Nur ein Auftrag - oder: die Fortsetzung eines Weges

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Cira Ad Ethir
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Nur ein Auftrag - oder: die Fortsetzung eines Weges

Beitrag von Cira Ad Ethir »

Die Nacht senkte sich bereits über die Stadt als Cira den Weg zum oberen Tor entlang schritt.
Wie immer nickte sie den Wachen grüßend zu, als jene ihr das Tor öffneten.
Nachdem sie das Tor passiert hatte, trat einer der Männer auf sie zu.

"Des Herrn Segen, Ritterin Ad Ethir!" sprach sie der Gardist mit einer leichten Verneigung an.
"Seinen Segen!" erwiderte sie knapp.
"Der Erhabene Ahad Daat möchte euch sehen." sagte dieser mit einem dringlichen Unterton in der Stimme.
Sie nickte dem Gardisten verstehend zu, woraufhin er wieder seinen Posten neben dem Tor bezog.

Leicht nachdenklich wandte sie ihre Schritte in die nächste Straße. Welchen Grund konnte Daat für ein Gespräch haben?
Ging es um die Vorfälle in der letzten Zeit? War erneut etwas geschehen? Sie verscheuchte diese Gedanken, sie würde es bald erfahren.

Es war inzwischen völlig dunkel geworden als sie vor der Tür des Ahads stand. Nur die Laternen warfen ihr düsteres Licht auf die Straßen Rahals. Auf ihr Klopfen hin wurde die Tür geöffnet und sie verneigte sich grüßend vor Daat.

"Des Einen Segen mit Dir Schwester, komm herein."

***

Nachdenklich saß sie in einem der Sessel vor ihrem Kamin, ein Buch in den Händen, aber sie las nicht mehr darin.
Nach ihrem Besuch bei Daat war sie nach Hause gegangen, den Kopf voller Gedanken.
Was ihr der Ahad eröffnet hatte, würde ihr Leben verändern.

Doch vorher würde sie noch etwas zu erledigen haben.
Der Auftrag des Ahads war gefährlich und schwierig. Doch sie war sich sicher, dass es Alatars Wille sei, dass sie ihn ausführte.
Und sie würde nicht versagen.

Langsam stand sie auf, legte das Buch wieder in das Regal zurück und griff nach ihrem Mantel. Sie verließ ihr Haus und überquerte die Straße um gleich darauf den Tempel zu betreten.
Er war leer.

Ruhig schritt sie bis nach vorn, verneigte sich und kniete vor dem Altar nieder. Sie senkte ihr Haupt und verfiel in ein Gebet.
Doch diesmal war es anders.
Schon länger hatte sie in ihren Gebeten gemerkt, dass ihr Weg zum Herrn noch nicht beendet war.

Aber heute war da noch etwas, in ihren Gedanken, eine Stimme - seine Stimme:

Komm Schwester, lass uns die Welt beherrschen… oder noch mehr.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Sie hatte Rahal noch in derselben Nacht verlassen.
Die Wachen am Tor waren verstärkt worden, ob der Vorfälle der letzten Tage. Sie mochten sie ein wenig überrascht angeschaut haben, hatten es aber nicht gewagt sie anzusprechen oder gar aufzuhalten. Mehrere Patrouillen waren im ganzen Land unterwegs, wie sie hörte.
Nachdem sie die Gutshöfe passiert hatte, lenkte sie ihr Pferd vom Weg herunter und ritt langsam durch die Wälder, genau wissend wohin sie sich zu wenden hatte.
Vom Himmel fiel ein fahles Licht auf den Waldboden, und der Schnee tat sein übriges, um den Weg nicht stockdunkel erscheinen zu lassen.
Sie brauchte nicht sehr lange bis sie den Schein der Feuer des Wachzeltes am Wegesrand entdeckte. In einem Bogen ritt sie um das Zelt herum. Die Rahaler Wachposten mussten sie nicht bemerken in der heutigen Nacht.
Sie passierte den Grenzstein des heiligen Reiches und lenkte ihr Pferd weiter gen Osten.

Noch vor dem Morgengrauen erreichte sie ihr Ziel.
Die Stadtmauer Varunas schien sich schemenhaft in der Ferne zu erheben und die beiden vorgelagerten Wachposten zeichneten sich als graue Schatten gegen den Schnee ab.

