Drei Schritt mal vier Schritt.. eine Zelle für eine Magd.

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Savea Falkenlohe
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Drei Schritt mal vier Schritt.. eine Zelle für eine Magd.

Beitrag von Savea Falkenlohe »

Penibel wurden die Sachen zusammen gelegt und dem Wachhabenden überreicht, nachdem sie ihre eigene Kleidung, durchsucht und als ‚ungefährlich‘ eingestuft, zurück bekam.
Der Wachhabende hatte wenigstens den Anstand besessen sich umzudrehen, als sie sich umzog. Selbst den kleinen Kamm hatten sie der Westentasche entnommen, nun gut, im Moment hätte sie ihn ohnehin nicht brauchen können.. wo keine Haare sind, gibt es schlicht nichts zu kämmen.

Es war nicht die erste Nacht, die sie ohne Schlaf zugebracht hatte und doch war diese etwas ‚Besonderes‘. Die Scham dort zu sein, wo vor ihr Diebesgesindel und Mörder gesessen hatten, stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben, neben der Wut und der Fassungslosigkeit.
Drei Schritt mal vier Schritt, kein Fenster. Die einzige Lichtquelle kam vom Fenster am Ende des Zellenflures. Eine Pritsche, ein Tisch, ein Bänkchen, eine dicke Wolldecke, die sie sich fest um die Schultern zog.

Staccato im Kopf. Die Sätze, die dazu führten, dass sie sich hier wiederfand, eine abscheulich klingende Melodie zu einem häßlichen Tanz.
„Savea, ich wüßte gerne, was Eure Haltung und Eure Absichten gegenüber den Anguren sind, den Anguren allgemein und speziell denen, die Euch gefangen gehalten und gequält haben.“
„Klopft einer an die Tür, trifft ihn mein Pfeil.“ Hatte sie ohne darüber nachdenken zu müssen, geantwortet. Da war soviel Wut.
„Müßte ich das so deuten, dass Ihr keinerlei Vertretung, oder Einmischung in diese ausstehende Vergeltung durch meine Person wünscht?“
„Ja Milady.“ Kurz und knapp, kühl, emotionslos, das Bollwerk stand gut, alles war gesagt... bis auf die kleine unsichere Nuance in ihrer Stimme, die sie sich fortan verbot.
„Gedenkt Ihr mehr als das ‚Wenn einer an die Tür klopft‘ ?“
„Sollte ich zufällig einem begegnen, gilt dies ebenso.“
„Ihr wißt, dass das Selbstjustiz ist?“
Gewiß Milady.. Adel kommt von Edel.. wollte man von einer Magd verlangen edel zu sein? Würde Adligsprechung dann nicht lange auf sich warten lassen?
Die Wut schnürte ihr die Kehle zu. Wie selbstgerecht sie waren, die Schönen und Reichen, die Heuchler und Stiefellecker. Sie fühlten sich beleidigt? Dann forderten sie zum Duell. Es wurde ihnen Unrecht angetan? Dann forderten sie zum Duell. Es war ja so einfach Dinge aus der Welt zu schaffen! Und sie nennen es Gerechtigkeit in ihrer kleinen geordneten Welt.
Bei allen anderen nennen sie es Selbstjustiz. Soviel Wut.

