"Der Dieb und die Minne"

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Rilas Avaryn

"Der Dieb und die Minne"

Beitrag von Rilas Avaryn »

In der Stunde der tiefesten Nacht ist er es, der wie ein Schatten sich über Wiese und Au' bewegt, sich in wollenem Gewand vor dem Biss der Nächtlichen Kühle zu schützen, sich nicht zu verkälten. Mit gedämpftem Schritt klingt sein Schreiten ihm vor, kein geheimer ist er, doch wohle in seiner eigenen, besonderen Mission, und wo der Mondschein auf das blasse Antlitz fällt, wo der Schein des Nächtlichen Wächters auf das Haar des Reisenden fällt, da schimmert es und glänzt es, so wie der Blick aus den Augen, die grün wie Smaragde über die Nächtliche Landschaft blicken, Willenskraft und Entschlossenheit spiegeln sich in jenen wohl.

Sein Ziel? Sein Ziel ist das unbekannte Land, das ihm so bekannt zu sein scheint, wo man die Mauern bis zum Himmel hinauf zog, wo das Herz des Landes schlägt, wo Armut und Reichtum zusammen weilen, wo Licht ud Dunkelheit aneinander prallen, dort würde er seinen Auftrag ausführen, ein Auftrag den er sich selbst gegeben hatte. Er, er der sich selbst der Bote war, würde in dieser Nacht ein Schriftstück verbringen, das viele Stunden und Abende seiner Zeit verschlang, und wohlwahr sich um die mysteriöseste aller zu erforschenden Dinge drehte, wohl sein eigenes Herz.

Der Beutel, den er an seiner Seite trägt, ein wohlbekanntes Siegel tragend, eines, das seine Finger immer wieder flüchtig berühren, als ob sie sich nicht trauten, zu ergreifen, was schon auf der Handfläche ihm liegt, umspielt er zärtlich, vorsichtig die Formen, die es in der Präge trägt, denn nicht nur die Tasche selbst mit ihrem Siegel scheint seinem träger Kostbar zu sein, auch der Inhalt, so will man meinen, wie sich die Hände um den Stoff schliessen, der den Inhalt trägt und verdeckt.

Im inneren der Tasche daweil, umklammert von den klammen Händen des Reisenden, findet sich ein Kuvert, das von seiner Aussensicht her schöner und schicker Natur zu sein schien, weißes Papier, gebleicht in den Laugen der Papiermacher, umschlossen von zweifarbigen Bändern, die sich um das Papier schlingen wie die Finger des Sehnsüchtigen um die Tasche, vielleicht im Maß zwei Hände Hoch wie zwei Hände breit verbirgt sich in dem Kuvert wohl der eigene Schatz, dort, hinter den Bändern, die in Blauer und Weißer Farbe bewahren, was sich in festen Bögen handgeschöpftem Papiers dort verbirgt.

Ein Bogen ist es, aus festem Dokumentischem Papier, beständig und schön, kostbar schon im Griff und auf seine Weise, laufen verzierte Bahnen künstlerischer Schaffenskraft über dieses, die Farben des Sommers tragend, bilden die Linien Muster, die sich ineinander verweben, wohl geschmückt mit der abbildung der Blüte der Lilien, verdeckt es dennoch nicht verschwenderisch viel Platz auf jenem Sendestück, das der schwer atemende Träger dort mit sich führt, wie ein Suchender der das Ziel schon wittern mag, dem Ort seiner Bestimmung zustrebend.

Schon zeigen sich, als der Sendbote den nächsten und auch letzten Hügel übersteigt, wie sich die Konturen nicht nur der mächtigen Stadt abzeichnen, wohl auch in feinen Linien, wie von einem Künstler im Bilde gefasst, prägt sich aus der nächtlichen Fassade das Bild eines Hauses heraus, das ihm so wohlbekannt doch ist, wie es kein Zweites in jener Stadt zu sein schien, und doch so fremd und kühl wie der Stein, auf dem es gebaut wurde.

Eilends ist er es, der nun, da das Ende seiner Reise so nah zu sein scheint, beinahe stürmt, doch die Wickel um sein leichtes Schuhwerk dumpf auf dem Grunde aufkommend, ermahnen ihn, der Ruhe zu waren, die leidlich er zu halten sucht, sich der nächtlichen Vollendung seines Auftrages schon so sicher wissend.

Ein Bogen wohl, hoch gezogen, das ein zweiter bald auf seinen Schultern darüber zu schreiten wüsste, führten ihn, der nun schlich, wie ein Dieb in der Nacht das Haus seines Opfers beging, so war auch er ein Diebst vielleicht, wie man es meinen wollte, würde man nicht nur sein Handeln sehen, wohl auch sein Bestreben kennen, so trat er als Dieb an jene Pforte, um als Dieb von jener wieder fortzugehen, und doch war in dieser Nacht alleine er es, der etwas fortgab und nichts mitnahm.

Ein Herz, das schlägt, ewigliches Zeichen des Lebens, Zentrum der Empfindsamkeiten, Symbolik für Liebe und Liebschaft, sein eigenes verloren, war es nun Wochen her, doch wusste er, wo er seines fände, doch danach es ihm nicht strebte, vielmehr darin, den Verlust zu einem Tausch zu wandeln, würde er wie ein Dieb sein, und doch nichts fortnehmen, würde er geben statt zu nehmen, und doch erhalten. Rein in seinen Gedanken und Wünschen, strebte er nun durch den Garten, in dem das wollene Getier seine Nachtruhe hielt, und sie wohl auch halten sollte, wollte er nicht verderben, was er so mühsam erstrebt hatte.

So erklimmte er wie andere einen ganzen Hügel er Schritt um Schritt, Absatz um Absatz den Zugang zu einer Veranda, in den Kniefall gehend, ehrfürchtig sein Blick über die verdunkelten Fenster tänzelnd, umspielen seine Finger die Tasche an seiner Seite, die das ach so kostbare Gut tragen, es dort herausführend, und nocheinmal ehrfürchtig in den Händen haltend, fassend und mit einem Hauch seiner Lippen dann wie ein Spitzel den Dietrich an ein Schloss führend, er den Weg unter der Türe selbst suchend, das seichte, kratzende Geräusch unterbindend, veschwindet es doch langsam unter der Türe und findet seinen Weg in das innere des Hauses.

Der Dieb, der in dieser Nacht nichts fortnahm, er verschwand, wie er gekommen war, und kein Zeichen sollte darauf deuten, das in dieser Nacht ein Bote noch kein Dieb an jenem Orte zugange war, schläfrig wie die Wolltragenden Schafe, entschlummerte doch die ganze Stadt und einer Streife wars nicht gelegen, an jenen Ort zu kommen um zu sehen, gab es anderenorts wichtigeres, so war das Glück dem vermummten Nächtlichen Jäger und Gejagtem hold, der seinen Weg durch die Wälder nun zurück machte, rascher noch, doch nicht als Flüchtling, viel mehr als Glücksritter, der das seine in die Schale zu werfen sucht.

Fort, dort an jenem Ort, den er so mühsam erstrebte, liegt daweil ein Brief in einem Kuvert, gehalten von zwei Bändern, die in blau und weiß sich um das Papier schlingen, dass das Kuvert bewahrt, die Botschaft des Jägers vielleicht, umspiel von den Blumen und Mustern, in blauen und weißen Buchstaben, künstlerisch gezogen, ganz gleich den Linien, eine deutliche Schrift setzend, und in tausenden kleinen Details die mühseeligkeit zeigend, die der Künstler, der jene Papiertafel erschuf, sich für den vergänglichen Augenblick des ersten Erblickens gemacht hatte.


Wer sich nach Freude sehnt,
der soll sich zu der grünen Linde wenden:
da mag man ihren Sommerblust
wohlblühend bei dem Blätterschatten finden.
Kleiner Vögel Schall verschönt es,
der schallt und singt:
davon schwingt der Sinn des liebenden Herzens
sich wie Wolken hoch empor.


Auf der Heide sind der Blumen viele:
Wem der Mai die Sorgen lindern kann,
fände vieler Freuden Lust,
würde mich das Liebesleid nicht so bedrücken.
Ich wär reich an hohem Mut,
freudiger freudebringend,
wollte eine reine, edle Frau
meinen Kummer nicht so sehr belachen.


Lache, du rosenroter Mund,
so, daß mir dein Lachen nicht zerstöre
meine Freude und mein Heil,
welche doch dein gütiges Lachen noch
bewirken soll!
Der Mai und all der Blumen Glanz,
die könnten meinem Sinn
nicht so viel Freude geben
wie dein Lachen, wenn du's gütig meinst.


