Piraten
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Luca
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Piraten
Der Sehtrank hatte schon lange aufgehört zu wirken, aber Luca starrte einfach weiter geradeaus ins Dunkle.
Es war ein verregneter Tag wie viele andere gewesen, er hatte ein wenig gekritzelt, sich mit den Wachen unterhalten, reichlich gegessen, die nähere Umgebung erkundet und sich schließlich wieder auf den Weg nach Varuna gemacht. Seit er sich aus dem Haus traute, verbrachte er wieder die meiste Zeit auf dem Markt oder in der Taverne – und natürlich vor dem Schloss in der Hoffnung, Rafael zu treffen. Es schien böse Ironie des Schicksals zu sein, dass ihn ausgerechnet dann jemand auf Bo ansprach, als er die Suche fast aufgegeben hatte. Noch immer trug er jedem auf, nach seinem Bruder zu suchen und vermisste ihn beizeiten heftig; die angespannte Hoffnung, ihn jeden Augenblick wiederzutreffen, hatte er jedoch verloren. Schließlich wusste er nicht einmal, ob der Ältere den Winter überlebt hatte.
Und dann die Fragerei des Richters...
„Ach .. sag mal .. du hast doch so einen Freund .. der heißt .. BO richtig?“
Noch immer genügte der Name, um ihn alle Zurückhaltung verlieren und nach mehr Informationen betteln zu lassen.
„Und er Ist - Pirat, richtig?“
Die Frage kam so unvermittelt, dass sie ihn zusammenzucken und etwas zu heftig abstreiten ließ. Dieser Scheißkerl.. hatte sich aufgespielt, ohne mit Informationen rauszurücken.
Hatte Bo wirklich behauptet, er wäre nur lästig? Das zu glauben, weigerte er sich, allerdings stand fest, dass er seit dem Herbst wie vom Erdboden verschluckt war... oder ihm aus dem Weg ging...
Als er Rafael endlich gefunden hatte, war die Situation nicht eben leichter geworden. Von einem Piraten fast erschossen? Sein erster Gedanke war gewesen, Vince nach dem Kerl suchen und ihn ihn erschießen zu lassen. Glücklicherweise war er Amelie in die Arme gelaufen, als er schon mit einem Fuß in der Kutsche nach Bajard gestanden hatte, so war ihm weiterer Ärger in der Hafenstadt erspart geblieben. Das Gespräch hatte seinen Hitzkopf abgekühlt und den alten Argwohn wieder die Oberhand gewinnen lassen. Besser, jetzt doch nicht dort nach Bo oder Vince zu suchen....
Seine Entscheidung wurde damit belohnt, dass die Lady ihm später am Abend berichtete, wer da eigentlich versucht hatte, Rafael umzubringen.
“Vandera, ja. Er hat mit dem Sire eine Rechnung offen, und es sieht sehr danach aus, da sie tödlich von einem der beiden beglichen werden wird.“
Das hatte ihn ziemlich unvermittelt getroffen, auch wenn er sich plötzlich an so einiges erinnerte, was in das Bild passte.
“ Er war es, Luca. Tut mir leid, wenn du ihn gut leiden können solltest.“
Gut leiden? Eine Weile mit Sicherheit... höchstwahrscheinlich, weil er von klein auf um die Gunst von Bos Freunden buhlte und die Zahl derer, die ihn nach der Ankunft auf Gerimor beachtet hatten, sehr überschaubar gewesen war...
Gegen Rafael, der ihn wirklich leiden konnte, war das nichts.
Vince trieb sich irgendwo auf seiner verdammten Ratteninsel mit Bo rum, so dass er nicht an ihn ran kam.
Vince hätte fast sein Versprechen gebrochen und ihn nicht schießen lassen.
Vince hatte ihm die Hand gebrochen; immerhin war es wohl kaum seine eigene Schuld gewesen, dass das Ausprobieren der Pistole reichlich schief gegangen war.
Vince könnte seinen Bruder mit seiner Piratenprahlerei gewaltig in die Scheiße reiten...
Wenn es nun heißen sollte, sich entscheiden zu müssen –
„Von mir aus kann er sterben, Lady...“
Es war ein verregneter Tag wie viele andere gewesen, er hatte ein wenig gekritzelt, sich mit den Wachen unterhalten, reichlich gegessen, die nähere Umgebung erkundet und sich schließlich wieder auf den Weg nach Varuna gemacht. Seit er sich aus dem Haus traute, verbrachte er wieder die meiste Zeit auf dem Markt oder in der Taverne – und natürlich vor dem Schloss in der Hoffnung, Rafael zu treffen. Es schien böse Ironie des Schicksals zu sein, dass ihn ausgerechnet dann jemand auf Bo ansprach, als er die Suche fast aufgegeben hatte. Noch immer trug er jedem auf, nach seinem Bruder zu suchen und vermisste ihn beizeiten heftig; die angespannte Hoffnung, ihn jeden Augenblick wiederzutreffen, hatte er jedoch verloren. Schließlich wusste er nicht einmal, ob der Ältere den Winter überlebt hatte.
Und dann die Fragerei des Richters...
„Ach .. sag mal .. du hast doch so einen Freund .. der heißt .. BO richtig?“
Noch immer genügte der Name, um ihn alle Zurückhaltung verlieren und nach mehr Informationen betteln zu lassen.
„Und er Ist - Pirat, richtig?“
Die Frage kam so unvermittelt, dass sie ihn zusammenzucken und etwas zu heftig abstreiten ließ. Dieser Scheißkerl.. hatte sich aufgespielt, ohne mit Informationen rauszurücken.
Hatte Bo wirklich behauptet, er wäre nur lästig? Das zu glauben, weigerte er sich, allerdings stand fest, dass er seit dem Herbst wie vom Erdboden verschluckt war... oder ihm aus dem Weg ging...
Als er Rafael endlich gefunden hatte, war die Situation nicht eben leichter geworden. Von einem Piraten fast erschossen? Sein erster Gedanke war gewesen, Vince nach dem Kerl suchen und ihn ihn erschießen zu lassen. Glücklicherweise war er Amelie in die Arme gelaufen, als er schon mit einem Fuß in der Kutsche nach Bajard gestanden hatte, so war ihm weiterer Ärger in der Hafenstadt erspart geblieben. Das Gespräch hatte seinen Hitzkopf abgekühlt und den alten Argwohn wieder die Oberhand gewinnen lassen. Besser, jetzt doch nicht dort nach Bo oder Vince zu suchen....
Seine Entscheidung wurde damit belohnt, dass die Lady ihm später am Abend berichtete, wer da eigentlich versucht hatte, Rafael umzubringen.
“Vandera, ja. Er hat mit dem Sire eine Rechnung offen, und es sieht sehr danach aus, da sie tödlich von einem der beiden beglichen werden wird.“
Das hatte ihn ziemlich unvermittelt getroffen, auch wenn er sich plötzlich an so einiges erinnerte, was in das Bild passte.
“ Er war es, Luca. Tut mir leid, wenn du ihn gut leiden können solltest.“
Gut leiden? Eine Weile mit Sicherheit... höchstwahrscheinlich, weil er von klein auf um die Gunst von Bos Freunden buhlte und die Zahl derer, die ihn nach der Ankunft auf Gerimor beachtet hatten, sehr überschaubar gewesen war...
Gegen Rafael, der ihn wirklich leiden konnte, war das nichts.
Vince trieb sich irgendwo auf seiner verdammten Ratteninsel mit Bo rum, so dass er nicht an ihn ran kam.
Vince hätte fast sein Versprechen gebrochen und ihn nicht schießen lassen.
Vince hatte ihm die Hand gebrochen; immerhin war es wohl kaum seine eigene Schuld gewesen, dass das Ausprobieren der Pistole reichlich schief gegangen war.
Vince könnte seinen Bruder mit seiner Piratenprahlerei gewaltig in die Scheiße reiten...
Wenn es nun heißen sollte, sich entscheiden zu müssen –
„Von mir aus kann er sterben, Lady...“
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Luca
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Das einzig wichtige war, Bo da irgendwie raus zu halten. Je länger er darüber nachdachte, desto attraktiver schien ihm Vince’ Verschwinden.
Er würde sich keine Sorgen mehr machen müssen, dass jemand auf die Idee kam, Bo für etwas aufzuhängen, was dieser Haufen von Mördern und Räubern anstellte. Sicher war sein Bruder auch allein gut genug darin, sich Ärger einzuhandeln – das waren allerdings immer harmlose Geschichten, die man mit ein bisschen Schmeichelei und noch ein bisschen mehr Rennen leicht überlebte.
Wenn alles schnell genug ging, würde er nicht in die Verlegenheit kommen, Rafael oder der Lady unangenehme Fragen beantworten zu müssen...
Sollte der Alte erst einmal tot sein, konnte Bo auch nicht mehr viel in der schäbigen Hütte halten...
Er selbst hatte mittlerweile Kontakte, von denen sie früher nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Bei ihrem letzten Treffen hatte er Bo noch mit auf den Boden geworfenem Brot beeindrucken können, wenn er erst mal den Palast der Lady sah, ein paar Kronen bekam und irgendwo im Warmen schlafen konnte, würde er dem Leben, das er im letzten Jahr geführt hatte, sicher nicht mehr hinterher trauern...
Ganz sicher würde er seinen Bruder wiederkriegen, wenn Vince erst mal Geschichte war...
Er würde sich keine Sorgen mehr machen müssen, dass jemand auf die Idee kam, Bo für etwas aufzuhängen, was dieser Haufen von Mördern und Räubern anstellte. Sicher war sein Bruder auch allein gut genug darin, sich Ärger einzuhandeln – das waren allerdings immer harmlose Geschichten, die man mit ein bisschen Schmeichelei und noch ein bisschen mehr Rennen leicht überlebte.
Wenn alles schnell genug ging, würde er nicht in die Verlegenheit kommen, Rafael oder der Lady unangenehme Fragen beantworten zu müssen...
Sollte der Alte erst einmal tot sein, konnte Bo auch nicht mehr viel in der schäbigen Hütte halten...
Er selbst hatte mittlerweile Kontakte, von denen sie früher nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Bei ihrem letzten Treffen hatte er Bo noch mit auf den Boden geworfenem Brot beeindrucken können, wenn er erst mal den Palast der Lady sah, ein paar Kronen bekam und irgendwo im Warmen schlafen konnte, würde er dem Leben, das er im letzten Jahr geführt hatte, sicher nicht mehr hinterher trauern...
Ganz sicher würde er seinen Bruder wiederkriegen, wenn Vince erst mal Geschichte war...
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Luca
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Der überaus geniale und mehr oder weniger durchdachte Plan stand, jetzt galt es, die nötige Unterstützung zu organisieren. Weshalb musste sich der Graf ausgerechnet jetzt mit der Lady draußen herumtreiben, das Schloss war ja wohl groß genug für alles, was sie anstellen mochten...
Wohin die beiden verschwunden waren, hatte Rafael ihm nicht sagen wollen. Ärgerlich, aber zum Einen wollte er seine Überraschung nicht verderben, zum Anderen hatte er die vage Vermutung, der Ritter würde ihm eher mit unangenehmen Fragen über seine Informationsquellen löchern und versuchen, ihm die Suche zu verbieten, sollte er ihn aufklären.
Weinprobe, hatten die Frauen im Haus gesagt. So schwer konnte es auch wieder nicht sein, den wichtigsten Mann der Insel zu finden...
Nach Bajard traute sich die Lady nicht, Rahal schied auch aus, was blieb da noch groß übrig?
Durchaus optimistisch stellte Luca so am Morgen sein übliches Gepäck aus viel Fleisch, noch mehr Waffen und einigen nützlichen Dingen zusammen und verließ das Haus, kaum dass es anständig hell war.
Wohin die beiden verschwunden waren, hatte Rafael ihm nicht sagen wollen. Ärgerlich, aber zum Einen wollte er seine Überraschung nicht verderben, zum Anderen hatte er die vage Vermutung, der Ritter würde ihm eher mit unangenehmen Fragen über seine Informationsquellen löchern und versuchen, ihm die Suche zu verbieten, sollte er ihn aufklären.
Weinprobe, hatten die Frauen im Haus gesagt. So schwer konnte es auch wieder nicht sein, den wichtigsten Mann der Insel zu finden...
Nach Bajard traute sich die Lady nicht, Rahal schied auch aus, was blieb da noch groß übrig?
Durchaus optimistisch stellte Luca so am Morgen sein übliches Gepäck aus viel Fleisch, noch mehr Waffen und einigen nützlichen Dingen zusammen und verließ das Haus, kaum dass es anständig hell war.
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Bo
Donnernd flog die Tür der Varunesischen Taverne auf und ein junger, schlaksiger Bengel trat gröhlend herein.
"Heda, habt ihr Rum hier in diesem Teestübchen?!", brüllte der Blondschopf übermässig durch den Raum. Als Rosalind den Kopf schüttelte und nur abfällig bemerkte, dass es für einen Dreikaesehoch wie ihn hier keinen Alkohol gäbe, stieg ihm die Röte ins Gesicht und er begann weiter lautstark auf das Gebräu zu drängen.
Nich wenig hinten im Gasthaus teilten sich drei Gestalten einen Tisch, die von den Gedröhne an der Theke nicht wenig genervt schienen. Nach kurzer Zeit rief einer Bo zu sich und fragte, warum er hier so herumplärre. Gerade als Bo etwas von "lausiger Bedienung" und "Luschenschnaps" und derlei Dingen zu faseln beginnen wollte, fiel sein Blick auf die Dame, die sich mit den beiden Herren den Tisch teilte. Die Worte blieben ihm im Hals stecken und er schluckte sie hastig hinunter, um Platz zu machen für einen Spruch der sich gewaschen hatte. "Solche Ladies moegen es romantisch, verspielt - Rosen sind immer gut", dachte er bei sich, doch gerade als er ausholen wollte und ihr mit aller Gefühlsduselei, die er aufbringen konnte, den Spruch, den er sich gerade zurecht gelegt hatte, geradezu poethisch in den Raum zu werfen, wurde er rabiat am Arm gepackt und von einem der beiden Männer aus der Taverne eskortiert. Ein letzter Tritt in den Hintern beförderte ihn direkt auf das Kopfsteinpflaster vor der Tür.
"Halte dich von hier fern, du Abschaum"... irgendsoetwas hatte er zu Bo gesagt, als dieser sich auf den Rücken drehte, um den Mann vom Boden hinauf anblicken zu können. "So jemand wie du wird niemand bei einer Hochedlen landen.."
"Ich schaffe das schon", entgegnete Bo grinsend, "hat bisher noch bei jeder geklappt. Nur bei deinem Gesicht kann dir niemand helfen. Aber wahrscheinlich stehst du auch nicht auf Frauen. Sicher eher auf Männer. Auf Knaben!", dabei rappelte er sich eilig auf und wich demonstrativ grinsend etwas zurück. "Deswegen hast du mich also hier rausgebracht"
Ein leichtes Funkeln durchzuckte die Augen des Mannes und er knurrte nur ungehalten: "Verzieh dich besser, sonst ruf ich die Wachen, eine Bewaffnung in Varuna ist nicht erlaubt" - dabei deutete er auf die Schwertscheide, in der Bo seinen Säbel verwahrte. "Den brauche ich, um mich gegen lüsterne Kerle wie dich zu wehren", abermals zierte ein breites, fieses Grinsen seine Züge.
