Ein ganz normaler Abend -oder- Rettung des Schnapsidioten
Teil Eins
Der unheilverkündende Mond über Lameriast, der eigentlich gar nichts mit dieser Erzählung zu tun hat, aber demnoch immer wieder schön zu erwähnen ist, stand relativ groß am nächtlichen Himmel.
Bald würde die Sonne aufgehen, die ersten orangenen Ausläufer waren bereits am Horizont zu sehen und die Luft roch bereits herrlich nach Morgentau und Nebel.
Shessidyr lehnte auf der Brüstung der oberen Zinnen der Eisenwart und vor wenigen Augenblicken entlud sich der gesamte Ekel über die Geschehnisse der letzten Stunde lautstark und ungewollt über die Zinnen hinunter in den Burghof. Es war ihr so peinlich... zum Glück war niemand hier, der sie beobachten konnte.
Eigentlich war sie ja eine Person, die sich relativ gut im Griff hatte. Nun ja... einigermassen. Doch jedenfalls nicht genug, um den Gestank des Alkohols, vermischt mit einer ordentlichen Portion Fischgeruch und Lokalkolorit Bajards ohne Nachwirkungen auszuhalten.
Sie war froh, dass es vorbei war. Der ganze Tag war furchtbar anstrengend - doch das dicke Ende wurde erst am Abend präsentiert.
Angefangen hatte alles ganz harmlos, als sie sich endlich auf Geheiss der Wachen aus ihrem "goldenen Käfig" herauswagte und durch den Burghof schlenderte. Der Frühling erwachte gerade - und es war deutlich zu sehen. An allen Ecken und Enden blühte es, die Luft war erfüllt von den wohltuenden Regenschauern der letzten Tage und angenehm warme Sonnenstrahlen verwöhnten ihre Haut. Eigentlich eine Situation, in der man sich am liebsten nur noch hinlegt und alles um sich herum vergessen könnte.
Doch diese Gedanken verschwanden rasch, als sich der Lärm von schlagendem Holz vermischt mit ur-maskulinem Grunzen wie eine Säge in ihre Gedankenwelt schnitt und sie realisierte, dass sie schon fast auf dem Übungsgelände der Eisenwart stand und sich vor ihr die Legion nebst Fürst hemmungslos prügelte. Eigentlich sah es lustig aus, wie heldenhaft gebaute Mannsbilder sich wie kleine Kinder mit Holzwaffen verdroschen und es auch noch schafften, das ganze ernsthaft aussehen zu lassen.
Da waren sie alle wieder... ihre Blicke musterten die Anwesenden.
Der Typ, der sich Tyrius nannte. Angeblich war er ja ein "Inquisitor", aber auf diese billige Anmache würde SIE nicht reinfallen. Sie erinnerte sich mit einem zynischen Schmunzeln daran, wie sie ihn mit einem Tritt von ihrem Bett beförderte, als er ihr eine schmieren wollte. Das hielt sie ihm noch heute vor... und die Rache würde schon bald stante pede folgen.
Wer war da noch...
Ach ja. Die Küchenmatrone, die sich Amarissa nannte. Ein großmäuliges Heimchen... aber irgendwie auch nett. Sie wusste nicht, wieso, aber irgendwie mochte Shessidyr Amarissa. Sie hatte das Gefühl, als würde sie ihr etwas schulden... doch wofür? Keinen blassen Schimmer. Seltsame Person...
Und was war DAS? Ein Typ mit einem Bärenfell auf dem Kopf? Bei Alatar, wie bescheuert muss man sein, freiwillig SO herumzulaufen. Am besten gleich notschlachten und in irgendeinem Brunnen versenken...
In Gedanken zerlegte sie gerade genüsslich die Anwesenden aufgrund ihrer Äusserlichkeiten und machte keinen Hehl daraus, deswegen auch schelmisch zu grinsen, als plötzlich eine Stimme sie aus ihrer kleinen Welt der zwischenmenschlichen Boshaftigkeiten herausriss.
"Grüss dich, Shessidyr! Schön, dich unter freiem Himmel zu sehen!"
Es gab nur EINEN, der er schafft, einen Satz so unsagbar schmalzig klingen zu lassen und sich dafür nichtmal zu schämen!
"Viridian!", entfuhr es ihr ungewollt, als dieser ihr auch schon gegenüber stand und sie seitlich ansah, als wäre sie irgendwas zum angaffen.