Blumen, Laub, Klee, Berg und Täler
und des Maien sommersüße Lust,
die sind farblos im Vergleich zur Rose,
die meine Herrin trägt: die helle Sonne
erlischt in meinen Augen,
wenn ich die Rose schaue,
die aus einem roten Mündlein blüht
wie die Rosen aus dem Maientau.


Wer da Rosen je gepflückt,
der mag wohl in hohem Mute üppig sein.
Was ich je an Rosen sah,
sah ich nie so üppige Rose.
Was man von ihnen pflückt im Tal,
wo sie die Schöne macht,
immer lacht ihr roter Mund
noch eine tausendmal so schöne Rose."

(Nach Graf Kraft Toggenburg)
Lunet Saraid

Beitrag von Lunet Saraid »

Galante und recht langsame Schritte fuehrten die Schneiderin die geschwungenen Stufen Ihrer Behausung herab. Beide zierlichen Haende strichen sorgsam wie stets ueber die maßgeschneiderte blaugefaerbte Gewandung, waehrend das kritische Augenmerk so aufmerksam wie eh und je darueber hinweg glitt. Die Falten wurden verbannt und bald lag das edle Kleidungsstueck wie angegossen an dem Koerper der jungen Schneiderin. Die Haende loesten sich und waehrend sich die Linke in Richtung Ihres Beckenknochens begab um dort eine gewohnte Position einzunehmen, strich die Rechte empor. Die schlanken Finger glitten auseinander und bewegten sich zaertlich ueber die blaeulich schimmernde, recht edel anmutende Kette um den Ihrigen langen Hals. Ein neuer Tag began mit Ordnung, Sauberkeit - die Perfektion im Hause Saraid.

Doch wurde die sonstige Perfektion von einem Kuvert gestoert. Der blank gesauberte Esstisch hielt jenes gar einem Geschenk fuer sie bereit. Blauweiß die Baender, welche jenes geheimnissvoll umgaben und die weitere Aufmerksamkeit der Schneiderin auf eben jenes lenkten. Hatte sie die Tage zuvor eine Bestellung uebersehen? Die Hand strich ueber den Brustkorb, um sich an die andere Seite des Beckens, gegenueber der anderen Hand, zu legen. Mit weit durchgedrueckten Schultern und zielstrebigen Gang, schritt sie nun so grazil wie gewohnt in Richtung der Tafel. Dort angekommen waren es ein weiteres Mal die Finger, die sich ueber das feine Kuvert einen tastenden Weg bahnten. Edle die Erscheinung und allein durch die Farbe ein bereits geloestes Raetsel des Geheimnissvollen. Wie es in Ihre Behausung kam, und wo der vermeindliche Verfasser war - es waren Fragen die sich langsam aus Ihren Gedanken schlichen. So leise, wie der Verfasser sich in das prunkvolle Anwesen der Schneiderin schlich. Mehr nur zaehlte der Gedanke des Inhaltes, die Neugierde ueber die Intention.

Binnen weniger Momente wurde das Kuvert liebsam geoeffnet und die intensiv blauen Augen wurden sich des Inhaltes bewusst. Die Nebelschwaden um eben jenes Raetsel loesten sich mehr und mehr. Frage um Inhalt und Intention ward geklaert, auf dass sich das Minnegedicht gaenzlich der Schneiderin ergab. Der einsame Dieb sollte wissen, dass sein Raetsel gelost ward, auf dass er sich so wie Lunet selber gaenzlich der manierlichen Minne hingeben koenne. Ein Wettstreit der Herzen, gespickt mit blaeulichen, stobenden Funken zwischen den beiden Leibern.

Stunden spaeter, die Sonne verschwand bereits hinter den Kronen der prunkvollen Baeume, wird ein blaugewandeter Bote an die Heilerstube des 'Diebes' pochen. Seine behandschuhten Haende bergen einen kleinen hoelzernen Rahmen, geschaffen aus dem Holz des kraeftigsten Baumes Gerimors. Kleine Mulden bergen blaeulich schimmernde Steine, welche ein geschultes Auge gewiss als Saphirsplitter definieren koennte. Ein Indiz. Zwischen den hoelzernen Raender des Rahmens wurde ein Tuechlein gespannt. Ein mattes blaues Tuch, kaum von einem puren Weiß die Farbe zu unterscheiden. Noch haelt der Bote des Hauses Saraid die Hand ueberhalb des Rahmens, doch nach kurzer Zeit und einem vermeindlich privaten Nicken in Richtung des Heilers gibt er das darauf gestickte Motiv frei. Schwarze Garnfaeden ziehen sich durch das feine Tuch hindurch, Linien die aneinander gelegt ein Muster ergeben, welches das entsende Raetsel abrundet und vollendet. Zwei Gestalten, kaum zu identifizieren, scheinen sich ueber eine Ebene zu bewegen. Erhaben der Mann, guten Mutes die Frau. Blumen, Laub, Klee, Berg und Taeler zieren den Hintergrund und verleihen der Stickerei eine warme Atmosphaere. Obgleich eben jenes Bildniss bereits genug Rueckschluesse auf die Kuenstlerin ziehen lassen wird, rundet der fruchtig-frische Geruch welcher von jenem gespannten Tuechlein ausgeht eben dies noch ab. Die Nebel loesten sich, waehrend blaue Funken stoben.
Rilas Avaryn

Beitrag von Rilas Avaryn »

Seine Gedanken schweiften in vielerlei Weise, als er sachte über das Pergament strich, das sich vor ihn erstreckte, leer und unbeschrieben.

Im flackernden Lichtschein einer Öllampe spielten die Schatten ein verwirrendes Spiel, die Silhouetten der Siegellacke und Tintenfässchen auf seinem provisorischen Schreibtisch zu zuckenden Figuren an der gegenüberliegenden Wand verzerrend.So wirr doch seine Gedanken sich gar auf seinem Antlitz wieder spiegelten, so drehten sie sich doch allegar nur um diese eine Frau, die edel und zart, verletzlich und verletzend zugleich sein Gemüt so beschwerte.

Sein Blick fuhr herüber an die schwach beleuchtete Wand, dorthin, wo im Lichtschein schwache Reflektionen einen sonderbaren, bläulichen Schein in den Raum zurück warfen. Dort, am Quell des blauen Schimmers, fand sich der einzige Wandschmuck des Arbeitszimmers seines Kontors, das spärlich eingerichtet, noch mehr Ware als Mobiliar in sich bewahrte.

Dieser Wandschmuck, dieses Bild, ein Zeugnis der Gunst und der Zuwendung beflügelte sein Herz ein jedes mal, wie er seinen Blick darauf legte, einen warmen, willkommenen Schauer über seinen Rücken treibend wie er ihm fremd war. Leise wisperte er die fünf Buchstaben, mit der er ihre gesamte Existenz für sich begreifbar zusammenfassen konnte und sich doch nicht wagend, sie laut auszusprechen.

Eine Verbindung, schön wie der Morgen, in der sie, die schönste Blume des bürgerlichen Standes, weder an Ansehen noch Reputation mangelnd, von schönem Wuchs und beinahe vollkommenen Manieren, und er, der junge Adelige aus der fernen Provinz, dessen Hände Wunden heilen und Leben schenken mochten, dessen Haar, das golden wie eine polierte Krone an seinem Haupt herab floss, sie waren doch so schön anzusehen, so für einander bestimmt, und dennoch war ihre Verbindung verboten, verachtet und barg Gefahr, zumindest für ihn, Stand, Ansehen und Besitz zu verlieren. Und doch wollte er nicht ablassen.

Das war es also, das Gefühl für das in antiken Erzählungen Helden in den Tod ritten, Kriege geführt und sich die theathralischten Dramen anbahnten, dachte er sich, der kaum erhellt in dem Lichtkreis in schweigender Diskussion mit sich selbst saß. Nach einer Weile jedoch nahm er sich der verwahrten Schreibfeder an, schwarz und schillernd in ihrem Glanz, um zu vollenden, was er just begonnen hatte. Und so formten sich unter den kundigen Zügen und Schwüngen seiner Hände formten sich in den unterschiedlichsten Farben, beinahe alle, die der Regenbogen zeigte, die Worte auf dem gebleichten Pergament formend.

Die Worte, die er für diesen Abend verwandt schienen vollkommen belanglos zu sein, denn nicht er sprach, nein sein Herz zeigte ihm zarte Bilder vor seinem geistigen Auge, Ausdruck seines Wunsches und seinem Verlangen, das er in ziemlichen Worten der Angebeteten zukommen ließ.