Als sich die Tür vor Bo schloss, stand er noch kurz da, ehe er eilig die Strasse davon lief.
Nicht wenig später - die Gesellschaft im INneren der Taverne immernoch in eine angeregte, aber nicht an Etikette mangelnde Unterhaltung vertieft - flog etwas direkt vor die Dame Mariella von Dragenfurt durchs geöffnete Fenster hinein auf den Tisch.
Eine weisse Rose, die bereits etwas verwelkt war, lag auf der verzierten Tischdecke - in einem ihrer Dornen stack ein vergilbtes Pergament.
Ein unsicherer Blick der Lady erging zu den Männern an dem Tisch, als sich Aram Inos, der Bo gerade so herzlich zur Tür hinausgeleitet hatte, erbot den Brief zu öffnen und vorzulesen, falls er womöglich gefährlich sei.
Ein kurzes Kopfschütteln später hatte sie den Brief auch bereits in den Händen und ihn entfaltet.
Auf dem Pergament stand in krageliger Schrift:

"Heda, habt ihr Rum hier in diesem Teestübchen?!", brüllte der Blondschopf übermässig durch den Raum. Als Rosalind den Kopf schüttelte und nur abfällig bemerkte, dass es für einen Dreikaesehoch wie ihn hier keinen Alkohol gäbe, stieg ihm die Röte ins Gesicht und er begann weiter lautstark auf das Gebräu zu drängen.
Nich wenig hinten im Gasthaus teilten sich drei Gestalten einen Tisch, die von den Gedröhne an der Theke nicht wenig genervt schienen. Nach kurzer Zeit rief einer Bo zu sich und fragte, warum er hier so herumplärre. Gerade als Bo etwas von "lausiger Bedienung" und "Luschenschnaps" und derlei Dingen zu faseln beginnen wollte, fiel sein Blick auf die Dame, die sich mit den beiden Herren den Tisch teilte. Die Worte blieben ihm im Hals stecken und er schluckte sie hastig hinunter, um Platz zu machen für einen Spruch der sich gewaschen hatte. "Solche Ladies moegen es romantisch, verspielt - Rosen sind immer gut", dachte er bei sich, doch gerade als er ausholen wollte und ihr mit aller Gefühlsduselei, die er aufbringen konnte, den Spruch, den er sich gerade zurecht gelegt hatte, geradezu poethisch in den Raum zu werfen, wurde er rabiat am Arm gepackt und von einem der beiden Männer aus der Taverne eskortiert. Ein letzter Tritt in den Hintern beförderte ihn direkt auf das Kopfsteinpflaster vor der Tür.
"Halte dich von hier fern, du Abschaum"... irgendsoetwas hatte er zu Bo gesagt, als dieser sich auf den Rücken drehte, um den Mann vom Boden hinauf anblicken zu können. "So jemand wie du wird niemand bei einer Hochedlen landen.."
"Ich schaffe das schon", entgegnete Bo grinsend, "hat bisher noch bei jeder geklappt. Nur bei deinem Gesicht kann dir niemand helfen. Aber wahrscheinlich stehst du auch nicht auf Frauen. Sicher eher auf Männer. Auf Knaben!", dabei rappelte er sich eilig auf und wich demonstrativ grinsend etwas zurück. "Deswegen hast du mich also hier rausgebracht"
Ein leichtes Funkeln durchzuckte die Augen des Mannes und er knurrte nur ungehalten: "Verzieh dich besser, sonst ruf ich die Wachen, eine Bewaffnung in Varuna ist nicht erlaubt" - dabei deutete er auf die Schwertscheide, in der Bo seinen Säbel verwahrte. "Den brauche ich, um mich gegen lüsterne Kerle wie dich zu wehren", abermals zierte ein breites, fieses Grinsen seine Züge.
Als sich die Tür vor Bo schloss, stand er noch kurz da, ehe er eilig die Strasse davon lief.
Nicht wenig später - die Gesellschaft im INneren der Taverne immernoch in eine angeregte, aber nicht an Etikette mangelnde Unterhaltung vertieft - flog etwas direkt vor die Dame Mariella von Dragenfurt durchs geöffnete Fenster hinein auf den Tisch.
Eine weisse Rose, die bereits etwas verwelkt war, lag auf der verzierten Tischdecke - in einem ihrer Dornen stack ein vergilbtes Pergament.
Ein unsicherer Blick der Lady erging zu den Männern an dem Tisch, als sich Aram Inos, der Bo gerade so herzlich zur Tür hinausgeleitet hatte, erbot den Brief zu öffnen und vorzulesen, falls er womöglich gefährlich sei.
Ein kurzes Kopfschütteln später hatte sie den Brief auch bereits in den Händen und ihn entfaltet.
Auf dem Pergament stand in krageliger Schrift:
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Luca
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- Registriert: Dienstag 1. September 2015, 12:53
Auf den Höfen vor Varuna trieb sich das Paar nicht herum, das wäre ja auch zu einfach gewesen...
Dafür gab es bei Yette ein leckeres Frühstück und den nächsten Tipp. Auf Fanras Hof fragte er wie immer auch nach Bo, der sollte allerdings vor einem halben Jahr zuletzt gesehen worden sein. Hätte zu wenig Gold für ein Pferd gehabt, das war schonmal beruhigend.
Graf und Lady hatte man auch hier nicht gesehen, die Bäuerin empfahl nach einigem Überlegen die Höfe am Wegkreuz.
Das war ziemlich weit...
Irgendwo dort hatte Vince Rafael überfallen und auch Violas Kerl trieb sich "irgendwo hinter Varuna" herum. Dennoch - der Gedanke an 200 Kronen ersparte ihm weiteres Nachdenken und so stieg er noch gegen Mittag in die Kutsche und machte sich auf den Weg.
Weiterhelfen konnte ihm auch hier niemand, und als er allein durch die Wiesen streunte und der Wind ihm unfreundlich den Regen ins Gesicht peitschte, zweifelte er daran, dass es sonderlich klug war, hier mutterseelenallein durch die Gegend zu laufen. Wer sagte eigentlich, dass das hier kein Hexergebiet war? Varuna war ziemlich weit...
Die letzten Meter zur Kutsche legte er im Rennen zurück.
Eine wirklich gute Idee war die Reise wahrscheinlich doch nicht gewesen. Wie scheiß groß die Insel war, hatte er spätestens beim Ritt zur Burg der Bruderschaft gemerkt. Ebenfalls, dass sich das Pack auf der Hexerstadt nicht nur in Rahal und Bajard herumtrieb...
Besser nichts riskieren und abwarten...
Der Tag war noch jung, als er die schlammverkrusteten Stiefel achtlos direkt hinter der Tür liegen ließ und Richtung Bett tappte, um die nassen Sachen auszuziehen und sich aufzuwärmen.
Dafür gab es bei Yette ein leckeres Frühstück und den nächsten Tipp. Auf Fanras Hof fragte er wie immer auch nach Bo, der sollte allerdings vor einem halben Jahr zuletzt gesehen worden sein. Hätte zu wenig Gold für ein Pferd gehabt, das war schonmal beruhigend.
Graf und Lady hatte man auch hier nicht gesehen, die Bäuerin empfahl nach einigem Überlegen die Höfe am Wegkreuz.
Das war ziemlich weit...
Irgendwo dort hatte Vince Rafael überfallen und auch Violas Kerl trieb sich "irgendwo hinter Varuna" herum. Dennoch - der Gedanke an 200 Kronen ersparte ihm weiteres Nachdenken und so stieg er noch gegen Mittag in die Kutsche und machte sich auf den Weg.
Weiterhelfen konnte ihm auch hier niemand, und als er allein durch die Wiesen streunte und der Wind ihm unfreundlich den Regen ins Gesicht peitschte, zweifelte er daran, dass es sonderlich klug war, hier mutterseelenallein durch die Gegend zu laufen. Wer sagte eigentlich, dass das hier kein Hexergebiet war? Varuna war ziemlich weit...
Die letzten Meter zur Kutsche legte er im Rennen zurück.
Eine wirklich gute Idee war die Reise wahrscheinlich doch nicht gewesen. Wie scheiß groß die Insel war, hatte er spätestens beim Ritt zur Burg der Bruderschaft gemerkt. Ebenfalls, dass sich das Pack auf der Hexerstadt nicht nur in Rahal und Bajard herumtrieb...
Besser nichts riskieren und abwarten...
Der Tag war noch jung, als er die schlammverkrusteten Stiefel achtlos direkt hinter der Tür liegen ließ und Richtung Bett tappte, um die nassen Sachen auszuziehen und sich aufzuwärmen.
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Aram Inos
*Sichtlich erstaunt sah er zu wie Mariella die Botschaft las. Als sie dann geschmeichlt lächelte und ihm dann auch noch den Auftrag gab vor die Tür zu gehen und mit dem Strolch zu reden, musste er protestieren*
Wenn ich kurz etwas anmerken dürfte...?
*Ihr Winken verriet ihm, dass sie es wohl nicht hören wollte was er dachte.*
Wenn Silvan jetzt hier wäre. Er würde diesen Kerl einfach anzünden. Stattdessen muss ich nun den Liebesboten für seine Schwester spielen.
*Draussen fand er ihn. Versteckt hatte sich der Feigling.*
Erbärmlich!
*Dachte sich, als er ihn zu sich rief*
Ich soll euch von Hochgeboren ausrichten, dass ihr mit Etikette wohl eine Chance gehabt hättet von Hochgeboren angehört zu werden.
*Wiederwillig brachte er diese Worte über die Lippen. Stellte er sich doch gerade vor wie er ihn mit einem kleinen Feuerbällchen in eine Menschliche Fackel verwandelte. Doch Mariella wollte es so. Die Andeutungen des Burschen, über die angebliche Zuneigung zu Knaben, schürten seinen Zorn.*
Ihr verstoßt gegen das Rüstrecht!
*Sagt er trocken. Die folgende Diskussion und das lautstarke Palaver führten wohl dazu, dass Arenvir, der ebenfalls mit am Tisch saß, vor die Tür geschickt wurde um nachzusehen.
Nachdem Arenvir sich schon wieder in die Taverne begeben hat, machte der Bursche einen Fehler.*
Hey... haste meinen Bruder Luca gesehen?
*Fragte der Bursche plump.*
Bruder? Luca? Bo!
*Schlussfolgerte er innerhalb einer Sekunde*
Kein Wunder dass der Kleine so absäuft wenn der Abschaum in der eigenen Familie schwimmt.
*Sagte Aram gehässig und ging zurück in die Taverne. Natürlich würde Silvan davon erfahren.*
Wenn ich kurz etwas anmerken dürfte...?
*Ihr Winken verriet ihm, dass sie es wohl nicht hören wollte was er dachte.*
Wenn Silvan jetzt hier wäre. Er würde diesen Kerl einfach anzünden. Stattdessen muss ich nun den Liebesboten für seine Schwester spielen.
*Draussen fand er ihn. Versteckt hatte sich der Feigling.*
Erbärmlich!
*Dachte sich, als er ihn zu sich rief*
Ich soll euch von Hochgeboren ausrichten, dass ihr mit Etikette wohl eine Chance gehabt hättet von Hochgeboren angehört zu werden.
*Wiederwillig brachte er diese Worte über die Lippen. Stellte er sich doch gerade vor wie er ihn mit einem kleinen Feuerbällchen in eine Menschliche Fackel verwandelte. Doch Mariella wollte es so. Die Andeutungen des Burschen, über die angebliche Zuneigung zu Knaben, schürten seinen Zorn.*
Ihr verstoßt gegen das Rüstrecht!
*Sagt er trocken. Die folgende Diskussion und das lautstarke Palaver führten wohl dazu, dass Arenvir, der ebenfalls mit am Tisch saß, vor die Tür geschickt wurde um nachzusehen.
Nachdem Arenvir sich schon wieder in die Taverne begeben hat, machte der Bursche einen Fehler.*
Hey... haste meinen Bruder Luca gesehen?
*Fragte der Bursche plump.*
Bruder? Luca? Bo!
*Schlussfolgerte er innerhalb einer Sekunde*
Kein Wunder dass der Kleine so absäuft wenn der Abschaum in der eigenen Familie schwimmt.
*Sagte Aram gehässig und ging zurück in die Taverne. Natürlich würde Silvan davon erfahren.*
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Mariella von Dornwald
Das Fenster ihrer Kammer war weit geöffnet. Vogelgezwitscher und eine frische Brise drangen in den Raum. Mariella stand der Mitte des Raumes und sah sich kritisch um. Die Kammer war deutlich kleiner als die Gemächer in der heimatlichen Burg, doch hatte ihr Bruder sie mit liebevoller und bedachter Hand eingerichtet. Zwei Schritte und sie konnte bereits an ihrem Schreibtisch platznehmen. Aus der Schublade zog sie ihre Briefmappe heraus, nahm die Schreibfeder zur Hand und tunkte sie in das Tintenfass.
Die notwenige Korrespondenz mit der Frau Mutter war schnell erledigt. Es war eine leidige Pflicht, doch verhinderte die Erfüllung zum großen Teil, dass sie auf die Idee einer kleinen Reise kam. Alleine der Gedanke, ihr Bruder und die Mutter würden einander gegenüber stehen...
Rasch schüttelte sie den Gedanken ab und sie verschloss das Tintenfass. In diesem Moment wirbelte ein Windstoß die fein säuberlich gestapelten Pergamentbögen durch einander und ließ sie wie überdimensionale Schneeflocken durch den Raum tanzten und langsam den Boden bedeckten. Ein mürrisches Seufzen, dann machte sie sich daran wieder Ordnung zu schaffen. Brief für Brief, Notiz um Notiz wanderte wieder in die Mappe. Sie machte sich gerade daran, die letzten Schreiben aufzusammeln, als ihr ein kleiner Fetzen vergilbten Pergaments in die Finger fiel. Sofort waren die Bilder jenes Abends wieder vor ihrem inneren Auge:
Die Taverne, die angeregten Gespräche und dieser kleine Blondschopf mit seiner unerschütterlichen Anstrengung um ihre Aufmerksamkeit. Mariella konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken, als sie die Zeilen ein weiteres Mal las. Sicher, es war kindisch und plump, er war vollkommen unter ihrem Stand und im Grunde nicht mal eines Grußes wert. Dennoch hatte sie seine hartnäckige Art beeindruckt und ebenso erheitert. Da solch ein Bemühen belohnt wurde, bat sie schließlich Aram, der zuvor so heroisch ihre Ungestörtheit verteidigt hatte, ihm ein paar Höflichkeiten auszurichten.
Doch schon bald war ihre Plauderei mit Arenvir durch Getöse von außerhalb ruppig unterbrochen worden und so sah sie sich gezwungen auch noch Arenvir zur Schlichtung hinauszubitten.
Nun ja, ob von Stand oder nicht, sie hatte nun mal eine fürchterliche Schwäche: Neugier. Sie war nicht in der Lage, diese im Zaum zu halten und das Fenster ließ sich auch viel zu leicht öffnen, um einen Lauschangriff zu verhindern.
