Kanubio - die Stationen seines Weges
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Kanubio Bunjam
Gunlöds Haus und Gehege
Kanubio verstand jene Schwerter, die auf den Schiffen mitreisen mussten, nur zu gut, hatte er sich damals doch ebenso gegen Sam und Simon zurückgesetzt gefühlt, als die beiden von Rowing heikle Aufgaben übertragen bekamen, er jedoch in den Wald geschickt wurde, um das Holz für die Gebäude ihres Lagers zu schlagen und die Möbel zu schreinern. Wie oft hatte es später in ihm gegrummelt, als er aufgrund dieser Fähigkeiten für einen Handwerker gehalten wurde. Wie glücklich und stolz war er nun auf seine Kenntnisse im Schreinern, als das neue Fort stand, sie umsiedelten, sie die Zimmer einrichteten und immer mehr Mobiliar benötigt wurde. Die Freude der Claner über ihre schön eingerichteten Zimmer war auch seine Freude.
Gunlöds Haus und Gehege … Wer waren jene Schwerter, die mit auf die Schiffe gehen mussten? Kannte man überhaupt ihre Namen? In der Geschichte fanden sie im Gegensatz zu den gegen die Übermacht Kämpfenden kaum Erwähnung.
Es war spät in der Nacht. Kanubio rollte sich im Schutz des dicken Baumstammes nahe der Mine in einen Fellumhang gewickelt zusammen, denn während so manch andere des Clans bereits ihr Zimmer eingerichtet oder zumindest bezogen hatten, hatte man ihm in dem Trubel der ersten Tage noch gar nicht gesagt, wo er sich gefahrlos umziehen oder schlafen konnte. Er würde nicht drängen, würde abwarten, denn sie alle hatten im Moment genug um die Ohren.
Gunlöds Haus und Gehege … Kanubio ließ dennoch zufrieden seinen Blick in den Himmel schweifen und gedachte jener, die sich so oft bewiesen hatten, die lieber gekämpft hätten als mit im Schiff zu fahren und deren Namen die Heldensaga verschwieg. „Die Jarls wählten die Besten und Loyalsten, weil diesen Schmerz nur jene ertragen konnten“, hatte Tryst seine Erzählung beendet.
Die wahren Helden von Gunlöds Haus und Gehege … für Kanubio waren es nicht jene, die auf dem Schlachtfeld gekämpft hatten, und deren Namen nur ehrfurchtsvoll ausgesprochen wurden, sondern die, die mit auf die Schiffe gegangen waren und die er sich nun zum Vorbild nahm – denn es tat weh, vergessen zu werden.
Kanubio verstand jene Schwerter, die auf den Schiffen mitreisen mussten, nur zu gut, hatte er sich damals doch ebenso gegen Sam und Simon zurückgesetzt gefühlt, als die beiden von Rowing heikle Aufgaben übertragen bekamen, er jedoch in den Wald geschickt wurde, um das Holz für die Gebäude ihres Lagers zu schlagen und die Möbel zu schreinern. Wie oft hatte es später in ihm gegrummelt, als er aufgrund dieser Fähigkeiten für einen Handwerker gehalten wurde. Wie glücklich und stolz war er nun auf seine Kenntnisse im Schreinern, als das neue Fort stand, sie umsiedelten, sie die Zimmer einrichteten und immer mehr Mobiliar benötigt wurde. Die Freude der Claner über ihre schön eingerichteten Zimmer war auch seine Freude.
Gunlöds Haus und Gehege … Wer waren jene Schwerter, die mit auf die Schiffe gehen mussten? Kannte man überhaupt ihre Namen? In der Geschichte fanden sie im Gegensatz zu den gegen die Übermacht Kämpfenden kaum Erwähnung.
Es war spät in der Nacht. Kanubio rollte sich im Schutz des dicken Baumstammes nahe der Mine in einen Fellumhang gewickelt zusammen, denn während so manch andere des Clans bereits ihr Zimmer eingerichtet oder zumindest bezogen hatten, hatte man ihm in dem Trubel der ersten Tage noch gar nicht gesagt, wo er sich gefahrlos umziehen oder schlafen konnte. Er würde nicht drängen, würde abwarten, denn sie alle hatten im Moment genug um die Ohren.
Gunlöds Haus und Gehege … Kanubio ließ dennoch zufrieden seinen Blick in den Himmel schweifen und gedachte jener, die sich so oft bewiesen hatten, die lieber gekämpft hätten als mit im Schiff zu fahren und deren Namen die Heldensaga verschwieg. „Die Jarls wählten die Besten und Loyalsten, weil diesen Schmerz nur jene ertragen konnten“, hatte Tryst seine Erzählung beendet.
Die wahren Helden von Gunlöds Haus und Gehege … für Kanubio waren es nicht jene, die auf dem Schlachtfeld gekämpft hatten, und deren Namen nur ehrfurchtsvoll ausgesprochen wurden, sondern die, die mit auf die Schiffe gegangen waren und die er sich nun zum Vorbild nahm – denn es tat weh, vergessen zu werden.
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Kanubio Bunjam
Von Worten und Wörtern
Alltägliche Floskeln und einfache Sätze kamen Kanubio nun schon ganz gut über die Lippen und er wunderte sich selbst darüber, dass er sich so ganz ohne Scheu vor den Clanern Thyst zu sprechen getraute. Dies lag aber hauptsächlich daran, dass sie sehr geduldig mit ihm waren, ihm sie selbstverständlich halfen, wenn er ein Wort nicht wusste oder verstand und er noch nie wegen eines Fehlers ausgelacht oder gehänselt worden war. Wahrscheinlich war jedem von ihnen bewusst, wie schwer es war, eine Sprache zu lernen, hatte doch jeder von ihnen selbst das selbe mit Handelssprache durchgemacht.
Besonders Trystjarn war ihm eine große Hilfe. Er sprach fast nur noch Thyst mit ihm, aber sehr langsam und deutlich, während Sigfastr weiterhin die Handelssprache verwendete. So konnte er sich aus einem Gespräch der beiden oft etwas zusammenreimen, was ihm viel half.
Immer besser rutschten Kanubio die Phrasen über die Lippen, die er schon so oft gehört und selbst verwendet hatte: Begrüßungen, Verabschiedungen, solche, die sich ums Handwerk oder alltägliche Arbeiten bezogen, aber auch jene des öfteren wiederkehrende Wörter, die beim Training fielen. Und nicht zu vergessen: Kanubios Lieblingsthema: das Essen.
Mit dem kleinen Sarolf war es etwas schwieriger, denn der Dreijährige sprach noch recht undeutlich und oft für Kanubio zu schnell. Seine Wortwahl hingegen war recht einfach. Sarolf liebte es, ihnen bei den Übungskämpfen zuzusehen und bei diesen Gelegenheiten musste Kanubio Thyst sprechen, denn Sarolf beherrschte noch keine Handelssprache. So schmiedete Kanubio einfache Sätze und freute sich jedes Mal, wenn der Kleine ihn verstand.
Es gab allerdings auch Thyren, die beherrschten die Handelssprache nicht. Oder – wenn dies auch nur ganz selten vorkam – sie in Gegenwart Kanubios nicht sprechen wollten und sich so schnell und undeutlich in Thyst artikulierten, dass Kanubio nicht folgen konnte. Zwar versuchte er oder ein anderer Claner sie darauf hinzuweisen, doch gingen sie nicht auf seinen Wunsch ein oder überhörten ihn schlichtweg. Von jenen ließ sich Kanubio nicht entmutigen. Gerade dann blieb er, lauschte noch aufmerksamer und gab sich größte Mühe, wenigstens etwas von der Unterhaltung mitzubekommen.
Alltägliche Floskeln und einfache Sätze kamen Kanubio nun schon ganz gut über die Lippen und er wunderte sich selbst darüber, dass er sich so ganz ohne Scheu vor den Clanern Thyst zu sprechen getraute. Dies lag aber hauptsächlich daran, dass sie sehr geduldig mit ihm waren, ihm sie selbstverständlich halfen, wenn er ein Wort nicht wusste oder verstand und er noch nie wegen eines Fehlers ausgelacht oder gehänselt worden war. Wahrscheinlich war jedem von ihnen bewusst, wie schwer es war, eine Sprache zu lernen, hatte doch jeder von ihnen selbst das selbe mit Handelssprache durchgemacht.
Besonders Trystjarn war ihm eine große Hilfe. Er sprach fast nur noch Thyst mit ihm, aber sehr langsam und deutlich, während Sigfastr weiterhin die Handelssprache verwendete. So konnte er sich aus einem Gespräch der beiden oft etwas zusammenreimen, was ihm viel half.
Immer besser rutschten Kanubio die Phrasen über die Lippen, die er schon so oft gehört und selbst verwendet hatte: Begrüßungen, Verabschiedungen, solche, die sich ums Handwerk oder alltägliche Arbeiten bezogen, aber auch jene des öfteren wiederkehrende Wörter, die beim Training fielen. Und nicht zu vergessen: Kanubios Lieblingsthema: das Essen.
Mit dem kleinen Sarolf war es etwas schwieriger, denn der Dreijährige sprach noch recht undeutlich und oft für Kanubio zu schnell. Seine Wortwahl hingegen war recht einfach. Sarolf liebte es, ihnen bei den Übungskämpfen zuzusehen und bei diesen Gelegenheiten musste Kanubio Thyst sprechen, denn Sarolf beherrschte noch keine Handelssprache. So schmiedete Kanubio einfache Sätze und freute sich jedes Mal, wenn der Kleine ihn verstand.
Es gab allerdings auch Thyren, die beherrschten die Handelssprache nicht. Oder – wenn dies auch nur ganz selten vorkam – sie in Gegenwart Kanubios nicht sprechen wollten und sich so schnell und undeutlich in Thyst artikulierten, dass Kanubio nicht folgen konnte. Zwar versuchte er oder ein anderer Claner sie darauf hinzuweisen, doch gingen sie nicht auf seinen Wunsch ein oder überhörten ihn schlichtweg. Von jenen ließ sich Kanubio nicht entmutigen. Gerade dann blieb er, lauschte noch aufmerksamer und gab sich größte Mühe, wenigstens etwas von der Unterhaltung mitzubekommen.
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Kanubio Bunjam
Den Kopf in der Hand
Plötzlich war alles anders. Finnleik war tot und Leif und Kadlin folgten ihm auf seinem Weg zwei Tage später. Dazwischen das seltsame Gebaren des Letharen, der vor dem Fort auftauchte.
Für Sprachunterricht fehlte es in diesen Tagen an Zeit und Ruhe. Und dennoch lernte Kanubio viele neue Worte: Kommando, Taktik, Angriff, Rache, Krieg und Tod.
Vergessen waren Möbel und Felle, nun galt es, Hobel, Säge und Hammer aus der Hand zu legen, Rüstungen sowie Waffen bereit zu halten und jenen den Rost aus den Knochen zu klopfen, die erst vor kurzem zum Clan gestoßen waren.
Der Tag, als sie gegen die Werwölfe zogen, sollte für Kanubio ein recht denkwürdiger werden. Zwei dieser Kreaturen erlegten sie gemeinsam mit den Streitkräften Rafaels und Burkhard versetzte ihnen mit seiner goldenen Nordmannsklinge den Todesstoß. Als sie auf den Wolf hinabsahen, schlossen sich dessen Wunden und er nahm menschliche Gestalt an. Trystjarn prüfte, ob der Körper tot war und meinte, es wäre kein Leben mehr in ihm. Danach trennte er den Kopf vom Rumpf und nahm ihn mit.
„Kanubio, nimm den zweiten Schädel mit!“ befahl er diesem.
Für einen Moment zögerte Kanubio. Dann führte er Trysts Anweisung aus, so schwer es ihm auch fiel, hatte er doch noch nie einer menschlichen Leiche den Kopf vom Rumpf getrennt. Als er den Hals des Toten durchhackte, wurde er von einem Schwall Blut getroffen, besudelt von oben bis unten.
Rafael bestand zwar darauf, dass sie die Köpfe beim Rest der Leichen ließen, dennoch war Kanubio am Heimritt und auch noch im Fort wie paralysiert und konnte keinen klaren Gedanken fassen. „Barbaren“ hatte man sie genannt und von „Störung der Totenruhe“ war die Rede gewesen. Nachdem die Gefahr gebannt war, wollten die Varunesen ihre tiefländischen Verbündeten so schnell als möglich los sein, hatte er den Eindruck. Das war eben Politik, wie es Kanubio tags zuvor erklärt worden war … nicht genau mit diesen Worten, aber in diesem Sinne:
„Politik ist gegenseitige Verarschung. Ist eine Gefahr oder ein Feind im Anzug, verbündet man sich schnell mit jenen, die die gleichen Interessen verfolgen, egal, ob die einem sonst zu Gesicht stehen oder nicht. Jeder nutzt eine Situation zum eigenen Vorteil aus. Ist die Gefahr gebannt, der Krieg überstanden, kann jeder dem anderen wieder den Buckel runterrutschen.“
„Barbaren“, was bedeutete dieses Wort überhaupt?
Und „Totenruhe“ bei einem Werwolf?
Sie hatten Angst vor allem, was „anders“ war - vor dem traditionellen Gebaren der Thyren genauso wie vor den Werwölfen – was sich auch deutlich darin zeigte, dass die Angst sofort vergessen war, wenn dieses „anders seiende“ wieder eine vertraute Form angenommen hatte.
Doch was die Festländer dachten, war Kanubios geringere Sorge. Mehr zerbrach er, der noch nie Seite an Seite mit anderen in einem Kampf wie diesem gestanden hatte, sich den Kopf über das, was er getan hatte. Er hatte einen Befehl bekommen und ihn ausgeführt, obwohl es ihm gegen den Strich gegangen war, was er da tun sollte. Warum? Und warum war ihm selbiges bei anderen stets sauer aufgestoßen, sodass er sogar heftig dagegen rebelliert hatte?
