen heran – der erste Schuss galt dessen Wolf - er ging daneben.
Doch der alte MacAgrona war schon dran, sich um den Schützen zu kümmern, stürzte jedoch über den Wolf auf den Boden zu – Schwäche? Verletzung? Sie konnte es nicht richtig erkennen von ihren Posten aus, doch der Anblick aus der Ferne reichte völlig.
Selten war es schon passiert, dass sie, wie jetzt, nur rot sah. Die Vernunft wurde aufs Abstellgleis geschoben, Fiona wurde wild...!
Nur noch ein verzehrtes, gedämpftes Gröhlen drang an ihre, vom Rauschen des Blutes erfüllten Ohren. Sie betrachtete sich selbst, wie sie die Sehne des Bogens lang und länger zog, ehe ein zu einem Objekt purer Bewegung mutierter Pfeil in die Schulter des gegnerischen Schützen schlug und dessen Bogen damit außer Gefecht setzte.
Eigentlich sollte das reichen, der Pimpf konnte nichts mehr allzu Schlimmes anrichten – erst recht nicht, weil Sarahlain auf ihn zugestapft kam, die Augen eben so feurig wie die ihrer Schwester… doch es gab keinen Halt mehr:
Der nächste Pfeil sauste wiederum in die Schulter des lädierten Schützen – in einer klugen Eingebung ergriff dieser die Flucht.
Nachdem Elryk und Ulfgar den Gargoyle ebenfalls vertrieben hatten, waren die Angreifer abgewehrt und man konnte sich sammeln. Wieder in normaler Verfassung, wenn auch etwas schwummrig im Dickschädel, wandte sie sich endlich dem geschwächten Argail zu, über dem Sarahlain pflichtbewusst Wache hielt.
Fast ’ls wär’r schon bei d’e Ahn’n…
Kopf, Stirn, Hals, Hände und Brust wurden gründlich betastet.
Ney, d’r is noch hia!
Ein heiseres, seniles Murmel ging von dem Ältesten aus und schon griff Fiona nach einem in ihren Felltiefen gut versteckten Fläschchen, um ihm einige Tropfen einzuflößen… Es sollte ihm seine Kräfte wieder zurückbringen und ihm Frische verleihen.
Der kurze Geduldsfaden aller Angurenstreiter wurde arg strapaziert – bevor der unverwüstliche MacAgrona doch wieder aufstand und wieder fit war. Jalls wenige Lehren, die Fiona mitbekommen durfte, zeigten nun ihre Wichtigkeit.
D’s muss’ch nu öft’r könn’n. Wär’ Jall nur noch hia… ’ch muss mea üb’r sowas wiss’n – un’ schnell.
Der nächste Kampf würde nicht lange auf sich warten lassen, der Schuldige, der das Lager auf dem Gewissen hatte und eine neue Rückzugsmöglichkeit mussten gefunden werden!
Clan oder nicht - alle waren Anguren, alle betraf das hier.
Die letzte Bastion des Nordvolks würde sich die Wunden lecken und seine Krallen wetzen.
Friedlich? Nur zum Schein, denn drinnen brodelte es still und heimlich.
Die letzten Verbliebenen der MacAgrona - des Kämpferclans, für den Zusammenhalt Alles war, - waren sich uneinig.
Sicher, der Clan existierte quasi nicht mehr. Das Unglück, über welches nicht mehr gesprochen wurde, hatte die vier Übrigen ihren Clan gekostet… Und doch gehörten sie noch immer zusammen, über familiäre Beziehungen hinaus.
Um so schlimmer, dass der Älteste der ehemaligen MacAgrona – ebenso der Älteste im Lager – gerade den Anguren zum Chieftain machte, von dem alle am Wenigsten wussten.. einen Außenseiter.. einen MacGjallar.
MacGjallar. Ominös. Argwöhnisch. Unbekannt.
Warum Vinleif? Angeblich ein großer Krieger und, ungelogen, spricht sein Aussehen dasselbe. Zumindest ein Idol für manche Krieger… aber ein Chieftain hat mehr zu können, als es im Alleingang mit zwanzig Gegnern aufzunehmen.
Sehr zu Recht zweifelte Sarahlain den Einzelgänger an, wie Fiona fand. Doch Argail hatte entschieden und er schien Vinleif besser zu kennen; und selbst wenn er sich irrte, handelt man nach den Worten des Ältesten. Punkt.
Nichtsdestotrotz würde sich „d’r neue Tain“ noch vor den Schwestern, vor dem ganzen Lager beweisen müssen.
Als Ironie des Ganzen bekam er sehr bald schon Gelegenheit dazu…
Plötzlich gab es einen lauten Knall.
