Der Fächer
Restrospektive auf Vergangenes
Seine Finger glitten über die Fläche, die sich unter seinen Händen so weiß wie Schnee gab, jeden Schimmer des spärlichen Lichtes an seinem Sekretär wieder, strahlend und rein, strahlend und rein. Von Ranken, die die Schneedecke durchbrachen, führten diese hier und dort ihren Weg, um in goldgelben und karmesinroten Blütenkelchen zu Enden, einen ewiglichen Frühlingsbeginn zeichnend, der sich niemals zum einen oder anderen hinwenden würde.
Es waren bereits einige Tage vergangen, seit seine Finger das erste mal die schneeweiße Stoffbahn berührte, die zierend mit ihrer Bestickung ein schönes, zum Nachdebken anregendes wie auch inspirierendes Schmuckstück darstellten, gefasst von zweier Stäbe aus kostbarem Elfenbein war dieser Fächer nicht nur von seiner Machart her wertvoll. Die Hände des jungen Adeligen glitten wieder und wieder über die stoffliche Oberfläche dieses Stückes, viele Abende darüber zu philosophieren.
Wie war es zu ihm gekommen? War es ein Zufall, gar ein Missgeschick der Besitzerin, oder gar pure Absicht, das dieses Stück den Weg in seine Hände fand? Er konnte sich keinen Reim auf den Hergang der Ereignisse machen, und die Stunden verstrichen Abermals im Flackern des Scheines der Öllampe, die seine Arbeitsgemächer in ein warmes, flackerndes Licht tauchte, das immer wieder die Geister seiner Vergangenheit, der Gegenwart und jene der Zukunft zu beschwören schien, das sie ihren bedrohlichen Tanz als Schatten an seinen Zimmerwänden zu vollführen, stets mahnend und erinnernd, alte Wunden aufreißend, jüngere mit Salz zu bestreuen oder die Kunde neuerlicher Veränderungen zu tragen. Es waren die Veränderungen, die er begann zu fürchten. Wann immer Veränderungen in sein Leben traten, brachten sie im gleichen Maß sowohl Freude als auch Leid in sein Leben, ewiglich ausgeglichen.
Es begann damit, das ihn der Krieg aus seiner Heimat riss, ihn in einer lehrreichen und angesehenen Fakultät studieren ließ, doch seine Familie durch seinen Lehrmeister ersetzte, sein Bett daheim durch den Strohsack im Lazarett, seine Geschwister durch Schicksalsgleiche und Kommilitonen, seine Jugend durch ein frühes Erwachsensein. Die Blicke jener, die unter seinen Händen vergingen, sie, sie waren die Dämonen seiner Vergangenheit.
Seine Wege führten in fern über Wasser und Land, in die Tore Varunas, dort war ihm etwas hold, doch nur der Schimmer der Bürgerlichkeit, der er längst entwachsen war, schützte dieses Heiligtum und fiel wie ein Kartenhaus, das im Sturm zu bestehen suchte, als seine Offenbahrung sich vollzog und die Dinge nun einen anderen Wandel nahmen, und so seine Eidpflichtigkeit unter Probe stellten contra seinem Willen, sein Herz mit mehr als nur Wissen und der Erinnerung an leere, toten Blicke zu füllen. Diese Gegebenheit, so schien es ihn, war der Dämon der ihm die hässliche Fratze seiner Gegenwart in einem Spiegel entgegentrug.
Die Zukunft jedoch blieb ihm Schleierhaft, so hatte seine Erinnerung nicht verdrängt, welche Regungen ihn berührten, an jenem Abend, an dem er dieses Artefakt erlangte, was diesem Augenblick zuvor ging und was sein Auge in seinen Geist gebannt hatte. Die Blicke, die Worte, berauscht wie von jungem und süssem Wein schien es ihm, das die Lasten der Vergabgenheit als auch der Gegenwart von seinen Schultern getragen wurden, auf einer Wolke der Bezauberung, deren letzte Wirkung noch immer seinen Geist benebelte, als er mit nachdenklicher Miene wieder über die bestickte Seide dieses Fächers strich, der ihn die Manifestation zumindest der Ankündigung des Dämons seiner Zukunft zu sein schien.
