Die Mondscheinattentäterin

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Demoar Llastobhar

Die Mondscheinattentäterin

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Die letzten Tage hatten Demoar wahrlich geschafft. Wie gerädert fiel er in sein unordentliches Bett, würdigte den verwüsteten Raum um sich herum noch eines kläglichen Seufzers und vergrub den Kopf im Kissen.
Seitdem Silvan sich mit seinem ungebührlichen Verhalten aus der Akademie herauskatapultiert hatte, schien er für wahr alles daran zu setzen, Demoar in Misskredit zu bringen.

Dank einer gewissen Weitsicht hatte Marlan sich nicht vollends auf Silvans intrigante Lügenmärchen eingelassen und statt, wie offenbar verlangt, Demoar aus der Garde zu schmeissen, ihn für die Dauer der Klärung der Angelegenheit suspendiert. Inzwischen schien diese Angelegenheit erhebliche Kreise zu ziehen.
Nebenher fiel noch das Alltagsgeschäft der Akademie an und so kam Demoar kaum noch einmal dazu, einen ruhigen Abend in der Burg der Llastobhars zu verbringen. Abermals hatten ihn eben jene Angelegenheiten bis spät in den Abend hinein in der Akademie gefesselt und statt sich auf den langen Weg zur Burg zu machen, begnügte er sich damit, eine weitere Nacht in seinem Haus zu verbringen.

Wieder und wieder wanderten seine Gedanken um die letzten Tage, das Gespräch in der Taverne zwischen ihm und den drei Dragenfurts...
Das darauffolgende Gespräch zwischen ihm und der Arcovenefica...
Und das schlussendliche Gespräch mit Silvan... und all seiner Folgen...
Noch während er die Geschehnisse revue passieren ließ, verfingen sich seine Gedanken in Müdigkeit und er fiel in einen traumlosen, unruhigen Schlaf...

Das nächste, was ihn unbewusst aufzucken ließ, war ein Glühen seines Custos Imaginis. Jemand hatte einen einfachen Wächerzauber an seiner Tür ausgelöst. Kaum später hatte er den fein geschliffenen Dolch einer anmutigen Frau an der Kehle, die ihn noch schlafend wähnte. Der süßliche Duft und ihre gesamte Gestalt verrieten sie, trotz einer trefflichen Maskerade, sofort.
"Ich hätte nicht gedacht, dass du mich wirklich töten wollen würdest, Mariella"
Ein kurzes Straucheln in ihren Bewegungen und ohne zu antworten wurde die Klinge auf Demoars Hals zugestossen. Er hatte nie gegen sie Magie anwenden wollen, doch offenbar war es ihr ernst. Ein Lähmungszauber tat sein Nötigstes um die Attentäterin an ihrem Handeln zu hindern.
Er rappelte sich auf und setzte sich an die Bettkante. Sie schien außer sich vor Wut, vor geifernder Rachsucht nur so zu schäumen.

Ein "Feind der Familie" sei er, der ihr Blut verraten hatte.
Wie ein "kleines Kind" sei er petzend zu Reika gerannt.

Noch immer versuchte Demoar unablässig herauszufinden, ob es tatsächlich nur die Geschehnisse der vergangenen Tage waren, die Mariella zu ihrem Tun antrieben, oder ob ihr Bruder sie mit Lügenmärchen betäubt hatte. Sich dank des Zaubers in Sicherheit wähnend, umrundete er sie einmal und trat durch den Bogengang auf den Balkon. An das dunkle Geländer gelehnt, musterte er sie, wie sie in ihrer Starre nur tödliche Blicke in seine Richtung sandte.
Seine Gedanken wanderten unablässig hin und her, er überlegte, wie er sie von der Wahrheit hätte überzeugen können, doch sie schien sich gegen all seine Worte widerstrebend zu sträuben. Schließlich, ... er hatte es viel zu spät bemerkt, zuckte ihre Hand. Die Starre ließ nach und schon hatte sie den filigranen Dolch erhoben und in seine Richtung geschleudert. Vollkommen handlungsunfähig wankte Demoar nur noch einen Schritt zurück, stiess gegen die Brüstung und hatte sich kein Stück aus der Flugbahn gebracht. Der Dolch traf treffsicher seine Schulter und bohrte sich bis zum Griff in das Fleisch.
Keuchend sackte er auf die Knie, ein stechender Schmerz breitete sich binnen Sekunden in seinem Körper aus und betäubten ihn.

Kaum einen Augenblick später war Mariella auch schon an ihn herangehastet und hatte seinen Kopf an seinen Haaren zurückgerissen und seine Kehle freigelegt. Ein warmer tiefroter Blutschwall dran indes aus der Wunde, die um den Dolch klaffte. Siegesgewiss griff sie zu einem weiteren Dolch, deren sie an ihrem Gurt offenbar noch einige aufbewahrte. In diesem Augenblick drang ein gewaltiger Wasserschwall vom See neben ihnen auf den Balkon und prallte mit aller Wucht gegen die beiden. Von dem Geschehniss vollends überrascht, verlor Demoars Nächtliche Besucherin das Gleichgewicht und ließ ab von ihm. Er indes brach vollends auf den dunklen Holzplanken zusammen und die tiefrote Blutlache vermischte sich mit dem Wasser zu einem hellen rosafarmbenen Gewässer, das sich seinen Weg nun auch wieder in sein Schlafzimmer bahnte.

Aus dem Wasser, das er gerade recht gerufen hatte, formte er, noch immer auf dem Boden liegend, ein röchelndes Atmen in die Wasserlache auf den Planken entlassend, einen Elementar, der sich schützend neben ihn stellte.
Aus einiger Entfernung verweilte Mariella, die neue Situation abschätzend.
Der zunächst geworfene Dolch prallte an einem jäh vereisten Körper ab, der sich zwischen Demoar und Mariella stellte und kurz darauf wieder zu monoton fließendem Wasser wurde.

