Leise hallten seine Schritte von den düsteren alten Wänden der unterirdischen Anlage wieder. Jene waren das einzige kontinuierliche Geräusch in der schaurigen Dunkelheit, welches nur ab und an von einem gezerrten Wehklagen oder Stöhnen gestört wurde, welches von einem der durch die Hallen irrenden ruhelosen Seelen ausgestoßen wurde.
Seine Schritte führten ihn schließlich in eine art kleiner Kapelle. Reihen von alten steinernen Bänken wahren darin aufgereiht und zogen sich als schweigende Zeugen bis vor einen kleinen Altar auf welchen er seine Schritte lenkte.
Die modrige, abgestandene Luft in dieser Halle kam für einen Moment in Wallung als er sich hinter jenem Altar aufbaute, das zusammengerollte Pergament darauf niederlegte und noch einige weitere Utensilien zurecht sortierte.
Immer wieder flackerten knochige, in modrige Fetzen gehüllte Gestalten auf nur um wieder zu vergehen, ihre leeren eingefallenen Gesichter dabei gequält auf den Altar gerichtet hinter welchem sich der Diener Kra`thor`s in ein stilles kurzes Gebet vertieft hatte.
Als er endet öffnet er seine Augen wieder, entledigt sich Maske und Handschuhe und geht noch einmal das Sammelsurium an Komponenten durch welche er am Rande des Altars aufgereiht hatte, daneben ein aufgeschlagenes altes Buch.
“Wie viel eines Menschen steckt er in jedes von ihm geschaffene Kunstwerk… einen Teil seiner Seele gar…”
Ein kurzes freudloses Lächeln huscht über seine Züge als er das Pergament mit der Zeichnung betrachtet.
“Das mindeste was es enthält.. Sind Träume, sind Gedanken und Erinnerungen, vielleicht auch Wünsche?”
Wie erwartet blieb seine Frage unbeantwortet nachdem sie in der Kammer verklungen war und er warf einen kurzen überprüfenden Blick in das kleine aufgeschlagene Buch, welches sich bei näherer Betrachtung als ein Ritualbuch entpuppte ehe er eine kleine Phiole zu Hand nimmt.
Sehr behutsam öffnet er jene Phiole und aus der kleinen Öffnung ergießt sich eine feine Blutlinie über die steinerne Platte und gibt als er die Phiole wieder hebt die Form eines symmetrischen Pentagramms wieder.
Ruhig stellt er die Phiole wieder an ihren Platz und nimmt statt ihrer eine kleine Feder, welche er in das Blut taucht. Mit ihr beginnt er die fünf Hohlräume des Pentagramms mit okkulten Runen auszufüllen.
“Angst”
“Misstrauen”
“Wahn”
“Hass”
“Tot”
Waren die Bedeutung der schwungvoll und vorsichtig geschwungenen Runen welche nun jede der fünf ecken füllte. Doch noch war das Zentrum dieses mystischen Gebildes leer und er griff nach der Zeichnung. Noch einmal genoss er den Anblick dieses Bildnisses ehe er es vorsichtig in das Pentagramm legt um die Linien aus Blut nicht zu verwischen. Noch immer erfüllt die Kammer nicht mehr als das Rascheln von Papier, und das gelegentliche Wehklagen der hier gefangenen Seelen.
Einige Herzschläge lang schwieg der Berobte ehe er seine Arme ausbreitet.
“Erhöre mich… denn ich will dir ein guter Diener sein. Erhöre mich… denn ich will deinen ewigen Hunger stillen. Erhöre mich… denn ich biete dir einen köstlichen Schmaus.”
Seine Stimme verklingt widerhallend und eine unwirkliche Bewegung erfüllt die Luft. So greift er zu einer weiteren der bereitgestellten Reagenzien. Zwei Molchaugen sind es welche er in seinen Fingern hält um sie über dem Pergament zu zerdrücken, und den schmierigen Inhalt auf das Papier tröpfeln zu lassen.
“Täusche ihre Augen, täusche ihren Geist lass sie sehen was ich sie sehen lassen will zeige ihr was ich ihr zeigen will…”
Noch während er spricht wirft er die Reste der Augen zur Seite und nimmt den Kopf einer Schlange zur Hand. Dabei drückt er den Unterkiefer auf und mit den Daumen auf die kleinen mit Gift gefüllten Hauttaschen im Oberkiefer der Schlange, sodass deren Gift auf das Pergament tröpfelt.
“… Vergifte ihren Geist mit dunklen Ahnungen, vergifte ihre Gedanken mit finsteren Absichten, pflanze die Saat des Zweifels und des Hasses…”
Er legt den Kopf zurück und greift in ein Glas mit feinen Spinnweben. Auch jene lässt er als er die Hand öffnet wie trügerischen Schnee über die Zeichnung rieseln.
“… durchziehe ihre Träume mit Angst und Leid, raube ihr den Schlaf, raube ihr die klaren Gedanken und treibe sie ins Netz des Wahnsinns bis sie sich dir bereitwillig anbietet, bis nur noch der Tot ihre Gedanken beherrscht und du dich an ihrer Seele laben kannst.”
Es folgen weitere Verse, weitere Zutaten, welche er auf dem Papier verteilt, ineinander streut und die Gunst des Seelenfressers anruft.
Seine Worte enden und ein geisterhaftes Heulen fährt durch die Staubigen Gänge einen Momentlang pulsiert das Gebilde in dessen Zentrum die Zeichnung ruht in einem dunklen es gänzlich einhüllenden Licht ehe jenes erlöscht und die gewohnte Ruhe zurückkehrt.
Das einstige Bild ist verschwunden. Stattseiner spiegelt das Bildnis nun ein Verzerrtes Abbild jener Zeichnung wieder und mehr, die Frau, die Zeichnerin Shaya Nyrloth selbst ist darin verewigt und ihr Bild wirkt erschreckend Lebensnah. Der Adler welcher einst das Zentrum des Bildes darstellte wurde an die Seite verband, und in ein perfides Abbild eines Kadavers verwandelt welcher auf einer Stange aus Knochen sitzt. Im Hintergrund verschmelzen Schatten mit umher fliegenden Raben welche im gesamten Schließlich eine düster dreinblickende Fratze bilden, welche ihren Blick scheinbar direkt auf die Frau gerichtet hält.
Des weiteren fällt auf, dass einer der Zacken des Pentagramms in einer schwachen grünlichen Flamme steht. Ebenso wie dessen Inschrift:
“Angst”
Erschöpft lehnt sich der Mann zurück und betrachtet sein Werk. Dies war erst der Anfang die erste Phase eines wachsenden Fluches. Und er würde wachsen denn seine Nahrung war die Angst des Opfers welches er mit unwirklichen Träumen und Visionen im Schlaf peinigt, ihm so keine Ruhe während der Nacht gönnt und ihn zu unruhigen, Kräfte zehrenden und schrecklichen Stunden der Dunkelheit verurteilt. Dies würde solange gehen bis sich der Fluch satt gefressen hat uns seine zweite Stufe erreicht wie eine dunkle bedrohliche Blüte die ihre äußeren Blätter öffnet.
Böse Träume
- Shaya Nyrloth
- Beiträge: 176
- Registriert: Freitag 29. September 2006, 06:30
Resigniert hatte sie vor ein paar Tagen, am Morgen nach der Begegnung mit dem Dieb, in Begleitung – oder eher gefühlter Sicherheitseskorte, um Fluchtversuche zu verhindern - des halben Haushaltes, den mehrtägigen Aufenthalt im Kloster angetreten. Milady wollte sie an einem Ort wissen, an dem man besser helfen konnte, sollte der Rabendiener mit seinem Diebstahl doch etwas anfangen können. Sicher war sich niemand, doch schien Vorkehrung besser als eine plötzliche böse Überraschung zu sein.
