Ende einer Freundschaft

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Sharay Lessard

Ende einer Freundschaft

Beitrag von Sharay Lessard »

Es versprach ein angenehmer, entspannender Abend zu werden, man saß zusammen in einer kleinen, aber unterhaltsamen Runde zusammen, Cira, Tharon, Aleleya und Sharay. Die Gespräche drehten sich um vergangene Geschichten und Erlebnisse, welche für Aleleya und Tharon mehr als unbekannt waren.
Ein lauer Wind strich durch die Terrasse, auf der die vier saßen und während Sharay mit einem Teller Gegrilltem wieder an den Tisch trat, berichtete Cira ein wenig über vergangene Personen der heiligen Stadt. Offene Ohren lauschten ihren Worten, bis die kleinen Gruppe zweierlei unterschiedliche, sich nähernde Schrittgeräusche vernahm.
Erst ein Mann, gekleidet in eine weiße Robe, welche von einem breiten Gürtel, mit etlichen Beutel und Taschen, gehalten wurde. Die Kapuze war tief ins Gesicht gezogen und nur ein wallender, weißer Bart, welcher sich weit über die Brust erstreckte, war zu erkennen. Dann folgte ein Vicarius des Tempels, welcher direkt die am Tisch Sitzenden begrüßte.
Durch den recht auffallenden Blick des unbekannten Robenträgers gen Sharay war diese erst recht abgelenkt, bis sie den Vicarius, welcher Samuel genannt wurde, begrüßte. Direkt danach wandte sie die eisgrauen Augen wieder gen des Mannes, welcher mittlerweile seine Kapuze heruntergezogen hatte. Ein abgearbeitetes Gesicht, geziert von dem wallenden, weißen Bart und etlichen Falten auf den bartfreien Partien, kam zum Vorschein, einzig die wach wirkenden, meerblauen Augen, auch eingerahmt von etlichen Falten, kamen Sharay recht bekannt vor. Schließlich kam ihr wieder in den Sinn, wem diese Augen gehörten.

‚Ihr wisst um diese Stadt, Serendo?’, erklang ihre Stimme, schon ein wenig gereizt davon, dass es ausgerechnet ein Druide wagt, sich in die heilige Stadt zu begeben, noch dazu dieser Druide, den sie, wie viele andere Menschen, hinter sich gelassen hatte. Fast im gleichen Moment griff sie nach ihren abgelegten Panzerhandschuhen, die auf dem Tisch neben ihrem Teller und dem Krug lagen.
Mittlerweile hatte sich die Aufmerksamkeit der anderen Anwesenden ebenfalls auf den Druiden konzentriert, teils wohl mit verhohlener Neugier, teils wohl offenem Argwohn.

‚Mein Kind. Hier finde ich dich nach all den Jahren’, sprach Serendo dann mit alt wirkender Stimme. Kind?! So hatte er sie niemals genannt, nicht einmal dann, als die beiden sich kennen lernten und aus einem reinen Handel eine lose Jagdgemeinschaft wurde. Schon damals war er ein mächtiger Druide, aber anscheinend hatte ihm Eluive nun das letzte Bisschen Verstand genommen, sonst wäre er wohl auch nie hier her gekommen. Aber er ließ sich nicht anmerken, ob er überrascht oder enttäuscht war, sie in Rahal wieder zu treffen, dazu in Gesellschaft von Templern und einer weiteren Ritterin.
Jetzt endlich lenkte er seine Blicke auch kurz auf Tharon, Cira, Aleleya und Samuel, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Sharay konzentrierte.

‚Es überrascht mich eigentlich nur, dass ihr euch hier her wagt’, stellte sie recht trocken fest, dann war sie überrascht, welche Antwort kam.
‚Wahrhaft überrascht? Ich entsinne mich an Zeiten... Nun, wir sprachen von Freundschaft. Die Bürde jener führte mich nun schlussendlich hier her.’

Er hatte sich nur wegen einer alten, von ihr längst verdrängten Freundschaft nach Rahal begeben? Wie töricht kann man sein, sich auf ein solches Gefühl hin in die Höhle des Löwen begeben? Sie verstand es nicht.
Während sie sprachen hatte Sharay ihre Handschuhe übergestreift und die Riemen festgezogen.

