Nach all den Jahren: Endlich Rache

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Viola Ser´Rhal

Nach all den Jahren: Endlich Rache

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Es war ein warmer Tag als in dem kleinen Städtchen mit dem Namen „Loronia“ die Leute ein- und ausgingen um den hiesigen Markt zu besuchen. Es herrschte ein geschäftiges Treiben, die Händler boten ihre Waren an und interessierte Käufer besichtigten das große Angebot an unterschiedlichen Handelsgütern, über die feinen Hemden der Schneidereien bis hin zu den edlen Waffen der Schmiede. Loronia lag weiter entfernt von Gerimor, um ganz genau zu sein war es eine kleine Insel im Osten, die Stadt ein Hort der Neutralität, hier fanden sich alle Arten von Menschen, unterschiedlichsten Glaubens und auch Gesinnung.
Eine jene Person die gerade pfeifend über den Markt schlenderte war braun gebrannt von der warmen Sonne, der Mann hatte nur einfache Stoffkleidung an und sah sich mit einem Pfeifen auf den Lippen gerade ein paar frische Äpfel an. Das lange, schwarze Haar fiel ihm in den Nacken und ein Lächeln umspielte das bereits leicht ältere Gesicht. Er war seit einigen Jahren nun Bewohner dieser Stadt und damals hergekommen weil er auf der Flucht war, das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Handels welcher ihm keine andere Möglichkeit gab als schnellstens das Weite zu suchen. Nun hatte er sich hier niedergelassen, er genoss sein Leben und es gab fast nichts Schöneres als den ruhigen und friedlichen Alltag.


Nicht fern von ihm stand eine junge Frau an einem der Stände. In der Hand hielt sie ein paar Schreinerwaren, doch jene waren nicht das eigentliche Interessante für sie. Ihre Augen wanderten immer wieder zu dem Mann, die Augen fixierten ihn und ab und an strich sie sich ein paar Strähnen des rabenschwarzen Haares aus dem Gesicht. Viola Ser’Rhal war weit ab von Zuhause, Loronia war jedoch kein Urlaubsort den sie sich auserkoren hatte um etwas an Abstand zu gewinnen, nein, sie war hier aus persönlichen Gründen und seit jenem Moment an dem sie diesen Mann wieder gesehen hatte, wusste sie dass sie am Ziel war.
Sie kannte seinen genauen Namen nicht, damals hatte man ihn nur Jared genannt. Er war es der damals die Fäden gezogen hatte, er war derjenige der sie damals mit seinen beiden Kumpanen verfolgt hatte, sie niederschlug und sie mit zerrte. Er war es gewesen der sich an ihr vergriffen hatte, der sie anspuckte und geschlagen hatte und ihr klarmachte dass er sie als Sklavin verschiffen würde. Wieso? Sie war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen. Er war es auch gewesen der ihr damals das heiße Brandeisen auf den Bauch drückte und dort für immer ein eingebranntes Muster hinterließ; eine Rose, eingebrannt in ihr Fleisch.

Jared war der einzige seiner Kumpanen der heute noch lebt. Viola konnte gerettet werden, er war geflohen, hatte seine Mitstreiter verraten und sie einer wütenden Meute Tiefländer überlassen die sie förmlich ausgeweidet hatten. Noch zu gut blieb ihr das Gemetzel im Kopf dass Falk damals hinterlassen hatte, aber Jared war fort und nie wieder gab es ein Zeichen von ihm; bis jetzt.

Bestimmt war es nur der reine Zufall gewesen aber sie war an ein Kopfgeldaushang geraten, seine Zeichnung, sein Name und auch sein etwaiger Aufenthaltsort; Loronia, Stadt der Flüchtlinge. Er hatte sich hierhin verkrochen, er wiegte sich hier in Sicherheit aber diese Sicherheit würde enden. Viola hatte ihn verfolgt, sich durchgefragt und auch einige Münzen springen lassen, nun war dieser Bastard zum Greifen nahe und sie konnte ihn nicht töten, zuviel Ärger hätte es bedeutet. Aber sie würde sich alle Zeit der Welt gönnen, sie hatte all die Jahre immer darauf gehofft ihm all die Schmerzen heimzahlen zu können.

