Haus von Seranyth - Leben in Rahal

Azucinnia von Seranyth

Haus von Seranyth - Leben in Rahal

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Der Anfang

Der Abend zog ein, bedeckte mit seinem schwarzen Kleid nach und nach jede Gasse, jeder Winkel wurde von den Massen der Nacht ins dunkle eingebunden.
Der kühle Wind peitschte durch die Straßen und Gassen Rahals und teilte einen jeden sein heulendes Lied mit. Die Flammen der Kerzen, wie Fackeln zeichneten wunderschöne Silhouetten an Wände und Mauern.
In einen der vielen Anwesen in der Oberstadt brannten selbst in den tiefsten Stunden der Nacht die Flammen des Feuers. Es war nichts neues, das die Bewohner dieses Haushaltes es mit der Zeit nicht genau nahmen. Wieso sollte es auch heute anders sein?
Wenn man sich an der Hausmauer entlang schlich, um einen Blick durch die Fenster zu erhaschen, spähte man direkt in die Wohnstube des Anwesens derer von Seranyth.
Das knistern des Kamins, das Holz dessen sanfter Kuss mit dem Feuer ineinander überging, raschelte in der stille des Raumes und lies einen erinnern, das doch nicht jeder zu Bett ging.
Dort, in dem kleinen gemütlichen Raum, umhüllt von der aufsteigenden Wärme des Kamins, saßen zwei Kinder der Seranyth zusammen am Esstisch und tranken zum Abschluss des Abends den letzten Rest des Weines, welchen sie sich des Öfteren gönnten, um die gemeinsame Zeit, die man sich nahm, gänzlich auszukosten.
Wahrlich ein mittlerweile bekanntes Bild, wenn man rückblickend schaute und sich in Erinnerung rief, wie kalt und leer einst diese Räume doch waren.
Die Wärme, das Gefühl von einem gemütlichen Heim war nicht immer präsent in diesem Haushalt. Seit sie in seinem Leben trat, seit sie ein Teil seines Lebens wurde, erst als sie sich in den kalten Wänden niederließ, erwachte nach und nach mehr die Wärme, die auch er nun, nicht mehr missen wollte. Ob er jenes jemals preisgeben würde, ist ungewiss, aber auch ein Außenstehender konnte die Veränderung mit ansehen. Dieses junge Ding tat dem Blutgeboren gut. Und auch wenn man munkelte, dass zwei verschiedene Wesen, gar Welten aufeinander trafen, konnte man nicht mehr leugnen, dass auch er ihr, sehr gut tat.
Zwei herumirrenden Seelen, die sich fanden.

Azucinnia war nicht dumm. Sie hatte in der Zwischenzeit genau heraus bekommen, welche Hebel sie in Gang setzen musste, welche Gesichtszüge sie von sich gab, um das von ihrem Cousin zu bekommen, was ihr gerade im Sinn stand, oder was sie vor hatte zu vollbringen.
Man würde es auch, um den Finger wickeln bezeichnen, wenn man es ganz genau nehmen würde.
Gut. Darian war ebenso mit Weisheit beschenkt, daher war es abzusehen, das es natürlich nicht immer so einfach von statten ging, wie es sich die Blutgeboren dachte, aber aufgeben gab es in dieser Familie nicht. Durchsetzen und sein Ziel erreichen war die Divise.
War es die Intuition die er schon am Morgen verspürte, als er in die braunen Augen seiner Cousine blickte und spürte, dass der Tag, minder der Abend nicht ohne eine Bitte ihrerseits an ihn, enden würde?
Somit war es für ihn keine Verwunderung, als er am späten Abend die Tür aufschloss und Azucinnia am Esstisch, mit einer Flasche Wein und diesem unschuldigen Lächeln auf den Zügen auf ihn wartete.
Es war in diesem Moment schon aussichtslos zu widersprechen, gar einen Streit vom Zaun zu brechen, war jenes das Letzte, was der junge Mann sich an diesem Abend wünschte. Eine Auseinandersetzung mit ihr, wäre bei weiten heute kein Vergnügen gewesen. Zwei Dickköpfe durch und durch, somit war es besiegelt, das er heute nachgeben würde, nur um den Frieden zu bekommen, den er wollte.
Ihre Worte sprudelten von den Lippen, hallten in sein Ohr. Ein seichtes Nicken ab und an zu ihren Worten seinerseits. Ein zufriedenes Lächeln ihrerseits, was ihm die Frage im Kopf aufkommen lies, zu was er nun eigentlich zugestimmt hatte.
Bei Alatar sie schien heute wirklich die Worte zu verschlucken, er konnte sich just dessen schon nicht mehr entsinnen was sie wollte.
Lag es am dem Wein? Sein Glas war jedes Mal aufs Neue gefüllt, nur das ihre schien die Leere beizubehalten die es von Anfang an hatte.
War das ihre Taktik? Was genau wollte sie nun von ihm.
Ein leises aber in die Länge gezogenes Seufzen seinerseits, die Gedanken sammelten sich und seine Konzentration lag abermals auf ihren Lippen, ihren Worten und jetzt ergab es auch in seinem Kopf einen Sinn.
Es schien eine gewisse Zeit zu verstreichen, er lehnte sich zurück, schwenkte das Weinglas ein wenig hin und her und besinnte sich ihren Worten.
Scheinbar verwirrte sie sein Mienenspiel, das er über ihre Worte nachdachte, nicht umsonst stimmte sie ins Schweigen ein und besah ihren Cousin abwartend aus den dunklen Augen.

Sie äußerte das seichte Gefühl der Unzufriedenheit. Das Gefühl zu haben in ein leeres Haus heim zu kehren und alleine zu sein.
Einmal davon ab, das er ebenso in jenes Haus kam und er so manches Mal die Logik einer Frau nicht verstand, sinnierte er weiter über das Gesagte.
Sie hätten soviel Platz, ein wunderschönes Haus, welches ebenso eine Hand brauchte, um versorgt zu werden und sie das nicht mehr alleine vor hatte zu tun.
Nun dämmerte es ihn, sie hatte keine Lust das Dienstmädchen für ihn zu spielen.
Ein sachtes Nicken seinerseits vollzog sich, rückblickend würde er ihr auch zustimmen.
Es lag ihr wirklich nicht sonderlich einen Haushalt in diesem Maß alleine zu führen. Sie bemühte sich, das konnte er nicht leugnen, aber es kostet ihn stets Überwindung das gekochte von Azucinnia zu verspeisen. Seine Cousine hatte viele Fertigkeiten. Sie konnte gewiss einiges, aber kochen, nein, das lag ihr wirklich nicht.
Wieder ein Nicken seinerseits.
Das Haus war wirklich groß, sie hatten beide viel zu tun, sei es, sie in der Stadtverwaltung oder er für den Orden. Und wenn er ehrlich war, gefiel ihm das Wissen, das Gefühl heim zu kehren und zu wissen das Leben in diesen Gemäuern hauste.
Allmählich wusste er worauf sie hinaus wollte.
Als er dann das Pergament zugeschoben bekam, die Augen die Zeilen des Schriftstückes überflogen, wurde ihm nach und nach mehr klar, wie die Bitte seiner Cousine aussehen würde.
„Leben in ein Haus zu bringen, bedeutet das mehr als zwei in diesem wohnen!“
Sein Blick löste sich von dem Gesuch nach fähigem Personal für ihr Heim und legte sich auf die ruhige Mimik seiner Cousine.
Sie wollte einen Haushalt gründen. Sie hatte vor die verschiedensten Menschen aus Rahal einzustellen, um ihnen eine Aufgabe zu Teil werden zu lassen, ebenso ein Teil dieser Familie zu werden, in dem ein jeder seinen Beitrag dazu steuerte.
Abermals verstrichen die Minuten durch den Raum, ehe die Stimme Darians die Stille brach.
Solch ein Ziel, solch eine Angelegenheit bedarf an Zeit und Planung. Ihre Idee, das Haus mit noch mehr Leben zu bereichern gefiel ihm ebenso und sie würde seine Unterstützung in allen Belangen bekommen, wenn sie jene brauchte. Jedoch würde die Verantwortung jenes zu beginnen an ihr liegen, da der Orden ihn derzeit sehr forderte und in Anspruch nahm.
Wieso verwunderte ihn ihre Reaktion auf seine Worte nicht?
Konnte sie ihn wirklich so leicht durchschauen?
Dieses Lächeln auf ihrer Mimik zeigte ihm zu deutlich, das Azucinnia ihren Cousin sehr gut kannte.
Frauen.
Verdammt dieses Weib dachte aber auch an alles.
Jetzt, saß er alleine am Esstisch mit seinem Weinglas in der Hand und den vor sich stapelnden Akten der möglichen Bewerber für den Haushalt.
Es war ihm noch immer ein Rätsel seit wann sie jenes Vorhaben schon im Kopf hatte.
Ebenso war es ihm ein Rätsel wie sie das alles hinter seinem Rücken vollziehen konnte.
Ein kleines Miststück das es ordentlich hinter den Ohren hatte, sie war wahrlich eine echte Seranyth und jetzt wo sie friedlich schlafen konnte, musste er sich den Akten widmen, damit er ihr am nächsten Tag seine Meinung dazu kund geben konnte.