‚Ein Rahal, erschaffen aus dem Schmerz dieser Welt. Ist es das wahrhaft was du dir ersehnst?’, sprach er weiter, auf einen Kommentar Samuels ging er nicht ein.

‚Ihr habt wie all jene anderen Verblendeten keine Ahnung, wovon ihr sprecht, Alter’, während sie diese Worte sprach, winkte sie Aleleya herbei und raunte ihr dann leise zu, sie solle ihre Rüstung holen und anlegen. Sie entfernte sich daraufhin rasch gen Bank.
Serendo hingegen reagierte nur wie erwartet auf Sharays letzte Worte, er provozierte die Anwesenden, allen voran Sharay, weiter: ‚Ein Rahal, geführt von Letharen, dem Schmerz nacheinfernd, vergebens das Heil in Stärke zu suchen.. Wahrhaft das, was du in unseren früheren, gemeinsamen Tagen? Ein Leben, geführt von Freiheit, dem freien Antlitz aller Schönheit, welches Euer Dienst Euch verwehrt?’

‚Was könnte, alter Mann, erstrebenswerter sein als Würdenträger in der heiligen Stadt zu sein?’, diese Worte bewegten Serendo zum ersten Mal dazu, Samuel einen Blick, länger als eine Sekunde zu gönnen, aber sofort sprach er weiter:

‚Ich bin nicht gekommen, um Predigen zu halten.. Ganz und gar nicht Hoffnungen in jenen zu suchen, die tiefer gefallen sind als manch anderer...’

‚Predigen ist ein Privileg des Tempels der heiligen Stadt, alter Mann’, wieder waren es Samuels Worte, die Serendo unterbrachen: ‚Wenn euer Auftritt hier nicht mehr als eine Posse werden sollte.. dann versucht es doch einmal am höfischen Theater zu Varuna.’

Schritte erklangen hinter Serendo, metallisch scheppernd, als Aleleya wieder kam, voll gerüstet und hinter Serendo stehen blieb. Tharon hatte sich mittlerweile, ebenso wie Cira, erhoben.
Wohl durch die Worte Samuels sich gestört gefühlt, erhob Serendo die linke Hand und deutete auf die beiden, nebeneinander stehenden Templer.
Man sah nicht das Geringste, aber das etwas geschah, merkte man als die beiden langsam ihre Ruhe verloren und nach Luft zu schnappen begannen. In dem Moment, wo Serendo die Hand gen der Templer richtete, zog Sharay ihr Schwert, dann sprach er weiter:

‚Sharay mein Kind,’ wieder dieses Wort, welches Wut in ihr aufsteigen ließ, wärend er weitersprach, ging sie einen raschen Schritt näher: ‚Hoffnung ist es, was all dem hier Farbe schenkt.’

Sie war bei ihm das Schwert zum Schlag erhoben, die beiden Templer rangen immer mehr nach Luft und versuchten, das unsichtbare Etwas von ihren Hälsen zu beseitigen. Serende richtete seine Aufmerksamkeit auf die herankommende Ritterin und sie merkte plötzlich etwas, als wolle sie etwas blocken.

‚Hoffnung, Sharay.’

Wut kochte in ihr auf, sie verengte die Augen und ließ ihr Schwert auf seine Hand niederfallen, hiebt eine tiefe Wunde und er lässt den Zauber auf die beiden Templer fallen und strauchelte ein wenig. Noch immer war ungebändigter Zorn in ihren Augen zu erkennen und sie erhob ihre Blutklinge nochmals, diesmal zum Stoß.

‚Der Seelenfresser möge euch empfangen, Serendo!’
‚Nicht der Seelenfresser…’, murmelte er, den Kopf wieder hebend, er hatte wieder Kraft gesammelt, wie alle Anwesenden es zu spüren bekamen: stechender Schmerz fuhr in ihre Köpfe, Sharay taumelte ein wenig zurück, hielt sich die Schläfe.
Kaum ließ der Schmerz jedoch nach, war ihre Wut wieder da und sie machte einen Ausfallschritt vor, die Klinge zum Stoß bereit und mit einem kurzen Geben an Alatar, gefolgt von einem Fluch gen Serendo.

