Schlaflose Nächte

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Sienara Schwarzmourne

Schlaflose Nächte

Beitrag von Sienara Schwarzmourne »

Schreiend erwachte sie aus ihrem Traum. Wie gelähmt kauerte sie an der Wand des Studierzimmers. Sie musste vor Erschöpfung eingeschlafen sein, so sehr sie sich auch bemüht hatte wach zu bleiben. Das war jetzt die zweite Nacht und immer wieder der selbe verwirrende Traum. Schatten, Augen, Gesichter.. alle schienen sie auf sie zuzukommen, an ihr zu zerren und sie gleichsam wegzustoßen. In dieser Nacht hatte der Schatten sie fest umhüllt und sie drohte an dem Gefühl zu ersticken. Zumindest kam ihr das so vor. Zu lange hatte sie gebraucht um sich aus diesem Traum freizukämpfen, wie es ihr die Nacht vorher noch mühelos gelang. Sie hatte nach den beiden vergangen Tagen einfach keine Kraft mehr gehabt.

Wenn sie doch nur wüsste was dies alles zu bedeuten hatte. Träumte sie diesen Traum wegen der beängstigenden Geschichten die sie von Arsen und Malachai zu hören bekam oder weil sie genau das zu sein schien, was die beiden befürchteten in ihr zu sehen. Einen Schatten! Sie wusste nicht einmal was es bedeutet ein Schatten zu sein. Hatte all das nicht erfassen können was Malachai ihr erzählte. Arsens verschlossener Blick als er still dem Gespräch folgte war auch nicht hilfreich gewesen.

Hilflos lies sie den Kopf zurück über ihre auf den Knien ruhenden Arme fallen. Vor drei Tagen noch, als sie all dies hörte konnte sie noch gelassen damit umgehen. Vor drei Tagen war sie noch glücklich. Glücklich den Weg zu ihrem Bruder gefunden zu haben, glücklich der schrecklichen Vergangenheit entronnen zu sein, glücklich darüber eine nette und freundliche Schwägerin gefunden zu haben, glücklich darüber in der Akademie und ihren Mitgliedern eine Art Familie sehen zu können.
Und natürlich Andreas, dessen Lächeln sie wie einen Blitz getroffen hatte. Mit dem sie zwanglos plaudern und lachen konnte. Bei dem sie sich nach nur einem Tag wohler fühlte als jemals zuvor bei einem Menschen. Wie saß sie da mit ihm, auf dieser Lichtung tief in der Nacht, mit albernem Herzklopfen und einem verträumten Blick in den Augen. Bis sie etwas Unbedachtes sagte oder tat. Sie wusste nicht einmal was. Von einem Moment auf den Nächsten war alles anderes. Der Tag darauf war für sie fast unerträglich. Sie wusste nicht was schlimmer war, seine übertriebene Höflichkeit, die Versuche sie zu übersehen oder der gleichgültige Blick den er auf sie warf. Wie gerne hätte sie ihn einfach kurz berührt mit ihm geredet. Aber er wich allen Versuchen aus. Sie hatte sogar einen verhassten Übungskampf vorgeschlagen nur um ihm Nahe zu sein.
Schutzlos und völlig unerwartet traf sie dieser Schmerz, ein Schmerz dem sie nichts entgegen zu setzen hatte, war er ihr doch gänzlich fremd. Wie erträgt man es behandelt zu werden wie ein notwendiges Übel? Sollten ihn doch die Götter holen und die Liebe gleich dazu. Wenn das Liebe war, dann brauchte sie diese nicht.

"Närrin, dumme kleine Närrin!", schimpfte sie leise im Dunkeln des Zimmers: "Du hättest es wissen müssen. In deinem Leben war nie lange Platz für etwas Glück." Betrübt dachte sie an die wenigen guten Momente in ihrem Leben zurück und auf das Elend das ihnen unweigerlich auf dem Fuß folgten. Welch grausame Gerechtigkeit des Schicksals. Es war immer darauf bedacht alles in der Waage zu halten in ihrem Leben. Am bestens begegnete sie dem Schicksal, dem Leben und allem darin mit Gleichgültigkeit. Die Folgen waren berechenbar und weniger schmerzvoll.

