„Gib Obacht!“, die Worte des Hauptmanns erschienen immer wieder in seinem Kopf.
Am Abend zuvor ritten sie beide gemeinsam aus, um Ihren Aufgaben, der Grenzwacht nachzukommen.
Die Stimmen waren nur dumpf zu vernehmen, Bronns Helm war geschlossen, das Visier bot ihm nur eingeschränkte Sicht und die Rüste, die ihm Schutz vor jedweder Art von Angriffen bieten sollte, trug dazu bei, dass die Erschöpfung stetig zunahm.
Dennoch war er sich seiner Pflicht bewusst und die aufmerksamen Blicke wanderten durchs Unterholz um jedwede Bewegung, die verdächtig wirken könnte, wahrzunehmen.
Auch wenn die Zeit der Trauer vorüber war, der Zorn wuchs zunehmend.
„Das Leid, das den unseren zugefügt wurde, soll jenen im gleichem Maß widerfahren, die sich mit den feigen Taten rühmen, als sie unser Lager den Flammen übergaben!“, kaum ein anderer Gedanke fand in Bronns Alltag Platz, dennoch ermahnte er sich selbst, den Kopf freizubekommen, denn mit getrübtem Blick würde er keinem eine Hilfe sein.
Vieles gab es zu bereden zwischen dem Hauptmann und seinem Adjutanten, nach dem sie ihren Grenzritt absolviert hatten, entschlossen sich Jonath Grauwind und Bronn Siebenschneid den Gerüchten nachzugehen, die sie über das Fischerdorf, dem seiner Meinung nach viel zu viel Aufmerksamkeit bemessen wurde, gehört haben. Wieder mal soll es die Burg Eisenwart um ihren Burgherren Khazkal Deslon sein, die sich mit fragwürdigen Bündnissen das Regime in Bajard sichern wollten.
Auf den Rücken ihrer treuen Rosse, Pilger & Wanderer, passierten sie den Kreuzweg und erreichten die Stallungen. Die roten Wappenröcke, geziert mit dem Greifen, der die Flügel gespreizt und das Maul geöffnet hat, waren für Kundige schon weitem zu erkennen. Der laue Wind in den Abendstunden trug die Umhänge, die sowohl die Rücken der Reiter, aber auch das Hinterteil der Tiere zum Teil bedeckten.
Überbliebende Kadaver und Unrat zierten die Straßen des Fischerdorfes. Übrig geblieben von den Übergriffen untoter Wesen, die aus dem Meer gestiegen waren, hatte Grauwind ihm gesagt, der es seinerseits von einer Schmiedin der auf der Insel Lameriast erfahren hatte. Selbst die Köter aus den Gossen, die der Hunger sicherlich plagte, machten einen weiten Bogen um die Leichenteile.
Mittlerweile stand der Mond am Firmament und die Sterne mimten die treuen Weggefährten der vollen Scheibe am Nachthimmel. Die Wege waren leer und kaum ein Bewohner des Dorfes kreuzte die Wege der beiden Greifen.
Lediglich in der hiesigen Taverne waren noch einige Gäste anzutreffen, die aber keiner weiteren Aufmerksamkeit bedurften und die beiden Greifen bezogen bei einem Krug Wasser und trockenem Brot im hinteren Teil der Taverne Stellung. Das was sie zu bereden hatte, sollte die Ohren Außenstehender nicht erreichen.
Die Wege der beiden trennten sich noch in dem Dorf und Bronn fällte die Entscheidung, die Nacht in einer Herberge am kleinen Hafen zu verbringen, um den Ritt ins Grenzgebiet der alatarischen Hochburg erst am nächsten Tag in Angriff zu nehmen. Auf den Hauptmann warteten noch Aufgaben, die keinen Aufschub duldeten.
Die Fehde, die es auszutragen galt, richtete sich gegen die Streiter der Bruderschaft Temoras, doch war es dem Adjutanten gleich, wem er seinen Zorn entgegenbringen konnte, sofern es sich um einen der Jünger der Götterhure handelte.
Er sei hier um nach dem Rechten zu sehen und für Gerechtigkeit im Namen Temoras zu sorgen, um das Leid abzuwenden,
Gerechtigkeit in einem Atemzug mit Temora zu nennen. Willkür würde es wohl treffender bezeichnen.
Ein Wort gab das andere und die Floskeln des Priesters, die er an die Hafendirne, deren Götze er anbetete, richtete, bescherten dem Adjutanten zwei zusätzlich Gegner, die es zu bezwingen galt.