Nach dem üblichen Muskelspiel unter Männern wurde es dann tatsächlich noch belustigend: Dieser Junge -seinen Namen sollte sie vielleicht noch herausfinden...- jedenfalls.. dieser Junge hatte es doch tatsächlich geschafft, Aram und Arenvir ihren Namen zu entlocken. Und schon floss die nächste Ladung schmalziger Schwärmerei. Wie war das noch?
"Mariella... das klingt.. Kennt Ihr das Gefühl, in einer Sommernacht bei Vollmond auf einer Wiese zu liegen? Und ein Wind streicht Euch über die Haut, aber nur so ganz sanft?"
An diesem Punkt verhinderte nur die anerzogene Selbstbeherrschung, dass ein lautes Auflachen sie verriet. Leise schob sie das Fenster wieder zu, wischte jedes verräterische Anzeichen aus ihrem Gesicht und wartete auf die Rückkehr ihrer Beschützer.
Was sie nicht erwartet hatte, war wie schnell ihrem Bruder die Ereignisse zugetragen wurden. Sie hätte mindestens zwei Tage später erst damit gerechnet. Wie dem auch sei, die Wortwahl des Berichtes ließ nur einen Rückschluss zu: Aram war es, der Silvan informiert hatte. Entsprechend harsch war die Reaktion. Es brauchte mehrere Anläufe ihrerseits, damit dieser Blondschopf nicht bei nächster Gelegenheit aufgeknüpft werden würde.
Mit einem amüsierten Schmunzeln schob sie den kleinen "Brief" in die Mappe zu den restlichen persönlichen Unterlagen. Irgendwann in vielen Jahren würde es Anlass zu einer netten Geschichte sein...
Die notwenige Korrespondenz mit der Frau Mutter war schnell erledigt. Es war eine leidige Pflicht, doch verhinderte die Erfüllung zum großen Teil, dass sie auf die Idee einer kleinen Reise kam. Alleine der Gedanke, ihr Bruder und die Mutter würden einander gegenüber stehen...
Rasch schüttelte sie den Gedanken ab und sie verschloss das Tintenfass. In diesem Moment wirbelte ein Windstoß die fein säuberlich gestapelten Pergamentbögen durch einander und ließ sie wie überdimensionale Schneeflocken durch den Raum tanzten und langsam den Boden bedeckten. Ein mürrisches Seufzen, dann machte sie sich daran wieder Ordnung zu schaffen. Brief für Brief, Notiz um Notiz wanderte wieder in die Mappe. Sie machte sich gerade daran, die letzten Schreiben aufzusammeln, als ihr ein kleiner Fetzen vergilbten Pergaments in die Finger fiel. Sofort waren die Bilder jenes Abends wieder vor ihrem inneren Auge:
Die Taverne, die angeregten Gespräche und dieser kleine Blondschopf mit seiner unerschütterlichen Anstrengung um ihre Aufmerksamkeit. Mariella konnte ein leises Kichern nicht unterdrücken, als sie die Zeilen ein weiteres Mal las. Sicher, es war kindisch und plump, er war vollkommen unter ihrem Stand und im Grunde nicht mal eines Grußes wert. Dennoch hatte sie seine hartnäckige Art beeindruckt und ebenso erheitert. Da solch ein Bemühen belohnt wurde, bat sie schließlich Aram, der zuvor so heroisch ihre Ungestörtheit verteidigt hatte, ihm ein paar Höflichkeiten auszurichten.
Doch schon bald war ihre Plauderei mit Arenvir durch Getöse von außerhalb ruppig unterbrochen worden und so sah sie sich gezwungen auch noch Arenvir zur Schlichtung hinauszubitten.
Nun ja, ob von Stand oder nicht, sie hatte nun mal eine fürchterliche Schwäche: Neugier. Sie war nicht in der Lage, diese im Zaum zu halten und das Fenster ließ sich auch viel zu leicht öffnen, um einen Lauschangriff zu verhindern.
Nach dem üblichen Muskelspiel unter Männern wurde es dann tatsächlich noch belustigend: Dieser Junge -seinen Namen sollte sie vielleicht noch herausfinden...- jedenfalls.. dieser Junge hatte es doch tatsächlich geschafft, Aram und Arenvir ihren Namen zu entlocken. Und schon floss die nächste Ladung schmalziger Schwärmerei. Wie war das noch?
"Mariella... das klingt.. Kennt Ihr das Gefühl, in einer Sommernacht bei Vollmond auf einer Wiese zu liegen? Und ein Wind streicht Euch über die Haut, aber nur so ganz sanft?"
An diesem Punkt verhinderte nur die anerzogene Selbstbeherrschung, dass ein lautes Auflachen sie verriet. Leise schob sie das Fenster wieder zu, wischte jedes verräterische Anzeichen aus ihrem Gesicht und wartete auf die Rückkehr ihrer Beschützer.
Was sie nicht erwartet hatte, war wie schnell ihrem Bruder die Ereignisse zugetragen wurden. Sie hätte mindestens zwei Tage später erst damit gerechnet. Wie dem auch sei, die Wortwahl des Berichtes ließ nur einen Rückschluss zu: Aram war es, der Silvan informiert hatte. Entsprechend harsch war die Reaktion. Es brauchte mehrere Anläufe ihrerseits, damit dieser Blondschopf nicht bei nächster Gelegenheit aufgeknüpft werden würde.
Mit einem amüsierten Schmunzeln schob sie den kleinen "Brief" in die Mappe zu den restlichen persönlichen Unterlagen. Irgendwann in vielen Jahren würde es Anlass zu einer netten Geschichte sein...
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Luca
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Das Treffen mit dem Grafen war gänzlich anders verlaufen, als er erwartet hatte. Gut, mit Einwänden hatte er gerechnet... aber immerhin hatte er ihm gerade Vince angeboten. Vince, für den er 100 Kronen ausgeben wollte. Da wäre ein bisschen mehr Begeisterung angebracht gewesen... So richtig schien er nicht verstanden zu haben, dass er ihn wirklich fangen würde. Dann die Drohung, der Lady von den Plänen zu erzählen... wenn er schon als Ritter so anfing, würde sie als Frau nicht besser sein... vernünftiger, das beizeiten selbst in die Hand zu nehmen.
Letzten Endes sicherte Luca zu, nichts zu unternehmen, ohne zuvor mit Darna gesprochen zu haben; ausgenommen den Fall, Vince sollte zufällig – etwa durch einen Klippensturz – tot vor seinen Füßen liegen, so dass er ihn gefahrlos bis ins Schloss schleifen könnte. Seiner Meinung nach reichte dieses Hintertürchen aus, alle Pläne abzudecken, die doch eher auf „tot“ als auf „lebendig“ hinausliefen.
Als nächstes führte ihn sein Weg zurück zur Herberge. Eine Weile überlegte er, Rafael doch einzuweihen, verwarf den Gedanken aber wieder. Was, wenn er den Plan ebenfalls verbot, ihm aber die Bekanntschaft zum Piraten übel nahm? Das war nichts, was man riskieren konnte...
Dass es der Tag Rehyas Taufe war, hatte er schon wieder vergessen; es war kein Ereignis, das für ihn von Bedeutung gewesen wäre. Die Zeremonie selbst zehrte ziemlich an seinen Nerven. Eine gute Figur vor der Prominenz des Reiches machen, stundenlang still stehen und vor allem fremdes Familienglück über sich ergehen zu lassen.
Es war ungerecht, was konnte ein Krabbler – auch noch ein Mädchen – schon mit einem Vater wie Rafael anfangen? Früher war es einfacher gewesen, Kinder nicht um ihre Eltern zu beneiden. Viele waren nicht besser als seine Tante gewesen, die meisten seiner Freunde hatten sich genau wie er auf der Straße herumgetrieben und wenn so ein feiner Pinkel gemeint hatte, angeben zu müssen, hatte man ihn eben verdroschen.
Zu der Kleinen musste er zweifellos nett sein, wollte er sich nicht jegliche Zuneigung verderben. Was für ein Theater alle veranstalteten... er war es nicht gewöhnt, dass Kinder überhaupt beachtet wurden, solange sie nicht anständig sprechen, laufen und wenigstens ansatzweise arbeiten konnten.
Trotzdem liebte sein Held sie offensichtlich innig, und das machte ihm nur erneut deutlich, was ihm selbst fehlte. Seit Bo fort war, gab es keinen mehr, der so bedingungslos zu ihm gehört hätte, wie die vier im Mittelpunkt des Geschehens zueinander gehörten.
Als endlich alles hinter sich gebracht war, seine rotzige Nase wieder einmal für Unmut gesorgt hatte und er aber zumindest mit der Verabschiedung geglänzt hatte, waren seine Gedanken schon wieder beim Kopfgeld und dem besten Weg, die Lady auf seine Seite zu bringen. Sie musste das Ganze ja nur absegnen... den gefährlichen Part würden so oder so andere übernehmen...
Starke Männer zum Festnehmen, eine einsame Hütte, Schnaps, Schlaftrank, ein bis zwei willige Dirnen... wichtige Bestandteile seines Plans und viel einfacher zu bekommen, wenn der Graf half. Wie fing man so ein Gespräch taktvoll an...?
Jedenfalls nicht, während sie schon wieder anfing, seine Hoheit mit Blicken auszuziehen. Ausziehen wohl weniger, immerhin hätte er dann nichts an.... kommentierte ein augenrollendes inneres Stimmchen, das ihn an ihre seltsamen Moralvorstellungen erinnerte. Aber zumindest himmelten sie sich reichlich verliebt an; Grund genug, sich angewidert abzuwenden und darüber nachzudenken, noch mal hoch zu Rafael zu gehen.
Eine bekannte Stimme entschied, dass es anders kommen sollte.
Zunächst war es nur das unwirkliche Hoffen gewesen, das er jedes Mal verspürt hatte, wenn er irgendwo einen blonden Halbstarken gesehen hatte oder jemanden nach Seemannsart hatte fluchen hören. Als der Monolog in der Küche des Gasthauses jedoch anhielt, war klar, dass es wirklich Bo sein musste.
Dessen Pech, dass er seinen Bruder nicht sofort erkannte. Ein ärgerlicher Tritt ebnete Lucas Ärger zumindest den Weg, sich Luft zu verschaffen. Da Bo sich nicht eben als diplomatisch erwies, begann das Wiedersehen der beiden den gleichen Weg zu nehmen, wie ihr letztes. Beim geschwächten Zustand des Älteren spielte keine Rolle mehr, dass Luca sich fast ein Jahr lang nicht mehr ordentlich geprügelt hatte und reichlich aus der Übung war. Die Wut und all die Anspannung, die sich löste, reichten aus, um den lange Gesuchten gebührend zu verdreschen. Im Nachhinein konnte sich Luca gar nicht mehr daran erinnern, wie die Bratpfanne in seine Hand gekommen war. Er hatte einfach zugeschlagen und erst beim Eintreten der Lady bemerkt, dass Bo sich nicht tot stellte, sondern tatsächlich bewusstlos schien. Noch bevor die Sorge Oberhand gewann, wurde er aus dem Raum geschleift. Viel bekam er nicht mit von den Begehren der Umstehenden, die der Lärm angelockt haben musste.
Bo war da....
Lebte.
Lebte...? Ja, versicherte die Lady
Als Rafaels Brüllen im Obergeschoss neuen Ärger ankündigte, zuckte er nur kurz zusammen. Die Lady gab den Raum frei und er konnte zu seinem Bruder, viel mehr zählte im Moment nicht. Für Außenstehende mochte er sich ebenso unsanft wie zuvor auf ihn stürzen, diesmal jedoch, um ihn zu drücken
Letzten Endes sicherte Luca zu, nichts zu unternehmen, ohne zuvor mit Darna gesprochen zu haben; ausgenommen den Fall, Vince sollte zufällig – etwa durch einen Klippensturz – tot vor seinen Füßen liegen, so dass er ihn gefahrlos bis ins Schloss schleifen könnte. Seiner Meinung nach reichte dieses Hintertürchen aus, alle Pläne abzudecken, die doch eher auf „tot“ als auf „lebendig“ hinausliefen.
Als nächstes führte ihn sein Weg zurück zur Herberge. Eine Weile überlegte er, Rafael doch einzuweihen, verwarf den Gedanken aber wieder. Was, wenn er den Plan ebenfalls verbot, ihm aber die Bekanntschaft zum Piraten übel nahm? Das war nichts, was man riskieren konnte...
Dass es der Tag Rehyas Taufe war, hatte er schon wieder vergessen; es war kein Ereignis, das für ihn von Bedeutung gewesen wäre. Die Zeremonie selbst zehrte ziemlich an seinen Nerven. Eine gute Figur vor der Prominenz des Reiches machen, stundenlang still stehen und vor allem fremdes Familienglück über sich ergehen zu lassen.
Es war ungerecht, was konnte ein Krabbler – auch noch ein Mädchen – schon mit einem Vater wie Rafael anfangen? Früher war es einfacher gewesen, Kinder nicht um ihre Eltern zu beneiden. Viele waren nicht besser als seine Tante gewesen, die meisten seiner Freunde hatten sich genau wie er auf der Straße herumgetrieben und wenn so ein feiner Pinkel gemeint hatte, angeben zu müssen, hatte man ihn eben verdroschen.
Zu der Kleinen musste er zweifellos nett sein, wollte er sich nicht jegliche Zuneigung verderben. Was für ein Theater alle veranstalteten... er war es nicht gewöhnt, dass Kinder überhaupt beachtet wurden, solange sie nicht anständig sprechen, laufen und wenigstens ansatzweise arbeiten konnten.
Trotzdem liebte sein Held sie offensichtlich innig, und das machte ihm nur erneut deutlich, was ihm selbst fehlte. Seit Bo fort war, gab es keinen mehr, der so bedingungslos zu ihm gehört hätte, wie die vier im Mittelpunkt des Geschehens zueinander gehörten.
Als endlich alles hinter sich gebracht war, seine rotzige Nase wieder einmal für Unmut gesorgt hatte und er aber zumindest mit der Verabschiedung geglänzt hatte, waren seine Gedanken schon wieder beim Kopfgeld und dem besten Weg, die Lady auf seine Seite zu bringen. Sie musste das Ganze ja nur absegnen... den gefährlichen Part würden so oder so andere übernehmen...
Starke Männer zum Festnehmen, eine einsame Hütte, Schnaps, Schlaftrank, ein bis zwei willige Dirnen... wichtige Bestandteile seines Plans und viel einfacher zu bekommen, wenn der Graf half. Wie fing man so ein Gespräch taktvoll an...?
Jedenfalls nicht, während sie schon wieder anfing, seine Hoheit mit Blicken auszuziehen. Ausziehen wohl weniger, immerhin hätte er dann nichts an.... kommentierte ein augenrollendes inneres Stimmchen, das ihn an ihre seltsamen Moralvorstellungen erinnerte. Aber zumindest himmelten sie sich reichlich verliebt an; Grund genug, sich angewidert abzuwenden und darüber nachzudenken, noch mal hoch zu Rafael zu gehen.
Eine bekannte Stimme entschied, dass es anders kommen sollte.