Leicht runzelte sie die Stirn und versuchte die Entfernung der Wachen bis zur Stadtmauer abzuschätzen. Sie waren recht weit entfernt und konnten bei diesem Licht wohl nicht von der Mauer aus gesehen werden.
Eine Weile beobachtet Cira die beiden Wachen, prägte sich den Weg ein, den diese immer abwechselnd abschritten.
Die Bewaffnung der beide war ebenfalls unterschiedlich.
Einer schleppte - den Anschein hatte es zumindest - eine für seine Statur viel zu große Hellebarde mit sich, der andere war mit Schild und Schwert bewaffnet.
Sie konnte mit ihrem Angriff nicht mehr allzu lange warten. Wenn es noch heller wurde, würde es zu spät sein.
Ihre Vorgehensweise wurde ihr klar, nachdem sie die Wachen beobachtet hatte.
Zuerst überlegt sie, sich anzuschleichen und die Wachen einzeln auszuschalten. Der Schnee würde das Geräusch ihrer Schritte zwar dämpfen, aber der Rest ihrer Ausrüstung war denkbar ungeeignet um sich leise jemandem zu nähern. Außerdem war solch ein Angriff dem Herrn nicht würdig.

In Gedanken schüttelte sie den Kopf, dann schloss sie ihre Augen und ihre Lippen formten lautlose Worte, woraufhin eine Woge des Zorns ihren Körper durchströmte.

Sie stieg wieder in den Sattel, tätschelte noch kurz den Hals ihres Pferdes und griff nach der Keule die am Sattel hing. Ruhig lenkte sie das Tier in eine günstige Ausgangsposition und spähte durch die Büsche.

In dem Moment als sich die erste Wache wieder umwandte, um den Weg zurückzugehen, preschte sie durch das Unterholz genau auf diese zu.
Er musste das Geräusch sofort gehört haben, doch dauerte es eine Weile bis er sich schwermütig herumgedreht hatte.
Diese Zeit reichte Cira.
Noch bevor er die schwere Hellebarde anheben konnte, war sie mit ihrem Pferd bei ihm und hielt direkt auf ihn zu.
Der dumpfe Aufprall des Pferdekörpers mischte sich mit dem metallischen Klang der Keule, die den Helm der Wache traf und diese bewusstlos zu Boden sinken ließ.
Sofort riss sie ihr Tier herum und schwang sich aus dem Sattel.
Die andere Wache hatte natürlich bemerkt was geschehen war und eilte mit gezücktem Schwert auf sie zu.
Doch auch sie hielt Schwert und Schild bereits in den Händen und sah konzentriert zu der auf sie zustürmenden Wache.
Ihr kam alles seltsam langsam vor. Der Zorn in ihrem inneren brodelte und dennoch waren ihre Gedanken klar und der Kampf lief in ihrem Inneren bereits ab. Sie glaubte sogar das schwere Atmen der Wache hören zu können, obwohl seine Schritte und die Geräusche der Rüstungen viel lauter waren.

Mit erhobenen Schwertern prallten sie aufeinander. Die Kraft, welche im Hieb der Wache lag, war gewaltig durch den Schwung des Ansturms und ließ Cira einen Schritt zurück weichen.
Doch wehrte sie den zweiten Schlag mit ihrem Schild ab und holte fast gleichzeitig ebenfalls zum Schlag aus. Der Wächter schaffte es nicht, rechtzeitig seinen Schild zu heben und so traf ihn ihr Hieb seitlich an der Schulter, so dass er mit einem Schrei zurückwich. Mit einem raschen Schritt setzte sie ihm nach und ihrer Schwerter trafen erneut krachend aufeinander.

Mit jedem weiteren Schlag wusste Cira, dass der Kampf nicht mehr lange dauern würde. Die Bewegungen des Mannes und seine Schläge verloren zusehends an Kraft und Schnelligkeit, währenddessen ihr Zorn nur noch stärker zu werden schien.
Der Wächter schien dies ebenfalls zu bemerken, denn er riskierte einen gewagten Ausfallschritt. Die Spitze seines Schwertes schrammte unter Ciras Armplatte entlang und ritzte ihr die Haut auf.
Doch wurde der Mann durch den Angriff aus dem Gleichgewicht gebracht und viel fast vorn über. Mit einem raschen Schritt wich sie weiter zur Seite und lies ihr Schwert in einem Bogen auf seine Rüstung krachen. Der Mann brach auf den Knien zusammen, hob jedoch langsam erneut sein Schwert um nach ihr zu stoßen.
Der Hass in ihr schien bei dieser Bewegung überzukochen, denn mit einer schnellen Drehung um ihr eigene Achse stieß sie mit ihrem Schwert zu. Die Klinge durchbrach die Rüstung der Wache oberhalb der Brust und der Mann brach endgültig röchelnd zusammen.