Der Duft auf der Stoffbahn war fast verblasst, doch eine blühende Wiese im jungen Frühling, im Wiedererwachen des Lebens auf der Welt, mochte nicht besser zu duften, und der Wolkenverschleierte Blick auf die zwei Edelsteingleichen augen, die ihn anfunkelten, ihn entzückten und ihm die Ruhe raubten.
Er wusste, wessen Fächer er trug, er wusste, das er seinen Plagegeistern entgegentreten wollte, ja musste. Das Schicksal war etwas, das sich nicht vertreiben ließ, allein aufschiebend, doch niemals vollkommen abwendend. Seine Neugierde war zu groß, sein Drang, diesem Ereignis nachzugehen, unwiderstehlich.
Anetta. Fräulein Anetta, verbesserte er in Gedanken sich selbst, die Distanz, die er längst unterlaufen hatte, wieder zumindest im Anschein herzustellen.
Mit diesem Gedanken klappte er den Fächer ,ganz auf die ihre Weise, mit einem vernehmlichen Klacken zusammen, und legte ihn beiseite, entschlossen, dem Weg der sich dort bot, zumindest einen Besuch abzustatten, aber für den Augenblick musste er wieder in den Rahmen der Normalität zurück kehren.
Doch der Schwung der Muse begleitete ihn noch für den Rest des Abends in einer mysteriösen Weise, und auf dem Tisch, den er verwaist zurück ließ, fand sich ein Schriftstück, das ihm wenige Tage zuvor zugestellt wurde…
Der Fächer
-
Anetta von Reensdorf
Geschrieben in den Sternen
Langsam schritt sie den Weg zurück zur Taverne ab. Ihre Augen glitten dabei im Schein der Laterne, die sie in der Linken trug, immer hin und her. Die andere Hand, hatte das Kleid etwas hoch gerafft, damit sie besser sehen konnte. Der dunkle Asphalt schien ihr wie ein Moor, welches ihr geliebtes Stück verschlungen hatte. Wie ein Zauber, der ihre Seele in den Abgrund saugten will, sowie das Meer ein sinkendes Schiff.
Eiskalt waren ihre Finger schon in der kalten Abendluft und leicht blau ihre Fingerspitzen, dass sie gar glaubte, sie würden ihr Abfallen. Doch wollte sie die Suche noch nicht aufgeben. Denn die Wirtin der Taverne, hatte ihr versichert, dass kein Fächer zurückgeblieben war, als der Freiherr und sie den Tisch geräumt hatten. So blieb nur die Möglichkeit, dass sie ihn verloren hatte. Verloren auf dem eiligem Weg nach Haus. Raus aus jenem Bann, weg von jenem süßen Wein, der ihre Sinne betäuben wollte.
Sie stellte die Laterne auf dem Brunnensims ab um für einen Moment, die Hände aneinander zu reiben und wärme durch sie fließen zu lassen. Der dünne Stoff des Kleides wurde vom Wind, der durch die leeren Gassen fegte förmlich mit sich gerissen. Sie spürte ihn wie viele heiße kleine Küsse auf ihrer Haut und konnte so nicht anders, als sich jenem einen Moment, jenem Gefühl hinzugeben.
Sie sehnte sich nach solchen Momenten, sie waren jene, die sie immer als musisch bezeichnete. Jene Sternstunden in denen sie ihre Lieder schreiben konnte. Ihr Geist sich von ihrem Körper trennte um die Welt für einen Bruchteil in einem anderen Licht zu sehen.
Langsam blickte sie in jenem Moment auf, die Sterne blickten sie an, sie funkelten wie kleine Diamanten auf sie hinab und plötzlich wie ein Blitz, sah sie in jene Grün. Es strahlten sie an, funkelten, es wollte sie an sich reisen. Sie konnte nicht anders, sie musste tief einatmen. Sie musste sich fallen lassen in jenes unendliche Grün welches sie so inspirierte. Welches die Worte in ihrem Kopf zum Sprudeln brachten. Und sie erhob ihre Stimme leise, wie ein Hauch so sanft, begann sie zu singen.
