Das Haus am Rande der Stadt

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Solveigh

Das Haus am Rande der Stadt

Beitrag von Solveigh »

Ihre neue Heimat, das war sie nun also !

Solveigh nahm das letzte Buch mit der Aufschrift "Einführung in die Planaristik, Lorakh Adun" aus der Kiste, schob es ins Regal neben "Moral und Ethik" von einem anderen Schreiberling ,lies sich auf den Stuhl fallen, der inmitten ihres bescheidenen Hauses stand und streckte die Beine von sich. Ein paar rotblonden Locken, die wirr im Gesicht hingen, beiseite schiebend und sichtlich geschafft von der Arbeit musterte sie den Raum.
Das war noch lange nicht fertig und so wie sie es haben wollte, da fehlte noch einiges.,

Hier vor den Mauern Varunas, im Brunnenhof, in netter Nachbarschaft zu einem Schneider, würde sie bleiben.
Die Wälder in der Gegend waren riesig und boten viel für jemanden wie sie, die aus der leidenschaftlichen Suche nach Kräuter ihren Beruf gemacht hatte, von dem sie mehr schlecht als recht, aber immerhin leben konnte.

Und die Stadt bot sicher Möglichkeiten die Dinge auch zu verkaufen. Da lohnte sich all die Müh ganz gewiss.

Immerhin, die Bücherregale standen schon wo sie hingehörten. Ja die Bücher, sie waren Solveighs ganzes Hab und Gut.
Mit dem wenigen Gold was ihr eigen war, hatte sie sie zusammengekauft, von Gelehrten, Klöstern, kleinen und grossen Schulen aller Fachrichtungen.
Seit sie denken konnte, hatte sie gelesen. Gelesen um Antworten zu bekommen. Antworten auf Fragen die ihr in den Sinn kamen wenn sie auf den schier endlosen Spaziergängen durch die Wälder ihre Kräuter gesammelt hatte.

Eigentlich war es immer nur ein Vorwand gewesen, kam es ihr in den Sinn. Sie liebte den Wald, seine Grösse, seine Stärke, die Geborgenheit. Es war etwas besonderes sich dort zu bewegen. Geradezu inspirierend. Das Gefühl war einfach ... überwätigend.
Zwar war sie in ihrer Jugend zu wohlbehütet aufgewachsen um nicht die Vorteile einer trockenen warmen Stube oder eines feinen sauberen Kleindes schätzen zu können, aber den Wald missen wollte sie auf keinen Fall.

Das hatte sich nicht geändert. In all den vielen Jahren hatte es nie nachgelassen und sie bereute ihr bescheidenes gepflegtes Leben mit ihren 35 Sommern nicht. Man machte kein Vermögen mit Kräutern. Aber es war gut so, wie es gewesen ist, ihr Leben.

Die Bücher ... wenn sie irgendeine Gewissheit geben konnten, dann war es jene, dass sie nicht im Stande waren, die letztendliche Gewissheit zu liefern. Unendlich viele Ideen, Modelle, Theorien, Geschichten, wahre und sicher auch unwahre, Lehrreiches, zum Nachdenken Anregendes.
Man wurde sicher nicht dümmer, aber Gewissheit ?

Nein, jene brachten sie letztendlich nicht.
Gewissheit entstand nicht im Buche, nicht im Wort und auch nicht im Kopf.

Der Stuhl auf dem sie grad saß, der war ziemlich Gewiss. Weil sie ihn spührte weil er sie einen halben Meter über dem Boden hielt. Ja bestimmt ! Sie konnte sich seiner ziemlich sicher sein. Nichts war wohl gewisser, als alles was man wahrnehmen, spühren konnte. Nur die großen Fragen ... nach dem Anfang, dem Sinn vieleicht ...

Solveigh lächelte vor sich hin, und kleine Fältchen in den Augenwinkeln traten hervor, den Blick auf die kleine Kerze gerichtet, welche den Raum erhellte. Sie war den Antworten einen gewaltigen Schritt näher gekommen.

"Hättest du dich nur dran gehalten Solveigh ..." dachte sie mit tiefer innerer Zufriedenheit "Hättest du dich nur dran gehalten, dann hättest du wissen müssen, dass man diese Antworten auch fühlen können muss, wenn es je irgendeine Gewissheit jenseits der Ratespiele gelehrter Leute geben sollte ... du dummes Ding"

Schmunzelnd erhob sie sich und öffnete die nächste Kiste, ... ja es gab noch viel zu tun.
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