Mit viel Mühe lenkte sie ihre Gedanken wieder auf das Gespräch mit Malachai und Arsen, versuchte sich die Beiden als Schatten vorzustellen. Und wohl auch ihre Schwägerin Selina, die es sich noch nicht eingestehen konnte oder wollte. Sollte sie tatsächlich dasselbe Los treffen? Wäre damit erklärt warum sie sich nie ganz gefühlt hatte, nie wirklich zufrieden, immer geplagt von etwas das sie nicht fassen konnte? Immer und immer wieder lies sie sich die Erklärungen über Väter, Mütter die ihren Mann liebten, Gaben die weiter gegeben wurden an das Ungeborene, durch den Kopf gehen.
So wie die Beiden es ihr erklärten war es tatsächlich möglich. Aber wie sollte sie herausfinden ob es auch wahr war.
Es half nichts, sie würde noch einmal mit ihnen reden müssen. Sich abermals der Vergangenheit stellen, ihrer Herkunft, dem Tod der geliebten Mutter und des verhassten Vaters. Würde noch einmal ihren Bruder ziehen sehen, sie zurück lassend. Die Jahre des Umherirrens, bedacht am Leben zu bleiben. All die Erinnerungen würden über sie zusammenbrechen wie eine Woge eiskalten Wassers. Zu gut hatte sie diese bisher in sich versteckt. Und all das konnte zu keinem ungünstigerem Zeitpunkt auf sie zukommen als diesem...einem Zeitpunkt wo sie abermals ihre Träume zerschmettert sah. Ihre Hoffnung auf etwas Glück...
Sienara Schwarzmourne

Beitrag von Sienara Schwarzmourne »

Vieles war geschehen in den letzten Tagen. Die schnelle Folge der Ereignisse, ob nun gut oder schlecht, ließen ihr noch immer den Kopf schwirren. Eingedreht in einer Decke lag sie auf dem Bett in ihrem Zimmer der Akademie. Jetzt, kurz vor dem wohlverdienten Schlaf (auch wenn ihr Bruder das wohl völlig anders sehen würde, als notorische Lagerfeuerhockerin, wie er sie bezeichnet hatte) erlaubte sie ihren Gedanken abzuschweifen.

Alles hatte sich anders entwickelt als sie befürchtet hatte. Ging ihr Andreas auch anfänglich noch aus dem Weg, ja man konnte schon sagen: behandelte sie wie Luft!, zwang ein Befehl von Malachai ihn, sie einen Abend zu begleiten. Wie drückte der Ausbilder es aus? Um sie und seinen Sohn zu schützen und ihnen nicht von der Seite zu weichen. Da saß sie mit dem schlafenden Marick auf dem Arm, neben sich den sichtlich nicht begeisterten Andreas und wünschend der Erdboden möge sich unter ihr auftun um sie zu verschlingen. Es war völlig klar was die Absicht hinter diesem Ganzen war, zumindest ihr. Immerhin hatten Malachai und sie sich schon den ganzen Abend mit verbalen Nettigkeiten beharkt.
Was war sie wütend! Und wie wütend war erst Andreas als sie ihm den nächsten Tag, nach einer für ihn doch wohl sehr ungemütlich verbrachten Nacht auf dem Korridor der Akademie, die Absicht hinter dieser Scharade gestand. Und danach ging alles recht schnell. Sie fuhr ihn an sie alleine gehen zu lassen damit er ihre Anwesenheit nicht länger ertragen musste, er scherte sich keinen Deut darum und folgte ihr auf Schritt und Tritt. Beide durchnässt von heftigem Regen stapften sie durch Lamirast. Sie zeternd, er sichtlich verwirrt. Und dann redeten sie, mitten im Dorf, triefend vor Nässe redeten sie endlich. Wie dumm konnten sich zwei Menschen die sich lieben nur anstellen. Wie konnte ein Wort, eine Geste nur zu so vielen Missverständnissen führen!
Sie würde Malachai wirklich danken müssen...irgendwann! So schnell wollte sie dann doch nicht zugeben, dass er eine gute Tat vollbracht hatte. Sie hoffte nur inständig, dass sich dieses Glück nicht gleich wieder in etwas völlig Katastrophales wenden würde. Noch einmal konnte sie dieses Elend sicher nicht ertragen.