„Leben in ein Haus zu bringen, bedeutet das mehr als zwei in diesem wohnen!“
Zuletzt geändert von Azucinnia von Seranyth am Montag 15. September 2008, 14:43, insgesamt 1-mal geändert.
Azucinnia von Seranyth

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Mitten drin und voll dabei

Die Wochen verstrichen seit dem Abend, an dem die junge Frau ihrem Cousin in ihr Vorhaben einweihte. Seit dem Tag tat sich so einiges im Haus Seranyth.
Das kühle, noch nicht gänzlich wohnbereite Heim hatte in der Zwischenzeit an Wärme und Gemütlichkeit gewonnen.
Nicht nur die Außenfassade, gar das Innenleben hatte sich mit der Zeit verändert. Mittlerweile erfüllten die verschiedensten Stimmen, die Räume des Anwesens.
Der Wunsch, der Gedanke das Haus mit Leben zu füllen, vollzog sich von Tag zu Tag mehr.
Sicherlich war es nicht einfach jemanden zu finden, der auch wirklich in dieses Heim passte. Es mussten Eigenschaften, Charakterzüge genauestens besehen werden, es war unabdingbar das man am Ende abwiegen musste, auf was man sich nun direkt festlegte.
Während Azucinnia sich bemühte den Haushalt auf Vordermann zu bekommen, schien Darian es vorzuziehen sich in seinem Reich zu barrikadieren. Es waren die Launen, die Grundstimmung, die dem Haus dunkle Wolken bescherten.
Seine Launen waren schon nicht mehr auszuhalten. Jedes Wort welches man in seine Richtung warf, wobei man sich eher mit seiner Zimmertür unterhielt, ließen seine Stimmung um einen weiteren Tiefpunkt hinab senken.
Es war unerträglich und sie merkte die Anspannung, die Wut auf ihren Cousin immer mehr.
So er nicht in seinem Zimmer war, schien er stets den passenden Moment abzuwarten ungestört das Haus verlassen zu können.
Somit war es Azucinnia, die am Ende die Entscheidung traf, wer als Mitglied dem Haus Seranyth beiwohnte.
Das Bild, wenn sie vor seiner verschlossenen Tür stand, eine Unterredung zwar mit ihm führte, aber die Aufmerksamkeit nur von der Tür bekam, machte sie fuchsig. Immer wieder schob sie ihm Schriftstücke unter der Tür durch, um ihn wenigstens in dieser Form auf dem Laufenden zu halten.
Sie konnte nur hoffen, das dieser Anflug von schlechter Laune beizeiten von dannen ging, ehe sie selber es zuließ die Wut auf ihren Cousin an ihm und ihrem Umfeld auszulassen.

Es sollte das junge Fräulein Blawn sein, die ihren Weg als erste in das Anwesen Seranyth fand.
Vermutlich war es der Herr selber, der den Weg Azucinnias in die Richtung des Hofes lenkte. Der Vorrat der Speisen nahm ein Ende und so war es an Fräulein Blawn diesem Übel auszuhelfen.
Das junge Fräulein Marie machte einen sehr freundlichen, wenn auch sehr zurückhaltenden Eindruck auf Azu. Natürlich war Vorsicht besser als Nachsicht, war sie es selber, die sich in vielerlei dingen zurück hielt.
Ein Wort wechselte zum nächsten. Ein längeres Gespräch vollzog sich, an dem das Fräulein Blawn immer mehr von sich erzählte.
Dieser Tag, an dem ihr Ausritt zum Hof der Dame Blawn führte, sollte nicht der letzte gewesen sein.
Es schien fast so, das die Worte Azucinnias die Neugierde Maries weckten, war es nun sie, die desöfteren die heilige Stadt aufsuchte um dort einige Stunden der freien Zeit zu verbringen.
So war es nicht verwunderlich, das man seit diesem Tag, die beiden jungen Frauen desöfteren zusammen erblickte.
Seit der ersten Begegnung der Blutgeboren und dem Fräulein Marie vergingen die Tage wie im Fluge. In dieser Zeit hegte das Fräulein Blawn den Wunsch, mehr über den Glauben an den Herrn zu erfahren, gänzlich ihm zu dienen.
Eine weitere Aufgabe, neben der Zusammenstellung des Haushaltes war es nun, das Fräulein Marie mit dem Glauben an den Herrn vertraut zu machen.
Die Besuche im Tempel begannen, schien es der beste Weg zu sein, die Hilfe des Clericus Anastra zu erbitten, um Marie auf den echten und wahren Weg zu führen.
Vieles stand nun Marie, wie auch Azucinnia bevor. Es war viel zu erledigen unter den Augen des Einen…

Neben dem Fräulein Blawn bezogen Ritter Crain und seine Tochter Yasccara ebenso ein Zimmer im Anwesen Seranyth. Rückblickend war es ihr völlig unverständlich wie sie sich bequatschen lassen konnte.
Natürlich empfand sie eine Verbundenheit mit Ritter Crain, schließlich war er einer der ersten, die ihr mit Freundlichkeit und Akzeptanz entgegen traten und sich darauf, im Laufe der Zeit eine Freundschaft entwickelte.
Schlägt man Freunden eine Bitte ab?
Schlägt man den Wunsch eines Ritters ab?
So gesehen war es eine Frechheit sie vor die Qual der Wahl zu stellen, denn sie hatte keine, war sie es selber, die dem Ritter desöfteren sagte, er müsste sich mehr um sein Kind kümmern und sich nicht wundern, wenn es durch die Gegend streift und mit jeden Kautz der ihren Weg passierte ein Gespräch anfing.
Wer sich nicht kümmert, brauchte sich nicht wundern.
Dass er nun ihre Worte so auf die Goldwaage legte verärgerte sie dann doch etwas. Es war fortan besser, die Worte gewählt von den Lippen zu geben, bevor man ihr daraus je wieder einen Strick heckeln konnte.
Jetzt war es eh zu spät.
Nein sagen konnte sie nicht, auch wenn sie sich weigerte eine Bindung zu diesem Kind aufzubauen, schließlich wollte sie kein Mutterersatz sein, minder sich um die Erziehung kümmern, weil es ja eben nicht das ihre war.
Wie man sich doch irren konnte…!
Im Laufe der Zeit knüpfte sich dann doch ein Band vielerlei Komponenten zwischen dem kleinen Mädchen und der Blutgeboren.
Gut, sie hatte Yasccara mittlerweile lieb gewonnen. Sie war ein kleiner Wirbelwind der ordentlich viel Wind im Haus und Umgebung verbreitete.
Es würde sicherlich nicht langweilig werden, verstand sie es, auf ihre Art und Weise jeden um ihren Finger zu wickeln.
Ein klein wenig erinnerte es Azucinnia an sich selber.
Ja, die Zeit und der Herr selber würden wissen, wie dieses kleines Mädchen und ihr Vater das Leben der Familie von Seranyth auf den Kopf stellen würden.

Es würde sich allgemein zeigen, wie das bunte Treiben in diesem Haushalt von statten gehen sollte…
Zuletzt geändert von Azucinnia von Seranyth am Montag 15. September 2008, 14:43, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Tugor Crain
Beiträge: 125
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Tugor Crain »

Adlige....
Schon bei dem Gedanken stellten sich ihm die Nackenhaare auf, ein arrogantes, engstirniges Volk wie er überzeugt war.
Glaubten sie doch selbst über der Ritterschaft zu stehen und fröhnten so manchen weltlichen Angenehmlichkeiten.
Er machte keinen Hehl daraus das ihre Lebensart ihn anwiderte und lies dies auch dem ein oder anderen Blaublütigen spüren.
Doch waren nicht alle so wie der Ritter bald feststellen mußte.

Tugor sollte die junge Frau bei einem Gasthofbesuch, als er eigentlich nur seinen sich dem Ende neigenden Proviant auffüllen wollte, kennen und schätzen lernen.
Das anfänglich Katz und Mausspiel der beiden entwickelte sich allmählich zu einer tiefer werdenden Freundschaft, welche tiefgründiger sein würde als sie nach außen hin wohl erscheinen sollte.
Azucinnia folgte dem Ritter irgendwann nach Rahal wo sie schnell ihre neutrale Auffassung gegenüber Göttern aufgab um sich dem wahren Glauben anzuschliesen.