„Vertrauen ist das, worauf sich hier alles aufbaut. Aber man kann nicht erst am Schlachtfeld anfangen, das Vertrauen der Clansschwerter zu erringen. Dort musst du es bereits haben oder du bist verloren.“
Kanubio verstand nun Trystjarns Worte viel besser. Sein Vertrauen zu diesem Clansschwert, der den Kampf gegen die Werwölfe angeführt hatte, hatte ihn den Befehl ausführen lassen.
Später erfuhr Kanubio den Grund – und dieser leuchtete ihm ein. Nachdem er sich auch gründlich vom Blut gereinigt hatte, versuchte er sich zu beruhigen und zu schlafen, in der Hoffnung, dass der Alb sich aus seinen Träumen fern hielte.
Plötzlich war alles anders. Finnleik war tot und Leif und Kadlin folgten ihm auf seinem Weg zwei Tage später. Dazwischen das seltsame Gebaren des Letharen, der vor dem Fort auftauchte.
Für Sprachunterricht fehlte es in diesen Tagen an Zeit und Ruhe. Und dennoch lernte Kanubio viele neue Worte: Kommando, Taktik, Angriff, Rache, Krieg und Tod.
Vergessen waren Möbel und Felle, nun galt es, Hobel, Säge und Hammer aus der Hand zu legen, Rüstungen sowie Waffen bereit zu halten und jenen den Rost aus den Knochen zu klopfen, die erst vor kurzem zum Clan gestoßen waren.
Der Tag, als sie gegen die Werwölfe zogen, sollte für Kanubio ein recht denkwürdiger werden. Zwei dieser Kreaturen erlegten sie gemeinsam mit den Streitkräften Rafaels und Burkhard versetzte ihnen mit seiner goldenen Nordmannsklinge den Todesstoß. Als sie auf den Wolf hinabsahen, schlossen sich dessen Wunden und er nahm menschliche Gestalt an. Trystjarn prüfte, ob der Körper tot war und meinte, es wäre kein Leben mehr in ihm. Danach trennte er den Kopf vom Rumpf und nahm ihn mit.
„Kanubio, nimm den zweiten Schädel mit!“ befahl er diesem.
Für einen Moment zögerte Kanubio. Dann führte er Trysts Anweisung aus, so schwer es ihm auch fiel, hatte er doch noch nie einer menschlichen Leiche den Kopf vom Rumpf getrennt. Als er den Hals des Toten durchhackte, wurde er von einem Schwall Blut getroffen, besudelt von oben bis unten.
Rafael bestand zwar darauf, dass sie die Köpfe beim Rest der Leichen ließen, dennoch war Kanubio am Heimritt und auch noch im Fort wie paralysiert und konnte keinen klaren Gedanken fassen. „Barbaren“ hatte man sie genannt und von „Störung der Totenruhe“ war die Rede gewesen. Nachdem die Gefahr gebannt war, wollten die Varunesen ihre tiefländischen Verbündeten so schnell als möglich los sein, hatte er den Eindruck. Das war eben Politik, wie es Kanubio tags zuvor erklärt worden war … nicht genau mit diesen Worten, aber in diesem Sinne:
„Politik ist gegenseitige Verarschung. Ist eine Gefahr oder ein Feind im Anzug, verbündet man sich schnell mit jenen, die die gleichen Interessen verfolgen, egal, ob die einem sonst zu Gesicht stehen oder nicht. Jeder nutzt eine Situation zum eigenen Vorteil aus. Ist die Gefahr gebannt, der Krieg überstanden, kann jeder dem anderen wieder den Buckel runterrutschen.“
„Barbaren“, was bedeutete dieses Wort überhaupt?
Und „Totenruhe“ bei einem Werwolf?
Sie hatten Angst vor allem, was „anders“ war - vor dem traditionellen Gebaren der Thyren genauso wie vor den Werwölfen – was sich auch deutlich darin zeigte, dass die Angst sofort vergessen war, wenn dieses „anders seiende“ wieder eine vertraute Form angenommen hatte.
Doch was die Festländer dachten, war Kanubios geringere Sorge. Mehr zerbrach er, der noch nie Seite an Seite mit anderen in einem Kampf wie diesem gestanden hatte, sich den Kopf über das, was er getan hatte. Er hatte einen Befehl bekommen und ihn ausgeführt, obwohl es ihm gegen den Strich gegangen war, was er da tun sollte. Warum? Und warum war ihm selbiges bei anderen stets sauer aufgestoßen, sodass er sogar heftig dagegen rebelliert hatte?
„Vertrauen ist das, worauf sich hier alles aufbaut. Aber man kann nicht erst am Schlachtfeld anfangen, das Vertrauen der Clansschwerter zu erringen. Dort musst du es bereits haben oder du bist verloren.“
Kanubio verstand nun Trystjarns Worte viel besser. Sein Vertrauen zu diesem Clansschwert, der den Kampf gegen die Werwölfe angeführt hatte, hatte ihn den Befehl ausführen lassen.
Später erfuhr Kanubio den Grund – und dieser leuchtete ihm ein. Nachdem er sich auch gründlich vom Blut gereinigt hatte, versuchte er sich zu beruhigen und zu schlafen, in der Hoffnung, dass der Alb sich aus seinen Träumen fern hielte.
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Kanubio Bunjam
Der alte Mann und der Ring
Es war schon seltsam, dass Sebastian einen Ring der Hinrahs in Grimwould abgeben sollte, den er „vom Lehrer“ bekommen hätte. Bei diesem Wort schoss Kanubio sofort ein Name durch den Kopf: Falk! Hatte Burkhard doch erzählt, dass dieser ihn unterrichtet hätte. Doch als Sebastian weiter berichtete, dass es ein gebückter, alter Mann gewesen wäre, fiel Kanubios Hoffnung sofort in sich zusammen und er löschte diesen Gedanken als zu absurd aus seinem Hirn. Falk – alt und gebückt? Nie im Leben!
Wer also war dieser Alte? Wie kam dieser Ring in seine Hände? Und weshalb schickte er ihn durch einen Boten nach Grimwould und brachte ihn nicht selbst, wo er doch ausrichten ließ, dass er sich einfinden würde?
Den Hinrahs fehlten zwei dieser Ringe, welche allerdings an den Fingern ihrer Besitzer stecken sollten. Und beide – sowohl Falk als auch Argos – würden dieses wertvolle Zeichen ihrer Zugehörigkeit wohl nicht freiwillig ablegen.
Ob der Alte einer dieser Tryant war? Stand er in Zusammenhang mit diesen Holzschildern? Was hatte er vor? Wollte er gar – so beides zutraf – die Bevölkerung mit einer alten Lehre untergraben, die sich, wie schon einmal in Ulfsteinn, dann gegen jene Thyren richten würde, die dem Weg des Thrail folgten?
Kanubio hatte keine Antwort auf diese Fragen, doch er nahm sich vor, danach zu suchen. Alleine schon dieses Ringes wegen!
Es war schon seltsam, dass Sebastian einen Ring der Hinrahs in Grimwould abgeben sollte, den er „vom Lehrer“ bekommen hätte. Bei diesem Wort schoss Kanubio sofort ein Name durch den Kopf: Falk! Hatte Burkhard doch erzählt, dass dieser ihn unterrichtet hätte. Doch als Sebastian weiter berichtete, dass es ein gebückter, alter Mann gewesen wäre, fiel Kanubios Hoffnung sofort in sich zusammen und er löschte diesen Gedanken als zu absurd aus seinem Hirn. Falk – alt und gebückt? Nie im Leben!
Wer also war dieser Alte? Wie kam dieser Ring in seine Hände? Und weshalb schickte er ihn durch einen Boten nach Grimwould und brachte ihn nicht selbst, wo er doch ausrichten ließ, dass er sich einfinden würde?
Den Hinrahs fehlten zwei dieser Ringe, welche allerdings an den Fingern ihrer Besitzer stecken sollten. Und beide – sowohl Falk als auch Argos – würden dieses wertvolle Zeichen ihrer Zugehörigkeit wohl nicht freiwillig ablegen.
Ob der Alte einer dieser Tryant war? Stand er in Zusammenhang mit diesen Holzschildern? Was hatte er vor? Wollte er gar – so beides zutraf – die Bevölkerung mit einer alten Lehre untergraben, die sich, wie schon einmal in Ulfsteinn, dann gegen jene Thyren richten würde, die dem Weg des Thrail folgten?
Kanubio hatte keine Antwort auf diese Fragen, doch er nahm sich vor, danach zu suchen. Alleine schon dieses Ringes wegen!
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Kanubio Bunjam
Von der Freiheit, einen Bart wegtragen zu dürfen
Immer stärker und in der letzten Zeit auch öfter spürte Kanubio, wie er zu einem Teil des Ganzen wurde. Einmal mehr wurde ihm dies bewusst, als Trystjarn zu den Anguren wollte, Kanubio aber wusste, dass dort Gefahr lauerte. Zwar hatte er jemandem, der um sein persönliches Wohl besorgt war, zugesagt, sich von jenen fern zu halten, doch als sich Trystjarn absolut nicht von seinem Vorhaben abbringen ließ, blieb Kanubio nichts anderes übrig, als ihm grummelnd und mürrisch brummend zu folgen. Als Clansschwert hatte er seinen Jarl zu schützen und seine eigene Sicherheit hintan zu stellen.
Seinen Jarl … Vor kurzem noch war Trystjarn sein Ausbildner gewesen, ein Clanschwert wie einige andere. Jetzt war er zum Leitwolf geworden. Sie mussten sich wohl beide erst daran gewöhnen.
Die Vergangenheit umfing Kanubio diesmal nicht als böser Schatten, sonder als etwas Vertrautes. Die Hierarchie des Clans war ihm nicht unangenehm. Der Jarl regierte über Clan und Landstrich wie der Kapitän eines Schiffes über seine Mannschaft. Kanubio selbst fand sich in der Rolle des Schiffsjungen wieder, der viel zu lernen hatte, aber auch als williges Opfer für so manchen Schabernack herhalten musste. Dennoch war da ein gewaltiger Unterschied: Es war Kanubio möglich, das Fort fast jederzeit zu verlassen, sei es kurzfristig, um in der Mine zu arbeiten oder im Wald seinen Gedanken nachzuhängen, um sich am Festland unters Volk zu mischen oder – im schlimmsten Fall, sollte ihm das Schicksal nicht gewogen sein – dem Clan ganz den Rücken zu kehren. Diese Freiheit machte es ihm leicht zu bleiben.
Für seine Fragen und Probleme fand sich immer ein offenes Ohr und so unsicher er sich vorab über den Ausgang eines heiklen Gesprächs war, wurde er nie enttäuscht und die Dinge zu seiner Zufriedenheit gelöst.
Seine Bemühungen, sich dem Clansleben anzupassen, waren nicht mehr durch die Fingerzeige der anderen gesteuert, sondern entsprangen seinem eigenen Wunsch. Das schien auch seine Bartwurzeln anzuspornen, denn langsam verdichtete sich das bislang spärliche Gesprieße an seinem Kinn. Er trug seinen Kilt mit Freude und ließ sich noch anderes einfallen, um sich auch äußerlich anzupassen und nicht aus dem Rudel als ein Fremdkörper herauszustechen, wenn sie gemeinsam unterwegs waren.
Je mehr seiner alten Städtergewohnheiten er gleichzeitig ablegte, umso wohler und zufriedener fühlte er sich und auch sein ehemals ganz beachtlicher Besitz und Goldvorrat war nach und nach in den Lagertruhen des Clans gelandet.
Das einzige, was völlig ungewohnt und neu für ihn war, war darauf zu achten, dass er stets genug Gold mit sich führte, um für die Heimfahrt vom Festland den Fährmann bezahlen zu können.
Immer stärker und in der letzten Zeit auch öfter spürte Kanubio, wie er zu einem Teil des Ganzen wurde. Einmal mehr wurde ihm dies bewusst, als Trystjarn zu den Anguren wollte, Kanubio aber wusste, dass dort Gefahr lauerte. Zwar hatte er jemandem, der um sein persönliches Wohl besorgt war, zugesagt, sich von jenen fern zu halten, doch als sich Trystjarn absolut nicht von seinem Vorhaben abbringen ließ, blieb Kanubio nichts anderes übrig, als ihm grummelnd und mürrisch brummend zu folgen. Als Clansschwert hatte er seinen Jarl zu schützen und seine eigene Sicherheit hintan zu stellen.
Seinen Jarl … Vor kurzem noch war Trystjarn sein Ausbildner gewesen, ein Clanschwert wie einige andere. Jetzt war er zum Leitwolf geworden. Sie mussten sich wohl beide erst daran gewöhnen.
Die Vergangenheit umfing Kanubio diesmal nicht als böser Schatten, sonder als etwas Vertrautes. Die Hierarchie des Clans war ihm nicht unangenehm. Der Jarl regierte über Clan und Landstrich wie der Kapitän eines Schiffes über seine Mannschaft. Kanubio selbst fand sich in der Rolle des Schiffsjungen wieder, der viel zu lernen hatte, aber auch als williges Opfer für so manchen Schabernack herhalten musste. Dennoch war da ein gewaltiger Unterschied: Es war Kanubio möglich, das Fort fast jederzeit zu verlassen, sei es kurzfristig, um in der Mine zu arbeiten oder im Wald seinen Gedanken nachzuhängen, um sich am Festland unters Volk zu mischen oder – im schlimmsten Fall, sollte ihm das Schicksal nicht gewogen sein – dem Clan ganz den Rücken zu kehren. Diese Freiheit machte es ihm leicht zu bleiben.
Für seine Fragen und Probleme fand sich immer ein offenes Ohr und so unsicher er sich vorab über den Ausgang eines heiklen Gesprächs war, wurde er nie enttäuscht und die Dinge zu seiner Zufriedenheit gelöst.
Seine Bemühungen, sich dem Clansleben anzupassen, waren nicht mehr durch die Fingerzeige der anderen gesteuert, sondern entsprangen seinem eigenen Wunsch. Das schien auch seine Bartwurzeln anzuspornen, denn langsam verdichtete sich das bislang spärliche Gesprieße an seinem Kinn. Er trug seinen Kilt mit Freude und ließ sich noch anderes einfallen, um sich auch äußerlich anzupassen und nicht aus dem Rudel als ein Fremdkörper herauszustechen, wenn sie gemeinsam unterwegs waren.
