Versprochen ist versprochen

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Cynthia Nair

Versprochen ist versprochen

Beitrag von Cynthia Nair »

Ein Familientreffen stellt man sich meistens recht harmonisch vor; man sieht sich, umarmt sich, man tratscht über alte Zeiten und freut sich den anderen wiederzusehen. Leicht verwirrend wird es dann, wenn statt der Umarmung nur ein kühler Blick folgt, anstelle des Getratsche Vorwürfe und Beschimpfen und anstatt der Wiedersehensfreude einfach nur der Wunsch vorherrscht den anderen so schnell nicht wiederzusehen. Was das alles mit dem jüngsten Mitglied der Familie Nair, Cynthia ihr Name, zu tun hat, kann erklärt werden doch sollte man hierfür etwas zurückblicken, nämlich exakt einen Tag.

Bajard, ein kleines Fischerdorf und ein verschlafenes Nest, jedenfalls hatte Cynthia sich erhofft dass es hier ruhig zugehen würde, doch zu ihrem eigenen Leidwesen musste sie feststellen dass es in diesem kleinen Fischerdorf wilder zuging als in jedem Lazarettzelt dass sie bisher besucht hatte. Die junge aufstrebende Feldärztin war aber auch nicht hier um sich Arbeit zu suchen, jedenfalls noch nicht, sondern um ein sehr altes Versprechen einzulösen; sie sollte nach ihren beiden Schwestern sehen, namentlich genannt: Kyra und Tajara Nair.
Dass es auf einem riesigen Landkontinent wie Gerimor sehr schwer war zwei Leute zu finden von denen sie nur das Gesicht von vor elf Jahren im Kopf hatte und sonst rein gar nichts über die beiden wusste, gestaltete sich die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen sicher einfacher als dieses Unterfangen aber versprochen war nun einmal versprochen. Sie begann also sich durch die Gasthäuser um Bajard zu fragen aber die meisten konnten ihr auf die Namen der beiden nichts sagen. Nur bei der Erwähnung Tajaras hatte ein Mann ziemlich aggressiv gebrummt und eine junge schwarzhaarige Frau hatte ihr gesagt sie solle ihr bloß mit dem Namen wegbleiben, es schien sich soweit immerhin nichts großartig geändert zu haben; niemand mochte Tajara.


Da jedoch trotz allem nicht mehr an Informationen zu finden waren galt ihre Reise nun der nächstbesten Stadt und die fiel mit Varuna deutlich groß aus. Cynthia hatte beinahe schon vergessen wie riesig diese Städte werden konnten, nun sie war es nicht mehr gewohnt in solchen Ortschaften umherzustreunern aber auch hier wussten die meisten nur ein Schulterzucken als Antwort zu geben auf die Frage hin, ob man denn eine Tajara oder Kyra kenne.
Vielleicht war es glücklicher Zufall, dass sie letztendlich aus Verzweiflung an einer Haustür eines recht hübsch gebauten Hauses ausserhalb der Stadtmauern klopfte. „Von Elbenau“ beschrieb das Schild und wenn Cynthia noch alles richtig im Kopf hatte war das „von“ definitiv adelig und die Wachen die sie misstrauisch beäugten sprachen ebenfalls für diese Tatsache. Nervös klopfte sie und mahlte sich aus was passieren würde, wenn sie nun eine der eher grantigen Adligen erwischt hatte, im besten Falle würde sie einfach nur rennen müssen, im Schlimmsten würde sie sicher eine Menge Ärger kriegen. Nichtsdestotrotz hatte sie sich vorgenommen hier zu fragen, denn Adlige kannten bekanntlicherweise eine Menge Menschen und vielleicht kannte man die beiden ja hier. Zur Erleichterung der jungen Feldärztin öffnete keine knurrige Adlige sondern eine freundliche Bedienstete die tatsächlich Auskunft geben konnte. Man verwies Cynthia auf eine Insel, welche per Schiff zu erreichen sei, dort solle sie nach einem Hofe der „Gefährtinnen“ fragen, freundlicherweise gab ihr diese Bedienstete sogar noch das nötige Gold für die Überfahrt, besser konnte die Suche nicht verlaufen.