Etwas zerbarst am Tor des Lagers, wie es schien, und steckte das Holz in Brand. An mehreren Stellen wurde der Wall von außen angezündet, sodass sich die gefräßigen Flammen schnell ausbreiten konnten und Bewegung in die große Gruppe der Bewohner kam.
„Feuaarrr!!“
Anfängliche Bemühungen, das Feuer mit den Wasservorräten zu löschen, wurden bald unterbunden, da sich der neue Chieftain meldete und zu den Waffen rief.
Die Anguren traf der Angriff in der Tat sehr überraschend. Viele waren auch nicht im Lager, da ein großer Teil gerade auf Jagd war. Nun rannten alle durcheinander, suchten hastig ihre Waffen zusammen und stürmten – ohne Rüstwerk oder Ähnlichem, denn für dieses blieb keine Zeit mehr – Richtung Tor, über welchem ein riesiges geflügeltes Ungeheuer, im festländischen Volksmund ein Gargoyle, seine immer tieferen Kreise zog.
Fiona und Sarahlain allein wurden damit beauftragt, die Reit- und Nutztiere aus dem brennenden Lager zu retten, ebenso wie die wichtigsten Truhen hinauszutransportieren, bevor es zu spät wäre. Ein paar Mal lief Fiona ins Mimirzelt hinein und kam mit Truhen wieder hinaus, bis die sich ausbreitenden Flammen es unmöglich machten, noch etwas zu retten. Der sich sammelnde Rauch im Innern des Zelts brachte die junge Angure zum Husten und nur durch die Stimme ihrer Schwester, die genau im richtigen Zeitpunkt vor dem Zelt stand, fand sie wieder hinaus.
Beide waren die Letzten, die das Lager verließen, hastig, und – bei den Ahnen – ebenso unverletzt. Doch nicht mehr lange…
Vor den Toren war nun der Gargoyle in den Kampf mit den Anguren-Männern verwickelt und hielt sie ordentlich auf Trab. Nur Vinleif war nicht zu sehen…
Statt dessen rückte irgendwer, zusätzlich zu dem Riesen-Flugviech, mit Wölfen und zischenden Pfeilen an.
D’e feig’n Pimpf’n!
Alles ging viel zu schnell, als dass Fiona es hätte verarbeiten können – jetzt zählte Reaktion und Gefühl mehr denn je. Das erste, was sie bemerkte, war: Argail schwächelte. Sie sollte ein Auge auf ihn haben…
Wieder flog ein Pfeil.
Bei d’e Ahn’n… ’rst d’n Pfeil-Pimpf’n!
Durch Gebüsch und an Baumstämmen vorbei, brachte sie sich näher an den Schützen heran – der erste Schuss galt dessen Wolf - er ging daneben.
Doch der alte MacAgrona war schon dran, sich um den Schützen zu kümmern, stürzte jedoch über den Wolf auf den Boden zu – Schwäche? Verletzung? Sie konnte es nicht richtig erkennen von ihren Posten aus, doch der Anblick aus der Ferne reichte völlig.
Selten war es schon passiert, dass sie, wie jetzt, nur rot sah. Die Vernunft wurde aufs Abstellgleis geschoben, Fiona wurde wild...!
Nur noch ein verzehrtes, gedämpftes Gröhlen drang an ihre, vom Rauschen des Blutes erfüllten Ohren. Sie betrachtete sich selbst, wie sie die Sehne des Bogens lang und länger zog, ehe ein zu einem Objekt purer Bewegung mutierter Pfeil in die Schulter des gegnerischen Schützen schlug und dessen Bogen damit außer Gefecht setzte.
Eigentlich sollte das reichen, der Pimpf konnte nichts mehr allzu Schlimmes anrichten – erst recht nicht, weil Sarahlain auf ihn zugestapft kam, die Augen eben so feurig wie die ihrer Schwester… doch es gab keinen Halt mehr:
Der nächste Pfeil sauste wiederum in die Schulter des lädierten Schützen – in einer klugen Eingebung ergriff dieser die Flucht.
Nachdem Elryk und Ulfgar den Gargoyle ebenfalls vertrieben hatten, waren die Angreifer abgewehrt und man konnte sich sammeln. Wieder in normaler Verfassung, wenn auch etwas schwummrig im Dickschädel, wandte sie sich endlich dem geschwächten Argail zu, über dem Sarahlain pflichtbewusst Wache hielt.
Fast ’ls wär’r schon bei d’e Ahn’n…
Kopf, Stirn, Hals, Hände und Brust wurden gründlich betastet.
Ney, d’r is noch hia!
Ein heiseres, seniles Murmel ging von dem Ältesten aus und schon griff Fiona nach einem in ihren Felltiefen gut versteckten Fläschchen, um ihm einige Tropfen einzuflößen… Es sollte ihm seine Kräfte wieder zurückbringen und ihm Frische verleihen.