Unablässig drang der warme Blutschwall um die Wunde heraus und aufgrund der Gefahr eines Bewusstseinsverlusts umgriff er schließlich den Dolch und sprach einen einfachen Heilzauber, der die Wunde grob versorgte, die Blutung vorerst beendete, doch aber den gesamten Dolch in seiner Schulter verwachsen ließ.
Ihrem Gesichtsausdruck konnte er eine eigenartige Mischung aus abgrundtiefer Verachtung und der Überlegung, wie sie seiner am besten habhaft werden konnte, entnehmen. Noch immer tobte ein eher wenig konstruktives Wortgefecht zwischen den beiden, Demoar immernoch in der Hoffnung, sie überzeugen zu können.
Als sie wieder und wieder mit Attacken begann, würde Demoar schliesslich gewahr, dass er sie nicht würde überzeugen können. "Wir kommen zu nichts, du solltest gehen, Mariella"
"Ich gehe nicht, ohne zu bekommen, was mir gehört", meinte sie knapp, mit einem Nicken auf Demoars Schulter hin. Ein paar bedrohliche Schritte auf ihn zu, hatte Demoar eine schützende Wand zwischen sich und sie gebracht... wer hätte in dieser Situation ihre wahnsinnigen, rachlüsternen Gedanken erahnen können.
Mit einem griff in ein nahes Lederbeutelchen, das auf seiner Komode stand, holte er eine Hand voll grauen Staubes hervor und bestreute den Dolch, der ihm aus der Schulter ragte. Ein kurzes verräterisches Glimmen seiner Kette später, riss er den Dolch mit aller gewalt aus der Schulter und öffnete somit wieder die verschlossene Wunde.
Der Dolch fiel ihm aus der Hand, und von dem Schmerz beinahe bis in die Ohnmacht getrieben, sackte er abermals zusammen.

Zögernd trat Mariella auf ihn zu und nahm den Dolch. Dennoch setzte sie diesmal nicht zu einem Schlag auf seine Kehle an, sondern fuhr nur mit einer, der Situation zum Trotze, sanften Handbewegung an seinem Kinn entlang und murmelte: "Wir sehen uns wieder.. und dann geht es anders aus"
Zuletzt geändert von Demoar Llastobhar am Donnerstag 23. Oktober 2008, 10:34, insgesamt 2-mal geändert.
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Wie konnte sie nur so dumm sein? So unbedacht?

Im Nachgang fielen ihr die vielen kleinen Fehler auf, jeder einzelne hatte ihrer Mission den Erfolg gekostet und zudem auch noch ihr Leben gefährdet.

Wutschnaubend tigerte sie durch ihr Zimmer, strich an den Fenstern vorbei und versuchte irgendwie durch die monotonen Schritte etwas Ruhe in ihren Kopf zu bekommen.
In der Ferne begann der Himmel am Horizont bereits seine dunkle Farbe abzustreifen und das Land in ein schwaches Grau zu tauchen. Es war eine lange Nacht gewesen.

Zuerst ihr kleiner Ausflug in das Haus eines Erzmagiers. Wirklich, großartige Idee, Mariella. Hatte sie tatsächlich gedacht, es wäre nicht gesichert gewesen? Für einen Moment hatte sie sich tatsächlich gefreut, dass alles so leicht erschien. Bis.. ja, bis ihr dieses verdächtige blaue Flimmern am Schloss aufgefallen war. Zu spät.

Er hatte sie erwartet. Hatte versucht, mit seinen Worten ihren Verstand zu vergiften, sie an ihrer Familie zweifeln zu lassen. Zugegeben, seine Argumente klangen schlüssig und für einen Moment war sie verführt, Zweifel zuzulassen. Doch am Ende siegte das Band des Blutes. Er hatte sich gegen ihre Familie gestellt, ihre Wurzeln, ihre gefühlte Burg. Schon war die Wut wieder aufgeflammt und seine abschließende Beleidigung war der berühmte letzte Tropfen.

Am Ende hatte sie erkennen müssen, dass Magier nicht einfach so starben. Also ging es an die Schadensbegrenzung. Sie brauchte ihren Dolch zurück, war er doch einzig möglicher Beweis für Demoar. Beachtlich, wie sehr er dies zu verhindern suchte, doch nun ging es um mehr als nur ein Leben. Irgendwie schaffte sie es, die Klinge wieder in ihren Besitz zu bekommen, als der jugendliche Leichtsinn erneut durchbrach und sie zu einem eher unüblichen Abschiedgruß verführte. Dann verschwand sie in die Nacht.


Sie schlich sich wie eine Diebin in ihr eigenes Heim. Das Haus lag in friedlicher Stille. Offensichtlich steckte Costance wieder in der Akademie die Nase in ihre Bücher. Mariella sah zu, dass sie ins Bad kam und die verräterischen Spuren losward. Blut und Wasser hatten sie besudelt, sie roch wie eine Hafenmörderin.
Nicht mal eine halbe Stunde später war sie wieder sie selbst: eine junge, ansehnliche Dame aus hochadeligem Hause, gewandet und frisiert, wie es einer der ihren zustand. Sie ließ sich seufzend in die Leseecke sinken und wollte gerade die düsteren Gedanken verscheuchen, als es an der Türe läutete. Wer, um diese Zeit? Mariellas Magen zog sich leicht zusammen. Er würde doch nicht...?
Irgendwie gelang es ihr, sich die Erleichterung nicht ansehen zu lassen, als die Baroness von den Nebelauen vor ihrer Türe stand. Es wäre wohl ob der nahenden Panik in den Zügen der Baroness ausgesprochen unangemessen gewesen. Wieder zog sich der Magen der Freiin zusammen, als sie den Grund für ihren doch recht ungewöhnlichen Besuch nannte: Der Freiherr von Avaryn benötigte ihre Hilfe. Bis hier hin konnte Mariella noch normal amten. Als dann aber der Ort genannt wurde -die Burg Llastobhar- sah die Sache schon anders aus.
Bittere Ironie des Schicksals. Erst brachte sie Demoar beinahe zu Fall und nun war sie genötigt, sein Leben zu retten. Für eine Sekunde dachte sie darüber nach, Constances Giftvorrat um eine Flasche zu erleichtern, doch diesmal siegte die Vernunft. Es würde wohl kaum möglich sein, vor den Augen aller Retter, diesen Geniestreich zu vollbringen.

Die Baroness zog Mariella hinter sich auf ihr Pferd und schon pfiff der Wind durch ihre Haare. Eile war geboten, doch weder die vorbeirauschende Landschaft noch das eilige Klappern der Hufe nahm sie wirklich wahr. Die innere Anspannung war kaum zu ertragen.
Wie hatte er sie genannt? Racheengel?Verflucht, nun würde sie wohl mehr Engel sein müssen, als zu ihrer Rache zu kommen. Innerlich war sie darauf vorbereitet, dass er mit dem Finger auf sie zeigen, sie lautstark anklagen würde. Doch es geschah nichts. Er wechselte einen Blick mit ihr, doch er schwieg. Niemand nahm sie in Gewahrsam, alle schienen einfach nur erleichtert, dass dem Verletzten von einem sehr routinierten Medicus in Gestalt des Freiherren geholfen wurde.

Der Verletzte wurde hineingeschafft, die Wunde gesäubert und vernäht. In der Zwischenzeit hatte sich Silvan eingefunden, der das Geschehen recht nüchtern verfolgte. Er war es auch, der sie schließlich aus der Festung lootste, ohne zu wissen, welchen Gefallen er seiner Schwester tat.

