Das Fremde im Spiegel

Janus Aethra

Das Fremde im Spiegel

Beitrag von Janus Aethra »

I. Sphärenwanderung

Der kühle Wind drückte die weite Robe Janus' in einem wilden Spiel an seinen starren Körper. In scheinbar vollkommener Reglosigkeit stand er auf der Wiese neben den Ruinen Tirells in der Nähe seines Heimes und bot, umringt von zwei Arcomagi und seiner Lebensgefährtin, Taralea, ein seltenes Bild an diesem sonst so ruhigen Ort. Gebannt blickte sie, zusammen mit Demoar und Reika, auf den Magier in ihrer Mitte, der sich an der Seite eines aus zahlreichen, gegabelten Ästen sauber zusammengelegten Pentagramms positioniert hatte, ohne dass auch nur der geringste Laut über ihre Lippen kam. Wäre das gequälte, gar panische Fiepen des an Armen, Flügeln und Beinen gefesselten Flügelaffen nicht gewesen, der im Zentrum des Pentagramms gefesselt am Boden lag, wäre nicht mehr als das leise, verheißungsvolle Pfeifen des Windes zu hören gewesen.

Janus' letzter Blick galt dem Beschwörungssymbol zu seinen Füßen, tastete sich prüfend und doch mit Zufriedenheit an den sauber gelegten Ästen entlang. Das Schicksal des hilflosen, quiekenden Dornariums in der Mitte schien besiegelt, und der schwere, mit dunklem Blut verklebte, rötliche Knochen am Rande des Pentagramms, das Paraphernalium, ließ bereits erahnen, was dem Wesen bevor stand. Rings um das Beschwörungssymbol herum wurden, durch die Hilfe der beiden Arcomagi, 4 Irrlichter positioniert, als zusätzliche Paraphernalien.
Es schien alles perfekt zu sein, alle Vorbereitungen für die bevorstehende Beschwörung waren getroffen, und auch wenn es sich um eine sehr schwierige Applikation handelte, hatte er doch in Reika und Demoar und ohne dass diese es wussten auch in Taralea derart mächtigen Beistand, dass das Risiko seines Vorhabens verschwindend gering schien.
Wie oft hatte er eine Dämonenbeschwörung schon miterlebt, wie oft stand er diesen Wesen selbst gegenüber, und wie genau hatte er in den letzten Tagen Schritt für Schritt die Beschwörung geplant? Er war sich sicher, dass er mit dieser Vorbereitung dazu in der Lage sein würde, und doch spürte er die Aufregung, die unaufhaltsam in ihm empor kroch und die er mit allen Mitteln in ihre Schranken zu weisen versuchte. Er brauchte nun jede Konzentration, die er nur irgendwie aufbringen konnte.

Janus' Augen schlossen sich langsam und sein Haupt wurde entspannt herabgesenkt, sodass die konzentrierten, steinernen Züge von den langen, dunklen Haarsträhnen weitestgehend verborgen wurden. Er rief das Bild des Wesens vor sein inneres Auge:
Ein Dämon ... das gigantische, geflügelte Wesen, das lebte um zu töten. Dessen Hass auf alles Leben ein jeder spüren konnte, der in die bösartigen, tief schwarzen Augen dieses Wesens blickte. Er begann sich an jedes kleinste Detail dieser Wesen zu erinnern, nicht nur an das äußerliche Erscheinungsbild, vielmehr an die grausamen, dissonanten Klänge, die diese Wesen im Lied der Muttergöttin verursachten. Denn nach eben Diesen würde er nun auf die Suche gehen...
Dann begann es; Mehr und mehr verlor Janus das Gespür für seine Umgebung, als er sich auf das Lied einstimmte und sich auf die geistige Reise begab. Die Klänge seiner Gefährten hatte er bald hinter sich gelassen und er tauchte ein in die Welt der Gestirne – die Sphärenwelt ... zahllose Welten voller zahlloser Kreaturen, teils friedlich, teils dämonisch... und er wusste bereits, wo er das gesuchte Geschöpf finden würde.
Als sein Geist in eine Fremdsphäre eindrang, spürte er schon die Anwesenheit verschiedenster Wesen, deren Klänge Janus teilweise völlig fremd erschienen, von denen er jedoch ob ihrer chaotischen Klänge erahnen konnte, dass sie mit Vorsicht zu genießen waren. Die Sphäre, in die er eingetreten war, war prädestiniert für die Beschwörung eines Dämonen, denn so bösartig die Wesen auch waren, deren Präsenz er spürte, so sicher war es auch, dass sich ein Dämon unter ihnen befinden würde.
Er begab sich auf die Suche, ließ seinen Geist durch die Sphäre wandern, tastete sich an den verschiedensten Wesen vorrüber ... bis auf einmal ein Kreischen, gleich einer unmenschlichen Stimme, durch seine Gedanken stach. Auch wenn er die Geräusche nicht verstand, waren es doch die Gefühle, die in diesem Moment durch seinen Geist zuckten, die ihm verrieten, was sie zu bedeuten hatten. Doch woher kam es?
Noch nie hatte er gelesen, oder gar selbst erlebt, dass die Präsenz eines Magiers in einer fremden Sphäre von den dort lebenden Wesen wahrgenommen wurde, als er sich jedoch durch seine nähere Umgebung tastete, hatte er den Ursprung dieser Laute bald gefunden. Auch wenn er das Wesen, welchem er gegenüberstand, nicht mit seinen Augen sehen konnte, spürte er es doch deutlich, und allein aufgrund dieser Klänge legte sich ein etwaiges Bild dieses Wesens vor sein inneres Auge. Eine Mischung aus Angst und Neugier kam in Janus auf: Wenn dieses Wesen ihn, seine geistige Anwesenheit, spüren konnte, konnte es ihn angreifen? Doch was war es für ein Wesen, das dazu in der Lage war?
Das Resultat dieser Emotionen, die ihn zum Einen zur Flucht, zum Anderen zur genaueren Untersuchung dieses Wesens verleitete, war einfach: Er harrte aus, starr, unbeweglich, und wartete ab.
Das Spiel der Emotionen war auch für Reika, Demoar und Taralea deutlich erkennbar, denn auch wenn Janus seinen eigenen Körper, den kalten Wind und die Blicke der Anderen kaum mehr wahrnahm, verzog sich seine Miene doch mehr und mehr.
Dann jedoch geschah etwas, das Janus zu einer sehr raschen Handlung animierte - Flucht: Etwas böses, dämonisches durchdrang die Klänge des fremden Wesens, immer intensiver spürte Janus, wie sich die Konzentration auf ihn legt und das Wesen zu etwas ansetzte, das eindeutig einen Angriff darstellte. Und kaum hatte Janus dies bemerkt, war es auch schon zu spät: Ein heftiger Ruck durchzog seinen Körper, als irgendetwas einen kompletten Abriss seiner Konzentration verursachte und er geradezu erbarmungslos zurück ins Diesseits gezerrt wurde. Ein panischer Ausdruck stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er die Augen aufriss und sich in seiner Umgebung umsah, das Herz schnell und laut pochend, das Blut durch seine Adern schießend...

Es vergingen einige Augenblicke, bevor er seine Gedanken wieder sammeln konnte und sich seiner Umgebung tatsächlich Gewahr wurde. Alles schien normal, Demoar, Reika und Taralea blickten ihn teils fragend, teils ihrerseits erschrocken und verständnislos an – das Quieken des Flügelaffen war nach wie vor zu hören. Janus' Brauen bewegten sich angestrengt aufeinander zu, als er versuchte, das Geschehen revue passieren zu lassen. Doch je mehr er nachdachte, desto stärker verspürte er einen allmählich aufkommenden, stechenden Schmerz in seinem Kopf, der ihn dazu verleitete, die Augen leicht zusammenzukneifen und eine Hand an seine Schläfe zu legen. Auch wenn er sein Ziel nicht erreicht hatte, hatte die Reise doch mehr Kraft erfordert, als er annahm. Sich ihn Sicherheit wähnend, schien er doch unversehrt und damit dem Wesen doch rechtzeitig entkommen zu sein, entspannten sich seine Züge wieder ein wenig. Was auch immer geschehen war, er würde es später versuchen herauszufinden, denn ob seiner plötzlichen Kopfschmerzen war die Entscheidung, die Beschwörung aufzuschieben und sich ersteinmal zu erholen rasch gefällt.
Und doch... während des restlichen Abends blieb ein ungutes, verheißungsvolles Gefühl in Janus zurück.
Was war geschehen?
Taralea Mirrosil
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Beitrag von Taralea Mirrosil »

Manche Dinge waren ihr unbegreiflich und vermutlich würde sich daran auch nie etwas ändern. Warum, bei allen Göttern, mussten Magier immer wieder so einen Unsinn machen? Dämonen beschwören. Als ob nicht schon genug von ihnen aus eigener Kraft in das Hier und Jetzt gedrungen waren, glücklicherweise zumeist verkrochen in den Tiefen der Höhlen, wo man sie suchen und vernichten konnte. Wieso also mussten diese größenwahnsinnigen Magier immer wieder versuchen, sie zu beschwören und aus dem sicheren Gefängnis ihrer Sphären zu lösen? Eines war ganz offensichtlich bei jedem von ihnen gleich: Sie mussten einfach ihre Macht spüren und sei es durch noch so dumme Vorgänge.

