Der Weg zu sich selbst
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Mor Varnos
Der Weg zu sich selbst
Der Wind riss an ihrem schlichten Hemd wie auch an den wenigen, schwarzen Strähnen, die sich aus ihrem einfachen Zopf gelöst hatten und immer wieder in ihr Gesicht reinpeitschten. Sie hatte es eh schon aufgegeben, sie zurück zu streichen. Stattdessen starrte sie nun schon... wie lange genau? Lange genug jedenfalls... raus aufs Meer, während sie auf den Stufen im Hafen von Rahal sass.
Das war also ihre neue Heimat.
Was sollte sie nun empfinden? Zufriedenheit?
Wie denn, wenn man kein Dach über den Kopf hatte, nur wenig zu Essen, eine potthässliche, aber eben günstige Rüstung aus Kupfer, dazu das alte Schwert an der Seite. Wie sollte schon Zufriedenheit aufkommen, wenn man niemanden kannte, niemandem traute (vielleicht war es auch eine perfide Art von Schüchternheit, die sie sich nicht eingestehen wollte - niemals!) und die Stadt kein brodelnder, lebendiger Hexenkessel wie ihre alte Heimat war, in dem man jederzeit wunderbar untertauchen konnte und wo man jede noch so kleine, verwinkelte Gasse kannte. Hier in Rahal dagegen verirrte sie sich alle naselang, auch wenn dieser Ort mehr eine Kleinstadt war, im Gegensatz zu ihrer alten Heimat.
Sie zog ihre Mundwinkel hinab und gab ihrem meist ernsten Gesicht eine wie so oft deutlich missmutige Komponente. "Flieh nach Rahal!" war sein letzter Ruf und sie war, wie immer in den letzten Jahren, diesem Befehl gefolgt, doch dieses Mal verfluchte sie sich dafür. Lieber wäre ihr es nun gewesen, sie wäre nach all der Zeit ungehorsam geworden und hätte sich diesem Befehl widersetzt.
Sicher, sie wäre dann auch tot, aber wenigstens sässe sie dann nicht hier in dieser seelischen Verfassung. Wäre sie noch die, die sie vor 10, 15 Jahren gewesen war, sie hätte nun einfach geweint. Es wäre sicher angenehm befreiend gewesen, dachte Mor bei sich, fast etwas wehmütig der Gedanke.
Sie blinzelte und schaute auf zu den tiefhängenden, grauen Wolken am Himmel, hier und da schwebten Möwen auf dem Wind sanft auf und ab, kreischten dazu, während unter ihr das Wasser gegen die Kaimauer schlug und gluckste. Einen kurzen Moment lang schien in ihr etwas zu wanken. Einen Moment lang schien etwas in ihr nachzugeben, bekam der Damm, der ihre Gefühl so zuverlässig aufhielt, einige dünne Risse, doch dann atmete sie tief ein und erinnerte sich an die Worte ihres Herrn und Meisters. Sie schloss die grünen Augen, in denen kurzzeitig ein Sturm zu toben schien, ihre Haltung verspannte sich etwas, ehe sie sie straffte und sie rief sich seine Lektionen ins Gedächtnis. Auch die unangenehmen, waren doch die stets die lehrreichsten gewesen. Dann öffneten sich ihre Augen wieder langsam und sie richtete den starren, entschlossen Blick wieder hinaus zum Horizont.
Nein, sie blieb standhaft.
Sie würde durchhalten, sie würde ihre Stärke demonstrieren und an seinem letzten Befehl nicht zweifeln.
Hier war sie nun in Rahal und sie würde sich durchbeissen - ihm zu Ehren und zu Ehren des Allmächtigen.
Das war also ihre neue Heimat.
Was sollte sie nun empfinden? Zufriedenheit?
Wie denn, wenn man kein Dach über den Kopf hatte, nur wenig zu Essen, eine potthässliche, aber eben günstige Rüstung aus Kupfer, dazu das alte Schwert an der Seite. Wie sollte schon Zufriedenheit aufkommen, wenn man niemanden kannte, niemandem traute (vielleicht war es auch eine perfide Art von Schüchternheit, die sie sich nicht eingestehen wollte - niemals!) und die Stadt kein brodelnder, lebendiger Hexenkessel wie ihre alte Heimat war, in dem man jederzeit wunderbar untertauchen konnte und wo man jede noch so kleine, verwinkelte Gasse kannte. Hier in Rahal dagegen verirrte sie sich alle naselang, auch wenn dieser Ort mehr eine Kleinstadt war, im Gegensatz zu ihrer alten Heimat.
Sie zog ihre Mundwinkel hinab und gab ihrem meist ernsten Gesicht eine wie so oft deutlich missmutige Komponente. "Flieh nach Rahal!" war sein letzter Ruf und sie war, wie immer in den letzten Jahren, diesem Befehl gefolgt, doch dieses Mal verfluchte sie sich dafür. Lieber wäre ihr es nun gewesen, sie wäre nach all der Zeit ungehorsam geworden und hätte sich diesem Befehl widersetzt.
Sicher, sie wäre dann auch tot, aber wenigstens sässe sie dann nicht hier in dieser seelischen Verfassung. Wäre sie noch die, die sie vor 10, 15 Jahren gewesen war, sie hätte nun einfach geweint. Es wäre sicher angenehm befreiend gewesen, dachte Mor bei sich, fast etwas wehmütig der Gedanke.
Sie blinzelte und schaute auf zu den tiefhängenden, grauen Wolken am Himmel, hier und da schwebten Möwen auf dem Wind sanft auf und ab, kreischten dazu, während unter ihr das Wasser gegen die Kaimauer schlug und gluckste. Einen kurzen Moment lang schien in ihr etwas zu wanken. Einen Moment lang schien etwas in ihr nachzugeben, bekam der Damm, der ihre Gefühl so zuverlässig aufhielt, einige dünne Risse, doch dann atmete sie tief ein und erinnerte sich an die Worte ihres Herrn und Meisters. Sie schloss die grünen Augen, in denen kurzzeitig ein Sturm zu toben schien, ihre Haltung verspannte sich etwas, ehe sie sie straffte und sie rief sich seine Lektionen ins Gedächtnis. Auch die unangenehmen, waren doch die stets die lehrreichsten gewesen. Dann öffneten sich ihre Augen wieder langsam und sie richtete den starren, entschlossen Blick wieder hinaus zum Horizont.
Nein, sie blieb standhaft.
Sie würde durchhalten, sie würde ihre Stärke demonstrieren und an seinem letzten Befehl nicht zweifeln.
Hier war sie nun in Rahal und sie würde sich durchbeissen - ihm zu Ehren und zu Ehren des Allmächtigen.
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Mor Varnos
Ein anderer, lichter Ort, an dem sie nun sass. Wieder allein mit ihren Gedanken, während ihr Blick aus den grünen, nachdenklichen Augen über die liebevoll gehegten und gepflegten Fassaden der Fachwerkhäuser Varunas strich. Ein Stück einfaches, fast schon etwas hartes Brot kaute sie still, während ihre Gedanken ihren Lauf nahmen.
Sie hatte sich etwas umgesehen, war durch die Wälder und über die Strassen gewandert, hatte sich nach Rahal Bajard und Berchgard angesehen, ehe sie es heute wagte und die Höhle des... war Höhle des Löwen passend? Zumindest für ihre Situation, ja... Löwen betrat. Hier wimmelte es, mehr als in Rahal, von Leben und sie musste sich durchaus eingestehen, dass Varuna recht hübsch anzusehen war. Auch die Gesellschaft, die sie zeitweilig genoss, empfand sie durchaus als angenehm.
Keiner wusste, wer sie war. Keiner wusste, welchen Gott sie verehrte. Sie grüsste, völlig neutral von jeglichem Glauben und zur Not hätte sie auch das geheuchelt. War es falsch? Es diente ja nur ihrem Überleben.
Wieviel Ehre durfte sie sich hier überhaupt erlauben? Sie wollte nicht in einem Topf landen mit feigem Diebes-, Räuber- und Meuchlerpack. Vielleicht war das eine Aufgabe, der sie sich die nächste Zeit widmen sollte - einen eigenen Ehrenkodex niederzuschreiben, einen, wie ihr einst ihr Meister gezeigt hatte und nach diesem leben und damit Alatar ehren. So wie ihr Meister...
Ihr Blick verlor sich irgendwo zwischen den Häusern, während sie seine Stimme wieder hörte, mal sanft, mal hart. Mal hasste sie ihn zutiefst, mal vergötterte sie ihn. Doch nun blieb nichts mehr, als ihn schmerzlich zu vermissen.
Wirklich schmerzlich?
Da war noch ein Teil in ihr, der auf ihren Wanderungen die letzten Tage über eines erkannte - sie war nun frei und ungebunden. Sie konnte sich herumwenden, wie sie wollte und so weit es mit ihrem eigenen Gewissen vereinbar war. Sie konnte ein ähnliches Bündnis eingehen, wie einst mit ihrem Meister. Oder sich einer Wache anschliessen, in Rahal vielleicht. Sie hatte alle Möglichkeiten und war freier noch als früher, als sie das erste Mal die Freiheit kosten wollte und schneller, als sie sich versah, im Pranger ihrer Heimatstadt wiederfand. Sie war erwachsen geworden, besonnener und hatte unter der strengen Hand ihres Meisters Tugenden erlernt, die es ihr leichter machten, zu überleben.
Überleben. Kurzzeitig hatte sie daran gezweifelt, dass sie überhaupt noch lange zu leben hätte. Die Flucht aus Dracis, die Entdeckung auf dem Schiff, der Sturm, dann kam sie in Rahal an und ehe sie sich versah, besass sie kaum mehr Geld. Zum Glück hatte sie nun eine Möglichkeit gefunden, zu Geld zu kommen und nebenher ihr Können etwas zu verbessern. Zwar waren diese Monstren keine angenehmen Zeitgenossen, mit denen man seine Zeit gerne verbrachte, aber das liess sie sie auch entsprechend spüren.
Sie wischte die Krümel des Brotes von ihrer Kleidung. Sie hatte sich schon immer durchgebissen und somit war diese Situation hier eh nichts Neues. Mor erhob sich von der Bank, sah sich einen Moment still um, ehe sie ihre Schritte schlendernd und scheinbar sorglos durch die Gassen von Varuna wandern liess.
Sie hatte sich etwas umgesehen, war durch die Wälder und über die Strassen gewandert, hatte sich nach Rahal Bajard und Berchgard angesehen, ehe sie es heute wagte und die Höhle des... war Höhle des Löwen passend? Zumindest für ihre Situation, ja... Löwen betrat. Hier wimmelte es, mehr als in Rahal, von Leben und sie musste sich durchaus eingestehen, dass Varuna recht hübsch anzusehen war. Auch die Gesellschaft, die sie zeitweilig genoss, empfand sie durchaus als angenehm.
Keiner wusste, wer sie war. Keiner wusste, welchen Gott sie verehrte. Sie grüsste, völlig neutral von jeglichem Glauben und zur Not hätte sie auch das geheuchelt. War es falsch? Es diente ja nur ihrem Überleben.
Wieviel Ehre durfte sie sich hier überhaupt erlauben? Sie wollte nicht in einem Topf landen mit feigem Diebes-, Räuber- und Meuchlerpack. Vielleicht war das eine Aufgabe, der sie sich die nächste Zeit widmen sollte - einen eigenen Ehrenkodex niederzuschreiben, einen, wie ihr einst ihr Meister gezeigt hatte und nach diesem leben und damit Alatar ehren. So wie ihr Meister...
Ihr Blick verlor sich irgendwo zwischen den Häusern, während sie seine Stimme wieder hörte, mal sanft, mal hart. Mal hasste sie ihn zutiefst, mal vergötterte sie ihn. Doch nun blieb nichts mehr, als ihn schmerzlich zu vermissen.
Wirklich schmerzlich?
Da war noch ein Teil in ihr, der auf ihren Wanderungen die letzten Tage über eines erkannte - sie war nun frei und ungebunden. Sie konnte sich herumwenden, wie sie wollte und so weit es mit ihrem eigenen Gewissen vereinbar war. Sie konnte ein ähnliches Bündnis eingehen, wie einst mit ihrem Meister. Oder sich einer Wache anschliessen, in Rahal vielleicht. Sie hatte alle Möglichkeiten und war freier noch als früher, als sie das erste Mal die Freiheit kosten wollte und schneller, als sie sich versah, im Pranger ihrer Heimatstadt wiederfand. Sie war erwachsen geworden, besonnener und hatte unter der strengen Hand ihres Meisters Tugenden erlernt, die es ihr leichter machten, zu überleben.
Überleben. Kurzzeitig hatte sie daran gezweifelt, dass sie überhaupt noch lange zu leben hätte. Die Flucht aus Dracis, die Entdeckung auf dem Schiff, der Sturm, dann kam sie in Rahal an und ehe sie sich versah, besass sie kaum mehr Geld. Zum Glück hatte sie nun eine Möglichkeit gefunden, zu Geld zu kommen und nebenher ihr Können etwas zu verbessern. Zwar waren diese Monstren keine angenehmen Zeitgenossen, mit denen man seine Zeit gerne verbrachte, aber das liess sie sie auch entsprechend spüren.
Sie wischte die Krümel des Brotes von ihrer Kleidung. Sie hatte sich schon immer durchgebissen und somit war diese Situation hier eh nichts Neues. Mor erhob sich von der Bank, sah sich einen Moment still um, ehe sie ihre Schritte schlendernd und scheinbar sorglos durch die Gassen von Varuna wandern liess.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Mittwoch 25. April 2007, 23:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Mor Varnos
Mor saß still am leise prasselnden Lagerfeuer vor dem Zelt der Greifen und stocherte etwas gedankenverloren in der Glut herum mittels eines dünnen Stockes. Über ihr prangten am nachtblauen HImmelszelt Myriaden von funkelnden Sternen, der Mond stand lediglich als schmale Sichel am Himmel. Vor ihr erhob sich nicht allzu weit eine schwarze Wand aus dunklen Bäumen, während zu ihrer rechten Seite rüber, nach Westen, das Meer rauschte. Es war ruhig, sah man von den wenigen Geräuschen der Nacht ab, wie das Rascheln im Gebüsch von nachtaktiven Tieren in der Nähe, flugs über sie hinweghuschende Fledermäuse und dann und wann das leise Schnauben von Pferden wie auch das Schnarchen der Männer im Zelt hinter ihr.
Nachdem sie tage- sogar wochenlang nur für sich gewandert hatte, nicht so recht gewusst hatte, wo ihr Platz hier auf Gerimor sein könnte, hatte sie offenbar endlich einen gefunden im Banner der Flammenden Greifen. Es war reiner Zufall gewesen, als sie mit diesem Mann, der sich wenig später als Jonath Grauwind vorstellte, in Rahal gesprochen hatte. Man hatte sich höflich gegrüsst, ein wenig über Belanglosigkeiten gesprochen, ehe ein paar Dinge anklangen, die sie neugieriger machten und sie ihm anbot, sich doch in die Taverne zu setzen. Es folgte ein langes Gespräch - über sein Leben, ihr Leben und letztlich über das Banner. Sie wurde hellhöriger - sie schienen das zu sein, was sie eigentlich suchte. Eine Gruppe ehrenvoller Streiter auf der Seite Rahals. Keine Mörder, keine blutgierigen Finsterlinge. Nein, die Ehre, das Vertrauen untereinander, den Schutz der Rahaler hatten sie sich auf ihre Fahne geschrieben. Sie suchte das kleine Lager am selbigen Abend noch auf, spielte sowohl mit Jonath, als auch mit Rothen etwas Karten und das erste Mal seit... sie wusste es selber nicht mehr genau, seit wann... trugen ihre sonst so ernsten Züge das ein oder andere Lächeln. Sie fühlte sich wohl - von Anfang an und offenbar waren auch die anderen guter Dinge, so dass sie noch am selben Abend in ihren Reihen als Anwärterin aufgenommen wurde.
Ein angenehmes, warmes Gefühl füllte ihr Herz noch immer aus, wenn sie an den Abend zurückdachte. Da mochten solche "Drohungen" wie Reitunterricht oder das bisher etwas missglückte Aufeinandertreffen mit einem anderen Greifen wenig ihre Stimmung trüben. Im Gegenteil - das Gespräch mit dem Hauptmann liess sie nicht mehr zweifeln, dass sie hier richtig aufgehoben war.
Eifrig hatte sie die letzten Tag trainiert. Häufig stand sie an den Trainingspuppen in Rahal oder versuchte sich im Übungskampf mit anderen Greifen. Unter der Anleitung Jonaths wurden ihre Angriffe auch tatsächlich immer geschickter, so dass sie kürzlich nach längerer Zeit wieder einen Gang hinab in die Sumpfkavernen bei Bajard wagte und tatsächlich hatten sich die Mühen ausgezahlt - war sie sonst nicht selten vor den meisten Gegnern geflüchtet, spürte sie nun selber, wie ihr Körper ihr mehr und mehr gehorchte, die Schläge koordinierter wurden und mehr Kraft hinter ihnen steckte. Hinzu kam auch die Plattenrüstung, die in den Farben der Greifen im Licht der Sonne förmlich wie Gold zu schimmern schien, dazu der flammendrote Umhang - stets trug sie sie mit Stolz, waren sie auch ein Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu dem Banner. Vor wenigen Wochen war so ein Auftreten noch undenkbar gewesen.
Undenkbar... nunja, ihr Leben bestand eben aus einer Aneinanderreihung von teilweise eigenwilligen Wendungen und allmählich war sie neugierig darauf, was sich hier auf Gerimor für sie in Zukunft ergeben würde. So oder so - sie hatte etwas gefunden, was sie gesucht hatte, ohne das sie zuvor wusste, was genau es war.
Nachdem sie tage- sogar wochenlang nur für sich gewandert hatte, nicht so recht gewusst hatte, wo ihr Platz hier auf Gerimor sein könnte, hatte sie offenbar endlich einen gefunden im Banner der Flammenden Greifen. Es war reiner Zufall gewesen, als sie mit diesem Mann, der sich wenig später als Jonath Grauwind vorstellte, in Rahal gesprochen hatte. Man hatte sich höflich gegrüsst, ein wenig über Belanglosigkeiten gesprochen, ehe ein paar Dinge anklangen, die sie neugieriger machten und sie ihm anbot, sich doch in die Taverne zu setzen. Es folgte ein langes Gespräch - über sein Leben, ihr Leben und letztlich über das Banner. Sie wurde hellhöriger - sie schienen das zu sein, was sie eigentlich suchte. Eine Gruppe ehrenvoller Streiter auf der Seite Rahals. Keine Mörder, keine blutgierigen Finsterlinge. Nein, die Ehre, das Vertrauen untereinander, den Schutz der Rahaler hatten sie sich auf ihre Fahne geschrieben. Sie suchte das kleine Lager am selbigen Abend noch auf, spielte sowohl mit Jonath, als auch mit Rothen etwas Karten und das erste Mal seit... sie wusste es selber nicht mehr genau, seit wann... trugen ihre sonst so ernsten Züge das ein oder andere Lächeln. Sie fühlte sich wohl - von Anfang an und offenbar waren auch die anderen guter Dinge, so dass sie noch am selben Abend in ihren Reihen als Anwärterin aufgenommen wurde.
Ein angenehmes, warmes Gefühl füllte ihr Herz noch immer aus, wenn sie an den Abend zurückdachte. Da mochten solche "Drohungen" wie Reitunterricht oder das bisher etwas missglückte Aufeinandertreffen mit einem anderen Greifen wenig ihre Stimmung trüben. Im Gegenteil - das Gespräch mit dem Hauptmann liess sie nicht mehr zweifeln, dass sie hier richtig aufgehoben war.
Eifrig hatte sie die letzten Tag trainiert. Häufig stand sie an den Trainingspuppen in Rahal oder versuchte sich im Übungskampf mit anderen Greifen. Unter der Anleitung Jonaths wurden ihre Angriffe auch tatsächlich immer geschickter, so dass sie kürzlich nach längerer Zeit wieder einen Gang hinab in die Sumpfkavernen bei Bajard wagte und tatsächlich hatten sich die Mühen ausgezahlt - war sie sonst nicht selten vor den meisten Gegnern geflüchtet, spürte sie nun selber, wie ihr Körper ihr mehr und mehr gehorchte, die Schläge koordinierter wurden und mehr Kraft hinter ihnen steckte. Hinzu kam auch die Plattenrüstung, die in den Farben der Greifen im Licht der Sonne förmlich wie Gold zu schimmern schien, dazu der flammendrote Umhang - stets trug sie sie mit Stolz, waren sie auch ein Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu dem Banner. Vor wenigen Wochen war so ein Auftreten noch undenkbar gewesen.
Undenkbar... nunja, ihr Leben bestand eben aus einer Aneinanderreihung von teilweise eigenwilligen Wendungen und allmählich war sie neugierig darauf, was sich hier auf Gerimor für sie in Zukunft ergeben würde. So oder so - sie hatte etwas gefunden, was sie gesucht hatte, ohne das sie zuvor wusste, was genau es war.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Freitag 29. Juni 2007, 11:36, insgesamt 7-mal geändert.
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Mor Varnos
Das Wiesel
Rasch tänzelte ein Paar Füße umher, schien kaum am Boden zu verharren und wirbelte immer wieder den Staub des Kampfringes leicht auf. Aufmerksam lag der Blick aus den moosgrünen Augen, aufgewühlt nun mehr dem Meer bei einem Sturm ähnelnd, auf ihrem Gegenüber - Bronn Siebenschneid, ein Greif wie sie... wie sie.
Jeder Hieb von ihm mit seiner hölzernen Waffe war nichts gegen das angenehme und warme Gefühl in ihrem Herzen, wenn sie daran dachte, wohin sie nun gehörte. Etwas, wofür es sich lohnte zu kämpfen, auch wenn es nicht immer einfach war, aber gerade das machte die Sache doch so interessant. Etwas, wo sie mit ihrem sturen Kopf immer wieder gegen Wände rennen konnte. Etwas, was sie am späten Abend erschöpft und jeden Muskeln schmerzhaft spürend auf ihren harten Schlafplatz im Zelt der Greifen sinken liess. Etwas, wofür es sich lohnte besser zu werden und vor allem - schneller.