Ein nächtlicher Spaziergänger hätte sicher Gefallen an dem Geschwisterpaar gefunden, wie es da einträchtig nebeneinander in der einsamen Wandershütte saß. Doch hätte er sich genährt, hätte Wortfetzen aufgeschnappt, es wäre ihm kalt den Rücken hinabgelaufen. In nüchterner Ruhe analysierte Silvan die Fehler seiner Schwester, zeigte ihr auf, mit welchen Kleinigkeiten ihr Anschlag zum Ziel geführt hätte und er war es auch, der sofort das weitere Vorgehen festlegte und so alle Beteiligten auf eventuelle Anschuldigungen vorbereitete.

Erst Stunden später, in der Stille ihres Zimmers, war ihr aufgegangen, welche Anerkennung in seiner Reaktion gelegen hatte. Der fehlende Wutausbruch, keine Strafe, im Gegenteil. Er hatte beschlossen, ihre Fähigkeiten zu fördern, nicht nur auf der politischen Ebene.


Rücklings ließ Mariella sich auf ihr großes weiches Bett fallen und starrte an die Decke. Es war unvermeidlich, Demoar aus dem Weg zu gehen, eine Tatsache, die nicht gerade Freudensprünge hervor rief. Auch wenn sie so großspurig abgerauscht war, in einer Sache hatte dieser verfluchte Magier recht behalten: Sie steckte es nicht so locker weg, wie sie von sich selber gedacht hatte. Hier, in der Sicherheit ihrer eigenen Wände begannen die Knie zu zittern, das Herz schlug schneller. War das ihr Weg? Wollte sie sich die Finger auf diese Weise auf ewig mit Blut besudeln? Es war eine Sache, sich Zugang zu verschaffen, eine andere, die Klinge zu führen. Unweigerlich glitt ihr Blick zu dem Tisch, auf der besagter Dolch lag. Frisch gereinigt und geölt, nicht die kleinste Spur erinnerte an seinen zweifelhaften Einsatz. Auch die Rüstung war ausgebürstet und trug kaum mehr als die Erinnerung an Streifzüge durch die Höhlen. Jetzt musste sie nur noch Ordnung in das Chaos ihrer Gedanken bringen, die nächsten Schritte sorgsam planen - denn nur so konnte das Spiel anders enden.
Shanna Llastobhar

Beitrag von Shanna Llastobhar »

Langsam, nur sehr langsam zunächst, doch mit wachsender Gewissheit erkannte Shanna, dass Demoar etwas verschwieg.
An dem Abend, als Demoar blutend, zitternd und völlig entkräftet durch ein magisches Portal in den Hof der Dornenfeste fiel, hatte sie keine Zeit gehabt darüber nachzudenken. Er atmete stoßweise, seine Haut hatte einen blasseren, fast gläsern glänzenden Ton angenommen und aus seiner Schulterwunde rann unablässig Blut. Während Shanna ihm ein Tuch auf die klaffende Wunde presste, beugte sie sich zu ihm herab. „Demoar, hörst du mich?“, hauchte sie ihm leise zu. Seine Augenlider flatterten unbeständig, gleich kleinen Vögeln in einem Käfig. Nach einigen Moment murmelte er gedankenverloren: „Shanna, du siehst gut aus…“ Vorsichtig reinigte sie sein Gesicht mit einem feuchten Tuch, während Cathal auf seinem Pferd aus dem Tor sprengte, um einen Heiler zu suchen. „Shhhh, ganz ruhig. Ich bleibe hier und kümmere mich um dich.“. Während Demoar so hilflos keuchend, so ungewohnt schwach und entkräftet vor ihr lag, überflutete Shanna plötzlich wie ein Schwall kalten Wassers die noch ungestellte Frage: „Demoar, was ist passiert?“. Langsam und scheinbar unter größter Kraftanstrengung öffnete er seine Augen und presste gestammelt hervor: „Ich… ein… ein Klingengeist.“. Abermals warf Shanna einen kurzen Blick auf seine Verletzung. Sie kannte ihren Cousin, sie kannte seine Kräfte, er war Erzmagus, ein Klingengeist stellte keinerlei Schwierigkeiten für ihn dar. Zudem kannte Shanna Klingengeister, ihre Art zu verletzen waren drehende Klingen, nicht das Stechen. „Du glaubst ja wohl nicht, dass ich dir das abnehme, oder? Was ist dir wirklich passiert?“, erkundigte sie sich mit noch immer sanfter, doch deutlich dringlicher Stimme. Die Antwort blieb jedoch die gleiche. So begnügte sich Shanna damit ihm weiterhin beruhigend über den Kopf zu streichen und das Tuch auf seine Wunde zu pressen bis Cathal mit dem Freiherrn von Avaryn zurückkehrte.

Sorgenvoll betrachtete Shanna ihren Cousin wie er halb bewusstlos auf dem Bett im Lazarett der Dornenfeste lag, umschwirrt von dem Heiler und zahlreichen Helfern. Irgendwie kam ihr Demoar in diesem Augenblick besonders schwach und einsam vor. Der Raum war erfüllt von einer Unzahl unausgesprochener Emotionen, von denen Shanna nicht alle zu deuten vermochte. Cathal hielt seinen Cousin mit besorgter Miene auf der Liege fest, der Freiherr von Avaryn arbeitete rasch, ruhig und präzise an seiner Verletzung, die Baroness Mara von den Nebelauen flüsterte dem Liegenden leise etwas ins Ohr, ihre Miene verriet ihre Vertrautheit, Zuneigung und Sorge um Demoar. Ihre Schwester Finja von den Nebelauen vernähte die Wunde geschickt und genau, doch war ihr ihre Aufregung anzumerken. Die Gefühle der Freiin Mariella von Dragenfurt vermochte Shanna am wenigsten zu deuten, nur einmal fanden ihre Augen den Weg zu Demoars Zügen, doch er wand sogleich den Kopf ab, als er es bemerkte. Einige Stunden arbeiteten sie an der Wunde bis Demoar schließlich der Ruhe und dem Schlaf übergeben wurde.
„Warum sollte Demoar uns etwas vorspielen?“, fragte sie später Cathal, als wieder Stille in der Burg eingekehrt war. „Ich weiß es nicht, Shanna. Aber ich gebe dir Recht. Ich wurde schon des Öfteren von einem Klingengeist verletzt und das sieht mit Sicherheit anders aus als die Wunde, die er hat.“. Der Ritter seufzte. „Der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Bis diese Hochzeit vorbei ist, werden wir keine ruhige Minute mehr hier haben. Und nun auch noch das...“

