Zul’uz Ssilalyn éyl phol’luzyan vel’ax Lethrixor ym Alatar
In den Schatten schreite ich dahin, als ein Krieger des Alatar
Àylla Dhalssza xren quúl trral'sízan ymna féy'naankrux ghaut'lor ym Alatar
Meine Geschichte ist lang und erzählt von blutigen Taten im Namen Alatars
Alte Erinnerungen ...
... Tluth'xarlor schmeckte Blut und fuhr sich mit der Zunge über die aufgeplatzte Lippe. Er lag ein wenig abseits des aus schwarzem Lavagestein erbauten Kampfplatzes der Letharenhöhlen. Um ihn herum hallten die Schreie der kämpfenden Lethrixoren, gefolgt von den peitschenden Schlägen ihrer Kampfstäbe, wider. Letharf kämpfte gegen Letharf, in Reih und Glied, ohne innezuhalten, während der von Alatar begünstigte Feldherr die jungen und angehenden Krieger im Kampf mit allerlei Waffen unterwies und dabei aufs schärfste beobachtete.
Unendlich langsam richtete er sich wieder auf, griff erneut nach dem eigenen Stab und warf Luz'szalil, der ihn soeben niedergeschlagen hatte, einen gifttriefenden Blick zu. "Letharf!" hörte er die Stimme des Feldherrn fauchen und wandte ruckartig den Kopf. "Du wirst es noch einmal versuchen. Besinne dich auf deine Fähigkeiten!", zischte dieser, lehnte sich wieder an eine natürlich entstandene Stalagmitensäule und begann anderweitig Befehle und barsche Kommandos zu brüllen. Eine Gruppe ausgebildeter Lethrixoren, gerade von einer Patroille zurückgekehrt, erschien auf einem der Gänge oberhalb der den Platz umgebenden Begrenzungsmauer. Er sah mehr als ein höhnisches Lächeln. Tluth'xarlor ergriff den schwarzen Stab mit beiden Händen und näherte sich seinem Gegner mit langsamen Schritten. Auch dieser hatte seine Waffe unlängst wieder erhoben und spannte sich. Das spöttische Lächeln auf seinen Lippen gab den Ausschlag. Die beiden Stäbe krachten zusammen, stießen rasch zu und zuckten schlangengleich, nach einer Schwachstelle des Gegners suchend, vor und wieder zurück. Tluth'xarlor führte den Kampstab mit verbissener Wut und keuchte nur dann und wann schmerzerfüllt auf wenn der Stab seines Gegners ihn traf. Luz’szalil war besser, er spürte es nicht nur, er wusste es. Er selbst war noch recht jung und wurde schon seit geraumer Zeit im bewaffneten Kampf trainiert, hart und streng, wie auch das Leben innerhalb der Gemeinschaft verlief. Dennoch war sein Ehrgeiz, seine Fähigkeiten im Kampf zu verbessern, mit jeder Demütigung die er erfahren hatte, gewachsen. Er wollte den Lethyren dienen, mehr als alles andere. Er lebte für sie. Tluth vollführte mit dem Stab einen wuchtigen Rundumschlag, verschaffte sich für einen Augenblick Luft und versetzte Luz'szalil einen harten Treffer gegen die Schläfe. Dieser taumelte einen Moment lang, fing sich jedoch rasch wieder und drosch umso härter auf ihn ein. Er verlor abermals und schneller als von ihm erwartet. Der Stab seines Rivalen schien sich in einen wabernden Schemen zu verwandeln, stieß vor und bohrte sich brutal in seine Magengegend. Er brach zusammen, biss sich aber auf die Lippen um jeden Schmerzenslaut zu unterbinden. Jedwede Pein war zu erdulden. Diese Blöße wollte er sich vor seinem Gegner und schon gar nicht vor dem anwesenden Lehrmeister geben. Ein Schmerzensschrei war ein Zeichen von Schwäche und die wollte er sich nicht nachsagen lassen. Er hörte wie sich Schritte näherten, warf einen Blick in die Höhe und begegnete dem zornigen Blick des Begünstigten, der ihn gleich darauf wuchtig in die Höhe zerrte. "Was bist du doch nur für eine Schande für Alatar und die Lethyren. Du solltest wenigstens wissen wann du zu parrieren hast", knurrte er und stieß ihn grob in Richtung eines weiteren Kämpferpaares. Auf dem Weg dorthin begegnete er dem kalten und abweisenden Blick einer Lethry, die den Kampf der jungen Lethrixoren verfolgte.
"Du wirst ab jetzt mit dem Letharf Dhaz'zuxol üben. Nimm meine Worte ernst, ich prüfe dich bald erneut!"
Tluth wusste, dass der kommende Test sein Schicksal besiegeln würde. Seit einiger Zeit wurden nun insbesondere die jungen Letharfen härter trainiert um die Reihen der Lethrixoren aufzustocken. Tluth'xarlor, der vierte Sohn der Lethry Fey'xyra, war schon immer recht schmächtig gewesen. Grund genug ihm mit verachtender Skepsis zu begegnen. Dennoch war er flink und geschickt und was ihm an fehlender Kraft und Größe fehlte, das machte er durch tödliche Schnelligkeit wieder wett. Tluth wandte sich dem anderen Letharf zu und wieder hallte der Hof von dem Knallen der aufeinanderschlagenden Holzwaffen wieder. Er spürte den bohrenden Blick des Lehrmeisters auf sich ruhen, während er auswich, konterte und parrierte und legte all seine Kraft in jeden einzelnen Hieb. Er wurde getroffen, immer und immer wieder, brachte jedoch selbst brutale und rücksichtslose Stöße gegen den Körper seines Gegners an. Nie wieder, diese Blöße, nie wieder diese Schmach, nie wieder eine Niederlage vor Luz'szalil. Sein Verstand schaltete sich ab, als er mit dem gut fünf Fuss langen Holzstab verschmolz und jede einzelne Bewegung zu einem wirbelnden Tanz wurde.
Dann bohrte sich die Spitze seines Stabs in die Gurgel des anderen Letharfen, so dass dieser nach Luft ringend in die Knie brach. Nachfolgend brachte einen gnadenlosen Hieb gegen den Hinterkopf seines nun wehrlosen Gegners an und fällte ihn endgültig. Einen Moment lang stand er da, jeden einzelnen Muskel seines Körpers bis zum zerreißen gespannt. Dhaz'zuxol rührte sich nicht mehr. Die Lethry, die den Kampf beobachtet hatte, kam auf ihn zu und blieb neben dem am Boden liegenden Letharfen stehen. Sie starrte eine Weile auf ihn hinab und trat dem Bewusstlosen dann wuchtig in die Seite. "Unnützes Pack!", knurrte sie, während sie den Kopf anhob und Tluth dadurch zwang augenblicklich sein Haupt zu senken.
Ihre Lippen krümmten sich zu einem schmalen, grimmassengleichen Lächeln ehe sie sich ihm zuwandte. "Vielleicht können wir ja wenigstens noch etwas mit dir anfangen." Rasch wandte sie sich ab und nahm erneut ihre Position am Rande des Übungsplatzes ein. Tluth’xarlor nickte ihr ergeben nach, wandte sich ebenfalls um und stieß beinahe mit dem Lehrmeister zusammen der ebenfalls hinter ihn getreten war und auf den am Boden liegenden Dhaz'zuxol hinab blickte. Er winkte einen der nicht kämpfenden Letharfen heran und deutet auf den Gefallenen. "Bring ihn weg!", befahl er und wandte sich erst dann seinem Schüler zu." Nun, Ich bin überrascht. Dennoch dulde Ich keine Pause deinerseits. Du hast zu lernen. Luz’szalil wartet", sagte er mit einem nicht ganz unterdrückten lauernden Funkeln in den Augen und deutete an ihm vorbei zu genanntem Letharf, der seinen jetzigen Gegner bereits wieder zu Boden geschickt hatte und sich ohne auch nur die Miene zu verziehen auf seinen Kampfstab stützte. Tluth’xarlor umgriff seinen Stab fester und schlenderte ruhigen Schrittes auf seinen Gegner zu. Es gab keine Atempause, kein Zögern. Der Kampf entbrannte sofort von neuem.
Im Zeichen des Panthers - Philosophie des Vergifters
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Tluth´Xarlor
Im Zeichen des Panthers - Philosophie des Vergifters
Zuletzt geändert von Tluth´Xarlor am Freitag 27. Oktober 2006, 17:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Tluth´Xarlor
Der Horizont waberte in düsterem Morgenrot und ließ die Silhouette der erwachenden Stadt seltsam unwirklich erscheinen. Die Augen des Letharen wandten sich erstmals von dem sich ihm bietenden Schauspiel ab und huschten zu dem Wachmann Rahals, der sein Haupt in wenigen Schritten Entfernung in einen aufgestellten Waschzuber tauchte. Niemand hatte ihn bisher bemerkt und niemand würde ihn bemerken, wie er halb von einem umgestürzten Felsbrocken verborgen, gekleidet in den Farben der sich zurückziehenden Nacht, vor dem aufklaffenden Höhleneingang des Rahaler Bergmassivs stand. Nach einigen Augenblicken wandte er sich mit einem dünnlippigen Lächeln zur Seite und verschwand endgültig im Rachen des Steinschlundes. Er war in Eile, auch wenn er sich diesen Umstand selten anmerken ließ. Die letzten Stunden die er an der Oberflächenwelt verbracht hatte, waren ihm äußerst dienlich gewesen. Wichtige Informationen warteten darauf von den richtigen Ohren vernommen zu werden.
Wie immer, wenn ihn seine Schritte tief in den Bauch der Erde trugen, verschmolz er mit den Schatten und wurde zu einem Teil der Unterwelt. Die diffusen Grautöne der ersten Schritte verschwanden und machten einer alles verschlingenden Schwärze platz. Ohne innezuhalten huschte er beinahe lautlos durch die sich vor ihm auftuenden Gänge, sprang über jäh aufklaffende Abgründe und kroch durch Felsnischen die kein Mensch jemals hätte durchdringen können. Die angeborenen Fähigkeiten seines Volkes leiteten ihn sicher durch die ewige Düsternis. Nach einer Weile erreichte er einen offenen Durchbruch im Gestein der in eine weitläufige Tropfsteinhöhle führte. Er ließ den Blick sichernd über das riesige, von spitzen Stalagmitensäulen gesäumte, Areal schweifen und wollte sich einem der abzweigenden Gänge zuwenden, als ein funkelndes Augenpaar in einem der gegenüberliegenden Schächte erschien. Tluth'xarlor verharrte mittem im Schritt und ließ den rechten Arm unauffällig über den ledernen Köcher mit den gut fünf dutzend nachtschwarzen Pfeilen wandern. Er wusste nur zu gut um die unzähligen Feinde, die in der Unterwelt lauerten und war durch sein hohes Alter erfahren genug jedes Anzeichen von Bedrohung im voraus zu wittern. Die beiden Augen, glühenden Sternen gleich, verschwanden urplötzlich und nach weiteren scheinbar endlosen Sekunden, schälte sich die schlanke Gestalt eines Panthers, gefolgt von einer ihm wohlbekannten Lethra, aus den Schatten und bewegte sich auf ihn zu.