Auf der Überfahrt reflektierte sie noch einmal das Gesagte. „Gefährtinnen“ … in Bajard hatten einige gesagt „Waldweiber“ und irgendwie passte dass in Cynthias Augen recht gut zu Tajara. Die wenigen Dinge die sie über ihre Schwester noch wusste waren unter anderem dass sie sich immer wie ein Kerl benommen hatte, und Cynthia war sich sicher dass ihr sehnlichster Wunsch gewesen wäre, dass sie einmal wirklich mit einem Glied zwischen den Beinen aufwachen würde. Dass sie nun mit einer Horde Frauen irgendwo im Wald lebte passte zu dieser Erinnerung recht gut, aber sie würde sich selbst ein Bild machen, wenn sie auch nicht sonderlich erpicht darauf war, Tajara wiederzusehen.
Eigentlich hätte man meinen können Cynthia wäre froh um die Tatsache gewesen die ältere Schwester wiederzusehen, aber dem war nicht ganz so wie man vielleicht erwartet hätte. Sicherlich, sie wollte wissen wie es ihr geht aber sie war letztendlich doch nur hier um ihr altes Versprechen einzulösen dass sie ihrer Muttergab. Ansonsten wäre sie wohl niemals auf dem Weg auf diese Insel, Lameriast.
Cynthia hatte nie einen guten Draht zu Tajara gehabt. Die ältere Schwester hatte sich immer verschlossen gegeben, und mit ihrem Verschwinden damals, hatte sie es nicht besser gemacht. Cynthia war sieben Jahre jung als ihre Schwestern beide fortgegangen waren und sie und ihre Mutter alleine gelassen hatten. Ab und an hatte Tajara sich mal blicken lassen, aber selbst da wirkte sie mehr wie eine Fremde denn wie eine Schwester die sich freute einen wiederzusehen.
So war es doch gewesen, sie war sich sicher, auch wenn die Erinnerungen an früher trübe waren und durch ihre Ausbildung teils auch verdrängt wurden. Aber nun würde sie Tajara wieder ins Gesicht blicken, oder auch nicht, es hing nur davon ab ob sie ihre Schwester finden würde.

Als das Schiff anlegte fand sie sich auch schon in Neuhaven wieder, wo besagter Hof der Gefährtinnen stehen sollte. Schnell wurde danach gesucht und tatsächlich; sie fand einen Bauernhof vor welchem gerade zwei Frauen mit Holzwaffen zu trainieren schienen, es passte zumindest sehr gut zur Beschreibung die sie bekam und als man ihr dann auch noch zusicherte, Tajara würde hier sein und sie könne gerne warten, wusste sie immerhin dass es nur eine Frage der zeit wäre bis sich die beiden Geschwister letztendlich wiedersehen würden.
Und tatsächlich, nicht einmal lang musste sie warten als die Tür sich öffnete, eine große, blauhaarige Frau eintrat, welche Cynthia fassungslos anstarrte.

„Was machst du denn hier?“

„Ja ich freu mich auch dich wiederzusehen …“ und so trafen die beiden nach elf Jahren wieder aufeinander.
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Tajara Nair
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Registriert: Montag 28. August 2006, 16:57

Beitrag von Tajara Nair »

Der Rotschopf der am Tisch saß kam Tajara mehr als bekannt vor. Das Gesicht das Tajara anblickte war das junge Gesicht ihrer Mutter - Cynthia. Sie war alsow ieder im Lande. Und sie kam hierher? Nunja, ihr Blick und ihre giftigen trockenen Worte jedenfalls waren das was Tajara unter "typisch Nair" verstand, Kyra ausgenommen - die war ohnehin nur dumm und naiv, das Gegenteil der großen Schwester. Kyra war nunmal keine Kämpferin, sie übereilte Entscheidungen, und wenn sie diese traf dann gab es Ärger.