Je mehr seiner alten Städtergewohnheiten er gleichzeitig ablegte, umso wohler und zufriedener fühlte er sich und auch sein ehemals ganz beachtlicher Besitz und Goldvorrat war nach und nach in den Lagertruhen des Clans gelandet.
Das einzige, was völlig ungewohnt und neu für ihn war, war darauf zu achten, dass er stets genug Gold mit sich führte, um für die Heimfahrt vom Festland den Fährmann bezahlen zu können.
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Kanubio Bunjam
Der Schlüssel zu Grimwould
Recht genau anderthalb Jahresläufe war es her, dass Kanubio zum ersten Mal zutiefst beeindruckt vor dem Fort der Hinrahs gestanden hatte. Der junge, zurückhaltende Bursche, der damals so eben einmal ein Schwert gerade halten konnte und mehr Flausen als sonst was im Kopf hatte, war fasziniert vom kriegerischen Volk der Tiefländer. Als er erstmals die Halle Grimwoulds betrat, konnte er seinen Blick kaum von den imposanten Heldendarstellungen losreißen. Ehrfürchtig lausche er Falks Worten, während ihm die Nervosität die Kehle zuschnürte und der warme Met sowie die großen Feuer den Schweiß aus den Poren trieben.
Ein Sommer, ein Winter und ein weiterer Sommer waren ins Land gegangen. Allmählich hatten sich die meisten Claner an Kanubio gewöhnt und ihn als einen der ihren anerkannt. Er wurde nicht mehr „Städter“ genannt, sonder „Welpe“ oder bei seinem Namen oder manchmal von einem der Weyber scherzhaft mit einem Augenzwinkern „kleiner Thyre“.
Auch die Hinrahs bemerkten seinen Eifer und dass er sich bemühte, ein guter Claner zu werden. Da sowohl die Hallen von Grimwould als auch die von Wulfgard beiden Clans offen standen, erhielt Kanubio nach fast zwei Monatsläufen, die er nun bei den Bunjams lebte, den Schlüssel zu Grimwoulds Toren überreicht.
Abermals stand er sprachlos in dieser ehrwürdigen Halle, was für Kanubio, der sich inzwischen einem rechten Dampfplauderer entwickelt hatte, wahrlich außergewöhnlich war. Er kam sich vor wie in einem Traum, doch das konnte nicht sein, denn das Stück Metall in seiner Hand fühlte sich kalt, hart und echt an. Es war nicht nur ein Schlüssel, der ihm erlaubte, in Grimwould zu kommen und zu gehen, wann er wollte, sondern auch ein weiteres bedeutendes Zeichen des Vertrauens, das ihm die Thyren entgegenbrachten.
Nie hätte er – damals vor anderthalb Jahresläufen wie noch vor wenigen Tagen – geglaubt, dass es so weit kommen würde!
Freiheit ist, nicht nur gehen zu können,
sondern auch eintreten zu dürfen,
wann immer man will.
Recht genau anderthalb Jahresläufe war es her, dass Kanubio zum ersten Mal zutiefst beeindruckt vor dem Fort der Hinrahs gestanden hatte. Der junge, zurückhaltende Bursche, der damals so eben einmal ein Schwert gerade halten konnte und mehr Flausen als sonst was im Kopf hatte, war fasziniert vom kriegerischen Volk der Tiefländer. Als er erstmals die Halle Grimwoulds betrat, konnte er seinen Blick kaum von den imposanten Heldendarstellungen losreißen. Ehrfürchtig lausche er Falks Worten, während ihm die Nervosität die Kehle zuschnürte und der warme Met sowie die großen Feuer den Schweiß aus den Poren trieben.
Ein Sommer, ein Winter und ein weiterer Sommer waren ins Land gegangen. Allmählich hatten sich die meisten Claner an Kanubio gewöhnt und ihn als einen der ihren anerkannt. Er wurde nicht mehr „Städter“ genannt, sonder „Welpe“ oder bei seinem Namen oder manchmal von einem der Weyber scherzhaft mit einem Augenzwinkern „kleiner Thyre“.
Auch die Hinrahs bemerkten seinen Eifer und dass er sich bemühte, ein guter Claner zu werden. Da sowohl die Hallen von Grimwould als auch die von Wulfgard beiden Clans offen standen, erhielt Kanubio nach fast zwei Monatsläufen, die er nun bei den Bunjams lebte, den Schlüssel zu Grimwoulds Toren überreicht.
Abermals stand er sprachlos in dieser ehrwürdigen Halle, was für Kanubio, der sich inzwischen einem rechten Dampfplauderer entwickelt hatte, wahrlich außergewöhnlich war. Er kam sich vor wie in einem Traum, doch das konnte nicht sein, denn das Stück Metall in seiner Hand fühlte sich kalt, hart und echt an. Es war nicht nur ein Schlüssel, der ihm erlaubte, in Grimwould zu kommen und zu gehen, wann er wollte, sondern auch ein weiteres bedeutendes Zeichen des Vertrauens, das ihm die Thyren entgegenbrachten.
Nie hätte er – damals vor anderthalb Jahresläufen wie noch vor wenigen Tagen – geglaubt, dass es so weit kommen würde!
Freiheit ist, nicht nur gehen zu können,
sondern auch eintreten zu dürfen,
wann immer man will.
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Kanubio Bunjam
Thyst, der Spiegel eines Volkes
Kanubios Ohren hatten während der letzten beiden Monatsläufe hauptsächlich Thyst vernommen. Die Claner merkten nun, dass er allmählich Alltägliches bereits ganz gut verstand, so sie nicht darauf vergaßen, langsam und deutlich zu reden. Kanubio selbst bemühte sich redlich, Thyst zu sprechen. Hatte er anfangs nur Phrasen gebraucht, deren er sich ganz sicher war, plapperte er nun schon munter mit selbst zusammengestellten Sätzen drauf los. Natürlich passierten ihm auch Fehler. Da „platzte“ ihm doch tatsächlich Rebekka im Fort, weil er eigentlich sagen wollte, dass sie nicht alleine im Fort „sitzen bleiben“ sollte und dies aus dem im Handelssprach-Dialekt üblichen „platz dey“ abgeleitet hatte. In seinem Eifer passierten ihm auch andere, oft recht amüsante sprachliche Fehltritte, welche die Thyren mit viel Humor und Verständnis hinnahmen und ihm bereitwillig mit den richtigen Ausdrücken auf die Sprünge halfen.
Erst in dieser Zeit lernte Kanubio Begriffe wie „Betrug“, „Lüge“, „Bestechung“ und „Verrat“ – Worte, die in Bajard in jeder Gasse zu hören waren, deren Übersetzung er jedoch erfragen musste, da sie im alltäglichen Wortschatz der Thyren kaum vorkamen.
Anfangs war von Sprachunterricht die Rede gewesen. Was hatte sich Kanubio darunter vorgestellt? Lektionen mit Büchern und Heften sowie einem Lehrer wie in der Städterschule? Vielleicht. Doch es gab keine Bücher in der tiefländischen Kultur. Wissen wurde mündlich weitergegeben, sowohl das um die Traditionen und die alten Legenden, als auch Sprachen.
In Thyst spiegelten sich alle Facetten des tiefländischen Volkes wieder. Es klang rau und brutal, wenn es ein Kerl sprach, dann wieder sanft und beruhigend, wenn Auri alte Balladen vortrug, sowie laut und fröhlich, wenn Runa Kanubio samt den Tieren über den Bauernhof scheuchte.
Der Aufbau dieser Sprache war einfach und geradlinig und – was Kanubio besonders schätzte – ohne jegliche Schnörksel und satzbaulichen Verwindungen. Nur selten entdeckte er Synonyme. Ein Pferd war eben ein Pferd, egal ob groß oder klein, egal ob jung oder alt. Selten wurde es allenfalls noch Mustang oder Kaltblüter genannt, aber das war es auch schon.
Wurde von einem Weyb gefragt, was die Kerle zum „Fressen“ wünschten, war die Antwort „Fleisch“. In welcher Form, von welchem Tier oder wie zubereitet, stellte sich heraus, wenn das Weyb das Essen brachte. Dann wurde nicht gustiert und analysiert, sondern „gefressen“.
Da auch die Kleidung der Tradition unterlag, fehlte die breite Palette festländischer Mode und jeglicher Firlefanz. Es gab Hemd, Hose, Kilt, Tunika, Kleid, Umhang und Stiefel, wobei ein wichtiges Beiwort „Fell“ war, und einiges davon gab es in leder- oder schmiedeverstärkter Form als Rüstteil.
Obwohl sie gerne und lange abends an den Feuern mit dem Methorn in der Hand palaverten, verlor man sich nicht in tiefgründige, abstrakte Philosophien. Das Tagesgeschehen, das Hier und Jetzt war maßgeblich. So ersparte sich Kanubio, einen umfangreichen Wortschatz in seinem zu lernen ungeübten Gehirn speichern zu müssen, sondern konnte sich mit dem wenigen, das er bisher bei den Gesprächen aufgeschnappt hatte, schon ganz gut ausdrücken.
Lediglich, wenn Systra oder Trystjarn eine der alten Legenden erzählten, mussten sie dies unbedingt in Handelssprache tun, denn Kanubio wollte kein Wort davon versäumen, nichts missinterpretieren oder die Spannung durch Fragen nach der Bedeutung von Worten zerstören, wenn er mit kindlicher Freude und leuchtenden Augen, völlig den Met in seiner Hand vergessend, fasziniert den alten Sagen lauschte.
Kanubios Ohren hatten während der letzten beiden Monatsläufe hauptsächlich Thyst vernommen. Die Claner merkten nun, dass er allmählich Alltägliches bereits ganz gut verstand, so sie nicht darauf vergaßen, langsam und deutlich zu reden. Kanubio selbst bemühte sich redlich, Thyst zu sprechen. Hatte er anfangs nur Phrasen gebraucht, deren er sich ganz sicher war, plapperte er nun schon munter mit selbst zusammengestellten Sätzen drauf los. Natürlich passierten ihm auch Fehler. Da „platzte“ ihm doch tatsächlich Rebekka im Fort, weil er eigentlich sagen wollte, dass sie nicht alleine im Fort „sitzen bleiben“ sollte und dies aus dem im Handelssprach-Dialekt üblichen „platz dey“ abgeleitet hatte. In seinem Eifer passierten ihm auch andere, oft recht amüsante sprachliche Fehltritte, welche die Thyren mit viel Humor und Verständnis hinnahmen und ihm bereitwillig mit den richtigen Ausdrücken auf die Sprünge halfen.
Erst in dieser Zeit lernte Kanubio Begriffe wie „Betrug“, „Lüge“, „Bestechung“ und „Verrat“ – Worte, die in Bajard in jeder Gasse zu hören waren, deren Übersetzung er jedoch erfragen musste, da sie im alltäglichen Wortschatz der Thyren kaum vorkamen.
Anfangs war von Sprachunterricht die Rede gewesen. Was hatte sich Kanubio darunter vorgestellt? Lektionen mit Büchern und Heften sowie einem Lehrer wie in der Städterschule? Vielleicht. Doch es gab keine Bücher in der tiefländischen Kultur. Wissen wurde mündlich weitergegeben, sowohl das um die Traditionen und die alten Legenden, als auch Sprachen.
In Thyst spiegelten sich alle Facetten des tiefländischen Volkes wieder. Es klang rau und brutal, wenn es ein Kerl sprach, dann wieder sanft und beruhigend, wenn Auri alte Balladen vortrug, sowie laut und fröhlich, wenn Runa Kanubio samt den Tieren über den Bauernhof scheuchte.
Der Aufbau dieser Sprache war einfach und geradlinig und – was Kanubio besonders schätzte – ohne jegliche Schnörksel und satzbaulichen Verwindungen. Nur selten entdeckte er Synonyme. Ein Pferd war eben ein Pferd, egal ob groß oder klein, egal ob jung oder alt. Selten wurde es allenfalls noch Mustang oder Kaltblüter genannt, aber das war es auch schon.
Wurde von einem Weyb gefragt, was die Kerle zum „Fressen“ wünschten, war die Antwort „Fleisch“. In welcher Form, von welchem Tier oder wie zubereitet, stellte sich heraus, wenn das Weyb das Essen brachte. Dann wurde nicht gustiert und analysiert, sondern „gefressen“.
Da auch die Kleidung der Tradition unterlag, fehlte die breite Palette festländischer Mode und jeglicher Firlefanz. Es gab Hemd, Hose, Kilt, Tunika, Kleid, Umhang und Stiefel, wobei ein wichtiges Beiwort „Fell“ war, und einiges davon gab es in leder- oder schmiedeverstärkter Form als Rüstteil.
Obwohl sie gerne und lange abends an den Feuern mit dem Methorn in der Hand palaverten, verlor man sich nicht in tiefgründige, abstrakte Philosophien. Das Tagesgeschehen, das Hier und Jetzt war maßgeblich. So ersparte sich Kanubio, einen umfangreichen Wortschatz in seinem zu lernen ungeübten Gehirn speichern zu müssen, sondern konnte sich mit dem wenigen, das er bisher bei den Gesprächen aufgeschnappt hatte, schon ganz gut ausdrücken.
Lediglich, wenn Systra oder Trystjarn eine der alten Legenden erzählten, mussten sie dies unbedingt in Handelssprache tun, denn Kanubio wollte kein Wort davon versäumen, nichts missinterpretieren oder die Spannung durch Fragen nach der Bedeutung von Worten zerstören, wenn er mit kindlicher Freude und leuchtenden Augen, völlig den Met in seiner Hand vergessend, fasziniert den alten Sagen lauschte.
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Kanubio Bunjam
Ein Schild für Sarolf
Ein Schild wünschte sich der kleine Thyre und mit einem versteckten Wink vereinbarten Trystjarn und Kanubio, dass ihm Letzterer eines anfertigen soll. Das war jedoch gar nicht so einfach! Leicht musste es sein für einen viereinhalb jährigen Knirps und trotzdem stabil. Er sollte es tragen können und dennoch sollte es Schlägen standhalten, die er in spielerischem Zweikampf damit abwehren würde.