Wie ernst es Janus mit seinem Vorhaben war, konnte sie bereits an seiner Begleitung erkennen. Reika und Demoar waren unbestreitbar bewandert im Umgang mit dem Lied und verdienten durchaus Respekt. Ein geschickter Zug von Janus, denn in Gegenwart der beiden würde sie schwerlich dazu kommen, ihn mit vernünftigen Argumenten von diesem Wahnsinn abzuhalten, jedenfalls nicht, ohne preiszugeben, dass ihr Wissen breiter gefächert war, als das einer normalen Heilerin. Sie hatte nur die Wahl, ihn zu begleiten oder aber zuhause zu sitzen und nervös durch die Stube zu tigern. Nun, da war ihr die erste Variante dann doch lieber. So konnte sie notfalls ihr Möglichstes tun, um Janus vor größerem Schaden zu bewahren. Mochten seine Wächter noch so mächtig und erfahren sein, sie fühlte sich einfach wohler, wenn sie selber auf Janus aufpassen konnte. Außerdem... nun ja, es war eine unvergleichliche Gelegenheit, ein Bild von dem zu erhalten, wie die Magier das Lied zu ihren Zwecken verzerrten.

Taralea räumte die leeren Becher vom Tisch und legte sie in das Spülbecken. Ein Moment der Konzentration und es bildete sich eine Pfütze auf dessen Grund, die allmählich anschwoll, bis das Becken mit handwarmem Wasser gefüllt war. Eigentlich war es nicht ihre Art, das Lied für solch alltägliche Handgriffe zu verändern, doch es war spät und oben lag ein Janus, um den sie sich doch etwas Sorgen machte.

Irgendwas war schief gelaufen. Er wollte oder konnte es nicht in Worte fassen, doch sie war nicht blind. Ratlosigkeit und Verwirrung in solch einer Ausprägung hatte sie in all den Jahren, die sie sich kannten nur selten in seinen Augen gesehen und seine Kopfschmerzen waren beinahe greifbar gewesen. Selbst ihr kleines Geheimrezept, das normalerweise jede handfeste Migräne in ein Nichts verwandelte, hatte nicht angeschlagen. Mochten Reika und Demoar es für Überanstrengung halten, ihr schmeckte diese Suppe nicht. Wieder sah sie das Zucken, das seinen Körper erfasst hatte, als er da vor diesem kleinen Kreis gestanden hatte, in dem dieses bedauerlich fiepende Geschöpf angebunden war. Sollten sie ihr alle erzählen, was sie wollten, da stimmte was nicht.

Kopfschüttelnd trocknete sie die Hände ab. Vielleicht neigte sie zur Übertreibung, womöglich waren die Ursachen wirklich so simpel wie sie schienen... Überanstrengung, mangelnde Konzentration, doch sie wäre wohl nicht Taralea, wenn sie sich nicht auf das Schlimmste vorbereitet gewesen wäre. Dumm nur, dass sie keine Vorstellung hatte, was wohl das Schlimmste sein könnte. Egal, sie würde es wohl erleben oder besser gesagt, sie hoffte, dass sie es eben nicht erleben würde.

Leise schlich sie sich die Treppen hinauf, um dann zu bemerken, dass dies vollkommen unnötig war. Janus lag wie tot auf dem Bett, nur das Heben und Senken der Brust verriet, dass noch Leben in ihm steckte. Naja, immerhin hatte er noch die Schuhe ausgezogen. Sie betrachtete ihn einen Moment vom Treppenabsatz aus, ehe sie schließlich seine Stiefel beiseite räumte, die weiche Schlafrobe anlegte und sich neben ihn kuschelte. Morgen war sicher alles wieder gut...
Janus Aethra

Beitrag von Janus Aethra »

II. Der Fluch

Vorsichtig, gar ängstlich schritt Janus voran... um ihn herum herrschte vollkommene Dunkelheit, nichteinmal die Hand vor Augen vermochte er zu erkennen. Kein Geräusch, außer sein flacher, schneidender Atem und das leise, von allen Seiten widerhallende Pochen unter jedem seiner Schritte war zu hören. Wo er war? Das wusste er nicht. Warum er dort war? Auch darauf fand Janus in diesem Moment keine Antwort. Doch es gab Eines, was er deutlich spürte - er war nicht alleine dort. Er fühlte es, wie es dort in der Dunkelheit auf ihn lauerte, und er fühlte, wie die Panik durch seinen Körper kroch, mehr und mehr sein Denken und Handeln bestimmte. Die Furcht vor dem Unbekannten... er hatte ihr nichts entgegen zu bringen.
Er drehte sich herum, immer und immer wieder, versuchend, in der Dunkelheit etwas wahrnehmen zu können. Vor ihm... Schwarz. Neben ihm... Schwarz. Als er jedoch hinter sich blickte, zuckte in der Ferne ein greller Lichtblitz auf, erhellte für den Bruchteil einer Sekunde seine Umgebung, und für eben diesen Bruchteil sah sich Janus 'ihm' gegenüber.


Ein jähes Zucken zog sich durch seinen Leib, als er die Augen aufriss und sich schweißgebadet in liegender Position wiederfand. Die Finger hatten sich krampfhaft in die weiche Matratze gebohrt, sehr rasch hob und senkte sich seine Brust bei jedem seiner Atemzüge. Es vergingen einige, pochende Herzschläge, bevor er realisierte, dass es sich nur um einen weiteren Traum handelte... ein Traum, der ihn die ganze Nacht verfolgt hatte und immer und immer wieder für ein apruptes Erwachen sorgte.
Nur sehr langsam kehrte die Ruhe in seinen Leib zurück, während er sich in dem Raum umsah. Das matte Licht des Morgens drang durch die Fenster und erhellte seine Umgebung gerade ausreichend, um die ruhigen, gar sanften Gesichtszüge des Wesens zu erkennen, das neben ihm im Bett lag und schlief. Taralea ... er hoffte, dass sie von seinem unruhigen Schlaf nichts mitbekommen hatte, denn nur zu gut erinnerte sich an ihr sorgenvolles Gesicht am Vorabend.
Auch wenn es noch sehr früh war, schlafen wollte Janus nun nichtmehr. Dieses Gesicht, das ihn die ganze Nacht verfolgte... er wollte es nichtmehr sehen und die seltsamen Ereignisse am Tage zuvor, die er als Ursache für die Träume wähnte, hinter sich lassen. Langsam, auf Lautlosigkeit bedacht, schob er die Decke zurück und erhob sich aus dem warmen Bett. Er hatte viel zu tun, denn mit dem Misserfolg der Dämonenbschwörung wollte er sich nicht zufrieden geben. Und auch wenn er sich schon besser fühlte, so waren zumindest die Kopfschmerzen fort, sodass er sich entschloss, zur Akademie zu reisen und weitere Vorbereitungen für ein neues Ritual zu treffen. So griff Janus nach seiner Kleidung auf einem der Stühle und kleidete sich an. Als er jedoch auf die Treppe zusteuerte und einen letzten Blick in den Wandspiegel warf, erstarrte er.
Dort war es, das Gesicht aus seinen Träumen, das Gesicht, das er zwar noch nie mit eigenen Augen sah, aber dennoch genau wusste, zu welchem Wesen es gehörte - er sah in seinem Spiegelbild das Gesicht des Wesens aus der fremden Sphäre...und es wurde ihm schwarz vor Augen.