'So ein Knallkopf...', dachte sie sich. Sie hatte ihn immer nur mit dem Namen "Bänkelsänger" bedacht und scheute sich nicht, ihn "Männerfreund" zu nennen, da er so oft Sätze von sich gab, die man überflüssiger und sülziger nicht hätte gestalten können.
Sie nickte ab und an, um Aufmerksamkeit vorzutäuschen und überlegte dabei, welchen Typ von Mädchen dieser Waschlappen wohl mit dieser kitschigen Wortklauberei zu beeindrucken suchte. Alte Großmütter? Verzweifelte Kriegerwitwen? Hafenhuren?
Herrje, hielt er sie etwa für einen dieser Sorten von Frau?!
Sie wollte ihm dieses eben dezent jedoch auch ohne Blatt vor dem Mund klar machen, dass er es auf diese Art gar nicht bei ihr zu versuchen braucht, als ihr wieder seine silberne Kette in die Gedanken kam. Er hatte ihr tatsächlich etwas geschenkt. Eine silberne Kette... mit einer leicht blutigen Kruste, welche noch daran klebte, weil er diese in ihrem Tagebuch versteckte. Aber egal! Er hat ihr etwas geschenkt. Das machte ihn irgendwie nett... nicht verachtenswert. Aber trotzdem war er ein bänkelsängerisches Männerliebchen!!! Fertig.
Sie wollte sich gerade zu einem Danke hinreißen, als Viridian ihr erklärte, wer denn hier alles anwesend sei. Verdammter Mist, hat ihr sinnloses Gebrabbel etwa dazu geführt, dass er ihr nun sagte, wer sich denn alles hier befände?
'Bitte nicht...', dachte sie sich, als Viridian unerwartet etwas noch unerwarteteres sagte.
"Das dort ist der Tribun Armoran Mares..."
Die Rettung des Schnapsidioten, Eisenwarter Schwank
- Shessidyr Shartir
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Die Rettung des Schnapsidioten, Eisenwarter Schwank
Zuletzt geändert von Shessidyr Shartir am Dienstag 18. März 2008, 17:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Ein ganz normaler Abend -oder- Rettung des Schnapsidioten
Teil Zwei
Das konnte nicht wahr sein. Hat dieses Liebchen von einem Dockarbeiter eben allen Ernstes "Armoran Mares" gesagt? Das war unmöglich, sie musste sich verhört haben.
Es gab nur EINEN Armoran Mares und das war ihr Vater! Und diesen hatte sie zuletzt vor über einem halben Jahr gesehen, als sie von zuhause fort ging. Und es konnte auch keinen zweiten geben... denn ihr Papa war der einzige, der sie jemals bändigen konnte. Mit Ruhe, Strenge, Liebe und einer schier unendlichen Geduld. Nein, es konnte keinen anderen geben.
Und Viridian hatte Glück, dass der Burgherr soeben seine Stimme erhob und alle Anwesenden zu sich rief, da ihm das einen verbalen Vernichtungsschlag ersparte. In Gedanken malte sie sich gerade auf die wüstesten Arten aus, wie dieser Bänkelsänger es sich nur erdreisten kann, von ihrem Vater zu sprechen, als mit einem Male Traum und Realität anscheinend zu einer festen Einheit wurden und...
ihr Vater Armoran tatsächlich vor ihr stand! Konnte das sein? Der selbe Blick! Die selben Augen, Locken... der flockige Bart, dieses dummdreiste Lächeln... die starken Schultern... was in Alatars Namen war das hier?
Es konnte nur ein Traum sein! Wie alles hier! Zum Glück entfernten sich in diesem Moment immer mehr der Legionäre als sie die Gelegenheit nutzte und davon rannte.
Es konnte einfach N I C H T sein! Wie um alles in der Welt sollte ihr Vater HIERHER kommen? Absurd...
Plötzlich stand er jedoch wieder vor ihr. Es war unheimlich. Sonst stand er immer nur so vor ihr, wenn sie etwas angestellt hatte und bereitete sich schon innerlich auf eine Ohrfeige vor, als er jedoch lediglich mit ruhiger Stimme sprach...
"Ich sehe, dass es dir gutgeht, Shessidyr. Das freut mich. Lass uns später über alles reden - und jetzt komm, die anderen warten schon!"
