Jeden Tag eine gute Tat - Das Geschenk für Silvan

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Tarja Lycron

Jeden Tag eine gute Tat - Das Geschenk für Silvan

Beitrag von Tarja Lycron »

Eigentlich wollte sie das Kätzchen dafür nutzen, etwas über die Anatomie und die Kunst der Folter zu erlernen. Stattdessen brachte Lucan sie auf eine Idee. Erst war es Spaß, dann wurde es Ernst. Die Katze hatte sie am Kragen gepackt, die Farben des Ordens hatten beide abgelegt und sie machten sich auf den Weg nach Varuna. Vor der Kutsche in Rahal machten sie Rast. Der Kutscher war noch nicht bereit, loszufahren. Und sie bekam den Befehl, jene Katze zu töten. Ohne mit der Wimper zu zucken schlug sie die Katze auf den Boden, so dass sie nicht mehr davonlaufen konnte. Nachdem sie die Katze dort liegen sah, trat sie ein paar Mal kraftvoll auf den Schädel der Katze, um jenen zu zertrümmern. Das Knacksen unter ihren Füßen zauberte ihr ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht und auch ihr Bruder begann zu lächeln. Nachdem sie den Kadaver aufgetrennt und die Innereien herausgetrennt hatte, stopfte sie den leblosen Körper der Katze in einen Beutel und verschnürte ihn. Es sollte ein Geschenk für Adrian werden.

Als sie jedoch in Varuna ankamen, überlegten sie es sich anders, als sie die Straßen durchstreiften. Sie konnten sich nicht in den Palast des Grafen schleichen, erst, als sie vor dem Konvent standen, kam ihnen wohl die gleiche Idee. Schnell zückte Tarja einen Zettel, Lucan gab ihr einen Stift und sie kritzelte den Namen in leserlichen, aber krakeligen Buchstaben auf das Papier: Silvan von Dragenfurt.

Den Beutel hatte sie im Hof des Konvents an den ersten Baum nach der hölzernen Brücke gehängt. Jeder, der daran vorbeigehen würde, würde jenen Beutel sehen. Und sollte Silvan einen Blick in den Beutel wagen, würde er den leeren, ausgehöhlten Kadaver der Katze mit dem zertrümmerten, kaum noch erkennbaren Schädel erkennen und ein ekelerregender Gestank würde aus dem Beutel empor steigen. Dennoch deutete nichts weiter darauf hin, wer oder was ihm jenen Beutel überbracht haben könnte.

Mit einem ausgeglichenen Gefühl und einem gewissen Maß an Zufriedenheit stieg sie mit Lucan in die Kutsche und fuhr zurück nach Rahal.

"Jeden Tag eine gute Tat!"
Silvan von Dragenfurt

Beitrag von Silvan von Dragenfurt »

Mit verkniffener Miene schloss er den Kadaver wieder, der ausgebreitet auf dem Labortisch vor ihm lag. Keine Spuren, keine versteckten Botschaften hatte er finden können. Nur ein ausgehöhlter Kadaver – für einen Streich eine äußerst brutale Vorgehensweise. Zu gut wusste er, dass er nichts finden würde. Die „Täter“ würden dafür gesorgt haben, dass niemand sie beobachtet hatte. Außerdem: Wollte er mit solchen Subjekten zu tun haben?

Es war nun an ihm, die Reste wieder in einem Beutel aus dichtem Leder zu verstauen und ihn gründlich zuzuschnüren. Dann setze er einen Brief auf, den er dazulegen würde. Mit Pergament mittlerer Qualität und einem Federkiel schrieb er die Botschaft an den Grafen:

Phanodains Segen Hoheit,

folgenden „Scherz“ fand ich des heutigen Tages am Konvent des Phönix, in einem Beutel adressiert an meine Person. Sollte es der Eure Wunsch sein, würde ich Nachforschungen erst empfehlen wenn sich Vorfälle dieser Art häufen.