Der Abend verstrich, Stunde um Stunde, und feiner gestaltete sich das Schriftstück, und als er schlussendlich seine Insignien unter das Geschriebene setzt, zeichnete sich ein Ausdruck der Zufriedenheit auf sein Antlitz und vorsichtig bestreute er das Schriftstück mit Salz und schloss damit den Akt des Schreibens ab.

Achtvoll, einem gesegneten Ritual gleich, behandelte er das kleine, erneute Kunstwerk der lieblichen Worte in seine vorgesehene Bettung zu bringen. Es eröffnete sich ihm ein Kästchen, gebettet nur von feinstem Samt blauer Farbe, aus den Händen eines Unbekannten Meisters, ein Holz leicht wie es edel schien, von dunkler Farbe fein lackiert und gebeizt, lieferte es den perfekten Kontrast dazu, was er just darin betten würde:

Geschmeide, geformt aus silbernen Gliedern fügte sich Stück um Stück die Kette, übersäht mit Ornamenten aus den Mythen des Eluivekultes zu einem ganzen zusammen, sich in filigraner Weise verjüngend, sollte diese Kette in einem Medaillon enden, dessen Entwurf aus seinen Händen stammte, in vielen Stunden zeichnerischen Werkes formte er aus einem Wunsch mit Willen und Kreativität diesen Entwurf, der sich ihm nun darbot:

Ein Rundes Medaillon aus massivem Silber geschlagen, poliert, und nur die tiefen der Geschlagenen Ornamentik, die zierend den Rand umschlossen und einen dunklen Kreis bildeten, ehe sich die Blankpolierte, erhabene Fläche, die in ihrer spiegelnden Perfektion nur unterbrochen wurde duch die erhabenen Einlegearbeiten, die sich in dieses Medaillon einfügten, und blauen Kistall, ganz gleich dem ihren, den sie ihm zukommen ließ.

Wie aus dem ganzen geschliffen, so wirkte es, zeigte der Künstler wahre Fertigkeit und formte aus dem reinen Stein einen Stab, gefertigt aus dem kontrastreichen Rubin, dessen Rot wundervoll aus der Komposition heraustach, um welchen sich zwei Schlangen wunden, getragen von zwei Schwingen, fein heraus gearbeitet.

[img]http://mitglied.lycos.de/xkettenhundx/UO/1.gif[/img]

Dieses Schmuckstück, Botschaft wie Kleinod verbarg er nun in einer dafür vorgesehenen Kuhle und legte die Kette dafür zurecht. Der Bogen, den er in den vielen Stunden mit mühe beschrieben hatte, hatte er so geformt, das er den Inhalt des Kistleins verdecken würde, so jemand diesen Schatz öffnen und seinen Blick hierrauf werfen, er würde die folgenden Zeilen lesen:

[img]http://mitglied.lycos.de/xkettenhundx/UO/2.gif[/img]

Nur diese eine Botschaft, keine weitere, würde sie an diesem seltsamen Geschenk finden, dessen Urpsrung und Urheber so bekannt wie vertraut war, und doch, so das sie die Scheibe des Medaillons umwendt, so fände sie eine Gravur, die ein R zeigt, das, ganz dem Stab der Alchemisten und Medici gleich von einem I in der Mitte gepfahlt wurde.

Eingeschlagen in wappenblauen Stoff, umschlungen in die vertrauen, weiß-blauen Bänder, so findet dieses Geschenk aus den Händen einen unbekannten, wohl aber vertrauenswürdigen Handelsboten seinen Weg an ihre Haustüre, ein Gedanke, der den Jungen Adeligen zu einem sanften Lächeln veranlasste, sich in seinem Sitz zurücklehnend, und der schlichten Präsenz und Einfachheit der Gefühle schwelgend.
Zuletzt geändert von Rilas Avaryn am Samstag 19. Juli 2008, 02:10, insgesamt 1-mal geändert.
Lunet Saraid

Beitrag von Lunet Saraid »

Stich um Stich glitt die dünne Nadel weiter in den feinen Stoff, um die verschiedenen Bahnen sorgsam zusammen zu nähen. Die dabei entstehende Naht war nur schwer zu erkennen und ließ auf eine Meisterin des Faches schließen. Langsam aber sicher formten sich aus den zuvor noch recht wirr anzusehenden Stoffbahnen ein Muster: Ein Kleidungsstück prachtvoll anzusehen, ohne protzige Verzierungen und doch unglaublich edel. Der scheinbar recht dünne, fließende Stoff gleitet durch die zarten Finger der Schneiderin und lässt spüren, dass die geschneiderte Tunika sehr wohl im Stande ist die Wärme des Körpers zu speichern und Hitze aus der Umwelt gekonnt abzuwenden. Die Farbe, inzwischen wohl bekannt im Reiche Alumenas, strahlte in einem kräftigen Blauton und kennzeichnet dadurch das Kleidungsstück als eines in den Farbe des Hauses derer von Avaryn, während die Stickereien und angenähten Bordüren an Kragen, Hemdsärmeln und dem Saum nur mehr leicht golden im Sonnenlicht erstrahlten. Jeder final Nadelstich trieb einen Gedanken der jungen Schneiderin mehr in Richtung des Freiherrn von Avaryn. Mehr und mehr etablierte sich sein Dasein in Ihren sonst so distanzierten, verschlossenen Gedankengängen. Wann er wieder kam, wie lange sein letzter Aufenthalt bereits her war und mit welchen Kleinigkeiten sie das Herz des Adligen erfreuen könne – all jene Fragen und Gedanken schlichen sich in alltäglichen Arbeiten in Ihren Kopf. So geschah es auch, dass sie ein weiteres Mal an einem schicken Kleidungsstück saß, welches sie dem Freiherrn präsentieren wollte. Ein Gedanke an die männlichen Mitglieder des Haushaltes, eine Art Uniform für das Haus derer von Avaryn. Langsam ließ sie die silberne Nadel ein letztes Mal durch den Stoff gleiten, ehe sie dann den dunklen Faden sorgsam vernähte. Mit einem kritischen Blick, hoben die zarten Hände die edle Tunika in die Höhe. Nochmals galt es jede Naht, jede Verzierung und jede Falte des Stoffes zu überprüfen. Sie war noch nie in der Lage auch nur den kleinsten Makel an einem Kleidungsstück zu übersehen und an einen Kunden zu überreichen und hier, bei jener Ihr selber zugeteilten Aufgabe, galt eben dieser Grundsatz verbunden mit der maximalen Aufmerksam der Schneiderin. Nie würde sie es zu lassen seine Hochgeboren zu enttäuschen, weder im Rahmen des Reiches noch im Rahmen ihres Herzens.

Langsam legte sie das Kleidungsstück zusammen, um mit den Fingerspitzen letztendlich nochmals alle unnötigen Faltenwürfe zu verbannen. Sobald Rilas wieder im Lande wäre, würde sie Ihm dieses Stück präsentieren und auf seine Gunst, seinen Zuspruch hoffen. Es galt inzwischen mehr noch als die Gunst des Hochgeborenen zu gewinnen..

Warme Sonnenstrahlen, die durch die Glasscheibe des Fenster drangen verloren sich in den verschiedenen Einrichtungsgegenständen der Schneiderei. Hier schimmerte eine Nadel, dort die Schere. Einige Reste der benutzen Golddrähte warfen die Lichtstrahlen zurück, und bildeten skurrile Muster auf den weiß gestrichenen Wänden des Anwesens. Das dunkle Blau der Vorhänge hingegen verschluckte die wärmenden Sonnenstrahlen und überraschte die möglichen Kunden in der Kabine mit einer angenehmen Temperatur dahinter. Noch immer saß Lunet unbewegt auf dem kleinen Arbeitsstuhl, Nadelkissen und Schere auf Ihren übereinander gelegten Beinen, während die Finger der linken Hand langsam über den Anhänger, das Geschenk des Freiherrn strichen. Es schien als würde an warmen, wie auch kalten Tagen immer eine angenehme Wärmen von dem Kleinod ausgehen, welche sich stetig in Ihr Herz schlich um es dort mit vielen, pumpenden Schlägen im gesamten Körper zu verteilen. Gerade jetzt im Moment schien das Herz aus Ihrer Brust springen zu wollen, ein Mischung aus Sehnsucht und Hingabe teilten sich den Platz und stritten um die Vorherrschaft. Lange verweilte er schon in seiner Heimat, wohl waren es politische Gespräche, welche Ihn dorthin zwangen und so sehr die junge Schneiderin diese Gründe auch verstand, sehnte sie sich doch Tag um Tag mehr um die Aufhebung der Abstinenz des Hochgeborenen. Mit einem seichten Lächeln glitten die Finger von dem Anhänger der Kette, nur um sich dann auf das Schlüsselbein an Ihrem Leib zu legen. „Oh Rilas, wenn Du nur wüsstest.“, hauchte sie leise in die Leere des Raumes, bevor sie sich in die Höhe drückte und mit raschen Schritten die Stufen zu Ihrem Arbeitszimmer erklomm.