Sarolf … Leifs Sohn, der eines Tages dessen Nachfolge antreten würde und dem das Schicksal viel zu schnell die Eltern geraubt hatte. Jedes mal, wenn Kanubio dieses Kind ansah, krampfte sich sein Herz schmerzlich zusammen und er musste sich zusammenreißen, um seine Gefühle vor ihm und den anderen zu verbergen, wusste er doch, wie bitter es war, wenn man elterliche Geborgenheit missen musste, die niemand ersetzen konnte.
Sarolf war noch zu jung, um das, was geschehen war, zu verstehen und spielte ausgelassen und unbeschwert wie jedes andere Kind in seinem Alter. Die Claner umsorgten ihn und taten, als wäre die Welt in Ordnung. Doch irgendwann würde auch Sarolf diese Einsamkeit überfallen, wie sie wohl jedes Kind in dieser Situation empfindet. Dass Leif und Kadlin in Anundraf wären und von dort auf ihn herabblicken, war nur ein schwacher Trost.
Kanubio begann mit dem Schild. Er hobelte drei dünne Lagen Birkenholz zurecht, die er kreuzförmig im Verlauf der Maserung aufeinander leimte und kreisförmig ausschnitt. Um den Rand der Scheibe trieb er ein Kupferband, welches er mit einigen Nieten an der Außenseite des Schildes befestigte. Innen brachte er zwei Riemen für den Arm und einen für die Hand an.
Als Kanubio es so betrachtete, es nachdenklich in den Händen wog, um sein Gewicht zu schätzen und hoffte, der kleine Sarolf würde es tragen können, erschien es ihm doch recht prunklos. Er holte sich noch eine dünne Kupferplatte aus Arnulfs beständen, schnitt daraus eine kleine Axt und ein ebenso großes Schwert aus, feilte sorgfältig wie auch beim Kupferband die scharfen Kanten ab und befestigte die beiden Waffen sich einander kreuzend in der Mitte des Schildes.
Zufrieden betrachtete er das Werk. Er konnte Sarolf nicht die Eltern ersetzen, doch würde er versuchen, ihm so gut es ihm gelingen würde, im Leben zur Seite zu stehen.
Ein Schild wünschte sich der kleine Thyre und mit einem versteckten Wink vereinbarten Trystjarn und Kanubio, dass ihm Letzterer eines anfertigen soll. Das war jedoch gar nicht so einfach! Leicht musste es sein für einen viereinhalb jährigen Knirps und trotzdem stabil. Er sollte es tragen können und dennoch sollte es Schlägen standhalten, die er in spielerischem Zweikampf damit abwehren würde.
Sarolf … Leifs Sohn, der eines Tages dessen Nachfolge antreten würde und dem das Schicksal viel zu schnell die Eltern geraubt hatte. Jedes mal, wenn Kanubio dieses Kind ansah, krampfte sich sein Herz schmerzlich zusammen und er musste sich zusammenreißen, um seine Gefühle vor ihm und den anderen zu verbergen, wusste er doch, wie bitter es war, wenn man elterliche Geborgenheit missen musste, die niemand ersetzen konnte.
Sarolf war noch zu jung, um das, was geschehen war, zu verstehen und spielte ausgelassen und unbeschwert wie jedes andere Kind in seinem Alter. Die Claner umsorgten ihn und taten, als wäre die Welt in Ordnung. Doch irgendwann würde auch Sarolf diese Einsamkeit überfallen, wie sie wohl jedes Kind in dieser Situation empfindet. Dass Leif und Kadlin in Anundraf wären und von dort auf ihn herabblicken, war nur ein schwacher Trost.
Kanubio begann mit dem Schild. Er hobelte drei dünne Lagen Birkenholz zurecht, die er kreuzförmig im Verlauf der Maserung aufeinander leimte und kreisförmig ausschnitt. Um den Rand der Scheibe trieb er ein Kupferband, welches er mit einigen Nieten an der Außenseite des Schildes befestigte. Innen brachte er zwei Riemen für den Arm und einen für die Hand an.
Als Kanubio es so betrachtete, es nachdenklich in den Händen wog, um sein Gewicht zu schätzen und hoffte, der kleine Sarolf würde es tragen können, erschien es ihm doch recht prunklos. Er holte sich noch eine dünne Kupferplatte aus Arnulfs beständen, schnitt daraus eine kleine Axt und ein ebenso großes Schwert aus, feilte sorgfältig wie auch beim Kupferband die scharfen Kanten ab und befestigte die beiden Waffen sich einander kreuzend in der Mitte des Schildes.
Zufrieden betrachtete er das Werk. Er konnte Sarolf nicht die Eltern ersetzen, doch würde er versuchen, ihm so gut es ihm gelingen würde, im Leben zur Seite zu stehen.
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Dienstag 7. Oktober 2008, 23:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Kanubio Bunjam
Die Kälte zieht ins …
Er verließ sie mit gemischten Gefühlen. Wie so oft ging er, ohne mit ihr über das gesprochen zu haben, was er eigentlich vorgehabt hatte. Wieder waren sie bei seiner Person und den Tiefländern gelandet, über die sie sich ihr hartes Urteil erlaubte, welches lediglich auf einigen wenigen, kurzen, unzufriedenstellenden Begegnungen basierte.
Als sie ihm wieder einmal unzählige Dinge an den Kopf warf, blieb er ruhig. Erstaunlich ruhig. Inzwischen kannte er ihre Taktik der vielen Fragen auf einmal, die seine Gedanken stets dazu gebracht hatten, sich wie die Wogen bei höchster Windstärke zu überschlagen. Er hatte den Trick durchschaut und ließ sich nicht mehr wirr im Kopf machen. Wohl vier, fünf Mal hatte es in seinen Beinen gezuckt, um aufzuspringen und die kleine Insel zu verlassen, doch lächelte er lediglich und versuchte weiter, ihr seinen Standpunkt so gut als möglich darzulegen.
Je länger das Gespräch dauerte, umso mehr breitete sich in seinem Inneren ein ihm bislang unbekanntes Gefühl der Kälte aus. Es kühlte zwar sein erhitztes Gemüt, doch fror es auch seine Empfindungen ein, vereiste sein Herz und umschloss ihn mit einer dicken Schicht aus hartem, undurchdringlichem Eis. Nicht mehr bereit, sich von ihren Worten verletzen zu lassen, ertrug er sie, manchmal sogar, ohne darauf einzugehen.
Er reiste zurück nach Lameriast und trieb seinen Mustang in scharfem Ritt weit ins Land hinein. Auf einer Anhöhe zügelte er das Tier, stieg ab und ließ es grasen, während er seinen Blick über das hügelige, raue Land, das er so liebte, schweifen ließ. Der Herbstwind blies ihm scharf ins Gesicht. So es die Geyster und ahnen gut mit ihm meinten und er die Probezeit überstehen würde, würde dies sein erster Winter auf Lameriast werden. Ein Winter in Schnee, Eis und Kälte.
Fröstelnd zog er seinen Fellumhang fester um sich. Der eisige Hauch, der den nahenden Winter ankündigte, fuhr ihm unbehaglich in die Knochen. Verwundert drehte er das Gesicht aus dem Wind und zog sich den Kragen seines Hemdes höher. In all den Jahren, in denen er zur See gefahren war, hatten ihm eine steife Brise und Wetterkapriolen, egal ob heiß oder kalt, nie etwas ausgemacht.
Diese Kälte … sie ließ ihn erschaudern. Er hatte sie bislang nie gespürt.
Er verließ sie mit gemischten Gefühlen. Wie so oft ging er, ohne mit ihr über das gesprochen zu haben, was er eigentlich vorgehabt hatte. Wieder waren sie bei seiner Person und den Tiefländern gelandet, über die sie sich ihr hartes Urteil erlaubte, welches lediglich auf einigen wenigen, kurzen, unzufriedenstellenden Begegnungen basierte.
Als sie ihm wieder einmal unzählige Dinge an den Kopf warf, blieb er ruhig. Erstaunlich ruhig. Inzwischen kannte er ihre Taktik der vielen Fragen auf einmal, die seine Gedanken stets dazu gebracht hatten, sich wie die Wogen bei höchster Windstärke zu überschlagen. Er hatte den Trick durchschaut und ließ sich nicht mehr wirr im Kopf machen. Wohl vier, fünf Mal hatte es in seinen Beinen gezuckt, um aufzuspringen und die kleine Insel zu verlassen, doch lächelte er lediglich und versuchte weiter, ihr seinen Standpunkt so gut als möglich darzulegen.
Je länger das Gespräch dauerte, umso mehr breitete sich in seinem Inneren ein ihm bislang unbekanntes Gefühl der Kälte aus. Es kühlte zwar sein erhitztes Gemüt, doch fror es auch seine Empfindungen ein, vereiste sein Herz und umschloss ihn mit einer dicken Schicht aus hartem, undurchdringlichem Eis. Nicht mehr bereit, sich von ihren Worten verletzen zu lassen, ertrug er sie, manchmal sogar, ohne darauf einzugehen.
Er reiste zurück nach Lameriast und trieb seinen Mustang in scharfem Ritt weit ins Land hinein. Auf einer Anhöhe zügelte er das Tier, stieg ab und ließ es grasen, während er seinen Blick über das hügelige, raue Land, das er so liebte, schweifen ließ. Der Herbstwind blies ihm scharf ins Gesicht. So es die Geyster und ahnen gut mit ihm meinten und er die Probezeit überstehen würde, würde dies sein erster Winter auf Lameriast werden. Ein Winter in Schnee, Eis und Kälte.
Fröstelnd zog er seinen Fellumhang fester um sich. Der eisige Hauch, der den nahenden Winter ankündigte, fuhr ihm unbehaglich in die Knochen. Verwundert drehte er das Gesicht aus dem Wind und zog sich den Kragen seines Hemdes höher. In all den Jahren, in denen er zur See gefahren war, hatten ihm eine steife Brise und Wetterkapriolen, egal ob heiß oder kalt, nie etwas ausgemacht.
Diese Kälte … sie ließ ihn erschaudern. Er hatte sie bislang nie gespürt.
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Kanubio Bunjam
Der Schein (nicht) zu sein
Wenn Kanubio spät nachts völlig erschöpft in die Felle sank und die Augen zufallen ließ, wünschte er sich manchmal, sie nie wieder öffnen zu müssen. Jeder Muskel in seinem Körper schmerzte. Seine Handflächen waren mit einer harten, halbrunden Schicht aus Hornhaut überzogen und seine Lunge protestierte gegen die Unmengen von Staub, die er in der Mine schluckte. Das Gift der Bienenstiche sowie die Nachwirkungen der Tollwut, die er sich in den letzten Tagen des öfteren eingefangen hatte, tobten in ihm. Und sogar im Liegen überfiel ihn der Schwindel, da er wieder einmal darauf vergessen hatte, seinen knurrenden Magen noch eine Kleinigkeit zukommen zu lassen, bevor er in die Felle ging. Tunlichst verbarg er all das vor den Clanern, denn er wollte keinesfalls für schwach oder wehleidig gehalten werden.
Man schrieb den 8. Goldblatt des 251. Jahres. Genau zwei Mondläufe war es her, dass Kanubio alles aufgegeben hatte, was ihm lieb geworden war und was er erreicht hatte, um bei den Tiefländern zu leben, um den Weg Thrails zu folgen und dieses neue Leben im untersten Rang eines Welpen zu beginnen. Noch einen Mondlauf sollte seine Probezeit dauern.
„An erster Stelle steht das Rudel, dann kommt lange Zeit nichts …“ Die Worte Falks waren zu seinen eigenen geworden. Er hatte zu lernen, er hatte Aufgaben übertragen bekommen sowie Aufträge, die es zu erfüllen galt. Er wollte seinen Kampfstil verbessern und auch jene Ziele nicht aus den Augen verlieren, die er sich selbst schon vor langer Zeit gesetzt hatte. In all dem ging er mit großer Freude auf, denn er versuchte nicht nur, ein guter Claner zu werden, sondern auch andere zu entlasten, dem Clan nützlich zu sein und die Aufträge seines Jarls zu dessen Zufriedenheit zu erfüllen.
Während Kanubio, wenn auch unter großen Anstrengungen, in allem gut vorankam, schien sich Sigfastr in seiner ihm erst vor kurzem übertragenen Position als Oberstes Clansschwert noch nicht so gut zurechtzufinden. Kanubio bemerkte dies sehr wohl, doch da der Thyre ihn immer wieder spüren ließ, dass Kanubio nur ein Welpe wäre, hielt sich dieser beflissentlich damit zurück, ihm hilfreich zur Seite zu stehen – um des Friedens Willen. Es hätte auch ewig so weitergehen können, hätte sich Sigfastr nicht wieder einmal darüber lustig gemacht, dass Kanubio als Clansschwert am Hof mithalf.
Trystjarn bemerkte sofort, dass etwas in den beiden brodelte. Er ging der Sache auch unverzüglich nach und knöpfte sich die beiden, zuerst gemeinsam, dann einzeln, vor. Auch wenn Kanubio das Urteil des Jarls nicht zufrieden stellte, akzeptierte er es – musste er es akzeptieren, zähneknirschend, brummend und mit wenig Hoffnung auf Besserung.
Dennoch erfuhr er bei seinem guten Schluck Whiskey aus Trysts Flachmann einiges über Sigfastr, was er bislang nicht gewusst hatte. Nun verstand er Sig … verstand ihn nur zu gut!
Kanubio wusste, dass er Sigfastr helfen könnte – aber nur, wenn dieser seine Hilfe auch annehmen würde. „Welpe“! „Oberstes Clansschwert“! Wie verfänglich waren solche Rangtitel, täuschten sie doch über vorhandene oder nicht vorhandene Fähigkeiten, Kenntnisse und Wissen hinweg. Kanubio hatte stets geglaubt, dass dies nur eine Eigenschaft der Städter wäre, doch schien auch ein Thyre diesem Irrglauben verfallen zu können: Einer, den man Welpe nannte, hatte eben von nichts eine Ahnung zu haben. Dass Kanubio in vergangenen Tagen selbst als Ausbildner fungiert hatte, schien selbst jetzt, da er es erwähnte, keinen zu interessieren.