Tief atmend blickte sie einen Moment auf ihn herab, dann wandte sie sich um und ging langsam zu der anderen Wache, welche einige Schritte entfernt am Boden lag.
Der Helm des Mannes war bei ihrem Angriff von seinem Kopf geflogen und lag im Schnee. Der Mann kam langsam wieder zu sich, als sie direkt neben ihm stand und die Spitze ihres Schwertes an seine Kehle setzte. Er sah mit angsterfüllten Augen zu ihr auf und diese Angst wurde noch größer als er dem Körper seines toten Kameraden gewahr wurde.

Cira nickt leicht, als sie seinem Blick folgte und ihre Stimmt klang eisig unter dem Helm als sie das Wort an ihn richtete:

“So wird es allen Feinden Alatars ergehen. Ihr dient dem falschen Gott.“
Und mit einer Armbewegung gen dem Getöteten fügte sie hinzu:
“Für ihn ist es zu spät, doch anderen mag dieses Schicksal erspart bleiben. Berichtet was hier geschehen ist, und was einem jeden geschehen wird, der sich dem wahren Glauben verweigert und sich dem alleinzigen Herrn entgegenstellt.“

Dann ließ sie sich neben dem Mann auf ein Knie herab und setzte die Schneide ihres Schwertes an seine Kehle. Der Wächter schluckte schwer und schloss seine Augen.
Doch der Tod kam nicht. Cira holte in einer raschen Bewegung aus und schlug den Knauf ihres Schwertgriffs an den Kopf des Mannes, dass dieser zum zweiten Mal binnen Minuten das Bewusstsein verlor.

Mit einem raschen Schnitt trennte sie die Schärpe ab, welche seine Rüstung zierte und stand langsam auf.

Der Zorn in ihr hatte nachgelassen und ihre Wunde am Arm begann leicht zu schmerzen. Doch sie beachtete es gar nicht, sondern richtet den Blick nach oben und begann ein kurzes Gebet zu sprechen. Die Schmerzen in ihrem Arm ließen fast augenblicklich nach.
Dann ging sie langsam zu dem Körper des anderen Wächters und machte sich kurz an dessen Ausrüstung zu schaffen.

Es war kaum merklich heller geworden, als sie ihr Pferd bestieg und langsam im Wald verschwand.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Die Dunkelheit hüllte die Straßen der Stadt ein, das Licht der Laternen warf seltsam anmutende Schatten an die Wände der Häuser.
Es war sehr spät, dennoch lenkte sie ihre Schritte langsam auf das Haus des Ahads zu.

Daat würde noch wach sein, dass wusste sie einfach.

Die Tür wurde geöffnet kaum dass sie geklopft hatte.
Die Augen des Ahads schienen im Schein der Laternenfeuer zu funkeln als er sie mit einer Geste aufforderte einzutreten.

Cira verneigte sich leicht und reichte ihm wortlos ein zusammengerolltes Bündel, welches die Farben der Grafschaft Hohenfels zierte.

Er nahm es ebenso stumm entgegen – und war da ein böses Lächeln auf seinem Gesicht?
Daat

Beitrag von Daat »

Bereits weit voran geschritten war die Zeit an jenem Abend als es an der Tür seines Hauses klopfte. Er schloss das Buch welches er in der Hand hatte, erhob sich von seinem Sessel, stelle es in den dafür vorgesehen Platz des Regales und schritt dann zur Türe um jene zu öffnen. Der Anblick der Person, welche er vor seiner Türe erblickte überraschte den Ahad nicht wirklich.

Er nahm das Bündel stumm entgegen und es war tatsächlich ein Lächeln welches sich auf seinem Gesicht abzeichnete. Doch was stellte das Lächeln dar? War es wirklich bösartig? War es ein Ausdruck von Stolz über seine Schülerin? Über den ausgeführten Auftrag? War es vielleicht einfach nur Freude, welche sich in seinem Gesicht wiederspiegelte? Freude über das vergossene Blut des Feindes? Oder brachte es etwa seine Zufriedenheit zum Ausdruck? Vielleicht etwas von allem? Oder hatte es eine völlig andere Bedeutung?