Der Schreibtisch war über und über besetzt mit verschiedenen Aufzeichnungen, Büchern und Landkarten. Hier und da fand man einen Kohlestift, ein Tintenfass und gar einen Federhalter. Lunet beugte Ihren Oberkörper gemächlich über den Tisch, während sie mit Ihrer linken Hand nach der flackernden Kerze griff um verschiedene Stellen der Karten zu beleuchten. „Avaryn. Wohl wird er sich auf Grund jener Gespräche in der Hauptstadt aufhalten. Mh, ein Meer und einige größere Handelsstraßen, es sollte keinerlei Probleme darstellen die Stadt aufzusuchen. Einen Tag, zwei Tage..“, sie stieß ein Murmeln aus als sie über Ihre Gedanken sinnierte. Vielleicht sollte sie Ihm doch einen Boten zukommen lassen, ehe sie sich auf die Reise machte. Kraftlos und weiterhin in Ihren verworrenen Gedanken versunken, sackte sie auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch nieder. Die entstandene Zuneigung zwischen dem Freiherrn und Ihr war Segen und Fluch zu gleich, schien es doch unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit noch ein Leichtes zu sein, wurde es nun unter dem Eid des Reiches umso schwerer. Die Bürde der Bürgerlichkeit, als auch die Lasten welche der Adel in dieser Konstellation mit sich führten, ruhten sowohl auf Ihrem als auch auf dem Rücken des jungen Freiherrn. Er wäre durchaus in der Lage, jene Last von sich zu schütteln, um um die Hand einer Ihm ebenbürtigen Frau zu bitten. Eine Verbindung welche weniger Probleme mit sich führen würde, und Ihm erlauben könnte das Herz frei zu öffnen. Mit einem schweren Schlucke, verbannte sie die aufkommenden Gedanken in Ihrem Kopf. Nein, gewiss würde er ebenso wenig aufgeben wie auch sie. Es war weit mehr als nur der Kampf um Gefühle und Anerkennung, inzwischen kämpfte sie auch mit den sie umgebenden Verlustängsten, und dem Willen nach Gleichberechtigung.

Ruckartig zog sie ein Pergament von dem zurechtgelegten Stapel, um ebenso zügig nach dem Federhalten zu greifen. „Ich werde mich Ihm ankündigen, auf dass er seinen Willen noch äußern könne.“, waren Ihre leisen Worte, welche abermals in dem leeren Raum ungehört verhallten. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit verfasste sie ein persönliches Schreiben, fern von allen Zwängen und normalerweise zwingenden Etiketten. So fanden sich schlicht einige Zeilen als persönliche Botschaft auf dem Pergament und würden mehr als nur Rückschluss auf Ihre Gefühlslage und den Willen in Ihrem Geiste, wie auch Herzen geben:

„Liebster Rilas,

ich sehne mich nach Deiner Anwesenheit und möchte nicht länger ohne Dich verweilen. Fräulein Saphira wie auch der junge Herr Gwain haben Ihre Aufgaben erhalten und ich fühle mich im Stande, nach der Erledigung meiner Pflichten, Dich in Deiner Heimat, der Hauptstadt, aufzusuchen. Sobald Du diese Botschaft erreichst, werde ich wohl bereits auf einem der auslaufenden Schiffe sein und meinen Geist öffnen, um Dir nahe sein zu können.

Lunet.“

Es galt nicht mehr zu sagen, nicht mehr zu schreiben und so übergab sie die Rolle auch schon einem der vertrauenswürdigen Boten im Reiche Alumenas. „Eile Dich und übergebe den Freiherrn von Avaryn diese Botschaft persönlich. Nur Ihm, hast Du verstanden“, teilte sie Ihm direkt und doch nicht unfreundlich den Auftrag mit. Einige Münzen sollten Ihn sowohl für die Reise als auch die sichere Überstellung der Botschaft entlohnen. Ein Blick in den Himmel, inzwischen von einigen Abendwolken überdeckt, rief einen Gedanken in Ihren Sinn: „So nah und doch fern und unbekannt“. Ja, so war es wohl auch bei jenem, Ihrem, Freiherrn von Avaryn. „Oh Rilas“, sprach sie ein letztes Mal, ehe sie sich zurück in Ihr Anwesen begab.
Zuletzt geändert von Lunet Saraid am Samstag 9. August 2008, 15:20, insgesamt 1-mal geändert.
Rilas Avaryn

Beitrag von Rilas Avaryn »

Das Treiben in den grünen Ebenen der Mark Avaryn war ein buntes, so sah man Marktkarren und Fußgänger, Fliegende Händler, Bauern und anderes Volk, das seine Waren zum großen Markt nach Vingaard trug. Als Landesherr entsprach es der Tradition, das er, der Herr über die Mark, auch an diesem Tage anwesend sein würde, und am Tag an dem das halbe Lehen in der Stadt sein würde, den Großen Schiedstag zu halten, um sich der größeren Streitereien in seinen Ländereien anzunehmen und den Landfrieden zu waren.

Ihm war es keine lästige Pflicht, er war ein Menschenfreund und kannte die Sorgen und Nöte in den Herzen seiner Untertanen, derer er selbst einst entsprungen war und als Emporkömmling sich über seine Geburt erhob. Er war es, der hoch über dem Markttreiben Gericht halten würde. Und doch war es ihm nicht genehm, fernab von seinen Geschäften, den persönlichen wie den offiziellen, in Gerimor nicht verweilen zu können und seine Einsamkeit in seiner Heimat.

Keinen Hofstaat den er mit sich zu führen hatte, keine Garde und keine Begleitung, die seine Wege verkürzen würde, nein, er war ein Herr, doch er reiste einsam. Gleichsam wie die Einsamkeit an seiner Seite war es auch die Einsamkeit in seinem Herzen, die ihn dazu bewegte, die Pflicht, der er unterlag, so rasch wie nur möglich zu erfüllen.

Er hielt also Gericht in der Heimat und lies sich Bericht erstatten, und die zwei Markttage verstrichen wie im Fluge. Die Streitereien der Weber und Färber, die sich Gegenseitig ins Geschäft zu pfuschen suchten, die Metallergilde, die ihre Gießereien auszubauen suchten, Bauern die um das Umsetzen von Grenzsteinen prozessierten, alles weltlicher Tand, den er zu richten hatte. Gerecht war er, doch nicht vollkommen bei der Sache. Er war einsam, und er gedachte diesen Umstand so schnell wie nur eben möglich zu ändern.

Einige Wochen würde er verbleiben müssen, doch was sprach dagegen, zurück nach Gerimor zu Reisen, sie zu sich zu holen? Nichts, im Grunde. Sie war einer Meisterin der Schneiderzunft zu Varuna und seine Geschäftsverbindung auf dem Inselkontinent Gerimor, niemand würde Klage erheben können, wenn ein Landesherr seine Geschäftsverbindung auf eine Reise in die Heimat des Gewirkes, das sie verarbeitete, einlud.

Es war eine gute Idee, und, als er schon im Packen inbegriffen war, erhielt er eine Letter, die ihn zuerst stutzen lies, und dann doch zu einem Lächeln bewegte, denn, so schien es, hatte sie die Gleiche Intention, die auch ihn trieb. Verträumt versanken seine Züge in dieser einfachen, kurzen Letter, und seine Finger schienen diese zu betasten, doch die Zeit drängte und um die Fähre am Abend des zweiten Markttages zu erreichen, würde er sich sputen müssen.

Die Fähre hatte er nicht verpasst, und schon bald stach er in See, wieder zurück nach Gerimor, seiner Vertrauten entgegen, die so sehr schon seine Geliebte geworden war. Zunächst hatte er in so vielen endlosen Stunden um ihre Gunst kämpfen müssen, die ganz anderen Wunden, die ihre Seele erlitt, heilend, mit Worten und Berührungen, mit Taten und mit Ausdrücken, doch nun, so schien es, erfüllte sich das Schicksal, als auch sie wie eine blaue Blüte zu blühen schien.