Das Tier verharrte in wenigen Schritten Entfernung, während sich die Lethra vor ihm in eine ergebene Pose kniete und ihr Haupt senkte.
Ihre demütige Haltung gab ihm Anlass sie näher zu mustern. Erst jetzt fiel ihm die leicht nach oben gestreckte Haltung ihrer linken Hand auf. In unwilligem Tonfall richtete er das Wort an sie.
"Du kannst sprechen Lethra. Sieh mich an!"
Ihr Kopf ruckte in die Höhe. Weite und klare Augen musterten ihn mit undeutbarem Ausdruck.
"Ich habe euch den Anteil meiner Schlachtenbeute versprochen. Er befindet sich in eurer privaten Truhe Herr."
Erstmals huschte sein Blick über ihre zerschlissen wirkende Kleidung, das eingetrocknete Blut auf Stoff und Metall. Das unmerkliche Nicken, das er ihr schenkte wurde nur wenig von dem spöttischen Funkeln in seinen Augen gemildert. Dennoch war er überrascht, wenn nicht gar beeindruckt. Das verblasste Runenmal auf der Wange der Lethra zeichnete sie als Kriegerin aus, doch ihre Fähigkeiten schienen viel ausgereifter wie er bereits in der Vergangenheit erfahren hatte. Sein selbstverliebtes Streben nach Macht war einer der Gründe gewesen sie mit Hilfe des Lethyrs Shan'rhyl so schnell wie möglich unter seine Kontrolle zu stellen. Er brachte jedoch nichts davon zur Sprache, denn er wusste von den, vielleicht allzu ehrgeizigen, Absichten Rhy'xaryls.
"Ich werde deine Gaben im Sinne Alatars einsetzen Lethra", erwiderte er schließlich und bedeutete ihr mit einer sachten Handbewegung sich zu erheben. Für den Bruchteil eines Augenblicks glaubte er einen nachdenklichen und fast fordernden Ausdruck über ihr Gesicht huschen zu sehen, als hätte sie seine Gedanken erraten. Rasch verwarf er auch diese Eingebung und zwang sein Antlitz zu dem gewohnt maskenhaften, wie teilnahmslosen Ausdruck.
"Du kannst dich entfernen Lethra. Ich werde dich früh genug aufsuchen, sollte ich dich benötigen."
Es war keine Bitte, sondern ein Befehl und Rhy'xaryl verstand ihn auch als solchen. Vielleicht spürte sie auch die innere Unruhe des Lethrixors. Als sie sich ein paar Schritte von ihm entfernt hatte, fühlte er das vertraute Kribbeln einer wichtigen Eingebung. Rasch bemühte er sich das triumphierende Glitzern in seinem Blick zu unterdrücken, ehe er die Stimme erhob: "Ach... Lethra Rhy'xaryl!"
Er ließ bewusst viel Zeit verstreichen ehe er fortfuhr und registrierte milde amüsiert wie Rhy'xaryl inne hielt und den Kopf zur Seite wandte.
"Ich denke es wäre dennoch vorteilhaft dich so früh wie möglich zu prüfen. Ungeachtet meiner Interessen, erwarte ich dich in wenigen Stunden bewaffnet am Übungsring und außerdem... wird ein wichtiger Gast zugegen sein."
Der süffisante Klang seiner Stimme verriet ihn und ließ die unausgesprochene Warnung überdeutlich hervorstechen.
Rhy'xaryl gab ihm mancherlei Rätsel auf. Rätsel die er ergründen musste, wollte er sie näher an sich heran lassen. Er konnte es sich nicht leisten die mit Lhan'Chyl begangenen Fehler zu wiederholen, denn obgleich er es nie zugeben würde hatte ihn der stetige Kampf mit ihrem eigenen Willen sehr viel Kraft gekostet. Es war an der Zeit das zurückzuholen, was ihm genommen wurde.
Wie immer, wenn ihn seine Schritte tief in den Bauch der Erde trugen, verschmolz er mit den Schatten und wurde zu einem Teil der Unterwelt. Die diffusen Grautöne der ersten Schritte verschwanden und machten einer alles verschlingenden Schwärze platz. Ohne innezuhalten huschte er beinahe lautlos durch die sich vor ihm auftuenden Gänge, sprang über jäh aufklaffende Abgründe und kroch durch Felsnischen die kein Mensch jemals hätte durchdringen können. Die angeborenen Fähigkeiten seines Volkes leiteten ihn sicher durch die ewige Düsternis. Nach einer Weile erreichte er einen offenen Durchbruch im Gestein der in eine weitläufige Tropfsteinhöhle führte. Er ließ den Blick sichernd über das riesige, von spitzen Stalagmitensäulen gesäumte, Areal schweifen und wollte sich einem der abzweigenden Gänge zuwenden, als ein funkelndes Augenpaar in einem der gegenüberliegenden Schächte erschien. Tluth'xarlor verharrte mittem im Schritt und ließ den rechten Arm unauffällig über den ledernen Köcher mit den gut fünf dutzend nachtschwarzen Pfeilen wandern. Er wusste nur zu gut um die unzähligen Feinde, die in der Unterwelt lauerten und war durch sein hohes Alter erfahren genug jedes Anzeichen von Bedrohung im voraus zu wittern. Die beiden Augen, glühenden Sternen gleich, verschwanden urplötzlich und nach weiteren scheinbar endlosen Sekunden, schälte sich die schlanke Gestalt eines Panthers, gefolgt von einer ihm wohlbekannten Lethra, aus den Schatten und bewegte sich auf ihn zu.
Das Tier verharrte in wenigen Schritten Entfernung, während sich die Lethra vor ihm in eine ergebene Pose kniete und ihr Haupt senkte.
Ihre demütige Haltung gab ihm Anlass sie näher zu mustern. Erst jetzt fiel ihm die leicht nach oben gestreckte Haltung ihrer linken Hand auf. In unwilligem Tonfall richtete er das Wort an sie.
"Du kannst sprechen Lethra. Sieh mich an!"
Ihr Kopf ruckte in die Höhe. Weite und klare Augen musterten ihn mit undeutbarem Ausdruck.
"Ich habe euch den Anteil meiner Schlachtenbeute versprochen. Er befindet sich in eurer privaten Truhe Herr."
Erstmals huschte sein Blick über ihre zerschlissen wirkende Kleidung, das eingetrocknete Blut auf Stoff und Metall. Das unmerkliche Nicken, das er ihr schenkte wurde nur wenig von dem spöttischen Funkeln in seinen Augen gemildert. Dennoch war er überrascht, wenn nicht gar beeindruckt. Das verblasste Runenmal auf der Wange der Lethra zeichnete sie als Kriegerin aus, doch ihre Fähigkeiten schienen viel ausgereifter wie er bereits in der Vergangenheit erfahren hatte. Sein selbstverliebtes Streben nach Macht war einer der Gründe gewesen sie mit Hilfe des Lethyrs Shan'rhyl so schnell wie möglich unter seine Kontrolle zu stellen. Er brachte jedoch nichts davon zur Sprache, denn er wusste von den, vielleicht allzu ehrgeizigen, Absichten Rhy'xaryls.
"Ich werde deine Gaben im Sinne Alatars einsetzen Lethra", erwiderte er schließlich und bedeutete ihr mit einer sachten Handbewegung sich zu erheben. Für den Bruchteil eines Augenblicks glaubte er einen nachdenklichen und fast fordernden Ausdruck über ihr Gesicht huschen zu sehen, als hätte sie seine Gedanken erraten. Rasch verwarf er auch diese Eingebung und zwang sein Antlitz zu dem gewohnt maskenhaften, wie teilnahmslosen Ausdruck.
"Du kannst dich entfernen Lethra. Ich werde dich früh genug aufsuchen, sollte ich dich benötigen."
Es war keine Bitte, sondern ein Befehl und Rhy'xaryl verstand ihn auch als solchen. Vielleicht spürte sie auch die innere Unruhe des Lethrixors. Als sie sich ein paar Schritte von ihm entfernt hatte, fühlte er das vertraute Kribbeln einer wichtigen Eingebung. Rasch bemühte er sich das triumphierende Glitzern in seinem Blick zu unterdrücken, ehe er die Stimme erhob: "Ach... Lethra Rhy'xaryl!"
Er ließ bewusst viel Zeit verstreichen ehe er fortfuhr und registrierte milde amüsiert wie Rhy'xaryl inne hielt und den Kopf zur Seite wandte.
"Ich denke es wäre dennoch vorteilhaft dich so früh wie möglich zu prüfen. Ungeachtet meiner Interessen, erwarte ich dich in wenigen Stunden bewaffnet am Übungsring und außerdem... wird ein wichtiger Gast zugegen sein."
Der süffisante Klang seiner Stimme verriet ihn und ließ die unausgesprochene Warnung überdeutlich hervorstechen.
Rhy'xaryl gab ihm mancherlei Rätsel auf. Rätsel die er ergründen musste, wollte er sie näher an sich heran lassen. Er konnte es sich nicht leisten die mit Lhan'Chyl begangenen Fehler zu wiederholen, denn obgleich er es nie zugeben würde hatte ihn der stetige Kampf mit ihrem eigenen Willen sehr viel Kraft gekostet. Es war an der Zeit das zurückzuholen, was ihm genommen wurde.
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Tluth´Xarlor
Die Luft war zu frisch, der Himmel zu klar und die Laute der Tiere erfüllten die Nacht mit einer Melodie die an diesem Ort so fehlplatziert wirkte wie an keinem anderen.
Der Lethar hockte Seite an Seite mit der gedrungenen Gestalt eines Panthers auf einer der höchsten Zinnen Burg Eisenwarts. Tiefer Schlaf hatte sich über die Festung gesenkt und selbst die Umrisse der Wachen, die sich gegen den blau-schwarzen Himmel sichtbar abhoben, schienen seltsam unwirklich und zusammengesunken. Sein Blick glitt über das weite, mondbeschienene Land. Ein Anblick der einem anderen vielleicht ein Lächeln entlockt hätte. Ihm war er gänzlich zuwider, beschwerten doch dunkle Sorgen seinen Verstand der es eigentlich gewohnt war so präzise und kalt wie eine Maschine zu arbeiten.
Ein wichtiger, existenzieller Machtfaktor des Lethrixors war verschwunden. Eine Schwäche die er nicht lange ertragen durfte, wollte er seine Pläne mit gewohnt rücksichtslosem Engagement verfolgen. Eine sanfte Brise fuhr durch sein weißgraues Haar. Seine ohnehin schmalen Lippen krümmten sich zu dünnen, fast blutleeren Strichen. Für einen Moment war das hohe Alter des Lethrixors deutlich sichtbar in seinem müden Blick abzulesen. Er fühlte die bohrende Vorahnung kommenden Unheils ...