Und plötzlich war er wieder weg. Sie sah ihn noch einige Male, doch alles verlief wie ein Traum...
das viele töten...
das Gerenne...
Bolzenhagel...
Feuerregen...
Verletzte...
hallende Rufe in Gängen...
Ein nachtschwarzes Pferd...
Drachengeister...
Und plötzlich Lärm! Unkontrolliertes, dummes Lachen. Gestank nach Alkohol, verschwitzter Kleidung und Bier. Kichern einer Frau.
Shessidyr riss die Augen mit einem Schlag auf. Wo war sie nur?
Nach wenigen Augenblicken realisierte sie, dass sie nach wie vor in der Hafenkneipe Bajards sass, am Stammtisch der Eisenwart. Sie muss eingeschlafen sein. Daran war garantiert dieser ganze Stress und das viele Gehetze schuld. Also war es doch nur ein Traum...
Doch sie wurde schon bald sehr unsanft in die Wirklichkeit zurück geholt, als sie realisierte, dass eine der angetrunken sabbelnden Stimmen zu ihrem Meister gehörte. Burgherr Khazkal Deslon!
Sie drehte sich aus dem Affekt heraus um und sah zu ihrem Entsetzen, wie Fürst Deslon sich gerade mit drei betrunkenen Hafenmenschen abgab. Rasch zog sie ihre Kampfhandschuhe an, stand ebenso schnell von dem klapperigen Stuhl auf und zog die etwas verknitterte Uniform zurecht.
Doch da war es schon zu spät - einer der angesoffenen Hunde wurde auf sie aufmerksam und stand zu allem Überfluss auch noch in ihrer Sichtlinie zum Burgherren. Er erzählte ihr irgendetwas belangloses, was sie auch geflissentlich ignorierte - in diesem Moment war nur eines wichtig...
Den Fürsten ohne großes Aufsehen aus dieser miesen Kaschemme herauszubringen und danach sicher nach Eisenwart zurück. Es war schliesslich seines Standes nicht würdig, mit Untermenschen dieser besonders unangenehmen Sorte (und auch noch angetrunken) in abgewrackten Spelunken wie dieser hier herumzuhängen wie ein Pennbruder.
Wenn sie nicht schleunigst etwas unternehmen würde, würde ihr Meister sich zum Gespött der Bauern machen. Ein untragbarer Zustand!
Gerade beobachtete sie, wie ein billig aussehendes Flittchen, die sich schon die ganze Zeit in seiner Gegenwart aufhielt, sich mit ihm in unziemlicher Nähe befindend an den Eisenwarter Stammtisch setzte.
Das war zuviel - das konnte und durfte so nicht weitergehen. In der Zwischenzeit bemerkte sie, dass der eine Schnapszombie, der ihr bereits Abends beim Rundgang negativ vor der Bajarder Stadtbank auffiel, sie noch immer mit seinem Gelalle bombardierte.
Sie verstand nur noch etwas von "Bier" und antwortete darauf nur, dass sie nicht im Dienst (also immer) trinkt.
Anscheinend war das die richtige Antwort, da der seltsame Kerl sich dann torkelnd zur Seite bewegte und ihr den gedanklichen Startschuss zu einem gewagten Notfallplan gab.
" 'Rüber zu Meister Deslon...
Ansprechen...
Keine Diskussion...
Mitnehmen...
Raus..."
sagte sie sich zweimal hintereinander wortlos, bevor sie flink wie eine Raubkatze zwischen den Anwesenden hindurchglitt und ihren kühnen Plan in die Tat umsetzte.
Das Risiko, dass Burgherr Deslon bei ihrem Plan nicht mitspielen könnte, kam ihr jedoch erst in den Sinn, als sie ihm bereits mitgeteilt hatte, dass es doch nun Zeit wäre, zur Eisenwart zurückzukehren.
Doch zu ihrem Glück war der Meister einsichtig und folgte ihr dann auch torkelnd. Sie musste ihm sogar die Treppe hinunterhelfen, da sie sich Sorgen machte, dass er fallen könnte.
Und endlich standen sie auf den nebligen Straßen vor der Taverne. Wie schwach er doch in diesem Zustand war... sie hätte dieses so leicht ausnutzen können. Doch wurde dieser Gedanke rasch wieder verbannt, als er zum sprechen anhob... es war fast, als würde er in ihrem Geist sprechen. Sie konnte ihm nicht schaden, nein... eher würde sie sich selbst ermorden, als zuzulassen, dass sie ihm auch nur einen Kratzer zufügt.