Der kurze Geduldsfaden aller Angurenstreiter wurde arg strapaziert – bevor der unverwüstliche MacAgrona doch wieder aufstand und wieder fit war. Jalls wenige Lehren, die Fiona mitbekommen durfte, zeigten nun ihre Wichtigkeit.
D’s muss’ch nu öft’r könn’n. Wär’ Jall nur noch hia… ’ch muss mea üb’r sowas wiss’n – un’ schnell.
Der nächste Kampf würde nicht lange auf sich warten lassen, der Schuldige, der das Lager auf dem Gewissen hatte und eine neue Rückzugsmöglichkeit mussten gefunden werden!
Clan oder nicht - alle waren Anguren, alle betraf das hier.
Die letzte Bastion des Nordvolks würde sich die Wunden lecken und seine Krallen wetzen.
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Vinleif MacGjallar
„‘S sind weg!“ Der Ruf reichte Vinleif aus, um das kleine Lager der Krieger mobil machen zu lassen. Sie waren die Vorhut, hatten die Aufgabe, den neuen Ort zu erkunden, auf Fallen und unliebsame Überraschungen zu überprüfen. Ihnen oblag die Aufgabe, die gewichtiger kaum sein konnte. Das Urteil dieses Grüppchens war es, welches die Restlichen des Volkes abwarteten.
Es waren mehrere kleine Trosse, die sich nacheinander, mit einigen Stunden abstand, der Grenzfeste näherten. Allen voran kamen zuerst die wohl Wehrhaftesten des Volkes, welche das Gebäude auf den Kopf stellten, es nach was auch immer durchsuchten. Blindes Vertrauen schien nicht zu herrschen, sodass Greise und Kinder erst das neue Lager betraten, als einstimmig die Sicherheit des Gemäuers festgestellt worden war. Es dauerte nicht lange, und aus einer zivilisierten Ordnung war schnell eine barbarische geworden, als man begann, auf den ersten Blick unnötiges Inventar zu Feuerholz zu verarbeiten oder das ein oder andere Parfüm ins Lagerfeuer zu werfen. Heimat war etwas, was nur schwerlich wiederhergestellt werden konnte inmitten der dichten Wälder, ohne Schnee und die kalten Winde, die einem das Fleisch von den Knochen zu nagen schienen. Doch man arrangierte sich so gut es ging mit der neuen Umgebung.
Alle waren sie gezeichnet von einem Jahr, welches ihnen mehr Pech und Herausforderung beschert hatte, als es ihnen lieb gewesen war – und doch moserte niemand, während man die wenigen Vorräte an Fleisch und Fisch zum Abend unter den Anwesenden verteilte. Selbst hier, unter einem klaren Sternenhimmel in einer – für Anguren – sommerlich warmen Nacht, fand man Trost und Stärke, als die Ältesten die Geschichten ihrer Clans und der höchsten Ahnen rezitierten. Viele hatten in den letzten Monaten herbe Verluste erlitten, doch wurde nicht geweint, eher umso inbrünstiger von all denen berichtet, die in dieser Nacht nicht unter den Anwesenden sein konnten, weil die Ahnen sie an ihre Feuer gerufen hatten. Lieder wurden angestimmt und als der Mond bereits wieder sank, erklang herbes Gelächter aus dem Gemäuer an der Grenze Rahals. Das Wenige, was man vor den Flammen oder aus dem Schutt hatte retten können, war verteilt worden, um die Mägen zu füllen und vielleicht den ein oder anderen materiellen Verlust auszugleichen.
Und doch täuschte die Stimmung des Nordvolkes über eine Sache hinweg, die man aus allen Gesichtern, in den manchmal wachen und aufmerksamen, doch ebenso auch grauen und glanzlosen Augen von fast vier Generationen ablesen konnte. Sie alle hatten eine große Schmach, eine Niederlage erlitten. Man hatte vor dem Winter das letzte Bisschen, was ein Volk mit der eigenen Hände Arbeit errichtet hatte, ihnen genommen, ihnen gespottet und ein weiteres Mal das Leben eines jeden einzelnen bedroht. Auch, wenn die Jüngsten in den Wirren der letzten Monde kaum verstanden, was um sie herum geschah, schien stillschweigend unter all den Fellen und Ledern der Hass zu brodeln. Man hatte einem Volk ins Gesicht gespuckt, es geschlagen – und vielleicht war es diese Einsicht, die das Gelächter umso verbissener in die Nacht hinaus hallen ließ.