Die Sätze hämmerten unaufhörlich, vollführten ihren eigenen Reigen im Kopf, zum Rhythmus der Schritte des wachhabenden Gardisten.
„Werdet Ihr erst beruhigt sein, wenn das weltliche Gericht dieser Grafschaft der Güte und Gnade entsagt und Temora Euch zur blutigen Vollstreckerin eines abartigen Willens werden läßt? Selber bis aufs Blut, bis auf die Knochen verletzt, erniedrigt, beraubt und bloßgestellt... Groll, der zerfrißt, denn irgendwo da draußen sind diese widerlichen Mistkerle, die das Wertvollste genommen und mit Füßen getreten haben - sie sollen bluten, jeder. Jeder, der es tat und jeder, der sie schützte. Sie sollen hängen - ach, was sag ich - die Eingeweide ihnen raus reißen und zu fressen geben sollte man. Eine schreiende Ungerechtigkeit, die erst mit all
ihrem Blut geshünt sein wird. Ist es das?“
„Es reicht ein gezielter Pfeil...“
„Was zählt, ist der Tod. Es reicht auch ein fester Strick und ein sauberer Genickbruch. Dann glaubt nicht, da ich Euch nicht verstehen würde.“
Verständnis Milady? Oh ja Adel kommt von Edel! Verdammte Wut.
„Euer Verständnis Milady impliziert nicht daraus resultierende Taten.“
„Nein, weil Ihr nicht wißt, was ich damals getan habe. Es ist länger her, aber ich war nicht minder verletzt wie Ihr. Es war nicht minder eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, und ich habe nicht weniger Sühnung der Taten gefordert und alles in meiner Macht stehende dafür gegeben. Mag die Ursache eine andere sein - ich denke, ich kann dem 'Mit-gefühl' genügen, Savea... wenn meine Worte über die Art des Grolls Eurem Empfinden in etwa entsprachen, _weiß_ ich es.“
„Und dennoch Milady.. wollt Ihr nicht zugestehen.“
"Ich hatte damals Erfolg mit meinem Wunsch nach Vergeltung. Mehr noch, dem äußeren Anstrich nach habe ich dabei nicht einmal Selbstjustiz geübt. Ich habe jene, die den
erbärmlichen Tod meines Ritters zu verschulden hatten und dafür sorgten, dass ich mich in einem unbekannten Wald im Winter nur mit blankem Glück mit nichts als einem Nachthemd zu einem Dorf durchschlagen mußte, teilweise ergreifen lassen können und vor den Richter gezerrt, ich habe ihre Hängung mit angesehen... ich kenne diesen fressenden Groll. Ich hoffe auf Euch, Savea. Ich hoffe, dass Eure Empfindungen im Moment des Sieges nicht niederer sein würden als meine. Und weil ich dies hoffe, werde ich alles dafür tun, daß Ihr nicht den gleichen Fehler begeht und die gleiche Enttäuschung erlebt wie ich.“
Gewiß Milady.. wo bleiben da die Lehren über das Verstehen und Empfinden, der Dinge, die man selbst erlebt hat? Wird nicht gepredigt, jeder muß seine eigenen Erfahrungen machen?
Oh, ich vergaß.. es geht hier nicht darum, etwas zu lernen, sondern um zu verstehen und verdammt nochmal endlich zu begreifen, dass es auf der einen Seite Gerechtigkeit gibt und auf der Anderen Selbstjustiz. Schlage dir aus dem kopf, dass deine Seite die der Gerechtigkeit wäre, oder sie als solches anerkannt würde! Soviel Wut!

„Genugtuung Milady.. Genugtuung im Angesicht des Sieges.. wenngleich es ein bitterer Sieg ist, weil inzwischen etliche ihr Leben gelassen haben, wo es nicht von Nöten gewesen wäre. „Und weitere sollen ihr Leben lassen, wo es nicht von Nöten wäre?“
„Nicht von Nöten.. und sie zugesehen haben.. bis zum Ende... zugesehen... und zugehört..
unser Flehen angehört und stur die Situation begründet haben mit einem: Chief sakhen...
Clan makhen.. Milady ich bin bereit.. bereit zu tun, dass Clan makhen, ohne dass Chief sakhen!“
„Der Chief ist an seinem eigenen Fehler verreckt! Und fast sein gesamter Clan mit ihm!“
„Nein Milady! Fast der gesamte Clan sitzt bei Met und Brot in Varuna! Weil sie aufs Schiff gelangten... aufs Schiff gelangten mit dem Ablegen ihrer Namen! Alle werden gerettet außer den Agronas! Also gab es keine Agronas mehr! Auch wenn Shaya und ich sie in Berchgard von Bord gehen sahen! Eine Farce!“

