Beginn an der Wurzel – das Land, aus dem Angur kam

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Jall-Argayth MacAgrona

Beginn an der Wurzel – das Land, aus dem Angur kam

Beitrag von Jall-Argayth MacAgrona »

Das Fleckchen Land war schon in den Wintermonaten auserkoren worden. Es war unbebaut, verlassen, doch so reich an Rohstoffen, dass es den meisten Anguren die Sprache verschlug. Teils lehmiger Boden, reichlich Bäume und fischreiche Gewässer sofort in der Nähe. Weit abseits des wirren Trubels in den Städten. Jener Ort, dies stand schon seit der ersten Erkundung fest, sollte vorläufig das Volk der Anguren ernähren, schützen und wohl auch repräsentieren. Schon in den ersten eindeutig warmen Tagen – demnach, wenn die Anguren sich schon für den Frühling kleideten – hatte Jall eine kleine Vorhut in die Weiten des Landes geschickt, um erste Vorbereitungen zu treffen.

Man gehorchte ihm, denn er war Mimir. Das bedeutete leider kein Wohlwollen, keinen Respekt, wie er ursprünglich im Volk für die Seinen vorherrschte. Als MacAgrona kreidete man vor allem ihm den harten, tödlichen Winter Fuachteros an, gab ihm die Schuld für das Leid und die Zerstörung. Das Unwissen des Clans über den Bau einer Siedlung, das fehlende handwerkliche Geschick, ließ keinen der „Blaukilte“ in einem besseren Licht stehen. Als Kriegerclan waren sie es gewesen, die sonst andere Anguren aus ihren Dörfern vertrieben und sich einzig damit begnügten, verlassene Bauten neu zu beziehen. Das Wissen eines MacAgrona beschränkte sich auf Flickarbeiten am Bau.

Nun galt es, aus Bäumen und Lehm, aus ein wenig Gestein und starken Seilen, mit den Werkzeugen eines Handwerkers, eine Bleibe zu errichten.

Gemeinsam.

Vielleicht war dies die größte Hürde für manche Clans: Der Stolz gebot die natürliche Annahme der Überlegenheit gegenüber allen anderen Anguren und sowieso gegenüber dem Rest der Welt. Diese Gedanken waren es, die in den ersten Tagen immer öfter zu Rangeleien der wieder erstarkenden Kerle und Weiber führten, denn zu einem effizienten Vorankommen. Statt eines Lagerfeuers, gab es auf dem gesamten Baugrund verstreut an den ersten Abenden dutzende kleiner Feuerkuhlen, an denen sich nicht selten nur zwei oder drei Arbeiter die starken Pranken wärmten. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Blutslinien waren eindeutig. Ein anderes Muster auf dem Kilt reichte, um selbst in dieser Ausnahmesituation die Stimme verstummen, jede Hilfsbereitschaft ersterben zu lassen.

An den Feuern wurde gemurmelt, voller Misstrauen ob der Nähe fremder Anguren. Insbesondere die MacAgrona hatten sich in ihrem Grüppchen abseits scheinbar damit abgefunden, nach erfolgreichen Prügeleien am Tage einfach fern der anderen am Wasser zu hocken und sich die eigenen Zähne und Kiefer zu befühlen. Worte aus dem Munde eines MacAgrona-Mimir waren wenig überzeugend für einige der Anguren aus der Hafenstadt Andraste oder gar aus Ith. Selbst dem symbolischen Exil Jalls maßen sie wenig Bedeutung bei, wenn er sich völlig alleine an seine eigene Kuhle setzte. Schließlich war es dann nur eine Stimme unter vielen, ob Kerl, ob Frau, das konnte der Alte nicht mehr sagen, die dem unwirklichen Schweigen ein Ende bereitete.

„Da stand’r nu, da stand’r nu!“

Mehr war nicht nötig, denn diese Worte, klar und laut gesungen, schienen jede Mauer zwischen den einzelnen Lagerstätten einzureißen. Es war diese Stimme, die das Schweigen hinfortfegte, denn schon im nächsten Moment donnerte es aus dutzenden Kehlen weit über die Ebenen:

„So groß, so stark, ein Bild von Mann!
Hob des Schwert, hob’s, schlug zu!
So fest, wie’s nur der Angur kann!“


Ohne es bemerkt zu haben, hatte auch Jall in den Gesang eingestimmt und schien sich bereits im jugendlichen Eifer mit den Kehlen anderer Anguren messen zu wollen. Die steinernen Gesichter bröckelten, das erste Mal seit ewigen Zeiten lachten sie. Kinder, Greise, Frauen, Kerle. Grimmig die Zähne zeigend, stellten sie sich der ungewissen Zukunft.