Rasch umtänzelte sie ihn, ihr Körper schien an keiner Stelle Ruhe zu kennen, während ihr Blick versuchte seinen Bewegungen zu folgen und seine Angriffe vorauszuahnen. Ihren Schild setzte sie nur dann und wann ein, um ihn damit zu rammen oder zu verwirren. Bronns Hieben jedoch wich sie, so rasch sie konnte, aus, duckte, wirbelte herum. "Wiesel" hatte er sie am gestrigen Abend genannt und ihr gefiel dieser Beiname. Sie hatte ihn nicht anrempeln und zum Wanken bringen können, aber sie hatte einen rasanten Kampfstil gefunden - mit jedem Übungskampf fing sie an mehr und mehr in einem immer rascher werdenden 'Tanz' zu verfallen. Die Füsse kaum stillhaltend, keine Faser ihres Körpers ruhte. Statt ihrer Stärke, setzte sie mehr auf ihre Geschwindigkeit und ihre Ausdauer. Diese brauchte sie wahrlich, denn am Ende taumelte sie doch schwer atmend wieder zurück an den Rand des Ringes.
Es war einer dieser Moment des Luftholens, den Kopf in ihren Nacken gelegt und die Augen einen Moment geschlossen, den Augenblick der Ruhe nutzend, als die Erinnerung an den frühen Abend zurückkehrte, als sie auf den Skelettmagier gehastet war, dieser jedoch sie mit unsichtbaren Fäden hielt und ihr sein stetes Grinsen triumphierend zeigte. Sie war zu langsam.
Es war auch an diesem frühen Abend, als sie auf einen zweiten dieser Sorte zurannte, ihn versuchte zu umtänzeln, damit er ja nicht so rasch entwischen konnte, doch als er zu Boden ging, blitzten in der Luft unter einem wirr-melodischen Sirren Klingen auf und setzten sich wild wirbelnd zusammen, ehe sie rasend schnell auf sie zurasten. Ihre Versuche, gegen dieses Wesen anzukommen, schlugen fehl und sie versuchte ihm zu entkommen. Sie war wieder zu langsam.
Nein, dachte sie sich in diesem Moment des Luftholens während ihrer Übung mit Bronn und Rothen, das sollte nicht wieder vorkommen. Sie würde ihrem Namen in Zukunft alle Ehre machen, egal wieviel Schweiss es sie kosten würde.
"Wiesel!" Sie blinzelte, sah hinüber zu Bronn. Ein Schmunzeln wie so oft lag auf seinen Zügen, ehe sie ihre Waffen erhoben, um sie erneut zu kreuzen.
Jeder Hieb von ihm mit seiner hölzernen Waffe war nichts gegen das angenehme und warme Gefühl in ihrem Herzen, wenn sie daran dachte, wohin sie nun gehörte. Etwas, wofür es sich lohnte zu kämpfen, auch wenn es nicht immer einfach war, aber gerade das machte die Sache doch so interessant. Etwas, wo sie mit ihrem sturen Kopf immer wieder gegen Wände rennen konnte. Etwas, was sie am späten Abend erschöpft und jeden Muskeln schmerzhaft spürend auf ihren harten Schlafplatz im Zelt der Greifen sinken liess. Etwas, wofür es sich lohnte besser zu werden und vor allem - schneller.
Rasch umtänzelte sie ihn, ihr Körper schien an keiner Stelle Ruhe zu kennen, während ihr Blick versuchte seinen Bewegungen zu folgen und seine Angriffe vorauszuahnen. Ihren Schild setzte sie nur dann und wann ein, um ihn damit zu rammen oder zu verwirren. Bronns Hieben jedoch wich sie, so rasch sie konnte, aus, duckte, wirbelte herum. "Wiesel" hatte er sie am gestrigen Abend genannt und ihr gefiel dieser Beiname. Sie hatte ihn nicht anrempeln und zum Wanken bringen können, aber sie hatte einen rasanten Kampfstil gefunden - mit jedem Übungskampf fing sie an mehr und mehr in einem immer rascher werdenden 'Tanz' zu verfallen. Die Füsse kaum stillhaltend, keine Faser ihres Körpers ruhte. Statt ihrer Stärke, setzte sie mehr auf ihre Geschwindigkeit und ihre Ausdauer. Diese brauchte sie wahrlich, denn am Ende taumelte sie doch schwer atmend wieder zurück an den Rand des Ringes.
Es war einer dieser Moment des Luftholens, den Kopf in ihren Nacken gelegt und die Augen einen Moment geschlossen, den Augenblick der Ruhe nutzend, als die Erinnerung an den frühen Abend zurückkehrte, als sie auf den Skelettmagier gehastet war, dieser jedoch sie mit unsichtbaren Fäden hielt und ihr sein stetes Grinsen triumphierend zeigte. Sie war zu langsam.
Es war auch an diesem frühen Abend, als sie auf einen zweiten dieser Sorte zurannte, ihn versuchte zu umtänzeln, damit er ja nicht so rasch entwischen konnte, doch als er zu Boden ging, blitzten in der Luft unter einem wirr-melodischen Sirren Klingen auf und setzten sich wild wirbelnd zusammen, ehe sie rasend schnell auf sie zurasten. Ihre Versuche, gegen dieses Wesen anzukommen, schlugen fehl und sie versuchte ihm zu entkommen. Sie war wieder zu langsam.
Nein, dachte sie sich in diesem Moment des Luftholens während ihrer Übung mit Bronn und Rothen, das sollte nicht wieder vorkommen. Sie würde ihrem Namen in Zukunft alle Ehre machen, egal wieviel Schweiss es sie kosten würde.
"Wiesel!" Sie blinzelte, sah hinüber zu Bronn. Ein Schmunzeln wie so oft lag auf seinen Zügen, ehe sie ihre Waffen erhoben, um sie erneut zu kreuzen.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Samstag 18. August 2007, 01:32, insgesamt 2-mal geändert.
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Mor Varnos
Einen metallenen Hering nach dem anderen zog sie aus dem Boden, während andere Greifen die Stecken rauszogen, die das Zelt straff in die Höhe gehalten hatten. Beständig fiel dabei ein feiner Nieselregen, der allmählich Haare und Kleidung durchweichte, doch es störte keinen von ihnen. Im Gegenteil, mochte man meinen, denn insgeheim waren sie doch froh, wieder hinaus aus der Stadt zu können, zurück an den alten Platz.
Ein Gefühl, das auch Mor teilte, doch mehr aus anderen Gründen.
Es hatte sie weniger gestört, innerhalb Rahals Mauern zu nächtigen. Sie war ein Stadtkind, einstmals ein verlotterter Streuner gewesen und war mit den Geräuschen und Gerüchen eines wahren Molochs von einer Stadt aufgewachsen, samt den Gefahren, die in mancher Gasse gelauert hatte. Es hatte einen anderen Grund, warum sie froh darüber war, dass es zurückging auf die weite Wiese und die Tore wieder frei passierbar waren.
Die Pest in Varuna war überstanden.
Viel hatte sie nicht darüber gewusst. Sie war erkältet gewesen und hatte mehr das Feuer und das Zelt gehütet, als die Kunde von der Seuche an ihr Ohr drangen und dass die Greifen in die Stadt Rahal einziehen mussten. Sie hatte sie für eine dieser Seuchen gehalten, die immer mal wieder aufflammten, denn auch in Dracis kam es oft genug vor, dass in den ärmeren Vierteln - und daran war die Stadt wahrlich 'reich' gewesen - Krankheiten sich rasch verbreiteten und wie ein steter Würgegriff zusammen mit der Armut und dem Hunger die dortigen Einwohner festhielt.
Doch beim Gespräch gestern in der Taverne kam eine gewisse Unsicherheit darüber auf, dass es nur Zufall gewesen sein mochte. Es war dieser Kommentar der Ritterin gewesen, der in ihrem Kopf ein kleines "Was wäre wenn"-Spielchen auslöste.
Was wäre, wenn Rahal dahinterstecken würde?
Ihr gefiel die Vorstellung nicht und sie schob sie rasch beiseite. Sie wusste eh nichts Genaues und nun war es ihr sogar lieb, wenn sie es auch weiterhin nicht tat. Gewiss - sie war eine Gläubige Alatars, aber ihre Waffe war auch eben das Schwert, keine Krankheiten. Sie konnte mit ihrer Waffe noch halbwegs selber entscheiden, wen sie niederschlug. Eine Krankheit jedoch sucht sich wahllos jeden aus, um ihn niederzuraffen und stoppte damit auch nicht vor Kindern und Alten.
Irgendwann jedoch hatte sie sich geschworen, lieber aufgrund von Ungehorsam in Ungnade zu fallen, als unschuldige Menschen zu töten. Es war ihr Begriff von Ehre und damit wohl ein Begriff, der sie wohl sogar dazu bringen lassen könnte, irgendwann ein alumenisches Kind vor dem Zugriff eines Rahaler zu schützen.
War das eigentlich richtig?
Ihr Glaube mochte nein sagen, ihre Ehre jedoch ja und letzteres war etwas, was sie durchaus höher zu schätzen gelernt hatte. Ein Grund wohl auch, warum sie sich gerade bei den Greifen so wohlfühlte, die die Ehre auf ihre Fahne geschrieben hatten.
Sie verscheuchte die Gedanken, die danach folgten, teilweise Unbehagen auslösten. Nein, das Hier und Jetzt war wichtig und gerade galt es, das Zelt zum alten Platz zu transportieren, wieder aufzubauen und weiter an sich zu arbeiten. Doch nahm sie sich insgeheim vor, bei der nächsten Gelegenheit mit Jonath über seine Gedanken zur Pest zu sprechen.
Ein Gefühl, das auch Mor teilte, doch mehr aus anderen Gründen.
Es hatte sie weniger gestört, innerhalb Rahals Mauern zu nächtigen. Sie war ein Stadtkind, einstmals ein verlotterter Streuner gewesen und war mit den Geräuschen und Gerüchen eines wahren Molochs von einer Stadt aufgewachsen, samt den Gefahren, die in mancher Gasse gelauert hatte. Es hatte einen anderen Grund, warum sie froh darüber war, dass es zurückging auf die weite Wiese und die Tore wieder frei passierbar waren.
Die Pest in Varuna war überstanden.
Viel hatte sie nicht darüber gewusst. Sie war erkältet gewesen und hatte mehr das Feuer und das Zelt gehütet, als die Kunde von der Seuche an ihr Ohr drangen und dass die Greifen in die Stadt Rahal einziehen mussten. Sie hatte sie für eine dieser Seuchen gehalten, die immer mal wieder aufflammten, denn auch in Dracis kam es oft genug vor, dass in den ärmeren Vierteln - und daran war die Stadt wahrlich 'reich' gewesen - Krankheiten sich rasch verbreiteten und wie ein steter Würgegriff zusammen mit der Armut und dem Hunger die dortigen Einwohner festhielt.
Doch beim Gespräch gestern in der Taverne kam eine gewisse Unsicherheit darüber auf, dass es nur Zufall gewesen sein mochte. Es war dieser Kommentar der Ritterin gewesen, der in ihrem Kopf ein kleines "Was wäre wenn"-Spielchen auslöste.
Was wäre, wenn Rahal dahinterstecken würde?
Ihr gefiel die Vorstellung nicht und sie schob sie rasch beiseite. Sie wusste eh nichts Genaues und nun war es ihr sogar lieb, wenn sie es auch weiterhin nicht tat. Gewiss - sie war eine Gläubige Alatars, aber ihre Waffe war auch eben das Schwert, keine Krankheiten. Sie konnte mit ihrer Waffe noch halbwegs selber entscheiden, wen sie niederschlug. Eine Krankheit jedoch sucht sich wahllos jeden aus, um ihn niederzuraffen und stoppte damit auch nicht vor Kindern und Alten.
Irgendwann jedoch hatte sie sich geschworen, lieber aufgrund von Ungehorsam in Ungnade zu fallen, als unschuldige Menschen zu töten. Es war ihr Begriff von Ehre und damit wohl ein Begriff, der sie wohl sogar dazu bringen lassen könnte, irgendwann ein alumenisches Kind vor dem Zugriff eines Rahaler zu schützen.
War das eigentlich richtig?
Ihr Glaube mochte nein sagen, ihre Ehre jedoch ja und letzteres war etwas, was sie durchaus höher zu schätzen gelernt hatte. Ein Grund wohl auch, warum sie sich gerade bei den Greifen so wohlfühlte, die die Ehre auf ihre Fahne geschrieben hatten.
Sie verscheuchte die Gedanken, die danach folgten, teilweise Unbehagen auslösten. Nein, das Hier und Jetzt war wichtig und gerade galt es, das Zelt zum alten Platz zu transportieren, wieder aufzubauen und weiter an sich zu arbeiten. Doch nahm sie sich insgeheim vor, bei der nächsten Gelegenheit mit Jonath über seine Gedanken zur Pest zu sprechen.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Dienstag 21. August 2007, 12:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Mor Varnos
Mit einem stillen Seufzer erhob sie sich von der Matte, nachdem sie schon unzählige Male sich herumgedreht und trotz Müdigkeit und Erschöpfung keinen Schlaf gefunden hatte und blinzelte im Dunkel des Zeltes rüber zu der ihr gegenüberliegenden Ecke. Sie musste eigentlich nur wenige Schritte hinüber gehen, nur ihre Hände voranstrecken, sich nur still niederlegen, seine Wärme und Nähe suchen.
Aber es war nicht richtig. Nicht hier bei den anderen, selbst wenn sie einfach nur still nebeneinander liegen würden. Es wäre schlichtweg falsch und alles andere als gut für die Moral des Banners, auch wenn es um der derzeit recht gut zu stehen schien.
Sie trat aus dem Zelt hinaus und fühlte, wie die kühle Nachtluft ihr förmlich eine belebende Ohrfeige gab. Am Feuer legte sie Bronn eine Hand sachte auf die Schulter, raunte ihm leise zu, dass sie seine Wache übernehmen würde. Verwundert schien er, doch nach ihrem Blick, der schon wieder mit aufkommender Dickköpfigkeit zu drohen schien, gab er nach und ging zurück ins Zelt, während sie sich am Feuer der Greifen niederliess. Dicht wickelte sie ihren Umhang um sich und starrte in die wärmenden Flammen, während sie über die Geschehnisse der letzten Tage nachdachte.
So vieles war geschehen - sei es der Vorfall in Varuna, das Gespräch mit seiner Heiligkeit, was ihr zeigte, warum die Greifen ihn so schätzten und danach...
"Mor? Wir sind gute Menschen, oder?"
Mor hielt auf der flachen Hand Apfelstücke hoch zu ihrer Stute, liess sie ihn Ruhe davon fressen, während sie doch leicht verwundert hinüber sah zu ihm, Jonath, wie er dastand neben seinem treuen Begleiter, dem Pferd Wanderer, und seine Arme einfach nur hinabhingen.
"Zweifelst du daran?
Sie wusste es, ehrlich gesagt, selbst nicht so recht. Vielleicht würde man es nie in seinem Leben erfahren, sondern erst, wenn man am Ende seinem Gott, in dem Fall des Banners Alatar, gegenüberstehen würde.
Wie würde er wohl ihre Taten messen?
Mehr als Gedankengänge konnte sie jedoch nicht gehen. Sie war kein Gott und würde somit wohl nie deren Wege und deren Denken verstehen. Ja, ihr bisheriges Leben war sogar grösstenteils eher von Gleichgültigkeit den Göttern gegenüber geprägt. Sie hatten ihr nichts gegeben, also hatte sie ihnen ebenso nie etwas gegeben und sich einfach alleine durchgeschlagen, ehe die Wende in ihrem Leben eintrat.
"Ich sollte mich daran gewöhnen, auf Fragen Gegenfragen zu bekommen," sprach er schmunzelnd und trat rüber zu ihr, "du schuldest mir noch eine Strähne, meine Gute."
Überrascht hob sie ihre Brauen, denn sie hatte nicht mehr erwartet, er würde sie einfordern. Seine Strähne jedoch, die stets als Talisman, von einem schlichten Lederband umwickelt, an ihrem Schwertgurt hing, hielt sie in Ehren - heimlich natürlich. Gewisse Sympathien waren bei ihr für ihn da, auch wenn sie sie noch nicht so recht einzuordnen wusste. Doch als er ihr, kurz bevor sie die Strähne erhielt, den Kuss auf die Stirn gab, eine Hand an ihre Wange, glaubte sie doch kurz, ihr Herz würde rascher schlagen.
"Ich dachte, das wirkt dann so, als wären wir ein Pärchen?"
Das war so typisch für sie. Diese kleinen, spitzen Neckereien, obwohl sie etwas anderes sagen wollte. Etwas, was ihm entgegen kam. Aber würde sie dann nicht auch zuviel von ihren Gefühlen preisgeben?
"Für den Fall, dass wir beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben..."
Diese Worte, wenn auch unbeabsichtigt, trafen. Sie waren beide Krieger auf der Seite Rahals. Es brauchte nur eine Schlacht zwischen Rahal und Varuna lozubrechen und es wäre fraglich, ob sie es überleben würden. Egal, ob dieser kleine Talisman nun wirklich Glück bringen würde oder nicht - es wäre etwas von der Person, die einem am Herzen lag. Eine Kleinigkeit, an die man sich klammern konnte, etwas, an dem Hoffnungen hingen. Vielleicht ein Wiedersehen, egal, wohin es nach dem Tode führen würde. Ein Wegweiser in der Dunkelheit, ein kleines Licht, was ihr half, ihn wieder zu finden.
Einen Moment lang strich sie gedankenverloren über die Strähne von ihm.
"Gut, dann sollst du natürlich eine haben."
Ein Lächeln, ein beinah jungenhaft anmutendes Nicken von ihm. Es war seltsam mit ihm. Mal war er so ernst und besorgt, wirkte älter, als er wirklich war, doch dann brach wieder dieser Junge in ihm durch. Scherzen, Lachen und Necken. Doch sie - ganz Mor, ganz und gar wie immer - wandte sich nur herum und ins Zelt rein, auf der Suche nach einer Schere. Nur nicht zuviel von den eigenen Gefühlen preisgeben, die von seinem Verhalten geweckt wurden.
Sie reichte ihm die Schere, überliess ihm, welche er abschnitt und stellte sich direkt von ihm auf, nunmehr stillhaltend
Kleine Scherze, die recht direkt unter die Gürtellinie des jeweils anderen zielten, folgten. Da kam eben der andere, private Teil der Greifen bei ihnen durch, die Aussenstehende selten zu Gesicht bekamen. Derweil lag seine freie Hand an eine ihrer Wangen, strich über diese, während wiederum einige lose Strähnen vor seinen Augen hinabhingen. Unweigerlich hob Mor eine ihrer Hände und begann recht sanft die Strähnen beiseite zu streichen, während ihr Blick sich auf seine Augen richtete. Die Neckereien liessen nach, leise Worte begannen sie zu wechseln, darüber, was sie im Banner fand, während sie ihre Hand über seine Wange langsam hinab zu seiner Schulter streichen liess, derweil seine Hand durch ihr schwarzes, volles und halblanges Haar strich.
"Was du hier gefunden hast, Mor, ist der Weg in die Herzen von anderen."
"Und ich öffnete mein Herz für euch." wisperte sie ihm zu, als wolle sie damit etwas verbergen.
Er legte seine Stirn an ihre, schloss seine Augen, während sie ihre andere Hand auf seine zweite Schulter legte.
Eine Familie hatte sie in dem Banner gefunden. Einen Ort, an dem sie verweilen konnte, wo sie sich öffnen durfte und keine Angst vor Verrat haben musste.
"Wir haben viel verloren und bisher wenig zurückgewonnen, aber von dem, was wir erreichten, bis du mir ein Teil des Wertvollsten."
Auf seine leisen Worte hin schloss sie ihre Augen, fühlte die Wärme, die ihr Herz nun umgab und atmet tief durch. Zuhause.
"Du bist Hoffnung, aufrechtes Lachen, Ärger und Trost," fuhr er vertrauten Tonfalles weiter fort, "und manchmal... auch Sehnsucht."
Mor schlug ihre Augen leicht auf, suchte sogleich seinen Blick. Sehnsucht?
Seinen Blick wollte sie erhaschen, darin lesen und hoffentlich das erkennen, was sie nun, in diesem Moment, sich selber ersehnte. Was fühlte er?
Melancholie las sie in seinem ansonsten ruhigen, gelassenen Blick, der stetig ihre Augen abzutasten schien. Ein Lächeln lag auf seinen Zügen und auch auf ihren stahl sich eines, ehe sie ihre Arme dichter um ihn legte und sich an ihn lehnte. Sogleich legte auch er einen Arm dichter um sie, schloss sie in seine Arme, ehe er tief die Luft einzog.
"Frauen bringen nur Ärger." hauchte er in ihr Haar, als er seine Lippen auf ihren Kopf bettete.
"Und bereust du den Ärger?"
"Sieht es derzeit so aus?" Er hob den Kopf zurück und schaute ihr schmunzelnd nun in die Augen, seine leicht glänzend. "Meine Gedanken führte mich dazu, einen Schritt weiter zu gehen."
Einen Augenblick lang sah sie hinauf zu ihm, ehe sie wieder leise sprach: "Meinst du, es wäre falsch?"
"Möchtest du darauf eine Antwort?"
Jonaths Hand strich von ihrem Haar über die Wange hinab zu ihrem Kinn, legte dort Daumen und Zeigefinger an, während sein Kopf sich zu ihr neigte.
"Keine Worte..." sprach sie noch leise, während sie fast das Gefühl hatte, in seinen hellblauen Augen zu versinken, die sich näherten, ebenso seine Lippen, die nun auf ihre zustrebten.
Erst im letzten Moment schlossen sich beide Augenpaare.
Verträumt sah sie hinab in die Flammen, den Kopf in ihren Händen aufgestützt. Ein halblauter, sehnsüchtiger Seufzer entfleuchte ihr, ehe sie blinzelnd hinüber zum Zelt sah. Da lag er nun drin, Jonath Grauwind, und schlief vermutlich ruhig, während sie sich gerade nichts sehnlicher wünschte, als wieder in seinen Armen liegen zu dürfen und eine Nacht lang kein Greif zu sein.