„Und was sie bis dahin genauso wie ihr erlitten haben, interessiert nicht? Muß erst ein
weiteres Leben ausgelöscht werden, aus Rache? Durch EURE Hand? Damit Ihr den inneren TOD, den das einzig bringt, am eigenen Leib begreift... oder schlimmer noch, erbärmliche Befriedigung niederster!! Gelüste erfahrt und damit tatsächlich dem verfallt, was Euch einzig der Panther versprechen kann?! NUR BER MEINE LEICHE!“
Ja Milady, nur zu! Fordert mich zu einem Duell der Worte und der Lautstärke. Wer brüllt hat Recht? Ich werde parieren!
„Was sie bis dahin genauso wie wir erlitten haben Milady? WIR hätten das nicht erlitten, wenn sie nicht dafür gesorgt hätten, dass wir ihrem Willen.. ihrer Willkür unterworfen
worden wären! Wäre zu uns gedrungen, dass die Anguren auf Fuachtero hungern, hätten
wir Euch begleitet Milady, um ihnen zu helfen! Sie her zu bringen Milady! Weil wir sie
kannten! Geglaubt haben sie zu kennen! Und Ihr werft mir erbärmliche Befriedigung vor? Ihr, die Ihr mir zuvor versichertet mich zu verstehen? Nachempfinden zu können? Ihr werft
mir vor, mich niedrigsten Gelüsten hinzugeben? Milady.. Ihr habt nichts verstanden.. Ihr habt
keine Ahnung wovon ihr sprecht!“
Und nun wieder Ihr Milady.. ich bin bereit!
„HÖRT auf, mir die Worte im Mund zu verdrehen!“
Eine böse Attacke Milady. Sollte das nicht unter Eurer Würde sein? Kommt Milady, gebt Euch etwas Mühe!
„Selbst-justiz, Savea. Ich SCHWÖRE Euch bei der Göttin, dass ich Euch hätte helfen wollen, doch ich werde SELBER der Kläger gegen _Euch_ werden, wenn Ihr Euch derartig versündigt, und es ist mir scheißegal! an wem! IHR lehrt mich Eines, so bitter, wie man nur irgendwas lernen kann! Ich KANN nicht demjenigen helfen, der sich nicht helfen lassen WILL!“
Sehr schön Milady, es geht doch!
„Und Milady ich SCHWÖRE Euch bei der Göttin, dass IHR UNS bereits genug geholfen habt, als IHR die Anguren.. einschließlich der Agronas aufs Schiff gebeten habt und nach Varuna GELADEN habt... freie Kost und Logis inbegriffen!“
„Weil ich nicht anhand eines Verbrechens - eines tödlichen! Fehlers, ja - EIN GANZES
VERDAMMTES VOLK TOT SEHEN WILL! Fordert das und Ihr seid...!“
Nicht zurückziehen Milady!
„Und ich bin WAS?“
„Abschaum. Erbarmungswürdiger oder erbärmlicher Abschaum.“
Treffer Milady! Zielsicher, wie ich es von Euch erwartet habe. Mein Kompliment!
Sicherlich erwartet Ihr nun von mir, meine Niederlage einzugestehen. Ich muß Euch enttäuschen.. ein, zwei Hiebe gehen noch.
„Erbarmungswuerdiger oder.. erbärmlicher Abschaum... erfreulich, dass wir klären konnten, was Ihr von mir haltet.“
Reiß dich zusammen Savea! Das war doch kein Hieb! Um den zur Seite zu wischen, benötigt Milady weder Schwert noch Schild! Ein Ausfallschritt.. reiß dich zusammen!
„Rache. DAS ist es, was Ihr verlangt, und wagt es nicht, mir noch etwas anderes als erzählt verkaufen zu wollen! Und in einem hört auch Ihr _mir_ nicht zu, Savea.... aber das bin ich ja gewohnt. Ich sagte Euch nicht, was ich von Euch _halte_. Jetzt. Denn NOCH habt Ihr nicht geschossen. Aber versucht es, und ich werde nicht noch mal tatenlos zusehen, wie bei Zyran - betet, dass ich dann nicht schnell genug bin, Euren götterverfluchten Pfeilen in die Bahn zu springen!“
Milady läuten den Finalschlag ein? Gut, ich bin bereit!
„Keine Sorge Milady.. wenn ich schieße.. werdet Ihr nicht da sein!“
„WAGT ES!“
„DAS WERDE ICH!“