Am nächsten Abend fand Shanna Demoar am Kamin der Bibliothek sitzen. Sein Arm war, wie vom Freiherrn von Avaryn angeordnet, in einer Schlinge, sein Blick wirkte noch etwas glasig. Neben ihm kniete sich Shanna nieder, eine Hand auf sein Knie legend. „Demoar…“, setzte sie leise an, „Wer war das?“. Viel zu hastig und gestammelt, kam seine Antwort: „Es… es war ein… ein Dämon.“. „Demoar, hör mir zu. Wenn du jemanden schützen willst, bitte. Aber mach nicht den Fehler unsere Intelligenz zu unterschätzen.“. Scheinbar resignierend senkte er den Kopf und seufzte leise, ehe er erwiderte: „Gut, dann einigen wir uns darauf, dass es kein Dämon war.“ „Ich verstehe dich nicht. Wir sind dein Blut, wir wollen für dich da sein. Und wir würden auch nichts tun, was deinen Wünschen widerspricht.“ Abermals seufzte der Erzmagus, ehe er gepresst hervorbrachte: „Das ist alles nicht so einfach.“. Deutlich erkannte Shanna seine Bedrückung, seinen Kampf mit sich selbst. „Das verstehe ich. Aber was auch immer dich mit demjenigen, der das getan hat, verbindet. Halte dir vor Augen, dass derjenige dich töten wollte und es auch beinahe geschafft hätte. Welche Motive jene Person auch immer gehabt haben mochte, es kann seine Tat niemals rechtfertigen. Niemals!“, erklärte sie ihm mit eindringlicher Stimme. Die Verbitterung in Demoars Stimme war zu deutlich, um überhört zu werden, als er erwiderte: „Uns verbindet nichts mehr! Es ist nicht klug gegen sie vorzugehen. Ich habe keine Beweise mehr.“. Für Shanna gab es nur eine Antwort: „Das ist mir egal, Demoar. Ich glaube dir, glaube deinen Worten, denn du bist von meinem Blut, meine Familie.“ „Mariella von Dragenfurt wollte mich töten.“

Dies war also die ganze Wahrheit, die ganze schmutzige Wahrheit. Mariella hatte versucht Demoar aus Zorn darüber, dass er und die Leiterin der Academia Arcana ihren Bruder Silvan von Dragenfurt der Akademie verwiesen hatten, zu ermorden. Diese giftige, falsche Schlange. Shanna empfand nichts anderes als Verachtung für die junge Freiin.
Mariella war nicht die einzige Person auf dieser Welt, die bereit war für ihre Familie zu kämpfen. Sie und ihr Bruder sollten ihren Krieg bekommen, den sie scheinbar so gierig zu erlangen suchten. Sie sollten spüren, was es heißt den Zorn der Familie Llastobhar zu beschwören. Blut ist dicker als Wasser…



Wer Wind säht, wird Sturm ernten.
Antarian von Weylenstein

Beitrag von Antarian von Weylenstein »

Plagende Gedanken;

Sie kamen auf Ihn zu obwohl Sie wussten das er um die Gunst der Mondscheinattentäterin sucht. Sie haben soviel vertrauen in die Justiz und Ihrem Richter. Sie kamen zu Ihm der sein ganzes Leben auf Recht und Gesetz aufgebaut hatte. Ein Leben das Ihm nicht nur zum Edlen machte, sondern verdient genug um in den Stande des Adels erhoben zu werden. Er der Sohn eines Bauern. Doch „Macht und Einfluss“ lassen den Charakter verderben. So hat die Verderbtheit auch schon ihn eingeholt? War er nicht stark genug gewesen um Ihr zu widerstehen?

Sie hatte eindeutig einen Fehler gemacht, zu schnell gehandelt. Sie wollte Ihre Familie schützen. Wer würde das nicht machen? Würde sie so etwas auch für Ihn tun. Oder war er nur ein Spielball einer kleinen Viper die das beste aus der Situation für sich und Ihre Familie versucht heraus zu schlagen? Ein Mittel zum Zweck. Dienlich war er Ihrer Familie schon in der Vergangenheit gewesen. Doch durfte er seine Macht, seine Ämter so missbrauchen nur um seinen Begierden nach zu gehen? Genau das war es das Ihn antrieb, die Lust. Oder war aus der Lust schon mehr Geworden? Er wollte Sie haben. Nein, er wollte Sie „Besitzen“.

Doch wenn er Sie einmal hat, ist Sie dann überhaupt noch Interessant? Aus seinen Vergangenen Beziehungen hatte er lernen müssen, nachdem die Frau erobert war, haben Sie alle schnell ihren Reiz verloren. Müsste er sich nicht Gedanken machen selbst Irgendwann des Nachts die Klinge am Hals zu haben wenn er Ihr nicht mehr Dienlich ist, oder mit der Zeit einfach die Gefühle versiegen. Immer vorausgesetzt Sie besitzt überhaupt Gefühle für Ihn. Sie war eine Meisterin der Tausend Masken. Wie so viele des gebürtigen Adels. Niemals kann man sich sicher sein wer Sie im Augenblick ist. Er wusste nur eines, für Ihre Familie tut Sie alles. Für ihm stand von Anfang an außer Frage das Sie es sein musste, dafür kannte er Sie dann doch gut genug.

Abgestritten hatte Sie es zum Ende des Gesprächs auch nicht mehr. Sie war schuldig. Doch eine Schuld die Ihm sein Sachverstand klar deutlich legte die vor Gericht kaum zu Beweisen ist. So er sich gegen Sie wendet, so würden die Chancen besser stehen. Doch wären Sie gut genug? Nein, so man Ihr einen Strick reichen will brauch man weit aus mehr, dafür war er lange genug Richter gewesen. Die Frage für Ihn war nun; Ist der Bruch der gestern entstanden ist es Wert wieder gerade gebogen zu werden? Oder soll Er nochmal bereit sein alles zu Investieren. Doch was wollte Er im Leben eigentlich? Hatte er seine Ziele und Ideale so schnell Verraten um gelüsten nachzugehen?

Am grabe der Königin Anara von Hohenfels schwor er einst seinen Eid aufs Reich. Es zu schützen, vor jeder Art von Intrige und Verrat. Das Recht und Gesetz zu waren. Doch wie oft hatte er die Gesetze schon gebogen in der Vergangenheit nur um eigenen Privaten Zielen dienlich zu sein? Der Dolch konnte nicht Gefunden werden, was auch immer mit Ihm passierte. Sie war aus dem Schneider. Egal was er nun macht. Für ihn stand nur noch die eine Frage, sie ziehen lassen oder nochmal um Ihr Herz zu kämpfen?