Doch sie bleib bei den Worten, die sie erst kürzlich dazu wechselten - im Lager waren sie Angehörige eines Banners und er stellte sogar mit Bronn zusammen die Adjutanten des Hauptmannes. An ein Herumturteln vor den anderen war nicht zu denken.
Vermutlich würde sie nun teilweise noch härter rangenommen werden, als eh schon. Keine Gerüchte über eine Bevorzugung von ihr sollten die Runde machen und sie wollte solch eine Sonderstellung auch gar nicht.
Sie blieb innerhalb des Banners einfach Mor Varnos, Greif und Waffenschwester, und nur in den wenigen, kostbaren Momenten war sie mehr.
Aber es war nicht richtig. Nicht hier bei den anderen, selbst wenn sie einfach nur still nebeneinander liegen würden. Es wäre schlichtweg falsch und alles andere als gut für die Moral des Banners, auch wenn es um der derzeit recht gut zu stehen schien.
Sie trat aus dem Zelt hinaus und fühlte, wie die kühle Nachtluft ihr förmlich eine belebende Ohrfeige gab. Am Feuer legte sie Bronn eine Hand sachte auf die Schulter, raunte ihm leise zu, dass sie seine Wache übernehmen würde. Verwundert schien er, doch nach ihrem Blick, der schon wieder mit aufkommender Dickköpfigkeit zu drohen schien, gab er nach und ging zurück ins Zelt, während sie sich am Feuer der Greifen niederliess. Dicht wickelte sie ihren Umhang um sich und starrte in die wärmenden Flammen, während sie über die Geschehnisse der letzten Tage nachdachte.
So vieles war geschehen - sei es der Vorfall in Varuna, das Gespräch mit seiner Heiligkeit, was ihr zeigte, warum die Greifen ihn so schätzten und danach...
"Mor? Wir sind gute Menschen, oder?"
Mor hielt auf der flachen Hand Apfelstücke hoch zu ihrer Stute, liess sie ihn Ruhe davon fressen, während sie doch leicht verwundert hinüber sah zu ihm, Jonath, wie er dastand neben seinem treuen Begleiter, dem Pferd Wanderer, und seine Arme einfach nur hinabhingen.
"Zweifelst du daran?
Sie wusste es, ehrlich gesagt, selbst nicht so recht. Vielleicht würde man es nie in seinem Leben erfahren, sondern erst, wenn man am Ende seinem Gott, in dem Fall des Banners Alatar, gegenüberstehen würde.
Wie würde er wohl ihre Taten messen?
Mehr als Gedankengänge konnte sie jedoch nicht gehen. Sie war kein Gott und würde somit wohl nie deren Wege und deren Denken verstehen. Ja, ihr bisheriges Leben war sogar grösstenteils eher von Gleichgültigkeit den Göttern gegenüber geprägt. Sie hatten ihr nichts gegeben, also hatte sie ihnen ebenso nie etwas gegeben und sich einfach alleine durchgeschlagen, ehe die Wende in ihrem Leben eintrat.
"Ich sollte mich daran gewöhnen, auf Fragen Gegenfragen zu bekommen," sprach er schmunzelnd und trat rüber zu ihr, "du schuldest mir noch eine Strähne, meine Gute."
Überrascht hob sie ihre Brauen, denn sie hatte nicht mehr erwartet, er würde sie einfordern. Seine Strähne jedoch, die stets als Talisman, von einem schlichten Lederband umwickelt, an ihrem Schwertgurt hing, hielt sie in Ehren - heimlich natürlich. Gewisse Sympathien waren bei ihr für ihn da, auch wenn sie sie noch nicht so recht einzuordnen wusste. Doch als er ihr, kurz bevor sie die Strähne erhielt, den Kuss auf die Stirn gab, eine Hand an ihre Wange, glaubte sie doch kurz, ihr Herz würde rascher schlagen.
"Ich dachte, das wirkt dann so, als wären wir ein Pärchen?"
Das war so typisch für sie. Diese kleinen, spitzen Neckereien, obwohl sie etwas anderes sagen wollte. Etwas, was ihm entgegen kam. Aber würde sie dann nicht auch zuviel von ihren Gefühlen preisgeben?
"Für den Fall, dass wir beim nächsten Mal nicht so viel Glück haben..."
Diese Worte, wenn auch unbeabsichtigt, trafen. Sie waren beide Krieger auf der Seite Rahals. Es brauchte nur eine Schlacht zwischen Rahal und Varuna lozubrechen und es wäre fraglich, ob sie es überleben würden. Egal, ob dieser kleine Talisman nun wirklich Glück bringen würde oder nicht - es wäre etwas von der Person, die einem am Herzen lag. Eine Kleinigkeit, an die man sich klammern konnte, etwas, an dem Hoffnungen hingen. Vielleicht ein Wiedersehen, egal, wohin es nach dem Tode führen würde. Ein Wegweiser in der Dunkelheit, ein kleines Licht, was ihr half, ihn wieder zu finden.
Einen Moment lang strich sie gedankenverloren über die Strähne von ihm.
"Gut, dann sollst du natürlich eine haben."
Ein Lächeln, ein beinah jungenhaft anmutendes Nicken von ihm. Es war seltsam mit ihm. Mal war er so ernst und besorgt, wirkte älter, als er wirklich war, doch dann brach wieder dieser Junge in ihm durch. Scherzen, Lachen und Necken. Doch sie - ganz Mor, ganz und gar wie immer - wandte sich nur herum und ins Zelt rein, auf der Suche nach einer Schere. Nur nicht zuviel von den eigenen Gefühlen preisgeben, die von seinem Verhalten geweckt wurden.
Sie reichte ihm die Schere, überliess ihm, welche er abschnitt und stellte sich direkt von ihm auf, nunmehr stillhaltend
Kleine Scherze, die recht direkt unter die Gürtellinie des jeweils anderen zielten, folgten. Da kam eben der andere, private Teil der Greifen bei ihnen durch, die Aussenstehende selten zu Gesicht bekamen. Derweil lag seine freie Hand an eine ihrer Wangen, strich über diese, während wiederum einige lose Strähnen vor seinen Augen hinabhingen. Unweigerlich hob Mor eine ihrer Hände und begann recht sanft die Strähnen beiseite zu streichen, während ihr Blick sich auf seine Augen richtete. Die Neckereien liessen nach, leise Worte begannen sie zu wechseln, darüber, was sie im Banner fand, während sie ihre Hand über seine Wange langsam hinab zu seiner Schulter streichen liess, derweil seine Hand durch ihr schwarzes, volles und halblanges Haar strich.
"Was du hier gefunden hast, Mor, ist der Weg in die Herzen von anderen."
"Und ich öffnete mein Herz für euch." wisperte sie ihm zu, als wolle sie damit etwas verbergen.
Er legte seine Stirn an ihre, schloss seine Augen, während sie ihre andere Hand auf seine zweite Schulter legte.
Eine Familie hatte sie in dem Banner gefunden. Einen Ort, an dem sie verweilen konnte, wo sie sich öffnen durfte und keine Angst vor Verrat haben musste.
"Wir haben viel verloren und bisher wenig zurückgewonnen, aber von dem, was wir erreichten, bis du mir ein Teil des Wertvollsten."
Auf seine leisen Worte hin schloss sie ihre Augen, fühlte die Wärme, die ihr Herz nun umgab und atmet tief durch. Zuhause.
"Du bist Hoffnung, aufrechtes Lachen, Ärger und Trost," fuhr er vertrauten Tonfalles weiter fort, "und manchmal... auch Sehnsucht."
Mor schlug ihre Augen leicht auf, suchte sogleich seinen Blick. Sehnsucht?
Seinen Blick wollte sie erhaschen, darin lesen und hoffentlich das erkennen, was sie nun, in diesem Moment, sich selber ersehnte. Was fühlte er?
Melancholie las sie in seinem ansonsten ruhigen, gelassenen Blick, der stetig ihre Augen abzutasten schien. Ein Lächeln lag auf seinen Zügen und auch auf ihren stahl sich eines, ehe sie ihre Arme dichter um ihn legte und sich an ihn lehnte. Sogleich legte auch er einen Arm dichter um sie, schloss sie in seine Arme, ehe er tief die Luft einzog.
"Frauen bringen nur Ärger." hauchte er in ihr Haar, als er seine Lippen auf ihren Kopf bettete.
"Und bereust du den Ärger?"
"Sieht es derzeit so aus?" Er hob den Kopf zurück und schaute ihr schmunzelnd nun in die Augen, seine leicht glänzend. "Meine Gedanken führte mich dazu, einen Schritt weiter zu gehen."
Einen Augenblick lang sah sie hinauf zu ihm, ehe sie wieder leise sprach: "Meinst du, es wäre falsch?"
"Möchtest du darauf eine Antwort?"
Jonaths Hand strich von ihrem Haar über die Wange hinab zu ihrem Kinn, legte dort Daumen und Zeigefinger an, während sein Kopf sich zu ihr neigte.
"Keine Worte..." sprach sie noch leise, während sie fast das Gefühl hatte, in seinen hellblauen Augen zu versinken, die sich näherten, ebenso seine Lippen, die nun auf ihre zustrebten.
Erst im letzten Moment schlossen sich beide Augenpaare.
Verträumt sah sie hinab in die Flammen, den Kopf in ihren Händen aufgestützt. Ein halblauter, sehnsüchtiger Seufzer entfleuchte ihr, ehe sie blinzelnd hinüber zum Zelt sah. Da lag er nun drin, Jonath Grauwind, und schlief vermutlich ruhig, während sie sich gerade nichts sehnlicher wünschte, als wieder in seinen Armen liegen zu dürfen und eine Nacht lang kein Greif zu sein.
Doch sie bleib bei den Worten, die sie erst kürzlich dazu wechselten - im Lager waren sie Angehörige eines Banners und er stellte sogar mit Bronn zusammen die Adjutanten des Hauptmannes. An ein Herumturteln vor den anderen war nicht zu denken.
Vermutlich würde sie nun teilweise noch härter rangenommen werden, als eh schon. Keine Gerüchte über eine Bevorzugung von ihr sollten die Runde machen und sie wollte solch eine Sonderstellung auch gar nicht.
Sie blieb innerhalb des Banners einfach Mor Varnos, Greif und Waffenschwester, und nur in den wenigen, kostbaren Momenten war sie mehr.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Samstag 15. September 2007, 03:26, insgesamt 4-mal geändert.
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Mor Varnos
Feucht wehte ihr der Wind ins Gesicht, während sie am schwachen Feuer des Greifenlagers sass, den wollenen Umhang fest um sich, die Kapuze über ihren Kopf. Ihr Blick war hinab in die spärlichen Flammen gerichtet, während sie über den vergangenen Abend förmlich brütete.
Dass die Greifen es beim Manöver nicht einfach haben würden, war von Anfang an klar. Alle ihre Mittel flossen in den Bau ihrer Festung. Da war kein Platz mehr für grossartige Rüstungen oder allerhand brauchbare Tränke. Teils fehlte es ihnen auch noch an Erfahrung. Dennoch nahmen sie daran teil und unterlagen wieder einmal.
Der Kampf des Diplomaten seiner Heiligkeit mit dem gesamten Trupp der gegnerischen Gruppe betrachtete Mor mit eher gemischten Gefühlen. So müsste es sein. So müssten sie sich halten können und dann wäre es egal, ob ganz Varuna über die Greifen oder Rahal herfallen würde, dazu noch Eisenwart und Bajard als Aasgeier hinterher - sie würden standhalten.
Trotz des Dämpfers hatten sie aber auch Erfahrungen mitnehmen können und andererseits konnten sie sich glücklich schätzen, dass sie nicht gegen den eigentlichen Feind, sondern nur gegen die Garde samt Templer und einem Letharenritter kämpften.
Die Stimmung war dennoch nicht die allerbeste, als sie wieder im Lager versammelt waren. Timoth verteilte einige Tränke gegen das Kratzen im Hals, was sich bei ihnen dank des Regenwetters gebildet hatte und als sie dann gemeinsam mit Zakalwve, einem Schützen beim Manöver auf ihrer Seite, am Feuer sassen, reichte ihr Timoth einen weiteren Trank, lediglich zum Ausprobieren. Sie war erst misstrauisch, wollte die Wirkung wissen, doch letztlich kippte sie den Inhalt der Flasche doch hinab, als er sie leicht anzustacheln begann. Was danach passierte, ging fast schon zu schnell für ihren Geschmack - innerhalb weniger Sekunden fühlte sich ihr Magen an, als hätte sie den Kopf eines Morgensterns verschluckt. Entsetzliche Schmerzen breiteten sich von ihrem Magen aus, ehe ihr Schwarz vor Augen wurde und sie rücklings vom Stamm kippte. Nur gedämpft nahm sie wahr, wie Jonath aufsprang, wie üblich fluchend, wie er ihr seinen Umhang unter den Kopf legte und wie dann Timoth kühles Wasser über sie goss, so dass sie auch bald wieder zu sich kam.
Der Streit, die Vorwürfe - alles ein Resultat aus der Spannung, die sich am Abend aufgebaut hatte, dazu die allgemeine Anspannung im Hinblick auf Eisenwart und Bajard; an Varuna mochte man gar nicht erst denken.
Eine gesamte Nachtwache stand ihr als Strafe bevor, doch es waren auch die harschen Worte, der Tonfall Jonaths, der sie aufbegehren und missmutiger werden liess. Nachdem sie zu sich gekommen war, war ihr immer noch speiübel zumute, musste würgen und fühlte sich gelinde gesagt besch... eiden. Sie mühte sich ab, ihrer Wut nicht vollends freien Lauf zu lassen und ihm das, was sie in dem Moment dachte und von ihm hielt, vor den Latz zu knallen. Sie entschied sich zu gehen. Erstmal nur in die Taverne Rahals.
Kurze Zeit später tauchte da auch ihr Bruder auf. Lange war es wohl schon her - sofern so etwas überhaupt jemals vorgekommen war - dass sie sich an ihn gelehnt hatte. Es ging ihr immer noch schlecht von dem Mittel und dazu noch die Gedanken, die sie kurz zu übermannen drohten. Einen Moment lang war sie versucht, ihren Wappenring abzulegen. Aber nur wegen so einer Kinderei?
Dennoch hatte es sie getroffen, wie Jonath zu ihr sprach. Der Jonath, der sie noch kürzlich unter einer Weide so liebevoll geküsst und in seinen Armen gehalten hatte...
Doch langsam, wenn auch widerwillig, gewann ihr Verstand an Oberhand. Sie hatten sich geschworen, dass sie die meiste Zeit Greifen bleiben würden und er als Adjutant somit auch die Befehlsgewalt über sie hatte. Sie musste sich fügen, wie jeder andere im Lager. Es gab keine Schonung. Wenn es überhaupt je eine gegeben hätte, dann nun noch weniger als zuvor.
Im Lager zurück setzte sie sich auf einen der Stämme am Feuer, nahm ihre Wache auf, während Jonath wieder aus dem Zelt trat. Noch immer waren seine Worte hart, seine Haltung unbeugsam. Anfangs begann sie wieder aufzubegehren, doch andererseits handelte er nur richtig und zum Wohl der Greifen. Doch die letzten Worte, ehe er zurück ins Zelt trat, liessen keine Zweifel aufkommen - neben dem Adjutanten und Greifen Jonath, gab es noch einen zweiten, privaten Jonath. Der, der sie unter der Weide geküsst und gehalten hatte. Der, dem sie in der ein oder anderen heimlichen Nacht., in der sie sich vom Lager fortgestohlen hatten, so nah gewesen war. Eben jener Jonath, der ihr in diesem Moment, als sie nun allein am Feuer sass und die Nacht über ihre Wache durchhielt, leid tat.
Sie sah es ein - sie hatte albern und kindisch, trotzig eben, reagiert. Ein Verhalten, was ihr schon früher so oft Ärger mit den Eltern eingebracht hatte. Ein Verhalten, was im Banner einfach fehl am Platze war, vor allem in Zeiten wie diesen. Lieber würde sie Jonath einen Teil seiner Bürden abnehmen.
Nur wie?
Dass die Greifen es beim Manöver nicht einfach haben würden, war von Anfang an klar. Alle ihre Mittel flossen in den Bau ihrer Festung. Da war kein Platz mehr für grossartige Rüstungen oder allerhand brauchbare Tränke. Teils fehlte es ihnen auch noch an Erfahrung. Dennoch nahmen sie daran teil und unterlagen wieder einmal.
Der Kampf des Diplomaten seiner Heiligkeit mit dem gesamten Trupp der gegnerischen Gruppe betrachtete Mor mit eher gemischten Gefühlen. So müsste es sein. So müssten sie sich halten können und dann wäre es egal, ob ganz Varuna über die Greifen oder Rahal herfallen würde, dazu noch Eisenwart und Bajard als Aasgeier hinterher - sie würden standhalten.
Trotz des Dämpfers hatten sie aber auch Erfahrungen mitnehmen können und andererseits konnten sie sich glücklich schätzen, dass sie nicht gegen den eigentlichen Feind, sondern nur gegen die Garde samt Templer und einem Letharenritter kämpften.
Die Stimmung war dennoch nicht die allerbeste, als sie wieder im Lager versammelt waren. Timoth verteilte einige Tränke gegen das Kratzen im Hals, was sich bei ihnen dank des Regenwetters gebildet hatte und als sie dann gemeinsam mit Zakalwve, einem Schützen beim Manöver auf ihrer Seite, am Feuer sassen, reichte ihr Timoth einen weiteren Trank, lediglich zum Ausprobieren. Sie war erst misstrauisch, wollte die Wirkung wissen, doch letztlich kippte sie den Inhalt der Flasche doch hinab, als er sie leicht anzustacheln begann. Was danach passierte, ging fast schon zu schnell für ihren Geschmack - innerhalb weniger Sekunden fühlte sich ihr Magen an, als hätte sie den Kopf eines Morgensterns verschluckt. Entsetzliche Schmerzen breiteten sich von ihrem Magen aus, ehe ihr Schwarz vor Augen wurde und sie rücklings vom Stamm kippte. Nur gedämpft nahm sie wahr, wie Jonath aufsprang, wie üblich fluchend, wie er ihr seinen Umhang unter den Kopf legte und wie dann Timoth kühles Wasser über sie goss, so dass sie auch bald wieder zu sich kam.
Der Streit, die Vorwürfe - alles ein Resultat aus der Spannung, die sich am Abend aufgebaut hatte, dazu die allgemeine Anspannung im Hinblick auf Eisenwart und Bajard; an Varuna mochte man gar nicht erst denken.
Eine gesamte Nachtwache stand ihr als Strafe bevor, doch es waren auch die harschen Worte, der Tonfall Jonaths, der sie aufbegehren und missmutiger werden liess. Nachdem sie zu sich gekommen war, war ihr immer noch speiübel zumute, musste würgen und fühlte sich gelinde gesagt besch... eiden. Sie mühte sich ab, ihrer Wut nicht vollends freien Lauf zu lassen und ihm das, was sie in dem Moment dachte und von ihm hielt, vor den Latz zu knallen. Sie entschied sich zu gehen. Erstmal nur in die Taverne Rahals.
Kurze Zeit später tauchte da auch ihr Bruder auf. Lange war es wohl schon her - sofern so etwas überhaupt jemals vorgekommen war - dass sie sich an ihn gelehnt hatte. Es ging ihr immer noch schlecht von dem Mittel und dazu noch die Gedanken, die sie kurz zu übermannen drohten. Einen Moment lang war sie versucht, ihren Wappenring abzulegen. Aber nur wegen so einer Kinderei?
Dennoch hatte es sie getroffen, wie Jonath zu ihr sprach. Der Jonath, der sie noch kürzlich unter einer Weide so liebevoll geküsst und in seinen Armen gehalten hatte...
Doch langsam, wenn auch widerwillig, gewann ihr Verstand an Oberhand. Sie hatten sich geschworen, dass sie die meiste Zeit Greifen bleiben würden und er als Adjutant somit auch die Befehlsgewalt über sie hatte. Sie musste sich fügen, wie jeder andere im Lager. Es gab keine Schonung. Wenn es überhaupt je eine gegeben hätte, dann nun noch weniger als zuvor.
Im Lager zurück setzte sie sich auf einen der Stämme am Feuer, nahm ihre Wache auf, während Jonath wieder aus dem Zelt trat. Noch immer waren seine Worte hart, seine Haltung unbeugsam. Anfangs begann sie wieder aufzubegehren, doch andererseits handelte er nur richtig und zum Wohl der Greifen. Doch die letzten Worte, ehe er zurück ins Zelt trat, liessen keine Zweifel aufkommen - neben dem Adjutanten und Greifen Jonath, gab es noch einen zweiten, privaten Jonath. Der, der sie unter der Weide geküsst und gehalten hatte. Der, dem sie in der ein oder anderen heimlichen Nacht., in der sie sich vom Lager fortgestohlen hatten, so nah gewesen war. Eben jener Jonath, der ihr in diesem Moment, als sie nun allein am Feuer sass und die Nacht über ihre Wache durchhielt, leid tat.
Sie sah es ein - sie hatte albern und kindisch, trotzig eben, reagiert. Ein Verhalten, was ihr schon früher so oft Ärger mit den Eltern eingebracht hatte. Ein Verhalten, was im Banner einfach fehl am Platze war, vor allem in Zeiten wie diesen. Lieber würde sie Jonath einen Teil seiner Bürden abnehmen.
Nur wie?
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Samstag 29. September 2007, 03:29, insgesamt 6-mal geändert.
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Mor Varnos
Schwerfällig liess sich Mor am Feuer vor dem Zelt der Greifen nieder, während die Nacht mehr und mehr ihr schwarzes Tuch über die Welt warf. Sie rutschte matt hinab vom Stamm und lehnte sich an ihn, liess die kraftlos erscheinenden Arme neben sich hinabhängen, während sie das Gefühl genoss, ihrem Rücken etwas Erholung zu gönnen.
Nach dem Streitgespräch mit Jonath in der Taverne hatte sie auch schon bald Thorm und Zakalwve zurückgelassen, um die Mine aufzusuchen, besessen dabei nur von einem Gedanken - dir werde ich es schon zeigen!