Es war ein freudiges Ereignis, das sie sich als wie jahrzehntelanger Trennung unterlegen begrüßten und stürmisch umarmten, als die Mauern ihres Hauses diese verbotenen Spiels vor den Augen der neugierigen Öffentlichkeit verbargen. Es waren heiße, innigliche Küsse und Berührungen die sie sich schenkten und so sehr davon zeugten, wie heiß die Flamme wirklich brannte, und drohte sie beide vielleicht zu versengen.

Doch er ging dieses Risiko ein, wenn auch sie, und alles was um sie herum stand und entstand, der Qual und dem Leiden der Gegenwart entsprach, das er als seinen Dämon bezeichnete: Eine Verbindung, die so nicht sein durfte, wenn man der Etikette und den strengen gesellschaftlichen Regeln folgte. Er war nicht interessiert am Großteil der verzogenen Gören, die sich hierzulande als Adelstöchter hergaben, so waren weder Mitgift noch Ansehen als noch ihr wahrhaftiger Einfluss in der Grafschaft ausreichend, eine Verbindung zu ihnen zu suchen. Das es eine bürgerliche war, die seine Ansprüche wohl am ehesten erfüllen würde, wenn auch nicht ungeteilt, wie es in seinem Hinterkopf pochte und ihn mahnte, die Zukunft nicht zu vergessen, doch war sie Reich und von wohlerzogener Natur, gab eine bessere Partie ab, als die zahllosen Freiinnen und Freiherrinnen, Baronessen und Baroninnen, die vielleicht Titel und Alter auf ihr Haus legen mochten, doch allesamt verarmt oder ohne Einkommen erschienen. Bis auf eine, die ebensolches verbotenes Land war, waren sie dazu nicht das, auf was er seine Wahl legen würde – die meisten Häuser waren über Generationen in einer gerade inzestuösen Weise verkommen. Er als Emporkömmling erkannte dies gut, seine Regentschaft beruhte auf Leistung und Verdienst, doch wer waren sie, diese Geborenen Glückskinder in ihren Goldenen, oder zumindest vergoldeten, Käfigen, von der Kindheit an darauf getrimmt, das Recht der Herrschaft aus ihrer Geburt abzuleiten, nein, dieserlei widerte ihn an, auch wenn es es zu verbergen wusste.

Die Sonne senkte sich langsam, und so schritt er dem Abend entgegen, der als der bislang Schillernste in seinem Leben eingehen sollte. Eine Tanzveranstaltung in den Mauern Varunas, in der traditionsreichen alten Theaterschule, ein Ort, an dem er sich in das Nest der Schlangen hocken würde, doch eine Pflicht, und ihm ein Wunsch, für ihn selbst wie auch für sie, die er an seiner Seite führte. Prachtvoll im Gewand schritten sie, im Geleit zusammen auf diesen Tanzabend und verbrachten wundervolle Stunden, die sich in seinem Geiste einbrannten: Die Lichter, die zu Kreisen verschwommen, als sie, Leib an Leib im Takt der Musik im Kreise wirbelten, die stundenlangen, anregenden Gespräche und der betörende Geschmack des Weines, der seine Sinne animierte und singen ließ.

Sie verließen den Abend recht rasch, doch in den verwinkelten Gassen des Armenviertels verweilten sie noch ein wenig des Abends, fernab neugieriger Augen, überging sein Geist in fantasievollen Gedanken, Wünschen und Träumen, zärtlich umspielten seine Finger ihr Haar, tauschten sie Küsse und Liebkosungen aus.

Doch wie der Abend verstrich, so verging auch die Nacht, und als er seine ersten Schritte im seichten Licht des Sonnenaufganges über ihre Schwelle trat, war das Gefühl in ihm ein gestärktes, vielleicht gar vollkommen neues. An ihrer Seite würde sie ein Schriftstück finden, das sie am zweiten Tage der Woche an sein Haus berief und er hinterließ einen flüchtigen Kuss auf ihrer Wange, als er hinaus schritt, sie in den süßen Träumen belassend, die sich auf ihren Lippen als Lächeln zeichneten.


„Oh Liebste….“

So ging es ein letztes Mal über seine Lippen, ehe er den Torbogen ihres Anwesens durchschritt und aus dem Menschen, der er noch eben war, der hochedle Freiherr Rilas von Avaryn wurde, mit gemachvollem, festen Schritt, eisern und diszipliniert, mit strengem Zopf, der das Licht der frühen Sonne durch das goldene Haar wie polierte Münze reflektierte.

Schritt um Schritt.
Lunet Saraid

Beitrag von Lunet Saraid »

„Das hier ist also der große Markt? Ich las bereits viel über Ihn in den Aufzeichnungen der Stadtbibliothek.“, interessiert glitten Ihre blauen Augen über die vielen angebotenen Waren, die verschiedenen Händler und das rege Treiben der Bevölkerung von Avaryn. Beide Hände lagen in der gewohnten Haltung an Ihren Beckenknochen, während sie an der Seite des Freiherrn auf einer kleinen Anhöhe stand um das Treiben auf dem Marktplatz so gut wie nur eben möglich überblicken zu können. Der Markttag sollte den abschließenden Eindruck der kleinen, gemeinsamen Reise bilden und rief tatsächlich eine lange schlafende Neugierde in der jungen Schneiderin empor. Hauptsächlich wurde der Platz von Stoffhändlern, Schneidern, Gerbern und Webern dominiert. Sicherlich fand man auch einige Waffenhändler, Feinschmiede und Landwirte – doch Ihr Hauptaugenmerk galt tatsächlich den Menschen welche einem Ihr nicht allzu unähnlichen, oder gar gleichen Handwerk in dieser Ihr noch so fremden Freimark Avaryn nachgingen. Die angenehm kühle Luft umschloss Lunet wie auch Rilas mit ihren eisigen Fingern und schien sie einige Momente in das rege Treiben zerren zu wollen. Doch beide blieben standhaft auf dem Hügel stehen und unterhielten sich noch einige Zeit angeregt und wie zwei Geschäftspartner über die Politik und den Handel in der Heimat des jungen Adligen, während leise Flötenmusik der herumziehenden Barden sich im Tanze um sie drehte und sich im Einklang mit dem Wind zu einem angenehmen Reigen steigerte, ehe es in die Höhe stieg und abseits des Hügels verklang. Obgleich sich die Sonne bereits in Richtung des Horizonts herabgesenkt hatte, strömten mehr und mehr Menschen auf den Marktplatz um entweder weitere Waren feilzubieten oder lediglich gemütlicher Manier durch das rege Treiben zu schlendern. Ein unglaublicher Frieden schien während dieser Zeit über den Anwohnern zu liegen. Ruhe und Zufriedenheit wurden nur so ausgestrahlt, wagte man einen Blick auf ihre Gesichter. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, tapferer Krieger oder tüchtiger Landwirt – ein jeder ging mit einem zufriedenen Lächeln seiner Tätigkeit nach. Genau dieser Eindruck war es auch der die sonst so distanzierten, verschlossenen Züge der Schneiderin ein wenig aufhellen ließ. Trotz kleinen innenpolitischen Konflikten gab es ein Leben, das schöner nicht wirken könnte. Avaryn schien tatsächlich eine Freimark zu sein, in der man gerne geboren wurde und auch sein weiteres Leben verbringen wollte. Noch während Ihrer Gedankengänge glitten die Augen zur Seite um den stolzen, erhabenen Mann an Ihrer Seite zu betrachten. Der Dank der Bürger galt Ihm, war doch er der Freiherr dieser Mark, welcher derlei Dinge vollbrachte ohne den Menschen die Freude am Leben zu nehmen und sie Ihnen stattdessen in großen Mengen zu geben, neu zu präsentieren. Rilas von Avaryn, ein stattlicher Adliger. Pflichtbewusst und stets den Etiketten treu. Und doch war genau er es, der sich durch Ihrer beider brennenden Hingabe auf einem unheimlich dünnen Drahtseil über dem Abgrund bewegte. Freiwillig. Rasch nahm sie, wie es die Manieren von Ihr verlangten, den Blick von Ihm und gab sich ein weiteres Mal der Musterung des Marktplatzes hin. „Wie eine schillernde Drachenschuppe. Schwer in Ihrer Verarbeitung und doch unglaublich wertvoll, so dass man sich als Meister seines Faches darum bemüht sie trotz Unsicherheit und erhöhtem Risiko des Verlusts zu bearbeiten.“, bilden sich stumm in Ihrem Kopf die Vergleiche und Gedanken, welche Ihr mehr und mehr die Aufmerksamkeit für das Treiben zu Ihren Füßen nahm. Ein leichtes, unauffälliges Streichen seiner Hand über Ihren eigenen Handrücken ließ sie zurück in die Gegenwart wandern, und mit einem dezenten kaum zu durchschauenden Lächeln schritt sie dem davon gehenden Rilas hinterher. „Wir sollten uns eilen um nicht zu spät zu kommen.“, waren seine begleitende Worte der Erklärung, während er hierbei bereits den kleinen Hafen der Freimark anstrebte. Die Zeit der Rückreise war gekommen und gemeinsam mit neu gewonnen Informationen, Eindrücken und der stetig aufflammenden Zuneigung sollte es noch an diesem Abend zurück nach Alathair gehen.