Der Rest schien so unwirklich, wie das Vorangegangene. Der Befehl Miladys sie festzunehmen und abzuführen. Shayas Versuch ihr zu helfen, bei dem sie sich von Milady auf den Boden gerungen wiederfand, während Savea von Gardist Greger aus der Tür geschoben wurde, die Hände auf dem Rücken gebunden, die Arme etwas nach oben gedreht, um jegliche Gegenwehr im Keim zu ersticken. Die gleiche Wut und Hilflosigkeit brandeten durch Kopf und Körper. Erinnerung. Eingewickelt in stinkende Felle, wehrlos auf dem Weg nach Fuachtero. Hände gebunden, wehrlos auf dem Weg nach Varuna.
Schutzhaft! Für wen?

Zweieinhalb Tage bereits.. drei Schritt mal vier Schritt, kein Fenster.
Gewonnen Milady?
Zuletzt geändert von Savea Falkenlohe am Montag 4. Februar 2008, 19:29, insgesamt 2-mal geändert.
Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Besuche

Sie wußte, Shaya würde kommen und sie besuchen. Rotghar und Selissa aber vor der Zelle zu sehen, die sich überzeugen wollten, ob es ihr gut ginge, hatte sie überrascht und auch irgendwie gerührt.
Selbst die Worte Rotghars rührten sie auf eine Weise an, vielleicht aber auch mehr die Überzeugung, mit der er sie aussprach.
„Wo.. wo Herr Rotghar lassen wir unsere Wut?“
„Sucht euch einen Sack und prügelt so lange auf ihn ein bis ihr vor Müdigkeit umfallt. Schreit wenn ihr allein seid sucht euch ein paar Kreaturen des Dunkels und schickt sie ins Jenseits.“
„Ich habe mich lange nicht derart müde gefühlt Herr Rotghar.“
„Dann stellt Euch einmal vor wie es der Lady geht. Erst wird ihr Verlobter in Stücken zurückgeschickt und dann werden der Reihe nach ihre Bediensteten, für die sie wahrlich wie eine Mutter empfindet entführt und gequält. Und das sind nur die großen Ereignisse der letzten Zeit.“
„Wie eine Mutter?“
„In der Tat. Meint Ihr wirklich sie würde den ganzen Schmerz ertragen den ihr der Haushalt durch dies und jenes zufügt, wenn sie uns nicht lieben würde?“
Abgesehen von der Tatsache Herr Rotghar, dass ich Miladys ältere Schwester sein könnte, klingt es, in Eurer Überzeugung, anrührend.. irgendwie. unschuldig. Gedanken eines Kindes, welches sein Urvertrauen in die Mutter nicht verloren hat. Nur die Kleinigkeit, dass sie nicht meine Mutter ist, nie sein kann und Sorge sicher nicht mit Liebe verwechsel, stört das Bild, dass Ihr aufzeichnen möchtet.