Vinleif wusste, wie sich die Anguren fühlten. Er musste nur in sich hineinhorchen – fast alle waren mit den Doktrinen von Ehre, Sieg und Stolz erzogen worden. All dies wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn just in diesem Moment wusste der Chieftain um die Bereitschaft der Anguren, es „den Pimpfen“ mit gleicher Münze heimzuzahlen. Die Ehre eines Anguren war nicht ritterlich, der Krieg keine saubere Sache. Er selber war bereit, nicht nur gegen die Kämpfer zu ziehen, sondern gegen alles, was seiner Axt im Wege stünde – ob Weib, ob Welpe, eine Blutschuld holte man sich seit jeher lediglich auf die eine Art und Weise.
Rufe nach einem brennenden Bajard, nach der Schändung und Brandschatzung einer ganzen Siedlung machten bereits die Runde in den Reihen. Noch war es ein Gerücht, eine Bitte, die keiner laut stellte. Noch.
Es waren mehrere kleine Trosse, die sich nacheinander, mit einigen Stunden abstand, der Grenzfeste näherten. Allen voran kamen zuerst die wohl Wehrhaftesten des Volkes, welche das Gebäude auf den Kopf stellten, es nach was auch immer durchsuchten. Blindes Vertrauen schien nicht zu herrschen, sodass Greise und Kinder erst das neue Lager betraten, als einstimmig die Sicherheit des Gemäuers festgestellt worden war. Es dauerte nicht lange, und aus einer zivilisierten Ordnung war schnell eine barbarische geworden, als man begann, auf den ersten Blick unnötiges Inventar zu Feuerholz zu verarbeiten oder das ein oder andere Parfüm ins Lagerfeuer zu werfen. Heimat war etwas, was nur schwerlich wiederhergestellt werden konnte inmitten der dichten Wälder, ohne Schnee und die kalten Winde, die einem das Fleisch von den Knochen zu nagen schienen. Doch man arrangierte sich so gut es ging mit der neuen Umgebung.
Alle waren sie gezeichnet von einem Jahr, welches ihnen mehr Pech und Herausforderung beschert hatte, als es ihnen lieb gewesen war – und doch moserte niemand, während man die wenigen Vorräte an Fleisch und Fisch zum Abend unter den Anwesenden verteilte. Selbst hier, unter einem klaren Sternenhimmel in einer – für Anguren – sommerlich warmen Nacht, fand man Trost und Stärke, als die Ältesten die Geschichten ihrer Clans und der höchsten Ahnen rezitierten. Viele hatten in den letzten Monaten herbe Verluste erlitten, doch wurde nicht geweint, eher umso inbrünstiger von all denen berichtet, die in dieser Nacht nicht unter den Anwesenden sein konnten, weil die Ahnen sie an ihre Feuer gerufen hatten. Lieder wurden angestimmt und als der Mond bereits wieder sank, erklang herbes Gelächter aus dem Gemäuer an der Grenze Rahals. Das Wenige, was man vor den Flammen oder aus dem Schutt hatte retten können, war verteilt worden, um die Mägen zu füllen und vielleicht den ein oder anderen materiellen Verlust auszugleichen.
Und doch täuschte die Stimmung des Nordvolkes über eine Sache hinweg, die man aus allen Gesichtern, in den manchmal wachen und aufmerksamen, doch ebenso auch grauen und glanzlosen Augen von fast vier Generationen ablesen konnte. Sie alle hatten eine große Schmach, eine Niederlage erlitten. Man hatte vor dem Winter das letzte Bisschen, was ein Volk mit der eigenen Hände Arbeit errichtet hatte, ihnen genommen, ihnen gespottet und ein weiteres Mal das Leben eines jeden einzelnen bedroht. Auch, wenn die Jüngsten in den Wirren der letzten Monde kaum verstanden, was um sie herum geschah, schien stillschweigend unter all den Fellen und Ledern der Hass zu brodeln. Man hatte einem Volk ins Gesicht gespuckt, es geschlagen – und vielleicht war es diese Einsicht, die das Gelächter umso verbissener in die Nacht hinaus hallen ließ.
Vinleif wusste, wie sich die Anguren fühlten. Er musste nur in sich hineinhorchen – fast alle waren mit den Doktrinen von Ehre, Sieg und Stolz erzogen worden. All dies wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn just in diesem Moment wusste der Chieftain um die Bereitschaft der Anguren, es „den Pimpfen“ mit gleicher Münze heimzuzahlen. Die Ehre eines Anguren war nicht ritterlich, der Krieg keine saubere Sache. Er selber war bereit, nicht nur gegen die Kämpfer zu ziehen, sondern gegen alles, was seiner Axt im Wege stünde – ob Weib, ob Welpe, eine Blutschuld holte man sich seit jeher lediglich auf die eine Art und Weise.
Rufe nach einem brennenden Bajard, nach der Schändung und Brandschatzung einer ganzen Siedlung machten bereits die Runde in den Reihen. Noch war es ein Gerücht, eine Bitte, die keiner laut stellte. Noch.