Nachdem er das Bündel erhalten hatte verabschiedete er Cira nach einem kurzen Wortwechsel aus seinem Haus. Er würde sie schon bald wieder aufsuchen um sich um das Voranschreiten des Weges, den sie bereit zu gehen war, zu kümmern.

Er überprüfte noch kurz die genaue Zusammensetzung des Bündels ehe er sich auf den Weg zu dem Kamin machte. Dort angekommen nahm er einen Holzscheit und warf ihn in die schwächer werdenden Flammen, welche anfingen das frische Holz gierig zu verschlingen und kurze Zeit später den Raum wieder etwas mehr erhellten. Daat ließ sich wieder auf dem Sessel vor dem Kamin nieder. Lange saß er an diesem Abend noch am Feuer und lies seine Gedanken über seine Schwester kreisen, deren Weg er nun schon lange Zeit begleitete.

Die Zeit des Wartens würde sich schon bald dem Ende zuneigen.
Zuletzt geändert von Daat am Mittwoch 27. Februar 2008, 13:29, insgesamt 1-mal geändert.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Stille…
Der kleine Raum in dem sie sich befand schien jedes Geräusch zu verschlucken.
Selbst ihre Schritte waren nicht mehr zu hören, als sie die kurze Entfernung von der Tür zur gegenüber liegenden Wand zurückgelegt hatte. Ehrfürchtig verharrte sie auf der Stelle. Der Schein ihrer Lampe füllte den Raum beinah gleichmäßig aus.
Er sah genau so aus, wie Daat ihn ihr beschrieben hatte.
Der Ahad hatte ihr präzise Anweisungen gegeben, wohin sie sich im Palast zu wenden hatte, an welcher versteckten Stelle in der Bibliothek sie zu ziehen und zu schieben hatte, um den kleinen Gang dahinter zu entdecken, der sie zu dem Raum führte, in dem sie nun stand.
Zu beiden Seiten standen Regale mit uralten Büchern, welche jedoch sehr gut erhalten waren. Ihr Blick war aber nach vor gerichtet, auf die schwere, alte Truhe, welche vor ihr auf dem Boden stand.
Langsam kniete sie sich vor die Truhe und stellte ihre Lampe daneben ab. Beinah behutsam legte sie ihre Hände auf den Deckel. Für einen Augenblick schloss sie die Augen und öffnete dann die Truhe. Wieder war nicht das geringste Geräusch zu hören, als sie den Deckel anhob und schließlich ganz aufklappte.
Alles war so, wie der Ahad es beschrieben hat. In der Truhe lag ein in dunkles Leder eingeschlagenes Bündel. Es auszupacken war unnötig, Cira wusste genau, was es enthielt. Daat hatte ihr von den geheimen Schriften der Ahads berichtet, und schon zuvor waren ihr Erzählungen darüber Schriften bekannt geworden. Sie verweilte noch einen kurzen Moment, nahm dann das Bündel heraus, und schloss die Truhe wieder. Danach verließ sie den Raum ebenso still wie sie ihn betreten hatte und schob auch alles wieder an seinen Platz.

Kurz durchatmend begab sie sich vom Palast zurück in ihr Haus, das Bündel sorgsam unter ihrem Mantel tragend.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Die Nacht war kurz, sehr kurz. Und ihr Schlaf war noch kürzer und unruhig.
Sie hatte geträumt, doch konnte sie sich an keine Einzelheiten mehr erinnern. Es war, als wäre eine Stimme in ihr. Jene Stimme, die sie vor einiger Zeit in ihren Gebeten einmal hörte. Doch hatte sie nicht verstanden, was die Stimme – er – ihr zu sagen versuchte.

Es war noch tief dunkel als sie, nur mit einer Robe bekleidet und zwei Bündel tragend, ihr Haus verließ und sich zum Stadttor wendete. Die Wachen warfen ihr erst nur müde Blicke zu, welche sich jedoch in verwunderte Blicke wandelten, als sie die Ritterin zu erkennen schienen, und ihre wohl seltsame äußere Erscheinung, eine alte Robe und nicht einmal Schuhe. Jedoch wagte keine der Wachen ein Wort an sie zu
richten, lediglich ein stummes Neigen des Kopfes erfolgte von beiden Seiten.

