Der Tod muß warten..

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Joanna

Der Tod muß warten..

Beitrag von Joanna »


-Schmerz –

-ein treffendes Wort in diesem Augenblick...


Sie erwachte, schweißgebadet, atemlos und zu keiner Bewegung fähig. Es war dunkel, dachte sie zumindest, solange, bis sie bemerkte, dass man die Augen öffnen mußte, um sehen zu können. Mühsam schlug sie die bleischweren Lider auf, nur um zu erkennen, dass es tatsächlich stockdunkle Nacht war. Sie fühlte sich ekelerregend, wie einmal durchgekaut und wieder ausgespuckt, ihr Körper gleich einem einzigen schmerzenden Fleischklumpen.
Eine einzelne Fackel erhellte den Raum und tauchte ihn in schummrige Düsternis. Trostlose Schatten tanzten über die modernden Wände, ein feucht -klammer Geruch nach Blut, Verwesung und Tod lag allgegenwärtig in der Luft. Es mussten Stunden vergangen sein, in denen sie nichts weiter tat, als zu atmen und die Decke anzustarren, von der vereinzelt Wassertropfen fielen. Zumindest äußerlich machte es den Anschein, in ihrem Inneren aber brodelte es. In einer tranceartigen Starre gefangen, streckte sich ihr Geist flehend nach ihrem Herren aus, unterwürfig, anbetend, er möge ihr Leben noch nicht, nicht auf diese Weise enden lassen. Und eine Antwort folgte. Mit dem Lied der Allmutter, verzerrt, verändert und überschwemmt, von einer dunklen, chaotischen Macht, fiel ihr Körper daraufhin in eine Art Selbstheilungsprozess, der anstrengend und schmerzhaft zugleich war. Lebensbedrohliche Wunden, wucherten langsam zusammen und verhinderten damit das schlichte Verbluten. Hässliche Narben würden bleiben, aber davon hatte sie ohnehin schon viele und im Grunde war es ohnehin Einerlei.
Erst dann, als ihr Körper sich ein wenig regeneriert hatte, fiel ihr auf, wie unangenehm feucht und kalt der Steinboden war, auf dem sie lag. Frierend und zitternd, ob der Kälte, die bereits unter die Kleidung gekrochen war, quittierte sie die Schwäche ihres eigenen Körpers mit einem verärgerten Schnaufen.
In ihren Erinnerungen forschend, suchte sie nach einer Erklärung warum sie überhaupt hier lag, aber da war nichts außer wirre Gedankenfetzen, die sich kaum zu einem schlüssigem Ganzen formen ließen. Und gerade als die Antworten in ihrem Geist, zum greifen nahe rückten, wurde sie von einer Müdigkeit überrollt, die ihr schwarz vor Augen werden ließ. Ein langer, gequälter Schrei, eines Wesens, das weder lebte, noch die Umarmung des Richters genießen durfte, ließ sie die Augen ruckartig wieder aufreißen.
Nein, sie konnte sich derzeit nicht damit beschäftigen in der Vergangenheit zu wühlen, sonst wäre sie sehr bald, sehr schnell tot – und das galt es zu vermeiden, zumindest vorerst – schließlich hatte sie noch zu tun, hier auf der Irdischen.
Tatsächlich schaffte sie es sich irgendwie aufzusetzen, die Strafe darauf folgte jedoch sofort, in Form einer übelerregenden, kaum erträglichen Welle des Schmerzes. Hart kippte sie zur Seite um, ein leises Wimmern drang aus ihren Lippen und wandelte sich wenig später, in einem Anflug aus Verzweiflung und Wahnsinn, in ein wirres Kichern.


Schmerz ist nur eine lästige Emotion – die kommt, wenn man sie am wenigsten benötigt und erst wieder geht, wenn es ihr passt.
Ich höre sie...ihr Jammern und Stöhnen – ihr Gieren nach Fleisch und Blut ...sie sind nah, aber noch bin ich am Leben, noch wagen sie es nicht ihre fauligen Finger nach mir auszustrecken.
Schlafen...du musst schlafen...ruh dich aus.
Tröstender, heilender, verschwenderischer Schlaf...
Zuletzt geändert von Joanna am Mittwoch 9. April 2008, 19:03, insgesamt 2-mal geändert.
Joanna

Beitrag von Joanna »

Aufzeichnungen, erfolgt von J.,
am 12. Wechselwind, 251:




Endlos seien Deine Wege,
Dunkelheit umschließe Dich,
Zeit sei bis zum Morgentau,
Und der Fluch verbannt das Licht...



Tage sind es nun schon, die ich hier zwangsläufig verbringen muß. Die alten Ruinen, gleich neben dem Abstieg zu den Katakomben, sind zu meiner Zufluchtsstätte und einem gut bewährten Versteck geworden, während sich mein Körper von den Verletzungen erholt. Selten, dass sich hier jemand her verirrt und wenn doch, so scheint es in niemandes Interesse zu liegen, diese Gebäude genauer zu erforschen. Jene, die sich hier herwagen, sind meist junge, übermütige Krieger, die sogleich in die unteridischen Gewölbe hinabsteigen, um ihr Seelenheil darin zu finden, die Existenz der Untoten, zumindest für einen gewissen Zeitraum, zu beenden.

Sehen sie nicht, dass sie gegen etwas kämpfen, das nicht zu vernichten ist?

Die verfallenen Mauern gaben mehr preis, als zuvor gedacht. In einem zerfallenen Bücherregal, fand ich Schriften, dessen Inhalt ich zu erforschen noch nicht vermochte. Die Schrift ist alt und kaum noch leserlich, so wird es also eine Weile dauern, um herauszufinden, ob das Wissen in diesen Büchern überhaupt brauchbar ist. Aber Zeit habe ich vorerst genügend.

Ärgerlicherweise hält der menschliche Körper kaum sonderlichen Belastungen stand. Der Kampf, in den mich dieser wilde Barbar verwickelt hat, hat seinen Tribut gezollt. In der Heilkunst nicht sonderlich bewandert, bin ich mir immer noch nicht sicher, ob sich mein Bein jemals wieder anständig nutzen läßt.
Offenbar scheint dieser Wilde Gefallen daran gefunden zu haben, mich zu belästigen. Verwunderlich, dass solch ein primitives Subjekt, über Mächte verfügt, die mir gänzlich schleierhaft sind. Ich vermute es handelt sich um eine Art Naturmagie..auch ein Thema, in welchem ich nicht bewandert bin...

Warten - bringe ich die Mühe auf, es zu hassen?




[lyric: Tanzwut - der Fluch]
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