„An erster Stelle steht das Rudel …“ – und Sigfastr war ein Teil dessen. Auch wenn sie in ihm nur den Welpen sahen, war Kanubio immer noch Kanubio. Und er wäre nicht Kanubio, wenn ihm in dieser Sache nicht früher oder später etwas einfallen würde!
Einen Mondlauf noch, in dem er seinem Jarl ausnahmsweise nicht gehorchen und sich weiter schinden würde. Einen Mondlauf noch, in dem er weiterhin jede Nacht erschöpft dort umfallen und nächtigen würde, wo sich der nächste halbwegs sichere Schlafplatz bot. Einen Mondlauf noch, in dem er alles geben würde, um seine Ziele zu erreichen. Einen Mondlauf noch, der über sein ganzes weitere Leben entscheiden würde. Einen Mondlauf, in der Hoffnung, danach den Titel des „Welpen“ ein für alle mal in seinem Leben abgelegt zu haben.
Wenn Kanubio spät nachts völlig erschöpft in die Felle sank und die Augen zufallen ließ, wünschte er sich manchmal, sie nie wieder öffnen zu müssen. Jeder Muskel in seinem Körper schmerzte. Seine Handflächen waren mit einer harten, halbrunden Schicht aus Hornhaut überzogen und seine Lunge protestierte gegen die Unmengen von Staub, die er in der Mine schluckte. Das Gift der Bienenstiche sowie die Nachwirkungen der Tollwut, die er sich in den letzten Tagen des öfteren eingefangen hatte, tobten in ihm. Und sogar im Liegen überfiel ihn der Schwindel, da er wieder einmal darauf vergessen hatte, seinen knurrenden Magen noch eine Kleinigkeit zukommen zu lassen, bevor er in die Felle ging. Tunlichst verbarg er all das vor den Clanern, denn er wollte keinesfalls für schwach oder wehleidig gehalten werden.
Man schrieb den 8. Goldblatt des 251. Jahres. Genau zwei Mondläufe war es her, dass Kanubio alles aufgegeben hatte, was ihm lieb geworden war und was er erreicht hatte, um bei den Tiefländern zu leben, um den Weg Thrails zu folgen und dieses neue Leben im untersten Rang eines Welpen zu beginnen. Noch einen Mondlauf sollte seine Probezeit dauern.
„An erster Stelle steht das Rudel, dann kommt lange Zeit nichts …“ Die Worte Falks waren zu seinen eigenen geworden. Er hatte zu lernen, er hatte Aufgaben übertragen bekommen sowie Aufträge, die es zu erfüllen galt. Er wollte seinen Kampfstil verbessern und auch jene Ziele nicht aus den Augen verlieren, die er sich selbst schon vor langer Zeit gesetzt hatte. In all dem ging er mit großer Freude auf, denn er versuchte nicht nur, ein guter Claner zu werden, sondern auch andere zu entlasten, dem Clan nützlich zu sein und die Aufträge seines Jarls zu dessen Zufriedenheit zu erfüllen.
Während Kanubio, wenn auch unter großen Anstrengungen, in allem gut vorankam, schien sich Sigfastr in seiner ihm erst vor kurzem übertragenen Position als Oberstes Clansschwert noch nicht so gut zurechtzufinden. Kanubio bemerkte dies sehr wohl, doch da der Thyre ihn immer wieder spüren ließ, dass Kanubio nur ein Welpe wäre, hielt sich dieser beflissentlich damit zurück, ihm hilfreich zur Seite zu stehen – um des Friedens Willen. Es hätte auch ewig so weitergehen können, hätte sich Sigfastr nicht wieder einmal darüber lustig gemacht, dass Kanubio als Clansschwert am Hof mithalf.
Trystjarn bemerkte sofort, dass etwas in den beiden brodelte. Er ging der Sache auch unverzüglich nach und knöpfte sich die beiden, zuerst gemeinsam, dann einzeln, vor. Auch wenn Kanubio das Urteil des Jarls nicht zufrieden stellte, akzeptierte er es – musste er es akzeptieren, zähneknirschend, brummend und mit wenig Hoffnung auf Besserung.
Dennoch erfuhr er bei seinem guten Schluck Whiskey aus Trysts Flachmann einiges über Sigfastr, was er bislang nicht gewusst hatte. Nun verstand er Sig … verstand ihn nur zu gut!
Kanubio wusste, dass er Sigfastr helfen könnte – aber nur, wenn dieser seine Hilfe auch annehmen würde. „Welpe“! „Oberstes Clansschwert“! Wie verfänglich waren solche Rangtitel, täuschten sie doch über vorhandene oder nicht vorhandene Fähigkeiten, Kenntnisse und Wissen hinweg. Kanubio hatte stets geglaubt, dass dies nur eine Eigenschaft der Städter wäre, doch schien auch ein Thyre diesem Irrglauben verfallen zu können: Einer, den man Welpe nannte, hatte eben von nichts eine Ahnung zu haben. Dass Kanubio in vergangenen Tagen selbst als Ausbildner fungiert hatte, schien selbst jetzt, da er es erwähnte, keinen zu interessieren.
„An erster Stelle steht das Rudel …“ – und Sigfastr war ein Teil dessen. Auch wenn sie in ihm nur den Welpen sahen, war Kanubio immer noch Kanubio. Und er wäre nicht Kanubio, wenn ihm in dieser Sache nicht früher oder später etwas einfallen würde!
Einen Mondlauf noch, in dem er seinem Jarl ausnahmsweise nicht gehorchen und sich weiter schinden würde. Einen Mondlauf noch, in dem er weiterhin jede Nacht erschöpft dort umfallen und nächtigen würde, wo sich der nächste halbwegs sichere Schlafplatz bot. Einen Mondlauf noch, in dem er alles geben würde, um seine Ziele zu erreichen. Einen Mondlauf noch, der über sein ganzes weitere Leben entscheiden würde. Einen Mondlauf, in der Hoffnung, danach den Titel des „Welpen“ ein für alle mal in seinem Leben abgelegt zu haben.
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Kanubio Bunjam
Ein Abschied für immer?
„Möge der Alb aus deinen Träumen bleiben“, hatte Kanubio Lidwina noch gewünscht, als sich diese in die Felle begab, und nun war ihm, als würde er sich selbst im schlimmsten aller Albträume wieder finden, als er den Aushang, unterschrieben vom Jarl, in der Halle fand. Trystjarn berief den Rat ein … schon für den nächsten Abend … um über seine endgültige Aufnahme in den Clan oder seine Ablehnung zu entscheiden!
Kanubios Atem stockte. Alles um ihn schien sich zu drehen. Kalter Schweiß trat ihm aus den Poren und seine Beine wurden weich wie Runas Erdbeerquark.
Das konnte nicht sein! Er war doch erst zwei Mondläufe … und drei sollten es …
„Schon jetzt?“ stammelte er kreidebleich, als er sich mit dem Whiskey in der zitternden Hand auf die Bank niederließ und geistesabwesend den Ahnen mit einer mechanisch drehenden Handbewegung einen Schluck in die Felle zu seinen Füßen opferte. Verwirrt hob er seinen Blick zu Leifs Schädel. „Aber du hast doch gesagt drey Mondläufe“, sagte er zu diesem. Doch sein sonst stets ebenfalls sehr wortkarger Gesprächspartner schwieg sich auch diesmal aus.
Was hatte Kanubio getan? War es wegen seinem Zwist mit Sigfastr? Hatte er es bei seiner sehr anschaulichen Schilderung seines Erlebnisses am Varuner Marktplatz bei Lidwina übertrieben und gegen die Regeln verstoßen? Oder war gar etwas vorgefallen, was er verursacht hatte und dessen Auswirkungen nur dem Jarl bekannt waren?
Kurz vorher an diesem Abend hatte er zugegeben, dass er glücklich war im Clan, wenn auch nicht alles leicht war, doch er fühlte sich wohl. Er hatte mit Lidwina gelacht, dass ihnen die Tränen die Wangen runter gelaufen und sie fast von den Bänken gefallen waren. Er freute sich auf den Winter, auch wenn er härter wäre als auf dem Festland, auf Shamain, auf den darauf folgenden Frühling …
Doch immer, wenn er in solcher Hochlaune geschwebt war, hatte das Schicksal zugeschlagen und ihn mit einem Fausthieb zu Boden geschmettert. Die Wände und Stützpfosten der mächtigen Halle Wulfgards schienen auf ihn niederzukommen, um ihn zu erdrücken. Er musste hier raus!
„Ich geh in die Mine“, sagte er zu Sigfastr, den das alles nicht im geringsten zu berühren schien, und betreten fuhr Kanubio fort: „Vielleicht zum letzten Mal.“
In den ihm inzwischen so vertrauten Stollen, in denen er sicher schon mehr Stunden zugebracht hatte als an den gemütlichen Feuern der Halle, setzte er seine Gedanken fort. Was würde er mitnehmen? Wohin sollte er gehen?
„Du wirst früher wieder zurück sein, als du glaubst!“ hatte Lamiro damals zu ihm gesagt, als er das Lager der Waldgeister verlassen hatte. Es kam Kanubio so vor, als würden hunderte Stimmen diese Worte aus den Gesteinsritzen herausschreien, um sich tausendfach an den Stollenwänden zu brechen.
Was sollte er mitnehmen? Viel an persönlichem Eigentum hatte er nicht mehr. Für sein Rüstzeug und seine Waffen würde einer der Gäule genügen. Ob sie ihm erlauben würden, Skramur mitzunehmen?
Doch wozu noch einen stolzen Mustang? Er würde nicht mehr durch das wilde Hinterland Lameriasts reiten, sondern sich tief in die Wälder verkriechen, irgendwohin, wo ihn keiner fand. Alles, was er bräuchte, würde er in der Natur finden. Und es war wenig, was er dann noch brauchen würde.
Verwirrt, verunsichert und wohl auch etwas benebelt vom Alkohol hieb er mit der Picke auf das Gestein ein. Vielleicht zum letzten Mal. Erst jetzt merkte er, wie viel ihm diese Arbeit bedeutete, bei der ihm jeder Handgriff schon so vertraut war. Doch wenn er morgen Wulfgard für immer verlassen müsste, würde er auch hierher nie mehr wiederkehren.
„Möge der Alb aus deinen Träumen bleiben“, hatte Kanubio Lidwina noch gewünscht, als sich diese in die Felle begab, und nun war ihm, als würde er sich selbst im schlimmsten aller Albträume wieder finden, als er den Aushang, unterschrieben vom Jarl, in der Halle fand. Trystjarn berief den Rat ein … schon für den nächsten Abend … um über seine endgültige Aufnahme in den Clan oder seine Ablehnung zu entscheiden!
Kanubios Atem stockte. Alles um ihn schien sich zu drehen. Kalter Schweiß trat ihm aus den Poren und seine Beine wurden weich wie Runas Erdbeerquark.
Das konnte nicht sein! Er war doch erst zwei Mondläufe … und drei sollten es …
„Schon jetzt?“ stammelte er kreidebleich, als er sich mit dem Whiskey in der zitternden Hand auf die Bank niederließ und geistesabwesend den Ahnen mit einer mechanisch drehenden Handbewegung einen Schluck in die Felle zu seinen Füßen opferte. Verwirrt hob er seinen Blick zu Leifs Schädel. „Aber du hast doch gesagt drey Mondläufe“, sagte er zu diesem. Doch sein sonst stets ebenfalls sehr wortkarger Gesprächspartner schwieg sich auch diesmal aus.
Was hatte Kanubio getan? War es wegen seinem Zwist mit Sigfastr? Hatte er es bei seiner sehr anschaulichen Schilderung seines Erlebnisses am Varuner Marktplatz bei Lidwina übertrieben und gegen die Regeln verstoßen? Oder war gar etwas vorgefallen, was er verursacht hatte und dessen Auswirkungen nur dem Jarl bekannt waren?
Kurz vorher an diesem Abend hatte er zugegeben, dass er glücklich war im Clan, wenn auch nicht alles leicht war, doch er fühlte sich wohl. Er hatte mit Lidwina gelacht, dass ihnen die Tränen die Wangen runter gelaufen und sie fast von den Bänken gefallen waren. Er freute sich auf den Winter, auch wenn er härter wäre als auf dem Festland, auf Shamain, auf den darauf folgenden Frühling …
Doch immer, wenn er in solcher Hochlaune geschwebt war, hatte das Schicksal zugeschlagen und ihn mit einem Fausthieb zu Boden geschmettert. Die Wände und Stützpfosten der mächtigen Halle Wulfgards schienen auf ihn niederzukommen, um ihn zu erdrücken. Er musste hier raus!
„Ich geh in die Mine“, sagte er zu Sigfastr, den das alles nicht im geringsten zu berühren schien, und betreten fuhr Kanubio fort: „Vielleicht zum letzten Mal.“
In den ihm inzwischen so vertrauten Stollen, in denen er sicher schon mehr Stunden zugebracht hatte als an den gemütlichen Feuern der Halle, setzte er seine Gedanken fort. Was würde er mitnehmen? Wohin sollte er gehen?
„Du wirst früher wieder zurück sein, als du glaubst!“ hatte Lamiro damals zu ihm gesagt, als er das Lager der Waldgeister verlassen hatte. Es kam Kanubio so vor, als würden hunderte Stimmen diese Worte aus den Gesteinsritzen herausschreien, um sich tausendfach an den Stollenwänden zu brechen.
Was sollte er mitnehmen? Viel an persönlichem Eigentum hatte er nicht mehr. Für sein Rüstzeug und seine Waffen würde einer der Gäule genügen. Ob sie ihm erlauben würden, Skramur mitzunehmen?