Zunächst war es nur das unwirkliche Hoffen gewesen, das er jedes Mal verspürt hatte, wenn er irgendwo einen blonden Halbstarken gesehen hatte oder jemanden nach Seemannsart hatte fluchen hören. Als der Monolog in der Küche des Gasthauses jedoch anhielt, war klar, dass es wirklich Bo sein musste.
Dessen Pech, dass er seinen Bruder nicht sofort erkannte. Ein ärgerlicher Tritt ebnete Lucas Ärger zumindest den Weg, sich Luft zu verschaffen. Da Bo sich nicht eben als diplomatisch erwies, begann das Wiedersehen der beiden den gleichen Weg zu nehmen, wie ihr letztes. Beim geschwächten Zustand des Älteren spielte keine Rolle mehr, dass Luca sich fast ein Jahr lang nicht mehr ordentlich geprügelt hatte und reichlich aus der Übung war. Die Wut und all die Anspannung, die sich löste, reichten aus, um den lange Gesuchten gebührend zu verdreschen. Im Nachhinein konnte sich Luca gar nicht mehr daran erinnern, wie die Bratpfanne in seine Hand gekommen war. Er hatte einfach zugeschlagen und erst beim Eintreten der Lady bemerkt, dass Bo sich nicht tot stellte, sondern tatsächlich bewusstlos schien. Noch bevor die Sorge Oberhand gewann, wurde er aus dem Raum geschleift. Viel bekam er nicht mit von den Begehren der Umstehenden, die der Lärm angelockt haben musste.
Bo war da....
Lebte.
Lebte...? Ja, versicherte die Lady
Als Rafaels Brüllen im Obergeschoss neuen Ärger ankündigte, zuckte er nur kurz zusammen. Die Lady gab den Raum frei und er konnte zu seinem Bruder, viel mehr zählte im Moment nicht. Für Außenstehende mochte er sich ebenso unsanft wie zuvor auf ihn stürzen, diesmal jedoch, um ihn zu drücken
-
Bo
Eine unerwartete Kopfnuss
Der Tritt kam derart unerwartet, dass die Überraschung die Schmerzen im Hinterteil beinahe wett zu machen vermochte. Mit einem Ruck fuhr er hoch, nur um sich in selbiger Sekunde aufs Neue seiner Position mit dem Kopf in einem niedrigen Schrank gewahr zu werden. Ein dumpfes Pochen auf seinem Kopf übertönte nun endgültig den Schmerz in seinem Hintern, während er sich ungelenk rückwärts aus dem Schrank manövrierte. Hinter ihm stand Luca, der wie eine Furie auf ihn los ging.
Schließlich, gerade als Bo sich wieder einigermaßen in Sicherheit wog, ob der Tatsache, dass er Lucas Hände endlich umklammert hatte, verpasste dieser ihm eine Kopfnuss, die sich gewaschen hatte. Sein Kopf schlug rückwärts auf den Hölzernen Boden und das nächste, an das er sich erinnern konnte, war eine gehörige Ohrfeige...
Eine ihm völlig unbekannte Frau kniete über ihm und untersuchte ihn. Immer wieder flackerten ihm die Augenlieder und er musste einiges an Konzentration aufbringen, um bei Bewusstsein zu bleiben.
"Was für eine hübsche reife Lady", meinte er nur benommen grinsend.
Als schliesslich ein ohrenbetäubender Schrei aus dem oberen Geschoss erklang, und die Frau den Raum verließ, kam Luca wieder hinein. Diesmal weitaus zurückhaltender, beinahe besorgt.
Nicht wenig später hatte Bo sich wieder aufgerappelt und war mit Lucas Unterstützung aus der Kammer getaumelt. Mit einiger Mühe gelang es gar die Treppe unter ausgiebiger Belastung des Geländers zu erklimmen, um oben dann festzustellen, dass irgendeine hohe Lady wohl arge Schmerzen habe und es einen Heiler zu suchen galt. Direkt wurden Bo und Luca auf die Suche geschickt.
Taumelnd wankte Bo durch die dunklen Gassen Varunas auf der Suche nach einer Frau von der er nur den Namen kannte, nicht aber das Aussehen, geschweigedenn INformationen über ihren etwaigen Aufenthaltsort. Immer wieder musste er innehalten, verschnaufen und wieder zu Sinnen kommen, als die Benommenheit ihn zu übermannen drohte. Schliesslich traf er auf Luca, der bei seiner Suche genauso wenig erfolgreich gewesen war wie Bo. Hinter ihnen trat ein edel gekleideter Mann die Straße entlang. Als Luca ihn erkannte, erläuterte er, dass das der Mann gewesen sei, der gesagt habe, er - Bo - habe ihn - Luca - als lästig empfunden und habe ihn loswerden wollen.
"Ich kenn den Kerl nichtmal", meinte Bo völlig überfragt
Mit einem beinahe schadenfrohen Lächeln meinte dieser nur etwas von wegen, er wollte Lucas Reaktion auf diesen Satz austesten...
Als er dann gegangen war, sah Luca zu ihm hoch und versicherte sich, ob Bo ihn wirklich nicht loswerden wollte...
Ihm hat das ganze offenbar ziemlich zugesetzt...
Verheulte Augen
"Also sag schon, wo warst du?"
Immer wieder hagelten dergleichen Fragen auf ihn ein und immer wieder fragte sich Bo, ob er wirklich über das sprechen wollte, was in den vergangen Wochen geschehen war... und immer wieder kam er zu dem Schluss, es besser nicht zu tun.
Wieder im Gasthaus angekommen, begann Luca, ihn unaufhörlich mit Fragen über seinen Verbleib zu traktieren und als Bo ihnen demonstrativ ausweichen wollte, in dem er Richtung Tuer ging, sprang Luca ihn von hinten an. Völlig überrascht und nicht im Mindesten in der Lage, in seiner Momentanen Verfassung Lucas Gewicht standzuhalten, klappte er schlicht nach vorne Weg und schlug mit dem Gesicht nach vorne auf den hölzernen Boden. Er hatte gerade noch Zeit, sich auf den Rücken zu rappeln, als binnen einer Sekunde Luca auf ihm war und begann ihn mit Schlägen einzudecken.
Als er das nächste Mal angestrengt die Augen öffnete und diesmal auch einen Fokus fand, stand nur wirr den Blick durch die Gegend wandern zu lassen - vollkommen ohnmächtig-, kniete abermals die Lady über ihm.
"Die reife Lady schonwieder - was für ein Glückstag", presste er angestrengt heraus.
Hinter ihr hatte sich auch ein varunesischer Gardist postiert, der ihn eingehend und offenbar missbilligend musterte. Als er es mit Darnas Hilfe geschafft hatte, sich auf den Stuhl zu rappeln, fand er vor sich eine dampfende Suppe. Sein Magen tat einen Freudensprung, als er das erste richtige Mal seit...
seit...
Gerade wollte er beginnen, die Suppe hinunterzuschlürfen, als er sich noch rechtzeitig besann und eingehend an ihr schnupperte. Vorsichtig streckte er daraufhin auch noch einen Finger hinein und leckte an ihm; als sich nichts alamierendes herausstellte, begann er gierig, die Suppe mit einem Löffel hinunter zu schlingen. Luca hatte sich auf den Stuhl direkt neben ihn gesetzt und war dicht an ihn herangerutscht. Erst jetzt bemerkte er seine verheulten Augen, denen er mit aller Kraft versuchte, einen gefassten Ausdruck zu verleihen.
Er macht sich echt sorgen um mich...
Von Hexen in riesigen Häusern
Als der Teller leer geputzt war, ließ Bo es sich nicht nehmen, ihn direkt auch noch mit wenigen gekonnten Zuegen leer zu lecken. Auch was ihm danach aufgetischt wurde, verputzte er restlos, ohne über irgendwelche Magenbeschwerden zu klagen.
In der letzten Zeit hatte er gelernt, seinen Körper für eine ganze Weile am absoluten Minimum arbeiten zu lassen, nur um dann, wenn es endlich mal wieder etwas Essbares gab - und war es noch so widerwärtig - so viel so schnell wie möglich hinunter zu schlingen, um dann wieder eine Weile durchzuhalten...
Als es nach einer Weile ruhiger geworden war, machte Darna Anstalten aufzubrechen und forderte Luca auf, sie zu begleiten.
"Und sie ist doch eine Hexe", zischte Bo Luca zu.
"Ist sie nicht, sei kein Idiot!"
"Du hast mir erzaehlt, dass sie erst Blind war und dann auf einmal nichtmehr! Und sie kann komische Dingen passieren lassen! Und gedanken lesen kann sie auch! Das ist hexenwerk!"
"Am Arsch! Sie ist keine Hexe und sie frisst mich auch nicht"
"Denkst du"
So lieferten die beiden sich einen tuschelnden Schlagabtausch...
"Los komm mit, in ihrem Haus ist es schön, viel besser als in irgendeiner Gasse zu schlafen", raunte er ihm zurueck.
Bestimmt schuettelte Bo den Kopf.
"Dann bleib ich auch hier", meinte Luca entschlossen.
Er hat es hier offenbar richtig gut...
Was kann ich ihm eigentlich bieten, was er nicht zu hundert von dieser Frau bekommen kann. Und jetz will er für mich hier irgendwo mit mir in einer Gasse schlafen,...
Aus dem Dunkel einer Ecke
"DU BIST GENAU WIE TANTE", bruellte Luca markerschuetternd von Darnas Pferd hinaus in die Nacht. Bo hatte sich in einer dunklen Ecke vor den Augen der beiden in Sicherheit gebracht, während Darna ihre liebe Not damit hatte, Luca auf dem Pferd zu halten.
"DU WILLST MICH DOCH NUR WIEDER ALLEIN LASSEN!
ALLE LASSEN SIE MICH ALLEIN!", gellte Lucas Stimme durch die Gasse.
In die Dunkle Ecke gekauert, hatte Bo den Kopf in den Armen versteckt und erstickte seine eigenen Schluchzer. Er hoffe inständig darauf, dass Darna ihre Hexerei nicht einsetzte, um ihn zu finden; er würde es nicht ertragen können, Luca neben sich zu haben, Luca zu einer kalten Nacht in Varunas Gosse zu verdammen, wenn er stattdessen ein warmes Bett haben konnte.
Ich will nicht, dass er für mich auf das verzichtet. Das kann ich nicht von ihm verlangen - er hat es gut..
"Wenn er klug ist, dann kommt er morgen zum Anwesen und holt sich sein Frühstück ab", murmelte Darna dem völlig aufgelösten Luca entgegen, als sie das Pferd wendete und Richtung Ausgang Varuna ritt...
Noch eine Weile kauerte Bo in der Ecke, ehe er sich aufrappelte und seinerseits einen Weg aus Varuna heraus einschlug, in den Wald hinein...
Graues Badewasser
Am nächsten Morgen hatte Bo seine liebe Not, sich zu Darnas Residenz durchzufragen. Schließlich traf er doch auf jemanden - Rahel -, die ihm sagen konnte, wo sie wohnte. Als sie sich im Grunde nur kurz unterhielten, wäre ihm beinahe Vincents NAme entschlüpft, als er gerade beginnen wollte, großspurig daher zu reden, wieviel er über Gifte wisse.. Eilig redete er sich heraus, dass es eigentlich um eine Freundin Vincera ging, die sich mit allerlei Wässerchen und Tinkturen auskenne...
Nur kurz beunruhigt, schien Rahel damit also beruhigt und er machte sich, ihrer Beschreibung folgend quer durch Varuna auf den Weg zu Darnas Anwesen.
"Nein sie ist ganz sicher keine Hexe.. sie ist Paladiness", hallten Rahels Worte in Bos Kopf wider.. "Vielleicht ist sie ja wirklich keine Hexe", dachte er unsicher bei sich, als er vor dem mounmentalen Anwesen stand.
Als Luca ihn bemerkt hatte und nach draußen gestürmt kam, deckte er ihn zuerst einmal mit reichlich Essen ein. Abermals schnupperte er erst genau an allem und leckte kurz probeweise daran, ehe er sich gierig über das ihm aufgetischte Essen hermachte. Darna derweil trat ihren Weg zum Schloss an.
Luca und Bo brachen nach dem Essen wie geheissen zum Gasthaus auf, um Bo dort einmal einer Grundreinigung zu unterziehen. Im Waschzimmer angekommen, zerrte Bo sich eilig sein Hemd vom Kopf und tauchte tief ins Wasser ein, den Rücken zur Wand gedreht. Luca derweil zog sich ruhig aus und verstaute seine Sachen feinsaeuberlich in einem Schrank.. Nachdem das mehrmalige Waschprozedere beendet war, und das Badewasser einen graeulichen Stich angenommen hatte, hatten wenigstens Bos Haare ihren strahlenden Blondton wiedergewonnen.
Als sich die beiden wieder anzogen und Bo schon wieder sein zerschlissenes, dreckiges und stinkendes Hemd angezogen hatte, mahnte Luca ihn altklug, dass er so doch die ganze Wäsche zunichte mache. Unbehaglich wickelte sich Bo ein Handtuch um die Sperlingsbrust, wohl darauf bedacht Luca keinen Blick auf seinen Rücken erhaschen zu lassen, und zog sich wieder seine Lederhose und die löchrigen Stiefel an.
Besser er weiß nichts von alledem... er würde es ohnehin nicht verstehen
Kein Zuhause
Als Bo sich am späten Abend noch einmal dem Herrenhaus Darnas näherte und nur spärliche Beleuchtung Kunde von ein wenig Aktivität im Haus in das Dunkel der Nacht trug, überkam ihn ein eigenartiges Gefühl, bei dem Gedanken daran, dass Luca hier seit einiger Zeit jede Nacht schlief...
Im Dunkeln sah das Haus doch gleich viel furchteinflößender aus. Viel wichtiger aber war, dass er kaum erkennen konnte, wo er am ehesten einsteigen konnte. Schliesslich beschloss er, ueber die Blumenbeete durch eine Öffnung zu rabbeln. Gerade als er die Steinbrüstung erklommen hatte, machte ihm die Regenfeuchte Erde einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Mit einem mal verlor er das Gleichgewicht, ob des rutschigen Matsches, der sich unter seinen Stiefeln festgesetzt hatte und landete der Länge nach in dem Beet. Als er den Kopf aus der nassen Erde zog, stand auch schon einer der beiden Gardisten, die eben noch die EIngangstür flankiert hatten, neben ihn und zerrte ihn am Arm aus dem Beet. Ohne viel Aufhebens darum zu machen, ob Bo bei diesem Gezerre überhaupt auf die Beine kam, schliff er ihn einfach durch den Dreck bis zur Haustür, in der bereits Darna, durch den Krach aufgeschreckt, stand.
Kaum zwei Minuten später wurde Bo links von der Wache, rechts von Darna flankiert zurück nach Varuna eskortiert.
"Darf ich euch etwas fragen Lady?"
"Nein?"
"Was ist mit Luca in Rahal geschehen?"
"Sagt dir der Name Arkorither etwas?"
"Nein"
"Magier im Dienste Alatars?"
"und was haben die getan?"
"Sie haben ihn andertalb Tage gefoltert und Wahnvorstellungen ausgesetzt"
Missmutig senkte er den Blick, als Darna abfällig über die Machenschaften der Arkorither sprach.