Widerwillig schweiften ihre Gedanken nun zu ihren Träumen ab, die sie seit Tagen plagten. Dem drohenden Schatten über ihr. Nach einem langen Gespräch mit Selina hatte sie zwar einiges mehr verstanden, hatte der Geschichte ihrer Schwägerin ernst zugehört und war auch um einiges ruhiger ob des Schicksals das auf sie lauern könnte. Und doch war die Ungewissheit unerträglich. Sie bewunderte die junge Frau wirklich für ihre Stärke und den Mut, mit ihrem Leben und Los umzugehen.

Es wurde Zeit sich ernsthaft den Träumen zu stellen, sie zu beobachten, sie zu deuten und sie vielleicht dann zu verstehen. Genau das hatte ihr Malachai heute geraten als sie ihn bat ihr zu sagen wie sie Gewissheit erlangen konnte. Und genau damit würde sie diese Nacht beginnen. Und wenn sie die Träume drohten zu ersticken, konnte sie noch immer versuchen ihn an ihre Seite zu rufen… in ihren Träumen.
Sienara Schwarzmourne

Ein Traum

Beitrag von Sienara Schwarzmourne »

Dunkel und neblig war die Gasse durch die sie schritt. Vorangetrieben durch Schatten die sie begleiteten setzte sie einen Schritt vor den anderen. Immer wieder kam sie an Gesichtern vorbei die sie nicht kannte. Mal besorgt blickend, mal spottend oder auch lächelnd.
Sie rannte, hatte Angst… immer weiter führte sie die Gasse bis sie plötzliche einen hell erleuchteten Platz betrat. Sie kannte diesen Ort, hatte ihn lange Jahre nicht mehr gesehen. Das wäre eh völlig unmöglich gewesen. Schon lange gab es dieses Haus, diesen Garten, den alten Apfelbaum vor dem Fenster oder den Brunnen in der Ecke der Umzäunung nicht mehr.

Vorsichtig umrundete sie dieses so bekannte Haus um einige Momente später erschrocken innezuhalten. Dort saß ein kleines Mädchen mit lustig geflochtenen, dunkelbraunen Zöpfen. Das Mädchen lachte und zeigte vergnügt einem um einige Jahre älteren Jungen einen alten Bogen. Der Bogen des Vaters. Sie musste nicht näher kommen um zu wissen welchen Ausdruck sie auf dem Gesicht des Jungen finden würde. Genervt, resignierend ob des ihm ständig folgenden Mädchens. Aber auch Liebe und Sorge um das kleine Wesen. Was war die kleine glücklich in diesem Moment. Was war sie glücklich gewesen!

Ohne Vorwarnung veränderte sich das Licht, die Schatten die sie eben noch warm umspielt hatten wurden kalt, dunkel und bedrohlich. Aus dem hell erleuchteten Garten wurde ein dunkles Zimmer. Umgestürzte Möbel, zerschlagenes Geschirr und inmitten dieser ganzen Zerstörung lag eine Frau. Blutverschmiert und nicht mehr am Leben. Dasselbe kleine Mädchen saß daneben, eine Puppe in ihren Armen wiegend. Die Augen vor Schreck geweitet. Warum sprach die Mutter nicht mehr mit ihr? War sie böse gewesen? Und warum stand ihr Vater irre lachend über der Mutter und half ihr nicht auf? Und warum stand ihr Bruder mit geballten Fäusten in der Zimmerecke. So hilflos und fassungslos hatte sie ihn nie zuvor gesehen. Ihren so starken Bruder.
Sienara wurde übel. Sie wollte nicht sehen was weiter kam. Zu lange hatte sie all diese Bilder verdrängt. Ihr Blick löste sich von der Szene und wanderte zum Fenster. Ein schemenhaft wirkender Mann blickte hinein. Dieser Mann starrte unablässig auf ihren Bruder, schien ihn einhüllen zu wollen mit seinem Wesen. Sie konnte sich nicht erinnern dieses Bild jemals zuvor gesehen zu haben, diesen Mann. Ein Mann der eine ältere Ausgabe ihres Bruders zu sein schien. War das Arsens Vater? Der ihre sicher nicht, der stand mitten im Raum und lachte noch immer sein irres Lachen.

