Nächtliche Eskapaden

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Aleleya Mertas

Nächtliche Eskapaden

Beitrag von Aleleya Mertas »

Abschnitt I – Vor der Feier

Es wehte eine kühle Brise, als die Knappin langsam die hölzernen Stufen an der Außenseite der Kutsche hinabschritt. Grün schimmerte das elegante Kleid im Halbdunkel der abendlichen Dämmerung. Als besonderen Blickfang betonte es die schmale Taille und umschmeichelte vorteilhaft die athletische Statur. Seicht vom Wind angetrieben, wehte der seidene Umhang im Einklang mit den Stoffbahnen des Kleides um sie herum.
Ihr Weg führte sie auf einer letzten Patrouille durch Bajard. In jene auffällige und doch gleichermaßen unauffällige Tracht gehüllt, vermutete niemand ungewöhnliches an ihr.

Die Straßen waren recht ausgestorben. Kaum ein Gesicht ließ sich blicken und schon gar nicht der Mann, den sie eigentlich zu treffen erwartet hätte. Vielleicht hatte der Verräter ja doch endlich seinen grausamen Tod gefunden. Die Hoffnung darauf war jedoch etwas, dass sie sich nicht leisten konnte. Wenn Tugor sie nicht gezwungen hätte mit ihn zusammenzuarbeiten… wer weiß. Ein schneller Stich und all die Lächerlichkeit seines Treibens hätte vorbei sein können.

An dem kleinen Teich nahe der hiesigen Taverne unterbrach sie ihre wachsame Runde. Mittlerweile hatte ein sachter Regenfall eingesetzt. Einer, der am Teich stehenden Bäum bot trotz schwindenden Laubs genügend Schutz zum unterstellen. Das rund herum liegende Laub bildete einen verklärten Kontrast zu dem grünen Kleid, das rotblonde Haar erwiderte lebhaft das herbstliche Treiben. Vornübergebeugt, eine Hand auf den aufgebauschten Rock gepresst, beobachtete sie geistesabwesend die grünen Frösche, welche sich auf lebhafter Mückenjagd befanden. Ihr Quacken erfüllte die Luft, untermalt von dem leisen Zirpen letzter vorwitziger Grillen. In das bunte Treiben vertieft, schreckte sie die plötzliche Stimme aus ihren Beobachtungen und ließ sie herumfahren.
Wenige Schritte entfernt, in einen dunklen warmen Umhang gehüllt, stand ein junger Herr und sah sie abwartend, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an.
‚In die Taverne gehen? Kleid und anmutige Haarpracht… völlig durchnässend… könnte er nicht verantworten…?!’ Während sie völlig überrumpelt nach einer Antwort suchte, trat er schon zu ihr und legte ihr kurzerhand seinen eigenen Umhang über.
„Danke…“, brachte sie gerade noch hervor, ihn dabei leicht verwirrt betrachtend. Dem Umhang entstieg ein dezenter Geruch, der sie einhüllte. Der Stoff strahlte noch ein wenig Restwärme aus, Wärme die sein Körper in dem Stoff erzeugt hatte und nun auf sie überging.
Sie merkte, wie ihr das Blut zu Kopfe stieg und sich eine feine Röte auf den Wangen abzeichnete. Schwindelig ob der vielen Eindrücke, innerlich mit dem Unterton von Angst davor zurückschreckend, versuchte sie sich schnell zu verabschieden. Ohnehin, wurde es ihr schlagartig bewusst, hatte sie bereits zu viel Zeit verspielt. Keinerlei Zwischenfälle durften auf der Kutschfahrt passieren, damit sie noch rechtzeitig in Rahal ankäme.
Als sie aus dem wärmenden Umhang trat, fröstelte sie unwillkürlich. Auch der angenehme, ansatzweise betörende Duft verflog dabei. Mit einem letzten Blick auf den jungen Mann, der ihr seinen Namen nachrief, eilte sie weiter. Ihr Herz schlug schneller als gewohnt, nicht nur vom raschen Lauf gen Kutsche stammend.
‚Närrin!’, schalt sie sich innerlich selbst und doch, aus dem Fenster der Kutsche hinaus nach Bajard spähend, ob sie ihn irgendwo entdecken könnte.

‚Soviel also dazu, sich vor den Feierlichkeiten noch einmal zu entspannen…’
Aleleya Mertas

Nächtliche Eskapaden

Beitrag von Aleleya Mertas »

Abschnitt II – Nach der Feier

Endlich! Schweißgebadet und noch immer innerlich von Furcht erfasst, verließ sie schnellen Schrittes die Oberstadt. Auf dem Weg hinaus stieß sie beinahe mit Tugor zusammen. Wie erwartet schnitten sich ihre Pfade auf seinem Rückweg, da er bereits einen Teil der Gäste zum Tor geleitet hatte.

„Yassi schläft!“, sprach sie im Vorübergehen, doch erstaunt hielt er sie auf.
„Moment! Du warst oben?“ Ein wachsamer Blick musterte sie eingehend.
In Erinnerung an die Worte des Hauslehrers formulierte sie die nächsten Worte eher absichtlich sehr wage. „Ja natürlich, auf dem Balkon und in der kleinen Bibliothek… glaube ich.“ Die Antwort schien ihm zu genügen und seine Befürchtungen zu zerstreuen. Glück für sie, dass der Hauslehrer sie ermahnt hatte nicht zu erwähnen, in seinem Schlafgemach gewesen zu sein.
‚Irgendwie verständlich…’, dachte sie innerlich erheitert, wenn man bedachte, dass sie in seinem Schlafgemach so über allerlei eher ritterlich untypische Sachen beinahe gestolpert wäre. Zum Abschied legte er ihr für einen Moment die Hand auf die Schulter. Sich selbst zur Ruhe zwingend nahm sie die Geste hin, dem eigenen Fluchtinstinkt, der mit jeder menschlichen Berührung einherging, widerstehend. Der Ritter wusste um ihre Schwäche und hoffentlich, so dachte sie bei sich, weiß er, was ich ihm sagen würde, als sie die eigene Hand einen Augenblick auf seiner ruhen ließ, ehe sie sie von sich schob.

„Seinen Segen…“, gab sie leise von sich und ging dann endgültig, ohne weiteren Rückblick, die Straße entlang.

