Ein menekanischer Botenjunge macht sich auf den Weg um das Heim Ali’s aufzusuchen. Er trägt ein ordentlich gefaltetes Pergament bei sich, welches durch ein neutrales wächsernes Siegel verschlossen ist und auf ein Schreiben privater Natur hinweist. Außerdem trägt der Junge ein kleines Lederbeutelchen bei sich, welches er Ali übergeben möchte. Darin enthalten sind einige geschliffene Bernsteine.
Salam Ali,
ein vor einigen Monden gegebenes Versprechen soll heute seine Erfüllung finden. Wenngleich nicht mehr Munaya die Überbringerin der Nachricht sein kann, so hoffe ich, dass die Botschaft auch aus meinen Händen mit Freuden entgegen genommen wird.
Auf dem Festland hat dieser Tage die Schneeschmelze eingesetzt, die dir immer als Orientierung für den Tag deiner Geburt gedient hat. Möge dir diese Nachricht auch jetzt wieder als Wegweiser dienen und dich diesen Tag besonders feiern lassen.
Wie jeden Morgen stapfte Ali mit einem Besen bewaffnet in Richtung der Akademie um dort die Wege vom Sand zu befreien.
Es war eine gute Arbeit. Jedenfalls viel besser als auf dem Schiff.
Zwar hatte er in der Akademie noch keine neuen Zaubertricks gelernt aber das würde schon noch werden.
Vielleicht sollte er einfach mal Fadi oder Raakin fragen wenn sie nicht gerade so furchtbar beschäftigt waren.
Er hatte sich sie Zauberei anders vorgestellt. Anstatt, dass man sich ständig über irgendwelche Lieder oder Dschinis unterhält dacht Ali da an viel praktischere Übungen um mit dem Zauberstab.
Aber er hatte sich damit abgefunden. Fürs erste.
Und so lange er nicht älter wurde ließe sich daran auch nichts ändern.
Er hatte schon seit fast 36 Monaten nicht mehr Geburtstag. Aber da ließ sich nichts machen. Jeden Morgen war Ali aufgestanden und hatte hoffnungsvoll in die Wüste gesehen doch es kam einfach nie Schnee. Und wenn kein Schnee kam, konnte der Schnee auch nicht schmelzen.
Und Ali hatte erst Geburtstag, wenn der Schnee geschmolzen war. So einfach war das.
Doch Alis Herz schlug höher, als ihm Munaya vor einigen Monaten versprach, dass sie ihm sagen würde, wenn der Schnee auf dem Festland schmelzen würde.
Doch Munaya war gestorben.
Ali ließ enttäuscht die Schultern hängen. Ohne Munaya kein Geburtstag. Er würde nun für alle Ewigkeiten gleich alt bleiben. Bis er irgendwann sterben würde. Wenn er überhaupt sterben würde, da war er sich noch nicht so ganz sicher. Weil ja, von Kriegen, Unfällen und Krankheiten mal abgesehen, nur die alten Leute sterben.
Eine Träne rann über Alis Wange.
Gerade als ihm diese Gedanken kamen rannte ein Botenjunge um die Straßenecke und streckte ihm wortlos einen Brief hin.
Was da wohl drin stand?
Doch jetzt musste er zur Arbeit, nicht, dass Fadi und Raakin ihn schimpfen, weil er zu spät kam. Und nicht, dass sie ihn zur Strafe in einen Frosch verwandelten.
Er steckte den Brief in seine Tasche und nahm sich vor, ihn nach Feierabend zu öffnen.