Still packte sie ihr letztes Hab und Gut in ihre Taschen und die ihres Pferdes. Ruhig Blut, mein Freund. Wir sind bald weg. Sie tätschelte dem tänzelnden, unruhig schnaufenden Mustang den Hals, schwang sich hoch und ritt langsam los. Das bepackte Pferd in ruhigem Trab hinterher. Ein schlechter Abschied wie sie selbst fand, doch hatte es eines Tages so kommen müssen und das wusste sie tief im Inneren.
Und so würde Zoljana schon bald ein fein säuberlich zusammengefaltetes Pergament auf den Fellen liegen sehen, in denen Reka die letzten Monde geschlafen hatte. Sie waren noch warm.
Sobald der zweiseitige ineinandergefaltete Brief aufgeschlagen wird, bekommt sie Folgendes zu lesen.
Allerliebste Zoli,
ich war lange weg, das weiß ich und ist mir auch vollkommen bewusst, doch hat sich wieder einmal vieles verändert in meinem Leben. Die Zeit verstrich, als ich ausser Lande war und so machte ich Entdeckungen und Erfahrungen.
Wir hatten viele schöne Tage, immer habe ich es mit dir genossen im Sonnenschein zu sitzen und eine Meeresbrise die Gemüter erfrischen zu lassen. Und selbst wenn es mal regnete, so warst du immer diejenige, die mir Licht spendete. Auch im Herzen.
Das Erinnerungsstück an dich werde ich immer um den Hals tragen. Der Saphier symbolisiert für mich all das, was wir gemeinsam erlebten und durchgemacht haben. Diese Zeit wird für mich nie in Vergessenheit geraten und immer in Ehren gehalten werden.
Doch die Zeit den Abschieds naht und schon Morgen in der Frühe werde ich dieses Haus verlassen müssen. *Die Schrift wird hier undeutlicher, die Buchstaben zittriger - einige sind verschwommen* Es zerreisst mich innerlich, dir vorher nicht Bescheid gesagt zu haben, doch ich wusst*die Buchtaben sind verwaschen, unkenntlich* und das kann nicht sein.
Ich bin für die Zeit sehr dankbar.
Dankbar für die Unterkunft.
Dankbar für die Freundlichkeit und Aufnahmebereitschaft.
Dankbar für die Liebe.
*Hier befindet sich ein großer, durchsichtiger, verlaufener Fleck. Das Pergament ist an dieser Stelle leicht gewellt. Erst ein Stück weiter unten auf der zweiten Seite setzt der Text neu an*
Die Welt ruft mich und erwartet eine Antwort. Eine Antwort, die ich erst noch suchen und finden muss. Wann und ob ich zurückkehren werden, obliegt meinem Schicksal.
Ich bitte dich inständig nicht auf mich zu warten.
Lebe dein Leben, finde deine große Liebe - achte und wertschätze sie.
Du bist eine wundervolle Frau, die das Herz am rechten Fleck hat.
Gebe niemals auf, so tief du auch in einer Miserie steckst.
Ich werde immer über dich wachen,
allerliebste Zoli.
Reka
Die Unterschrift ist nur sehr schwer zu lesen. Die Handschrift wurde über den gesamten Text immer krakeliger, die Abstände zwischen den Wörtern unregelmäßiger und an einigen Stellen - zum Ende hin ebenso zunehmend - sind schwarze Flecken. Dort verweilte der dünne Kohlestift wohl länger.
Und so reitete sie im Morgengrauen gemächlich auf den Hafen zu. Reka hatte den Eindruck, das Auf und Ab des Pferdes würde auch ihre Gefühle durchrütteln.
Eine einsame Träne rollte an ihrer Wange hinab, glänzte im Schein der aufgehenden Sonne, ehe sie das Schiff betrat.
Nicht mehr lange sah man das Schiff gen Horizont segeln, bis es zwischen dem blauen Meer und den orange-roten Wolken verschwand.
Abschied?
-
Zoljana Steinbeis
Lange schon saß Jepp am Tisch, den Brief in ihren Händen. Sie hatte ihn sich vorlesen lassen, von 2 Leuten, nach dem ersteinmal nicht sicher ob alles wirklich war...
Aber ja, die Worte und auch der Sinn änderte sich nicht...Reka war weg...
Heiße Tränen tropften aus ihren Augen auf die Tischplatte. Reka... die stolze, tapfere Reka, die ihr Halt gegeben hatte, ihr Schutz gab, wo sie sich sicher fühlte wie sonst nie. Wo sie die Schwache sein durfte und konnte und der Welt nicht nur die glückliche Fassade zeigen musste.
Sanft strich sie über das so wichtige Papier. Zerreißen würde sie es und in die Esse werfen wenn sie es damit ungeschehen machen könne. Aber das ging ja nicht. Jepp seufzte leise.
Reka....
Kaum konnte sie sich an die erste Begegnung erinnern, nur die sanfte Stimme und die kräftigen und doch so zärtlichen Hände, als sie ihr die Kopfwunde verband. Die Sicherheit die sie ausstrahlte und den Schutz. Sie hatte sich daran festgeklammert und dank ihr langsam wieder den Boden der Realität gefunden. Dann ein paar Tage später trafen sie sich erneut, zufällig. Irgendwie verstanden sie sich auf Anhieb, Vertrauen und Zuneigung wuchs zu etwas Kostbareres. Nie hätte sie gedacht, dass sie für eine andre Frau soetwas empfinden könnte. Aber nach den Erfahrungen die sie bisher mit Männern hatte.. Vielleicht war das unausweichlich gewesen. Es war ihr klar gewesen, dass es nichts von Dauer sein könne. Reka war frei, auf der Suche nach etwas, das nur sie wusste, und vom Stand her soweit über ihr, der kleinen Feinschmiedin. Sie wäre nicht glücklich geworden in dem kleinen Häuschen das Jepp hatte.