Eigentlich hatte sie gar nicht bewusst an Bajard gedacht, redete sie sich fortwährend ein, und hörte sich selber überraschend jenes Wort dem Kutscher zurufen. Was wollte sie um diese Zeit noch dort? Durch kleine Steine und allerlei andere Unwegsamkeiten schaukelte das Innere der Kutsche während der Fahrt reichlich. Genug, dass sie den Blick aus dem Fenster kaum mehr richtig zur Kenntnis nahm und stattdessen an die Begegnung vor der Feier dachte. Er hatte ein wirklich angenehmes Lächeln… bei dem Gedanken zuckten die eigenen Mundwinkel unwillkürlich nach oben, und sie wurde, sich selbst verlegen, abermals leicht rot.
Konnte sie es schaffen, nicht wie gewohnt einfach wegzulaufen? Stehen zu bleiben und sich sich selbst zu stellen? Noch immer verband sie mit den Menschen mehr Unbehagen als Zuneigung. Die lange Zeit, welche sie alleine für sich, fern ab all ihrer Scherereien verbracht hatte war manchmal mehr Hindernis als das sie Kraft daraus schöpfen konnte. Wie lange hatte es gedauert, bis sie auch nur eine Hand auf ihrem Arm gestatten konnte? Etwas, das so dermaßen besitzergreifend für sie schien, dass sie es niemandem gönnen wollte. Wie oft hatte Crain sie dafür zurechtgewiesen, sie erniedrigt, geschlagen, weil sie nicht einmal eine Hand an ihrem Rücken gestatten wollte? Die Augen schließend, hatte sie wieder das Bild vor Augen wie er mit erhobenem Schwert vor ihr stand und ihr Stolz, ihre Unabhängigkeit den Tod herausforderten. Hatte Alatar ihn zurückgehalten? Angst hatte sie in dem Moment nicht verspürt, nur einen rasenden Zorn auf ihn, wie er es wagen konnte, sich diese Dreistigkeit herauszunehmen. Sie gehörte sich selbst und nichts davon hatte sie ihm auch nur durch diese Nichtigkeiten nahe kommen lassen wollen.
Das Ruckeln hörte auf und beendete ihren Gedankengang. Gleichermaßen verkündete es ihre Ankunft in dem Fischerdorf oder wie andere es gerne zu nennen pflegten, dem armseligen Drecksloch, in dem es nur vor Hurendienern so wimmelt…
Schon wieder Glück, fragte sie sich selber als sie vor sich den jungen Mann der ersten Begegnung entdeckte. Zaghaft gestattete sie sich ein Lächeln und begrüßte den mit gesenktem Blick dahintrottenden leise. Als er den Blick hob, hielt sie für einen Moment den Atem an. Er weiß nicht mehr wer du bist, er ist immer so, es ist alles ganz unwichtig…, schoss es ihr durch den Kopf, mehr Befürchtung als Weisheit, denn sein leichtes Lächeln und seine Begrüßung waren ebenso erfreut und ließen keinen Zweifel daran, dass er sich eben doch noch an sie erinnerte. Wollte sie ihm im Gedächtnis bleiben? Auch das konnte sie sich selbst im Geheimen bejahen. Trotzdem war sie nicht wenig erstaunt als er sie zu einem nächtlichen Rundgang einlud. Seite an Seite gemächlich dahinschreitend gingen sie plaudernd den Weg entlang zur tirellischen Taverne. Scheue Seitenblicke waren das Einzige, dessen sie sich noch traute auf dem Weg dorthin. Und immer wieder schalt sie sich selbst im Inneren ‚Närrin… Närrin’. Es war zum Verrücktwerden. Sie wollte diesen ganzen Schnickschnack nicht, niemanden an ihrer Seite und doch, wenn sie wieder einen Seitenblick riskierte, meldete sich ein zeterndes Gegenstimmchen, welches beharrlich darauf pochte, dass sie es irgendwo doch wollte.

Denn etwas anderes hatte sie ebenso kennen gelernt, als sie sich wieder unter die Menschen wagte. Alleinsein konnte wehtun. Es war nicht grob oder reißend, aber es war ein beständiger Schmerz, der ihr manches Mal die Tränen in die Augen treiben wollte. Sie vermisste ihren besten Freund. Ihre Freundschaft war an dem Tag zerbrochen, als sie sich endgültig für Alatar, für Rahal, für das Richtige entschied. Wieso sollte man auch um etwas trauern, dem ohnehin nicht der Blick für die Wahrheit vergönnt war, versuchte sie sich die andere Sichtweise aufzudrängen, doch es änderte nichts daran, dass sie schlichtweg vermisste. Während sie wieder einen Seitenblick riskierte und den angenehmen Ausblick genoss, dachte sie über Tharon nach. Fast eine Heirat. Fast ein Leben zusammen, aber eben nur fast. Damals war er noch nicht Clericus, wie sie nun mit Erschrecken hatte feststellen dürfen. Wahrscheinlich war es das, was Alatar für ihn vorgesehen hatte, warum jenes Unglück auf ihrem Rückweg erst seinen Gang nehmen konnte. Denn nicht einen Tag, eine Nacht, sondern fast ein halbes Jahr hatte sie gebraucht. Ohne Wort, ohne Abschied und alles was einmal war, zerbrach unter der malmenden schwarzen Pranke. Geschickt blieb sie aus seinem Sichtfeld bis sich alles an den rechten Platz geschoben hatte und sie keine Ablenkung mehr hatte darstellen können. Wahrscheinlich verstrickte sie sich in wilden Fantasien, doch die kleine Woge von Hass auf diesen Werdegang, welche sie durchfuhr, nahm sie kaum wahr.

Genug davon. Auch diesmal hatte sie zu wenig Zeit zum verweilen, wollte sie dabei nicht in trüben Gedanken ersticken, sondern lieber ein wenig in der Betrachtung ihres Gegenübers versinken. Sie konnte selber kaum glauben, wie sehr sie der Blick zufrieden stellte, den er ihr ab und an zuwarf.

‚Er ist nur freundlich. Denk dir nichts dabei…’ Doch… irgendwie… dachte sie eben doch…
Stephan Naidez

Beitrag von Stephan Naidez »

.. Es war die 6 Abendstund und Stephan stieg aus der Kutsche, der Regen plätscherte während der ganzen Fahrt auf das Dach, es ließ ihm keine Ruhe. Doch nächtigen in der Kutsche war auch nicht sein Ziel, so trat er schnellen schrittes in das Dörfchen Bajard, beim Anblick der Palisade musste er abermals nur leicht mit dem Kopf schütteln, doch war auch diese schnell überwunden.

Bank? Taverne?

.. welchen Weg sollte er gehen, die Frage war für wenige Augenblicke im Kopf von Ihm wiederzufinden. Doch durchnässt wie er war, hob er nur seufzend die Schulter empor und er entschied sich für die Taverne. Kurz vor dieser sah er Sie dann, eine in ein Kleid gehüllte Dame, sie war von der Statur so groß wie er, doch bezaubernd schön im begutachten.