Er war Richter, wenn man Ihm nicht Vertrauen kann, wem sonst?
Wenn er nicht Gerechtigkeit walten lässt, wer dann?
Zuletzt geändert von Antarian von Weylenstein am Samstag 25. Oktober 2008, 14:42, insgesamt 3-mal geändert.
Mara von den Nebelauen

Beitrag von Mara von den Nebelauen »

Aus dem Saal erklang der melodische Gesang der Bardin. Taktvoll und wohltuend. Hier draußen war er gedämpft, umso klarer sog Mara die kalte, frische Nachtluft in sich hinein. Der Blick war zu den Sternen gerichtet, die, im beinahe schwarzen Firmament, noch immer nicht ihre Phantasie ersticken konnten, die Augen Temoras in ihnen zu sehen.

Langsam legte sie ihre Hände um die Oberarme, seicht gegen die Kälte darüber reibend.

Die Klänge im Inneren der Burg waren ruhiger geworden und ließen Maras Gedanken schweifen. Der Sturm, der in ihr wehte, wollte sich nicht mehr legen. Jeder Atemzug schien ihn neu zu entfachen.
Die letzten Tage hatten derlei viel mit sich gebracht, dass sie ihre Gedanken, zwischen den lachenden Gesprächen im Schloss, nicht mehr sortieren konnte.

Eben noch war sie an Mariella vorbei getreten, hatte die feinen Züge der edlen Herkunft in ihrem Gesicht gesehen und sogleich einen dumpfen Schmerz empfunden. Sie glaubt Demoar, zumindest ihr Gefühl tat es. Und so sehr die Erziehung gegen sie strömte, schaffte sie es, vorsichtig zu sein. Die Erziehung hatte sie gelehrt, nie zu schnell zu urteilen, nie zu unüberlegt zu handeln. Und sie sah ihren Vater vor sich stehen, der mit seinen Augen, von Weisheit erfüllt, ihr die nötige Contenance schenkte.
Er, Wilbert von den Nebelauen, hätte Mariellas Tat, so sie bewiesen würde, niemals geduldet. Und dennoch hätte er solange Ruhe und doch Obacht gewahrt, bis die Schuld erwiesen galt.

Wie konnte eine ihres Standes, ihrer Herkunft, nur auf derartig bestialische und feige Weise handeln? Wo war der Begriff der Tugenden in diesem makaberen Spiel geblieben?

War denn alles wertlos, was Mara für derartig wertvoll hielt? Ehre, Ehrlichkeit, Weisheit und die Funktion des Vorbildes. Frevelhaft war derartiges Verhalten. Gleichsam Silvan. Beide bekleideten so hohe und bedeutungsschwere Ämter, die voll der Macht waren.
Mara rieb sich die Arme, ein kalter Schauer lief ihren Rücken hinab. Macht…
Wie gefährlich diese in den falschen Händen sein konnte.
Silvan hatte, so die Erzählungen stimmten, öffentlich die Akademieleitung und Lehre angeprangert. Er war es, der seine Etikette und Herkunft vergessen hatte. Die Exmatrikulation aus der Akademie war gewiss gerechtfertigt, so diese Tatsachen Wahrheit fanden.
Welch unüberlegter Akt, nun Demoar in Misskredit bringen zu wollen. Die Suspendierung aus der Garde war die Tat eines beleidigten Kindes, doch aber keines Hochgeborenen, der derartige Ämter bekleidete.
Gestern, im Hause Llastobhar, hatte sie sich geschämt. Die Familie von Dragenfurt schien den gesamten Stand des hohen Adels in Misskredit zu bringen.

Macht…


Welchen Wert konnte blutgetränkte Macht haben?
Temoras Tugenden waren mit Füßen getreten worden und nur aus Respekt der Gräfin von Winterfall, aus Respekt der Familie Llastobhar, hatte sie auf jedwede Äußerung bei dem Ball verzichtet. Doch ihre Zunge brannte, sie brannte wie Feuer.
In ihrer Brust ballten sich die Emotionen, die Scham und die Hilflosigkeit.

Gerade als der Sturm auszubrechen drohte, da eine glühende Röte auf ihren Wangen Einzug erhielt, vernahm sie, wie von Ferne, eine Stimme.
Die Stimme war ihr vertraut, wenngleich sie erst gestern zum ersten Mal an ihr Ohr gedrungen war. Shanna…

Und mit Shanna beruhigte sich der Sturm, wenngleich ein neuer, viel liebenswerterer Wind, in ihr aufwehte. Sanft und gänzlich wohliger.
Bereits als sie gestern im Hause Llastobhar war, hatte sie es wahrgenommen, auch wenn sie es nicht in Worte zu fassen fähig gewesen war.

Die Familie Llastobhar hatte ihr für einen Moment das Gefühl von zu Hause geschenkt.
Soviel der Liebe, Ehrlichkeit und Fürsorge, hatte sie zuletzt …..
Bevor Maras Gedenken an ihre Heimat abzuschweifen drohten, verdrängte sie jene.

Es galt nun, sich ihres Standes zu besinnen und als Vorbild zu gelten. Sie würde diesen Ball genießen und adäquat zu Ende bringen. Wenn sie schon nichts anderes tun konnte, wollte sie nun all ihre Bemühungen da hingehend bringen, den von Dragenfurt zu zeigen, das Adel verpflichtet.

Treue, Ehrlichkeit und Schutz dem Reich und seinen Vertretern. Treue dem Reich, Ehrlichkeit den Vertrauten, Schutz den Bedürftigen.

„Macht ist für jene, die sie erkämpfen müssen. Respekt und Vertrauen verdient man sich im Zeichen seines Angesichts – im Gleichgewicht der Welt.“

Blut...

Das adelige Blut ihrer selbst würde gegen jene vergossen werden, die nach Macht strebten. Ihre Klinge würde singen, wenn jene, die dem ausgeliefert wären, Bedrohung fänden. Und ihr Leben würde in das ewige Reich ruhmreich Einzug halten, wenn die Tugenden Temoras bedroht werden.

"Es gibt Dinge auf Erden, für die es sich zu kämpfen lohnt. Fern ab der Gier, weit entfernt der eigenen Interessen.
Es gibt Menschen, für die es sich zu sterben lohnt."
Mariella von Dornwald

Beitrag von Mariella von Dornwald »

Das Jagdhorn war geblasen worden. Die ersten Bluthunde waren auf der Suche. Sie hatte darauf gewartet, doch auf diesen Jäger war sie nicht gefasst gewesen. Eine weitere Nacht ohne Schlaf lag hinter ihr. Wenn sie nicht bald etwas zur Ruhe kam, würde die Schuld in Form von Schatten unter ihren Augen für jeden klar ersichtlich sein.

