Igor & Arjona

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Keriot

Igor & Arjona

Beitrag von Keriot »

Es war dunkle Nacht auf Gerimor, als ein Mann in grauem Mantel, unweit den tireller Ruinen,
den Vorhang seines Zeltes bei Seite schob, um ein wenig Kerzenlicht ins Dunkel zu lassen.
Sein bleiches Gesicht starrte verwirrt nach den Seiten, viel zu kurz, als dass er etwas erkennen
könnte, dennoch wurde der Vorhang wieder zu gezogen, denn er schien genug erblickt zu haben.
Einige Zeit später, vielleicht ein Fünftel einer Stunde, wurde das blaue Tuch noch einmal zur
Seite gezogen. Derselbe Mann trat auf die Rasenfläche hervor. Der graue Mantel streifte über die
Grashalme und wurde dann von ihm herangezogen und vor der Brust zusammengezogen, denn der Winter
hatte sich noch nicht ganz verzogen und es fröstelte den Träger immernoch bei Nacht. In der Hand
hielt er eine Schaufel, vielleicht halb so lang wie er selbst. Seine langen Haare lagen ruhig auf
seinem Rücken, die ganze Gegend schien windstill, tot. Sein Blick huschte schell über die Büsche
und Sträucher am Waldrand, die ab und an ein Rascheln von sich gaben und sich wie ein Schlafender
mal zur einen und dann zur anderen Seite wandten.
Plötzlich hetzte er los. Seine zertretenen Stiefel strichen über das taugetränkte Gras. Manisch
schaute er immer wieder nach hinten und zu beiden Seiten, bis er endlich, unweit des Ortes, an
dem er gestartet ist, zum Stehen kam. Es war ein kleines Grab am Waldrand, in ruhiger Lage, ein
wenig bewachsen, idyllisch. Er atmete tief durch, der Hauch verblieb noch eine Weile als graue
Wolke in der Luft. Dann stieß er die Schaufel in die Erde.
Hier musste es sein. Niemand hätte gedacht, dass zwei so profane Leben für ihn je dermaßen
nützlich werden würden. Trotz der Dunkelheit konnte er die Grabinschrift immernoch deutlich lesen:
"Igor & Arjona", nicht einmal einen kleinen Vers konnten sich diese Kleinbürger einfallen lassen.
Eigentlich wusste Keriot gar nicht, wer diese Menschen waren und warum sie gerade hier begraben
wurden, warum keine Verse am Grabstein waren oder warum sie zusammen beerdigt wurden, es war ihm
aber außerordentlich gleich. Leute die hier lebten waren meist einfache Bürger, die unsterbliche
Seele war ihrer nicht würdig. Die Körper sollte gerade einmal gut genug sein seiner Neugierde zu
dienen. Und die Leute die das Grab besuchten, er hatte nie welche gesehen, denen konnte es doch
egal sein, ob unter dem Stückchen Boden wirklich ein Körper oder zwei oder gar keiner. Je tiefer
er grub, desto mehr nahm der Hass auf seine Gegend zu. Es waren diese Halunken und Säufer, die
das Leben niemals verdient hatten und doch alles bekamen. Man brauchte sich nur diese reichen
Fachwerkhäuser anzusehen und daneben sein jämmerliches Zelt. Dabei war er es, der die Grenzen des
Seins sprengte und das Jenseits untersuchte. Sie hatten nur ihre Köpfe gesprengt, um im Wahn ihrer
Gewohnheit zu saufen und zu ficken und jedes Denken abzulehnen. Systematisch abzulehnen! Alles was
er tat war für sie nur Unzucht und Blasphemie!
Wieder wurde das blaue Tuch vor dem Zelt zur Seite gezogen. Der Mann im grauen Mantel trat
schwankend hinein, hinter sich her zog er eine dunkele, halb verwesene Leiche. Die Kerzenflamme
flackerte stark auf. Mit einer Hand schob er die vorbereiteten Geräte auf seinem Tisch beiseite
und legte die Leiche unsanft auf eines Bärenfell auf den Boden ab. Dann nahm er eine Laterne aus
der Ecke und brachte sie mit einem Seil an der Decke des Zeltes an. Nun war der Körper ausreichend
beleuchtet. Der Lichtschein der Laterne wackelte hin und her und lies die Konturen des offenbar
menlichen Körpers in immer neuen grotesken Schatten versinken. Der Graugekleidete nahm ein
scharfes Messer in die Hand und legte es an die Brust der Leiche an.
Ein schreckliches Schattenspiel bot sich jedem nächtlichen Wanderer, der es wagte sein Haus bei
Nacht zu verlassen und die Wälder Gerimors, bis hinunter an das Tal hinter den Ruinen von Tirell,
entlang zu gehen. Die Laterne, die der verwirrte in grauem Mantel für seine blasphemischen
Versuche brauchte warf, von Zeit zu Zeit, wenn es hin und her wankte und hinter das Geschehen
trat, den Schatten des Mannes an die Wand und zeigte, wie er den Leichnam nach und nach zerschnitt
und alles sorgsam mit der Feder in ein kleines Heft schrieb.
Noch drei mal wurde der Vorhang in dieser Nach geöffnet. Zwei mal trat der Zeltbewohner dabei
heraus. Augenscheinlich konnte er den Brechreiz nicht überwinden, den seine Tat in ihm herbeirief.
Beim dritten male aber trat er, völlig verwirrt und bleich, mit einem Fellbündel auf der Schulter
hinaus und verschwand in Richtung der Küste.

[img]http://img156.imageshack.us/img156/5568/schaufelntj1.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Keriot am Samstag 29. März 2008, 10:26, insgesamt 2-mal geändert.
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