Janus wandte langsam herum, die sonst so ruhigen, grauen Augen waren von einem matten, schwarzen Schleier überzogen, in seiner Miene war nur Eines zu erkennen: Hass.
Er sah sich um, nahm jedes Detail seiner Umgebung wahr, als wäre er an einem ihm völlig fremden Ort. Er betrachtete sich selbst, seine Hände, seine Kleidung... ehe der Blick auf das ihm nächste Lebewesen sprang. Ohne ein Laut, ohne eine Geste der Vorwarnung zog Janus seine Rechte empor, richtete die Hand auf das verhasste Leben – und unmittelbar darauf schoss ein Kranz aus Flammen aus seinen Fingern und hüllten es ein. Leises Knistern, dunkler Rauch breitete sich in dem Raum aus, als die Topfpflanze an Janus' Seite Feuer fing und binnen Sekunden vollkommen niederbrannte. Genugtuung... man konnte diese Emotion seinen Zügen deutlich ansehen, als er zusah wie das Leben erstarb. Doch war es nicht genug.. es gierte ihm nach mehr. Er wandte er sich dem Bett zu, näherte sich der schlafenden Frau.. ihr sollte das gleiche Schicksal widerfahren. Doch in dem Moment, als er seine Hand auf sie richten wollte, der Blick ein letztes Mal durch das Gesicht seines ruhig schlafenden Opfers tastete, stockte er...


Der dunkle Schleier in Janus' Augen begann zu schwinden, er spürte, wie neues Gefühl durch seinen Körper zog und sich sein Blick aufklarte..seine Züge sich entspannten. Er fand sich selbst vor dem Bett wieder, den rechten Arm in Taraleas Richtung ausgestreckt. Doch was war geschehen? Verwirrung breitete sich in seiner Miene aus, als er sich umsah, die verkohlte Pflanze und den Geruch von Verbranntem wahrnahm. Niemand sonst war zu sehen oder zu hören. Er war allein mit der Schlafenden.
Insgeheim hoffte er, dass sich seine Vermutung, eine Kerze versehentlich umgestoßen zu haben bestätigen würde, doch wurde das ungute Gefühl in seiner Brust verstärkt, als sein Blick ohne Fund über die Pflanze und den hölzernen Boden hinweg wanderte. Er hatte keine Erinnerung an das, was soeben geschehen war, keine Erklärung für die Zerstörung, der er sich gegenüber sah. Doch, je länger er sich umsah und sie auf sich wirken ließ, desto stärker wurde das verheißungsvolle Gefühl.
Was war nur los? Verlor er seinen Verstand? Die Kontrolle über sich selbst?
Er fand keine Antwort auf die vielen Fragen, die ihm in diesem Augenblick durch den Kopf schossen, doch was auch immer es war ... er musste es herausfinden, bevor es jemandem auffiel. Die Hoffnung, dass er nur an Schlaflosigkeit und Erschöpfung litt, war noch nicht erloschen, und so griff er sich den verbrannten Blumentopf und eilte ohne zurück zu blicken die Stufen hinab ...
Zuletzt geändert von Janus Aethra am Sonntag 2. November 2008, 16:09, insgesamt 3-mal geändert.
Janus Aethra

Beitrag von Janus Aethra »

Wieder herrschte völlige Dunkelheit, und wieder spürte Janus, wie die Angst durch seinen Körper kroch. Doch war es diesmal kein Traum... diesmal würde er nicht einfach erwachen und merken, dass es nicht real gewesen war.
Er lag flach, Arme und Beine ausgestreckt, auf dem Bett und hielt die Augen geschlossen. Nicht nur, weil das Licht ob seiner Erschöpfung in den Augen stach, sondern auch, weil er sich von seiner Umwelt abschotten wollte. Es war schon wieder geschehen, und schon wieder konnte er sich nichteinmal erklären, was 'Es' überhaupt war. Das Letzte, woran er sich erinnerte, war der Tee ...


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Am späten Abend war Janus von der Akademie heimgekehrt, in der Hoffnung, nach einem beschwerlichen und erfolgslosen Tag endlich Ruhe zu finden. Die unruhige Nacht hatte an seinen Kräften gezehrt, und die Erschöpfung war an diesem Abend deutlich in sein Gesicht geschrieben: Er war blass, dunkle Ränder zierten seine blutunterlaufenen Augen. Er bot einen seltenen Anblick, kannte man ihn sonst als ruhigen und ausgeglichenen Mann, war er nun auf dem besten Wege zu einem Schatten seiner Selbst zu werden. Dabei war es doch nur eine schlaflose Nacht...
Als er sich seinem Zuhause näherte, konnte er bereits aus der Ferne zwei Gestalten erkennen, die sich, je näher er kam, allmählich als Taralea und ein guter Freund, Eldir, entpuppten. Für gewöhnlich freute Janus sich über seinen Besuch, am heutigen Tage war die Freude jedoch getrübt, bedeutet seine Anwesenheit doch, dass ihm die ersehnte Ruhe noch einige Zeit verwehrt bleiben würde. Abgesehen von seinem Äußeren, welches er nur schwerlich verbergen konnte, versuchte er, sich nichts weiter anmerken zu lassen, in der Hoffnung, unangenehmen Fragen ausweichen zu können. Später rügte sich Janus dafür, dass er überhaupt annahm, ein solches Vorhaben in die Tat umsetzen zu können.

Zunächst gelang es Janus, das Thema von sich und seinem Zustand und damit von Taraleas und Eldirs sorgenvollen Blicken abzulenken, als sie auf die Anguren zu sprechen kamen. Ihnen, den unzivilisierten Wilden, stand ein gehöriger Denkzettel bevor, und so planten sie... bis es an der Tür klingelte und sich Demoar der abendlichen Runde anschloss. Es waren Worte des Arcoveneficus, direkt wie eh und je, die dafür sorgten, dass Janus jede Möglichkeit geraubt wurde, sich dem Thema erneut zu entziehen:
“Janus, du siehst Scheisse aus”
Nur zu gerne hätte er allen erklärt, was mit ihm los war. Doch wie sollte er erklären, was er selbst nicht verstand? Natürlich glaubte es ihm keiner von ihnen, als er zu erklären versuchte, dass sein Zustand einzig und allein an einer schlaflosen Nacht lag, doch handelte es sich dabei um die einzige Antwort, die er hatte. Doch war es der Moment, als er die Teetasse in seinen Händen anhob und an den Mund führte, der seiner vorigen Aussage auch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit nahm.


In einer unnatürlichen Starre saß Janus auf seinem Stuhl, den Teebecher in der Rechten noch immer angehoben, als sich sein Blick bedrohlich langsam auf seinen Gegenüber legte. Eldir... er war es, der von Janus' Augenpaar, das mehr und mehr von dem schwarzen, dämonischen Schleier überzogen wurde, fixiert wurde, und er war es, der einem finsteren, hasserfüllten Blick ausgesetzt wurde.
Es geschah schnell, zu schnell, als dass einer von Ihnen hätte reagieren können, und intensiver, als es noch am Morgen zuvor der Fall war. Es lernte ... es erkannte Janus' Affinität zur Luft.. und es nutzte sie. Die Vorhänge an den Fenstern begannen wild zu flattern, die Kerzen im Raum erstarben in dünnen Rauchfäden, die von dem aufkommenden Sturm mitgerissen wurden. Dann war nur noch ein Knall zu hören, als eine Druckwelle über den Tisch hinweg in Eldirs Richtung fegte und ihn mitsamt seines Stuhles in Richtung der Zimmerwand katapultierte.
Taraleas heller Schrei ertönte, als sie aus der Küche hervor zu Eldir eilte. Doch zog sie damit ungewollt Janus' Aufmerksamkeit auf sich. In dem Moment, als sie an ihm vorbei rannte, sprang der finstere Blick auf sie, und der noch befüllte Teebecher in seiner Hand wurde ihr entgegen gewuchtet... und dabei kreuzten sich für den Bruchteil einer Sekunde ihre Blicke.