"Warum haben war Luca in Rahal?"
"Du meinst ausser, weil er seinen Bruder gesucht hat?"
Ein eisiger Stich durchzuckte ihn. Jäh wurde ihm bewusst, dass er für Luca kaum etwas anderes bedeutete, als eine herbe Enttäuschung, die ihn beinahe das Leben gekostet hatte...
"Er hatte kein Zuhause, Bo, obwohl er sich sehnlichst eines wünschte. Und eine Familie, die zueinander hält."
Nichts, was ich ihm bieten kann... vielleicht ist es besser so.. vielleicht wird er bei Darna glücklich. Er ist besser dran ohne mich..
Wortlos lies er sich in die Zelle eskortieren, ohne noch einmal aufzublicken. Auch dass der zerbrochene Dietrich und ein wenig Blitzpulver in seinen Sachen gefunden wurde, störte ihn jetzt nicht mehr...
Eine Weile noch saß er auf dem kleinen Bett, den Kopf in die Hände vergraben, die blonden Haare das Gesicht zu allen Seiten verdeckend. Er dachte zurück an die Zeit, die sie bei ihrer Tante verbracht hatten. An die Zeit, die er für Luca den Beschützer viel mehr gespielt hatte, als den großen Bruder. Eine Zeit, in der er jeden Tag sein Bestes gab, um allerlei Leute, um ihre Habe zu erleichtern, nur um Abends genug beisammen zu haben, damit Tante ihn und Luca nicht rauswarf.
Eine Zeit in der sie beiden immer feixend mit den anderen Kindern auf den Dachboden hockten, als sie wiedermal einen besoffenen Kerl unten über die Dielen poltern hörten und wussten, dass Tante sich wiedermal einem Mann verkaufte, der sogar noch hässlicher war als sie selbst.
Eine Zeit, in der sie jeden Tag darum bangen mussten, ihr Dach über dem Kopf zu verlieren und von jetzt auf gleich auf der Straße zu sitzen - mit nichts; ausser einander...
Diesmal jedoch entwich ihm kein einziger Laut. Nur die Gedanken in seinem Inneren überschlugen sich und je mehr er nachdachte, desto weniger bedeutsam kam er sich vor - desto bewusster wurde ihm, dass er als Bruder versagt hatte und Luca zurecht Menschen gefunden hatte, die ihm geben konnten, was er verdient hatte...
Der Tritt kam derart unerwartet, dass die Überraschung die Schmerzen im Hinterteil beinahe wett zu machen vermochte. Mit einem Ruck fuhr er hoch, nur um sich in selbiger Sekunde aufs Neue seiner Position mit dem Kopf in einem niedrigen Schrank gewahr zu werden. Ein dumpfes Pochen auf seinem Kopf übertönte nun endgültig den Schmerz in seinem Hintern, während er sich ungelenk rückwärts aus dem Schrank manövrierte. Hinter ihm stand Luca, der wie eine Furie auf ihn los ging.
Schließlich, gerade als Bo sich wieder einigermaßen in Sicherheit wog, ob der Tatsache, dass er Lucas Hände endlich umklammert hatte, verpasste dieser ihm eine Kopfnuss, die sich gewaschen hatte. Sein Kopf schlug rückwärts auf den Hölzernen Boden und das nächste, an das er sich erinnern konnte, war eine gehörige Ohrfeige...
Eine ihm völlig unbekannte Frau kniete über ihm und untersuchte ihn. Immer wieder flackerten ihm die Augenlieder und er musste einiges an Konzentration aufbringen, um bei Bewusstsein zu bleiben.
"Was für eine hübsche reife Lady", meinte er nur benommen grinsend.
Als schliesslich ein ohrenbetäubender Schrei aus dem oberen Geschoss erklang, und die Frau den Raum verließ, kam Luca wieder hinein. Diesmal weitaus zurückhaltender, beinahe besorgt.
Nicht wenig später hatte Bo sich wieder aufgerappelt und war mit Lucas Unterstützung aus der Kammer getaumelt. Mit einiger Mühe gelang es gar die Treppe unter ausgiebiger Belastung des Geländers zu erklimmen, um oben dann festzustellen, dass irgendeine hohe Lady wohl arge Schmerzen habe und es einen Heiler zu suchen galt. Direkt wurden Bo und Luca auf die Suche geschickt.
Taumelnd wankte Bo durch die dunklen Gassen Varunas auf der Suche nach einer Frau von der er nur den Namen kannte, nicht aber das Aussehen, geschweigedenn INformationen über ihren etwaigen Aufenthaltsort. Immer wieder musste er innehalten, verschnaufen und wieder zu Sinnen kommen, als die Benommenheit ihn zu übermannen drohte. Schliesslich traf er auf Luca, der bei seiner Suche genauso wenig erfolgreich gewesen war wie Bo. Hinter ihnen trat ein edel gekleideter Mann die Straße entlang. Als Luca ihn erkannte, erläuterte er, dass das der Mann gewesen sei, der gesagt habe, er - Bo - habe ihn - Luca - als lästig empfunden und habe ihn loswerden wollen.
"Ich kenn den Kerl nichtmal", meinte Bo völlig überfragt
Mit einem beinahe schadenfrohen Lächeln meinte dieser nur etwas von wegen, er wollte Lucas Reaktion auf diesen Satz austesten...
Als er dann gegangen war, sah Luca zu ihm hoch und versicherte sich, ob Bo ihn wirklich nicht loswerden wollte...
Ihm hat das ganze offenbar ziemlich zugesetzt...
Verheulte Augen
"Also sag schon, wo warst du?"
Immer wieder hagelten dergleichen Fragen auf ihn ein und immer wieder fragte sich Bo, ob er wirklich über das sprechen wollte, was in den vergangen Wochen geschehen war... und immer wieder kam er zu dem Schluss, es besser nicht zu tun.
Wieder im Gasthaus angekommen, begann Luca, ihn unaufhörlich mit Fragen über seinen Verbleib zu traktieren und als Bo ihnen demonstrativ ausweichen wollte, in dem er Richtung Tuer ging, sprang Luca ihn von hinten an. Völlig überrascht und nicht im Mindesten in der Lage, in seiner Momentanen Verfassung Lucas Gewicht standzuhalten, klappte er schlicht nach vorne Weg und schlug mit dem Gesicht nach vorne auf den hölzernen Boden. Er hatte gerade noch Zeit, sich auf den Rücken zu rappeln, als binnen einer Sekunde Luca auf ihm war und begann ihn mit Schlägen einzudecken.
Als er das nächste Mal angestrengt die Augen öffnete und diesmal auch einen Fokus fand, stand nur wirr den Blick durch die Gegend wandern zu lassen - vollkommen ohnmächtig-, kniete abermals die Lady über ihm.
"Die reife Lady schonwieder - was für ein Glückstag", presste er angestrengt heraus.
Hinter ihr hatte sich auch ein varunesischer Gardist postiert, der ihn eingehend und offenbar missbilligend musterte. Als er es mit Darnas Hilfe geschafft hatte, sich auf den Stuhl zu rappeln, fand er vor sich eine dampfende Suppe. Sein Magen tat einen Freudensprung, als er das erste richtige Mal seit...
seit...
Gerade wollte er beginnen, die Suppe hinunterzuschlürfen, als er sich noch rechtzeitig besann und eingehend an ihr schnupperte. Vorsichtig streckte er daraufhin auch noch einen Finger hinein und leckte an ihm; als sich nichts alamierendes herausstellte, begann er gierig, die Suppe mit einem Löffel hinunter zu schlingen. Luca hatte sich auf den Stuhl direkt neben ihn gesetzt und war dicht an ihn herangerutscht. Erst jetzt bemerkte er seine verheulten Augen, denen er mit aller Kraft versuchte, einen gefassten Ausdruck zu verleihen.
Er macht sich echt sorgen um mich...
Von Hexen in riesigen Häusern
Als der Teller leer geputzt war, ließ Bo es sich nicht nehmen, ihn direkt auch noch mit wenigen gekonnten Zuegen leer zu lecken. Auch was ihm danach aufgetischt wurde, verputzte er restlos, ohne über irgendwelche Magenbeschwerden zu klagen.
In der letzten Zeit hatte er gelernt, seinen Körper für eine ganze Weile am absoluten Minimum arbeiten zu lassen, nur um dann, wenn es endlich mal wieder etwas Essbares gab - und war es noch so widerwärtig - so viel so schnell wie möglich hinunter zu schlingen, um dann wieder eine Weile durchzuhalten...
Als es nach einer Weile ruhiger geworden war, machte Darna Anstalten aufzubrechen und forderte Luca auf, sie zu begleiten.
"Und sie ist doch eine Hexe", zischte Bo Luca zu.
"Ist sie nicht, sei kein Idiot!"
"Du hast mir erzaehlt, dass sie erst Blind war und dann auf einmal nichtmehr! Und sie kann komische Dingen passieren lassen! Und gedanken lesen kann sie auch! Das ist hexenwerk!"
"Am Arsch! Sie ist keine Hexe und sie frisst mich auch nicht"
"Denkst du"
So lieferten die beiden sich einen tuschelnden Schlagabtausch...
"Los komm mit, in ihrem Haus ist es schön, viel besser als in irgendeiner Gasse zu schlafen", raunte er ihm zurueck.
Bestimmt schuettelte Bo den Kopf.
"Dann bleib ich auch hier", meinte Luca entschlossen.
Er hat es hier offenbar richtig gut...
Was kann ich ihm eigentlich bieten, was er nicht zu hundert von dieser Frau bekommen kann. Und jetz will er für mich hier irgendwo mit mir in einer Gasse schlafen,...
Aus dem Dunkel einer Ecke
"DU BIST GENAU WIE TANTE", bruellte Luca markerschuetternd von Darnas Pferd hinaus in die Nacht. Bo hatte sich in einer dunklen Ecke vor den Augen der beiden in Sicherheit gebracht, während Darna ihre liebe Not damit hatte, Luca auf dem Pferd zu halten.
"DU WILLST MICH DOCH NUR WIEDER ALLEIN LASSEN!
ALLE LASSEN SIE MICH ALLEIN!", gellte Lucas Stimme durch die Gasse.
In die Dunkle Ecke gekauert, hatte Bo den Kopf in den Armen versteckt und erstickte seine eigenen Schluchzer. Er hoffe inständig darauf, dass Darna ihre Hexerei nicht einsetzte, um ihn zu finden; er würde es nicht ertragen können, Luca neben sich zu haben, Luca zu einer kalten Nacht in Varunas Gosse zu verdammen, wenn er stattdessen ein warmes Bett haben konnte.
Ich will nicht, dass er für mich auf das verzichtet. Das kann ich nicht von ihm verlangen - er hat es gut..
"Wenn er klug ist, dann kommt er morgen zum Anwesen und holt sich sein Frühstück ab", murmelte Darna dem völlig aufgelösten Luca entgegen, als sie das Pferd wendete und Richtung Ausgang Varuna ritt...
Noch eine Weile kauerte Bo in der Ecke, ehe er sich aufrappelte und seinerseits einen Weg aus Varuna heraus einschlug, in den Wald hinein...
Graues Badewasser
Am nächsten Morgen hatte Bo seine liebe Not, sich zu Darnas Residenz durchzufragen. Schließlich traf er doch auf jemanden - Rahel -, die ihm sagen konnte, wo sie wohnte. Als sie sich im Grunde nur kurz unterhielten, wäre ihm beinahe Vincents NAme entschlüpft, als er gerade beginnen wollte, großspurig daher zu reden, wieviel er über Gifte wisse.. Eilig redete er sich heraus, dass es eigentlich um eine Freundin Vincera ging, die sich mit allerlei Wässerchen und Tinkturen auskenne...
Nur kurz beunruhigt, schien Rahel damit also beruhigt und er machte sich, ihrer Beschreibung folgend quer durch Varuna auf den Weg zu Darnas Anwesen.
"Nein sie ist ganz sicher keine Hexe.. sie ist Paladiness", hallten Rahels Worte in Bos Kopf wider.. "Vielleicht ist sie ja wirklich keine Hexe", dachte er unsicher bei sich, als er vor dem mounmentalen Anwesen stand.
Als Luca ihn bemerkt hatte und nach draußen gestürmt kam, deckte er ihn zuerst einmal mit reichlich Essen ein. Abermals schnupperte er erst genau an allem und leckte kurz probeweise daran, ehe er sich gierig über das ihm aufgetischte Essen hermachte. Darna derweil trat ihren Weg zum Schloss an.
Luca und Bo brachen nach dem Essen wie geheissen zum Gasthaus auf, um Bo dort einmal einer Grundreinigung zu unterziehen. Im Waschzimmer angekommen, zerrte Bo sich eilig sein Hemd vom Kopf und tauchte tief ins Wasser ein, den Rücken zur Wand gedreht. Luca derweil zog sich ruhig aus und verstaute seine Sachen feinsaeuberlich in einem Schrank.. Nachdem das mehrmalige Waschprozedere beendet war, und das Badewasser einen graeulichen Stich angenommen hatte, hatten wenigstens Bos Haare ihren strahlenden Blondton wiedergewonnen.
Als sich die beiden wieder anzogen und Bo schon wieder sein zerschlissenes, dreckiges und stinkendes Hemd angezogen hatte, mahnte Luca ihn altklug, dass er so doch die ganze Wäsche zunichte mache. Unbehaglich wickelte sich Bo ein Handtuch um die Sperlingsbrust, wohl darauf bedacht Luca keinen Blick auf seinen Rücken erhaschen zu lassen, und zog sich wieder seine Lederhose und die löchrigen Stiefel an.
Besser er weiß nichts von alledem... er würde es ohnehin nicht verstehen
Kein Zuhause
Als Bo sich am späten Abend noch einmal dem Herrenhaus Darnas näherte und nur spärliche Beleuchtung Kunde von ein wenig Aktivität im Haus in das Dunkel der Nacht trug, überkam ihn ein eigenartiges Gefühl, bei dem Gedanken daran, dass Luca hier seit einiger Zeit jede Nacht schlief...
Im Dunkeln sah das Haus doch gleich viel furchteinflößender aus. Viel wichtiger aber war, dass er kaum erkennen konnte, wo er am ehesten einsteigen konnte. Schliesslich beschloss er, ueber die Blumenbeete durch eine Öffnung zu rabbeln. Gerade als er die Steinbrüstung erklommen hatte, machte ihm die Regenfeuchte Erde einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Mit einem mal verlor er das Gleichgewicht, ob des rutschigen Matsches, der sich unter seinen Stiefeln festgesetzt hatte und landete der Länge nach in dem Beet. Als er den Kopf aus der nassen Erde zog, stand auch schon einer der beiden Gardisten, die eben noch die EIngangstür flankiert hatten, neben ihn und zerrte ihn am Arm aus dem Beet. Ohne viel Aufhebens darum zu machen, ob Bo bei diesem Gezerre überhaupt auf die Beine kam, schliff er ihn einfach durch den Dreck bis zur Haustür, in der bereits Darna, durch den Krach aufgeschreckt, stand.
Kaum zwei Minuten später wurde Bo links von der Wache, rechts von Darna flankiert zurück nach Varuna eskortiert.