Sie verstand in gewisser Weise Jonaths Sorgen in Hinblick auf Eisenwart, doch sie teilte sie nicht gänzlich. Eisenwart schien sich ruhig zu verhalten. Meist sah sie welche in Bajard, wenn sie dort in ihrer eigenen, alten Kleidung, wie sie sie schon einst in den dunklen Gassen Dracis' getragen hatte, herumschlich und dabei auch wie einst mit ihrem Katana auf dem Rücken, einen Dolch im Schaft ihres Stiefels mehr den Eindruck eines einfachen Strassenganovens und Tagedieb hinterliess. Eisenwart hatte offenbar noch Kämpfe an einer anderen Front. Von Waldweibern war die Rede.
Doch das war nicht der einzige Grund, warum sie sich mit ihm mehr und mehr in einen Streit verwickelt hatte. Sicher, sie mussten jederzeit allesamt bereit sein, sollte Eisenwart wirklich vor den Toren Rahals oder gar vor dem Lager der Greifen stehen. Sie konnten sich nicht allein auf ihre neuen Verbündete verlassen, sondern mussten selber wachsam bleiben. Ein Grund, warum sie derzeit so oft es möglich war mit Rothen und Bronn übte. Aber es reichte ihr nicht - eine Festung musste endlich her. Jede Nacht, in der sie zur Strafe länger wachen musste (und das kam in letzter Zeit mehr als nur einmal vor, so oft wie sie sich mit Jonath im Streit überwarf), spürte sie es unangenehm. Der Winter nahte. Nicht mehr lang und der erste Frost würde sich einfinden. Dann war es nicht mehr lang hin, bis es wirklich den ganzen Tag über kalt bleiben würde. Wie sollten sie gegen Eisenwart kämpfen können, wenn ihnen des nachts im Zelt die Gliedmaßen abfrieren würden?
Aber das nicht allein.
Würden sie wirklich Eisenwart standhalten, dann würde der nächste Sturm sie endgültig umknicken. Dann musste nur das Reich Alumenas einfallen oder sei es auch nur eine Truppe, fanatisch und zu allem bereit, wie die Bruderschaft der Streiter Temoras. Ein Zelt war kein richtiger Platz, um sich zurückziehen und Wunden lecken zu können, ehe man wieder bereit war. Sie würden hinweggeweht werden und am Ende würde sich kaum noch wer an die Greifen erinnern. In stürmischen Zeiten in alle Richtung verteilt und letztlich vergessen. Rahal war anders als Varuna - hier zählten vor allem Taten und der Beweis von Stärke, nicht die Vergangenheit oder welcher Urahn welche Schlacht siegreich schlug. Kein Wimpernschlag würde vergehen und sie würden nach solch einer Niederlage allmählich aus dem Gedächtnis aller getilgt werden.
Eine Festung musste her und sie wusste selber schon nicht mehr, wie oft sie es an diesem Abend versucht hatte, Jonath verständlich zu machen, dass das ebenso wichtig war, wenn nicht sogar noch wichtiger als die Übungen, die sie eh schon vollzogen. Thorm alleine schaffte es nicht, alle benötigten Steine anzuschleppen, ehe der Winter erbarmungslos über das Land herfallen würde. Und sie? Sie verzog ihr Gesicht, während sie noch etwas weiter am Stamm herabrutschte und den Kopf gegen das rauhe Holz lehnte.
Das, was sie angeschleppt hatte, war nur ein Tropfen im Vergleich zu dem Meer an Steinen, was nötig war. Aber sie wollte nicht klein beigeben. Gekämpft hatte sie schon immer irgendwie in ihrem Leben. Sei es um die Gunst eines Elternteils, sei es um etwas Brot, sei es um Geld oder ums nackte Überleben. Sie würde nun täglich Steine besorgen. Und üben. Und Jagen. Und sich um die Pferde sowie das Lager kümmern. Ihre Waffen und Rüstungen pflegen. Ihr war klar, dass mit ihrem Vorhaben nun alles andere als einfache Zeiten auf sie zukommen würden. Aber - verdammt! - sie wollte nicht zusehen, wie ihre Familie, die Greifen, in den Staub getreten werden, solange, bis sie selber nur noch Staub sein würden. Selbst wenn sie mit eigener Hand Stein um Stein aufschichten müsste und ihr Mörtel mehr aus Schweiss und Blut bestehen würde - sie würde weitermachen.
"Au", meinte sie leise, kläglich in Richtung Feuer, als es schmerzhaft in ihren Rücken reinzog. Einen Moment schloss sie ihre Augen, verzog das Gesicht erneut vor Schmerz, doch war er nicht körperlicher Natur.
Jonath. Er hatte sich so entsetzlich verändert die letzten Wochen über. Kein Lächeln sah sie mehr, stattdessen schien er sich mehr und mehr abzusondern - von den Greifen, aber auch von ihr. Dafür nahmen die Streitereien zwischen ihnen mehr und mehr zu. Sie verstand immer weniger seine Entscheidungen und manches Mal fehlte nur noch wenig, ehe sie ihm persönliche, verletzende Worte um die Ohren geschlagen hätte. Keine Bettgeschichte wäre sie, dachte sie einen Moment, ihre innere Stimme höhnte bitter seine Worte nach. Doch wischte sie die Gedanken wieder fort. Sie musste weiterhin trennen zwischen dem Greif Jonath und dem Jonath, den sie im Innersten ihre Liebe geschworen hatte, ohne dass sie es bisher gewagt hatte, ein Wort in der Hinsicht zu sagen.
Es war nun eh nicht von Belang.
Nun galt es die Nacht über zu wachen, am Morgen zu trainieren, danach auf die Jagd zu gehen, damit auch weiterhin Geld in die Kasse floss, Übungen mit den anderen Greifen und letztlich wieder die Arbeit in der Mine.
Es ist wie immer, dachte sie mit einem flüchtigen und matten Lächeln, schwere Zeiten, doch ich wachse irgendwie daran und sollte alles sich so entwickeln, wie ich es kommen sehe, dann weiss ich wenigstens meine Gefühle von nun an hinter einer Mauer zu verbergen. Einer Mauer aus Stein, ineinander gefügt durch Blut, Schweiss und mancher Träne.
Nach dem Streitgespräch mit Jonath in der Taverne hatte sie auch schon bald Thorm und Zakalwve zurückgelassen, um die Mine aufzusuchen, besessen dabei nur von einem Gedanken - dir werde ich es schon zeigen!
Sie verstand in gewisser Weise Jonaths Sorgen in Hinblick auf Eisenwart, doch sie teilte sie nicht gänzlich. Eisenwart schien sich ruhig zu verhalten. Meist sah sie welche in Bajard, wenn sie dort in ihrer eigenen, alten Kleidung, wie sie sie schon einst in den dunklen Gassen Dracis' getragen hatte, herumschlich und dabei auch wie einst mit ihrem Katana auf dem Rücken, einen Dolch im Schaft ihres Stiefels mehr den Eindruck eines einfachen Strassenganovens und Tagedieb hinterliess. Eisenwart hatte offenbar noch Kämpfe an einer anderen Front. Von Waldweibern war die Rede.
Doch das war nicht der einzige Grund, warum sie sich mit ihm mehr und mehr in einen Streit verwickelt hatte. Sicher, sie mussten jederzeit allesamt bereit sein, sollte Eisenwart wirklich vor den Toren Rahals oder gar vor dem Lager der Greifen stehen. Sie konnten sich nicht allein auf ihre neuen Verbündete verlassen, sondern mussten selber wachsam bleiben. Ein Grund, warum sie derzeit so oft es möglich war mit Rothen und Bronn übte. Aber es reichte ihr nicht - eine Festung musste endlich her. Jede Nacht, in der sie zur Strafe länger wachen musste (und das kam in letzter Zeit mehr als nur einmal vor, so oft wie sie sich mit Jonath im Streit überwarf), spürte sie es unangenehm. Der Winter nahte. Nicht mehr lang und der erste Frost würde sich einfinden. Dann war es nicht mehr lang hin, bis es wirklich den ganzen Tag über kalt bleiben würde. Wie sollten sie gegen Eisenwart kämpfen können, wenn ihnen des nachts im Zelt die Gliedmaßen abfrieren würden?
Aber das nicht allein.
Würden sie wirklich Eisenwart standhalten, dann würde der nächste Sturm sie endgültig umknicken. Dann musste nur das Reich Alumenas einfallen oder sei es auch nur eine Truppe, fanatisch und zu allem bereit, wie die Bruderschaft der Streiter Temoras. Ein Zelt war kein richtiger Platz, um sich zurückziehen und Wunden lecken zu können, ehe man wieder bereit war. Sie würden hinweggeweht werden und am Ende würde sich kaum noch wer an die Greifen erinnern. In stürmischen Zeiten in alle Richtung verteilt und letztlich vergessen. Rahal war anders als Varuna - hier zählten vor allem Taten und der Beweis von Stärke, nicht die Vergangenheit oder welcher Urahn welche Schlacht siegreich schlug. Kein Wimpernschlag würde vergehen und sie würden nach solch einer Niederlage allmählich aus dem Gedächtnis aller getilgt werden.
Eine Festung musste her und sie wusste selber schon nicht mehr, wie oft sie es an diesem Abend versucht hatte, Jonath verständlich zu machen, dass das ebenso wichtig war, wenn nicht sogar noch wichtiger als die Übungen, die sie eh schon vollzogen. Thorm alleine schaffte es nicht, alle benötigten Steine anzuschleppen, ehe der Winter erbarmungslos über das Land herfallen würde. Und sie? Sie verzog ihr Gesicht, während sie noch etwas weiter am Stamm herabrutschte und den Kopf gegen das rauhe Holz lehnte.
Das, was sie angeschleppt hatte, war nur ein Tropfen im Vergleich zu dem Meer an Steinen, was nötig war. Aber sie wollte nicht klein beigeben. Gekämpft hatte sie schon immer irgendwie in ihrem Leben. Sei es um die Gunst eines Elternteils, sei es um etwas Brot, sei es um Geld oder ums nackte Überleben. Sie würde nun täglich Steine besorgen. Und üben. Und Jagen. Und sich um die Pferde sowie das Lager kümmern. Ihre Waffen und Rüstungen pflegen. Ihr war klar, dass mit ihrem Vorhaben nun alles andere als einfache Zeiten auf sie zukommen würden. Aber - verdammt! - sie wollte nicht zusehen, wie ihre Familie, die Greifen, in den Staub getreten werden, solange, bis sie selber nur noch Staub sein würden. Selbst wenn sie mit eigener Hand Stein um Stein aufschichten müsste und ihr Mörtel mehr aus Schweiss und Blut bestehen würde - sie würde weitermachen.
"Au", meinte sie leise, kläglich in Richtung Feuer, als es schmerzhaft in ihren Rücken reinzog. Einen Moment schloss sie ihre Augen, verzog das Gesicht erneut vor Schmerz, doch war er nicht körperlicher Natur.
Jonath. Er hatte sich so entsetzlich verändert die letzten Wochen über. Kein Lächeln sah sie mehr, stattdessen schien er sich mehr und mehr abzusondern - von den Greifen, aber auch von ihr. Dafür nahmen die Streitereien zwischen ihnen mehr und mehr zu. Sie verstand immer weniger seine Entscheidungen und manches Mal fehlte nur noch wenig, ehe sie ihm persönliche, verletzende Worte um die Ohren geschlagen hätte. Keine Bettgeschichte wäre sie, dachte sie einen Moment, ihre innere Stimme höhnte bitter seine Worte nach. Doch wischte sie die Gedanken wieder fort. Sie musste weiterhin trennen zwischen dem Greif Jonath und dem Jonath, den sie im Innersten ihre Liebe geschworen hatte, ohne dass sie es bisher gewagt hatte, ein Wort in der Hinsicht zu sagen.
Es war nun eh nicht von Belang.
Nun galt es die Nacht über zu wachen, am Morgen zu trainieren, danach auf die Jagd zu gehen, damit auch weiterhin Geld in die Kasse floss, Übungen mit den anderen Greifen und letztlich wieder die Arbeit in der Mine.
Es ist wie immer, dachte sie mit einem flüchtigen und matten Lächeln, schwere Zeiten, doch ich wachse irgendwie daran und sollte alles sich so entwickeln, wie ich es kommen sehe, dann weiss ich wenigstens meine Gefühle von nun an hinter einer Mauer zu verbergen. Einer Mauer aus Stein, ineinander gefügt durch Blut, Schweiss und mancher Träne.
-
Mor Varnos
Die Welt versank in Schwärze um sie herum.
'Wären da die Schmerzen nicht, wäre alles halb so schlimm.'
Ein lautes Stapfen kam auf sie zu.
'Allein, es tut mir um die leid, die zurück bleiben.'
Ein lautes Krachen ertönte ringsum, während Mor schon gar nicht mehr das Aufblitzen von hellen Licht wahrnahm.
'Hätte ich nur geahnt, dass es so kommen würde...'
*
Es schneite und ein schneidend-kalter Wind zog in das Zelt hinein. Mor erschauderte, während sie sich umzog und rasch in Kleidung schlüpfte, die bar jeden Wappens oder spezieller Farben war. Kleidung, mit der sie halbwegs unerkannt herumreisen konnte, denn sie hatte vor, Lameriast aufzusuchen. Der kalte Wind erinnerte sie daran, warum es nötig war - sie, die Greifen, brauchten mehr Geld, um sich weiter etwas aufbauen zu können.
Leise scheppernd steckt sie ihre Rüstung in einen Sack, das nötigste an Proviant und einen vollen Wasserschlauch sowie etwas Geld für die Hinreise, dann trat sie auch schon aus dem Zelt hinaus in die frühe Nacht und wandte sich ihrer Stute Windhuf zu, der sie noch ein wenig Hafer auf der flachen Hand hinhielt, ehe sie sie sattelte, den Zügel löste und sich auf den Pferderücken schwang.
Leicht flatterte der blaue Umhang im kühlen Wind, als sie über die verschneiten Wiesen und Wege Richtung Rahal ritt, dort absetzte und zu Fuss durch das Tor, welches an das aufgerissene Maul eines Panthers erinnerte, schritt. Schon bald hatte sie einen Platz für Windhuf in einem der Ställe gefunden, dann lenkte sie ihre Schritte in Richtung Hafen, ein kurzes Nicken zu den Wachen, ehe sie zu eine der Fähren trat. Sie warf einem etwas verschlafen wirkenden Matrosen einen kleinen Beutel zu, nachdem sie ihn nach dem Preis für eine Fahrt Richtung Lameriast befragt hatte.
Im Bauch des Schiffes konnte Mor sich das erste Mal für den heutigen Tag etwas aufwärmen, doch viel Zeit blieb ihr nicht - sie nutzte die Fahrt, um sich ihre kühle Rüstung umzulegen. Lediglich ihre wattierte Unterkleidung, die Druckstellen der Rüstung weitestgehend verhinderte, war halbwegs warm. Eine dunkelblaue Robe warf sie sich über, packte ihre alte Kleidung wieder zurück in ihre Tasche und wartete den Rest der Fahrt ruhig ab.
Lameriast lag ruhig da, doch zog sie ihre Kapuze über. Eigentlich war die Insel für sie noch immer tabu, denn jederzeit konnte es wieder Ärger mit den Angehörigen der Burg Eisenwart geben. Auch wäre nicht jeder darüber erfreut, einen treuen Rahaler auf dieser Insel zu sehen - dessen war sie sich sicher. Sie senkt ihren Blick, legte eine gepanzerte Hand locker auf den Schwertknauf, neben dem ein Lederband mit einer schwarzen Haarsträhne - Jonaths Strähne - baumelte. Leise knirschte der Schnee, während sie einsam ihren Weg weiter Richtung Süden bahnte.
Eine der Höhlen sollte ihr Ziel sein. Hier hatten sie bisher einiges an Edelsteinen rausholen können und nun wollte sie sich doch einmal alleine in diese wagen. Allein der Gedanke an die Erdelementare oder zauberkräftigen Zweikopfmagier bereiteten ihr etwas Unbehagen, doch notfalls würde sie einfach laufen. Im Banner hatte sie ihren Spitznamen "Wiesel" schon lange weg und der Umstand, der zu diesem Namen geführt hatte - ihre Schnelligkeit im Kampf - würde ihr auch sicher hier helfen.
Dachte sie.
*
Mors Atem ging rasch, während sie ihren Schild schützend erhob, um einen Schlag abzuhalten. Eines ihrer Beine war bereits eingeknickt und metallischer Geruch, der eindeutig nicht von ihrer Rüstung stammte, drang in ihre Nase. Vor ihren Augen tanzten bunte Lichter auf und ab, ehe sie fühlte, wie erneut etwas an ihren Kräften riss und zerrte.
"Verdammt..." fluchte sie erstickt und rappelte sich mit Müh' und Not erneut auf.
Weg, nur weg, dachte sie und versuchte, so rasch wie ihre geschwächten Beine sie noch tragen konnten, in Richtung Ausgang zu rennen.
Sie nahm das erbarmungslose, lauter werdende Stampfen wahr.
'Alatar.. lass es nicht zu! Lass mich dir weiter lebend dienen!'
Sie keuchte auf, als ein Schlag sie in ihre Seite traf, taumelte zur Seite, dann jedoch erwischte sie noch ein Schlag - krachend und knirschend prallte sie gegen einen Felsen, hatte das Gefühl, als hätte man ihren Kopf zusammengepresst, dort, wo der Schlag des Elementars sie getroffen hatte. Metallsplitter vom Helm rieselten zu Boden, Blut tropfte hinab und sie sank letztendlich kraftlos zusammen.
Die Welt versank in Schwärze um sie herum.
'Wären da die Schmerzen nicht, wäre alles halb so schlimm.'
Ein lautes Stapfen kam auf sie zu.
'Allein, es tut mir um die leid, die zurück bleiben.'
Ein lautes Krachen ertönte ringsum, während Mor schon gar nicht mehr das Aufblitzen von hellen Licht wahrnahm.
'Hätte ich nur geahnt, dass es so kommen würde...'
'Wären da die Schmerzen nicht, wäre alles halb so schlimm.'
Ein lautes Stapfen kam auf sie zu.
'Allein, es tut mir um die leid, die zurück bleiben.'
Ein lautes Krachen ertönte ringsum, während Mor schon gar nicht mehr das Aufblitzen von hellen Licht wahrnahm.
'Hätte ich nur geahnt, dass es so kommen würde...'
*
Es schneite und ein schneidend-kalter Wind zog in das Zelt hinein. Mor erschauderte, während sie sich umzog und rasch in Kleidung schlüpfte, die bar jeden Wappens oder spezieller Farben war. Kleidung, mit der sie halbwegs unerkannt herumreisen konnte, denn sie hatte vor, Lameriast aufzusuchen. Der kalte Wind erinnerte sie daran, warum es nötig war - sie, die Greifen, brauchten mehr Geld, um sich weiter etwas aufbauen zu können.
Leise scheppernd steckt sie ihre Rüstung in einen Sack, das nötigste an Proviant und einen vollen Wasserschlauch sowie etwas Geld für die Hinreise, dann trat sie auch schon aus dem Zelt hinaus in die frühe Nacht und wandte sich ihrer Stute Windhuf zu, der sie noch ein wenig Hafer auf der flachen Hand hinhielt, ehe sie sie sattelte, den Zügel löste und sich auf den Pferderücken schwang.
Leicht flatterte der blaue Umhang im kühlen Wind, als sie über die verschneiten Wiesen und Wege Richtung Rahal ritt, dort absetzte und zu Fuss durch das Tor, welches an das aufgerissene Maul eines Panthers erinnerte, schritt. Schon bald hatte sie einen Platz für Windhuf in einem der Ställe gefunden, dann lenkte sie ihre Schritte in Richtung Hafen, ein kurzes Nicken zu den Wachen, ehe sie zu eine der Fähren trat. Sie warf einem etwas verschlafen wirkenden Matrosen einen kleinen Beutel zu, nachdem sie ihn nach dem Preis für eine Fahrt Richtung Lameriast befragt hatte.
Im Bauch des Schiffes konnte Mor sich das erste Mal für den heutigen Tag etwas aufwärmen, doch viel Zeit blieb ihr nicht - sie nutzte die Fahrt, um sich ihre kühle Rüstung umzulegen. Lediglich ihre wattierte Unterkleidung, die Druckstellen der Rüstung weitestgehend verhinderte, war halbwegs warm. Eine dunkelblaue Robe warf sie sich über, packte ihre alte Kleidung wieder zurück in ihre Tasche und wartete den Rest der Fahrt ruhig ab.
Lameriast lag ruhig da, doch zog sie ihre Kapuze über. Eigentlich war die Insel für sie noch immer tabu, denn jederzeit konnte es wieder Ärger mit den Angehörigen der Burg Eisenwart geben. Auch wäre nicht jeder darüber erfreut, einen treuen Rahaler auf dieser Insel zu sehen - dessen war sie sich sicher. Sie senkt ihren Blick, legte eine gepanzerte Hand locker auf den Schwertknauf, neben dem ein Lederband mit einer schwarzen Haarsträhne - Jonaths Strähne - baumelte. Leise knirschte der Schnee, während sie einsam ihren Weg weiter Richtung Süden bahnte.
Eine der Höhlen sollte ihr Ziel sein. Hier hatten sie bisher einiges an Edelsteinen rausholen können und nun wollte sie sich doch einmal alleine in diese wagen. Allein der Gedanke an die Erdelementare oder zauberkräftigen Zweikopfmagier bereiteten ihr etwas Unbehagen, doch notfalls würde sie einfach laufen. Im Banner hatte sie ihren Spitznamen "Wiesel" schon lange weg und der Umstand, der zu diesem Namen geführt hatte - ihre Schnelligkeit im Kampf - würde ihr auch sicher hier helfen.
Dachte sie.
*
Mors Atem ging rasch, während sie ihren Schild schützend erhob, um einen Schlag abzuhalten. Eines ihrer Beine war bereits eingeknickt und metallischer Geruch, der eindeutig nicht von ihrer Rüstung stammte, drang in ihre Nase. Vor ihren Augen tanzten bunte Lichter auf und ab, ehe sie fühlte, wie erneut etwas an ihren Kräften riss und zerrte.
"Verdammt..." fluchte sie erstickt und rappelte sich mit Müh' und Not erneut auf.
