Dunkel war es, als Darion Elianor noch aus dem Haus ging, um nochmals Frischluft zu schnappen und den klaren Nachthimmel zu geniessen. Nur wenige Schritte aus seinem Haus heraus wurde er schon auf einen schleifenden Schritt aufmerksam. Als er seinen Kopf drehte, um zu schaun, was passiert sein mag, kam ihm schon ein Mann entgegen, ungefähr so gross wie er, mehr konnte er zunächst in der Dunkelheit nicht erkennen.
"Einen Heiler ..." flüsterte es ihm kraftlos entgegen. "Vivian" schoss es Darion durch den Kopf. "Die Heilerin von Bajard kann ihm sicher helfen" dachte er sich. "Nehmt meinen Arm, ich führe euch zu jemandem, der euch helfen kann". So stütze er den Verletzten, dessen Bein eine klaffende Bisswunde eines wohl tollwütigen Tiers aufwies. Doch was ihn erwartete als er dem verwundeten die Türe öffnete, darauf war er nicht vorbereitet: Vivians Haus war leer, nichts mehr war da. Weder die Tücher auf dem Boden, noch die Wasserschalen noch die Heilerin. Etwas ratlos standen die beiden nun da, das Gesicht des Kranken war deutlich von seiner zehrenden Krankheit gezeichnet und wurde nun noch von Hilflosigkeit überzogen. "Habt ihr ein Pferd ?" fragte Darion. "Nein, Pferde sind teuer" flüsterte der Kranke zurück. Darion überlegte einen Moment und sprach dann, "Ich werde euch das Meinige anvertrauen. Es ist ein starkes Pferd das euch bis vor die Pforten eines Heilers tragen wird. Sucht euch einen Heiler und bringt es mir anschliessend unversehrt zurück." Sie liefen zur Wache und Darion half ihm noch auf das Pferd. "Reitet geschwind, kommt gesund zurück und achtet auf mein Pferd" rief er dem davonreitenden noch nach. Er stand noch kurz da, bevor die Kontur des Reiters in der Nacht verschwunden war.
Nachdenklich ging er zu seinem Haus zurück. Er war sich unsicher, ob er das Richtige getan hatte. Sicherlich war ihm jemand begegnet, der seine Hilfe dringend benötigte, doch gab er sein Pferd, eine Gefährtin, die ihn schon lange begleitete, die ihm schon mehrmals das Leben bewahrte in die Hand eines unbekannten. "Hoffentlich habe ich mich richtig entschieden, hoffentlich kommt sie wohlbehalten zurück. Viele seiner Gedanken kreisten um seine treue Weggefährtin Finja. In dieser Nacht sollte Darion Elianor schlecht schlafen und wenig Ruhe finden, immer mit einem Ohr auf das trotz der nächtlichen Kälte geöffnete Fenster, ob draußen nicht das schauben seines Pferdes zu hören sein mag, dass der Fremde wohlbehalten zurückbringt.