"Darf ich euch etwas fragen Lady?"
"Nein?"
"Was ist mit Luca in Rahal geschehen?"
"Sagt dir der Name Arkorither etwas?"
"Nein"
"Magier im Dienste Alatars?"
"und was haben die getan?"
"Sie haben ihn andertalb Tage gefoltert und Wahnvorstellungen ausgesetzt"
Missmutig senkte er den Blick, als Darna abfällig über die Machenschaften der Arkorither sprach.
"Warum haben war Luca in Rahal?"
"Du meinst ausser, weil er seinen Bruder gesucht hat?"
Ein eisiger Stich durchzuckte ihn. Jäh wurde ihm bewusst, dass er für Luca kaum etwas anderes bedeutete, als eine herbe Enttäuschung, die ihn beinahe das Leben gekostet hatte...
"Er hatte kein Zuhause, Bo, obwohl er sich sehnlichst eines wünschte. Und eine Familie, die zueinander hält."
Nichts, was ich ihm bieten kann... vielleicht ist es besser so.. vielleicht wird er bei Darna glücklich. Er ist besser dran ohne mich..
Wortlos lies er sich in die Zelle eskortieren, ohne noch einmal aufzublicken. Auch dass der zerbrochene Dietrich und ein wenig Blitzpulver in seinen Sachen gefunden wurde, störte ihn jetzt nicht mehr...
Eine Weile noch saß er auf dem kleinen Bett, den Kopf in die Hände vergraben, die blonden Haare das Gesicht zu allen Seiten verdeckend. Er dachte zurück an die Zeit, die sie bei ihrer Tante verbracht hatten. An die Zeit, die er für Luca den Beschützer viel mehr gespielt hatte, als den großen Bruder. Eine Zeit, in der er jeden Tag sein Bestes gab, um allerlei Leute, um ihre Habe zu erleichtern, nur um Abends genug beisammen zu haben, damit Tante ihn und Luca nicht rauswarf.
Eine Zeit in der sie beiden immer feixend mit den anderen Kindern auf den Dachboden hockten, als sie wiedermal einen besoffenen Kerl unten über die Dielen poltern hörten und wussten, dass Tante sich wiedermal einem Mann verkaufte, der sogar noch hässlicher war als sie selbst.
Eine Zeit, in der sie jeden Tag darum bangen mussten, ihr Dach über dem Kopf zu verlieren und von jetzt auf gleich auf der Straße zu sitzen - mit nichts; ausser einander...
Diesmal jedoch entwich ihm kein einziger Laut. Nur die Gedanken in seinem Inneren überschlugen sich und je mehr er nachdachte, desto weniger bedeutsam kam er sich vor - desto bewusster wurde ihm, dass er als Bruder versagt hatte und Luca zurecht Menschen gefunden hatte, die ihm geben konnten, was er verdient hatte...
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Luca
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Weggerannt. Vor ihm weggerannt. Schon wieder fort. Ständig hatte er sich ausgemalt, wie es sein würde, Bo wiederzuhaben. Tagsüber Sachen unternehmen und nachts endlich nicht mehr allein schlafen. Wie hatte nur alles so anders kommen können? Seit der Sache mit Zoe hatte er ein Gespür dafür entwickelt, wann mit Menschen etwas nicht stimmte...
Sein Bruder war viel zu still gewesen, hatte sich kaum gegen die Prügel gewehrt und mehrmals die Besinnung verloren.. das Essen untersucht, statt es einfach hinunter zu schlingen. Als sie auf der Suche nach den Heilerinnen durch die Stadt gerannt waren, hatte er immer wieder anhalten müssen, um auf den Älteren zu warten, und erschreckend dünn war er auch geworden. Zuerst hatte ihn nur wütend gemacht, dass er nicht damit herausrücken wollte, wo er die ganzen Monate über gesteckt hatte, nach und nach spürte er aber, das da mehr sein musste. Es beunruhigte ihn.
Normalerweise war es Bo, der die optimistischen Sprüche riss, den Ton angab, über alles Bescheid wusste und bis ins Detail mit allem prahlte, was er angestellt hatte. Ihn so schwächlich und in sich gekehrt zu sehen, verunsicherte Luca. Welche böse Überraschung rollte da schon wieder auf ihn zu? Ein Teil von ihm wollte es gar nicht wissen...
Der andere versuchte immer noch, alles zum Guten zu wenden. Bo war wieder da, was machten schon Einzelheiten? Erst die Weigerung, mit ihm nachhause zu kommen, hatte ihn verzweifeln lassen. Die Angst, ihn wieder verschwinden zu lassen, der Ärger darüber, dass sein Bruder ihm nicht genug vertraute, um zu glauben, dass die Lady keine Hexe war.
Alles hätte gut sein können aber Bo rannte im Streit fort...
So enttäuscht und niedergeschlagen wie er war, hätten ihn statt der Lady ebenso gut die Hexer aus der Stadt schleppen können; was um ihn herum geschah, war egal geworden.
Sein Bruder war viel zu still gewesen, hatte sich kaum gegen die Prügel gewehrt und mehrmals die Besinnung verloren.. das Essen untersucht, statt es einfach hinunter zu schlingen. Als sie auf der Suche nach den Heilerinnen durch die Stadt gerannt waren, hatte er immer wieder anhalten müssen, um auf den Älteren zu warten, und erschreckend dünn war er auch geworden. Zuerst hatte ihn nur wütend gemacht, dass er nicht damit herausrücken wollte, wo er die ganzen Monate über gesteckt hatte, nach und nach spürte er aber, das da mehr sein musste. Es beunruhigte ihn.
Normalerweise war es Bo, der die optimistischen Sprüche riss, den Ton angab, über alles Bescheid wusste und bis ins Detail mit allem prahlte, was er angestellt hatte. Ihn so schwächlich und in sich gekehrt zu sehen, verunsicherte Luca. Welche böse Überraschung rollte da schon wieder auf ihn zu? Ein Teil von ihm wollte es gar nicht wissen...
Der andere versuchte immer noch, alles zum Guten zu wenden. Bo war wieder da, was machten schon Einzelheiten? Erst die Weigerung, mit ihm nachhause zu kommen, hatte ihn verzweifeln lassen. Die Angst, ihn wieder verschwinden zu lassen, der Ärger darüber, dass sein Bruder ihm nicht genug vertraute, um zu glauben, dass die Lady keine Hexe war.
Alles hätte gut sein können aber Bo rannte im Streit fort...
So enttäuscht und niedergeschlagen wie er war, hätten ihn statt der Lady ebenso gut die Hexer aus der Stadt schleppen können; was um ihn herum geschah, war egal geworden.
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Luca
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Am nächsten Morgen starrte er nach wenig Schlaf wieder wie eh und je aus dem Fenster, diesmal jedoch Richtung Varuna. Würde er herkommen?
Er wusste nicht, wo das Haus stand.
Er war nicht dumm und konnte fragen.
Er hielt sie für eine Hexe.
Er war sein Bruder.
Er war oft genug fortgelaufen.
Er hatte riesigen Hunger.
Seine Gedanken sprangen hin und her, bis Bo endlich auftauchte. Die Begrüßung verlief distanzierter als sonst, noch immer wusste Luca nicht so recht, ob er Sorge, Wut oder Wiedersehensfreude empfand und wie lang sein Glück diesmal halten würde. Schon bald wurde aus Gerede und Rauferei Ernst; so wenig wie Luca über die Hexer reden wollte, rückte Bo damit heraus, wo er so lange gesteckt hatte. Ließ sich diesmal nicht alles gefallen und schlug wütend zurück, als er ihm erneut Vorwürfe machte. Benommen sackte Luca zurück ins Gras und verlor langsam den Faden. Vielleicht, weil er Prügel nicht mehr gewohnt war, eher aber, weil es nicht Bos Art war, ihn unverhofft wirklich fest zu schlagen. Normalerweise wich er handfestem Streit aus oder beließ er es dabei, ihm zu zeigen, wer der Stärkere war. Dazu sein Brüllen...
„Ich kann kaum schreiben und du nich lesen! Wie hätt ich dir was sagen sollen?“
Es klang nicht nach Ausrede, auch wenn Luca schon der eine oder andere Weg eingefallen wäre.
“Als ich wieder hier angekommen bin, habe ich dich gesucht..“
Sofort?
“Ja sicher.“
Geschworen?
„Ja.“
Aber nicht, als er ihn vor einem guten Jahr für die Überfahrt versetzt hatte...
Der nagende Zweifel blieb, doch er wollte Bo glauben, und dessen Blick blieb ernst.
Die Lady hatte die neu aufkeimende Diskussion schließlich mit einem Teller Essen beendet. Eigentlich hatte er es benutzen wollen, um Informationen aus seinem Bruder herauszubekommen; um den Plan umzusetzen erinnerte er sich allerdings zu gut daran, wie es war, hungrig zu sein.
Er wusste nicht, wo das Haus stand.
Er war nicht dumm und konnte fragen.
Er hielt sie für eine Hexe.
Er war sein Bruder.
Er war oft genug fortgelaufen.
Er hatte riesigen Hunger.
Seine Gedanken sprangen hin und her, bis Bo endlich auftauchte. Die Begrüßung verlief distanzierter als sonst, noch immer wusste Luca nicht so recht, ob er Sorge, Wut oder Wiedersehensfreude empfand und wie lang sein Glück diesmal halten würde. Schon bald wurde aus Gerede und Rauferei Ernst; so wenig wie Luca über die Hexer reden wollte, rückte Bo damit heraus, wo er so lange gesteckt hatte. Ließ sich diesmal nicht alles gefallen und schlug wütend zurück, als er ihm erneut Vorwürfe machte. Benommen sackte Luca zurück ins Gras und verlor langsam den Faden. Vielleicht, weil er Prügel nicht mehr gewohnt war, eher aber, weil es nicht Bos Art war, ihn unverhofft wirklich fest zu schlagen. Normalerweise wich er handfestem Streit aus oder beließ er es dabei, ihm zu zeigen, wer der Stärkere war. Dazu sein Brüllen...
„Ich kann kaum schreiben und du nich lesen! Wie hätt ich dir was sagen sollen?“
Es klang nicht nach Ausrede, auch wenn Luca schon der eine oder andere Weg eingefallen wäre.
“Als ich wieder hier angekommen bin, habe ich dich gesucht..“
Sofort?
“Ja sicher.“
Geschworen?
„Ja.“
Aber nicht, als er ihn vor einem guten Jahr für die Überfahrt versetzt hatte...
Der nagende Zweifel blieb, doch er wollte Bo glauben, und dessen Blick blieb ernst.
Die Lady hatte die neu aufkeimende Diskussion schließlich mit einem Teller Essen beendet. Eigentlich hatte er es benutzen wollen, um Informationen aus seinem Bruder herauszubekommen; um den Plan umzusetzen erinnerte er sich allerdings zu gut daran, wie es war, hungrig zu sein.
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Luca
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Der Tag, der dem Morgen folgte, war befreiend. Sie erkundeten das Schloss, verdroschen sich gegenseitig mit seinen Holzschwertern, steckten bis zu den Haaren raufend im Matsch und redeten über dieses und jenes.
Mit Bo waren sein gewohntes Vokabular und die vertrauten Umgangsformen zurückgekehrt; an seiner Seite war er eben wieder normal und nicht der wandelnde Fehltritt, der alle mit Rotz und schlimmen Wörtern entsetzte. Es fühlte sich unglaublich gut an, einfach daher zu reden, wie es einem in den Sinn kam, zu toben und abenteuerliche Kletterpartien auf dem Schlossdach zu veranstalten.
Viel zu früh wurde es dunkel, so dass sie sich in Varuna trennten. Alles in ihm wehrte sich dagegen, ihn wieder gehen zu lassen, dennoch war er zu müde, um sich auf die Suche nach einem Schlafplatz in den Straßen und all die zu erwartenden Scherereien – von Anwohnern über Hunde und Kälte – zu machen. Bo mitzunehmen, schied ebenso aus. Er hatte es sich monatelang gewünscht, jedoch noch immer Sorge, der Ältere würde sich die Taschen voll stopfen und ihn somit um seine Bleibe bringen. Noch entscheidender war, dass Bo sich gar nicht zum Anwesen traute und die Lady ohnehin verboten hatte, dass er es betrat.
Nachdem sein Bruder ihm mehrfach geschworen hatte, wirklich nicht zu verschwinden, machte er sich so allein auf den Heimweg. Die große Versammlung stand an, die Frauen des Hauses sorgten sich, was nach der Heirat der Lady aus allen werden sollte. Nach seinem Gespräch mit dem Grafen, der ihm zugesichert hatte, das Anwesen nicht zu verkaufen und niemanden fortzuschicken, hielten sich seine Sorgen in Grenzen, so dass er das Essen genoss und jedweden Eröffnungen gelassen entgegen sah.
Die Richtung, in die sich alles entwickelte, gefiel ihm allerdings ganz und gar nicht. Dem unruhigen bis feindseligen Gehabe der anderen nach zu urteilen, schien doch nicht alles so sicher, wie er geglaubt hatte. Zwar ließen sie sich durch die Anbaupläne der Lady besänftigen, für ihn selbst bedeuteten sie allerdings keinen Grund zur Freude. Mehr Räume? Das hieß nur, dass sich alles verteilte und er weiter weg von Viola und Selissa schlafen würde. Vielleicht sogar in einem eigenen Zimmer? Er hasste den Gedanken.
Dann die Sache mit Savea. Wieder hatte sie versucht, ihn bei der Lady anzuschwärzen, diesmal mit dem Matsch, den er ins Haus geschleppt hatte. Gerade um keinen Ärger zu bekommen, hatte er damals alles – mehr schlecht als recht aber dennoch fügsam – unter den Blicken der beiden Mägde aufgewischt, und nun das! Natürlich ließ sich die Hausherrin gleich darüber aus, dass er den beiden nicht zur Last zu fallen hatte, diesmal ließ er sich allerdings nichts gefallen.
Seine Laune war schlecht genug, um einem Wutausbruch nicht im Wege zu stehen, und seit Bo zurück war, war die Lady nicht mehr der einzige Mensch, um den sich die Welt drehte.
Er würde nicht mehr allein und verloren sein, sollte sie ihn rauswerfen. Er konnte immer noch mit Bo losziehen. Mit Bo, der auf ihn aufpasste und sagen würde, dass er im Recht war. Draußen war Frühling, bald würde es wieder warm genug zum draußen Schlafen werden. Er kannte überall Leute, die ihn leiden konnten.
Auch wenn er über all das nicht wirklich nachdachte, bestärkten ihn die Gefühle in seinem Inneren. Der ungezwungene Umgang und Bos Sticheleien hatten ihm ein gutes Stück Selbstsicherheit zurückgegeben.
Erstaunlicher Weise zerriss ihn die Lady für seine derbe Wortwahl nicht in der Luft. Stattdessen bemerkte sie treffend, dass Savea mit allen aneinander geriet – um dann die eigenartige Konsequenz zu ziehen, dass ihr mehr offizielle Autorität zustände. Eine regelrechte Beförderung, um ihre Garstigkeit zu belohnen? Großartige Zeiten würden anbrechen...
