Auf Traumes Pfaden

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Nuria Mondin
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Auf Traumes Pfaden

Beitrag von Nuria Mondin »

Die Woche neigte sich ihrem Ende zu - und noch immer kein Zeichen von Taralea. Langsam machte sich Nuria Sorgen. Wo steckte sie nur? Sie hatte sie nun schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen... und sie brauchte sie nun dringend. Die Natur war einem unschönen Wandel unterworfen, doch sie brauchte die Kraft der Schwester, um jenen Untrieben Einhalt zu gebieten. Es blieb ihr nichts anderes übrig: Sie würde sie zu sich rufen. Mit einer unmissverständlichen Botschaft in ihren Träumen.

Sie legte sich angezogen, wie sie war, auf die Felle und starrte an die Decke. Suchte nach dem richtigen Bild... ehe sie schließlich mit einem leichten Lächeln die Augen schloss und einschlief, obgleich ihre Konzentration nach wie vor geradezu greifbar war.

Zielstrebig wandelte sie in Taraleas Traum. Wenn sie eine Melodie auch im Schlaf auf Anhieb im Gedächtnis hatte, dann ihre. Sie sah, wie sie gerade auf einem Holzschemel saß, Kartoffeln schälte, die Schale auf dem Schoß. Eine Frau stand am Herdfeuer und setzte gerade einen Topf mit Wasser darauf. Taralea blickte auf, um etwas zu ihr zu sagen ... Nurias Einsatz. Das Bild der Frau veränderte sich schlagartig. Statt ihr stand dort Nuria... der Blick besorgt, sie wirkte irgendwie erschöpft, matt, blässlich. Augenringe zeugten von wenig Schlaf, eine weiße Strähne hatte sich in das ansonsten pechschwarze Haar gemischt. Sie blickte Taralea an - geradezu flehend. Die Umgebung änderte sich: Statt der Küche lag vor ihr der Platz der Kraft. Nuria stand im Norden. Etwas im Hintergrund ein Baum in vollem Grün, wenige Sekunden später vollkommen ausgelaugt, tot. Die Perspektive schwenkte um: sie blickte aus den Augen Nurias. Sie sah Larissa, wie sie außerhalb des Kreises stand. Und dann ging der Blick an einen leeren Platz - Taraleas Platz. Abermals wechselte die Perspektive. Abermals Nuria, doch ganz nah, nur ihr Gesicht. Und in ihren Augen lag ein stummes Flehen...
Taralea Mirrosil
Beiträge: 0
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Taralea Mirrosil »

Der Wind zerzauste ihr den Zopf, lies kleine Löckchen um ihr Gesicht tanzen. Nicht mehr lange und das Schiff würde anlegen. Das Land war bereits in Sicht.

Ob sie auf sie warten würde? Jedenfalls wäre es keine Überraschung. Die Gedanken schweiften ab.
Fort zu jener Nacht, in der ihr die Freundin erschienen war. Das vertraute Gesicht, welches in so ungewohnter Art von Kummer gezeichnet war. Taralea war schweißgebadet aufgewacht. Die Botschaft war eindeutig. Komm heim, wir brauchen dich. Dringend.

Doch zurückzukehren bedeutete, die friedliche Idylle ihres Heimatdorfes zurückzulassen, sich wieder den Schauplätzen jenes verhängnisvollen Abends in Bajard auszusetzen.
Nicht zum ersten Mal stand sie an dem Punkt, die Belange der Schwestern über ihre eigenen stellen zu müssen. Wie an jenem Abend, als sie hilflos mitansehen....
Mit einem Kopfschütteln scheuchte sie die Bilder aus ihrem Kopf. Nicht dran denken. Niemand hatte je behauptet, dass ihre Bestimmung nicht auch Bürde sein konnte.