Die Schifffahrt selber verlief recht unspektakulär. Seemänner achteten unter den wachsamen Augen des Freiherrn auf die kostbare Ware: Feine Wolle aus der Freimark, welche Lunet verarbeiten sollte und unter das Volk Varunas bringen sollte. Hier und da gab der Kapitän einige Anweisungen, um das Schiff auch stets auf dem richtigen Kurs zu halten, während Angestellte für das leibliche Wohl der beiden Gäste sorgten. Obwohl sich beide unter Deck befanden und eine Türe zwischen sich und den Angestellten wussten, konnte der Mantel der Verschleierung sicherheitshalber noch nicht gelüftet werden. Knappe, doch für beide eindeutige Blicke wurden ausgetauscht, leise Anspielungen und entsprechende Mimik wurden ausgetauscht und doch unterhielten sich beide 'lediglich' über Ihre neu erstarkte Handelsbeziehung. Nach Ihrer beider Rückkehr galt es viele Dinge zu erledigen und planen. Verschiedene Handel mussten angeregt werden, Interessenten geworben und informiert, genauso wie politische Dialoge geführt werden mussten. Mehr und mehr nahm Lunet den Platz an Rilas Seite ein, wenn gleich die Position von außen lediglich geschäftlich erschien, war sowohl Ihr als auch dem Freiherrn selber bewusst, dass viel mehr dahinter steckte als die freiwillige Unterstützung der jungen Frau. Und doch war es eine willkommene Partie in Ihrem kleinen Spiel der Verschleierung, es galt die Regeln nicht zu brechen und die allzu wichtige Etikette zu wahren. Es war Ihr so deutlich bewusst, dass sie immer häufiger Angst vor der züngelnden Flamme hatte, welche bei jeder Anspielung und jeder noch so kleinen, undeutlichen Art der Zuneigung in Ihre Richtung leckte. „Ehrenwerter Hochgeboren? Land in Sicht. Wir laufen in wenigen Minuten in Berchgard ein.“, erklang die raue Stimme des Kapitäns vom Fenster der kleinen Kajüte. Sacht erhob sich Lunet, um mit beiden Händen über Ihre seidene Gewandung zu streichen und mögliche Falten zu verbannen. Die Linke hob sich in die Höhe, und auch der streng nach hinten gebundene Zopf wurde nochmals an Ort und Stelle bewegt. Hiernach warf sie Rilas einen liebevollen Blick zu, der sich mehr und mehr mit der bekannt arroganten Miene mischte. Erst als die zierliche Hand der Schneiderin auf der Klinke der Kajütetür lag hatte sich das Bild vervollständigt: Die geschwungenen Augenbrauen waren ein Stück in die Höhe gehoben, um die blauen Augen distanziert und etwas überheblich wirken zu lassen. Das Lippenpaar selber war ein wenig angespitzt um den Eindruck der kühlen Schneiderin noch abrunden zu können. Das hölzerne Geräusch verriet die Bewegung der schmalen Türe und schon trat sie mit sicheren, erhabenen Schritten hinaus auf das Deck um einen kritischen Blick über die versammelten Mannschaft wandern zu lassen. „Ich hoffe die Kutsche welche den ehrenwerten Freiherrn und mich nach Varuna bringen soll, steht vor den Toren Berchgards bereit?“, richtet sie die verbale Aufmerksamkeit auf eines der Mitglied der Mannschaft. Ein knappes Nicken und ein recht demütiges Nicken wurde der jungen Frau entgegen gebracht, was sie als dann auch dazu bewegte sich der Planke zu nähern und die Zweisamkeit mit dem Adligen mehr und mehr hinter sich zu lassen. Ein geregeltes Leben, ohne Abschweife und Umwege erwartete sie – äußerlich... innerlich jedoch wühlte sie jeder Schritt in Richtung der Kutsche mehr auf. Immerhin galt es weiterhin die aufkeimende Liebe und entflammte Hingabe zu verdecken, kein leichtes Unterfangen. Und doch würde sie es die kommenden Tage, Woche oder gar Monde meistern können.. müssen.
Lunet Saraid

Beitrag von Lunet Saraid »

Es waren nun mit Sicherheit bereits zwei Monde vergangen, zwei Monde die die Liebe und Hingabe zu dem Freiherrn auf eine harte Probe stellten. Die Reise in die Freimark Avaryn hatte einen unsichtbaren Keil zwischen sie getrieben. Weniger war es die mangelnde Liebe zu einander, mehr die Sicherheit wahrer Liebe gegenüber gestanden zu haben. War es die Angst, endlich einander gefunden zu haben? Die restlichen Jahre des Lebens miteinander zu verbringen?
Die zierliche Hand schloss sich sicher um den Anhänger von Rilas an Ihrem Hals, während sich die blauen Augen Ihren Weg durch das Fenster hinaus über Wälder und Felder suchten. Einen jeden Abend stand sie hier im Schlafzimmer, hinter der flackernden Kerze auf dem Fensterbrett, und wartete auf seine Ankunft. Ihre Gestalt wurde durch den Schein der Kerze doppelt so groß an der gegenüberliegenden Mauer abgezeichnet und warf einen undeutlichen Schatten auf das Gras vor dem Anwesen. So auch heute. Meist ließen sie die Gedanken kaum ruhig schlafen. Sie wusste, dass er weiterhin seiner Arbeit innerhalb der Mauern der Stadt nach ging, doch wusste sie nicht woher dieser glatte Schnitt kam. Ein Schnitt, der keinerlei Verständnis von Ihr entgegen gebracht kam. So stand sie hier, wartend. Der Blick mit einer Mischung aus Sehnsucht, Angst und Wut in die Ferne gerichtet, um als erstes den jungen Adligen erblicken zu können.
Erst als die Kerze eine Hälfte Ihrer Größe eingebüßt hatte, spitze die junge Schneiderin die Lippen und blies auch das letzte Licht in Ihrem Anwesen aus. Der Mond stand bereits voll am Himmel, und die letzte Möglichkeit des Abends Rilas noch zu Gesicht zu bekommen, wich mit jeder Sekunde weiter in ungreifbare Ferne. Stunde um Stunde stand sie des Abends am Fenster. Minute um Minute weiter rückte seine Nähe in die Ferne. So auch heute.
Mit sicheren Schritten bewegte sie sich auf Ihr Bett zu. Wie so oft, zeigte das äußere Erscheinungsbild keinerlei Hinweise auf die innere Gefühlswelt. Nie wären die Schritte so sicher gewesen, hätte man gewusst was sich im Inneren der Schneidern abspielte. Langsam sank sie auf der Kante des Bettes hernieder, die schlanken Beine wurden herangezogen und trotz der vorherrschende Kälte, fühlten sie sich unglaublich warm an. Jeden Abend war es der letzte Funken der Kerze, der auf sie übersprang und erneut das Herz zum Glühen brachte. Jeden Abend, war der letzte Gedanke bei Rilas, Rilas von Avaryn.
All die Anspannung wich erst aus Ihrem Leib, als sie sich gänzlich auf das Bett gelegt hatte und die weiche Decke um sich herum wusste. Ihre pechschwarzen, glatten Haare wurden bereits Stunden zuvor aus der Enge des streng gebundenen Zopfes befreit und bedeckten Ihren Oberkörper nun wie eine zweite Decke. Ebenso hätte der Schmuck an Ihrem Leib seinen Platz in dem sicheren Fach gefunden, wäre die bläulich schimmernde Kette nicht der letzte Anhaltspunkt für seine Liebe gewesen. Noch immer trug sie seine Liebe nah bei sich, nah an Ihrem Herzen. Weder war sie sich bewusst, ob er noch ähnlich darüber denken würde, noch ob er nicht bereits mit anderen, weitaus wichtigeren Dingen beschäftigt war. Doch mit Sicherheit konnte sie behaupten: Rilas von Avaryn liebte sie. Sie die Schneiderin aus bürgerlichem Hause. Erneut tastete sie mit Ihrer rechten Hand an den Anhänger heran, die filigrane Struktur wurde langsam und ausgiebig mit den Finger betastet und trotz der Dunkelheit erschien wenige Momente später die genaue Form, Farbe und Struktur vor Ihrem inneren Auge.