„Und damit kommen wir für heute wohl auch hoffentlich zum letzten Thema. Dir.“
Viel besser hätte sie ihn nicht erschrecken können, es fühlte sich wie Eiswasser im Gesicht an.
Allem neuen Mut zum Trotz kehrte die Nervosität schlagartig wieder zurück, ließ ihn an der Lippe kauen und die Hand unter dem Tisch mit den Fingernägeln malträtieren. Sonderlich aufnahmefähig war er in diesem Zustand nie; leise hoffte er, dass Vio ihn später über alles aufklären würde, was er jetzt nicht verstand.
„ Habe es satt... lästig, schwierig.. .nicht allein... ein Heim... genossen... Dresche....“
Hier und da kamen Worte an, trotzdem war er nicht sicher, worauf sie hinaus wollte.
„Ich freue mich, da dein Bruder endlich eintraf, gleichzeitig sprach seine Hoheit laut das aus, was mir nur durch den Kopf ging: 'Hoffentlich macht sein Bruder nicht alles, was er hier lernte, wieder zunichte.'“
Erst dieser Satz war einfacher zu verstehen.
“Es enttäuscht mich ein wenig, da ich feststellen muss, wie vorbildlich du dich vor mir benimmst, aber offenbar genügend Lausebengel übrig bleibt, um mehrere Personen hier ernsthaft Kritik über dich äußern zu lassen. Ist das also alles gelogen, was du vor mir zeigst, oder nur zuviel verlangt, dass du das nicht nur mir vorspielst? Du kannst hier ein Heim haben, ich habe das Gefühl, da du dir das auch wünschst... es wird nicht leicht zu haben sein.“
An diesem Abend hatte er es dabei belassen, zu beteuern, dass Bo in Ordnung war und er selbst sich natürlich weiterhin anstrengen würde, höflich und zuvorkommend zu sein. Immerhin waren nur Leute wie Savea Schuld, wenn er doch die Fassung verlor.
„Ich werde Eure Empfehlung vorwiegend zu Herzen nehmen, solltet Ihr mir je empfehlen oder endgültig davon abraten wollen, da ich für Luca rechtlich mehr Verantwortung übernehme, als ihn hier nur einfach wohnen zu lassen... Und was das bedeutet, Luca, kannst du dir gern von Viola erklären lassen“
Die war allerdings prompt aufgestanden und nach oben gestürmt. Weil es tatsächlich das hieß, und sie eifersüchtig war, oder weil es um etwas schlechtes ging, an das sie nicht erinnert werden wollte?
Warum musste ausgerechnet sie angepisst sein, sie sollte doch Licht in alles bringen!
Eine aufgelöste Rahel beendete den Abend schließlich, nur Fetzen bekam er später von irgendetwas, das mit Rafaels Kind zu tun haben musste, mit. Sein Weg führte ihn noch mal in die Stadt, wo die Herberge allerdings im Dunkeln lag und von Bo keine Spur zu entdecken war. Sehr spät schlief er schließlich tief und fest ein, ohne von dem Radau aufzuwachen, der entstand, als eine der Wachen seinen Bruder aus den Beeten sammelte.
Mit Bo waren sein gewohntes Vokabular und die vertrauten Umgangsformen zurückgekehrt; an seiner Seite war er eben wieder normal und nicht der wandelnde Fehltritt, der alle mit Rotz und schlimmen Wörtern entsetzte. Es fühlte sich unglaublich gut an, einfach daher zu reden, wie es einem in den Sinn kam, zu toben und abenteuerliche Kletterpartien auf dem Schlossdach zu veranstalten.
Viel zu früh wurde es dunkel, so dass sie sich in Varuna trennten. Alles in ihm wehrte sich dagegen, ihn wieder gehen zu lassen, dennoch war er zu müde, um sich auf die Suche nach einem Schlafplatz in den Straßen und all die zu erwartenden Scherereien – von Anwohnern über Hunde und Kälte – zu machen. Bo mitzunehmen, schied ebenso aus. Er hatte es sich monatelang gewünscht, jedoch noch immer Sorge, der Ältere würde sich die Taschen voll stopfen und ihn somit um seine Bleibe bringen. Noch entscheidender war, dass Bo sich gar nicht zum Anwesen traute und die Lady ohnehin verboten hatte, dass er es betrat.
Nachdem sein Bruder ihm mehrfach geschworen hatte, wirklich nicht zu verschwinden, machte er sich so allein auf den Heimweg. Die große Versammlung stand an, die Frauen des Hauses sorgten sich, was nach der Heirat der Lady aus allen werden sollte. Nach seinem Gespräch mit dem Grafen, der ihm zugesichert hatte, das Anwesen nicht zu verkaufen und niemanden fortzuschicken, hielten sich seine Sorgen in Grenzen, so dass er das Essen genoss und jedweden Eröffnungen gelassen entgegen sah.
Die Richtung, in die sich alles entwickelte, gefiel ihm allerdings ganz und gar nicht. Dem unruhigen bis feindseligen Gehabe der anderen nach zu urteilen, schien doch nicht alles so sicher, wie er geglaubt hatte. Zwar ließen sie sich durch die Anbaupläne der Lady besänftigen, für ihn selbst bedeuteten sie allerdings keinen Grund zur Freude. Mehr Räume? Das hieß nur, dass sich alles verteilte und er weiter weg von Viola und Selissa schlafen würde. Vielleicht sogar in einem eigenen Zimmer? Er hasste den Gedanken.
Dann die Sache mit Savea. Wieder hatte sie versucht, ihn bei der Lady anzuschwärzen, diesmal mit dem Matsch, den er ins Haus geschleppt hatte. Gerade um keinen Ärger zu bekommen, hatte er damals alles – mehr schlecht als recht aber dennoch fügsam – unter den Blicken der beiden Mägde aufgewischt, und nun das! Natürlich ließ sich die Hausherrin gleich darüber aus, dass er den beiden nicht zur Last zu fallen hatte, diesmal ließ er sich allerdings nichts gefallen.
Seine Laune war schlecht genug, um einem Wutausbruch nicht im Wege zu stehen, und seit Bo zurück war, war die Lady nicht mehr der einzige Mensch, um den sich die Welt drehte.
Er würde nicht mehr allein und verloren sein, sollte sie ihn rauswerfen. Er konnte immer noch mit Bo losziehen. Mit Bo, der auf ihn aufpasste und sagen würde, dass er im Recht war. Draußen war Frühling, bald würde es wieder warm genug zum draußen Schlafen werden. Er kannte überall Leute, die ihn leiden konnten.
Auch wenn er über all das nicht wirklich nachdachte, bestärkten ihn die Gefühle in seinem Inneren. Der ungezwungene Umgang und Bos Sticheleien hatten ihm ein gutes Stück Selbstsicherheit zurückgegeben.
Erstaunlicher Weise zerriss ihn die Lady für seine derbe Wortwahl nicht in der Luft. Stattdessen bemerkte sie treffend, dass Savea mit allen aneinander geriet – um dann die eigenartige Konsequenz zu ziehen, dass ihr mehr offizielle Autorität zustände. Eine regelrechte Beförderung, um ihre Garstigkeit zu belohnen? Großartige Zeiten würden anbrechen...
„Und damit kommen wir für heute wohl auch hoffentlich zum letzten Thema. Dir.“
Viel besser hätte sie ihn nicht erschrecken können, es fühlte sich wie Eiswasser im Gesicht an.
Allem neuen Mut zum Trotz kehrte die Nervosität schlagartig wieder zurück, ließ ihn an der Lippe kauen und die Hand unter dem Tisch mit den Fingernägeln malträtieren. Sonderlich aufnahmefähig war er in diesem Zustand nie; leise hoffte er, dass Vio ihn später über alles aufklären würde, was er jetzt nicht verstand.
„ Habe es satt... lästig, schwierig.. .nicht allein... ein Heim... genossen... Dresche....“
Hier und da kamen Worte an, trotzdem war er nicht sicher, worauf sie hinaus wollte.
„Ich freue mich, da dein Bruder endlich eintraf, gleichzeitig sprach seine Hoheit laut das aus, was mir nur durch den Kopf ging: 'Hoffentlich macht sein Bruder nicht alles, was er hier lernte, wieder zunichte.'“
Erst dieser Satz war einfacher zu verstehen.
“Es enttäuscht mich ein wenig, da ich feststellen muss, wie vorbildlich du dich vor mir benimmst, aber offenbar genügend Lausebengel übrig bleibt, um mehrere Personen hier ernsthaft Kritik über dich äußern zu lassen. Ist das also alles gelogen, was du vor mir zeigst, oder nur zuviel verlangt, dass du das nicht nur mir vorspielst? Du kannst hier ein Heim haben, ich habe das Gefühl, da du dir das auch wünschst... es wird nicht leicht zu haben sein.“
An diesem Abend hatte er es dabei belassen, zu beteuern, dass Bo in Ordnung war und er selbst sich natürlich weiterhin anstrengen würde, höflich und zuvorkommend zu sein. Immerhin waren nur Leute wie Savea Schuld, wenn er doch die Fassung verlor.
„Ich werde Eure Empfehlung vorwiegend zu Herzen nehmen, solltet Ihr mir je empfehlen oder endgültig davon abraten wollen, da ich für Luca rechtlich mehr Verantwortung übernehme, als ihn hier nur einfach wohnen zu lassen... Und was das bedeutet, Luca, kannst du dir gern von Viola erklären lassen“
Die war allerdings prompt aufgestanden und nach oben gestürmt. Weil es tatsächlich das hieß, und sie eifersüchtig war, oder weil es um etwas schlechtes ging, an das sie nicht erinnert werden wollte?
Warum musste ausgerechnet sie angepisst sein, sie sollte doch Licht in alles bringen!
Eine aufgelöste Rahel beendete den Abend schließlich, nur Fetzen bekam er später von irgendetwas, das mit Rafaels Kind zu tun haben musste, mit. Sein Weg führte ihn noch mal in die Stadt, wo die Herberge allerdings im Dunkeln lag und von Bo keine Spur zu entdecken war. Sehr spät schlief er schließlich tief und fest ein, ohne von dem Radau aufzuwachen, der entstand, als eine der Wachen seinen Bruder aus den Beeten sammelte.
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Luca
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Am nächsten Morgen tauchte Bo nicht auf. Er hatte damit gerechnet, ihn schon in aller Frühe nach Essen fragen zu hören, aber nichts geschah. Grund genug, sich rasch anzuziehen und zur Suche nach Varuna aufzubrechen.
Sein Geschrei machte schließlich den Oberstleutnant auf ihn aufmerksam und so erfuhr er, wohin es seinen Bruder verschlagen hatte. Zunächst hatte er es nicht glauben wollen, genug Leute hatten böse Scherze mit ihm getrieben, weil seine Fragerei ihnen nicht gepasst hatte. Andererseits passte es zu Bo, sich Ärger einzuhandeln.
Versuchter Einbruch.
Warum?? Er hätte ihm alles besorgt. Essen und Kleider hatte er bekommen, ein warmer Schlafplatz hätte sich mit Sicherheit genauso finden lassen. Wie konnte er nur so leichtsinnig sein?
Bevor es ihn betäubte, tauchte Viola auf und schaffte es, den Gardisten zu überreden, ihn zu Bo zu lassen. Der tatsächlich in einer der Zellen saß, hoffnungslos niedergeschlagen wirkte und auch nicht erklären wollte, wie er so dumm hatte sein können. Die Hand wollten sie ihm abhacken, glaubte man der Wache. Viola tat es weniger, Luca und Bo dafür umso mehr.
Etwas stimmte nicht an der Geschichte. Bo druckste herum und rückte nicht mit Details raus. Einbrechen war nichts, was Luca ihm nicht zutraute, aber schon sich erwischen zu lassen passte nicht zu ihm...
Sein Geschrei machte schließlich den Oberstleutnant auf ihn aufmerksam und so erfuhr er, wohin es seinen Bruder verschlagen hatte. Zunächst hatte er es nicht glauben wollen, genug Leute hatten böse Scherze mit ihm getrieben, weil seine Fragerei ihnen nicht gepasst hatte. Andererseits passte es zu Bo, sich Ärger einzuhandeln.
Versuchter Einbruch.
Warum?? Er hätte ihm alles besorgt. Essen und Kleider hatte er bekommen, ein warmer Schlafplatz hätte sich mit Sicherheit genauso finden lassen. Wie konnte er nur so leichtsinnig sein?
Bevor es ihn betäubte, tauchte Viola auf und schaffte es, den Gardisten zu überreden, ihn zu Bo zu lassen. Der tatsächlich in einer der Zellen saß, hoffnungslos niedergeschlagen wirkte und auch nicht erklären wollte, wie er so dumm hatte sein können. Die Hand wollten sie ihm abhacken, glaubte man der Wache. Viola tat es weniger, Luca und Bo dafür umso mehr.
Etwas stimmte nicht an der Geschichte. Bo druckste herum und rückte nicht mit Details raus. Einbrechen war nichts, was Luca ihm nicht zutraute, aber schon sich erwischen zu lassen passte nicht zu ihm...
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Luca
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“Wo er eingebrochen ist? Im Anwesen von Elbenau.“
Kabos Worte ließen Luca herumfahren und heftig protestieren. Das war wohl die ungeschickteste aller denkbaren Lügen, jetzt war offensichtlich, dass sie sich Bo zu Unrecht gegriffen hatten! Stattdessen gab der es zu. Den Rest des Gespräches führte Viola, die ruhiger blieb und Luca den Mund verbot, um Bo eine Predigt zu halten. Erleichterung machte sich breit. Zweifellos würde die Lady ihn sofort hier herausholen, bevor ihm irgendjemand wegen einem dummen Missverständnis etwas antun konnte. Immerhin war er nicht eingebrochen, sondern hatte ihn nur besuchen wollen.
“Sie wird ihn nicht rausholen. Sie hat ihn eingekerkert.“
Der Schlag ins Gesicht. Es konnte nur gelogen sein, sie tat so was nicht. Sie half den Leuten. Sie fand es richtig, mit jedem heruntergekommenen Landstreicher zu reden und nicht mal den Frosthexer zu erschlagen. Sie konnte ihn leiden. Das war sein Bruder, der hier saß.
Auch jetzt bestätigte Bo die Worte des Gardisten, während Luca sie noch brüllend abstritt. Die Welt schien sich plötzlich in die falsche Richtung zu drehen, er verstand sie nicht mehr. Bo sprach nur stockend und sah ihn nicht an.
“ Geh jetzt besser Luca. Bei Darna hast du ein Haus, Leute, die sich um die kümmern, Essen. Mach dir nicht alles kaputt...“
Zurück zu ihr, die ihn hierher gesperrt hatte? Hierher, wo er sich jeden Augenblick verplappert und dafür gehängt werden konnte? Im Leben nicht!
Noch immer verstand er nicht, was vor sich ging, und fragte durcheinander weiter. Warum bei ihnen eingebrochen? Warum von der Lady hergebracht?
“Ich wollte.. nur noch mal nach dir schauen. Ich wusste nicht, ob du schon schläfst..“, kam es stockend. Er war ihm nicht gleichgültig. Bo war zu ihm gekommen, obwohl er die Lady für eine Hexe hielt. Es berührte ihn und schob so viele Zweifel fort.