Tajara ging auf die Mittzwanziger zu - sie war um 8 jahre lter als Cynthia. Als sie vor einigen Jahren bei den schwestern angekommen war, war sie eine verlorene Seele. Heute war sie nicht einfach nur für Informationsbeschaffung zuständig, aus Tajara wurde eine Schützin und eine Strategin. Kyra blieb Bäuerin, sie legte die Priesterrobe ab - und Cynthia - tja Tajara sah es ja nun, aus ihr wurde eine Feldärztin (heißt das nicht eigentlich auch Bauer?)

"Zwei Schwestern streiten sich", meinte Xin die den Braten mehr als deutlich roch. "Und was machen wir, wenn zuwei Schwestern sich streiten?"

Na toll! Jetzt wurden die beiden auch noch zusammengesperrt damit sie sich aussöhnen. Was konnte Tajara dafür dass da plötzlich Besuch antanzte?

Trotzdem machte die blauhaarige Schützin gute Miene zum bösen Spiel, lehnte sich gewissentlich zurück, grinste #Cynthia an und hörtee sich ihre Vorwürfe an, von Wegen, sie wäre nie dagewesen.

"Du warst sieben, ich hätte dich nicht mitnehmen können. Ich war jünger damals als du heute bist. Und warum ich so verschlossen war? Ich hatte keine Lust für alles immer nur verantwortlich sein zu müssen. Ich wollte Kind sein."

Giftige Bemerkungen - na war ja klar.

"Gib zu, Cynthia - du freust dich mich zu sehen."

"Ich bin froh zu sehen dass es dir gut geht." - Ja - Tajaras Menschenkenntnis war gut genug zu erkennen, dass Cynthia zu stolz war es zuzugeben, ihr aber am liebsten in die Arme fallen würde, familiäre Geborgenheit - aber so leicht würde sie es ihrer jungen Schwester nicht machen. Oh nein, Cynthia musste es selbst erkennen, und da hatte Taja eine Idee.

"Cynthia - dort ist die Tür. Du hast zwei Möglichkeiten, und nur die zwei. Du gehst zur Türe - du verlässt den Hof, und wenn du mich so sehr hasst, musst du mich nie wiedersehen. Oder aber du bleibst, wir umarmen uns und wir lassen diesen Mist hinter uns. Deine Entscheidung."
Cynthia Nair

Beitrag von Cynthia Nair »

Einige Tage waren nun vergangen seit diesem Aufeinandertreffen und in dieser kurzen Zeit war viel geschehen, vielleicht sogar mehr als Cynthia es gut bekommen hätte. Sie hatte sich mit Tajara ausgesöhnt, hatte sich selbst eingestanden dass sie die älteren Geschwister vermisst hatte und hatte auch zugestimmt für ein oder zwei Tage Gast bei der Gemeinschaft der Gefährtinnen zu sein. Sie hatte einige interessante Menschen kennengelernt, darunter auch Charlotta. Sie wurde aus der launischen und temperamentvollen Frau nicht immer ganz schlau, mal gab sie sich unnahbar und kühl, dann wiederum wirkte sie offen und freundlich, aber im Großen und Ganzen kamen die beiden gut miteinander zurecht. Cynthia mochte sie und in der kurzen Zeit die sie hier war, konnte sie Charlotta bisher eigentlich am Besten leiden.
Dann war da noch Xinthra, welche die Anführerrolle inne zu haben schien, die ihr einiges über die Gemeinschaft erklärte und die junge Heilerin im Endeffekt auch neugierig gemacht hatte; eine Gemeinschaft die füreinander da war, die sich gegenseitig half und die zusammenlebte. Nun gut es war ein Haufen Frauen und sie wollte nicht wissen was es so alles an Zankereien und Reibereien geben konnte, aber sie war neugierig genug geworden um den Gedanken an diese Gemeinschaft nicht ganz aus dem Hinterkopf zu verbannen.