Leise lachte auf als sie dran dachte wie Reka versuchte Muuh zumelken. Ihr Gesicht war herrlich gewesen als sie da im Schlamm lag, voller Milch und das beleidigt Muhen vernahm. Aber dann musste sie mitlachen. 2 Tage hatte Muuh sich geweigert Milch zugeben. Aber selbst da war klar, dass Reka irgendwann weiterziehen würde. Sie war nie lange dagewesen, die Tage, nein Stunden mit ihr waren immer wie Feiertage vorgekommen – wundervoll, besonders und viel zukurz.
Und jetzt war sie gegangen, wohl endgültig. Leise schluchzte Jepp auf. Nichts hatte sie mehr von ihr, der leichte Fliederduft der sie immer umwehte war auch vergangen im Haus. Nichts blieb ihr, bis auf diese Zeilen, die sie nicht lesen konnte und dem Diamanten an ihrer Kette. Sie nahm die Kette von ihrem Hals, drückte ihre Lippen auf den Stein und wickelte ihn dann vorsichtig in das Pergament des Briefes.
machs jut meine liebste Reka, alles jlück soll dich begleitn. Find des was du suchs und werde jlücklich ..
Den Brief mit der Kette drin legte sie vorsichtig in die Börse zu der kleine Stoffpuppe, die sie immer bei sich hatte. Auch er würde sie ab jetzt begleiten, genau wie ihre Wünsche Reka begleiten würden.
Mit einem letzten wehmütigen Lächeln rieb sie sich mit dem Ärmel über die Augen und verzog ihre Miene wieder zu dem gewohnt fröhlichem Grinsen. Nur wer genau schaute würde vielleicht sehen, dass die Trauer tief in ihren Augen versteckt etwas tiefer wäre.
Aber ja, die Worte und auch der Sinn änderte sich nicht...Reka war weg...
Heiße Tränen tropften aus ihren Augen auf die Tischplatte. Reka... die stolze, tapfere Reka, die ihr Halt gegeben hatte, ihr Schutz gab, wo sie sich sicher fühlte wie sonst nie. Wo sie die Schwache sein durfte und konnte und der Welt nicht nur die glückliche Fassade zeigen musste.
Sanft strich sie über das so wichtige Papier. Zerreißen würde sie es und in die Esse werfen wenn sie es damit ungeschehen machen könne. Aber das ging ja nicht. Jepp seufzte leise.
Reka....
Kaum konnte sie sich an die erste Begegnung erinnern, nur die sanfte Stimme und die kräftigen und doch so zärtlichen Hände, als sie ihr die Kopfwunde verband. Die Sicherheit die sie ausstrahlte und den Schutz. Sie hatte sich daran festgeklammert und dank ihr langsam wieder den Boden der Realität gefunden. Dann ein paar Tage später trafen sie sich erneut, zufällig. Irgendwie verstanden sie sich auf Anhieb, Vertrauen und Zuneigung wuchs zu etwas Kostbareres. Nie hätte sie gedacht, dass sie für eine andre Frau soetwas empfinden könnte. Aber nach den Erfahrungen die sie bisher mit Männern hatte.. Vielleicht war das unausweichlich gewesen. Es war ihr klar gewesen, dass es nichts von Dauer sein könne. Reka war frei, auf der Suche nach etwas, das nur sie wusste, und vom Stand her soweit über ihr, der kleinen Feinschmiedin. Sie wäre nicht glücklich geworden in dem kleinen Häuschen das Jepp hatte.
Leise lachte auf als sie dran dachte wie Reka versuchte Muuh zumelken. Ihr Gesicht war herrlich gewesen als sie da im Schlamm lag, voller Milch und das beleidigt Muhen vernahm. Aber dann musste sie mitlachen. 2 Tage hatte Muuh sich geweigert Milch zugeben. Aber selbst da war klar, dass Reka irgendwann weiterziehen würde. Sie war nie lange dagewesen, die Tage, nein Stunden mit ihr waren immer wie Feiertage vorgekommen – wundervoll, besonders und viel zukurz.
Und jetzt war sie gegangen, wohl endgültig. Leise schluchzte Jepp auf. Nichts hatte sie mehr von ihr, der leichte Fliederduft der sie immer umwehte war auch vergangen im Haus. Nichts blieb ihr, bis auf diese Zeilen, die sie nicht lesen konnte und dem Diamanten an ihrer Kette. Sie nahm die Kette von ihrem Hals, drückte ihre Lippen auf den Stein und wickelte ihn dann vorsichtig in das Pergament des Briefes.
machs jut meine liebste Reka, alles jlück soll dich begleitn. Find des was du suchs und werde jlücklich ..
Den Brief mit der Kette drin legte sie vorsichtig in die Börse zu der kleine Stoffpuppe, die sie immer bei sich hatte. Auch er würde sie ab jetzt begleiten, genau wie ihre Wünsche Reka begleiten würden.
Mit einem letzten wehmütigen Lächeln rieb sie sich mit dem Ärmel über die Augen und verzog ihre Miene wieder zu dem gewohnt fröhlichem Grinsen. Nur wer genau schaute würde vielleicht sehen, dass die Trauer tief in ihren Augen versteckt etwas tiefer wäre.