Wieder änderten sich die Bilder in schneller Abfolge. Immer noch gehüllt in dunklen Schatten stürmten Menschen das Zimmer. Zerrten den Vater aus dem Haus, Arsen rannte ihnen hinterher, der schattenhafte Mann der ihn zuvor beobachtet hatte umschwirrte ihn dabei. Wo wollten denn alle hin? Und warum half niemand der Mutter auf? Eine Hand griff nach dem kleinen Mädchen und zog sie mit sich. Eine schon etwas ältere Frau sprach beruhigend auf die Kleine ein, wollte sie mitnehmen. Heftig mit dem Kopf schüttelnd wehrte das Mädchen sich, wollte die Mutter nicht alleine lassen.
Dicht an die Wand gedrückt besah sie sich das was folgte. Das Kind wurde aus dem Haus getragen, strampelnd und weinend. Die Puppe! wollte sie den beiden schon hinterher rufen. Die Kleine braucht ihre Puppe! Doch was sollte es bringen, schon lang vergangen war dieser Moment. Die Kleine würde lange trauern um all das was sie verloren hatte.
Die Schatten im Raum teilten sich, eine alte Frau, gütig dreinblickend wie sie fand, schwebte dem Mädchen hinterher. Wer war das? Wieso war ihr diese Gestallt nie aufgefallen?

Die nun folgenden Bilder waren alle in einem einheitlichen Grau gehalten, kurze Augenblicke nur. Nichts das sie wirklich je berührt hatte. Dort saß das Mädchen auf einem feinen Bett, eine neue Puppe unberührt neben ihr. Bei einem nächsten Bild schaukelte die Frau, die sie aus dem Haus getragen hatte, das Mädchen auf dem Schoss. Bewacht von den kalten Blicken ihres Mannes. Die beiden nannten sie Mündel. Sie verstand das Wort nicht und es war ihr auch egal. Sie wollte nur nach Hause. Über all dem schwebte der schwerelose Schatten einer alten Frau. Auf jedem Bild war er jetzt zu sehen.

Wieder ein anderes Bild, ein älteres Mädchen, vielleicht 10 Jahre alt. Sie saß an einem Pult im Arbeitszimmer des neuen Vaters. Er umkreise sie, einen Stock in der Hand, überwachte sie beim schreiben. Sie hatte diese Bücher geliebt die man ihr zu lesen gab. Hatte all dieses neue Wissen in sich aufgenommen wie ein Schwamm. Schon immer hatte sie alles hinterfragt, wollte alles genau wissen, hatte Arsen damit zur Weißglut gebracht. Selbst ein fallendes Blatt vom Baum hatte etwas fast magisch Anziehendes. Sie erkannte die Szene die nun kam, ein warnender Ruf schon auf den Lippen. Sie würde sich verschreiben! Den Schmerz des Mädchens als der Stock auf ihren Rücken sauste spürte sie förmlich. Ihren Schmerz! Immer wieder hieb der gelehrte Mann auf sie ein. Ein dummes Ding sei sie, wertlos und lästig.
Den sich lösenden Schatten der förmlich in sie fuhr hatte sie allerdings nie bemerkt. Sie wusste nur was sie in diesem Moment gefühlt hatte. Hass, unbändigen Hass! Etwas das sie dazu bringen wollte diesem Mann das Leben zu nehmen. Aber sie widerstand. Wie so oft in den nächsten Bildern.