„Kommt her, zeig uns ‘nen Gott, denn
Wir warten schon auf euch!
Bringt uns die blinden Bekloppten!
Auf dass unser Gesang se alle verscheuch!“


Schon einen Abend später waren es nicht mehr die ausgeschlagenen Zähne, die man stolz aufzählte, sondern gefällte Bäume. Was über Wochen stillstand, wuchs nun mit jedem Tag. Eine andere Art von Wettbewerb entstand aus dieser einen Nacht der Einigkeit und so verwunderte es kaum, dass die ersten Grundlagen für Hütten und Befestigungen bereits wenige Tage später stur in den blauen Himmel ragten und fast schon anmaßend frech das Überleben der Anguren verkündeten.

Sie waren noch lange nicht am Ende.
Elayoe War´svalvar

Beitrag von Elayoe War´svalvar »

Wenn Elfen Einzug halten in Länder, welche ihnen zwar nicht fremd, aber nur wenig vertraut waren.

Es war nun wohl schon den einen oder anderen Sonnenlauf her, dass sich die nicht gar so alte Elfe dieses Gebiet angesehen hatte. Doch kaum mehr als einige unbelaubte Äste mochten die Bäume tragen, kaum mehr als zwei Hände voll konnte sie zählen. Und doch würde sie einige Zeit hier verweilen müssen.

Jall hatte viel Kummer in der letzten Zeit, da sie ihn sah. Und das war ihr sicher nicht zum Wohlgefallen. Denn wie sollte sie etwas über diese Kultur erfahren, wie etwas über ihre Sitten und ihre Sprache lernen, wenn diese riesigen Mensche sich hinter ihren Palisaden verkrochen und nur sehr schlecht gelaunt ab und an heraus sahen?

Nein, sie würde wohl nun, ob der Umstände der letzten Zeit etwas mehr Zeit hier verbringen müssen. Und vielleicht sollte es ihr ja auch gelingen die Bäume und Gräser dieser Umgebung wieder in eine bessere Laune zu versetzen. Aber waren diese Probleme alle so leicht zu erklären, wie sie sich diese einzureden versuchten?

Die nächste Zeit würde es zeigen.
Jall-Argayth MacAgrona

Beitrag von Jall-Argayth MacAgrona »

Der Bär wetzt die Krallen

Jall blickte, wie so oft in den letzten Tagen, in die Flammen. Er saß dort am Feuer im Zentrum des Lagers und schien das rege Treiben ringsum einfach zu ignorieren. Ja, man rüstete sich wahrlich für eine Schlacht, hob neue Gräben aus und fällte noch mehr Bäume, schliff die Äxte und bemalte die Schilde. Junge Anguren, gleich welchen Geschlechts, wurden von alten Kriegern notdürftig in einigen Finten unterwiesen, galten als Kampftauglich, kaum dass sie eine Axt schwingen konnten. Selbstverständlich sammelten auch die Frauen ihre Rüsten zusammen, während Heilbegabte und die zwei Mimir über Tage hinweg Kräuter gesammelt hatten. Einen Angriff würde Jall nicht wagen, er ahnte, dass das Dorf Adrians eine zu große Widerstandskraft haben würde gegen die verbliebenen Anguren. Sowieso waren Kriege auf dem Festland anders: Mauern, die höher als jedes angurische Haus waren, ließen jeden Angreifer scheitern. Stein, statt Holz. Der Mimir war nicht dumm. Er bemerkte die Defensive, wusste, dass nur einfaches Feuer und ein angurischer Ansturm niemals reichen würden. Trotzdem hatten sie offensichtlich die Dummheit der kleinen Menschen auf ihrer Seite.