Avatare der Flammen, welch Ironie?!
Die Klinge an die Stirn gerichtet, folgten die Ausfallschritte, um dem Priester nicht noch mehr Zeit zu gewähren, die Scharlatanerie fortzusetzen.
Die Erde gab unter seinen Schritten nach, als er festen Stand suchte, und den Schild vor sich hob, um sich selbst vor den züngelnden Flammen der beiden Avatare abzuschirmen. Mit der Klinge würde er wenig gegen sie ausrichten können, aber wenn er die Quelle des Übels erreichen würde, seine Klinge in den Leib des jungen Priesters stoßen und ihm mit einem weiteren Hieb die Kraft nehmen würde, dann würden auch die Elemente, die er befehligte schwinden… da war sich Bronn sicher.
Die Hitze stieg ins Unerträgliche, und der Schweiß stieg ihm ins Gesicht, als er sich mit energischen Bewegungen gegen die Flammen warf, um sie zu durchbrechen.
Die Parade des Priesters, als die beiden Waffen aufeinander trafen, waren das Einzige, was dem Greifen verriet, dass er seinen Gegner in dem Flammentanz gefunden hatte. Die Schlagfolge verlor an Stärke, jeder folgende Hieb fiel ihm schwerer als der vorherige und er sah nichts mehr, außer den Flammen vor sich, neben und hinter sich…
Erkundungsritt mit Folgen
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Sandroval Ar´states
... hell Loderten die Flammen der Avatare in den Himmel und bei jedem Schlag gegen die Rüstung des Greifen, stieben weitere Funken empor und hüllten den Manne ein. Feuer bedeckte bereits den Umhang und die Rüstung und die funken aufeinander Schlagenden Metalls reite sich in die Funken der Elementare ein... dann grollte der Himmel und ein gleißender Blitz stieß, einem Speer gleich, hinab und hüllte den Greifen zusätzlich in knisternde Energie... und dann war es vorbei... der Rahaler sank zu Erden... Langsam senkte sich der Blick des Priesters auf seinen Gegener... die dunklen Schergen Rahals betraten zu oft die Lande außerhalb ihrer Hochburg und zu oft folgte ihnen Leid und Tod als weg gefährte... schien es gar abwegig, das auch das Aktuelle Leiden, die Toten auf den Straßen Bajards nur eine Tat der Schergen Rahals ward? Eventuell auch nur derren Werkzeuge der Verdammten des Rabendämones, wie dem auch sei... ein jeder welcher dem Phantergott oder dessen verruchten Schergen aus freiem Stücke folgte ward ein Narr der sich freiwillig in die Finsternis begab und seine Seele aufs Spiel setzte... dazu noch leid und Angst unter die Unschuldigen trug... und dieser hier hatte es tatsächlich noch gewagt vor ihm üble Rede zu halten wieder der gütigen Lichtbringerin Temora und wieder ihrer gesegneten Gerechtigkeit... er ward gewarnt worden, mehr als einmal seine verderbten Lehren für sich zu behalten und das Feld zu räumen und dennoch hatte er sich dem Kampf und somit der göttlichen Strafe gestellt. Aber nun gut eines musste man ihm zu gute halten, hatte er doch einen ehrenhaften Kampf gesucht und selbst die Waffe dieses Schergen schien nicht vergiftet oder mit übel anheim gesucht. So würde ihm wohl die Niederlage Strafe genug sein vorerst... oder würde sie es nicht sein... würde jener nicht erneut Leid und Schrecken unter die Wehrlosen Tragen trotz dieser Niederlage und dem Leiden in seinem Leib, geschlagen durch gesegneten Stahl und das Feuer der Gerechtigkeit und doch würde es Ausreichen... Nein wohl nicht...