Sie seufzte, ließ den Blick über die kahlen, kalten, grauen Steine schweifen, die für die nächsten Tage die Wände ihres neuen Domizils bildeten. Die Fenster, mehr zwei in die Wand gelassene schmale Löcher, erlaubten immerhin einen Blick auf die einzigartige und wunderschöne Klostermauer, sofern man sich weit genug strecken konnte, und sofern man gerne Mauern besah und diese Aussicht zu schätzen wusste. Sie wollte allein sein, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Eingewöhnen, Zeit zum Begreifen.
Er war ihr entglitten. Ihr rettender Anker, den sie so krampfhaft festzuhalten versucht hatte, war fort. Er war die einzige Möglichkeit gewesen sich irgendwie mitzuteilen, als Träume und Visionen die Realität langsam abgelöst und ihre Verstand vernebelt hatten. Der einzige gängige Weg um nach Hilfe zu schreien, die mit Worten nicht zu vermitteln gewesen war. Ob sie ihn lange genug hatte halten können? Völlig eingenommen von Ängsten und Ahnungen, in ihnen gefangen, die Wahrnehmung nun völlig verzerrt, spielte das für Shaya wohl keine Rolle mehr.
Nach schlaflosen Nächten, in denen sie von dunklen Träumen heimgesucht wurde, die in der Erinnerung nicht greifbar und zu verschwommen waren, um sie mitteilen zu können, schien es besser sich einfach aufs wach bleiben zu konzentrieren, so den beängstigenden Bilder zu entkommen. Als die Schemen aus den Träumen sich ihrer auch im wachen Zustand zu bemächtigen begannen, war es zu spät sie zu vermitteln. Angst und Panik schnürten ihr die Kehle zu, ließen den hilflosen Zustand sich in Wut verwandeln, als die Visionen schlimmer wurden, sie am Tage zu verzehren begannen, besorgte Besucher nur noch schattenhafte Gestalten mit verzerrten Gesichtern waren, deren Anblick Verzweiflung brachte.
In den wenigen klaren Momenten die sie noch fand versuchte sie sich einen Anker zu schaffen, den einzigen Anker der ihr zur Verfügung stand, wo die Lippen zu kaum einem Wort fähig schließlich fast vollständig stumm und verschlossen blieben. Farbe, Kohle und Papier wollte sie haben, nicht nur haben ...forderte sie regelrecht mit Zorn untermalt, so das Gefühl blieb nicht verstanden zu werden. Zweimal schlich sie, sich an letzte flüchtige klare Augenblicke klammernd, nach Bajard, kaufte selber Farbe, um sie im Zimmerschrank zu verstecken. Sie konnte nicht zulassen, dass ihr jemand diesen Anker entriss, der ihre letzte und einzige Möglichkeit darstellte sich zu verständigen. Als auch der letzte klare Moment entschwunden war, grauenhafte Ahnungen und Bilder mit all ihrem Schrecken die Oberhand gewonnen hatten, hielt sie diesen Anker in festem Griff, weigerte sich ihn gehen zu lassen, verwendete das letzte bisschen Kraft und Konzentration darauf.
Zurück blieb ein Kunstwerk der besonderen Art... eine Reihe von Bildern ...ein Einblick in die tiefsten Abgründe eines von Visionen gequälten Verstandes... verbannt an die Wände des Klosterzimmers. Wo einst graues, kahles Mauerwerk den Raum dominierte fanden sich nun in überwiegend abstrakter Weise Farben auf Stein geschmiert, die zusammen ein Bild ergaben, dass den geneigten Betrachter wohl eher abschrecken, denn faszinieren und erfreuen würde.
Während die Decke unberührt war, fanden sich auf dem Boden etliche mit schwarzer Kohle überzogene Blätter wieder, die zusammen mit den Werken an den Wänden das Zimmer in eine dunkle Kammer verwandelt hatten, in der Licht kaum Platz zu haben schien.
Die hintere Wand war in eine von lodernden, alles verzehrenden Flammen umrahmte Hütte verwandelt worden, an deren Boden der Eindruck entstand auch ein verkohlter Leichnam hätte seinen Platz dort gefunden. Erst auf den zweiten Blick sollte sich der schwarze Fleck dort als Shaya herausstellen können, die mit Kohle eingeschwärzt dort am Boden lag, halb zusammengekrümmt, die Hände und Arme gegen den Kopf gepresst.
An den Seitenwänden zeigten sich Szenarien, die von dunklen Schatten, verzerrten Fratzen und toten Leibern eingenommen waren und einzig von Tod, Leid und Schmerz zu erzählen wussten. Ein dunkler Fleck konnte sich bei genauerem Hinsehen als ein Schwarm Raben offenbaren. Dort eine Frau mit einem Falken auf der Schulter, die - von Pfeilen getroffen, die ihren Ursprung im Bogen einer Frau hatten, der ein toter Falke zu Füßen lag - jeden Moment zu Boden gehen musste. An der gegenüberliegenden Wand das selbe Bildnis mit dem Unterschied, dass die sterbende Opferrolle in jenem ausgetauscht war. Auch eine junge Frau, im Dreck verblutend, ein Schwert im Leibe, einen Apfel in der Hand. Ebenso wie eine kniende ‚Kämpferin’, ein Temorakreuz im Rücken, das Gesicht von Narben geprägt, die blutend hier auf widerliche Art weit aufgerissen waren. Wer sich, aus Shayas näherem Umfeld, auf die Mauern verbannt wiederfand, konnte sich zweifellos kaum geehrt fühlen. So war aus dem Klosterzimmer, das vorher vielleicht Ruhe und Sicherheit vermitteln sollte, eine Galerie des Schreckens geworden.
Sie seufzte, ließ den Blick über die kahlen, kalten, grauen Steine schweifen, die für die nächsten Tage die Wände ihres neuen Domizils bildeten. Die Fenster, mehr zwei in die Wand gelassene schmale Löcher, erlaubten immerhin einen Blick auf die einzigartige und wunderschöne Klostermauer, sofern man sich weit genug strecken konnte, und sofern man gerne Mauern besah und diese Aussicht zu schätzen wusste. Sie wollte allein sein, Zeit zum Nachdenken, Zeit zum Eingewöhnen, Zeit zum Begreifen.
Er war ihr entglitten. Ihr rettender Anker, den sie so krampfhaft festzuhalten versucht hatte, war fort. Er war die einzige Möglichkeit gewesen sich irgendwie mitzuteilen, als Träume und Visionen die Realität langsam abgelöst und ihre Verstand vernebelt hatten. Der einzige gängige Weg um nach Hilfe zu schreien, die mit Worten nicht zu vermitteln gewesen war. Ob sie ihn lange genug hatte halten können? Völlig eingenommen von Ängsten und Ahnungen, in ihnen gefangen, die Wahrnehmung nun völlig verzerrt, spielte das für Shaya wohl keine Rolle mehr.
Nach schlaflosen Nächten, in denen sie von dunklen Träumen heimgesucht wurde, die in der Erinnerung nicht greifbar und zu verschwommen waren, um sie mitteilen zu können, schien es besser sich einfach aufs wach bleiben zu konzentrieren, so den beängstigenden Bilder zu entkommen. Als die Schemen aus den Träumen sich ihrer auch im wachen Zustand zu bemächtigen begannen, war es zu spät sie zu vermitteln. Angst und Panik schnürten ihr die Kehle zu, ließen den hilflosen Zustand sich in Wut verwandeln, als die Visionen schlimmer wurden, sie am Tage zu verzehren begannen, besorgte Besucher nur noch schattenhafte Gestalten mit verzerrten Gesichtern waren, deren Anblick Verzweiflung brachte.
In den wenigen klaren Momenten die sie noch fand versuchte sie sich einen Anker zu schaffen, den einzigen Anker der ihr zur Verfügung stand, wo die Lippen zu kaum einem Wort fähig schließlich fast vollständig stumm und verschlossen blieben. Farbe, Kohle und Papier wollte sie haben, nicht nur haben ...forderte sie regelrecht mit Zorn untermalt, so das Gefühl blieb nicht verstanden zu werden. Zweimal schlich sie, sich an letzte flüchtige klare Augenblicke klammernd, nach Bajard, kaufte selber Farbe, um sie im Zimmerschrank zu verstecken. Sie konnte nicht zulassen, dass ihr jemand diesen Anker entriss, der ihre letzte und einzige Möglichkeit darstellte sich zu verständigen. Als auch der letzte klare Moment entschwunden war, grauenhafte Ahnungen und Bilder mit all ihrem Schrecken die Oberhand gewonnen hatten, hielt sie diesen Anker in festem Griff, weigerte sich ihn gehen zu lassen, verwendete das letzte bisschen Kraft und Konzentration darauf.