Doch wozu noch einen stolzen Mustang? Er würde nicht mehr durch das wilde Hinterland Lameriasts reiten, sondern sich tief in die Wälder verkriechen, irgendwohin, wo ihn keiner fand. Alles, was er bräuchte, würde er in der Natur finden. Und es war wenig, was er dann noch brauchen würde.
Verwirrt, verunsichert und wohl auch etwas benebelt vom Alkohol hieb er mit der Picke auf das Gestein ein. Vielleicht zum letzten Mal. Erst jetzt merkte er, wie viel ihm diese Arbeit bedeutete, bei der ihm jeder Handgriff schon so vertraut war. Doch wenn er morgen Wulfgard für immer verlassen müsste, würde er auch hierher nie mehr wiederkehren.
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Kanubio Bunjam
Zum Wolf bestimmt
Kanubio sank erschöpft in die Felle - in dieselben, in die er auch in den letzten zwei Mondläufen geschlafen hatte. Sie lagen immer noch in Wulfgard. Wieder tat ihm alles mögliche weh, doch er genoss diese Schmerzen, glücklich und zufrieden lächelnd. Er wollte nur noch eines: schlafen. Möglichst entspannt rollte er sich auf seine linke Seite, schloss die Augen und wartete, dass ihn die erholsame Dunkelheit entführte.
Sein Kiefer schmerzte. Er rollte ein Fell zusammen und legte sich so, dass er mit weniger Druck auf seine Wangen darauf zu liegen kam. In seinem rechten Unterarm tuckerte es. Er zog ihn aus den Fellen und legte ihn oben drauf. Dann rumorte sein Magen. In seiner Aufregung und aufgrund gewisser Umstände, die ihm das Kauen und Verdauen erschwert hatten, hatte er kaum etwas von Runas Festbraten gegessen.
Er setzte sich auf, entzündete eine Kerze, langte in seine Truhe, holte sich die weichste Wurst, die er fand, heraus und löschte das Licht. Kauen und schlucken konnte er auch im Dunkeln.
Während er bedächtig die Wurst mit der linken Zahnreihe kaute und sich gleichzeitig einem entspannten Dösen hingeben wollte, schoben sich die Bilder dieses Abends vor seine Augen und er hörte wieder, was sie und was er gesprochen hatten. Die Szenen verschoben sich ineinander. Seine Gedanken verfilzten sich. Abermals ging er diesen Abend durch, erlebte ihn noch mal, zerrissen in kleine Teile und wirr in ihrer Abfolge.
„Es ist vorbei“, versuchte er sich zu beruhigen. „Es ist überstanden.“
Er hatte die schweren Fragen Systras und Trystjarns zu deren Zufriedenheit beantworten können und hatte die Prüfung bestanden. Sie hatten abgestimmt und das Ergebnis war fast einstimmig. Er hatte sich mit seinem Namen und mit seinem Blut den Ahnen, Geystern und Elementarherren vorgestellt – mit seinem neuen Namen!
Das Ritual und ihre Gratulationen. In diesen Momenten wurde er eins mit seiner Vergangenheit, seiner Zeit zur See, ohne die er die Torturen nicht überstanden hätte.
„… deine Vergangenheit bestimmt, was du heute bist …“ Wie recht Systra doch hatte!
Diesmal waren die Schatten seiner damaligen schmerzlichen und demütigenden Erfahrungen nicht bösartig über ihn hergefallen, sondern hatten ihm wohlwollend geholfen, die Schmerzen standhaft zu ertragen.
Er war nun kein Welpe mehr .. kein Welpe!
Runa hatte sich ihre Gratulation bis zum Schluss aufgespart: einen riesigen Kaltblüter, der auf den Namen Brjann hörte und bereits zum Kriegspferd ausgebildet war. Als sie ihm die Zügel übergab, wusste er: Mit diesem Tier würde er sich noch ausgiebig beschäftigen müssen.
Traditionen … drei Jarle … umkreisen … Dualität ... ein Holzschild ... der Ritualdolch ... ein Zahn … Stimmen ... Ehre … Blut und Feuer … Umarmungen ... Ahnen und Geyster … Hunger … eine Ohrfeige … Brother und Syster … zwei riesige Augen, die ihm gelassen anglotzten …
Wieder glitten die Szenen und Bilder in ineinander. Kanubio konnte es nicht verhindern. Er war glücklich und zufrieden. Er war stolz auf sich. All seine Mühen hatten sich gelohnt. Er war dort, wo er das Gefühl hatte, hinzugehören.
Als die schwache, morgendliche Herbstsonne ihren ersten fahlen Strahlen über den Horizont schickte, entglitt der letzte Rest der Wurst Kanubios Hand und kollerte über die Felle. Seine Augen schlossen sich und sein Kopf sank auf die Brust, wobei er noch undeutlich ein paar Worte murmelte:
„… und dey aufnehmen … aufnehmen als Wolf der unseren … der eingehen wird in die … Hallen … Ahnen … Anundraf …“
Kanubio sank erschöpft in die Felle - in dieselben, in die er auch in den letzten zwei Mondläufen geschlafen hatte. Sie lagen immer noch in Wulfgard. Wieder tat ihm alles mögliche weh, doch er genoss diese Schmerzen, glücklich und zufrieden lächelnd. Er wollte nur noch eines: schlafen. Möglichst entspannt rollte er sich auf seine linke Seite, schloss die Augen und wartete, dass ihn die erholsame Dunkelheit entführte.
Sein Kiefer schmerzte. Er rollte ein Fell zusammen und legte sich so, dass er mit weniger Druck auf seine Wangen darauf zu liegen kam. In seinem rechten Unterarm tuckerte es. Er zog ihn aus den Fellen und legte ihn oben drauf. Dann rumorte sein Magen. In seiner Aufregung und aufgrund gewisser Umstände, die ihm das Kauen und Verdauen erschwert hatten, hatte er kaum etwas von Runas Festbraten gegessen.
Er setzte sich auf, entzündete eine Kerze, langte in seine Truhe, holte sich die weichste Wurst, die er fand, heraus und löschte das Licht. Kauen und schlucken konnte er auch im Dunkeln.
Während er bedächtig die Wurst mit der linken Zahnreihe kaute und sich gleichzeitig einem entspannten Dösen hingeben wollte, schoben sich die Bilder dieses Abends vor seine Augen und er hörte wieder, was sie und was er gesprochen hatten. Die Szenen verschoben sich ineinander. Seine Gedanken verfilzten sich. Abermals ging er diesen Abend durch, erlebte ihn noch mal, zerrissen in kleine Teile und wirr in ihrer Abfolge.
„Es ist vorbei“, versuchte er sich zu beruhigen. „Es ist überstanden.“
Er hatte die schweren Fragen Systras und Trystjarns zu deren Zufriedenheit beantworten können und hatte die Prüfung bestanden. Sie hatten abgestimmt und das Ergebnis war fast einstimmig. Er hatte sich mit seinem Namen und mit seinem Blut den Ahnen, Geystern und Elementarherren vorgestellt – mit seinem neuen Namen!
Das Ritual und ihre Gratulationen. In diesen Momenten wurde er eins mit seiner Vergangenheit, seiner Zeit zur See, ohne die er die Torturen nicht überstanden hätte.
„… deine Vergangenheit bestimmt, was du heute bist …“ Wie recht Systra doch hatte!
Diesmal waren die Schatten seiner damaligen schmerzlichen und demütigenden Erfahrungen nicht bösartig über ihn hergefallen, sondern hatten ihm wohlwollend geholfen, die Schmerzen standhaft zu ertragen.
Er war nun kein Welpe mehr .. kein Welpe!
Runa hatte sich ihre Gratulation bis zum Schluss aufgespart: einen riesigen Kaltblüter, der auf den Namen Brjann hörte und bereits zum Kriegspferd ausgebildet war. Als sie ihm die Zügel übergab, wusste er: Mit diesem Tier würde er sich noch ausgiebig beschäftigen müssen.
Traditionen … drei Jarle … umkreisen … Dualität ... ein Holzschild ... der Ritualdolch ... ein Zahn … Stimmen ... Ehre … Blut und Feuer … Umarmungen ... Ahnen und Geyster … Hunger … eine Ohrfeige … Brother und Syster … zwei riesige Augen, die ihm gelassen anglotzten …
Wieder glitten die Szenen und Bilder in ineinander. Kanubio konnte es nicht verhindern. Er war glücklich und zufrieden. Er war stolz auf sich. All seine Mühen hatten sich gelohnt. Er war dort, wo er das Gefühl hatte, hinzugehören.
Als die schwache, morgendliche Herbstsonne ihren ersten fahlen Strahlen über den Horizont schickte, entglitt der letzte Rest der Wurst Kanubios Hand und kollerte über die Felle. Seine Augen schlossen sich und sein Kopf sank auf die Brust, wobei er noch undeutlich ein paar Worte murmelte:
„… und dey aufnehmen … aufnehmen als Wolf der unseren … der eingehen wird in die … Hallen … Ahnen … Anundraf …“
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Kanubio Bunjam
Brjann, ein kleiner Hügel
Er war groß, gewaltig groß, sogar für einen Kaltblüter. Stand Kanubio vor dem Tier, konnte es ihm, ohne den Kopf zu heben, mit seinem weichen Maul an die Stirn stupsen. Sein Körper war wuchtig, ein wahres Muskelpaket, seine Beine stark, seine Hufe massiv wie Bratpfannen. Stand Kanubio seitlich des Tieres und senkte es seinen Kopf zu Boden, konnte er mit Mühe gerade noch über seinen Rücken hinweg sehen. An Gewicht, so schätzte Kanubio, würde es sein 10faches eigenes wohl noch um etliche Stein übertreffen.
Es war wahrlich nicht dazu geboren, leichtfüßig und elegant durch die engen Gassen Varunas zu tänzeln, sondern um einen Krieger in voller Rüstung und Bewaffnung in die Schlacht zu tragen. Jeder Hufschlag ließ den Boden erzittern und Kanubio gab in seiner Nähe genau Obacht, nicht mit seinen Stiefelspitzen unter seine tellergroßen Hufe zu geraten.
Seit er ihn bekommen hatte, hatte Kanubio den schwarzen Hengst mit seinem bläulichen Schimmer im Fell nicht geritten, hatte ihn lediglich im Stall gefüttert und gepflegt, hatte mit ihm gesprochen und ihn gestreichelt, wie er es bei Runa am Bauernhof beobachtet hatte. Kanubio verbrachte viel Zeit darauf, ihn zu striegeln, seine Mähne zu entfilzen, die bis zum Ansatz der Vorderbeine herabfiel und den Schweif zu kämmen, der tatsächlich den Boden berührte. Doch Brjann schien gar nicht zu bemerken, dass Kanubio anwesend war. Willig ließ er alles mit sich geschehen, fraß seelenruhig oder döste vor sich hin.
Da war nichts Verspieltes wie bei Monsun, nichts Treudoofes wie bei Rabenmond, keine Arroganz wie beim Kleynen, keine Neugier wie bei Reykur und kein unbändiges Temperament wie bei Skramur. Brjann war anders. Natürlich war Kanubio etwas nervös, wenn er sich dem stattlichen Tier näherte, und höchst vorsichtig, wusste er bislang doch rein gar nichts über ihn, außer, dass er sich auf einen schrillen Pfiff hinlegte und stehen blieb, sobald das Ende der langen Zügel den Boden berührte. Es war an jenem Abend, als er ihn bekommen hatte, viel zu hektisch zugegangen, als dass ihm Runa ausführlich über die Ausbildung dieses Tieres hätte erzählen können, bevor sie ihm das Tier übergab.
Die meisten der Thyren besaßen einen solchen blauschwarzen Kaltblüter, denn nur sie waren imstande, die schweren gerüsteten Krieger über weite Strecken zu tragen und sich im wilden Hinterland Lameriasts im Winter eine Schneise durch den hohen Schnee zu bahnen.
„Komm mal mit“, sagte Kanubio sanft zu dem Riesen, neben der er sich schmächtig zu zerbrechlich vorkam. Er löste den Strick vom Ring, an dem das Tier im Stall angebunden war und wanderte mit ihm hinüber zum Hof. Runa war noch nicht zurück und so hatte Kanubio freie Hand. Er hielt mit Brjann unter dem Vordach des Hauses und ließ das Ende des Stricks zu Boden fallen. Das Tier hielt an und begann sofort zu grasen. Während Kanubio das Feld aberntete, warf er immer wieder einen skeptischen Blick zu ihm hinüber, doch Brjann rührte sich keinen Schritt.
Als genügend freie Fläche geschaffen war, nahm er dem Tier das Stallhalfter ab. Er war sich nicht sicher, ob er es ihm wieder anlegen könnte – wer wusste schon im voraus, was in so einem riesigen Thyrenschädel vorging? Doch im schlimmsten Fall würde er auf Runa warten müssen. Er rollte den Strick auf, versteckte das Halfter hinter seinem Rücken, setzte sich weit abseits des Hengstes ins brach liegende Feld und beobachtete es.
Zuerst schien Brjann ausgiebig zu überlegen, was er mit der unerwarteten Freiheit anfangen sollte. Zögernd machte er einige Schritte. Als er merkte, dass keiner Einspruch erhob, lief er los und tobte sich auf der freien Fläche so richtig aus. Kanubio sah ihm eine Weile dabei begeistert zu. Als er merkte, dass sich Brjann von ihm fern hielt und ihm keine Gefahr drohte, unter seine donnernden Hufe zu geraten, schloss Kanubio die Augen, genoss die nur noch schwach wärmenden Sonnenstrahlen auf seiner Haut und summte leise eine alte Seemannsweise. Er genoss die Ruhe, in die sich das gleichmäßige Trappeln der Hufe beruhigend einfügte, und hing seinen Gedanken nach.
Plötzlich legte sich ein Schatten über Kanubio und er spürte einen warmen Hauch in seinem Gesicht. Das konnte unmöglich Runa sein – so breit war die dralle Bäuerin nun doch nicht! Als er die Lider öffnete, blickte er in zwei riesige dunkle Augen knapp vor sich, die selenruhig auf ihn gerichtet waren.