Sie hatte den Weg kurz nach dem sie außer Sichtweite des Stadttores war verlassen, und lenkte ihr Schritte nun durch den Wald. Ein schwaches Mondlicht durchdrang die Wipfel der Bäume bis auf den Boden und machte ihr das Gehen verhältnismäßig leicht.
Sie kannte den Weg sehr genau, den sie einzuschlagen hatte. Schon oft war sie ihn gegangen. Wenn sie sich beeilte, würde sie Donnerholm noch vor dem Morgengrauen erreichen. Ein wenig Bedenken hatte sie wegen den Wegelagerern, welche schon öfter in dieser Gegend gesehen wurden. Immerhin war sie unbewaffnet und musste ihnen somit aus dem Weg gehen. Doch zu dieser frühen Stunde hatte sie gute Chancen, unbemerkt an ihnen vorbei zu kommen.

Ihre Gedanken kreisten während ihrer Wanderschaft um die Worte und den Auftrag, welchen ihr der Ahad mit auf den Weg gegeben hatte. Würde sie die Höhle finden?
Und was wird sie darin erwarten? Welche Geheimnisse werden ihr die Schriften der Ahads offenbaren? Sie würde es bald erfahren. Der Herr hatte sie auserwählt und nun lag es an ihr, ihn nicht zu enttäuschen. Ihr Leben, welches sie ihm schon seit langem widmete, lag allein in seinen Händen.
Sie würde von dieser Reise zurückkehren, oder sterben.