Jhol'slar Vrylxûm, Ch'tar trral Shurdaál ... slail maeljelm'Uzeeth izlix Alnelys
Auf zu Zerstörung, Verfall und Untergang ... zum gifttriefenden Schicksal dieser Welt
Die Worte kamen so leise über seine Lippen, dass sie von ihm selbst ungehört blieben. Nicht jedoch der Name den er darauf folgend in gewohnt zischelndem Tonfall austieß.
Rhy'xaryl ...
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Tluth´Xarlor
Nytevly ymna Vôrhonoth, Eluive xrer qua'nreth yrr Czrruth áz thryva Phúglos
Von Blindheit geschlagen, bemerkt die Weltenhure nicht den Dolch der sich in ihr Fleisch bohrt
Alte Erinnerungen ...
"Ihr wisst, dass euer Schüler vollkommen verrückt ist?" Die Stimme der Lethry schalt lauthals durch den engen Durchgang zu den Ruheräumen der Lethrixoren und Lethraxiaes. Vrar'xnet war sichtbar unwohl in seiner Haut. Ergeben senkte er den Blick gen Boden und verfluchte Tluth'xarlor gleichzeitig in seinen Gedanken. Dieser verdammte Narr hatte beinahe alles ruiniert. Er wusste, dass sein Schüler in den engen Felsnischen des Durchgangs lauerte und jedes Wort dieser äußerst unangenehmen Unterhaltung belauschte. In Alatars Schlund mit dieser Ausgeburt des Wahnsinns, diesem Dämon in Gestalt eines Letharen. Beständig hatte er versucht ihn zu durchschauen und war jedes Mal aufs neue gescheitert. Die distanziert kühlen und gleichzeitig lauernden Charaktereigenschaften eines geübten Lethrixors waren zwar vorhanden, wurden jedoch von all den bei Alatar sonstwo aufgeschnappten Wesenszügen überlagert. Vrar'xnet wusste beinahe alles über seine Schüler. Er wäre nicht der Waffenmeister, würde er nicht über ein geradezu photographisches Gedächtnis im Bezug auf die ihm Anvertrauten verfügen. Bei Tluth'xarlor hatte er versagt. Noch länger hatte es gedauert ihm das Lügen abzugewöhnen, obwohl Vrar'xnet ahnte, dass der junge Lethrixor nur vorsichtiger geworden war und günstige Gelegenheiten suchte um sich erneut zu profilieren und ein Netz aus falschen Worten mit seiner viel zu flinken Zunge zu spinnen.
Ein Letharf der neben Tobsucht gar zu Raserei und unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigte. Das neueste Opfer seiner Eskapaden wurde soeben magisch erzeugten Flammen übergeben. Ein Übungskampf aller versammelten Lethrixoren, eine gesplitterte Holzwaffe und eine durchgeschnittene Kehle. Mehr war für das ungeübte Auge nicht passiert. Vrar'xnet war der unglaubliche Zufall, einhergehend mit erschreckender Präzision, jedoch nicht entgangen mit der Tluth'xarlor die Waffe bewusst an einem nahen Felsen in zwei schlug um die entstandene, scharfe Bruchstelle gegen den Hals seines Gegners zu richten. Der Grund dafür, so vermutete er, war simpel: krankhafter Ehrgeiz.
Die Lethry beugte sich weiter vor, so dass ihr Gesicht gefährlich nahe an das von Vrar'xnet stieß.
"Ich warne euch. Bringt ihr diesen Letharf nicht zur Räson, werdet ihr die Konsequenzen seines Handelns tragen!"
Mit einem ärgerlichen Zischeln drehte sie sich zur Seite und war binnen Augenblicken verschwunden.
Vrar'xnet verharrte noch einen Augenblick an derselben Stelle, machte dann ebenfalls kehrt und huschte den Weg entlang Richtung Altar. Er fühlte sich beobachtet, wusste das die Blicke seines Schülers auf ihn gerichtet waren. Er würde dieses Problem beseitigen, sobald er das Einverständnis des obersten Lethyren eingeholt hatte.
Sein Weg führte ihn an einem unterirdischen See vorbei. Das Wasser war in der allumfassenden Dunkelheit nachtschwarz und lag ruhig da, obwohl Vrar'xnet wusste das diese Stille trügerisch war. Giftige Kraken lauerten unter der Wasseroberfläche und witterten jeden der dumm genug war sich dem See zu nähern, egal ob Lethar, Zwerg, Tier oder Monster. Er beschleunigte seine Schritte und rannte nun fast den letzten Steilhang empor, der sich in einem kühnen Boden über den See schwang. Plötzlich ertönte ein Surren. Vrar'xnet hielt inne und verrengte die mandelförmigen Augen zu Schlitzen. Er hatte etwas gesehen, ein Schatten der an ihm vorbei gehuscht war. Er ließ die linke Hand nach unten wandern und den Griff der Pantherklaue umschließen. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Hatte er seinen Schüler unterschätzt? Nein, selbst Tluth'xarlor war nicht närrisch genug einen Lehrmeister der Lethrixoren zu ermorden. Ohne sich umzudrehen schlich er rückwärts den schmalen Steg entlang und verließ sich dabei gänzlich auf seine überaus scharfen Sinne. Abermals ertönte ein Surren und diesmal gewahrte er einen schlanken, silber glühenden Bolzen der an ihm vorbei schoß und sich in den steinernen Steg bohrte. Vrar'xnets Blick folgte dem Geschoß, ehe er ein ungläubiges Lachen ausstieß. Der Bolzen hatte sich in den Stein gebohrt und ließ elektrische Entladungen über die Brücke huschen. Wozu sollte das wieder dienen ...
Vrar'xnet stockte. Erst jetzt bemerkte er die feinen Risse die sich überall vor ihm über den schmalen Steinsims erstreckten. Jemand hatte die Brücke beschädigt, gerade stark genug um sie nicht zusammenstürzen zu lassen. Nun brachte der Bolzen das angefangene Werk zu Ende. Vrar'xnet konnte nicht einmal mehr einen überraschten Schrei ausstoßen, als die Brücke in der Mitte zusammenbrach und ihn mit sich in die Tiefe riss. Eiskaltes Wasser schlug über ihm zusammen als er in den See stürzte. Steinbrocken schlugen wie Geschosse rings um ihn ein, doch wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Er versuchte sich mit kräftigen Schwimmbewegungen an die Oberfläche zurück zu bringen als er inne hielt. Ein schwarzer Fangarm schlängelte sich aus der Tiefe zu ihm empor ...
Von Blindheit geschlagen, bemerkt die Weltenhure nicht den Dolch der sich in ihr Fleisch bohrt
Alte Erinnerungen ...
"Ihr wisst, dass euer Schüler vollkommen verrückt ist?" Die Stimme der Lethry schalt lauthals durch den engen Durchgang zu den Ruheräumen der Lethrixoren und Lethraxiaes. Vrar'xnet war sichtbar unwohl in seiner Haut. Ergeben senkte er den Blick gen Boden und verfluchte Tluth'xarlor gleichzeitig in seinen Gedanken. Dieser verdammte Narr hatte beinahe alles ruiniert. Er wusste, dass sein Schüler in den engen Felsnischen des Durchgangs lauerte und jedes Wort dieser äußerst unangenehmen Unterhaltung belauschte. In Alatars Schlund mit dieser Ausgeburt des Wahnsinns, diesem Dämon in Gestalt eines Letharen. Beständig hatte er versucht ihn zu durchschauen und war jedes Mal aufs neue gescheitert. Die distanziert kühlen und gleichzeitig lauernden Charaktereigenschaften eines geübten Lethrixors waren zwar vorhanden, wurden jedoch von all den bei Alatar sonstwo aufgeschnappten Wesenszügen überlagert. Vrar'xnet wusste beinahe alles über seine Schüler. Er wäre nicht der Waffenmeister, würde er nicht über ein geradezu photographisches Gedächtnis im Bezug auf die ihm Anvertrauten verfügen. Bei Tluth'xarlor hatte er versagt. Noch länger hatte es gedauert ihm das Lügen abzugewöhnen, obwohl Vrar'xnet ahnte, dass der junge Lethrixor nur vorsichtiger geworden war und günstige Gelegenheiten suchte um sich erneut zu profilieren und ein Netz aus falschen Worten mit seiner viel zu flinken Zunge zu spinnen.
Ein Letharf der neben Tobsucht gar zu Raserei und unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigte. Das neueste Opfer seiner Eskapaden wurde soeben magisch erzeugten Flammen übergeben. Ein Übungskampf aller versammelten Lethrixoren, eine gesplitterte Holzwaffe und eine durchgeschnittene Kehle. Mehr war für das ungeübte Auge nicht passiert. Vrar'xnet war der unglaubliche Zufall, einhergehend mit erschreckender Präzision, jedoch nicht entgangen mit der Tluth'xarlor die Waffe bewusst an einem nahen Felsen in zwei schlug um die entstandene, scharfe Bruchstelle gegen den Hals seines Gegners zu richten. Der Grund dafür, so vermutete er, war simpel: krankhafter Ehrgeiz.
Die Lethry beugte sich weiter vor, so dass ihr Gesicht gefährlich nahe an das von Vrar'xnet stieß.
"Ich warne euch. Bringt ihr diesen Letharf nicht zur Räson, werdet ihr die Konsequenzen seines Handelns tragen!"
Mit einem ärgerlichen Zischeln drehte sie sich zur Seite und war binnen Augenblicken verschwunden.
Vrar'xnet verharrte noch einen Augenblick an derselben Stelle, machte dann ebenfalls kehrt und huschte den Weg entlang Richtung Altar. Er fühlte sich beobachtet, wusste das die Blicke seines Schülers auf ihn gerichtet waren. Er würde dieses Problem beseitigen, sobald er das Einverständnis des obersten Lethyren eingeholt hatte.
Sein Weg führte ihn an einem unterirdischen See vorbei. Das Wasser war in der allumfassenden Dunkelheit nachtschwarz und lag ruhig da, obwohl Vrar'xnet wusste das diese Stille trügerisch war. Giftige Kraken lauerten unter der Wasseroberfläche und witterten jeden der dumm genug war sich dem See zu nähern, egal ob Lethar, Zwerg, Tier oder Monster. Er beschleunigte seine Schritte und rannte nun fast den letzten Steilhang empor, der sich in einem kühnen Boden über den See schwang. Plötzlich ertönte ein Surren. Vrar'xnet hielt inne und verrengte die mandelförmigen Augen zu Schlitzen. Er hatte etwas gesehen, ein Schatten der an ihm vorbei gehuscht war. Er ließ die linke Hand nach unten wandern und den Griff der Pantherklaue umschließen. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Hatte er seinen Schüler unterschätzt? Nein, selbst Tluth'xarlor war nicht närrisch genug einen Lehrmeister der Lethrixoren zu ermorden. Ohne sich umzudrehen schlich er rückwärts den schmalen Steg entlang und verließ sich dabei gänzlich auf seine überaus scharfen Sinne. Abermals ertönte ein Surren und diesmal gewahrte er einen schlanken, silber glühenden Bolzen der an ihm vorbei schoß und sich in den steinernen Steg bohrte. Vrar'xnets Blick folgte dem Geschoß, ehe er ein ungläubiges Lachen ausstieß. Der Bolzen hatte sich in den Stein gebohrt und ließ elektrische Entladungen über die Brücke huschen. Wozu sollte das wieder dienen ...