Serendo sprach noch deutlich einige Worte, bevor ihre Klinge in seine Brust eindrang und sich die weiße Robe dunkelrot färbte:

‚Mutter schenkte mir ein erfülltes Leben, ich schenke gar dir meine letzte Hoffnung, dass auch du dies noch erlangst. Auch du möchtest ihm deine Kraft schenken? Wir finden uns in ihrem Schoß wieder Sharay’ mit diesen Worten sank Serendo sterbend zu Boden, gefolgt von Samuels und Sharays Hasstriaden gegen die Weltenmutter.

Sharay kniete sich kurz nieder als Serendo schweigend da lag, kurz glitt ihre Hand an seinen Hals, dann weiter zu seinem Umhang, ehe sie mit einem Zipfel des Umhangs aufstand und ihre Klinge daran abwischte.

‚Er ist tot’, ihre einzigen Worte, die Frau, die zwischendurch irgendwann zu dem Geschehen dazu kam, bemerkte sie gar nicht. Dann trat sie von der Leiche eines alten Freundes weg, während Samuel schon einen Gardisten herbei gerufen hatte.

‚Sofern die Ritterin keine Verwendung für die Leiche des alten Mannes hat – schafft ihn vor die Reichsgrenzen und verbrennt ihn, ehe er die Gesundheit in der heiligen Stadt gefährdet.’

Sie hielt inne, einen Blick auf den Gardisten werfend, meinte sie:
‚Er soll an den Galgenbaum am Wegkreuz beim Bergmassiv der alten Stadt genagelt werden..’

Der Gardist holte sich rasch Hilfe und zusammentrugen die beiden Gardisten den Leichnam fort, nur eine Lache frisches Blut erinnerte an die Tat, der Regen würde sie irgendwann wegwaschen...
Die Anwesenden einigten sich darauf, vorerst die Taverne zu verlassen, es sei doch kein schöner Gedanke, dort am selben Abend noch Speis und Trank zu sich zu nehmen...

Am selben Abend hielt, einige Meilen vor der Stadt, am düsteren Galgenbaum eine kleinere Kutsche mit zwei Gardisten darauf. Die beiden beeilten sich, ihren Befehl auszuführen, ganz geheuer war ihnen wohl doch nicht dabei.

‚Sie hat wirklich befohlen, die Leiche an den Baum zu nageln?!’ Ein wenig verdutzt schaute der Jüngere der beiden drein.
‚Wenn ich es dir doch sage, so waren ihre Worte’, erwiderte sein Kamerad, dann entluden sie die eingewickelte Leiche und schleiften sie zum Baum. Danach holte einer sechs lange Nägel und einen Fäustel, dann machten sie sich ans Werk.
Es dauerte nicht lange, dann hing Serendo am mächtigen, schwarzen Stamm des Baumes, die beiden betrachteten den Alten noch mal, dann trat der ältere Gardist vor und zog Serendo die Kapuze über.

‚Komm, hier sind wir fertig’, er warf den Hammer auf die Ladefläche und stieg auf den Bock.

‚Sind alle Ritter ...so?’ War die Frage des Jungen, er schien gerade seine erste Woche im Wachdienst zu schieben.

‚Du hast noch einiges zu lernen, man merkt, dass du neu in der Garde bist. Nein, nicht alle vergeben solche Befehle’, ein leichtes Kopfschütteln verriet dabei, dass er den Befehl auch nicht sonderlich appetitlich empfand, aber wer will schon wegen Befehlsverweigerung eine Woche ins ‚Loch’?
Larissa Feanaro

Beitrag von Larissa Feanaro »

Still saß sie da, die Gedanken bei den Ereignissen der letzten Tage.
Viel war geschehen, vieles, was sie noch immer hoffte, dass es sich um einen bösen Traum handelte.