Die Ereignisse und Gefühle überschlugen sich. Doch ein Thema war in all dem Chaos präsent. Zweifel. War ihr Handeln so falsch? War es berechtigt? War sie blind für die Wahrheit gewesen? War sie ihrem Bruder zu treu?

Noch vor wenigen Tagen hatte die Wut, der unbenennbare Zorn das Blut in ihren Adern rauschen lassen. Nun aber fühlte sie sich wie gelähmt. Sie lag auf ihrem Bett, wünschte verzweifelt den Schlaf herbei, wenige Stunden des Vergessens. Eine einzige Last war von ihr genommen. Der Dolch war nicht mehr in ihrer Hand. "Sieh es als erledigt an", waren die Worte der Erlösung gewesen, gesprochen aus dem Munde des Mannes, dem sie ohne Zögern ihr Leben in die Hand gegeben hatte. Ohne Zögern, obwohl er die Zweifel in ihr genährt hatte. Er, der so treu zu ihrem Haus, ihrer Familie stand, hatte beinahe die gleichen Worte wie Demoar gebraucht. Das Schlimme daran: Bei jedem anderen Menschen unter Eluives Sonne hätte sie verächtlich abgewunken. Doch wenn dieser Mann offen Kritik bekundete...

Nach und nach war in ihr Hirn gesackt, dass Demoars Handeln nachvollziehbar war. Nicht gutzuheißen oder gar zu unterstützen, aber immerhin verständlich. Nun war das Kind in den Brunnen gefallen und es galt Schadensbegrenzung zu betreiben. Dabei war ein erstes Nagen ihres schlechten Gewissens und das immer noch feste Halten an die Treue zu ihrer Familie nicht unbedingt hilfreich, um die Gedanken zu ordnen.

Ja, und dann kam der Spürhund in Gestalt des Richters. Ein Richter, der den Schuldspruch bereits in der Tasche trug. Das Gespräch hatte sie härter getroffen, als sie es erwartet hatte. Nicht nur, dass die Fallen so schnell aufgestellt worden war, nein, das war zu erwarten gewesen. Das Auftreten dieses Mannes hatte sie verletzt. Sehr sogar. Natürlich, für ihn, dem sie in einem Anflug von Unbedacht und Vertrauen eine Facette an ihr gezeigt hatte, die besser unter Verschluss blieb, war es leicht, die nötigen Verbindungen zu ziehen: Er wusste um ihre Treffsicherheit, hatte ihr selber mit den filigranen Kunstwerken ein Leuchten in die Augen gezaubert. Er hatte erlebt, dass sie sich nicht wie ein Fanfarenchor durch den Raum bewegte und vor allem wusste er, dass ihre Familie für sie das Heiligste war. Außerhalb dieses Heiligtums war er der einzige Mensch, der diese Seite an ihr kannte. Jeder andere hatte sonst nur die reizende junge Adelige kennengelernt, die im Gegensatz zu ihrem Bruder meist ein Lächeln auf den Lippen trug und eher charmant als resolut auftrat. Das erste Mal in ihrem Leben erfuhr sie, wie wichtig die Regel war, die ihr seit der ersten Lehrstunde ihres Lebens immer und immer wieder eingetrichtert worden war: Die Fassade, Mariella, achte auf die Fassade. Wahrlich, darin war sie meisterlich.

Es war kein Wunder, dass ein Mann mit seinem Verstand und seiner Erfahrung eins und eins zusammengezählt hatte... aber verflucht, er hatte nichtmal in Erwägung gezogen, dass sie zu Unrecht beschuldigt wurde. Er stand vor ihr, wollte ihr Vertrauen, erwartete, dass sie ihr Schicksal an ihn übergab. Mit einer Anklage. Keine Frage, keine Bitte. Er verlangte. Beweise deine Unschuld, sonst ist die Sache klar.
Bei jedem gemeinen Dieb galt die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen wurde. Hier lagen die Dinge anders. Sicher, dass die Familie Demoars so dachte -ihr waren die Blicke auf dem Ball nicht entgangen, auch wenn sie feinsäuberlich darüber hinweg gegangen war- war verständlich. Wer, wenn nicht sie konnte die Gedanken nachvollziehen? Doch er? Wenn all seine Worte der Vergangenheit nicht Süßholzgeraspel gewesen war, verdammt, dann hätte er gefragt, gebeten, nicht gefordert.

Was sie wirklich daran traf: Sie hatte tatsächlich darüber nachgedacht. In der Zeit, in der er sich um sie bemühte, war er Stück für Stück weiter zu ihr durchgedrungen, hatte mehr und mehr ihrer Seiten kennengelernt, hatte ihr das Gefühl gegeben, ihm ein Stück der Frau zeigen zu können, die die Freiin in ihr ausmachte. Seinem Werben zuzustimmen war ein Akt der Höflichkeit gewesen, doch sie hatte begonnen, die Stunden mit ihm zu genießen.
Ein einziger Satz hatte dieses Gefühl zunichte gemacht. Es war ein Schlag ins Gesicht gewesen. Er hätte auch gleich die Anklageschrift vorlegen können, es wäre nicht schlimmer gewesen.

Doch für Gefühlschaos war nun keine Zeit. Sie musste die Nerven behalten, wenn sie nicht aus der Rolle fallen wollte. Von der Fassade hing nun alles ab. Beweise gab es keine. Der nächtliche Besuch hatte zumindest ein Gutes gehabt: Sie kannte den einzigen Ansatzpunkt, der sie hätte überführen können. Demoar hatte ihren Dolch magisch behandelt, es war nur diese Spur, die zu ihr führte.

"Sieh es als erledigt an"

Gebetsmühlen artig murmelte sie die Worte vor sich hin, zwang sich so zur Ruhe... bis irgendwann endlich der Schlaf sie überkam und ihr neuen Kraft schenkte. Kraft, die sie bitter nötig hatte.
Arenvir von Goldenfall

Beitrag von Arenvir von Goldenfall »

Jener dem Hause so treue Mann saß des Abends an seinem Allerheiligsten, dem kunstvollen und doch so spartanischen Schreibtisch, den er von Bajard hatte nach Varuna überführen lassen und ärgerte sich, während er die letzten Trauben, die wenn auch tadelnde Bewirtung seines Meisters, Freundes, was auch immer, verspeiste.