Wieder sah sie die Bilder des Traumes. Der Ort der Kraft, ihr leerer Platz. Dieser besorgte Blick aus den sonst so herzlich strahlenden Augen.
Was war geschehen, dass Nurias Gesicht so von Sorge und Kummer gezeichnet war? Diese Strähne, nie zuvor hatte sie auch nur einen silbernen Faden im dem tiefschwarzen Haar entdeckt. Es war ein Traum, wer weiß, entsprach es der Realität? Nun, eines war klar. Die Bildes waren in der Nacht nicht zufällig erschienen, dafür waren sie zu leicht deutbar, zu klar strukturiert.

Die Silhouette des Fischerdorfes zeichnete sich bereits deutlicher am Horizont an. Das Schiff verlangsamte allmählich. Nicht mehr lange und sie würde Gewissheit haben. Ganz schwach breitete sich in ihrer Magengegend ein wohliges Gefühl aus. Ein kleiner Hauch von Vorfreude drängte die trüben Gedanken beiseite. Bald schon würde sie im Kreise der Schwestern sein. Sie ahnte nicht, welch Unheil sich in der Zeit geballt hatte...
Nuria Mondin
Beiträge: 0
Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Nuria Mondin »

Die Freude über das Wiedersehen oder der Schmerz über den Anlass... sie war sich nicht sicher, welche Gefühle in jenen Momenten überwogen hatten, als sie Taralea mit einer herzlichen Umarmung begrüßte. Hoffend hatte sie bereits am Steg in Bajard gewartet... sie war sich sicher, Taralea würde ihr Zeichen richtig zu deuten wissen.
Kurz war ihr Bericht über das Geschehene, zusammengerafft das Wichtigste, denn die vorherrschenden Ereignisse drängten. Sie begutachteten das sich ausbreitende Übel in der Natur. An jenem Abend konnten sie nicht all das aufholen, was in der Zeit der Trennung ausgeblieben war. Doch... sie war Taralea eine Erklärung schuldig. Wie hatte sie sie erreicht? Und so verband sie dies gleich mit einer Demonstration. Ein Besuch stand noch aus: bei Kilyan. Ihm anzubieten, bei seiner neuen Aufgabe mit Rat oder auch nur einem offenen Ohr beiseite zu stehen. Doch nicht die Füße sollten sie in dieser Nacht zu ihm tragen...

Sie traf Taralea auf jener Wiese in der Sphäre der Träume. Als sie Kilyans Melodie gefunden hatte, zögerte sie nicht... sie sah Bäume, Wald in seinem Traume und ließ jene in ihren eigenen übergleiten.
Kilyan wanderte... durch einen Wald, schließlich über eine Wiese. Scheinbar ziellos setzte er die Schritte. Doch dann gelangte er an eine Brücke, ein wenig mit Grünspan schon überzogen, klein, aus Holz - und ihm wohlbekannt. Der dumpfe Geruch von Moos und Schlamm stieg in seine Nase. Etwas vorsichtiger setzte er seinen Fuß auf den weichen, nachgiebigen Grund. Doch noch ein weiterer Geruch lag in der Luft: wohltuend, ein fruchtiges, mildes Aroma. Er blickte sich um und sah eine kleine Heilerstube. Kräftig mit Efeu überwachsen. Die Tür stand weit offen, aus dem Inneren tanzte das Licht eines kleinen Feuers bizarr über den grasbewachsenen Moosgrund. Er trat einen Schritt näher und sah, wie Nuria gerade den Tisch mit einer Obstschüssel bedachte. Taralea stand mit dem Rücken zu ihr, Aus dem Teekessel den offensichtlichen Quell des angenehmen Duftes schöpfend: frisch zubereiteter Tee. Nuria blickte in jenem Moment auf und schien ihn offensichtlich zu bemerken, denn ein warmes, einladendes Lächeln breitete sich auf den Zügen der Frau aus. Mit Kopf und Hand bedeutete sie ihm, sich doch mit an den Tisch zu setzen. Taralea setzte die Teekrüge auf dem Tisch ab und folgte mit den Augen Nurias Blick. Auch auf ihrem Gesicht breitete sich sogleich ein herzliches Lächeln aus... ehe der Traum in den nächsten überging... in seinen nächsten Traum.
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