Die Wege trennen sich

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Crean Laskelin

Die Wege trennen sich

Beitrag von Crean Laskelin »

Die Wege trennen sich

Die Tür schlug hinter Crean zu. Seine blauen Augen, blasser noch als sie gewöhnlich schimmerten, sahen den steinernen Boden vor sich, als er den sonnendurchfluteten Turm die schmale Treppe hinunterstieg. Niemand außer ihm und dem Paladin wusste, was in dem Zimmer gesprochen wurde – und vermutlich würde es nie jemand erfahren. Er stand im Eingang des Kirchenhauses und drehte sich nocheinmal um. Er atmete Tief ein und aus, sein Blick schweifte durch die Kirche, als wolle er den Eindruck für immer im Geiste konservieren. Dann ging er weiter. Sein Weg führte ihn, am plätschernden lebensspendenden Quell vorbei, in seine kleine Unterkunft. Das Buch auf dem Schreibtisch war noch aufgeschlagen. Er schloss es. Der blaue Ring, der früher so fest am Finger saß, löste sich nun wie von allein und er legte ihn in das kleine Kästchen auf dem Tisch. Er legte seine Kleider ab, die das Siegel des Ordens trugen. Sein letzter Weg in diesen Mauern führte ihn in die Stallung. Er hatte seinen Mustang immer gemocht doch heute war er besonders froh, den treuen Begleiter an seiner Seite zu wissen. Er befestigte sein weniges Hab und gut, dann schwang er sich in den Sattel.

Langsam trabte er durch das offene Tor. Die Sonne schien ihm hell ins Gesicht. Heller den je, so kam es dem Mann der Kirche vor. Und die Worte, die ihm nun in den Sinn kamen, malten ein zufriedenes Lächeln auf die blassen Lippen des Mannes:


Pro lucro tibi pone diem, quicumque sequetur!
Sieh' jeden Tag, der noch kommen wird, als Gewinn an!
Leah Katuri

Beitrag von Leah Katuri »

Endgültigkeit, Ratlosigkeit, Leere. Die Gedanken mochten nicht mehr klar denken, als sie durch die Tore schritt, die Tränen zurückhaltend, so gut es eben ging. Die Frage nach dem Warum, nach dem Grund kam immer wieder auf. Nur zu gut drangen die flüsternden Stimmen in ihren Hinterkopf, die sie wieder und wieder zu verstehen versuchte. Der Erste hatte den Schritt getan, konnte mit den Konsequenzen so nicht leben.
Hilflosigkeit. Sie wollte die starken Mauern, den Schutz, die täglichen Gebete und die Wärme der Brüder und Schwestern nicht missen. Sie konnte nicht; und doch dieses innere Drängen...
Diesmal kein Wegrennen, keine Flucht, sondern eine Entscheidung. Sie sah es in den Augen des Paladins, sah das, was sie nur allzu sehr befürchtet hatte. Nein, hier konnte sie nicht so handeln, wie sie es sich wünschte. Sie wollte mehr...vielleicht zu viel?

Der Wind zupfte verspielt an ihrem Rock, während die Arme sich um den Oberkörper schlungen. Mit gesenktem Haupt und schnellem Schritt suchte sie die nächsten Mauern, suchte den Schutz, den sie in jener Situation brauchte. Die Ärmel rutschten ihr hoch und gaben die helle Stelle am Handgelenk preis, an der man sonst das Armband erblickt hätte. Nun lag es dort, wo auch die anderen Sachen lagen: In einer Truhe, die bald einem anderen Bruder, einer anderen Schwester gehören würde. Jemanden, der hoffentlich mehr Glück in dem Tun finden würde.
Wärme umschlug sie, als sie in das eigene Heim eintrat. Nein, sie war weder enttäuscht noch erleichtert. Der Blick glitt durch den Raum, blieb hier und dort hängen, ehe sie auf einen der Stühle sich fallen ließ.
Wie automatisch falteten sich die Hände ineinander und legten sich ruhig in den Schoß. Worte des Paladins schossen ihr in den Kopf, Worte über den Weg der Vernunft und den Kampf darum. Ein kurzes Lächeln glitt über die Lippen, ehe sie wieder ruhig den Blick zur Kerze suchte.

Einem jeden ist es bestimmt, eine bestimmte Aufgabe auf dieser Erde zu erfüllen...

Sie hatte die Aufgabe im Herzen und wollte sie erfüllen. Dafür mussten Opfer aufgenommen werden und das größte war gebracht. Weitere würden wohl folgen, doch sie wusste, sie würde Halt finden. Schutz, Halt, Wärme – Temora würde bei ihr sein, komme, was wolle.
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