Zurück blieb ein Kunstwerk der besonderen Art... eine Reihe von Bildern ...ein Einblick in die tiefsten Abgründe eines von Visionen gequälten Verstandes... verbannt an die Wände des Klosterzimmers. Wo einst graues, kahles Mauerwerk den Raum dominierte fanden sich nun in überwiegend abstrakter Weise Farben auf Stein geschmiert, die zusammen ein Bild ergaben, dass den geneigten Betrachter wohl eher abschrecken, denn faszinieren und erfreuen würde.
Während die Decke unberührt war, fanden sich auf dem Boden etliche mit schwarzer Kohle überzogene Blätter wieder, die zusammen mit den Werken an den Wänden das Zimmer in eine dunkle Kammer verwandelt hatten, in der Licht kaum Platz zu haben schien.
Die hintere Wand war in eine von lodernden, alles verzehrenden Flammen umrahmte Hütte verwandelt worden, an deren Boden der Eindruck entstand auch ein verkohlter Leichnam hätte seinen Platz dort gefunden. Erst auf den zweiten Blick sollte sich der schwarze Fleck dort als Shaya herausstellen können, die mit Kohle eingeschwärzt dort am Boden lag, halb zusammengekrümmt, die Hände und Arme gegen den Kopf gepresst.
An den Seitenwänden zeigten sich Szenarien, die von dunklen Schatten, verzerrten Fratzen und toten Leibern eingenommen waren und einzig von Tod, Leid und Schmerz zu erzählen wussten. Ein dunkler Fleck konnte sich bei genauerem Hinsehen als ein Schwarm Raben offenbaren. Dort eine Frau mit einem Falken auf der Schulter, die - von Pfeilen getroffen, die ihren Ursprung im Bogen einer Frau hatten, der ein toter Falke zu Füßen lag - jeden Moment zu Boden gehen musste. An der gegenüberliegenden Wand das selbe Bildnis mit dem Unterschied, dass die sterbende Opferrolle in jenem ausgetauscht war. Auch eine junge Frau, im Dreck verblutend, ein Schwert im Leibe, einen Apfel in der Hand. Ebenso wie eine kniende ‚Kämpferin’, ein Temorakreuz im Rücken, das Gesicht von Narben geprägt, die blutend hier auf widerliche Art weit aufgerissen waren. Wer sich, aus Shayas näherem Umfeld, auf die Mauern verbannt wiederfand, konnte sich zweifellos kaum geehrt fühlen. So war aus dem Klosterzimmer, das vorher vielleicht Ruhe und Sicherheit vermitteln sollte, eine Galerie des Schreckens geworden.
Zuletzt geändert von Shaya Nyrloth am Freitag 9. Mai 2008, 12:05, insgesamt 2-mal geändert.
-
Sanyarin Ar´states
Es ward an einem Tage im Eluviar, so mein Bruder Tiberias mir eine Nachricht überbrachte, welche beinhaltete, dass sich in den heiligen Mauern des Klosters der göttlichen Tochter eine Frau, wohl dem verderblichen Einfluss einer Wesenheit erlegen, ja quasi besessen, weilte.
Sofort machte ich mich auf den weiten Weg dorthin, auch wenn die Nachricht meines Bruders wohl schon einige Tage alt sein mochte, dies ward ich zumindest meiner Pflicht schuldig, auch wenn die Situation schon eskaliert sein konnte, galt es zumindest nach zu sehen... und dies tat man auch.
Tatsächlich fand man dort eine junge Frau vor in deren Melodie die Lasten eines Fluches lagen, wenn die Melodie der Erdenmutter doch nicht völlig verkehrt wurde, so das sie zu richten ward, doch die Zeit ward durch das Alter der Nachricht knapp geworden... Noch während ich in das Gesicht jener sah, welche dort ruhig, eines Sudes verabreicht, am Boden lag, entschied ich die dunkle Macht von ihr zu nehmen, so es in meinen Kräften und im Willen der Erdenmutter liegen sollte.
Nur wie begann man solch einen Akt?
Die Frau ward wohl schon geschwächt in Leib und Seele und in jenem Momente entsann ich mich an die Kräfte des Baumes des Lichtes, dessen sanfter Glanz zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung im Kloster erstrahlte. So erbat man den Baum, ja man bat, den jener Baum ist mehr als eine blose Pflanze, um die Gnade eines der Blätter von jenem nehmen zu dürfen... und diese Gnade wurde gewährt, als ein einzelnes der strahlenden Blätter in meine Hand fiel. Aus jenem ward eilends ein Sud hergestellt und der folgenden Nacht jener Dame namens Savea überreicht. Ward ich doch sicher, so jene Zwei der ihren den Sud gewissenhaft verabreichen würden... Jener Sud würde das Schlafmittel aus ihrem Körper ziehen und ihren Körper, wie auch ihre Seele zur Stärke bringen. So warden wir des warten verdammt...
doch ward jede freie Zeit genutzt...
...nach Ablauf dieser Tage die Zeremonie zu beginnen. Dieses mal würde mir Keruan, mein treuer Schützling, Glaubensbruder und Freund zur Hand gehen. Legte er den heiligen Segen der Erdenmutter über eines der Wasserbecken des Klosters, auf das jenes Wasser ein jedes Lied wieder in Einklang bringen sollte... Avatare der lebensspenden Flüssigkeit warden erbeten und wahrlich, jene erschienen der meinen Seite, uns beizustehen die verfluchte Schwester zu erlösen. Sorgsam auf ihre Arme gebettet, trugen jene Wesenheiten die junge Frau gen des geweihten Beckens, ehe sie hinab in das Wasser glitten und sie dort hielten, stets drauf achtend, das sie nicht in dem Quell versinken mochte...
Gemeinsam sprachen wir die Gebete, ruhige, doch, wie ich tief im Inneren verspürte, inbrünstige Psalmen zur Ehr und zum Gehöre der Erdenmutter. Die Bitte, Fluch und Bessenheit von jener zu nehmen und sie mit Wärme zu erfüllen...
Auf das der gesegnete Quell des Lebens Geist und Leib von einer jeden Spur des Fluches und jeder Unreinheit befreie...
Sofort machte ich mich auf den weiten Weg dorthin, auch wenn die Nachricht meines Bruders wohl schon einige Tage alt sein mochte, dies ward ich zumindest meiner Pflicht schuldig, auch wenn die Situation schon eskaliert sein konnte, galt es zumindest nach zu sehen... und dies tat man auch.
Tatsächlich fand man dort eine junge Frau vor in deren Melodie die Lasten eines Fluches lagen, wenn die Melodie der Erdenmutter doch nicht völlig verkehrt wurde, so das sie zu richten ward, doch die Zeit ward durch das Alter der Nachricht knapp geworden... Noch während ich in das Gesicht jener sah, welche dort ruhig, eines Sudes verabreicht, am Boden lag, entschied ich die dunkle Macht von ihr zu nehmen, so es in meinen Kräften und im Willen der Erdenmutter liegen sollte.
Nur wie begann man solch einen Akt?