Was würden da nun ein paar Tage mehr oder weniger noch ausmachen? Die Rache würde letztendlich die Ihre sein und sie würde ihn nicht einfach nur töten. Er würde leiden, leiden für jeden Schlag, jedes bisschen Speichel und jede Sekunde des unendlichen Schmerzens als man ihr das Brandeisen auf das Fleisch presste. Er würde leiden, er würde sterben wollen … und sie würde endlich ihre Rache kriegen. Bald.
Viola Ser´Rhal

Beitrag von Viola Ser´Rhal »

Geduld war eine Tugend, eine Tugend die Viola nur sehr schwer einhalten konnte. Die Tatsache dass sie Jared beinahe jeden Tag durch die Stadt wandern sah, so nahe und doch so unerreichbar, machten alles noch etwas schwerer, aber sie fing an den Mann zu studieren. Sie fragte sein Umfeld aus, mehr beiläufig, sie freundete sich mit einigen Einheimischen an, versuchte hier und da etwas über den Mann herauszufinden der ihr das Leben zur Hölle gemacht hatte. Letztendlich wurde ihre Geduld und ihr Ehrgeiz immer wieder mit kleinen Informationsbrocken belohnt, so erfuhr sie zum Beispiel dass Jared hier als Jäger lebte und sein Gold verdiente. Er jagte Tiere, häutete sie und verkaufte Leder und Fleisch, etwas was zu dem Sklavenhändler zu passen schien, einmal Jäger, immer Jäger.
Auch erfuhr sie von seiner Leidenschaft für die deutlich selteneren Wildtiere in der Umgebung, denn Loronia hatte eine vielfältige Fauna aufzuweisen, ein kleines Paradies für einen jeden Wilderer und dies war die Grundlage ihres Planes. Sie machte sich schlau über jene Tiere, ihren Namen, die Gewohnheiten, alles was ihr wichtig und interessant erschien, wurde niedergeschrieben wenn sie mit den Einheimischen sprach und aus einer kleinen anfänglichen Idee spann sich ein ganzer Plan hervor.

Viola wollte den Sklavenhändler aus der Stadt locken, fernab jeglicher Sicherheit. Die Tatsache dass er seit Jahren hier lebte und es anscheinend keine Zwischenfälle gab, jedenfalls wusste niemand etwas Ungewöhnliches zu berichten, schien ihn deutlich in Sicherheit zu wägen, er wurde unvorsichtiger und sie würde diese Schwäche ausnutzen, eiskalt. Es fing simpel an, sie setzte im nahen Umfeld Jareds das Gerücht in Umlauf, eine kleine Herde einer seltenen Wildtierart hätte sich in einem der Wälder nördlich der Stadt breitgemacht. Der ambitionierte Jäger erfuhr natürlich davon, war Feuer und Flamme als er es hörte und die Falle war gesetzt, nun musste sie nur noch zuschnappen.

Es war früher Morgen als Viola auf die Lichtung blickte. Sie hatte sich im Dickicht der Bäume versteckt, sie wartete nun schon seit Stunden regungslos, eine wahre Geduldsprobe wie es sich herausstellte doch es musste gelingen, es gab nur einen Versuch. Würde der Jäger nichts vorfinden, würde ihn ein zweites Gerücht nur misstrauisch machen, der Vorteil seiner absoluten Selbstsicherheit würde nicht mehr vorhanden sein und Viola wollte nicht erfolglos nach Hause zurückkehren, sie durfte einfach nicht.
Nach einigen Stunden der weiteren Warterei hörte sie jedoch Schritte, jemand näherte sich. Sie machte sich kleiner, ergriff den Bogen und wartete ab. Erst wuchs die Enttäuschung als sie dachte, es wäre nur einer der anderen Jäger, aber als sie dann das Gesicht der sich nähernden Gestalt erkennen konnte, wuchs die Vorfreude immer mehr; es war Jared und er bewegte sich mit suchenden Blick auf der Lichtung herum. Wie erwartet hatte er jedoch etwas völlig anderes im Blick als Viola; er wollte Wildtiere schießen die hier eigentlich rasten sollten und so entrann ihm ein herzhaftes Fluchen als er nichts vorfand.
Viola kniff nun die Augen zusammen, ihr Atem ging langsamer als sie nach dem Pfeil griff und ihn in die Sehne einspannte, Konzentration, sie hatte nur diesen einen Schuss, danach würde es kritisch werden. Die Sehne spannte sich und sie kniff die Augen zusammen, er stand nicht weit entfernt von ihr und gerade als er sich ihr zudrehte und in etwa in ihre Richtung blickte, ließ sie den Pfeil fliegen. Mit einem surren flog der Pfeil auf sein Ziel zu und traf; mit einem schmatzenden Laut traf der Pfeil sein ungerüstetes Ziel direkt in den Magen, ein schmerzverzerrter Laut verließ Jared ehe er auf den Rücken fiel.