Entsetzen und Verunsicherung spiegelten sich in den aufgeklarten Augen Janus' wieder, der, vom Stuhl aufgesprungen, vor dem Tisch stand und den Blick über das Bild, das sich ihm nun bot, wandern ließ. Eldir lag zeternd an der Wand, sein Stuhl umgestoßen, und alle drei, Taralea, Eldir und Demoar blickten ihn nur fassungslos an. War er dafür verantwortlich? Die Frage, die durch seinen Kopf zuckte, wurde sogleich von einem ahnungsvollen Gefühl beantwortet: Er war es...
Janus jedoch ließ die verständnislosen Blicke unbeantwortet, wie hätte er sie auch beantworten können, und flüchtete mit einer einfachen Entschuldigung die Treppe empor. Er warf sich auf das Bett, das Gesicht in den Händen vergrabend...
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... und doch stimmte dies nicht so ganz. Nicht der Tee war es gewesen, woran Janus, der in ungebrochener Reglosigkeit auf dem Bett lag, sich erinnerte. Oder sich nur einbildete, sich zu erinnern? Es war nicht mehr als ein Gefühl, eine Ahnung, doch so deutlich, dass er sie nicht ignorieren konnte. War dort wirklich wieder dieses Gesicht gewesen? Das Gesicht, das ihn in der Nacht zuvor immer und immer wieder aus dem Schlaf riss?
Angst, Erschöpfung... doch vor allem Selbstzweifel waren es, die ihre Furchen in Janus' Gesicht zogen und die er kaum zu bekämpfen vermochte. Im unteren Zimmer war Ruhe eingekehrt, und Janus hörte bereits die leisen Schritte Taraleas, die sie die Treppe empor führten. Er würde ihr wieder keine Antwort geben können, doch zumindest für diesen Abend musste er es auch nicht...
Zuletzt geändert von Janus Aethra am Mittwoch 29. Oktober 2008, 16:20, insgesamt 1-mal geändert.
Eldir

Beitrag von Eldir »

Ein durch und durch heiteres Lächeln lag auf Eldir's Zügen als er sich langsam Janus und Taralea's Haus näherte, gerade hatte er Siobhan getroffen, es war immer wieder schön sie wieder zu sehen, war sie doch vielleicht die Einzige, die es wirklich genau so hielt wie er und nen hübsches Weibchen war sie noch dazu in seinen Augen. So stand er den Kiesel für das kleine rote Wesen das Federn in eine Kiste einsortierte schon in der Hand am Zaun zu Taralea's Garten, als sie sich jedoch plötzlich umwand wurde ihm schnell klar das ein jetzt geworfener Kiesel sie nicht begeistern würde. Den Kiesel wieder fallen lassend wurde sie dann lieber fröhlich begrüßt und auch Janus,der auf seinem komischen übergroßen Ententier angeritten kam wurde nicht minder fröhlich begrüßt. „Ahh der Schummler!“ rief er ihm entgegen, schon vor einer ganzen Weile hatte er aufgehört ihm diese Worte wirklich übel zu nehmen, es war mehr und mehr zu einer freundschaftlichen Floskel geworden, die gewohnter Weise von Janus mit „Na du Fliegen die Augen aus Schießer“ gekontert wurde. Doch dies bliebt heute aus, eigentlich nichts ungewöhnliches das Janus manchmal seine Worte auch einfach abprallen ließ, wenn Janus nicht ausgesehen hätte wie nach einer durchzechten Nacht und Eldir's Instinkt ihm nicht gesagt hätte das irgendwas mit Janus nicht stimmt, wäre er nicht einmal beunruhigt gewesen. Taralea's Besorgnis tat ihren Rest dazu, als die drei sich ins Haus auf machten, auf einen Tee und etwas von Taralea's Brot das Meister Bäcker vor Neid erblassen lassen würde und von dem gemunkelt wird, das allein ein Bissen davon ganze Scharen sättigt.
„Schlecht geschlafen..“ war die Ausrede die Janus auch noch ungewohnt schlecht hervor brachte, als die drei am Tisch aßen, das ganze nur skeptisch zur Kenntnis nehmend wurde Janus immer wieder von neuem gemustert und in Augenschein genommen, seine Intuition das mehr als eine schlechte Nacht dahinter steckte konnte Eldir einfach nicht ignorieren. Als die Gespräche sich allerdings dem bevorstehenden Denkzettels für die Riesen zuwandten, verließ Eldir's Aufmerksamkeit Janus Zustand und lenkte sich in Bahnen genauerer Überlegungen über das Wie des bevorstehenden Angriffs. Irgendwie schien alles ein wenig seltsam, selbst die sonst so streitlustige Taralea beherrschte sich als Janus ihr schonend beibrachte das sie und ihre Mädchen ganz sicher nicht in erster Reihe stehen würden und mit Bratpfannen um sich werfen.
Aber was solls, dachte sich Eldir vielleicht ist auch einfach endlich ein wenig Vernunft für Füchschen abgefallen, so drehten sich die Gespräche weiter und Absprachen wurden getroffen, bis schließlich ein Schummler Freund von Janus auf einen Tee zu Besuch kam und sich das Augenmerk aller wieder auf den kränklichen Janus richtete. Auch Demoar, wie der andere Schummler wohl hieß, hatte Janus Zustand bemerkt und schien darüber besorgt. „Stirb fei nicht weg... sonst nehm ich Füchschen zum Weibchen....!“ waren Eldir's aufmunternden Worte und auch Demoar fand solche „Hoffen wir, dass du dich wieder erholst.“ Einen Moment trat stille ein, Janus nahm einen Schluck von seinem Tee, als wäre es das erstemal das er aus einer Tasse trank, Demoar neben Eldir, tat selbiges und auch Eldir selbst griff grade in Richtung seiner Tasse, dabei fiel sein Blick auf Janus.
Einen Moment hielt Eldir inne, vollkommen irritiert von diesem Blick in Janus Augen, wirkten nur seine blutunterlaufenen Augen? Oder wurden seine Augen tatsächlich finsterer, kaum da dieser Gedanke hoch schoss, wurde er auch schon ihm unsanft entrissen, von einer Druckwelle aus gebündelter Luft erwischt riss es ihn samt Stuhl nach hinten bis er liegend die letzten Handbreiten zur Wand schlitterte um unsanft an zu titschen. Der Stuhl blieb umgekippt auf halber Strecke zurück, als langsam Eldir's Gedanken sich wieder ordneten und er sich orientierend aufrichtete, lag sein Blick auf Janus vollkommen verwirrt starrte er den Mann an, bei dem er noch überlegt hatte ihn den ersten werden zu lassen...
Janus Blick war wieder normal, wie sonst auch, es schien als wäre er mindestens genau so verwirrt wie Eldir über diese Attacke, von der es in all den Jahren, die die beiden sich kannte, nie zuvor eine gab, obwohl sie oft genug einander hitzige Wortgefechte geleistet hatten, nicht zuletzt wegen Taralea. „Ogerdreck, nen Scheiß Scherz, Janus!“ war das einzige was Eldir auf die schnelle eingefallen war. Immer noch recht fassungslos versicherte er Taralea noch das er in Ordnung wahr, eh Janus hinauf ging und Demoar schließlich, sich für den Tee bedankend, Abschied nahm. Er starrte ins Feuer während die beiden oben waren, sollte er das ernst nehmen oder seinen Instinkten trauen, die ihm sagten das irgendwas mit Janus nicht stimmte? Es wird sich zeigen, dachte er bei sich als Taralea wieder hinab kam und er sich von ihr auch verabschiedete und in den Wald hinaus zog.
Taralea Mirrosil
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Beitrag von Taralea Mirrosil »

In dieser Nacht hatte die Schlaflosigkeit sie selber getroffen. Taralea saß mit ihrem Kissen im Rücken auf dem Bett und betrachtete Janus' Gesicht im fahlen Licht des Mondes. Normalerweise weckte die Ruhe in seinen Zügen in ihr den Wunsch, sich an ihn zu kuscheln und unter der nahezu hypnotischen Wirkung seiner Atemzüge friedlich einzuschlummern. Doch so allmählich drängte sich ihr unweigerlich der Gedanke auf, dass hier gar nichts mehr normal war.

Am Mienenspiel ihres Gefährten konnte sie unschwer erkennen, dass er seinen Schlaf einzig ihrem Schlaftrunk verdankte und auch dieser schien nur bedingt zu helfen. Die Dosis hätte gereicht, um ihn gut und gerne bis in die Mittagsstunden in einen ohnmachtsähnlichen Zustand zu versetzen, doch seine Lider flatterten, als befinde er esich lediglich in einem leichten Halbschlaf.

"Was ist nur mit dir?",
flüsterte sie und strich gewohnheitsmäßig eine Strähne aus seiner Stirn. Ihre Gedanken wanderten zurück in die frühen Abendstunden. Das Abendessen war ruhig und harmonisch verlaufen und irgendwie war es allen Anwesenden gelungen, ein wenig über den wirklich grauenhaften Zustand von Janus hinwegzusehen. Es hatte sogar wieder Scherze und ein wenig Gelächter gegeben. Irgendwann begann sie den Tisch abzuräumen, um so ein wenig mehr Gemütlichkeit in die Runde zu bringen, als eine unerwartete Erschütterung im Lied sie sogar körperlich zusammenfahren ließ. Hastig brachte sie ihre Reflexe unter Kontrolle, schließlich war in der Person von Demoar ein Erzmagier im Raum. Geschockt musste sie beobachten, wie Janus auf Eldir losging, ohne sich auch nur zu erheben.
Im nächsten Augenblick kam auch schon Leben in den zuvor schockstarren Körper und sie spurtete um die Küchenzeile herum auf Eldir zu. Doch dann wurde sie gestoppt, aus einer Richtung, die sie niemals für möglich gehalten hätte: Janus machte Anstalten, auf sie los zu gehen. Ungläubig sah sie zu ihm, wie selbstverständlich ging der Blick zu seinen Augen... und in diesem Moment war es, als würde ein Schalter umgelegt. Janus hielt inne, Verwirrung stellte sich schlagartig ein und der Schock, der Unglaube waren nicht zu übersehen. Gerade noch hatte sie sich auf ihn stürzen, herumzetern und der augenblicklichen Wut in ihrem Bauch Luft machen, wollen, als sein Anblick sie jäh bremste. Was auch immer mit Janus los war, seine Tat war nicht gewollt gewesen. Sie wusste es einfach, konnte es in seinen Augen lesen.