Die Frau ward wohl schon geschwächt in Leib und Seele und in jenem Momente entsann ich mich an die Kräfte des Baumes des Lichtes, dessen sanfter Glanz zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung im Kloster erstrahlte. So erbat man den Baum, ja man bat, den jener Baum ist mehr als eine blose Pflanze, um die Gnade eines der Blätter von jenem nehmen zu dürfen... und diese Gnade wurde gewährt, als ein einzelnes der strahlenden Blätter in meine Hand fiel. Aus jenem ward eilends ein Sud hergestellt und der folgenden Nacht jener Dame namens Savea überreicht. Ward ich doch sicher, so jene Zwei der ihren den Sud gewissenhaft verabreichen würden... Jener Sud würde das Schlafmittel aus ihrem Körper ziehen und ihren Körper, wie auch ihre Seele zur Stärke bringen. So warden wir des warten verdammt...
doch ward jede freie Zeit genutzt...
...nach Ablauf dieser Tage die Zeremonie zu beginnen. Dieses mal würde mir Keruan, mein treuer Schützling, Glaubensbruder und Freund zur Hand gehen. Legte er den heiligen Segen der Erdenmutter über eines der Wasserbecken des Klosters, auf das jenes Wasser ein jedes Lied wieder in Einklang bringen sollte... Avatare der lebensspenden Flüssigkeit warden erbeten und wahrlich, jene erschienen der meinen Seite, uns beizustehen die verfluchte Schwester zu erlösen. Sorgsam auf ihre Arme gebettet, trugen jene Wesenheiten die junge Frau gen des geweihten Beckens, ehe sie hinab in das Wasser glitten und sie dort hielten, stets drauf achtend, das sie nicht in dem Quell versinken mochte...
Gemeinsam sprachen wir die Gebete, ruhige, doch, wie ich tief im Inneren verspürte, inbrünstige Psalmen zur Ehr und zum Gehöre der Erdenmutter. Die Bitte, Fluch und Bessenheit von jener zu nehmen und sie mit Wärme zu erfüllen...
Auf das der gesegnete Quell des Lebens Geist und Leib von einer jeden Spur des Fluches und jeder Unreinheit befreie...
-
Darna von Hohenfels
"Dieser Baum vermag, Ruhe zu schenken. Du musst ihm nur vertrauen. Mir hat er auch geholfen."
Das war Darnas feste Überzeugung, als sie an die Wand der Kirche angelehnt endlich selber einschlief, Shaya an sie gelehnt. Ja, der Fluch war gebrochen - welch Segen. Doch waren auch ganz normale Erinnerungen schon oft ein Fluch für sich...
Hätte sie jetzt wieder genau daran gedacht, ihre Miene hätte sich versteinert wie all die Male davor, seit sie begriffen hatte, was Shaya tatsächlich quälte. Nicht nur verstanden, sondern begriffen. Es war so simpel, wie im Normalfall unnachvollziehbar: Shayas Angst ließ sie glauben, zu verbrennen. Glauben, so stark, so einschneidend, daß die Schmerzen körperlich spürbar wurden. Zu spüren, wie Flammen einen zerfressen...
Seit diesem Erkennen hatte sie auf eine andere Weise Mitgefühl mit Shaya. Mitgefühl aus dem ganz eigenen Wissen heraus, wie sich so etwas anfühlte. Daß es unerträglich war im Moment des Leides und einen zerrütten konnte unter der Last der Erinnerung. Auch wenn es inzwischen Jahre zurück lag und sie für jeden Tag Distanz dazwischen dankbar war, erinnerte sich Darna noch sehr gut daran, wie sie selber so empfunden hatte, Schmerzen bis zur Besinnungslosigkeit. Sie trug nicht wie Shaya körperliche Narben, doch die Narben davon an der Seele trugen sie wohl beide.
Wasserelementare... Hochwürden Lefar und seine Gnaden Esgarath hatten genau das richtige Medium gewählt, das beste, das zu wählen war. Die Reinheit des Wassers, lebensspendendes Element, vertrieb nicht nur den Fluch, sondern diese Macht hätte im wahrsten Sinne des Wortes auch das Feuer löschen können, löschen sollen. Bis zu einem gewissen Grad hatte es das auch getan. Doch sie hatte noch gut Shayas Verwirrung vor Augen, das schrecklichste Erleben gerade auf für sie unnachvollziehbare Weise gebannt, geborgen und doch befremdet zugleich, es waren Wesen, die sie öfter vor dem Bogen hatte, statt als Helfer in der Nähe, ohne Kontrolle von ihnen auch noch getragen... die Paladina seufzte sehr leise. Wurde eine helfende Hand gegeben, musste man auch davon ausgehen können, daß der andere die Kraft und das Vertrauen hatte, zuzugreifen. Shaya hatte es nicht gekonnt, und so rasch nach einem künstlich aufgezwungenen Schlaf war auch keine Möglichkeit gewesen, es anders, besser zu machen. Shaya war passiv dem ausgeliefert gewesen, und so hatte die Hilfe auch nicht ihre volle Wirkung zeigen können. Nun quälten sie immernoch Alpträume, und ein Moment lindernder Erkenntnis war nicht gegeben.
"Ich wünschte, ich könnte dir besser Hoffnung geben. Es geht vorbei. Es hilft, darüber zu reden, auch wenn gerade das schwer fällt. Und es braucht Zeit, wieder in dem Wissen und Fühlen Ruhe zu finden: es ist nur Feuer. Es kann verbrennen, doch sein Sinn ist es, zu erhellen und zu wärmen. Ich kann Scheiterhaufen bis heute nicht leiden, aber es wird erträglich... glaub mir. Ich wünschte nur, ich könnte es dir sagen, ohne daß es in denen Ohren hohl klingen muß. Deine Wunden sind frisch, ich weiß. Ich hätte auch nicht daran rühren lassen."
Sie hatte mit diesen Gedanken in die Baumkrone gesehen, in sein sanftes blaues Licht bei Nacht, der milden Wärme nachgespürt, die hier stets herrschte, und dem Gefühl, um die Schultern der jüngeren Frau den Arm gelegt zu lassen. Magd... pfh. Es war das Gleiche, wie damals schon seit frühen Tagen zwischen ihr und Adrian - er war nicht nur einfach Dienstherr, sah sich nie so. Shaya war mehr als bloß ihre Magd, fast jeder im Haus war irgendwie mehr, als er dem Etikett nach war. Sie waren beide hier, und so, wie es jetzt war, war es richtig.
Es fühlte sich einfach richtig an, und diese Entspanntheit öffnete dem Schlaf die Tür.
Auch Shaya schlief bereits, das sanfte Leuchten vom Baum des Lichtes zeichnete weiche Flächen auf ihr Gesicht, als solle das wahre Gesicht gezeigt werden, wäre einem Beobachter das Antlitz erholter und unbeschwerter erschienen, als es sich wach unter der Last der Tage zeigte, die Schatten unter den Augen fortgewischt.
Wieder sollten die vertrauten Bilder kommen, die Hütte, die Menschen, das berstende Holz, die Flammen... doch etwas war anders. Die Bilder blieben auf Distanz, ließen ein Beobachten zu, statt es mitempfinden zu müssen. Etwas war anders. Shaya war nicht Inhalt ihrer Träume. Etwas ließ sie beobachten. Auch Wahrnehmungen, die ihr neu waren. Schicksale der Menschen, die damals für das Anzünden der Hütte verantwortlich gewesen waren. Eine nichtige Streitigkeit, Jahre her... doch einer mehr, der ihre Mutter nicht leiden konnte. Eine Frau, die ihr früh gestorbenes Kind noch im Arm wiegte, während der Vater zornig über "die Herumhurerei der hohen Herren" wetterte, Kinder, die überlebten. Ein geschundenes Dienstmädchen, das sich nichts sehnlicher gewünscht hätte, statt bloß der Hütte das herrschaftliche Haus selber anzuzünden. Es schmerzte, den Haß zu spüren. Doch weiter konnte sie beobachten, und als die Leute sich sammelten, lag wie Nebel ein schwarzer Dunst zwischen allen, Schatten schienen sich eigenständig zu bewegen. Als wäre der Haß fast zum greifen dicht.
"Mitgefühl und Aufopferung ließen dich die Gefahr auf dich nehmen. Du kanntest nicht die Wahrheit, doch du bist der Wahrheit deines Herzens gefolgt. Es war nicht falsch. In diesem Moment warst du anders als sie alle und konntest dich befreien von dem, was umging."