Jahre schienen vergangen zu sein. Das Mädchen jetzt etwa 15 Jahre alt. Ein Lied summend stand sie in der Beiküche und hängte Kräuter zum trocknen auf. Wimmernd kauerte sie sich zusammen, wollte nicht sehen was kam. Die Erinnerungen die auf sie einstürmten waren unerträglich und doch musste sie sehen, musste fühlen was geschah. Leise trat der Mann, der sich selbst neuer Vater nannte, von hinten an sie ran. Die Arme die sie umklammerten nahmen ihr den Atem, tastende Hände, ein von Wein geschwängerter Atem ließen Übelkeit in ihr aufkommen. Die Worte die er sprach machten alles noch schlimmer: „Sienara, du bist jetzt alt genug noch ganz andere Dinge zu lernen!“ Trotz ihrer Unerfahrenheit brauchte sie nicht viel Fantasie um zu wissen was er meinte. Lange deuteten seine Blicke an was kommen musste. Hass, da war es wieder dieses Gefühl von Hass. Ein sie erzürnt umkreisender Schatten. Wie ein gelähmt beobachtender Zuschauer nahm sie die Bilder auf, vernahm die laut geschrieenen Worte: „NEIN, niemals wirst du mich so anrühren!“ Der hastige Griff zum Kräutermesser vor ihr auf der Anrichte, eine schnelle Drehung zu dem Mann, eine aufblitzende Klinge. Und dann Stille. Sie hatte es getan. Diese junge Frau hatte es wirklich getan. Wie konnte sie das vergessen haben. Polternd viel das Messer zu Boden bevor die Frau die Küche rennend verließ, aus dem Haus stürmte in eine Dunkelheit die Jahre anhielt.

Zurück blieb sie in diesem Traum. Vor ihr der Mann am Boden. Und der Schatten einer alten Frau der ihr zufrieden zuzunicken schien, bevor er der fliehenden Frau folgte. Ihr folgte. Sie konnte nicht länger die Augen davor verschließen. Es umgab sie all die Zeit und sie hatte es nie bemerkt. Und noch eins konnte sie nicht mehr verdrängen. Sie hatte gemordet!
Zuletzt geändert von Sienara Schwarzmourne am Montag 3. November 2008, 12:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Malachai Schwarzmourne
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Beitrag von Malachai Schwarzmourne »

Langsam blicken die Augen auf die Geschehnisse hinab.
Schmerz, schmerz den Malachai mitfühlt.
Er weiß, wie es für Sienara sein muss, er war nicht älter, als er sich seiner Vergangenheit stellen musste, als er seinen Vater suchte, seinen Weg aber mit Blut vieler Opfer säen musste.
Wofür dies alles?
Nur um zu erfahren, dass es doch alles einen Sinn hatte, die Pain als Kind, die er bei seinem Ziehvater ertragen musste, der Tot der Mutter, die ihn weggab, bewusst zu einen schlechten Menschen, um ihn zu schützen, gar ihr Leben liess.
Und ein Vater, geplagt von unendlicher Schuld, nur darauf wartend, dass sein Sohn ihn findet und erlöst.
Ja, er hatte ihm verziehen, hatte sein Kind nach ihm benannt, Marick...er war kein schlechter Mensch, er war nur nicht mit Glück gesegnet...auch dies waren Gefühle, die Malachai gut verstand.
Er schaute sich die Szenen an, sein eigener Schmerz began sich zu erheben, auch ihn holten verdrängte Gedankenfetzen ein, und Sienara, ja, sie musste viel Leid erleben.
Doch man muss sich jener Vergangenheit stellen, erst dann begreift man, wer man ist und kann seine Wege gehen, fern ab von Unwissenheit, vom geplagten, ruhelosen gewissen, dass nach einem greift und schreit, man solle etwas tun, solle Dinge hinterfragen und höhnisch lacht, wenn der Schmerz am stärksten ist.
Malachai trat näher, in Schatten gehüllt, er war sich sicher, dass Sienara ihn nicht sah.
Er verabscheute dies, es war eine Methode der Schatten.Die Verbindung, die durch das schwarze Blut existierte, gab einen die Möglichkeiten, die Träume der Leidenden zu begleiten, als Wegweiser, als Führer. Doch er, er war nur ein Beobachter. Er sorgte sich um Sie, ja, und er wollte sicher gehen, dass Sie nicht an dem, was Sie sieht, zerbricht.
Die Wahrheit, sie ist oft der Grund eines Todes...und dank dieser Schattenfähigkeit des Eindringens in die tiefsten Träume, konnte er gerettet werden, einst, als er fast tot im Bette in der Akademie lag, verflucht vom Seuchendämon.
Er schaute in alle Richtungen, Jerome Talmar, Arsens Vater. Er sah Arsen so ähnlich.
Sein sorgvoller Blick, wie er durch das Fenster auf seinen Sohn starrte. Ja, er beschützte ihn, ihm war klar, dass die Schatten, vorallem die Neugeborenen, gejagd und getötet werden sollten. Alle Schatten...ja...alle.
Die Szenen wechselten stetig, immer mehr Eindrücke beriselten Sienara und Sie offenbarten Ihr, was Sie vergass.
"Nun Schattenlord, ich hoffe, dass auch dir es hilft, was du siehst."
Die Stimme einer alten Frau drang an Malachais Ohr. Sie näherte sich von hinten, langsam und bedächtig.
Doch Malachai war nicht verwundert, nein, er wusste, Sie war da, immer...für Sienara.
"Ich bin nicht der Schattenlord...nicht mehr."
Die alte Frau stellte sich neben ihn, ihr blick ruht auf das Geschehene und Gesehene von Sienara.
"Dein Vater war auch so starrköpfig...als ob du glaubst, du könntest es einfach so ablegen wie einen Mantel."
"Nein, aber ich kann auch nicht dazu gezwungen werden...ich habe versagt...die Schatten sind besser dran ohne mich. Soll es jemand anderes tun."