„Unrecht mit Unrecht zu vergelten macht daraus immer noch kein Recht Savea. Es macht die Toten auch nicht lebendig wenn ihr jeden Agrona tötet, der Euch vor den Bogen kommt. Das Einzige was Ihr dadurch erreicht ist, dass Ihr Euch selbst schuldig macht. Im ersten Moment würde die Rache vielleicht gut tun, aber ihr seid kein schlechter Mensch Savea es würde Eure Seele belasten. Und ihr würdet Euch den Rest Eures Lebens Vorwürfe machen.“
„Und wo bleibt die Gerechtigkeit Herr Rotghar?“
„Für so etwas gibt es keine irdische Gerechtigkeit. Wir können nur versuchen ihnen die Fehler Ihres Handelns aufzuzeigen, so sie Einsicht zeigen, ist die Reue ihre Strafe.“
„Indem man ihnen die Chance gibt zu einem ehrenhaften Duell, welches sie auch noch gewinnen können?“
„Ich kenne die Anguren nicht... ich weiß nicht wie sie denken. Vielleicht sehen sie ihre Fehler ein, wenn sie unterliegen. Vielleicht sehen sie es so, dass derjenige der Recht hat, das Duell gewinnt.“

Genau das war der Punkt.. oder zumindest einer. Was, wenn sie gewinnen würden? Was wenn sie die Hälfte der Duelle gewinnen würden? Was wenn ein oder zwei der Duelle von ihnen gewonnen werden würde? Wären die Toten im Lager dann nur halb gestorben an Hunger und Kälte? Wäre dann nur ein Teil von Agronas gestraft und der andere dürfte sich das Recht nehmen zu meinen, sie hätten das Recht gehabt zu tun, was sie taten?
Was, wenn Milady schwer verletzt würde? Durchaus ein Punkt, über den sie sich neben ihrer Wut bewußt war und bisher für sich behalten hatte, bis Selissa kam.
„Ich hoffe auch, dass sie ihre Strafe bekommen, Fräulein Savea, glaubt mir.“
„Fräulein Selissa... ich will nicht.. dass Milady auch nur ein Duell verlieren könnte.. will nicht, dass sie verletzt wird.. will nicht, dass auch nur einer der Agronas meinen könnte, sie hätten ein Fitzel Recht dazu gehabt, was sie getan haben.“
„Das will ich auch nicht.“
„Wenn Milady sich duelliert, liegt es aber im Bereich des Möglichen.“
Jener Umstand, dass Milady sich für Shaya und sie zur Verfügung stellen wollte, um Vergeltung zu üben, um den Agronas aufzuzeigen, dass sie nicht rechtens gehandelt hatten und die Möglichkeit bestand, dass sie schwer verletzt werden könnte, machte die Aussicht darauf, dass die Wut vergehen könnte, nahezu unmöglich. Denn.. würden sie Milady ein Haar krümmen, würde Savea die Agronas auch dafür hassen.

„Und wenn Darna gewinnen würde, würde das eure ..Wut.. dämpfen?“
„Wie kann ich das wissen und beantworten?“
„Naja..was denkt ihr?“
„Dass ich beruhigt wäre, wenn sie nicht wegen uns schwer verletzt würde. Das ist alles was ich sagen kann.“
„Seid ihr wütend auf Darna, weil sie euch hier her gebracht hat?“
„Ja, das bin ich.“
„Hm.. ich glaube ich wäre es auch. Auch wenn sie nur aus Sorge gehandelt hat. Wir können auch schwer nachvollziehen, was ihr durch gemacht habt. Und wäre Darna an eurer Stelle, würde sie sicher auch nicht Ja und Amen sagen.“
Richtig Fräulein Selissa.. sie hätte die Möglichkeit ihnen den Handschuh vor die Füße zu werfen und selbst ihr Recht einzufordern.
Als sie an die Gespräche zurück dachte, schob sie sich gedankenverloren eine der Kirschen in den Mund, die Selissa ihr durch die Zellentür gereicht hatte, wo auch immer sie diese her gezaubert hatte.