Inzwischen hatte sie sich dem Ende des kleinen Waldes genähert, von dem aus der Weg zur alten Festung Donnerholm nunmehr über nahzu offenes Gelände führte.
Hier irgendwo pflegten die Wegelagerer ihr Lager aufzuschlagen.
Vorsichtig, darauf bedacht, keinen Laut zu verursachen, ging sie weiter. Unter den letzten Bäumen stehen bleibend, spähte sie auf Ebene die vor ihr lag. Noch war es halbwegs dunkel, doch es konnte nicht mehr lange dauern, bevor die ersten Strahlen des Morgens am Himmel erscheinen würden. Sie musste sich beeilen.
Sie trat aus dem Wald heraus und wandte sich nach Nord-Osten um die Stelle, an der sie das Lager vermutete, möglichst zu umgehen. Nach einer Weile änderte sie die Richtung nun ganz nach Norden. Der Weg wurde wieder etwas schmaler, von einer Seite umgeben von Bergen, auf der anderen Seite war das dunkle Glitzern des Wassers zu erkennen.
Unbemerkt setzte sie ihren Weg fort.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Als sie den alten Turm passierte, war die Dämmerung bereits soweit fortgeschritten, dass sie die davor liegende Ebene sehr gut erkennen konnte. Sie wusste dass sich im Osten die alte Festung befand, und westlich erhob sich, nun ebenfalls deutlich zu erkennen, das Gebirge.
Ein mächtiges Massiv aus Gestein und zerklüfteten Felsspalten. Irgendwo hier musste die Höhle sein, von der der Ahad gesprochen hatte.
Cira wandte ihre Schritte am Fuß des Berges entlang. Sie musste einen Eingang oder zumindest einen Weg in diese Berge finden.
Seit geraumer Zeit war sie bereits am Fuß des Berges entlang gegangen. Sie hatte Steine, Felsspalten und Absätze gefunden, aber keiner führte zu einem Weg, geschweige denn zu einer Höhle.
Ein wenig erschöpft lehnte sie sich an einen größeren Felsvorsprung. Langsam bekam sie Durst. Doch zu trinken und zu essen würde es nichts geben in den nächsten Tagen. Sie nahm die beiden Bündel von ihren Schultern und legte jene auf einem Felsvorsprung neben sich ab, um kurz ihre Schultern zu entspannen. Doch der Vorsprung war recht uneben, und so begannen die Bündel nach hinten zu rutschen. Geistesgegenwärtig griff sie wieder zu und erwischte das Bündel mit den Büchern gerade noch, während das andere, welches die Fackeln enthielt, auf der Rückseite des Felsens nach unten viel.
Einen Fluch unterdrückend, legte sie sich das Bücherbündel wieder über die Schultern und begann, zwischen den beiden Felsen hindurch zu klettern.
Wie sich heraus stellte, musste sie erst einige Meter nach oben klettern, bevor ein Abstieg zum Fuß des Felses möglich war, hinter den das Bündel gefallen war. Als sie sich von ihrer nun erhöhten Position umsah, entdeckt sie noch einige Schritte weiter oben, eine Art Pfad. Vom Fuß des Berges war jener nicht zu erkennen gewesen.
War es das, wonach sie die ganze Zeit gesucht hatte?
Rasch kletterte sie nach unten um das das Bündel zu holen, und machte sich dann auf, die restlichen Schritte bis zu dem Pfad nach oben zu steigen.
Es war tatsächlich ein Pfad, obwohl er diesem Ausdruck nicht gerecht wurde. Wohl eher eine weniger häufige Ansammlung von losen Steinen, so dass ein Vorankommen hier leichter schien, als anderswo am Berg. Doch einen große Auswahl hatte sie sowieso nicht, also begann sie, den Pfad entlang zu klettern. Es war auch mehr ein Klettern, als Gehen, denn der Pfad war steil und durchaus schwierig. Oftmals lagen kleinere lose Steine herum, welche sie immer wieder aus dem Gleichgewicht brachten und drohten, sie abstürzen zu lassen. Die beiden Bündel auf ihrem Rücken taten ihr übriges, um den Aufstieg nicht gerade zu erleichtern.
Nachdem sie eine geraume Weile so hinauf gekletterte war, wurde der Pfad eben und … hörte auf!
Etwas verwirrt sah sie sich um. Der Pfad hörte tatsächlich einfach auf. Er lief geradewegs auf einen mehr als doppelt mannshohen Felsblock zu und schien unter ihm zu verschwinden. Sie ging die letzten Schritte auf den Felsen zu und versuchte, dann, um jenen herum zu klettern. Auf einer Seite war dies unmöglich, doch auf der anderen konnte sie sich mit einiger Mühe zwischen Felsblock und Felswand hindurchzwängen.
Dann sah sie die Höhle. Besser gesagt, sie etwas, das einem Eingang zu einer Höhle nahe kam. Es war ein fast rundes Loch, direkt unterhalb des großen Felsens.
Gerade groß genug, um kniend und kriechend hindurch zu kommen.
Die beiden Bündel von den Schultern nehmend und vor sich her schiebend, begann sie in das Loch hinein zu kriechen. Dies war am Anfang recht eng und schwierig, doch schon nach wenigen Metern wurde der Gang ein wenig breiter und auch höher, dabei aber inzwischen so stockduster, dass sie sich nun auf Händen und Knien vorsichtig vorwärts bewegte. Eine schier endlose Zeit krabbelte sie auf diese Weise durch die Finsternis und fragte sich bereits, ob dieser Gang jemals auch nur irgendwo hinführen würde, als der Gang sich nochmals weitete und sie dann auf einmal ungeheuren Freiraum über ihrem Kopf spürte.
Vorsichtig erhob sie sich und richtete sich vollends auf. Um sie herum war immer noch absolute Finsternis, doch konnte sie regelrecht spüren, dass die Höhle in der sie sich jetzt befand, riesig sein musste.
Tastend griff sie in eines der Bündel und zog eine Fackel heraus. Das Licht der Flamme blendete sie, nachdem sie die Fackel entzündet hatte dermaßen, dass sie ihren Kopf abwand und die Augen zukniff. Die Fackel dann weit über ihren Kopf halten, begann sie, sich blinzelnd umzusehen.
Sie hatte recht. Die Höhle in der sie sich befand, war riesig. Der Schein der Fackel reichte, um die nächsten Schritte um sie herum zu beleuchten, jedoch waren weder eine Decke, noch die gegenüberliegenden Wände der Höhle zu erkennen.
Sie ging noch einige Schritte weiter, um sich in der Höhle genauer umzusehen.
Eine Decke war immer noch nicht zu erkennen, doch schienen die Höhlenwände seltsam glatt und eben, beinah unnatürlich. Auch der Boden bestand aus glattem Fels, nur selten lagen Steine herum.
Sie hatte das Bedürfnis, die Höhle noch weiter zu erkunden, doch wusste sie, dass ihr Vorrat an Licht begrenzt war und sie brauchte die Fackeln noch für wichtigere Dinge. Also nahm sie den erst besten Felsvorsprung der vor ihr auftauchte, um sich darauf niederzulassen. Als sie ihre Beine ein wenig ausstreckte, merkte sie, dass sie doch erschöpft und inzwischen hungrig und vor allem durstig war.
Sie verscheuchte diese Gedanken aber schnell wieder, zu groß war ihr Verlangen nach dem Wissen in den Büchern, welche sie bis hierhin mitgeschleppt hatte.
Die Fackel an ihrer Seite befestigt, schlug sie vorsichtig das dunkle Bündel auseinander und griff nach dem ersten Buch. Beinah behutsam strichen ihre Finger über den schwarzen Ledereinband und die Verzierungen die sich darauf befanden.