Eine sanfte Stimme, das Gesicht einer Frau... und schon wieder verschwunden. Im ersten Moment hätte es Shayas Mutter sein können, und doch wieder nicht. Doch während die Flammen begannen, in den Himmel zu lodern, zog etwas am Himmel darüber seine Kreise. Eine körperliche Gestalt war es nicht, auch wenn übergroß die Konturen eines Adlers zu erahnen waren. Der Rauch wurde aufgefangen und sammelte sich zu den bereits vorhandenen Wolken, ließ sie dicht und regenschwer werden.
Shaya wusste, sie war bereits in der Hütte und suchte vergeblich ihre Mutter, doch sie stand weiter außen, sah die Menschen, sah die Flammen - und sah den schwarzen Dunst.
"Nicht die Flammen sind Quell deines Leides. Es ist nicht das Feuer."
Für einen Moment war da wieder das Lagerfeuer, das sie auf Fuachtero am Leben hielt. Die gleichen, hellen Flammen, ihr Licht Licht, ihre Wärme...
"Es ist nicht das Feuer." Nur ein Wispern, und Geborgenheit. Das Gefühl von der Sorge ihrer Mutter, die Erleichterung, sie das erste Mal wieder in die Arme schließen zu können. Saveas beständige Nähe im tödlichen Eis. Jeder Moment an tröstender Gesellschaft, bis zu den letzten Momenten, auch die Nähe der Wasserelementare einmal klar und beruhigend in ihrer Absicht zu spüren, bis zum jüngsten Moment, in dem sie sich neben der Freiherrin und dem Baum im Gras des Klosters ruhend wusste.
Wie erlösend begannen die Regentropfen aus den gesammelten Wolken auf die brennende Hütte zu fallen. Es hatte gedauert, doch es geschah noch zur rechten Zeit. Gar war in den Gesichtern mancher Menschen draußen nun Erleichterung dort zu sehen, wo sich vorher doch Skrupel gebildet hatten. Wie erlösend fiel der Regen, Tropfen um Tropfen, als sollten sie die Flut der Tränen, die zuvor über das Leid in ihrem Heimatort geflossen waren, wieder gut machen. Das Gesicht der bekannten und fremden Frau, die Gestalt am Himmel, verschwanden, und doch blieb etwas zurück.
"Du warst nie alleine. Du warst es nie, bist es nicht. Und wirst es nie sein."
Das war Darnas feste Überzeugung, als sie an die Wand der Kirche angelehnt endlich selber einschlief, Shaya an sie gelehnt. Ja, der Fluch war gebrochen - welch Segen. Doch waren auch ganz normale Erinnerungen schon oft ein Fluch für sich...
Hätte sie jetzt wieder genau daran gedacht, ihre Miene hätte sich versteinert wie all die Male davor, seit sie begriffen hatte, was Shaya tatsächlich quälte. Nicht nur verstanden, sondern begriffen. Es war so simpel, wie im Normalfall unnachvollziehbar: Shayas Angst ließ sie glauben, zu verbrennen. Glauben, so stark, so einschneidend, daß die Schmerzen körperlich spürbar wurden. Zu spüren, wie Flammen einen zerfressen...
Seit diesem Erkennen hatte sie auf eine andere Weise Mitgefühl mit Shaya. Mitgefühl aus dem ganz eigenen Wissen heraus, wie sich so etwas anfühlte. Daß es unerträglich war im Moment des Leides und einen zerrütten konnte unter der Last der Erinnerung. Auch wenn es inzwischen Jahre zurück lag und sie für jeden Tag Distanz dazwischen dankbar war, erinnerte sich Darna noch sehr gut daran, wie sie selber so empfunden hatte, Schmerzen bis zur Besinnungslosigkeit. Sie trug nicht wie Shaya körperliche Narben, doch die Narben davon an der Seele trugen sie wohl beide.
Wasserelementare... Hochwürden Lefar und seine Gnaden Esgarath hatten genau das richtige Medium gewählt, das beste, das zu wählen war. Die Reinheit des Wassers, lebensspendendes Element, vertrieb nicht nur den Fluch, sondern diese Macht hätte im wahrsten Sinne des Wortes auch das Feuer löschen können, löschen sollen. Bis zu einem gewissen Grad hatte es das auch getan. Doch sie hatte noch gut Shayas Verwirrung vor Augen, das schrecklichste Erleben gerade auf für sie unnachvollziehbare Weise gebannt, geborgen und doch befremdet zugleich, es waren Wesen, die sie öfter vor dem Bogen hatte, statt als Helfer in der Nähe, ohne Kontrolle von ihnen auch noch getragen... die Paladina seufzte sehr leise. Wurde eine helfende Hand gegeben, musste man auch davon ausgehen können, daß der andere die Kraft und das Vertrauen hatte, zuzugreifen. Shaya hatte es nicht gekonnt, und so rasch nach einem künstlich aufgezwungenen Schlaf war auch keine Möglichkeit gewesen, es anders, besser zu machen. Shaya war passiv dem ausgeliefert gewesen, und so hatte die Hilfe auch nicht ihre volle Wirkung zeigen können. Nun quälten sie immernoch Alpträume, und ein Moment lindernder Erkenntnis war nicht gegeben.
"Ich wünschte, ich könnte dir besser Hoffnung geben. Es geht vorbei. Es hilft, darüber zu reden, auch wenn gerade das schwer fällt. Und es braucht Zeit, wieder in dem Wissen und Fühlen Ruhe zu finden: es ist nur Feuer. Es kann verbrennen, doch sein Sinn ist es, zu erhellen und zu wärmen. Ich kann Scheiterhaufen bis heute nicht leiden, aber es wird erträglich... glaub mir. Ich wünschte nur, ich könnte es dir sagen, ohne daß es in denen Ohren hohl klingen muß. Deine Wunden sind frisch, ich weiß. Ich hätte auch nicht daran rühren lassen."
Sie hatte mit diesen Gedanken in die Baumkrone gesehen, in sein sanftes blaues Licht bei Nacht, der milden Wärme nachgespürt, die hier stets herrschte, und dem Gefühl, um die Schultern der jüngeren Frau den Arm gelegt zu lassen. Magd... pfh. Es war das Gleiche, wie damals schon seit frühen Tagen zwischen ihr und Adrian - er war nicht nur einfach Dienstherr, sah sich nie so. Shaya war mehr als bloß ihre Magd, fast jeder im Haus war irgendwie mehr, als er dem Etikett nach war. Sie waren beide hier, und so, wie es jetzt war, war es richtig.
Es fühlte sich einfach richtig an, und diese Entspanntheit öffnete dem Schlaf die Tür.
Auch Shaya schlief bereits, das sanfte Leuchten vom Baum des Lichtes zeichnete weiche Flächen auf ihr Gesicht, als solle das wahre Gesicht gezeigt werden, wäre einem Beobachter das Antlitz erholter und unbeschwerter erschienen, als es sich wach unter der Last der Tage zeigte, die Schatten unter den Augen fortgewischt.
Wieder sollten die vertrauten Bilder kommen, die Hütte, die Menschen, das berstende Holz, die Flammen... doch etwas war anders. Die Bilder blieben auf Distanz, ließen ein Beobachten zu, statt es mitempfinden zu müssen. Etwas war anders. Shaya war nicht Inhalt ihrer Träume. Etwas ließ sie beobachten. Auch Wahrnehmungen, die ihr neu waren. Schicksale der Menschen, die damals für das Anzünden der Hütte verantwortlich gewesen waren. Eine nichtige Streitigkeit, Jahre her... doch einer mehr, der ihre Mutter nicht leiden konnte. Eine Frau, die ihr früh gestorbenes Kind noch im Arm wiegte, während der Vater zornig über "die Herumhurerei der hohen Herren" wetterte, Kinder, die überlebten. Ein geschundenes Dienstmädchen, das sich nichts sehnlicher gewünscht hätte, statt bloß der Hütte das herrschaftliche Haus selber anzuzünden. Es schmerzte, den Haß zu spüren. Doch weiter konnte sie beobachten, und als die Leute sich sammelten, lag wie Nebel ein schwarzer Dunst zwischen allen, Schatten schienen sich eigenständig zu bewegen. Als wäre der Haß fast zum greifen dicht.
