Feuer – Brennen – Schmerz. Das schoss Crean als erstes in den Kopf, als er spät am Morgen erwachte. Um so mehr verwunderte es ihn, dass er in Wirklichkeit garnichts spürte. Hatte er nur geträumt? Um sich zu vergewissern, betastete seinem Hals. Kein Traum. Unter seinen Fingern fühlte er rauen Schorf. Aber die Wunde war taub. So taub wie seine rechte Schulter, das merkte er jetzt. Crean konnte seine Finger und seinen Arm bewegen, die Schulter aber glich einem Stück Holz, das seinen rechten Arm am Körper hielt.
An der Wand lehnte seine Rüstung. An der Schulter war die Platte lang aufgerissen. Was war das für eine Waffe, die den sorgfältig verarbeiteten Diamantstahl wie ein dünnes Blech durchtrennt hatte?
Und wie dumm und töricht war er gewesen? Wie schwach, dass er sich zu einem Kampf hatte hinreißen lassen. Nur das Schwert vermag die Wahrheit zu unterdrücken... Was für ein ausgemachter Unsinn! Aber er hatte gehofft, dass diese Magd des Bösen ihr Schwert ziehen und seiner Worte Wahrheit zeugen würde. Was war in ihn gefahren? Kaum etwas verachtete Crean mehr, als den sinnlosen Kampf. Hatte SIE ihn dazu getrieben? Hatte der sprühende Hass, der von den Dienern des dunklen Gottes ausging, ihn berührt, ohne, dass er sich hatte wehren können?
Die Gedanken begannen ihn zu quälen. Er schloss die Augen und fand seine Flucht im leisen vertrauten Gebet.
Oh Temora, gerechte Tochter
Ich danke Dir
für den Pfad der Tugend, den du offen vor mir danieder legst
Ich gelobe, nicht von ihm zu weichen,
auf dass andere dem Weg folgen mögen
Viele hatten ihn vor dem Dorf beobachtet. Nein, diesen Kampf zu führen war nicht tugendhaft. Es war nicht SEIN Weg.
Ich danke Dir
für die Hoffnung, die du in mir weckst
Ich gelobe den Menschen in dunklen Zeiten ein Licht zu sein,
auf dass auch sie Hoffnung schöpfen
Licht? Hoffnung? Blut und einen unnötigen Kampf... den Triumph des Panthers...
Ich danke Dir
für deine schützende Hand, denn der Glaube ist mir Schild und Klinge
So gelobe ich, der Menschen Schild zu sein
und sie in Zeiten der Not mit dem Schwert in der Hand zu verteidigen
Zu Recht hat sie mir ihre Gunst versagt. Kein Kampf in ihrem Namen. Niemand war zu verteidigen. Es war meine Überheblichkeit.
Ich knie in Demut
So sei es
Crean viel wieder in einen unruhigen Schlaf. Beinahe hätte die Ritterin ihn getötet. Doch die Last auf der gläubigen Seele wog schwerer und quälte ihn mehr als sein Körper es je hätte vermocht.