Immer wieder fiel ihr Blick auf das Bett, auf dem Serendo lag. Erneut stiegen ihr Tränen in die Augen.
Warum nur? Sie hatte nur in die Taverne gehen wollen. Ein ruhiger schöner Abend, so hatte sie es sich vorgestellt. Bei einem Glas gutem Wein am Tische sitzen, sich unterhalten… auch die Hoffung, einen alten Bekannten zu treffen, welchen sie schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte, hatte ihre Schritte nach Rahal in die Taverne geführt. Guter Dinge war sie gewesen, gut gelaunt, nach den Ereignissen am Tage zuvor. Als sie sich dem Eingang näherte, hatte sie Serendos Stimme vernommen. Zuerst verwundert, was er denn hier tue, doch erfreut, gehörte er doch zu den Menschen, welchen sie am meisten vertraute und welche sie als Freunde ansah, was nicht viele von sich sagen konnten.
Sie beschleunigte ihre Schritte, noch immer erfreut und stoppte dann abrupt, als sie um die Ecke bog und sich die Ereignisse vor ihr auftaten. Serendos Stimme, welche mit dem gewohnt ruhigen Klang sagte: „So lebt als Ungläubiger.“ Dann Sharay, welche das Schwert hob und auf Serendo einschlug. Immer und immer wieder. Sein Blut durchtränkte die Robe, doch kein Ton kam aus dem Mund des Druiden. Sie hatte wie erstarrt da gestanden, wollte etwas tun, sie musste etwas tun. Ein Blick von ihm…ein Erkennen… als er fiel. Er ward nicht alleine, das wusste er. Er starb nicht nur umringt von Feinden, sondern auch im Beisein einer Freundin.

Doch was war sie für eine Freundin gewesen? Sie hatte still da gestanden und zugesehen… Ihr Kopf, gab ihr recht und sie wusste ebenso, dass Serendo es nicht anders gewollt hätte… dass sie sich nicht für ihn n Gefahr hätte geben sollen… es waren zu viele gewesen… so sie gehandelt hätte, wäre sie wahrscheinlich nicht mehr lebend dort hinaus gekommen. Sie hätte die Kunde nie an die Freunde und Gefährten weiter tragen können… Dennoch hatte ihr Herz etwas anderes gesagt. Die Schuldgefühle lasteten schwer auf ihr, daran vermochten auch die Worte anderer, dass sie richtig gehandelt hatte, nichts ändern.

Sie hatte auf den Körper gestarrt, geschockt von den Ereignissen, dennoch weiterhin in dem Versuch, sich nichts anmerken zu lassen… Dann schleppten sie seinen Leichnam hinfort. Sie wollten ihn zur Schau stellen, sagten sie noch. Am Wegkreuz. Am liebsten wäre sie aufgesprungen, hätte auf jeden, welcher sich zwischen sie und Serendo gestellt hätte, eingeschlagen. Doch sie war nur stehen geblieben. Starr…entsetzt. Wie gelähmt.

Nachdem er hinfort geschliffen wurde, schaffte sie es noch, Samuel freundlich zuzunicken, ehe sie sich umwandte und langsam davon ging. Bis um die nächste Häuserecke… dann begann sie zu rennen. So schnell ihre Füße sie tragen konnten, war sie zum Hain gelaufen. Die Hoffnung Kilyan zu finden, war groß, Tränen rannen mittlerweile über ihr Gesicht. Doch niemand war dort. Ohne zu überlegen, rannte sie weiter. Das Lager der Waldgeister war nicht weit und dort hatte sie Kanubio getroffen. In diesem Moment war es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei und sie zitterte am ganzen Körper, als sie weinend und stockend von den Erlebnissen berichtete.

Es wurde eine lange Nacht.