Nun war es an ihr, auf zwar freundschaftliche Weise, dennoch aber zügig die Freunde aus dem Haus zu komplimentieren. Wenn sie auch beiden traute und vor allem Eldir notfalls ihr Leben in die Hände legen würde, dies war eine Angelegenheit, die zunächst unter vier Augen gehörte. Später, wenn Janus etwas Ruhe gefunden hatte und vorallem seine Kräfte aufgefrischt hatte. Darum hatte sie sich durchgesetzt, ihm den Schlaftrunk quasi aufgezwungen. Nun saß sie also hier neben ihm und wachte über seine Nachtruhe. Sie hoffte inständig, dass der nächste Tag mehr Licht in das Geschehen brachte oder gar den Spuk vertreiben würde, doch die innere Stimme sagte ihr bereits, dass diese Hoffnung wohl vergebens war.
Zuletzt geändert von Taralea Mirrosil am Mittwoch 29. Oktober 2008, 21:54, insgesamt 2-mal geändert.
Tithus Hemmel

Beitrag von Tithus Hemmel »

Eine Grippe ist DAS nicht!

Das war Titus sofort nach diesem abenteuerlichen Abend in der Taverne klar. Als Janus und Taralea die Spilunke betraten fiel dem dicklichen alten Hohepriester sofort auf, dass mit dem jungen Burschen irgendetwas nicht stimmte. Kränklich sah er aus - müde, erschöpft - völlig am Ende seiner Kräft. Irgendein magischer Unfall, meinte er schließlich. Selbst Taralea war da etwas ratlos.
Nun - gleichwohl, der Dicke ging von einer Grippe aus, oder irgendeiner tückischen Herbstkrankheit. natürlich nichts, das man nicht mit einem guten Nsusschnaps, angesetzt von Bruder Titus wieder hinbiegen könne. Aber bevor man darauf eingehen konnte, oder wollte erschien ein seltsames Männchen an der Türe und trat ein.
Dieser Kauz stellte sich als Janus' Bruder vor. Ja, man erkannte keine Ähnlichkeit zwischen den Beiden. War Janus eher der verschwiegenere war ER ein redseliger Kerl - nicht unsympathisch. Und so kam man auch ins Gespräch.
"Tithus, kein schlechter Name. ich kannte da mal einen, und der war wirklich..."
Eine Veränderung im Lied war das erste, was Titus wahr nahm. Gerade noch blickte Janus aus dem Fenster - doch ging es definitiv von ihm aus. Und es war nicht menschlich - es war irgendwas anderes, etwas das er von Janus gar nicht kannte.
Noch bevor Taralea oder er reagieren konnte (der Kauz laberte immer noch vor sich her) wandte sich der Magier zu Taralea um - seine augen von schwarzen Schleiern durchzogen - und eine Art elektrisierenden Feuerball auf die gute Frau abfeuernd. Diese fiel völlig überrumpelt zur Seite - vom Stuhl zu Boden.
Das reichte titus um sich nun zu erheben und laut den Namen "JANUUUUSSSSSS" zu brüllen. Er machte einige Sätze auf ihn zu - holte mit seiner Rechten aus und gab ihm eine Ohrfeige, die sich gewaschen hat. Vielleicht bringt ihn ja das zur vernunft, dachte er bei sich - doch falsch gedacht.
Erneut eine Veränderung im Lied. Der Kopf Janus' wirbelte zur Seite - doch das hämische Grinsen auf seinen Zügen war nach wie vor zu sehen - mit einem Mal lösten sich seine Konturen vor ihr auf - und dann stand er hinter Titus, die RFaust zu einem weiteren Schlag erhoben - auf Titus' Nacken zielend - und der war zu perplex ob dieser Wirkung seiner Ohrfeige, um rechtzeitig reagieren zu können...
Zuletzt geändert von Tithus Hemmel am Donnerstag 30. Oktober 2008, 01:20, insgesamt 1-mal geändert.
Janus Aethra

Beitrag von Janus Aethra »


Janus' hämisches Lächeln begleitete das laute Rumpeln, als der Fleischberg von Priester gegen die Holzwand krachte und zu Boden ging. Er wandte herum, sich demjenigen zu, der noch auf seinen Beinen stand – bohrend und finster legte sich Janus' Blick auf seinen Bruder, Daeron. Die Worte Daerons prallten ungehört an Janus ab, kein gutes Zureden, kein Bitten sollte ihm vor seinem Schicksal retten können, und so blieben auch die panischen Hilfeschreie der Wirtin ungehört, die sich ängstlich unter der Theke verkroch. Er hob die Hand, deutete auf seinen Bruder und begann langsam eine Faust zu ballen, als dieser auch schon krampfhaft nach Atem rang. Von dem Anblick beflügelt galt Janus' Konzentration einzig und allein ihm, seinem Opfer, dem er genüsslich langsam die Kehle zu schnürte.. doch hatte er in seinem Wahn keinen Blick für Titus in seinem Rücken, der sich inzwischen hinter ihm aufgebaut hatte. Es schien Janus nichteinmal zu interessieren, als er die Veränderung im Lied hinter sich wahrnahm, er ignorierte das Wirken des dicken, ungepflegten Priesters, dem man seine enorme Macht nicht unbedingt ansah, einfach, einzig und allein auf die Pein seines Bruders fixiert.
Ein lauter Knall durchzuckte die Taverne, als die Luft in Janus' Rücken schier explodierte und er voller Wucht nach vorn auf seinen Bruder zugeschleudert wurde. Ein Stöhnen entwich auf die Explosion hin Janus' Kehle, der Schmerz durchzuckte seinen gesamten Leib, als er zu Füßen Daerons auf dem hölzernen Boden aufschlug... und doch schien eben dieser Schmerz seinen Wahn nach einigen Augenblicken des Erholens weiter zu verstärken, die Züge hatten sich inzwischen zu einer verzerrten Fratze verzogen. Kein weiterer Angriff auf den am Boden Liegenden folgte, sie zögerten, und nicht nur dies, die zuvor von ihm getroffene Taralea stürzte sich sogar schützend auf ihn.. und so hielt ihn niemand davon ab, eine Hand um Daerons Bein zu legen – niemand störte ihn ernsthaft dabei, durch einen weiteren, intensiven, elementaren Eingriff energiereiche Blitze in den Körper seines Bruders zu jagen.
Ein heller, schmerzerfüllter Schrei hallte durch die Straßen Bajards, panisch und krampfhaft zuckten die Fäuste Daerons auf Janus hernieder, der unter den Schlägen mehr und mehr zusammen sackte und die Zauberwirkung letztlich aprupt abriss. Zwar vom Wahn getrieben, doch von den Treffern bis hin zur Bewegungsunfähigkeit geschwächt sank Janus wieder gänzlich zu Boden... und wieder war es der Blick in die angsterfüllten Augen der Frau, die ihn zu schützen versuchte, der das Ende herbeiführte...die Schwärze schwandt aus seinen Augen, selbst im Lied schien das, was seine Klänge durchwuchert und eingehüllt hatte im Nichts zu entschwinden.


Mehr und mehr wurde sich Janus des Schmerzes in seinem Körper tatsächlich Gewahr, und sein Atem begann zu stocken, seine Glieder krampften sich zusammen und der von Schwäche getrübte Blick richtete sich auf seinen vor ihm stehenden Bruder – der in der Hand noch immer sein Rapier hielt. Verständnislos und der Ohnmacht nicht fern setzte er die Stirn auf dem hölzernen Boden auf.

“Was tut ihr da?”

Es waren Janus' leise, gekeuchte Worte, in der die Verständnislosigkeit deutlich mitschwang.. im Nachhinein hätte er die Antwort jedoch lieber nicht gehört...