So kam der Tag an dem sie Tugor ihre wahre Herkunft offenbarte, welche sich ihr erst jetzt in Rahal erschloß.
Sie entstamme aus einer bekannten Adelsfamilie, so sagte Azucinnia dem Ritter, ihr Cousin Darian von Seranyth habe ein Anwesen hier in der heiligen Stadt.
Anfänglich begegnete Tugor der Neuigkeit mit offensichtlicher Skepsis, Azucinnia eine Adlige, war das möglich?
Hatte er doch ein gänzlich anderes Bild von ihr, wie er es sonst von anderen ihres Standes kannte.

Einige Mondläufe verstrichen, ohne das sich seine erste Skepsis Azucinnias Adelsstand gegenüber auch nur im Ansatz bewahrheiten sollte.
Sie beschloss sogar einen Hausstand zu gründen, um das große Anwesen derer von Seranyth mit Leben zu füllen, wie sie meinte.
Tugor musste nicht sehr lange nachdenken, hatte er doch erst kürzlich seine verschollen geglaubte Tochter Yasccara wiedergefunden.
Wohnte die Kleine tatsächlich auf einem oft verweisten Hof und triestete dort ihrer unsicheren Zukunft, diesen Zustand musste er unbedingt ändern.
Da es dem Ritter nicht möglich war selbst für ein angemessenes Zuhause für sie zu sorgen, beschloss er schlieslich Yasccara mit in Azucinnias Hausstand zu nehmen, hatte sie ihn schlussendlich doch selbst auf diesen Gedanken gebracht.

Allmählich füllte sich das große Haus mit Leben und die Zukunft würde zeigen was daraus werden sollte.
Yasccara Askar
Beiträge: 154
Registriert: Freitag 19. Mai 2006, 13:44

Beitrag von Yasccara Askar »

Schon seit längerer Zeit war alles im Wandel. Die 'Grossen' kamen und die 'Grossen gingen doch es kam nochmal anders als die kleine auf dem Hof ein zuhause fand. Auch wenn dort für ihren Geschmack eindeutig zu viele Pferde waren, fühlte sie sich doch wohl und hatte sich schon ein wenig eingelebt. Es schien alles etwas ruhiger zu werden, bis zu diesem Abend als ein Ritter und eine Frau, welche eher im Hintergrund stehen blieb, zu Besuch kamen. Irgendwie kam er ihr ja bekannt vor doch nach erster Enttäuschung das er nicht von der Garde sei und etwas hin und her, stellte sich heraus das er wie es scheint ihr Vatter war.

Die Zeit verstrich und immer wie mehr lernte sie ihren Vatter und die Frau welche oft in seiner Begleitung auftauchte kennen. Sie war lange nicht so kalt wie es zu Anfang schien und immer öfter setzte sich diese sogar für die kleine ein.
Es ging nicht lange und ihr Vater sprach davon 'Sie zu sich zu holen' und bis an diesem Abend auf dem Hof verstand diese nicht recht was er damit meinte. Doch schon nach kurzer Zeit waren ihre sieben Sachen zusammengepackt und sie waren auf dem Weg in die Stadt, welche sie nach unzähligen erkundungstouren gut kannte. Ihr Vater führte sie zum Anwesen der Seranyth. Die warmen Mauern mit ihren vielen Gängen weckten die Neugierde und die Furcht die zuvor bestanden hatte wich immer wie mehr.
Von Anfang an wurde ihr das Gefühl entgegen gebracht willkommen und ein Teil von ihnen zu sein, so fand sie viele Freunde und neue Möglichkeiten und nicht minder auch das Gefühl zuhause angekommen zu sein.
Gajus Geizhals

Beitrag von Gajus Geizhals »

Seufzend stand er am Fenster und blickte auf den Garten herab, jene grüne Fläche hinter dem Haus die diesen Namen eigentlich gar nicht verdiente. Überall wucherten Gras und Unkraut wie sie eben wollten. Das kleine Rinnsal, welches aus dem Berg am Haus entsprach bildete eine stinkende Schlammgrube, fast schon einen kleinen Sumpf. Insgesamt bot sich ihm ein Anblick den er sicher nicht Garten nennen wollte. Doch das sollte sich ändern, er sollte das ändern. Er hatte eben lange, sehr lange mit Azucinnia reden müssen, um sie davon zu überzeugen, dass sie ihn den Garten gestalten lasse. Er hatte so seine Vorstellungen wie der Garten werden sollte, doch wollte er sie damit überraschen, was wiederum ihr nicht so recht zu behagen schien. Dennoch war es ihm am Ende gelungen und so konnte er mit jener Arbeit beginnen.
Zu aller erst musste er diesem Dschungel aus Gras und Unkraut Herr werden. Alleine das kostete ihn mühevolle Stunden in denen er Stück für Stück das Gras kürzte so das schließlich eine vernünftige Grasfläche entstand. Doch jene alleine wirkte trist und langweilig, doch dies war erst der Anfang. Allein durch seinen Beruf des Händlers gelang es ihm ohne Mühe alle Dinge zu besorgen die er benötigte, neben Werkzeugen wie Schaufel und Picke, Pflanzen wie einem jungen Apfelbaum oder Farn auch weniger gewöhnliche Dinge wie ein Holzgerüst oder einige schwere große Steinblöcke.
All jene Dinge standen und lagen nun im Garten herum, ein riesiger Haufen Dinge.
Als nächstes grub er die Schlammgrube aus, so dass ein Loch von vielleicht 2 Mannslängen Durchmesser und einer Halben Tiefe entstand. An die Felswand, an der das Rinnsal herab floss wuchtete er die schweren Steine, wobei er sie keinesfalls zufällig anordnete, sondern viel mehr einem Plan in seinem Kopf folgend. Anschließend rundete er die Kanten ab so dass sie fast wie natürliche Steine wirkten. Nun kam für ihn der schwerste Teil, oder besser gesagt der Unbekannteste. Er wollte das Rinnsal erweitern, so dass ein kleiner Wasserfall entsteht, doch hatte er keine Ahnung ob ihm jenes gelingen würde. Kurz entschlossen setzte er die Picke an und kurze Zeit später sprudelte ein ordentlicher Wasserfall aus dem Berg, welcher langsam begann den See zu füllen. Nun war es an der Zeit den Garten zu bepflanzen. So fanden der junge Apfelbaum, sowie der Farn und einige andere Pflanzen ihren Platz, darunter auch ein Beet für Azucinnia. Langsam aber sicher nahm so der Garten Gestalt an. Fast alles hatte er bis jetzt nach seinen Vorstellungen umsetzen können. Was noch fehlte, waren ein Sandkasten und eine Feuerstelle mit Laube.
Aber auch jene Dinge waren rasch eingerichtet und so konnte er bald abermals am Fenster des Hauses stehen, nur das er diesmal keinen grünen Dschungel vor Augen hatte, sondern einen schönen, gut sortierten Garten, welcher geradezu zum Verweilen und Entspannen einlud….
Azucinnia von Seranyth