„Mimir, de Schilde sind fertig. Mer hab’n se eingeschmiert mit de Zeug und bemalt.“ „Hängt se hin. Wo bleibt der MacIrtain?“ „Is gesichtet word’n, hat den Bären. Is zwar nur’en schwarzer und klein, ab’r es wird reich’n – od’r?“ „Wenn’ch’s nich besser wüsste, fragt da Zweif’l und Angst. Willst lieb’r fisch’n, wenn die Brüd’r und Schwest’rn kämpf’n?“ „Mimir, de weißt, dass de Mac-..!“ „Angur’n zweif’ln n’ch. N’ch, wenn de Ahnen so nah sind.“ Der Mimir erhob sich, deutete dem Schmied, mitzukommen. Die Ahnen waren nah – die Anguren wussten, dass bald schon sehr viele von ihnen ihren Altvorderen begegnen würden. Es war somit keine Laune der Mimir, dass allabendlich die Gesänge der Anguren von dunkler Inbrunst waren, wenn jene sich an ihre Vorfahren wandten, um Kraft und Geschick in den kommenden Tagen und Wochen zu erbitten. Tierblut wurde den Flammen gegeben, während alte Geschichten wieder auflebten. Es war die Aufgabe der Veteranen, Clans- und Totemkrieger, den Jungen von ihren Schlachten zu berichten. In diesen Tagen fanden sich viele, die jedem Skalden die Zuhörer streitig gemacht hätten mit prächtig ausgeschmückten Erzählungen über meisterhafte Axtkunst und die blanke Angst der Feinde. Vielleicht war es dabei die erzwungene Nähe, die aus Geschichten alter Clansfehden den Kampf gegen Orken, Schwarzdrachen oder Pimpfen machte.

In dem Lager herrschte eine morbide Freude vor. Junge Kerls wetteiferten großspurig darum, wie viele „Pimpfen“ sie mitnehmen würden in die Nachwelt als ihre Beute und ewige Diener, einige ereiferten sich sogar so weit, dass sie nicht mehr von einzelnen Menschen sprachen, sondern mit einem Hieb ein gutes Dutzend vernichten wollten. Das ausgelassene Rangeln jedoch gab es nicht mehr und jeder einzelne Angure schien trotz des Lachens und Höhnens alles andere als leichtsinnig. Jeder war aufmerksam, trug schwere Rüste am Mann und sicherte fast schon intuitiv das Lager, wenn es ihm möglich war, als Späher und Wache. Man durchforstete das verbliebene Wäldchen vor den Palisaden immer wieder, legte Wildfallen an - die unter Umständen gar nicht zum Fangen von Tieren gedacht waren - und entfernte so gut es Ging das Unterholz und zu dichtes Buschwerk.

Mehr und mehr Salz wurde verbraucht, um das Fleisch zu trocknen, Unmengen an Behältnissen wurden unweit des Wassers aufgestellt, während einige Nordmänner sich daran machten, die Palisaden und Gebäude mit einer Paste einzustreichen, die neben ihrem wahrlich übelkeitserregenden Gestank die wundersame Eigenschaft hatte, Holz und Leder widerwärtig Feuerfest zu machen – jedenfalls für einen gewissen Zeitraum. Das Wissen vieler Clans ging ein in mehr oder minder effektive Verbesserungen der Verteidigung und abermals konnte der Clan MacAgrona nur Vorschläge ausführen. Keiner der „Blaukilte“ verstand sich auf die Verteidigung eines Ortes, wenn es über das Angreifen aus diesem Ort hinaus ging. Mittlerweile jedoch hatten sich die restlichen Clans mit der offensiven Attitüde abgefunden. Es gab zu viel zu tun, um sich zu streiten. Alle Lagerbewohner wussten, dass bald schon jedes Quäntchen Kraft gebraucht werden würde, um dem Ansturm feiger Zwerge widerstehen zu können.

Argail und die restlichen MacAgrona hatten in den zurückliegenden Wochen im Lagerleben immer wieder gezeigt, wo ihre Stärken sich fanden – im Kampf. Spielerische Rangeleien stellten dies meistens sehr gut dar und so verwunderte es Jall im Vorbeigehen nicht, dass eben Argail und Elryk dort standen, um fünf oder sechs anderen Anguren in einer Übung den Umgang mit dem Schlachtenhammer zu zeigen. Selbst in dieser schwarzen Stunde konnte Jall lachen, lachen über die Gesichter der Jungspunde, wenn sie sahen, wie vernichtend die Erfahrung des bald greisen Argail einwirken konnte auf den jugendlichen Eifer Elryks. Vielleicht war dieser Schreck von Nöten, um sie achtsam werden zu lassen. Der Feind würde nicht so schwach sein, wie es den Anschein hatte.