Vrar'xnet stockte. Erst jetzt bemerkte er die feinen Risse die sich überall vor ihm über den schmalen Steinsims erstreckten. Jemand hatte die Brücke beschädigt, gerade stark genug um sie nicht zusammenstürzen zu lassen. Nun brachte der Bolzen das angefangene Werk zu Ende. Vrar'xnet konnte nicht einmal mehr einen überraschten Schrei ausstoßen, als die Brücke in der Mitte zusammenbrach und ihn mit sich in die Tiefe riss. Eiskaltes Wasser schlug über ihm zusammen als er in den See stürzte. Steinbrocken schlugen wie Geschosse rings um ihn ein, doch wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Er versuchte sich mit kräftigen Schwimmbewegungen an die Oberfläche zurück zu bringen als er inne hielt. Ein schwarzer Fangarm schlängelte sich aus der Tiefe zu ihm empor ...
Zuletzt geändert von Tluth´Xarlor am Montag 30. Juli 2007, 12:22, insgesamt 3-mal geändert.
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Tluth´Xarlor
Nemesis
Dunkelheit senkte sich über die Burg Eisenwart und der Großteil seiner Bewohner hatte sich zur Ruhe gelegt und träumte den Schlaf der Gerechten. Durch schwere Mauern geschützt, wurden die fortwährenden Bedrohungen Lameriasts ferngehalten. Die wenigsten bemerkten deshalb an diesem Abend die schlanke und unscheinbare Gestalt, die von mehreren Soldaten in das Dienstzimmer des Burgherrn eskortiert wurde.
Mehrere Wachen wurden vor der Tür postiert, bereit jederzeit einzugreifen. Kein Laut drang jedoch durch das schwere Holz. Nur das flackernde Licht mehrerer Kerzen warf gespenstische Schatten unter der Türschwelle hervor.
"Nur damit ihr es wisst. Ich werde meinen Herrn nicht verraten. Er hat lediglich einen ... anderen Weg für mich auserkoren."
Die Khazkal Deslon wohlbekannte Person hatte die Maske abgenommen und verzog die dünnen Lippen zu einem fahlen Lächeln. Das jugendliche Antlitz schien dennoch bar jeder Emotion und verfiel, nachdem das Lächeln erlosch, in die gewohnt maskenhafte Starre.
"Ihr werdet ein starkes Gift verwenden um etwaige Fehler von vornherein auszuschließen. Die Eisschlange soll sehr rasch töten." Die Worte kamen in gewohnt gedehntem und teilnahmslosen Tonfall über die Lippen der Gestalt, als würden sie diese Tatsachen nicht im geringsten beunruhigen.
"Vertraut mir ... wir besitzen die reichste Auswahl an Giften weit und breit." Die Antwort des Burgherrn kam rasch und selbstsicher. Lediglich der irritierte Ausdruck war nicht gänzlich von seinem Gesicht verschwunden.
Stille lastete zwischen den beiden, allein durchbrochen vom Zischeln eines heruntergebrannten Kerzendochtes.
Dann erhob sich die Gestalt, streifte die Robe in den Farben Eisenwarts mit einer pedantisch wirkenden Bewegung glatt und befestigte die Maske erneut vor ihrem Gesicht. Es war unnötig von den Soldaten vor der Tür allzu genau in Augenschein genommen zu werden.
"Was wird der Preis sein, den ich zu zahlen habe?"
Die Frage des Burgherrn ließ die Gestalt inne halten. Für einen Moment schien ein spöttisches Funkeln hinter den Maskenschlitzen aufzuglimmen.
"Hass ... allerdings solltet ihr euch davon nicht beunruhigen lassen. Ihr steht ohnehin im Krieg mit ihnen. Verrat wird weder vergeben, noch vergessen."
Ein zögerndes Nicken folgte. Weitere Worte schienen überflüssig, waren die wichtigsten Einzelheiten in dem langen Gespräch doch geklärt worden.
"Wie praktisch, dass wir uns nie getroffen haben Burgherr." Ein leises, farbloses Lachen ertönte, als sich der Maskierte zum Gehen wandte.
"Legionär!" - donnerte Khazkal Deslon lauthals und die Tür zu seinem Arbeitszimmer wurde wenige Augenblicke später von einem der Wachposten geöffnet.
"Bringt ihn ungesehen zum Tor. Danach vergesst ihr, dass wir heute Abend einen Gast hatten."
Mit einem militärisch zackigen Nicken nahm der Legionär die Anweisung, so seltsam sie ihm auch erscheinen mochte, entgegen und geleitete die verhüllte Gestalt zum Tor. Er sah ihr nach, bis sie nach wenigen Augenblicken mit der Dunkelheit des nahen Waldrandes verschmolzen war.
Vergessen ...
Mehrere Wachen wurden vor der Tür postiert, bereit jederzeit einzugreifen. Kein Laut drang jedoch durch das schwere Holz. Nur das flackernde Licht mehrerer Kerzen warf gespenstische Schatten unter der Türschwelle hervor.
"Nur damit ihr es wisst. Ich werde meinen Herrn nicht verraten. Er hat lediglich einen ... anderen Weg für mich auserkoren."
Die Khazkal Deslon wohlbekannte Person hatte die Maske abgenommen und verzog die dünnen Lippen zu einem fahlen Lächeln. Das jugendliche Antlitz schien dennoch bar jeder Emotion und verfiel, nachdem das Lächeln erlosch, in die gewohnt maskenhafte Starre.
"Ihr werdet ein starkes Gift verwenden um etwaige Fehler von vornherein auszuschließen. Die Eisschlange soll sehr rasch töten." Die Worte kamen in gewohnt gedehntem und teilnahmslosen Tonfall über die Lippen der Gestalt, als würden sie diese Tatsachen nicht im geringsten beunruhigen.
"Vertraut mir ... wir besitzen die reichste Auswahl an Giften weit und breit." Die Antwort des Burgherrn kam rasch und selbstsicher. Lediglich der irritierte Ausdruck war nicht gänzlich von seinem Gesicht verschwunden.
Stille lastete zwischen den beiden, allein durchbrochen vom Zischeln eines heruntergebrannten Kerzendochtes.
Dann erhob sich die Gestalt, streifte die Robe in den Farben Eisenwarts mit einer pedantisch wirkenden Bewegung glatt und befestigte die Maske erneut vor ihrem Gesicht. Es war unnötig von den Soldaten vor der Tür allzu genau in Augenschein genommen zu werden.
"Was wird der Preis sein, den ich zu zahlen habe?"
Die Frage des Burgherrn ließ die Gestalt inne halten. Für einen Moment schien ein spöttisches Funkeln hinter den Maskenschlitzen aufzuglimmen.
"Hass ... allerdings solltet ihr euch davon nicht beunruhigen lassen. Ihr steht ohnehin im Krieg mit ihnen. Verrat wird weder vergeben, noch vergessen."
Ein zögerndes Nicken folgte. Weitere Worte schienen überflüssig, waren die wichtigsten Einzelheiten in dem langen Gespräch doch geklärt worden.
"Wie praktisch, dass wir uns nie getroffen haben Burgherr." Ein leises, farbloses Lachen ertönte, als sich der Maskierte zum Gehen wandte.
"Legionär!" - donnerte Khazkal Deslon lauthals und die Tür zu seinem Arbeitszimmer wurde wenige Augenblicke später von einem der Wachposten geöffnet.
"Bringt ihn ungesehen zum Tor. Danach vergesst ihr, dass wir heute Abend einen Gast hatten."
Mit einem militärisch zackigen Nicken nahm der Legionär die Anweisung, so seltsam sie ihm auch erscheinen mochte, entgegen und geleitete die verhüllte Gestalt zum Tor. Er sah ihr nach, bis sie nach wenigen Augenblicken mit der Dunkelheit des nahen Waldrandes verschmolzen war.
Vergessen ...
Zuletzt geändert von Tluth´Xarlor am Mittwoch 26. März 2008, 14:58, insgesamt 1-mal geändert.
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Tluth´Xarlor
Nemesis
"Nein ... bitte, ich flehe euch an!"
Markerschütternde Schreie hallten durch die kleine schäbige Kammer im Hafenviertel Rahals. Stöhnend krümmte sich der Giftmischer auf dem Erdreich zusammen, als der gebogene Dolch Tluth'xarlors sein Werk vollendet hatte.
"Bitte ... bitte ... d-das ... Gift, der Eisschlange. Es ... wird wirken ... euch in einen totengleichen Schlaf versetzen ... selbst, selbst wenn ihr das Gegengift kaut!"
Die Wahrheit starrte aus seinem unwürdigen Gesicht zu ihm empor. Jetzt endlich hatte er Gewissheit. Der Dolch wurde nachdenklich in seiner Hand gedreht. Es war unnötig den Mann am Leben zu lassen. Sehr unnötig, obwohl sein Leichnam wenig Fragen aufwerfen würde. Die Mimik des Letharen blieb starr und teilnahmslos, als er dieses Problem beseitigte.
Der Vorhang schließt sich ...
Der Weg zu seiner eigenen Vernichtung lag scheinbar offen vor ihm. Welch grausame Ironie des Schicksals, dass der Akoluth Temoras sein letztes Opfer sein sollte. Umkreist von den Soldaten des Feindes, war jede Möglichkeit zur Flucht aussichtslos. Sein Verstand arbeitete jedoch mit gewohnt berechnendem Kalkül, sondierte die Soldaten, und schätzte bereits ab, wen er mit sich in den Tod reißen konnte. Sicher auch den Priester der verhassten Göttin, den er als Schutzschild gegen sich gepresst hatte.
Die Abenddämmerung warf ihren blutroten Schatten über das Land. Welch passende Zeit für einen weiteren Mord. Welch Beweis, dass Rahal marode und schwach geworden war.
"Ihr werdet nicht entkommen Lethar ... dies ist euer Ende!", fauchte der Burgherr Eisenwarts, den Abzug der schweren Armbrust gierig mit den Fingern umschließend.
"Und ihr nehmt diesen Narren mit auf eure Rechnung, ja?"
Das boshafte Lächeln auf den Lippen des Lethrixors weitete sich zu einer gehässigen Fratze.
"Ein Priester derer, die mich verstießen? Tötet ihn. Nur zu!"