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Bunte Lichter

Der Blick schweifte durch den Garten, der Körper lehnte sich an das kühle Mauerwerk und nach und nach wippte der Kopf von einer Schulter zur anderen. Der Pavillon wurde genauestens besehen, das Gemüsebeet bekam ebenso einige Wimpernschläge der Aufmerksamkeit, um schlussendlich den Kopf in den Nacken zu legen, damit die braunen Augen die Balkonverkleidung genauer ins Visier nehmen konnten. Gajus hatte ihren Auftrag mit Zufriedenheit erfüllt. Allein durch die erfolgreiche Durchführung und Umsetzung, den trostlosen Garten in eine wunderschöne Landschaft um zu gestalten, in jenen man mit Wohlwollen die restlichen Abendstunden verbringen wollte, bestätigte ihr Gefühl, das es eine gute Entscheidung war, ihn in ihr Haus aufzunehmen. Als Händler und Berater wollte er Azucinnia und dem Rest der Familie unterstützen. Sicherlich war jenes nur die halbe Wahrheit, aber ein gemeinsames Geheimnis vermochte die beiden zusammen zu schweißen. Nun wo Gajus seine Arbeit vollzogen hatte, der Garten noch an einigen Stellen dekorative Hand benötigte schlug der Gedanke wie ein Blitz ein. An den ein oder anderen Stellen des Gartens waren kleine Laternen angebracht. Trostlos und kalt wirkten sie. Nicht wie es der jungen Frau im Sinn stand. Sie wollte einen Garten in bunten Farben und Lichtern haben. Wie passend, das sie an diesem Tag den Ausflug nach Lameriast geplant hatte, um die Bestellungen bei Lina abzuholen. Sie würde Lina bitten noch weitere Laternen, minder das Holzgerüst, herzustellen, damit der eben erworbene Gedanke bald zur Umsetzung übergehen konnte.
Der Auftrag an Lina war gestellt. Sie würde ihr einige Laternen anfertigen während Azucinnia sich bereits um die Durchführung, mehr Sichtung der restlichen Materialien machte, die sie für die geplante Basteleinheit brauchte. Natürlich war es von Vorteil einen kleinen Wirbelwind im Haus zu haben, dessen Leidenschaft es war alles was es in die Finger bekam zu bemalen. Die Kleine Künstlerin wurde just dessen in ihren Plan eingefügt. Yasccara war ein kleines aufgewecktes Mädchen, sie würde sicherlich ebenso viel Spaß und Freude dabei haben ein wenig zu basteln und sich somit zu beschäftigen. Daheim angekommen, wurden die Truhen im Lager durchforstet. In der untersten Kiste ruhten die Bastelmaterialien, die sie auf dem Markt in Rahal für Yasccara besorgt hatte. Die kleine würde sicherlich nicht sofort mitbekommen, wenn ein paar der Papierstücke fehlten oder der ein oder andere Stift gebraucht wurde, zumal am Ende jeder aus diesem Haus etwas davon hatte.
Wer mochte denn nicht eine gemütliche und bunte Beleuchtung?
Zwischenzeitlich stapelte sie einige Papierhaufen auf dem Wohnzimmertisch. Die Schere und die Stifte lagen griffbereit. Eigentlich war Basteln nicht wirklich ihre Stärke. Wenn sie ehrlich war, hatte sie noch nie in ihrem Leben irgendetwas gebastelt. Gut, sie konnte sich ihre Pfeile und Bolzen herstellen, aber das war im Vergleich zu diesem Unterfangen ein Kinderspiel.
Kinderspiel!
Wo war der Wirbelwind wenn man ihn genau jetzt brauchte? Die Finger umfassten die auf dem Tisch platzierte Laterne. Es mussten nun Zuschnitte gezeichnet und ausgeschnitten werden, die die Lücken in der Holzverkleidung der Laterne beiwohnten. Hätte sie vorher gewusst, wie viel Genauigkeit und Geduld jenes brauchte, hätte sie wohl erst gar nicht damit angefangen. Es waren nicht zwei oder drei Papiere die den Boden bedeckten, mittlerweile bahnte sich ein kleiner Papierhaufen auf dem Boden an, mit Zeichnungen die wahrlich nichts mehr mit einer annäherten Bekanntschaft einer Laterne hatte. Wie viel Zeit verstrich wusste sie nicht mehr. Der Nachmittag hatte derweil zum Abend eingeschlagen und die Versuche annehmbare Zuschnitte zu kreieren schienen langsam zu gelingen. Als die Lust und die Motivation nachließen, fürwahr, es gab wirklich schöneres als alleine im Haus zu sitzen und mit der Schere Schnitte zu vollziehen, schlug die Uhr zur Stunde an der sie den Besuch bei Lina vorgesehen hatte. Die Laternen waren abholbereit und ein wenig frische Luft und Abwechslung taten der jungen Frau nun wirklich gut. Sie würde sich vornehmen am nächsten Tag Yasccara für ihre Idee bunte Laternen zu gestalten gewinnen, auf das ihr Garten bald mit bunten Lichtern geschmückt ist. So nahm der Tag sein Ende, der nächste Tag rief zum Tun auf, als Azucinnia durch das Anwesen schritt um Yasccara aufzusuchen. Jene ruhte eingebuddelt in einen der Sessel und vertiefte den Blick in eines der vielen Bücher, die in diesem Zimmer herum standen oder den Boden schmückten. Wie nicht anders vermutet, fand Yasccara die Idee etwas zu Basteln, gar wieder zu malen sehr schön. Wie leicht man Kinderherzen erfreuen konnte. Die zwei Damen des Hauses einigten sich, das es besser für die Teppiche wäre, wenn man auf jene nicht malen würde. So verlagerten sie die Bastel-Malstunde hinaus in den Garten. Es wurde sich warm eingepackt, Decken fanden ihren Platz auf der Wiese, während neben jenen die Kisten mit den Laternen und Papier, wie Stiftutensilien den letzten Platz fanden. Yasccara wurde als Stiftherrin gewählt, dessen Aufgabe es war, festzulegen, welche Farbe zuerst genommen wurde. Gelb und Grün waren es, die die Ehre hatten, die ersten Farbkleckse auf dem Papier zu hinterlassen. Verschiedene Muster fanden ebenso ihren Weg auf das Papier. Es waren mal Kreise, Quadrate, Wellen oder schlichte Striche die am Ende das Kunstwerk schmückten. Immer wieder unterbrach Azucinnia ihr Tun, um Yasccara in ein kleines Gespräch zu verwickeln, aber die junge Dame schien ihre Aufmerksamkeit lieber auf den Kunstwerken ruhen zu lassen, auf das ja kein Strich daneben gehen würde.
Die Zeit verstrich wie im Fluge. So wie die Stifte immer mehr Farbe auf den trostlosen weißen Papieren hinterließ, entstand am Ende eine bunte Lichterlandschaft. Neben den Anfangsfarben grün und gelb stellten sich rot und blau, lila und orange, rosa und hellblau in Reih und Glied. Ja der Anblick der bunten Lichter schenkten nicht nur den beiden jungen Damen des Hauses ein Lächeln auf die Züge. Die Erkenntnis dass etwas Zeit mit Yasccara auch ihr eine Freude bereitete, schienen die mühseligen Gedanken an die Versuche, eine ordentliche Arbeit zu erschaffen verschwinden. Nun gut, ganz so war es dann doch nicht. Der Kleister klebte noch immer an ihren Fingern. Es war ein widerliches Gefühl wie die Fingerkuppen aufeinander schnappten wenn sie sich berührten. An manchen Stellen der Laternen waren die Kleckse des Leims zu sehen. Nun gut sie war ja keine Künstlerin und am Ende zählte sowieso nur das Ergebnis. Aber bevor man sich wirklich über das Gesamtbild erfreuen konnte, wenn die bunten Lichter ihren Platz an den verschiedensten Stellen fanden, musste dieser verdammte Leim ab.
Wo zum Donner Wetter nochmal war nun Yasccara? Erdbeerquark waren die letzten Worte die sie von dem jungen Mädchen im Kopf hatte. Natürlich und aufräumen musste sie nun auch noch alleine.
Elende Bastelei, die nächste würde erstmal auf sich warten lassen.
Zuletzt geändert von Azucinnia von Seranyth am Montag 15. September 2008, 15:10, insgesamt 2-mal geändert.
Azucinnia von Seranyth

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Unverhofft kommt oft..

Alles fing mit einem ganz normalen Bürgergespräch an. Zumindestens waren jene Gedanken die ersten als das Gespräch ins Rollen ging.
Herr Drugar beantwortete die gewohnt gestellten Fragen zu ihrer Zufriedenheit. Es war ein recht angenehmes Gespräch, war sie es diesmal nicht, die jede Antwort aus der Nase ziehen musste, gar Beispiele oder andere ‚einfache‘ Formulierungen zu Tage heben musste, damit das Gespräch ansatzweise ins Laufen kam.
Immer wieder folgte ein knappes Nicken, ein sachtes Schmunzeln ob verschiedener Äußerungen, ehe das rotierende abließ und die Haltung der Blutgeboren mehr als aufrecht in die Höhe schoss. Würde man meinen, sie wäre vom Gerede in einen Trance gefallen, so war sie nun hellwach.
Burgler.
Die Nasenflügel zuckten seicht auf, die Lippenpartie schürzte sich, als die Worte des Herrn Drugar, viel mehr die Erklärungen, in ihr Ohr drangen.
Ein Burgler der den Weg, den wahren Weg nach Hause fand.
Soso. Er wollte wieder ein Teil von Rahal werden. Seinen Dienst an der Stadt, vor allen an den Einen ausführen.
Ob er bis dahin wusste, dass jenes Vorhaben schwerer war, als erwartet?
Ob er bis zu diesen Zeitpunkt auch nur im geringsten damit rechnete, wie sehr er ab diesen Tage auf die Probe gestellt war?
Den Kirchenbann konnte und durfte nur seine Heiligkeit nehmen. Ihm oblag es ein Urteil über Herrn Drugar zu sprechen. Er würde schlussendlich über den weiteren Werdegang des Mannes entscheiden.
Es vermochten einige Tage verstreichen als Eloriahus auf Azucinnia zuging. Um ein Gespräch bat er, um nochmals die Worte über den Kirchenbann und die weiteren Schritte zu reden. Am Ende des Gespräches, als sich die junge Frau wieder in den Räumlichkeiten des Rathauses befand, setzte sie ein Schreiben an seine Heiligkeit auf. Sie würde aus der Bitte des Herrn Drugar noch ihren Profit ziehen.
Des Alleinzigen Segen, eure Heiligkeit,

es liegt mir fern eure Zeit mit Nichtigkeiten zu belagern, jedoch komme ich dieses mal nicht drum herum, ist es der Rat und die Weisheit seiner Heiligkeit, die über die nun folgenden Zeilen, ein Urteil zu fällen hat.