"Mitgefühl und Aufopferung ließen dich die Gefahr auf dich nehmen. Du kanntest nicht die Wahrheit, doch du bist der Wahrheit deines Herzens gefolgt. Es war nicht falsch. In diesem Moment warst du anders als sie alle und konntest dich befreien von dem, was umging."
Eine sanfte Stimme, das Gesicht einer Frau... und schon wieder verschwunden. Im ersten Moment hätte es Shayas Mutter sein können, und doch wieder nicht. Doch während die Flammen begannen, in den Himmel zu lodern, zog etwas am Himmel darüber seine Kreise. Eine körperliche Gestalt war es nicht, auch wenn übergroß die Konturen eines Adlers zu erahnen waren. Der Rauch wurde aufgefangen und sammelte sich zu den bereits vorhandenen Wolken, ließ sie dicht und regenschwer werden.
Shaya wusste, sie war bereits in der Hütte und suchte vergeblich ihre Mutter, doch sie stand weiter außen, sah die Menschen, sah die Flammen - und sah den schwarzen Dunst.
"Nicht die Flammen sind Quell deines Leides. Es ist nicht das Feuer."
Für einen Moment war da wieder das Lagerfeuer, das sie auf Fuachtero am Leben hielt. Die gleichen, hellen Flammen, ihr Licht Licht, ihre Wärme...
"Es ist nicht das Feuer." Nur ein Wispern, und Geborgenheit. Das Gefühl von der Sorge ihrer Mutter, die Erleichterung, sie das erste Mal wieder in die Arme schließen zu können. Saveas beständige Nähe im tödlichen Eis. Jeder Moment an tröstender Gesellschaft, bis zu den letzten Momenten, auch die Nähe der Wasserelementare einmal klar und beruhigend in ihrer Absicht zu spüren, bis zum jüngsten Moment, in dem sie sich neben der Freiherrin und dem Baum im Gras des Klosters ruhend wusste.
Wie erlösend begannen die Regentropfen aus den gesammelten Wolken auf die brennende Hütte zu fallen. Es hatte gedauert, doch es geschah noch zur rechten Zeit. Gar war in den Gesichtern mancher Menschen draußen nun Erleichterung dort zu sehen, wo sich vorher doch Skrupel gebildet hatten. Wie erlösend fiel der Regen, Tropfen um Tropfen, als sollten sie die Flut der Tränen, die zuvor über das Leid in ihrem Heimatort geflossen waren, wieder gut machen. Das Gesicht der bekannten und fremden Frau, die Gestalt am Himmel, verschwanden, und doch blieb etwas zurück.
"Du warst nie alleine. Du warst es nie, bist es nicht. Und wirst es nie sein."
-
Savea Falkenlohe
- Beiträge: 1
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Sie hatte lange gewartet. War wirklich alles gut ausgegangen? War da noch ein klein wenig Wahnsinn, oder lauerte er, um plötzlich wieder aufzulodern, wie ein kleiner Funke in der Seele Shayas? Insgeheim beobachtete sie Shaya, wie sie sprach, wie sie sich gab, ihre Blicke.
Alles schien normal, alles wie vor der unseligen Nacht. Zeit also endlich durchzuatmen?
Sie hatte gespielt, war Wagnisse eingegangen von denen Shaya nichts wußte und die Milady mißfallen hatten. Natürlich, wie hätte sie es auch gutheißen können?
Der Gedanke war einfach. Wer würde sich besser auskennen mit den Anhängern des Seelenfängers, als die Anhänger des Brudermörders? Ganz gewiß gab es in Rahal Schriften zu finden, die etwas Aufklärung brachten. Alles was darauf schließen lassen konnte, sie sei eine Bedienstete des Hauses Elbenau hatte sie abgelegt.
Wie zunächst enttäuschend, dass sich in ganz Rahal keine Bibliothek befand, nur wenige Bücher und Schriftrollen fanden sich im Rathaus. In der Hoffnung einfach etwas übersehen zu haben, klopfte sie an einer der Türen im Rathaus und traf auf die Blutgeborene.
Innerlich mußte sie beinahe schmunzeln, als sie feststellte, dass Frauen, egal wo sie leben und welchen Gott sie verehren, doch eines gemein war.. die weibliche Neugier.
Recht genau wollte die Blutgeborene wissen wer Savea war, was sie zu erfahren wünschte, wo sie herkam, wie sie aufwuchs, was ihre Eltern waren, wie sie zu ihrer Liebe zu Büchern kam und.. weshalb sie etwas über Rituale der Seelenfängeranhänger erfahren wollte.
Sie stellte sich als Fräulein Vesea vor und das Gute war, dass sie genügend Phantasie besaß, dass ihr die ausgedachten Antworten fließend über die Lippen kamen, das Unangenehme, die aufsteigende Angst, die Blutgeborene könnte bemerken, dass sie Blut und Wasser schwitzte.
Offensichtlich aber gab es einen Teil an ihrer Geschichte, der das Interesse der Blutgeborenen geweckt hatte. Der Teil, in dem sie erzählte, ihr Vater sei Händler gewesen. Die Blutgeborene hatte etwas übrig für Handel und wie sich herausstellte, egal welcher Art.
So sollte sich auf einen Handel der Worte geeinigt werden. Die Blutgeborene versprach Savea etwas über Rituale zu erzählen, wenn Savea ihr im Gegenzug etwas über seine Ehren von Weylenstein berichten würde.
Mit weichen Knien verließ sie das Rathaus und ließ eilenden Schrittes die dunkle Stadt hinter sich. Die kommende Nacht sollte sie grübelnd und nicht schlafend verbringen, um am nächsten Tag mit einem Entschluß den Richter aufzusuchen. Offen legte sie alle Karten auf den Tisch, dennoch fürchtend, in der nächsten Minute in einer Zelle zu sitzen.
Um so erstaunter war sie, dass der Richter bereit war zu helfen, ihr falsche Angaben mit auf den Weg zu geben. Sie bat ihn, sie nichts wissen zu lassen, was der Wahrheit entspräche.. denn was sie nicht wußte, konnte auch nicht aus ihr heraus gebracht werden, so etwas schief ginge.
Im Gegensatz zu den Informationen über Rituale war das was sie in der Hand hatte eher spärlich zu nennen. Sie mußte es geschickt einteilen, um möglichst viel in Erfahrung zu bringen und so schlug sie vor, abwechselnd zu berichten.
Gewieft begann die Blutgeborene den Handel der Worte, indem sie Savea bereits Gehörtes als Neuigkeit verkaufen wollte, sodass Savea am Zug gewesen wäre. Sie wies sie darauf hin und beide wußten ab dem Moment, dass sie sich gegenseitig nichts schenken würden.
Die Spannung lag fast greifbar im Raum und erfuhr ihren Höhepunkt, als Savea in kleinen Häppchen die Eßgewohnheiten des Richters servierte.
„Ihr spielt ein gefährliches Spiel Fräulein Vesea.“
Es war also an der Zeit, ihr etwas hinzuwerfen, wonach sie zufriedener schnappen konnte.
Hin und her ging der Austausch, bis die innere Anspannung derart groß wurde, dass Savea einen Moment nicht aufpaßte und die Kontrolle über ihre Gesichtszüge verlor, was dem aufmerksamen Blick der Blutgeborenen nicht verborgen blieb.
„Um wen sorgt Ihr Euch Fräulein Vesea?“
Auch wenn bei dieser Frage alle Brücken brachen und die Sorge um Shaya nun deutlich wurde, war sie noch geistesgegenwärtig genug, nicht zu sagen, um wen es ging, außer um eine ihr nahe stehende Bekannte.