Warum bei allen Göttern hernieden mussten Adlige so verdammt närrisch sein, wenn es um ihre Ehre ging? Ein Gespräch wirkte wahre Wunder, aber eine Vendette zu erklären, war kein Vorgehen das auch nur annähernd dazu beitrug, die Dinge zu verbessern. Doch genau so hatte Silvan, Sein Vorgesetzter, sein Lehensherr, sein Lehrer, Vertrauter und Freund gehandelt.

Und am liebsten hätte er ihn dafür erwürgt oder ihm ein paar auf die Nase verpasst. Wer, wenn nicht Arenvir, verstand diesen Mann und seine manchmal cholerische, feurige Art? Arenvir selbst trug ein Feuer in seinen Adern, das manchesmal nur schwer zu bändigen war.

Das hatte selbst eine Gräfin Valentina schnell erkannt, die ihn zum ersten mal sah. Aber warum zum Panther hörte Silvan dann nicht in dieser Sache auf ihn?

Silvan musste diese Kodexverstöße begangen haben, Demoar und Reika hatten große Stücke auf den Adligen Magister aus dem Konvent gehalten und hätten ihn nie ohne Grund verwiesen. Dazu kannte er beide zu gut, die eine, eine Rahaler Magierin, hatte ihn von Anfang an in seinem magischen Wirken ausgebildet und ihn einer strengen Mutter gleich, bis zu seiner Magierwürde angeleitet. Der andere, ein charmanter, intelligenter und begnadeter Magier der Llastobhar Dynastie, hatte ihm immer beigestanden, seine Thesen kritisch geprüft, ihn in interessanteste Gespräche verwickelt und war immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er kannte beide besser, als viele anderen aus den Hallen der Arcana. Und er wusste um ihrer Lauterkeit.

Silvan hatte also überreagiert. Und Mariella, das Küken das langsam flügge wurde und zeigte, das auch in ihr ein solider Teil Dragenfurtscher Finesse und Fähigkeit innewohnte, die von ihm gelernt hatte und Fortschritte machte, die er nicht für möglich gehalten hätte, hatte versucht ihren Bruder zu rächen.

Unbegeistert aufschnaubend enktorkte er eine Flasche Apfelwein, Cidre genannt, und goss sich ein. Der fruchtige, aber nicht süße Geschmack des einfachen Volksgetränks kitzelte seinen Gaumen, brachte aber nicht die erhoffte Entspannung.

Es war ein verdammtes Glück für alle gewesen, das Mariellas Streich wider Demoar nicht gelungen war. Für ihn hätte es den Verlust eines Freundes, für Varuna den Verlust eines äußerst mächtigen Magiers bedeutet. Und bekanntermaßen wuchsen Erzmagier nicht auf Bäumen. Niemand, auch Silvan, konnten sich diesen Verlust realistischerweise leisten. Und je mehr die Varunen damit beschäftigt waren, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen, desto mehr profitierte Rahal von diesem Zwist.

Rahal aber sollte ihr Ziel sein. Davon abgesehen das er -so ganz nebenbei- durch einen alten Bekannten an die Information gekommen war, das in Bajard die Sache alles andere als rosig lief und sich ihnen die Chance zu einem herben Schlag gegen Rahal selbst bot, hatte er nun diese Geschichte am Hals und stand zwischen den Fronten. Zwischen Gesetz und Treue, zwischen Codex Arcaneum und Treueid, zwischen Silvan und Reika.

Und zwischen Demoar und Mariella. Also hatte er Demoar besucht. Es verwunderte ihn nicht wirklich, das Demoar einen Dämon beschworen hatte. Er war auf einen Angriff vorbereitet. Und das Misstrauen stand ihm ins Gesicht geschrieben als Arenvir in der Amtsrobe eines Arcanamagiers sein Domizil betrat. Er konfrontierte Demoar schnell mit der Wahrheit, vernichtete vor seinen Augen auch den letzten, noch so kleinen Beweis gegen Mariella und legte die Karten auf den Tisch.

Demoar sollte Mariella aus der Gleichung herausstreichen, da diese zu bedauernde junge Frau in die Mühlen des Krieges geraten war, der hier auszubrechen drohte. Er zeigte sich überrascht und ablehnend, stellte Forderungen, doch Arenvir wiegelte das meiste davon ab. Was er persönlich für ihn tun konnte, würde er tun ohne von der Wahrheit auch nur ein Stück abzuweichen. Doch auch er selbst fand das Amt des Hofmagus attraktiv, und sollte Silvan nicht gewählt werden, so wollte er selbst dieses Amt innehaben. Aber wenn man ihn fragte, würde er die Qualitäten eines Demoar Llastobhar-Zarach nicht verhelen. Das war Ehre unter Magiern, Freunden und Ehrenmännern.

Mariella würde kommen -diesmal ohne Dolche- um sich zu entschuldigen. Und Demoar, der nicht wirklich befriedigend wusste, wie er das seiner Familie erklären sollte, würde sie erwarten. Arenvir war sich nicht sicher, wer den anderen bei jener Begegnung mehr fürchten würde, neigte sich aber ehrlich gesagt eher Demoar zu. Der Mann schätzte die kleine Freiin sehr, und vermutlich hatte sie auch nur deswegen überlebt.

Hätte er sie umgebracht, hätte Arenvir höchstpersönlich, nun da Una Llastobhar und de Jagotin nicht zugegen waren, die Burg der Llastobhar in Asche gelegt und die Vendetta selbst vom Zaun gebrannt. So wie der Fall aber lag, hatte er sich in seinem Meister nicht getäuscht.

Und auch für Demoar war es das beste, sich auf den Mann zu konzentrieren, der sich diese Suppe leider selbst eingebrockt hatte, Silvan.

Und obgleich es ihn nicht reizte, irgendwann einmal gegen Demoar, der unwirsch gesagt hatte, er wolle Silvan töten, antreten zu müssen um seinen Lehnsherren zu verteidigen, so würde er das in Kauf nehmen. Eid war schließlich Eid und wer, wenn nicht Arenvir Tilianas, oder Arenvir, Edler van Tilianas wie er nun genannt wurde, war bekannt für seine unverbrüchliche Treue und stählerne Loyalität?

Da konnte Demoar unterschwellig drohen so viel er wollte, auch wenn der Magisterposten, die Forschung von Parallelebenen und die Erzmagierwürden über seinen Schreibtisch liefen, gerade eine Rahalerin die viel auf ihn gab und ihn mit Argusaugen überwachte, hatte da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Und wer hatte schon gesagt, das er je Erzmagier werden wollte? Die waren sowieso alle ein wenig verrückt, Demoar nicht ausgenommen.


"Eine Scheiss Situation ist das", murmelte er angewiedert und benutzte in jenem selten Moment eher den Sprachsatz Lucas. Aber irgendwie erschienen alle anderen Worte nicht aussagekräftig genug.