“ Sie will mich nicht in ihrem Haus. Sie hätte mich nicht reingelassen..
Deswegen bin ich eingebrochen. Sie hätte nicht erlaubt, dass du rauskommst. Es war mitten in der Nacht.“
Es drehte ihm den Magen um, Bo so mutlos zu sehen. Seinen großen Bruder, der immer alles unter Kontrolle hatte und wusste, was zu tun war. Er hatte ihn nur besuchen wollen! Er hatte nichts schlimmes getan! Er hatte verdammte Angst gehabt, sie könne eine Hexe sein! Wie konnte sie ihn in den Kerker schleifen, nur weil er zu ihm gewollt hatte?!
Schlagartig erinnerte er sich an ihre Worte vom Vorabend.
“Er ist nicht in Ordnung. Er ist dein Bruder, das ist das Einzige, was ich bislang an ihm akzeptiere. Und tut er jemandem was, sitzt er meinetwegen schneller im Kerker, als er bis drei zählen kann. Seine Hoheit sprach laut das aus, was mir nur durch den Kopf ging: 'Hoffentlich macht sein Bruder nicht alles, was er hier lernte, wieder zunichte.'“
Wie hatte er das überhören können? Wieso hatte er die Worte nicht ernster genommen?
Sie hatte Angst, Bo würde ihn verderben... warf jenen deshalb in den Kerker, ließ ihm die Hände abhacken und ihn sicher aufhängen... nur, damit er –Luca– nicht wieder anfing, sie mit schlechtem Benehmen blamieren? Das konnte doch alles nicht wahr sein...
“Sie weiß, dass mein Umgang schlecht für dich ist.. deswegen will sie das verhindern. Und vielleicht hat sie damit recht. Denk besser mal an dich.. Sie kann dir helfen, Ritter zu werden.“
Ihm war längst schlecht vor kaltem Entsetzen. So war sie doch nicht... Erinnerungen an Rahels Eifersucht auf Zoe blitzten auf. Jemand mochte ihn, wollte ihn haben, wollte aus dem Weg schaffen, an wem er sonst noch hing.
Nicht Bo!
Kabos Worte ließen Luca herumfahren und heftig protestieren. Das war wohl die ungeschickteste aller denkbaren Lügen, jetzt war offensichtlich, dass sie sich Bo zu Unrecht gegriffen hatten! Stattdessen gab der es zu. Den Rest des Gespräches führte Viola, die ruhiger blieb und Luca den Mund verbot, um Bo eine Predigt zu halten. Erleichterung machte sich breit. Zweifellos würde die Lady ihn sofort hier herausholen, bevor ihm irgendjemand wegen einem dummen Missverständnis etwas antun konnte. Immerhin war er nicht eingebrochen, sondern hatte ihn nur besuchen wollen.
“Sie wird ihn nicht rausholen. Sie hat ihn eingekerkert.“
Der Schlag ins Gesicht. Es konnte nur gelogen sein, sie tat so was nicht. Sie half den Leuten. Sie fand es richtig, mit jedem heruntergekommenen Landstreicher zu reden und nicht mal den Frosthexer zu erschlagen. Sie konnte ihn leiden. Das war sein Bruder, der hier saß.
Auch jetzt bestätigte Bo die Worte des Gardisten, während Luca sie noch brüllend abstritt. Die Welt schien sich plötzlich in die falsche Richtung zu drehen, er verstand sie nicht mehr. Bo sprach nur stockend und sah ihn nicht an.
“ Geh jetzt besser Luca. Bei Darna hast du ein Haus, Leute, die sich um die kümmern, Essen. Mach dir nicht alles kaputt...“
Zurück zu ihr, die ihn hierher gesperrt hatte? Hierher, wo er sich jeden Augenblick verplappert und dafür gehängt werden konnte? Im Leben nicht!
Noch immer verstand er nicht, was vor sich ging, und fragte durcheinander weiter. Warum bei ihnen eingebrochen? Warum von der Lady hergebracht?
“Ich wollte.. nur noch mal nach dir schauen. Ich wusste nicht, ob du schon schläfst..“, kam es stockend. Er war ihm nicht gleichgültig. Bo war zu ihm gekommen, obwohl er die Lady für eine Hexe hielt. Es berührte ihn und schob so viele Zweifel fort.
“ Sie will mich nicht in ihrem Haus. Sie hätte mich nicht reingelassen..
Deswegen bin ich eingebrochen. Sie hätte nicht erlaubt, dass du rauskommst. Es war mitten in der Nacht.“
Es drehte ihm den Magen um, Bo so mutlos zu sehen. Seinen großen Bruder, der immer alles unter Kontrolle hatte und wusste, was zu tun war. Er hatte ihn nur besuchen wollen! Er hatte nichts schlimmes getan! Er hatte verdammte Angst gehabt, sie könne eine Hexe sein! Wie konnte sie ihn in den Kerker schleifen, nur weil er zu ihm gewollt hatte?!
Schlagartig erinnerte er sich an ihre Worte vom Vorabend.
“Er ist nicht in Ordnung. Er ist dein Bruder, das ist das Einzige, was ich bislang an ihm akzeptiere. Und tut er jemandem was, sitzt er meinetwegen schneller im Kerker, als er bis drei zählen kann. Seine Hoheit sprach laut das aus, was mir nur durch den Kopf ging: 'Hoffentlich macht sein Bruder nicht alles, was er hier lernte, wieder zunichte.'“
Wie hatte er das überhören können? Wieso hatte er die Worte nicht ernster genommen?
Sie hatte Angst, Bo würde ihn verderben... warf jenen deshalb in den Kerker, ließ ihm die Hände abhacken und ihn sicher aufhängen... nur, damit er –Luca– nicht wieder anfing, sie mit schlechtem Benehmen blamieren? Das konnte doch alles nicht wahr sein...
“Sie weiß, dass mein Umgang schlecht für dich ist.. deswegen will sie das verhindern. Und vielleicht hat sie damit recht. Denk besser mal an dich.. Sie kann dir helfen, Ritter zu werden.“
Ihm war längst schlecht vor kaltem Entsetzen. So war sie doch nicht... Erinnerungen an Rahels Eifersucht auf Zoe blitzten auf. Jemand mochte ihn, wollte ihn haben, wollte aus dem Weg schaffen, an wem er sonst noch hing.
Nicht Bo!
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Niemals würde er zurück gehen! Bo musste hier raus und sie würden flüchten! Er würde sie nicht seinen Bruder umbringen lassen und unter ihrem Dach wohnen, als sei nichts geschehen. Rafael würde ihm helfen, ihn zu retten.. außer, er hatte ihn schon mit Vince gesehen...
Er wusste nicht mehr weiter. Bo hatte aufgegeben und ausgerechnet der Mensch, zu dem er hätte rennen wollen, hatte sein Schicksal in vollster Absicht besiegelt. Ihm blieb nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass Viola alles regeln würde. Mit einem Mal war sie seine letzte Hoffnung und kam ihm unendlich erwachsen vor.
Er verbrachte den Morgen auf dem Steinboden vor den Zellen. Auch wenn ihm der Trakt nicht geheuer war, würde er um nichts in der Welt weichen, um zuzulassen, dass irgendjemand seinem Bruder etwas antat.
Die Lady tauchte später in Begleitung von Selissa auf. Ließ sie mit Bo reden und zitierte ihn in den Nebenraum. Ein getrenntes Verhör? Darauf, dass er ihn verriet, konnte sie lange warten. Wenn ihm nur kein Wort von Vince herausrutschte...
Im Blick, mit dem er Darna anstarrte, lagen statt Respekt und Zuneigung nur noch kalte Verachtung. Vor ihm stand die Frau, die seinen Bruder möglicherweise umbringen lassen wollte. Der egal war, dass er nichts Böses hatte tun wollen und keinen Schaden angerichtet hatte. All seine Argumente kümmerten sie nicht, wichtiger war ihr verletzter Stolz.
„Spielt das eine Rolle? Er wusste, dass ich nicht wollte, dass er mein Haus betritt.“
Was mit ihm passieren würde, war ihr egal... Sie ging nicht einmal darauf ein. Wem wollte sie etwas vormachen mit ihren Rechtfertigungen? Nahm sie ernsthaft an, er würde glauben, Bo hätte all das verdient? Dass sie ganz einfach so handeln musste?
Es gab keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten.
„Dann hat er ja verdient, dass sie ihm die Hände abhacken! Vielleicht hat er keinen entführt oder Lösegeld erpresst, aber ho, er hat die Blumen zertreten! Was schert euch das? Was Violas Kerl getan hat, hat euch kein bisschen geschert, aber Bo sitzt hier! Verarscht?? Kim hat euch ja wohl mehr verarscht!! Aber der sitzt nicht hier, der rutscht zufrieden irgendwo über Vio und es schert euch einen Scheiß!“
Genauso, wie das Frostpack Shaya und Savea geraubt hatte und nichts geschah. Wie den Hexern nichts geschah... die Insel war voll von richtigen Verbrechern, um die sie sich einen Dreck scherte. Die wachsende Wut in ihren Augen beeindruckte ihn ebenso wenig wie die schallende Ohrfeige, die folgte. Nebenan brüllte Bo, der den Lärm hörte, nach ihm.
Den Gefallen, seinen Bruder mit Geheule weich zu machen, würde er ihr nicht tun. Mittlerweile war ihr Blick ebenso kalt wie seiner. Es war egal. Er spannte sich etwas, um weitere Schläge abzufangen, Angst hatte er keine. Eine bittere Gleichgültigkeit hatte Besitz von ihn ergriffen und irgendwo in seinem Kopf stellte eine nüchterne Stimme fest, dass sie ihn nie so schlagen würde, wie er es von früher gewohnt war. Was konnte sie ihm jetzt noch tun? Der Platz in ihrem Haus war mit einem Mal grau und bedeutungslos geworden, es gab keinen Grund mehr, sich zurückzunehmen. Einzig mit kaltem Spott hatte er nicht gerechnet.
"Er klettert da auch nur zum Vergnügen rum, und weil er mit dir vor'm Fenster hängend reden wollte, nicht? Schließlich konnte er es auch bisher nicht ertragen, auch nur einen Tag von dir getrennt zu sein..."
Einen wunderen Punkt hätte sie nicht treffen können, mit unvermittelter Wucht schlugen die Gefühle auf ihn ein.
Bo, der ihn für seinen Traum verkauft hatte; die Monate ohne ihn, die verzweifelte Suche; die Angst, ihm tatsächlich egal zu sein; die Erleichterung, ihn wiederzuhaben; der gestrige Tag, der wieder wie früher gewesen war; Bo, der wirklich zu ihm gewollt hatte; der ihm riet, lieber an sich zu denken; der in einem stinkenden Kerker saß und Angst hatte; ihre Worte vom Vortag...
Er holte aus, um ihr die Faust ins Gesicht zu rammen, sich auf sie zu stürzen, immer wieder zuzuschlagen.
Er wusste nicht mehr weiter. Bo hatte aufgegeben und ausgerechnet der Mensch, zu dem er hätte rennen wollen, hatte sein Schicksal in vollster Absicht besiegelt. Ihm blieb nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass Viola alles regeln würde. Mit einem Mal war sie seine letzte Hoffnung und kam ihm unendlich erwachsen vor.
Er verbrachte den Morgen auf dem Steinboden vor den Zellen. Auch wenn ihm der Trakt nicht geheuer war, würde er um nichts in der Welt weichen, um zuzulassen, dass irgendjemand seinem Bruder etwas antat.
Die Lady tauchte später in Begleitung von Selissa auf. Ließ sie mit Bo reden und zitierte ihn in den Nebenraum. Ein getrenntes Verhör? Darauf, dass er ihn verriet, konnte sie lange warten. Wenn ihm nur kein Wort von Vince herausrutschte...
Im Blick, mit dem er Darna anstarrte, lagen statt Respekt und Zuneigung nur noch kalte Verachtung. Vor ihm stand die Frau, die seinen Bruder möglicherweise umbringen lassen wollte. Der egal war, dass er nichts Böses hatte tun wollen und keinen Schaden angerichtet hatte. All seine Argumente kümmerten sie nicht, wichtiger war ihr verletzter Stolz.
„Spielt das eine Rolle? Er wusste, dass ich nicht wollte, dass er mein Haus betritt.“
Was mit ihm passieren würde, war ihr egal... Sie ging nicht einmal darauf ein. Wem wollte sie etwas vormachen mit ihren Rechtfertigungen? Nahm sie ernsthaft an, er würde glauben, Bo hätte all das verdient? Dass sie ganz einfach so handeln musste?
Es gab keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten.
„Dann hat er ja verdient, dass sie ihm die Hände abhacken! Vielleicht hat er keinen entführt oder Lösegeld erpresst, aber ho, er hat die Blumen zertreten! Was schert euch das? Was Violas Kerl getan hat, hat euch kein bisschen geschert, aber Bo sitzt hier! Verarscht?? Kim hat euch ja wohl mehr verarscht!! Aber der sitzt nicht hier, der rutscht zufrieden irgendwo über Vio und es schert euch einen Scheiß!“
Genauso, wie das Frostpack Shaya und Savea geraubt hatte und nichts geschah. Wie den Hexern nichts geschah... die Insel war voll von richtigen Verbrechern, um die sie sich einen Dreck scherte. Die wachsende Wut in ihren Augen beeindruckte ihn ebenso wenig wie die schallende Ohrfeige, die folgte. Nebenan brüllte Bo, der den Lärm hörte, nach ihm.
Den Gefallen, seinen Bruder mit Geheule weich zu machen, würde er ihr nicht tun. Mittlerweile war ihr Blick ebenso kalt wie seiner. Es war egal. Er spannte sich etwas, um weitere Schläge abzufangen, Angst hatte er keine. Eine bittere Gleichgültigkeit hatte Besitz von ihn ergriffen und irgendwo in seinem Kopf stellte eine nüchterne Stimme fest, dass sie ihn nie so schlagen würde, wie er es von früher gewohnt war. Was konnte sie ihm jetzt noch tun? Der Platz in ihrem Haus war mit einem Mal grau und bedeutungslos geworden, es gab keinen Grund mehr, sich zurückzunehmen. Einzig mit kaltem Spott hatte er nicht gerechnet.
"Er klettert da auch nur zum Vergnügen rum, und weil er mit dir vor'm Fenster hängend reden wollte, nicht? Schließlich konnte er es auch bisher nicht ertragen, auch nur einen Tag von dir getrennt zu sein..."
Einen wunderen Punkt hätte sie nicht treffen können, mit unvermittelter Wucht schlugen die Gefühle auf ihn ein.
Bo, der ihn für seinen Traum verkauft hatte; die Monate ohne ihn, die verzweifelte Suche; die Angst, ihm tatsächlich egal zu sein; die Erleichterung, ihn wiederzuhaben; der gestrige Tag, der wieder wie früher gewesen war; Bo, der wirklich zu ihm gewollt hatte; der ihm riet, lieber an sich zu denken; der in einem stinkenden Kerker saß und Angst hatte; ihre Worte vom Vortag...
Er holte aus, um ihr die Faust ins Gesicht zu rammen, sich auf sie zu stürzen, immer wieder zuzuschlagen.