Die alte Frau dreht sich zu ihm hin, ihr Blick, alt, doch Weise, sanftmütig und dennoch beständig. Es lag etwas vertrautes in ihr.
"Dennoch, Schattenlord, steht ihr hier, und sorgt euch um Sienara...um den Nachwuchs der Schatten. Du lässt Sie nicht alleine mit ihren Schicksal, du lehrst Sie...du führst Sie durch die dunklen Wege, die das Leben als Schatten mit sich führt. Gebt euch soviel Schuld, wie ihr wollt, die Schatten und euch, als das, was ihr seit, legt ihr nicht ab, egal wie oft ihr es euch einredet."
Malachai schliesst die Augen, Sie hatte Recht, er wusste es in inneren. Er war bei Sienara, sorgte sich um Sie, ja, wollte Sie beschützen vor dem, was kommen mag. Doch war es sein Instinkt?
Oder war es Schuld...schliesslich brachte er die Schatten in die Akademie, sagte ihr, was Sie seie...
Er öffnete wieder die Augen, die alte Dame ging Behutsam durch den Schleier in die Szenerie, die Sienara gerade sah. Ja, sie war da, sie kümmerte sich um Sienara...sie war es, welche ihr helfen würde, zu erinnern...und wohl war auch Sie es, die ihr half, zu vergessen...wie Marick einst...Malachais Vater.
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Sienara Schwarzmourne

Beitrag von Sienara Schwarzmourne »

„Eine gute Nacht Sienara, und schöne Träume.“
Bei diesem Wunsch wurde ihr immer wieder flau im Magen. Schöne Träume wünschte man ihr. Ausgerechnet! Am liebsten würden sie gar nicht mehr träumen, auch wenn sie wusste es musste sein. Noch war sie nicht am Ende ihres Weges. Diese Nacht ging sie entnervt zu Bett. Wieder ein langes Gespräch über ihre Familie, über Schatten, über die Notwendigkeit zu erkennen. Wer war diese Frau die ihr folgte, sie beschützte ohne sich zu zeigen. Oder war sie einfach nur nicht fähig die Alte zu sehen? Zu all den verwirrenden Neuigkeiten gesellte sich natürlich auch wieder Andreas. Ein Andreas der wieder nicht sprach, der sich wieder verkroch in seinen Gedanken. Sie hatte nichts falsch gemacht, war sich sicher auch nichts falsches gesagt zu haben, diesmal. Etwas lastet auf ihm und scheinbar war nicht sie es, mit der er reden wollte darüber. Nun fein, dann ließ er es halt bleiben. Er vertraute ihr noch immer nicht! Leise Verwünschungen aussprechend knautschte sie ihr Kissen über dem Kopf zusammen bis sie sich widerwillig eingestehen musste: Sie tat es nicht anders. Auch sie erzählte ihm nichts über sich und die Dinge die gerade mit ihr geschahen. Aus Angst er könnte es nicht verstehen. Sie würde einen angewiderten Blick nicht ertragen können, wenn er sie für etwas Abartiges halten würde.