Eloriahus Drugar, ehemaliger Gardist und Streiter Rahals, welcher durch die Verblendung der Burgler seinen Rücken gegen Rahal wandte, fand den rechten Weg zurück in die heilige Stadt.
Sein Anliegen oblag es einen Termin mit der Stadtverwaltung zu vereinbaren um wieder den Schwertarm, minder das ganze Wesen für seine Heiligkeit und der heiligen Stadt zur Verfügung zu stellen.
Schwere Last ruht auf den Schultern dieses Mannes und nur seine Heiligkeit sollte ein Urteil sprechen.
So erbitte ich um weitere Anweisungen, um die Akte Drugar zu schließen.

Möge der Eine stets über euch Wachen!
Azucinnia von Seranyth
stellvertretende Statthalterin, im Dienste der heiligen Stadt
Die Tage verstrichen seid sie den Brief an den Palast, zu Händen seiner Heiligkeit entsandte. In dieser Zeit lenkte der Eine die Wege der jungen Frau und des Herrn Drugar soweit, dass sie sich des Öfteren begegneten und das ein oder andere Wort gewechselt wurde. Dazu kam, das eine gemeinsame Vergangenheit ihn und Ritter Crain verband, somit war es nicht überraschend, das der Tag nicht weit schien, als Eloriahus an ihrem Tisch saß und in einem Dialog mit Ritter Crain vertieft war.
Ihre Gedanken schienen nicht bei dem Gespräch der beiden Männer zu verweilen. Noch immer schwirrten jene bei der Baronin von Tecklenstein herum. Wie eine Furie führte sie sich auf. Wenn man es nicht besser wusste, hätte man an jenen Tag den Anschein gewinnen können, sie habe ihren Verstand verloren oder wurde von einer Krankheit heimgesucht, die dem Wahnsinn mehr als nahe kam.
Sacht wog der Blondschopf hin und her als die Worte Tugors sie aus den Gedanken riss. Ruckartig lag nun der Blick auf ihm. Die Haltung aufrecht, gleichzusetzen wie eine Kerze ruhte sie nun auf ihrem Stuhl.
Bei Alatar er hat nun nicht das gesagt, was von seinen Lippen ausging. Er hat nicht Herrn Drugar über ihren Kopf hinweg das Angebot gemacht, in ihrem Haus einen Platz zu finden!
Allerdings tat er das.
Wieder überrumpelte er sie mit seiner vorschnellen Art und Weise.
Jetzt, wo das Kind bereits in den Brunnen gefallen war, blickte der Ritter sie mit einem fragenden Blick an und just als die Blicke sich trafen, als er wohl merkte einen Fehler begannen zu haben, zog sich Unbehagen auf seine Züge. Ihr Blick schien Bände zu sprechen.
Nicht nur das die Aufmerksamkeit des Ritters auf ihr lag, Eloriahus besah sie nun ebenso eindringlich, wie abwartend, gepackt mit einer Spur Hoffnung und Neugier.
Wie sie solch Momente hasste. Sie konnte es nicht leiden in die Ecke gedrängt zu werden um dann Hals über Kopf eine Entscheidung zu treffen.
Gut das war nur die halbe Wahrheit, manchmal mochte sie es ja doch, aber heute nicht.
Höchstwahrscheinlich schienen die Minuten wie Stunden zu verstreichen.
Stille.
Ein nachdenklicher Blick ruhte abwechselnd auf Tugor dann auf Elo.
Verdammte Kerle.
Verdammter Ritter, das er ihr nun solch Unbehagen schenkte.
Gutes Schauspiel war eine Seite die sie gut beherrschte. Das Lippenpaar zog sich zu einem Lächeln an, die Körperhaltung verlor das stock steife und ging zu einer lockeren Haltung über, ehe der Blondschopf sich seicht hinab bewegte zu einem Nicken.
Er bot seine Hilfe an. Er würde nicht nur der heiligen Stadt, somit dem Einen seinen Dienst mit Herzblut schenken, er wollte seinen Dank, das sie ihm half, ebenso damit gut waschen.
Nun gut, es war nicht ganz verkehrt das Tugor so vorschnell entschied. Am Ende wollten sie das Haus und seine Mitglieder mit Sicherheit ausstatten. Ein Schaden würde sie daraus sicherlich nicht ziehen, zumal Herr Drugar nochmals einen Fehler nicht tätigen wollte.
Aber bevor darüber weiter sinniert werden konnte, gar Pläne und Vorschläge weiter geschmiedet werden sollten, hieß es abwarten, das eine Nachricht von seiner Heiligkeit eintreffen würde.

Es sollten noch einige Tage vergehen als die Kunde die junge Frau erreichte, das seine Heiligkeit, Herr Drugar und sie im Palast erwarte. Die junge Frau hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht sonderliche Gedanken darüber gemacht wie es ist, vor seiner Heiligkeit zu stehen, das Wort an ihn zu richten um für jemanden, in diesem Falle Herr Drugar, zu sprechen. Jetzt wo ihr Weg zum Palast führte, die Mauern in ihr Blickfeld gerieten, schnürte sich der Magen zusammen.
Bei Alatar so nervös und aufgeregt war sie noch nie. Sie legte die Hände ineinander um den nötigen Halt zu finden, den sie nun, jetzt wo sie direkt vor seiner Heiligkeit stand, brauchte.
Ihr Rücken straffte sich, die Schultern rückten sich ordentlich zurecht, der Blick nicht direkt auf dem Alka haftend, während sie das Gespräch zwischen seiner Heiligkeit und Eloriahus lauschte.
Ihre Worte erklangen auf seine Fragen hin ruhig und sie konnte nur hoffen das die Aufregung nicht gänzlich zu bemerken war.

Jetzt, als sie die frische Abendluft einzog, hinter ihr die Kulisse der Palastmauern, wich die ganze Nervosität. Die Anspannung war verschwunden und ein sichtlich zufriedener Ausdruck ruhte auf ihrem, wie auf dem Antlitz von Herr Drugar.
Sein neues Leben als Bürger Rahals, als Diener des Herrn hatte soeben begonnen. Er konnte fortan sein Leben führen wie er es sich wünschte, wie es der Herr ihm weisen würde. Man konnte gespannt sein, was der Herr für sie bereit hielt.
Als die beiden sodann den Weg aufnehmen wollten, der Fuß sich bereits in Bewegung setzte, stockte sie auch schon in ihrer Bewegung als sie ihn wahrnahm. Das eben verloschene Lächeln schien sich langsam wieder seinen Weg auf ihre Züge zu bahnen. Es war nicht zu erklären wieso sie stets ein Lächeln offenbarte wenn sich ihre Wege kreuzten, aber um ehrlich zu sein, war das nachforschen der Ursache ihr gleich. Sie fühlte sich in diesem Moment zufrieden und wohl. Ein kurzes Wort ergab das andere, ehe sie Eloriahus an die Tore der Oberstadt führte, um auf dem Rückblick zu ihm zurück zu kehren, seiner Bitte mit ihr ein Wort zu wechseln, nachzukommen.
Eine willkommene Abwechslung.
Charmante Worte verließen seine Lippen ehe sie sich auf den Weg in die Gärten der Oberstadt aufmachten. Wahrlich er war anders als die anderen Bekanntschaften die sie machte. Was genau ihn so anders machte, konnte sie noch immer nicht sagen, aber es hatte eine merkwürdige Wirkung auf sie. Das sonst so freche und garstige Wesen was sie sonst vorschieb, hatte in diesen Momenten, wenn sie das Wort wechselten keinen Platz. Es schien bei ihm nicht zu Tage kommen zu wollen. Minder waren seine Worte manches Mal der Auslöser, dass die Hitze ihr zu Kopf stieg. Sie war nun wirklich niemand der schnell in Verlegenheit geriet, hier schienen ihr die Zügel aus der Hand zu segeln wenn sie nicht rasch nach ihnen haften würde.
Natürlich tat sie es und dennoch genoss sie die ‚kurze‘ Zeit mit ihm. Er war ein angenehmer Geselle und auch wenn die Momente an denen sich die Wege schnitten nur von kurzer Dauer waren, waren sie welche, die ihr ein Lächeln auf die Mimik zauberten.
Natürlich war die Bitte um eine Unterredung nicht vom persönlichen Interesse, schließlich hatte Eric für seine Heiligkeit einiges zu tun und somit war der Grund des kleinen Spazierganges auch schon gefunden. Er sollte etwas für seine Heiligkeit überprüfen, minder sollte er ihr Haus prüfen.
Die Gedanken über sein Wesen verflogen auch schon als seine Worte in ihr Ohr drangen. Wie gut das sie in jener Zeit bereits auf einer Bank ruhte, konnte sie es nicht zulassen noch erlauben vor ihn oder sonst wen ins Wanken zu geraten.
Er sollte sich ein Bild von ihr und dem Haus machen.
Ein Bild. Wollte sie es wissen? Sollte sie ihn einfach Fragen wie jenes derzeit aussah? Natürlich sollte sie das. Seit wann nahm sie ein Blatt vor den Mund? Zumal es sie betraf. Wie sollte es auch anders sein, verließen auch schon die Worte ihren Mund. Wie es nicht anders zu erwarten war, schenkte er ihr nicht nur ein Lächeln, seine Worte vielmehr erfreuten sie.