Aus dem Grübeln riss ihn ein plumper Ruf: „Eh, Mimirtain! Mer brauch’n noch zwei Arme vor de Palisad’n, de Kuhlen weiter auszuheb’n!“ Der größte Unterschied, so stellte Jall auf dem Weg durch das Tor fest, welches man bereits seit Stunden mit angespitzten Pfählen spickte, zwischen den Anführern der Menschen und denen der Anguren war wohl, dass letztere noch immer im Leben standen und nicht darüber. „‘Ch komm scho‘! Wo braucht’s denn ma en richtig’n Kerl, eh?!“
Elayoe War´svalvar

Beitrag von Elayoe War´svalvar »

Mit dem Alter kommt die Sturheit?

Manche Leute würden sagen, dass Sturheit eine Eigenschaft von rohen und barbarischen Völkern ist oder von verbohrten Adeligen. Doch dass diese Eigenschaft im Herzen einer Elfe wächst ist selten. Und doch mag es den Anschein haben, als wäre dieser Tage auch derartiges nicht unmöglich.

Die letzten age waren keine guten Tage für ihr Vorhaben etwas mehr über die Angurer und ihre Sitten herauszufinden. Nicht nur, dass sich der alte Mimir, welchen sie bei der Menschenstadt Berchgard kennen lernte, kaum mehr ein ordentliches Wort mit ihr wechselte, nein, er schien zornig zu sein und wütend seit einer kleinen Weile.
Wenn er etwas sprach, dann war es von Verrat und den Menschen. Den Menschen? Nein, vielmehr allen, die nicht von seinem Volke waren. Und leider sollte dies nun auch sie mit einschließen. Auch wenn der Gedanken daran, dass sie mit einem Menschen verwechselt wurde ihr schon ein Schmunzeln auf die Lippen trieb.

Der Regen hatte eingesetzt während ihres letzten Gespräches. Sie waren vor dem Lager der Anguren gewesen, dort, wo sie sich seit einigen Tagen im Wald aufhielt. Und nun regnete es. Aber sie wollte dem alten Mann durch ihre Tat zeigen, dass auch sie stur war oder es sein konnte. Denn es war ihr so, als wollte er einen Beweis haben. Einen beweis dafür, dass sie nicht wie die Menschen war. Und diesen wollte sie ihm nun geben.

Stunden sollten vergehen, in denen sie sich nicht vom Fleck rührte. Völlig durchnässt war sie, wie sie vor dem Tor saß und die Zeit vergehen ließ. Und doch war sie genau dort, wo sie sein wollte. Vielleicht nicht in Mitten der Natur, wie sie es gern hatte, aber durchaus zufrieden damit auf dem Boden zu sitzen und die Zeit vergehen zu lassen.

Sollte es nun Tage dauern würde sie verweilen. Sollte es Nächte andauern würde sie verweilen. Denn Zeit war etwas, was sie sicher im Überfluss haben sollte.
Cajivak

Beitrag von Cajivak »


Seit seiner Niederlage vor Bajard gegen den Reichsritter hatte Craigh viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Nicht dass ihm die Verletzungen ungelegen kamen, gerade jetzt wo es soviele anstrengende Arbeiten zu erledigen gab war der MacGaulich nicht undankbar, einige Tage nur in einige Felle eingehüllt den Anderen beim Arbeiten zuzusehen.

Etwas lag in der Luft.

Alle konnten es fühlen, sogar Craigh selbst, der alles andere als ein typischer Angurer war. Es war eine Art fiebrige Anspannung, die alle zu erfassen schien und Gemeinsamkeit stärkte, wo vorher vielleicht nur müde Abscheu und knappe Tolleranz gewesen war.

Und doch...wo kehliges Lachen erklang, schien im folgenden Schweigen auch eine Art Unsicherheit mitzuklingen. Der Feind schien schier überzählig zu sein - eine unendliche Anzahl an Ameisen, die selbst gestandene Krieger wie Argail früher oder später überwinden würde. Wie würde man so einen Kampf gewinnen können?!

Veränderung...

Hätte Craigh früher womöglich das Weite gesucht und eine Konfrontation gescheut, erfüllte ihn nun eine Art Fatalismus. Vielleicht war es die Schmach über die Niederlage gegen den Ritter der ein feiges und verlogenes Weib schützte, von dessen Ergreifung sich Craigh Absolution durch den Mimir erhoffte, vielleicht machte ihn aber auch ganz einfach die Hitze des Südens weich.

Vielleicht wurde Craigh aber auch nur ganz einfach alt und wollte lieber in einem Blutbad sterben, als in einigen Jahren als Hämorrhoiden geplagter Sack an Herzversagen zu krepieren...

So oder so - Iurhilla würde warten.
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