Als Amelie früh am Morgen durch das Brabbeln von Nathelia erwachte, griff sie neben sich und das Bett war leer.
"Nun hat Rondrian schon wieder mal im Gardekastell geschlafen," seufzte sie.
Schnell erhob sie sich und eilte zu ihrer Tochter. Als beide beim Frühstück saßen, überlegte Amelie wie sie ihrem Ehemann eine Freude machen konnte.
"Weißt du was, meine kleine Süße….wir werden Papi besuchen und wenn er zu tun hat, dann schreiben wir ihm einen Brief von uns beiden, ja?"
Sogleich packte Amelie ein Stück Pergament ein, machte Nathelia und sich selbst fertig und spazierte in Richtung Varuna. Nach langem Fußmarsch, Amelie trug die Kleine auf ihrem Arm, kamen sie endlich vor dem Gardekastell an. Da stand auch schon Rondrians Pferd.
"Schau einmal Nathelia, da hat Papi bestimmt schon wieder die ganze Nacht durchgearbeitet…und wir haben tief und fest geschlafen. Am besten wir stören ihn nicht und schreiben ihm den Brief, damit er weiß, wie sehr er uns fehlt, wenn er nicht bei uns ist. Er wird sich bestimmt freuen."
Schnell setzte sie sich auf die Bank vor dem Kastell und verfasste gemeinsam mit ihrer Tochter ein Schreiben an ihren Mann.
Liebster Rondrian,
Dieser Brief beinhaltet Worte, die uns beiden, Nathelia und mir sehr am Herzen liegen.
Darunter schrieb sie ein Gedicht in fein geschwungener Schrift, die all die Worte beinhalten sollten, um ihm zu zeigen wie sehr sie ihn liebten.
Tage ohne Dich, sind einfach verlorene Zeit für mich.
Tage ohne Dich, die sind eiskalt, einfach fürchterlich.
Tage ohne Dich, die lassen mich oftmals traurig sein.
Tage ohne Dich, versuche zu Lächeln, spiele die Nette.
Tage ohne Dich, erfassen mein Herz und quälen es sehr.
Tage ohne Dich, an denen ich wünsche, Du kommst her.
Tage ohne Dich, alles schreit in mir, ich will zu Dir hin.
Tage ohne Dich, stetes hoffen auf Dich und dieses Bangen.
Tage ohne Dich, Angst zu verlieren, gepaart mit Verlangen.
Tage ohne Dich, sind Tage gefüllt mit ungestellten Fragen.
Tage ohne Dich, kann nur schweigen, möcht soviel sagen.
Tage ohne Dich, lassen meine Sehnsucht übermächtig sein.
Tage ohne Dich, nur diese Sucht Dir nah, ganz nah zu sein.
Tage ohne Dich, fühl mich einfach grauenhaft, bin so allein.
Tage ohne Dich, nicht zu wissen was Du so gerade denkst.
Tage ohne Dich, ob Du auch in dumpfen Gedanken hängst.
Tage ohne Dich, ob es Dir gut geht und Du glücklich bist?
Tage ohne Dich, Herzschmerz und lautlos quälende Seelenrufe.
Weisst Du was ich am meisten hasse, obwohl ich Dich so sehr lieb.
Diese Tage ohne Dich, an denen ich dann alles auf Morgen schieb.
Nathelia und Amelie
Während sie so da saß und das Schreiben verfasste malte die Kleine rundherum mit dem Kohlestift viele Striche und Schnörkel. Eines sah sogar aus wie ein kleines Herz.
"Ooh, mein kleiner Liebling, das hast du aber wunderschön gemalt…," stellte Amelie nun schmunzelnd fest, "hoffentlich freut er sich über unsere Nachricht!"
Sogleich schloss sie das Pergament, übergab es einem Gardisten ihres Vertrauens und bat ihn, den Brief so schnell wie möglich an den Oberst persönlich weiter zuleiten.
Dann spazierte sie, das kleine Töchterchen am Arm, wieder zurück in ihr gemeinsames Heim.