Ja.. er war schon eine Sache für sich. Nun wo jeder seinen Weg ging, ging sie ihren, begleitet mit einem Lächeln auf den Zügen.
Benutzeravatar
Tugor Crain
Beiträge: 125
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Tugor Crain »

Die Wochen und Monate vergingen wie im Fluge, so erschien es zumindest wohl den meisten im Hause von Seranyth.
Allmählich wurde jedem klar wie wichtig es war seine Aufgaben zu bewältigen, sei es das Haus mit Leben zu füllen, sich der Versorgung der Mitglieder zu widmen oder für die Sicherheit der Blutgeborenen zu sorgen.
Doch all diese Aufgaben dienten am Ende auch einem weitaus höherem Zweck, nämlich der heiligen Stadt und somit seiner Heiligkeit zu Diensten zu sein.
Der Alka würde die Entwicklung dieses Hauses mit Argusaugen beobachten, so war sich Tugor sicher, nichts dürfe also einen Schatten auf den Leumund derer von Saranyths werfen. Am Ende wäre der Lohn seinem Reich so trefflich zu dienen sicher gebührend, auch das wusste der Ritter.
Schlussendlich konnte er nur selbst von solch einer Entwicklung provitieren, war also nicht nur durch seine Treue gegegnüber Azucinnia an ihrem Haus gebunden, sondern sah darin auch eine Chance für seine eigene Laufbahn.
Doch erstmal waren andere Anstrengungen der Familie relevant, Pläne mussten geschmiedet werden, neue Bedienstete gefunden und eingestellt werden, um den bginnenden Einfluß des Hauses innerhalb des Reiches weiter zu untermauern.
Ein reges Leben in der Oberstadt war im Begriff um sich zu greifen und jenes Leben hatte einen Namen... Haus von Seranyth.
Azucinnia von Seranyth

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Schweben wie ein Blatt
Einladung zum Kindersommerfest

Die Familie Drachenfels lädt lädt zum 27. Searum zur dritten Mittagsstunde zu einem Kindersommerfest ein. Eingeladen sind alle Kinder (und die die wieder ein mal Kind sein wollen) Auch die Eltern sind natürlich willkommen. Ein Zauberer wird kommen um die Kinder zu erfreuen sowie eine Vorstellung mit gezähmten und dressierten Tieren. Auch die Gelegenheit zum Ponyreiten wird den Kleinen geboten. Fürs leibliche Wohl wird mit Speis und Trank gesorgt.
Desöfteren kam sie an diesen Aushang vorbei. Nicht nur einmal überflog sie die Zeilen um mit einer nachdenklichen Mimik wieder nach Rahal einzukehren.
Sie war fest der Überzeugung, das gerade ein Kind vieles von der Umgebung und ihrem Umfeld erblicken, gar Kennenlernen muss, um Erfahrungen zu machen und einfach Freude zu erleben.
Sehr oft stoß sie mit ihren Gedanken auf Granit bei dem Ritter.
Sicherlich es war ein hoher Preis den beide zu zahlen hatten. Wenn jemand erfahren würde, wer der kleine Wirbelwind war, würde alles noch schwieriger werden, vermutlich würde die kleine dann Rahal überhaupt nicht mehr verlassen.
Es mag wohl der Dickkopf Azucinnias gewesen sein, das ewige rebellierende Wesen, die es nach und nach mehr schaffte, ihre Ideen und Gedanken Tugor soweit schmackhaft zu machen, das er am Ende trotz eines Neins, zu einem Ja überging.
Es war nicht der erste Ausflug den die junge Frau mit Yasccara absolvierte. Mittlerweile knüpfte sich ein Band, das Besuche außerhalb Rahals zugänglich machte. Sie hatten beide eine spielerische Art und Weise geschaffen, um ihr Abenteuer noch spannender zu machen.
Zudem merkt sich ein Kind leichter wichtige Dinge, wenn man es ihm auf eine spielerische Weise verdeutlicht.
Außerdem wollte die kleine Dame Geheimfrau werden, somit war alles im einem, ein guter Anfang.

Dieser Aushang schwirrte ihr noch eine Weile durch den Kopf. Sie hatte alle nötigen Vorbereitungen getroffen. Der ein oder andere im Haus wusste wo sie den Nachmittag mit Yasccara verbringen würde.
Wenn sie ehrlich war, dann kochte die Aufregung dieses mal mehr in der jungen Frau wie sonst.
Schon die ersten Minuten die auf dem Fest verstrichen, ließen den Magen Azucinnias nach und nach enger schüren. Als dann noch dieser Arganta neben ihr zum stehen kam, das ein oder andere Wort mit ihr wechselte, spürte sie die innerliche Nervosität um so mehr.
Alatar sei dank, ging dieser Tag für sie und dem Kind sonnig aus. Auch wenn das ein oder andere Gesicht Azucinnia erkannte, minder kannte, so kam zumindestens heute nicht zu Tage, wo sie lebte.

Jetzt, daheim in ihren sicheren vier Wänden, entspannte sich die junge Frau. Zufrieden jemanden glücklich gemacht zu haben. Zufrieden einem daher gelaufenen, falsch gläubigen Arganta ein perfektes Schauspiel geboten zu haben.
In der Tat alles ging gut. Jedoch nahm sie sich fortan vor nicht mehr alleine in die Höhle des Löwen sich zu begeben und wenn doch, dann sicherer und durchdachter wie zuvor.

-------------------------------------------

Wieder strichen die Tage durch das Land. Der Sommer verabschiedete sich, nach und nach färbten sich die Blätter der Bäume in die unterschiedlichsten Farben, um langsam, gefangen im Windlied zu Boden zu fallen. Der Herbst stand in der Tür.
Nicht nur ihr Umfeld veränderte sich. Auch im Haus von Seranyth dachte niemand ans schlafen, gar ruhen.
Das Haus füllte sich immer mehr mit Leben. Die Suche nach fähigen, loyalen Wesen lies nicht ab.
Sie würde dem Herrn am Abend wieder für einen weiteren guten Tag danken. Ebenso, das er die Wege der jungen Frau und diesem Mann kreuzen lies.
Natürlich war Vorsicht besser wie Nachsicht. Das Gefühl stets auf der Hut zu sein, niemanden wirklich zu trauen war ihr stetiger Begleiter.
Was ebenso eines ihrer Eigenschaften war, anderen zuzuhören um Chancen und Möglichkeiten daraus zu schöpfen.
Seine Worte waren nicht verkehrt. Viele ähnelten der Sicht der jungen Frau, was es für beide wohl leichter machte, das Gespräch zu vertiefen.
Zusammenarbeit ist ein Schritt zur Verbesserung.
Aufeinander zu gehen um voneinander zu lernen, war ebenso ein Schritt nach vorne.
Geheimnisse würden immer mitspielen. Geheimnisse begleiteten sie täglich.
An sich, war das ganze Leben ein Geheimnis.

Die Zeit, wie der Herr selber würde wissen, wie das geknüpfte Band der jungen Frau und dem Mann weitergehen würde.
Ebenso wie es generell für die Blutgeboren bestimmt sein sollte.
Eloriahus Drugar

Beitrag von Eloriahus Drugar »

Herr der du mir Leuchtfeuer im Dunkel bist. Herr der du mir Nährboden für Glaube und Willenskraft bist. Herr als einfacher Diener entrichte ich mein Gebet an dich und bitte dich um dein Wohlwollen. Stärke mein Schild und schärfe meine Klinge auf das ich den von dir Gesegneten Schutz und Sicherheit bescheren kann… Herr der du… Als einfacher Diener…


In nahezu endloser Folge formten die Lippen des Eloriahus Drugar diese Worte.