“Du hast uns angegriffen!”...


Nun lag Janus wieder dort, rücklings auf seinem Bett, die Glieder und sein Kopf schmerzend, wie er es schon am Vortag tat. Doch nun nicht in dem Wissen, dass er versehentlich einen Stuhl umstieß... nun in dem Wissen, dass er seine eigene Familie nicht nur angegriffen, sondern auch noch ernsthaft verletzt hatte. Und vor Allem in dem Wissen, dass etwas in ihm war, das er nicht kontrollieren konnte. Etwas, das sich seines Körpers bemächtigte... etwas Böses, das seine Klänge im Lied zu verändern vermochte .... ein Etwas mit schwarzen, finsteren Augen.
Er fühlte sich so, wie er es Nacht für Nacht tat. Er bewegte sich durch die völlige Dunkelheit, hilflos, und in dem Wissen, dass irgendetwas auf ihn lauerte. Er wollte fliehen, doch gelang es ihm nicht, stattdessen sah er immer und immer wieder dieses finstere Gesicht ... mit tiefschwarzen Augen.

Die Verletzungen, die er Taralea und seinem Bruder zugefügt hatte, waren glücklicherweise nicht ernst und schon bald würden keine Spuren mehr von seinen Taten zeugen. Doch was, wenn er wieder die Kontrolle verlieren wird? Wenn er wieder wahllos Menschen in seiner Umgebung angriff?... und es nicht bei glimpflichen Verletzungen bleiben würde?
Er war eine Gefahr für die, die er liebte - und nichts verängstigte ihn mehr als diese Tatsache. Auch wenn Taralea, die schon bald mit einem Schlaftrunk die Stufen empor stieg, sich nichts von ihrer Angst anmerken ließ, er spürte sie doch.
Eines war Janus nun klar: er benötigte dringend Hilfe.. um dieses Fremde in ihm zu vertreiben.
Woher kam es... und was ist es? Dies waren die Fragen, deren Antworten nun gefunden werden mussten. Und zwar schnell, bevor seine Fehler noch weitreichendere Folgen mit sich ziehen.
Taralea Mirrosil
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Beitrag von Taralea Mirrosil »

Wieder eine schlaflose Nacht. Diesmal hatte Taralea gar nicht erst versucht, etwas Ruhe zu finden und die Kerze auf ihrem Nachttisch angelassen. Sie saß wieder auf dem Bett, den Rücken durch Kissen gepolstert an die Wand gelehnt, die Beine lang ausgestreckt. Neben ihr lag Janus, einem Toten gleich. Kein Wunder nach der Menge Schlaftropfen. Lange würde sie ihm diese Hilfe nicht mehr geben können, denn auf Dauer führte es dazu, dass man auf natürlichem Wege gar nicht mehr zu Ruhe kam.

Ihr Blick glitt von dem Buch fort, auf das sie sich nicht eine Minute hatte konzentrieren können, hinüber zum Fenster, wanderte durch den Raum, bis er schließlich zwangläufig wieder auf den Mann traf, der neben ihr in diesem schlafähnlichen Zustand lag. Das Zimmer war dunkel, einzig ihre Kerze erhellte ihn etwas und um den Kamin schimmerte ein rötlicher Kreis als sichtbares Zeichen für die Glut, die von dem kleinen Feuer dort übrig geblieben war. Sie reichte, um wohlige Wärme zu verbreiten und die getrockneten Kräuter, die auf dem Sims lagen gaben einen leicht würzigen Geruch ab. Es hätte die Kulisse für die perfekte Harmonie sein können.

Doch der Schein trügte. Sie griff an ihre Seite, zum gefühlten hundertsten Male in dieser Nacht. Noch vor wenigen Stunden hatte sie in den schillernsten Farben geleuchtet. Viel hatte nicht gefehlt, dass ihre Rippe gebrochen gewesen wäre. So hatte sie "nur" eine starke Prellung und einen dicken Bluterguss beseitigen müssen.

Der Abend hatte friedlich begonnen. Sie hatten sich zu einem Spaziergang nach Bajard entschieden. Taralea war zunächst zögerlich gewesen, denn Janus sah noch erbärmlicher aus, als am Abend zuvor. Offensichtlich hatte er den ganzen Tag damit zugebracht, den Angriff auf Eldir vor sich selber zu rechtfertigen. Am Ende schien es ihr das Beste, ihn auf andere Gedanken zu bringen.
In der Taverne trafen sie auf Tithus und der Plan schien aufzugehen, die lebensfrohe Art des Priesters nötigte Janus sogar hin und wieder ein Lächeln ab. In diesem Moment hätte sie nicht für möglich gehalten, dass sie nur kurze Zeit später schmerzgekrümmt auf dem dreckigen Boden der Schankstube liegen würde, ernsthaft angegriffen von dem Mann, den sie seit dem Tage ihrer Geburt kannte. Doch genau so kam es. Sie hatte noch einen Blick in diese fremden schwarzen Augen werfen können, die so gar nicht in sein Gesicht gehörten, dann traf seine Magie auch schon mit unvorstellbarer Wucht ihr Ziel. Das nächste, was sie wahrnahm war Daeron, der sie offenbar aus der Gefahrenzone gebracht hatte und schützend vor ihr stand. Ein Kampf tobte zwischen Janus und Tithus, auch Daeron hatte seine Waffe gezogen. Janus kam zu Fall und in diesem Moment verließ Taralea die Vernunft.

Der Angriff auf ihr eigenes Wohl war nicht mehr in ihrem Kopf präsent, der Schmerz wurde von Adrenalin verdrängt, einzig die Panik, diese unbeschreibliche Angst um Janus erfüllte sie. Das da war nicht Janus, etwas oder jemand steckte in ihm drin, aber verflucht, wenn sie den Körper angriffen, gefährdeten sie nicht nur ihren Feind. Dann schaltete sich auch ihr letzter Funken logischen Denkens aus und sie preschte vor, schlängelte sich an Daeron vorbei und versuchte, Janus zu schützen. Der Tumult wurde größer, am Ende hatte Janus auch noch seinen Bruder verletzt und alle bis auf den Priester lagen oder knieten auf dem Boden. Taralea wollte es nicht glauben, konnte es nicht glauben. Er, der seine Lieben mit allem, was er hatte und war bis aufs Blut verteidigte, der in ihrem Nest seine Zuflucht sah, ebenso wie sie selber, er sollte sie alle so schändlich angreifen? Verzweifelt versuchte sie, sich zu vergewissen, seine Augen zu sehen. Genau in dieser Sekunde wandte sich sein Kopf und Blicke trafen sich...

Noch immer lief ihr ein leichter Schauer über den Rücken, wenn sie sich verdeutlichte, was sie da gesehen hatte: Kaum hatten sich ihre Blicke getroffen, war es, als würde ein Vorhang fallen. Das Schwarz verschwand und gab die Augen preis, die sie kannte. Die sie vor Freude strahlen und vor Kummer hatte matt werden sehen. Gleichsam wurde die Härte aus seiner Fratze vertrieben und ließ ein vollkommen verwirrtes Gesicht zurück. So dramatisch die Situation auch war, sie selber durchspülte in diesem Augenblick förmlich eine Welle der Erleichterung. Er war wieder da. Irgendwie schafften Daeron und sie es, seine Flucht zu vereiteln, als ihm klar wurde, dass er für dieses Chaos verantwortlich war.
Der Weg nach Hause verlief schweigend. Janus war in seine Gedanken vertieft und die anderen beiden mühten sich darum, sich ihre Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Instinktiv war für beide klar, dass diese Last, seine "Erfolge" zu sehen, eine Last zuviel auf seinen Schultern gewesen wäre. Daheim folgte die übliche Versorgung der Wunden und behutsam setzten sie Janus ins Bild.

Nun war Ruhe in das Haus eingekehrt. Nein. Stille, das traf es besser. Ruhe würde wohl keiner so schnell finden. Nicht, solange jemand oder etwas den Frieden in dem Holzhaus bedrohte. Eine Lösung musste her und das zügig. Er hatte sich gegen seine Familie gewandt und Taralea war felsenfest davon überzeugt, dass nur das unzerreißbare Band zwischen ihnen verhindert hatte, dass dieses Etwas genug Durchschlagkraft gewonnen hatte. Was aber, wenn Janus die Kontrolle verlor und niemand um ihn war, der sich notfalls über ihn warf? Eigentlich war selbst das vollkommener Wahnsinn gewesen, doch allmählich fand Taralea sich damit ab, dass es Situationen gab, wo ihre Gefühle sie zu widersinnigen Handlungen zwangen.
Sie streckte die Hand aus und zeichnete sanft mit der Spitze ihres Zeigefingers die vertrauten Züge des Mannes an ihrer Seite nach. Leichtes Zittern seiner Augenlider zeigte ihr, dass er wohl wieder träumte. Sie hoffte inständig, dass er wenigstens im Reich seiner Träume ein wenig Erholung fand. Sein gepeinigter Geist hätte es dri...