Überraschender Weise bot die Blutgeborene ihre Hilfe an, obwohl Savea ihr eingestand, keine weiteren Informationen über den Richter zu haben. Sie könne Kontakt aufnehmen und dafür sorgen, dass sie abließen und den Fluch von Shaya nehmen.. Savea müßte dafür aber den Namen nennen und eine Beschreibung liefern.
Bedenkzeit.
„Wartet nicht zu lange Fräulein Vesea, es könnte dann zu spät sein.“
Sie floh aus der Stadt.
Am Ende mit Bangen darauf vertraut, dass die Priester Shaya helfen würden und lange gewartet, ob die Hilfe auf lange Sicht wirksam war. Es hatte den Anschein.
So war es nun an der Zeit, der Blutgeborenen eine Mitteilung zukommen zu lassen.
Irgendwie war sie es ihr schuldig.
Sie ritt ohne Insignien des Hauses Elbenau mit Pergament und Kohle bewaffnet an den kleinen See vor der dunklen Stadt und begann zu schreiben. Etwas später drückte sie einem Knaben das gebundene Pergament in die Hand, nebst ein paar Münzen.
„Gib dies der Blutgeborenen von Tecklenstein. Du wirst sie gewiß im Rathaus finden.“
Sie sah dem davon eilenden Jungen nach, warf einen letzten Blick auf die Mauern der Stadt und wandte sich durchatmend ab.
Die Gedanken an die Geschehnisse jenen Fluch begleitend, schüttelte sie sich von den schultern, wie einen alten, zerschlissenen Umhang.
( Brief dazu: [url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=33029[/url] )
Alles schien normal, alles wie vor der unseligen Nacht. Zeit also endlich durchzuatmen?
Sie hatte gespielt, war Wagnisse eingegangen von denen Shaya nichts wußte und die Milady mißfallen hatten. Natürlich, wie hätte sie es auch gutheißen können?
Der Gedanke war einfach. Wer würde sich besser auskennen mit den Anhängern des Seelenfängers, als die Anhänger des Brudermörders? Ganz gewiß gab es in Rahal Schriften zu finden, die etwas Aufklärung brachten. Alles was darauf schließen lassen konnte, sie sei eine Bedienstete des Hauses Elbenau hatte sie abgelegt.
Wie zunächst enttäuschend, dass sich in ganz Rahal keine Bibliothek befand, nur wenige Bücher und Schriftrollen fanden sich im Rathaus. In der Hoffnung einfach etwas übersehen zu haben, klopfte sie an einer der Türen im Rathaus und traf auf die Blutgeborene.
Innerlich mußte sie beinahe schmunzeln, als sie feststellte, dass Frauen, egal wo sie leben und welchen Gott sie verehren, doch eines gemein war.. die weibliche Neugier.
Recht genau wollte die Blutgeborene wissen wer Savea war, was sie zu erfahren wünschte, wo sie herkam, wie sie aufwuchs, was ihre Eltern waren, wie sie zu ihrer Liebe zu Büchern kam und.. weshalb sie etwas über Rituale der Seelenfängeranhänger erfahren wollte.
Sie stellte sich als Fräulein Vesea vor und das Gute war, dass sie genügend Phantasie besaß, dass ihr die ausgedachten Antworten fließend über die Lippen kamen, das Unangenehme, die aufsteigende Angst, die Blutgeborene könnte bemerken, dass sie Blut und Wasser schwitzte.
Offensichtlich aber gab es einen Teil an ihrer Geschichte, der das Interesse der Blutgeborenen geweckt hatte. Der Teil, in dem sie erzählte, ihr Vater sei Händler gewesen. Die Blutgeborene hatte etwas übrig für Handel und wie sich herausstellte, egal welcher Art.
So sollte sich auf einen Handel der Worte geeinigt werden. Die Blutgeborene versprach Savea etwas über Rituale zu erzählen, wenn Savea ihr im Gegenzug etwas über seine Ehren von Weylenstein berichten würde.
Mit weichen Knien verließ sie das Rathaus und ließ eilenden Schrittes die dunkle Stadt hinter sich. Die kommende Nacht sollte sie grübelnd und nicht schlafend verbringen, um am nächsten Tag mit einem Entschluß den Richter aufzusuchen. Offen legte sie alle Karten auf den Tisch, dennoch fürchtend, in der nächsten Minute in einer Zelle zu sitzen.
Um so erstaunter war sie, dass der Richter bereit war zu helfen, ihr falsche Angaben mit auf den Weg zu geben. Sie bat ihn, sie nichts wissen zu lassen, was der Wahrheit entspräche.. denn was sie nicht wußte, konnte auch nicht aus ihr heraus gebracht werden, so etwas schief ginge.
Im Gegensatz zu den Informationen über Rituale war das was sie in der Hand hatte eher spärlich zu nennen. Sie mußte es geschickt einteilen, um möglichst viel in Erfahrung zu bringen und so schlug sie vor, abwechselnd zu berichten.
Gewieft begann die Blutgeborene den Handel der Worte, indem sie Savea bereits Gehörtes als Neuigkeit verkaufen wollte, sodass Savea am Zug gewesen wäre. Sie wies sie darauf hin und beide wußten ab dem Moment, dass sie sich gegenseitig nichts schenken würden.
Die Spannung lag fast greifbar im Raum und erfuhr ihren Höhepunkt, als Savea in kleinen Häppchen die Eßgewohnheiten des Richters servierte.
„Ihr spielt ein gefährliches Spiel Fräulein Vesea.“
Es war also an der Zeit, ihr etwas hinzuwerfen, wonach sie zufriedener schnappen konnte.
Hin und her ging der Austausch, bis die innere Anspannung derart groß wurde, dass Savea einen Moment nicht aufpaßte und die Kontrolle über ihre Gesichtszüge verlor, was dem aufmerksamen Blick der Blutgeborenen nicht verborgen blieb.
„Um wen sorgt Ihr Euch Fräulein Vesea?“
Auch wenn bei dieser Frage alle Brücken brachen und die Sorge um Shaya nun deutlich wurde, war sie noch geistesgegenwärtig genug, nicht zu sagen, um wen es ging, außer um eine ihr nahe stehende Bekannte.
Überraschender Weise bot die Blutgeborene ihre Hilfe an, obwohl Savea ihr eingestand, keine weiteren Informationen über den Richter zu haben. Sie könne Kontakt aufnehmen und dafür sorgen, dass sie abließen und den Fluch von Shaya nehmen.. Savea müßte dafür aber den Namen nennen und eine Beschreibung liefern.
Bedenkzeit.
„Wartet nicht zu lange Fräulein Vesea, es könnte dann zu spät sein.“
Sie floh aus der Stadt.
Am Ende mit Bangen darauf vertraut, dass die Priester Shaya helfen würden und lange gewartet, ob die Hilfe auf lange Sicht wirksam war. Es hatte den Anschein.
So war es nun an der Zeit, der Blutgeborenen eine Mitteilung zukommen zu lassen.
Irgendwie war sie es ihr schuldig.
Sie ritt ohne Insignien des Hauses Elbenau mit Pergament und Kohle bewaffnet an den kleinen See vor der dunklen Stadt und begann zu schreiben. Etwas später drückte sie einem Knaben das gebundene Pergament in die Hand, nebst ein paar Münzen.
„Gib dies der Blutgeborenen von Tecklenstein. Du wirst sie gewiß im Rathaus finden.“
Sie sah dem davon eilenden Jungen nach, warf einen letzten Blick auf die Mauern der Stadt und wandte sich durchatmend ab.
Die Gedanken an die Geschehnisse jenen Fluch begleitend, schüttelte sie sich von den schultern, wie einen alten, zerschlissenen Umhang.
( Brief dazu: [url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=33029[/url] )
Zuletzt geändert von Savea Falkenlohe am Samstag 5. Juli 2008, 23:10, insgesamt 1-mal geändert.