„Lasse mein Herz singen wie,
in vergangenen Tagen,
lasse meine Sonne scheinen, wie in diese Stunden und
bleibe an meiner Seite, wie ich die Jahre vor uns
sehe...“

Kaum mehr konnte sie die schwerer werdenden Augenlider geöffnet halten, kaum mehr die immer Verworrenheit der Gedanken ordnen und dennoch bewegten sich die geschwungene Lippen immer wieder zu diesen Zeilen. Zeilen, die wie ein Gebet von den Lippen perlten und bittend in die Nacht getragen wurden. Er würde die Sehnsucht und Hingabe spüren, dessen war sie sich bewusst. Er würde sie fühlen.
Als die Müdigkeit den Kampf gegen die Gedanken gewonnen hatte, rieselten die verschiedensten Fragmente eines Traumes wieder und wieder in die so unruhige Nacht. Fabelhaft Wesen aus Kindererzählungen, von der Pest in den Tod getriebene Menschen, brennende Wälder, strahlende Schlösser, prunkvolle Rösser – und überall sah sie sich und Ihn...
Rilas Avaryn

Beitrag von Rilas Avaryn »

"Auch der längste Weg auf Erden beginnt mit dem ersten Schritt",

ja so hieß es, doch fühlte er sich, als ob er diesen Weg wieder und wieder gegangen wäre, sich im Kreis bewegt und von turbulenten Winden fortgeworfen wurde. Und doch fühlte er, wie in der vermeintlichen Wüste, die sich ihm eröffnete, der erste Regen fiel, der den vertrockneten Boden wieder urbar machen würde, und spätestens seit dem letzten wieder sehen war ihm bewusst, das die zarten Sprieße, die er zurück ließ, als er in sein Lehen zurück kehrte, um der Erntezeit und der darauf folgenden Feierlichkeiten beizuwohnen, zu ausgewachsenen, in Blüte stehenden Pflänzchen gewachsen waren, und wo er zuletzt einer im Umbruch begriffenen Steinwüste begegnete, da kehrte er in eine bewachsene Biosphäre zurück, die ihn umso dankbarer begrüßte.

Diese Wüste war seine Lunet, die Blüten das Gefühl, das zwischen ihnen wie ein Band sie beide zueinander führend, und er, er war der Regen, das alles belebende, kühlende und nährende Nass, vom Himmel entsandt um nach der Erfüllung der Aufgabe wieder hinauf zu steigen, der längste Weg war angebrochen.


„Die Liebe hat zwei Töchter: die Güte und die Geduld“,

Sprach seine Mutter zu ihm, als er ein junger Mann war, noch bevor der erste goldene Flaum sein Kinn bedecken mochte, und wie oft lag er in versunkenen Gedanken, darin zu sinnieren ob die harten Prinzipien, die er nach außen hin in der Wolke wohltätiger und humanistischer Gutmütigkeit für die Vage Hoffnung, die sie ihm bat, aufzugeben. Die Hoffnung, als Emporkömmling seines Standes daran vorbei zu kommen, dem Mittel der Zweckehe zu entgehen, und statt dessen eine Ehe seines Herzens zu erstreben, eine, die seinem, von den vielen Jahren des stumpfen, kalten Krieges, die Tausenden verblassenden Sterne, die er in den Augen der sterbenden sah, die sein äußeres zu einer steinernen Maske formierte, die durch die Gebote der Höflichkeit ihr Mienenspiel vollzog, wie einer Marionette gleich, ein Narr unter noch größeren Narren, der Puppenflicker zwischen den ausrangierten, den verbrauchten Puppen, sich mit Träumen von der fernen Heimat seinen Verstand sichernd, den Blick nicht tausend Meilen fern schweifen lassend, wie er ihn bei jenen entdeckte, die ihren Lebenswillen verloren zu haben schienen.

Nein, er reihte sich nicht in diese Armee ein, und er würde den Worten seiner Frau Mutter folgen, denn viel Weisheit schien ihm aus ihren Worten zehren zu lassen, wenngleich sie vor so vielen Jahren gesprochen wurden, ergab sich ihr Sinn doch erst fast zwei Jahrzehnte später, als das Leben ihn mit den Ereignissen ereilte, die seine Zukunft prägen sollten, doch würde er darum suchen, den Kern der Dinge zu öffnen für den Weg, der sich zwischen den beiden Herzen bahnen sollte, doch, so klagte er die Himmel an, war dieser doch so schwer zu gehen. Doch mit Güte und Geduld würde er ihr Herz vollends für sich gewinnen, und die Schatten der Vergangenheit vollends begraben können.


„Die Hoffnung aufzugeben bedeutet, nach der Gegenwart auch die Zukunft preiszugeben“

Der Weg doch, den es zu wandeln galt, war noch immer ein Steiniger, ganz gleich der lieblichen Blüten, die dort am Wegesrand wuchsen, wusste er zur Gänze, das nicht nur das zarte Band zwischen ihnen wachsen musste, sondern auch jene Begebenheit sich ereignen musste, die es ihnen erlauben würde, aus den Schatten in denen sie wandelten, jene Schatten die die Gesellschaft des Reiches warf, der Gesellschaft dessen althergebrachte Bräuche ihn banden und zu einer Mätressenhaltung, um im überhaupt im Entferntesten Sinne einen Kontakt zwischen ihnen zu erlauben, den er unter den wildesten Begründungen rechtfertigte. Rechtfertigen, wovor, das war die Frage, so schien es doch, als ob ein niemand zu Interessieren schien, gleichsam doch stets der Hammer der Diffamation über seinem Haupte schwebte, ein Umstand, den ein jeder sich mit konfrontiert sah, der seine Geschicke auch nur im Entferntesten auf dem glatten Parkett der Politik zu bewegen suchte. Ein falsches Gerücht, ein Augenzeugenbericht, und er würde sich in schwerer Not finden, so denn die Nachricht an die falschen Ohren dringen würde.

Er dachte hier rüber oft nach, wenn er seiner Passion, der Fechtkunst frönte, die seinem disziplinierten Wesen gleichkam, war das das edle Fechten ungleich des groben Hauens auf den Schlachtfeldern eine Kunst, eine Schule die seine Aufmerksamkeit forderte und seinen Körper stählte. Nur ein Arzt, mochte der einfältige Sagen, doch war nicht jeder Lehnsherr gleichsam auch ein Feldherr, der seine Truppen mit Geschick zu führen hatte, der in Harnisch und bewaffnet an ihrer Spitze, begleitet vom Banner seines Lehens voran ritt, den Weg weisend, war es nicht auch seine Pflicht, den Krieg zu fördern und seine Fertigkeiten für die Heilige Sache herzugeben?

Sie war vorhanden, diese Pflicht, doch in seinem Herzen weilte eine andere Pflicht, ein anderer Kampf, und er würde die Hoffnung auf das, was er für sein Herz und das ihre zu Erstreiten, gleich einer Schlacht auf dem Felde, würde er sie begleiten und ihr Reiter sein, sie mit dem Harnisch der Redfertigkeit, seine Zunge sein Rapier sein lassend, während der Wille sein Schild sein würde, der die beide von den Hageln der Pfeilwolken beschützen würde, die ihnen auf diesem Ritt begegnen würden, von welcher Seite auch immer – er würde einmal ein nobler Streiter, ein Edelmann sein, zu dem ihn der gesiegelte Brief in seiner Kammer und der Siegelring in seiner Hand machte – er, der selbst wusste, das die Steinigen Wege zu den Sternen führten – er der es bewiesen hatte, zu Lebenszeit vom Feldscher zum Freiherren zu werden, und doch war es
Wert dafür zu streiten, Wert dafür zu fallen, Wert dafür alles in die Waagschale zu werfen, was er errungen hatte.
Lunet Saraid

Beitrag von Lunet Saraid »

