Unwiderruflicher Abschied von einem Mistkerl

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Savea Falkenlohe
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Unwiderruflicher Abschied von einem Mistkerl

Beitrag von Savea Falkenlohe »

Wie oft hatten sie ihre messerscharfen Zungen gewetzt, die verbalen Klingen aufeinander schlagen lassen, bis Funken sprühten? Herr Zyran Mondin und sie, Savea? Unzählige Male. Wieder und wieder.. einmal bis aufs sprichwörtlich zweite Blut, welches floß, den Verbalattacken zufolge. Und auch als vieles ausgesprochen, eine stille, gegenseitige Akzeptanz eingetreten war, machte es ihnen insgeheim Vergnügen die alten Zungensäbel ab und an wieder aufleben zu lassen... fast als wäre es ihr beider Weg den sie gefunden hatten, miteinander umzugehen und... auszukommen.

Nun lag er auf der kleinen Lichtung vor ihr.
Das ewig bockende Vieh dieses Mistkerls hatte vor dem Anwesen gewartet und als sie kam, um für Shaya etwas Suppe zu kochen, zeigte sich der Hengst weniger bockig, aber seltsam aufgebracht. Er scharrte mit den Hufen, schnaubte laut und folgte ihr, als hätte sie Speck in den Taschen, als sie ins Haus wollte.
Bei genauerer Betrachtung fiel ihr das Blut auf, welches mit dem einsetzenden Regen von der Pferdedecke tropfte. Es war kein Pferdeblut und der alte Gaul, der ihr seinen Namen verdankte, scharrte und schnaubte ohne Unterlaß. Erst als Savea sich davon überzeugt hatte, dass Zyran nicht verletzt im Haus war, verstand sie, dass der Gaul wollte, dass sie ihm folgte.
Kaum saß sie auf ihrer Stute, preschte der Hengst in vollem Galopp davon, dass die Stute fast Mühe hatte zu folgen. Abrupt endete das Trommeln aufschlagender Hufe, oben am Wald, nahe des Wegekreuzes. Eine kleine Schneise führte durchs dichte Unterholz zu einer kleinen Lichtung.

Sie sah ihn sofort, rutschte aus dem Sattel und kniete sich neben ihn. An der Seite ein tiefer Schnitt, aus dem nur langsam Blut floß, getrocknetes Blut auf der Kleidung und im Gras, der Bart verklebt und verfärbt, der linke Arm verdreht unter seinem Rücken liegend, das Gesicht voller Staub, bis auf den hellen, getrockneten Streifen vom rechten Auge aus über die Wange, die Augen starr gen Himmel gerichtet.
Sie preßte ihr Ohr auf seinen Brustkorb.. sie vernahm keinen Herzschlag.. sie kramte einen kleinen Handspiegel aus der Tasche, hielt ihn ihm vor Nase und Lippen.. der Spiegel beschlug nicht, blieb klar.
Nach allem was in der letzten Zeit geschehen war, wollte sie das nicht auch noch wahr haben, riß an seiner linken Hand, suchte den Puls.. vergebens.
Wut, Erschöpfung und Trauer wallten in ihr hoch und sie schrie ihn an, mit beiden Fäusten auf seinen Brustkorb trommelnd. „Ihr seid ein verdammter Mistkerl Herr Mondin!“

Er hörte es nicht mehr.
Sein Kopf rutschte zur Seite, seine starren Augen blickten sie an und sie schloß seine Lider sanft. Irgendwie schaffte sie seinen leblosen Körper auf den alten Hengst, der tatsächlich ruhig stehen blieb, als würde er verstehen und band ihn fest.
Keine Zufriedenheit, keine Boshaftigkeit, sondern Bitterkeit und Wehmut klangen in ihrer Stimme.
„Euer letzter Ritt Herr Mondin, auf dem alten Scheusal, welches so gut zu Euch paßte.“
Langsam führte sie die Stute, den Hengst und Zyran zum Kloster, Bruder Cassian bittend, sich seiner anzunehmen, ihn bereit zu machen für das Begräbnis in der kleinen Kapelle.
Sie brachte frische Sachen zum Kloster, auf dass er zur letzten Feier entsprechend gekleidet werden konnte.
Das sonst so widerspenstige Vieh Zyrans wich ihr nicht mehr von der Seite. Beide Pferde brachte sie zum Anwesen und versorgte sie. Silbersturm, wie der Gaul wegen seines Temperaments und seiner in der Sonne wie Silber schimmernden Narben damals getauft wurde bekam seine edel bestickte Decke zurück, nachdem es Savea gelungen war Dreck und Blut fast gänzlich heraus zu waschen. Er mochte keinen Sattel.