„Hossa, mein Großer“, lächelt Kanubio knapp und ganz wohl war ihm nun nicht mehr, Doch der riesige Schädel blieb regungslos vor ihm hängen und die großen Augen blieben weiter auf ihn gerichtet.
„Wir sollten uns wohl wieder auf den Weg machen und ich hier nicht herumträumen, hm?“ meinte er fragend gegen das Tier, nicht recht glücklich darüber, die erste Mußestunde seit langem zu beenden, doch die Arbeit rief.
War es Zufall oder hatte Brjann seine Worte tatsächlich verstanden? Er zupfte mit seinen weichen Lippen einige Male am Schultertuch seiner Tunika, als wolle er ihn sanft zum Aufstehen bewegen.
Kanubio erhob sich mit dem Halfter in der Hand. Als er es zurechtschüttelte und anhob, senkte das Pferd etwas den Kopf und hielt still. Verdutzt hielt Kanubio inne.
„Ist das Runas Schule oder bist du so schlau?“
Er bekam keine Antwort.
Mühelos gelang es ihm, dem Kaltblüter das Halfter anzulegen. Mit schnellen Schritten verließ er den Hof und steuerte auf Wulfgard zu, während Brjann am langen Strick geführt, hinter ihm hertrottete.
Außer einer Menge riesiger Hufabdrücke im Kräuterfeld blieb nichts am Hof an verräterischen Spuren zurück und vielleicht war ja, bis Runa zurückkehren würde, bereits Gras über die Sache gewachsen.
Er war groß, gewaltig groß, sogar für einen Kaltblüter. Stand Kanubio vor dem Tier, konnte es ihm, ohne den Kopf zu heben, mit seinem weichen Maul an die Stirn stupsen. Sein Körper war wuchtig, ein wahres Muskelpaket, seine Beine stark, seine Hufe massiv wie Bratpfannen. Stand Kanubio seitlich des Tieres und senkte es seinen Kopf zu Boden, konnte er mit Mühe gerade noch über seinen Rücken hinweg sehen. An Gewicht, so schätzte Kanubio, würde es sein 10faches eigenes wohl noch um etliche Stein übertreffen.
Es war wahrlich nicht dazu geboren, leichtfüßig und elegant durch die engen Gassen Varunas zu tänzeln, sondern um einen Krieger in voller Rüstung und Bewaffnung in die Schlacht zu tragen. Jeder Hufschlag ließ den Boden erzittern und Kanubio gab in seiner Nähe genau Obacht, nicht mit seinen Stiefelspitzen unter seine tellergroßen Hufe zu geraten.
Seit er ihn bekommen hatte, hatte Kanubio den schwarzen Hengst mit seinem bläulichen Schimmer im Fell nicht geritten, hatte ihn lediglich im Stall gefüttert und gepflegt, hatte mit ihm gesprochen und ihn gestreichelt, wie er es bei Runa am Bauernhof beobachtet hatte. Kanubio verbrachte viel Zeit darauf, ihn zu striegeln, seine Mähne zu entfilzen, die bis zum Ansatz der Vorderbeine herabfiel und den Schweif zu kämmen, der tatsächlich den Boden berührte. Doch Brjann schien gar nicht zu bemerken, dass Kanubio anwesend war. Willig ließ er alles mit sich geschehen, fraß seelenruhig oder döste vor sich hin.
Da war nichts Verspieltes wie bei Monsun, nichts Treudoofes wie bei Rabenmond, keine Arroganz wie beim Kleynen, keine Neugier wie bei Reykur und kein unbändiges Temperament wie bei Skramur. Brjann war anders. Natürlich war Kanubio etwas nervös, wenn er sich dem stattlichen Tier näherte, und höchst vorsichtig, wusste er bislang doch rein gar nichts über ihn, außer, dass er sich auf einen schrillen Pfiff hinlegte und stehen blieb, sobald das Ende der langen Zügel den Boden berührte. Es war an jenem Abend, als er ihn bekommen hatte, viel zu hektisch zugegangen, als dass ihm Runa ausführlich über die Ausbildung dieses Tieres hätte erzählen können, bevor sie ihm das Tier übergab.
Die meisten der Thyren besaßen einen solchen blauschwarzen Kaltblüter, denn nur sie waren imstande, die schweren gerüsteten Krieger über weite Strecken zu tragen und sich im wilden Hinterland Lameriasts im Winter eine Schneise durch den hohen Schnee zu bahnen.
„Komm mal mit“, sagte Kanubio sanft zu dem Riesen, neben der er sich schmächtig zu zerbrechlich vorkam. Er löste den Strick vom Ring, an dem das Tier im Stall angebunden war und wanderte mit ihm hinüber zum Hof. Runa war noch nicht zurück und so hatte Kanubio freie Hand. Er hielt mit Brjann unter dem Vordach des Hauses und ließ das Ende des Stricks zu Boden fallen. Das Tier hielt an und begann sofort zu grasen. Während Kanubio das Feld aberntete, warf er immer wieder einen skeptischen Blick zu ihm hinüber, doch Brjann rührte sich keinen Schritt.
Als genügend freie Fläche geschaffen war, nahm er dem Tier das Stallhalfter ab. Er war sich nicht sicher, ob er es ihm wieder anlegen könnte – wer wusste schon im voraus, was in so einem riesigen Thyrenschädel vorging? Doch im schlimmsten Fall würde er auf Runa warten müssen. Er rollte den Strick auf, versteckte das Halfter hinter seinem Rücken, setzte sich weit abseits des Hengstes ins brach liegende Feld und beobachtete es.
Zuerst schien Brjann ausgiebig zu überlegen, was er mit der unerwarteten Freiheit anfangen sollte. Zögernd machte er einige Schritte. Als er merkte, dass keiner Einspruch erhob, lief er los und tobte sich auf der freien Fläche so richtig aus. Kanubio sah ihm eine Weile dabei begeistert zu. Als er merkte, dass sich Brjann von ihm fern hielt und ihm keine Gefahr drohte, unter seine donnernden Hufe zu geraten, schloss Kanubio die Augen, genoss die nur noch schwach wärmenden Sonnenstrahlen auf seiner Haut und summte leise eine alte Seemannsweise. Er genoss die Ruhe, in die sich das gleichmäßige Trappeln der Hufe beruhigend einfügte, und hing seinen Gedanken nach.
Plötzlich legte sich ein Schatten über Kanubio und er spürte einen warmen Hauch in seinem Gesicht. Das konnte unmöglich Runa sein – so breit war die dralle Bäuerin nun doch nicht! Als er die Lider öffnete, blickte er in zwei riesige dunkle Augen knapp vor sich, die selenruhig auf ihn gerichtet waren.
„Hossa, mein Großer“, lächelt Kanubio knapp und ganz wohl war ihm nun nicht mehr, Doch der riesige Schädel blieb regungslos vor ihm hängen und die großen Augen blieben weiter auf ihn gerichtet.
„Wir sollten uns wohl wieder auf den Weg machen und ich hier nicht herumträumen, hm?“ meinte er fragend gegen das Tier, nicht recht glücklich darüber, die erste Mußestunde seit langem zu beenden, doch die Arbeit rief.
War es Zufall oder hatte Brjann seine Worte tatsächlich verstanden? Er zupfte mit seinen weichen Lippen einige Male am Schultertuch seiner Tunika, als wolle er ihn sanft zum Aufstehen bewegen.
Kanubio erhob sich mit dem Halfter in der Hand. Als er es zurechtschüttelte und anhob, senkte das Pferd etwas den Kopf und hielt still. Verdutzt hielt Kanubio inne.
„Ist das Runas Schule oder bist du so schlau?“
Er bekam keine Antwort.
Mühelos gelang es ihm, dem Kaltblüter das Halfter anzulegen. Mit schnellen Schritten verließ er den Hof und steuerte auf Wulfgard zu, während Brjann am langen Strick geführt, hinter ihm hertrottete.
Außer einer Menge riesiger Hufabdrücke im Kräuterfeld blieb nichts am Hof an verräterischen Spuren zurück und vielleicht war ja, bis Runa zurückkehren würde, bereits Gras über die Sache gewachsen.
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Freitag 17. Oktober 2008, 14:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Kanubio Bunjam
[url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?p=254918#254918[/url]
Ein Preis der Gemütlichkeit
Nachdem Darna ihnen schon einige Zeit vorher geschildert hatte, was an jenen drei Tagen los sein würde, entschied der Jarl, dass die Claner am dritten Tag der Feierlichkeiten zu Darna und Adrians Hochzeit erscheinen würden. Alles andere war an Kanubio, der kaum noch seine Nase aus dem Minenstollen steckte, offensichtlich vorbeigegangen. Er freute sich auf den Besuch des Festes, wusch sich gründlich, zog frisches Gewand und neue Stiefel an und fieberte erwartungsvoll der Feier entgegen.
Die erste Enttäuschung ereilte ihn jedoch schon in Wulfgard, als er erfuhr, dass Trystjarn und Systra das Hochzeitsgeschenk bereits übergeben hatten. Zu gerne hätte er – und wenn auch nur aus der Entfernung – Darnas und Adrians Reaktion miterlebt, wenn sie es in Empfang nahmen.
Die nächsten Enttäuschungen vor Ort machten jeglichen Rest seiner guten Stimmung zunichte. Keiner wusste, wo es etwas zu essen und zu trinken gab. Es war kein Fest, sondern ein Markt. Und was Kanubio am meisten stank: er hatte das Turnier verpasst, das bereits am Vortag stattgefunden hatte – wo er doch so gerne derartigen Veranstaltungen beiwohnte!
In jenem Moment hätte er sich am liebsten auf sein Pferd geschwungen, um heimzureiten und sich enttäuscht in die Mine zu verkriechen. Während Kanubio mit seinem vor Hunger rebellierenden Magen um die Wette grummelte, fasste Trystjarn die noch unbenutzte Marktstandfläche in der Mitte des Platzes ins Auge. Die würden sie in Beschlag nehmen - ein paar Tische und Bänke, eine Kiste voller Fressen und Saufen und der Abend wäre gerettet.
Zuerst war Kanubio nicht recht begeistert von der Idee, doch wer ihn kannte, wusste ja, dass bei dem jungen Krieger gewisse Dinge – besonders jene, die die Gehirnwindungen spontan beanspruchten – manchmal etwas länger dauerten. Also zurück nach Wulfgard. Während sich Kanubio um Tische und Bänke kümmerte, luden Trystjarn und Sigfastr Essen und Trinken auf das Packpferd und schon waren sie wieder auf dem Weg zum Festplatz. Dort allerdings hatte man inzwischen ein Festzelt aufgebaut oder entdeckt. Hm. Und nun?
Trystjarn blieb dabei. Sie bauten auf. Trystjarn machte den Ausrufer. Es war wahrlich ein exzellenter Markschreier an ihm verloren gegangen! Alsbald wagten es die ersten, sich zu den Tiefländern zu setzen und gemeinsam mit ihnen zu feiern, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen, wie an anderen Ständen. Kanubios Laune besserte sich, wurde durch einen kräftigen Whiskey weiter angekurbelt. Das gereichte Essen war einfach, doch sättigend, der Alkohol floss in Strömen die Kehlen runter, man scherzte, lachte und hatte Spaß. Es war fast wie in Wulfgard an so vielen Abenden. Als sich auch noch Kanubios Vater Tithus zu ihnen setzte und kräftig mithielt, hätte der Abend nicht schöner sein können.
Während auf den anderen Ständen schon lange abgebaut war, ging es an den Tischen der Tiefländer immer noch lustig zu. Auch Adrian gesellte sich zu ihnen. Da er noch irgendwas mit Darna vor hatte, erlaubten ihm die Claner diesmal, den Stand nicht volltrunken zu verlassen.
Die Enttäuschungen waren vergessen. Kanubio hatte einiges über den Durst getrunken, was sich langsam bemerkbar machte. Er hatte daher nichts einzuwenden, als Trystjarn zum Abbauen rief.
Schließlich hielt der Abend noch eine Überraschung für sie bereit: Sie erhielten den Preis für den besten Beitrag zum Marktfest. Kanubio verstand die Welt nun gar nicht mehr. Für etwas, was für Tiefländer selbstverständlich war, überreichte man ihnen Urkunde und Auszeichnung.
Ja, Auri sollte wahrlich ein Lied darüber schreiben, was an jenem Abend passierte, denn von den Geschehnissen sollten noch die Welpen und deren Welpen erfahren.
„Von Gästen, die sich selbst, anderen Gästen und ihren Gastgebern Fressen und Saufen bis zum Umfallen ausgaben – und dafür einen Preis gewannen.“
Ein Preis der Gemütlichkeit
Nachdem Darna ihnen schon einige Zeit vorher geschildert hatte, was an jenen drei Tagen los sein würde, entschied der Jarl, dass die Claner am dritten Tag der Feierlichkeiten zu Darna und Adrians Hochzeit erscheinen würden. Alles andere war an Kanubio, der kaum noch seine Nase aus dem Minenstollen steckte, offensichtlich vorbeigegangen. Er freute sich auf den Besuch des Festes, wusch sich gründlich, zog frisches Gewand und neue Stiefel an und fieberte erwartungsvoll der Feier entgegen.
Die erste Enttäuschung ereilte ihn jedoch schon in Wulfgard, als er erfuhr, dass Trystjarn und Systra das Hochzeitsgeschenk bereits übergeben hatten. Zu gerne hätte er – und wenn auch nur aus der Entfernung – Darnas und Adrians Reaktion miterlebt, wenn sie es in Empfang nahmen.
Die nächsten Enttäuschungen vor Ort machten jeglichen Rest seiner guten Stimmung zunichte. Keiner wusste, wo es etwas zu essen und zu trinken gab. Es war kein Fest, sondern ein Markt. Und was Kanubio am meisten stank: er hatte das Turnier verpasst, das bereits am Vortag stattgefunden hatte – wo er doch so gerne derartigen Veranstaltungen beiwohnte!