Geschickt fädelten die feingliedrigen Finger den dünnen Faden in das Nadelöhr. Es war inzwischen mit Sicherheit die dritte Garnrolle die sie an diesem Abend verbraucht hatte und doch ebbte weder der Tatendrang, noch die dazu notwendige Kreativität ab. Obgleich sie in dem kleinen Arbeitszimmer nicht erkennen konnte, ob die Sonne bereits untergegangen war, war sie sich dessen doch ziemlich sicher. Als sie mit Ihrer Arbeit am heutigen Vormittag begonnen hatte, fuhren so eben die ersten Händler mit Ihren holprigen Karren über die Straße vor Ihrem Anwesen. Wohl kaum Stand die Sonne zu diesem Zeitpunkt auch nur im Ansatz nahe des Zenits, nun wohl allerdings hatte sie dem zunehmendem Mond bereits Platz am Firmament geschaffen. Ein weiterer Tag der vollkommen beherrscht von der Schneiderskunst war und die junge Schneiderin kaum mehr als einige Minuten das Haus verließ um Ihre Lunge mit der kühlen Herbstluft füllen zu können. War es nun der dritte Tag in Folge, gar schon der Vierte? Sie wusste es nicht und doch schien es als würde die Arbeit auf Ihrem Schreibtisch nicht weniger werden. Mit jener Motivation störte sie sich nicht daran, erledigte alle Dinge sorgsam und doch zügig, um sich Stunden oder Minuten später den nächsten Auftrag anzunehmen. Doch nun drehte sie die silberne Nadel bereits einige Zeit lang zwischen Ihren Fingern, die Gedanken schienen das Zimmer mit jeder weiteren Bewegung zu verlassen und der Hort der Arbeit rückte zumindest für diesen einen Moment in ungreifbare Ferne.

Regungslos stand er vor dem goldenen Schild, lediglich den Eindruck auf sich wirken lassend. Auch sie stand beinahe ohne eine Bewegung neben Ihm, wagte es nicht einmal einen Seitenblick auf sein Gesicht zu erhaschen. Keine Mauern die sie umgaben, keine schützende Dunkelheit die neugierige Blicke auf Ihre Gesichtszüge abhielten...Mehr als ein stummes Nicken gab der junge Adlige hier auch tatsächlich nicht von sich, als er letztendlich den Blick von jenem Schild wendete und recht wortlos, beinahe abweisend kühl zurück gen Ihrer Haustüre des Anwesens schritt. Natürlich hatte man hier einen Adligen vor sich, wie es die Etikette von jeher beschrieb und doch konnte zumindest Lunet mit Sicherheit sagen, dass sobald sich die Haustüre hinter Ihnen schloss, er seine entsprechenden Emotionen auch für sie deutlich zugänglich machen würde. Ein Lächeln, vielleicht ein herzlicher Händedruck mit einigen höflichen Floskeln? Eine Umarmung, liebevolle Worte des Lobes? Der Blick aus Ihren dezent schimmernden, blauen Augen hatte sich nach dem sorgsamen Verschließen der schweren Flügeltüre in seinem Gesicht eingefunden, welches sich von Sekunde zu Sekunde aufhellte. Langsam fiel die distanzierte Miene von den Gesichtern ab, die Ihnen beiden bekannte Wärme kehrte zurück und allmählich verringerte sich auch die unpersönliche Distanz zwischen den Leibern. Den Glauben den er stets in sie gesetzt hatte, die Anspannung die er während Ihres Aufenthaltes im Schloss verspürte, all die Freude und der Stolz welche sich nun auf Grund Ihrer Ernennung in Ihm ausbreitete, vereinigte sich in einem Kuss. Eine Berührung voller Liebe, Aufrichtigkeit und Hingabe, die schier die Zeit anzuhalten schien.

Der erste Stich saß präzise an der äußeren Kante des Schnittmusters und hatte zwei weitere ebenso wohl gesetzte Stiche zur Folge. Sie kannte diese Form, seit einige Damen dieses Abendkleid durch Ihre abendlichen Spaziergänge in der Stadt bekannt gemacht hatten, auswendig. Strömten doch seither immer mehr Kunden in den Laden um sich selber, oder Ihrer Liebsten eines jener besonderen Kleidungsstücke in angemessenen Farben des Herbstes zu kaufen. Einige weitere, gerade Stiche und die erste Naht welche den weiten Rock auf einer Seite zusammenhalten sollte, war vollendet. Noch ein, zwei weitere Stunden Arbeit an jenem Kleid, ehe sie es in den von der Kundin geforderten Farben einfärben konnte: Rötlich wie ein Herbstblatt, bestickt mit bräunlichem Garn welches in seiner Gesamtbetrachtung einen feinen, doch bereits kahlen Ast darstellte. Innerlich musste Lunet schmunzeln, die Wünsche der Kundinnen wurden von Tag zu Tag ausgefallener. Nicht mehr nur die Farben wurden individuell gewählt, auch gestickte Muster sollten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Teilweise entbrannte in der Schneiderstube zwischen den aufgeregten Kundinnen ein regelrechter Wettstreit. Eingeflochtene Goldfäden hier, mit Silber bestickte Säume dort. Das Gold schien in den meisten Fällen keine rechte Rolle zu spielen. So ereignet es sich auch, dass ein junges Mädchen – wohl kaum mehr als geschätzte 20 Lenzen – um ein Hochzeitskleid, aus den Händen der meisterlichen Schneiderin bat. Gold wie die Barren selber sollte der Stoff erstrahlen, um mit dem eingearbeiteten Golddraht im Umhang um die Vorherrschaft zu ringen. Einige Zierfalten aus reinster Seide zierten das Dekolleté der jungen, angehenden Ehefrau ebenso wie den Saum des weit geschnittenen Unterrockes. Allein der Stoff, verbunden mit dem Arbeitsaufwand kostet das Brautpaar einige Kronen. Die besondere Färbung, abgestimmt auf die genauso goldenen Geschmeide, verlangte dem Paar neuerlich wohl eigens verdiente Kronen ab. Und doch störte sich niemand daran, während sie wie im Taumel der Liebe die besten Dinge bestellten. „Meine Geliebte, soll' die schönste Frau sein, welche je die Ehe eingegangen ist!“, betonte der stolze Mann immer wieder und nur allzu bekannt kam der Glanz in seinen Augen hingegen der Schneiderin neben Ihm vor.

Eine Möglichkeit auf neue Wege, die sich einem offenbarten ließ sowohl Lunet, als auch Rilas taumelnd unter vielen Küssen in den gewärmten Aufenthaltsraum taumeln. Es schien als würde für einen Moment all die Anspannung, Sorge und Angst um die Zukunft abfallen um lediglich den so positiven Gefühlen genug Platz zur freien Entfaltung zu bieten. Kaum mehr konnten sich Herz und Körper zwischen dieser Woge aus verschiedensten Gefühlen einig werden: Liebe, Zärtlichkeit, Hingabe und die unbeschreibliche Anziehungskraft.. Aus freudigen Sekunden, wurden liebevolle Minuten und aus eben jenen Minuten wurden einige romantische Stunden, geprägt durch die reine Liebe, zweier Herzen... Arm in Arm liegend gingen sie immer wieder gemeinsam eine fiktive Zukunft in Ihren Gedanken durch, kaum könnte ein Mensch ohne derart viel Liebe in seinem Herzen diese Sehnsüchte nachvollziehen, welche die Hofschneiderin und der Freiherr in diesen Momenten genossen, wie zeitgleich aber auch quälten. Jeder Schlag des Herzens, ließ Ihren Leib erbeben und mit Sicherheit hätte er auch die sicher etablierte Gänsehaut auf Ihrer blassen Haut ohne das neugierige Tasten seiner Finger erkannt, wäre nicht die nur von Kerzen durchbrochene Dunkelheit gewesen.

Ein verliebtes Lächeln huschte über Ihre geschwungenen Lippen, als die Aufmerksamkeit sich langsam wieder zurück auf die Gewandung in Ihren Händen wendete. Ohne tatsächlich mit den Gedanken bei der Arbeit gewesen zu sein, hatte das Kleid eine weitere, individuelle Form angenommen. Angetrieben durch die positiven Gedanken und Gefühle, geformt von den geschickten Fingern hielt sie nun ein Meisterstück in den Händen, was sich demnächst an den Körper einer stolzen Frau schmiegen wird ohne, dass eben jene wusste welche Emotionen dieses Stück in sich barg. Obgleich die Arbeit beider, sie in diesen Tagen von einander getrennt hielt, schlug doch das Herz der jungen Schneiderin jede Sekunde für diesen Adligen. Das pulsierende Blut in Ihren Adern ließ angenehme Wärme in den glänzenden Anhänger Ihrer Kette strömen und sie stets neue Energie daraus gewinnen. „Rilas von Avaryn, nur Dir würde ich mein Herz schenken, es Dir all' die kommenden Jahre anvertrauen.“, wisperte sie mit einem letzten, geheimen Gedanken für diesen Abend vor sich hin...
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