Früh am nächsten morgen begab sie sich wieder in den Hain, dieses Mal hatte sie Erfolg. Eine Mischung zwischen Angst und Erleichterung halte sie überfallen, als sie Kilyan erblickte, wie er ruhig am Feuer saß.
Auch ihm erzählte sie mit stockender Stimme was geschehen war. Gwain kam hinzu und wurde dann ausgeschickt, die anderen zu benachrichtigen. Lange hatte sie mit Kilyan dort am Feuer gesessen, beide verzweifelt, von Trauer erfüllt.
Dann waren sie aufgebrochen um Darna von Elbenau zu benachrichtigen. Die Kunde musste Kreise ziehen, nicht nur unter denen, welche ebenso wie Serendo die Natur liebten und mit ihr lebten.
Sie trafen sie und wieder einmal war es an Larissa ihr Erlebtes zu erzählen. Mit jedem Mal, in dem sie es wiederholen musste, war ihr, als würde sie es erneut durchleben. Die Bilder vor ihrem inneren Auge wurden wieder lebendig, fast als wäre sie wieder vor der Taverne.

Die Frage nach dem Leichnam kam auf und wieder berichtete sie, was sie wusste. Darna hatte sie angesehen, sie gebeten noch einmal nach Rahal zu gehen und zu versuchen, genaueres über den Aufenthaltsort Serendos in Erfahrung zu bringen. Sie hatte nur genickt. Sie wollte nicht dorthin zurück, doch sie war ihm so viel schuldig. Und dass er zur Schau gestellt werden sollte… Nein, dies durfte nicht sein.

Sie gingen zurück und Kilyan verabschiedete sich. Er brauchte Zeit für sich, um zu trauern, aber auch um sich auf seine neue Aufgabe vorzubereiten.

So hatte sie da gestanden, sie wusste, was zu tun sei… doch hatte sie Angst davor. Doch ihr ihre Schuldgefühle waren stärker und sie lenkte ihre Schritte zum Wegkreuz. Sie wusste nicht, warum die Rahaler in ausgerechnet hier zur Schau stellen sollten… dennoch hatten sie es gesagt. Sie suchte alles ab, jeden Meter am Wegkreuz, ohne Erfolg. Erleichtert, aber dennoch unzufrieden, da sie keine Ergebnisse hatte, achte sie sich nun wieder auf den Weg nach Rahal. Widerwillig, dennoch musste es sein. Sie ging in die Stadt, suchte dort alles ab. Nichts…außer einem Blutfleck vor der Taverne, welcher wieder die Bilder in ihrem inneren beschwor. Sie versuchte, diese beiseite zu schieben und begann dann mit der Suche vor den Toren der Stadt. Sie wollte nicht riskieren, etwas zu übersehen und mit jedem Schritt nahm ihre Angst zu. Sie hoffte, sie würde sich irren, hoffte, es sei ein schlimmer Traum, aus welchem sie gleich erwachen würde. Dann würde sie an Feuer gehen und Serendo treffen, welcher ihr mit seiner ruhigen Stimme einen guten morgen wünschte.

Doch so würde es nicht sein. Nie wieder. Sich die Tränen weg wischend, war sie weiter gegangen, lange Zeit, hatte jeden Weg, jede Wiese abgesucht, bis… sie war starr vor Schreck gewesen. Da war er. Gekreuzigt an einem Baum… Serendo… Nägel durch Hände und Füße geschlagen hing er da…

Sie hatte starr da gestanden und war dann vor dem Baum weinend zusammen gebrochen. Wie konnten sie so etwas tun? Warum? War es nicht schlimm genug ihn zu töten? Ihn zu ermorden? Mussten sie dann auch noch versuchen, ihm seine Ehre zu nehmen, was sie nicht schaffen würden? Egal, was sie versuchten? Sie wusste nicht, wie lange sie dort gesessen hatte, doch schließlich richtete sie sich mühevoll auf und verließ den Platz. Sie musste Hilfe holen. Kilyan hatte sich zurück gezogen. Sie würde ihn nicht finden, wenn er es nicht wollte, dies wusste sie. Ehe sie überhaupt darüber nachdachte, hatten ihre Schritte sie zu Kanubios Haus geführt. Mit ihm zusammen war sie dann zur Burg der Streiter der Temora gelaufen, da Darna sich dort aufhielt.

Stockend hatte sie ihr, Kanubio und Nevyn berichtet. Was sie herausgefunden hatte… was mit Serendo gemacht wurde. Dann waren sie aufgebrochen um Serendo nach Hause zu holen.