Letztendlich traf sie auch das letzte Familienmitglied; Kyra. Umso mehr sie sich gefreut hatte sie wiederzusehen umso ernüchternder fiel die Begrüßung aus. Mehr außer einem „Es war wirklich schön bevor du gekommen bist“ bekam Cynthia nicht zu hören und die Schwester wandte sich ab, ließ das jüngste Mitglied der Familie verwirrt und auch leicht geknickt zurück. Was bei allen Göttern hatte sie Kyra denn getan dass sie so reagierte? Sie hatte immer das Gefühl sie wäre gut mit ihrer Schwester ausgekommen, eigentlich noch deutlich besser als Tajara, doch Kyra schien irgendetwas zu haben doch was, das war bis heute noch ein Geheimnis für sie.

Immerhin konnte sie sich schon etwas nützlich machen und zeigen dass sie ihr Handwerk beherrschte, als sie am zweiten Tag gleich Charlottas Bein untersuchte. Sie hatte einen Streifschuss von einem Bolzen abbekommen, laut ihren Aussagen hatte Tajara nicht richtig gezielt und sie dabei getroffen, aber ernsthaft war die kleine Wunde nicht, wenn man denn davon sprechen konnte. Als sie das Bein betrachtete, war sie wieder ganz in ihrem Element, alles um sie herum verschwamm zu unwichtigen Dingen und sie widmete sich mit einer fast schon beängstigenden Routine und Nüchternheit der Arbeit. Es war glücklicherweise nur etwas Haut abgeschürft und so machte sie sich daran die kleine Wunde zu desinfizieren und zu reinigen bevor ein Verband um das Bein gewickelt wurde. In jenem Moment redete man manchmal mit ihr, und sie antwortete auch, aber es geschah alles … beinahe wie beiläufig, sie konzentrierte sich nur auf ihr Tun, im Hinterkopf dauernd der Gedanke, dass sie ihre Arbeit gut machen musste, ganz gleich wie klein die Wunde auch war. Als alles vorbei war gab sie ein zufriedenes Nicken von sich und entließ die Kämpferin wieder, ein wenig Übung konnte nie schaden.

Fast vier Tage war sie nun hier und sie trug seit diesem vierten Tag das Zeichen der Gefährtinnen. Sie hatte sich dazu entschlossen bei den Frauen zu bleiben. Eine wirkliche Perspektive für die Zukunft, die hatte sie nicht. Sie würde weiter lernen, sie würde sich weiter dem Heilertum widmen und wieso nicht hier? Diese Menschen boten ihr eine Heimat an, etwas, was sie in all den letzten Jahren nie hatte. Ihr einziger Antrieb bestand von Lazarett zu Lazarett zu wandern und mehr zu lernen, dies war ihre Jugend gewesen und auch ein Teil ihrer Kindheit. Natürlich würden einige Dinge schwer werden zu Beginn, sie war es nicht sonderlich gewohnt viel mit Leuten zu reden, zu spaßen oder dergleichen, die einzigen Menschen mit denen sie immer regelmäßig zu tun hatten wühlten in Blut herum, vernähten Wunden und waren keine sehr romantischen Zeitgenossen gewesen. Nun war sie umgeben von Menschen die füreinander da waren und sie merkte bereits dass sie auch anfingen für Cynthia da zu sein,dass sie sich für sie interessierten, dass sie für sie da waren.

So etwas wie eine Heimat war schwer zu finden, und ob das ihre neue Heimat werden würde, konnte sie nicht noch nicht sagen. Im Moment verarbeitete sie die vielen neuen Eindrücke, die Tatsache wieder unter vielen Menschen zu sein die nicht vor Schmerzen schrien. Sie war in den letzten Tagen öfters nachdenklich gewesen, zurückgezogen, in sich gekehrt, aber es würde sich sicher irgendwie legen, sowas legte sich doch meistens von alleine, oder nicht?
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