Langsam drehte der Priester sich zu dem gefallenen und entwand ihm das Schwert aus der reglosen Hand um die Klinge zu besehen, dieses Schwert, dessen Griff einen Greif mit offenen Schwingen darstellte, bereit zum Angriff... welch Ironie... in den Geschichten ward der Greif ein stolzes, edles Tier frei von Feigheit oder Haß, wie es die Phanterbrut verbreitete... Sicher auch diese Greifen der Legenden waren Wild... doch niemals zu vergleichbar mit dem Wahn der Rahaler... und dabei zuckte ein Lächeln über seine Lippen, warum den nicht... es würde DIESEN Greifen lehren, was Edelmut und Rechtschaffenheit ward... seine Klinge besser nur dann zu ziehen wenn es um ehrene Ziele ging. Mit diesem Gedanken übergab er die Waffe des besiegten einem der Flammen Avataren, welcher sie entgegen nahm, geweihte Flammen loderten um die Klinge herum und brachte sie gar zum Glühen und lodern, dann hob er die Hand und schloß die Augen. Mit leiser Stimme schmiedete der junge Priester das Lied um das Schwert herum... eine Tat ohne die Zustimmung der Lichtbringerin und die Anwesenheit des Avatares kaum möglich... und so wurde ein kleiner Teil jenes Feuerwächters tief in das Herz des Schwertes gelegt... den sie waren nicht nur Zeichen des Feuers, sondern auch jenes der göttlichen Gerechtigkeit der Lichtbringerin und so würde dieser Teil ausreichen, das Schwert immer dann in Glut und Hitze zu tauchen, von der Spitze bis hinab zum Griffe, wenn diese Waffe gezogen werden würde um für die Finsternis Rahals oder seine Schergen zu streiten, immer dann würde der Träger dieser Waffe erneut verbrannt werden und hoffentlich würde es jenen lehren, die Waffe nur zu rechten Zielen im Einklang mit den Lehren der Lichtbringerin zu ziehen... dann wurde die Klinge dem Greifen zurück gegeben... man würde sehen wie es kommen sollte...
Langsam drehte der Priester sich zu dem gefallenen und entwand ihm das Schwert aus der reglosen Hand um die Klinge zu besehen, dieses Schwert, dessen Griff einen Greif mit offenen Schwingen darstellte, bereit zum Angriff... welch Ironie... in den Geschichten ward der Greif ein stolzes, edles Tier frei von Feigheit oder Haß, wie es die Phanterbrut verbreitete... Sicher auch diese Greifen der Legenden waren Wild... doch niemals zu vergleichbar mit dem Wahn der Rahaler... und dabei zuckte ein Lächeln über seine Lippen, warum den nicht... es würde DIESEN Greifen lehren, was Edelmut und Rechtschaffenheit ward... seine Klinge besser nur dann zu ziehen wenn es um ehrene Ziele ging. Mit diesem Gedanken übergab er die Waffe des besiegten einem der Flammen Avataren, welcher sie entgegen nahm, geweihte Flammen loderten um die Klinge herum und brachte sie gar zum Glühen und lodern, dann hob er die Hand und schloß die Augen. Mit leiser Stimme schmiedete der junge Priester das Lied um das Schwert herum... eine Tat ohne die Zustimmung der Lichtbringerin und die Anwesenheit des Avatares kaum möglich... und so wurde ein kleiner Teil jenes Feuerwächters tief in das Herz des Schwertes gelegt... den sie waren nicht nur Zeichen des Feuers, sondern auch jenes der göttlichen Gerechtigkeit der Lichtbringerin und so würde dieser Teil ausreichen, das Schwert immer dann in Glut und Hitze zu tauchen, von der Spitze bis hinab zum Griffe, wenn diese Waffe gezogen werden würde um für die Finsternis Rahals oder seine Schergen zu streiten, immer dann würde der Träger dieser Waffe erneut verbrannt werden und hoffentlich würde es jenen lehren, die Waffe nur zu rechten Zielen im Einklang mit den Lehren der Lichtbringerin zu ziehen... dann wurde die Klinge dem Greifen zurück gegeben... man würde sehen wie es kommen sollte...
Zuletzt geändert von Sandroval Ar´states am Mittwoch 28. Mai 2008, 21:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Bronn Siebenschneid
Schemen- und vor allem lückenhafte Erinnerungen prägten den Ritt des Greifen.
Er saß auf dem Rücken von Pilger, seine Schultern hingen schlaff herab, der Oberkörper etwas nach vorn gebeugt.
Der müde Blick, aus dem die Erschöpfung abzulesen gewesen wäre, war auf die Mähne des Pferdes gerichtet. Es war nicht notwendig, dass er seinen Kameraden, der ihn seit geraumer Zeit stets treu in die Schlachten begleitete führte, denn das Pferd fand den Weg meist alleine zurück. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Siebenschneid nach tagelangen Ritten erschöpft im Sattel einschlief und die Führung auf der Fährte zurück zum Lager dem Pferd überließ.
Er hatte sich mit der ersten Rast so viel Zeit wie möglich gelassen, denn als erstes galt es für ihn, weg von dem Ort der Auseinandersetzung zu kommen.