Als er sah wie der Regen auch Ihr Kleid langsam durchnässte, bot er Ihr an, das sie Ihm doch in die Schenke folgen solle, im Regen sind sich schnell Krankheiten zu holen. Doch zuerst war es für Ihn an der Zeit für die Situation auszuhelfen - er nahm seinen Umhang ab und hielt ihn schützend, sicher vor dem Regen, über die Dame im Kleid.

Es war ein fragender, unschlüssiger Blick den er auf Ihren Zügen entdeckte, doch war er in der Entscheidung sicher, wohlbehalten und trocken wollte er die Dame lassen. Doch verging einige Zeit in der er mit Ihr am Brunnen stand und langsam ins Gespräch kam. Immer wieder trafen sich die Blicke, das stille verharren der Augenpaare aufeinander, es schien so als verloren sich die Blicke der beiden.

Doch so schön das Gespräch auch begonnen hatte, musste er bald erfahren das nichts auf ewig hält. Sie verabschiedete sich schnell, sie nannte noch Ihren Namen; Aleleya.

Sie zog dann weiter, schnellen schrittes durch den Regen. Es war nur noch ein kurzer Blick den sie über die Schulter zu Ihm warf, ein fast notgedrungenes lächeln, doch tat dies schon genüge um auch Stephan ein Lächeln auf die Züge zu setzen.

___

Es vergingen Einge Stunden, wo er gleichsam umherwandelte mit dem Gedanken bei Ihr, Aleleya. Viele Fragen kamen Ihm in den Sinn, die es noch zu klären gab. Die Laune von Ihm allerdings ließ zu wünschen übrig, denn eine große Frage schoss Ihm durch den Kopf, es war wohl in letzter Zeit die wichtigste Frage überhaupt;


Würde er sie wiedersehen?

Er wanderte mit dem Blick zum gerichtet durch Bajard, hinaus zur Kutsche, immernoch diese Frage im Sinn. Als er dann an der Kutsche ankam, wollte er schon dem Kutscher den Deut geben, welcher Ihn nach Gerimor Ost bringen sollte, doch vernahm er dann die lieblichen Worte wie auch schon einge Stunden davor;

"Einen wohlen Abend, wünsche ich."

Schnell hob sich der Blick, eine spur Überraschung, wie auch Freude in seinem Gesicht - die Frage hatte sich gerade von selber geklärt. Er musste die Gelegenheit am Schopfe greifen und sie näher kennenlernen, drum verlor er keine Zeit und lud sie gleich zu einem abendlichen Rundgang ein.

Er war zwar nicht weit, doch sollte dieser zu einer Schenke Westlich von Bajard gehen, wo ein guter Ort war um sich niederzulassen. Auf dem Weg dorthin trafen sich immer wieder die Blicke, die Augenpaare welche sich genau betrachteten. Es war zuerst scheu, keiner wollte sorecht offenkundig den Blick zugeben. Wachend aber über Ihr haupt, hatte er den Blick auch immer in der Umgebung liegen, um sie und sich vor eventuellen Angriffen zu schützen.

Als sie an der Schenke ankamen, nahmen sie auch schon schnell Platz. Sie saßen nun im direkten Kontakt gegenüber und er konnte seine Aufmerksamkeit nicht von Ihr nehmen, es wurden wieder einge der offenen Fragen geklärt. Er brachte sie sogar zum lachen, was ihn ebenfalls ein wenig des Glückes beschehrte. Um so länger er sie ansah, um so länger wollte er sie betrachten und bei Ihr sitzen - doch wurde diese Illusion bald wieder genommen.


"Verzeiht aber ich muss mich sogleich auf den Weg machen"

Drang es nur aus ihr herraus, es war gleich wie der Abschied einge Stunden zuvor - Frust. Er wollte nicht das sie geht, denn er wusste, wenn sie einmal davon gegangen ist, würden ihn wieder viele Fragen die Nacht über plagen. Doch eines musste er noch fragen bevor sie weg war, eine Frage die es noch zu klären gibt, die Ihm eine gewisse Sicherheit gibt;

"Sehe ich euch bald wieder?"

Ein Nicken Ihrerseits, gefolgt von einer bejahung zu seiner Frage, was sichtliche Erleichterung in sein Antlitz brachte. Er konnte für diesen Moment wieder lächeln, was er gleich wieder offenkundig Ihr gegenüber zeigte - bis sie sich abwandete und langsam aus seinem Blickfeld verschwand.


.. Wie würde es weitergehen wenn er sie nicht mehr wiedertrifft. Ein Gedanke den er eigentlich aus dem Kopf streichen wollte, doch - war es nicht ganz .... einfach.
Aleleya Mertas

Nächtliche Eskapaden

Beitrag von Aleleya Mertas »

Der geschenkte Geburtstag


Leise knisterte das kleine Lagerfeuer vor ihr, der Abend kroch mit beständiger Beharrlichkeit heran und ließ die Welt allmählich im Dunkel versinken. Zwei zurechtgestutzte Baumstämme umrahmten die kleine Lichtung hinter der Kutschstation und boten dem Reisenden einen angenehmen Ruheplatz. In der Hand hielt sie einen kurzen Spies, an dessen Spitze langsam aber sicher ein Stück Fisch vor sich hingarte. Neben sich hatte Aleleya noch die Rute stehen, die ihr das Abendessen beschert hatte. Bajard konnte ab und an wirklich durchweg langweilig sein, dachte sie bei sich. Da stand man den ganzen Tag am Meer und nichts geschah. Kein Ketzer ließ sich sehen, kein Leandro traute sich, sein Gesicht zu zeigen und… kein Stephan lief ihr über den Weg. Nun gut, was hatte sie auch erwartet? Sicher wusste er besseres mit seiner Zeit anzufangen als durch Bajard zu spazieren. Was er wohl tat, wenn er nicht dort war…? Hatte er es erwähnt?

Nein, sie glaubte nicht. Wenn, hätte sie sich bestimmt daran erinnert. Immerhin verfolgte sie jedes Wort aufmerksam, wenn auch vernebelt. Der sanfte Windhauch veränderte sich ein wenig, ebenso die Geräusche der kleinen Insekten rings herum. Ihr Blick blieb auf dem Stück Fisch haften, doch unauffällig beobachtete sie den ihr brach liegenden Ausschnitt der Lichtung. Jemand näherte sich… jemand der es verstand, sich leise zu bewegen. Der nächste Hauch trieb einen bekannten Geruch zu ihr herüber und ehe sie sich selbst umwenden konnte, lugte ein Gesicht neben ihr unter ihre Kapuze und schenkte ihr ein sanftes Lächeln.

Stephan….!