Und Shaya.. Wechselbad der Gefühle.. einerseits verständnisvoll, andererseits so ganz anders aufgewachsen und die Dinge aus anderem Licht betrachtend. So gutgläubig, zuweilen fast zu vertrauensselig. Da war Auseinandersetzung oftmals vorprogrammiert. Bisher hatten sie es jedoch immer geschafft, wieder zueinander zu finden.
„Du hättest werden können wie dein Vater Savea, bist du aber nicht.“
Und du Shaya hast viel von deiner Mutter.. weißt es aber vielleicht nicht einmal.
„Zuzulassen, dass sie sich für uns duelliert Savea... heißt vielleicht nur ...nicht hinzunehmen, sondern etwas auch einmal annehmen zu können?“
Ein weiterer Punkt, der es so schwer macht Shaya. Immer haben wir unsere Dinge selbst geregelt.. sie selbst regeln müssen. Nun sollen wir uns auf andere verlassen? Gottvertrauen.. Miladyvertrauen. Etwas aus den Händen geben, was in die eigenen gehört? Soviel ohnmächtige Wut.

„Braucht Ihr etwas?“ Fragte der freundliche Gardist von nebenan und unterbrach das Gespräch zwischen ihr und Shaya.
„Nein danke, ich habe alles was ich brauche.. außer der Freiheit gehen zu können, wohin ich möchte.“
„Nun die Zelle ist auch eigentlich ein Ort des Nachdenkens. Da benutzt man nur den Kopf und dafür ist der Raum sicherlich groß genug.“
Gewiß, wenn der Kopf so klein ist, dass drei Schritt mal vier Schritt ausreichen würden. Gefühlte Kopfgröße betrug aber mindestens einmal ums Elbenausche Anwesen herum, durch Wohnzimmer und Küche, die Treppe hinauf und wieder hinunter.
„Danke, ich werde es mir merken.“
„Na gut, dann will ich nicht mehr weiter stören. Einen schönen Abend noch. Wenn etwas sein sollte ich werde irgendwo im Kastell anzutreffen sein.“
„Ich hoffe, der freie Gang draußen, hindert Euch nicht beim Denken.“

Drei Schritt mal vier Schritt, kein Fenster, eine dicke Wolldecke.
Wie lange noch?
Savea Falkenlohe
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Beitrag von Savea Falkenlohe »

Nach einem kurzen Disput zwischen Milady und seiner Ehren war sie aus der Zelle gelassen worden. Seine Ehren hatten deutlich gemacht, niemanden gefangen zu halten, der noch! Nichts getan hätte. Sollte sie aber, wäre ihr der Kerker sicher. Milady gab nicht minder deutlich zum Ausdruck, dass sie nicht vorgehabt hätte, Savea weiterhin dort zu lassen.
Was Savea nicht verstand, war die Finte, die er anwandte, um ihr Angst zu machen.
Im Kerker passieren Dinge, die sich nicht nachweisen lassen.. schlimme Dinge?
Herrjeh! Sie wußte, was Angst zu haben heißt... aber sie kannte auch das Gefühl der hilflosen Wut. Sie hörte, wie Milady seine Ehren aufforderte, es zu unterlassen, die Gardisten in ein schlechtes Licht zu rücken, nur um sich der Annahme zu bedienen, damit Savea von ihrem Vorhaben abzubringen. Nur kurz darauf entschuldigte sich seine Ehren für die Notlüge und nicht lang danach sah sie sich Darna gegenüber.
Die Frage nach dem, was sie nun vor hätte, blieb Savea ihr schuldig.
Auch die Antwort auf eine zweite Frage stand noch aus, obwohl sie nie gestellt worden war.
Savea wußte, Milady wollte sie auf die Probe stellen.
Es ist kein Spiel Milady. Und wenn ich nicht über ‚Los‘ gehe und keine zwei Beutel Münzen bekomme, soll es mir vielleicht auch egal sein.