Ruckartig zog sie die Hand fort. Träume. Wie konnte sie das nur vergessen? Unter all dem Trubel, dem Schock und der Sorge war ihr vollkommen dadurchgegangen, dass er einen Lösungsansatz quasi auf dem Goldteller serviert hatte, eingebettet in einen Plausch mit dem Priester. Sein Traum. Wozu war sie, was sie war, wenn sie ihr Wissen nicht zum Wohle derer einsetzte, die sie liebte? Vielleicht... ja, vielleicht konnte sie dort sehen, was ihn umtrieb? Für eine Sekunde war sie verführt, gleich anzufangen, doch diesmal siegte der Verstand. Er war betäubt und außerdem ein Recht darauf, vorher seine Meinung kund zu tun. Mit einem Mal wurde das Herz etwas leichter, löste sich die Anspannung zumindest ein wenig. Vielleicht würde es reichen, um ein etwas zu schlafen. Morgen stand die von langer Hand geplante Rache gegen das Angurenpack an. Sie würde alle Kraft und Energie brauchen, die sie bekommen konnte und so legte sie das ungelesene Buch beiseite und löschte die Kerze.

Wenigstens ein paar Stunden Schlaf...
Janus Aethra

Beitrag von Janus Aethra »

III. Die Suche

Müde hob Janus die Augenlider empor und ließ den trüben Blick über durch die kleine Heilerhütte schweifen. Eine weitere, unruhige Nacht war verstrichen, sodass das Innere der Hütte nun in ein mattes Licht des Morgens getaucht war... und er den kalten Schweiß auf seiner Stirn noch deutlich spüren konnte.
Über einen Tag hatte er nun in der Heilerhütte ausgeharrt, über einen Tag war er in regelmäßigen Abständen in nur kurzen Schlaf verfallen, nur um wieder aufzuschrecken. Doch zumindest ein wenig Erholung von dem beschwerlichen und vor allem schmerzhaften Kampf mit den Anguren wurde ihm dadurch verschafft... genug Kraft, um endlich die enge, hölzerne Hütte zu verlassen und eine Lösung zu finden. Um herauszufinden, was ihn verfolgte, was ihn die Kontrolle über seiner Selbst verlieren ließ und was ihn in seinen Träumen heimsuchte.

Er richtete seinen Oberkörper langsam auf, kniff allein aufgrund Erinnerung an den Schmerz in seiner Schulter die Augen zusammen, doch nur um sich schließlich erleichtert wieder zu entspannen. Nuria hatte ganze Arbeit geleistet, denn bis auf ein leichtes Brennen bei der bewegungsbedingten Dehnung seiner Haut verspürte er kaum noch etwas von der Verletzung, die ihm der Axthieb eines Angurenweibes beschert hatte. Und seine Haut wieder in ihren Urzustand zu versetzen, dazu war er gerade noch in der Lage...
Entspannt schlossen sich seine Augen, als er das angenehme, warme Kribbeln an seiner Schulter verspürte, und sich nach und nach neue Haut über der nur noch leichten Wunde bildete. Erst das Öffnen und Zufallen der Eingangstür ließ ihn seine Augen wieder öffnen, und kaum dass er aufblickte sah er auch schon Taralea vor sich stehen. Ihr Zustand war am Abend der Schlacht wesentlich ernster gewesen, und dennoch war die Erschöpfung in ihrem Gesicht kein Vergleich zu der Blässe, die in Janus' Miene innewohnte. Doch war es eine großer Erleichterung für ihn, sie auf den Beinen und unversehrt zu sehen, auch wenn er wusste, dass nun ein Gespräch anstünde. Denn noch hatten sie nicht viel über die Vorkommnisse und seine seltsamen Veränderungen gesprochen, und er sah Taralea deutlich an, dass er sie nicht davon abbringen könnte, zu versuchen, ihm zu helfen. Und womöglich... ja, womöglich war sie sogar dazu in der Lage. Dass die Hexen mächtig waren, das wusste er spätestens jetzt nur zu genau.

So verließen sie gemeinsam die Heilerhütte und gingen nach Hause, und auch wenn sich Janus sehr unwohl dabei fühlte, allein mit Taralea zu sein, ließ das traute Heim doch eine gewisse Wärme in ihm aufsteigen. Er hoffte nur, dass er sich unter Kontrolle halten konnte, solange er mit ihr allein war. Mit Tee bewaffnet ließen sie sich auf die weichen Sessel sinken und begannen zu reden... darüber, was mit ihm geschehen war, darüber, woran er sich erinnern konnte... und auch darüber, wovon er träumte. Er erzählte ihr von dem ersten Mal, als er die Kontrolle verlor, von dem furchteinflößenden Gesicht, dass er Nacht für Nacht vor Augen sah, und von den finsteren, bösen, pechschwarzen Augen, die sich drohend durch seinen Geist bohrten. Janus' Erinnerungen an seine Träume waren nur trüb, einzig dieses Gesicht sah er auch am Tage deutlich vor sich. Doch eben diese Tatsache schien Taralea hellhörig werden zu lassen. Auch Nuria hatte angedeutet, dass Träumen zumeist eine tiefere Bedeutung zuzusprechen ist, und so hakte Taralea nach. Bis eine Aussage von ihr ihn stocken ließ:

“Ich will mir deine Träume ansehen”

Seine Träume ansehen? Er war skeptisch, doch erahnte er die Antwort bereits, als er zu der Frage ansetzte, wie sie dies anstellen wolle.
Es beeindruckte ihn, dass sie zu solcherlei Dingen fähig war, und doch war er sich nicht wohl dabei. Auch wenn er sich an seine Träume nicht klar erinnern konnte, sprach doch allein die Tatsache dafür, dass er immer und immer wieder aus ihnen aufschreckte, dass es keine guten Träume waren. Und er wusste nicht, inwieweit eine solche... Traumreise... gefährlich sein konnte. Insbesondere dann, wenn es sich um keine gewöhnlichen Träume handelte. Und eben dies schien doch der Fall zu sein, warum sonst solch eine Traumreise durchführen?
Taralea jedoch bestand darauf, selbst wenn Janus widersprechen wollte, würde er so oder so gegen eine Wand laufen. Womöglich wäre sie ja imstande, tatsächlich in seine Träume zu sehen und unter Umständen gar die Ursache dessen erkennen zu können.

“Ich werde dir jedoch kein Schlafmittel geben können, du musst auf herkömmlichem Wege einschlafen.”

Leise seufzte er auf, als er diese Worte vernahm. Er hatte gerade erst beinahe 2 Tage lang durchgeschlafen... oder hatte es zumindest 2 Tage lang durchgehend versucht. Nun wollte er vieles, aber nicht einschlafen. Es würde sich also noch einige Stunden hinziehen, bis sie die Traumreise in Angriff nehmen konnten. Doch würde er diese Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen..
Er stellt den noch halbvollen Teebecher auf das Bücherregal und erhob sich. Vielleicht wären sie wirklich in der Lage, in der kommenden Nacht etwas über die Ursache seiner Träume und dieser Anfälle herauszufinden. Bis dahin jedoch, und dieser Entschluss war rasch gefällt, würde er einer anderen Vermutung nachgehen. Keine gewöhnliche Krankheit war es, mit der Janus zu kämpfen hatte. Es hatte magischen Ursprung, dass sich etwas Fremdes seiner bemächtigte, und so war vielleicht die Magie der Schlüssel dazu. Was, wenn das Wirken von Magie Janus die Kontrolle verlieren ließ?
Es gab nur einen Weg, dies herauszufinden, und nebenbei sicherzustellen, dass er auf diesem Weg niemanden, oder zumindest keinen Menschen, in Gefahr brachte...
Helena Velheyn

Beitrag von Helena Velheyn »

Seufzend lies sich Helena auf ihr Bett fallen und starrte die Decke an. Nagut, sie hatte eigentlich selbst mehr als genug Probleme die zu bewältigen waren, aber nichtsdestotrotz hatte sie Janus irgendwie in ihr Herz geschlossen, alleine schon seiner ruhigen und jovialen Art wegen, sodass es sie langsam besorgte wie sehr er sich veränderte. Er wirkte kraftlos und ausgemergelt, mehr wie ein Schatten seiner selbst als wie der aufstrebende junge Magus, der er eigentlich war. Von allen Dingen, von denen sie mitbekommen hatte dass Janus sie machte, hatte sie immer bewundert wie energisch er im Allgemeinen gegen die Diener Krathors vorging, die sich in Bajard tummelten und förmlich darauf warteten von ihm entweder des Dorfes verwiesen oder mit grober Gewalt aus dem Dorf entfernt zu werden. Jetzt sah er nicht mehr viel besser aus, als die bizarren Gestalten, die er für gewöhnlich zur Strecke brachte.