Dann schlug sie das Buch auf und begann zu lesen.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Stille… wieder eine absolute, beinah unheimliche unnatürliche Stille.
Selbst das Geräusch ihres eigenen Atmens schien in der Höhle unterzugehen.
Und Dunkelheit.

Sie wusste nicht genau, wann die letzte ihrer Fackeln erloschen war. Vor zwei Tagen? Oder gar schon drei?
Wie gebannt hatte sie angefangen in den Büchern zu lesen. Aus jeder darin enthaltenen Erzählung hatte sie für sich eine Lehre ziehen können.
Jedes Gebet hatte sie sich eingeprägt und dutzende Male wiederholt. Der Weg zu Alatar schien ihr auf einmal so nahe wie niemals zuvor.
Geschlafen hatte sie kaum. Manchmal, wenn eine der Fackeln ausgebrannt war, hatte sie die Augen geschlossen, um auszuruhen, und die Gebet für sich im, Geiste nochmals durchzugehen.

Wenn sie dann doch eingeschlafen war, war es ein unruhiger Schlaf, wohl
geschuldet der unbequemen Haltung und dem immer größer werdenden Hunger und Durst. Und sie hatte geträumt. Schlecht geträumt, denn oftmals schreckte sie plötzlich aus dem Halbschlaf auf, konnte sich aber nie an etwas aus den Träumen erinnern. Nun versuchte sie, gar nicht wieder einzuschlafen.

Sie wollte sich bewegen, doch schmerzten ihre Kehle und ihr Magen bei jeder Bewegung nur noch mehr. Wie lange würde sie noch aushalten können? Wann würden ihre letzten Kräfte versagen? Körperlich war sie am Ende und auch ihre geistigen Kräfte waren erschöpft. Die anhaltende Dunkelheit und Stille begannen sie mehr und mehr zu verwirren, auszusaugen und in den Wahnsinn zu treiben.

Den Kopf gegen die Felswand gelehnt, die Augen geschlossen, begann sie, alle Gebete nochmals aufzusagen. Ihre Lippen formten lautlose Worte, denn aus ihrer vertrockneten Kehle drang nicht einmal mehr ein Flüstern.

Wieder und wieder sprach sie in Gedanken die Gebete an den Herrn. Bisher hatte ihr das geholfen, wenigstens in diesen Momenten die geistige Kontrolle zu behalten. Es fiel ihr jedoch immer schwerer, sich auf die Gebete zu konzentrieren. Mit letztem Willen formten sich Worte aus ihrem Mund. Gesprochene Worte, mit krächzender, vertrockneter Stimme zwar, aber Worte.
Den Kopf hin und her werfend, wiederholte sie die Gebete, bis ihre Stimme endgültig versagte, ihr Körper erschlaffte und sie von ihrer halb sitzenden Position auf den felsigen Boden der Höhle fiel.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Sie stand in der Höhle und fühlte gar nichts.
Weder Hunger noch Durst oder Erschöpfung. Sie stand einfach da und sah sich um.
Die Höhle schimmerte in einem dunkelroten Licht, das keine Quelle zu haben schien. Es war einfach da. Und nun sah sie auch die wahren Ausmaße der Höhle. Die Decke schien unendlich weit über ihr zu sein und die gegenüberliegenden Wände unendlich weit weg. Doch konnte sie alles klar erkennen.
Langsam drehte sie sich um sich selbst, staunend die Höhle betrachtend.
Dann sah sie es.
Ein zusammengesunkenes, in eine dunkle Robe gehülltes etwas, dass wenige Schritte entfernt am Boden lag.
Vorsichtig ging sie darauf zu und schrak zusammen. Was da am Boden lag, war sie selbst.
Zumindest war sie es einmal gewesen.
Der Körper war halb zerfallen, das Gesicht nur noch eine Totenfratze. Unbeweglich stand sie neben ihrem eigenen Leichnahm.

Willst Du so enden, Schwester? Die Stimme hallte dunkel in ihrem Kopf wieder, und sie fuhr herum, um sich umzusehen. Doch da war niemand, nur diese, ihr bekannte Stimme.
Glaubst Du, Deine Aufgaben seinen bereits alle erledigt? Dein Dienst beendet?
Die Stimme schien aus keiner Richtung zu kommen, sie war einfach in ihr.
Oder hast Du nicht noch etwas zu erledigen, da draußen, in der Welt die immer noch auf den wahren Glauben und Einigung wartet?
Bei diesen Worten, die in ihrem Geist wiederhallten, erschien neben ihrer eigenen Leiche eine weitere Gestalt, hoch aufgerichtet, in einer dunklen Rüstung und eine Macht, Hass und Zorn ausstrahlend, die sie beinah schaudern ließ.