So viele Male war ich einsam und lag wach
Du ließt mich ertrinken in den Tränen der Erinnerung
Und seit du gegangen bist konnte ich nur mühsam atmen
Denn da war so viel was dein Herz einfach nicht sehen konnte
Tausend verschwendete Träume fließen aus meinen Augen
Doch die Zeit hat mich geheilt und ich sage auf Wiedersehen
Denn ich kann wieder atmen, wieder träumen
Ich werde auf den Weg zurückfinden
Jetzt fühle ich mich frei, so unschuldig
Denn jemand macht mich wieder ganz
Bestimmt
Ich werde ein anderes dich finden
(Blackmore’s Night’s Übersetzung)
Langsam schritt sie den Weg zurück zur Taverne ab. Ihre Augen glitten dabei im Schein der Laterne, die sie in der Linken trug, immer hin und her. Die andere Hand, hatte das Kleid etwas hoch gerafft, damit sie besser sehen konnte. Der dunkle Asphalt schien ihr wie ein Moor, welches ihr geliebtes Stück verschlungen hatte. Wie ein Zauber, der ihre Seele in den Abgrund saugten will, sowie das Meer ein sinkendes Schiff.
Eiskalt waren ihre Finger schon in der kalten Abendluft und leicht blau ihre Fingerspitzen, dass sie gar glaubte, sie würden ihr Abfallen. Doch wollte sie die Suche noch nicht aufgeben. Denn die Wirtin der Taverne, hatte ihr versichert, dass kein Fächer zurückgeblieben war, als der Freiherr und sie den Tisch geräumt hatten. So blieb nur die Möglichkeit, dass sie ihn verloren hatte. Verloren auf dem eiligem Weg nach Haus. Raus aus jenem Bann, weg von jenem süßen Wein, der ihre Sinne betäuben wollte.
Sie stellte die Laterne auf dem Brunnensims ab um für einen Moment, die Hände aneinander zu reiben und wärme durch sie fließen zu lassen. Der dünne Stoff des Kleides wurde vom Wind, der durch die leeren Gassen fegte förmlich mit sich gerissen. Sie spürte ihn wie viele heiße kleine Küsse auf ihrer Haut und konnte so nicht anders, als sich jenem einen Moment, jenem Gefühl hinzugeben.
Sie sehnte sich nach solchen Momenten, sie waren jene, die sie immer als musisch bezeichnete. Jene Sternstunden in denen sie ihre Lieder schreiben konnte. Ihr Geist sich von ihrem Körper trennte um die Welt für einen Bruchteil in einem anderen Licht zu sehen.
Langsam blickte sie in jenem Moment auf, die Sterne blickten sie an, sie funkelten wie kleine Diamanten auf sie hinab und plötzlich wie ein Blitz, sah sie in jene Grün. Es strahlten sie an, funkelten, es wollte sie an sich reisen. Sie konnte nicht anders, sie musste tief einatmen. Sie musste sich fallen lassen in jenes unendliche Grün welches sie so inspirierte. Welches die Worte in ihrem Kopf zum Sprudeln brachten. Und sie erhob ihre Stimme leise, wie ein Hauch so sanft, begann sie zu singen.
So viele Male war ich einsam und lag wach
Du ließt mich ertrinken in den Tränen der Erinnerung
Und seit du gegangen bist konnte ich nur mühsam atmen
Denn da war so viel was dein Herz einfach nicht sehen konnte
Tausend verschwendete Träume fließen aus meinen Augen
Doch die Zeit hat mich geheilt und ich sage auf Wiedersehen
Denn ich kann wieder atmen, wieder träumen
Ich werde auf den Weg zurückfinden
Jetzt fühle ich mich frei, so unschuldig
Denn jemand macht mich wieder ganz
Bestimmt
Ich werde ein anderes dich finden
(Blackmore’s Night’s Übersetzung)
Zuletzt geändert von Anetta von Reensdorf am Montag 11. August 2008, 19:41, insgesamt 1-mal geändert.