Die Entschlossenheit auf Khazkal Deslons Gesicht schien unangreifbar. Der Lethar erkannte, dass er die Wahrheit sprach. Der Akoluth Temoras, das auserkorene Werkzeug, würde ihm nichts mehr nützen.
Er löste seinen Würgegriff und gab dem nach Luft ringenden Jungen einen wuchtigen Stoß in die Seite. Sein Blut zu vergießen, würde nur dazu führen augenblicklich von einer Übermacht niedergestreckt zu werden. Eine Verschwendung seiner Ressourcen, war der Burgherr Eisenwarts doch das weitaus lohnendere Ziel. Wimmernd fiel der angehende Priester zu Boden und umklammerte seine Kehle.
Lauernd umkreisten die Soldaten Eisenwarts den Letharen, als dieser eine rubinrote Klinge von seinem Waffengurt löste und mit einer verächtlichen Geste Richtung Khazkal warf.
"Nur Ihr und Ich Burgherr. Wie einst, als ich euch in den Staub schickte. Euren angestammten Platz."
Die Dissonanz in der Stimme des Letharen verseuchte jede gesprochene Silbe. Wut loderte in den Augen Khazkal Deslons auf. War seine Beherrschung durch die Stimme Alatars noch nicht gebrochen, so fiel sie jetzt.
Der Kampf entbrannte umgehend, als sich die Finger des Burgherrn um den Griff der Klinge schlossen. Funken sprühten auf, als sich die Schwerter der beiden Feinde kreuzten. Einem unheimlichen Tanz gleich, bewegten sie sich umeinander, nach einer Lücke in der Deckung des Gegners suchend. Schneller und wuchtiger hieben sie aufeinander ein.
"Meister, lasst mich euch helfen!"
Die verzweifelten Schreie Shessidyr Shartyrs verhallten ungehört.
Die Pantherklaue des Letharen zuckte urplötzlich nach oben und züngelte nach der Kehle des Burgherrn. Triumphierend glitzerten die Augen Tluth'xarlors, während er all seine Kraft und Konzentration in diesen einen Hieb legte.
Im letzten Moment versuchte der Burgherr die Breitseite seiner Klinge zwischen sich und den heranrasenden Tod zu bringen.
Für einen Moment schien die Welt still zu stehen. Jedes Augenpaar war auf die beiden Kämpfenden gerichtet und selbst die Götter schienen den Atem anzuhalten.
Das verzweifelte Manöver Khazkal Deslons gelang und wurde nunmehr zum folgenschwersten Fehler des Letharen.
Die geschwungene Pantherklaue wurde fast aus seiner Hand geprellt, als die Wucht des Schlages in seinem Arm explodierte.
Gelähmt vor Unglauben und Zorn, stand der Lethar für einen Augenblick schutzlos da.
Eine Gelegenheit die der Burgherr nutzte um sein Schwert mit einem Aufschrei in die rechte Brust Tluth'xarlors zu rammen.
Die Berührung der Klinge selbst schien wie Säure in seinem Leib zu brennen. Und tatsächlich ... Rauchfahnen kräuselten sich aus der klaffenden Wunde, als der Lethar den Blick nach unten wandte. Die Waffe war vergiftet worden.
Sein letzter Gedanke galt seinem Herrn. Dann wurde alles schwarz.
Trocken und feststellend wurden an jenem Abend folgende Worte gesprochen: "Traue niemals einem Letharen. Die wichtigste Lektion, die ich von euch gelernt habe."
Markerschütternde Schreie hallten durch die kleine schäbige Kammer im Hafenviertel Rahals. Stöhnend krümmte sich der Giftmischer auf dem Erdreich zusammen, als der gebogene Dolch Tluth'xarlors sein Werk vollendet hatte.
"Bitte ... bitte ... d-das ... Gift, der Eisschlange. Es ... wird wirken ... euch in einen totengleichen Schlaf versetzen ... selbst, selbst wenn ihr das Gegengift kaut!"
Die Wahrheit starrte aus seinem unwürdigen Gesicht zu ihm empor. Jetzt endlich hatte er Gewissheit. Der Dolch wurde nachdenklich in seiner Hand gedreht. Es war unnötig den Mann am Leben zu lassen. Sehr unnötig, obwohl sein Leichnam wenig Fragen aufwerfen würde. Die Mimik des Letharen blieb starr und teilnahmslos, als er dieses Problem beseitigte.
Der Vorhang schließt sich ...
Der Weg zu seiner eigenen Vernichtung lag scheinbar offen vor ihm. Welch grausame Ironie des Schicksals, dass der Akoluth Temoras sein letztes Opfer sein sollte. Umkreist von den Soldaten des Feindes, war jede Möglichkeit zur Flucht aussichtslos. Sein Verstand arbeitete jedoch mit gewohnt berechnendem Kalkül, sondierte die Soldaten, und schätzte bereits ab, wen er mit sich in den Tod reißen konnte. Sicher auch den Priester der verhassten Göttin, den er als Schutzschild gegen sich gepresst hatte.
Die Abenddämmerung warf ihren blutroten Schatten über das Land. Welch passende Zeit für einen weiteren Mord. Welch Beweis, dass Rahal marode und schwach geworden war.
"Ihr werdet nicht entkommen Lethar ... dies ist euer Ende!", fauchte der Burgherr Eisenwarts, den Abzug der schweren Armbrust gierig mit den Fingern umschließend.
"Und ihr nehmt diesen Narren mit auf eure Rechnung, ja?"
Das boshafte Lächeln auf den Lippen des Lethrixors weitete sich zu einer gehässigen Fratze.
"Ein Priester derer, die mich verstießen? Tötet ihn. Nur zu!"
Die Entschlossenheit auf Khazkal Deslons Gesicht schien unangreifbar. Der Lethar erkannte, dass er die Wahrheit sprach. Der Akoluth Temoras, das auserkorene Werkzeug, würde ihm nichts mehr nützen.
Er löste seinen Würgegriff und gab dem nach Luft ringenden Jungen einen wuchtigen Stoß in die Seite. Sein Blut zu vergießen, würde nur dazu führen augenblicklich von einer Übermacht niedergestreckt zu werden. Eine Verschwendung seiner Ressourcen, war der Burgherr Eisenwarts doch das weitaus lohnendere Ziel. Wimmernd fiel der angehende Priester zu Boden und umklammerte seine Kehle.
Lauernd umkreisten die Soldaten Eisenwarts den Letharen, als dieser eine rubinrote Klinge von seinem Waffengurt löste und mit einer verächtlichen Geste Richtung Khazkal warf.
"Nur Ihr und Ich Burgherr. Wie einst, als ich euch in den Staub schickte. Euren angestammten Platz."
Die Dissonanz in der Stimme des Letharen verseuchte jede gesprochene Silbe. Wut loderte in den Augen Khazkal Deslons auf. War seine Beherrschung durch die Stimme Alatars noch nicht gebrochen, so fiel sie jetzt.
Der Kampf entbrannte umgehend, als sich die Finger des Burgherrn um den Griff der Klinge schlossen. Funken sprühten auf, als sich die Schwerter der beiden Feinde kreuzten. Einem unheimlichen Tanz gleich, bewegten sie sich umeinander, nach einer Lücke in der Deckung des Gegners suchend. Schneller und wuchtiger hieben sie aufeinander ein.
"Meister, lasst mich euch helfen!"
Die verzweifelten Schreie Shessidyr Shartyrs verhallten ungehört.
Die Pantherklaue des Letharen zuckte urplötzlich nach oben und züngelte nach der Kehle des Burgherrn. Triumphierend glitzerten die Augen Tluth'xarlors, während er all seine Kraft und Konzentration in diesen einen Hieb legte.
Im letzten Moment versuchte der Burgherr die Breitseite seiner Klinge zwischen sich und den heranrasenden Tod zu bringen.
Für einen Moment schien die Welt still zu stehen. Jedes Augenpaar war auf die beiden Kämpfenden gerichtet und selbst die Götter schienen den Atem anzuhalten.
Das verzweifelte Manöver Khazkal Deslons gelang und wurde nunmehr zum folgenschwersten Fehler des Letharen.
Die geschwungene Pantherklaue wurde fast aus seiner Hand geprellt, als die Wucht des Schlages in seinem Arm explodierte.
Gelähmt vor Unglauben und Zorn, stand der Lethar für einen Augenblick schutzlos da.
Eine Gelegenheit die der Burgherr nutzte um sein Schwert mit einem Aufschrei in die rechte Brust Tluth'xarlors zu rammen.
Die Berührung der Klinge selbst schien wie Säure in seinem Leib zu brennen. Und tatsächlich ... Rauchfahnen kräuselten sich aus der klaffenden Wunde, als der Lethar den Blick nach unten wandte. Die Waffe war vergiftet worden.
Sein letzter Gedanke galt seinem Herrn. Dann wurde alles schwarz.
Trocken und feststellend wurden an jenem Abend folgende Worte gesprochen: "Traue niemals einem Letharen. Die wichtigste Lektion, die ich von euch gelernt habe."
Zuletzt geändert von Tluth´Xarlor am Mittwoch 26. März 2008, 14:27, insgesamt 4-mal geändert.
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Tluth´Xarlor
Nemesis
Nichts, außer einer schwerelosen Weite ... dann, Schmerzen jenseits aller Vorstellungskraft ... dunkle Schemen begannen sich zu einem Ganzen zu formen ... letztendlich kam das Erwachen.
Als Lam'oxyl sein Leben aushauchte, hatte er keinerlei Ahnung davon, dass sein Tod den Beginn einer neuen Existenz einleiten würde. Der unbedeutende Letharf starrte aus geweiteten Augen auf die Pantherklaue, die seinen Brustkorb durchbohrt hatte. Dann brach etwas in seinem Blick und er sackte leblos zu Boden. Seine Beseitigung sollte keinen nennenswerten Verlust darstellen.
Rasch begann die verhüllte Gestalt die Kleider des Ermordeten in Fetzen zu reissen und die Leiche dann mit der bereits vorbereiteten schwarzen Lederrüstung auszustatten. Ein Vorgang der wenig Zeit in Anspruch nahm.
Ein helles, lang anhaltendes Zischeln ertönte. Gestank breitete sich in der kleinen Höhle aus, als der Maskierte den Inhalt einer schmalen Phiole über das Antlitz Lam'oxyls tröpfeln ließ. Säure. Mehr als einmal war sie ihm ein nützlicher Begleiter gewesen.
Als das grausige Werk vollendet war, fuhr die Gestalt damit fort die hinterlassenen Spuren zu beseitigen. Alles musste verschwinden und nichts durfte auf ihn hinweisen.
Trotz der zurückliegenden Strapazen arbeiteten die Finger des Letharen gewohnt flink. Binnen weniger Augenblicke deutete nichts mehr darauf hin, dass in dieser Kammer zwei Identitäten getauscht wurden.
Niemand sah zu jener Zeit, wie er das Herz der Finsternis, Leth'Axorn, verließ.