Die darauf folgende Reise wirkte ewig lang.
Die Überfahrt im Nebel nach Lameriast, das durch die Seeschlangen fast gekenterte Schiff und dann zu allem Überfluss ein Marsch durch die weiten Wälder Lameriasts - nur mit einer Fackel und einem Diamanterzrapier bewaffnet und zusätzlich einem angetrunkenen Meister hinter sich.
Wären sie einer Orkpatrouille in die Hände gefallen, hätte diese wohl leichtes Spiel gehabt. Doch das Schicksal meinte es gut mit den einsamen Eisenwarter Wanderern und liess diese letztendlich unversehrt in heimatlichen Gefilden ankommen.
Die Fackeln wurden gelöscht... der Meister zu Bett gebracht und endlich, endlich war sie wieder alleine...
Womit wir wieder am Anfang dieser Geschichte angekommen sind...
Teil Zwei
Das konnte nicht wahr sein. Hat dieses Liebchen von einem Dockarbeiter eben allen Ernstes "Armoran Mares" gesagt? Das war unmöglich, sie musste sich verhört haben.
Es gab nur EINEN Armoran Mares und das war ihr Vater! Und diesen hatte sie zuletzt vor über einem halben Jahr gesehen, als sie von zuhause fort ging. Und es konnte auch keinen zweiten geben... denn ihr Papa war der einzige, der sie jemals bändigen konnte. Mit Ruhe, Strenge, Liebe und einer schier unendlichen Geduld. Nein, es konnte keinen anderen geben.
Und Viridian hatte Glück, dass der Burgherr soeben seine Stimme erhob und alle Anwesenden zu sich rief, da ihm das einen verbalen Vernichtungsschlag ersparte. In Gedanken malte sie sich gerade auf die wüstesten Arten aus, wie dieser Bänkelsänger es sich nur erdreisten kann, von ihrem Vater zu sprechen, als mit einem Male Traum und Realität anscheinend zu einer festen Einheit wurden und...
ihr Vater Armoran tatsächlich vor ihr stand! Konnte das sein? Der selbe Blick! Die selben Augen, Locken... der flockige Bart, dieses dummdreiste Lächeln... die starken Schultern... was in Alatars Namen war das hier?
Es konnte nur ein Traum sein! Wie alles hier! Zum Glück entfernten sich in diesem Moment immer mehr der Legionäre als sie die Gelegenheit nutzte und davon rannte.
Es konnte einfach N I C H T sein! Wie um alles in der Welt sollte ihr Vater HIERHER kommen? Absurd...
Plötzlich stand er jedoch wieder vor ihr. Es war unheimlich. Sonst stand er immer nur so vor ihr, wenn sie etwas angestellt hatte und bereitete sich schon innerlich auf eine Ohrfeige vor, als er jedoch lediglich mit ruhiger Stimme sprach...
"Ich sehe, dass es dir gutgeht, Shessidyr. Das freut mich. Lass uns später über alles reden - und jetzt komm, die anderen warten schon!"
Und plötzlich war er wieder weg. Sie sah ihn noch einige Male, doch alles verlief wie ein Traum...
das viele töten...
das Gerenne...
Bolzenhagel...
Feuerregen...
Verletzte...
hallende Rufe in Gängen...
Ein nachtschwarzes Pferd...
Drachengeister...
Und plötzlich Lärm! Unkontrolliertes, dummes Lachen. Gestank nach Alkohol, verschwitzter Kleidung und Bier. Kichern einer Frau.
Shessidyr riss die Augen mit einem Schlag auf. Wo war sie nur?
Nach wenigen Augenblicken realisierte sie, dass sie nach wie vor in der Hafenkneipe Bajards sass, am Stammtisch der Eisenwart. Sie muss eingeschlafen sein. Daran war garantiert dieser ganze Stress und das viele Gehetze schuld. Also war es doch nur ein Traum...
Doch sie wurde schon bald sehr unsanft in die Wirklichkeit zurück geholt, als sie realisierte, dass eine der angetrunken sabbelnden Stimmen zu ihrem Meister gehörte. Burgherr Khazkal Deslon!