Er wich ein wenig zurück und hob von einem eleganten Schlenker begleitet, seine Hand an. Zwischen den Fingerspitzen lugte verloren eine einzelne Blume hervor. Die weißen Blätter strahlten die Kraft des vergangenen Sommers aus und leuchteten in dem Schein des Feuers gelblich. Völlig fasziniert von dem überraschenden Angebot verkohlte der Fisch an seinem Stockende. Just in dem Moment als sie sich darauf konzentrierte, die Blume entgegenzunehmen, das Gefühl auskostete, als ihre Fingerspitzen dabei aufeinandertrafen, legte er seine andere Hand auf ihre um wenigstens das entstandene Holzkohleprodukt vor weiteren Verbrennungen zu retten und den Spies aus dem Feuer zu schieben. Sie wagte erst wieder zu atmen als er sie losgelassen und sich gesetzt hatte.
Das verkohlte Abendessen schien nicht mehr zu retten, daher bohrte sie das vorher gehaltene Ende in die Erde neben dem Stamm und ließ den Spies dort stecken. Als sie damit fertig war und sich wieder ihm zuwandte, stockte ihr jedoch abermals der Atem. Gedankenverloren betrachtete sie seine Augen, erwiderte seinen Blick möglichst ruhig, jedoch immer wieder unter den dezenten Komplimenten errötend. Das Feuer ließ tanzende Schatten auf ihren Zügen entstehen, die goldbraunen Augen in weichen Schimmer tauchend.

„Ihr solltet so etwas nicht sagen…“, brachte sie dann stockend hervor, dabei das Gefühl, dass ihre Haut glühte.

„Was nicht sagen?“, fragte er leise und sah sie aufmerksam an.

„Ich bin nicht schön…“. Vor Verlegenheit wollten ihr die Worte im Halse stecken bleiben, aber wenn er nicht bald aufhörte würde sie wahrscheinlich noch anfangen ihm zu glauben.

„Was, Ihr zweifelt an mir?“, fragte er leicht empört und doch von einem Schmunzeln untermalt. Darauf beugte er sich etwas vor und schien ihr etwas zuflüstern zu wollen. Sie konnte spüren, wie sein Atem sanft an ihrem Ohr entlangstrich, ehe ganz kurz einmal seine Lippen auf ihrer Wange lagen. Wieder stockte ihr der Atem, raubte seine Gegenwart fast jeden bewussten Gedanken und hinterließ nur ein stummes Sehnen. Als ihre Blicke sich das nächste Mal begegneten, schien so etwas wie Vorsicht in seinem Blick zu liegen, ein unausgesprochenes Nachfragen. War er zu weit gegangen?

Stattdessen jedoch seine Worte anders gewählt „Na, glaubt ihr mir immer noch nicht? Wahrer kann kaum gesprochen werden, oder?“. Ihre einzige Antwort darauf war ein Nicken, von einem verträumten Lächeln untermalt. Dort wo seine Lippen sie berührt hatten, schien ihre Haut noch immer zu prickeln.

Lange saßen sie beieinander und plauderten über verschiedene Belanglosigkeiten. Die Zeit schien nur so dahinzuschmelzen.

Wie alt er sei? Sie solle raten. Fünzundachtzig, entgegnete sie neckisch und betrachtete versunken sein Auflächeln. Nein, aber nah dran sei sie. Der nächste Versuch, bei Fünfundzwanzig angesetzt, brachte sie dem Ganzen näher. Nicht ganz, meinte er, dass sei er so vor etwa zwei Sommerläufen gewesen. Also siebenundzwanzig.

Und wie alt sei sie? Die Frage wischte das Lächeln aus ihrem Gesicht.

Sie konnte es ihm nicht sagen. Zuerst schien er es für eine gezierte Erwiderung seines Ratespieles zu halten. Sehr schnell jedoch schien er zu begreifen, dass es kein Scherz ihrerseits war. Sie konnte ihm ihren Geburtstag wirklich nicht nennen. Und somit auch kein Alter genau bestimmen. Eine Weile schwiegen sie beide, er eher nachdenklich, Leya beschämt ins Gras hinabsehend.

„Wartet, mir ist etwas eingefallen… Nennt mir eine Zahl zwischen 1 und 30!“, kam es dann etwas aufgeregter seinerseits.
Das kritische Emporzucken einer Braue konnte sie gerade noch unterdrücken, und dann, trotz allem gespannt, wählte sie eher ziellos „Zweiundzwanzig“.

„Nun, da der Herbst euch am Liebsten ist, habt Ihr am 22ten… sagen wir Goldblatt Geburtstag und da werdet Ihr dann… 22?“. Sprachlos sah sie ihn an. Der Einfall klang… nun… sich dabei fest auf die Unterlippe beißend, kämpfte sie die Rührung über diese spontane Idee, gewürzt mit viel Humor, nieder.

Wenn man es genau betrachtete, hatte er ihr so eben einen Geburtstag geschenkt. Nichts, worüber sich je ein anderer Gedanken gemacht hatte. Gefangen zwischen dem Wunsch ihm dafür zu danken und ihm nahe zu sein und der eigenen schüchternen Zurückhaltung, tat sie zum Dank… wenig mehr als zu bleiben. Für den Moment schien jedoch kaum mehr nötig…

…die kleine Blume zumindest, ließ sie die ganze Zeit über nicht los.
Zuletzt geändert von Aleleya Mertas am Dienstag 21. Oktober 2008, 22:27, insgesamt 1-mal geändert.
Stephan Naidez

Beitrag von Stephan Naidez »

.. die Dunkelheit begann langsam die Bäume um die Beiden herum in Schatten wandeln zu lassen. Einzig wichtig waren die Blicke welche sich immer wieder trafen, zugleich die Flammen des Lagerfeuers welche die Gesichter der beiden erhellten. Es war schwierig für Stephan die Aufmerksamkeit von Ihr zu nehmen, es waren die Augen in denen er sich festgebissen hatte.

"Ihr seid wunderschön."

.. drang es aus seiner Kehle nachdem sie einige Zeit einfach da saßen und sich einfach nur anstarrten. Es war fast so als würden sie nur über den Augenkontakt kommunizieren, wobei sich manche Fragen gleich in Luft aufgelößt hatten.

.. Dann der Kuss auf die Wange, es war ein wunderbares wenn auch gleich eine neue Erfahrung, denn zum ersten mal seit langem hatten seine Lippen wieder die Haut einer Frau berührt. Es war bloße Überwindung, doch wollte er Ihr unbedingt, unter allen umständen beweisen, dass er die Wahrheit sprach. Es war zwar nur eine kurze, sanfte Berührung der Lippen auf ihrer Wange, doch war der Kuss erst der Anfang von etwas neuem.

Es war die ungewissheit, ob er vielleicht zu schnell gehandelt hatte, ob sie gleich weglaufen würde da sie sich unwohl fühlt in seiner Umgebung. Doch war dem nicht so, sie bestätigte sogar noch, das Sie ihm von nun an glauben kann.