Wieder ging ihr Blick auf das Bett auf dem sein Leichnam nun ruhte. Sie hatte die ganze Nacht hier gesessen. Bei dem Freund gewacht. Die Schuld lastete schwer auf ihr. Sie würde es sich nie verzeihen…
Kanubio Bunjam

Beitrag von Kanubio Bunjam »

Sie hatten ihn in das Gästebett gelegt und Totenwache gehalten.

Unzufrieden besah sich Kanubio die vorläufige Ruhestätte am nächsten Morgen. Larissa hatte etwas von „aufbahren“ gesagt. Er kannte nur die Bräuche zur See, nicht die an Land. Aber eines wusste er: dieses Lager war – auch wenn es Serendo nichts mehr nützte – für einen wie ihn unwürdig.

Er winkte Julimar zu sich und gemeinsam machten sie sich an die Arbeit. Ein schönes Bett musste her, nicht so ein einfaches, wie er es für die Besucher der Geister zusammengezimmert hatte. Ein paar Kerzen … vielleicht Pflanzen? Oh ja, Pflanzen hatte Serendo immer gemocht.

Während Julimar das Bett besorgte, schleppte er die beiden großen Rosensträucher ins Zimmer. Als der Tote umgebettet war, machte sich Larissa, die inzwischen erwacht war, daran, eine Tinktur zu mischen, von der sie sich viel versprachen. Doch diese musste noch einige Zeit ziehen, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Dazwischen schaute Taridan im Lager vorbei. Der arme Kerl wusste noch gar nichts von den Vorfällen und als Kanubio Serendo erwähnte, erzählte Taridan freudig, dass er bald den Unterricht bei ihm beginnen würde. Kanubio und Julimar konnten nur stumm die Köpfe schütteln. Sie führten Taridan in das Gästezimmer, wo dieser kurz trauerteund dann meinte: „Nun, wenn ich auch nicht ganz verstehe, wie dies geschah, so geht das Leben dennoch weiter und gerade Serendo hätte uns wohl alle in den Hintern getreten, würden wir nicht weiter am Leben rege teilhaben und dem Wunder des Lebens teilhaftig werden.“

Auch Taridan hegte Befürchtungen wegen dem leichten Geruch, der sich im Zimmer langsam breit machte und setzte sich sofort hin, um einen Balsam zu mischen, der diesen erst mal übertünchen und kleine und große Aasfresser fern halten sollte. Nachdem er diesen den beiden übergeben hatte, eilte er davon, um Kilyan und seine Brüder zu informieren.

Schweren Herzens wusch Kanubio die Leiche und befreite seine Kleidung so gut es ging von den Blutflecken. Er rieb ihn gründlich mit dem intensiv duftenden Balsam Taridans ein und zog den Toten wieder an. Und dennoch quälte ihn die Sorge des Seemannes: Was, wenn Serendo gar nicht tot wäre? Was wenn man ihn lebendig begraben oder verbrennen würde?

Zur See galt es, einen Toten, der in Segeltuch eingenäht wurde, mit dem letzten Stich durch die Zunge zu stechen. So er noch lebte, würde er da ein Zeichen geben.
Kanubio schlich zu Julimars Zimmer, versicherte sich, dass dieser am Schnitzen war, indem er kurz an der Türe lauschte und huschte wieder zurück zur Leiche. Er zog seinen Dolch, zog Serendos Zunge heraus, stach hinein und beobachtete. Nichts. Sich noch einmal flüchtig zur Türe umblickend, verstaute er die Zunge wieder im Mund und war sich nun absolut sicher: Serendo war tot.
Edraith

Beitrag von Edraith »

Ein Moment. Ein Vogel rief zu einem Stein, auf dessen sich ein junges Mädchen befand. Dieses schien die Tränen zu bekämpfen, die schier endlos scheinende Trauer ihres Herzen drückten. So kam es ihm zu Ohren aus ihren Worten, wessen Klang ihm letzen so verebbt erschien. Ihr Blick galt ihn zu berühren, sie schaute ihn an, mit einer ihrer Hand auf ihrem Herzen liegend. So vermocht er einen Satz zu finden: “An jenem Ort an dem er immer gewesen war, wird er auch für etliche Zeit verweilen.”
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