Die Hände des Waffenmeisters hatten die beiden Enden der Parierstange umgriffen. Das Schwert des Mannes war mit zu Boden zeigender Klinge senkrecht zu diesem gerichtet und stach in die Bodenplatte. Der bärige Körper lehnt kniend auf ihm, sein Haupt war nach vorn geneigt.

Lange schon hatten die Schatten der Nacht das im Hause Seranyth befindliche Gemach von Eloriahus in Besitz genommen. Eine einsame Kerze auf dem Nachttisch spendete alleine ein spärliches Licht.

Der Tag neigte sich dem Ende und die alltäglichen Aufgaben im Dienste des Hauses Seranyth und der Garde Rahals hatten dem Drugar unweigerlich leichte Augenringe beschert. Und doch… mochte der Tag sein Ende fast gefunden haben, so hatten es die Aufgaben des Waffenmeisters nicht.

Aus unweiter Entfernung erklang der erste Glockenschlag, ein zweiter, dritter… man läutete zur Mitternachtsmesse und Eloriahus führte damit sein Abendgebet zum Ende.

Die Augen kurz schließend erhob er sich, schied sein Schwert und ergriff eine neben ihn positionierte Laterne. Mit seinem ersten Schritt war er bei der Kerze und entzündete mit Hilfe dieser die Laterne. Noch seine Uniform richtend öffnete er die Tür und verschwand mit erhobener Laterne in den Fluren, Räumen und Sälen des Adelshauses von Seranyth.


Ob es wohl eine ruhige Nacht werden würde...
Azucinnia von Seranyth

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Veranstaltungen


Die Tage, die Wochen, die Monde strichen durch das Land. Mittlerweile war es das Herbstlaub, welches den Boden gänzlich bedeckte, die grauen Nebelschwaden verdichteten sich immer mehr und ließen nur an manchen Tagen die Sonnenstrahlen hindurch schweifen.

Das Haus Seranyth schien nach wie vor, trotz der Wetterbedingungen zu blühen. Noch immer waren es die Stimmen die durch das Anwesen halten. Manches Mal waren es Laute des Zorns und der Wut, an manchen Tagen wohlklingendes Lachen, eine Stimmung, welche Zufriedenheit verriet.

Rückblickend gesehen, war in der ganzen Zeit eine Menge einher gegangen. Manches nicht einmal wert große Beachtung zu bekommen, geschweige seine Gedanken weiter an die Ereignisse, die Besuche in Bajard und den daraus resultierenden Ärger mit den Ketzern, zu verschwenden.

Die Hausweihe, die nun ebenso einige Tage, waren es vielleicht auch schon 1-2 Wochen im Anwesen von Seranyth von statten ging, lag ebenso zurück.
Es war wahrlich ein prachtvolles Fest und jetzt, wo der ganze Stress, die Sorge, das irgendetwas fehlen könnte, geschweige etwas schief gehen konnte aus ihrem Sinn gestrichen, konnte die junge Frau mit einem zufriedenen Ausdruck auf der Mimik an jenen Abend zurück denken.
Alle Gäste, die eine Einladung zu ihrem Fest bekamen, erschienen auch. Es war optimal, das das Anwesen von Seranyth so geräumig war, somit war die Gegebenheit genommen, das es durch Platzmangel zu Unwohlsein kommen konnte, geschweige zu Unmut bei den Gästen.
Tage, ach gar Wochen nahm die Planung des Festes an Zeit ein.
Die Bestellungen und Besuche bei den Gastwirten, die die Aufträge bekamen für das leibliche Wohl zu sorgen, nahm ebenso an Zeit in Anspruch und nun wusste die junge Frau auch, wieso sie gerade den beiden Damen den Auftrag dafür gab.
Das Essen, die Getränke waren vorzüglich. Keiner beschwerte sich, niemand musste Hungern, selbst wenn das Fest nicht für jeden das war, wie er sich vielleicht erhofft hatte, so wusste die junge Frau dennoch, das niemand mit einem leeren Magen sein Heim aufsuchte.

Sie war nicht nur mit dem Fest zufrieden. Auch ein jeder Bewohner des Hauses trug in den Vorbereitungen, wie am Fest selber, eine ordentliche Portion bei.
Wobei. Alle Bewohner stimmte nicht ganz.
Marie enttäuschte sie sehr. Das Vertrauen, welches die Blutgeboren auf die junge Frau baute, hatte sie mit ihrem Fernbleiben, wie wochenlangen abhanden kommen zu Nichte gemacht.
Hier würde es noch Entscheidungen zu treffen sein, welche würde sich mit der Zeit wahrlich heraus stellen.
Sie konnte nur für Marie hoffen, das der Eine mit ihr war, sein Wohlwollen würde sie brauchen....

-----------------

Langsam leuchten erste Strahlen
freundlich hell den Tag heran
Goldend bunt scheinen viele Blätter
Sonnenstrahl im Herbsteswarm

Herrlich strahlen Sonnenstunden
wunderschön ist doch der Herbst
Bäume stehn im schönen bunten
Laub, der Jahreszeit gefärbt


Nun war auch der Herbstmarkt abgehakt.
Wahrlich ein berauschender Markt.
So viele Besucher, gar Bewohner Rahals besuchten ihn, kamen aus ihren Häusern und verlebten ebenso mit Freude jenen Tag.
Gut, wie sollte es auch anders sein, war jener Tag nicht nur mit Sonnenschein und Frohsinn beschenkt, dunkle Wolken zogen sich am Abend, als der Markt langsam zur Neige ging ein, jedoch darüber nun weitere Gedanken verschwenden, wollte sie nicht.
Nicht jetzt, wo sie im Garten der Oberstadt ruhte und sich die Sonnenstrahlen der Herbstsonne ins Gesicht strahlen ließ.
Ein kurzer Seitenblick zur Nachbarbank. Dieses mal war sie unbesetzt.
Bedauerlich aber der Gedanke an die vergangene Zeit, als sie hier nicht alleine ruhte, ließen ihr für einige Wimpernschläge ein Lächeln auf dem Antlitz zurück.

Auch wenn es noch viel zu tun gab, der Herr vieles mit der jungen Frau, ebenso mit dem Haus Seranyth vor hatte, so konnte sie es kaum erwarten...

Ja, auch dieser Tag würde sicherlich ein guter werden und wenn nur durch die Gedanken an bereits wunderschöne, erlebte...
Eloriahus Drugar

Beitrag von Eloriahus Drugar »

Holz splitterte und brach als das stählerne Blatt mit einem wuchtigen Hieb in den Stamm eindrang.
Mit einem Ruck wurde der mächtige Einblätter aus der Erde gezogen und an eine kräftige Schulter gelehnt. Mit einem kurzen Schnauben besah der Beleibte sein Werk. Seit zwei oder vielleicht drei Stunden hatte er mit der Axt Holz geschlagen und dementsprechend viele Holzscheite lagen nun vor ihm auf dem Waldboden verstreut.

Der beleibte Körper des Eloriahus Drugar bebte leicht unter den angestrengten Atemzügen und Anstrengungen der Arbeit. Schweiß ran in dünnen Strömen über Stirn und Wange ehe er in dem ledernen Wams und Fell, dass seinen Oberkörper bedeckte, versiegte.

Es wehte ein rauer Herbstwind und es roch nach Schnee. Der Winter war nicht mehr fern und bald würde die Sonne hinter einer dichten Wolkendecke verschwinden. Das letzte Grün würde verschwinden und einem allgegenwärtigen frostigem Weiß weichen. Umso wichtiger war es gewesen den Vorrat an Feuerholz für das Haus zu mehren.

Eloriahus stieß einen kurzen Pfiff aus und bedeutete mit einem Nicken zu den herumliegenden Scheiten. In seinem Augenwinkel erhoben sich ein paar Gestalten aus dem Schatten eines Baumes. Er hatte in der heiligen Stadt vier Knaben angeheuert, diese würden für ein paar Goldlinge nun den für Eloriahus unangenehmen und lästigen Teil der Arbeit übernehmen und das Feuerholz in die Oberstadt zum Hause Seranyth schaffen.

Nachdem alle nötigen Anweisungen gegeben waren wendete sich der Waffenmeister zu seinem Ross, Asko um. Mit einem Ruck beförderte er seinen massigen Körper in den Sattel und griff nach den Zügeln. Den Einblätter schob er in eine lederne Halterung am Sattel. Eine kurze Bewegung seiner Hacken in den Flanken des Tieres versetzte Asko in Bewegung und schließlich in einen schnellen Trab in Richtung Rahal.
Benutzeravatar
Tugor Crain
Beiträge: 125
Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20

Beitrag von Tugor Crain »

Den hellen Tagen werden dunkle folgen, Freude wird dem Zorn weichen und schwarze Schatten über so manches Gemüt legen.
Das Rad der Zeit dreht sich unaufhaltsam weiter, Veränderungen treten ein ob gewollt oder ungewollt, das wusste Tugor schon immer.