Es waren nur wenige Momente später, wenige Worte, bis Stephan erneut einen Schritt in Ihre Richtung tätigte. Sie sah betrübt zu Boden als sie Ihm nicht das Alter sagen konnte, da sah er es eher als selbstverständlich an sie nun ein wenig zu erheitern. Sie aufzubauen bei dem schweren Geständnis, was Ihrem Blick zufolge auch tief lag und nicht leicht über die Zunge ging.

Er legte die Hand auf Ihrem Bein ab, wieder recht langsam, vorsichtig um nicht überhastet zu wirken. Es war wieder die Befürchtung wie sie reagieren würde, ob es beim ersten mal noch übersehen wurde, aber bei der zweiten Tat das Ziel überschritten wurde. Dem war aber nicht so, er konnte unbehindert die Hand ablegen, es war nur Ihr Bein was leicht unter der Berührung zitterte. Doch ein fragender Blick, ohne gesprochene Worte ließen ihn schnell verstehen das es vielleicht doch nicht gewünscht war.

Er nahm die Hand also wieder von Ihrem Bein, legte sie wieder auf seinem Bein ab, doch - dauerte es nicht viele Augenschläge bis auch Aleleya sich überwunden hatte und Ihre hand, stark zitternd auf seine legte. Es war recht verwirrend, denn keiner wusste genau, wie er dem Gegenüber zu entgegnen hatte.

Ihre Hand lag den ganzen restlichen Abend noch auf seiner, sie wurde ruhiger und auch das Gespräch wurde zur späteren Stund eher in einem Plauderton fortgesetzt. Bis dann wieder die worte fielen, die Ihm wieder das Lächeln aus den Zügen nahm.


"Ich muss jedoch nun weiter, Stephan."

Es war eine kurze Verabschiedung, sie entzog ihre Hand von seiner und erhob sich dann, mit langsamen Schritten trat sie auf die Kutsche zu. Kurz bevor sie für Stephan hinter dieser verschwand, blickte sie nochmals über die Schulter zu Ihm. Dieser Blick hielt wieder etwas länger an und gar unvergessen zwirbelte sie die Blume zwischen Zeigefinger und Daumen.

____


Der Geburtstag war nahe, er hatte sogar schon das passende Geschenk für sie gefunden, lediglich ein Schneider musste noch gefunden werden dazu. Ebenfalls ein Schreiner, er brauchte Kerzen oder Leuchten die er aufstellen konnte. Die Idee war Perfekt, er wusste genau, wie er Ihr einen Geburtstag beschehren konnte, welchen sie so leicht nicht mehr vergessen würde. Immerhin war es auch der erste, den sie nach Ihrer Aussage nach je erleben würde.

Es musste einfach Perfekt werden, das war er Ihr einfach schuldig nachdem das erste Geschenk schon zwei Tage vorher übergeben wurde -


Den Geburtstag selbst.
Aleleya Mertas

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Beitrag von Aleleya Mertas »

Götterzwist

Heute war der Tag. Heute war ihr erster Geburtstag. Heute sollte sie zweiundzwanzig werden. Heute sollte alles perfekt sein. Sollte…

Ein leichter Schauer ging gerade nieder als Stephan sie an dem Brunnen in Bajard abholte. Sie hatte erst wenige Augenblicke dort gewartet, in der Hoffnung ihm wieder begegnen zu dürfen. Als er um den Baum herum auf sie zuhielt, machte sich ein verliebtes Lächeln auf ihren Zügen breit und wich lange nicht. Galant reichte er ihr die Hand und bat, sie entführen zu dürfen. Beschwingt, glücklich und etwas vernarrt kam ihr der Ausspruch über die Lippen, vom ihm würde sie sich nahezu überallhin entführen lassen.

…Wie verdammt dumm… wie verdammt…

Seine Augen leuchteten darunter auf, er führte sie ruhigen Schrittes gen Kutsche. Eine Überraschung sollte es werden, ohne Ziel und ohne andere Anhaltspunkte vorher preiszugeben. Die Fahrt verging rasch, während derer die beiden sich immer wieder in der Situation gefangen ansahen. Von dem Ende ihrer Fahrt ging es über eine feuchte Wiese weiter. Plötzlich hielt er an und bat sie die Augen zu schließen. Voller Vertrauen ließ sie sich mit geschlossenen Augen weiterführen.

„Hoffentlich nicht in ein Sumpfloch!“, sprach sie lachend als er sie an den Händen voranzog. Es wäre eine Variante gewesen, entgegnete er genauso amüsiert und bat sie dann die Augen wieder zu öffnen. Vorsichtig und dabei schelmisch grinsend schielte sie mit einem Auge über die Umgebung, ein Fackelmeer offenbarte sich ihr. Überglücklich strahlend schlug sie die Augen ganz auf und erkannte die Form. Eine Hand vor den Mund schlagend um das aufsteigende Lachen zu dämpfen, glänzten die golden erscheinenden Augen verdächtig.

Ein leichtes, unwohles Kribbeln schlich jedoch ihren Rücken hinauf und setzte sich in ihrem Nacken fest. Die Freude über dieses Geschenk, dabei erspähte sie die niedergelegte Decke in dem Kreis der Fackeln, wurde abrupt gedämpft. Was wenn…
Kein Rahaler würde so etwas tun. Niemals so etwas offensichtlich Vernarrtes. Nun, es blieb die Hoffnung, dass er „nur“ ein Städter war. Varunese oder aus Bajard…? Die kriegerischen Bewegungen, die sie jedoch bereits an ihm festgestellt hatte, das wachsame Umsehen bei ihrem Spaziergang hatten auf gute Ausbildung schließen lassen. Sein Griff war sanft und doch leicht rau, ob der Schwielen an den Händen, wie man sie oft vom dauernden Schwertgebrauch bekam. Mit einem Mal schlug demonstrativ die eigene Schwertscheide gegen ihren Schenkel. Er war unbewaffnet. Warum wurde sie unruhig? Was störte sie an dem Bild, das sich allmählich in ihr aufbaute.
Er sah sie abwartend an, noch immer stand sie außerhalb des Kreises, sie hatte sich sogar nicht auch nur einen Schritt bewegt, wie erstarrt. Er sah sie abwartend an, sein Lächeln schwand allmählich als er ihren Blick bemerkte.