ANTWORTE! donnerte die Stimme in ihrem Schädel.
Sie öffnete den Mund, wollte sprechen, doch kam kein Laut über ihre Lippen. Ihre Stimme schien komplett zu versagen. Ihr Geist war jedoch seltsam klar. Sie konnte regelrecht fühlen, wie sich in ihr etwas aufbäumte, wie ihr Geist nach außen schrie:
Ich will Euch dienen Herr, ich will kämpfen um den wahren Glauben zu beschützen und zu verbreiten und allen Unglauben auslöschen. Ich will Handeln in Eurem Namen Herr, zu Eurer Ehre. Ich will Eure Stärke in die Welt hinaustragen, jenen zu zeigen, die zweifeln, was der wahre Glauben zu bewirken im Stande ist.

Ihr Kopf schmerzte und einen Moment lang war sie nahe daran das Bewusstsein zu verlieren. Dann erklang die Stimme erneut.

Dann steh auf Schwester, STEH AUF!



Sie lag wieder auf dem Boden der Höhle, ihr ganzer Körper schmerzte, ihr Kehle brannte.
Es war dunkel, stockdunkel, doch als mühsam den Kopf hob, sah sie zwei funkelnde, gelbe Augen direkt über sich. Stöhnend versuchte sie sich hoch zu stemmen. Als sie kniete, meinte sie, die Umrisse eines riesigen dunklen Panthers erkennen zu können.
Was dann geschah ging viel zu schnell, um es bewusst wahrzunehmen. Die Pranke des Panther schnellte auf sie zu, traf mit unglaublicher Wucht ihren Oberkörper, riss die Robe unterhalb ihrer linken Brust auf und hinterließ blutige Streifen. Die Wucht des Hiebes warf sie von den Knien und schleuderte sie einige Schritt weit durch die Höhle.
Der Panther war direkt wieder über ihr und drückte seine Pranke auf die blutende Wunde. Der Schmerz war unglaublich und raubte ihr fast die Besinnung. Doch stärker als jeder Schmerz der Welt war die Woge des Zorns, welche ihren Körper durchfuhr.
Ihre Augen funkelten und sie wollte sich aufbäumen, den ganzen Hass in sich hinausschreien.
Plötzlich ließ der Druck nach und sie konnte spüren, wie warmes Blut aus der Wunde sickerte.
Dann war die Stimme erneut in ihrem Kopf.

Komm Schwester, lass uns die Welt beherrschen... oder noch mehr.

Das war das letzte was sie hörte, bevor sie ohnmächtig zusammensackte.
Cira Ad Ethir
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Beitrag von Cira Ad Ethir »

Sie lag immer noch am Boden als sie die Augen aufschlug, aber sie fühlte sich beinah ausgeruht und kräftig. Doch kam diese Kraft nicht aus ihrem geschundenen Körper, sondern allein ihr Geist, voll von Hass und Zorn, verlieh ihr diese Stärke.
Rasch setzte sie sich aufrecht, bereute dies im selben Moment aber wieder, denn ein stechender und brennender Schmerz in ihrer Brust ließ sie zusammenzucken.
Vorsichtig tastete sie mit ihrer Hand nach der Wunde, und konnte wieder das warme Blut fühlen, dass sehr langsam, aber stetig aus der Wunde floss.
Vorsichtig richtete sie sich weiter auf und sah sich um. Erstaunt stellte sie fest, dass sie sehen konnte. Die absolute Dunkelheit der Höhle war einem dämmrigen Licht gewichen. Sie konnte deutlich einige Schritte weit sehen und selbst die entfernteren Wände waren schemenhaft zu erkennen. Langsam erhob sie sich vollständig, nahm das Bündel mit den Büchern an sich, und ging langsam zum Ausgang der Höhle. Der Gang, durch den sie erneut kroch, kam ihr diesmal sehr viel kürzer vor, denn schon nach wenigen Augenblicken erreichte sie den Ausgang und sah in die Morgensonne des achten Tages.
Mit langsamen Schritten trat sie den Weg zurück nach Rahal an.
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