Weg, nur weg, dachte sie und versuchte, so rasch wie ihre geschwächten Beine sie noch tragen konnten, in Richtung Ausgang zu rennen.
Sie nahm das erbarmungslose, lauter werdende Stampfen wahr.
'Alatar.. lass es nicht zu! Lass mich dir weiter lebend dienen!'
Sie keuchte auf, als ein Schlag sie in ihre Seite traf, taumelte zur Seite, dann jedoch erwischte sie noch ein Schlag - krachend und knirschend prallte sie gegen einen Felsen, hatte das Gefühl, als hätte man ihren Kopf zusammengepresst, dort, wo der Schlag des Elementars sie getroffen hatte. Metallsplitter vom Helm rieselten zu Boden, Blut tropfte hinab und sie sank letztendlich kraftlos zusammen.
Die Welt versank in Schwärze um sie herum.
'Wären da die Schmerzen nicht, wäre alles halb so schlimm.'
Ein lautes Stapfen kam auf sie zu.
'Allein, es tut mir um die leid, die zurück bleiben.'
Ein lautes Krachen ertönte ringsum, während Mor schon gar nicht mehr das Aufblitzen von hellen Licht wahrnahm.
'Hätte ich nur geahnt, dass es so kommen würde...'
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Mor Varnos
Die erste Erinnerung war verschwommen. Ein faltenreiches, grau behaartes und eher kleines Gesicht hatte sich in ihr Blickfeld geschoben, derweil sie das Gefühl hatte, leuchtende Sterne würden vor ihren Augen tanzen. Der scharfe Geruch von Kräutern hatte ihre Nase umwölkt, Schmerz durchströmte ihren Körper und malträtierte ihren Geist. Irgendwas hatte der Alte noch von sich gegeben, doch sie glitt in selige Bewusstlosigkeit zurück.
Die zweite Erinnerung war nur wenig detailreicher und länger. Sie hatte noch zusätzlich den Geschmack eines ekelhaft bitteren Gebräus auf ihrer Zunge gehabt, es offenbar wohl mühselig hinabgeschluckt, als sie nun wohl mehr der Schlaf umfing.
Die dritte Erinnerung war dagegen schon deutlicher. Irgendwann - ob es nun Tag oder Nacht gewesen war, konnte sie nicht sagen, denn die Fensterläden blieben wegen der Kälte des Winters ständig geschlossen - war sie erwacht. Sogleich spürte sie den Schmerz in ihrem linken Bein, ebenso wie in ihren Rippen und ihrem linken Arm. Auch hatte sie jedes Mal das Gefühl, die kleine, einfache Hütte, in der sie offenbar auf einem Lager aus Fellen, Stroh und Wolldecken lag, würde sich um sie drehen, wenn sie den Kopf auch nur ein wenig anhob. So hatte sie mit einem resignierenden Seufzer den Kopf auf das Federkissen zurücksinken lassen und eine Weile nur die Holzbalken des niedrigen Daches über sich angestarrt, die schwach vom Licht weniger Kerzen beschienen wurden. Der Geruch von Kräutern hing in der Luft und wenig später kam der Alte, schwer auf einem krummen Gehstock gestützt, in die Hütte reingewackelt. Freudig hatte er über das ganze, zerknitterte Gesicht gelächelt und seinen zahnlückigen Mund präsentiert.
"Na, endlich ist sie wach, ohne dass sie mir schon fast wieder zu entschwinden droht!"
Sie verzog nur ihr Gesicht. Die Zunge fühlte sich schwer an und nach Reden war ihr eigentlich nicht zumute. Das übernahm er dafür umso eifriger, sprach von 'frechen Elementaren', einer Höhle, von ihrer Rüstung, die sie getragen hatte, wobei er ihr einen arg lädierten Helm präsentierte, der an einer Stelle sogar sichtlich gebrochen war. Stirnrunzelnd betrachtete sie den Helm, lauschte den Worten und fühlte mehr und mehr, wie eine entsetzliche Kälte und das Gefühl von Einsamkeit nach ihr griff.
"Und wie heisst du, Mädel?" fragte er sie am Ende seines Redeschwalles und wackelte zu ihrem Bett näher heran, auf seiner Miene lag ein gütiges Lächeln.
Jetzt wusste sie, woher diese Kälte kam, warum sie das Gefühl hatte, der einsamste Mensch auf dieser Welt zu sein und warum dieser Helm, diese Rüstung ihr so fremd vorkamen - sie wusste ihren Namen nicht. Sie wusste nicht, wer sie war, woher sie kam, was geschehen war und warum sie hier lag. Es war alles fort, als hätte sie nie existiert. Als wäre sie an diesem Tag gerade erst geboren. Lediglich die verschwommenen Erinnerungen, wenige Fetzen, von Schmerzen getränkt, waberten durch ihren Geist.
Tage zogen ins Land, derweil sie sich nur langsam wieder aufraffte. Sie wollte schon früher aufstehen, doch liess sie der Schmerz jedes Mal wieder keuchend zurück in die Felle fallen. Murrend bat sie von dem Alten das bittere Gebräu, was sie rascher schlafen liess und ihr die Schmerzen nahm. Mit der Zeit wurde seine Miene immer besorgter, besonders, als sie anfing, das Gesöff hinunter zu stürzen, als wäre es bloss eine warme Milch. Doch sie ignorierte seine Warnungen, dass sie vielleicht nicht mehr ohne leben kann, wenn sie es ständig zu sich nehmen würde. Egal. Sie wollte diese Zeit der Schwäche einfach nur noch schlafend und halbwegs schmerzfrei hinter sich bringen.
Mehrere Brüche trug sie am Körper - am Bein, an den Rippen, der Unterarm war ebenso etwas lädiert und ihre linke Gesichtshälte war überzogen mit tiefen Kratzern, die wohl von den Splittern des Helmes herrührten. Diesen nahm sie dann, als die Schmerzen langsam vergingen und ihre Brüche heilten, immer öfter zur Hand, drehte und wendete ihn, setzte ihn sogar einmal behutsam über, um zu sehen, ob er sie an etwas erinnern würde. Der Geruch war ihr in gewisser Weise vertraut, doch mehr auch nicht. Bei ihrer Rüstung war es nicht viel anders. Auch ihre übrige Habe zeigte der Alte ihr - ein Schwert von hellrötlicher Färbung, dessen Metall sich eigenartig warm anfühlte. Ein silberner, mit Stacheln bewehrter Kolben und ein Schild aus einem blauen Material. Nichts davon trug eine Schmiedemarke oder sonstige Abzeichen, ebenso wie ihre Kleidung. Lediglich ihr Schwertgurt trug etwas Auffälliges - ein Lederband, das stramm umwickelt eine schwarze, lange Strähne hielt.
"Hast ja auch schwarzes Haar, Mädel", krächzte der Alte und deutet zu ihrem Haarschopf, doch sie schüttelte den Kopf leicht.
"Warum sollte ich mir mein eigenes Haar an den Schwertgurt binden?"
Sie strich über die Strähne, furchte tief die Stirn, doch nichts kam ihr dazu in den Sinn. Keine Erinnerung, lediglich das vertraute Gefühl, dass sie es kannte und dass es zu ihr gehörte.
In der Nacht jedoch träumte sie, wenn sie nicht unter dem Einfluss des bitteren Gebräus lag. Feuer war es stets, was sie in ihrem Traum begleitete und oft glaubte sie das Schlagen von Schwingen zu hören, kraftvoll und mit Nachdruck. Einmal glaubte sie auch das Fauchen einer grossen Katze zu hören und dann, ganz blass, schob sich da ein Gesicht in ihr Blickfeld. Kurz nur, zu kurz, um es zu erfassen, doch konnte sie schwarze, lange Haare erkennen.
Allmählich erhob sie sich immer öfter und auf einen Stock gestützt humpelte sie vorsichtig und noch kraftlos durch die kleine Hütte des Alten. Sie war rastlos auf der einen Seite, doch zu schwach und verletzt noch auf der anderen, um hinaus zu ziehen und zu ergründen, wer sie war und woher sie kam.
Dass sie eine Kämpferin war, stand fest. Doch scheinbar wohl eine freie Kämpferin, wie der Alte anmerkte, sonst hätte sie wohl ein deutliches Abzeichen bei sich getragen.
So zogen die Tage ins Land, derweil sie sich langsam erholte, ihre Verletzungen heilten und sie auch die ersten Schritte hinaus aus der Hütte wagte. Lameriast, so erzählte der Alte, würde diese Insel heissen und er lebte in einem Gebirge der Insel als Einsiedler. Neben der Hütte befand sich noch ein kleiner Stall, in dem er zwei Ziegen und wenige Hühner sowie ein Schaf hielt, die er versorgte. Er lebte offenbar grösstenteils von dem, was die Natur um ihn herum hergab und wanderte wohl nur ab und an zu dem kleinen Dorf namens Neuhaven, welches auf der Insel lag.
Sie brannte darauf, zu diesem Ort zu ziehen. Vielleicht würde sie ja dort jemand kennen? Doch ihr sagte der Name nichts.
Der Alte zählte ihr andere Ortsnamen auf, auch jene auf Gerimor und hier stockte sie. Bajard, Rahal, Varuna - das klang halbwegs vertraut.
"Kommt nun drauf an, woher du stammst, Mädel. Wenn du aus Rahal kommst, solltest nicht nach Varuna gehen und wenn du aus Varuna stammst, machst du lieber einen ordentlich Bogen um Rahal."
Stirnrunzelnd hatte sie ihn gefragt, weshalb und er erzählte ihr von den beiden Orten, derweil sie ihre Hände an ihren Kopf legte und den Boden anstarrte. Rahal, Varuna, Rahal, Varuna... es kam nichts weiter hoch, als das Gefühl, dass sie vertraut klangen, was auch Bajard tat.
"Geh mal lieber erst nach Bajard, wenn es dir wieder besser geht. Dort kannst du dich halbwegs unbehelligt umschauen, wenn du zu einer von beiden Städten gehörst. Vielleicht kennt dich da ja sogar wer."
Ja, vielleicht, dachte sie bei sich im Stillen bitter, und wenn nicht, würde sie dann ewig namenlos und ohne Vergangenheit bleiben?
Und was wäre, wenn ihr diese Vergangenheit, die sie hatte, nicht gefallen würde?
Mit diesen Gedanken legte sie sich oft schlafen, träumte dann und wann unruhig vom Feuer, was sie jedoch nicht fürchtete, von dem Schlagen mächtiger Schwingen, von diesem Gesicht und manchmal sogar glaubte sie einen Namen zu hören, wie jemand nach ihr rief. Vertraut klang der Name, doch wenn sie wieder erwachte, so war er wieder so fern, wie das bisherige Leben, nach dem sie suchte.
Die zweite Erinnerung war nur wenig detailreicher und länger. Sie hatte noch zusätzlich den Geschmack eines ekelhaft bitteren Gebräus auf ihrer Zunge gehabt, es offenbar wohl mühselig hinabgeschluckt, als sie nun wohl mehr der Schlaf umfing.
Die dritte Erinnerung war dagegen schon deutlicher. Irgendwann - ob es nun Tag oder Nacht gewesen war, konnte sie nicht sagen, denn die Fensterläden blieben wegen der Kälte des Winters ständig geschlossen - war sie erwacht. Sogleich spürte sie den Schmerz in ihrem linken Bein, ebenso wie in ihren Rippen und ihrem linken Arm. Auch hatte sie jedes Mal das Gefühl, die kleine, einfache Hütte, in der sie offenbar auf einem Lager aus Fellen, Stroh und Wolldecken lag, würde sich um sie drehen, wenn sie den Kopf auch nur ein wenig anhob. So hatte sie mit einem resignierenden Seufzer den Kopf auf das Federkissen zurücksinken lassen und eine Weile nur die Holzbalken des niedrigen Daches über sich angestarrt, die schwach vom Licht weniger Kerzen beschienen wurden. Der Geruch von Kräutern hing in der Luft und wenig später kam der Alte, schwer auf einem krummen Gehstock gestützt, in die Hütte reingewackelt. Freudig hatte er über das ganze, zerknitterte Gesicht gelächelt und seinen zahnlückigen Mund präsentiert.
"Na, endlich ist sie wach, ohne dass sie mir schon fast wieder zu entschwinden droht!"
Sie verzog nur ihr Gesicht. Die Zunge fühlte sich schwer an und nach Reden war ihr eigentlich nicht zumute. Das übernahm er dafür umso eifriger, sprach von 'frechen Elementaren', einer Höhle, von ihrer Rüstung, die sie getragen hatte, wobei er ihr einen arg lädierten Helm präsentierte, der an einer Stelle sogar sichtlich gebrochen war. Stirnrunzelnd betrachtete sie den Helm, lauschte den Worten und fühlte mehr und mehr, wie eine entsetzliche Kälte und das Gefühl von Einsamkeit nach ihr griff.
"Und wie heisst du, Mädel?" fragte er sie am Ende seines Redeschwalles und wackelte zu ihrem Bett näher heran, auf seiner Miene lag ein gütiges Lächeln.
Jetzt wusste sie, woher diese Kälte kam, warum sie das Gefühl hatte, der einsamste Mensch auf dieser Welt zu sein und warum dieser Helm, diese Rüstung ihr so fremd vorkamen - sie wusste ihren Namen nicht. Sie wusste nicht, wer sie war, woher sie kam, was geschehen war und warum sie hier lag. Es war alles fort, als hätte sie nie existiert. Als wäre sie an diesem Tag gerade erst geboren. Lediglich die verschwommenen Erinnerungen, wenige Fetzen, von Schmerzen getränkt, waberten durch ihren Geist.
Tage zogen ins Land, derweil sie sich nur langsam wieder aufraffte. Sie wollte schon früher aufstehen, doch liess sie der Schmerz jedes Mal wieder keuchend zurück in die Felle fallen. Murrend bat sie von dem Alten das bittere Gebräu, was sie rascher schlafen liess und ihr die Schmerzen nahm. Mit der Zeit wurde seine Miene immer besorgter, besonders, als sie anfing, das Gesöff hinunter zu stürzen, als wäre es bloss eine warme Milch. Doch sie ignorierte seine Warnungen, dass sie vielleicht nicht mehr ohne leben kann, wenn sie es ständig zu sich nehmen würde. Egal. Sie wollte diese Zeit der Schwäche einfach nur noch schlafend und halbwegs schmerzfrei hinter sich bringen.
Mehrere Brüche trug sie am Körper - am Bein, an den Rippen, der Unterarm war ebenso etwas lädiert und ihre linke Gesichtshälte war überzogen mit tiefen Kratzern, die wohl von den Splittern des Helmes herrührten. Diesen nahm sie dann, als die Schmerzen langsam vergingen und ihre Brüche heilten, immer öfter zur Hand, drehte und wendete ihn, setzte ihn sogar einmal behutsam über, um zu sehen, ob er sie an etwas erinnern würde. Der Geruch war ihr in gewisser Weise vertraut, doch mehr auch nicht. Bei ihrer Rüstung war es nicht viel anders. Auch ihre übrige Habe zeigte der Alte ihr - ein Schwert von hellrötlicher Färbung, dessen Metall sich eigenartig warm anfühlte. Ein silberner, mit Stacheln bewehrter Kolben und ein Schild aus einem blauen Material. Nichts davon trug eine Schmiedemarke oder sonstige Abzeichen, ebenso wie ihre Kleidung. Lediglich ihr Schwertgurt trug etwas Auffälliges - ein Lederband, das stramm umwickelt eine schwarze, lange Strähne hielt.
"Hast ja auch schwarzes Haar, Mädel", krächzte der Alte und deutet zu ihrem Haarschopf, doch sie schüttelte den Kopf leicht.
"Warum sollte ich mir mein eigenes Haar an den Schwertgurt binden?"
Sie strich über die Strähne, furchte tief die Stirn, doch nichts kam ihr dazu in den Sinn. Keine Erinnerung, lediglich das vertraute Gefühl, dass sie es kannte und dass es zu ihr gehörte.
In der Nacht jedoch träumte sie, wenn sie nicht unter dem Einfluss des bitteren Gebräus lag. Feuer war es stets, was sie in ihrem Traum begleitete und oft glaubte sie das Schlagen von Schwingen zu hören, kraftvoll und mit Nachdruck. Einmal glaubte sie auch das Fauchen einer grossen Katze zu hören und dann, ganz blass, schob sich da ein Gesicht in ihr Blickfeld. Kurz nur, zu kurz, um es zu erfassen, doch konnte sie schwarze, lange Haare erkennen.
Allmählich erhob sie sich immer öfter und auf einen Stock gestützt humpelte sie vorsichtig und noch kraftlos durch die kleine Hütte des Alten. Sie war rastlos auf der einen Seite, doch zu schwach und verletzt noch auf der anderen, um hinaus zu ziehen und zu ergründen, wer sie war und woher sie kam.
Dass sie eine Kämpferin war, stand fest. Doch scheinbar wohl eine freie Kämpferin, wie der Alte anmerkte, sonst hätte sie wohl ein deutliches Abzeichen bei sich getragen.
So zogen die Tage ins Land, derweil sie sich langsam erholte, ihre Verletzungen heilten und sie auch die ersten Schritte hinaus aus der Hütte wagte. Lameriast, so erzählte der Alte, würde diese Insel heissen und er lebte in einem Gebirge der Insel als Einsiedler. Neben der Hütte befand sich noch ein kleiner Stall, in dem er zwei Ziegen und wenige Hühner sowie ein Schaf hielt, die er versorgte. Er lebte offenbar grösstenteils von dem, was die Natur um ihn herum hergab und wanderte wohl nur ab und an zu dem kleinen Dorf namens Neuhaven, welches auf der Insel lag.
Sie brannte darauf, zu diesem Ort zu ziehen. Vielleicht würde sie ja dort jemand kennen? Doch ihr sagte der Name nichts.
Der Alte zählte ihr andere Ortsnamen auf, auch jene auf Gerimor und hier stockte sie. Bajard, Rahal, Varuna - das klang halbwegs vertraut.
"Kommt nun drauf an, woher du stammst, Mädel. Wenn du aus Rahal kommst, solltest nicht nach Varuna gehen und wenn du aus Varuna stammst, machst du lieber einen ordentlich Bogen um Rahal."
Stirnrunzelnd hatte sie ihn gefragt, weshalb und er erzählte ihr von den beiden Orten, derweil sie ihre Hände an ihren Kopf legte und den Boden anstarrte. Rahal, Varuna, Rahal, Varuna... es kam nichts weiter hoch, als das Gefühl, dass sie vertraut klangen, was auch Bajard tat.
"Geh mal lieber erst nach Bajard, wenn es dir wieder besser geht. Dort kannst du dich halbwegs unbehelligt umschauen, wenn du zu einer von beiden Städten gehörst. Vielleicht kennt dich da ja sogar wer."
Ja, vielleicht, dachte sie bei sich im Stillen bitter, und wenn nicht, würde sie dann ewig namenlos und ohne Vergangenheit bleiben?
Und was wäre, wenn ihr diese Vergangenheit, die sie hatte, nicht gefallen würde?
Mit diesen Gedanken legte sie sich oft schlafen, träumte dann und wann unruhig vom Feuer, was sie jedoch nicht fürchtete, von dem Schlagen mächtiger Schwingen, von diesem Gesicht und manchmal sogar glaubte sie einen Namen zu hören, wie jemand nach ihr rief. Vertraut klang der Name, doch wenn sie wieder erwachte, so war er wieder so fern, wie das bisherige Leben, nach dem sie suchte.
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Mor Varnos
Die Tage vergingen und weiter führten sie ihre Schritte. Manches Mal hatte sie auf einen der erhöhten Punkte nahe der Hütte gestanden, auf einem Stab gestützt und nachdenklich ihren Blick aus ihren grünen Augen über die Landschaft streichen lassen. Wenn das Wetter sonnig und klar war, konnte sie bis zum Hafen Lameriasts schauen und die Schiffe beobachten, die dort anlandeten und wieder ablegten. Sie spielte nicht selten mit dem Gedanken, bald aufzubrechen und versuchen, mehr über sich zu erfahren. Noch immer fehlte ihr ihre gesamte Vergangenheit und lediglich in den Träumen tauchten ab und an wenige, vertraute Bruchstücke auf, die sie jedoch schwer zuordnen konnte und häufig sogar nach dem Erwachen vergaß. Der Alte kümmerte sich weiter um ihre Verletzungen, doch irgendwann war sie soweit halbwegs auf den Beinen, dass sie auch einen längeren Marsch nach Neuhaven schaffen konnte. Sie verabschiedete sich von ihm, dann jedoch machte sie sich langsam und leicht humpelnd auf den Weg, dabei sich auf einen Stab stützend und erreichte nach einem Fussmarsch, der sie zu dem Zeitpunkt noch etwas anstrengte, den Hafen der Insel.
Bajard, so hatte sie entschieden, sollte ihr Ziel sein. Es erschien ihr sicherer, als direkt in einem der anderen beiden, rivalisierenden Reiche aufzutauchen. Wer weiss, wohin sie gehörte...
In Bajard begann sie sich umzusehen. Die Gesichter der Menschen musterte sie, die Gebäude ebenso. Der Ort hatte ein wenig was Vertrautes an sich, aber noch kam keine Erinnerung zurück. Die Gesichter wiederum waren ihr gänzlich fremd. Langsam ging sie nahe des Hafens entlang, schaute sich eher unschlüssig um, denn sie war sich unsicher, wohin ihre Schritte sie nun lenken sollten. Da sah sie einen Mann, mit schwarzen Haaren, die er zu einem Zopf gebunden hatte. Die rote und goldfarbene Kleidung hatte etwas uniformelles an sich und trotz der Dunkelheit, die nun schon auf den Gassen der Siedlung herrschte, war da doch etwas an ihm, was ihr ein wenig bekannter vorkam. Dennoch war sie noch unsicher, ging vorüber, sah einen Moment noch zu eine der Fähren rüber, ehe sie nochmals zu dem Mann blickte und sich dann doch ein Herz fasste und ihn ansprach.