‚Du weißt nicht, wer er ist’. Wieder maß sie seine Erscheinung und diesmal war ihr Blick offener. Nein… Nein! Sie wollte es nicht wissen. Sie wollte nicht dem Verdacht nachgehen, der sich mit einem Mal in ihr eingenistet hatte. Dem Bild folgen, das all die kleinen Beobachtungen zusammen ergaben. Er hatte ein Schwert getragen, bei ihrer ersten Begegnung. Hatte es ein Siegel getragen? Langsam betrat sie den Kreis, die Freude verdorben von den ernsten Gedanken. Ohne den Blick von ihm zu lösen, legte sie am Rand ihre Schwertscheide langsam nieder. Sie würde nicht fragen. Sie würde nicht…

…Sie musste…

Mutlos trat sie neben ihn und ließ sich mit ihm zusammen auf die Decke nieder. Sie saßen nah beieinander und wieder folgte einer dieser langen, sehnsüchtigen Blicke, ohne dass sie es gewagt hätten, einander näher zu treten. Er hatte ihren veränderten Blick längst bemerkt.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte er ruhig, und doch mit einem unsicheren Blick.
Wie sollte sie ihm das erklären? Hatte er es denn? Oder war sie schuld?
„Vielleicht. Ich… ich weiß es nicht…“. Er sank weiter zurück und sah sie fragend an. Seine Haltung war zurückhaltend, ein wenig distanziert und leicht zwiespältig.
Vorsichtig streckte sie sich neben ihm aus, den Blick nicht von ihm wendend.
„Ich muss dir eine Frage stellen, aber ich will es eigentlich gar nicht und noch weniger möchte ich die Antwort wissen, denn…“, sie brach ab und schwieg einen Moment. Er sank gänzlich auf die Decke zurück und sah von unten zu ihr auf.
„Was für eine Frage…?“. Ein unwilliges Kopfschütteln ihrerseits folgte als sie sich an seiner Seite ausstreckte. Ihrer beider Blicke gingen in den Sternenhimmel hinauf, seine Hand suchte ihre, hielt sie in sanftem Griff gefangen. Er ließ den Kopf zur Seite fallen, Stirn an Stirn beieinander ruhend.

„Stephan…“, zaghaft und fragend, wollte sie versuchen, ihre Frage dennoch zu stellen. Als sich die Blicke jedoch abermals begegneten, kaum einen Atemhauch voneinander entfernt, herrschte Stille vor. Sein Atem strich behutsam über ihre Lippen und kurz darauf folgten seine dem warmen Versprechen, dass sein Atem gegeben hatte. Ein sanfter Schauer durchfuhr sie. Viel zu schnell löste er sich wieder von ihr. Sein Blick war aufmerksam, weniger verschleiert als der ihrige. „Welche Frage?“, kam es wieder leise von ihm.

„Stephan… wer bist du…?“ „Wer ich bin? Streiter der Bruderschaft Temoras. “.
Temora?! Bruderschaft?!?
“Sag, dass das nicht wahr ist…” und deutlich leiser “Bitte!”
„Warum ist das wichtig?“ Verwirrt sah er sie an, als er seine Arme um sie legte und sanft an sich zog. Schutzsuchend schmiegte sie sich an ihn. „Weil du nicht weißt, wer ich bin…“. Langsam wurde auch er ein wenig unruhig, seine Hand strich über ihren Rücken und leise fragte er „Wer bist du denn?“
„Ich bin Knappin, Stephan. Knappin des heiligen Alatarischen Reiches, Rahal!“. Er weitete die Augen und sah starr in den sternenverhangenen Himmel hinauf. Seine Hand hielt auf ihrem Rücken inne, nur um sie darauf fester an sich zu ziehen.

„Das ist nicht wahr… kann nicht… darf nicht…“ Zusammenhangslose Worte, die in der Nacht verhallten und doch Ausdruck dessen waren, was sich zwischen sie geschoben hatte.

Dann, nach längerem Schweigen, sprach er leise weiter. „Ich bin unbewaffnet. Du kannst… mit mir machen was du willst. Wie der Gardehauptmann…“.

„Das warst du…?!“ Entsetzen hatte sich in ihre Stimme geschlichen und ließ sie erzittern.
Temora. Ein Streiter Temoras… Das klang nach einem schlechten Scherz.

„Ich… ich denke, dass du schneller bei dem Schwert sein wirst, dass dort im Gras liegt.“ Sie nickte mit dem Kopf in die entsprechende Richtung. Verloren sah man das Leder der Scheide aus dem grünen Werk hervorstechen.

„Es ist aber nicht meine Eigenschaft, mir fremde Schwerter anzueignen. Außerdem… will ich dir nicht wehtun, dich verletzten…“.

Wieder legte sich Schweigen, dieses Mal Bote tiefgreifender Verzweiflung, über die beiden.
Ihre Hand krallte sich haltsuchend in den Stoff seines Hemdes. Sie wollte sich selber kaum zuhören, doch sie bat ihn, mit nach Rahal zu kommen, auch wenn sie seine Antwort darauf längst wusste. Im Gegenzug jedoch und nahezu genauso närrisch sprach er davon, dass sie ihrem „Gott“ immer noch entkommen könnte.

Keiner konnte entsagen, keiner wollte es. Und doch, lagen noch immer seine Arme um sie, zogen sie sogar etwas fester an ihn. Nochmal wiederholten sich ihre Fragen. Ein Bitten um Rahal, ein Bitten für die lichte Seite und das Wissen darum, dass sie nicht bleiben durften, wo sie waren.

Hochverrat.

Ein Wort, das Leya nie im Zusammenhang mit sich gesehen hätte. Trotzdem lag sie gerade in den Armen eines Streiters der Temora, der Hure. Sein Blick spiegelte die Verzweiflung wieder, welche sie selbst empfand. Davon angetrieben fanden ihre Lippen ein weiteres Mal zueinander. Ehe die Hitze des Momentes jeden Gedanken davontrieb, versicherte sie sich selbst, dass sie ihn auf den rechten Weg bringen konnte. Musste. Die Vorstellung ohne ihn…






Verlorene Stimmen die zum Abschied durch die Leere hallen.

„Sehen wir uns wieder?“, fragte er leise.

„Ich habe oft in Bajard zu tun…“, kam die Antwort, wage aber hoffnungsvoll.
Stephan Naidez

Beitrag von Stephan Naidez »

.. Die Nacht von Stephan war recht unruhig, im seinem Gemach der Bruderschaft rollte er sich unkontrolliert unruhig von einer auf die andere Seite. Schwer zu erkennen wieso, doch mag es vielleicht die Aufregung gewesen sein ob des Geburtstages welchen er am nächsten Tag vorbereiten musste. Am nächsten Morgen, erwacht mit Schweißperlen auf der Stirn die langsam über die Wangen hinab liefen, sah er sich etwas Schreckhaft im Zimmer um.

Ihm blieb nicht viel Zeit, er hatte noch einiges zu tun – einen Schreiner finden für die Fackeln welche er aufstellen wollte, einen Schneider für eine Decke, worauf man hätte sitzen können. Einen Korb mit Speis und Trank hatte er schon vorbereitet gehabt. So war es also an Ihm den ersten Geburtstag von Aleleya vorzubereiten und zu Gestalten.