So war sie dann auch nicht sonderlich überrascht, dass sie ins Anwesen gebracht wurde und Milady verlauten ließ, es gäbe kein ‚Hausarrest‘. Schön, sie war also frei.. weshalb wollte sich dann nicht auch das dazu gehörige Gefühl einstellen?
Nicht mehr nachdenken, funktionieren. Sie wärmte die Suppe auf, richtete die Speisen an, servierte, für drei.. Milady, Shaya und Luca. Sie selbst hatte bereits gegessen, als noch niemand wußte, wann sie die Zelle wieder verlassen dürfe.
In der Luft hing Spannung. Etwas, was jederzeit hätte dazu führen können, dass etwas explodiert. Vielleicht war es nur die Frage wann, wie und vor allem wer.
Ehe die Luft sich jedoch weiter verdichten konnte, erhob sich Milady und verließ das Anwesen.
Kurz darauf stürzte Shaya aus dem Haus, Richtung Stadtgraben. Die Suppe! Sie hatte nicht drauf geachtet, was sie da eigentlich aufgewärmt hatte. Fischsuppe! Sie lief ihr nach, Lucas Geschrei hinter sich lassend.
„Was war in dem Essen? Hast du es vergiftet? Deshalb wolltest du davon selber nichts essen! Du wolltest uns alle umbringen!“
Hätte ich es vergiftet, hättest nur du ein Schüsselchen davon bekommen, du kleiner Giftzwerg!
Sie kniete sich neben Shaya am Rand des Stadtgrabens und hielt ihr die Haare hilfreich zur Seite. „Das hab ich nicht gewollt. Es tut mir leid.“
Nachdem die Fische samt Suppe dort waren, wo sie ursprünglich herkamen, rappelten sie sich hoch und nahmen Kurs aufs Haus. Savea lief etwas schneller, öffnete die Haustür, ließ sie für Shaya offen und trat zwei Schritt ein. Die beiden Hausgardisten waren nicht zu sehen, machten gerade ihre Runde.
Gerade wollte sie ansetzen, einen dritten Schritt Richtung Küche zu machen, um einen Magen beruhigenden Tee aufzusetzen, erscholl von draußen ein Schrei.
„SAVEA!“ Sie hatte Shaya nie zuvor so schreien gehört. Angst, Schrecken und Panik vermischten sich in jenem Ruf. Sie machte kehrt und stürzte hinaus.
„Shaya?“
„ Paß auf, er ist hier irgendwo!“
„Wer Shaya? Wer?“
„Der Alte!“
Ihr Herz setzte für einen Moment aus. Angst und Wut rangen miteinander. Sie machte zwei Schemen im Dunkel aus. Ein Klimpern im Wind, herrührend von den Anhängseln am Stab des Alten.
Hier tust du keinem etwas an!
Sie stürmte vorwärts, in Richtung des Klimperns, die Hände leicht nach vorn ausgestreckt, in dem Willen, ihn einfach nur umzureißen.
„Jall!“
Es wurde augenblicklich Nacht, als seine Faust auf ihre Nase krachte.
Sie kam zu sich, weil es kalt war.. verdammt kalt.. eiskalt... am Kopf.
Sie spuckte etwas Schnee aus, fand sich gedreht und auf die Füße gestellt. Es dauerte einen Moment, ehe sie begriff, dass er sie kopfüber in den Schnee gestukt hatte, damit sie wieder zu Sinnen kam.. oder sie zu ersticken? Kein Platz, für wirklich gerade Gedanken. Vor und im Haus brüllten Shaya und Luca.

Beide hatten sich bewaffnet, Shaya den Bogen, einen Pfeil, Luca eine Art Machete.
Nachdem der Pfeil, ungezielt geschossen im Schnee versank, unternahm Savea einen neuen Versuch, den Alten zu Boden zu befördern. Nur kurz blitzte im Hinterkopf Verwunderung auf, dass er nicht mehr so mager schien, wie vor noch kurzer Zeit.
Es folgte verbissenes Gerangel. Savea versuchte die Hände an den Hals des Alten zu bekommen, Luca gelang es, ihm einen Schnitt über zwei Finger zu ziehen und Shaya bemühte sich, aus dem Haus zu kommen, nachdem Luca sie dort eingesperrt hatte.
Als sie auf die drei anderen zu stürmte, machte der Alte dem heillosen Durcheinander ein Ende. Luca und Savea fanden sich bewegungsunfähig auf dem Boden wieder, während sich die Erde unter Shayas Füßen eines Eigenlebens bemächtigte und sie mit flink wachsendem Gestrüpp um die Beine am Laufen hinderte.
Der Alte verschwand in der Dunkelheit der Nacht.