Als Lam'oxyl sein Leben aushauchte, hatte er keinerlei Ahnung davon, dass sein Tod den Beginn einer neuen Existenz einleiten würde. Der unbedeutende Letharf starrte aus geweiteten Augen auf die Pantherklaue, die seinen Brustkorb durchbohrt hatte. Dann brach etwas in seinem Blick und er sackte leblos zu Boden. Seine Beseitigung sollte keinen nennenswerten Verlust darstellen.
Rasch begann die verhüllte Gestalt die Kleider des Ermordeten in Fetzen zu reissen und die Leiche dann mit der bereits vorbereiteten schwarzen Lederrüstung auszustatten. Ein Vorgang der wenig Zeit in Anspruch nahm.
Ein helles, lang anhaltendes Zischeln ertönte. Gestank breitete sich in der kleinen Höhle aus, als der Maskierte den Inhalt einer schmalen Phiole über das Antlitz Lam'oxyls tröpfeln ließ. Säure. Mehr als einmal war sie ihm ein nützlicher Begleiter gewesen.
Als das grausige Werk vollendet war, fuhr die Gestalt damit fort die hinterlassenen Spuren zu beseitigen. Alles musste verschwinden und nichts durfte auf ihn hinweisen.
Trotz der zurückliegenden Strapazen arbeiteten die Finger des Letharen gewohnt flink. Binnen weniger Augenblicke deutete nichts mehr darauf hin, dass in dieser Kammer zwei Identitäten getauscht wurden.
Niemand sah zu jener Zeit, wie er das Herz der Finsternis, Leth'Axorn, verließ.
Zuletzt geändert von Tluth´Xarlor am Dienstag 1. April 2008, 23:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Tluth´Xarlor
Präludium ...
Das leise Säuseln hielt an. Kein anderer Laut ertönte ungestraft in diesen Hallen. Der Raum war groß und seine hintersten Wände verloren sich in tiefer Schwärze, zentriert auf den dunklen Altar aus Granit. Ein heiliger Ort, den keine Menschenseele jemals gesehen hatte und jemals zu Gesicht bekommen würde. Legenden waren an diesem Ort geboren und wieder vernichtet worden. Geflüsterte Geschichten von Dämonen, Geistern und anderen Geschöpfen hatten an diesem Ort ihren Ursprung.
Ein schriller, unmenschlicher Schrei zerriss jäh die Stille und das Säuseln verstummte. Ein im trüben Zwielicht flackernder Schatten löste sich aus der Ferne, raste in gewaltigen Sprüngen durch den Tempel und ließ sich im Licht einer Öllampe neben dem knienden Lethrixor auf den Boden sinken. Der Panther krallte sich in den schwarzen Stoff, der seinen Körper umhüllte und den Boden wie ein See aus geronnener Lava bedeckte, als fühle er die enge Vertrautheit mit dem Kind Alatars. Der Lethar wiederum schien das Tier kaum zu beachten. Langsam beugte er sich nach vorne und berührte die gesprungenen Steinfliesen des Tempels mit seinen dunklen Lippen. Dann griff er in die Innenseite seines Mantels und förderte einen kleinen Beutel zutage, sowie ein in dunkles Leder gebundenes Buch.
Haszakin Shan'al, das Buch der Schmerzen und Peiniger der Gottlosen. Er ließ den Blick sondierend durch den Tempel wandern, erspähte aber keinen seiner Brüder und Schwestern. Die kommende Aufgabe konnte er nur allein bewältigen, dessen war er sich sicher. Rasch schnürte er den Lederbeutel auf und entnahm diesem eine bereits dem Verfall übereignete Schädelkerze, die er sorgsam neben einem Schwert auf dem Altar platzierte. Kurz glitt sein Blick über die unscheinbare Klinge. Das verfluchte Blutschwert ... Er erinnerte sich gut an jene Nacht, als er es an der Seite des Lethyren Syrr'ael und dem Lethoryx Setyr'Xor'tar gegen die Ketzer führte, um deren verdorbenes Blut für ein Ritual zu stehlen. Welch Ironie, dass er es bald dazu nutzen würde heiliges Blut zu vergießen.
Mit zwei Feuersteinen entzündete er die Schädelkerze, löschte dann die Öllampe und verharrte an Ort und Stelle. Lediglich das Fauchen des Panthers ertönte, lauernd und gierig.
Die Flamme der Schädelkerze begann zu tanzen. Ihre Bewegungen waren von fast anmutiger Schönheit, schienen in endlosen Drehungen um den dünnen Docht zu zirkulieren. Beinahe, als wäre sie in heller Aufregung angesichts ihrer kommenden Aufgabe. Sie war nunmehr die einzige Lichtquelle an diesem Ort jenseits jeglicher Normalität. Mit geschlossenen Augen ging der Lethar vor der Kerze bedächtig auf die Knie und küsste den Einband des verbotenen Buches. Dann hob er den Kopf, öffnete die Augen und betrachtete das Schauspiel der Flamme bis sein Blick glasig wurde. Ein Gefühl das er bereits kannte setzte ein. Sein Körper wurde träge, seine Muskeln entspannten sich und alle störenden Gedanken und Emotionen - jene waren ohnehin fehl am Platz - fielen von ihm ab. Kurz erinnerte er sich an den vorangegangenen Abend an der Oberflächenwelt. An den Besuch des Hauses Seranyth, das Gespräch mit dem Tetrarchen Erasmus und dem Ritter Tugor Crain. Eines war ihm dabei mit unerschütterlicher Gewissheit klar geworden. Es wurde Zeit einen weiteren Schlächter des auserwählten Volkes in den oberen Rängen Rahals zu positionieren. Zeit, alte Rechnungen zu begleichen. Ohne zu zögern schlug das Buch an einer mit einem Stoffband markierten Stelle auf. Dann begann er einen dissonanten Singsang in der Sprache des Herrn anzustimmen ...
"Ich rufe den Befreier,
Gepriesen sei sein Name in Ewigkeit
Vater und Befreier, der die Not seiner Kinder erkannte
Und ihnen den Weg zeigte, durch seine Macht das Gespinst der Weltenhure
zu vergiften, zu schänden, zu strafen ... "
Eine kurze Pause folgte, in der er sich unmerklich nach vorn beugte und mit der Rechten den Griff des Blutschwertes umschloss.
"Ein Lethrixor steht bereit ihm besser zu dienen, als jemals zuvor. Tluth'Xarlor, einst hoher Lethrixor des ehrenwerten Lethyren Shan'rhyl, nunmehr des ehrenwerten Lethyren Syrr'ael, ruft in unheilvollen Zeiten, einer Zeit des Erstarkens ketzerischer Mächte, den Vater an um seinen Segen einzufordern. Das Blut des Lethrixors soll Geschichten des Sieges und die gnadenlose Macht seiner Klinge bezeugen.
Zul’uz Ssilalyn éyl phol’luzyan vel’ax Lethrixor ym Alatar
In den Schatten schreite ich dahin, als ein Krieger des Alatar."
Ohne zu zögern umschloss er dann mit der anderen Hand die Klinge und zog sie mit einer ruckartigen Bewegung über seine Handfläche. Seine spröden Mundwinkel zuckten flüchtig, doch seine Lippen krümmten sich bereits Augenblicke später zu einem boshaft anmutenden Lächeln. Sein Blick senkte sich auf den tiefen Schnitt in seiner Hand und das hervor schießende Blut. Seltsamerweise schien das eben noch stetig anwachsende Rinnsal bereits wieder zu verrinnen. Er selbst wusste, was passierte - das Schwert trank sein Blut. Und obwohl es auf den Lebenssaft von Ketzern fixiert war, würde es ihn prüfen, erkennen und ihn vor Alatar als würdig erweisen. Tluth'Xarlor legte den Kopf in den Nacken und stieß ein stetig anschwellendes, dissonantes Zischeln in die dunkle Einsamkeit des Tempels. Als wäre er selbst mit der verfluchten Klinge verbunden, flogen vor seinem geistigen Auge Fetzen von Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, Tage, und Taten vorbei. Einst ein Schüler Mory'taels, lernte er neben dem noch jungen Shan'rhyl die geballte Zerstörungskraft der Disharmonie kennen. Bald schon war die selbst für einen Letharen ungewöhnlich stark ausgeprägte Hinterlist zu seinem Markenzeichen geworden. Er infiltrierte die entstehende Burg Eisenwart und war mit für ihre Abkehr von Rahal verantwortlich, er ermordete seine treueste Lethra Lhan'Chyl, verlor die andere an die Menekaner. Er genoss die Zwietracht zwischen sich und dem Ahad Letast, trat aber gleichzeitig in die Reihen der Bruderschaft der schwarzen Klaue ein. Die Ausbildung Syrr'aels im Nahkampf wurde ihm auferlegt, die ursprüngliche Feindschaft dem Endziel Alatars untergeordnet, die Quúypoloth geformt und wieder vernichtet ...
In seinem Schädel schien das absolute Chaos zu herrschen. Unfähig, die auf ihn einprasselnden Erinnerungen zu steuern, geschweige denn abzuhalten, sackte er benommen nach vorne. Dann war nichts mehr da, außer einer tiefen, allumfassenden Schwärze.
Als sich die Schatten lichteten, richtete er sich auf. Klebrige Fäden aus geronnener Schwärze zerrten an seinen Gliedern und versuchten ihn wieder in Dunkelheit zu hüllen. Der Tempel war verschwunden. Er befand sich im Nichts, ob Traum oder Wirklichkeit, Vision oder Wahn, vermochte er nicht mehr festzustellen. Mit Leichtigkeit streifte er die unsichtbaren Fesseln ab, doch er wusste mit unerschütterlicher Gewissheit, dass sie ihn schon im nächsten Moment fassen und für die Ewigkeit binden konnten. Noch war er erwünscht in diesem Reich, in dem Zeit keine Bedeutung hatte und ewige Verdammnis auf den Zweifler wartete.