„Und wenn mir einfällt, dass Ihr etwas für mich tun könnt, dann werde ich es Euch wissen lassen…“, äffte sie ihn leise nach und rieb sich die Schläfe. Ihr Angebot war ehrlich gewesen, wieso nur weigerte er sich so sehr über seine Probleme ins Detail zu gehen? Gut, vielleicht weil es sie nichts anging, oder weil sie keine Ahnung hatte, was zutreffend war wenn es, wie er sagte, ein hochgradig komplexes magisches Problem war. Trotzdem. Vielleicht wäre ihr ja etwas eingefallen, womöglich würde es auch einfach helfen einmal nur zu reden. Zumindest das konnte sie beizeiten ja ganz gut.
Nein, nein, nein. Janus wollte zu seinem Glück gezwungen werden, da war sie sich ganz sicher.

Mit einem Ruck richtete sie sich auf und schlenderte durch das Gasthaus bis zur Küche, wo sie sich erkundigte, ob sie jene einmal nutzen dürfe. Tatsächlich hatte sie sich nicht oft zum Backen hinreissen lassen, wozu auch, wenn man Gebäck von Leuten kaufen konnten, die dazu eher in der Lage waren. Trotzdem aber wollte sie Janus zeigen, dass sie sich von Herzen bemühte ihn zumindest ein wenig aufzumuntern. Voller Tatendrang ergriff sie diverse Schüsseln und Zutaten, von denen sie glaubte, dass sie in ordinäre Kekse hineingehörten, und machte sich ans Werk. Zwar besaß sie mittlerweile vielerlei Rezepte, durchaus auch welche für Naschwerk, nur änderte es nicht all zu viel daran, dass sie erstens kein Talent hierfür besaß und zweitens sich nicht zu genau an die Maßangaben hielt, sondern eher nach eigenem Gutdünken Mehl, Zucker, Eier, Butter und alles was sie für richtig hielt, in den Bottich warf. Glücklicherweise sah sie davon ab bizarre Kompositionen wie Leberwurst-Honig-Schokoladen-Kekse zu fabrizieren, in der Tat, hier hatte sie Skrupel was die Experimentierfreudigkeit anging.

Das Resultat roch gar nicht mal so schlecht, schmeckte auch ganz passabel, war allerdings durch und durch staubtrocken und an den Ecken verbrannt. Skeptisch musterte Helena die nicht so ganz formschönen Kekse und kam ins Grübeln. Über das Grübeln hinaus kam sie allerdings nicht. Die Kekse waren genießbar – nicht zu verwechseln mit lecker – und darüber hinaus mit viel Liebe und Mühe selbstgemacht, sodass sie wenig später ihren Weg in ein Körbchen fanden, welches Helena, mit einem Baumwolltüchlein leicht zugedeckt, auf die Treppenstufen seines Hauses stellte, anklopfte, und sich schleunigst auf den Weg machte. Er musste ja nicht wissen wer die Kekse bei ihm ausgesetzt hatte. Es würde reichen wenn er wusste, dass jemand an ihn denkt.
Nuria Mondin
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Beitrag von Nuria Mondin »

Nuria hatte wirklich viele Sorgen... neue Schwestern, ungestüme Freunde, die sich von den Anguren halb totschlagen ließen und dann auch noch ein mit Wolken zugezogener Himmel, der die Sternbeobachtung erschwerte... aber auch der Schlaf von Janus war nicht gerade das, was sie als gewöhnlich bezeichnen konnte. Sie konnte sich nicht erinnern, wann jemand derart unruhig schlief, aufschreckte... es schien, als würde er von einem Alptraum in den nächsten geraten. Und sie konnte sich denken, dass dies an Taralea sicher nicht vorbeigegangen war. Dazu noch sein Einschlafproblem... Und so gut sie ihre Freundin und langjährige Weggefährtin kannte, so wusste sie, dass diese der Sache sicher würde auf den Grund gehen wollen - sie selbst hätte nicht anders gehandelt. Neben dem Ärger über ihre unüberlegte Aktion gesellte sich nunmehr Sorge über das nächste, was sie sich nun sicher in den Kopf setzen würde. Und sie fasste einen Entschluss: Sie würde sich bei nächster Gelegenheit noch einmal gründlich mit ihr auseinandersetzen - und darauf bestehen, dass sie in Sachen Traumforschung dieses Mal auf Nuria hören und sie darüber wachen lassen würde, dass ihr Geist nicht auf ungeplante Weise abhanden käme.
Zuletzt geändert von Nuria Mondin am Montag 3. November 2008, 15:01, insgesamt 1-mal geändert.
Larissa Feanaro

Beitrag von Larissa Feanaro »

Ruhe... dies war das, was sie eigendlich gebraucht hätte. Aber anstatt, daß jene einkehrte, kamen immer neue Probleme hinzu.

Neue Aufgaben, mit welchen sie sich auseinander setzen mußte, neue Schwestern, welche die Proble scheinbar anzogen... die Anguren, von denen sie hoffte, daß diese zu beschäftigt und überrascht gewesen waren, um zu bemerken, was überhaupt wirklich geschehen war, Freunde, die nicht mehr sie selber waren... und Janus.

Noch immer hatte die das Bild Taraleas vor Augen, als jene ihr von den Ereignissen erzählte. Die Augen ihrer Freundin sprachen mehr, als ihre Worte es jemals zu sagen vermochten. Sie hatte ihr erzählt, was geschehen war, welche seltsame Wandlung mit Janus von statten ging.

Larissa hatte es sich angehört und wie ein Blitz schlug eine furchtbare Vermutung ein... der Grund, warum Janus sich so veränderte.... doch konnte es wahrlich sein?
Zögerlich, und in der Hoffnung Gegenargumente zu hören, äußerte sie ihre Vermutung. Schweigen... dann ein Nicken der Freundin. "Daran habe ich auch schon gedacht." Dies war gewiß nicht die Antwort, die die hatte hören wollen.
So standen sie dort, jede hing kurzzeitig ihren Gedanken nach. Es mußte etwas getan werden. Sie wußte noch nicht was, sie hatte bisher noch nie von einem ähnlichen Ereignis gehört... dennoch... sie mußten etwas tun.. und sie würden etwas tun.

Ihr Blick legte sich auf die Schwester, welche sichtlich verzweifelt vor ihr stand und sie nahm sie in die Arme.

"Wir werden es schaffen. Wir werden es zusammen ausstehen, und den Janus zurück holen, der hier her gehört. Du bist nicht alleine."
Kilyan Carnova

Beitrag von Kilyan Carnova »

Das kurze Treffen

Lange war es her, dass Kilyan durch die Straßen Bajard wanderte. Zu lange war er gefangen gewesen und zu lange konnte er seiner Umgebung kaum mehr Aufmerksamkeit schenken als einen kurzen Seitenblick im Tagesablauf eines Überlebenskämpfers. Doch an diesem Tag fand er wieder die Muße sich in Ruhe umzuschauen.

Nach nur wenigen Metern in der Stadt begegnete ihm Janus und dieser sah alles andere als gut aus. Er wirkte krank, schwach, müde, als würde etwas an seinen Kräften nagen. Die Melodien gaben leider auf einen kurzen Blick hin keinen Hinweis auf diese Veränderung und auch in seinem Gefühlsleben war offenbar alles beim Alten.

Nach einem kurzen Wortwechsel traten leider vielerlei Ablenkungen in dieses Gespräch, sodass Kilyan sich nicht näher mit diesem Problem einer seiner Freunde beschäftigen konnte. Aber er versprach ihn zu besuchen und sich dieser Sache etwas genauer anzunehmen. Dann würde er auch Taralea wiedertreffen und vielleicht auch andere Personen, die sich in letzter Zeit eventuell Sorgen um den treulosen Druiden gemacht haben.

Nur bis dahin gab es noch eine Menge zu tun...
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

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Zuletzt geändert von Mariella von Dornwald am Montag 3. November 2008, 17:24, insgesamt 1-mal geändert.
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