In Lehenstreue verbunden,
Frh. Von Dragenfurt


Der Beutel und die Botschaft wurden, nachdem Yarin von dem Vorfall unterrichtet wurde, dann von einem bereitwilligen Boten erst an das Regiment übermittelt, sodass alles seinen Dienstweg ging.
Zuletzt geändert von Silvan von Dragenfurt am Mittwoch 16. Januar 2008, 17:23, insgesamt 2-mal geändert.
Tarja Lycron

Beitrag von Tarja Lycron »

Lange - in ihren Augen viel zu lange war es her, dass sie jemandem ein Geschenk bereitet hatten. Sie dachte an den Abend in der Taverne zurück, als sie den Bediensteten des Hauses von Dragenfurt antraf. Jener Mensch, der seine Zunge nicht unter Kontrolle hatte. Die Zunge abschneiden? Das wäre viel zu einfach gewesen. Immerhin konnte sie ihn noch für einige andere Dinge hervorragend gebrauchen. Erst sollte es eine erneute Warnung sein.

Der Hund lag auf dem steinernen Tisch. Mit einem Schmunzeln beugte Tarja sich über jenen. Tiefe Nacht war es und nun erkannte sie auch den Nutzen der abgelegenen Stellen in Rahal. Sie würde einen Teufel tun und das Vieh zuhause sezieren, wer weiss, was jener Freiherr anstellen würde um herauszufinden, von wem jenes Tierchen kam. Gelockt hatte sie jenes Tier mit Fleisch und Wurst, so einfach war es gewesen. Dann kam der Schlag, ein gezielter Schlag, den ihr Liebster dem Tier verpasste. Sie sah das besessene Schmunzeln auf den Lippen ihres Mannes. Ohja, irgendwie hatten sie immer die gleichen Leidenschaften und Fantasien und jenes zeichnete sich immer und immer wieder aus. Gepackt hatten sie ihn - und verschleppt. Hierher. Dann hievten sie den leblosen Körper auf den Tisch. Sie mussten aufpassen, dass sie keinerlei Spuren hinterliesen, wenngleich sie damit schon genügend Übung hatten. Handschuhe waren wie immer dabei sehr hilfreich, eine Tinktur, dazu ein Zauber. Ein triumphierendes Grinsen legte sich auf ihre Lippen, als sie zu Lucan aufsah. "Wollen wir doch ein wenig Spannung hineinbringen!"

Die Gliedmaßen wurden alle fein säuberlich vom Rumpf des Tieres abgetrennt. Einzig allein der Kopf des Tieres wurde wegen der Säge ein wenig zerfetzt. Es war ein amüsantes und aufregendes Schauspiel, wenn man Gefallen an Widerlichkeiten hatte. Und das hatten die Beiden durchaus. Wieder wurde ein aus Leder genähter Beutel verwendet, ein Beutel, den sie zuvor von einer Schneiderin aus Varuna erkaufen liesen. Ein Bote wurde geschickt, sein Kopf ruhte nun längst zuhause - was Tarja jedoch erst später erfahren würde. "Spuren müssen verwischt werden ..." war sein einziger, murmelnder Kommentar, als sie die Einzelteile des Hundes in den Beutel packten und zuschnürten. Sie hatten wirklich alles bedacht, also konnte Silvan erneut nur erahnen, wer es gewesen war.
Auch dieses Mal machten sie sich wieder auf den Weg. Das braune Haar wechselte in ein blond, die Haarlänge belief sich nur noch auf Schulterhöhe und ihre Kleidung war so normal wie die eines jeden Bürgers in Varuna. Ebenso wie bei Lucan. Immer und immer wieder schlichen sie sich an den Wachen vorbei. Es gab meist immer einen Weg, sie irgendwie auszutricksen. Selbst wenn sie vor einigen Monaten veranlasst hatten, dass jene besser aufpassen sollten - es war mittlerweile eine viel zu lange Zeit vergangen als das ein Wachmann in diesem Moment daran dachte. Es hatte eine Weile gedauert bis sie sich durch die Straßen geschlichen hatten und sich mit den Schatten vereint hatten. Und irgendwann hinterließen sie ihr Ziel - unbemerkt wie zwei schleichende Katzen in der Nacht. Das Geschenk wurde erneut überbracht. Nur lag er diesmal unter jenem Baum. Und ja, auch ein weiteres an Silvan adressiertes Schreiben war an jenem Beutel befestigt.


"Errate, Freiherr, was das war.
Ist es eigentlich durchaus klar.
Errätst du, wirst du reichlich belohnt.

Versagst du, wird jener Lohn erweitert,
verzage nicht, auch wenn es scheitert.

Suche nicht, wo du vermutest,
den falschen Weg wirst du dann finden.

Ein Freund."


Ansonsten würde an jenem Tier wie auch am letzten nichts weiter zu finden sein. Keinerlei Hinweis, woher es stammen könnte.
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