Als er das erste Mal die Nähe zu Alatars Sphären gesucht hatte, wäre er beinahe vernichtet worden. Nur die Unterstützung der Lethry Nyrae Xy'Rael hatte ihn davor bewahrt von seinem Herrn für seinen Frevel verschlungen zu werden. Niemand setzte ungestraft seinen Fuß in diese Welt, ohne dafür zu bezahlen ... und der Preis den er gezahlt hatte war ausreichend gewesen. Nun hatten Neugier, vor allem aber die Gier nach Rache diese Furcht überwogen. Zu tief saß der Hass über die Selbstgefälligkeit der Feinde des Herrn. Blut würde die Straßen Rahals füllen, danach würde die Welt selbst zu brennen beginnen. Er hatte den letzten Gedankengang noch nicht vollendet, als er einen sengenden Schmerz spürte. Obwohl er keinen Körper zu haben schien, betäubte ihn die rasende Woge der Pein. "Du wagst es den Befreier anzurufen? Warum?" - Eine körperlose Stimme, durchsetzt von schneidender Kälte und abgrundtiefer Bosheit schien von allen Seiten, gleich glühenden Nadeln, in ihn einzudringen. "Lies ... meine ... Gedanken ... Vater, sieh was kommen wird ... wenn du mir Schild, Schwert ... und den Segen der Ritter offenbarst." Die Worte - Worte? - verließen ihn wispernd, taub und vielleicht sogar ungehört. Immer noch schien jeder Nerv in seinem Körper in Flammen zu stehen. Dann -
Tluth'Xarlor öffnete die Augen. Ein Schwall Erbrochenes kam über seine Lippen und besudelte den Boden des Tempels. Keuchend rang er nach Atem, füllte in krampfhaften Zügen seine Lunge, als wäre die von giftigen Dämpfen durchsetzte Luft Leth'Axorns das Kostbarste dieser Welt. Das Leben kehrte nur langsam wieder in seine Glieder zurück. Neben ihm lag das Blutschwert, das Haszakin Shan'al war aufgeschlagen und noch immer war er gänzlich allein. Ohne das Geschehene recht einordnen zu können, stemmte er sich empor. Vielleicht war es unklug gewesen, die verfluchte Klinge auf sich selbst anzuwenden. Dennoch musste er prüfen, ob sein Handeln vergebens gewesen war. Das Buch wurde erneut unter seiner weiten Robe verstaut und das Schwert an gewohnter Stelle platziert. Er löschte die Schädelkerze und verließ raschen Schrittes den Tempel Leth‘Axorns. Er eilte am Turm der Lethyren vorbei, zu seiner in einer engen Felsnische eingelassenen Behausung. Davor wartete bereits die gedrungene Gestalt des Ara‘thrax Szazuyl. Er stieß die schwere Metalltür auf, ließ sich vor seinem einfachen Steintisch nieder, der den größten Teil des Raumes einnahm, zog ein Pergamentpapier von der Oberflächenwelt zu sich und begann eine Nachricht in der Schrift des Menschenvolkes zu verfassen. Es fiel ihm deutlich schwer die folgenden Worte in Schrift zu bannen, unterschied sich die unheilvolle Runenschrift der Letharen doch um Längen von der bekannten Handelsschrift. Nach und nach fügten sich jedoch folgende Sätze aneinander ...
“Des Vaters Segen mit Euch, Eure Heiligkeit!
Folgende Worte schreibt Euch der Waffenmeister des ehrenwerten Lethyren Syrr’ael. Ich bitte um ein Treffen mit Euch im Palast, um eine Aufnahme meiner selbst in die Ritterschaft des All-Einen zu erbitten. Die Gründe für diesen dringlichen Schritt möchte ich Euch und einem Abgesandten der Ritterschaft mitteilen, sofern ihr einem Treffen zustimmt. Hinterlasst eine Nachricht für mich im toten Wald nahe Rahal.
Möge der Befreier die Stadt des Herrn und seine Heiligkeit mit Kraft und Voraussicht segnen,
Tluth’Xarlor, ergebenes Kind des Einen und Streiter Alatars.”
Direkt darunter setzte er das verschlungene Mal, das auch auf seiner Wange prangte. Es folgten weitere Wörter in der Runenschrift des Letharenvolkes. Ein Betrachter dieser Linien würde kaum einen tieferen Sinn entschlüsseln können und vielleicht schon nach Augenblicken einen stechenden Kopfschmerz verspüren.
“Rhad’il, Bruder der Sieben und Werkzeug des Vaters auf Erden!
Die oben genannte Bitte mag zunächst befremdlich erscheinen, doch ist es unabdingbar geworden, drastischere Schritte in der Schlacht um die Vorherrschaft des Befreiers einzuleiten. Während sich die Truppen der Ketzer im Osten zu sammeln beginnen, rühren auch von Innen Gefahren her, die es zu beseitigen gilt. Lange ist es her, dass ein Kind des Vaters in die Ritterschaft eingegliedert wurde. Es wäre unklug, gerade in diesen Zeiten, Rahal und Leth’Axorn zu weit auseinander driften zu lassen. So hoffe ich auf eine Begegnung zwischen uns, die vieles klären wird.
Lethrixor Tluth’Xarlor.”
Nachdem er geendet hatte, faltete er die Nachricht sorgsam zusammen, versiegelte sie mit Wachs und erhob sich sogleich um die kleine Höhle zu verlassen und sich in den Nacken des Ara’thrax zu schwingen. Mit wuchtigen Stiefeltritten in den ungepanzerten Unterleib der Bestie, trieb er diese durch die verwinkelten Tunnel Leth’Axorns. Bald schon wich die Finsternis einem hellen Streifen Tageslicht, der nach und nach größer wurde, um dann in den Ausgang der Unterwelt, im Herzen eines abgestorbenen Baumes, zu münden. Die Straßen Rahals waren wie leer gefegt, als er die Reitechse durch die gepflasterten Gassen trieb. Der Morgen schien gerade erst angebrochen und neben einigen Gardisten war er der einzige Berittene weit und breit. Am Tor zum Palast befahl er dem Ara’thrax mit einem gedehnten Zischeln auf die Knie zu sinken. Dann näherte er sich einer der Palastwachen von Dunkelfels, die ihn mit einem ergebenen Nicken begrüßte. "Auserwählter, Ihr wünscht?"
Er zögerte einen Augenblick und verzog die Lippen zu einem fahlen Lächeln. Anstelle einer Antwort zog er den Brief hervor und überreichte ihn der Wache. "Sorgt dafür, dass dieses Schreiben seinen Weg in die Hände des Sekretarius Alkaris findet." Seine Stimme klang angesichts des Erlebten seltsam ruhig und beinahe kaum durchsetzt von einem dissonanten Unterton. "Wie Ihr es wünscht." Mit einem militärisch knappen Nicken nahm die Wache die Nachricht entgegen, und drehte sich zur Seite, um die aufgetragene Aufgabe auszuführen. Der Lethar sah ihr noch einen Augenblick nach, die mandelförmigen Augen leicht geschlitzt. Als die ersten kräftigen Sonnenstrahlen damit begannen die Kälte auf Rahals Grund und Boden zu vertreiben, war der Lethar bereits wieder in der Unterwelt verschwunden. Er sehnte sich nach Dunkelheit, der frostigen Einsamkeit Leth'Axorns.
Das leise Säuseln hielt an. Kein anderer Laut ertönte ungestraft in diesen Hallen. Der Raum war groß und seine hintersten Wände verloren sich in tiefer Schwärze, zentriert auf den dunklen Altar aus Granit. Ein heiliger Ort, den keine Menschenseele jemals gesehen hatte und jemals zu Gesicht bekommen würde. Legenden waren an diesem Ort geboren und wieder vernichtet worden. Geflüsterte Geschichten von Dämonen, Geistern und anderen Geschöpfen hatten an diesem Ort ihren Ursprung.
Ein schriller, unmenschlicher Schrei zerriss jäh die Stille und das Säuseln verstummte. Ein im trüben Zwielicht flackernder Schatten löste sich aus der Ferne, raste in gewaltigen Sprüngen durch den Tempel und ließ sich im Licht einer Öllampe neben dem knienden Lethrixor auf den Boden sinken. Der Panther krallte sich in den schwarzen Stoff, der seinen Körper umhüllte und den Boden wie ein See aus geronnener Lava bedeckte, als fühle er die enge Vertrautheit mit dem Kind Alatars. Der Lethar wiederum schien das Tier kaum zu beachten. Langsam beugte er sich nach vorne und berührte die gesprungenen Steinfliesen des Tempels mit seinen dunklen Lippen. Dann griff er in die Innenseite seines Mantels und förderte einen kleinen Beutel zutage, sowie ein in dunkles Leder gebundenes Buch.
Haszakin Shan'al, das Buch der Schmerzen und Peiniger der Gottlosen. Er ließ den Blick sondierend durch den Tempel wandern, erspähte aber keinen seiner Brüder und Schwestern. Die kommende Aufgabe konnte er nur allein bewältigen, dessen war er sich sicher. Rasch schnürte er den Lederbeutel auf und entnahm diesem eine bereits dem Verfall übereignete Schädelkerze, die er sorgsam neben einem Schwert auf dem Altar platzierte. Kurz glitt sein Blick über die unscheinbare Klinge. Das verfluchte Blutschwert ... Er erinnerte sich gut an jene Nacht, als er es an der Seite des Lethyren Syrr'ael und dem Lethoryx Setyr'Xor'tar gegen die Ketzer führte, um deren verdorbenes Blut für ein Ritual zu stehlen. Welch Ironie, dass er es bald dazu nutzen würde heiliges Blut zu vergießen.
Mit zwei Feuersteinen entzündete er die Schädelkerze, löschte dann die Öllampe und verharrte an Ort und Stelle. Lediglich das Fauchen des Panthers ertönte, lauernd und gierig.
Die Flamme der Schädelkerze begann zu tanzen. Ihre Bewegungen waren von fast anmutiger Schönheit, schienen in endlosen Drehungen um den dünnen Docht zu zirkulieren. Beinahe, als wäre sie in heller Aufregung angesichts ihrer kommenden Aufgabe. Sie war nunmehr die einzige Lichtquelle an diesem Ort jenseits jeglicher Normalität. Mit geschlossenen Augen ging der Lethar vor der Kerze bedächtig auf die Knie und küsste den Einband des verbotenen Buches. Dann hob er den Kopf, öffnete die Augen und betrachtete das Schauspiel der Flamme bis sein Blick glasig wurde. Ein Gefühl das er bereits kannte setzte ein. Sein Körper wurde träge, seine Muskeln entspannten sich und alle störenden Gedanken und Emotionen - jene waren ohnehin fehl am Platz - fielen von ihm ab. Kurz erinnerte er sich an den vorangegangenen Abend an der Oberflächenwelt. An den Besuch des Hauses Seranyth, das Gespräch mit dem Tetrarchen Erasmus und dem Ritter Tugor Crain. Eines war ihm dabei mit unerschütterlicher Gewissheit klar geworden. Es wurde Zeit einen weiteren Schlächter des auserwählten Volkes in den oberen Rängen Rahals zu positionieren. Zeit, alte Rechnungen zu begleichen. Ohne zu zögern schlug das Buch an einer mit einem Stoffband markierten Stelle auf. Dann begann er einen dissonanten Singsang in der Sprache des Herrn anzustimmen ...
"Ich rufe den Befreier,
Gepriesen sei sein Name in Ewigkeit
Vater und Befreier, der die Not seiner Kinder erkannte
Und ihnen den Weg zeigte, durch seine Macht das Gespinst der Weltenhure
zu vergiften, zu schänden, zu strafen ... "
Eine kurze Pause folgte, in der er sich unmerklich nach vorn beugte und mit der Rechten den Griff des Blutschwertes umschloss.