Das ganze könnte noch wirklich heiter werden, dachte er bei sich. Und er war mittendrin, mitten zwischen den Fronten aus denen er Mariella mit ein wenig Glück herausgezerrt haben würde.
Es lag nur noch an ihm, sich selbst aus dieser Mühle zu befreien um nicht zerquetscht zu werden. Aber wie er für Treue und ein hitziges Gemüt bekannt war, so war er auch für etwas anderes bekannt:

Unberechenbarkeit.
Silvan von Dragenfurt

Beitrag von Silvan von Dragenfurt »

Die Felswand wurde zum ungewollten Übungsobjekt des Magiers. Steinsplitter wurden von der Explosion in seine Richtung geschleudert und unwirsch vom magischen Schild abgefangen, der in einem unheilsverkündenden rot pulsierte. Er war immernoch kurz davor, irgendjemanden zu verkohlen.
Dieser Erzmagier, dem er nach Arenvirs Rettung dachte vertrauen zu können und dem er dachte, seine Zweifel am Konzept eher mitteilen zu können als dieser verpeilten Feldherrin die ihm den Mund verbieten wollte, war mit Lügengeschichten auf den Lippen direkt zu Lypsan gerannt. Er entließ einen weitere entladung von Elementarfeuer auf das Massiv.
Warum musste er sich verdammt nochmal in ihm täuschen? Was war aus der Generation von Feoras, Una, Finja und Calor geworden, die wenigstens aufrecht standen und diskutiert hätten, wie es sich gehörte? War der Lehrinhalt der Arcana wirklich so schwach, dass er keiner Diskussion standhalten könnte?

Und dann war da noch diese Aktion von Mariella. Herrin im Himmel, er wollte Zarach was auswischen, ihn nicht umbringen. Aber die Jugend hatte mal wieder die Oberhand gewonnen - und da hatte er seine Fehde, obschon er Zarach eigentlich nur aus den Ämtern katapultieren wollte, wo man auf seine Verschwiegenheit vertraute.

Aber so was das. Genau wie damals bei Volospa. Situationen entwickelten Eigendynamik.

"Scheissdreck.", war die Einschätzung, die er seinen engsten Vertrauen, den ach so schweigsamen Elementen, fern von jedem menschlichen Ohr gab. "Verdammter Scheissdreck."
Demoar Llastobhar

Beitrag von Demoar Llastobhar »

Mit einigen im Gras erstickten Geräuschen prallte der Kiesel mehrfach auf, ehe er wieder zur Ruhe kam. Demoar senkte den Stiefel, mit dem er ihm einen kräftigen Tritt verpasst hatte, zur Gänze auf den Boden und setzte seinen Weg fort, als sei der Tritt nur ein eleganter, ausschweifender Schritt gewesen...
Dieser Kiesel musste sich sicher keine Gedanken um Adel, Vertrauensbruch und Mordanschläge machen. Um Lügen und Intrigen, die Demoar zu umranken schienen, wie die Grashalme nun den Stein...
Den Blick schweifen lassend, begann sich in Demoar ein beinahe unnatürlicher Neid auf dieses dumme kleine Steinchen aufzubauen, .. als

Unbewegt stand ihre zierliche und doch zu derart vielen Dingen fähige Gestalt am Ufer, gerade so als trüge sie in ihren Verbogenen Händen ein Steinmassiv, das jeden Augenblick im Wasser ihr Leben beenden sollte. Gehen?... natürlich so unbemerkt wie möglich, also.. gewissermaßen die Flucht ergreifen?
Oder.. hingehen? Ihr helfen? ... bei...

oder nur reden?

Unwillkürlich trugen seine Schritte ihn etwas näher zu ihr heran und gerade, als er sich noch auf die Zunge beissen wollte, um ihrer wieder Herr zu werden, waren die Worte auch schon hinaus.
Erschrocken fuhr Mariella herum. Angst stand ihr bei Demoars Anblick ins Gesicht geschrieben.
Sie dachte also wirklich, er sei hier, um zu beenden, was er begonnen hatte.. "was er begonnen hatte"... Die Gelegenheit wäre für wahr trefflich gewesen. Niemand hätte sie gesehen, das Wasser des Flusses hätte die Spuren weitestgehend beseitigt und bis man sie gefunden hätte, wäre ihr Äußeres sicher schon in die Unkenntlichkeit getrieben worden..
Aber wo führten diese Gedanken nur hin

Nachdem sie eine Weile, dem immer stärker werdenden Wind trotzend, am Ufer gestanden hatten und über die vergangenen Ereignisse geredet hatten, war Demoar eines klar: Es tat ihr leid
.. das aber auch zurecht.

Er wollte sie nicht weiter leiden sehen, Arenvir hatte auf eine eigenartige Weise Recht: Mariella sollte man zwischen den Fronten wegholen. Aber er wollte und konnte nicht einfach vergessen, was geschehen ist. Genausowenig wie er von seiner Familie erwarten konnte, schlicht zu vergessen, was geschah.
Von Antarian musste er keine Hilfe mehr erwarten, schon aus dem Gespräch mit Arenvir hatte er erfahren, dass Antarian auf Seiten der Dragenfurts stand, aber waren inzwischen mehr Leute in diese Sache verwickelt, denen Demoar keine Erklärung liefern konnte, wenn er sie bitten würde, ... "die Sache auf sich beruhen zu lassen"

So galt es aus seiner Situation das Beste zu machen
"Du willst also meinen Einfluss", murmelte sie niedergeschlagen, fast gekränkt. Was hatte sie denn erwartet? Dass er ihr vor Freude in den Arm fallen würde, nun nachdem sie sich entschuldigt hatte? Die Situation würde noch weitere Konsequenzen nach sich ziehen, wenn auch nicht zwingend für sie. Obgleich er Arenvir mit Forderungen förmlich überschüttet hatte.. Forderungen, von denen er schon, bevor er sie gestellt hatte, gewusst hatte, dass sie weit ausserhalb seines Einflussbereiches liegen würden... trotz dessen stellte er Mariella gegenüber nur eine einzige:
"Ich bewarb mich um das Amt des Hofmagus'; wie dein Bruder auch. Ich erwarte von ihm nicht, dass er diesen Kampf mit Ehrbaren Mitteln schlägt - nicht mehr. Aber von dir würde ich es mir wünschen"
"Du erwartest von mir, dass ich mich gegen meinen Bruder stelle? Ihn allein stehen lasse ohne ihm zu helfen?"
"Ich sagte, ich würde mir wünschen, wenn du ehrbar handelst. Was du tust, musst du ganz allein wissen"...
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