Als der ‚Zauber‘ sich verflüchtigte, kämpften sie sich hoch und ins Haus.
„Ho, Savea...? Besser du holst die Lady.“
„Ich.. ich weiß nicht wo sie ist Luca.“
„Schloß.“
„Und was glaubst du wird sie tun, hm? Uns bedauern?“
„Uns beschützen.“
„Oh, dafür käme sie einen Augenblick zu spät.“
„Mach schon! Bevor er wiederkommt mit mehr.“
„Er wird nicht wieder kommen.. nicht jetzt.. nicht diese Nacht.“
„Hol sie!“

Nachdem sie noch ein paar ‚Nettigkeiten‘ ausgetauscht hatten, machte sie sich auf den Weg zum Schloß. Sie wußte, Darna würde nicht sonderlich erfreut reagieren, aber weder hatte sie die Kraft sich weiter mit Luca auseinander zu setzen, noch wollte sie es. Irgendwie tat er ihr leid, auch wenn sie ihn so angegangen war. Sein Mut hatte wenigstens die Aufmerksamkeit Darnas verdient.
Als sie das Schloß erreichte, war sie in einem Zustand verrückter Entschlossenheit, dafür Sorge zu tragen, dass Darna mit ihr käme.. und wenn sie Milady am Kragen...

„Alles in O...?“
„Nach Hause _Milady_! Jetzt!“
„Aha? Und warum?“
Eure an den Tag gelegte Gleichgültigkeit und der Trotz in Eurer Stimme Milady, ist mir gerade herzlich egal.
„Shaya und Luca benötigen Euren Beistand Milady. Und zwar dort, wo Ihr Euer zu Hause zu nennen pflegt, oder sollte sich daran etwas gändert haben?“
„Man könnte...“
Als Darna sich abwendete, fügte sie, alles auf eine Karte setzend, an.
„Ich kann natürlich auch seine Hoheit bitten!“
„Lasst ihn in Ruhe, oder es setzt was.“
„Ihr geht also nach Hause.. jetzt?“
„Ich bin dabei, das Buch wegzulegen - jetzt - um das zu tun.“
Innerliches Aufatmen, trotz Darnas deutlicher Verärgerung.

Vielleicht war es nicht ganz das, was der Junge sich gewünscht hatte, vielleicht war es aber auch nur wichtig, dass Darna da war. Egal wie lange, egal welcher Stimmung.
Distanziert hörte Darna sich an, was Luca und Shaya zu sagen hatten, dann versorgte sie die beiden mit Heil- und Schlaftränken und brachte sie zu Bett.
Savea nahm den Heiltrank ebenfalls zu sich, den Schlaftrunk vorerst nicht.
Sie redeten nicht viel.. vermutlich gab es auch kaum noch etwas zu sagen, Resignation auf beiden Seiten.
Vermutlich hielt auch deshalb Darna nichts für den Rest der Nacht in ihrem Haus.
„Wenn Luca was Ernsteres hat, holt einen Heiler.“
„Natürlich Milady.“
„Wenn _irgend jemand_ was Ernsteres hat.“
„Jawohl Milady.. wenn _irgend jemand_ etwas ernsteres hat.“
Und wenn nicht, wird auch _irgend jemand_ weiterhin kochen, putzen und sich um das Wohl Miladys sorgen, auch wenn es nicht immer danach aussehen mochte...
Zuletzt geändert von Savea Falkenlohe am Mittwoch 6. Februar 2008, 18:22, insgesamt 1-mal geändert.
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