"Ein Lethrixor steht bereit ihm besser zu dienen, als jemals zuvor. Tluth'Xarlor, einst hoher Lethrixor des ehrenwerten Lethyren Shan'rhyl, nunmehr des ehrenwerten Lethyren Syrr'ael, ruft in unheilvollen Zeiten, einer Zeit des Erstarkens ketzerischer Mächte, den Vater an um seinen Segen einzufordern. Das Blut des Lethrixors soll Geschichten des Sieges und die gnadenlose Macht seiner Klinge bezeugen.
Zul’uz Ssilalyn éyl phol’luzyan vel’ax Lethrixor ym Alatar
In den Schatten schreite ich dahin, als ein Krieger des Alatar."
Ohne zu zögern umschloss er dann mit der anderen Hand die Klinge und zog sie mit einer ruckartigen Bewegung über seine Handfläche. Seine spröden Mundwinkel zuckten flüchtig, doch seine Lippen krümmten sich bereits Augenblicke später zu einem boshaft anmutenden Lächeln. Sein Blick senkte sich auf den tiefen Schnitt in seiner Hand und das hervor schießende Blut. Seltsamerweise schien das eben noch stetig anwachsende Rinnsal bereits wieder zu verrinnen. Er selbst wusste, was passierte - das Schwert trank sein Blut. Und obwohl es auf den Lebenssaft von Ketzern fixiert war, würde es ihn prüfen, erkennen und ihn vor Alatar als würdig erweisen. Tluth'Xarlor legte den Kopf in den Nacken und stieß ein stetig anschwellendes, dissonantes Zischeln in die dunkle Einsamkeit des Tempels. Als wäre er selbst mit der verfluchten Klinge verbunden, flogen vor seinem geistigen Auge Fetzen von Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, Tage, und Taten vorbei. Einst ein Schüler Mory'taels, lernte er neben dem noch jungen Shan'rhyl die geballte Zerstörungskraft der Disharmonie kennen. Bald schon war die selbst für einen Letharen ungewöhnlich stark ausgeprägte Hinterlist zu seinem Markenzeichen geworden. Er infiltrierte die entstehende Burg Eisenwart und war mit für ihre Abkehr von Rahal verantwortlich, er ermordete seine treueste Lethra Lhan'Chyl, verlor die andere an die Menekaner. Er genoss die Zwietracht zwischen sich und dem Ahad Letast, trat aber gleichzeitig in die Reihen der Bruderschaft der schwarzen Klaue ein. Die Ausbildung Syrr'aels im Nahkampf wurde ihm auferlegt, die ursprüngliche Feindschaft dem Endziel Alatars untergeordnet, die Quúypoloth geformt und wieder vernichtet ...
In seinem Schädel schien das absolute Chaos zu herrschen. Unfähig, die auf ihn einprasselnden Erinnerungen zu steuern, geschweige denn abzuhalten, sackte er benommen nach vorne. Dann war nichts mehr da, außer einer tiefen, allumfassenden Schwärze.
Als sich die Schatten lichteten, richtete er sich auf. Klebrige Fäden aus geronnener Schwärze zerrten an seinen Gliedern und versuchten ihn wieder in Dunkelheit zu hüllen. Der Tempel war verschwunden. Er befand sich im Nichts, ob Traum oder Wirklichkeit, Vision oder Wahn, vermochte er nicht mehr festzustellen. Mit Leichtigkeit streifte er die unsichtbaren Fesseln ab, doch er wusste mit unerschütterlicher Gewissheit, dass sie ihn schon im nächsten Moment fassen und für die Ewigkeit binden konnten. Noch war er erwünscht in diesem Reich, in dem Zeit keine Bedeutung hatte und ewige Verdammnis auf den Zweifler wartete.
Als er das erste Mal die Nähe zu Alatars Sphären gesucht hatte, wäre er beinahe vernichtet worden. Nur die Unterstützung der Lethry Nyrae Xy'Rael hatte ihn davor bewahrt von seinem Herrn für seinen Frevel verschlungen zu werden. Niemand setzte ungestraft seinen Fuß in diese Welt, ohne dafür zu bezahlen ... und der Preis den er gezahlt hatte war ausreichend gewesen. Nun hatten Neugier, vor allem aber die Gier nach Rache diese Furcht überwogen. Zu tief saß der Hass über die Selbstgefälligkeit der Feinde des Herrn. Blut würde die Straßen Rahals füllen, danach würde die Welt selbst zu brennen beginnen. Er hatte den letzten Gedankengang noch nicht vollendet, als er einen sengenden Schmerz spürte. Obwohl er keinen Körper zu haben schien, betäubte ihn die rasende Woge der Pein. "Du wagst es den Befreier anzurufen? Warum?" - Eine körperlose Stimme, durchsetzt von schneidender Kälte und abgrundtiefer Bosheit schien von allen Seiten, gleich glühenden Nadeln, in ihn einzudringen. "Lies ... meine ... Gedanken ... Vater, sieh was kommen wird ... wenn du mir Schild, Schwert ... und den Segen der Ritter offenbarst." Die Worte - Worte? - verließen ihn wispernd, taub und vielleicht sogar ungehört. Immer noch schien jeder Nerv in seinem Körper in Flammen zu stehen. Dann -
Tluth'Xarlor öffnete die Augen. Ein Schwall Erbrochenes kam über seine Lippen und besudelte den Boden des Tempels. Keuchend rang er nach Atem, füllte in krampfhaften Zügen seine Lunge, als wäre die von giftigen Dämpfen durchsetzte Luft Leth'Axorns das Kostbarste dieser Welt. Das Leben kehrte nur langsam wieder in seine Glieder zurück. Neben ihm lag das Blutschwert, das Haszakin Shan'al war aufgeschlagen und noch immer war er gänzlich allein. Ohne das Geschehene recht einordnen zu können, stemmte er sich empor. Vielleicht war es unklug gewesen, die verfluchte Klinge auf sich selbst anzuwenden. Dennoch musste er prüfen, ob sein Handeln vergebens gewesen war. Das Buch wurde erneut unter seiner weiten Robe verstaut und das Schwert an gewohnter Stelle platziert. Er löschte die Schädelkerze und verließ raschen Schrittes den Tempel Leth‘Axorns. Er eilte am Turm der Lethyren vorbei, zu seiner in einer engen Felsnische eingelassenen Behausung. Davor wartete bereits die gedrungene Gestalt des Ara‘thrax Szazuyl. Er stieß die schwere Metalltür auf, ließ sich vor seinem einfachen Steintisch nieder, der den größten Teil des Raumes einnahm, zog ein Pergamentpapier von der Oberflächenwelt zu sich und begann eine Nachricht in der Schrift des Menschenvolkes zu verfassen. Es fiel ihm deutlich schwer die folgenden Worte in Schrift zu bannen, unterschied sich die unheilvolle Runenschrift der Letharen doch um Längen von der bekannten Handelsschrift. Nach und nach fügten sich jedoch folgende Sätze aneinander ...
“Des Vaters Segen mit Euch, Eure Heiligkeit!
Folgende Worte schreibt Euch der Waffenmeister des ehrenwerten Lethyren Syrr’ael. Ich bitte um ein Treffen mit Euch im Palast, um eine Aufnahme meiner selbst in die Ritterschaft des All-Einen zu erbitten. Die Gründe für diesen dringlichen Schritt möchte ich Euch und einem Abgesandten der Ritterschaft mitteilen, sofern ihr einem Treffen zustimmt. Hinterlasst eine Nachricht für mich im toten Wald nahe Rahal.
Möge der Befreier die Stadt des Herrn und seine Heiligkeit mit Kraft und Voraussicht segnen,
Tluth’Xarlor, ergebenes Kind des Einen und Streiter Alatars.”
Direkt darunter setzte er das verschlungene Mal, das auch auf seiner Wange prangte. Es folgten weitere Wörter in der Runenschrift des Letharenvolkes. Ein Betrachter dieser Linien würde kaum einen tieferen Sinn entschlüsseln können und vielleicht schon nach Augenblicken einen stechenden Kopfschmerz verspüren.
“Rhad’il, Bruder der Sieben und Werkzeug des Vaters auf Erden!
Die oben genannte Bitte mag zunächst befremdlich erscheinen, doch ist es unabdingbar geworden, drastischere Schritte in der Schlacht um die Vorherrschaft des Befreiers einzuleiten. Während sich die Truppen der Ketzer im Osten zu sammeln beginnen, rühren auch von Innen Gefahren her, die es zu beseitigen gilt. Lange ist es her, dass ein Kind des Vaters in die Ritterschaft eingegliedert wurde. Es wäre unklug, gerade in diesen Zeiten, Rahal und Leth’Axorn zu weit auseinander driften zu lassen. So hoffe ich auf eine Begegnung zwischen uns, die vieles klären wird.
Lethrixor Tluth’Xarlor.”
Nachdem er geendet hatte, faltete er die Nachricht sorgsam zusammen, versiegelte sie mit Wachs und erhob sich sogleich um die kleine Höhle zu verlassen und sich in den Nacken des Ara’thrax zu schwingen. Mit wuchtigen Stiefeltritten in den ungepanzerten Unterleib der Bestie, trieb er diese durch die verwinkelten Tunnel Leth’Axorns. Bald schon wich die Finsternis einem hellen Streifen Tageslicht, der nach und nach größer wurde, um dann in den Ausgang der Unterwelt, im Herzen eines abgestorbenen Baumes, zu münden. Die Straßen Rahals waren wie leer gefegt, als er die Reitechse durch die gepflasterten Gassen trieb. Der Morgen schien gerade erst angebrochen und neben einigen Gardisten war er der einzige Berittene weit und breit. Am Tor zum Palast befahl er dem Ara’thrax mit einem gedehnten Zischeln auf die Knie zu sinken. Dann näherte er sich einer der Palastwachen von Dunkelfels, die ihn mit einem ergebenen Nicken begrüßte. "Auserwählter, Ihr wünscht?"
Er zögerte einen Augenblick und verzog die Lippen zu einem fahlen Lächeln. Anstelle einer Antwort zog er den Brief hervor und überreichte ihn der Wache. "Sorgt dafür, dass dieses Schreiben seinen Weg in die Hände des Sekretarius Alkaris findet." Seine Stimme klang angesichts des Erlebten seltsam ruhig und beinahe kaum durchsetzt von einem dissonanten Unterton. "Wie Ihr es wünscht." Mit einem militärisch knappen Nicken nahm die Wache die Nachricht entgegen, und drehte sich zur Seite, um die aufgetragene Aufgabe auszuführen. Der Lethar sah ihr noch einen Augenblick nach, die mandelförmigen Augen leicht geschlitzt. Als die ersten kräftigen Sonnenstrahlen damit begannen die Kälte auf Rahals Grund und Boden zu vertreiben, war der Lethar bereits wieder in der Unterwelt verschwunden. Er sehnte sich nach Dunkelheit, der frostigen Einsamkeit Leth'Axorns.