Er drehte sich herum, sah sie an, ehe seine Miene sich deutlich in Fassungslosigkeit und Unglauben wandelte. Zittrig hob er die rechte Hand etwas, hauchte leise und ungläubig ein "Du?". Dieses Verhalten verunsicherte sie wiederum, beteuerte rasch, sie würde nicht lang stören wollen, doch dann stutzte sie - er kannte sie. Doch ehe sie mehr fragen konnte, spürte sie einen Schlag und sie taumelte leicht. Wütend und mit feuchten Augen sah der Mann sie an, griff dann sogleich zu dem Kragen ihrer Weste und zog sie heran zu sich, zischte ihr leise zu: "Wie konntest du es wagen...?"
Ängstlicher nun versuchte sie sich mit ihrem Stab zu verteidigen, doch er stiess sie dann von sich und sie landete auf den Boden eher unsanft.
"Wieviele verdammte Nächte haben wir auf ein Zeichen gewartet? Wieviele elende Tage haben wir mit der Suche nach dir verbracht und wieviele Stunden des Kummers hast du uns bereitet... hast du.. mir bereitet?"
Eine Träne suchte ihren Weg über sein Gesicht hinab, während er mit geballten Fäusten vor ihr stand und auch wenn sie seine Wut, seine gesamte Reaktion noch nicht so recht verstand - er kannte sie und das fragte sie, trotz allem hoffnungsvoll klingend, hinauf.
"Wage nicht mich jetzt auch noch zu verspotten, Varnos", herrschte er sie an, zu ihr hinabdeutend mit einem Finger, während sie sich etwas mühselig wieder aufrappelte.
Sie stockte - Varnos. Es klang halbwegs vertraut. Doch während sie in ihrem Gedächtnis wühlte und suchte, jammerte er weiter voller Wut und Trauer, zitternd am ganzen Leib.
"Kannst du dir vorstellen, wie es schmerzte Cregan zurückzuhalten, als er losreiten wollte, um allein nach dir weiter zu suchen oder Bronn davon abzuhalten, den Stein mit deinem Namen zu errichten?"
Sie jedoch schüttelte schlicht ihren Kopf, sah an seiner Miene entlang, als würde sie etwas suchen, murmelte lediglich feststellend: "Ihr kennt mich also..."
"Lass die Späße!" brüllte er sie an.
Derweil sie noch ihm versuchte zu erklären, dass sie kaum noch etwas wusste, ja, nicht mal wusste, wer sie war, sprach er von Strafe, ehe er an ihr entlangblickte, seine Miene verzog und zu einem ledernen Band griff, was er sich von seinem Hals riss und vor ihr zu Boden schleuderte.
"Und ich weiss auch nicht mehr, wer du bist", sprach er noch leise, wandte sich dann jedoch eilig um und schritt die Gasse hinab, nur noch einmal zurückblickend, derweil sie sich hinabhockte und zu dem Band griff. Ein Anhänger mit einem Wolfskopf sowie ein Haarbüschel aus schwarzen Haaren hing daran. Sie schaute zu ihrem Lederband, welches noch immer an ihrem Schwertgurt hing und was ebenso schwarze Haare hielt. Dann jedoch erhob sie sich, mühte sich noch, ihm zu folgen, doch es war zu spät. Er wusste, wer sie war und hinterliess mehr Fragen als zuvor.
Von Strafe hatte er gesprochen...
Bajard, so hatte sie entschieden, sollte ihr Ziel sein. Es erschien ihr sicherer, als direkt in einem der anderen beiden, rivalisierenden Reiche aufzutauchen. Wer weiss, wohin sie gehörte...
In Bajard begann sie sich umzusehen. Die Gesichter der Menschen musterte sie, die Gebäude ebenso. Der Ort hatte ein wenig was Vertrautes an sich, aber noch kam keine Erinnerung zurück. Die Gesichter wiederum waren ihr gänzlich fremd. Langsam ging sie nahe des Hafens entlang, schaute sich eher unschlüssig um, denn sie war sich unsicher, wohin ihre Schritte sie nun lenken sollten. Da sah sie einen Mann, mit schwarzen Haaren, die er zu einem Zopf gebunden hatte. Die rote und goldfarbene Kleidung hatte etwas uniformelles an sich und trotz der Dunkelheit, die nun schon auf den Gassen der Siedlung herrschte, war da doch etwas an ihm, was ihr ein wenig bekannter vorkam. Dennoch war sie noch unsicher, ging vorüber, sah einen Moment noch zu eine der Fähren rüber, ehe sie nochmals zu dem Mann blickte und sich dann doch ein Herz fasste und ihn ansprach.
Er drehte sich herum, sah sie an, ehe seine Miene sich deutlich in Fassungslosigkeit und Unglauben wandelte. Zittrig hob er die rechte Hand etwas, hauchte leise und ungläubig ein "Du?". Dieses Verhalten verunsicherte sie wiederum, beteuerte rasch, sie würde nicht lang stören wollen, doch dann stutzte sie - er kannte sie. Doch ehe sie mehr fragen konnte, spürte sie einen Schlag und sie taumelte leicht. Wütend und mit feuchten Augen sah der Mann sie an, griff dann sogleich zu dem Kragen ihrer Weste und zog sie heran zu sich, zischte ihr leise zu: "Wie konntest du es wagen...?"
Ängstlicher nun versuchte sie sich mit ihrem Stab zu verteidigen, doch er stiess sie dann von sich und sie landete auf den Boden eher unsanft.
"Wieviele verdammte Nächte haben wir auf ein Zeichen gewartet? Wieviele elende Tage haben wir mit der Suche nach dir verbracht und wieviele Stunden des Kummers hast du uns bereitet... hast du.. mir bereitet?"
Eine Träne suchte ihren Weg über sein Gesicht hinab, während er mit geballten Fäusten vor ihr stand und auch wenn sie seine Wut, seine gesamte Reaktion noch nicht so recht verstand - er kannte sie und das fragte sie, trotz allem hoffnungsvoll klingend, hinauf.
"Wage nicht mich jetzt auch noch zu verspotten, Varnos", herrschte er sie an, zu ihr hinabdeutend mit einem Finger, während sie sich etwas mühselig wieder aufrappelte.
Sie stockte - Varnos. Es klang halbwegs vertraut. Doch während sie in ihrem Gedächtnis wühlte und suchte, jammerte er weiter voller Wut und Trauer, zitternd am ganzen Leib.
"Kannst du dir vorstellen, wie es schmerzte Cregan zurückzuhalten, als er losreiten wollte, um allein nach dir weiter zu suchen oder Bronn davon abzuhalten, den Stein mit deinem Namen zu errichten?"
Sie jedoch schüttelte schlicht ihren Kopf, sah an seiner Miene entlang, als würde sie etwas suchen, murmelte lediglich feststellend: "Ihr kennt mich also..."
"Lass die Späße!" brüllte er sie an.
Derweil sie noch ihm versuchte zu erklären, dass sie kaum noch etwas wusste, ja, nicht mal wusste, wer sie war, sprach er von Strafe, ehe er an ihr entlangblickte, seine Miene verzog und zu einem ledernen Band griff, was er sich von seinem Hals riss und vor ihr zu Boden schleuderte.
"Und ich weiss auch nicht mehr, wer du bist", sprach er noch leise, wandte sich dann jedoch eilig um und schritt die Gasse hinab, nur noch einmal zurückblickend, derweil sie sich hinabhockte und zu dem Band griff. Ein Anhänger mit einem Wolfskopf sowie ein Haarbüschel aus schwarzen Haaren hing daran. Sie schaute zu ihrem Lederband, welches noch immer an ihrem Schwertgurt hing und was ebenso schwarze Haare hielt. Dann jedoch erhob sie sich, mühte sich noch, ihm zu folgen, doch es war zu spät. Er wusste, wer sie war und hinterliess mehr Fragen als zuvor.
Von Strafe hatte er gesprochen...
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Dienstag 12. Februar 2008, 09:57, insgesamt 6-mal geändert.
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Mor Varnos
Varuna... Rahal...
Unschlüssig sah sie zu den Schildern nahe der Kutsche am Ortsausgang des kleinen Fischerdorfes. Wohin nun? Und wer mochte dieser Mann gewesen sein? Irgendwie kam ihr das Gesicht vertraut vor und es war fast so, als würde ihr ein Name, ein Gefühl, irgendein Wort auf der Zunge liegen und doch bekam sie es nicht hinaus und zu fassen.
In dem Moment sprach sie ein Mann in Rüstung an, fragte sie, ob sie Hilfe benötige. Sie erzählte ihm davon, dass sie ihr Gedächtnis verloren hatte und von dem Vorfall in Bajard. Er stellte sich ihr als Deso OConner und Hauptmann der Wächter der Freiheit vor. Hilfe versprach er ihr und geleitete sie und einen alten Freund von ihm, der wohl auch gerade erst in Bajard angekommen war, zu einem Haus.
Nachdenklich schweifte ihr Blick an dem Gebäude entlang, in der Hoffnung, vielleicht hier was Bekanntes zu erkennen, aber immer noch kam sie sich fast fremd vor. Ein Mann namens Gor Montego war es dann, der sich ihrem Gesicht annahm und auch sich ihre Geschichte anhörte. Sie erzählte von Lameriast, davon, dass sie kaum mehr etwas wusste und beschrieb für den Hauptmann der Wächter das Aussehen des Mannes, der sie am Hafen schlug. Ein, zwei Schnäpse trank sie, doch auch wenn sie ihrem Gedächtnis kein Stück weit auf die Sprünge halfen, so wusste sie nun zumindest eines - sie vertrug nicht besonders viel Alkohol und schon bald stieg er ihr zu Kopf und liess ihre Wangen röten. Derweil sprach Gor mit Deso wie auch dessen Bekannten über frühere Zeiten als Soldat, von Ruhm und Ehre...
Sie stutzte und schaute stirnrunzelnd zur Seite. Es war, als hätte irgendwer in ihrem Kopf einen Hebel umgelegt. Es klang vertraut und innerlich drängten sich vertraute Bilder auf, jedoch zu kurz, um sie wirklich zu fassen. Doch eines hinterliessen sie - die Gewissheit, dass auch sie dem Soldatenleben gefolgt haben musste. Sie sprach noch eine Weile mit Gor, derweil Deso sich nochmal auf den Weg durch Bajard machte und als sie gedachte, sich wieder zu verabschieden und zurück in den Ort zu kehren, erreichte der Hauptmann der Wächter das Anwesen der Montegos wieder und nannte ihr das Banner der Flammenden Greifen, von denen er wohl welche in Bajard gesehen hätte. Es klang vertraut... sehr vertraut sogar.
Die Männer sprachen von den Greifen, davon dass sie zu Rahal gehören würden und recht gefährlich wären. Vielleicht, so mutmaßten sie, wäre sie ja früher eine Angehörige des Banners gewesen und hätte desertiert. Etwas, worauf mit Sicherheit eine Strafe stehen würde. Sie dachte an die Worte des Greifen am Hafen zurück und leicht erschauderte sie. So musste es wohl sein, dachte sie voller Unbehagen, und nun würden sie nach ihr suchen und sie ihrer Strafe wohl zuführen wollen. Deso schlug ihr vor, sie zum Gasthaus Tirell zu bringen. Dort wäre sie erstmal sicher.
Im Gasthaus selber waren noch ein paar Zimmer frei, in das sie Deso führte und sie dankte ihm nochmals, ehe sich beide voneinander für den Abend verabschiedeten. Langsam liess sie sich auf das schmale Bett nieder, lehnte ihren Stab neben sich an und sah rüber zu dem schmalen Fenster und hinauf zum sternenbehangenen Nachthimmel.
Wie sollte es nun weitergehen, dachte sie mit wachsender Verzweiflung. Wenn sie wirklich ein Deserteur war, dann würde es ihr mit Sicherheit schlecht ergehen. Vielleicht wäre es sicherer, nach Varuna zu fliehen? Oder zurück auf die Insel Lameriast? Aber dann hätte sie immer noch keine Gewissheit darüber, wer sie war, woher sie kam, warum sie einem Banner auf Rahaler Seite angehört hatte und warum sie desertiert haben sollte.
Einen Moment sass sie noch mit unsicherer Miene da, dann aber griff sie zu ihrem Stecken und erhob sich wieder. Sie wollte endlich Gewissheit, auch wenn es ihr Ärger bereiten würde.
So ging sie noch immer leicht humpelnd in Richtung Bajard, wobei sie es tunlichst vermied, auf direktem Wege dorthin zu gehen. Sie wollte die Greifen möglichst aus sicherer Nähe versteckt beobachten. Am Dorfeingang, noch bei den Ständen jedoch, sah sie sie und bei ihnen ein Mann, der sich sogleich zu ihr wandte, vertraut ihren Namen sprach - Mor. Sie stutze, musterte ihn. Der Name klang schon mal reichlich vertraut, doch sein Gesicht war es weniger.
Was dann geschah, war eher ein wildes Hin und Her - die Greifen, von denen ihr zumindest das Gesicht des Blauhaarigen vertraut erschien, auf der einen Seite. Die Bajarder samt einem Horteraspriester mit ausladenen Körpermaßen auf der anderen Seite. Hilfe versprach man ihr auf beiden Seiten und vertraut richtete jede Seite das Wort an sie.
"Wäre ich nur nach Varuna gegangen, da hätte ich vermutlich weniger Ärger", beklagte sie sich, doch der Blauhaarige lächelte etwas und meinte zu ihr "Wenn du wüsstest, Wiesel."
Diese Anrede liess sie ebenso stocken, er erwähnte ihr Pferd, Windhuf und dann fasste sie sich doch ein Herz - sie entschied sich, mit den Greifen zu ziehen. Auch wenn es ihr Ärger einbringen würde - sie hätte zumindest die Möglichkeit, ihrer Vergangenheit auf den Grund zu gehen.
*
Das Lager der Greifen war mit der Kutsche und einem Fußmarsch von den nicht unbekannt wirkenden Stadtmauern Rahals aus bald erreicht. Bronn blieb noch zurück, um die Bajarder vermutlich aufzuhalten, während an ihrer Seite Tharon Mondklinge schritt. Er erzählte ihr, dass er nach ihrem Verschwinden zum Banner gestoßen wäre. Wenige Worte wechselten sie, doch als sie einen Fluch ausstieß, musste er schmunzeln und meinte zu ihr, sie wäre damit bewiesenermaßen eine Greifin, denn sie würde ganz wie Jonath klingen.
Sie verstand es nicht wirklich, doch dann war auch schon bald das Lager erreicht und während sie nachdenklich ihre Schläfe rieb, sah sie an dem Zelt entlang. Tharon verschwand kurz im Zelt mit dem Versprechen, ihr etwas zu Essen und zu Trinken zu bringen, dann jedoch trat auch jener Mann vom Bajarder Hafen hinaus und sah zu ihr mit versteinerter Miene. Er verweigerte Tharon ihr das Essen zu reichen und sprach davon, dass sie eine Fremde wäre.
Es reichte ihr und seine Art machte ihr in diesem Moment auch eher Angst, auch wenn sich noch tief im Inneren bei seinem Anblick ein anderes Gefühl einstellte. Trauer war es vor allem, doch auch noch etwas - als würde etwas in ihr verzweifelt rufen und versuchen hervorzubrechen. Sie jedoch ging wenige Schritte zurück und war schon drauf und dran, wieder zu gehen, doch rief jener Mann sie zurück und auch der Blauhaarige erreichte reitend das Lager wieder. Er, wie auch Tharon, wirkten auf sie milder gestimmt, so dass sie blieb.
Es schien wirklich so, als hätte sie desertiert, doch zeigte sie dem Blauhaarigen ihren Helm, an dem getrocknetes Blut noch klebte, Teile abgesplittert waren und der an der linken Seite reichlich eingedellt war. Allmählich begannen sie, ihr Glauben zu schenken, doch hatte sie dennoch wohl einen Fehltritt begangen, was wohl nicht weniger schlimm war als das Desertieren.
Tharon sollte nun den Kodex der Greifen ihr aufsagen, damit sie erkennen würde, welche Strafe ihr bevorstand. Sie lauschte, sah hinab in das Feuer und als er die ersten Sätze begann, verlor sich ihr Blick in den Flammen.
Bilder kehrten auf einmal zurück. Sie sah Mannen in goldfarbenen Rüstungen, wehenden, roten Umhängen, polierte Schwerter an ihren Seiten. Sie sah das Banner der Greifen über sich wehen und sich ihre Hand auf ihre Herzgegend legend. Fern noch schien ihre Stimme und die der anderen, als sie Worte sprach, die sich nur langsam ihren Weg durch ihr Bewusstsein bahnten. Kurz sah sie eine Stadt, dunkel die Gassen, Pantherstatuen und den Blick dieser auf sie gerichtet. Ein Gefühl der Stärke überkam sie und kurz, viel zu kurz, sah sie eine silberne Maske, dahinter ozeanblaue Augen, deren wässriger Blick etwas in ihr regen ließ, doch ehe sie es erkennen konnte, war die Erinnerung und das Gefühl mit ihr wieder abgetaucht, wie in einem wilden Strudel. Sie sah Ritter in dunklen Rüstungen, sie sah purpurne und schwarze Banner wehen, sie hörte das Stampfen von Hufen auf dem Boden und über allem lag ein Hauch von Übermut, Ehre, dem Willen nach einem ruhmreichen Leben...
... und sie begann in Tharons Worte einzufallen, erst noch, als würde sie es selber kaum realisieren, ehe sie langsam ihren Blick hob und mit jedem Wort des Greifenkodex schien mehr und mehr in ihrem Bewusstsein zurückzukehren. Gute und schlechte Erinnerungen, manche blieben zurück, manche versanken wieder im Strudel, doch Gewissheit, was sie war, blieb bestehen und mit ihr die Gewissheit, dass sie nie fortgehen wollte.
Nein, sie wusste nun warum. Sie war nach Lameriast gereist, um an Geld zu kommen. Geld für die Festung der Greifen.
Erleichterung machte sich unweigerlich breit und nicht nur bei ihr.
Als sie wenig später alle eine Flasche Bier in der Hand hielten und sie feststellte, dass sie Bier doch eigentlich nie mochte, der Spitzname "Wiesel" aus einem Kampf mit Bronn herrührte, da kamen auch bruchstückhaft noch andere Erinnerungen wieder und ihr Blick ging hinüber zu jenem Mann vom Hafen - Jonath Grauwind, Hauptmann der Greifen und auch...
Unsicher huschte sein Blick über Mors Gesicht und sie schenkte ihm ein zaghaftes Lächeln.
ooc: Falls irgendwas nicht so ganz stimmt, sagt mir bitte Bescheid. Es war schon spät in der Nacht und ausserdem ist das nun auch ein wenig her, so dass vielleicht meine eigene Erinnerung nicht mehr die Frischeste sein mag.
Unschlüssig sah sie zu den Schildern nahe der Kutsche am Ortsausgang des kleinen Fischerdorfes. Wohin nun? Und wer mochte dieser Mann gewesen sein? Irgendwie kam ihr das Gesicht vertraut vor und es war fast so, als würde ihr ein Name, ein Gefühl, irgendein Wort auf der Zunge liegen und doch bekam sie es nicht hinaus und zu fassen.
In dem Moment sprach sie ein Mann in Rüstung an, fragte sie, ob sie Hilfe benötige. Sie erzählte ihm davon, dass sie ihr Gedächtnis verloren hatte und von dem Vorfall in Bajard. Er stellte sich ihr als Deso OConner und Hauptmann der Wächter der Freiheit vor. Hilfe versprach er ihr und geleitete sie und einen alten Freund von ihm, der wohl auch gerade erst in Bajard angekommen war, zu einem Haus.
Nachdenklich schweifte ihr Blick an dem Gebäude entlang, in der Hoffnung, vielleicht hier was Bekanntes zu erkennen, aber immer noch kam sie sich fast fremd vor. Ein Mann namens Gor Montego war es dann, der sich ihrem Gesicht annahm und auch sich ihre Geschichte anhörte. Sie erzählte von Lameriast, davon, dass sie kaum mehr etwas wusste und beschrieb für den Hauptmann der Wächter das Aussehen des Mannes, der sie am Hafen schlug. Ein, zwei Schnäpse trank sie, doch auch wenn sie ihrem Gedächtnis kein Stück weit auf die Sprünge halfen, so wusste sie nun zumindest eines - sie vertrug nicht besonders viel Alkohol und schon bald stieg er ihr zu Kopf und liess ihre Wangen röten. Derweil sprach Gor mit Deso wie auch dessen Bekannten über frühere Zeiten als Soldat, von Ruhm und Ehre...
Sie stutzte und schaute stirnrunzelnd zur Seite. Es war, als hätte irgendwer in ihrem Kopf einen Hebel umgelegt. Es klang vertraut und innerlich drängten sich vertraute Bilder auf, jedoch zu kurz, um sie wirklich zu fassen. Doch eines hinterliessen sie - die Gewissheit, dass auch sie dem Soldatenleben gefolgt haben musste. Sie sprach noch eine Weile mit Gor, derweil Deso sich nochmal auf den Weg durch Bajard machte und als sie gedachte, sich wieder zu verabschieden und zurück in den Ort zu kehren, erreichte der Hauptmann der Wächter das Anwesen der Montegos wieder und nannte ihr das Banner der Flammenden Greifen, von denen er wohl welche in Bajard gesehen hätte. Es klang vertraut... sehr vertraut sogar.
Die Männer sprachen von den Greifen, davon dass sie zu Rahal gehören würden und recht gefährlich wären. Vielleicht, so mutmaßten sie, wäre sie ja früher eine Angehörige des Banners gewesen und hätte desertiert. Etwas, worauf mit Sicherheit eine Strafe stehen würde. Sie dachte an die Worte des Greifen am Hafen zurück und leicht erschauderte sie. So musste es wohl sein, dachte sie voller Unbehagen, und nun würden sie nach ihr suchen und sie ihrer Strafe wohl zuführen wollen. Deso schlug ihr vor, sie zum Gasthaus Tirell zu bringen. Dort wäre sie erstmal sicher.
Im Gasthaus selber waren noch ein paar Zimmer frei, in das sie Deso führte und sie dankte ihm nochmals, ehe sich beide voneinander für den Abend verabschiedeten. Langsam liess sie sich auf das schmale Bett nieder, lehnte ihren Stab neben sich an und sah rüber zu dem schmalen Fenster und hinauf zum sternenbehangenen Nachthimmel.