Es war nicht die Schmach der Demütigung. Es hatte sich um ein Duell gehandelt, bei dem ein Wort das andere ergab und beide Parteien genau wussten auf was sie sich einließen.
Zumindest nahm er es an, dass er wusste, worauf er sich einließ. Nach dem er aus dem Sattel gestiegen war, wurde ihm erneut vor Augen geführt, dass es sich um die Gerechtigkeit der Lichtbringerin handelte, als er sich plötzlich nicht nur dem Schandmaul von Priester gegenüberfand, sondern noch zwei weiteren Wesen, die aus nichts weiter bestanden, als aus züngelnden Flammen.
Rückzug ist immer eine Option.
Nein, in diesem Fall wollte er einfach nicht die bereits gezogene Klinge. Der Hauptmann des Banners, Jonath Grauwind, würde ihn schallten und das zu Recht. Immerhin handelte es sich um einen Erkundungsritt. In was hatte Bronn sich da nur wieder in seinem Übereifer hineingeredet.
Jetzt saß er in dem Sattel und hatte beide Hände überkreuzt auf den Knauf des Sattels gelegt. Er vermochte es nicht, beide Hände zu Fäusten zu schließen, es war, als wären seine Hände noch bis vor kurzem verkrampft gewesen und die Muskeln hatten sich von dieser Tortur noch nicht vollends erholt.
Die körperlichen Schmerzen, die er aus dieser Begegnung mit sich nahm hielten sich in Grenzen und waren erträglich. Sicher, er hatte auch den ein oder anderen Hieb abbekommen, den er nicht parieren konnte und der somit ungeschützt auf seine Rüstung traf, doch konnten die sorgsam geschmiedeten Platten der Rüste und das darunter liegende Wams, das die Haut vor Schürfungen an harten Kanten schützte, den Großteil der Wucht abfangen.
Gedankenverloren fuhr er sich über die Brust. Der Wappenrock mit dem stolzen Greifen war teilweise vom Ruß geschwärzt und an einigen Stellen hatte die Hitze der beiden Wesen zum Teil Handteller große Löcher in den Stoff gefressen. Ähnlich verhielt es sich mit seinem Umhang.
Viel mehr Sorge bereitete ihm die Standpauke des Hauptmanns. Seit geraumer Zeit veränderten die Umstände das Wesen von Grauwind. In mehr als einer Unterredung kamen sie beide zu dem Entschluss, dass es das Beste für die Greifen sein würde, wenn die Zügel der Führung im wahrsten Sinne des Wortes etwas straffer gezogen werden würden.
Die Disziplin und der Gehorsam, das Ausführen der Befehle ohne Widerworte. Das waren die ersten Schritte, die das Banner auf den Weg führen würden, den es zu erreichen galt.
Und sie sind bereit nahezu jeden Preis dafür zu zahlen, um ihr Ziel zu erreichen. Jeden bis auf die Aufgabe ihrer selbst. Menschlichkeit, die in manchen Greifen laut Aussage anderer Bürger der alatarischen Hochburg in zu großem Maße vorhanden war, war genau das, was sie von einem blindwütigen Wesen unterschied, das die Augen vor alles und jedem verschloss.
Die Spieße der Greifen sollen entscheiden über Recht oder Unrecht. Kein Außenstehender hat das Anrecht, einen Greifen zu richten
Bronn war gerade auf dem besten Weg dahin, sich dem Urteil der Greifen zu stellen. Einem rauen Urteil für die Missachtung der Anweisung. Eine Anweisung, die vom Hauptmann einmal ausgesprochen für einen jeden Greifen galt, bis sie widerrufen wurde.
Jonath hatte sich bereits verändert, aber nicht nur er.
Die Greifen, zum Großteil Gefährten unter dem Banner vergangener Tage, aber Waffenbrüder, die erst auf Gerimor ihren Weg ans Lager der Greifen gefunden hatten, hätten meist unterschiedlicher nicht sein können. Unterschiedlich waren ihre vergangenen Tage, aber die Zukunft soll einen gemeinsamen Weg für sie bereit halten.
Er saß auf dem Rücken von Pilger, seine Schultern hingen schlaff herab, der Oberkörper etwas nach vorn gebeugt.
Der müde Blick, aus dem die Erschöpfung abzulesen gewesen wäre, war auf die Mähne des Pferdes gerichtet. Es war nicht notwendig, dass er seinen Kameraden, der ihn seit geraumer Zeit stets treu in die Schlachten begleitete führte, denn das Pferd fand den Weg meist alleine zurück. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Siebenschneid nach tagelangen Ritten erschöpft im Sattel einschlief und die Führung auf der Fährte zurück zum Lager dem Pferd überließ.