Auf dem kleinen Regal der Bibliothek, wo so lange Zeit Zyrans Bett stand, befand sich nun eine hölzerne Statue. Sie wußte nicht, ob er sie selbst geschnitzt hatte, oder was sie ihm bedeutete, allein die Tatsache, dass sie ihm gehörte und offenbar die Einzige war, die sich in seinem Nachlaß befand, reichte ihr, sie dort gut sichtbar aufzustellen.
Alle anderen Dinge tat sie in eine Tasche. Viel hatte er nicht besessen, fiel ihr dabei auf.
Sie würde das Wenige was blieb der Schwester Zyrans zukommen lassen.

„Ruhet wohl in den Armen der Gütigen.. Mistkerl.“
Nuria Mondin
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Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42

Beitrag von Nuria Mondin »

Sie brauchte kein Ritual. Sie brauchte keinen anderen Blick. Es gab Dinge, die sie spürte, ohne dass es weiterer Vorkehrungen bedurfte. Und dazu gehörte zweifelsohne, wenn der Letzte ihrer Blutsverwandten verblich. Blutrot war die Morgendämmerung gewesen und sie war fortgegangen. Fort, an jenen Ort, an dem sie keiner fand und an dem sie schon so oft in die Sterne geschaut hatte.

Auf einem kargen Felsvorsprung fern jeder Zivilisation saß eine Frau. Eine junge, alte Frau. Denn etwas in ihr hatte zu welken begonnen. Das lange, schwarze Haar wallte im Wind. Eine graue Strähne wirbelte mit jenen um die Wette. So vergänglich war das Sein.

Still flossen Tränen über die bleichen Wangen. Keine Fragen, keine Antworten. Innerlich leer, als wäre ihr inneres Feuer ein Häufchen Asche. Die verlorene Feder eines Raubvogels, welche der Wind mit sich trug, ohne Ziel und ohne Zweck.

Ein Baum ohne Wurzeln ist zum Sterben verurteilt. Langsam vertrocknet er von innen. Und in jenen Momenten fühlte sich Nuria wurzellos.
Larissa Feanaro

Beitrag von Larissa Feanaro »

Sie saß am Wasser und starrte auf die Wellen hinaus. Sie wußte nicht, wie lange sie schon dort saß..Minuten....Stunden... es war gleichgültig. Die Wellen wogten an den Strand und benetzten ihre Füße. Doch sie bemerkte es nicht einmal.

Ihre Gedanken kreisten um das soeben erfahrene. Darna war da gewesen, an der kleinen Heilerhütte. Zuerst war sie überrascht gewesen, Larissa dort zu sehen. Doch dann...

Ein Zittern ging durch ihren schmalen Körper und sie zog den Umhang enger um die Schultern, doch es half nichts.

Wieder gingen ihre Gedanken zu dem Gespräch zurück, welches sehr lange gedauert hatte.

Zyran war tot. Warum wußte man nicht, doch hatte Darna ihr die genauen Umstände seines Auffindens erläutert. Eine Träne lief ihre Wangen hinunter, die sie eilig weg wischte.
Was war los in letzter Zeit? so viele, die sie kannte, gingen zu den Göttern... sie hatte Zyran nicht gut gekannt, leider hatte es nicht so viele Gelegenheiten gegeben. Und doch.. er war Nurias Bruder. Und Nuria ihre Lehrmeisterin, ihre Freundin und Vertraute. Dies war es, was sie am meisten schwerzte. Sie hatte Darna versprochen, es Nuria zu sagen. Ihr zu erzählen, wie er aufgefunden wurde, wo sein Körper nun verweilte und was weiter geschehen sollte.... sie würde es ihr sagen, sie würde ihr Wort halten... nur wie? Sie hatte sie schon seid vielen Tagen nicht mehr gesehen, sie war gegangen, ohne ihr Bescheid zu sagen, was nur sehr selten vorkam. Dies an sich war schon Grund zur Besorgnis genug. Doch.. wie sagte man jemandem, daß der letzte Verwandte tot sei?
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