In jenem Moment hätte er sich am liebsten auf sein Pferd geschwungen, um heimzureiten und sich enttäuscht in die Mine zu verkriechen. Während Kanubio mit seinem vor Hunger rebellierenden Magen um die Wette grummelte, fasste Trystjarn die noch unbenutzte Marktstandfläche in der Mitte des Platzes ins Auge. Die würden sie in Beschlag nehmen - ein paar Tische und Bänke, eine Kiste voller Fressen und Saufen und der Abend wäre gerettet.
Zuerst war Kanubio nicht recht begeistert von der Idee, doch wer ihn kannte, wusste ja, dass bei dem jungen Krieger gewisse Dinge – besonders jene, die die Gehirnwindungen spontan beanspruchten – manchmal etwas länger dauerten. Also zurück nach Wulfgard. Während sich Kanubio um Tische und Bänke kümmerte, luden Trystjarn und Sigfastr Essen und Trinken auf das Packpferd und schon waren sie wieder auf dem Weg zum Festplatz. Dort allerdings hatte man inzwischen ein Festzelt aufgebaut oder entdeckt. Hm. Und nun?
Trystjarn blieb dabei. Sie bauten auf. Trystjarn machte den Ausrufer. Es war wahrlich ein exzellenter Markschreier an ihm verloren gegangen! Alsbald wagten es die ersten, sich zu den Tiefländern zu setzen und gemeinsam mit ihnen zu feiern, ohne dafür etwas bezahlen zu müssen, wie an anderen Ständen. Kanubios Laune besserte sich, wurde durch einen kräftigen Whiskey weiter angekurbelt. Das gereichte Essen war einfach, doch sättigend, der Alkohol floss in Strömen die Kehlen runter, man scherzte, lachte und hatte Spaß. Es war fast wie in Wulfgard an so vielen Abenden. Als sich auch noch Kanubios Vater Tithus zu ihnen setzte und kräftig mithielt, hätte der Abend nicht schöner sein können.
Während auf den anderen Ständen schon lange abgebaut war, ging es an den Tischen der Tiefländer immer noch lustig zu. Auch Adrian gesellte sich zu ihnen. Da er noch irgendwas mit Darna vor hatte, erlaubten ihm die Claner diesmal, den Stand nicht volltrunken zu verlassen.
Die Enttäuschungen waren vergessen. Kanubio hatte einiges über den Durst getrunken, was sich langsam bemerkbar machte. Er hatte daher nichts einzuwenden, als Trystjarn zum Abbauen rief.
Schließlich hielt der Abend noch eine Überraschung für sie bereit: Sie erhielten den Preis für den besten Beitrag zum Marktfest. Kanubio verstand die Welt nun gar nicht mehr. Für etwas, was für Tiefländer selbstverständlich war, überreichte man ihnen Urkunde und Auszeichnung.
Ja, Auri sollte wahrlich ein Lied darüber schreiben, was an jenem Abend passierte, denn von den Geschehnissen sollten noch die Welpen und deren Welpen erfahren.
„Von Gästen, die sich selbst, anderen Gästen und ihren Gastgebern Fressen und Saufen bis zum Umfallen ausgaben – und dafür einen Preis gewannen.“
Zuletzt geändert von Kanubio Bunjam am Sonntag 2. November 2008, 16:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Kanubio Bunjam
Ein Mann, ein Wort
Recht genau einen Jahreslauf war es her, dass Kanubio jene verhängnisvollen Worte vor Falk herausgerutscht waren, als dieser ihm bewilligte, sich Schwert und Handschuhe aus Diamant, gesiegelt von einem Meisterschmied der Tiefländer, anfertigen zu lassen. Neben einer zweiten Bedingung musste Kanubio dazu auch das Diamant auftreiben. Da es zu jener Zeit eine allseits bekannte Tatsache war, dass man nicht um viel Gold welches am Markt bekommen konnte, meinte Kanubio in seiner Einfalt:
„Wenn keines zu kriegen ist, buddle ich es eben selbst aus!“
Falk hatte nur gelacht und erklärt, dass ihm kein Krieger bekannt wäre, der das jemals geschafft hätte.
Hätte Kanubio damals gewusst, was an Arbeit und Mühe er sich mit diesen wenigen Worten aufgebürdet hatte, würde er sich für jene paar Herzschläge wohl fest auf die Zunge gebissen haben, anstatt diesen Satz von sich zu geben. Doch gesagt war gesagt. Egal, was passieren würde – Kanubio wollte Falk beweisen, dass er zu seinem Wort stand.
Ungezählt blieben die Stunden, die Kanubio fortan in den dunklen, staubigen Stollen verbrachte. Seine an Frischluft gewöhnte Lunge rebellierte anfangs. Er spuckte Blut. Doch je intensiver er sich mit Erz und Gestein beschäftigte, umso mehr lernte er den Berg zu lieben und ihn ebenso als einen Teil der Natur zu erkennen wie einen Wald, eine Wiese oder einen See.
Es kam vor, dass Kanubio einen Stein aus dem Stollen mitnahm, der absolut wertlos, aber besonders hübsch war. Diese hortete er in einem speziell gefärbten Sack und wenn Vilbur, der Zwerg aus der Sippe der Knochenbrecher, mit seinem verspielten Steinbeißer zur Mine kam, fütterte Kanubio das Tier mit diesen Leckerbissen. Der große, gutmütige Käfer freute sich und Kanubio faszinierte es jedes Mal aufs Neue, dem Steinbeißer zuzusehen, wie er das harte Gestein zwischen seinen zangenartigen Maulwerkzeugen zermalmte, um es danach mit dem kurzen Rüssel aufzusaugen.
Diesmal hatte Kanubio einen besonders hübschen Stein gefunden, den er gedankenverloren einsteckte. Erst draußen vor der Mine holte er ihn wieder hervor. Bevor er seinen Platz im bunten Sack finden sollte, wollte er ihn sich noch einmal genauer im Tageslicht betrachten. War es eine glückliche Fügung des Schicksals oder hatten die Geyster und Ahnen, ja vielleicht sogar „der Alte im Berg“ ihre Finger im Spiel, dass genau in diesem Moment der wolkenverhangene Nachthimmel aufriss und den fahlen Schein des Mondes auf den Stein fallen ließ, worauf dieser zu glitzern und zu funkeln begann?
Überrascht nahm Kanubio den Brocken im Licht der Laterne noch genauer in Augenschein. Das, was das Modlicht reflektierte, waren feine Splitter glasklarer Kristalleinschlüsse und zwei – nein, drei – Schichten kristalliner Masse zogen sich durch das graue Gestein.
Kanubio hielt den Atem an und seine Augen weiteten sich. Das war …!
Er breitete die Arme aus, holte tief Luft, legte den Kopf zurück und ließ aus der Tiefe seines Brustkorbs in unbändigem Freudentaumel ein Heulen ertönen, welches dem eines Wolfes ziemlich nahe kam. Die Wölfe im umliegenden Wald wandten verwundert die Köpfe in jene Richtung, aus der das doch noch recht ungeübt klingende Geheul kam, allerdings muss darin dermaßen viel überschwängliche Freude mitgeschwungen haben, dass die Wölfe es verstanden. Einer nach dem anderen stimmte in das Heulen mit ein und die frohe Botschaft verbreitete sich über das Gebiet der Tiefländer.
Als es endlich verstummte, hielt Kanubio immer noch fassungslos seinen ersten selbst geschürften Brocken Diamanterz in den Händen. Schon vor langer Zeit hatte er sich geschworen, dass er diesen Falk zukommen lassen würde. Und während Kanubio über all die Monate Stein um Stein in der Mine zerklopfte, seine Handflächen mehr und mehr verhornten, seine verspannten Muskeln allabendlich schmerzten, schwor er sich ebenso, künftig genauestens zu überlegen, bevor ihm irgendein Versprechen oder eine Zusage über die Lippen käme.
Aber genau wie Trystjarn würde Falk wenig mit einem Erzbrocken anfangen können und genau wie bei seinem ersten Coelium-Fund beschloss Kanubio, aus diesen Diamantbrocken einen Dolch anfertigen zu lassen. Der Knauf sollte einen Wolfskopf darstellen – einen mit sechs Augen. Grimmig sollte sein Blick sein und das Maul leicht geöffnet, wie bereit, um zuzubeißen. Der Griff sollte den muskulösen Körper bilden und die Klinge musste im oberen Teil gezackt sein. Es sollte kein Brotmesser werden, sondern eine gefährliche Waffe.
Das leichtere der beiden Vorhaben war wohl, den Dolch genau nach seinen Vorstellungen anfertigen zu lassen. Das weitaus schwierige war, ihn Falk zukommen zu lassen, denn keiner wusste, wo er sich aufhielt. Kanubio war sich sicher, dass ihm da auch noch etwas einfallen würde – und wenn er selbst nach Ulfsteinn …
Recht genau einen Jahreslauf war es her, dass Kanubio jene verhängnisvollen Worte vor Falk herausgerutscht waren, als dieser ihm bewilligte, sich Schwert und Handschuhe aus Diamant, gesiegelt von einem Meisterschmied der Tiefländer, anfertigen zu lassen. Neben einer zweiten Bedingung musste Kanubio dazu auch das Diamant auftreiben. Da es zu jener Zeit eine allseits bekannte Tatsache war, dass man nicht um viel Gold welches am Markt bekommen konnte, meinte Kanubio in seiner Einfalt:
„Wenn keines zu kriegen ist, buddle ich es eben selbst aus!“
Falk hatte nur gelacht und erklärt, dass ihm kein Krieger bekannt wäre, der das jemals geschafft hätte.
Hätte Kanubio damals gewusst, was an Arbeit und Mühe er sich mit diesen wenigen Worten aufgebürdet hatte, würde er sich für jene paar Herzschläge wohl fest auf die Zunge gebissen haben, anstatt diesen Satz von sich zu geben. Doch gesagt war gesagt. Egal, was passieren würde – Kanubio wollte Falk beweisen, dass er zu seinem Wort stand.
Ungezählt blieben die Stunden, die Kanubio fortan in den dunklen, staubigen Stollen verbrachte. Seine an Frischluft gewöhnte Lunge rebellierte anfangs. Er spuckte Blut. Doch je intensiver er sich mit Erz und Gestein beschäftigte, umso mehr lernte er den Berg zu lieben und ihn ebenso als einen Teil der Natur zu erkennen wie einen Wald, eine Wiese oder einen See.
Es kam vor, dass Kanubio einen Stein aus dem Stollen mitnahm, der absolut wertlos, aber besonders hübsch war. Diese hortete er in einem speziell gefärbten Sack und wenn Vilbur, der Zwerg aus der Sippe der Knochenbrecher, mit seinem verspielten Steinbeißer zur Mine kam, fütterte Kanubio das Tier mit diesen Leckerbissen. Der große, gutmütige Käfer freute sich und Kanubio faszinierte es jedes Mal aufs Neue, dem Steinbeißer zuzusehen, wie er das harte Gestein zwischen seinen zangenartigen Maulwerkzeugen zermalmte, um es danach mit dem kurzen Rüssel aufzusaugen.
Diesmal hatte Kanubio einen besonders hübschen Stein gefunden, den er gedankenverloren einsteckte. Erst draußen vor der Mine holte er ihn wieder hervor. Bevor er seinen Platz im bunten Sack finden sollte, wollte er ihn sich noch einmal genauer im Tageslicht betrachten. War es eine glückliche Fügung des Schicksals oder hatten die Geyster und Ahnen, ja vielleicht sogar „der Alte im Berg“ ihre Finger im Spiel, dass genau in diesem Moment der wolkenverhangene Nachthimmel aufriss und den fahlen Schein des Mondes auf den Stein fallen ließ, worauf dieser zu glitzern und zu funkeln begann?
Überrascht nahm Kanubio den Brocken im Licht der Laterne noch genauer in Augenschein. Das, was das Modlicht reflektierte, waren feine Splitter glasklarer Kristalleinschlüsse und zwei – nein, drei – Schichten kristalliner Masse zogen sich durch das graue Gestein.
Kanubio hielt den Atem an und seine Augen weiteten sich. Das war …!
Er breitete die Arme aus, holte tief Luft, legte den Kopf zurück und ließ aus der Tiefe seines Brustkorbs in unbändigem Freudentaumel ein Heulen ertönen, welches dem eines Wolfes ziemlich nahe kam. Die Wölfe im umliegenden Wald wandten verwundert die Köpfe in jene Richtung, aus der das doch noch recht ungeübt klingende Geheul kam, allerdings muss darin dermaßen viel überschwängliche Freude mitgeschwungen haben, dass die Wölfe es verstanden. Einer nach dem anderen stimmte in das Heulen mit ein und die frohe Botschaft verbreitete sich über das Gebiet der Tiefländer.
Als es endlich verstummte, hielt Kanubio immer noch fassungslos seinen ersten selbst geschürften Brocken Diamanterz in den Händen. Schon vor langer Zeit hatte er sich geschworen, dass er diesen Falk zukommen lassen würde. Und während Kanubio über all die Monate Stein um Stein in der Mine zerklopfte, seine Handflächen mehr und mehr verhornten, seine verspannten Muskeln allabendlich schmerzten, schwor er sich ebenso, künftig genauestens zu überlegen, bevor ihm irgendein Versprechen oder eine Zusage über die Lippen käme.
Aber genau wie Trystjarn würde Falk wenig mit einem Erzbrocken anfangen können und genau wie bei seinem ersten Coelium-Fund beschloss Kanubio, aus diesen Diamantbrocken einen Dolch anfertigen zu lassen. Der Knauf sollte einen Wolfskopf darstellen – einen mit sechs Augen. Grimmig sollte sein Blick sein und das Maul leicht geöffnet, wie bereit, um zuzubeißen. Der Griff sollte den muskulösen Körper bilden und die Klinge musste im oberen Teil gezackt sein. Es sollte kein Brotmesser werden, sondern eine gefährliche Waffe.
Das leichtere der beiden Vorhaben war wohl, den Dolch genau nach seinen Vorstellungen anfertigen zu lassen. Das weitaus schwierige war, ihn Falk zukommen zu lassen, denn keiner wusste, wo er sich aufhielt. Kanubio war sich sicher, dass ihm da auch noch etwas einfallen würde – und wenn er selbst nach Ulfsteinn …