Wie sollte es nun weitergehen, dachte sie mit wachsender Verzweiflung. Wenn sie wirklich ein Deserteur war, dann würde es ihr mit Sicherheit schlecht ergehen. Vielleicht wäre es sicherer, nach Varuna zu fliehen? Oder zurück auf die Insel Lameriast? Aber dann hätte sie immer noch keine Gewissheit darüber, wer sie war, woher sie kam, warum sie einem Banner auf Rahaler Seite angehört hatte und warum sie desertiert haben sollte.
Einen Moment sass sie noch mit unsicherer Miene da, dann aber griff sie zu ihrem Stecken und erhob sich wieder. Sie wollte endlich Gewissheit, auch wenn es ihr Ärger bereiten würde.
So ging sie noch immer leicht humpelnd in Richtung Bajard, wobei sie es tunlichst vermied, auf direktem Wege dorthin zu gehen. Sie wollte die Greifen möglichst aus sicherer Nähe versteckt beobachten. Am Dorfeingang, noch bei den Ständen jedoch, sah sie sie und bei ihnen ein Mann, der sich sogleich zu ihr wandte, vertraut ihren Namen sprach - Mor. Sie stutze, musterte ihn. Der Name klang schon mal reichlich vertraut, doch sein Gesicht war es weniger.
Was dann geschah, war eher ein wildes Hin und Her - die Greifen, von denen ihr zumindest das Gesicht des Blauhaarigen vertraut erschien, auf der einen Seite. Die Bajarder samt einem Horteraspriester mit ausladenen Körpermaßen auf der anderen Seite. Hilfe versprach man ihr auf beiden Seiten und vertraut richtete jede Seite das Wort an sie.
"Wäre ich nur nach Varuna gegangen, da hätte ich vermutlich weniger Ärger", beklagte sie sich, doch der Blauhaarige lächelte etwas und meinte zu ihr "Wenn du wüsstest, Wiesel."
Diese Anrede liess sie ebenso stocken, er erwähnte ihr Pferd, Windhuf und dann fasste sie sich doch ein Herz - sie entschied sich, mit den Greifen zu ziehen. Auch wenn es ihr Ärger einbringen würde - sie hätte zumindest die Möglichkeit, ihrer Vergangenheit auf den Grund zu gehen.
*
Das Lager der Greifen war mit der Kutsche und einem Fußmarsch von den nicht unbekannt wirkenden Stadtmauern Rahals aus bald erreicht. Bronn blieb noch zurück, um die Bajarder vermutlich aufzuhalten, während an ihrer Seite Tharon Mondklinge schritt. Er erzählte ihr, dass er nach ihrem Verschwinden zum Banner gestoßen wäre. Wenige Worte wechselten sie, doch als sie einen Fluch ausstieß, musste er schmunzeln und meinte zu ihr, sie wäre damit bewiesenermaßen eine Greifin, denn sie würde ganz wie Jonath klingen.
Sie verstand es nicht wirklich, doch dann war auch schon bald das Lager erreicht und während sie nachdenklich ihre Schläfe rieb, sah sie an dem Zelt entlang. Tharon verschwand kurz im Zelt mit dem Versprechen, ihr etwas zu Essen und zu Trinken zu bringen, dann jedoch trat auch jener Mann vom Bajarder Hafen hinaus und sah zu ihr mit versteinerter Miene. Er verweigerte Tharon ihr das Essen zu reichen und sprach davon, dass sie eine Fremde wäre.
Es reichte ihr und seine Art machte ihr in diesem Moment auch eher Angst, auch wenn sich noch tief im Inneren bei seinem Anblick ein anderes Gefühl einstellte. Trauer war es vor allem, doch auch noch etwas - als würde etwas in ihr verzweifelt rufen und versuchen hervorzubrechen. Sie jedoch ging wenige Schritte zurück und war schon drauf und dran, wieder zu gehen, doch rief jener Mann sie zurück und auch der Blauhaarige erreichte reitend das Lager wieder. Er, wie auch Tharon, wirkten auf sie milder gestimmt, so dass sie blieb.
Es schien wirklich so, als hätte sie desertiert, doch zeigte sie dem Blauhaarigen ihren Helm, an dem getrocknetes Blut noch klebte, Teile abgesplittert waren und der an der linken Seite reichlich eingedellt war. Allmählich begannen sie, ihr Glauben zu schenken, doch hatte sie dennoch wohl einen Fehltritt begangen, was wohl nicht weniger schlimm war als das Desertieren.
Tharon sollte nun den Kodex der Greifen ihr aufsagen, damit sie erkennen würde, welche Strafe ihr bevorstand. Sie lauschte, sah hinab in das Feuer und als er die ersten Sätze begann, verlor sich ihr Blick in den Flammen.
Bilder kehrten auf einmal zurück. Sie sah Mannen in goldfarbenen Rüstungen, wehenden, roten Umhängen, polierte Schwerter an ihren Seiten. Sie sah das Banner der Greifen über sich wehen und sich ihre Hand auf ihre Herzgegend legend. Fern noch schien ihre Stimme und die der anderen, als sie Worte sprach, die sich nur langsam ihren Weg durch ihr Bewusstsein bahnten. Kurz sah sie eine Stadt, dunkel die Gassen, Pantherstatuen und den Blick dieser auf sie gerichtet. Ein Gefühl der Stärke überkam sie und kurz, viel zu kurz, sah sie eine silberne Maske, dahinter ozeanblaue Augen, deren wässriger Blick etwas in ihr regen ließ, doch ehe sie es erkennen konnte, war die Erinnerung und das Gefühl mit ihr wieder abgetaucht, wie in einem wilden Strudel. Sie sah Ritter in dunklen Rüstungen, sie sah purpurne und schwarze Banner wehen, sie hörte das Stampfen von Hufen auf dem Boden und über allem lag ein Hauch von Übermut, Ehre, dem Willen nach einem ruhmreichen Leben...
... und sie begann in Tharons Worte einzufallen, erst noch, als würde sie es selber kaum realisieren, ehe sie langsam ihren Blick hob und mit jedem Wort des Greifenkodex schien mehr und mehr in ihrem Bewusstsein zurückzukehren. Gute und schlechte Erinnerungen, manche blieben zurück, manche versanken wieder im Strudel, doch Gewissheit, was sie war, blieb bestehen und mit ihr die Gewissheit, dass sie nie fortgehen wollte.
Nein, sie wusste nun warum. Sie war nach Lameriast gereist, um an Geld zu kommen. Geld für die Festung der Greifen.
Erleichterung machte sich unweigerlich breit und nicht nur bei ihr.
Als sie wenig später alle eine Flasche Bier in der Hand hielten und sie feststellte, dass sie Bier doch eigentlich nie mochte, der Spitzname "Wiesel" aus einem Kampf mit Bronn herrührte, da kamen auch bruchstückhaft noch andere Erinnerungen wieder und ihr Blick ging hinüber zu jenem Mann vom Hafen - Jonath Grauwind, Hauptmann der Greifen und auch...
Unsicher huschte sein Blick über Mors Gesicht und sie schenkte ihm ein zaghaftes Lächeln.
ooc: Falls irgendwas nicht so ganz stimmt, sagt mir bitte Bescheid. Es war schon spät in der Nacht und ausserdem ist das nun auch ein wenig her, so dass vielleicht meine eigene Erinnerung nicht mehr die Frischeste sein mag.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Dienstag 12. Februar 2008, 10:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Mor Varnos
Schwarz war die Rüstung und einzig der Umhang mochte in seiner blutroten Farbe noch etwas an dem erinnern, was sie einst voller Stolz getragen hatte. Nunmehr fühlte sie diesen Stolz erneut, wenngleich Mor als Landsknecht keinen hohen Stand hatte. Aber daran liess sich etwas ändern...
Ihr Blick, den sie in den Spiegel warf, ging kritisch über die Uniform, die in diesen unsicheren Zeiten, wo seine Heiligkeit die Stadt verlassen hatte, entsprechend wehrhaft ausfallen musste. Kein Fehler, kein Fleck, kein Tadel - mehr und mehr hatte sie in den letzten Wochen begonnen, an sich zu arbeiten, um den Einen entsprechend zu ehren.
Daneben verblasste in ihrem Alltag das Gedächtnis an die Greifen. Sie waren für sie zwar weiterhin ein Teil ihres Lebens, doch mehr ihrer Vergangenheit. Ihre Zukunft war noch ungewiss und im Moment kein Teil ihrer Sorge; einzig galt ihr Augenmerk auf ihr eigenes Vorankommen. Die Gegenwart wiederum gab ihr mehr, als sie erhofft hatte - einen Posten in der Garde Rahals und...
Ihr Blick ging herum, streifte über den noch daliegenden, friedlich schlafenden Mann, dessen Blöße lediglich zum Teil durch die Decke verborgen wurde und unweigerlich huschte ein - für eh nicht anwesende Außenstehende seltenes - Lächeln über ihre Züge. Alatar musste es wahrlich gut mit ihr meinen, dass er sie zusammengeführt hatte.
Umso mehr wusste sie um die Verantwortung, die sie beide damit trugen. In der Öffentlichkeit konnten und durften sie sich niemals als das zeigen, was sie waren. Dazu war sie, im Gegensatz zu ihm, viel zu gering - ein Grund mehr, weiter voran zu streben. Auch wäre es unpassend, im Stil mancher Paare, welche man sie zuhauf in Bajard oder anderen Städten der Ketzer sah, herum zu flanieren und öffentlich Liebkosungen auszutauschen. Nein, der Dienst an dem Einen war das, was für sie beide an erster Stelle stand und der Grund, warum sie sich so früh aus dem Bett erhob und so leise, wie es ihr nur möglich war, ihre Uniform anlegte.
Zuletzt folgte noch das Barett, ein Griff zur Hellebarde, ehe sie sich unter dem leisen Scharren der metallenen Plattenteile hinabbeugte zu ihm und ihm einen Kuss auf das Haar hauchte. Regung kam in seinen Körper, doch ehe er erwachte, war sie schon die Stufen hinaufgestiegen, noch mit einem Lächeln auf den Zügen, dass jedoch mehr und mehr wich, als sie sich dem Tor des Anwesens näherte, kurz durchatmete und hinaustrat.
Draußen gewann ihre Miene deutlich an kühler Distanz und so nahm sie in den frühen Morgenstunden ihren Dienst auf; ging, begleitet von dem steten Tocken des stumpfen Endes der Hellebarde begleitet, durch die im morgendlichen Zwielicht dunkel daliegenden Gassen der Heiligen Stadt und tat ihre Pflicht.
Ihr Blick, den sie in den Spiegel warf, ging kritisch über die Uniform, die in diesen unsicheren Zeiten, wo seine Heiligkeit die Stadt verlassen hatte, entsprechend wehrhaft ausfallen musste. Kein Fehler, kein Fleck, kein Tadel - mehr und mehr hatte sie in den letzten Wochen begonnen, an sich zu arbeiten, um den Einen entsprechend zu ehren.
Daneben verblasste in ihrem Alltag das Gedächtnis an die Greifen. Sie waren für sie zwar weiterhin ein Teil ihres Lebens, doch mehr ihrer Vergangenheit. Ihre Zukunft war noch ungewiss und im Moment kein Teil ihrer Sorge; einzig galt ihr Augenmerk auf ihr eigenes Vorankommen. Die Gegenwart wiederum gab ihr mehr, als sie erhofft hatte - einen Posten in der Garde Rahals und...
Ihr Blick ging herum, streifte über den noch daliegenden, friedlich schlafenden Mann, dessen Blöße lediglich zum Teil durch die Decke verborgen wurde und unweigerlich huschte ein - für eh nicht anwesende Außenstehende seltenes - Lächeln über ihre Züge. Alatar musste es wahrlich gut mit ihr meinen, dass er sie zusammengeführt hatte.
Umso mehr wusste sie um die Verantwortung, die sie beide damit trugen. In der Öffentlichkeit konnten und durften sie sich niemals als das zeigen, was sie waren. Dazu war sie, im Gegensatz zu ihm, viel zu gering - ein Grund mehr, weiter voran zu streben. Auch wäre es unpassend, im Stil mancher Paare, welche man sie zuhauf in Bajard oder anderen Städten der Ketzer sah, herum zu flanieren und öffentlich Liebkosungen auszutauschen. Nein, der Dienst an dem Einen war das, was für sie beide an erster Stelle stand und der Grund, warum sie sich so früh aus dem Bett erhob und so leise, wie es ihr nur möglich war, ihre Uniform anlegte.
Zuletzt folgte noch das Barett, ein Griff zur Hellebarde, ehe sie sich unter dem leisen Scharren der metallenen Plattenteile hinabbeugte zu ihm und ihm einen Kuss auf das Haar hauchte. Regung kam in seinen Körper, doch ehe er erwachte, war sie schon die Stufen hinaufgestiegen, noch mit einem Lächeln auf den Zügen, dass jedoch mehr und mehr wich, als sie sich dem Tor des Anwesens näherte, kurz durchatmete und hinaustrat.
Draußen gewann ihre Miene deutlich an kühler Distanz und so nahm sie in den frühen Morgenstunden ihren Dienst auf; ging, begleitet von dem steten Tocken des stumpfen Endes der Hellebarde begleitet, durch die im morgendlichen Zwielicht dunkel daliegenden Gassen der Heiligen Stadt und tat ihre Pflicht.
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Mor Varnos
... Knappe....
Wie zerschlagen schlurfte Mor die Straße vom Rahaler Palast entlang in Richtung des Tores, was zum übrigen Teil der Heiligen Stadt führte. Sie nahm ihre Umwelt kaum noch wahr, stattdessen rasten ihre unsteten Gedanken nur so durch den Kopf, kreisten jedoch immer und immer wieder um einen bestimmten Punkt. Es kam ihr alles seltsam irreal vor und doch hatte es offenbar stattgefunden. Es war kein eigenartiger Traum. Es war auch kein Scherz und derjenige, der die finalen Worte, die wohl, so wie es nun aussah, ihr Schicksal besiegelt hatten, ausgesprochen hatte, war nicht unbedingt eine Person, von der man annahm, dass sie zu scherzen pflegte.
Erst als sie sich ihrem Zuhause näherte und gedämpftes, flackerndes Kerzenlicht im Erdgeschoss wahrnahm, fingen die Gedanken an, geordnete Bahnen zu nehmen. Er arbeitete noch, aber das war ihr auch recht so, denn so konnte sie noch einmal alles in Ruhe realisieren...
"Landsknecht."
Mor wandte sich rasch herum, lediglich in Gedanken ein 'Das heißt "Trabant"!' abspulend, doch kein entsprechendes Wort kam im Angesicht dieser Person, die vor ihr stand, über die Lippen - der schwarze Marschall des heiligen, alatarischen Reiches persönlich. Stattdessen neigte sie respektvoll ihr Haupt, grüßte ihn entsprechend, ehe er sie aufforderte, ihr zum Palast zu folgen. Unsicherheit überkam sie, doch folgte sie ihm, wie geheißen.
Was nur, so fragte sich Mor im Stillen, mochte der Grund dafür sein, dass er, ohne Frage eine der Höchsten im Reich, sie zum Palast zitierte? Hatte sie einen solch' schwerwiegenden Fehler begangen? Hatte es mit dem Prozess der Greifen zu tun? Hatte sie dabei etwas gezeigt, was sie eigentlich tief in ihrem Inneren verbergen wollte?
Doch kein Wort kam ihr über die Lippen. Sie würde es eh noch früh genug erfahren und so blieb ihr nur das mulmige Gefühl, während sie im gebührenden Abstand dem Ahad folgte.
Dunkel, kalt, auf eigene Art und Weise erhaben lag der Palast still da, lediglich zwei Wachen an den Toren, die beim Erscheinen des Erhabenen sogleich die Tore öffneten, tief das Haupt dazu neigend. Ab und an heftete sich Mors unsicherer Blick auf den Rücken des Marschalls, während er weiter durch die Gänge des Palastes schritt, nur wenig Aufmerksamkeit schenkte sie den Portraits, Wandteppichen und gemalten Schlachtenszenen an den Wänden. Zuletzt betraten sie einen vornehmlich in dunklen Farben gehaltenen Raum, der zweckmässig und angemessen mit einer langen, dunkel Steintafel ausgestattet und umgeben von entsprechenden Stühlen war. Von einem dieser Stühle erhob sich auch gleich beim Eintreten des Ahads eine Frau, die diesem ihr Haupt zuneigte.
Er wies die Frau, die er als 'Knappe' ansprach, an, sich wieder zu setzen, Mor dagegen, dass sie an der Tür stehen bleiben sollte. Für einen kurzen Moment hätte sich Mor noch fahrig durchs Haar mit einer Hand gestrichen, ein Tick, den sie in Momenten der Unsicherheit zu leicht mal zeigte, doch unterliess sie es noch gerade so - diese Situation behagte ihr nicht sonderlich.
Umsehen sollte sie sich, ehe er Mor anwies zu sagen, warum sie wohl hier sein könnte. Ihre Unsicherheit konnte sie, trotz der wie immer kerzengeraden, nahezu steifen Haltung nicht verbergen, so sehr sie sich auch um Kontrolle mühte.
"... was auch immer es war, ich nehme die Strafe an." Unweigerlich senkte sie ihr Haupt zu den letzten Worten. Wie könnte sie auch anders, als dem Folge zu leisten, was der Marschall verlangen würde? Und was könnte es auch anderes sein, wofür man sie herzitiert hatte. Andererseits wunderte sie sich schon im Stillen, denn normalerweise wäre eine entsprechende Strafe wohl eher über den Hauptmann oder seinem Adjutanten gegangen und nicht, indem sich der Marschall herablassen und sich persönlich mit ihr befassen würde.
Er bohrte weiter, gab ihr die Gewissheit - und das überraschte sie nun wahrlich - dass sie keine Strafe empfangen würde. Ihr Blick schweifte zwar weiter durch den Raum, der, so wie er auf sie wirkte mit dem auf dem Tisch liegenden, schwarzen Schwert, den Schilden an der Wand, wohl der Ritterschaft des Herrn diente, doch kam sie zu keinem Ergebnis. Währenddessen betrat eine weitere Frau, die ihr mittlerweile ebenso als Ahad bekannt war, den Raum, der gegenüber Mor erneut das Haupt neigte.
"Wir haben euch beoachtet."
Für einen kurzen Moment hallte in ihr die Stimme der ihr noch unbekannten Lethra im Tempel nach - 'Er beobachtet euch mit Interesse.' Wen hatte sie nun wirklich gemeint? Mor hatte gedacht, sie wüsste dank Clericus Anastra die Antwort, der ihr gesagt hatte, dass der Herr einen jeden Gläubigen beobachten würde. Doch hielt sie sich nie für interessant genug, um die Aufmerksamkeit eines Ahads auf sich zu lenken, insbesondere in dieser kriegerischen Zeit.
Doch seine Worte rissen sie allzu schnell zurück, bohrten weiter, versuchten sie voranzutreiben zu dem Punkt, wo er sie wohl haben wollte und als ihr Blick auf die Knappin fiel, wagte sie sich so vorsichtig voran, als würde sie dünnes, brüchiges Eis betreten.
"Ich.. kann es nur vermuten.. würde es aber nie wagen. Vielleicht als... Knappe?"
Es war Mor selber, die das Wort 'Knappe' in den Mund nahm, so zögerlich, als stünde es vollkommen außerhalb des Möglichen. Gewiss, sie strebte voran, sie wollte 'mehr' werden, doch die meiste Zeit hatte sie diesbezüglich ihren Blick allein auf die Garde gerichtet, war sie doch in ihren Augen viel zu gering, um sich an so einen großen Schritt zu wagen. Auch das Gebot, sich vor Hochmut zu hüten hatte sie davor bewahrt, so einen Schritt in naher Zukunft ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
"Das nächste Mal brecht die Hindernisse in eurem Geist schneller."
Mor blinzelte. Das musste definitiv ein Traum sein, schoss es durch ihren Geist. Ein Scherz gewiss nicht, aber ein Traum, anders wäre so etwas nicht möglich.
Eigenartigerweise war es gerade diese Überlegung, die ihr ein klein wenig der alten Ruhe zurückgab. Sie straffte ihre Haltung, die damit wieder etwas altbekannt-militärisches wiedergewann und antwortete sogleich entsprechend, als hätte sie damit einen Befehl statt einen Rat erhalten.
Der schwarze Marschall indes richtete sein Wort wieder an die Knappin, auf dass Mor nun erfahren sollte, was von einem Knappen erwartet wurde und was auf diesen am Ende seiner Ausbildung warten würde. Ein Streiter des Herrn würde man werden, Versagen wird nicht geduldet und mit dem Tode bestraft - Mor lauschte nur, im Stillen es kurzzeitig sogar bedauernd, dass es nur ein Traum war...
Ob sie bereit ist, fragte der Ahad sogleich wieder unumwunden mit der ihm typisch strikten und strengen Art. Noch immer hatte etwas Zögerliches Mor ergriffen, als sie antwortete und ihr "Ich wäre bereit" ihm offenkundig nicht gefiel. Eine klare Antwort verlangte er und dann, ehe sie entsprechend antwortete, prüfte sie etwas - sie presste für einen kurzen Moment ihre Fingernägel fest in ihre Handfläche und, anders als erwartet, spürte sie sie deutlich genug. Es war kein Traum...
Mit dieser Erkenntnis fing sie nun auch endlich an, diese Situation wirklich zu erfassen. Tief atmete sie durch, ehe sie antwortete: "Ja, ich bin bereit."
Was folgte waren Fragen, bei denen sie manches Mal das Gefühl hatte, ihre Knie würden allmählich weich werden - Fragen darüber, was sie glaubte, was dazugehören würde, um den Posten eines Ritters zu bestreiten; zum Glauben, der bis aufs Penibelste geprüft wurde und bei dem sie an die Zeit in der Bibliothek ihres einstigen Mentors in Dracis zurückdenken musste, als seine Bücher zum vergangenen Wirken Alatars las; über Entscheidungen, die sie vielleicht einmal zu fällen hätte und noch manches mehr, was sie mehr forderte als bisherige Glaubensprüfungen oder -gespräche. Gnadenlos hielt der Erhabene sie im Blick, jedes Wort von ihr unbarmherzig abwägend und ihr damit auch wohl einen Einblick auf das gewährend, was sie in Zukunft erwarten würde.