Lange wälzte sie sich von einer Seite zur anderen bis sich endlich der Schlaf ihrer erbarmte. Dort war sie wieder, diese Nebel verhangene Gasse der sie folgen musste. Diesmal schritt sie an den bereits bekannten Bildern vorbei ohne sich aufhalten zu lassen. Sie musste weiter zum Haus ihrer Pflegeeltern und der jungen Frau folgen, wie sie dieses verließ. Eilig betrat sie das Haus, die Küche und verließ es gleich wieder aus der Hintertür. Dort standen sie, die junge Frau und die Alte. Schienen auf sie zu warten bevor sich der Traum erneut in Bewegung setzte. Sie rannten, rannten durch abgeschirmte Gärten, über Felder die diese große Stadt umsäumten und schließlich in die Wälder. Immer tiefer stolperte diese panisch verängstigte Frau weiter bis sie die Kraft verließ. Geschüttelt von Weinkrämpfen lag sie dort an einem Baum, nicht fähig sich auch nur noch einen Schritt weiter zu bewegen. Hell und Dunkel wechselten sich einige Male ab. Tage vergingen und Nächte brachen hinein. Doch die junge Frau lag einfach da. Weder Kraft sich zu bewegen oder auch nur noch eine Träne zu vergießen starrte sie ins Leere.
Sie erinnerte sich, die junge Frau hatte sich dort hingelegt um einfach zu sterben! Konnte nicht ertragen was sie getan hatte wusste nicht wo sie hin sollte und wie es weiter ging. Lange konnte es nicht mehr dauern bis die Frau starb. Hilfe suchend schaute sie sich nach der Alten um. Wo war sie? Sie musste doch etwas tun. Man konnte die junge Frau, konnte sie, doch nicht einfach dort liegen lassen. „TU DOCH WAS!“ schrie sie die Schatten an die in der Dämmerung lagen. Und tatsächlich, dort löste sich das Bild der alten Frau und glitt auf die beide zu. Lächelnd blickte sie ihr direkt in die Augen bevor der Schatten sich wärmend um ihr anderes Ich am Boden legte. Die Hände der Alten berührten die Stirn der jungen Frau während sie ein leises Lied sang.

Dieses Lied! Klar und deutlich konnte sie sich nun daran erinnern. Nach diesem Lied schlief sie ein, ruhig und dankbar um am nächsten Morgen zu erwachen, ohne jede Erinnerung an die schlimme Tat. Es nahm ihr die schwere Last von den Schultern und gab ihr die Kraft ihr Leben weiter zu leben. Mit einem Schlag traf sie die Erkenntnis: Sie hatte schon damals den Schatten um Hilfe angefleht. Hatte damals an der Schwelle zum Tod das erste Mal gesehen und gefühlt was um sie geschah. Nicht jetzt hatte sie die Alte aufgefordert ihr zu helfen, nein…vor Jahren schon, dort am Boden des dichten Waldes.

Erschüttert betrachtete sie die schlafende Frau bevor ihr Blick zurück ging zu der Alten, die nun in einigem Abstand über der zu schützenden schwebte. „Wer bist du?“, entfuhr ihr diese einfache Frage. Ohne zu sprechen antwortete ihr die Alte nach einer Weile: „Sophie Talmar und ich bin hier um über dich zu wachen, wie ich es schon immer tat. Öffne die Augen mein Kind und du wirst es sehen, wirst verstehen. Du bist nicht alleine, warst es nie und wirst es nie sein.“ Nach diesen Worten begannen sich die Bilder weiter zu bewegen. Machtlos dieses aufzuhalten rief sie der Alten nach: „Warte, bleib da, ich habe noch so viele Fragen…!“

Ein lautes zuschlagen der Eingangstüre zur Akademie, über der sie das Pech hatte zu schlafen, riss die jäh aus ihrem Traum. Zerzaust und ärgerlich über diese Störung, so kurz vor dem Ziel, schlug sie die Bettdecke zurück und sprang aus dem Bett. Egal wer es war der sie da geweckt hatte, er würde sich wünschen diese Nacht vor dem Haus geschlafen zu haben!
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