- Shaya Nyrloth
- Beiträge: 176
- Registriert: Freitag 29. September 2006, 06:30
Mit einer Mischung aus Zufriedenheit, Erleichterung und nicht wenig Stolz betrachtete Shaya das große Stück Holz vor sich, das nach wochenlanger Arbeit endlich das Aussehen und die Form hatte, das sie ihm hatte geben wollen. Ja, es war fertig. Ein abschließendes Durchatmen, dann erlaubte sie sich ein erstes Lächeln, während sie das Werk mit funkelnden Augen betrachtete.
Unter dem Tisch in der Holzwerkstatt hatten sich die ersten Fehlversuche angehäuft. Sie würden nur noch als Brennholz zu gebrauchen sein, nicht die Aufgabe, die Shaya jedem einzelnen ursprünglich angedacht hatte, aber immerhin hätten sie noch die Möglichkeit die Bewohner des Anwesens ein wenig mit Wärme zu erfreuen. Sie hatten sich bereitwillig, oder auch nicht, geopfert für Etwas, das in seiner Entstehung viel Zeit und Mühe gekostet hatte und mit Einzigartigkeit belohnt wurde. Shaya ersparte den missglückten Schnitzversuchen einen Blick auf das vollendete Werk, wollte sie nicht quälen, indem sie ihnen zeigte, was ein jeder von ihnen eigentlich hätte werden sollen, wo sie selbst als verkrüppelte oder gebrochene, angeknackste und angekokelte Holzklumpen geendet waren. Ein helles Lachen erfüllte die kleine, von Holzgeruch erfüllte, Werkstatt. Shaya schüttelte einmal den Kopf und löste den Blick von dem Holzhaufen und somit auch von dem Gedanken an das Schlachtfeld dort auf dem Fußboden und all seinen Gefallenen hölzernen Helden.
Tief zog sie die Luft ein, beugte sich vor und entließ sie in einem schon fast sanftem Ausatmen, den letzten feinen Holzstaub vorsichtig von der Schnitzerei pustend. Ein feuchtes Tuch später, das auch das letzte Fizzelchen Staub verbannt hatte, hätte sie sich wohl zurückgelehnt, wenn der Hocker mit einer Lehne gesegnet gewesen wäre. So sackte sie einfach bequem etwas in sich zusammen, betrachtete noch einmal genau die Einzelheiten, Details und schließlich das Gesamtbild.
Gebogen und geschwungen schlängelten sich die Wurzeln aus der Erde darstellenden Fläche, die gleichzeitig den festen Stand der Schnitzerei sicherstellten, um in einen kräftigen Stamm überzugehen, der sich seinerseits in kräftigen, immer filigraner dünner werdenden Ästen verlor. Die Äste hielten das dichte Blattwerk fest. Sanft fügten sich die Blätter ein, bildeten und vollendeten so die volle Krone des Baumes.
Perfekt.
Shaya kramte die vielen Skizzen zusammen, die sie vor einigen Wochen vom Baum des Lichtes im Kloster angefertigt hatte, legte sie aufeinander, rollte sie zusammen und verstaute sie ordentlich in einem Regal. Die wunden Finger waren vergessen, die sie sich bei den komplizierten, feinen Schnitzarbeiten in der Baumkrone nicht nur einmal zugezogen hatte, weil sie mit zitternden Händen, Luft anhaltend, um keinen Fehler zu begehen, abgerutscht war und das Schnitzen halb in ihren Fingern fortgesetzt hatte, statt auf dem Holz. Ebenso fand sich kein Gedanke mehr an unzählige winzige Brandlöcher in der Kleidung verschwendet, als sie mit dünnen, rotglühenden Nadelspitzen, ein wenig Leben und Farbe auf dem Holz hatte verteilen wollen und nicht nur einmal das kleine Werkzeug ihren Fingern entglitten war. Es hatte sich gelohnt, der Baum ...lebte. Die geschaffenen Brauntöne, je nach Druck, mal nur gehaucht, kaum eine Berührung, bis hin zu sanft, an deren Stellen das Braun am kräftigsten war, schafften eine einzigartige Detailtiefe. Es war...perfekt.
Sie holte ein Tuch hervor, schlang es vorsichtig um den großen Baum und stellte das Schnitzwerk dann behutsam in eine Holzkiste. Dort würde es verweilen, bis sich eine passende Gelegenheit ergeben würde, um Milady damit, für einige besondere Stunden, danken zu können.
Unter dem Tisch in der Holzwerkstatt hatten sich die ersten Fehlversuche angehäuft. Sie würden nur noch als Brennholz zu gebrauchen sein, nicht die Aufgabe, die Shaya jedem einzelnen ursprünglich angedacht hatte, aber immerhin hätten sie noch die Möglichkeit die Bewohner des Anwesens ein wenig mit Wärme zu erfreuen. Sie hatten sich bereitwillig, oder auch nicht, geopfert für Etwas, das in seiner Entstehung viel Zeit und Mühe gekostet hatte und mit Einzigartigkeit belohnt wurde. Shaya ersparte den missglückten Schnitzversuchen einen Blick auf das vollendete Werk, wollte sie nicht quälen, indem sie ihnen zeigte, was ein jeder von ihnen eigentlich hätte werden sollen, wo sie selbst als verkrüppelte oder gebrochene, angeknackste und angekokelte Holzklumpen geendet waren. Ein helles Lachen erfüllte die kleine, von Holzgeruch erfüllte, Werkstatt. Shaya schüttelte einmal den Kopf und löste den Blick von dem Holzhaufen und somit auch von dem Gedanken an das Schlachtfeld dort auf dem Fußboden und all seinen Gefallenen hölzernen Helden.
Tief zog sie die Luft ein, beugte sich vor und entließ sie in einem schon fast sanftem Ausatmen, den letzten feinen Holzstaub vorsichtig von der Schnitzerei pustend. Ein feuchtes Tuch später, das auch das letzte Fizzelchen Staub verbannt hatte, hätte sie sich wohl zurückgelehnt, wenn der Hocker mit einer Lehne gesegnet gewesen wäre. So sackte sie einfach bequem etwas in sich zusammen, betrachtete noch einmal genau die Einzelheiten, Details und schließlich das Gesamtbild.
Gebogen und geschwungen schlängelten sich die Wurzeln aus der Erde darstellenden Fläche, die gleichzeitig den festen Stand der Schnitzerei sicherstellten, um in einen kräftigen Stamm überzugehen, der sich seinerseits in kräftigen, immer filigraner dünner werdenden Ästen verlor. Die Äste hielten das dichte Blattwerk fest. Sanft fügten sich die Blätter ein, bildeten und vollendeten so die volle Krone des Baumes.
Perfekt.
Shaya kramte die vielen Skizzen zusammen, die sie vor einigen Wochen vom Baum des Lichtes im Kloster angefertigt hatte, legte sie aufeinander, rollte sie zusammen und verstaute sie ordentlich in einem Regal. Die wunden Finger waren vergessen, die sie sich bei den komplizierten, feinen Schnitzarbeiten in der Baumkrone nicht nur einmal zugezogen hatte, weil sie mit zitternden Händen, Luft anhaltend, um keinen Fehler zu begehen, abgerutscht war und das Schnitzen halb in ihren Fingern fortgesetzt hatte, statt auf dem Holz. Ebenso fand sich kein Gedanke mehr an unzählige winzige Brandlöcher in der Kleidung verschwendet, als sie mit dünnen, rotglühenden Nadelspitzen, ein wenig Leben und Farbe auf dem Holz hatte verteilen wollen und nicht nur einmal das kleine Werkzeug ihren Fingern entglitten war. Es hatte sich gelohnt, der Baum ...lebte. Die geschaffenen Brauntöne, je nach Druck, mal nur gehaucht, kaum eine Berührung, bis hin zu sanft, an deren Stellen das Braun am kräftigsten war, schafften eine einzigartige Detailtiefe. Es war...perfekt.
Sie holte ein Tuch hervor, schlang es vorsichtig um den großen Baum und stellte das Schnitzwerk dann behutsam in eine Holzkiste. Dort würde es verweilen, bis sich eine passende Gelegenheit ergeben würde, um Milady damit, für einige besondere Stunden, danken zu können.