Dann jedoch kamen die erlösenden Worte über die von seinem nachtschwarzen Helm verdeckten Lippen - "Wir sind zufrieden."
Deutlich war erkennbar, wie diese Worte auf sie wirkten und sogleich neigte sie wieder ihr Haupt demütig zur Tafel und die unwahrscheinlichen Worte dröhnten durch den Helm des Ahads an ihr Ohr: "Wir erheben euch zu einem Knappen der Ritter Alatars."
Der Rest, dass sie freien Zugang zum Palast bekäme - alleine das schon ein Privileg, was sie sich noch vor einigen Stunden kaum ausgemalt hätte - nahm sie nur im Hintergrund noch wahr.
... Knappe...
Mor wurde entlassen und während sie ihren Weg hinaus aus dem dunklen Palast der Oberstadt nahm, hallte immer nur ein Wort durch ihren Kopf, umgeben von so vielen, chaotischen Gedanken.
Leise schlich sie ins Haus hinein, bemüht keine störenden Geräusche zu verursachen und zugegeben wollte sie einen Moment noch alleine verbringen. So nahm sie den Weg hinauf ins Obergeschoss und dort auf den Balkon, wo sie sich niederließ, als hätte auf ihren Schultern ein unfassbares Gewicht gelastet. Den Kopf an die Wand lehnend, starrte sie in Richtung des Himmels hinauf, an dem einige Sterne sichtbar prangten, während der Mond sich hinter dunklen Wolken versteckte.
Sollte sie sich freuen? Es war eine Ehre, kein Zweifel, denn in welchem Reich würdigte man Fleiß und Durchhaltevermögen, außer in Rahal? Wo sonst konnte aus einem einstigen Nichts ein RItter werden?
Und doch brachte dieser Schritt nun auch Verpflichtungen und Konsequenzen mit sich. Versagen bedeutete einen schmachvollen Tod - eine Konsequenz, die Mor erstaunlich leicht hinzunehmen begann.
Wie zerschlagen schlurfte Mor die Straße vom Rahaler Palast entlang in Richtung des Tores, was zum übrigen Teil der Heiligen Stadt führte. Sie nahm ihre Umwelt kaum noch wahr, stattdessen rasten ihre unsteten Gedanken nur so durch den Kopf, kreisten jedoch immer und immer wieder um einen bestimmten Punkt. Es kam ihr alles seltsam irreal vor und doch hatte es offenbar stattgefunden. Es war kein eigenartiger Traum. Es war auch kein Scherz und derjenige, der die finalen Worte, die wohl, so wie es nun aussah, ihr Schicksal besiegelt hatten, ausgesprochen hatte, war nicht unbedingt eine Person, von der man annahm, dass sie zu scherzen pflegte.
Erst als sie sich ihrem Zuhause näherte und gedämpftes, flackerndes Kerzenlicht im Erdgeschoss wahrnahm, fingen die Gedanken an, geordnete Bahnen zu nehmen. Er arbeitete noch, aber das war ihr auch recht so, denn so konnte sie noch einmal alles in Ruhe realisieren...
"Landsknecht."
Mor wandte sich rasch herum, lediglich in Gedanken ein 'Das heißt "Trabant"!' abspulend, doch kein entsprechendes Wort kam im Angesicht dieser Person, die vor ihr stand, über die Lippen - der schwarze Marschall des heiligen, alatarischen Reiches persönlich. Stattdessen neigte sie respektvoll ihr Haupt, grüßte ihn entsprechend, ehe er sie aufforderte, ihr zum Palast zu folgen. Unsicherheit überkam sie, doch folgte sie ihm, wie geheißen.
Was nur, so fragte sich Mor im Stillen, mochte der Grund dafür sein, dass er, ohne Frage eine der Höchsten im Reich, sie zum Palast zitierte? Hatte sie einen solch' schwerwiegenden Fehler begangen? Hatte es mit dem Prozess der Greifen zu tun? Hatte sie dabei etwas gezeigt, was sie eigentlich tief in ihrem Inneren verbergen wollte?
Doch kein Wort kam ihr über die Lippen. Sie würde es eh noch früh genug erfahren und so blieb ihr nur das mulmige Gefühl, während sie im gebührenden Abstand dem Ahad folgte.
Dunkel, kalt, auf eigene Art und Weise erhaben lag der Palast still da, lediglich zwei Wachen an den Toren, die beim Erscheinen des Erhabenen sogleich die Tore öffneten, tief das Haupt dazu neigend. Ab und an heftete sich Mors unsicherer Blick auf den Rücken des Marschalls, während er weiter durch die Gänge des Palastes schritt, nur wenig Aufmerksamkeit schenkte sie den Portraits, Wandteppichen und gemalten Schlachtenszenen an den Wänden. Zuletzt betraten sie einen vornehmlich in dunklen Farben gehaltenen Raum, der zweckmässig und angemessen mit einer langen, dunkel Steintafel ausgestattet und umgeben von entsprechenden Stühlen war. Von einem dieser Stühle erhob sich auch gleich beim Eintreten des Ahads eine Frau, die diesem ihr Haupt zuneigte.
Er wies die Frau, die er als 'Knappe' ansprach, an, sich wieder zu setzen, Mor dagegen, dass sie an der Tür stehen bleiben sollte. Für einen kurzen Moment hätte sich Mor noch fahrig durchs Haar mit einer Hand gestrichen, ein Tick, den sie in Momenten der Unsicherheit zu leicht mal zeigte, doch unterliess sie es noch gerade so - diese Situation behagte ihr nicht sonderlich.
Umsehen sollte sie sich, ehe er Mor anwies zu sagen, warum sie wohl hier sein könnte. Ihre Unsicherheit konnte sie, trotz der wie immer kerzengeraden, nahezu steifen Haltung nicht verbergen, so sehr sie sich auch um Kontrolle mühte.
"... was auch immer es war, ich nehme die Strafe an." Unweigerlich senkte sie ihr Haupt zu den letzten Worten. Wie könnte sie auch anders, als dem Folge zu leisten, was der Marschall verlangen würde? Und was könnte es auch anderes sein, wofür man sie herzitiert hatte. Andererseits wunderte sie sich schon im Stillen, denn normalerweise wäre eine entsprechende Strafe wohl eher über den Hauptmann oder seinem Adjutanten gegangen und nicht, indem sich der Marschall herablassen und sich persönlich mit ihr befassen würde.
Er bohrte weiter, gab ihr die Gewissheit - und das überraschte sie nun wahrlich - dass sie keine Strafe empfangen würde. Ihr Blick schweifte zwar weiter durch den Raum, der, so wie er auf sie wirkte mit dem auf dem Tisch liegenden, schwarzen Schwert, den Schilden an der Wand, wohl der Ritterschaft des Herrn diente, doch kam sie zu keinem Ergebnis. Währenddessen betrat eine weitere Frau, die ihr mittlerweile ebenso als Ahad bekannt war, den Raum, der gegenüber Mor erneut das Haupt neigte.
"Wir haben euch beoachtet."
Für einen kurzen Moment hallte in ihr die Stimme der ihr noch unbekannten Lethra im Tempel nach - 'Er beobachtet euch mit Interesse.' Wen hatte sie nun wirklich gemeint? Mor hatte gedacht, sie wüsste dank Clericus Anastra die Antwort, der ihr gesagt hatte, dass der Herr einen jeden Gläubigen beobachten würde. Doch hielt sie sich nie für interessant genug, um die Aufmerksamkeit eines Ahads auf sich zu lenken, insbesondere in dieser kriegerischen Zeit.
Doch seine Worte rissen sie allzu schnell zurück, bohrten weiter, versuchten sie voranzutreiben zu dem Punkt, wo er sie wohl haben wollte und als ihr Blick auf die Knappin fiel, wagte sie sich so vorsichtig voran, als würde sie dünnes, brüchiges Eis betreten.
"Ich.. kann es nur vermuten.. würde es aber nie wagen. Vielleicht als... Knappe?"
Es war Mor selber, die das Wort 'Knappe' in den Mund nahm, so zögerlich, als stünde es vollkommen außerhalb des Möglichen. Gewiss, sie strebte voran, sie wollte 'mehr' werden, doch die meiste Zeit hatte sie diesbezüglich ihren Blick allein auf die Garde gerichtet, war sie doch in ihren Augen viel zu gering, um sich an so einen großen Schritt zu wagen. Auch das Gebot, sich vor Hochmut zu hüten hatte sie davor bewahrt, so einen Schritt in naher Zukunft ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
"Das nächste Mal brecht die Hindernisse in eurem Geist schneller."
Mor blinzelte. Das musste definitiv ein Traum sein, schoss es durch ihren Geist. Ein Scherz gewiss nicht, aber ein Traum, anders wäre so etwas nicht möglich.
Eigenartigerweise war es gerade diese Überlegung, die ihr ein klein wenig der alten Ruhe zurückgab. Sie straffte ihre Haltung, die damit wieder etwas altbekannt-militärisches wiedergewann und antwortete sogleich entsprechend, als hätte sie damit einen Befehl statt einen Rat erhalten.
Der schwarze Marschall indes richtete sein Wort wieder an die Knappin, auf dass Mor nun erfahren sollte, was von einem Knappen erwartet wurde und was auf diesen am Ende seiner Ausbildung warten würde. Ein Streiter des Herrn würde man werden, Versagen wird nicht geduldet und mit dem Tode bestraft - Mor lauschte nur, im Stillen es kurzzeitig sogar bedauernd, dass es nur ein Traum war...
Ob sie bereit ist, fragte der Ahad sogleich wieder unumwunden mit der ihm typisch strikten und strengen Art. Noch immer hatte etwas Zögerliches Mor ergriffen, als sie antwortete und ihr "Ich wäre bereit" ihm offenkundig nicht gefiel. Eine klare Antwort verlangte er und dann, ehe sie entsprechend antwortete, prüfte sie etwas - sie presste für einen kurzen Moment ihre Fingernägel fest in ihre Handfläche und, anders als erwartet, spürte sie sie deutlich genug. Es war kein Traum...
Mit dieser Erkenntnis fing sie nun auch endlich an, diese Situation wirklich zu erfassen. Tief atmete sie durch, ehe sie antwortete: "Ja, ich bin bereit."
Was folgte waren Fragen, bei denen sie manches Mal das Gefühl hatte, ihre Knie würden allmählich weich werden - Fragen darüber, was sie glaubte, was dazugehören würde, um den Posten eines Ritters zu bestreiten; zum Glauben, der bis aufs Penibelste geprüft wurde und bei dem sie an die Zeit in der Bibliothek ihres einstigen Mentors in Dracis zurückdenken musste, als seine Bücher zum vergangenen Wirken Alatars las; über Entscheidungen, die sie vielleicht einmal zu fällen hätte und noch manches mehr, was sie mehr forderte als bisherige Glaubensprüfungen oder -gespräche. Gnadenlos hielt der Erhabene sie im Blick, jedes Wort von ihr unbarmherzig abwägend und ihr damit auch wohl einen Einblick auf das gewährend, was sie in Zukunft erwarten würde.
Dann jedoch kamen die erlösenden Worte über die von seinem nachtschwarzen Helm verdeckten Lippen - "Wir sind zufrieden."
Deutlich war erkennbar, wie diese Worte auf sie wirkten und sogleich neigte sie wieder ihr Haupt demütig zur Tafel und die unwahrscheinlichen Worte dröhnten durch den Helm des Ahads an ihr Ohr: "Wir erheben euch zu einem Knappen der Ritter Alatars."
Der Rest, dass sie freien Zugang zum Palast bekäme - alleine das schon ein Privileg, was sie sich noch vor einigen Stunden kaum ausgemalt hätte - nahm sie nur im Hintergrund noch wahr.
... Knappe...
Mor wurde entlassen und während sie ihren Weg hinaus aus dem dunklen Palast der Oberstadt nahm, hallte immer nur ein Wort durch ihren Kopf, umgeben von so vielen, chaotischen Gedanken.
Leise schlich sie ins Haus hinein, bemüht keine störenden Geräusche zu verursachen und zugegeben wollte sie einen Moment noch alleine verbringen. So nahm sie den Weg hinauf ins Obergeschoss und dort auf den Balkon, wo sie sich niederließ, als hätte auf ihren Schultern ein unfassbares Gewicht gelastet. Den Kopf an die Wand lehnend, starrte sie in Richtung des Himmels hinauf, an dem einige Sterne sichtbar prangten, während der Mond sich hinter dunklen Wolken versteckte.
Sollte sie sich freuen? Es war eine Ehre, kein Zweifel, denn in welchem Reich würdigte man Fleiß und Durchhaltevermögen, außer in Rahal? Wo sonst konnte aus einem einstigen Nichts ein RItter werden?
Und doch brachte dieser Schritt nun auch Verpflichtungen und Konsequenzen mit sich. Versagen bedeutete einen schmachvollen Tod - eine Konsequenz, die Mor erstaunlich leicht hinzunehmen begann.
Zuletzt geändert von Mor Varnos am Mittwoch 11. März 2009, 18:55, insgesamt 2-mal geändert.
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Mor Varnos
Ein zarter, orange-rosaner Ton mit einem Hauch von Gold und damit, ungewöhnlich vielleicht für manchen an diesem Ort, vom beginnenden Licht des Tages kündend, kroch über die schroffen Berge, welche Rahal umgeben, erreichte die wie finstere Klauen zum morgendlichen Himmel gereckten Türme des Rahaler Palastes, ehe sich dieser Schimmer auch auf die Dächer und die Fassaden der Häuser der säuberlich und ruhig daliegenden Oberstadt legte. Nunmehr glich das Licht mehr einem warmen Goldton, als es in die Bibliothek des Anwesens van Lilienhayn schien. Ein wenig Staub tanzte in dem Lichtstrahl, der jedoch abrupt am Körper einer Frau gestoppt wurde, die sich anschickte, eilig anzukleiden.
Müde war Mor durchaus, doch länger im Bett bleiben konnte und durfte sie nicht und was sollte sie da auch? Bestenfalls Gedanken nachhängen oder in einem der Bücher, von denen sie nun jede Nacht umgeben war, lesen. Doch der Morgen gehörte stets den Übungen gemeinsam mit der Ritterin van Lilienhayn, die sich ihrer angenommen hatte. Körperliche Ertüchtigung, noch vor dem Frühstück, vor allem bestehend aus Schwertübungen, ehe beide in der Kapelle der Oberstadt einkehren und dort zum Herrn beten würden. Dann erst konnte der Hunger bei einem eher schlichten Frühstück gestillt werden.
Für Mor war das nun Alltag geworden, ebenso wie die eher einsamen Nächten. Doch es lenkte ihre Gedanken auf das, was an Herausforderungen vor ihr lagen und davon gab es nicht gerade wenige.
Die kürzliche Prüfung der Ritterin, aber auch die Worte des Tetrarchen hatten sie verwirrter denn je hinterlassen. Manches Mal hatte sie das Gefühl, dass ihr Weg noch sehr weit sein würde, ehe zumindest die Tugenden der Ritterschaft des All-Einen ihr in Fleisch und Blut übergegangen sein werden. Diese galt es zudem im Einklang zu bringen - Treue zu den Höheren war wichtig, doch was wäre, wenn die Höheren etwas taten, was mit einem anderen Lehrsatz scheinbar nicht konform ging? Durfte man dann versuchen, sie unter Druck zu setzen?
Sie war sich selber nicht sicher gewesen, als sie das getan hatte und zugleich hatte sich in ihr ein unangenehmes Gefühl breit gemacht, was sie selber für einen Moment zurückschrecken ließ.
Nachdem all ihre Aufgaben erledigt waren, lenkte Mor ihre Schritte durch die Stadt zum Tempelkomplex. Kalt hatte er ihr damals erschienen, als sie das erste Mal durch diesen gewandelt war, noch zu der Zeit, als sie ein Greif gewesen war. Nun verstand sie es besser - zweckmässig traf es eher und diese Zweckmäßigkeit lenkte auch nicht von dem eigentlichen Inhalt des Glaubens ab.
Die mattgrünen, dunklen Augen richteten ihren Blick auf die Stelen, welche den Platz nahe den kahlen Felsen, welche hier und da noch einige verkohlte Spuren von den Unterredungen des Wyrms her trugen, umgaben. Eine schon fast fassbar wirkende Ruhe umgab diesen Ort. Frieden war es jedoch weniger, der sich in dieser Ruhe gemischt hatte.
Sie nahm Platz auf eine der einzelnen Bänke, die einzig wohl dazu gedacht waren, um die Gedanken des Gläubigen auf seinen Sinn zu lenken und weniger, um belanglosen Plaudereien zu fröhnen. Mor schloß ihre Augen, lehnte sich zurück an den kalten Stein, ließ zurück die Anstrengungen des Morgens, die weit entfernten Geräusche der Stadt und gab sich dem Ort und seiner eigenen, dunklen Kraft hin, im Geiste beständig jene Worte rezitierend, welche eingemeißelt waren in Stein rings um sie herum.
Einer Meditation gleich glaubte sie nach einer Weile zu fühlen, wie ihr Geist sich von den Limitierungen ihres Körpers löste und aufging in das, was hier nun fühlbar war.
...
Ein bedrohlicher Hauch von Hass.
Der Wille nach Vernichtung.
Und doch auch die Kontrolle darüber.
Lauernd auf die Gelegenheit warten.
Kein sinnloses Verschleudern von Kräften, Ressourcen und Material, gleich ob lebend oder nicht.
Und dann, wenn die Zeit reif ist, gezielt zuschlagen!
...
Wie lange sie dort so gesessen hatte, konnte Mor, als sie ihre Augen blinzelnd wieder aufschlug, nicht ermessen. Sie hatte nicht auf den Stand der Sonne geachtet und so gesehen war es ihr im Moment eh egal. Diese Zeit war notwendig gewesen, alleine, um sich zu sammeln, einen Punkt in sich zu finden und an diesem festzuhalten. Ein Punkt, der ihr Kraft gab und sie weiter vorantrieb, auf dass sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren würde.
Müde war Mor durchaus, doch länger im Bett bleiben konnte und durfte sie nicht und was sollte sie da auch? Bestenfalls Gedanken nachhängen oder in einem der Bücher, von denen sie nun jede Nacht umgeben war, lesen. Doch der Morgen gehörte stets den Übungen gemeinsam mit der Ritterin van Lilienhayn, die sich ihrer angenommen hatte. Körperliche Ertüchtigung, noch vor dem Frühstück, vor allem bestehend aus Schwertübungen, ehe beide in der Kapelle der Oberstadt einkehren und dort zum Herrn beten würden. Dann erst konnte der Hunger bei einem eher schlichten Frühstück gestillt werden.
Für Mor war das nun Alltag geworden, ebenso wie die eher einsamen Nächten. Doch es lenkte ihre Gedanken auf das, was an Herausforderungen vor ihr lagen und davon gab es nicht gerade wenige.
Die kürzliche Prüfung der Ritterin, aber auch die Worte des Tetrarchen hatten sie verwirrter denn je hinterlassen. Manches Mal hatte sie das Gefühl, dass ihr Weg noch sehr weit sein würde, ehe zumindest die Tugenden der Ritterschaft des All-Einen ihr in Fleisch und Blut übergegangen sein werden. Diese galt es zudem im Einklang zu bringen - Treue zu den Höheren war wichtig, doch was wäre, wenn die Höheren etwas taten, was mit einem anderen Lehrsatz scheinbar nicht konform ging? Durfte man dann versuchen, sie unter Druck zu setzen?
Sie war sich selber nicht sicher gewesen, als sie das getan hatte und zugleich hatte sich in ihr ein unangenehmes Gefühl breit gemacht, was sie selber für einen Moment zurückschrecken ließ.
Nachdem all ihre Aufgaben erledigt waren, lenkte Mor ihre Schritte durch die Stadt zum Tempelkomplex. Kalt hatte er ihr damals erschienen, als sie das erste Mal durch diesen gewandelt war, noch zu der Zeit, als sie ein Greif gewesen war. Nun verstand sie es besser - zweckmässig traf es eher und diese Zweckmäßigkeit lenkte auch nicht von dem eigentlichen Inhalt des Glaubens ab.
Die mattgrünen, dunklen Augen richteten ihren Blick auf die Stelen, welche den Platz nahe den kahlen Felsen, welche hier und da noch einige verkohlte Spuren von den Unterredungen des Wyrms her trugen, umgaben. Eine schon fast fassbar wirkende Ruhe umgab diesen Ort. Frieden war es jedoch weniger, der sich in dieser Ruhe gemischt hatte.
Sie nahm Platz auf eine der einzelnen Bänke, die einzig wohl dazu gedacht waren, um die Gedanken des Gläubigen auf seinen Sinn zu lenken und weniger, um belanglosen Plaudereien zu fröhnen. Mor schloß ihre Augen, lehnte sich zurück an den kalten Stein, ließ zurück die Anstrengungen des Morgens, die weit entfernten Geräusche der Stadt und gab sich dem Ort und seiner eigenen, dunklen Kraft hin, im Geiste beständig jene Worte rezitierend, welche eingemeißelt waren in Stein rings um sie herum.
Einer Meditation gleich glaubte sie nach einer Weile zu fühlen, wie ihr Geist sich von den Limitierungen ihres Körpers löste und aufging in das, was hier nun fühlbar war.
...
Ein bedrohlicher Hauch von Hass.
Der Wille nach Vernichtung.
Und doch auch die Kontrolle darüber.
Lauernd auf die Gelegenheit warten.
Kein sinnloses Verschleudern von Kräften, Ressourcen und Material, gleich ob lebend oder nicht.
Und dann, wenn die Zeit reif ist, gezielt zuschlagen!
...
Wie lange sie dort so gesessen hatte, konnte Mor, als sie ihre Augen blinzelnd wieder aufschlug, nicht ermessen. Sie hatte nicht auf den Stand der Sonne geachtet und so gesehen war es ihr im Moment eh egal. Diese Zeit war notwendig gewesen, alleine, um sich zu sammeln, einen Punkt in sich zu finden und an diesem festzuhalten. Ein Punkt, der ihr Kraft gab und sie weiter vorantrieb, auf dass sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren würde.