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Der Abend kam, die Fackeln hatte er in die Erde gerammt, die Decke niedergelegt und das Essen noch mit einem Tuch überzogen, denn die Köstlichenkeiten sollten noch eine wichtige Rolle am Abend nehmen.

Er ging dann die Orte ab, an dem er Leya die letzten male gesehen hatte. Die Kutsche, die Schenke, das Lagerfeuer, doch war sie nicht aufzufinden. In Bajard selber aber kam Ihm die Idee, das erste Treffen der beiden, es war am Brunnen gleich an der Schenke von Bajard, auch dort musste er nachsehen, denn diese eine Möglichkeit hatte er noch.
Was würde passieren wenn er sie an Ihrem Geburtstag nicht antrifft? Es wäre eine schreckliche Erfahrung an dem Geburtstag alleine gelassen zu werden, denn das kannte er.

Doch beruhigte sich der Atem schnell wieder, denn da saß sie. Der Duft ihrer Haare wurde gleich vom Wind zu Ihm getragen. Auch die Haare erkannte er schnell, sein Schritt ging also wieder schneller in Ihre Richtung. Als erste Überraschung kam er selber unter einem Baum hervor, ein warmes Lächeln auf seinen Zügen, welches sogleich erwidert wurde von Ihr. Nur einen Abendgruß, dann war es an der Zeit mit dem Geburtstag anzufangen, zumindest das Geschenk zu überreichen.

Er brachte Sie in die Nähe der Burg Schwertwacht, nicht fern von der Kutsche hatte er an einem Waldstück ein Herz aus Fackeln errichtet, in diesem Herz die Decke und die Köstlichkeiten. Das Schimmern und leuchten der Flammen konnte man weite Strecken über leuchten sehen, doch mag es an Spannung verlieren wenn sie das Herz aus der Ferne schon erkennt. Also bat er sie, die Augen zu schließen.


„Öffne deine Augen und ich trage dich von deinem Geschenk fort, verstanden?“

Ein rasches Nicken von Ihr, sie hatte die „Drohung“ wohl verstanden und verinnerlicht. Es kamen zwar noch neckende Worte von Ihr, die ihn zum schmunzeln brachten, doch hinderte es Ihn nicht, sie den Fackeln ganz nahe zu bringen, bis sie einen Schritt vor der ersten Fackel entfernt stand. Ob des Kommandos durfte sie Ihre Augen wieder öffnen und sah sich einige Zeit gerührt und erstaunt um. Bis das Lächeln aber den Glanz verlor und es zu einer ernsten Mimik wurde.

War etwas Falsch? Hatte er was vergessen? War es vielleicht zu viel des Geständnisses?

Bis sie sich also langsam niederließen auf der Decke, es war zwar zum sitzen ausgebreitet worden, doch wurde es zum liegen benutzt, was auch seine Vorzüge hatte, wie er später bemerkte.

Sie lagen also beide nah, Kopf an Kopf, an der Decke, Ihre Hand war feste in seine geschlossen, doch zierte immer noch der ernste Ausdruck Ihre Züge. Sie wollte gerade zu Ihrer Frage ansetzen, wobei sie doch Ihre Angst um die Antwort bekundete, da trafen sich wieder die Blicke welche sich schon vor langem in den Augen des anderen Verloren haben. Stirn an Stirn lagen sie nun da, nicht weit voneinander liegend, den warmen Atem konnte er auf seinen Lippen spüren. Doch dann war es an Ihm, er rückte etwas vor und beugte den Kopf leicht in die Schräge bis sich unter einem schließen der Augenlieder die Lippen berührten. Beiden war die Spannung förmlich anzusehen in diesem Moment, bis er dann doch das Ende fand und sich die Lippen wieder gelöst hatten. Bei Leya hatte es einige Zeit gedauert, bis sie Ihre Lieder wieder aufschlagen ließ und Ihm fixierend, einen Deut verwirrt aber doch zufrieden, den Blick erwiderte.

Dann konnte sie nicht mehr anders und sie musste die Frage stellen, doch wie Stephan dann bemerkte war es eine doch recht ungewöhnliche Frage. Er konnte sie natürlich schnell und einfach beantworten, doch wusste er nicht dass die Wahrheit so schmerzhaft sein kann.

Er hatte gerade eine Knappin Rahals geküsst, obgleich es Liebe war welche er für sie verspürte, er war in diesem Moment nicht einmal sicher ob er den Tag noch überstehen und Lebend zurückkehren würde.

Er war unbewaffnet, er konnte nichts ausrichten, doch wie er einige Zeit später merkte war es nicht einmal Ihre Absicht, ihm leid zuzufügen. Was an diesem Abend sein Glück war, denn was wäre passiert wenn die Beiden nicht so verbunden wären?

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Der Abend neigte sich langsam dem Ende entgegen und sie lagen sich in den Armen, sie waren nichtmehr voneinander zu trennen, die Lippen lagen den restlichen Abend aufeinander. Vielleicht war es der Schutz den die beiden suchten, sie vergaßen alles andere und verblieben so als hätte es die Frage vorher nie gegeben.

Der Abschied hingegen viel den Beiden schwer, denn ob sie sich wiedersehen würden war nicht absehbar für Stephan, denn was wollte ein Streiter unter Temora mit einer Alatar Knappin, so waren sicher auch Ihre Ansichten, doch – die Hoffnung blieb natürlich immer das sie sich wiedersehen würden.

Wie es jedoch weitergehen würde, das ist gänzlich von Ungewissheit umhüllt.
Aleleya Mertas

Rahal

Beitrag von Aleleya Mertas »

Rahal

Treue zu Alatar

Zeit verlor an Bedeutung als Aleleya am Fenster ihrer Kammer saß und hinaus in den Regen starrte. Trist benetzte er die Scheiben und unterstrich den wehmütigen Hauch der ihr Gemüt umspann.
Ihre Taten sprachen für sich. Als Stephan ihr ihren Geburtstag geschenkt hatte, wollte sie das Ende dieses kostbaren Abends hinauszögern. Ihre Treffen danach jedoch wanden sich alle im Schatten des Bewusstseins Erzfeinde zu sein, jeweils den anderen niederstrecken zu müssen. Vertrauen, etwas das jedoch trotz allem zwischen ihnen herrschte. Ihre Entscheidung war ihr nicht leicht gefallen. Der Stich darüber ihn enttäuscht zu haben, brannte in einer Wunde, die die Zuneigung hinterlassen hatte. Er hatte sie unter einem Vorwand nach Rahal begleitet. Die Falle war vorbereitet. Der Zwerg hatte die Eisen bereit gelegt.