Auch das Haus von Seranyth würde nicht davon verschont bleiben, doch das dies so rasch eintreten würde überraschte den Ritter.
Sein Verhältnis zur Blutgeborenen kühlte sich schon seit längerem spürbar ab, fast täglich musste er dies erfahren, wobei er sich eingestehen musste diesem Prozess nicht viel entgegengesetzt zu haben.
Die anfänglich so starke Bande schien zerissen, das Vertrauen gestört.
Es war sicher nicht geschickt das unfreiwillige Ableben Darians als Wille des Herrn abzutun, kannte er den Blutgeborenen nichtmal sonderlich gut, doch waren Worte schnell gesprochen und spiegelten oft nicht das wahre selbst wieder.
Die Reaktion Azucinnias folgte auf dem Fuß und äuserte sich in einem sich gegen den Ritter gewanten, verbalen Wutausbruch.
Hatte er tatsächlich ihren wunden Punkt getroffen?
Kannte er Azucinnia nicht gut genug um dies vorhersehen zu müssen?
Tugor fand keine Antwort darauf.

Veränderungen können auch einen Neuanfang bedeuten, Banden neu geknüpft werden, möglicherweise auch auf einer andere Ebene als zuvor.
Die Zeit heilt sämtliche Wunden so heist es.
Der Ritter hatte gelernt zu warten.
Azucinnia von Seranyth

Beitrag von Azucinnia von Seranyth »

Die Nacht zog ein, bedeckte mit seinem schwarzen Kleid nicht nur die Felder und Wälder in der Umgebung, jeglicher Winkel wurde von den Massen der Nacht ins dunkle eingebunden.
Der kühle Wind peitschte durch das Geäst, schlug gegen die Fenster um einen jeden in sein heulendes Lied einzustimmen.
In den Häusern brannten die Kerzen wie Fackeln, das tanzen der Flammen zeichnete eine wunderschöne Silhouette an den Wänden und Fenstern.
Das knistern des Kamins, das Holz dessen sanfter Kuss mit dem Feuer ineinander überging, würde so manchen dazu animieren sich auf den Fellen vor dem Kamin niederzulassen und dem tobenden Wind in der Nacht keinerlei Beachtung schenken.
Für all jene war dieser Abend einer von vielen. Ein weiterer Tag der zur Neige ging.
Jedoch nicht für alle.

Im Kaminzimmer, in einen der vielen, alten Sesseln eingenistet, saß Azucinnia. In der rechten ruhte ein Stück Fetzen, nichts besonderes so man einen flüchtigen Blick auf jenen Gegenstand schickte. Das dunkle Augenpaar selbst besah nicht die knappen Zeilen auf jenen Schriftstück, stattdessen harrte der Blick auf den Flammen des Kamins.

Die Tage wurden länger. Der Tag trat schon frühzeitig ins dunkle ein und die Stimmung, welche der düstere, wie kalte, gar schon ungemütliche Herbst mit sich brachte, packte bereits seit Tagen die junge Frau in ihren Bann.
Nun gut, es war kein Geheimnis das sie kein einfaches Gemüt war, jedoch seit dem Abend, an dem sie das Geschenk vor ihrem Anwesen fand, ein Andenken an ihren geliebten Cousin, brauchte es nicht viel um die junge Frau in rage zu bekommen.
Man nahm ihr jemanden, der ihr lieb und teuer war. Auf Trauer folgte die Wut. Aus der Wut entstand der Hass auf jene, die ihm jenes antaten.
Wenn sie wirklich glaubten, das ihr Geheimnis nie zu Tage kommen würde, so irrten sie.
Es kam bereits zu Tage und es würde der Tag kommen, an dem sie, Azucinnia von Seranyth, diesen _unnötigen_ Mord rächen würde.
Wann jenes sein würde war ungewiss, aber das Wissen das ihr Tag kommen würde, beflügelte sie nach und nach mehr.

Nicht nur das der Tod Darians ein tiefer Schlag auf das Haus, wobei mehr auf die junge Frau war, schienen es noch andere Mitmenschen lustig zu empfinden, die Nerven der Blutgeboren zu strapazieren.
Nun gut, wenn man ehrlich war, strapazierte nur der Ritter ihre Nerven.
Sie war es Leid Diskussionen zu führen, geschweige sich Zeit zu nehmen um alleine mit ihm zu sein. Was würde jenes ändern außer weitere Stille?
Nein, danach strebte es ihr nun wirklich nicht.
In den nächsten Fettnapf trat er, als er den Tod Darians lapidar beiseite zog.
Zu seinem Glück, waren sie an diesem Abend nicht alleine, wer weiß ob es nicht noch ein weiteres Opfer gegeben hätte, der die Wut Azus zu spüren bekam.
Wut.
Rasende Wut durchzog ihren Körper als die Worte Tugors in ihr Ohr drangen.
Wut, die nach und nach mehr Anstieg, seinen Anblick länger als nötig ertragen zu müssen.
Es war eine schlaue Entscheidung den Tisch zu verlassen und die junge Frau in der Taverne, mit dem Clericus, wie Varoth zurück zu lassen.
Vermutlich würde sich alles, wenn die Wut langsam hinab sank, legen.
Vermutlich...

Es verstrich eine Weile, als sich das Augenpaar vom Feuerspiel löste, um seinen Standort auf das, in der Hand haltende, Schriftstück zu finden.
Wieder tanzten die Augen über die Zeilen hinweg, ehe ihre Faust es war, die jenen Fetzen zerknüllte, um seinen Platz in den Flammen wieder zu finden.
Just als sich die junge Frau aus dem Sessel hievte, bemerkte sie, das die Nacht bereits zum Morgen überging. Einige Stunden sollten es noch werden, die sie in ihren Gemächern verbrachte, ehe der Weg, wie jeden Tag, sie aus der Oberstadt führte, um dem Tagewerk im Rathaus nachzugehen.
Neben dem täglichen Ritual, war es ebenso Gang und Gebe ihren Briefkasten zu besehen.
Gut, sie erwartete nicht wirklich ein Schreiben, wurden alle wichtigen, die der heiligen Stadt gewidmet wurden, direkt zum Rathaus überbracht, dennoch schaute die junge Frau nicht schlecht, als wahrhaftig ein Schreiben ihren Briefkasten schmückte.
Ihr Blick, gemischt mit einer Spur Neugier, wie Verblüffung, huschten über die geschriebenen Zeilen.
Von Wort zu Wort, von Zeile zu Zeile mehr, schmückte sich langsam ein Lächeln auf die bis dato emotionslose Mimik, ehe die junge Frau am Ende des Papiers ankam, um dort feststellen zu müssen, das jener wunderschöne Brief, keinen Absender preisgab.
Nachdenklich wurde der Brief, der auf der Rückseite ein A, aus Amethysten schmückte, zusammen gefaltet, um jenen vorsichtig in ihrer Tasche zu verstauen.
Die nächsten Schritte der Blutgeboren führten sie zum Tor der Oberstadt, um den Wachen einige Fragen zu stellen, wäre es doch gelacht, nicht heraus zu finden, wer dieser unbekannte?! Verfasser doch war...

Ein neuer Tag mit neuen Herausforderungen begann. Ein neuer Tag um mehr über diesen Brief zu erfahren..
Ein neuer Tag, um den dunklen Wolken ein Stück weiter aus den Griffeln zu gehen.
Lieon

Beitrag von Lieon »

So man die Wachen fragen sollte, wer sich denn da überhaupt am Briefkasten zu schaffen macht, werden sie wahrscheinlich Folgendes erzählen.
In letzter Zeit kam immer wieder ein Besucher zum Behälter, nur um dann schnell wieder nach kurzer Beschäftigung von jenem zu verschwinden. Beim ersten Mal, versuchte sich die Gestalt an den Kasten ran zu schleichen, was jedoch ohne Erfolg blieb als die Wallwache ihn fragte was das werden soll. Die Person beschleunigte dann ihren Gang, schaute sich auf der Straße zum Eingang der Oberstadt um, bevor sie ein Schriftstück hervorkramte und es einwarf. Dann ging der Mann Richtung Straße, stoppte abrupt, wendete sich schnell um und nahm einen anderen Weg.
Stunden später kam der Absender wieder, machte reinlugend den Schlitz auf und verschwand mit einem breiten Lächeln.
In den darauf folgenden Tagen kam er noch einige male, um wieder etwas rein zuwerfen und zigmal danach regelmäßig den Kasten zu überprüfen, ob dieser schon leer sei.
Er wird als ein schlanker roter Kopftuchträger mit weißer Robe beschrieben, der wohl sein Bestes gegeben hat, die vielen Wachen zu ignorieren, die ihn bei den Taten beobachtet haben.
Antworten