Binnen weniger Sekunden stand Viola über den Mann, in der rechten einen Dolch. Als sie ihn erreichte sauste als erstes die Stiefelspitze ihres rechten Fußes in die Seite ihres Kontrahenten, was ihn aufstöhnen ließ. Er starrte panisch auf, bettelte um sein Leben so gut es ihm in dieser Verfassung möglich war. Er stammelte etwas von Familie, von Gold dass er hätte und es schien wirklich so als ob er sie nicht erkannte Das zweite mal trat sie zu, das zweite mal grunzte der Mann schmerzhaft auf, und jedesmal wenn er versuchte sich irgendwie aufzurichten folgte der nächste Tritt. Es war schon beinahe ein mordlustiger Blick in ihren Augen, sie hatte ihn dort wo sie wollte; wehrlos am Boden und nun war er ihrer Gnade ausgeliefert, einer Gnade die nicht vorhanden war.

„Sieh mich an du Bastard … sieh mich an! Erkennst du mich nicht?!“ brüllte sie ihm entgegen. Der Mann starrte sie panisch an, fragte stammelnd ob sie eine ihrer Liebhaberinnen gewesen sie die er betrogen habe, was ihm nur einen weiteren Tritt einhandelte. Viola merkte jedoch dass sie vorsichtig sein musste, zwischendrin schien der Mann kurzzeitig wegzudämmern, die Ohnmacht wollte ihn packen, doch jedesmal wenn er schläfrig wurde verpasste sie ihm eine Ohrfeige. Er schrie wie am Spieß und vielleicht hörte man sie auch, aber es war ihr egal, in diesem Moment war alles um sie herum egal, es gab nur sie und Jared. Sie kniete neben ihn nieder und zog das Hemd leicht hinauf, präsentierte ihm das Brandzeichen und nun schien es ihm zu dämmern. Er schüttelte heftig den Kopf, begann zu schreien, seine Augen weiteten sich so sehr dass Viola dachte sie würden ihm jeden Moment aus den Höhlen fallen, er sagte es wäre nicht seine Idee gewesen, er wäre nur ein handlanger gewesen.
Er log und spann sich Geschichten zusammen, er stammelte, seine Stimme war zittrig und die braungebrannte Farbe wich aus seinem Gesicht, er wusste was kommen würde, er wusste dass sie ihn nicht gehen lassen würde. Der Dolch i ihrer Rechten sank nieder, der kalte Stahl begann sich an seinen Hals zu drücken, ganz gleich wie sehr er versuchte sich zu wehren, die Verletzung machte ihm zu sehr zu schaffen. Er wurde hysterisch schrei, flehte um Gnade ehe sein Schreien in einem erstickten Gurgeln unterging.

Viola zog den Dolch einmal von links nach rechts, langsam und sie genoss es. Es war eine perverse Art von Befriedigung, all der Hass, all die Wut auf diesen Mann, mit dieser Bewegung die ihn sein Leben nahm flossen diese Gefühle aus ihr, gaben ihr den nötigen Anschwung zu tun was sie sonst niemals einfach in der Lage zu gewesen wäre. Die Augen waren zu Schlitzen verengt, sie sah auf die blutige Wunde, drückte das Messer tiefer und tiefer nur um dann innerlich so etwas wie eine tiefe Genugtuung zu verspüren, als der Körper leblos zusammensackte.
Als sie die Hand zurückzog war Blut an ihr, sein Blut. Fühlte sie sich nun schlecht? War es so wie viele sagten, dass Rache nur im ersten Moment etwas Gutes war und am Ende nicht mehr als Leere und Ärger brachte? Nicht im Geringsten, sie fühlte sich erfüllt, befriedigt und gut, all jene Schmerzen hatte sie zurückgezahlt. War sie nun besser als dieser Kerl vor ihr? Ja, sie war es, sie übte Vergeltung für das was er tat, sie hatte nicht den ersten Schritt getan. Ein fast schon zufriedenes Grinsen umspielte ihre Lippen ehe sie sich gänzlich aufrichtete und die Lichtung verließ.


Einige Stunden später stand sie am Hafen Loronias und sah auf das Meer hinaus. Das Blut war immer noch an ihren Händen, sie hatte sich entschieden es noch nicht abzuwaschen, es an ihrer Haut zu behalten bis das Schiff ankommen würde. Vielleicht hatten einige Leute verstanden was heute mit Jared geschehen war, als er selbst nach Stunden an seinem Stammplatz in der Taverne nicht auftauchte. Vielleicht wussten einige, dass jene junge, neugierige Frau an seinem Verschwinden beteiligt war. Vielleicht hatten einige das Blut gesehen und Eins und Eins zusammengezählt, sie als die Mörderin entlarvt. Doch es war wie immer in der Stadt der Neutralen; es interessierte niemanden.
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