Sie drehte sich aus dem Affekt heraus um und sah zu ihrem Entsetzen, wie Fürst Deslon sich gerade mit drei betrunkenen Hafenmenschen abgab. Rasch zog sie ihre Kampfhandschuhe an, stand ebenso schnell von dem klapperigen Stuhl auf und zog die etwas verknitterte Uniform zurecht.
Doch da war es schon zu spät - einer der angesoffenen Hunde wurde auf sie aufmerksam und stand zu allem Überfluss auch noch in ihrer Sichtlinie zum Burgherren. Er erzählte ihr irgendetwas belangloses, was sie auch geflissentlich ignorierte - in diesem Moment war nur eines wichtig...
Den Fürsten ohne großes Aufsehen aus dieser miesen Kaschemme herauszubringen und danach sicher nach Eisenwart zurück. Es war schliesslich seines Standes nicht würdig, mit Untermenschen dieser besonders unangenehmen Sorte (und auch noch angetrunken) in abgewrackten Spelunken wie dieser hier herumzuhängen wie ein Pennbruder.
Wenn sie nicht schleunigst etwas unternehmen würde, würde ihr Meister sich zum Gespött der Bauern machen. Ein untragbarer Zustand!
Gerade beobachtete sie, wie ein billig aussehendes Flittchen, die sich schon die ganze Zeit in seiner Gegenwart aufhielt, sich mit ihm in unziemlicher Nähe befindend an den Eisenwarter Stammtisch setzte.
Das war zuviel - das konnte und durfte so nicht weitergehen. In der Zwischenzeit bemerkte sie, dass der eine Schnapszombie, der ihr bereits Abends beim Rundgang negativ vor der Bajarder Stadtbank auffiel, sie noch immer mit seinem Gelalle bombardierte.
Sie verstand nur noch etwas von "Bier" und antwortete darauf nur, dass sie nicht im Dienst (also immer) trinkt.
Anscheinend war das die richtige Antwort, da der seltsame Kerl sich dann torkelnd zur Seite bewegte und ihr den gedanklichen Startschuss zu einem gewagten Notfallplan gab.
" 'Rüber zu Meister Deslon...
Ansprechen...
Keine Diskussion...
Mitnehmen...
Raus..."
sagte sie sich zweimal hintereinander wortlos, bevor sie flink wie eine Raubkatze zwischen den Anwesenden hindurchglitt und ihren kühnen Plan in die Tat umsetzte.
Das Risiko, dass Burgherr Deslon bei ihrem Plan nicht mitspielen könnte, kam ihr jedoch erst in den Sinn, als sie ihm bereits mitgeteilt hatte, dass es doch nun Zeit wäre, zur Eisenwart zurückzukehren.
Doch zu ihrem Glück war der Meister einsichtig und folgte ihr dann auch torkelnd. Sie musste ihm sogar die Treppe hinunterhelfen, da sie sich Sorgen machte, dass er fallen könnte.
Und endlich standen sie auf den nebligen Straßen vor der Taverne. Wie schwach er doch in diesem Zustand war... sie hätte dieses so leicht ausnutzen können. Doch wurde dieser Gedanke rasch wieder verbannt, als er zum sprechen anhob... es war fast, als würde er in ihrem Geist sprechen. Sie konnte ihm nicht schaden, nein... eher würde sie sich selbst ermorden, als zuzulassen, dass sie ihm auch nur einen Kratzer zufügt.
Die darauf folgende Reise wirkte ewig lang.
Die Überfahrt im Nebel nach Lameriast, das durch die Seeschlangen fast gekenterte Schiff und dann zu allem Überfluss ein Marsch durch die weiten Wälder Lameriasts - nur mit einer Fackel und einem Diamanterzrapier bewaffnet und zusätzlich einem angetrunkenen Meister hinter sich.
Wären sie einer Orkpatrouille in die Hände gefallen, hätte diese wohl leichtes Spiel gehabt. Doch das Schicksal meinte es gut mit den einsamen Eisenwarter Wanderern und liess diese letztendlich unversehrt in heimatlichen Gefilden ankommen.
Die Fackeln wurden gelöscht... der Meister zu Bett gebracht und endlich, endlich war sie wieder alleine...
Womit wir wieder am Anfang dieser Geschichte angekommen sind...
When I hurt you - you take it and you like it!