Mit dem Ärmel ihres Kleides wischte sich die Schützin den Schweiß von der Stirn, welcher ihr unablässig hinunter lief. Seit Stunden war sie damit beschäftigt Holz zu hacken, es auf zu barren und weg zu bringen. Sie konnte nicht einmal mehr sagen was ihr mehr Schmerzen bereitete, der Rücken, die Oberarme oder ihre Hände.
Vielleicht sollte ich mir einige minuten Ruhe gönnen, dachte die ältere Frau bei sich. Gemählich setzte sie sich in den Schatten einer grossen Eiche und legte ihre Axt bei seite. Ihr Blick fiel nun auf ihre Hände, welche von Blasen und blutigen Abschürfungen übersät waren. Der Anblick jedoch, ließ nur ein Schulterzucken ihrerseits zu. Sie würde noch mehr Schmerzen und Wunden auf sich nehmen nur um ihren Traum zu verwirklichen. Einen Traum den Zeron und sie gemeinsam hatten.
Die braunen Augen Dalanas schlossen sich und ihre Gedanken verweilten einige Tage zurück, als Zeron und sie ein Gespräch über ihre gemeinsame Zukunft hatten. Er wünschte sich Kinder, dass hatte er immer wieder gesagt, jedoch genau das war ihr Problem. Dalana hatte Angst davor, selbst vor dem Gedanken von Kindern schreckte sie zurück. Sie hatte vor langer Zeit einmal gewaltsam ihr ungeborenes Kind verloren und sie hatte bezüglich dieses Themas eine unsichtbare Mauer um sich her rum errichtet.
Natürlich könnte sie Zeron versuchen ihre Angst zu erklären und sicher würde er dafür Verständnis aufbringen, doch er wünschte sich so sehnlichst Kinder. Der einzige Gedanke der Dalana etwas Trost spendete war der, dass sich bisher noch nicht die Gelegenheit geboten hatte um ein Kind zu zeugen.
Ihre Lippen bildeten einen schmalen Strich, doch irgendwann wird es soweit sein. Spätestens wenn ihr Haus endlich steht. Wieder verlor sich ihr Blick auf ihre blutigen Hände und das Bild von damals schwoll in ihr auf. Die Schmerzen in ihrem Unterleib, dass ganze Blut welches ihr Gewand durchnässte und sich auf den Boden ausbreitete.
Der Schrei eines Vogels holte sie aus der Vergangenheit zurück. So sehr sie auch versuchte das alte zu vergessen und daran dachte wie glücklich sie doch war, so sehr verlor sie sich immer häufiger in ihre eigenen Welt voller schmerzlicher Erinnerungen.
Nur in den seltenen Augenblicken, in den wenigen Momenten der Ruhe die sie mit Zeron hatte vergass sie all das was sie quälte. Ja, er war ihr Fels im Meer, ihr Licht im Dunkeln und ihr Sonnenschein im Regen. Er gab ihr die Kraft die sie benötigte um ihr altes Leben zurück zu stecken. Er gab ihr Liebe, Wärme und Geborgenheit. Er nahm sie in seine starken Arme, wenn ihr Kummer überhand nahm. Und bei der Göttin sie konnte sich gut vorstellen ihn als Ehemann an ihrer Seite zu wissen. Doch bisher waren dies alles noch Hirngespinste einer alternden Frau. Es gab noch genug zu tun um sich dieser Vorstellung zu widmen.
Voller neuen Elan und Tatendrang packte sie ihre Axt und machte sich auf das nächste Holz zu schlagen.