Als er in den Empfangsbereich der Schmiede schritt, war es nur ein rascher, kräftiger Schlag auf den Hinterkopf, der ihn niederstreckte und das Bewusstsein raubte. Für Alatar. Nur für Alatar. Eine Kunst sich selber nicht dabei zuzusehen was man tut. Nicht zu fühlen wie sehr es weh tut, den Geliebten niederzuschlagen. Betäubt, in Gedanken immer wieder an den Einen sprechend, dort den Halt suchend um an dem eigenen Tun festzuhalten, nicht aufzugeben unter dem eigenen Schmerz, legte sie ihm die Ketten an. Kurz darauf war Ritter Crain auch schon von seiner Ankunft in Rahal unterrichtet und er wurde in das Gefängnis der Garde gebracht.

Es war die einzige Möglichkeit die blieb, seine Seele zu retten, ihn auf den Weg der Wahrheit zu lenken. Ihr Handeln war richtig und doch, auf einer anderen Ebene war es Verrat an dem kurzweiligen Vertrauen zwischen ihnen...

Selbstbeherrschung

... Tugor würde ihn am Leben lassen, versuchen die Wahrheit an seinen von Lügen getragenen Geist weiterzugeben. Schmerz konnte der Schlüssel sein. Als der Diplomat Blutfaust seine ersten 'Versuche' unternahm, die Lehren des Einen an Stephan weiterzugeben, wäre der Teil, welcher noch immer an den Empfinungen ihm gegenüber festhielt dazwischengegangen. Die Schule jedoch, der Tugor sie unterzogen hatte, verbarg all das hinter der Fassade aus Beherrschung und Ruhe. Regungslos, wenn auch innerlich zerrissen, sah und hörte sie wie sein Fleisch unter dem glühenden Ring verbrannte. Es gibt keinen anderen Weg. Rette ihn mit deiner Härte, lasse ihn die Wahrheit finden und mehr daraus werden als nur eine Neckerei. Dies konnte sein Leben im Jenseits sichern.
Kurz darauf erhielt sie die Weisung sich in ein Kloster zurückzuziehen und über alles bisher passierte nachzusinnnen. Nichts wäre ihr ferner gewesen als ihn damit alleine zu lassen, doch der Sinn dahinter war klar. Er musste den Weg alleine finden. Es war der Glaube an die Gerechtigkeit des Einen, der sie schliesslich gehen ließ. Wenn es in seinem Sinne war, würde es ein Hinterher geben. Wenn nicht...

Durchhaltevermögen

... Gedanken an ein 'Wenn nicht' waren hinderlich. Sie zerstörten die Ruhe, welche den Ritter begleitete. Nichts soll seinen Geist von dem Einen ablenken. Kein 'Was wäre, wenn...' sollte in seinem Kopf herrschen und jeder Prüfung mit Stärke begegnen. Nicht zu wissen, ob er noch lebte, nicht zu wissen ob sein Geist noch von den Lügen der Hure errettet werden konnte, es nagte an ihr.
Die Anweisung jedoch war klar, sie sollte bleiben, bis ihr gestattet wurde in die heilige Stadt zurückzukehren. Irgendwann... irgendwann würde es schon aufhören, ihr Innerstes in Brand zu stecken und der Zorn auf ihn die Oberhand gewinnen. Seiner Göttin galt er, vorbehaltslos. Doch bei Stephan gestattete sie sich jedes Mal den Gedanken daran, dass man ihn der Hure entziehen konnte.
Die Diener des Tempels waren fähig, er hatte sich von seiner Bruderschaft gelöst und Rahal freiwillig betreten. Sie hatte ihre Schuldigkeit getan als sie ihn aus dem Verkehr zog und unter Verschluß bringen ließ. Mit dem nahezu winzigen Makel, dass sie diese Schwäche in ihr Leben gelassen hatte, ohne ihn sofort zu töten...

Skrupellosigkeit

...es war soweit. Er hatte der Hure bereits mehrmals unter Schmerzen als auch in Ruhe abgeschworen. Man wagte den Versuch ihn im Gasthaus einzuquartieren. Sie durfte in die Stadt zurückkehren, seine Fortschritte beobachten. Als er sich im Gasthaus jedoch neben ihr am Tisch niederließ, seine Hand auf ihre legte, brannte das Feuer lichterloh. Sie sprang auf, darüber in Furcht sich verbrennen zu können. Eine unbedachte Bemerkung seinerseits musste gefolgt sein... Der kurzfristige Aufenthalt in dem angenehmeren Teil Rahals wurde abrupt beendet und er ins Gardehaus zurückgebracht. Statt jedoch wie gedroht von Tugor seiner Zunge entledigt zu werden, nahm sie sich seiner an. Leider, so wie sie es befürchtet hatte, sah er nicht unbedingt ein warum er ihr noch ein Wort zuhören sollte. Ehrfurcht, oder mehr der Mangel daran, führten zum ersten Schlag ihrerseits in seinen Magen. Eine gekonnte Erwiederung seiner ersten 'liebevollen' Begrüssung als er sie wiedersah. Noch immer ohne den notwendigen Respekt, folgte ein harter Tritt gegen das verletzte Knie. Als er zusammenbrach, wagte sie abermals kaum sich selber zuzusehen. Die Worte waren hart, unerbittlich. Auch wenn es Ratschläge für sein Verhalten zum weiteren Überleben waren, so ergaben sie doch ein unangenehmes Gesamtbild. Besonders da er sich währenddessen auf dem Boden vor Schmerzen krümmte...

Aufopferungsbereitschaft

...die Dinge, welche getan worden waren, hatten verändert was zuvor gewesen war. Etwas, das sie zwar befürchtet, aber erwartet hatte. Das Gleichgewicht würde um diesen Krieger verschoben werden. Einer mehr für den All-Einen, einer weniger für die Hure. Dass sie dabei am Meisten verloren hatte, war keiner Betrachtung mehr notwendig. Sie hatte ihn gemocht, sich dieser Schwäche hingegeben und sie tat es immer noch. Das sein Wille dieser Regung nicht mehr entsprach, nachdem die Templer sich ihm eingehend zugewandt hatten, war kein Wunder. Für sich selbst hätte sie es ebenso wenig erwartet. Dass er ihr die Schuld an dem Erlittenen gab, unabhängig davon wie die Zukunft nun aussah, war nicht zu übersehen. Für den Einen war es ein Sieg...
Solange es für den Einen ein Vorteil war, würde es auch einer für sie sein. Dass er nicht mehr an ihre Seite gehörte, es wohl nie gehören würde, war schmerzlich. Aber es musste vergehen.

Zumindest sagte sie sich das, während der Regen an der Scheibe hinabrann.
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