Er hatte sich mit der ersten Rast so viel Zeit wie möglich gelassen, denn als erstes galt es für ihn, weg von dem Ort der Auseinandersetzung zu kommen.
Es war nicht die Schmach der Demütigung. Es hatte sich um ein Duell gehandelt, bei dem ein Wort das andere ergab und beide Parteien genau wussten auf was sie sich einließen.
Zumindest nahm er es an, dass er wusste, worauf er sich einließ. Nach dem er aus dem Sattel gestiegen war, wurde ihm erneut vor Augen geführt, dass es sich um die Gerechtigkeit der Lichtbringerin handelte, als er sich plötzlich nicht nur dem Schandmaul von Priester gegenüberfand, sondern noch zwei weiteren Wesen, die aus nichts weiter bestanden, als aus züngelnden Flammen.
Rückzug ist immer eine Option.
Nein, in diesem Fall wollte er einfach nicht die bereits gezogene Klinge. Der Hauptmann des Banners, Jonath Grauwind, würde ihn schallten und das zu Recht. Immerhin handelte es sich um einen Erkundungsritt. In was hatte Bronn sich da nur wieder in seinem Übereifer hineingeredet.
Jetzt saß er in dem Sattel und hatte beide Hände überkreuzt auf den Knauf des Sattels gelegt. Er vermochte es nicht, beide Hände zu Fäusten zu schließen, es war, als wären seine Hände noch bis vor kurzem verkrampft gewesen und die Muskeln hatten sich von dieser Tortur noch nicht vollends erholt.
Die körperlichen Schmerzen, die er aus dieser Begegnung mit sich nahm hielten sich in Grenzen und waren erträglich. Sicher, er hatte auch den ein oder anderen Hieb abbekommen, den er nicht parieren konnte und der somit ungeschützt auf seine Rüstung traf, doch konnten die sorgsam geschmiedeten Platten der Rüste und das darunter liegende Wams, das die Haut vor Schürfungen an harten Kanten schützte, den Großteil der Wucht abfangen.
Gedankenverloren fuhr er sich über die Brust. Der Wappenrock mit dem stolzen Greifen war teilweise vom Ruß geschwärzt und an einigen Stellen hatte die Hitze der beiden Wesen zum Teil Handteller große Löcher in den Stoff gefressen. Ähnlich verhielt es sich mit seinem Umhang.
Viel mehr Sorge bereitete ihm die Standpauke des Hauptmanns. Seit geraumer Zeit veränderten die Umstände das Wesen von Grauwind. In mehr als einer Unterredung kamen sie beide zu dem Entschluss, dass es das Beste für die Greifen sein würde, wenn die Zügel der Führung im wahrsten Sinne des Wortes etwas straffer gezogen werden würden.
Die Disziplin und der Gehorsam, das Ausführen der Befehle ohne Widerworte. Das waren die ersten Schritte, die das Banner auf den Weg führen würden, den es zu erreichen galt.
Und sie sind bereit nahezu jeden Preis dafür zu zahlen, um ihr Ziel zu erreichen. Jeden bis auf die Aufgabe ihrer selbst. Menschlichkeit, die in manchen Greifen laut Aussage anderer Bürger der alatarischen Hochburg in zu großem Maße vorhanden war, war genau das, was sie von einem blindwütigen Wesen unterschied, das die Augen vor alles und jedem verschloss.
Die Spieße der Greifen sollen entscheiden über Recht oder Unrecht. Kein Außenstehender hat das Anrecht, einen Greifen zu richten
Bronn war gerade auf dem besten Weg dahin, sich dem Urteil der Greifen zu stellen. Einem rauen Urteil für die Missachtung der Anweisung. Eine Anweisung, die vom Hauptmann einmal ausgesprochen für einen jeden Greifen galt, bis sie widerrufen wurde.
Jonath hatte sich bereits verändert, aber nicht nur er.
Die Greifen, zum Großteil Gefährten unter dem Banner vergangener Tage, aber Waffenbrüder, die erst auf Gerimor ihren Weg ans Lager der Greifen gefunden hatten, hätten meist unterschiedlicher nicht sein können. Unterschiedlich waren ihre vergangenen Tage, aber die Zukunft soll einen gemeinsamen Weg für sie bereit halten.